Filmkritik: „Make Me Shudder“ (2013)

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MAKE ME SHUDDER

(MO 6/5 PAK MA THA PHI)

Story

 
 
 
Eine Mutprobe mit Folgen: Einige Buben frönen ein besonderes Hobby. Sie schleichen sich des Nachts in verlassene Gebäude, um sich darin Gruselgeschichten zu erzählen und zu Tode zu erschrecken. Als man beliebtes Spiel in einer verlassenen Schule mit schrecklicher Vergangenheit veranstaltet, wird es für die Angsthasen ernst. Dort treiben nämlich zu Abwechslung wirklich Geister ihr Unwesen.
 
 
 


 
 
 

MAKE ME SHUDDER – Kritik

 
 
 
Neben Japan und Südkorea gehört Thailand zu jenen Ländern auf der Erde, in denen man am unermüdlichen Drehen von Geiserfilmen festhält. Die werden dort regelmäßig in die Multiplexe gebracht und schwemmen Jahre nach asiatischen Gruselerfolgen wie RING, JU-ON & Konsorten unaufhaltsam große Summen in die Kinokassen von denen manch amerikanisches Filmstudio nur träumen kann. Auch wenn hierzulande nur noch ein kleines Publikum bleich geschminkte Geister-Asiaten sehen möchten, sind diese Filme in Fernost ein Hit. Wie unbeliebt asiatische Geisterfilme jedoch in Deutschland sind, zeigt die beschränkte Auswahl an Streifen dieser Art, die in unseren Gefilden von mutigen Labels herausgebracht werden. Nur wenige von ihnen erreichen den deutschen Markt – meist lieblos ausgewertet und halbherzig synchronisiert. Bedauerlich, hat gerade der asiatische Horrormarkt manch Geheimtipp zu bieten von dem europäische Zuschauer erst dann erfahren, wenn amerikanische Remakes die Filmlandschaft verseuchen.
 
 
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MAKE ME SHUDDER (Originaltitel: MO 6/5 PAK MA THA PHI) macht’s auf gewohnt asiatische Weise und will in erster Linie subtile Schauer einjagen – freilich ohne Blutvergießen. Hinter dem Genre-Beitrag steckt POJ ARNON (พจน์ อานนท์), der in Thailand unter Horrorfans kein Unbekannter ist. Der war an manch thailändischem Horror-Erfolg beteiligt und zeichnete für Filme wie PHOBIA 2 (Regie), MEAT GRINDER (Produzent) oder STILL 2 (Regie) verantwortlich. Während mit genannten Schockern erwachsene Zuschauer angesprochen werden sollen, zielt es der bekannte Angstmacher mit MAKE ME SHUDDER auf ein eher jugendliches Publikum ab. Dem wird atmosphärische Gruselware geboten, die sich selbstironisch auf die Schippe nimmt. Leider wurde der Horroranteil zugunsten jugendkonformer Inszenierung herabgeschraubt, damit die Kids am Abend auch beruhigt einschlafen können. Dem volljährigen Filmfreund dürfte das gar nicht schmecken, quält der sich durch einen zu lang geratenen Kiddi-Grusler, in dem sich pubertierenden Buben verhalten wie verängstigte Mädchen.
 
 
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Andere Länder, andere Sitten. Das Sprichwort lässt sich natürlich auch auf die asiatische Filmindustrie übertragen, die sich auf Erzählmechanismen konzentriert, die dem europäischen Zuschauer nicht selten befremdlich erscheinen. MAKE ME SHUDDER macht da keine Ausnahme und dürfte wohl auch nur denen zusagen, die eine unbeschreibliche Leidenschaft für fernöstliche Geisterfilme besitzen. Zu sehen gibt es albern wirkendes Overacting, einen kaum vorhandenen Spannungsbogen, viel naives Kindergeschrei und ein kitschiges Finale. Immerhin sprechen plakative 3D-Effekte und eine Unheil verkündende Kulisse an, die zumindest weibliche Filmfans unter 14 Jahren Gänsehaut bescheren dürften. Letztere werden schnell Gefallen am knuddeligen Kindercast finden, der sich im Film vor Angst in die Unterhosen macht.
 
 
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MAKE ME SHUDDER ist kein gelungenes Spukstück. Trotz netter Optik bleibt nicht verborgen, dass inhaltlich auf Sparflamme geköchelt wird. Die knappe Geschichte bietet gerade einmal Stoff für einen Kurzfilm, was Regisseur POJ ARNON aber nicht davon abgehalten hat aus MAKE ME SHUDDER einen ganzen Film zu machen. Dem mussten zwei obligatorische Fortsetzungen folgen, die in der Machart gleichen Weg wie der Erstling gehen.
 
 
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MAKE ME SHUDDER – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
MAKE ME SHUDDER ist nett gefilmte Gruselware für Horrorfans unter 14 Jahren. Nach schockintensiver Erwachsenenunterhaltung konzentriert sich Regisseur POJ ARNON auf eine jüngere Zielgruppe und bannt viel Teenagergeschrei auf Zelluloid für das man gute Nerven benötigt. MAKE ME SHUDDER ist asiatisches Genrekino, das man entweder liebt oder hasst, denn auf westliche Konventionen wird gepfiffen. Vermutlich ist auch hier der Grund zu suchen, weshalb vielen Zuschauern MAKE ME SHUDDER nicht zusagen dürfte. Die Geschichte bewegt sich kaum vom Fleck und die Protagonisten bringen ihre Angst ziemlich aufdringlich zum Ausdruck. Das grenzt oftmals an Slapstick und wirkt unfeiwillig komisch – ist aber in vielen ernst gemeinten, asiatischen Filmproduktionen gang und gäbe. Auch wenn MAKE ME SHUDDER als Horrorkomödie konzipiert wurde, bleiben die richtig guten Lacher aus. Das sind keine guten Voraussetzungen!
 
 


 
 
 

MAKE ME SHUDDER – Zensur

 
 
 
MAKE ME HUDDER ist sehr handzahmes Gruselkino. Neben diversen Scheckmomenten gibt es ein paar blutig geschminkte Geister zu sehen. Die einzigen Gewalteffekte beschränken sich auf zwei Morde mit einem Dolch. MAKE ME HUDDER ist für jugendliche Kinogänger gemacht, die sich auch gern gruseln möchten. Insofern der Streifen je in Deutschland ausgewertet werden sollte, dürfte er ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 


 
 
 

MAKE ME SHUDDER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Long Weekend – Thongsook 13 (2013)
 
Sadako 3D – Ring Originals (2012)
 
As the Gods Will (2014)

Filmreview: „Two Moons“ (2012)

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TWO MOONS

Story

 
 
 
Drei Ahnungslose erwachen im Schuppen eines düsteren Hauses. Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu, schließlich hat dort eine Mutter den Sohn und ihren Ehemann ermordet …
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Kritik

 
 
 
Buh, es spukt wieder und zwar auf Koreanisch. Die Halbinsel zwischen Gelbem und Japanischem Meer hat in der Vergangenheit durch Staatenspaltung und einer Menge innerpolitischer Diskrepanzen Schlagzeilen gemacht, aber immerhin mit dem GANGNAM STYLE (um mal beim Positiven zu bleiben) die ganze Welt infiziert. Auch wenn Süd- und Nordkorea nicht gerade zu den neuen Hochburgen für Horrorfans gehören, kommen von dort ab und an gute Horrorfilme, die dann sogar weltweit Kasse machen. A TALE OF TWO SISTERS (2003), THE HOST (2006) und I SAW THE DEVIL (2010) haben eindrucksvoll bewiesen, dass Horror eine internationale Sprache spricht und jede Kultur ihre ganz eigene Methodik bevorzugt, dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Den Amerikanern war derartige Eigenbrötlerei vermutlich zuviel des Guten, so dass der von KIM JI-WOON inszenierte A TALE OF TWO SISTERS neu gedreht und unter dem Titel DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (OT: THE UNINVITED) 2009 im Kino ausgewertet wurde. Über die Unnötigkeit dieser typisch amerikanischen Neuverfilmung darf durchaus gestritten werden. Es zeigt sich aber mehr als deutlich, dass der koreanische Genrefilm als Exportgut für die Horrorfilmwelt unverzichtbar geworden ist.
 
Mit TWO MOONS (OT: DOO GAE-EUI DAL) wird die Reihe sehenswerter koreanischer Horrorstücke um einen Beitrag erweitert. Der wurde von LEE-JONG-HO derart intelligent zu Papier gebracht, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn auch hier die US-Remake-Vermarktungs-Soldateska geldgeil zurückschlagen würde. Hinter dem Schauerstreich steckt Regisseur DONG-BIN KIM, der bereits einiges im Genre gemacht hat und bis heute eine besondere Beziehung zu Geistern besitzt. Bereits 1999 demonstrierte er selbige: Noch bevor es die amerikanische Traumfabrik tat, fabrizierte er mit THE RING VIRUS eine Neuverfilmung des japanischen Kassenschlagers RING (1998). Danach erschreckte er mit Geister-Terror in TRAIN OF THE DEAD (2005) und lässt nun TWO MOONS folgen. Der hat natürlich auch wieder was mit Spuk zu tun, ist aber unterm Strich doch irgendwie ganz anders, als die bisherigen Filme des Regisseurs.
 
Bleiche Geisterkinder, die pitschnass aus TV-Apparaten oder Brunnen krabbeln, sieht man hier nicht. Diesmal geht es zu einer Hütte im Wald, die seit original EVIL DEAD (und dem 2013er Reboot) zum unverzichtbaren Schauerort in Horrorfilmen geworden ist. Keine Angst, TWO MOONS ist keine unnötige koreanische Version von RAIMIS Kulthit. Hier erwacht Mystery-Schriftstellerin SO-HEE (PARK HAN-BYUL) zusammen mit dem arbeitslosen SEOK-HO (KIM JI-SEOK) und der äußerst nervigen Schülerin JEONG (PARK JIN JOO) in einem dunklen Schuppen. Die wissen erst mal gar nicht, wie sie hierher gekommen sind und befürchten Schlimmes. Als sie sich aus ihrem Gefängnis befreit haben, finden sie sich in einem verlassenen Haus irgendwo tief draußen im Wald wieder. Das wird natürlich erkundet und scheint menschenleer zu sein. Doch irgendwas liegt hier im Argen. Aus dem Wald gibt es seltsamerweise kein Entkommen und in den Räumlichkeiten ist eine Aura des Bösen allgegenwärtig. Als dann noch eine verwirrte Frau gefunden wird, die von allerhand komischen Dingen faselt, geht den Übrigen drei der Hintern auf Grundeis.
 
Erscheinen zwei Monde am Himmel, dann sind die Geister nicht weit. Denn wenn sich die Welt der Menschen mit der der Geister vereint, sieht man zwei Monde – für jede Welt einen. Mit diesen weißen Worten aus dem Off wird der Prolog zu TWO MOON eingeläutet. In dem wird auch erklärt, dass jenes Haus im Wald einer Familie gehört hat, die sich selbst ausradiert haben soll. Dem bewanderten Zuschauer schwant da schon des Rätsels Lösung und dennoch geht TWO MOON ganz andere Wege. Auf Langsamkeit wird in DONG-BIN KIMS neusten Schaffen besonderen Wert gelegt. Hier sehen wir all das, was seit jeher Gruseltrips ausmacht und eigentlich ausmachen sollte. Düstere Gänge, unheimliche Schatten, langsame Kamerafahrten und viele Buh- und Ah-Momente. Den Baller-Experten unter den Horrorfans dürfte derart klassisch erzählte Spukware gegen den Strich gehen, gibt es in TWO MOONS kaum rasante oder effekthascherische Momente zu sehen. Gruselige Stimmung ist allgegenwärtig und die ungewöhnliche Geschichte wird in zwei Teile gegliedert. Während zu Beginn Zuschauer und Protagonisten sprichwörtlich im Dunkeln tappen und die Szenerie erkunden, weht spätestens ab Filmmitte ein ganz anderer Wind, denn DONG-BIN KIM hat sich bewusst für einen Plottwist entschieden. Der kommt so unerhofft, wie Besuch von den Schwiegereltern und sorgt gekonnt und effektiv für reichlich Verwirrung. Dennoch: überraschende Auflösungen gehören zwar im Horrorfilm zum Standard und wirken nicht selten erheblich konstruiert; im Falle von TWO MOONS tut so ein Twist Not, entsteht hier gerade aufgrund jener Wendung eine gewisse Dynamik. So verwandelt sich subtiles Grauen rasch zu mysteriösem Thrill, der Gruselfreunden einige Schrecksekunden abverlangt und für Herzattacken sorgt. Zum Kultknaller reicht es zwar nicht und natürlich ist die Inszenierung weit entfernt von westlicher Kinomachart; wer jedoch seit jeher ein Faible für typisch asiatisches Geisterschinken besitzt, wird auch hier gebannt vor der Glotze sitzen – spannend genug ist TWO MOONS alle Mal.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Einmal mehr lehrt Korea Gruselfans aus aller Welt das Fürchten. Auch wenn die Asiaten ihre ganz eigene Art des Erschreckens besitzen, stellt man wieder mal fest, dass Jahre nach RING immer noch gute Geisterschocker aus dem Fernen Osten kommen. Mancher Horrorfan mag da vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und an schlecht geschminkte Geistergören denken, die für den westlichen Zuschauer wenig beängstigend aus Mattscheiben krabbeln; TWO MOONS hält von diesen abgedroschenen Klischees Abstand und punktet durch Atmosphäre, Überraschungsmomente und handfeste Schocks. FAZIT: TWO MOONS ist gelungener Geisterhorror für ganz mutige Zuschauer.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Zensur

 
 
 
TWO MOONS ist subtiler Geisterhorror, ganz ohne großes Blutvergießen. Der Film wird mit FSK 16 nach Deutschland kommen, denn sonderlich grafisch oder brutal ist TWO MOONS nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

TWO MOONS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ringu (1998)
 
The Sixth Sense (1999)
 
The Others (2001)