Filmkritik: „Luz: The Flower of Evil“ (2019)

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LUZ: THE FLOWER OF EVIL

(LUZ)

Story

 
 
 

In einem kleinen Dorf in den Bergen entwickelt sich die Suche nach Gott für die Einheimischen langsam aber sicher zum echten Untergang.

 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Kritik

 
 
 
In den letzten Jahren hat der subtile und langsame Horror wieder deutlich an Beliebtheit gewonnen, was z.B. Filme wie „Hagazussa“ oder „Midsommar“ bewiesen haben. Auch „Luz: The Flower of Evil“ aus Spanien bedient sich an der Langsamkeit. Er bietet keinen Horrorfilm per se, sondern spielt vor allen Dingen mit dem Thema Menschlichkeit. Das Resultat wird bei weitem nicht jeden gefallen, aber dass man hier überragende Bilder serviert bekommt, ist nun wirklich nicht zu leugnen.
 
 
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Das Geschehen spielt sich weit abgeschieden in den Bergen ab. Welche Zeit man schreibt, erfährt der Zuschauer nicht direkt, denn das Zeitalter ist in dieser Natur sowieso nicht relevant. El Señor führt seine drei Töchter und die paar Dorfbewohner an, in dem Glauben, dass er ein Prophet sei und bald Jesus finden wird, der alle von ihren Sünden reinwäscht. Seine Frau ist vor einiger Zeit schon gestorben und die drei Töchter vermissen sie sehr. Als Uma immer mehr beginnt, das Gesprochene von El Señor in Frage zu stellen, bahnt sich bald eine Katastrophe an. Das Drehbuch lässt sich gut als religiöse Parabel verstehen und besteht aus Inhalten, die nicht immer so ganz leicht auf der Hand liegen. Vieles bleibt interpretationswürdig und der Zuschauer erhält kaum Informationen über die Hintergründe. Selbst das Ende ist ziemlich offen und das Schöne an dieser Handlung ist, dass jeder sie anders auffassen kann. Trotzdem ist klar erkenntlich, dass sich die Geschichte sehr mit dem Mensch an sich auseinandersetzt, mit seinen Taten, seiner Herkunft und seiner Bestimmung. Antworten gibt es auf all diese Dinge jedoch kaum. Man kann mit diesem Drehbuch seine Freude haben, aber man muss es nicht zwangsläufig mögen, weil „Luz“ nebenbei dermaßen sperrig gestaltet wurde, dass absolut nicht jeder Filmfreund damit etwas anfangen können wird.
 
 
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Der Kolumbianer Juan Diego Escobar Alzate, der neben der Regie auch noch das Drehbuch schrieb und weitere Funktionen übernahm, liefert mit diesem Werk sein Langfilmdebüt ab und dass er schon viel Erfahrung mit Kurzfilmen etc. sammeln konnte, sieht man „Luz“ deutlich an. Die größte Stärke besitzen die Bilder der Natur. Egal ob es knallbunte Farben der grünen Wiesen sind oder Bilder der Sterne bei Nacht – Das sieht alles phänomenal aus und bietet enorm hohe Schauwerte. Ja, da fühlt man sich teilweise wirklich wie in einem Heimatfilm und die Filter, die man hier verwendet hat, könnten besser gar nicht gewählt sein. Hinzu gesellt sich allgemein noch eine schöne Bildersprache und es gibt durchaus Szenen, die sich in die Netzhaut einbrennen. Am meisten verloren hat allerdings derjenige, der hier einen richtigen Horrorfilm erwartet, denn abgesehen von dämonischem Flüstern und einer Ziege als Symbol für den Teufel, gibt es hier keinerlei Elemente, die jemals etwas mit übernatürlichem Horror zu tun haben. Das Grauen entsteht hier eher unterschwellig und ist rein menschlicher Natur. Das sorgt hinterher für eine sehr unangenehme Szene, die an die Nieren geht, aber ansonsten ist auch von roter Farbe nie viel zu sehen.
 
 
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Selbst wenn man die richtige Erwartungshaltung mit bringt, muss man nebenbei sehr tolerant für Längen sein, denn „Luz“ ist reichlich langsam aufgebaut. Eine Weile lang kann man sich von den tollen Bildern berauschen lassen, aber nach einer gewissen Zeit kann das religiöse Gerede auch mal ein wenig penetrant werden. Zum Finale hin wird das Tempo ganz kurz etwas angehoben, was für eine kleine Portion Spannung sorgt, aber ansonsten macht es einem der Unterhaltungswert mit seinen 104 Minuten Laufzeit alles andere als leicht. Es mangelt etwas an Abwechslung und es dauert zu lange, bis das Geschehen zu seinem Höhepunkt findet. Dafür bekommt man allerdings ordentliche Darsteller zu sehen. Conrado Osorio, mit der definitiv schwierigsten Rolle, kann sich sehen lassen. Seine drei Töchter werden von Yuri Vargas, Sharon Guzman und Andrea Esquivel auch sehr zweckdienlich gespielt und alle anderen Darsteller sind sowieso kaum zu sehen. Eine tiefere Figurenzeichnung sollte man übrigens auch nicht erwarten, denn diese muss man sich schon selbst erarbeiten bzw. sollte man hier ebenfalls bereit sein, gewisse Interpretationen zu treffen.
 
 
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LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Luz: The Flower of Evil“ ist eigentlich ein typischer Love-it-or-hate-it-Film geworden, der starke Geschmackssache ist. Den Zuschauer erwarten grandiose Bilder der Natur, die perfekt eingefangen wurden. Ihn erwartet jedoch auch eine Laufzeit, die mit Längen um sich wirft und selten so richtig auf den Punkt kommen will. Das wird gut gespielt, ist handwerklich echt toll gemacht und bietet eine Geschichte, über die man sich Gedanken machen muss, ist nebenbei aber auch so sperrig, dass einem das nicht gefallen muss. Etwas mehr Tempo, ein Hauch mehr Horror und ein wenig mehr Abwechslung hätten „Luz“ jedenfalls gut getan, aber auch so sollte jeder Arthouse-Fan dem Werk mal eine Chance geben!
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Zensur

 
 
 
In „Luz: The Flower of Evil“ gibt es nur eine derbe Szene zu sehen, in der einer Schwangeren ihr Baby aus dem Bauch geschnitten wird. Die Kamera hält dabei allerdings nicht detailliert drauf, so dass es nicht zu explizit wird. Der ungewöhnliche Genre-Beitrag dürfte ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, was wohl auch daran liegen dürfte, weil der Film mehr Arthouse ist, als blutrünstiger Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei MPI Media | Mad Dimension)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sacrament (2013)
 
The Devil’s Hand – Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt (2014)
 
Midsommar (2019)
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „The Demolisher“ (2015)

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THE DEMOLISHER

Story

 
 
 
Für den Technikinstallateur Bruce (Ry Barrett) und seine Frau Samantha (Tianna Nori) ist der Traum geplatzt. Samantha, eine ehemalige Polizistin, wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Bruce kümmert sich um sie und zusammen versuchen die Beiden, die unerwarteten Hürden des Lebens zu meistern. Doch hinter jeder Ecke wartet ein neues Hindernis. Geplagt von irrationalen Schuldgefühlen und zügelloser Wut beginnt Bruce mit nächtlichen Streifzügen durch die Stadt. Dabei klopft er alles kurz und klein, was ihm in den Weg kommt und kriminell aussieht. Eine Krise bahnt sich an, als sein zerstörerischer Pfad den der jungen Marie (Jessica Vano) kreuzt.

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Kritik

 
 
 
Unter Fans von Actionfilmen, Horror und sonstiger Genrekost ist der Begriff „Arthouse“ nicht unbedingt populär. Verständlich, denn wo Genrefilme oft mit hoher Geschwindigkeit, Brutalität und ausgefallenen Ideen aufwarten, setzen sich Arthousefilme gerne mit anspruchsvollen Themen auseinander und beleuchten verschiedene Aspekte der (Zwischen)Menschlichkeit. Umso verblüffter dürfte der durchschnittliche Genre-Freund sein, wenn er mit den ersten Minuten von „The Demolisher“ konfrontiert wird. Es gibt lange, rätselhafte Einstellungen und Szenen, die zunächst ohne ersichtlichen Grund aneinandergeschnitten sind. Über weite Strecken erzählt der Film episodenhaft, springt zwischen Handlungssträngen und Zeitebenen und verzichtet gerne auf Dialoge. Allem Anschein nach handelt es sich bei „The Demolisher“ also um eine Kombination aus anspruchsvollem Arthouse-Kino und der brutalen Grobheit des Action- und Thrillerkinos. Oder zumindest um einen Versuch, dies zu tun.
 
 
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Sofort fallen zahlreiche Parallelen zu Nicolas Winding Refns „Drive“ auf. Ein Beispiel für eine ähnliche Kombination, die funktioniert hat und dafür mit jeder Menge Lob und Ruhm belohnt wurde. Im Vergleich zum offensichtlichen Vorbild fällt jedoch schnell auf, warum das selbe Rezept bei „The Demolisher“ überhaupt nicht aufgeht. Der namenlose Fahrer in „Drive“ ist ein interessanter und tiefgehender Charakter, der den Zuschauer auf einer feinen Linie zwischen Sympathie und Antipathie spazieren lässt. Hinter Bruces Augen sieht man nichts außer einer gähnenden Leere und dem unterschwelligen Zorn eines dumpfen Grobians. Hinzu kommt die Motivation der verletzten Frau, die schwerlich erklärt, warum der Proleten-Protagonist fast wahllos Leute krankenhausreif schlägt.
 
 
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Trotzdem erkennt man stellenweise, was Regisseur und Autor Gabriel Carrer mit „The Demolisher“ erreichen wollte. Es ist eine Geschichte über blinde Wut, die daraus resultierende Gewalt und die Konsequenzen, wenn diese Gewalt zu weit geht. Umgesetzt wird diese Geschichte allerdings mit einem Stil, der kaum durchdacht ist und seine Vorbilder ausschließlich imitiert. Stilmittel – wie das episodische Erzählen oder eine viel zu oft eingesetzte Zeitlupe – ermüden schnell und behindern den Film eher, als dass sie ihn bereichern. Das hölzerne Schauspiel der Akteure, allen voran Ry Barrett, tut sein Übriges, um „The Demolisher“ zu einem inkompetenten Mix aus Stil und Inhalt werden zu lassen, bei dem nichts wirklich stimmt.
 
 
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THE DEMOLISHER – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„The Demolisher“ macht das Gleiche wie seinerzeit „Drive“. Allerdings um Einiges schlechter. Flache Charaktere, Schwache Schauspieler und unangebrachte Stilmittel machen den Film zu einer Herausforderung. Immerhin lässt sich sehr viel Gelächter aus der Tatsache ziehen, dass sich „The Demolisher“ aus unerklärlichen Gründen extrem ernst nimmt. Im Gegensatz zum Film kann sich die deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Meteor Film sehen lassen. In einem schicken Future-Pack, ausgestattet mit Extras wie Poster und Postkarten sowie lobenswert technischer Präsentation erhält „The Demolisher“ hierzulande eine weitaus bessere Veröffentlichung, als der Film letztendlich verdient hätte.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Zensur

 
 
 
Selbst die Gewaltspitzen, die „Drive“ gewürzt haben, kommen sehr kurz. Abgesehen von der umstrittenen Selbstjustiz-Thematik hat der Film nicht viel im Gewalt-Sektor zu bieten. In Deutschland erscheint er ungeschnitten mit einer Freigabe ab 16 Jahren. Wegen „bösem“ Bonusmaterials wurde die Heimkinoveröffentlichung aber erst für Erwachsene freigegeben. Die besitzt den roten KJ-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film

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(c) Meteor Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Demolisher; Kanada 2015

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: Limitiertes 2-Disc Blu-ray FuturePack

Extras: CD mit Original-Score plus Bonus-Tracks (70:36 Min), A3-Retro-Miniposter mit 2 Wendemotiven, 3 Sammelkarten mit, Alternativ-Artworks, Q&A mit Cast + Crew, Behind the Scenes, Musikvideo LA GARCONNE – SUPER HERO, Deutscher Trailer, Originaltrailer

Release-Termin: 26.02.2016

 

The Demolisher (Limited FuturePak Blu-ray-Disc inkl. Soundtrack-CD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE DEMOLISHER – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drive (2011)

Death Sentence (2007)

Filmkritik: „Nina Forever“ (2015)

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NINA FOREVER

Story

 
 
 

Sonnenschein Nina ist hartnäckig, denn trotz Motorradunfall mit tödlichem Ausgang taucht sie als Geist auf, um Ex-Freund Rob zu überraschen. Der ist über den unangemeldeten Besucher überhaupt nicht erfreut, taucht die Verflossene immer dann auf, wenn er gerade Sex hat.

 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Kritik

 
 
 
Wir von FILMCHECHER haben in der Vergangenheit schon reichlich sonderbares Zeug besprochen und sind immer wieder überrascht, dass es vor allem vielen Newcomern gelingt mit unkonventionellem Horrorfilmen für Furore zu sorgen. Das dürfte auch für NINA FOREVER gelten, der immerhin schon viele Kinogänger entzückt haben soll, die sich mit Vorliebe auf Filmfesten tummeln, auf denen absurde Kuriositäten fernab kommerziellem Kino-Blödsinns gezeigt werden. Aus England stammt genannter Indie-Hit, der sich – wie hätte es auch anders sein sollen – mit typisch britischem Humor einem Thema widmet, das wohl schon jeder in seinem Leben mehr oder weniger durchlebt haben dürfte. Der Streifen erzählt von Schwierigkeiten die Ex aus dem Kopf des Partners zu bekommen, der trotz neuem Liebesglück mit der alten Beziehung nicht endgültig abschließen kann. Entstanden ist ein morbides aber gleichzeitig melancholisches Kammerspiel, das sich irgendwo zwischen NEKROMANTIK und SPRING bewegt und trotz ernster Problematik mit allerhand Wortwitz für einige Schmunzler sorgt.
 
 
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NINA FOREVER handelt von der 19-jährigen Holly (ABIGAIL HARDINGHAM), die sich gerade zum Sanitäter ausbilden lässt und nebenbei in einem Supermarkt an der Kasse jobbt. Wie das Schicksal so will, lernt sie genau dort die erste, große Liebe kennen und landet prompt mit dem geheimnisvollen Rob (CIAN BARRY) im Bett. Leider endet das Schäferstündchen anders als erwartet, denn im Rausch der Triebe liegt plötzlich eine blutverschmierte Schönheit (FIONA O’SHAUGHNESSY) mit im Bett und beobachtet das Paar beim Liebesspiel. Nach anfänglicher Irritation klärt Rob auf. Bei der Frau handelt es sich um die Ex, die bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Weil die Beziehung nie beendet wurde, erscheint die Tote immer dann, wenn sich der Liebste mit anderen Frauen vergnügt. Was anfänglich Probleme bereitet, wird bald zur Normalität. Weil die schüchterne Holly bis über beide Ohren verliebt ist, versucht sie mit der ungewöhnlichen Situation umzugehen. Leider stößt sie damit bald an ihre psychischen Grenzen.
 
 
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Eine Geschichte über Verlust, Trauer und dem (Nicht-)Loslassenkönnens. Hinter dem Horror-Drama stecken zwei Brüder, die mit ihrem Debütwerk eigene Erfahrungen verarbeiten, die als Inspirationsgrundlage gedient haben sollen. BEN und CHRIST BLAINE wollten nach eher erheiternden Kurzfilmen endlich mal einen Spielfilm machen, der eine andere Richtung einschlägt. Kurzum verknüpften sie Horror mit Humor und gewannen mit dem grotesken Genre-Mix auf einschlägigen Filmfestivals viele Preise. So wurde der Streifen auch auf dem FANTASY FILMFEST 2015 gezeigt, wo die schwarzhumorige Liebesromanze von Zuschauer gelobt wurde und sich innerhalb kürzester Zeit zum Indie-Geheimtipp entwickelte. Mit KICKSTARTER hatte alles angefangen. Wie wir bereits in einigen Kritiken zuvor mehrfach berichtet haben, ist die Finanzierung von Horrorfilmen durch Crowdfunding ein lohnendes Geschäft geworden. Auf Crowdfunding-Plattformen werden Zuschauer selbst zum Produzenten und spenden kleines Geld, damit interessante Filmprojekte gestartet werden können. Für viele Hobby-Regisseure ein interessantes Experiment, die nicht selten mit dem Publikum als Geldgeber den Sprung in die Liga nennenswerter Horrorfilmemacher geschafft haben.
 
 
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Wer aber meint, dass NINA FOREVER blutiges Splatter-Theater geworden ist, wird enttäuscht. Vielmehr ist NINA FOREVER eine mit Humor angereicherte, groteske Dreiecks-Geschichte, die dann doch mehr Drama ist, als blutrünstiger Horror. Statt Grausamkeiten zu bebildern, erforschen die beiden Regisseure die fragile Gefühlswelt ihrer Protagonisten und versehen die bizarre Handlung mit überraschend viel Tiefgang. Oftmals bleibt es wortkarg. Dafür sprechen Bilder Bände. So machen die Blaine-Brüder in Schlüsselsequenzen von Parallelmontagen Gebrauch, um die Verzweiflung zweier Menschen zu bekräftigen, die alle unternehmen, damit sie Vergangenes hinter sich lassen können. Leider hat auch NINA FOREVER mit einigen Problemchen zu kämpfen. Auch wenn die Idee zum Film originell ist und die Schauspieler für Low-Budget-Verhältnisse überzeugend agieren, stört ein wenig die unentschlossene Pendelei zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit. Gerade dann, wenn der ohnehin gemächlich erzählte Streifen an Fahrt gewinnt wird der Erzählfluss durch Ninas schwarzhumorige Besuche ausgebremst. Zudem wirkt der Streifen gerade ab der Halbzeit ziellos und füllt die Handlung mit immer wieder gleichen Szenenverläufen – vermutlich damit Filmlänge erreicht werden kann. So sieht der Zuschauer stets gleiche Abläufe, in denen die Helden Sex haben und dabei von der zynisch plappernden Nina überrascht werden. Demzufolge braucht es knapp 90 Minuten, bis die Macher Stellung beziehen und zu einem Schluss kommen – auch wenn der nicht jedem Zuschauer zusagen dürfte.
 
 
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Nichtsdestotrotz sollte man NINA FOREVER eine Chance geben. Gerade wegen seiner unkonventionellen Machart und den hervorragenden Schauspielern dürfte der Film vor allem Liebhabern filmischer Kuriositäten Herzklopfen bescheren. Wer es deftig mag, sollte aber Abstand halten. Auch wenn NINA FOREVER einen übel zugerichteten Geist, viel nackte Haut und irritierende Sex-Szenen besitzt, die der Horror-Romanze einen nekrophilen Touch verleihen, bleiben harte Schauwerte aus. Das ist aber auch gut so, schließlich versuchen sich Filmemacher seit Jahren mit Filmgewalt zu überbieten, vergessen dabei aber gute Geschichten zu erzählen. Letztere hat NINA FOREVER definitiv. Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus dürfte das freuen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Morbide, melancholisch, schwarzhumorig und absurd. Der etwas andere Liebesfilm, den man der Liebsten zum Valentinstag schenken kann. NINA FOREVER ist kurioses und unkonventionelles Nischenkino mit Ecken und Kanten, das vor allem Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus viel Freude bescheren wird. Ein zu Recht auf Filmfesten gefeierter Geheimtipp, dem man unbedingt eine Chance geben sollte.
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Zensur

 
 
 
Wegen der freizügigen Sexszenen wird NINA FOREVER eine FSK16 erhalten. Gewalt gibt es im Film bis auf eine verletzten Hand nicht zu sehen. Der Lebenssaft der gezeigt wird fließt aus der toten Nina heraus, die sich bei einem Motorradunfall schwer verletzt hat. Als Geist taucht sie immer wieder mit gleichem Unfallwunden auf und räkelt sich mit Vorliebe auf weißen Bettlaken, die das Filmpaar regelmäßig wechseln müssen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegenb bei EPIC PICTURES GROUP)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Weg mit Ex (2014)
 
Life After Beth (2014)
 
Spring (2014)