Filmkritik: „Hausu“ (1977)

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HAUSU

(HOUSE)

Story

 
 
 

Im verschrobenen Kultklassiker „Hausu“ sucht ein sechzehnjähriges Mädchen das Haus ihrer Tante auf, ohne zu wissen, dass dort Dämonen auf sie warten.

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Kritik

 
 
 
Das japanische Kino wartet schon mit so manch kuriosen Beiträgen auf. Gerade im Horrorbereich weichen die Sehgewohnheiten zu einem westlichen Publikum doch enorm ab. Wenn man es dann noch mit einem skurrilen Film aus dem Jahre 1977 zu tun bekommt, darf man schon gespannt sein. „Hausu“ ist nicht nur als Endprodukt seltsam, schon alleine die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Ursprünglich kam die Tōhō-Filmgesellschaft auf den Experimental-Filmer Nobuhiko Ōbayashi zu, um eine Art „Der weiße Hai“ zu drehen. Es entstand ein Drehbuch, bei welchem Ōbayashi Ängste seiner Tochter einfließen ließ. Am Ende war eine Geisterhorrorfilmstory entstanden, die nur scheinbar niemand verfilmen wollte. So vergingen zwei Jahre und letztendlich durfte Ōbayashi, der zuvor noch keinen Langfilm gedreht hatte, Regie führen. Dabei ist ein äußerst eigenwilliger, verspielter Film entstanden, der nicht ganz zu unrecht einen gewissen Kultstatus gewinnen konnte, denn was man hier sieht, ist schon echt ziemlich abgefahren.
 
 
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Die Story steht dabei völlig im Hintergrund. Die sechzehnjährige Oshare ist Jahre nach dem Tod ihrer Mutter absolut nicht begeistert davon, dass ihr Vater eine neue Frau gefunden hat. Also verzieht sie sich in den Sommerferien mit ein paar Schulfreundinnen zu ihrer Tante, die abgeschieden auf dem Land lebt. Erst mal dort angekommen, müssen die Mädels schon bald feststellen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Tante ist nicht das, was sie vorgibt und mit der Katze hängt das Ganze auch noch zusammen. Streng genommen, wird hier ganz normaler Spuk erzählt, der zwar zusätzlich minimal mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden wird, aber dadurch trotzdem kaum an Substanz dazu gewinnt. Diese Handlung bietet simplen Geisterhorror, der allerdings durch die Machart dermaßen konfus wirkt, dass man als Zuschauer schon mal leicht vergessen kann, worum es denn eigentlich geht.
 
 
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Tōhō ließ Ōbayashi letztendlich freie Hand. Die Mitarbeiter empfanden das, was da gedreht wurde, als schwachsinnig und scheinbar wollte das Studio genau so etwas haben. Mit einem Erfolg hatte niemand gerechnet und selbst wenn die Kritiken damals schlecht ausfielen, spielte „Hausu“ in Japan überraschend viel Geld an den Kinokassen ein. Ob das an dieser verspielten Machart gelegen hat, kann man nur mutmaßen, aber Fakt ist, dass „Hausu“ schon sehr speziell ist. Das große Geld wird hinter diesem Werk mit Sicherheit nicht gesteckt haben und trotzdem ist der Film selbst so manch billigem Teil von heute einiges voraus. Ōbayashi lässt auf jeden Fall die Sau heraus und inszeniert wild drauf los. Teilweise ist das alles bodenständig gefilmt und dann kommen wilde Schnitt-Techniken zustande. Hier und da werden Bilder in andere Hintergründe eingefügt, es kommt sogar mal zu kleinen Zeichentrick-Einlagen und im Endeffekt wurden manche Effekte auch mit Zeichentrick realisiert. Das ist alles ziemlich simpel gemacht, aber zeitgleich dermaßen experimentell, dass man als normaler Zuschauer nicht schlecht staunt. Nebenbei wurde das aber mit einer gewissen Stilsicherheit realisiert und wenn dann im Finale alles immer hektischer und wilder wird, kann man nicht anders, als irgendwie fasziniert zu sein.
 
 
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Der eigentlichen Handlung kann man dabei schon bald nicht mehr folgen, aber sie spielt auch eigentlich gar keine echte Rolle. Es gibt zwar eine kleine Schlusspointe, doch am ehesten ist das Drehbuch hier Mittel zum Zweck. Der Zweck besteht darin möglichst abgefahren zu agieren und dabei entsteht dann eine gewisse surreale Atmosphäre. Nichts daran kann der Zuschauer so richtig ernst nehmen und trotzdem stellt „Hausu“ nicht unbedingt eine Horrorkomödie dar. Gruselig oder unheimlich ist das allerdings auch überhaupt nicht. Brutal wird es ebenfalls nicht, doch das ist hier nicht wichtig. Die höchst schrullig gestalteten Effekte alleine sind eine Sichtung wert. Man kann diese nicht zwangsläufig als gut bezeichnen, doch sie sind so liebevoll von Hand gemacht, dass man sie gar nicht als schlecht beurteilen mag. Es entsteht auf jeden Fall eine sehr eigenwillige Stimmung, die fernab von Spannung besteht. Dazu gewinnt man gar nicht genug Draht zu den Charakteren. Diese sind alle einfach so da, bekommen so gut wie keinerlei Hintergrund, wirken weder sympathisch noch unsympathisch. In „Hausu“ spielen solche Dinge keine Rolle. Das Geschehen funktioniert auch so.
 
 
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Dementsprechend gibt es hier eigentlich auch keine Darstellerleistungen, die man ansprechen müsste/könnte. Die meisten Schauspieler kamen sowieso nicht aus der Filmbranche, doch selbst bei billigeren Werken können die Japaner meist mit soliden Leistungen dienen. Dem ist auch in „Hausu“ so. Alles zweckdienlich gespielt, niemals nervig, immer brauchbar, ohne in Erinnerung bleiben zu können. Die skurrile Machart ist hier der Star und teilweise fühlt man sich schon fast etwas mehr an einen Anime, als an einen Horrorfilm erinnert. Technisch ist das aber alles sauber umgesetzt worden und der Score ist zudem ebenfalls nicht schlecht. Nur schade, dass man ständig lesen muss, denn ohne Untertitel geht es für nicht Japanisch-Könner nicht. Scheinbar wurde „Hausu“ bis heute niemals ins Deutsche übersetzt.
 
 
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HAUSU – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Hausu“ lässt sich schon als abgefahren bezeichnen. Regisseur Ōbayashi liefert hier ein Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und skurrilen Effekten ab. Dass die Story dabei so gut wie keine Rolle spielt, die Charaktere gänzlich austauschbar bleiben und von den Darstellern nicht sonderlich viel verlangt wird, verzeiht man als Zuschauer gerne, denn die knapp 90 Minuten Laufzeit vergehen dank der vielen Einfälle echt kurzweilig und nebenbei wurde das Ganze doch recht hochwertig inszeniert. Die Atmosphäre ist zwar niemals richtig unheimlich, dafür aber relativ amüsant und in manchen Szenen kommt eine surreale, fast schon psychedelische Stimmung auf, die begeistern kann. Das fängt noch halbwegs bodenständig an, wird aber spätestens im Finale zu einem echten Trip. Von daher hat sich „Hausu“ seinen Kultstatus schon irgendwie verdient und wer es gerne experimentell, unkonventionell und speziell hat, sollte sich dieses eigenwillige Werk nicht entgehen lassen. Seltsam, aber gut!
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Zensur

 
 
 
Auf dem Cover des Digipacks von „Hausu“ prankt ein FSK16-Logo. Die enthaltene Fassung ist ungeschnitten. Fans asiatischer Genreware können bedenkenlos zugreifen. Aber Achtung: Auf der Scheibe befindet sich der Originalfilm mit deutschen Untertiteln. Eine deutsche Synchronisation wurde „Hausu“ vorenthalten.
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hausu; Japan 1977

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Japanisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.33:1

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack im Schuber

Extras: Interviews (ca. 18 Min.), Trailer

Release-Termin: 16.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Rapid Eye Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Schreckenshaus des Dr. Rasanoff (1960)
 
Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)
 
Der phantastische Planet (1973)
 

Filmkritik: „Harvest Lake“ (2016)

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HARVEST LAKE

Story

 
 
 

Eine Geburtstagsfeier läuft aus dem Ruder. Ben will mit Freundin und Kumpels den 26. Jahrestag in einer Hütte am See feiern. Leider werden die Freunde bald zu hilflosen Geiseln ihrer eigenen Triebe. Irgendwas im Wald scheint ihre Lust fremdzusteuern. Doch wer oder was ist dieser gemeine Übeltäter?

 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Kritik

 
 
 
In HELLRAISER hat man’s getan, in IT FOLLOWS gehörte es dazu und in den Filmen von DAVID CRONENBERG ist es sowieso Programm. Wer im Filmbusiness polarisieren und prägenden Eindruck hinterlassen will, kombiniert einfach Sex und Horror, damit Filmfans was zu sehen bekommen und sich prüde Sittenwächter dran abarbeiten können. Mit letzteren steht der Regisseur des folgenden Streifens bereits auf Kriegsfuß. Horror-Newcomer SCOTT SCHIRMER bekam mit dem Coming-of-Age-Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER in einigen Ländern erhebliche Probleme. Darin vermischte er recht unverfroren Sexualität mit Gewalt und stieß vor allem bei den besorgten Zensurbehörden auf Ungnade, die rigoros Schnitte forderten. Was jedoch zum Schutze der Jugend wohlwollend in Kauf genommen wurde, entwickelte sich zu unfreiwilliger PR. Der Film machte gerade wegen der Zensurproblematik müde Horrorfans munter und erhielt zudem auf Festivals gute Kritiken, so dass die Filmrechte schnell in viele Länder verkauft werden konnten. Vier Jahre sind seither vergangen und SCOTT SCHIRMER scheint sich bewusst viel Zeit für seinen nächsten Streich gelassen zu haben, mit dem er wohl nun beweisen möchte, dass FOUND keine Eintagsfliege gewesen ist. HARVEST LAKE nennt sich der Nachfolger, der zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten und bizarrsten Genrebeiträgen gehört, die das Filmjahr 2016 bisher hervorgebracht hat. Der Grund hierfür ist einfach erklärt. Schirmer vermischt abermals Sex mit Horror, entführt den Zuschauer aber diesmal in surreale Sphären, die HARVEST LAKE vor allem für jene Filmfreunde interessant machen dürfte, denen es im Horrorkino nicht absurd und ausgefallen genug zugehen kann.
 
 
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Eine erotische Reise in den Wald der Triebe und Lüste. Was in HARVEST LAKE passiert, hat man wohl bisher so noch nicht auf der Mattscheibe gesehen. Hier fahren einige Mittzwanziger (darunter ELLIE CHURCH aus HEADLESS) in die Wälder, um in einer einsam gelegenen Hütte den Geburtstag einer der Anwesenden zu feiern. Nach anfänglichen Plaudereien und Bädern im See passiert ganz Sonderbares. Sexuelle Energie wird entfacht und die Freunden überkommt es. Während die Hemmungen fallen und sich die kleine Gruppe der Fleischeslust hingibt, wachsen im Wald seltsame Pflanzen. Phallusförmige Gebilde, an Schamlippen erinnernde Pilze und busen-gleiche Blüten durchziehen das Dickicht und scheinen die Sinne der fünf Kumpels zu vernebeln. Die lassen ihrer sexuellen Lust freien Lauf ohne zu ahnen, dass sie dadurch unfreiwillig Teil eines fremdartigen Lebenszyklus werden.
 
 
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Es ist schwer in Worte zu fassen, was sich Regisseur SCOTT SCHIRMER da hat einfallen lassen. Irgendwo zwischen DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (die 1978er-Adaption) und Cronenbergs SHIVERS reiht der Macher sinnliche Bilder von Menschen beim Geschlechtsakt aneinander, die von einer nicht näher erläuterten Macht manipuliert, gesteuert und für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Was sich surreal liest und vermutlich einen tieferen Sinn beherbergt, ist auch definitiv surreal, hat aber laut Schirmer keine besonders tiefgründige oder doppelbödige Aussage. Der Regisseur wollte einfach nur einen abgefahrenen Genrefilm mit viel Sex drehen, dessen Skript er zusammen mit seinem Kollegen und Freund BRIAN K. WILLIAMS verfasst hat. Die beiden hatten schon immer mal vor gemeinsam einen Film zu drehen. Leider fehlte für das Vorhaben stets die Zeit. Als die beiden einige Tage frei hatten, nahm man die Gelegenheit beim Schopfe und steckte die Köpfe zusammen. Einige Gespräche später entstand die Idee zu HARVEST LAKE, der anfangs eigentlich eher in Richtung Sexkomödie im Stil des Teenager-Klamauks PORKY’S gehen und sich im Verlauf zur Spielfilmversion von DEEP DWELLERS (ein Kurzfilm im Vorgängerfilm FOUND) entwickeln sollte. Letztendlich entschied man sich dann doch für einen ernsten Film und schlug die Science-Fiction-Schauerrichtung ein, um den Genreanspruch zu bewahren. Gott sei Dank.
 
 
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Laut Interviews in der Fachpresse ist Schirmer ein großer Fan von Monster-Filmen und erwähnt im gleichen Atemzug einen Horror-Schlocker der späten 1980er: DAS HALLOWEEN MONSTER. Dass es demzufolge am Ende von HARVEST LAKE ebenso ein handgemachtes Monster zu bestaunen gibt, verwundert da wenig. Leider hält sich der Regisseur trotz Plauderlaune in Interviews darüber bedeckt, was die groteske Kreatur im Film denn nun eigentlich genau darstellen soll. Handelt es sich hier um Pflanzen des Waldes, die den Menschen – ähnlich wie Bienen – nutzen, um befruchtet zu werden oder haust in den Wäldern außerirdisches Leben, das menschlichen Samen zu Fortpflanzung benötigt. In HARVEST LAKE wird die Phantasie des Zuschauers gefordert, denn der surreale Bilderrausch bleibt Antworten schuldig. Nichtsdestotrotz ist Schirmers Film nicht übel – man muss sich auf das sonderbare Filmerlebnis einlassen, denn handwerklich wurde die Indie-Produktion trotz kleinem Budget tadellos inszeniert. Die Schauspieler sind gut gewählt, sympathisch und dürfen sich sogar charakterlich entwickeln. Ein geradezu hypnotischer Score brennt sich in den Kopf des Zuschauers ein und unterstreicht die erotische Anziehungskraft der im wahrsten Sinne Lust-vollen Bilder, die über Kinoleinwand oder Mattscheibe flimmern. Wer demzufolge Filme fernab des Kommerzes sucht, darf sich diesen ungewöhnlichen und hochinteressanten Genrebeitrag nicht entgehen lassen. Leider hat Macher SCOTT SCHIRMER damit die Messlatte für den nächsten Film selbst weit nach oben gesetzt. Ob er FOUND und HARVEST LAKE übertreffen kann, bleibt abzuwarten.
 
 
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HARVEST LAKE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein bizarrer Genre-Mix aus DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und David Cronenbergs SHIVERS, der nicht ungesehen bleiben sollte. HARVEST LAKE ist ein erotisch-surrealer Bilderrausch, der Seinesgleichen sucht und mit nichts zu vergleichen ist. FOUND-Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich hier nach eigener Aussage von Filmen wie Zulawskis POSSESSION, Yuznas SOCIETY aber auch vom atmosphärischen australischen Klassiker PICKNICK AM VALENTINSTAG inspirieren lassen und macht Ur-Instinkte sowie Ur-Ängste zum Thema. HARVEST Lake schildert, wie abhängig doch der Mensch von seinen Trieben ist. Sind die einmal angeworfen und außer Kontrolle, hat man mit der Menschheit einfaches Spiel. So werden im Film Menschen zu willenlosen Sklaven umfunktioniert, die am Ende ein Dasein wie die Tiere des Waldes fristen müssen (dürfen?), weil eine nicht näher erklärte Macht weiß, wie sie die Sinne von Mann und Frau beflügeln muss. Einmal vom Nektar der Liebe gekostet, ist der Mensch willenlos und sitzt in der Venusfalle. Umso erschreckender, was ein Cocktail aus Verlangen, Lust und Liebe mit unseren Köpfen anstellt. Fließt das Gebräu erst mal durch unsere Venen, macht es uns zu Gefangenen der eigenen Triebe. Beängstigend irgendwie.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Zensur

 
 
 
In HARVEST LAKE gibt es keine Gewalt zu sehen. Würden im Film nicht hin und wieder einige Erotikszenen über die Mattscheibe flimmern, wäre der Streifen ein sicherer FSK12-Kandidat. Vermutlich wird er den blauen FSK-Flatschen wegen einiger freizügigen Szenen erhalten und dürfte so frei für Jugendliche ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Forbidden Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)

Body Snatchers (1993)

Society (1989)

Shivers (1975)

Honeymoon (2014)

Filmkritik: „Deep Dark“ (2015)

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DEEP DARK

Story

 
 
 
Zwischen einem Loch in der Wand und einem talentlosen Künstler (Sean McGrath) entwickelt sich eine etwas andere Liebesbeziehung.

 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, welch mutige Horrorfilme fernab des Massenfilmmarkts gedreht werden. Wo große Filmstudios mit ausreichend Budget die immer gleichen Geschichten nach bekanntem Verlauf herstellen lassen und damit die Hirne nicht sonderlich anspruchsvoller Zuschauer vernebeln, erfreut es umso mehr die alteingesessenen Horrorfans, dass es auch anders geht. Indie-Horror hat 2015 mit originellen Ideen Kritiker überzeugt und Kassen klingeln lassen. So haben Filme wie ICH SEH ICH SEH, WE ARE STILL HERE und SPRING dem allmählich immer geistfreier werdenden Hollywood gezeigt, das es auch dem Publikum von Horrorfilmen nach Neuem dürstet. Originalität ist auch in DEEP DARK Programm. Regie-Newcomer MICHAEL MEDAGLIA kommt dem Wunsch vieler Genre-Fans nach und hat mit seinem Langfilmdebüt eine erfrischende und zugleich surreale Liebesgeschichte in unbequeme Bilder eingefangen, die auf Festivals genug Preise einheimsen konnte, weshalb sie daher auch auf Filmchecker Erwähnung finden soll.
 
 
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Der talentlose Künstler Hermann Haig (SEAN MCGRATH) hat kein einfaches Leben. Nicht nur, dass ihm kreative Gedankenblitze fehlen, um Kunst zu Geld machen zu können. Auch nötige Anerkennung für sein Tun bleibt aus, weshalb er den erfolgreichen Onkel kontaktiert und ihn um Hilfe bittet. Dieser schlägt vor weg vom Nest der Mutter in eines seiner Apartments zu ziehen, damit sich der selbsternannte Kunstexperte dort ungestört seiner Arbeit widmen kann. Leider entpuppt sich die teure Wohnung als heruntergekommene Absteige. Doch Hermann lässt sich nicht entmutigen. Fleißig baut er an Mobiles, um die Inhaberin einer Kunstagentur beeindrucken zu können. Die ist von den Arbeiten des Kunstschaffenden gar nicht begeistert und lässt den Künstler bald an sich selbst zweifeln. Da passiert Sonderbares: aus einem Loch in der Wand seines Apartments rankt ein Faden, an dem sich seltsame Zettelbotschaften befinden. Doch die seltsamen Notizen sind erst der Anfang. Bald dringt eine weibliche Stimme aus der Öffnung, die dem entmutigten Mieter der Wohnung einen Vorschlag unterbreitet. Sie verspricht Talent, Kreativität und Ruhm, wenn Hermann als Gegenleistung mit dem Loch Zeit verbringt. Der willigt ein und entwickelt schnell eine Gier nach Anerkennung. Als die Stimme des Lochs Gefühle für den Künstler entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und eine skurrile Dreiecksbeziehung führt zum Desaster.
 
 
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In einem Interview verriet Macher MICHAEL MEDAGLIA, dass der Grundstein zum Film bereits vor mehreren Jahren gelegt wurde. Zu jener Zeit hatte er Schwierigkeiten eine Balance zwischen beruflicher Karriere und Liebesleben zu finden. So erläuterte Medaglia in Gesprächen mit der Fachpresse, dass jene Szene des späteren Films eine der ersten Ideen des Regisseurs war, in der Filmfigur Herman an Fäden festgeknotete Botschaften aus einem Loch in der Wand zog. Nach einigen Kurzfilmen griff er jene Gedanken erneut auf, schrieb darum eine doppeldeutige Geschichte und entwickelte ein komplettes Drehbuch, das Medaglia dank spendabler Produzenten sogar selbst verfilmen durfte. Entstanden ist dabei nicht nur ein gesellschaftskritisches Filmdebüt über Erfolgssucht und Habgier. Die makabre und metaphernreiche Satire über das zwanghafte und eigennützige Streben nach Ruhm und Anerkennung erntete auf diversen Filmfesten vorwiegend positive Resonanz und dürfte MICHAEL MEDAGLIA manche Tür ins stark umkämpfte Filmgeschäft geöffnet haben. Der lies sich für DEEP DARK übrigens nicht nur von ROMAN POLANSKIES Psycho-Horror DER MIETER begeistern. Auch viele alte Universal-Monsterfilme der 1930er und 1940er lieferten nach Aussage des Regisseurs für das Loch in der Wand Inspiration. Wenn das kein Grund ist, dem ungewöhnlichen und doch sehenswerten DEEP DARK eine Chance zu geben. Der entpuppt sich neben IT FOLLOW und dem zu Unrecht von vielen Horrorfans in der Luft zerrissenem THE BABADOOK als einer der besten Indie-Horrorperlen, die das Jahr 2015 hervorgebracht hat. Nach ideenlosem Fortsetzungs-Horror kommerziell erfolgreicher Gruselfilme, sind solch sonderbare Horrorgeschichten wie DEEP DARK sie erzählt gefragter denn je. Schließlich bleiben die länger im Kopf, als überflüssige Pre- und Sequels von so Horrorstreifen, wie CONJURING, INSIDIOUS und Co.
 
 
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DEEP DARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DEEP DARK ist bizarres Indie-Horrorkino, das man so garantiert noch nicht gesehen hat, schließlich kommt es nicht alle Tage vor – pornografische Filme ausgeschlossen – dass ein Mann mit einem Loch in der Wand eine Beziehung eingeht. Die auf Festivals ausgezeichnete Horrorsatire ist mal wieder auf dem Mist eines Regie-Newcomers gewachsen, der mit seiner ungewöhnlichen und zugleich makabren Geschichte an viele der schwarzhumorigen TALES FROM THE CRYPT-Episoden erinnert. Mit erhobenem Zeigefinger prangert er die Erfolgssucht der heutigen Gesellschaft an, die für Ruhm und Anerkennung sogar über Leichen geht. Dank guter Schauspieler, unerwarteter Wendung und bitterbösem Humor ist so eine etwas andere Liebesgeschichte entstanden, die auf jeden Fall am Ende die Interpretationsgabe des Zuschauers entfacht. DEEP DARK bleibt garantiert länger im Kopf, als manch ausgelutschter Horrorschinken aus Hollywood. Demzufolge meinen wir: Kompliment Herr Medaglia für diese ungewöhnliche Leistung und bitte drehen Sie mehr davon!
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Zensur

 
 
 
DEEP DARK ist nicht sonderlich brutal. Einem Protagonisten wird der Darm aus dem Körper gezogen. Einem andere Charakter werden die Finger an beiden Händen abgetrennt. Hierzulande wird DEEP DARK demzufolge eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEEP DARK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Elmer (1988)