Filmkritik: „Aporia“ (2019)

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APORIA

Story

 
 
 

„Aporia“ zeigt den Überlebenskampf von zwei Menschen, die sich erst gegen ihre Entführer behaupten und danach aus einer Grube entkommen müssen.

 
 
 


 
 
 

APORIA – Kritik

 
 
 
Horror aus Aserbaidschan steht nun ganz sicher nicht auf dem Tagesprogramm von Genre-Liebhabern. Man durfte also durchaus auf „Aporia“ gespannt sein. Dabei liefert Regisseur Rec Revan einen Genre-Mix ab, der von seinen einzelnen Zutaten her sicher kaum originell erscheint, in seiner Mixtur aber eigenständig genug wirkt, um dem Zuschauer ansprechende Kost servieren zu können.
 
 
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Arvin und Ejla befinden sich mit anderen Menschen auf der Ladefläche eines Trucks. Allesamt wurden entführt und geheimnisvollen Tests unterzogen. Keiner weiß, wie es nun weitergehen wird. Für Arvin ist klar, dass nur eine Flucht Überleben bedeuten kann. Und so gelingt es ihm zusammen mit Ejla auch den sadistischen Entführern zu entkommen. Doch auf der Flucht stürzen beide in eine tiefe Grube, aus der es kein Entkommen mehr zu geben scheint. Und nicht nur die Natur wird nun zum Feind. Auch die geheimnisvollen Tests sollen zur Gefahr werden. Das Drehbuch, welches Revan selbst schrieb, lebt vor allen Dingen von seinen verschiedenen Zutaten, die einzeln allesamt schon etliche Male da waren, in dieser Kombination jedoch frisch erscheinen. Unschuldige Opfer, die wegen irgendwelchen Tests der Regierung nach dem Tod nicht richtig tot bleiben wollen, erinnern sofort an Zombies und wenn zwei Menschen sich aus einer Falle befreien müssen, fühlt man sich an „127 Hours“ oder „Buried“ erinnert. Um das Warum geht es „Aporia“ dabei eher weniger. Man ist anfangs so schlau, wie alle Opfer und wird einfach in dieses Szenario hineingeschmissen und daran ändert sich im weiteren Verlauf auch nichts. Erklärungen sind bei der relativ simplen Grundprämisse jedoch gar nicht zwangsläufig nötig.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich nicht beklagen. Sind es anfangs noch einige, inklusive eines richtig schön fiesen Bosses, schrumpft die Anzahl schon bald auf zwei. Dann sind fast nur noch Perviz Ismayilov und Aysel Yusubova als Arvin und Ejla zu sehen. Beide machen ihre Sache solide und können den Film schon ganz gut tragen. Die Figurenzeichnung gibt sich mit Erklärungen so bedeckt, wie auch die Handlung. Dass man anfangs nichts über die beiden Hauptcharaktere erfährt, macht schon Sinn, doch im weiteren Verlauf wäre es nicht verkehrt gewesen, wenn man geklärt hätte, in welchem Verhältnis die Beiden denn nun wirklich zueinander stehen. Da werden nämlich stets nur Andeutungen gemacht. Trotzdem wirken diese beiden Figuren sympathisch genug, um mit ihnen Mitfiebern zu können. Schön ist auch, dass sie sich niemals zu dämlich verhalten.
 
 
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Dass Regisseur Rec Revan sein Handwerk versteht, bemerkt man ziemlich schnell, selbst wenn der Mann zuvor nur zwei Kurzfilme realisierte. Bereits die ersten Bilder werden eindrucksvoll eingefangen und die Inszenierung wirkt überwiegend überraschend hochwertig. Selbst wenn der Spielraum hinterher sehr begrenzt ist, gelingt es dem Regisseur für genügend Dynamik in diesem Szenario zu sorgen, auch wenn „Aporia“ zwischenzeitlich die Luft auszugehen droht. Dass es sich hier um einen günstigeren Film handelt, sieht man ihm negativ eigentlich nur dann an, wenn es CGI-Blut zu betrachten gibt. Und dies ist gerade am Anfang leider oftmals der Fall. Damit kann man jedoch leben, was auch an der dichten Atmosphäre liegt. Diese ist von Anfang bis Ende düster, hoffnungslos und absolut ernst. Humor sucht man vergebens und an ein Happy End wagt man kaum zu glauben. Über weite Strecken ist das ein schonungsloser Survival-Thriller, der aber eben immer mal wieder mit einer kleinen Portion Horror dient und schon alleine deshalb abwechslungsreich erscheint.
 
 
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Dabei überrascht gerade am Anfang das hohe Tempo. Ohne Einleitung geht es direkt los und nach spätestens zehn Minuten ist auch die Gangart geklärt, denn zimperlich geht „Aporia“ mit seinen Figuren definitiv nicht um. Das enorm hohe Tempo wird erst nach einer knappen halbe Stunde so langsam gedrosselt und dann hat der Film leider auch mit ein paar Längen zu kämpfen, was im Endeffekt jedoch nicht so schlimm ist. Während der mittlere Teil ein wenig vor sich hin plätschert, wird es im letzten Drittel noch mal reichlich effektiv. Das besitzt doch einige Spannungs-Elemente, die gekonnt arrangiert wurden. Auch an Action-Momenten mangelt es nicht, obwohl es überwiegend schlicht und simpel zur Sache geht. Bei einer Laufzeit von sowieso nur 86 Minuten (mit Abspann) ist für Langeweile also kaum Platz. Und ein paar deftige Gewaltausbrüche gibt es nebenbei ebenfalls noch zu bewundern. Wurden die Effekte von Hand gemacht, können sich diese echt sehen lassen. Der Score erfüllt seinen Zweck sehr solide und begleitet das Geschehen passend, hätte jedoch nicht nahezu auf Dauerschleife laufen müssen.
 
 


 
 
 

APORIA – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Aporia“ stellt einen gelungenen Mix aus knallhartem Survival-Thriller und Horrorfilm dar. Die Handlung ist simpel, lebt jedoch von dieser Mischung und hält sich erst gar nicht mit Erklärungen auf. Das sorgt für ein anfangs rasend hohes Tempo, welches so vielversprechend ist, dass der Rest dieses hohe Niveau nicht ganz halten kann. Trotzdem gibt es genügend spannende Szenen, die allesamt ordentlich inszeniert wurden. Die Regie hat also ganze Arbeit geleistet, die Darstellerleistungen sind ebenfalls solide und den Ballast einer Figurenzeichnung braucht hier wohl sowieso niemand. Das CGI-Blut sieht mies aus, doch der Rest macht optisch etwas her und die Atmosphäre könnte böser wohl kaum sein. Selbst wenn sich im mittleren Teil ein paar Längen eingeschlichen haben, überrascht dieses Werk aus Aserbaidschan mit wirklich ordentlicher Qualität und ein paar echt brutalen Momenten!
 
 
 


 
 
 

APORIA – Zensur

 
 
 
Gewalt steht nicht im Vordergrund. Aber gerade das erste Drittel ist thematisch äußerst derb und ein paar Gore-Einlagen fehlen nicht. Wenn die FSK keinen großzügigen Tag hat, könnte „Aporia“ ein 18er-Kandidat werden.
 
 
 


 
 
 

APORIA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Media Move)

 
 
 
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