Filmkritik: „Kill Your Friends“ (2015)

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KILL YOUR FRIENDS

Story

 
 
 
Es ist 1997, ein Jahr nachdem die Spice Girls von England aus ihre Welteroberung starteten, und die Menschheit schreit nach Britpop. Zum Glück gibt es Steven Stelfox (Nicholas Hoult), der bei einer englischen Plattenfirma arbeitet und neues Talent an den Laden bringen soll. Als Mitarbeiter der A&R-Abteilung (kurz für Artiste & Repertoire) kriecht er durch Berge von CDs und Demotapes um das nächste große Ding ausfindig zu machen. Dabei sieht er sich als Spieler in der Musikbranche als Hai in einem riesigen Haifischbecken, in dem jeder nach Erfolg strebt. Um jeden Preis. So greift auch Steven langsam aber sicher zu unlauteren Methoden, um innerhalb seiner Firma aufzusteigen und den ganz großen Wurf zu landen. Angefangen bei Koks, leichten Damen und veganen Indie-Bands ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich hinter ihm eine blutige Spur auftut.
 
 
 


 
 
 

KILL YOUR FRIENDS – Kritik

 
 
 
There is no business like show business. Diese goldene Regel begleitet seit Jahren die Entertainmentbranche. Der Mythos von drogenverseuchtem Luxus und intriganten Drahtziehern verfolgt das Business ebenso hartnäckig wie die stetig wachsenden Unmengen von Geld, die sich beispielsweise Plattenfirmen einverleiben. Regisseur Owen Harris hat es sich in seinem ersten Kinofilm zur Aufgabe gemacht, diese düsteren Machenschaften zu entblößen und dabei eine bitterböse Satire auf die skrupellose Jagd nach Ruhm und Reichtum zu drehen. Entsprechend bissig kommen die Porträts der Bands und der „kreativen“ Köpfe hinter den Musikgruppen daher. Da wäre zum Beispiel das Quartett aus gründlich untalentierten jungen Damen, die von Steves Firma als der nächste Hit verkauft werden sollen. Oder der deutsche „Künstler“ Rudi (Moritz Bleibtreu), der sein Geld mit unaussprechlich grausamer Elektro-Musik verdient. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Sequenzen, in denen Steve und seine Kollegen sich unvernünftige Mengen an Rauschmitteln einverleiben und mit erweitertem Bewusstsein durch die vollends willkürliche Welt der wöchentlichen Charts navigieren.
 
 
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Gemischt werden die satirischen Einfälle mit Elementen aus schwarzer Komödie und Krimi-Thriller, was den Film leider kaum bereichert und stattdessen ein Wirrwarr aus Genres heraufbeschwört, in dem man sich nur schwer orientieren kann. Dazu trägt außerdem der Protagonist Steven Stelfox bei, der leider nicht funktioniert. Ein Vergleich mit dem kürzlich produzierten „Filth“ („Drecksau“) scheint angemessen, da beide Filme von skrupellosen Charakteren erzählen, die um jeden Preis ihre Karrieren vorantreiben wollen. Anders als der von James McAvoy brillant gespielte und fürchterlich zerrissene Bruce Robertson ist Steven Stelfox eine Figur, zu der man unmöglich Sympathie entwickeln kann. Wo die Boshaftigkeit in „Filth“ halbwegs nachvollziehbar ist, erfahren wir kaum etwas über die Motive des Hauptcharakters von „Kill Your Friends“, der von nichts weiter als einer unbegründeten Gier getrieben wird. Als moralische Anklage einer perfiden Branche versagt Owen Harris’ Film, da er sich den Fehlbarkeiten seiner Figuren zu sehr annähert und kein Gegengewicht zu ihren Eskapaden liefert. Er nimmt eine ähnlich ziel- und planlose Haltung ein wie Steven selbst, was sich im Film deutlich niederschlägt. Zu sehr wird der Verlauf der Handlung von willkürlichen Ereignissen dominiert, die dem Film zusätzlich ein wenig versöhnliches Ende beschert.
 
 
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KILL YOUR FRIENDS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Alkohol, Blut, Drogen und Spice Girls – Fieser und schwarzhumoriger Drogen-Trip durch die Musikszene der 90er. Mit „Kill Your Friends“ sollte augenscheinlich ein hartes Urteil über die korrupte und moralisch bankrotte Musikbranche gefällt werden. Leider werden die amüsanten und gut getroffenen satirischen Elemente des Films zu sehr verwässert und lassen ihn als halbgaren Mix zwischen dunkler Komödie und wenig spannendem Thriller erscheinen. Die Krönung ist ein vollends unsympathischer Protagonist, der die Sympathien der Zuschauer nur schwer für sich gewinnen kann. Übrig bleibt ein stellenweise unterhaltsamer Film, der über seine hochgesteckten moralischen Ziele stolpert und sie nicht erfüllen kann.
 
 


 
 
 

KILL YOUR FRIENDS – Zensur

 
 
 
Neben permanentem Drogenkonsum und einer Menge Nacktheit gibt es eine Handvoll blutiger Szenen, die „Kill Your Friends“ etwas würzen, aber nicht ins Extreme abrutschen. Der Film hat eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Verfilmung des Buches von John Niven feierte ihre Weltpremiere als Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfest 2015 und wurde nun vom Rechteinhaber Ascot Elite in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

KILL YOUR FRIENDS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kill Your Friends; Großbritannien 2015

Genre: Thriller, Komödien, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer Deutsch, Originaltrailer Englisch, 10 Interviews (ca. 47 Min.), B-Roll (7:48 Min.), Premiere Zürich Filmfestival (5:34 Min.), Trailershow

Release-Termin: 18.03.2016

 

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KILL YOUR FRIENDS – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Drecksau (2013)
 
Dom Hemingway (2013)
 
Bad Lieutenant (1992)
 

Kritik: „Entitled – Ein fast perfektes Opfer“ (2011)

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ENTITLED – EIN FAST PERFEKTES OPFER

Story

 
 
 
Paul (Kevin Zegers) hat die Schnauze voll. Zwei Jahre sind seit seinem Abschluss ins Land gezogen und noch immer wohnt er mangels Einkommen bei seinen Eltern. Als ob die Schmach für den jungen Mann nicht genug wäre, reicht das Gehalt des Vaters langsam nicht mehr für die Medikamente seiner kranken Mutter. Am Ende der Vernunft fasst Paul den Entschluss, die Sprösslinge von drei gut betuchten Geschäftsmännern auf einen unfreiwilligen Urlaub einzuladen und sich diesen von den drei Vätern bezahlen zu lassen. Mit unter der Decke stecken die beiden Komplizen Jenna (Tatiana Maslany) und Dean (Devon Bostick) die ihrerseits ein Hähnchen mit den verwöhnten Klassenfeinden zu rupfen haben. Es beginnt ein Entführungs-Thriller, der seinem Publikum neben gelegentlichen Wendungen auch den einen oder anderen moralischen Denkansatz liefert.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Kritik

 
 
 
Über die Jahre betraten viele kriminelle Protagonisten die Filmbühne, die meisten davon mit ihrer eigenen Rechtfertigung für ihre Taten. Im Fall von Paul Dynan und seines Masterplans ist die Rechtfertigung eine, die zur Zeit in vielen Köpfen der westlichen Welt ihre Runden dreht. Frisch und voller Energie hat der intelligente und fleißige junge Mann die Uni verlassen, nur um festzustellen, dass die Wirtschaft keinen Platz für ihn bietet, der seinen Ambitionen gerecht wird. Während er ein Vorstellungsgespräch nach dem anderen führt, rackert sein Vater sich in Spätschichten den Allerwertesten ab, doch all das reicht nicht einmal, um die medizinische Versorgung eines kranken Familienmitglieds zu sichern, geschweige denn ein Leben zu führen, das den Arbeitsaufwand entschädigt. Also verschiebt der ehrgeizige Paul seinen Fokus und seinen Intellekt auf eine nicht ganz legale Alternative, um an das so wichtige Cash zu kommen.
 
 
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Die soziale und wirtschaftliche Kulisse, vor der sich „Entitled“ abspielt, ist also nicht nur brandaktuell, sondern auch glaubwürdig. Ebenso glaubwürdig ist die Entwicklung der meisten Konflikte im Film, die sich nicht nur zwischen Geisel und Entführer, sondern gelegentlich auch innerhalb der kriminellen Bande und sogar zwischen den drei Vätern abspielen. Die Twists des Films sowie eine Handvoll Überraschungen zum Ende halten derweil souverän die Spannung aufrecht. Die größte Überraschung des Films bleibt jedoch die Verankerung seiner Story in einem glaubhaften, realitätsnahen Hintergrund. Aber wie der Protagonist, der im Lauf des Films oft Sympathie-Punkte gewinnen und wieder verlieren wird, predigt, muss man die Regeln brechen, wenn das Befolgen nicht mehr genügt. Oder?
 
 
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ENTITLED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Der Titel des Films fasst seinen Kern treffend zusammen. Was steht wem zu? Wer verdient Gutes, wer verdient Schlechtes? Der Film lässt mehrere Charaktere mit verschiedenen Philosophien und Ansichten aufeinandertreffen und zieht nebenher einen spannenden, soliden und kurzweiligen Thriller auf, über den man sich sogar nach Ablauf des Abspanns noch unterhalten kann.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Zensur

 
 
 
Von der FSK hat „Entitled“ in seiner unzensierten Fassung das blaue Qualitätssiegel und damit eine Freigabe ab 16 erhalten. Der Film ist zwar nicht überaus brutal oder blutrünstig, die wenigen Gewalteinlagen schlagen jedoch auf Grund ihrer Rohheit und des Verhaltens mancher Charaktere stark ein. Die höhere Einstufung ist auf einige Trailer zurückzuführen, die aus Werbezwecken ebenso auf der Heimkinoveröffentlichung zu finden sind.
 
 
 


 
 
 

ENTITLED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Entitled; Kanada 2011

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: Film: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray aufgrund einiger Trailer: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes, alternatives Ende

Release-Termin: 19.05.2015

 

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ENTITLED – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Maritim Pictures

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Filmreview: „Dark House“ (2014)

Dark-House-2014
 
 
 

DARK HOUSE

Story

 
 
 
Nick (Luke Kleintank) besitzt hellseherische Fähigkeiten und erbt ein geheimnisvolles Landhaus, in dem sich das Böse versteckt hält, das schon seit vielen Jahren auf die Ankunft des Erben wartet …
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Kritik

 
 
 
ACHTUNG: Kritik beinhaltet viele SPOILER!
 
 
 
VICTOR SALVA ist ein ganz schön ausgekochtes Schlitzohr, denn der JEEPERS CREEPERS-Schöpfer scheint nicht nur eine Leidenschaft fürs Phantastische Genre zu hegen. In seinem letzten Psycho-Thriller ROSEWOOD LANE (2011) bewies der Filmemacher, dass er ein ziemlich sicheres Händchen für unerwartete Wendungen besitzt und auch schon mal mit verblüffenden Enden konfrontiert, die der Zuschauer vermutlich so nicht kommen gesehen hat. Weil’s wahrscheinlich gut angekommen ist, macht SALVA auch gleich da weiter, wo er aufgehört hat. DARK HOUSE heißt der aktuelle Kracher aus der Feder des umstrittenen Regisseurs, der in der Vergangenheit eine Menge Probleme mit dem amerikanischen Rechtstaat bekam, weil er sich an einem minderjährigen Darsteller vergriffen hatte. Nach 15 Monaten Haft wurde SALVA wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen und konzentriert sich seither auf das, was er wirklich gut kann: Filme drehen.
 
Wahrlich extravagant ist die Titelkreation des neusten Schockers nicht gerade und lässt diverse Spuk- und Geisterfilme Revue passieren, die man in letzter Zeit auf dem Schirm hatte. Umso enttäuschender zumindest für jene Horrorfans, die hier Paranormales erwarten, denn mit garstigen Poltergeistern und klassischem Geisterspuk im herkömmlichen Sinne hat DARK HOUSE (der ursprünglich übrigens als HAUNTED in die Kinos kommen sollte) rein gar nichts am Hut. Es geht um Nick Di Santo (LUKE KLEINTANK), der mal wieder seine Mutter in der Klapse besucht, um feststellen zu müssen, dass die wirklich nicht alle Latten am Zaun hat. Die gute Frau will dem Sohnemann partout nichts über den leiblichen Vater verraten, von dem er eine mysteriöse Gabe weitervererbt bekommen hat. Er kann den Tod jener Menschen voraussehen, die er berührt was aber auch Nachteile mit sich bringt, denn oftmals schwirren ihm so Dinge vor Augen, die er eigentlich nicht freiwillig sehen möchte. Als er in Rage nach der Mutter greift, sieht er auch gleich ihr letztes Stündlein schlagen. Wenige Stunden später stirbt sie eines grausamen Todes und vermacht dem Sohn ein riesiges Anwesen. Viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, denn Nick kennt das Haus von vielen Bildern und Skizzen, die er seit frühster Kindheit gezeichnet hat. Eine logische Erklärungen hierfür findet er nicht, dafür aber eine Urkunde mit einer Adresse, die ihm direkt zu jenem Gemäuer führen soll. Leider wurde die Gegend um das Haus vor vielen Jahren von einem Hochwasser verwüstet, was die Suche weitaus schwieriger gestaltet, als anfänglich erwartet. Auch die Einheimischen sind keine Hilfe. Die kennen nur die Legenden und warnen vor drohendem Unheil. Gott sei Dank begegnet man drei Landvermessern, die natürlich wissen wo man das verfallene Grundstück finden kann und Nick genau zu jenem Häuslein bringen, das ihn seit Kindertagen bis in die Träume verfolgt. Kaum angekommen stoßen sie auf einen langhaarigen Zottelkopf (TOBIN BELL), der nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck hinterlässt. Der hetzt einen Trupp springender Axtwerfer auf die nichtsahnenden Besucher und macht den Fremden unmissverständlich klar, dass sie hier nichts zu suchen haben.
 
TOBIN BELL (Jigsaw aus der SAW-Serie), der hier einen seltsamen Eigenbrödler spielt, hat wieder Lust ein Spiel zu spielen. Diesmal erschließt sich dem Zuschauer aber vorerst nicht, auf welcher Seite er stehen wird. VICTOR SALVI entführt den Zuschauer auf eine rasante Achterbahn voller Twists und Wendungen, der es ganz spielerisch gelingt dem festgefahrenen Horror-Genre frischen Wind einzuverleiben. In diesem Horrortrip ist nichts wie es anfänglich scheint. Hier herrscht verkehrte Welt, denn in DARK HOUSE sind Bösewichte nicht bösartiger Natur, sondern die Guten die Bösen. In SALVAS neustem Genre-Flick ist ne Menge los, was man so in dieser Art mit Sicherheit noch nicht auf dem Bildschirm hatte. Vor allem die fürs Genre wichtigen Horrorgestalten bleiben in Erinnerung, schließlich flimmern nicht alle Tage axtschwingende Riesen über den TV-Apparat, die auf Kommando seitlich im Takt springen. Die stummen und langhaarigen Kreaturen handeln im Auftrag des seltsamen Seth (TOBIN BELL), der dem neuen Hausbesitzer erst einmal einen Heidenschreck einjagen muss, damit dieser mit seinen Freunden möglichst zügig wieder verschwindet. Warum er das tut wird schnell klar, denn eigentlich will er Schlimmes verhindern, schließlich lebt im Keller des Hauses eine dämonische Macht, die nur auf die Ankunft des Erben gewartet hat, um die Hölle auf Erden errichten zu können.
 
Regisseur VICTOR SALVA bringt nach dem Überraschungserfolg JEEPERS CREEPERS ein weiteres Horror-Highlight in die internationalen Wohnzimmer, das wir von FILMCHECKER uneingeschränkt empfehlen können. DARK HOUSE bedient sich bei diversen Subgenres des Horrorfilms und macht daraus etwas vollkommen Neues, das den Fan auch noch packend zu unterhalten versteht. Hier sehen wir übrigens einen der besten Horror-Momente der letzten Jahre: Die Helden rütteln an einer verschlossenen Kellertür während im Mondschein unzählige von axtschwingenden Monstern in Richtung Horrorhaus hüpfen. Als die Freunde von der Tür lassen bleiben die Kreaturen stehen. Nun heißt es sich so leise wie möglich an den langhaarigen Riesenprimaten vorbeizuschleichen. Fünf Minuten Adrenalin pur. Vielen Dank dafür Herr SALVA.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Horrorpflichtprogramm! DARK HOUSE ist eine überraschungsreiche Achterbahn mit cleveren Wendungen und unerwarteten Twists. Der Schöpfer der beliebten JEEPERS CREEPERS-Saga hat hier einen großartigen Horrorfilm gedreht, der sich zwar aus bekannten Horrorelementen zusammensetzt und doch am Ende verblüfft, weil man derart Mixtur bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Hervorzuheben sind die wirklich obskuren Filmmonster und die Tatsache, dass man eigentlich nie weiß wohin die Reise führen wird. Dass der Schocker nicht einmal eine Million Dollar gekostet haben soll, will man gar nicht so recht glauben, denn DARK HOUSE macht trotz Indie-Status alles andere als einen billigen Eindruck. Letztendlich bleibt zu erwähnen, dass Regisseur VICTOR SALVA hier schwer unterhaltsame Genreware gedreht hat, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Denn nach dem genannten JEEPERS CREEPERS (2001) gehört DARK HOUSE zu dem Besten, was der Filmemacher bisher hervorgebracht hat.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Zensur

 
 
 
DARK HOUSE ist nicht sonderlich grausam. Dennoch schwingt man hier leidenschaftlich mit der Axt, so dass auch mal ein Kopf gespalten wird. Ansonsten gibt es herausgerissene Herzen und ein wenig Gekröse zu sehen. Das ist nicht sonderlich brutal und wurde von der FSK daher auch ab 16 Jahren freigegeben. Dennoch ist die erhältliche Heimkinofassung erst für Volljährige geeignet. Der Grund liegt im Bonusmaterial.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Haunted; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p – Full HD, @24 Hz)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Film: FSK 16 / Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 24.03.2015

 

Dark House [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haunt (2013)
 
House of Bad (2013)
 
Haunter (2013)
 
Jeepers Creepers (2001)
 

Filmreview: „The Butterfly Room“ (2012)

butterfly room 2012
 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM

Story

 
 
 
Die in die Jahre gekommene Ann (Barbara Steele) erlebt ihren zweiten Frühling. Kinder liebt sie über alles, vor allem dann, wenn diese mit der mysteriösen Dame viel Zeit verbringen. Doch hinter der Fassade der gutherzigen und spendablen Frau verbirgt sich das unberechenbare Böse …
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Kritik

 
 
 
Die Liebe einer Mutter stirbt nie. Das mag auch für Nachbarin Ann (BARBARA STEELE) gelten, die einfach derart viel Liebe zu vergeben hat, dass sie gleich für mehrere (ihr fremde) Kinder reicht. Doch die nette, alte Dame von nebenan hat auch ihre Problemchen, denn einen wirklich guten Draht zu ihrer eigenen, erwachsenen und übertrieben hysterischen Tochter Dorothy (HEATHER LANGENKAMP) scheint die gute Frau nicht zu haben. Umso erfreulicher, dass die allein erziehende Mutter Claudia (ERICA LEERHSEN) mit Tochter Julie (ELLERY SPRAYBERRY) in das gegenüberliegende Apartment einzieht. Schnell ist ein guter Kontakt zur neuen Nachbarin aufgebaut, so dass die kleine Julie hin und wieder Zeit mit der schrulligen Ann verbringen kann, wenn Mutter Claudia mal wieder etwas länger auf der Arbeit benötigt. Doch mit der älteren Dame scheint irgendwas im Argen zu liegen. Nachts dringen geheimnisvolle Geräusche aus ihrer Wohnung und Menschen verschwinden spurlos, die zuletzt mit der Rentnerin in Verbindung gestanden haben. Alles hat den Anschein, als wenn Anns mysteriöser Schmetterlingsraum ein Geheimnis wahrt zu dem Julie der Zutritt verboten wurde.
 
Der Giallo ist zurück. Das Subgenre des Thrillers wurde von Horror-Kultikone MARIO BAVA (BLUTIGE SEIDE) Mitte der 60er begründet und hat Dank DARIO ARGENTO und SERGIO MARTINO in den 70ern eine Blütezeit erlebt. Seit einigen Jahren versucht man den scheinbar vergessenen Vorläufer des amerikanischen Slasher-Films wieder aufleben zu lassen. Visuell sehr reizvolle und effizient inszenierte Streifen wie GIALLO (2009) oder MASKS (2011) brachten erneut spannendes Krimi-Feeling in die Wohnzimmer und verhalfen dem einst schmuddeligen Giallo zu neuem Glanz. Auch JONATHAN ZARANTONELLO ist ein großer Verfechter jener Filmgattung. Der wollte mit seinem THE BUTTERFLY ROOM nur zwei Dinge: Eine Hommage an den berüchtigten Giallo-Thriller der 70er mit all seinen Lieblingsdarstellern drehen und einen Film in die Kinos bringen, in dem eine Frau unschuldige Kinder gemeingefährlich um die Ecke meuchelt. Ersteres ist ihm zumindest auf jeden Fall eindrucksvoll gelungen. THE BUTTERFLY ROOM entpuppt sich als Klassentreffen der Altstars des Horrorgenres. Wir sehen BARBARA STEELE als bemitleidenswerte und skrupellose Alte, die bereits in Bavas Klassiker DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (1960) zu sehen war und dort glänzen konnte. Die Darsteller-Riege wird ergänzt durch Scream Queen HEATHER LANGENKAMP, die es vor mehr als 30 Jahren mit Kinderschlächter Freddy Krueger (ROBER ENGLUND) aufnahm und sich im ersten NIGHTMARE ON ELM STREET um Kopf und Kragen schrie. Außerdem ließen es sich Regisseur JOE DANTE (GREMLINS) und CAMILLE KEATON (das Opfer aus dem Original I SPIT ON YOUR GRAVE) nicht nehmen, mal kurz durchs Bild zu huschen, damit die Klassikerfans unter den Filmzuschauern feuchte Höschen bekommen.
 
THE BUTTERFLY ROOM ist ein durchweg sehenswerter Genrebeitrag, was vor allem daran liegen mag, dass ZARANTONELLO dem Horrorfreund nicht die ewig gleiche Brühe vorsetzt, die er schon in zig anderen Möchtegern-Schockern gesehen hat. Sein dritter Spielfilm hat es wahrlich in sich und besinnt sich zu den Wurzeln des Horrors zurück, die das Genre einst zu erfolgreich gemacht haben. Mit überschaubarem Budget erzählt er eine puzzleartige und packende Geschichte, die nie zuviel verrät und mittels intelligent eingestreuter Zeitsprünge von der düsteren Vergangenheit eines betagten, vereinsamten und mordenden Mütterchens berichtet. Hierbei scheint STEELE als meuchelnde Oma perfekt gewählt. Sie agiert zwar ab und an (bewußt?) sonderbar und unbeholfen vor der Kamera, findet aber stets den Spagat zwischen ausgefuchstem Biest und gutherziger Übermutter, der man das eiskalte Killerspiel irgendwie gar nicht übel nehmen will. Im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen der bekannten Gallio-Ära hält sich ZARANTONELLO mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten dezent zurück. Großmütterchen Ann schreitet zumeist im Affekt zur Tat und hat eine ganz eigene Methode zur „Müllbeseitigung“ für sich entwickelt, was man natürlich zu keiner Zeit hinterfragen sollte (ist ja schließlich auch ein Horrorfilm), scheint doch Ann im Film mit Bärenkräften gesegnet worden zu sein.
 
Auch wenn es sich bei THE BUTTERFLY ROOM um unverbrauchte Genreware mit viele Liebe zum Detail handelt, hinterlässt das etwas sehr überstützte und viel zu kurze Finale einen recht faden Nachgeschmack. Selbstverständlich arbeitet ZARANTONELLO daraufhin hinaus, dass das perfide Treiben der merkwürdigen Dame am Ende entdeckt wird. Was anfänglich noch nahezu akribisch durchgeplant zu vertuschen versucht wird, verliert am Ende an Wichtigkeit. Ann stapft unüberlegt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und stolpert so in ein Finale, das man fast schon als zwanghaft konstruiert und arg grobmotorisch bezeichnen könnte. Immerhin bleibt das Rätsel um Anns titelgebenden Schmetterlingsraum bis kurz vor Ende gut verschleiert, was auf jeden Fall knapp 90 fesselnde Minuten verspricht. Die sind definitiv gut angelegt, punktet THE BUTTERFLY ROOM doch mit einer unverbrauchten Thriller-Thematik, die zudem sogar auch noch intelligent umgesetzt wurde. Leider hat es bisher noch kein deutscher Verleih riskiert den absolut sehenswerten Streifen auszuwerten, was schon mehr als grotesk anmutet, wenn man sich die Schundwerke anschaut, die tagtäglich in den deutschen Handel gebracht werden. Sollte es dennoch soweit sein: Vormerken und anschauen, denn THE BUTTERFLY ROOM ist eine wirklich liebenswert-schrullige Verbeugung vor den ganz großen Giallo-Regisseuren der 70er Jahre.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein absoluter Leckerbissen für jeden Horrorfan. THE BUTTERFLY ROOM lässt den längst vergessenen, schmuddligen Giallo der 70er Jahre erneut aufleben und haucht ihm sogar noch frischen Wind ein. Selten hat man einen derart betagten Killer auf der Mattscheibe erlebt, der so ausgefuchst und raffiniert zur Tat schreitet, dass im Gegensatz dazu Genre-Kollegen wie Meyers, Voorhees und Co. in Rente gehen können. Regisseur JONATHAN ZARANTONELLO hat alles richtig gemacht und ein kleines Meisterwerk geschaffen, das den ganz großen Giallis der 70er in nichts nachsteht. Wenn nur andere soviel Herzblut in ihr Schaffen investieren würden, gäbe es schon längst nicht mehr so viele minderwertige Filme wie es aktuell der Fall ist. Von uns gibt es daher auch für THE BUTTERFLY ROOM fast volle Punktzahl und den Hinweis auf Horror-Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Zensur

 
 
 
Hierzulande konnte THE BUTTERFLY ROOM problemlos die FSK passieren. Da im Film nur wenige Grausamkeiten gezeigt werden, die zudem kaum blutig sind, wurde der Streifen ab 16 Jahren freigegben. Die Kaufhausversion ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Butterfly Room; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min. (uncut)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 10.06.2014

 
 
 

Butterfly Room – Vom Bösen besessen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
Das Kindermädchen (1990)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Stepfather (1987)
 
Stepfather (2009)
 

Filmreview: „Sushi Girl“ (2012)

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Sushi Girl

Story

 
 
 
Sechs Jahre nach ihrem schiefgelaufenen Diamanten-Coup stoßen 5 Kriminelle erneut aufeinander, um über den Verbleib der Beute zu diskutieren. Fish, der damals die gesamte Schuld auf sich nahm und eine Haftstrafe abbüßen musste, wird zusammen mit den übrigen Komplizen in ein baufälliges asiatisches Restaurant geladen, wo er die übrigen Mittäter bei einem ausufernden Sushi-Festschmaus über den Verbleib der Diamanten unterrichten soll. Doch leider scheint Fish nicht wirklich zu wissen, wo sich die kostbare Beute befindet. Ganz zum Leidwesen der restlichen Anwesenden, denn die scheinen über Fish´s (gespielte?) Unwissenheit so rein gar nicht erfreut zu sein. Kurzum fesseln sie den ahnungslosen Burschen auf einen Stuhl und beginnen ihn aufs Ungnädigste zu foltern, in der Hoffnung doch noch irgendwelche verwertbaren Informationen über den Aufenhaltsort der kostbaren Steine ergattern zu können…
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Kritik

 
 
 
Oftmals kann es von Vorteil sein, die eigene Erwartungshaltung an einen Film gänzlich herabzustufen, um letztendlich nur bedingt enttäuscht zu werden. Hin und wieder kann es jedoch auch passieren, dass man als Zuschauer schier überrascht ist, wie gut ein Film unterhalten kann, von dem man zuvor nichts wirklich Produktives erwartet hat. Auch der vorliegende „Sushi Girl“ macht da keine Ausnahme und dürfte dem bewanderten Filmfreund vor der eigentlichen Sichtung ein nur müdes Lächeln entlocken können. Das mag vor allem daran liegen, dass die zugrunde liegende Rachestory einmal mehr fachgerecht recycelt wurde und eine unweigerliche Ähnlichkeit zu dem 1992 entstandenen „Reservoir Dogs“ besitzt. Der enthusiastische Tarantino-Fan dürfte hierbei vermutlich wütend auf die Barrikaden klettern und zu Recht einmal mehr bekräftigen, wie ideen- und respektlos heutige Filmemacher geworden sind, dass sie bereits unbedeutende Plagiate hochgelobter Kultstreifen für den Heimkinomarkt produzieren müssen. So wirklich unbegründet scheint die Anklage letztendlich nicht, denn „Sushi Girl“ liest sich nicht nur wie ein „Reservoir Dogs„, sondern schaut zudem auch noch haargenau wie einer aus. Das beginnt bei der fast haargenauen Thematik die dem Film zugrunde liegt, geht in eine ebenso überaus schräge Charakterskizzierung über und endet mit den gleichen ultra-coolen Wortspielereien, die seit jeher das Schaffen Tarantinos prägen. Dennoch sollte man vermutlich nicht so hart mit „Sushi Girl“ ins Gericht gehen, letztendlich handelt es sich bei diesem Genre-Beitrag um den Einstieg eines noch unbekannten Nachwuchsfilmerlings in das internationale Filmgeschäft.
 
Auch wenn die Tatsache so ziemlich groteske Züge erhält und sich Regie-Neuling „Kern Saxton“ für sein Debüt-Werk etwas zu unverfroren am kultigen Erstlingswerk Tarantinos vergangen hat, so lässt sich dennoch nicht leugnen, dass „Sushi Girl“ durchaus seine Momente besitzt und eigentlich gar nicht so übel ist, wie anfänglich vermutet. Vor allem der grotesk zynische Unterton, der die Gegebenheiten begleitet, sowie die wenigen Protagonisten, die an Skurrilität kaum zu übertreffen sind, heben „Sushi Girl“ deutlich über den Durchschnitt und bereichern den Film ungemein.
 
Dabei dürfte es vor allem Fans der Horror-Legende „Tony Todd“ einmal mehr erfreuen, dass es der ehemalige „Candyman„-Darsteller auch Jahre nach seinem kultigen Auftritt als messerschwingender Killerdämon immer wieder schafft, die von ihm gespielten Filmrollen mit seinem ganz individuellen Feinschliff zu bereichern. Egal in welchem Film „Todd“ bisher aufgetreten ist, seine geheimnisvolle und unheimliche Aura bleibt im Gedächtnis haften, sodass es eine Wonne ist, dem Schauspieler auch bei seinem superben Agieren im vorliegenden „Sushi Girl“ beiwohnen zu dürfen. Doch nicht nur „Todd“ scheint der eigentliche Glanzpunkt dieses Filmes zu sein, auch der Rest der geladenen Gäste ist wahrlich nicht Ohne, wobei hierbei die Leistungen von „Mark Hamill“ und „Andy Mackenzie“ nicht unbeachtet bleiben sollten. Ihr widerliches Handeln als „dynamisches Folterduo“ scheint sich des öfteren bezahlt zu machen und verhindert, dass „Sushi Girl“ nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Da sich das Kammerspiel teilweise in zu langatmigen Wort-Duellen verliert, lenken einige Folter-Spielchen die Aufmerksamkeit des Zuschauers zurück auf die Gegebenheiten des Films. Hierbei wird das grafische Foltern des Mitkomplizen „Fish“ (Noah Hathaway) mit einigen merklich unangenehmen FX aufbereitet, sodass zumindest Gorehound ihre helle Freude mit diesem gewalttätigen und stylisch durchfotografierter Gangsterthriller haben dürften. Als Filmfreund fragt man sich aufgrund derart Zeigefreudigkeit, wie es „Sushi Girl“ letztendlich eigentlich geschafft hat, ungeschnitten die FSK passieren zu dürfen, denn wirklich zimperlich geht es hier nicht gerade vonstatten. Da werden Zähne gezogen und Nägel in Kniescheiben geschlagen, nur um am Ende die Erkenntnis zu erlangen, dass die selbstzweckhaften Gewaltexzesse gegenüber dem leidenden „Fish“ vollkommen überflüssig gewesen sind, da sich die übrigen Fieslinge mit einer gänzlich andere Bedrohung konfrontiert sehen. Immerhin wartet der Film mit einem überraschenden Storytwist auf, der die Gegebenheiten in vollkommen absurde Sphären verfrachtet. Auch wenn das überraschende Ende ein wenig sehr kontruiert wirkt, so macht es den Film dadurch keineswegs schlechter. Zudem wird der Zuschauer in den letzen Filmminuten über den zugrundeliegenden Titel aufgeklärt, der bis kurz vor Abschluss scheinbar keinen wirklichen Sinn machen will.
 
Sushi Girl“ ist weder Fleisch noch Fisch, aber dennoch kein wirklich schlechter Vertreter seine Gattung. Zwar sind hier unverkennbare Parallelen zu Tarantinos Erstwerk „Reservoir Dogs“ (1992) zu erkennen, dennoch gilt auch hier die Devise: lieber gut geklaut, als schlecht selbst erdacht. Das größte Manko des Films ist jedoch, dass er augenscheinlich etwas zu „cool“ sein möchte, was sich durch die teilweise etwas unbeholfenen Wortspielereien bemerkbar macht. Hier eifert Regisseur und Autor „Kern Saxton“ etwas zu versteift seinem großen Vorbild hinterher, sodass sich sein Erstlingswerk in arg langatmigen und unwichtigen Dialoggefechten verfängt. Dennoch wissen einige grafisch ansprechende Folterszenen dieses Manko wieder wett zu machen und die Handlung voran zu treiben. Das eigentliche Opfer „Fish“ wird hierbei mit allerhand „Werkzeug“ genüsslich über den Jordan gemeuchelt, was „Sushi Girl“ durchaus für Splatter-Horrorfans interessant machen dürfte. Leider schafft es „Saxton“ hier dennoch nicht ein Mitfiebern zu bewirken, denn der eigentliche Sympathieträger bietet kaum Identifikationsmöglichkeiten. Sein leidliches Schicksal wird zwar zu Beginn grob durchleuchtet, verliert aber im Verlauf der Geschichte an Interesse, sodass vermutlich die Rolle des „Fish“ allein nur deshalb in die Handlung gestreut wurde, um die Gore-Fraktion unter den Filmfans befriedigen zu können, zumal die sinnfreien Gewalteskapaden letztendlich ins Nichts verlaufen und ziemlich selbstzweckhaft wirken. Auch wenn der vorliegende Thriller wahrlich nicht perfekt ist, will man mal als interessierter und offener Cineast nicht meckern. Die Geschichte wird (wie bereits seine kongeniale „Vorlage“) in geschickten Rückblenden erzählt, die am Ende, trotz des etwas aufdringlich wirkenden Überraschungs-Plots, durchaus Sinn ergeben. Einige witzige Miniauftritte bekannter B-Akteuren lockern „Sushi Girl“ zudem erheblich auf und dürften vor allem alteingesessene Filmfreunde einmal mehr verschwitzt grinsen lassen. Insofern man die eigenen Erwartungshaltung herabsenkt, erlebt man als Zuschauer knapp 98 Minuten kurzweilige und glatt-polierte Indie-Unterhaltung, die sich wohlwollend von der Masse an aktueller Horror- und Thriller-Ware abzuheben weiß.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gewerkelt – Kleines, äußerst brutales Kammerspiel mit ziemlich skurrilen Charakteren, das ein wenig arg an Werke „Quentin Tarantinos“ erinnert.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist mit der „Keine Jugendfreigabe„-Kennzeichnung vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

Sushi Girl – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Sushi Girl Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sushi Girl; USA 2012

Genre: Horror/Thriller

Ton: Deutsch + Engl. DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1080p/24, 2.35:1

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Leider nur der Trailer zum Film und zu kommenden Highlight aus dem Hause „Ascote Elite“

 
 
 
Rein qualitativ kann man auch bei der vorliegenden deutschen Blu-ray nicht meckern, insofern man einzig auf die Qualität des Hauptfilms Wert legt. Denn dieser kommt mit ziemlich ansprechenden Bild und anständigen Ton daher. Wirkliche Mängel sind hier nicht zu erkennen. Die Schärfe und der HD-Effekt ist stets präsent und die hier abgelieferte Qualität beweist einmal mehr, dass auch ein kleiner Indie-Film mit überraschend gutem Bild punkten kann. Tontechnisch sollte man keine Glanzleistungen erwarten. Da der Film vorwiegend von seinen Gewalteskapaden und Wortfloskeln lebt und demnach sehr dialoglastig daherkommt, haben die hinteren Boxen nur bedingt zu werkeln. Leider haben es, bis auf den deutschen sowie den internationalen Trailer, keine weiteren Bonusmaterialien auf die Disc geschafft, was wirklich bedauerlich ist, zumal es sich bei „Sushi Girl“ um einen interessanten Titel handelt, der mit einigen Cameos beliebter B-Moviehelden aufwarten kann. Diese hätten vermutlich so einiges zu berichten gehabt. Selbst einen Audiokommentar des Regisseurs sucht man hier vergebens! Schade! Das Filmpaket wird, wie üblich, mit einigen hauseigenen Heimkino-Trailern bereichert – das war´s dann leider auch schon.
 
 

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Sushi Girl – Trailer

 
 
 


 
 

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