Filmkritik: „Camp – Tödliche Ferien“ (2015)

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CAMP – TÖDLICHE FERIEN

(SUMMER CAMP)

Story

 
 
 

Der Titel lässt einen Slasher-FIlm vermuten, doch CAMP – TÖDLCIHE FERIEN ist im Zombiegenre beheimatet: Vier Mittzwanziger wollen ein Sommercamp auf Fordermann bringen. Leider kommt es zu einem Zwischenfall und die Freunde verwandeln sich in reissende Bestien.

 
 
 


 
 
 

CAMP – Kritik

 
 
 
Spanien ist immer eine Filmreise wert. Das Land des guten Essens und der feurigen Tänze hat sich über die letzten Jahre zum Eldorado für Grusel – und Horrorfans entwickelt. Was hier entsteht, kann sich mittlerweile mit dem messen, was in Hollywood fabriziert wird. Das hat man wohl auch in der Traumfabrik erkannt und sich die Rechte an diversen spanischen Kinohits gesichert. Der Zweck: Wenig glanzvolle Neuinterpretationen für den amerikanischen Markt produzieren. So auch geschehen mit dem Zombiestreifen [REC]. Weil der auch über die Landesgrenzen hinaus zum Kassenschlager wurde, musste die glattgebügelte Neuauflage her. Mit dem Found-Footage-Schocker QUARANTÄNE bastelte sich Hollywood seine eigene Version der genannten Zombie-Hatz und spielte damit sogar weltweit mehr Scheine ein, als die spanische Vorlage. Damit sich das Filmstudio das Remake sparen und die amerikanischen Zuschauer keine lästigen Untertitel lesen müssen, hat man den CAMP – TÖDLICHE FERIEN (Originaltitel: SUMMER CAMP) direkt in englischer Sprache gedreht. Der bleibt auch gleich beim Thema Zombies – offensichtlich, weil man damit beim Publikum nach wie vor gut landen kann. Anders als bei den üblichen Verdächtigen gibt es in dieser spanischen-amerikanischen Produktion überraschenderweise Neuerungen zu sehen. In CAMP – TÖDLICHE FERIEN verwandeln sich infizierte Menschen nach der Verwandlung zurück in Menschen. Frischer Wind also, der für Abwechslung sorgen soll. Doch, ob das nach gefühlt mehreren Tausend Filmen dieser Art überhaupt noch möglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
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In CAMP treffen drei Amerikaner und ein Einheimischer erste Vorbereitungen, um ein spanisches Ferienlager auf Fordermann zu bringen – bevor die Schüler anreisen. Doch die Ferienzeit steht unter keinem guten Stern. Sorge bereitet ein vermeintlich tollwütiger Hund, der im hauseigenen Streichelzoo andere Tiere verletzt und auch sonst ein aggressives Verhalten an den Tag legt. Aber der mutige Will (DIEGO BONETA) kennt sich aus. Er ist mit Tieren aufgewachsen und traut sich in den Käfig des erkrankten Tieres. Keine gute Idee; der Hund beißt zu. Doch der verletzte Arm ist nichts im Vergleich zu dem, was folgen wird. Die Freunde verwandeln sich nacheinander in unaufhaltsame Bestien und wollen den Übrigen an den Kragen. Seltsamerweise ist die Verwandlung nur von kurzer Dauer. Kaum wie eine Furie kreischend durchs Camp geflitzt, findet man sich wenig später verstört und orientierungslos auf dem Grundstück wieder. Lange bleibt die Ursache des Zombiewerdens ungeklärt. Bis man auf einer Wiese vor dem Ferienlager einen verlassenen Wohnwagen entdeckt.
 
 
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DAWN OF THE DEAD trifft auf 28 DAYS LATER. Am besten aber lässt sich der spanische Horrorbeitrag mit dem Epidemie-Streifen THE CRAZIES vergleichen, der vom Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO persönlich gedreht und bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat. Dort verseucht ein biochemischer Kampfstoff das Grundwasser einer amerikanischen Kleinstadt und macht aus Bewohner aggressive Killer. Ganz ähnlich handhabt das auch ALBERTO MARINI. Der gibt zwar mit CAMP – TÖDLICHE FERIEN sein Regiedebüt, ist aber in spanischen Filmkreisen kein Unbekannter, weil er schon an mancher Horror-Produkion Spaniens beteiligt gewesen ist. So produzierte er nicht nur die erfolgreiche [REC]-Serie, den sehenswerten Thriller SLEEP TIGHT und den Weltuntergangsfilm LAST DAYS mit. Auch in Filmen wie EXTINCTION, DARKNESS und BEYOND RE-ANIMATOR hatte er seine Finger mit im Spiel. Gut unterhalten wird man mit CAMP. Filmemacher ALBERTO MARINI (übrigens gebürtiger Italiener) schafft es tatsächlich ein mittlerweile zu Tode gefilmtes Filmthema so zu inszenieren, dass man gebannt vor der Glotze verharrt. Warum das so ist, lässt sich einfach erklären. Der Regisseur jagt den Zuschauer unermüdlich durch ein hektisch zusammengeschnippeltes Szenario und gibt ihm kaum Gelegenheiten für Verschnaufpausen. Schock folgt auf Schock und gefackelt wird nicht lang. Das erhöht den Herzschlag und drischt auf das Nervenkostüm ein. Da muss man einfach wissen wie es ausgeht!
 
 
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Apropos ausgehen: Makaber, bitterböse und zynisch wird CAMP abgeschlossen. Der Auslöser der Verwandlung zieht weite Kreise und lässt das Publikum mit einem mulmigen Bauchgefühl zurück. Auch deshalb, weil Macher Marini Kompromisse scheut. Er meint es alles andere als gut mit seinen Figuren und lässt sie nacheinander gnadenlos über die Klinge springen. Dabei spielt er ganz unverfroren mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. So gibt es im Film immer mal wieder genretypische Momente zu sehen, die dann doch andere Wege einschlagen, als man vermuten würde und gewohnt ist. Spätestens hier wird klar, dass es sie trotzdem noch gibt: gute und sehenswerte Zombiefilme, die fesseln. Leider werden die immer rarer.
 
 


 
 
 

CAMP – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schnörkelloser Zombiefilm – adrenalinlastig und packend inszeniert. Wenn sich Helden in aggressive Mörderbestien verwandeln und sich mit ohrenbetäubendem Lärm durch schlecht ausgeleuchtete Szenarien bewegen, kommt nicht nur Gruselstimmung auf. In seinem besten Momenten erinnert CAMP – TÖDLICHE FERIEN atmosphärisch sogar hin und wieder an das Remake zu EVIL DEAD in dem vom Prinzip ähnliche Handlungsverläufe zu sehen waren und sich Freunde vor sich selbst in Acht nehmen mussten. Die amerikanisch-spanische Produktion CAMP glänzt durch markerschütternde Hetzjagden, die kaum Zeit zum Verschnaufen geben. Ist erst einmal einer der Protagonisten infiziert, geht es Schlag auf Schlag. Weil sich Regisseur ALBERTO MARINI aufs Wesentliche reduziert und Nebensächlichkeiten außer Acht lässt, bleibt der Überlebenskampf über weite Strecken wirklich spannend. Das soll schon was heißen, in einem Subgenre, das seit Jahren die immer wieder gleichen Geschichten abspult. CAMP kann als die spanische Antwort zum Zombiethriller THE CRAZIES gewertet werden. Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO hätte da vermutlich nichts einzuwenden. Auf den FANTASY FILMFEST WHITE NIGHTS 2016 zumindest konnte der Streifen manches Horrorfanherz begeistern. Das ist auch kein Wunder, denn CAMP ist ein kleiner, dreckiger Zombietrip mit ordentlich Tempo und einer fiesen Schlusspointe obendrein.
 
 
 


 
 
 

CAMP – Zensur

 
 
 
Für einen Zombiefilm hält sich CAMP (OT: SUMMER CAMP) ziemlich zurück mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten. In den meisten Fällen blendet die Kamera weg. Einiges gibt es aber zu sehen. Ein Ast bohrt sich durch die Brust, ein Mann wird mit gepfählt und ein Hund beißt sich in einem Arm fest. Hierzulande hat CAMP – TÖDLICHE FERIEN in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

CAMP – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Summer Camp; Spanien 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 02.03.2018

 

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CAMP – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Filmax International | Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hive (2015)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)
 

Filmreview: „Open Grave“ (2013)

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OPEN GRAVE

Story

 
 
 
Eine kleine Gruppe Menschen findet sich in einem abgelegenen Häuschen mitten im Wald wieder. Keiner kann sich daran erinnern, wie er da hingekommen ist. Um die Erinnerungslücken zu schließen wird die Umgebung erkundet. Doch so ungefährlich wie vermutet, ist dieser Ort nicht. Nach den ersten grausigen Entdeckungen dämmert den Anwesenden schnell, dass sie es hier mit einer absolut tödlichen Bedrohung zu tun haben …
 
 
 


 
 
 

OPEN GRAVE – Kritik

 
 
 
Solche Filme sind immer die Besten. Filme, die relativ abstrus beginnen, mehr Fragen als Antworten aufwerfen und dann doch irgendwie plausibel enden. In OPEN GRAVE erwacht ein ahnungsloser Fremder in einer Grube übel zugerichteter Leichen. Er krabbelt hinaus, sieht in der Ferne ein Haus und trifft dort auf Andere, die sich ebenso wie er an nichts erinnern können. Im Wohnzimmer findet man eine stattliche Anzahl verschiedensprachiger Medizinbücher, deren Sprachen kurioserweise nur einer der Gruppe beherrscht und im Schuppen hinterm Haus trifft man auf eine eingesperrte, scheinbar verwilderte Frau, deren Handeln mittels Überwachungskameras beobachtet wird. Bei den ersten Erkundungstouren durch den angrenzenden Wald treffen die Unwissenden immer wieder auf menschenähnliche Kreaturen. Und in einer verlassenen Lagerhalle macht man Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen, der aber auf die Fremden gar nicht gut zu sprechen ist.
 
OPEN GRAVE spielt mit der Neugier des Zuschauers. Der ist anfänglich genauso verwirrt wie seine Protagonisten, denn die erfahren des Rätsels Lösung nur in kleinen Häppchen. Durch zahlreiche, erst am Ende einen wirklichen Sinn ergebende Flashbacks werden Erinnerungslücken geschlossen. Bis dahin kämpfen sich die Helden orientierungslos durch ein dunkles Waldgelände und stoßen immer wieder auf furienhafte Menschen, die sich alles andere als normal benehmen. Natürlich ist auch OPEN GRAVE irgendwo im Zombie-Genre verwurzelt. Dennoch betrachtet Regisseur GONZALO LÓPEZ-GALLEGO die Thematik aus einer ganz anderen Perspektive. Menschenfleisch gefressen wird in OPEN GRAVE keineswegs und auch sonst schert sich der Streifen keinen Deut darum, sich mit überflüssigem Abschlachten zu beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen die desorientierten Protagonisten, die sich anfänglich vollkommen fremd zu sein scheinen und später in Erfahrung bringen, dass sie sich vertrauter sind als gedacht. Schnitzeljagd heißt in OPEN GRAVE das Zauberwort. Immer wieder finden die Anwesenden Puzzleteile, die zu einem Ganzen führen. Dort ein Foto, da Aufzeichnungen eines Camcorders – Regisseur GONZALO LÓPEZ-GALLEGO weiß wie man spannende Mysterythriller dreht. Bereits 2011 kam sein APOLLO 18 in die Kinos. Der Weltall-Spuk entpuppt sich zwar als überflüssiger Found Footage-Mist, konnte aber durch beklemmende Atmosphäre und wirklich gelungene Schreckmomente überzeugen. Die gibt es natürlich auch in OPEN GRAVE, wenn auch nicht so plakativ wie im Wackelcam-Ausflug vor einigen Jahren. Hier wird vordergründig auf Mystery hinausgearbeitet, der durch die Bank undurchsichtig und sogar richtig spannend bleibt. Zu verdanken sei dies den guten Darstellern (u.a. ROTHENBURG-Darsteller THOMAS KRETSCHMANN mit seinem haarsträubend deutschen Englisch), der guten Kameraarbeit, die für einen unabhängigen Low-Budget-Film als durchweg hochwertig zu bezeichnen ist und dem raffiniert ausgetüftelten Drehbuch der Brüder CHRIS und EDDI BOREY, das niemals zu viel verrät.
 
OPEN GRAVE bringt frischen Wind in das längst angestaubte Zombie-Genre. Es müssen nicht immer verwesende Kreaturen sein, die damit beschäftigt sind das Fleisch ihrer noch lebenden Zeitgenossen zu verspeisen. Manchmal ist weniger mehr und manchmal ist es auch besser, wenn man die typischen Zombie-Klischees einfach mal über Bord wirft. Der Spanier LÓPEZ-GALLEGO hat das versucht und mit OPEN GRAVE einen richtig guten Gruseltrip gemacht, der hoffentlich kommende Filmemacher dazu inspiriert, ebenso sehenswerte Filme zu drehen. Wer es spannend braucht und frische Ideen sucht, ist mit OPEN GRAVE gut beraten. Wir meinen: Horror-Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

OPEN GRAVE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ja, es gibt sie noch: packende Horrorfilme, die rund 100 Minuten zu fesseln wissen. OPEN GRAVE darf als einer der spannendsten Genrestreifen der letzten Zeit betitelt werden. Wer das nicht glaubt, sollte sich eines Besseren belehren lassen und einen Blick riskieren. Wir sind uns sicher, dass Skeptiker überrascht sein werden, wie schnell der Abspann über den Bildschirm flimmert. Ein klasse Horrorfilm, auch wenn OPEN GRAVE mehr Mystery und Drama ist, als knüppelharter Horror. Bitte mehr davon!
 
 
 


 
 
 

OPEN GRAVE – Zensur

 
 
 
OPEN GRAVE ist eher Mystery als harter Horror. Auch wenn sich die Grausamkeiten in Grenzen halten, ist die Bildsprache in OPEN GRAVE recht düster. Wir sehen Berge von Leichen und Kreaturen, die sich selbst verstümmeln. Das Meiste passiert im Off oder wird nur angedeutet. Demnach wurde OPEN GRAVE bereits für Jugendliche freigegeben: FSK16 – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

OPEN GRAVE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Open Grave; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Featurettes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 26.09.2014

 

Open Grave [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

OPEN GRAVE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Memento (2000)
 
Unknown Identity (2011)
 
Wrecked (2010)