Filmkritik: „Matriarch – Sie will dein Baby“ (2018)

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MATRIARCH – SIE WILL DEIN BABY

(MATRIARCH)

Story

 
 
 

Werdende Eltern geraten im englischen Hinterland an eine ominöse Familie, die nicht sehr ehrenwert mit Durchreisenden umgeht.

 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Kritik

 
 
 
Willkommen im ländlichen England. Da wo sich kleine Ortschaften inmitten wiesenbedeckter Hügellandschaften verstecken und sich malerische Wanderwege verschlafen ihren Weg durch die Natur bahnen, kann die Idylle oft trügerisch sein. Wenn uns Horrorfilme etwas beigebracht haben, dann ist es die Lehre vom falschen Frieden. So passiert es vor allem im Backwood-Horrorfilm nicht selten, dass sich das Böse ausgerechnet dort versteckt hält, wo es einem nach Erholung und Rückzug dürstet. Da verwandeln sich pittoreske Dörfer plötzlich zum Vorhof der Hölle oder traumhafte Waldabschnitte werden in Jagdarenen umfunktioniert, wo ahnungsloses Menschen-Freiwild ums Überleben kämpfen muss. Der britische MATRIARCH reiht sich in jene Reihe fieser Filme ein, die mit genau jenen Filmzutaten Unwohlsein hervorrufen wollen. Da geraten ungläubige Stadtmenschen im Hinterland an bibeltreue Christen, die nach ganz eignen Regeln leben. Dass da schnell Reibungspunkte entstehen, liegt auf der Hand. Filme wie BLUTGERICHT IN TEXAS oder EDEN LAKE lassen grüßen.
 
 
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Die werdenden Eltern Rachel (CHARLIE BLACKWOOD) und Matt Hopkins (SCOTT WICKERS) befinden sich auf der Durchreise. Doch die Reise wird jeher unterbrochen, als ein umgefallener Baum die Fahrbahn kreuzt und man mit dem Fahrzeug genau hineinrast. Das Auto ist zwar Schrott, doch allen geht es gut. Aber was nun? Man sucht nach Hilfe und verirrt sich in einem Gehöft, deren Eigentümer auf den unangemeldeten Besuch nicht gut zu sprechen sind. Das ändert sich aber schnell, als man von der bevorstehenden Schwangerschaft des nach Hilfe suchenden Paares erfährt. Man bietet Rast an und lädt zum Essen ein. Doch die Stimmung kippt, als Rachel plötzlich die Tochter der Wohltäter wiedererkennt. Schnell stellt sich nämlich raus, dass es sich hier um ein Mädchen handelt, das seit Jahren als verschollen gilt. Keine guten Voraussetzungen um Freundschaften zu schließen. Das wollen die Gastgeber auch gar nicht. Die überfallen die werdenden Eltern und halten sie in den eigenen vier Wänden gefangen. Na bravo. Was für eine doofe Situation.
 
 
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Okay, okay – vielleicht mutet es dann doch etwas sehr übertrieben an, wenn man MATRIARCH mit den oben genannten Nervenbrechern vergleicht. Zwischen diesen Filmen und dem doch sehr zurückhaltenden MATRIARCH liegen nämlich Welten. Der Film hat zwar von der MPAA ein Rated R für Gewalt und verstörendes Verhalten erhalten, dennoch sollte man hier keine ultra-brutale Schlachtplatte erwarten. MATRIARCH erinnert eher an so unscheinbare Genre-Perlen wie DARK PARADISE. In diesem zu Unrecht vergessenen Horrorthriller aus dem Jahr 1988 verzichtete man ebenfalls auf reißerische Schauwerte und Gewaltausbrüche. Stattdessen fokussierte man das Erzählen einer grotesken Handlung und bahnte so dem Grauen langsam den Weg durch die Geschichte. Gleicher Verlauf ist auch in MATRIARCH Programm. Mit wenigen finanziellen Mitteln erzählt man hier zurückhaltenden Hinterwäldler-Horror ohne Schnörkel und kaum Filmblut. In Anbetracht des reißerischen Filmplakats irreführend. Das suggeriert nämlich einen Folterfilm aller erste Güte. Perverse Folterspiele bleiben aber aus. Dafür bekommt der Zuschauer einen gradlinigen Überlebenskampf zweier Städter zu sehen, die irgendwie versuchen müssen sich aus den Fängen einer skurrilen Familiensippe zu befreien. Letztere wirkt nicht immer bedrohlich und böse. Das Böse verhält sich teils unbeholfen und tollpatschig. Das nagt an der Glaubwürdigkeit der Geschehnisse, zumal sich auch die Opfer nicht immer klug verhalten und nur selten mit kompromissloser Härte gegen ihre Peiniger vorgehen. Im echten Leben dürfte man da als Überlebender wohl weniger Gnade kennen. Da schlägt man besser noch einmal mit der Schaufel auf den Kopf des Fieslings, wenn der am Boden liegt. Sicher ist sicher.
 
 
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MATRIARCH ist ein waschechter Indie-Horrorfilm, der aus eigenen Mitteln gestemmt wurde. So gehört die Produktion zum ersten Langspielfilm der Produktionsfirma NEW LIGHT FILMS, die Regisseur SCOTT VICKERS zusammen mit STEVEN LITTLE gegründet hatte, um günstige Independent-Film drehen zu können. Beide lernten sich bei Dreharbeiten zur BBC Serie RIVER CITY kennen und wollten eigene Spielfilme drehen. Leider mangelte es bereits beim ersten Streifen an Produzenten, die das Vorhaben unterstützen wollten. Frustriert wollte man den Traum von der eigenen Filmproduktion aufgeben. Da passiert da Unfassbare. Bei einem von Scott geleiteten Film- und Fernsehkurs in Glasgow zeigte ein Teilnehmer Interesse. Der besaß eine Farm und stellte diese für den ersten Spielfilm zur Verfügung. Doch dabei sollte es nicht bleiben. ALAN CUTHBERT sorgte nicht nur für den stimmigen Schauplatz in MATRIARCH. Der ambitionierte Brite gab sogar die Landwirtschaft auf, verkaufte sein Haus und stieg mit ins Filmbusiness ein. In Anbetracht dessen, dass MATRIARCH mit einem Mikrobudget von gerade einmal 60.000 $ gedreht wurde und somit genauso teuer gewesen ist, wie das 1999 inszenierte BLAIR WITCH PROJECT, eine Glanzleistung. MATRIARCH ist keineswegs perfekt. Dennoch ist diese britische Horror-Indie ein Beweis dafür, dass man kein millionenschweres Budget benötigt, um halbwegs gescheite Film zu drehen. Da kann sich das geldgierige Hollywood schon mal eine Scheibe von abschneiden.
 
 
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MATRIARCH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
In drei Wochen geschrieben und mit gerade einmal 60.000 $ in knapp zwei Wochen auf Film gebannt. Newcomer SCOTT VICKERS ist ein richtiges Arbeitstier. Der hatte den Traum vom eigenen Spielfilm und tat alles daran, diesen zu erfüllen. Keine Hürde war ihm zu hoch, kein Weg war ihm zu weit. Das Ergebnis: MATRIARCH – der erste Langfilm des selbsternannten Filmfans. Dafür schrieb der ambitionierte Filmemacher selbst das Drehbuch, nahm auf dem Regiestuhl Platz und ließ es sich auch nicht nehmen, eine der Hauptrollen im Film zu übernehmen. MATRIARCH (der übrigens anfangs noch MOTHER hieß) ist natürlich kein Vergleich zu so thematisch ähnlichen Schockern wie ESCAPE FROM CANNIBAL FARM oder INBRED. Dafür hat man versucht, den Film nach mehr aussehen zu lassen, als er gekostet hat. Die Schauspieler sind brauchbar und auch die Kulisse des britischen Hinterlands verursacht Unbehagen. Wer demnach eine Vorliebe für Backwood-Horror-Thriller besitzt, kann sich MATRIARCH schon mal geben.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Zensur

 
 
 
MATRIARCH hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Mann wird lebendig begraben, ein Körper wird von Schrotgewehrkugeln durchbohrt und mit einem Knüppel werden Köpfe eingeschlagen. Weiterhin kommt ein Dolch zum Einsatz und Pistolenmunition tut ihr Übriges. MATRIARCH wird zweifelsohne eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film wird im Sommer 2019 über TIBERIUS FILM ausgewertet.
 
 
 


 
 
 

MATRIARCH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei New Light Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Inside (2016)
 
Inside (2007)
 
Inbred (2011)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 

Filmkritik: „Cannibals and Carpet Fitters“ (2017)

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CANNIBALS AND CARPET FITTERS

Story

 
 
 

Die Angestellten einer Teppich-Firma geraten im britischen Hinterland an eine Sippe Menschenfresser.

 
 
 


 
 
 

CANNIBALS AND CARPET FITTERS – Kritik

 
 
 
Horrorfilme aus England sind immer so ein Ding. Entweder wird es richtig schaurig oder rabenschwarz. Im Falle des folgenden Films mit dem ungewöhnlichen Titel CANNIBALS AND CARPET FITTERS will man den Zuschauer mit typisch britischen Humor erheitern und zieht damit gleich mal mit das Subgenre der Backwood-Slasher durch den Kakao. Damit macht man es so Spaßgranaten wie SHAUN OF THE DEAD, SCARY MOVIE oder TUCKER AND DALE VS. EVIL gleich. Auch die nahmen sich beliebte Horror-Sugenres vor und machten sich über deren Klischees, Stereotypen und Verläufe lustig. Was dabei entstand, ist mittlerweile den meisten Horror-Fans ein Begriff. Ob das auch dem britischen CANNIBALS AND CARPET FITTERS gelingen kann?
 
 
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Darin laufen die Geschäfte für einen Teppichverleger nicht sonderlich gut. Die Firma von Nigel hat mit einer niedrigen Auftragslage zu kämpfen. Deshalb beschließt man eben auch Anfragen von Kunden anzunehmen, die auf den ersten Blick wenig lukrativ erscheinen. So auch dieses Mal, als die Besitzerin eines abgelegenen Landhauses zum Verlegen von Teppichen ruft. Schnell sind die besten Mitarbeiter vor Ort, um die Böden zu vermessen. Doch die Auftraggeberin hat anderes im Sinn. Die pfeift auf schicke Bodenbeläge und ist in erster Linie am Fleisch der Handwerker interessiert. Guten Appetit.
 
 
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CANNIBALS AND CARPET FITTERS ist die Spielfilmversion eines gleichnamigen Kurzfilms, den Regisseur JAMES BUSHE bereits 2014 gedreht hatte. Für die besetzte er gleich noch einmal einige Schauspieler, die auch im Kurzfilm zu sehen waren. Soweit so gut. Leider ist CANNIBALS AND CARPET FITTERS keine hitverdächtige Horrorkomödie, wie die zu Beginn erwähnten Schenkelklopfer. Zwar besitzt der mittels Crowdfundig finanzierte Streifen all das, was eine Horrorfilmparodie mitbringen sollte; sonderlich wohlschmeckend sind die Kredenzen aber nicht, mit welchen man hier den Zuschauer zum Lachen bringen möchte. Ein paar blutige Raffinessen hier, etwas Wortwitz da und reichlich Blödelei gibt auch noch dazu. Letztere ist etwas zu viel des Guten, weil die wenigen Figuren aufgrund des aufdringlichen Typenhumors und deren Overactings dann doch schon ziemlich schnell zu nerven beginnen und dazu auch noch wenig sympathisch erscheinen. So ist der Sprung zum Slapstick nicht weit, was zur Folge hat, dass CANNIBALS AND CARPET FITTERS eher bescheuert, statt lustig ist. Immerhin: Mit viel Alkohol im Blut lässt’s sich ertragen.
 
 
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CANNIBALS AND CARPET FITTERS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Überraschend blutiger Horror-Spaß aus England im Stile von SHAUN OF THE DEAD. Die Horrorkomödie CANNIBALS AND CARPET FITTERS ist Hommage und Veräppelung zugleich. Regisseur JAMES BUSHE nimmt die Klischees, Figuren und Verläufe von Backwood-Slashern auf die Schippe und macht das handwerklich ganz souverän. Was aber ziemlich nervt, sind die Figuren dieser Horrorkomödie. Oft hat man den Eindruck, als habe der Kasper höchstpersönlich von ihnen Besitz ergriffen. Das ist mit der Zeit dann doch ziemlich anstrengend. So bleiben nicht Witze und Spaß in Erinnerung, als vielmehr die teils professionellen Spezialeffekte. Zugegeben, hier schöpft man aus dem Vollen – zumal einige der Gewaltakte ganz unvorbereitet auf den Zuschauer einfallen. Da knallt plötzlich eine Machete durch einen Kopf und man hat’s nicht kommen sehen. Im Sessel zuckt man da berechtigterweise zusammen. Vielleicht wäre das ernste Milieu für Regisseur JAMES BUSHE besser geeignet. Trotz Horrorkomödie sitzen nämlich einige Schreckmomente in CANNIBALS AND CARPET FITTERS tief.
 
 
 


 
 
 

CANNIBALS AND CARPET FITTERS – Zensur

 
 
 
CANNIBALS AND CARPET FITTERS ist überraschend blutig. Einige Gewaltmomente passieren so abrupt, dass man sich dann doch schon mal dabei erwischt, wie man vor der Glotze zusammenzuckt. Da werden Gegenstände durch Köpfe geschossen oder der Schädel gleich ganz gespalten. Mit etwas Glück gibt es wegen der augenzwinkernden Inszenierung eine FSK16. Hierzulande hat sich das Label I-ON NEW MEDIA die Rechte gesichert.
 
 
 


 
 
 

CANNIBALS AND CARPET FITTERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pretty Dead Pictures )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
Shaun of the Dead (2004)

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Die Killerhand (1999)