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Beiträge mit Schlagwort “Blutsauger

Filmkritik: „Thirst – Blutdurst“ (1979)

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THIRST – BLUTDURST

Story

 
 
 
Yuppie-Lady Kate wird eines Tages Opfer einer Entführung. Hinter dem brutalen Akt steht „Die Brüderschaft“, ein steinalter Orden von Vampiren, der es über Generationen zu Macht und Reichtum gebracht hat und ganz verschwörungstheoretisch manchen gesellschaftlichen Faden zieht. In Kate haben die Finsterlinge eine Nachfahrin der grässlichen ungarischen Blut-Gräfin Bathory erkannt, die sie jetzt mit ihrer inneren Vampirin in Einklang bringen wollen. Notfalls mit Druck und Rauschmitteln. Auf nächtliche Halsjagden muss man hier übrigens nicht mehr gehen, stattdessen hat man seine Ressourcen in das wissenschaftlich überwachte und versteckte Züchten und „Melken“ gefangener und hypnotisierter Menschen gesteckt. Innerhalb der Sekte bilden sich Fraktionen heraus, die über das Zwangsrekrutieren vampirisch vorbelasteter Menschen unterschiedlicher Meinung sind.
 
 
 


 
 
 

THIRST – Kritik

 
 
 
Ende der sechziger Jahre hatte die Bewegung des New Hollywood eine großartige, neue Filmwelt arbeitswütiger Regie-Autoren geschaffen. Ursprünglich von den Franzosen der Nouvelle Vague beeinflusst, boten die Filme dieser jungen Wilden in der Traumfabrik ihrerseits auch wieder große Inspiration für die Filmwirtschaften weniger potenter Kino-Nationen. Deutschland, Italien, Japan, Skandinavien – ein Film war jetzt im Idealfall seinem Macher zuzuordnen. Das im Umsatzvergleich kleine Australien wurde Mitte der Siebziger vom wilden Autorenkäfer gebissen. Heiß geliebte Filme entstanden in bewundernswerter Häufigkeit. Tristesse dann viele Jahre später: Diese kreative Taustimmung der „Australian New Wave“ hat außerhalb von Festivals, akademischen Zirkeln und den Kinos der Heimat Down Under bis heute relativ wenig breiter gefasste Würdigung erfahren. Sicher, die noch zu Hause entstandenen Frühwerke großer Hollywood-Filmschaffender wie Peter Weir, Fred Schepisi oder Bruce Beresford, um nur drei von vielen zu nennen, sind in guten Cineasten-Kreisen für ihre Eigensinnigkeit geachtet, Mainstream aber sieht anders aus.
 
 
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Alle paar Jahre mal so scheint es, immer, wenn ein alter Aussie-Held wie George Miller zuletzt sich mal wieder ein Herz fasst und einen filmischen Treffer wie MAD MAX: FURY ROAD landet, oder wenn junge Landsmänner und -frauen sich ihrer heimisch gewachsenen Kino-Kultur erinnern, kommt die Sprache wieder auf die Neue Welle Australiens – eine Filmbewegung, in der die Grenzen zwischen Arthouse und Exploitation gerne einmal so gar nicht mehr klar auszumachen sind und in der man sich scheinbar mühelos schönster Versatzstücke unterschiedlichster Genres bedient, um sperrige und immer ganz klar australische Filmklassiker zu erschaffen. Beim leider sehr austauschbar betitelten „THIRST“ ist die Sachlage nicht anders. Man mag beim fabrikmäßigen Ausblutenlassen der Nahrungsmenschen an David Cronenberg denken. Auch an die gesellschaftlich getarnten Schlachthäuser von SOYLENT GREEN oder gar an die von Maschinen geschaffenen, furchterregenden Human-Kokon-Landschaften der MATRIX. Dann schlägt THIRST – BLUTDURST jedoch wieder einen Haken und führt sein Publikum wie den Bullen am Nasenring zurück in eine obskure Vampir-Story mit doppeltem Boden, wie sie, in dieser Modernisierung des klassischen Genrethemas des Blutsaugers, amerikanischen Horror-Serien entliehen sein könnte.
 
 
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Mit THIRST – BLUTDURST liefert Rod Hardy Ende der Siebziger ein regelrechtes Statement von Genrefilm ab, das trotzdem schwerer zu greifen ist, als ein geöltes Ferkel. Nicht gänzlich Horror-, nicht ausreichend Sci-Fi, um klare Kante erkennen zu lassen; nicht ernst genug, um als Stück phantastischer Gesellschaftskritik durchzugehen, aber auch wieder nicht schmierig genug, um ein reiner Drive-In-Schlocker zu sein. Diese Weigerung des Films, sich festnageln zu lassen, ist vermutlich der Hauptgrund für seine relative Obskurität. Geistesverwandt, auch was die sehr eigene und eigentümliche Stimmung angeht, ist hier vielleicht noch Jean Rollin mit seinem ungewöhnlichen LA NUIT DES TRAQUÉES (1980), in dem sich Horror-Atmosphäre und Gesellschafts- /Zukunftskritik ähnlich traumartig abwechseln wie bei Hardys vergessenem Vampirfilm-Update. Die Auftritte der einstigen Mod-Ikone David Hemmings aus Antonionis BLOW UP, damals noch nicht ganz so aus dem Leim gegangen und mit Karikaturen-Augenbrauen geschlagen, und des mächtigen Henry Silva sind dann wieder ein Zugeständnis, typisch australisch, an eine bewusste Exploitationhaftigkeit.
 
 
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THIRST – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Um an dieser schönen Stelle gerade mal ganz laut auf die Pauke zu hauen: THIRST – BLUTDURST ist der vielleicht unbekannteste Super-Horrorfilm der späten Siebziger. Endlich aus dem Limbo vergessener Genreperlen befreit, wartet diese einzigartige Aussie-Melange aus Sci-Fi, Späthippie-Spott und Vampirhorror auf ihre Erst- und Wiederentdeckung.
 
 


 
 
 

THIRST – Zensur

 
 
 
Wie viele Horrorklassiker hatte es auch der australische Vampirklassiker THIRST nicht leicht. Zu VHS-Zeiten wurde der Streifen indiziert und erst nach Ablauf der 25-Jahrefrist wieder vom Index gestrichen. Vor einigen Jahren erschien bereits eine ungeschnittene DVD. Diese kann jetzt gegen die Blu-ray aus dem Hause SCHRÖDER MEDIA ersetzt werden. Die HD-Fassung hat ein tolles Bild und ist zudem ungeschnitten. Ebenfalls erfreulich: Die Blu-ray kann man nun problemlos im Handel erstehen und muss keinen teurer Import aus dem deutschen Ausland vornehmen, um den Film sein Eigen nennen zu können. So macht das Sammeln von Horrorklassikern Spaß.
 
 
 


 
 
 

THIRST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Schröder Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Thirst; Australien 1979

Genre: Horror, Klassiker

Ton:Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK18 – keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Audiokommentar mit Rod Hardy und Antony I. Ginnane (Englisch, ohne Untertitel), Trailer & TV-Spots (SD, 2:55 Min., Englisch, ohne Untertitel), Deutscher Kino-Trailer zu Stadt der Toten (SD, 1:49 Min., Deutsch, ohne Untertitel)

Release-Termin: 02.02.2017

 

Thirst – Blutdurst [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

THIRST – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Begierde (1983)
 
The Lost Boys (1987)
 
Lifeforce – Die tödliche Bedrohung (1985)
 
Kiss of the Damned (2012)

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Filmkritik: „Blood Trap“ (2015)

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BLOOD TRAP

(BITE)

Story

 
 
 
Sechs Kleinkriminelle wollen Geld erpressen. Doch das Opfer ist nicht das, was es zu sein scheint.

 
 
 


 
 
 

BLOOD TRAP – Kritik

 
 
 
Vor knapp 20 Jahren gelang ROBERT RODRIGUEZ und QUENTIN TARANTINO der ganz große Coup. Mit FROM DUSK TILL DAWN schafften die beiden Filmemacher das Unmögliche und kreierten einen ungewöhnlichen Genre-Mix, über den man in Horrorkreise auch heute noch lobend spricht. Die kongeniale Symbiose aus schwarzhumoriger Gangsterfilm und bitterböses Roadmovie erntete vor allem deshalb viel Beifall, weil das Kultwerk in der zweiten Filmhälfte die Puppen tanzen ließ. Darin mussten sich zwei kriminelle Brüder durch Horden von Vampiren schlitzen und machten dabei nicht vor unorthodoxen Methoden Halt. Das kam beim Publikum gut an, lies zwei Fortsetzungen und eine TV-Serie folgen. Dennoch konnte man den Erfolg der Vorlage nicht noch einmal wiederholen. Dem eben genannten Splatter-Spaß übrigens nicht unähnlich ist der folgende Horrorfilm. Der wurde anfangs noch als BITE gehandelt, kam aber später in die Gunst einer Titelneukreation. Unter dem weitaus reißerischeren BLOOD TRAP folgt der Film ähnlichem Prinzip wie FROM DUSK TILL DAWN. Freilich ohne Ideenreichtum, flotten Sprüchen und blutigem Splatter. Ob das gut gehen kann?
 
 
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Manchmal ist es besser, wenn man schaffen geht, sobald man Geld benötigt. Mit dieser Weisheit können sechs Kleinganoven (darunter DREW KENNEY – einer der Teilnehmer aus der amerikanischen TV-Datingshow THE BACHELORETTE) leider gar nichts anfangen. Die gehen besser den einfachen Weg und wollen Geld erpressen. Ein Opfer ist schnell gefunden und ein Plan rasch geschmiedet. So soll die Tochter eines wohlhabenden Mannes entführt werden, um Lösegeld fordern zu können. Doch weil BLOOD TRAP nun mal ein Horrorfilm ist, dürfte klar sein, dass alles anders kommen wird, als geplant. Kaum in die heiligen Hallen ihres Opfers eingebrochen, schließen sich Türen und Fenster aus unerklärbaren Gründen. Die geldgierige Bande sitzt in der Falle und versucht zu entkommen. Leider vergebens. Die heroinabhängige Tochter des gutbetuchten Opfers klärt auf. So bleibt das Haus bis zur Abenddämmerung verschlossen. Es gibt weder rein noch raus. Warum das so ist, wird bald klar. In diesem Heim leben Vampire, die sich am Blut der Menschen laben und sich vor der Sonne schützen wollen. Dumm für die Eindringlinge – gut für die Hausbesitzer. Die sparen sich den abendlichen Beutezug und jagen die Einbrecher durch das gesamte Haus.
 
 
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BLOOD TRAP ist qualitätsloser Indie-Horror, wie man ihn einfach zu oft zu sehen bekommt. Einmal mehr flimmert lieb- und hirnlos zusammengeschusterter Einheitsbrei über die Mattscheibe, der noch nicht einmal wichtige Splatter-Momente zu bieten hat. Die Darsteller spielen wenig überzeugend und auch die Story von BLOOD TRAP dürfte mit ihrer (bewusst?) eingeschobenen Komik keinen Innovationspreis gewinnen. Somit macht BLOOD TRAP dem Begriff Low-Budget-Horror alle Ehre, denn für erfrischende Neuerungen und Einfälle hatte man wohl kein Geld mehr übrig. Da fragt man sich doch glatt, was hier fünf Millionen Dollar Produktionsbudget verschlungen haben soll. Die wenigen Spezialeffekte fallen kaum ins Gewicht und auch die Kulissen glänzen nicht gerade durch Detailreichtum. Entweder hat sich’s jemand in die eigene Tasche gesteckt oder man lies sich bei der Verköstigung des Filmteams nicht lumpen. Wir werden es wohl nie erfahren.
 
 
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BLOOD TRAP hat nicht viel zu erzählen. Was eigentlich auf einen Bierdeckel passt, wurde hier auf knapp 90 Minuten Filmlänge geblasen und entpuppt sich am Ende als gemeiner Zeiträuber, der wegen des flott zusammengeschnittenen Trailers falsche Erwartungen weckt. Vom dort versprochenen Tempo ist kaum etwas zu verzeichnen. Stattdessen kriecht BLOOD TRAP ziel- und orientierungslos einem Ende entgegen, das der Bezeichnung Finale nicht einmal ansatzweise gerecht werden kann. Vom sogenannten Endgegner oder einer fulminanten Blutmanscherei ist weit und breit keine Spur. Stattdessen irren skrupellose Schurken durch visuell immerhin nett ausgeleuchtete Flure und Gänge und finden – wie hätte es auch anders sein sollen – im Verlauf des Films irgendwie den Tod. Entweder gehen sie sich selbst an die Gurgel oder werden von einer Vampirsippschaft nach deren eigenen Regeln ausradiert. Klingt vermutlich vielversprechend – ist aber wegen kaum vorhandener Schauwerte eine herbe Enttäuschung. Damit macht man sich in Horrorfilmkreisen keine Freunde.
 
 


 
 
 

BLOOD TRAP – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Schon einmal Neugeborene gesehen, denen es nach warmen Menschenblut dürstet? Vampirbabys knabbern in BLOOD TRAP an den Hälsen gestandener Männer. Das ist aber auch der einzige Höhepunkt in diesem sonst eher einfallslosen Vampir-Thriller, der sich unterm Strich als langweilige Falle für den Zuschauer entpuppt. Schlechtes Schauspiel macht viel an Atmosphäre kaputt und nahezu kaum vorhandene Schauwerte sorgen für Ernüchterung. Hinter dem dilettantischen BLOOD TRAP verbirgt sich demzufolge kein empfehlenswerter Horrorbeitrag – vor allem auch deshalb, weil es dem Film an Tempo mangelt. Da fragt man sich doch glatt, warum sich Drehbuchautor und Regisseur ALBERTO SCIAMMA nicht am eigenen Filmdebüt von 1996 ein Beispiel genommen hat. Damals sorgte er mit dem Splatter-Trash KILLER TONGUE für zufriedene Horrorfan-Gesichter. Gleiches wird mit BLOOD TRAP wohl nicht gelingen. Knapp zehn Jahre nach dem letzten Ausflug ins Regiefach hat man da vermutlich etwas anderes von ALBERTO SCIAMMA erwartet. BLOOD TRAP sieht eher wie eine Arbeit des Geldes wegen aus. Von Leidenschaft oder Liebe zum (Horror)Film ist kaum etwas zu spüren.
 
 
 


 
 
 

BLOOD TRAP – Zensur

 
 
 
Zwar gibt es in BLOOD TRAP einige blutige Momente zu sehen. Diese rechtfertigen aber keine Erwachsenenfreigabe. Einem Protagonisten wird ein Finger abgetrennt. Ein anderer verliert seinen Kopf. Zudem wird eine Frau zusammengeschlagen, der ein Sack über den Kopf gezogen wurde und Babys saugen Blut an den Hälsen der Kleinganoven im Film. BLOOD TRAP dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BLOOD TRAP – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
From Dusk till Dawn (1996)
 
From Dusk Till Dawn: The Series (2014 – ???)
 


Filmkritik: „The Stranger“ (2014)

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ELI ROTH PRÄSENTIERT THE STRANGER

(EL EXTRANJERO)

Story

 
 
 
Als der mysteriöse Martin in ein kleines Städtchen einkehrt, entfacht er mit seiner Anwesenheit eine grausame Kette furchtbarer Gewalt.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Kritik

 
 
 
Wenn HOSTEL- und CABIN FEVER-Macher ELI ROTH Filme dreht, dann sind viele Horrorfans nicht sonderlich darüber erfreut. Seit jeher gelingt es dem amerikanischen Regisseur mit seinen Werken zu polarisieren und die Fangemeinde in zwei Lager zu spalten. Das ist auch kein Wunder, denn Roths Filme fallen immer wieder durch trivialen Humor in Kombination mit plakativer Gewalt und hanebüchenen Geschichten negativ auf. Trotz viel Kritik an seinem bisherigen Schaffen muss man ELI ROTH an dieser Stelle auch einmal Lob aussprechen. Statt immer nur Schlamassel zu drehen ist er stets daran interessiert noch unbekannte und junge Regisseure zu unterstützen, damit die ihre filmischen Visionen auf Zelluloid bannen können, um sie einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Auch im Falle des chilenischen Horrordramas THE STRANGER hatte der gewalterprobte und kontroverse Regisseur seine Finger im Spiel. Diesmal fungierte er jedoch ausschließlich als Produzent und überlies dem uruguayischen Newcomer GUILLERMO AMOEDO das Regiezepter, der bereits schon an Drehbüchern zu Roth-Streifen wie KNOCK KNOCK (2015), THE GREEN INFERNO (2013) und dem miserablen AFTERSHOCK (2012) tüftelte. Auch für THE STRANGER schrieb er das Drehbuch, konnte es letztendlich mit kleinem Budget endlich auch einmal selbst für die Leinwand adaptieren. Ganz nebenbei ist im dabei das Kunststück gelungen seinen spendablen Geldgeber in den Schatten zu stellen, kann THE STRANGER nämlich als wohl bester Horrorfilm bezeichnet werden, an dem Roth bisher in irgendeiner Weise beteiligt gewesen ist.
 
 
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Die Idee zum Film kam Amoedo, als er sich selbst ein Urteil über das hochgelobte Vampirdrama LET THE RIGHT ONE IN machen wollte. Der Regisseur erklärte in einem Interview, dass er kein großer Fan des klassischen Blutsauger-Genres ist. Dennoch gefiel ihm jene charakterstarke Richtung, die der Film einschlug und entschied kurzerhand selbst an einer tiefgründigen Vampirgeschichte zu schreiben, in der das Zwischenmenschliche ausführlich untersucht werden sollte.
 
 
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THE STRANGER erzählt die Geschichte des mysteriösen Martin (CRISTÓBAL TAPIA MONTT), der auf seiner Suche nach Frau Ana in ein kleines Städtchen einkehrt und in eine Begegnung mit Folgen involviert wird. Im Ort herrscht ein rauher Ton und die Bewohner der Stadt leiden unter der harten Hand des korrupten Polizisten De Luca (LUIS GNECCO). Dessen Sohn ist über die Ankunft des Fremden nicht sonderlich erfreut und lässt Fäuste sprechen. Was folgt ist nicht sonderlich gastfreundlich: Martin wird brutal zusammengeschlagen und eigenhändig vom Polizist De Luca im Wald verscharrt. Leider wird die grausame Tat vom pubertierenden Graffiti-Künstler Peter (NICOLÁS DURÁN) beobachtet. Der gräbt den Fremden aus und pflegt ihn zuhause gesund. Eine Rettung mit Folgen, denn die Täter sind über die Hilfsaktion nicht sonderlich erfreut. Um die Tat zu vertuschen und den guten Ruf zu bewahren, veranstalten sie eine Hetzjagd auf ihr Opfer unwissend, dass sie dadurch eine Kette der Gewalt in Gang setzen. Was niemand ahnt: Martin ist etwas anders und besitzt eine außergewöhnliche Gabe. Die gerät jedoch bald außer Kontrolle und hinterlässt eine blutige Spur der Verwüstung.
 
 
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ELI ROTH scheint in Chile ein neues Zuhause gefunden zu haben, denn hier hat er viele der letzten Genre-Filme produzieren lassen. Nach Folterei, Kannibalen und Todesviren hetzt er diesmal Blutsauger auf den Zuschauer und lässt den Vampirmythos durch Regisseur GUILLERMO AMOEDO quasi rundum erneuern. THE STRANGER nimmt Abstand von klassischen Vampirfilmen in denen Fledermäuse, Knoblauch und spitze Eckzähne Gänsehaut bescheren. Vielmehr konzentriert sich Filmemacher GUILLERMO AMOEDO auf zwischenmenschliche Konflikte und berichtet in seiner emotionalen Geschichte von Liebe und Verlust, Familie und Zugehörigkeit sowie Gewalt und Erlösung. Die für dieses Subgenre bekannten Klischees kommen nur selten zum Tragen. Stattdessen betrachtet Amoedo die Blutsauger-Thematik aus einem ganz anderen Blickwinkel und macht sie nur zum Beiwerk. Eine gute Entscheidung, lebt THE STRANGER von der Prämisse, dass der Zuschauer lang darüber im Unklaren gelassen wird, welch finsteres Geheimnis Außenseiter Martin verbirgt und was ihn dazu veranlasst hat in einem kleinen Städtchen nach der Gattin zu suchen. Die andere Vorgehensweise ist löblich und macht THE STRANGER zum Geheimtipp für all jene, die einfach nicht mehr die immer gleichen Horrorgeschichten sehen können und wollen.
 
 
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THE STRANGER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mysteriös, geheimnisvoll und vollkommen anders: THE STRANGER ist einer der nennenswertesten Vampirfilme der letzten Jahre und der wohl beste Streifen, an dem HOSTEL-Regisseur ELI ROTH bisher beteiligt gewesen ist. Der Zuschauer bekommt hier eine ungewöhnliche Vampir-Rachegeschichte zu sehen, die den Blutsauger-Mythos aus einer ganz anderen Sicht betrachtet. Umso besser ist es, wenn man vorab nicht allzu viel über den gelungenen Horrorfilm in Erfahrung bringt, um sich die Spannung nicht nehmen zu lassen. Weit entfernt von traditionellem Vampir-Gruslern verteilt Regisseur GUILLERMO AMOEDO die klassischen Rollen von Gut und Böse neu und bringt in seinem selbst geschriebenen THE STRANGER einmal mehr zum Ausdruck, dass der Mensch selbst grausamer und unberechenbarer ist als jeder blutdurstige Vampir. Letzterer kann im Film ebenso als Metapher gesehen werden, um die abwertende und distanzierte Haltung des Menschen vor dem Unbekannten zu symbolisieren. Wer händeringend nach interessanten Horrorgeschichten sucht, sollte sich THE STRANGER nicht entgehen lassen. Auch wenn mit ELI ROTH als Produzenten auf dem Kinoplakat geworben wird – die blutige Handschrift des polarisierenden Foltermeisters sucht man in diesem Film vergebens. Wir meinen: Pflichtprogramm für Fans mutiger Indie-Horrorfilme fernab des Mainstreams.
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt in THE STRANGER hält sich in Grenzen. Dennoch gibt es etwas Blut zu sehen. Neben angefressenen Hälsen und Tierkörpern, werden im Off Protagonisten bei lebendigem Leibe verbrannt. Der Film hat ungeschnitten eine Erwachsenenfreigabe von der FSK erhalten : Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (normale Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El extranjero; Chile 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Welcome to Chilewood (6:24 Min.), Kurzfilm „The Fourth Horseman“ (10:46 Min.), Bildergalerie, Trailer Deutsch & Englisch, Theatrical Trailer US & Chile, Trailershow

Release-Termin: 04.05.2016

 

The Stranger [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE STRANGER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen & Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Near Dark (1987)
 


Filmkritik: „From the Dark“ (2014)

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FROM THE DARK

Story

 
 
 
Bei einer Abkürzung durch die irische Einöde bleibt das Auto im Schlamm stecken, so dass sich Sarah und Mark auf die Suche nach Hilfe begeben müssen und dabei auf eine Kreatur der Finsternis stoßen mit der nicht gut Kirschen essen ist …
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Kritik

 
 
 
CONOR MCMAHON ist zurück. Dem Horror-Publikum dürfte der Regisseur bereits mit dem unabhängigen Zombie-Streifen DEAD MEAT und dem schwarzhumorigen STITCHES – BÖSER CLOWN in Erinnerung geblieben sein. Letzterer erhielt von Zuschauern und Kritikern durchweg positives Feedback, was MCMAHON dazu anspornte auch weiterhin dem Genre treu zu bleiben. FROM THE DARK heißt sein neuer Streifen, der dem Filmfreund mit subtiler Machart Angst einjagen möchte. Bewirkt wird die mit ganz einfacher Rezeptur. Dunkelheit heißt die Quintessenz, die dem Film zum Erfolg verhelfen soll, gehört doch FROM THE DARK zu jenen Horrorfilmen, die nicht nur die Finsternis zum Thema machen, sondern bevorzugt im Dunkeln angeschaut werden sollten, um ihr gesamtes (Er)Schreckpotenzial entfalten zu können. Im Mittelpunkte des Schauertrips stehen Sarah (NIAMH ALGAR) und Mark (STEPHEN CROMWELL). Die irren durch das ländliches Irland und fahren über holprige Ackerpfade bis das Auto im Matsch stecken bleibt. Nun ist guter Rat teuer. Da der Handyempfang schlecht ist, versucht Mark in der Gegend nach Hilfe zu suchen. In der Ferne entdeckt er ein altes Bauernhaus, das bei näherer Betrachtung nicht sonderlich einladend eingerichtet ist. Darin macht er Bekanntschaft mit dem Hauseigentümer, der sich jedoch alles andere als normal verhält. Stunden zuvor hat der beim Torfstechen versehentlich eine geheimnisvolle Kreatur von ihren Fesseln befreit. Die geistert nun hungrig um die Hütte und beginnt die Durchreisenden zu jagen.
 
 
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Nach dem gelungenen STITCHES macht Macher CONOR MCMAHON einiges anders. Im Gegensatz zum bitterbösen Clown-Horror aus dem Jahre 2012 ist FROM THE DARK frei von Zynismus, Splatter und Ironie. Dafür liegt der Fokus auf Gänsehaut und Gruselatmosphäre. Letztere gelingt ganz gut, wenngleich die jedoch aus dem handzahmen FROM THE DARK keinen guten Horrorfilm macht. Das Problem liegt in der überschaubaren Handlung, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt – aber einen ganzen Streifen füllen soll. Einer Herausforderung, die sich der Regisseur zwar stellt. Dennoch scheitert er an der mangelnden Substanz, die gerade mal Stoff für einen Kurzfilm liefert. FROM THE DARK ist ein solider Versuch dem Vampirfilm jenen Schrecken zurückzugeben, den das Blutsauger-Genre einst mit Filmen wie NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) und NOSFERATU – DAS PHANTOM DER NACHT (1979) eingeflößt hat. CONOR MCMAHON distanziert sich bewusst von der mittlerweile gängigen Romantisierung des Vampirs. Seine Kreatur will nicht verführen und beißen, sie will terrorisieren und zerfetzen. Mit reichlich Make-up ist ein wenig Kunstblut gelingt die Wandlung von der facettenreichen Figur des Draculas hin zur hirnlosen Tötungsmaschine ganz gut – auch wenn sich die lichtscheue Kreatur nur selten vor der Kamera zeigen möchte.
 
 
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FROM THE DARK ist ein zweischneidiges Schwert. Nach einer atmosphärisch dichten, ersten Hälfte erlebt der Streifen eine Talfahrt. Nachdem die Durchreisenden sich in einem Haus vor einem jahrhundertealten Nackenbeißer in Sicherheit gebracht haben, verliert FROM THE DARK den Spannungsbogen aus den Augen. Sarah flüchtet im Lichtschein der Öllampe die Treppe hinauf, Sarah flüchtet im Lichtschein die Treppe hinunter, Sarah flüchtet im Lichtschein nach draußen, um anschließend im oberen Stockwerke der Hütte nach dem rechten zu sehen. Sonderlich packend ist die Aneinanderreihung von immer wieder gleichen Szenen nicht, auch wenn stets ein blutsaugendes Wesen durch die Nacht huscht, das in den gruseligsten Momenten eine gewisse Ähnlichkeit mit den von MAX SCHRECK verkörperten Nosferatu an den Tag legt. Leider wirkt in FROM THE DARK vieles konstruiert, um die kaum vorhandene Handlung künstlich vorantreiben zu können. Dass da ach die obligatorischen Horror-Klischees nicht fehlen dürfen ärgert, weil den beiden Hauptfiguren auch in diesem Film Dinge widerfahren müssen, die wohl nur Protagonisten in Horrorfilmen zustoßen können. Dass beim Überlebenskampf mehrmals hingepurzelt werden muss und die Heldin während ihrer Flucht vor dem Bösen versehentlich in einen spitzen Gegenstand springt verdeutlicht, dass man wohl mehr um gruselige Atmosphäre bemüht gewesen ist, statt die nicht gerade innovative Geschichte um frische Ideen zu bereichern. Immerhin bedient sich Regisseur CONOR MCMAHON des Öfteren alten Taschenspielertricks. Mit einem effektiven Spiel aus Licht und Dunkelheit hält er den Zuschauer bei Laune und lässt Protagonistin Sarah verzweifelt mit Lampen, Kerzen und Scheinwerfern durch dunkle Flure, Sümpfe und Felder irren, damit sie sich ein lichtscheues Wesen vom Hals halten kann. An gruseligen und unheilvollen Momenten wird nicht gespart. Meist ist die Flüchtende nur vom Lichtpegel umgeben und kämpft sich Schritt für Schritt durch endlose Dunkelheit. Bei einem derart sparsamen Einsatz von Beleuchtung werden Erinnerungen an SILENT HILL geweckt. Die Leinwandadaption des Videospiels bediente sich ähnlichen Mechanismen, wurde aber weitaus raffinierter und trickreicher in Szene gesetzt, als der teils äußerst zähe FROM THE DARK. Daher: Durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit guten Ansätzen, aber wenig Story.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wer Angst vor der Dunkelheit hat, sollte diesen Film möglichst meiden. FROM THE DARK macht die Finsternis zum Thema eines Gruselausflugs, in dem es oftmals so düster ist, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Demzufolge entfaltet der Streifen auch nur dann seine maximale Wirkung, wenn es auch im Heimkino so richtig dunkel ist. Regisseur CONOR MCMAHON versucht mit seinem Horror-Abenteuer den ursprünglich furchterregenden Vampir-Mythos erneut aufleben zu lassen. Schluss mit zivilisierten und romantisierten Blutsaugern. In FROM THE DARK werden Vampire nicht vermenschlicht, sondern zu reißerischen Bestien der Nacht deklariert. Die Stimmung passt und Gänsehaut ist vorprogrammiert. Leider macht die vorhersehbare Handlung Sorgen, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt. FROM THE DARK ist ein durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit vielen stimmigen Grusel- und deftigen Schreckmomenten. Die Ansätze sind gut, wenngleich die zweite Filmhälfte aufgrund mangelnder Ideen kaum der Rede wert ist, weil die Spannung fehlt.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Zensur

 
 
 
FROM THE DARK ist ein eher subtiler Horrorfilm. Ein Bein wird aufgerissen, ein Finger mit einem Schraubendreher abgetrennt und zwei Protagonisten lösen sich in Staub auf. Das ist alles nicht sonderlich grausam, so dass FROM THE DARK bereits für 16-jährige geeignet sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922)
 
Nosferatu – Phantom der Nacht (1979)
 
Shadow of the Vampire (2000)
 
Stephen King’s The Night Flier (1997)
 
Silent Hill: Revelation (2012)
 


Filmreview: „Afflicted“ (2013)

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AFFLICTED

Story

 
 
 
Derek reist mit seinem Freund Cliff um die Welt und entdeckt nach einem Schäferstündchen mit einer geheimnisvollen Frau, dass sein Körper übernatürliche Kräfte entwickelt. Die anfänglich faszinierenden Fähigkeiten werden jedoch schnell zum Albtraum als es Derek plötzlich nach Menschenblut dürstet …
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Kritik

 
 
 
Willkommen in der vielfältigen Found-Footage-Welt, wo fast jedes Horrorfilmthema in irgendeiner Weise lukrativ wiederverwertet wird, um maximales Kapital rausschlagen zu können. Die Produktionskosten sind gering und die Bandbreite an unterschiedlichen Horrorstoffen umfangreich, so dass geistloser Wackelcam-Nachschub auch in den kommenden Jahren garantiert sein dürfte. Zwischen all den lieblos heruntergekurbelten Gruselstreifen dieser Art, scheint es dennoch immer mal wieder kleinen Horror-Perlen zu geben, die es tatsächlich schaffen dem allmählich nervenden Subgenre etwas Gutes abzugewinnen. Die zweiteilige Wackel-Anthologie V/H/S hat das mit Bravour bewiesen und auch die kürzlich besprochenen Schocker THE DEN (2013) und WER (2013) zeigen eindrucksvoll, dass man auch aus Filmen mit Shaky-Cam-Methodik packende Horrorunterhaltung zaubern kann. Nun gesellt sich zu den besseren Werken dieser Art der von DEREK LEE und CLIF PROWSE inszenierte Kracher AFFLICTED, der auf einschlägigen Filmfestival durchweg positiv aufgenommen wurde und knapp dreieinhalb Jahre Arbeit verschlungen hat. Für ihr Debüt haben es sich die beiden Nachwuchsregisseure nicht nehmen lassen auch gleich die Hauptrolle im Horrorhit zu übernehmen. Erste Erfahrungen als Schauspieler konnten die Freunde (die bereits seit dem 15. Lebensjahr zusammen Filme machen) bereits in ihren ersten Kurzfilmen sammeln, wo sie nicht nur hinter der Kamera standen, sondern auch davor agierten. Eigentlich entstand die Idee zu AFFLICTED aus der Not heraus. Die beiden ambitionierten Neulinge schrieben an einem Action-Thriller, von dem sie wussten, dass sie dafür unmöglich einen Geldgeber finden würden. Mit dem Ziel vor Augen endlich einen eigenen Langfilm zu drehen, zogen sich die beiden Filmliebhaber in ihr Kämmerlein zurück und steckten die Köpfe zusammen. Nach einigen Drehbuchversionen entstand die Idee zur kostengünstigen Fake-Doku AFFLICTED, die nicht nur das unbeliebte Subgenre neu erfinden, sondern erneut die Lust auf Wackelkamerafilme wecken sollte.
 
Der übernatürliche Dokumentarfilm handelt vom erfolgreichen Software-Entwickler Cliff Prowse (CLIFF PROWSE), der mit seinem langjährigen Freund Derek Lee (DEREK LEE) beschließt, um die ganzen Welt zu reisen. Der aufregende Trip soll auf Video festgehalten werden, schließlich führt Cliff einen erfolgreichen Blog, der von Internetnutzern auf dem gesamten Globus gelesen wird. Die anfängliche Freude bekommt jedoch einen unerhofften Dämpfer, als der ahnungslose Derek erfährt, dass in seinem Hirn ein Aneurysma heranwächst und die Heilungschancen alles andere als rosig ausschauen. Trotzdem wollen sich die Freunde die aufregende Sause nicht entgehen lassen. Eine der ersten Stationen ist Paris, wo Derek nach einem Schäferstündchen mit einer mysteriösen Schönheit von seinem besten Kumpel niedergeschlagen im Hotelzimmer vorgefunden wird. Der Schreck sitzt tief, hindert die Freunde aber nicht daran, weiter die Welt zu erkunden. Nach anfänglichen Krankheitssymptomen beginnt Derek eine eigenartige Transformation zu durchleben. Sonnenlicht lässt binnen weniger Minuten die Haut verbrennen und Bärenkräfte sorgen für Erstaunen. Leider hat die unerwartete Verwandlung zum Superhelden auch Nebenwirkungen, denn Derek dürstet es nach menschlichem Blut. Bekommt er den Lebenssaft nicht innerhalb weniger Tage zu trinken, mutiert er zum unberechenbaren Killervampir, der sich bald nicht mehr unter Kontrolle hat und im Rausch den besten Kumpel tötet. Doch welche Ursachen hat die Mutation. Fragen, auf die Derek schon bald eine Antwort findet.
 
Die Idee Found-Footage mit Superhelden-Klischees zu verbinden ist nicht neu. Bereits 2012 hat Hollywood mit CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG Ähnliches ausprobiert und einen durchaus sehenswerten Mysterythriller in die Kinos gebracht, der vor allem durch verblüffend einfallsreiche Spezialeffekte überzeugen konnte. AFFLICTED ist aus ähnlichem Holz geschnitzt und kann quasi als Horror-Antwort zum Überraschungs-Hit von JOSH TRANK gesehen werden. DEREK LEE und CLIF PROWSE punkten mit fesselnden First-Person-Sequenzen, die vor allem in der zweiten Filmhälfte kaum Zeit zum Verschnaufen lassen. Während sich der erste Teil der Handlung auf die zunächst faszinierenden Fähigkeiten konzentriert und die Freunde beim Erkunden der Superkräfte begleitet, entwickelt sich AFFLICTED ab Filmmitte zur schweißtreibenden Hetzjagd durch Straßengassen und Wohnkomplexe, weil Derek mit seinem unkontrolliertem Blutdurst die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zieht. Die verfolgen den ohnehin gebeutelten Protagonisten auf Schritt und Tritt, wobei der Zuschauer die Ereignisse aus der Egoperspektive beiwohnen darf und sich während Dereks Flucht nicht selten in einer Spielfilmversion des Konsolen-Games MIRRORS EDGE wähnt. Es wird von Hauswand zu Hauswand gehangelt, aus schwindelerregenden Höhen gesprungen und durch finstere Gänge geflitzt; der Actionanteil ist nicht zu verachten und fesselt vermehrt durch Hochspannung statt literweise Kunstblut. Natürlich kommen auch hungrige Gorehounds auf ihre Kosten, auch wenn AFFLICTED sich eher dezent zurückhält mit der Zurschaustellung splattriger Raffinessen. Nach anfänglicher Freude über die neuen Fähigkeiten, folgt die Ernüchterung. Weil Derek im Jagdmodus Best Buddy Cliff zerfetzt hat, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich selbst das Leben zu nehmen. Um nicht weitere Unschuldigen zu töten, steckt er sich eine Schrotflinte in den Mund und drückt ab. Leider ist der Super-Vampir unkaputtbar, denn wenige Minuten später regeneriert sich die üble Kopfwunde von selbst.
 
Die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE haben mit AFFLICTED einen Hammer-Film gedreht, der Found-Footage-Gegner eines Besseren belehrt. Statt die ewig gleiche Wackel-Rezeptur unspektakulär zu kopieren, fesseln die beiden Filmneulinge durch rasant und schnörkellos inszeniert Horrorunterhaltung mit verblüffenden Spezialeffekten, die ganz schnell die vielen üblen Wackelkamerafilme vergessen lassen. Übrigens halten die beiden Regisseure weitestgehend Abstand von den obligatorischen Bildtotalausfällen und der langsam nervenden Kamerawackelei, die es dem Zuschauer oftmals erschweren der Handlung überhaupt folgen zu können. Statt die eingerostete Klischeeliste für Found-Footage-Machwerke abzuhaken, beweisen LEE und PROWSE Mut zur Originalität und verknüpfen die oftmals leidlich unterhaltsame Filmart erfinderisch mit dem langlebigeren Vampirgenre. Herausgekommen ist ein Film, den sich Horrorfilmfans unbedingt vormerken sollten, denn AFFLICTED rockt auf ganzer Linie.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
AFFLICTED erfindet das Found-Footage-Genre neu und gehört mit Abstand zum Besten, was diese Filmart bisher hervorgebracht hat. Wer die Superhelden-Schlacht CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG gemocht hat, wird diesen Film lieben. Kein Wunder haben doch die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE nicht nur stumpf kopiert, sondern einen Horrorstreifen geschaffen, der durch erfinderische Kameraführung, bemerkenswerte Spezialeffekte und jede Menge Originalität überzeugt. AFFLICTED ist eine technisch beeindruckende und spannungsgeladene Horror-Hatz bei der man irgendwie gar nicht so recht glauben will, dass es sich hier um einen Low-Budget-Indie handelt für den nur wenig Budget zu Verfügung gestanden hat. Das allein dürfte jedoch schon ausreichen, dass man auf das gespannt sein darf, was die Nachwuchsregisseure demnächst in die Kinos bringen werden. Das FILMCHECKER-Team hätte nie gedacht, dass das ausgelutsche Found-Footage-Filmthema noch einmal einen so kreativen Schub erhalten würde. Von daher können wir AFFLICTED nur jedem Filmfan empfehlen, der einen guten und packenden Horrorschocker sehen mag.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Zensur

 
 
 
AFFLICTED hat in der ungeschnittenen deutschen Fassung den blauen FSK16-Flatschen erhalten. Sonderlich grausam ist der Streifen nicht, demnach darf er bereits von Jugendlichen gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
afflicted-blu-ray

(c) Sony Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Afflicted; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: „Hinter den Kulissen“ von Afflicted, Anatomie einer Szene: Der Sprung aus dem Fenster, Entfallene Szenen

Release-Termin: 04.09.2014

 

Afflicted [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Absence (2013)
 
Chronicle (2011)
 
Cloverfield (2008)
 
Europa Report (2013)
 
Apollo 18 (2011)
 


Filmreview: „Kiss of the Damned“ (2012)

Kiss-of-the-Damned-2013
 
 
 

KISS OF THE DAMNED

Story

 
 
 
Wenn Zwei sich lieben, ärgert das die Dritte. Djuna ist Blutsaugerin, verliebt sich in Paolo und macht ihn zum Vampir. Alles hätte so schön werden können, wäre da nicht Djunas kleine Schwester, die einfach nie auf das hören will, was die Große ihr sagt …
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Kritik

 
 
 
Das waren noch Zeiten, als Eurohorror die Kinos unsicher machte und sich vor allem Vampire aus Großbritannien, Frankreich oder Italien von den oftmals eher züchtigen amerikanischen Blutsaugern abzuheben verstanden. In den 60er und 70er Jahren verging kein Jahr ohne Vampirfilm, wobei europäische Regisseure wie JESS FRANCO und HARRY KÜMEL versuchten dem angestaubten Vampirthema durch Beigabe von Sex und Gewalt neues Leben einzuhauchen. Regie-Neuling XAN CASSAVETES hatte schon immer eine Vorliebe für europäische Filme. Besonders jedoch haben sie die Werke von BERNARDO BERTOLUCCI und JEAN ROLLIN geprägt. Letzterer hatte Ende der 60er den französischen Vampirfilm LE VIOL DU VAMPIRE gedreht und rasch den Ruf des Schmuddel-Vampirfilm-Machers weg, weil sich in seinen Streifen bevorzugt schöne Frauen textilfrei vor der Kamera räkelten. Nicht wesentlich anders geht es in CASSAVETES Erstling KISS OF THE DAMNED zu. Drehbuchautorin, Regisseurin und Tochter des legendären JOHN CASSAVETES (Darsteller in ROSEMARY’S BABY oder TEUFELSKREIS ALPHA) hat sich recht unverfroren bei Klassikern wie Jess Francos ENTFESSELTE BEGIERDE (1973) und Tony Scotts THE HUNGER (1983) bedient. Schenkt man diversen Interviews Glauben, gehört VAMPYROS LESBOS (1971) zu einem der absoluten Lieblinsfilme der Newcomerin, die nun mit fast 50 Lenzen ihren ersten eigenen Film gemacht hat, der sich mit einer Mischung aus Erotikfilm und Vampirmythos vor den Euro-Trashern der 70er verbeugen möchte. Wie in genannten Schmuddelfilmchen wird auch in KISS OF THE DAMNED die erotische Anziehungskraft der Frau in den Mittelpunkt gerückt, schließlich gibt es kein Genre innerhalb des Phantastischen Films, das so sehr prädestiniert ist, Erotik mit Grusel zu verbinden wie der Vampirfilm.
 
Djuna (JOSEPHINE DE LA BAUME) trifft die Liebe ihres Leben in einer Videothek. Beim Stöbern durch die Filmregale lernt sie den attraktiven Drehbuchautoren Paolo (MILO VENTIMIGLIA) kennen, der den Reizen der mysteriösen Schönheit nicht widerstehen kann. Die beiden landen wenig später in der Kiste, wo der liebeshungrige Schönling mit dem Geheimnis seines Betthäschens konfrontiert wird. Djuna ist eine Vampirin, die zurückgezogen in einer Villa auf dem Land lebt und sich vom Blut wilder Tiere ernähren muss. Im Liebesrausch beißt die begehrenswerten Djuna den adretten Fremden, der fortan als Vampir an ihrer Seite lebt. Das Liebesglück scheint nahezu perfekt, wäre da nicht Djunas Schwester Mimi (ROXANE MESQUIDA), die den Turteltauben gleich mal die Freunde am Verliebtsein vermiesen muss. Sie quartiert sich in der abgelegenen Villa ein und streift nachts durch die Straßen der Großstadt, um ihren Durst nach Menschenblut zu stillen. Anders als die große Schwester will sich die rebellische Mimi nicht den Dogmen der Vampirgesellschaft unterwerfen, was Konflikte unter den Geschwistern schürt.
 
Satte Schwarz- und Blautöne treffen auf kräftiges Rot, das den weiblichen Blutsaugern vor allem gegen Ende ganz ungeniert aus den Mündern tropft. KISS OF THE DAMNED schaut wirklich über jeden Zweifel erhaben aus und schafft es, einen gewissen, künstlerischen Anspruch zurück ins Genre zu bringen. Der Zuschauer folgt langsamen Kamerafahrten und akkurat ausgeleuchtete Bildern, die von abwechslungsreichen Klängen begleitet werden. Mal lauscht der Zuschauer klassischen Tönen, die das romantische Schauern auf anspruchsvolle Weise unterstreichen; in einer anderen Szene sind es hämmernde Elektroklänge, die Erotik und Eleganz trefflich miteinander zu verknüpfen wissen. Optisch wird in KISS OF THE DAMNED einiges geboten, was nicht ausschließlich allein an den schönen Damen im Film liegen mag, die des Öfteren zur Freude des männlichen Horrorfans die Hüllen fallen lassen. KISS OF THE DAMNED ist definitiv ein Traum für die Sinne, was im Digitalzeitalter schon eine kleine Seltenheit darstellt, haben doch die Mehrzahl der letzten Horrorstreifen vornehmlich durch billigen Videolook, schlechte Effekte und geistlose Dramaturgie geglänzt. Regisseurin XAN CASSAVETES macht den Vampir-Klassikern alle Ehre und schafft es, zumindest atmosphärisch an die alten Kultschinken anzuknüpfen, vergisst jedoch bei soviel Liebe zum Old School, der Geschichte angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Die ist im Falle von KISS OF THE DAMNED schon etwas sehr dünn und arg trivial gestrickt, denn bis auf reichhaltig gekünstelt wirkender Erotik und einem vorhersehbaren Konflikt zwischen den Schwestern untereinander findet in dieser charmant gemeinten Blutsauger-Hommage kaum etwas Nennenswertes statt. Selbst die für das Filmthema obligatorischen Beißattacken sind überschaubar und werden ziemlich zurückhaltend eingesetzt. Zieht man ähnliche Vertreter aus letzter Zeit zum Vergleich heran, macht KISS OF THE DAMNED mit seinem nahezu kaum vorhandenen Härtegrad eine mehr als bescheidene Figur. Unterm Strich bleibt ein wirklich schön eingefangener Film, der visuell und akustisch vielen aktuellen Horrorfilmen weit voraus ist. Sieht man jedoch von der kunstvollen Umsetzung ab, bleibt nicht mehr viel übrig, was sich dem Zuschauer nennenswert ins Gedächtnis brennen dürfte. Daher sei KISS OF THE DAMNED nur den Filmfans empfohlen, die für rund 90 Minuten in Erinnerungen schwelgen möchten und sich auf eine Zeitreise begeben wollen zu einer Dekade, in der man in Vampirstreifen mehr Haut als Horror zu sehen bekam.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine optisch beeindruckende Verbeugung vor den ganz Großen erotischen Vampirstreifen der 60er und 70er Jahre. KISS OF THE DAMNED schaut einfach fabelhaft aus, was vor allem deshalb überrascht, weil es sich hier um ein Regiedebüt handelt. Leider kann im Falle von KISS OF THE DAMNED selbst die schönste Optik nicht vom mageren Inhalt ablenken. Regisseurin XAN CASSAVETES hat nicht nur den Film gedreht, sondern auch gleich das Drehbuch verfasst. Leider wurde die Geschichte über Liebe und Intrigen geradezu künstlich auf Spielfilmlänge aufgebläht und erinnert nicht selten an schlimmstes Seifenoper-TV der Privatsender. Ärgerlich, dass hier nicht mit mehr Sorgsam an der Handlung gefeilt wurde, denn hätte CASSAVETES weniger Zeit an der Optik und dafür mehr in die Story investiert, hätte aus KISS OF THE DAMNED ein absoluter Kultkandidat werden können. So bleibt das Debüt weit hinter den Erwartungen zurück und beschert dem Zuschauer gerade einmal 90 prickelnde Minuten mit zwei durchaus schmucken Schönheiten, die ab und an nackt durch die Kamera huschen dürfen – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Zensur

 
 
 
Brutal ist KISS OF THE DAMNED keineswegs. Am Ende werden ganz zaghaft einige Unwissende ausgesaugt. Ansonsten gibt es die üblichen Bisswunden zu sehen. In Deutschland wird der Streifen ungeschnitten mit FSK16 veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
KISS OF THE DAMNED-Blu-ray

(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kiss of the Damned; USA 2012

Genre: Drama, Horror, Liebesfilme

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar von Autorin und Regisseurin Alexandra Cassavetes, Interviews mit Schauspielerin Joséphine de La Baume und Roxane Mesquida und dem Schauspieler Milo Ventimiglia, Kinotrailer

Release-Termin: 25.04.2014

 
 
 

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KISS OF THE DAMNED – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Vampyros Lesbos (1971)
 
Circus der Vampire (1972)
 
Draculas Hexenjagd (1972)
 
Bram Stoker’s Dracula (1992)