Filmkritik: „Devil’s Gate – Pforte zur Hölle“ (2017)

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DEVIL’S GATE – PFORTE ZUR HÖLLE

(DEVIL’S GATE)

Story

 
 
 
Auf einer unheimlichen Farm passieren seltsame Dinge. Was die Polizei dort jedoch findet, geht weit über rationalen Menschenverstand hinaus.

 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Kritik

 
 
 
Ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Film von Festival zu Festival gereicht wird? Nicht selten steckt dahinter Kalkül. Viele Festival-Initiatoren zeigen sehenswerte Filme, um möglichst viele Besucher in die Vorstellungen locken zu können. Aber das Einreichen von Filmen kann auch einem anderen Zweck dienen. So kann es gut sein, dass Filme keinen Verleih finden und daher so lange auf diversen Festivals ihr Dasein fristen bis sich endlich ein Einkäufer findet. Im Falle von DEVIL’S GATE können wir aber Entwarnung geben. Auch dieser Streifen wurde auf einschlägigen Veranstaltungen wie dem FRIGHTFEST oder dem TRIBECA FILMFESTIVAL aufgeführt, vermutlich aber nicht mit dem Hintergrund unbedingt ein Käufer für die Heimkinoauswertung zu finden. Diesen dürfte erwähnter Indie-Horror ohnehin schnell gefunden haben, denn DEVIL’S GATE ist weit weg von schlecht und bringt gute Horrorunterhaltung ins gemütliche Wohnzimmer. Darauf dürfen sich Genre-Fans freuen.
 
 
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Was ist denn hier nicht in Ordnung? Das denkt sich auch FBI-Agentin Daria Francis (AMANDA SCHULL). Die muss sich im ländlichen Amerika mit einem Fall beschäftigen, der viele Fragen aufwirft. Im Fokus der Ermittlungen steht Familienvater Jackson Pritchard (MILO VENTIMIGLIA aus STATIC und KISS OF THE DAMNED). Seit einer Ewigkeit sind nämlich dessen Frau und der gemeinsame Sohn verschwunden. Man glaubt an Mord. Doch der ortsansässige Sheriff Conrad ‚Colt‘ Salter (SHAWN ASHMORE aus HATCHET 2 und FROZEN) kennt den Beschuldigten seit der Kindheit persönlich und vermutet andere Ursachen. Grund genug sich auf der heruntergekommenen Ranch besagter Familie umzuschauen. Dort stößt man auf das verstörte Familienoberhaupt, das über den Besuch der Gesetzeshüter so gar nicht erfreut ist. Offenbart versucht er die Farm vor etwas zu beschützen, das es mit der Familie nicht sonderlich gut meint. Und in der Tat. Im Keller erhält man erste Hinweise. Dort haust in einem Käfig ein Wesen, das keinesfalls menschlich ist. Da stellt sich glatt die Frage, was in diesem Heim nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Antwort darauf sucht man in dieser Kritik vergebens. Jeder noch so kleine Spoiler raubt nämlich DEVIL’S GATE die Spannung.
 
 
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Eine abgelegene Farm, bedrohliche Wolken, ein religiöser Fanatiker und der Teufel im Titel. Dieser Film muss mit dem Okkulten zu tun haben, was wohl das Interesse eines Exorzisten auf den Plan rufen dürfte, der hier mit Weihwasser und Kruzifix zu Tate schreiten muss. Überraschenderweise macht Regisseur CLAY STAUB alles anderes. DEVIL’S GATE ist im anderen Subgenre Zuhause und treibt mit unerwarteten Handlungsverläufen die Spannung voran. Leider beinhaltet der Streifen viele Rätsel und überraschende Wendungen, was es an dieser Stelle schwer macht den Film zu rezensieren. Jede Information zu viel zerstört den nicht uninteressanten Plot, der hier immer nur knappe Hinweise darüber liefert, was letztendlich des Pudels Kern ist. Der Zuschauer wird stets häppchenweise mit Antworten versorgt, die am Ende ein rundes Ganzes ergeben. Erst dort macht der Mystery-Plot Sinn und verinnerlicht einmal mehr, dass selbst bekannte Geschichten immer noch gut funktionieren, wenn man sie in einem unvorhersehbaren Drehbuch niederschreibt, das nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Dass die erste eigene Arbeit von Regisseur CLAY STAUB eine atmosphärische wie spannende Glanznummer geworden ist, scheint nicht von ungefähr zu kommen. Der Macher war nämlich zuvor an einigen Horror-Produktionen beteiligt, bei denen er wohl das Einmaleins des Angstmachens studiert hat. So stand er als Regisseur der zweiten Unit an der Neuverfilmung des Kultstreifens DAWN OF THE DEAD und dem Prequel zu Carpenters THE THING zur Seite. Immerhin erfolgreiche Filme, die besser waren, als die meisten Neuinterpretationen geliebter Kultklassiker. Qualitativ bleibt Macher CLAY STAUB zumindest seinem Kurs treu. DEVIL’S GATE kann sich sehen lassen und dürfte Freunde unabhängigen Gruselkinos bestens unterhalten. Dank guter (aus TV-Serien bekannter) Schauspieler, professionell getrickster Kreaturen-Effekte und durchdachter Erzählweise ist aus diesem kleinen Grusel-Indie definitiv ein Geheimtipp geworden. Sollte man sich auf die Filmliste setzen.
 
 
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DEVIL’S GATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bedrohlich-düsteres Indie-Kino, das sich nicht gleich durchschauen lässt und bis zum Ende fesselt. DEVIL’S GATE gelingt das Kunststück, welches immer wenigeren unabhängig produzierten Horrorfilmen gelingt. Der Streifen erzählt eine Geschichte, die schnell in den Bann zieht und von der man unbedingt wissen will, wie sie ausgeht. Grund hierfür: Man hat sich beim Verfassen des Drehbuchs Gedanken gemacht und an einem Plot gebastelt, der den Zuschauer anfangs versucht in die Irre zu führen. Wohin die Reise wohl gehen wird? Das bleibt bis zur Hälfte ungewiss. Ein guter Schachzug, um das Publikum bei Laune zu halten. Offenbar war im Falle von DEVIL’S GATE jemand am Regler, der selbst Horrorfan ist und weiß, was Genre-Fans wollen. Letztere dürstet es nach spannenden Geschichten, die gute Unterhaltung versprechen. Das ist Regisseur CLAY STAUB definitiv gelungen. Der zitiert hier Altmeister wie JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER. Die permanent bedrohliche Kulisse tut da ihr Übriges. Essentiell für einen Horrorfilm. Dieser Mysterythriller ist zweifelsohne sehenswert. Bitte mehr von diesen kleinen, qualitativen Low-Budget-Schockern.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt zeigt DEVIL’S GATE nicht. Ein Mann wird von einer Bärenfalle zerquetscht, Ein Bein wird mit einem metallischen Gegenstand durchbohrt, der Brustkorb eines Protagonisten wird aufgerissen und ein Gesicht wird ebenfalls weggeschossen. Hierzulande war eine FSK16 drin. Der Film wurde ungeschnitten veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Black Hill Pictures GmbH (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Devil’s Gate; USA | Kanada 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: 22.11.2018

 

Devil’s Gate – Pforte zur Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Hill Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Extraterrestrial (2014)
 
The Recall (2017)
 
Dark Skies – Sie sind unter uns (2013)
 

Filmkritik: „Scream Week“ (2016)

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SCREAM WEEK

(SNEEKWEEK)

Story

 
 
 

Ein paar Studenten haben den Tod eines Kommilitonen mitzuverantworten und werden dafür zwei Jahre später von einem maskierten Killer gejagt.

 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Kritik

 
 
 
Im Original komischer Titel? Schnell erklärt. Hinter dem Wort SNEEKWEEK – so wie SCREAM WEEK eigentlich im Entstehungsland heißt – verbirgt sich ein Event in Friesland, das alljährlich gefeiert wird und jedes Mal mehr Besucher anlockt. Seit 1934 organisieren hier der königliche Wassersportverein Sneek sowie die Gemeinde Zuidwest-Friesland ein Fest, bei dem Segelwettkämpfe unterschiedlicher Kategorien stattfinden. Begleitet wird das Ereignis von Begleit-Veranstaltungen und lauten Partys, die vor allem vom jüngeren Publikum besucht werden. Genau jene Feierlichkeiten werden den Protagonisten des folgenden Horrorfilms zum Verhängnis. Die verschlägt es genau zu jener Zeit in den Norden zum Feiern, als ein kaltblütiger Killer beim Sneekweek-Fest die Runde macht. Ganz unschuldig sind die neunmalklugen Freunde am Erscheinen des Schlitzers aber nicht, denn wie bereits im Horror-Slasher ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST haben auch die Figuren dieses holländischen Genre-Beitrags reichlich Dreck am Stecken.
 
 
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Horror aus dem Land der Tulpen. Klingt kitschig – ist aber mutig und lobenswert. Während man in Deutschland auf bekannten Pfaden wandelt und entweder schwermütige Geschichtsdramen, anspruchsvolles Arthouse oder leichte Komödien ins Kino bringt, schauen die Nachbarn über den Tellerrand. Auch in Holland gibt es Horrorfans, die erschreckt werden wollen. So dreht man dort gerne Gruselzeug, das sogar brauchbar ist. So entstanden inländische Produktionen wie THE POOL, SINT, SCHLACHTNACHT oder FRANKENSTEIN’S ARMY, die auch international gehandelt wurden. Anders sieht es da schon in Deutschland aus. Das behandelt das Horror-Genre nach wie vor stiefmütterlich, ließ es aber in den 2000ern kurzzeitig krachen. Während einer kurzen Renaissance der Teen-Slasher, die durch SCREAM entfacht um die ganze Welt ging, entstanden auch deutsche Meuchelkrimis wie ANATOMIE oder FLASHBACK – MÖRDERISCHE FERIEN, die zumindest in Sachen Blutgehalt den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstanden. Jene US-Ideale zieht auch der niederländische SCREAM WEEK zum Vergleich heran, der sich auch nicht zu fein ist, dem wohl wichtigsten postmodernen Slasher aus der Hand WES CRAVENS zu huldigen: SCREAM. Der flimmert im Film kurz über einen Fernsehapparat und stellt klar, welcher Horrorklassiker dem Holländer MARTIJN HEIJNE nach wie vor am Herzen liegt.
 
 
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SCREAM WEEK wandelt auf bekannten Teen-Slasher-Pfaden. Also lässt er junge Darsteller über die Klinge springen. Ein maskierter Bösewicht hat Freude daran, elektronische Handwerkzeuge zu missbrauchen, um damit naiven Studienabgängern die Leben zu verkürzen. Doch seine Taten sind nicht unbegründet. Die Opfer haben Dreck am Stecken. So hat sich vor genau zwei Jahren Tragisches ereignet. Ein Kommilitone ist beim Feiern während der Sneekweek auf schreckliche Weise ums Leben gekommen. Weil man Konsequenzen fürchtete, hat man der Polizei nicht die ganze Wahrheit erzählt. Leider bleibt keine Tat im Horrorfilm ungesühnt. Pünktlich zum erfolgreichen Uni-Abschluss gerät das Ereignis wieder in Erinnerung. Jemand Unbekanntes hat die Freunde von damals in ein schickes Anwesen eingeladen und weiß offensichtlich, was die Bande vor zwei Jahren getan hat. Doch die hat nur Feiern im Kopf. Es ist wieder Sneekweek, der Alkohol kalt und die Nächte laut. Demzufolge bleiben die Schreie ungehört. Leider pflastern schon bald erste Leichen die Wege und Fragen kommen auf, wer hier mit geschärftem Mordwerkzeug einen Denkzettel verpasst bekommen soll. Wie es bei solchen Filmen meist der Fall ist, wird das am Ende nur das „Final Girl“ erfahren. Die schlägt sich wacker, wird den Bösewicht demaskieren, und ihm selbstverständlich das Handwerk legen. Das ist heute so.
 
 
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ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST auf Niederländisch. SCREAM WEEK weicht erst gar nicht von den Mustern oder Pfaden ab, die das Slasher-Genre so ausgetrampelt hat. Hier wird wie seit jeher gemordet und gestorben – funktioniert bereits über 40 Jahre prima. Dabei sind die holländischen Schreihälse den amerikanischen intellektuell ebenbürtig. Auch denen ist vor allem dreierlei wichtig: Party, Sex und Alkohol. Dass das rigoros bestraft werden muss, weiß jeder Fan des Subgenres. Leider hat SCREAM WEEK ein Problem. Während sich seit Carpenter und HALLOWEEN hinsichtlich der gezeigten Gewalt einiges getan hat, geht diese niederländische Produktion einen Schritt zurück. Zwar zückt der Killer im Film Winkelschleifer, Handkreissäge, Nagelpistole und Bohrmaschine – die Kamera blendet aber in den meisten Fällen weg, sobald es für Horrorfans interessant wird. Angesichts der steigenden Gier nach harter Brutalität in Horrorfilmen, ist das was Regisseur MARTIJN HEIJNE hier an Kills zeigt schon als Enttäuschung zu bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist SCREAM WEEK aber weitaus besser, als das Meiste, was man für den US-Videomarkt produziert. Trotz zurückhaltender Zeigefreudigkeit und knapp zwei Stunden Laufzeit wurde die Stundenten-Auslöschung sauber inszeniert. Klischees sind da – ohne Stereotypen geht mal wieder gar nichts; dennoch wurde SCREAM WEEK trotz vorhersehbarer Handlungsverläufe spannend verpackt. Nach so vielen Filmen dieser Art muss man MARTIJN HEIJNE ein Lob aussprechen. Altbewährtes so zu drehen, dass es nicht langweilt, ist eine Kunst für sich.
 
 
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SCREAM WEEK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die niederländische Version von ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST macht gar keine so üble Figur! Da kann sich Deutschland gern mal eine Scheibe abschneiden. Denn während man in Holland Horrorfilme für den Weltmarkt produziert, tritt man hierzulande beim Drehen von Kinofilmen auf der Stelle. Hauptsache staatstragend und intellektuell. Der bis auf wenige Ausnahmen humorfreie SCREAM WEEK (Originaltitel: SNEEKWEEK) ist typischer Horrorthrill fürs jugendliche Publikum. Zu sehen gibt es schöne Menschen mit wenig Kleidung (vorrangig Soap-Stars aus holländischen Vorabendserien), denen jedoch schreckliches Schicksal vorbestimmt ist. Technisch und auch atmosphärisch kann der Teen-Slasher einiges. Regisseur MARTIJN HEIJNE legt die für Slasher-Filme typischen falschen Fährten, um die Identität des Filmkillers möglichst lange zu bewahren. Gelingt ganz gut – hinsichtlich Spannung bietet der Film einige Höhepunkte. Demzufolge überrascht die Auflösung am Ende doch ziemlich. In Anbetracht der vordiktierten Slasher-Regeln macht SCREAM WEEK fast alles richtig. Nur bei der Gewalt hält sich die NL-Horror-Produktion zurück. Das dürfte den meisten Fans dieser Gattung Film gar nicht schmecken. Ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der Film richtet sich ohnehin an all jene, die noch nicht so mit Slasher-Filmen bewandert sind. Die werden gut unterhalten.
 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Zensur

 
 
 
SCREAM WEEK ist ein eher harmloser Vertreter der Gattung Slasher. Zwar geht der Killer mit Bohrmaschine, Nagelpistole und ähnlich kräftigem Werkzeug zu Werke, die Kamera schwenkt aber weg, sobald es blutig wird. Der Film hat eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SCREAM WEEK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Black Hill Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: SneekWeek; Niederlande 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: 108 Minuten

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.11.2016

 
 

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SCREAM WEEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Hill Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
 Bloody April Fools – Los inocentes (2013)
 
Bloody Bloody Bible Camp (2012)
 
The Girl in the Photographs (2015)
 
Lost After Dark (2015)
 

Filmkritik: „Tanz der Totenköpfe“ (1973)

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TANZ DER TOTENKÖPFE

Story

 
 
 
Ein gelangweilter Millionär beauftragt den Wissenschaftler Dr. Barrett, ich um die Erforschung des Belasco-Anwesens zu kümmern. In diesem englischen Landhaus hat vor bald dreißig Jahren der Riese Belasco (Michael Gough, der Hammer-Films-Veteran taucht in den Credits aber nicht auf) eine größere Partygesellschaft in Stücke gehackt und ist dann verschwunden. Jetzt gehen Gerüchte über elektromagnetische Störungen und Geistererscheinungen im Gemäuer um. Barrett nimmt ein paar Assistenten mit in die Villa. Darunter übersinnlich begabte Menschen wie der Hellseher Fischer, gespielt vom gewohnt hibbeligen Roddy McDowall, der schon einmal an einer Erforschung des Hauses beteiligt war, die mit dem Tod der restlichen Forscher endete. Auch Doc Barretts Mannschaft muss um ihr Leben bangen, fühlt sich eine wissenschaftlich nicht festzunagelnde Präsenz in den Wänden des Belasco-House doch in ihrer ewigen Ruhe gestört.
 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Kritik

 
 
 
Nachdem die legendäre Exploitation-Schmiede American International Pictures (AIP) zerbrochen war, suchte Firmenchef Samuel Z. Arkoff neue Betätigungsfelder. Ein Gespräch mit einem alten Drehbuch-Bekannten führte zur Idee, in England den Haunted-House-Schocker TANZ DER TOTENKÖPFE in den Kasten zu bringen: Autor der Buchvorlage war nämlich Richard Matheson (1926 – 2013), der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz heimlich still und leise zu einem der meistverfilmten noch lebenden Verfasser fantastischer und Genreliteratur mausern sollte. Weitere seiner zu kleinen und großen Meilensteinen gewordenen Geschichten waren zum Beispiel die Bücher zu DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (1957), Hammers THE DEVIL RIDES OUT (1968) und einem ganzen Schwung von Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Adaptionen – für eben Arkoffs AIP. Mathesons bekannteste Short Story dürfte I AM LEGEND sein, die viermal verfilmt wurde, zuletzt mit großen Budget und Will Smith in der Hauptrolle.
 
 
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Zu TANZ DER TOTENKÖPFE dürfte dem Amerikaner auch ein wenig Robert Wises großartiger Spukhausfilm …BIS DAS BLUT GEFRIERT (1963) als Inspiration gedient haben, der sich ebenfalls mit dem Konflikt von Wissenschaft und Übersinnlichkeit bei der Erkundung eines parapsychologisch betroffenen Landhauses an der US-Ostküste beschäftigt. Der Film hat das Belasco House allerdings aus Produktionsgründen nach England umziehen lassen. Verzeihlich. Etwas weniger verzeihlich ist die Produzentenentscheidung, ein paar der ruppigeren Elemente der Vorlage und auch ihre entschieden sexuell ausgerichteten Stimmungen herauszustreichen. Man darf davon ausgehen, dass dieser „Zähmungsvorgang“ dem Film den einen oder anderen Zahn gezogen hat. In den drögeren Momenten der 95 Spielminuten kommt dieser Gedanke das eine oder andere Mal zu Kaffee vorbei. Zarkoff und Matheson waren nun mal Amerikaner und hatten logischerweise eine gänzlich andere Auffassung vom Modell des Horrorfilms als die, welche seit den 1950ern in Großbritannien unter Hammer, Amicus, etc., perfektioniert worden war. So leidet TANZ DER TOTENKÖPFE gelegentlich unter der Schizophrenie, ob er nun die Stimmung eines britischen oder amerikanischen Horrorfilmchens verbreiten möchte. Das wirkt leider gar nicht homogen und hindert den Film merklich daran, seine ganze mühevoll orchestrierte Spukhaus-Gruselwirkung zur Entfaltung zu bringen.
 
 
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Die Musik zu TANZ DER TOTENKÖPFE ist eine gesonderte Erwähnung wert, stecken doch zwei der Köpfe des legendären Radiophonic Workshop des britischen Staatsfernsehens BBC dahinter. Delia Derbyshire und Brian Hodgson waren Soundtüftler in Laborkitteln, die sich mit dem Möglichkeiten elektronischer Klangwelten beschäftigten und ein paar wahnsinnig gute Platten hinterließen. Der Soundtrack zum Film hier, atmosphärische und gruselige Elektro-Stimmungen, wartet noch auf seine Veröffentlichung, die aber im aktuellen akribischen auf den Markt werfen schöner obskurer Filmmusiken nur noch eine Frage der Zeit ist.
 
 
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TANZ DER TOTENKÖPFE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Ein wenig untergegangener Eintrag in den Kanon britischen Horrors. TANZ DER TOTENKÖPFE fühlt sich für den Zuschauer definitiv amerikanischer an als viele der heimischen Zeitgenossen aus GB, leidet daher hier und da unter einer leichten Unentschlossenheit und Unausgegorenheit. Nichtsdestotrotz ein stimmungsvoller Horrorfilm vom alten Schlag, der ein Wiedersehen auf BluRay oder eine Neuentdeckung wert ist.
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Zensur

 
 
 
TANZ DER TOTENKÖPFE ist ein relativ harmloser Vertreter des Spukhaus-Genres. Die erhältliche Fassung ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Spirit Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Legend of Hell House; Großbritannien 1973

Genre: Klassiker, Horror, Grusel

Ton:Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1). Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Trailer

Release-Termin: Erstauflage: 23.03.2012 | Zweitauflage: 04.08.2015

 

Tanz der Totenköpfe [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

TANZ DER TOTENKÖPFE – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Spirit Media.

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Bis das Blut gefriert (1963)
 
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Filmkritik: „Das Haus der langen Schatten“ (1983)

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DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN

Story

 
 
 
Kenneth (Desi Arnaz, jr.) ist Krimischriftsteller mit Blockade und großem Maul. Er wettet, binnen Tagesfrist einen klassischen Schauerroman schreiben zu können, der es zu Veröffentlichung und Erfolg bringt. Zur Inspiration begibt er sich auf einen leerstehenden walisischen Landsitz. Ordnungsgemäß pfeift der Wind durchs Gemäuer und die Schreibmaschine ist geölt, da knarrt es in den Balken. Das Haus ist gar nicht verlassen! Lord Grisbane (John Carradine) und seine Tochter (Sheila Keith, Stammschauspielerin Pete Walkers) haben sich heimlich um den Kasten gekümmert. Im Laufe der Nacht treffen auch die beiden Söhne seiner Lordschaft (Vincent Price und Peter Cushing ein, gefolgt von einer Sekretärin und Christopher Lee als Kaufinteressenten des Grundstücks. Nachfolgend kommt es zu kleinen Unfällen unter der Besetzung und der Zuschauer weiß nicht, wohin die Reise geht. Wer hat Interesse am horrorfilmkonformen Ableben der Schlossgäste?
 
 
 


 
 
 

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN – Kritik

 
 
 
Zwar mit dem Gespür für ordentliche Horror-Klischees gedreht und doch manchmal ein wenig albern, erinnert der Film in seinem Aufbau hie und da an die gute alte Agatha Christie oder aber ganz, ganz zahme Einer-nach-dem-anderen-Filme aus der Welt des Giallos. Also bitte weder komplettes Nervenzerfetzen, noch Kellertreppen voller Kunstblut erwarten, liebe Kinder. Was als Horrorfilm oder auch Parodie des Genres vielleicht nicht immer zu hundert Prozentchen ins Schwarze ballert, kann immerhin von sich behaupten, als Zeitdokument der goldenen Genrezeit in jeden Schrank ernsthafter Filmologen zu gehören. DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN ist – Sie ahnen es – der einzige Spielfilm, in dem sich dieses Quartett von Horror-Charakterköpfen der alten Schule zusammengetan hat, dem Zuschauer das Schauervergnügen des Abends zu bereiten. In verschiedenen Konstellationen stand man immer mal vor der Kamera, geballt tatsächlich nur hier. Christopher Lee und Peter Cushing haben hier ihren letzten gemeinsamen Auftritt, Cushing verstarb wenig später. Interessant, dass dieses späte Beispiel britischen Horrors von den israelischen Cousins Golan und Globus und ihren Cannon-Studios produziert wurde, die derzeit ja auch späte Anerkennung erfahren.
 
 
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Pete Walkers Platz im Pantheon britischer und europäischer Exploitationfilmer ist unbestritten. Trotzdem ist der 1939 geborene Regisseur kein „household name“ wie die Männer hinter den Filmen der großen Studiozeit auf der Insel. Die großen Zeiten dieser Produktionshäuser, allen voran natürlich Hammer, aber auch Amicus, waren vorbei. Man drehte noch, sicher. Hammer wärmte immer wieder die alten Universal-Lizenzen auf und schickte Dracula und Kollegen in immer absurderen Drehbuchwildheiten auf die Leinwand und Amicus versuchte sich in Abenteuerfilmen und anderen eigentlich fremde Genres. Trotzdem umwehte die Veröffentlichungen der alten Haudegen eine gewisse Altmodischkeit. Fatal, befand man sich schließlich noch lange nicht in der Zeit der Nostalgie. Von diesem Verblassen der großen britischen Horrortradition profitierte eine B-Filmwirtschaft im Schatten der Industrie-Riesen. Wie in jedem Land lag es in der Hand findiger Exploitationeers, den Genrefilm in neue, publikumswirksame Ferkeltiefen zu befördern. Auf dem Kontinent waren das Sex- und Gewaltschmutzfinken wie der Spanier Jess Franco und in Amerika die Gang der „Forty Thieves“, legendäre Schlockfilm-Fabrikanten, von denen heute Namen wie David F. Friedman dem Kenner abseitiger Unterhaltung ein bescheuertes Lächeln auf die Schnute zaubern. Großbritannien hatte ein paar Produzenten, die ihre Firmen, auch aufgrund der debilen britischen Pornographiegesetze, die dort bis heute noch keiner so richtig verstanden hat, mit Softsex sanierten, hier und da aber auch den Hunger des jungen Trashpublikums nach Zelluloidbrutalität stillten. Die willfährigen Erfüllungsgehilfen dieser Produzenten waren Magier miesen Minibudgets, Zauberkünstler zotigen Z-Zelluloids wie Norman J. Warren und eben der heute hier zu lobende Pete Walker. Letzterer, der nach DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN sein Geld außerhalb der Filmindustrie machen wollte, steht hinter einer ganzen Reihe der klangvollsten bösen Filme made in Britain. Da gibt es Nackedeischrott wie ROSEMARIES LIEBESREPORT IN DREI DIMENSIONEN (1972) Sado-Exploitation wie den berühmten HAUS DER PEITSCHEN (1974) aber eben auch einige der bei Liebhabern höchstgeschätzten Horror-Reißern aus England nach Hammer.Titel wie IM RAMPENLICHT DES BÖSEN (1972), FRIGHTMARE (1974) oder AMOK (1976) – den einen oder anderen Blick lohnt fast jeder von Walkers Filmen.
 
 
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Das Drehbuch stammt von Michael Armstrong, selbst einem zumindest in jungen Jahren innerhalb des Eurotrash sehr aktiv gewesenen Filmschaffenden. Von ihm stammen Adrian Hovens wahnwitzige Inquisitions-Exploiter HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT (1973) und die Fortsetzung. Später ist er dann seriös geworden.
 
 
 


 
 
 

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Schöne Horror-Persiflage endlich mal wieder verfügbar. Der letzte Film des wiederentdeckenswerten UK-Ein-Mann-Exploitation-Unternehmens Pete Walker kann sich rühmen, die einzige gemeinsame Arbeit des Kult-Quartetts Carradine/Price/Lee/Cushing zu sein und ist schon deswegen ein geschichtsträchtiges Stückchen Plastik.
 
 


 
 
 

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN – Zensur

 
 
 
Die erschienene Blu-ray ist absolut ungeschnitten. Fans altmodischer Gruselei können bedenkenlos zugreifen. Die Gänsehaut wird in diesem Film auf subtile Weise heraufbeschworen. Für Splatterfans gibt es keine Schauwerte zubestaunen. DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN ist ungeschnitten frei für Zuschauer ab 16 Jahre.
 
 
 


 
 
 

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Black Hill Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The House of the Long Shadows; Großbritannien 1983

Genre: Klassiker, Horror, Komödien, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: 101 Minuten

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: 23.06.2015

 
 

Das Haus der langen Schatten [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Black Hill Pictures

 
 
 
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