Filmkritik: „Carnage Park“ (2016)

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CARNAGE PARK – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE

Story

 
 
 

Ein schießwütiger Heckenschütze (PAT HEALY aus STARRY EYES, COMPLIANCE und THE INNKEEPERS) schießt im staubigen Kalifornien aus der Ferne auf Menschen. Beim neusten Opfer hat er sich ein besonders zähes Ziel ausgesucht. Das lässt sich nämlich nichts gefallen.

 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Kritik

 
 
 
Regisseur MICKEY KEATING goes Exploitation. Wer regelmäßig die Filmvorstellungen auf FILMCHECKER liest und sich auch mit den Filmen auseinandersetzt, die er sich angeschaut hat, wird mittlerweile erkannt haben, dass der noch nicht einmal dreißig Jahre alte Filmemacher und seine Werke zu den ganz großen Geheimtipps im Genre zählen. Sie fallen durch Experimentierfreudigkeit und Einfallsreichtum auf. Keating lässt sich nicht reinreden, bei dem was er tut. Er dreht, worauf er Lust hat und schreibt sogar seine Drehbücher selbst. Warum das so vonstatten geht, verriet er erst kürzlich in einem Interview. So erklärte er, dass er sich nicht vorstellen könne, ein fremdes Skript zu verfilmen, weil er seinem Schaffen gern eine individuelle Note verpassen möchte. Deshalb geht bei ihm – vom Schreiben des Drehbuchs bis hin zum Führen der Regie – stets alles Hand in Hand, um beim Filmemachern alle Zügel selbst halten zu können. Keating bleibt seiner Richtung treu und probiert sich weiter aus. Nach dem Okkultismus-Horror RITUAL, der Sci-Fi-Mystery POD und dem minimalistischen Psycho-Geister-Drama DARLING wird es mit CARNAGE PARK reißerischer. Das Grindhouse-Kino der späten 1970er und frühen 1980er lässt grüßen. CARNAGE PARK besucht eine Zeit, in der es im Kino nicht gerade zimperlich zu ging.
 
 
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CARNAGE PARK beruht angeblich auf wahren Begebenheiten – zumindest wird das im Vorspann zum Film erklärt. Im Film folgt der Zuschauer einem Diebes-Duo, das irgendwo im wüstenartigen Hinterland Kaliforniens vor der Polizei flüchtet, weil es zuvor eine Bank überfallen hat. Doch das letzte Stündlein hat geschlagen. Schüsse fallen und bringen die Kleinganoven zur Strecke. Zurück bleibt eine Geisel (ASHLEY BELL aus THE LAST EXORCISM 2), die bald selbst ums Überleben bangen muss. Ein Vietnamveteran scheint von Sinnen zu sein und schießt auf alles und jeden, der sich auf sein Privatgrundstück verirrt hat. Dumm nur, dass die gekidnappte Bankangestellte Vivian unfreiwillig zum nächsten Ziel wird, weil sie im Kofferraum des Fluchtfahrzeuges eingesperrt war. Leider kennt der durchgeknallte Scharfschütze kein Erbarmen – auch nicht mit Unschuldigen. Er beginnt eine gnadenlose Jagd auf sein verängstigtes Opfer, das dem schießwütigen Militär hilflos ausgeliefert ist. Zartbesaitete Zuschauer halten da lieber Abstand – dieser Überlebenskampf setzt starke Nerven voraus.
 
 
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Als Hommage an die Crime- und Survival-Filme der 1970er beschreibt Regisseur MICKEY KEATING selbst seinen unbequemen Terrorstreifen CARNAGE PARK für den er sich von Werken alteingesessener Filmemacher wie SAM PECKINPAH, PETER WATKINS und angeblich sogar ROBERT ALTMAN hat inspirieren lassen. So erklärte Keating, dass er schon immer mal einen Film im Stile eines GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN machen wollte und sich nun endlich mit CARANAGE PARK die Möglichkeit ergeben hat, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Selbstverständlich ist sein Ausflug ins Terrorfach nichts im Vergleich zu wegweisenden Klassikern wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder DIEBE WIE WIR, die den kanadischen Filmemacher beim Schreiben des Drehbuchs beeinflusst haben sollen. Statt Nervenkitzel zu zelebrieren, liegt der Fokus auf schnellen Schocks und ein paar unappetitlichen Szenen. So wird der Zuschauer in erster Linie durch ein absurdes Szenario gejagt, das dann doch mehr an so ruppige Horrorstreifen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder THE HILLS HAVE EYES erinnert, die ebenfalls in den 1970ern entstanden sind. Visuell zumindest sind Vergleiche zu genannten Low-Budget-Schockern nicht von der Hand zu weisen, denn auch in CARNAGE PARK dominiert die vor Hitze flirrende Einöde des ländlichen Amerikas, in der die Schreie der verzweifelten Protagonisten ungehört bleiben.
 
 
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Auch wenn das Resultat ambitionierten Vorhabens dann doch mehr plakatives Zur Schau Stellen von Gewalt ist, muss man Macher MICKEY KEATING zu Gute halten, dass er den Terror souverän einfängt. Die Filmheldin wird nahezu unentwegt durch die trostlose Landschaft getrieben und entdeckt auf ihrem Irrweg weitere Opfer, die ganz unerwartet im Kugelhagel ihr Leben lassen müssen. Auf dem mit Leichen gepflasterten Grundstück des Bösewichts wird am Ende in einer verlassenen Mine der Showdown aufgetragen, der das willenstarke Opfer über sich hinauswachsen lässt. Gegen diese rastlose Überlebenshatz voller adrenalinreicher Momente ist eine Geisterbahn ein Scheißdreck. Trotz Lobesgesang auf die harten Überlebensthriller der 1970er gab es in der Vergangenheit schon Besseres zu sehen. Die Idee, von einem scheinbar unsichtbaren menschlichen Gegner attackiert zu werden, haben schon andere Filmemacher effektiv auf Zelluloid gebannt. Einer dieser zu Unrecht kaum beachteten Streifen ist der spanische KING OF THE HILL. Darin wird ebenso auf Unschuldige gefeuert – dort jedoch in den spanischen Bergen und mit einer Prise Gesellschaftskritik. Letztere sucht man in CARNAGE PARK leider vergebens. Logik übrigens auch – manchmal.
 
 
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CARNAGE PARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einem Crime-Thriller ein adrenalinreicher Terrorstreifen wird. Ruppiger Terrorfilm, vor dem ungeübte Zuschauer besser einen Bogen machen sollten. CARNAGE PARK lebt von der ungemütlichen Idee, einem scheinbar unsichtbaren Gegner ausgeliefert zu sein und treibt eine ahnungslose Frau rastlos durch staubige Wildnis, die von einem psychopathischen Sniper beschossen wird. Der unfaire Überlebenskampf scheint das Opfer nicht nur an den Rand mentaler Kräfte zu treiben; auch psychisch meint es Regisseur MICKEY KEATING nicht sonderlich gut mit seiner Heldin, die aus Angst beinahe den Verstand verliert, sich aber immerhin stets zu wehren weiß. CARNAGE PARK ist psychologisch nicht sonderlich raffiniert und auch die Beweggründe des Täters, sowie dessen übermenschliche Cleverness haben kaum Hand und Fuß. Das scheint aber auch nicht die eigentliche Intension des kanadischen Filmemachers gewesen zu sein. Der probiert sich in Exploitation aus und versucht mit Terror zu schockieren. Gelungen ist Keating das allemal, denn CARNAGE PARK ist allein schon wegen der bizarren Thematik und dem teils unerwarteten Munitionshagel im Film nichts für Zartbesaitete.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Zensur

 
 
 
CARNAGE PARK ist nicht einfach zu verdauen. Der Fokus liegt auf Terror. Die Heldin wird ununterbrochen durch den Film gehetzt. Dabei sieht sie übel zugerichtete Leichen und wird selbst von einer Kugel gestreift. Bereits am Boden liegende Opfer werden – insofern sie noch leben – noch einmal mit einem Schuss aus der Ferne in die ewigen Jagdgründe befördert. Weiterhin gibt es eine unappetitliche Szene mit einer Bärenfalle zu sehen. Grafische Kopfschüsse sind hier Standard. Demzufolge wurde der Film hierzulande erst für Erwachsene freigegeben mit „keine Jugendfreigabe“.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Carnage Park; USA 2016

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.01.2017 (BD KeepCase)

 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of the Hill (2007)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Tower Block (2012)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

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Filmreview: „Der Killer“ (2012)

 

 

Das ist reichlich dumm gelaufen: Sechs Bankräuber und der Traum vom großen Geld.

Nach ihrem scheinbar erfolgreichen Beutezug kommt dennoch alles anders, denn ein Polizist, der die sechs an deren Flucht hindern möchte, muss leider mit seinem Leben zahlen.

Da die Flüchtenden einige Zeit auf den erlösenden Flug in die Freiheit warten müssen, verschanzen sie sich im Dickicht eines naheliegenden Waldes.

Ein fataler Fehler, denn ein reichlich wirrer und arg traumatisierter Ex-Vietnam-Veteran, der in selbigen Wald haust, löst das Bankraubproblem der sechs Gangster auf seine ganz „eigene“ Art und Weise.

 

 

Das Jahr 2012 birgt eine Menge Überraschungen, denn irgendwie scheint es wohlmöglich das Jahr der unzähligen Nachwuchsregisseure zu werden. Der Action-Horrorthriller „Der Killer“ (im Original „Battleground“) entpuppt sich ebenfalls als Debütfilm und reiht sich, leider wenig überraschend, in die bunte Welt der arg durchwachsenen Filmwerke ein.

Nun gut, ein gewisses handwerkliches Geschick lässt sich nicht von der Hand weisen.

Regiedebütant Neil Mackey meistert seine Sache reichlich souverän, überrascht mit einigen recht netten und stimmigen Momenten, schafft es aber dennoch nicht mit seinem überaus oberflächlich zusammengeschusterten Trivialwerk zu überzeugen.

Hier besteht reichlich Verbesserungspotenzial.

Eine überzeugende Geschichte existiert leider nicht, eine halbwegs vernünftige Charakterskizzierung wurde aufkosten schräg überzogener Gewaltexzesse und planloser Gewehrballerei leider außer acht gelassen – ein Mitfiebern des Zuschauers demnach ausgeschlossen.

Die arg ins Gewicht fallenden und recht offensichtlich erscheinenden Logik- und Handlungslöcher liefern nach Sichtung kaum befriedigendes Erklärungspotenzial für den Filmfreund.

Der wahnsinnige Killer meuchelt sich durch Wald und Feld, empfindet keinerlei Mitleid mit seinen Opfern und gibt dem Zuschauer keinerlei Anhaltspunkte, die sein Verhalten rechtfertigen oder gar glaubhaft erscheinen lassen.

Demnach vollkommen unverständlich, dass er jedem Schuss unverletzt entkommen kann und die fast schon übermenschliche Gabe besitzt, jede Falle und jeden Hinterhalt der reichlich hölzernen Kleinkriminellen bereits vorausahnen zu können.

Das mag zwar für den Anfang ganz nett sein, zumal die recht naiven übrigen Protagonisten bei ihrer Jagd nach und nach kreativ das zeitliche Segnen, aber dennoch hinterlässt die „Glückssträhne“ des Bösewichts einen überaus unfreiwillig lächerlich wirkenden Beigeschmack.

Dass bei derart dumm-aufgeblasenem Schussgefecht Gore- und Gewaltgehalt im Vordergrund steht, dürfte demnach wenig überraschen.

Hier werden mindere Triebe befriedigt.

Wenn die Story schon kaum etwas hergibt und zu überzeugen weiss, dann finden seit jeher reichlich selbstzweckhafte Gewalteinlagen ihren Einsatz.

Auch „Der Killer“ macht da keine Ausnahme. Freunde der etwas „handfesteren“ Unterhaltung dürften zumindest in derlei Hinsicht Gefallen an dem arg unspannenden und recht uninspirierten Filmplot finden. Leider verstand die FSK bei derart „handfestem“ Geballere dennoch keinerlei Spaß, und erteilte dem Film in seiner Ungeschnittenen Filmfassung keine Freigabe. Das überrascht nicht, bietet „Der Killer“ in seiner Originalfassung eine recht widerlich wirkende Häutungssequenz, die kaum dem Handlungsverlauf förderlich ist und demnach nur Mittel zum Zweck findet, um die blutgeile Käuferschaft zum Kauf des arg durchwachsenen Genrewerkes anzuregen.

Das Debütwerk „Der Killer“ des Nachwuchsregisseurs Neil Mackey bietet leider nichts Nennenswertes, was man in derart Form bisher noch nicht gesehen hat. Statt auf subtilen Horror zu setzen, der den Zuschauer zum Mitfiebern und Mitleiden „einlädt“ setzt Mackey einzig und allein auf die Holzhammertaktik. Aufgrund des langsam abebbenden Folter- und Gewaltkinos, dürfte sein Erstlingswerk, vor allem in der stark zerstückelten deutschen Fassung, kaum Beachtung finden. Über weite Strecken wirkt sein „Battleground“, trotz professionell entwickelten Spezialeffekten, gähnend langweilig und hetzt den Zuschauer nur unnötig von einer Gewaltsequenz zur nächsten.

Hoffen wir, dass sein Folgewerk einen anderen Ton einschlägt, denn optisch schaut „Der Killer“ recht ordentlich aus.

 

 

 

Fazit 5/10 Punkte

 

Durchschnittsware. Ballerorgie ohne Herz und Verstand. Brauchen wir nicht!

Deutsche Fassung: Keine Jugendfreigabe. Leider um einige Minuten zensiert!

 

 

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