Kritik: „Chilling Visions: 5 Senses of Fear“ (2013)

chilling visions
 
 
 

CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR

Story

 
 
 
Eine gar makabre und äußerst kurzweilige Geschichtensammlung über die menschlichen Sinne …
 
 
 


 
 
 

5 SENSES OF FEAR – Kritik

 
 
 
Die beliebte GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie dürfte vermutlich noch jedem halbwegs bewanderten Horrorfan ein Begriff sein. Die feierte Dank Bezahlsender HBO (Home Box Office) in Amiland zwischen 1989 und 1996 ordentliche Erfolge und kam – immens geschnitten – auch nach Deutschland. Die, an die gleichnamige Comicreihe aus den 1950ern angelehnte TV-Serie machte sich durch die makaberen Schlussgags in Fankreisen einen Namen und wurde nach der siebten Staffel eingestellt. Seither haben so einige Sender versucht, die Kurzgeschichten-Gruselrezeptur in ähnlicher Weise fortzusetzen, wobei zu den wohl bekanntesten Ergebnissen der letzten Jahre die MASTERS OF HORROR und FEAR ITSELF-Episoden gehören. Der amerikanische Sender CHILLER schafft nun Abhilfe, wenn auch leider vorerst nur in Spielfilmlänge und bringt mit CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR eine ziemlich gemeine Anthologie (leider ohne den Cryptkeeper) mit fünf Episoden in die heimischen Wohnzimmer, die in Deutschland als 5 SENSES OF FEAR vermarktet wird. Hier wird das Konzept der perfiden Schlussgags der TALES FROM THE CRYPT-Reihe erneut aufgegriffen und zum Höhepunkt jedes Segments stilisiert. Überhaupt muss man an dieser Stelle einmal sagen, dass die hauseigenen Schauerwerke der CHILLER FILMS Macher von mal zu mal besser werden. Nach eher mittelmäßigen Streifen wie DEAD SOULS (2012) oder BENEATH (2013) hat man noch einmal kräftig an der Qualitätsschraube gedreht, so dass kaum noch offensichtlich ist, dass es sich bei CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR eigentlich um einen fürs TV produzierten Horrorfilm handelt. Die Entscheidung, einen Anthologiestreifen zu drehen, dürfte am überraschenden Erfolg der V/H/S-Reihe liegen, die zusammen mit dem nicht minder beliebten The ABCS OF DEATH im Jahr 2012/2013 ausreichend Lob ernten konnte. Und in der Tat, CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR steht den genannten Horrorsammlungen in nichts nach, wobei auch die Kurzfilmchen in diesem Schocker allesamt unter einem Thema laufen und von unterschiedlichen, im Genre teils bekannten Regisseuren geschrieben und gedreht wurden. Wie der Titel schon sagt, geht es in der neusten CHILLER FILMS-Produktion um die menschlichen Sinne. Die machen den Protagonisten der Episoden das Leben zur Hölle und sind Ausgangspunkt für ein wahrlich schmerzhaftes Treiben, was vor allem das Interesse der Liebhaber des groben Schlachthandwerks wecken dürfte. Den Anfang macht die Episode:
 
SMELL, die von Regisseur NICK EVERHART (Produzent und Regisseur diverser ASYLUM-Schundwerke, u.a. DAS OMEN DES BÖSEN) inszeniert wurde. Darin geht es um Seth Kyle (COREY SCOTT RUTLEDGE), der eines Tages von einem schrägen Mary Poppins-Verschnitt ein mysteriöses Parfüm geschenkt bekommt, das Erfolg auf ganzer Linie verspricht, wenn man es aufträgt. Für Pechvogel Seth entpuppt sich das Duftwasser als Geschenk Gottes. Beruflich geht es bergauf und auch bei den Frauen ist er gefragter denn je. Leider hat das Wundermittel auch schmerzhafte Nebenwirkungen.
 
Im Segment SEE, das von MIKO HUGHES auf Film gebannt wurde, dreht sich alles um einen etwas schrulligen Augenarzt (TED YUDAIN). Der schaut nicht nur GEOFFREY BAYLDONNUR aus ASYLUM-IRRGARTEN DES SCHRECKENS (1972) unverkennbar ähnlich, sondern verhält sich auch ähnlich verhaltensauffällig. Er beherrscht eine Methode, mit der er die Augenflüssigkeit seiner Patienten konservieren kann und träufelt sich hin und wieder selbige in das eigene Sehorgan, um die gespeicherten Erinnerungen seiner Patienten erleben zu können. Für den Mediziner eine gute Möglichkeit, sich vom privaten Wohlergehen seiner Patienten zu überzeugen. Als eine seiner Lieblings-Patientinnen Opfer häuslicher Gewalt wird, ist es für den Doktor eine Herzensangelegenheit, der Leidtragenden zu helfen – mit fatalen Folgen. Regisseur MIKE HUGHES gibt zwar mit dieser Geschichte sein Regiedebüt, ist im Filmbusiness aber kein Unbekannter. Bisher hat er sich als Schauspieler, unter anderen in THE MERCURY PUZZLE (1998) und SPAWN (1997) einen Namen gemacht. Zudem hat sich HUGHES auch schon in der CHILLER FILMS-Hausproduktion REMAINS OF THE WALKING DEAD (2011) als Horrordarsteller erproben können und trat dort den Kampf gegen Horden von Zombies an.
 
Die Episode TOUCH erzählt das Schicksal eines blinden Jungen, der nach einem Autounfall im Wald dringend Hilfe für die verletzten Eltern sucht. Er stößt auf eine geheimnisvolle Holzhütte im Dickicht, in der ein kaltblütiger Psychopath haust. Der hat nicht nur panische Angst vor menschlichen Berührungen, sondern scheint auch nicht auf die List seines jungen, sehbehinderten Widersachers vorbereitet zu sein. Auf Zelluloid gebannt hat diesen schlichten aber durchaus makabren Horrorspaß EMILY HAGINS. Bereits 2006 hat die Regisseurin im Horrorbereich erste Erfahrungen sammeln können. Mit dem Low-Budget-Film PATHOGEN (2006) gab sie mit gerade einmal 13 (!) Jahren nicht nur ihren Regieeinstand, sondern bewies auch, dass sie eine unbändige Leidenschaft fürs phantastische Genre hegt. Drei Jahre später sorgte sie mit der Mystery THE RETELLING für Nachschub. Die Veröffentlichungen ihres bisherigen Schaffens in Deutschland lassen immer noch auf sich warten.
 
Weiter geht’s mit TASTE, in dem ein Hacker (DOUG ROLAND) zum Vorstellungsgespräch in ein ominöses Unternehmen geladen wird. Der soll ein mysteriöses Musikstück besorgen, schlägt aber das Angebot aus. Für Chefin Lacey (SYMBA SMITHS) Grund genug, ihre SAW-esken Fallen zu aktivieren. Wer es blutig mag, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Nicht nur, dass diese Geschichte alle anderen Episoden miteinander verbindet und so CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR ein Sinn verleiht; Regisseur ERIC ENGLAND scheint ein regelrechter Verehrer des lukrativen SAW-Franchises zu sein, hat er doch mit der Kopf-Bärenfalle gleich eines der beliebtesten Folterutensilien der SAW-Reihe am Start. ENGLAND hat auch schon einigen Horrormist verbrochen. So dürfe der Slasher-Fanfraktion sein kläglicher MADISON COUNTY (2011) in Erinnerung geblieben sein, dem demnächst wahrhaftig ein weiterer Teil folgen wird.
 
Den Abschluss macht die Found-Footage-Episode LISTEN. Die geht einem mit den gängigen Wackelcam-Klischees (das Bild ruckelt nahezu unerträglich) zwar ganz schön auf den Zünder, hat aber Gott sei Dank eine gute Geschichte zu bieten. Im Mittelpunkt stehen einige Dokumentarfilmer, die ein unheimliches Musikstück zusammenschneiden sollen. Sie durchforsten diverse VHS-Bänder mit Fragmenten des Klavierstücks und fügen sie zu einem Komplettwerk zusammen. Ganz so ungefährlich scheint die Arbeit nicht zu sein, bringt doch das akustische Meisterwerk jeden den Tod, der es bis zu Ende hört. THE RING lässt grüßen – nach dieser Devise schließen ANDY MITON und JESSE HOLLAND die durchweg gelungene Anthologie ab, wobei man sagen muss, dass sich das Duo mit dem Erstwerk YELLOWBRICKROAD ja schon einmal akustisch und filmisch etwas in die Nesseln gesetzt hat. Der ultra-miserable Mysterythriller war einer der Rohrkrepierer des Filmjahrs 2010, so dass es erstaunt, dass die beiden mit ihrem Beitrag in CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR doch noch beweisen konnten, dass sie gute Gruselfilme machen können.
 
Letztendlich steht CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR den großen Kurzgeschichtensammlungen der letzten Zeit in nichts nach. Das Ding ist extravagant, erfrischend und effekttechnisch sogar hundertprozentig hausgemacht. Wir bekommen abwechslungsreiche Gruselgeschichten der alten Schule serviert, die einmal nicht dem obligatorischen Horrorstandard entsprechen. Zombies, Geister, Werwölfe, Vampire und skrupellose Foltergesellen machen in diesem Anthologiestreifen erst einmal Pause. Umso überraschender, dass CHILLING VISIONS direkt fürs TV produziert wurde. Qualitativ gibt es keine Ausfälle. Die Segmente sind kurz und knackig; unterhalten grandios. Wenn man etwas zu bemängeln hätte, dann die etwas schleierhaften Zusammenhänge der Geschichten. Die werden nur vage beleuchtet, was aber durchaus zu verschmerzen ist und dazu noch die Interpretationskreativität des Zuschauers entfachen dürfte. Insofern Filmschmiede CHILLER FILMS dieses Niveau weiterhin beibehält, dürften dem Filmfreund demnächst wirklich hochwertige Streifen ins Haus stehen. Eine Fortsetzung zu CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR wird nicht lange auf sich warten lassen, was durchaus zu begrüßen wäre.
 
 
 


 
 
 

5 SENSES OF FEAR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Abwechslungsreich, blutig und herrlich makaber. CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR oder wie er hier in Deutschland vermarktet wird: 5 SENSES OF FEAR ist ein bitterböser Horrorspaß in der Tradition der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe. Wer nostalgische Schocker der alten Schule bevorzugt und eine Leidenschaft für Filme mit perfiden Enden hegt, ist mit 5 SENSES OF FEAR auf jeden Fall gut beraten. Nach THE ABCS OF DEATH und V/H/S einer der besten Anthologiestreifen der letzten Jahre.
 
 
 


 
 
 

5 SENSES OF FEAR – Zensur

 
 
 
CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR ist ein abwechslungsreiches Horrorfilmchen, das für jeden Horrorfan etwas zu bieten hat. Auch Freunde, der etwas blutigeren Filmkost kommen in diesem Anthologiestreifen auf ihre Kosten. Demnach wurde CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR ungeschnitten und mit KJ-Kennzeichnung nach Deutschland gebracht.
 
 
 


 
 
 

5 SENSES OF FEAR – Deutsche Blu-ray

 
 
 

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(c) Justbridge

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Chilling Visions: 5 Senses of Fear; USA (2013)

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray

Extras: Trailer

Release-Termin: 12.09.2014

 
 
 

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5 SENSES OF FEAR – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:

V/H/S 2 (2013)

The ABCs of Death (2012)

Geschichten aus der Gruft (1989-1996)

Chillerama (2011)

Scary or Die (2012)

Filmreview: „Nazi Zombie Battleground“ (2012)

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND
 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND

Story

 
 
 
Die Anthologie NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND erzählt drei Geschichten von mysteriösen Gegebenheiten, die sich in der Zeit während des Zweiten Weltkrieges abspielen. Dabei treffen die Helden auf eine bitterböse SS-Offizierin, einen gänsehautverursachenden Waldgeist und bizarre Spinnen in Teufelsgestalt.
 
 
 


 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND – Kritik

 
 
 
Wenn auf einem Blu-ray Cover vielversprechend damit geworben wird, sowas wie der vorliegende NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND sei „…eine der größten Zombie-Abschlachtplatten aller Zeiten!…“ , dann wird garantiert schnell das Interesse eines jeden Fans geweckt. Enttäuschend, wenn dann der Zuschauer trotz plakativen Werbespruchs kein Metzel-Feuerwerk zu Gesicht bekommt. Wie zu seligen VHS-Zeiten haben manche Filmlabel mal wieder daran Gefallen gefunden, ihre Veröffentlichungen mit herrlich reißerischen Fotomontagen, neu kreierten Filmtiteln und irreführenden Zitaten zu schmücken und tanzen damit dem Käufer ganz schön dreist auf der Nase umher. NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND ist eine dieser faulen Tomaten, die unweigerlich falsche Erwartungen weckt. Hier gibt es zwar Nazis zu sehen; die versprochenen Zombies machen sich aber überraschend rar. Der ursprüngliche Titel BATTLEFILD DEATH TALES kommt dem bunten Treiben schon viel näher, denn im Grunde genommen handelt es sich bei diesem Horrorfilm um eine Kurzgeschichtensammlung, die sich mit gruseligen Geschehnissen während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Für diesen Trash-Spaß zeichnen die Filmemacher JAMES EAVES, ALAN RONALD und PAT HIGGINS verantwortlich, die bereits im Jahre 2009 mit der Umsetzung an der Anthologie-Sammlung BORDELLO DEATH TALES soviel Spaß hatten, dass sie sich kurzum dazu entschlossen einen weiteren Film dieser Art zu drehen. Schauplatz ist diesmal nicht das Freudenhaus sondern das Schlachtfeld des 2. Weltkrieges, wo sich einige Überlebende nicht vor dem Kugelhagel der Deutschen in Acht nehmen müssen, sondern auch vor allerhand seltsamen Zeitgenossen. Interessanterweise erinnert die gesamte Inszenierung, trotz Kosten in Höhe von 50.000 Britische Pfund, sehr an die Splatter-Werke des deutschen Amateurfilmers OLAF ITTENBACH – mit dem Unterschied, dass NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND durch hohen technischen Standard zu gefallen weiß. Hier wird nicht wie bei der deutschen Konkurrenz mit Tierinnereien und Kunstblut um sich geworfen und dabei das Erzählen einer gescheiten Geschichte außer acht gelassen, sondern in dieser Sammlung macht man sich sogar die Mühe, den Zuschauer nicht zwangsläufig mit dem ewig gleichen Mist zu langweilen.
 
In der ersten Geschichte mit dem Titel MEDAL OF HORROR (Drehbuch und Regie: JAMES EAVES) soll ein Soldat und Frauenschwarm die Tochter eine Majors aus den Klauen der SS-Offizierin Jezabel befreien. Die hat nicht nicht nur ihr Haar akkurat gebunden und ruft die berüchtigten ILSA-Exploitationfilme der 70er Jahre ins Gedächtnis zurück; sie besitzt auch einen Roboter, den sie liebevoll „Nazibot“ nennt und der ihr als Lügendetektor nützliche Dienste erweist. Die zweite Geschichte HARRIET’S WAR (Drehbuch und Regie: ALAN RONALD) erzählt von den Ermittlungen der Parapsychologin und Geisterjägerin Harriet Price, die den Fall eines jungen Paares untersuchen soll. Während die Haut des verstörten Mädchens Christina mit Wundmalen in Hakenkreuz-Form übersät ist, findet die Wissenschaftlerin auf den sterblichen Überresten des Freundes Rückstände von Ektoplasma. Schnell stellt sich heraus, dass für die Schandtaten etwas zutiefst Böses verantwortlich, die Ursache jedoch rein menschlicher Natur ist. Das abschließende Segment DEVILS OF THE BLITZ ( Drehbuch, Regie und Produzent: PAT HIGGINS) handelt von einer kleinen Familie, die sich vormBombenhagel in Sicherheit bringen will. Doch der Weg in den Keller ist versperrt, denn gefräßige „Spider Devils“ haben es sich dort gemütlich gemacht.
 
NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND glänzt mit allerhand Zitaten aus bekannten Genre-Werke (GHOULIES, ILSA – SHE WOLF OF THE SS) und nimmt sich nicht immer bierernst. Vor allem die erste Episode punktet mit allerhand urkomischen Slapstickeinlagen und hinreißend absurden Ideen, die nicht selten an ein buntes Comic erinnern. Die überzogene Erzählweise hat durchaus Charme; verliert aber in der lieblos zusammengeschusterten deutschen Synchronisation jeglichen Reiz. Wer des Englischen mächtig ist sollte NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND unbedingt in die Originalfassung anschauen, denn trotz fehlender Rahmenhandlung und des etwas gewöhnungsbedürftigen Digitallooks ist NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND ein erfrischend andersartiger Anthologiefilm, der eine durchweg erheiternde Figur macht.
 
 
 


 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Im Vergleich zum Anthologiefilm BORDELLO DEATH TALES, vom gleichen Team zwei Jahre zuvor gedreht, ist der vorliegende NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND ein Quantensprung. Zwar immer noch ein Low-Budget-Filmchen, das jedoch ähnlichen Produktionen in technischen Belangen einiges voraus hat. Da kann man nur hoffen, dass das Dream-Team JAMES EAVES, ALAN RONALD und PAT HIGGINS in regelmäßigen Abständen weitere „Death Tales“ auf den Heimkinomarkt wirft. Denn der Ideenreichtum ihres aktuellen Beitrags ist erstaunlich vielfältig und macht Lust auf mehr.
 
 
 


 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND – Zensur

 
 
 
Anders, wie das Cover der Heimkinoveröffentlichung vermuten lässt, ist NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND nicht wirklich blutig. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten ab 18 Jahren freigegben und hat von der FSK den roten KJ-Freigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND Blu-ray

(c) Savoy Film (Einfach KeepCase-Variante)

 
Nazi Zombie Battleground [Blu-ray + DVD] [Collector's Edition]

(c) Savoy Film (Limitierte Sammlerauflage)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Battlefield Death Tales; England 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: keine

 
 
 
Der hiesige Rechteinhaber bringt NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND in zwei verschiedenen Blu-ray-Auswertungen auf dem Markt. Während die Einzel-Disc lediglich über den Hauptfilm verfügt, nicht einmal einen vernünftigen Kapitelindex besitzt und auf allerlei Bonus verzichtet; erscheint parallel dazu eine limitierte Collector´s Edition. Diese beinhaltet neben dem Hauptfilm auf Blu-ray und DVD allerhand Bonusmaterial. So lässt sich in dieser Veröffentlichung ein Audiokommentar finden und diverse Hinter-den-Kulissen-Features runden das Extrapaket ab. Zudem kommt die Deluxe-Ausgabe im Schuber daher. Überraschenderweise ist das Bild der Blu-ray für eine derartige Produktion erstaunlich hochwertig. Beim Ton sollte der Zuschauer zur englischen Sprachausgabe wechseln, denn die deutsche Synchronisation ist kaum zu ertragen. Bleibt zu erwähnen, dass beide Veröffentlichungen über ein Wechselcover ohne FSK-Flatschen verfügen.
 
 

Nazi Zombie Battleground [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 

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(c) Cosmopilitan Pictures

 
 
 
Neben der bisherigen Filmfassung zu NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND auf Blu-ray und DVD wurde der Streifen erneut im Zuge der NAZI ZOMBIE INVASION – ULTIMATE COLLECTION veröffentlicht. Auf dieser Sammlung von Zombiefilmen sind neben dem besagten NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND auch die Streifen: OASE DER ZOMBIES, NAZI SKY und ATTACK OF THE NAZI HERBALS enthalten. Alle Filme dieser Sammlung sind ungeschnitten.
 
 

Nazi Zombie Invasion – Ultimate Collection [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

NAZI ZOMBIE BATTLEGROUND – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth/ Hellraiser80

 
 
Ähnliche Filme:

V/H/S 2 (2013)

V/H/S (2012)

The ABC´s of Death (2012)

Scary or Die (2012)

The Theatre Bizarre (2011)

Chillerama (2011)

Filmreview: „Sanitarium – Anstalt des Grauens“ (2013)

sanitarium2013
 
 
 

SANITARIUM

ANSTALT DES GRAUENS

Story

 
 
 
Eine psychiatrische Klinik erhält drei neue Insassen. Für Dr. Stenson (Malcolm McDowell) Grund genug, sich einen ersten Eindruck von den Patienten zu verschaffen und ihre Schicksale zu beleuchten …
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Kritik

 
 
 
Nach den beachtlichen Erfolge von Filmen wie V/H/S und THE ABCS OF DEATH war es nur eine Frage der Zeit, bis ein nächster dieser aktuell mal wieder so beliebten Kurzgeschichtensammlungen das Licht der Filmwelt erblicken sollte. In Expertenkreisen auch als Anthologien betitelt, finden derartige Episodenfilme vor allem unter Horrorfilmfans immer ihre Befürworter. Verwunderlich ist das natürlich nicht, genießen nicht wenige dieser Filme heute Kultstatus (CREEPSHOW, TALES FROM THE CRYPT, NECRONOMICON) und sind aus dem Genre nicht mehr wegzudenken. Grund genug mit SANITARIUM einen weiteren dieser Filme ins Rennen zu schicken, auf dass dieser Beitrag gleichen Erfolg verbuchen wird, wie die vielen beliebten Horror-Episodenfilme der 70er und 80er Jahre zuvor. Wie bereits im Beitrag ASYLUM (1972), verschlägt es den Zuschauer in eine Psychiatrie, wo ihm die Schicksale jüngst eingelieferter Patienten geschildert werden. Im Mittelpunkt der Gegebenheiten steht Dr. Stenson (MALCOLM MCDOWELL) Oberarzt der Klinik, der auch die Neuzugänge der Klinik überwacht. Als Erzähler agierend, erklärt er dem Zuschauer nun, wie die drei neuen Patienten ihren Weg in die Heilanstalt gefunden haben und verbindet so die einzelnen Segmente stimmig miteinander.
 
Künstler Gustav (vollkommen durchgeknallt: JOHN CLOVER) hat nicht nur die Haare schön, sondern verhält sich auch durchweg verhaltensauffällig. Er soll seine in tadelloser Handarbeit modellierten Puppen für ein stattliches Sümmchen verkaufen. Doch Gustav scheint es nicht über das Herz zu bringen, sein Lebenswerk zu veräußern. Fortan sprechen die Puppen mit ihm und zwingen ihm zu einen teuflischen Plan. Während der Überraschungsauftritt von Legende ROBERT ENGLUND im Segment mit dem Titel PATIENT 46 ein erschreckend frühes Ende nimmt, gefällt hier die liebenswerte Hommage an die berüchtigte PUPPET MASTERS-Reihe. Eine kleine Stop-Motion-Szene alter Schule erinnert an das grandioses-melancholische Animationskino eines TIM BURTON.
 
Die zweite Episode, PATIENT 26, berichtet vom traurigen Leben des Grundschülers Steven (DAVID MAZOUZ), der nicht nur vom eigenen Vater missbraucht, sondern auch von einem augenlosen Wesen mit spitzen Zähnen und gruseliger Kutte verfolgt wird. Klassenlehrerin Ms. Lorne (LACEY CHABERTZ) ahnt Schlimmes und will dem verschüchterten Jungen helfen; ist aber zur falschen Zeit am falschen Ort. PATIENT 26 ist mehrschichtiges Mystery-Kino, dass jedoch mehr Drama sein will als waschechter Horror. Auch wenn der Zuschauer hier Zitate aus berüchtigten Schockern entdecken wird (Schulszene aus HALLOWEEN) so ist diese Episode vollgestopft mit psychologischen Deutungen und Sinnbildern, die durchaus Diskussionsgrundlage bieten dürften.
 
Die letzte Geschichte handelt von Professor James Silo (beachtlich paranoid verkörpert von LOU DIAMOND PHILLIPS), der den Untergang der Welt kommen sieht und einen Luftschutzbunker für sich und seinen Familie im Garten bauen lässt. Letztendlich kommt jedoch alles anders als erwartet und der Zuschauer erlebt eine erschütterndes Story, die in einem unglaublich depressiven Ende gipfelt.
 
SANITARIUM ist einer jener Filme, der die Horrorfilmwelt in zwei Lager spalten dürfte und nicht bei jedem Zuschauer auf Zustimmung stoßen wird. Schuld daran dürfte vor allem das reißerisch gestaltete Filmplakat sein, dass eine gänzliche falsche Erwartungshaltung schürt. Horror wird hier nur vage zum Thema gemacht. Stattdessen wird der Filmfreund mit drei ziemlich erschütternden Tragödien konfrontiert, die in ihrer Gesamtheit schon arg aufs Gemüt schlagen. Hier werden drei Schicksale vermeintlich geistig gesunder Menschen geschildert, die am Ende unfreiwilligerweise in der Psychiatrie landen. In SANITARIUM wird die Langsamkeit neu entdeckt. Die drei Regisseure BRYAN ORTIZ, BRYAN RAMIREZ und KERRY VALDERRAMA lassen sich viel Zeit mit dem Erzählen ihrer Geschichten. Ekelhaftes Gemetzel und plakativen Schrecken sucht man hier vergebens. Stattdessen haben die Protagonisten ausreichend Zeit, sich zu entwickeln, was sich vor allem beim typischen Genre-Publikum in gähnender Langeweile äußern dürfte. Wer SANITARIUM jedoch mit einer ganz anderen Erwartungshaltung goutiert, erlebt einen der vermutlich besten Anthologie-Streifen der letzten Zeit. Vor allem der außerordentlichen Schauspielleistung von JOHN CLOVER und LOU DIAMOND PHILLIPS ist es zu verdanken, dass sich der Film vom typischen Einheitsbrei abzuheben weiß und letztendlich durch Mark und Bein geht. Selten hat man einen so depressiven Genre-Beitrag gesehen, der wegen und auch trotz seiner dramalastigen Inszenierung ein Gefühl des Unbehagens auslöst. Wer eine Schwäche für psychologischen Horror besitzt und mit der teilweise gemächlichen Inszenierung leben kann, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, das vorliegende SANATARIUM zu besuchen. Mit fast zwei Stunden Spielzeit ist diese Kurzgeschichtensammlung nicht gerade kurz. Auch wenn der vorliegende Psychotrip so ziemlich speziell ist, verdient er es definitiv, von jedem offenen Horrorfilmfan gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Düster, makaber und doch so wunderschön! Eine sonderbare und vollkommen unkommerzielle Anthologie, die mit ähnlichen Filmen rein gar nicht vergleichbar ist. Ein herrlich melancholischer, stellenweise fast schon depressiver Psychotrip, der jedem offenen Horrorfilmfan zu empfehlen ist. SANITARIUM ist vermutlich kein Meisterwerk, weiß sich aber erfrischend vom üblichen Horror-Einerlei abzuheben.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Zensur

 
 
 
SANITARIUM ist eher Drama als Horror. Blut oder Gewalt gibt es hier nur selten zu sehen. Von daher dürfte der Film in Deutschland keine Probleme in seiner ungeschnittenen Form erhalten und bereits für Jugendliche geeignet sein. Die hiesige Heimkinoauswertung von SANITARIUM wurde mit dem blauen FSK16-Flatschen von der Zensurbehörde freigegeben. Aufgrund der Trailer im Bonusmaterial ist die Scheibe jedoch erst für Volljährige zu haben: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
sanitarium-bluray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sanitarium; USA 2013

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 113 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) – BD aufgrund Bonusmaterial: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 24.03.2015

 
 

Sanitarium – Anstalt des Grauens [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SANITARIUM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Asylum (1972)

Insanitarium (2008)

Creepshow – Die unheimlich verrückte Geisterstunde (1982)

The Ward (2010)

Psych:9 (2010)

The ABC´s of Death (2012)

Chillerama (2011)

Filmreview: „The ABC´s of Death“ (2012)

The ABCs of Death
 
 
 

The ABC´s of Death

Story

 
 
 
26 Todesarten und 26 Horror-Kurzgeschichten. Unter dem Slogan „The ABC´s of Death“ schildern 26 verschiedene Regisseure ihre ganz eigene Betrachtungsweise zum Thema Tod. Unter den anwesenden Filmemachern haben sich eine stattliche Anzahl bekannter Genre-Größen versammelt, die in der Horrorfilmszene nicht unbekannt sind:
Nacho Vigalondo“ („Timecrimes„), „Xavier Gens“ („Frontier(s)„) „Adam Wingard“ und „Simon Barrett“ („V / H / S „), „Jason Eisener“ (“ Hobo with a Shotgun „), „Ti West“ („The Innkeepers„) und „Ben Wheatley“ (“ Kill List „).
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Kritik

 
 
 
Wenn sich 26 talentierte Köche zusammentun, um an einer Suppe köcheln, so kann man laut Erfahrung oftmals davon ausgehen, dass am Ende eine ziemlich versemmelte Soße bei rauskommen dürfte. Denkste, dachten sich 26 Regisseure und begannen an einem abendfüllenden Spielfilm zu tüfteln, der die Filmwelt vom Gegenteil überzeugen sollte. Unter dem Banner „The ABC´s of Death“ bekamen 25 von Ihnen die Aufgabe mit ca. 5000 US Dollar, einen etwas 10-minütigen Filmbeitrag zu kreieren, der sich mit einer möglichst perfiden Art des Sterbens beschäftigen sollte.
Damit nicht nur alteingesessene Filmhasen die Chance ergreifen konnten, ihr künstlerischen Visionen auf die große Leinwand zu transferieren, wurden auch potenzielle Hobby- und Nachwuchsregisseure dazu aufgefordert, ihr kreatives Schaffen der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Kurzum wurde ein Youtube-Wettbewerb ins Leben gerufen, der diverse unbekannte Filmemacher dazu bewegte, eigene Kurzfilme zu drehen und sich mit selbigen für den noch fehlenden 26. Beitrag zu bewerben. Eine rege Teilnahme erfolgte, wobei sich der Brite „Lee Hardcastle“ mit seiner skurrilen Tonfiguren-Animation direkt in die Herzen der Jurymitglieder „kneten“ und sich auf diesem Wege den Buchstaben „T“ ergattern konnte.
 
Nach der Weltpremiere beim internationalen Filmfestival in Toronto wurde „The ABC´s of Death“ mit teilweise gemischten Gefühlen aufgenommen. „…Zu viele Filme, zu wenig qualitativ wertvolle Beiträge…“ ließen Kritiker verlauten und in der Tat, ein marginaler Teil der Gesamtwerks beinhaltet durchaus durchwachsene und gewöhnungsbedürftige Kost. Hierbei wären vor allem einige durchweg geschmacklose Beiträge zu nennen, die sich mit äußerst kontroversen Themen beschäftigen und sie zugleich in einen durchweg bizarre Background verfrachten. Einer dieser Beiträge ist „Ti West´s“ („House of the Devil„) „M is for Miscarriage„, in welchem eine Frau versucht ihre Fehlgeburt zu beseitigen.
West, der sich zuletzt mit zwei äußerst gelungen Spielfilmen als unkonventioneller Filmemacher behaupten konnte, hat sich mit seinem ziemlich lust- und geschmacklosen Beitrag keinen wirklichen Gefallen getan. Seine Erzählung wirkt durchweg uninspiriert, überflüssig und unwichtig, sodass man als Fan des Ausnahme-Regisseurs rein gar nicht glauben möchte, dass „West“ derart Nonsens für ein so ambitioniertes Werk, wie „The ABC´s of Death“ beigesteuert haben soll.
 
Doch nicht nur „Ti West“ allein, war der Aufgabe nicht annähernd gewachsen einen halbwegs einfallsreichen Kurzfilm zum Thema Tod beizusteuern, auch der Brite „Jason Eisener“ („Hobo with a Shotgun„) wusste mit dem ihm zugeteilten Buchstaben nichts wirklich Kreatives anzufangen. Sein Kurzfilm über einen in die Jahre gekommenen Hausmeister, der eine etwas abartige Vorliebe für die heranwachsenden Knaben einer Grundschule besitzt und mit Genuß deren Schweiß von den Sportbänken der Turnhalle schleckt und deshalb „bestraft“ wird, wirkt derb daneben und bereichert diesen Anthologie-Streifen in keinster Weise. Trotzdem, auch wenn sich in „The ABC´s of Death“ einige ziemlich misslungene Querschläger eingeschlichen haben, so sollte diese Kurzfilm-Parade von keinem Horrorfilm-Fan unbeachtet bleiben, der sich auch für Werke jenseits des Mainstreams interessiert. Die Produzenten „Tim League“ und „Ant Timpson“ haben mit ihrem „The ABC´s of Death“ ein kreativ ansprechendes Werk geschaffen, dass überwältigt und in derart umfangreichen Form seinesgleichen suchen dürfte. Ob zynisch-makaber, blutgierig-widerwärtig oder kunstvoll-experimentierfreudig; die Vielfalt der verschiedenen Segmente machen diesen außergewöhnlichen Anthologie-Streifen unglaublich abwechslungsreich und heben den Film weit über den Durchschnitt. Vor allem die unterschiedlichen Stile, mit welchen die diversen Regisseuren ihre kleinen Geschichten bereichern, sind nicht zu verkennen. Viele derer, haben das brillante Konzept zu ihrem Vorteil genutzt und kleine, kunstvolle Meisterwerke geschaffen, die es sogar schaffen, so etwas wie Anspruch in das ohnehin gebeutelte Horror-Genre zu bringen. Allen voran „Marcel Sarmiento“ („Deadgirl“), der mit seinem „D is for Dogfight“ einen unglaublich grandios gefilmten Schaukampf präsentiert, in dem sich Hund und Mensch gegenseitig in den Tod duellieren. Der, in Slow Motion abgedrehte Augenschmaus wirkt unverkennbar stimmig und derart klug ausgetüftelt, dass man diesem Segment fast schon Arthouse-lastige Züge zusprechen möchte und den Shorty zugleich auch als besten Filmbeitrag der gesamten Sammlung bezeichnen darf.
 
 
 
Wer als Horrorfilm-Freund die Nase voll hat, sich ständig mit dem immer wiederkehrenden Stereotypen und vorhersehbaren Klischees in Horrorfilmen umherschlagen zu müssen, sollte definitiv eine Auge auf den kommenden Kurzfilm-Kracher „The ABC´s of Death“ werfen. Hier schreiten zur Abwechslung einmal keine Kannibalen, Serienkiller, Geister oder Vampire schaufreudig zur Tat, sondern hier beschäftigen sich 26 ziemlich abwechslungsreiche Kurzfilme mit 26 perfiden Arten das Zeitliche zu segnen. „The ABC´s of Death“ schafft es gänzlich jeden Geschmack zu befriedigen. Aufgrund des enormen abwechslungsreichen Inszenierung dürfte hier jeder Filmfreund zumindest ein Episode finden, die seinem Geschmack perfekt zu unterstreichen weiß.
Der Gorehound bekommt mit „Xavier Gens“ („Frontier(s)„) „X for XXL“ ein derbes Splatter-Brett vor den Kopf gestoßen und auch Freunde überdreht asiatischer Skurrilitäten dürfen einmal mehr erkennen, dass die Asiaten in Bezug auf Horror und Gewalt einen vollkommen gewöhnungsbedürftigen Humor besitzen, welcher auf uns Europäern ziemlich grotesk und weltfremd wirkt. Gerade aufgrund der Vielfältigkeit der einzelnen Beiträge, sollte der Filmfreund im Laufe der zweistündigen Filmlaufzeit einige Pausen einlegen, um Gesehenes zu verarbeiten. Gerade weil die einzelnen Episoden nahtlos aneinander knüpfen und keine Rahmenhandlung existiert, die die Geschichten miteinander verbindet, dürfte dieses Kurgeschichten-Lexikon am Stück schwer zu verdauen sein. Trotzdem, die bemerkenswert internationale Vielfalt der einzelnen Beiträge beweist, dass guter Horror nicht zwangsläufig aus Amerika kommen muss, sondern eine weltweite Sprache spricht. Die Regisseure der einzelnen Geschichten stammen aus aller Herren Länder und ihre Stile bereichern das brillantes Konzept hinter „The ABC´s of Death“ ungemein. Idealerweise sollte man dieses Experiment vollkommen uneingenommen goutieren und auf sich wirken lassen – denn verdient hat es „The ABC´s of Death“ definitiv gesehen zu werden!
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Skurril, makaber, einzigartig und uneingeschränkt sehenswert!
Eine Horrorfilmsammlung, welche man in dieser Form bisher noch nie gesehen hat.
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Zensur

 
 
 
Da es in „The ABC´s of Death“ teilweise arg rabiat zur Sache geht („X is for XXL„) und vor allem die Episode „L for Libido“ mit dem  Thema „Pädophilie“ nicht gerade zimperlich umgeht, könnte es bei der FSK-Prüfung durchaus Probleme geben. Man kann nur hoffen, dass sich die FSK gnädig stimmen lässt und sich bei diesem sehenswerten Beitrag für den „Keine Jugenfreigabe„-Stempel entscheidet, ohne dafür Schnitte zu verlangen!
 
 
 


 
 
 

The ABC´s of Death – Trailer

 
 
 


 
 

Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Scary or Die (2012)

The Theatre Bizarre (2011)

Chillerama (2011)

V/H/S (2012)

Geschichten aus der Gruft (Serie)

Creepshow (1982)

Filmreview: „Scary or Die“ (2012)

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Scary or Die

Story

 
 
 
Die ominöse Internetseite „Scary or Die“ wartet mit allerhand seltsamen Clips auf, die sich eine junge Dame nun interessiert zu Gemüte führt. Jeder Clip erzählt eine grausame Geschichte, an dessen Ende der jeweilige Hauptprotagonist sein Leben lassen muss….
 
 
 


 
 
 

Scary or Die – Kritik

 
 
 
Bei der Indie-Produktion „Scary or Die“ erlebt der Filmfreund erneut ein recht bunt durcheinander gewürfeltes Horrorsüppchen, dass mit den unterschiedlichsten Subgenres aufwartet. In typischer „Creepshow“-Manier werden dem Zuschauer fünf qualitativ durchwachsene Horrorgeschichten serviert, die mal mehr, mal weniger überzeugen können. Hauptaugenmerk sei hierbei die umfangreichste Geschichte dieser Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel „Clowned“, dessen Hauptprotagonist dem Filmfan frech-frivol vom verkaufsträchtigen Cover der Blu-ray/DVD entgegenlächelt. Um es vorwegzunehmen: Filmfreunde, die sich allein nur des reißerischen Plakats wegen für den Kauf dieses einzig für den Heimkinomarkt produzierten Titels entscheiden, dürften gnadenlos enttäuscht werden. Denn anders, als man es vermutlich aufgrund dieser fies drein grinsenden Clown-Maske erwartet, handelt es sich bei dieser Kurzgeschichte um keinen derben Killerclown-Streifen.
 
Das Geschichten-Segment „Clowned“ äußert sich eher als todtrauriges Grusel-Drama, dass von einem jungen farbigen Mann handelt, der unfreiwilligerweise von einem bösartigen Clown gebissen wird und zu selbigen mutiert. Statt auf konventioneller Strecke Gewalt zum Selbstzweck zu zelebrieren endet diese Geschichte mit fast schon poetisch und melancholisch anmutenden Bildern. Auch „Teujung´s Lament“ ist überaus sehenswert. Diese Erzählung handelt von einem alleinstehenden Mann, der vor einiger Zeit seine liebliche Ehefrau verloren hat. In seinem trostlosen Kummer und seiner endlosen Einsamkeit begegnet er einer unbekannten Schönheit, welche er aus einer misslichen Lage befreit. Als Dankeschön für seine Bemühungen spendiert die Fremde ihm einen unvergesslichen Abend – mit unvorhersehbaren Ende.
 
Mit „Teujung´s Lament“ erlebt der Filmfreund einen unangenehmen, wortkargen Beitrag, welcher allein nur von seiner überaus zermürbenden, traurigen und depressiven Grundstimmung lebt, die man in dieser Art und Weise schon lange nicht mehr in einem Genre-Film erlebt hat. Demnach äußert sich das unweigerlich konsequent-geschmacklose Ende, in seiner Form als wunderschöne Erlösung, zumindest für den leidenden Protagonisten der Geschichte. Wie schon in „Clowned“ zuvor kommt dieser Kurzgeschichte der langsame Erzählfluss zugute, der sich Zeit lässt, dem Zuschauer die Gegebenheiten ausführlichst zu erklären, damit dieser sich mit den Figuren identifizieren kann. Worte benötigt „Teujung´s Lament“ kaum, um seine beiden Charaktere zu skizzieren. Hier zählen allein Gestik, Mimik und das prägende Schicksal des männlichen Protagonisten um eine einfache, aber dennoch höchst effektive Geschichte zu erzählen, die es schafft auch ohne Blutzoll zu fesseln. Überhaupt gibt sich „Scary or Die“ wenig zeigefreudig in Sachen „Splatter-Horror“, was aber nicht heißen soll, dass in diesem Anthologie-Streifen nicht auch Freunde derber Gewalt auf ihre Kosten kommen dürfen. Die erste Geschichte „The Crossing“ geht zumindest in Sachen „handfester“ Unterhaltung nicht zimperlich vonstatten. In diesem Segment geht es um zwei menschenverachtende Hinterwäldler, die mit der Freundin des einen an die Mexikanische Grenze reisen. Dort angekommen, offenbaren die beiden Männer die wahre Intention ihrer Reise, was für alle Beteiligten ein unangenehmes Ende zur Folge hat.
 
The Crossing“ ist typisch anspruchslose Horror-Unterhaltung, die sich dem aktuell so beliebten Backwood- und Zombie-Genre bedient. Zwar wird hier auf Sparflamme gesplattert, im Vergleich zu den vier übrigen Episoden geht es dennoch sehr direkt und robust zu Gange, sodass zumindest die Filmfreunde halbwegs unterhalten werden, die sonst eher Genre-Filme der etwas härteren Gangart bevorzugen. Immerhin weiß das Ende mit seinem offensichtlich selbstironischen und ziemlich makaberen Ende zu überzeugen, welches es sogar schafft, einen winzigen Hauch des Charmes der typischen „Geschichten aus der Gruft“- Comics zu versprühen.
 
Die beiden letzten Episoden „Re-Membered“ und „Lover Come Back“ fügen sich leider kaum bis gar nicht in das Grundkonzept dieses Sammelsuriums düsteren Gegebenheiten ein. Mit ihren gerade einmal 3-5 Minuten Nettospielzeit wirken sie viel zu kurz, sodass man sich als Horrorfilmfreund überhaupt nicht mit dem Kontext und den Gegebenheiten der Erzählungen einlassen und identifizieren kann. Teilweise wirken die Geschichten lieblos und unfertig und scheinen einzig in die Handlung integriert, um die Laufzeit des Filmes auf die üblichen 90 Minuten zu strecken. Interessanterweise hat zumindest „Lover Come Back“ ein nennenswertes Erzähl-Konzept. Die Geschichte einer jungen Frau, die von ihrem Freund im Streit ermordet, in einen Koffer gequetscht und letztendlich von den Toten aufersteht, um sich für all die Schandtaten zu rächen, schildert die Rückkehr der jungen Dame auf recht unkonventionelle Art und Weise. Ihr Schicksal spielt sich rückwärts ab und darf durchaus mit einigen recht hübsch-verspielten optischen Spielereien aufwarten. Dunkle Waldpfade und unheimlicher Nebel gesellen sich zu seltsamen Kamerablickwinkeln und düsterer Atmosphäre. Hätten sich hier die Macher hinter dieser Episode mehr Zeit genommen um das Schicksal der betrogenen Freundin genauer zu beleuchten, wäre durchaus auch ein sehr sehenswerter Beitrag daraus werden können. So dümpelt diese Geschichte ebenso wie die vollkommen konfuse Rache-Episode mit dem reißerischen Titel „Re-Membered“ unvorteilhaft vor sich daher und nimmt „Scary or Die“ ein wenig das recht forsche Tempo, dass diesen kleinen Indie-Film dennoch recht sehenswert macht.
 
Nach „The Theatre Bizarre“, „V/H/S (2012)“ und „Chillerama“ ist nun „Scary or Die“ bereits der dritte Anthologie-Streifen in Folge, der 2012 dem gierigen Horrorfilmfreund das Leben herrlich-makaber und unterhaltsam-widerlich versüßen möchte. Zwar erreicht er zu keiner Zeit die künstlerische Frische eines „TTB“ und den vollkommen absurden und dennoch urkomischen Unterhaltungswert eines „Chillerama“, ist aber dennoch einer der besserer Vertreter seines Subgenres. Dass dem Film wahrlich kaum Budget zur Verfügung gestanden haben muss, ist aufgrund des Direct-to-Status offensichtlich, sieht man „Scary or Die“ dennoch kaum an. Die Filmemacher haben aus den vorhanden Mitteln das Maximale herausgeholt und schaffen es, zumindest in zwei Episoden, herausragende Leistungen zu vermitteln. Die Episode „Clowned“ ist mit Abstand das Herz dieser Kurzgeschichten-Sammlung und ist in seiner Darstellung als überaus sehenswert einzustufen. Aus den Gegebenheiten dieser Erzählung hätte man sogar einen abendfüllenden Spielfilm zaubern können – das Potenzial hätte die Story zumindest auf jeden Fall gehabt. Unter dem Strich bleibt ein kleiner unauffälliger Genre-Beitrag, der mehr verspricht, als man von derart unkommerziellen Veröffentlichungen erwarten würde.
 
 
 


 
 
 

Scary or Die – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 

Solider Genre-Beitrag mit durchwachsenen Kurzgeschichten. „Geschichten aus der Gruft“-Fans und Anthologie-Freunde dürfen durchaus einen Blick riskieren, zumal das Segment „Clowned“ zu einer der erfrischendsten Kurzgeschichten der letzten Dekaden gehört.
 
 
 


 
 
 

Scary or Die – Zensur

 
 
Bis auf die erste Episode „The Crossing“ fließt kein einziger Tropfen Blut im Film, sodass der Film ungekürzt mit FSK16 die Prüfinstanz durchwandern dürfte.
 
 
 


 
 
 

Scary or Die – Trailer

 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
Ähnliche Filme:

 
 

Chillerama (2011)

The Theatre Bizarre (2011)

Little Deaths (2011)

Kritik: „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ (2012)

V-H-S-2012-Plakat
 
 
 

V/H/S

Eine mörderische Sammlung

Story

 
 
 
Anthologie-Streifen !!!
 
 
 
Rahmenhandlung („Tape 56“)
 
Regie: Adam Wingard („A Horrible Way to Die„)
 
Einige Kleinkriminelle verdienen ihr Geld damit, indem sie durch die Parkhäuser der Großstadt pilgern, fremden Frauen auflauern, ihnen vor laufender Kamera die Oberkörper entblößen und die Clips an eine Pornoseite im Internet verhöckern. Als ihnen ein Bekannter einen lukrativen Deal vorschlägt wittert die Bande das große Geschäft. Alles was die Freunde dafür tun müssen ist, in ein Haus einzubrechen und ein besonders wichtiges Videoband zu stehlen. Kaum besagte Adresse ausfindig gemacht, finden sie die Leiche des Hauseigentümers im heimischen TV-Sessel vor. In der Kammer nebenan, ein riesiges VHS-Arsenal an seltsamen Amateur-Videoaufnahmen, die merkwürdige Geschehnisse protokollieren. Auf der Such nach den geforderten Aufzeichnungen stöbern sich die Jungs durch jedes einzelne Videoband und scheinen ihren Augen nicht trauen zu wollen:
 
 
 
 
 
Geschichte 1 („Amateur Night“ )
 
Regie : David Bruckner („The Signal“)
 
Drei Freunde auf Frauenbeutezug.
Bei ihren nächtlichen Ausflügen durch die Clubs der Stadt treffen Sie auf eine schüchterne Schönheit, die ein dunkles Geheimnis verbirgt.
 
 
 
 
 
Geschichte 2 (“Second Honeymoon”)
 
Regie: Ti West („House of the Devil“, „The Innkeepers“)
 
Ein vermeintlich glückliches Pärchen bei ihrem friedlichen Urlaubsausflug. Des nachts schleicht sich eine mysteriöse Gestalt um das Ferienhaus der frisch verliebten Paares und scheut auch nicht davor, sich unbemerkt Zutritt in die scheinbar sicheren vier Wände der beiden
Liebenden zu verschaffen.
 
 
 
 
 
Geschichte 3 (“Tuesday the 17th”)
 
Regie: Glenn McQuaid („I sell the Dead“)
 
Hommage an den 80er Jahre Slasherfilm: „Freitag der 13.“! Vier Freunde suchen etwas Entspannung in einem abgelegenen Waldstückchen. Doch die Idylle wird jeher getrübt, als die Truppe von einem seltsamen „Etwas“ dezimiert wird. Schenkt man den Legenden glauben, so soll das Wäldchen vor einiger Zeit Schauplatz einiger schrecklicher Morde gewesen sein – der Mörder wurde jedoch nie gefasst.
 
 
 
 
 
Geschichte 4 (“The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Young”)
 
Regie: Joe Swanberg („Silver Bullets“)
 
Die Studentin „Emily“ chattet tagtäglich mit ihrer großen Flamme per Webcam. Seit geraumer Zeit geschehen in ihrer kleinen Studentenwohnung seltsame Dinge. Hinzukommt dass ihr Körper von seltsamen Wundmalen befallen ist, deren Herkunft sie sich nicht erklären kann. Mittels Webcam und Laptop will sie zusammen mit ihrem Chatfreund Erklärungen für die seltsamen Umstände finden. Ihr Cam-Partner soll hierbei als Zeuge fungieren.
 
 
 
 
 
Geschichte 5 („10/31/98“)
 
Regie: Radio Silence
 
Drei Freunde auf dem Weg zu einer Halloween-Party. Kaum die Örtlichkeiten erreicht, müssen sie feststellen, dass sie scheinbar die einzigen Partygäste sind. Gemeinsam erkunden sie das unheimliche Gebäude und stoßen auf ein merklich unangenehmes Geheimnis.
 
 
 
 
 


 
 
 

V/H/S – Kritik

 
 
 
Das Jahr 2012 scheint wohl möglich das Jahr des „Found Footage“-Genre zu werden. Nach dem immensen Erfolg der „Paranormal Activity“-Serie erleben Filme im billigen Wackel-Homecam-Stil eine regelrechte Renaissance und sind aktueller denn je. Dabei überraschen immer wieder die teils kreativen Methoden, die junge dynamische Filmemacher entwickeln, um derart „optisch“ trivial-inszenierten Filme halbwegs neue Facetten zu verleihen und den Zuschauer im „erträglichen“ Sinne zu unterhalten. Die Idee mit Hilfe dieses kontroversen Subgenres einen Anthologie-Streifen zu zaubern, liest sich anfänglich eigentlich recht erfrischend, macht aber Filmfreunde dennoch direkt stutzig, wie sich das Projekt in technischer Hinsicht überhaupt realisieren lässt. Da die letzten Filmprojekte ihrer Art (u.a. „Evidence“, „Tape 407“) vorwiegend durch katastrophaler Kameraführung brillierten, als durch optische Raffinessen, dürften dem interessierten Horrorfilmfan vermutlich direkt die Haare zu Berge stehen, wenn er liest, dass sich das „Who-is-Who“ der jungen Horrorfilmszene zusammengerafft hat, um an einer gemeinsamen Kurzgeschichten-Sammlung im „Found-Footage“-Look zu werkeln.
 
Unter dem Titel „V/H/S“ haben sich eine stattliche Anzahl bekannter aktueller Horror-Regisseure vom eigensinnigen Handycam-Genre inspirieren lassen und eine arg zynisch-boshafte, aber dennoch liebenswerte Hommage an das bittere Videokassetten-Zeitalter geschaffen. Neben erneut unzumutbarer, amateurhaft-wackeliger Kameraführung fällt in dieser Anthologie-Sammlung, passend zum Titel, typisches VHS-Flair ins Gewicht, dass mit „ausgedaddelten“ und unscharfen Bildmaterial aufwartet. Die Idee ist eigentlich recht innovativ, in der Umsetzung erweist sich jedoch dieses erfrischend „spezielle“ filmische Dokumentieren als recht zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der künstlerische Einfallsreichtum, von welchem der Film letztendlich zerrt als überaus unterhaltsam und effektiv zu betiteln. Die Geschichten wirken durch die technischen Defizite erstaunlich authentisch und realistisch. Als Zuschauer hat man, aufgrund der amateurhaften Darbietung jeder einzelnen Episode das Gefühl, als sehe man die privaten Home-Videos von eigentlich vollkommen normalen Menschen.
 
Anderseits erweist sich gerade diese unprofessionelle technische Darbietung dieser Kurzgeschichten als echter Härtefall für den Zuschauer. Das Bild holpert, wackelt und stört, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Oftmals kann man durch die gewöhnungsbedürftigen Unschärfen des VHS-Filters kaum erkennen, was denn da eben vor die Linse springt. Gerade in hektischen Momenten wird einmal mehr durch zwanghaft-wirres Umherschwenkens der Kamera Panik erzeugt, das zwar anfänglich noch effektiv wirkt, aber den erwartungsfreudigen Filmfreund in Anbetracht von fast 120 (!) Minuten Filmlaufzeit auf eine deftige Geduldsprobe stellt. Die einzelnen Episoden gestalten sich unterschiedlicher Natur. Dabei trifft handwerklich solide umgesetztes „Creature-Feature“ auf skurrile„Slasher-Ware“ mit 80er Jahre Kult-Charme. Die obligatorischen paranormalen Spuk-Ereignisse fehlen ebenso wenig, wie blutgieriges „Zombie-Kino“. Aufgrund der unterschiedlichen Themengebiete und der teilweise ähnlichen technischen Machart fällt es vermutlich schwer, das eigentliche Highlight unter den Episoden zu finden. Ähnlich wie zuletzt in „The Theatre Bizarre“ scheint es einzig geschmacksabhängig, welche Geschichte letztendlich welchem Zuschauer überhaupt munden wird. Daher ist es schwierig zu sagen, welche Episode denn nun die Beste von allen ist. Mir persönlich hat das „Creature-Feature“ zu Beginn und die „Halloween“-Folge zum Abschluss von „V/H/S“ am besten gefallen, zumal die recht simplen, aber dennoch recht stimmigen und verblüffenden Spezial-Effekte herrlich überzeugen konnten. Hat man sich vorerst an den rauen „Found Footage“-Stil gewöhnt, dürfen sich vor allem Freunde von knackig-knappen Anthologie-Sammlungen ideal unterhalten fühlen.
 
Dennoch, trotz recht innovativer Ansätze und der gewöhnungsbedürftiger Erzählstruktur der einzelnen Kurzgeschichten tritt die Rahmenhandlung arg lieb- und herzlos in Erscheinung und scheint einzig Mittel zum Zweck, um die jeweiligen Segmente zweckhaft miteinander zu verknüpfen. Erklärungen über den Hintergrund der Geschehnisse bleiben Mangelware und lassen einzig Raum zum Spekulieren, was es denn letztendlich mit den mysteriösen Videotapes auf sich hat.
 
Mit „V/H/S“ lädt die junge Garde an motivierten Jungregisseuren zum anarchischen Angriff auf das kontroverse „Found Footage“-Genre. Ehrwürdig verbeugen sich bekannte Horror-Regisseure vor längst vergangene VHS-Zeiten und vermischen scheinbar technisch unzumutbares Filmmaterial mit frischen Ideen und neckigen Spezialeffekten. Gelungen ist ihr Versuch, dem übersättigten Wackelcam-Genre frischen Wind einzuhauchen allemal. Innovative Ideen und einige recht stimmige Momente täuschen oftmals darüber hinweg, dass einige Episoden einfach zu lang geraten sind und dafür andere bedeutend bessere, viel zu kurz. Die Inszenierung von „V/H/S“ ist als relativ gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen, wobei der eigentliche Reiz des Films in den jeweiligen Schlussgags der einzelnen Geschichten zu finden ist. Gerade der teilweise unvorhersehbare und makabere Storytwist am Ende jeder einzelnen Kurzgeschichte tröstet über oftmals schwindelerregendes Kamera-Gewackel und unverzeihliche Totalausfälle hinweg. Dennoch, Filmfreunde die bisher rein gar nichts mit dem „Found Footage“-Genre anfangen konnten, werden sich auch in „V/H/S“ vollkommen hilflos unverstanden fühlen!
 
 
 


 
 
 

V/H/S – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
„X-Factor“ meets „Wackelcam“-Genre. Recht stimmige, unheimliche und unterhaltsame Kurzgeschichten-Sammlung, insofern man überhaupt ein Faible für „Found Footage“-Filme besitzt!
 
 
 


 
 
 

V/H/S – Zensur

 
 
 
Die deutsche Heimkinoauswertung erscheint Ende Oktober 2012 und wurde mit einer „Keine Jugendfreigabe“-Kennzeichnung seitens der FSK abgesegnet. Kein Wunder bietet „V/H/S“ einen grafisch sehr explizieten Mord, der sich recht gewaschen hat. Ansonsten gibt sich diese Kurzgeschichten-Sammlung recht züchtig und weniger zeigefreudig.
 
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V/H/S – Trailer

 
 


 
 
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