Filmreview: „Gallowwalkers“ (2012)

Gallowwalkers2012
 
 
 

GALLOWWALKERS

Story

 
 
 
Ein Cowboy auf Rachefeldzug: Amans (Wesley Snipes) große Liebe wurde von fünf Fremden vergewaltigt, geschwängert und stirbt bei der Geburt des Kindes. Grund genug, den Peinigern die Leviten zu lesen. Er macht sich auf, das Verbrecherpack zu lynchen, ahnt aber nicht, dass auf ihm ein Fluch lastet. Denn ein jeder, der durch die Kugel Amans ins Jenseits befördert wird, kehrt als Untoter, sogenannter Gallowwalker, zurück an die Erdoberfläche. So zieht der schwarze Rächer erneut in die Schlacht gegen die skrupellose Bande. Diesmal jedoch nützen ihm die Kugeln nichts, denn ein Gallowwalker kann nur durch Enthauptung seinen Frieden finden …
 
 
 


 
 
 

GALLOWWALKERS – Kritik

 
 
 
WESLEY SNIPES war Ende des 20. Jahrhunderts einmal einer der ganz großen Action-Stars. Bis er im Jahre 2006 wegen Steuerbetrugs angeklagt wurde und schließlich 2010 eine 2-jährige Haftstrafe absitzen musste. Auf sein Konto gehen einige bekannte und erfolgreiche Filmwerke (DEMOLITION MAN, MONEY TRAIN), wobei besonders die Rolle als Vampirjäger BLADE (1998-2004) mit Sicherheit jedem Horrorfilmfreund ein Begriff sein dürfte. Seit dem letzten Leinwandauftritt in BLADE-TRINITY (2004) ist es ruhiger um SNIPES geworden, der mittlerweile primär in günstig abgedrehten Direct-to-DVD-Produktionen zu sehen ist und daran Gefallen gefunden hat, auch als Produzent eigener Projekte zu fungieren. Bereits lange vor seiner Haftstrafe drehte er in Namibia den Trash-Western GALLOWWALKERS, der jetzt einige Jahre nach der Fertigstellung endlich in die heimischen Wohnzimmer kommt.
 
Mit dem Slogan “Blade is Back!“ wird vielversprechend auf dem Cover von Blu-ray und DVD geworben, wobei derart Werbesprech bei Fans der Reihe eine vollkommen falsche Erwartungshaltung schürt. Mit dem Vampirhorror BLADE hat GALLOWWALKERS rein gar nichts am Hut. Statt hinterhältiger Blutsauger treiben hier intelligente Untote ihr Unwesen, die, wie einst beim HIGHLANDER, nur mittels Enthauptung in die ewigen Jagdgründe befördert werden können. WESLEY SNIPES spielt Aman, einen farbigen Rächer, der so rein gar keinen Spaß versteht. Bandenanführer Kansa (KEVIN HOWARTH) hat seine große Liebe auf dem Gewissen, so dass sich Aman auf dem Weg macht, den Tod der Geliebten zu rächen. Doch so einfach scheint sich sein Rachetrip nicht bewerkstelligen zu lassen, da die vermeintlich erschossenen Bösewichte kurzum als wandelnde Tote zurück auf den Wüstenacker ziehen und zum Gegenangriff blasen. Um für die Schlacht gewappnet zu sein, holt sich GALLOWWALKER Aman den Sträfling Fabulous (RIPLEY SMITH) an Bord, der ihm hilfreich zur Seite stehen soll. Dumm nur, dass sich die Kreaturen nicht so einfach erledigen lassen.
 
Während der DAYWALKER BLADE bevorzugt im Dunkeln agierte, scheuen die GALLOWWALKERS (man beachte die verblüffende Ähnlichkeit in der Namensgebung) nicht davor, ihr Duell unter brennender Sonne auszutragen. Regisseur ANDREW GOTH (COLD AND DARK, EVERYBODY LOVES SUNSHINE) verlagert seinen dünnen Plot genreuntypisch in die Wüste, wo die spartanische Kulisse an alte Western erinnert. Dass der unerfahrene Filmemacher mit GALLOWWALKERS seinen gerade einmal dritten Langfilm inszeniert und die Drehbuchgrundlage zum Film geliefert hat, ist diesem Crossover aus Western, Zombie- und Rachefilm wenig förderlich. Denn in GALLOWWALKERS ist der Wurm drin. Man merkt dem Beitrag an, dass hier jemand dahinter gesteckt hat, der bisweilen zwar ambitionierte Ideen besaß, aber nicht wirklich wusste, wie er sie effektiv umsetzen sollte. Vor allem die etwas wirre Erzählweise wirkt in ihrer Zähigkeit wenig einladend. Nach 30 Minuten Laufzeit beginnt GOTH in kurzen Rückblenden Licht ins Dunkel der Story zu bringen. Bis dahin muss sich der Zuschauer durch abstruse Handlungsverläufe quälen, die anfänglich so gar keinen Sinn machen. Zudem will partout keine Spannung aufkommen und die dröge und bierernst erzählte Geschichte wirkt mit ihren auf cool getrimmten Phrasen nicht selten unfreiwillig albern und peinlich. Das muss auch WESLEY SNIPES kurz nach Drehbeginn erkannt haben, denn wirklich Lust scheint er nicht gehabt zu haben, bei GALLOWWALKERS mitzumachen. Sein Schauspiel wirkt nicht selten desinteressiert und lieblos. Wobei auch der klägliche Rest der Cast wohl viel lieber ein erfrischendes Bier getrunken hätte, anstatt in der prallen Hitze einen ziemlich miesen Film zu drehen. Immerhin bekommt der Horrorfilmfreund in puncto Gewalt einiges geboten. Hier werden Köpfe mitsamt Wirbelsäulen aus Körpern gerissen, wobei sich die Frage stellt, wie derartige Drastik problemlos durch die FSK gekommen ist. Zwar wurden einige der Enthauptungen am Computer getrickst; das meiste wurde jedoch handmade realisiert und kann sich durchaus sehen lassen.
 
BLADE-Fans sollten sich nicht verwirren lassen. GALLOWWALKERS hat nicht nur nichts mit dem Vampirjäger zu tun; der Film ist zudem meilenweit von den Qualitäten des Spitzzahns entfernt. Hier stimmt eigentlich rein gar nichts. Die Geschichte ist wirr, die Handlung dünn und die Lustlosigkeit der Agierenden überträgt sich rasch auf den Zuschauer. Was bleibt ist ein Horror-Western mit unpassend elektronischen Soundtrack, der eigentlich nur wegen der recht ansehnlichen Enthauptungsszenen Daseinsberechtigung besitzt.
 
 
 


 
 
 

GALLOWWALKERS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
WESLEY SNIPES in seinem vermutlich miesesten Film und das soll was heißen! Ein vollkommen wirrer Mix aus Western, Rache- und Zombiefilm, der gut hätte werden können, aber am unausgegorenen Drehbuch scheitert.
 
 
 


 
 
 

GALLOWWALKERS – Zensur

 
 
 
Es gibt ein paar ziemlich deftige Enthauptungen zu sehen, wobei etwas unverständlich ist, wie die FSK den Film hierzulande ungeschnitten mit der KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung absegnen konnte. Die Kaufversion ist demnach vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

GALLOWWALKERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Gallowwalkers_Blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gallowwalkers; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch und Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover und Schuber

Extras: Interviews mit dem Cast (ca. 20 Minuten, dt. UT), B-Roll (ca. 16 Minuten, keine UT), Originaltrailer in Deutsch und Englisch, Trailershow mit 7 Trailern aus dem Programm von ASCOT

 
 
 
Technisch kommt die Veröffentlichung aus dem Hause ASCOT solide daher. Da der Film vorwiegend am Tage spielt, kann sich das Bild durchaus sehen lassen und gefällt durch gute Schärfe. In den Nahaufnahmen wurde scheinbar mit Weichzeichner nachgeholfen. Leider werden hier Filmkorn-Gegner keinen Spaß verstehen, denn dieses ist den ganzen Film über dabei. Akustisch wurde GALLOWWALKERS brauchbar abgemischt, wenngleich die Originalfassung der deutschen Synchronisation vorzuziehen ist; die deutsche Übersetzung wirkt nicht selten arg lustlos. Im Bonussektor gibt es einige Interviews (rund 20 Minuten) und B-Roll-Aufnahmen (16 Minuten) zu bewundern. Ergänzt werden die Extras durch den Trailer in Deutsch und Englisch. Wirklich tiefgründige Extras, wie ein Making of sucht man auf der Blu-ray jedoch vergebens. Bleibt zu erwähnen, dass der deutschen Veröffentlichung ein Schuber spendiert wurde, der den Release durchaus aufzuwerten versteht. Ein Wendecover ist zudem auch mit an Bord und die Interviews wurden deutsch untertitelt. Im schick gestalteten Menü können sogar Untertitel zum Film ausgewählt werden.
 
 

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GALLOWWALKERS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blade (1998)

Blade (2002)

Blade-Trinity (2004)

Dust Devil (1992)

El Topo (1970)

John Carpenter’s Vampire (1998)

Filmreview: „Wir sind die Nacht“ (2010)

 

Deutschland ist nicht gerade für ausufernde filmische Horrorkost bekannt.

Klammert man mal den gesamten Ittenbach/Buttgereit Animateursektor aus, so bleiben kaum nennenswerte deutsche Genrefilme über, die lohnen würden überhaupt geschaut zu werden.

Einzig in den 90ern bekam der stiefmütterlich behandelte deutsche Horrorfilm zumindest kurzweilig Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die aus Amerika recht populär anschwemmende „Teenie-Slasher-Welle“, welche durch „Scream –Schrei!“ ihren Beginn fand, wurde auch Deutschland in Sachen „Teenie-Horror“ recht kreativ und produktiv.

Filme wie „Anatomie“, „Anatomie 2“ und „Flashback – Mörderische Ferien“ liefen mehr oder weniger erfolgreich in den Kinos, wobei „Anatomie“ sogar auch international (erfolgreich) vermarktet wurde.

Nun, über 10 Jahre später, in „Vampir“ – trächtigen Zeiten („Twilight“, „True Blood“ und Co. lassen grüßen) schickt auch Deutschland einen neuen Genrefilm ins internationale Rennen.

Dabei ist mir völlig unklar warum es gerade mit „Wir sind die Nacht“ ein Vampirfilm sein musste, der das angestaubte Deutsche Horrorgenre reanimieren sollte. Vermutlich nutzte der Vertrieb CONSTANTIN Film die Gunst der Stunde um im Fahrwasser von „Twilight“ auch etwas vom weltweit ausgeschlachtetem Vampirfilm-Markt abzubekommen und ein paar „Euronen“ zu erhaschen.

Wo war Deutschland eigentlich in der sehr international erfolgreich ausgewalzten „Saw“, „Hostel“ und „Backwoodhorror“ – Ära?

 

Berlin heute. Vampire ziehen durch die Gassen. Immer getrieben von Blutdurst, Luxus, Liebe und Sex. Auf der Flucht vor der Polizei gerät die junge Kleinkriminelle Lena bei einem illegalen Rave an den weiblichen Vampir Louise, die sich auch gleich in die ärmliche und introvertierte Lena verliebt und sie beisst. Daraufhin verwandelt sich auch Lena in ein Geschöpf der Nacht und genießt ab sofort den Luxus und die Freiheit des Vampirdaseins. Zumindest bis sie sich in den Polizisten Tom verliebt, zum Leidwesen für Louise. 

 

Eins vorweg, für einen deutschen Film harmoniert „Wir sind die Nacht“ beachtlich homogen.

Von der Ausstattung, über die (sehr nahe und reale) Schauspielerische Leistung bis hin zu den sehr guten Spezialeffekten hat Regisseur Dennis Gansel einen würdigen und wahrlich recht ordentlichen Vampirthriller geschustert, der für deutsche Verhältnisse, was die Gore- und Gewaltschraube angeht, grafisch auch recht explizit und hart daherkommt und sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht.

Zumindest hebt sich „Wir sind die Nacht“ sehr positiv von seinen großen Vorbildern, wie „Twilight“ und „Vampire Diaries“ ab und richtet sich eher an ein älteres Publikum.

Sehr ausdrucksstark und interessant: Gansels Sicht von Berlin.

Durch den gekonnten Einsatz von Farbfiltern wirkt die Hauptstadt sehr kühl und ungemütlich, was verstärkt, dass alles um die Protagonisten in den Hintergrund und die Charaktere mehr in den Vordergrund rücken.

Leider hat mir zumindest die arg aufdringliche homosexuelle Komponente des Filmes weniger gefallen. Die Tatsache, dass es weibliche Vampire gibt, die seit Jahrhunderten nach der „wirklichen und wahren Liebe“ (Hilfe, Kitsch) suchen und demnach auch gleich in der nächstbesten Außenseiterin (was für ein Zufall!) das Opfer ihrer Leidens sehen, empfand ich doch schon als sehr unglaubwürdig und aufgesetzt. Ebenso, dass alle weiblichen Vampire im Laufe ihres bisherigen Daseins die gesamte männlichen Vampirsippschaft „ausgerottet“ haben soll ist doch mehr als grotesk.

 

Fazit 6,5/10 Punkte

 

Recht ordentlicher und kurzweiliger Vampirthriller aus Deutschen Landen, der gerade „Twilight“ – Liebhaber der etwas härteren Gangart munden dürfte. Wer bisher generell nix mit Vampirfilmen anfangen konnte sollte auch um „Wir sind die Nacht“ einen großen Bogen machen. Auch in dieser Produktion gibt es Unmengen an Vampirhauern, blutenden Hälsen, Titten und Erotik zu begutachten. Aber: wer einen Splatter-Action-Knaller a lá „Blade 1-3“ erwartet dürfte vermutlich auch enttäuscht werden!

 

Hellraiser80