Filmkritik: „Slaughter“ (1972)

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SLAUGHTER

Story

 
 
 
Der heimgekehrte Vietnam-Gewaltspezialist Slaughter (Jim Brown) muss mit Schrecken feststellen, dass sein Vater einem Mafia-Attentat zum Opfer gefallen ist. Erstes Umschauen im kriminellen Untergrund führt Slaughter erst zum Erlegen eines Gangsters und infolgedessen in den Knast. Dort macht ihm der Geheimdienst – in Form des großen amerikanischen Übel-Schauspielers Cameron Mitchell – ein verlockendes Angebot. Als Gegenleistung für seine Freiheit soll er einen Mafioso umnieten, der in einer südamerikanischen Bananenrepublik sein Drogenimperium aufgebaut hat. Im unmittelbaren Dunstkreis des Bösewichts: Dominic Hoffo, der Mörder von Slaughters Vater.

 
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Kritik

 
 
Nachdem wir kürzlich mit ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS einen noch eher seriös aufgemachten Kriminalfilm als einen der Wegbereiter für das afroamerikanische Actionkino der Siebzigervorgestellt haben, dürfen wir Euch heute mit Jack Starretts SLAUGHTER einen Blaxploitation-Knaller reinsten Wassers an die Herzen legen.
 
 
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Hauptdarsteller Jim Brown, das Verkaufsmerkmal des Films, zählt, gemeinsam mit Fred „The Hammer“ Williamson, Richard Roundtree oder Jim Kelly zu den Ikonen dieser Art Film. Vor seiner Zeit als Schauspieler absolviert dieser Bison von einem Mann eine Karriere auf der Position des Fullbacks im American Football, von der die Experten dieses eigentümlichen und ruppigen Sports aus Übersee noch heute schwärmen. Wir reden hier tatsächlich von einem generationsübergreifend herausragenden Talent der Kategorie Pelé, Zidane oder Franz Beckenbauer, würden wir’s denn auf hiesige Verhältnisse übertragen wollen. Der Übergang vom Rasen auf die Bühne, bzw. vor die Kamera gelingt dem Athleten mit Bravour. Er spielt Haupt- und Nebenrollen in Dramen, Literaturverfilmungen, Thrillern und sogar progressiven Western, bevor er zu einem der Gesichter der Blaxploitation wird und sich hinter den populäreren Kollegen nicht verstecken muss. SLAUGHTER ist sein erster Film im Genre. Viele weitere Herrenfilme folgen und – so ist das bei Genres und ihren Spielregeln – ähneln sich schon alle ein wenig. Noch in den frühen Neunzigern reicht die Anwesenheit von Brown als Kommentator aus, um einer der ersten UFC-Shows die nötige sportliche Ernsthaftigkeit zu verleihen.
 
 
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Dem Strickmuster nach schießen, dreschen und bumsen sich die schwarzen Machos durch ihre Filme und haben es mit Gangstern, Hinterwäldlern, Ku-Klux-Klan-Rassisten und anderem Gesocks zu tun. Auch in SLAUGHTER sind die Mafia-Lumpen üble Rassenhasser. Besonders Vatermörder Dominic Hoffo kann die dunkelhäutigen Miteinwohner des Landes überhaupt nicht leiden. Das liegt auch daran, dass seine Freundin, das Gangsterbräutchen Ann (gespielt von einem verblühenden Starlet von einst, Stella Stevens) nur zu gern der sexuelle Lockvogel für den schwarzen Potenzprotz sein möchte. Rassismus-Motivation: Penisneid. Gibt’s bestimmt öfter. Die Tatsache, in Hoffos Rolle den gewohnheitsmäßig am Rad drehenden Charakter-Schreischauspieler Rip Torn (erst 2019 mit stolzen 88 Jahren abgetreten) zu sehen, erfüllt uns natürlich mit besonderer Dankbarkeit.
 
 
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Den Regisseur, Jack Starrett ist das, kennt der geneigte Bahnhofskino-Vorsteher als den Macher zahlreicher Biker-Filme wie RUN, ANGEL, RUN oder THE LOSERS. Als Schauspieler brilliert der texanische Stuntfachmann in der Rolle des unappetitlichen Hilfssheriffs im ersten RAMBO-Film und als in Prügelszenen eingesetzter Nebenrollen-Knecht in so ziemlich jeder Fernsehserie der Siebziger und Achtziger. SLAUGHTER ist sein erster von zwei Blaxploitation-Filmen. Im Folgejahr dreht er noch den knusprigen Damen-Actioner EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES. Im Horrorfilm ist er nur einmal aktiv und lässt 1975 den schrägen „Satansjünger in der Wüste“-Klopper VIER IM RASENDEN SARG aufs Publikum los.
 
 
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SLAUGHTER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
SLAUGHTER ist ein Aushängeschild des derberen Blaxploitation-Films, dem man seine Low-Budget-Herkunft zwar ansieht, daran aber nichts Negatives erkennen kann. Jim Brown in seiner ersten Genrerolle hat eine Präsenz ohne gleichen und Action-Regisseur Jack Starrett lässt professionell die Fetzen fliegen. Tipp!
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Zensur

 
 
 
SLAUGHTER erschien auf VHS in Deutschland nur in einer um 38 Sekunden geschnittenen Veröffentlichung. Wie die meisten Exploitationfilme in den 1980ern wurde auch SLAUGHTER auf dem Index gesetzt. Von 1983 bis 2008 war der Streifen indiziert. Auf DVD erschien der Kultfilm nie. Das ändert sich aber jetzt. Der Anbieter WICKED VISION hat SLAUGHTER neu prüfen lassen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren. Diese befindet sich auf der erhältlichen DVD und Blu-ray. Geil!
 
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked-Vision (KeepCase Blu-ray – auf 1.500 Exemplare limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Slaughter; USA 1972

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo-Box

Extras: Europäische HD-Premiere, Sammelschuber für 10 Filme mit Spottlack-Veredelung, Von LSP-Medien restauriertem Kinoton, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, Exklusiv: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese,
Exklusiv: „Der Gangster als stilbewusster Antiheld“ Episode 1, Deutscher Kinovorspann, Originaltrailer, Bildergalerie, DVD mit dem Hauptfilm

Release-Termin: Scanavo-Box: 18.12.2020

 

Slaughter [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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Unterstützt WICKED VISION und kauft die hochwertige Sammlerveröffentlichung im WICKED Shop!

 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Foxy Brown (1974)
 
In der Hitze der Nacht (1967)
 
Die Organisation (1971)
 
Ein Mann sieht rot (1974)
 
Dirty Harry (1971)
 

Filmkritik: „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“ (1970)

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ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS

(THEY CALL ME MISTER TIBBS!)

Story

 
 
 
Detective Virgil Tibbs ermittelt in San Francisco im Fall einer ermordeten Prostituierten. Im Kreis der Verdächtigen finden sich ein unsauberer Hausbesitzer mit Verbindungen ins Rotlichtmilieu und ein exaltierter Straßenprediger, der sich als zeitgemäßer Vermittler zwischen den Rassen und sozialen Schichten inszeniert. Nachdem die Spur fälschlicherweise zum Hausmeister der Wohnung des Opfers führt, muss Tibbs umdenken.

 
 
 


 
 
 

ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS – Kritik

 
 
Geiler Seventies-Thriller mit einer knackigen Besetzung. Sidney Poitier ist das am härtesten gekochte Ei am Platz, der immer kurz vorm Überschnappen stehende Martin Landau stiehlt ihm als Mann Gottes fast die Show und mit den Baddies Ed Asner und Anthony Zerbe, rappelt auch die Nebenrollencrew im Karton. ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS ist die zweite von drei Verfilmungen der an die zehn Bücher über den schwarzen Polizisten des Titels. Verspätet, in den Achtzigern, erscheint – fast wie ein kleines Revival – noch eine Fernsehserie. Auf Sidney Poitier in der Hauptrolle muss hierbei aber, zu Gunsten von Howard Rollins, verzichtet werden. Dafür spielt Rod Steiger erneut seine Oscar-Rolle aus dem Original. Im Gegensatz zu IN DER HITZE DER NACHT, diesem legendären und vielfach mit Preisen prämierten Vorläufer, ermittelt Virgil Tibbs diesmal nicht im schwer rassistischen Backwoods-Setting des Bundestaates Mississippi. Er ist Detective bei der Polizei von San Francisco, was sich auch in der Filmmusik aus der Feder des großen afroamerikanischen Produzenten Quincy Jones widerspiegelt. Statt mit ländlichen, von heimeligem Countryklang beeinflussten Stücken wird die Action diesmal von rhythmischen Funk-Sounds, die besser zum urbanen Background der nordkalifornischen Metropole passen, unterstrichen.
 
 
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Aber nicht nur musikalisch und vom städtischen Handlungsort her wird einem ganz besonderen, beliebten Genre der Steigbügel gehalten: Blaxploitation, also das dezidiert schwarze Action- und Kriminalkino, das in den Siebzigern das große Ding in den Filmtheatern der Vereinigten Staaten wird, ist ohne eine emanzipierte Heldenfigur wie Sidney Poitiers hartgesottenem Bullen Virgil Tibbs kaum denkbar. Die Ursprünge von SHAFT, SUPERFLY und vielen anderen der von Kultstars wie Fred Williamson oder Jim Brown verkörperten Leinwandmachos liegen deutlich hier.
 
 
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Dazu passt auch hervorragend der Originaltitel des Films. Auf Englisch heißt er nämlich THEY CALL ME MISTER TIBBS. Der Satz ist die Antwort, die im ersten Teil der Redneck-Sheriff kassiert, nachdem er den schwarzen Kollegen herablassend fragt, wie ihn die Kollegen im Norden denn anreden. Ein solches Selbstbewusstsein gegenüber Weißen im noch nicht lange von der Segregation befreiten US-Süden ist 1967 ein absolutes Novum in der Popkultur und zeigt den noch immer menschenverachtend miserabel behandelten Schwarzen ihre gesetzlich zugesicherte, in der Realität allerdings längst nicht verankerte Gleichberechtigung auf. Heute, in Zeiten, die eine „Black Lives Matter“-Bewegung notwendig machen, könnte man denken, das Elend ist bis heute noch nicht ausgerottet. Da helfen auch acht Jahre unter der Regierung Obama nur oberflächlich. Vielleicht wird’s ja 2021 besser. Falls Führer Trump nicht noch zum atomaren Knopf langt.
 
 
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ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Sehr schön. Wo IN DER HITZE DER NACHT anno 1967 noch eine Krimihandlung mit dem Hinweis zur Selbsthilfe fürs afroamerikanische Publikum verbindet, weiß Virgil Tibbs in der Fortsetzung vier Jahre später schon genau, was er zu melden hat und haupt dem Gesocks der Großstadt den Arsch voll. ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR MISTER TIBBS ist ein unterhaltsamer Blaxploitation-Vorläufer mit funky Soundtrack und für Fans sicher kein Fehlkauf.
 
 


 
 
 

ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS – Zensur

 
 
 
ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS wurde 1970 ungeschnitten in den deutschen Kinos aufgeführt und lief anschließend regelmäßig ungeschnitten im Free-TV. Leider blieb dem Streifen in Deutschland eine VHS-Veröffentlichung verwehrt. Erst 2003 entschloss sich Anbieter MGM zu einer DVD-Veröffentlichung des Sequels. Dank WICKED VISION erfolgt nun eine weitere Heimkinoveröffentlichung – und zwar direkt auf Blu-ray. Die darauf enthaltende Filmfassung ist ebenso komplett und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS – Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked-Vision (KeepCase Blu-ray – auf 1.500 Exemplare limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: They Call Me Mister Tibbs!; USA 1970

Genre: Mystery, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo-Box

Extras: Europäische HD-Premiere, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Thorsten Hanisch, Exklusiv: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese, Exklusiv: Featurette: „Von Mr. Tibbs zu John Shaft: Neue Stars und Perspektiven“, Originaltrailer, Bildergalerie, DVD mit dem Hauptfilm

Release-Termin: Scanavo-Box: 18.12.2020

 

Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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Unterstützt WICKED VISION und kauft die hochwertige Sammlerveröffentlichung im WICKED Shop!

 
 


 
 
 

ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS – Trailer

 
 



 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked-Vision

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Foxy Brown (1974)
 
In der Hitze der Nacht (1967)
 
Die Organisation (1971)
 
Ein Mann sieht rot (1974)
 
Dirty Harry (1971)
 

Filmkritik: „Foxy Brown“ (1974)

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FOXY BROWN

Story

 
 
 
Foxy Brown, eine selbstbestimmte junge Frau, nimmt einen Job als hochklassige Prostituierte an, um sich an den Gangstern zu rächen, die ihren Freund ermordet haben.

 
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Kritik

 
 
„That’s my sister baby and she’s a whole lot of woman!“
 
Die längsten Reviews sind meist die, in denen man vom allgemeinen Konsens abweicht, eine Außenseitermeinung einnimmt und diese argumentativ belegen muss, um nicht als Troll abgestempelt zu werden – jeder weiß, dass gewisse Werke als großes Kulturgut und guter Film angesehen wird, also warum ellenlang ins immer gleiche Horn blasen? Loblieder über Jack Hills kultigen Blaxploitationklassiker „Foxy Brown“, Abhandlungen über seine Priorität im us-amerikanischen-Indiekino sowie den Gegenpol zur chauvinistisch-rassistischen Repräsentation schwarzer Frauen im Kino zur Zeit gibt es bereits zu Genüge, auch habe ich nicht viel an diesem Werk zu bemängeln – wir können uns also kurz halten.
 
„Baby, jail is where some of the finest people I know are these days.”
 
Vor Jahren bereits einmalig auf DVD gesehen und als nett, aber schwächer als „Coffy“ abgetan, war „Foxy Brown“ nun, auf Blu-ray, definitiv eine Neuentdeckung wert und genau die Art Film, die man sich vermutlich immer vorstellt. Im bunt leuchtenden Intro wird zu der wunderbar lebendigen, funkigen Score von Willie Hutch silhouettenhaft sowie erotisch getanzt, was folgt sind 88 Minuten reinrassige Rachekost, die Sozialkritik gerne direkt und unverblümt in griffigen Dialogen auf den Punkt bringt und abseits davon, gerade auf Blu-ray, mit einem wunderbaren Set- und Kostümdesign punktet, das den Zeitgeist nur so atmet. Pam Grier spielt die toughe badass mama charismatisch und wird immer wieder in bildhübschen Kleidern präsentiert, im Nebencast sind gerade die wunderbar gemeinen Antagonisten zu nennen, die natürlich zwischen korrupten Anzugträgern und sexuell aufgeladen devianten, pseudonoblen, stinkreichen Karikaturen schwanken.
 
„We’re gonna kill us a couple of niggas!“
 
O-Ton-Pflicht und Slang sind natürlich allgegenwärtig, Sid Haig im sportlichen 70s-Dress hat sichtlich Spaß daran, von Grier angeflirtet zu werden und in diesem so kleinen und unschuldigen und doch so stilprägendem Film Geschichte zu schreiben. „I don’t know, vigilante justice?“ – „It’s as American as apple pie!“ lautet die schlagkräftige Devise unserer Pistole im Afro versteckenden Heldin und wenn es nach einem recht gemütlichem Aufbau mal zu Action kommt, macht diese auch tatsächlich Spaß: Foxy verpügelt eine ganze Kneipe, kaum ist das überlebt kommt annährend blutige Action und bei allen exploitation-Wurzeln kommt der Film insgesamt überraschend zahm daher und driftet nie in eklig selbstzweckhafte Gefilde ab, ohne dass es negativ auffalle. So wird Pam Griers nackter Körper z.B. immer wieder geteast, unscharf oder im Hintergrund oder halb erhascht man ihre Brust, doch gieriges, ewiges Verweilen der Kamera, auffallend voyeuristische Perspektiven oder leere Sex/Gewaltszenen, die nur eben dafür existieren und den Flow des Films aufhalten, sucht man Gott sei Dank vergeblich. Geschmackvoll erotisch, selbstbewusst, frech, mutig, spaßig und kurzweilig als Gesamtpaket, hätte Foxy Brown imo als 80-Minüter doch besser geklappt, da sich szenenweise immer wieder leichte Längen einschleichen – auch das Schauspiel hapert natürlich hier und da, nicht jede Zeile passt perfekt – doch es stört nicht, denn für gelackte Perfektion schau ich diese Filme sicher nicht.
 
 
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Sozial ungerecht behandelte Underdogs in bunt leuchtenden Farben rächen sich zwischen fiesen Kapitalisten und leicht bekleideten Damen gegen den korrupten Staat, dazu Ohrwurm-Funk und Soul zum Mitsingen, so gelungen restauriert dass man jede Wimper zählen kann – was gibt es daran nicht zu mögen? Mehr noch, abseits des offensichtlichen Plots und der starken Protagonistin könnte man gar noch von einem feministischen Rape & Revenge-Film reden, da auch hier tatsächlich eine Vergewaltigung vorkommt, aber nie ausgebeutet oder gezeigt wird – die Konsequenzen bzw. Rache aber sehr wohl, in drastischen Bildern. Das Finale mag vielleicht etwas zu comichaft übertrieben sein, auch die Szene mit dem Richter ggf. etwas zu albern – aber genau diese Mischung macht den Film auch aus, er hat das Herz am rechten Fleck und sollte von jedem Filmfan mit –ploitation-Interesse mal gesehen werden.
 
 
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FOXY BROWN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Foxy Brown ist kein perfekter Film, einen Tacken zu lang und natürlich ein Stück weit vorhersehbar – aber gleichzeitig immer noch genau so cool, funky, kurzweilig, kick-ass, wichtig und sehenswert wie vor mittlerweile fast 50 Jahren. Knappe 8/10.
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Zensur

 
 
 
Alle Veröffentlichungen von „Foxy Brown“ waren bisher ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Das hat sich auch bei der HD-Auswertung des Titels nichts geändert. Die deutsche Blu-ray besitzt den roten FSK-Sticker und ist komplett.
 
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Jakob GmbH (Blu-ray im Mediabook auf 1000 Stück limitiert)

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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Foxy Brown; USA 1974

Genre: Thriller, Action, Krimis

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.77:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet, Hauptfilm zusätzlich auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 28.03.2020 | KeepCase: 24.04.2020

 

Foxy Brown [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Foxy Brown [Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Coffy – die Raubkatze (1973)
 
Superfly (2018)
 
Shaft (2019)
 
Ein Fall für Cleopatra Jones (1973)
 
Jackie Brown (1997)
 
Black Dynamite (2009)