Filmkritik: „Superdeep“ (2020)

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SUPERDEEP

(KOLSKAYA SVERHGLUBOKAYA)

Story

 
 
 

Ein rund zwölf Kilometer tiefes Bohrloch bringt mysteriöse Erscheinungen zu Tage. Eine Gruppe von Wissenschaftlern soll die Sache erforschen.

 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Kritik

 
 
 
Es ist nichts Neues, dass die Ungewissheit des Horrors besten Freund darstellt. Eine Gefahr, die man nicht kennt, wirkt am bedrohlichsten. Kombiniert man das mit Orten, an denen der Mensch eigentlich nichts verloren hat oder mit Dunkelheit, wie z.B. der geniale „The Descent“ das getan hat, dann darf man sich auf einen unheimlichen Horrorfilm freuen. Der russische Streifen „Superdeep“ versucht sich an einem solchen Szenario, scheitert daran zwar nicht wirklich, kann im Endeffekt aber leider kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Die Wissenschaftlerin Anna wird zu einem Job gerufen. Ein mehr als zwölf Kilometer tiefes Bohrloch wirkt nämlich sehr mysteriös. Noch nie zuvor haben Menschen so tief gebohrt und als man Schreie im Erdinneren vernehmen kann, weiß niemand, wie man damit umgehen soll. Also sollen Anna und ein paar weitere Forscher die Sache untersuchen. Doch was sie dort unten finden, soll ihnen die Sprache verschlagen. Die Story basiert auf der echten Kola-Bohrung, die mit ihren 12.262 Metern Tiefe lange Zeit als die tiefste Bohrung aller Zeiten galt. Sich diese reale Begebenheit als Vorbild für einen Horrorfilm zu nehmen, liegt eigentlich auf der Hand. Schon Ende der 80er Jahre gab es Gerüchte, dass man die Hölle angekratzt hätte und über das Internet verbreiteten sich solche Informationen noch schneller. Genügend Substanz sollte also vorhanden sein oder? Eigentlich ja, denn man paart den übernatürlichen Anteil noch mit der Paranoia des Kalten Krieges und storytechnisch sind so durchaus genug Zutaten vorhanden und trotzdem will das Drehbuch niemals so richtig zünden. Mit Informationen hält man sich insgesamt nämlich ziemlich bedeckt, so richtig logisch will das Geschehen ebenfalls nie wirken und man redet im Endeffekt viel um den heißen Brei, ohne ihn denn mal wirklich zu zeigen. Gewisse Vorbilder wie z.B. „The Thing“ haben das zudem klar beeinflusst und obwohl gute Zutaten vorhanden sind, erreicht „Superdeep“ niemals eine richtige Eigenständigkeit.
 
 
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Zumal der Film leider auch recht langatmig wirkt. Die Einleitung lässt sich zu viel Zeit und bis es überhaupt mal etwas mehr zur Sache geht, ist bereits eine gute halbe Stunde vergangen. Wären die Charaktere interessanter, hätte der Zuschauer damit gut leben können, doch allgemein sind die Figuren hier doch viel zu belanglos. Lediglich die Hauptprotagonistin Anna bekommt etwas Hintergrund spendiert. Darstellerin Milena Radulovic nimmt dies dankend an und bietet solides Schauspiel. Die anderen Darsteller profitieren nicht gerade davon, dass die Figurenzeichnung langweilig gestaltet wurde. Zwar kann man sich auch über ihre Leistungen nicht unbedingt beschweren, aber im Gedächtnis bleibt dies sicher nicht. Somit ist dem Zuschauer das Schicksal der Protagonisten leider auch ziemlich egal, was natürlich wenig spannungsfördernd ist.
 
 
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Die deutsche Fassung basiert auf dem Alternate Cut und ist mit 100 Minuten Laufzeit noch gnädigerweise kürzer ausgefallen, als die Originalversion, welche knapp 15 Minuten länger läuft. Wichtiges Material entgeht einem hier eigentlich nicht, weshalb die gekürzte Fassung hier tatsächlich mal eine Daseinsberechtigung besitzt. So verleiht man „Superdeep“ noch etwas mehr Tempo, wobei das selbst in dieser Version selten auffällt. Insgesamt ist der Film nämlich einfach zu langsam. Natürlich will man damit Stimmung aufbauen, nur gelingt dies eben zu selten. Mit Spannung braucht man nämlich nicht zu rechnen und Action lässt sich auch eher selten blicken. Immerhin erhält der Horror im letzten Drittel ein paar Höhepunkte, die schon einen gewissen Unterhaltungswert aufkommen lassen.
 
 
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Aus handwerklicher Sicht gibt es an „Superdeep“ zudem nicht so viel auszusetzen. Regisseur Arseny Syuhin, der zuvor nur einige Kurzfilme drehte und mit diesem Werk sein Langfilmdebüt gab, macht seine Sache gar nicht mal so verkehrt. Sicherlich wäre mit mehr Budget auch deutlich mehr drin gewesen, aber die Inszenierung funktioniert und selbst wenn die Atmosphäre längst nicht so bedrohlich erscheint, wie sie es wohl gerne getan hätte, bemerkt man doch gerade im letzten Drittel, dass Syuhin sein Fach beherrscht. Hier kommt nämlich doch noch eine gute Stimmung auf, die auch von den soliden Effekten unterstützt wird. Diese stammen nämlich überwiegend von Hand und wirken schön oldschool. Die Kulissen machen im Endeffekt ebenfalls etwas her, hätten sicherlich mehr Schauwerte bieten können, wissen jedoch trotzdem zu überzeugen.
Der Score ist in Ordnung, aber nicht besonders einprägsam.
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
„Superdeep“ will ganz schön viel und scheitert an seinen eigenen Ambitionen, macht allerdings trotzdem auch einiges richtig. Die Story, welche reale Ereignisse benutzt, ist interessant, besteht aus vielen Zutaten und wird am ehesten dadurch zerstört, dass die Figurenzeichnung so mau ist. Hier hätte man gerne mehr Feingefühl investieren dürfen. Der Film ist insgesamt zu ruhig und lässt zu selten Spannung aufkommen, wobei der Horror besonders im letzten Drittel doch noch einigermaßen intensiv geraten ist. Das ist zwar zu spät, aber besser als nichts. Der Unterhaltungswert pendelt so zwischen langweilig und passabel. Die Darsteller sind brauchbar, aber fast niemand kann aus seiner dünnen Figur etwas machen. Positiv sind noch die handgemachten Effekte zu vermerken. Alles in einem ist „Superdeep“ also sicher nichts, was man gesehen haben muss, doch wenn man auf langsamen, atmosphärischen Sci-Fi-Horror aus ist, bekommt man immerhin ein paar ziemlich starke Szenen geboten!
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Zensur

 
 
 
„Superdeep“ wurde von der FSK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und ist komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kolskaya sverhglubokaya; Russland 2020

Genre: Horror, Thriller, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Featurette „Wie ein Monster entsteht“, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.06.2021

 
 

Superdeep [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SUPERDEEP – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Ghosts of Mars (2001)
 
Blutgletscher (2013)
 

Filmkritik: „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ (2020)

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BAD HAIR – WASCHEN, SCHNEIDEN, TÖTEN

(BAD HAIR)

Story

 
 
 
Nachdem sich Anna für ihre Karriere eine Flechtfrisur zugelegt hat, geht es beruflich steil nach oben, aber das echte Haar, welches verwendet wurde, führt ein unnatürliches Eigenleben.
 
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Kritik

 
 
Man kennt die Prämisse am ehesten aus Short-Stories: Nachdem jemand eine Haartransplantation bekommen hat, führt das Haar ein mörderisches Eigenleben, weil es meistens von einem Mörder stammt. Das klingt nicht nur nach feinstem Trash, sondern bietet diesen meist auch. Umso überraschender kommt „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ daher, denn er versucht sich als gesellschaftskritischer Horrorfilm, den man durchaus ernst nehmen kann. Das Resultat ist ambitioniert und weiß zu gefallen, besitzt im Endeffekt nur leider etwas zu viele Längen und etwas zu wenig Horror.
 
 
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Wir schreiben das Jahr 1989 und das Musikfernsehen boomt genau so sehr, wie die Black Music. Anna arbeitet seit geraumer Zeit bei einem solcher Fernsehsender und gibt sich alle Mühe aufzusteigen. Nachdem die Leiterin ausgetauscht wurde, bekommt Anna plötzlich die Gelegenheit ihr Können zu beweisen und begeistert die neue Chefin sofort mit einer guten Idee. Nur die Haare missfallen. Seit Anna in ihrer Kindheit einen Unfall mit ätzendem Haarfärbemittel hatte, trägt sie einen kurzen, natürlichen Afro, aber das ist optisch nicht angesagt. Um ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen, entscheidet sich Anna also für eine teure Flechtfrisur und danach läuft auch wirklich alles sehr gut, bis die junge Frau bemerken muss, dass mit ihrem neuen Haar etwas nicht stimmt.
 
 
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Wenn man die Grundprämisse hört, kann man nur erstaunt sein, wie ernst „Bad Hair“ doch daherkommt, denn der Geschichte um das lebendige Haar verleiht man einen stimmigen Hintergrund und zusätzlich wird das Ganze noch mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik angereichert. Dass es als Afroamerikaner im Jahre 1989 nicht leicht war Karriere zu machen, glaubt man gerne. Dass es als Frau noch schwieriger war, ebenfalls. Dies wird hier gekonnt verarbeitet, aber zusätzlich noch erweitert, indem es allgemein um Oberflächlichkeit im Showbusiness geht. Daran hat sich innerhalb der gut 30 Jahre sicherlich nichts geändert, denn Optik zählt auch heute noch mehr, als die inneren Werte oder Talent. Das Drehbuch bedient sich an dieser Kritik, verpackt das leicht satirisch und kombiniert es mit einem skurrilen Horrorszenario, welches glaubwürdiger erscheint, als man anfangs vermuten darf.
 
 
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Für den afroamerikanischen Regisseur Justin Simien scheint dies eine Herzensangelegenheit gewesen zu sein. Er liefert mit „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ erst seinen zweiten Spielfilm ab, schrieb das Drehbuch selbst und war auch noch an der Produktion beteiligt. Eine ambitionierte Sache also und die Inszenierung kann durchaus überzeugen. Der Film hatte sicherlich kein besonders hohes Budget, was man bei den Effekten manchmal leider etwas erkennen kann, aber handwerklich ist das trotzdem gelungen gestaltet. Dabei wirkt die Inszenierung über lange Zeit sogar erstaunlich bodenständig, was man von der Atmosphäre ebenfalls behaupten kann. Der Horror lässt sich nämlich Zeit. Die gesamte erste Hälfte über kreiert Simien eher ein Szenenbild der Fernsehmusiklandschaft und zusammen mit dem authentischen Soundtrack fühlt man sich wirklich zurückversetzt in eine Zeit, in der noch MTV geschaut wurde. Erst nach und nach gesellen sich die übernatürlichen Elemente mit hinzu und diese wirken anfangs immer noch verblüffend ernsthaft. Erst im letzten Drittel atmet „Bad Hair“ dann doch etwas die Luft vom Trash, verkommt dabei jedoch nie zur Lächerlichkeit.
 
 
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Es hätte insgesamt aber doch etwas mehr Horror geben dürfen, denn die richtigen Horrorszenen wurden zu dezent eingesetzt. Selbst wenn es in der letzten halben Stunde noch einiges davon zu sehen gibt, mag das niemals so richtig spannend werden und es mangelt einfach an packenden Szenen. Etwas mehr Gewalt hätte „Bad Hair“ sicherlich ebenfalls nicht geschadet. Die vorhandenen Morde sind kaum grafisch und Blut wird nur selten welches vergossen. Das verdient zwar seine Freigabe ab 16 Jahren, ist insgesamt aber zu harmlos. Dafür ging man mit dem Haar recht kreativ um und selbst wenn man die CGI-Effekte erkennen kann, sie hätten deutlich mieser sein können. Das kann man wohl auch vom Unterhaltungswert behaupten, der im Endeffekt doch zufriedenstellend ist, aber manch eine Länge in der ersten Stunde nicht verschweigen kann. Die Laufzeit ist mit 103 Minuten (mit Abspann) etwas zu hoch ausgefallen, denn nicht jede Szene hätte es gebraucht. Das Erzähltempo hätte man ruhig etwas flotter gestalten dürfen.
 
 
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Bleiben letztendlich noch die Darsteller, die für eine solche Produktion doch erfreulich gut ausgefallen sind. „Bad Hair“ kann sogar überraschend viele bekannte Namen bieten. Da es sich hier viel um Musik dreht, ist es nur authentisch, dass Musiker wie MC Lyte, Usher oder Kelly Rowland in kleinen Nebenrollen vorbeischauen. Mit Vanessa Lynn Williams ist ebenfalls eine bekannte Schauspielerin wie Musikerin vorhanden. Jeder macht seine Sache ordentlich und James Van Der Beek schaut als eine der wenigen weißen Schauspieler in diesem Werk auch mal kurz vorbei. Die Attraktion ist allerdings erst die Newcomerin Elle Lorraine, welche die Hauptrolle wirklich gut spielt. Sie macht ihre Sache sehr glaubhaft, bekommt selbst die Wandlung sehr authentisch hin und funktioniert somit prächtig. Von Lorraine dürfte man in Zukunft mit Sicherheit noch mehr sehen. Die Figurenzeichnung hingegen wirkt manchmal ein wenig plump, obwohl sie insgesamt gut getroffen wurde. Da werden viele Klischees verarbeitet, was der Satire nützt und viele Merkmale der Charaktere entsprechen mit Sicherheit der Realität, aber so richtig markant will das nicht wirken und es hätte „Bad Hair“ gar nicht mal so schlecht gestanden, wenn man hier noch mehr in die Tiefe gegangen wäre.
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ ist kein gewöhnlicher Horrorfilm und er erinnert mit seiner Herangehensweise etwas an die Werke von Jordan Peele. Das liegt vor allen Dingen an der gesellschaftskritischen Art und Weise und an dem Punkt der Rassendiskriminierung. Dass dies mit einem trashigen Szenario à la „mordendes Haar“ kombiniert wurde, klingt viel skurriler, als das Endresultat ausschaut. Dem Werk gelingt es nämlich durchaus ernst zu wirken und es bringt seine wichtige Botschaft auch gut herüber. Die Inszenierung stimmt, das Handwerk macht etwas her, die Darsteller überzeugen und Score, wie Soundtrack hören sich gut an. Was fehlt dem Werk im Endeffekt also? Besonders der Unterhaltungswert ist mit manch einer Länge gefüllt und intensiver Horror lässt sich ebenfalls deutlich zu selten blicken. Außerdem wechselt „Bad Hair“ am Ende von der Ernsthaftigkeit etwas zu sehr ins Trash-Gefilde. Das verhindert eine höhere Wertung, doch jeder, der an einer etwas anderen Version vom Body-Horror Interesse hat, bekommt mit diesem Produkt einen durchaus unkonventionellen Vertreter geboten, der es verdient gesichtet zu werden!
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Bad Hair – Waschen, schneiden, töten“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

BAD HAIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) LEONINE (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bad Hair; USA 2020

Genre: Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 25.06.2021

 

Bad Hair – Waschen, schneiden, töten [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BAD HAIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Leonine)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Killerhand (1998)
 
Teeth – Wer zuletzt beißt, beißt am besten (2007)
 
Bloody Knuckles (2014)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Elmer (1988)
 
Bad Milo (2013)
 

Filmkritik: „The Beach House“ (2019)

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THE BEACH HOUSE

Story

 
 
 
Für Emily und Randall wird ein geplanter Urlaub im Strandhaus zum Albtraum, als eine unbekannte Seuche die Runde macht.

 
 
 


 
 
 

THE BEACH HOUSE – Kritik

 
 
Dass sich die Natur am Menschen rächt, bekommt man jeden Tag mit und dass es effizientere Lebensformen als den Menschen gibt, sollte nun auch kein Geheimnis sein. Natürlich bedient sich auch der Horrorfilm manchmal an solchen Themen, wobei Öko-Horror nicht unbedingt etwas ist, was man alle Tage zu sehen bekommt. Es ist auch nicht leicht, dieses Thema in einen packenden Film zu transportieren. So ganz gelingt dies „The Beach House“ leider ebenfalls nicht, doch das Werk ist ambitioniert und wenn man nichts gegen eine sehr ruhige Herangehensweise hat, dann kann man sich hier doch solide unterhalten lassen.
 
 
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Der Vater von Randall besitzt ein Strandhaus. Momentan ist keine Saison und so plant Randall mit seiner Freundin Emily einen schönen Trip zum Strand. Die Beiden müssen sowieso an ihrer Beziehung arbeiten. Allerdings sind sie gar nicht alleine im Haus, denn alte Freunde von Randalls Vater haben sich hier ebenfalls einquartiert. Zum Glück verstehen sich Randall und Emily gut mit dem älteren Ehepaar. Zu Problemen kommt es erst, als die Natur verrückt spielt. Draußen geht etwas Merkwürdiges vor sich und es macht die Menschen krank. Das Drehbuch ist ziemlich simpel gehalten und versucht erst gar nicht die Geschehnisse zu erklären. Andeutungen werden zwar getätigt, aber was es wirklich damit auf sich hat, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Ganz klar ist aber, dass die Natur thematisiert wird. Eine Öko-Kritik steckt jedoch nicht dahinter; zumindest ist sie nicht erkennbar. Die Story ist insgesamt etwas zu dünn, funktioniert aber gerade deshalb ganz gut, weil die Aufmachung gelungen ist. So lässt man den Zuschauer eine ganze Weile im Dunkeln tappen und verrät nicht zu früh, dass hier etwas nicht stimmt.
 
 
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Das bringt anfangs weniger Längen mit sich, als man vermuten könnte. Zwar ist die Figurenzeichnung nicht das Gelbe vom Ei, aber die Charaktere sind gerade interessant genug, damit sie dem Zuschauer nicht völlig egal sind. So gelingt die erste halbe Stunde solide. Selbst wenn hier noch keine Gefahr vorhanden ist, schaut man den Personen ganz gerne zu. In der zweiten Hälfte steigert sich der Horror gekonnt und hier kombiniert man verschiedene Elemente. Ein wenig Mystery-Flair schwebt ständig mit, ein bisschen wie in Science-Fiction kommt man sich ebenfalls vor und dann wäre da auch noch eine Prise Body-Horror. Diese Kombination sorgt für Abwechslung, doch leider geht „The Beach House“ gerade zum Finale hin deutlich die Luft aus. Regisseur Jeffrey A. Brown, der auch das Drehbuch schrieb und mit diesem Werk sein Debüt ablieferte, fällt dann nur noch wenig ein, wie er das Szenario aufregend halten kann. So kommt es schon zu einigen Längen, gerade dann, wenn man eigentlich ansteigende Spannung erwartet. Sowieso muss man es ruhiger mögen, denn die Ereignisse überschlagen sich nie, das Tempo ist allgemein ziemlich gering und man sieht die Personen auch schon mal minutenlang einfach durch die Gegend schleichen.
 
 
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Dass dies nie zu langweilig wird, liegt an einer souveränen Inszenierung, der man es kaum anmerkt, dass man es hier mit einem Debüt zu tun hat. Die Bilder werden schick eingefangen und obwohl das Budget sicherlich ziemlich gering war, wirkt „The Beach House“ relativ hochwertig. Der Schauplatz ist simpel, macht optisch aber etwas her und ein paar Schauwerte sind definitiv gegeben. Besonders viele Effekte sollte man zwar nicht erwarten und es wird eigentlich nie brutal, aber dafür schielt man ab und zu auf den Ekel und in den wenigen Momenten, in denen man dies tut, funktioniert das auch ganz ordentlich. Dass man es mit handgemachten Effekten zu tun hat, verstärkt die Wirkung nur noch. Außerdem sind die Darsteller durchaus brauchbar. Liana Liberato spielt die wichtigste Rolle und macht das authentisch. Noah Le Gros kann da nicht ganz mithalten, stört jedoch nicht. Ansonsten gibt es nur noch zwei Nebenrollen und eine davon bekleidet der deutlich bekanntere Jake Weber, von dem man gerne noch etwas mehr gesehen hätte. „The Beach House“ kommt wirklich nahezu mit nur diesen vier Darstellern aus. Abgerundet wird das Ganze von einem gut eingesetzten Score, der seine Sache zweckdienlich erfüllt.
 
 
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THE BEACH HOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Beach House“ ist sicher nicht der große Wurf, aber wer Interesse an Öko-Horror hat, bekommt doch ein brauchbares Exemplar geboten. Die Story ist allgemein etwas zu dünn und hätte gerne etwas mehr erklären dürfen, aber wie man das Szenario umgesetzt hat, ist doch ansprechend. Besonders die Inszenierung macht hier nicht viel verkehrt und bietet genügend Abwechslung. Dies ist auch notwendig, weil das Tempo nämlich sehr gering ist. Stört dies anfangs noch überhaupt nicht, wird es besonders im letzten Drittel etwas anstrengend, weil hier recht viel Geduld erforderlich ist. Solide Darsteller und eine angenehm düstere Atmosphäre entschädigen dafür. Auch die Figurenzeichnung ist soweit okay. Zudem gibt es ein paar hübsche Ekel-Effekte zu sehen, von denen es allerdings gerne deutlich mehr hätte geben dürfen. Somit bleibt ein nicht sonderlich spannender, aber sehenswerter Beitrag zum Thema „Natur vs. Mensch“. Nicht unbedingt ein Must-see, jedoch absolut kein Rohrkrepierer.
 
 


 
 
 

THE BEACH HOUSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Beach House“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Diese Freigabe ist auch berechtigt.
 
 
 


 
 
 

THE BEACH HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Beach House; USA 2019

Genre: Horror, Mystery, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original-Trailer (2:08 Min.), Deutscher Kinotrailer (1:45 Min.), Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2021

 

The Beach House [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE BEACH HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Nebel (2007)
 
Cabin Fever (2002)
 
Long Weekend (2008)
 

Filmkritik: „The Special – Dies ist keine Liebesgeschichte“ (2020)

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THE SPECIAL – DIES IST KEINE LIEBESGESCHICHTE

(THE SPECIAL)

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Box, die eigentlich als männlicher Freudenspender dienen soll, entfacht bei Jerry einen folgenschweren Wahn.

 
 
 


 
 
 

THE SPECIAL – Kritik

 
 
Wohl kaum jemand hat den Body-Horror so sehr geprägt, wie David Cronenberg, doch er ist natürlich nicht der einzige, der sich diesem Thema widmet. Auch „The Special – Dies ist keine Liebesgeschichte“ versucht sich daran und bleibt dabei lange Zeit so schleierhaft, wie sein allgemeiner Titel. Leider ist das Werk ziemlich langatmig, doch da man als Zuschauer bis zum Ende wissen will, was dort vor sich geht, wiegt diese Tatsache zum Glück nicht vernichtend schwer.
 
 
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Jerry ist unzufrieden mit seiner Ehe und glaubt, dass seine Frau ihn betrügt. Also hat Kumpel Mike die perfekte Lösung: Ein Besuch im Bordell. Allerdings soll Jerry den besten Sex seines Lebens nicht mit einer Frau haben, sondern mit einer ominösen Box, die ihn einlädt, sein bestes Stück in eine Öffnung zu stecken. Obwohl Jerry das lächerlich findet, spielt er mit und hat dann tatsächlich den besten Sex seines Lebens. Von nun an verändert sich Jerry und er entwickelt einen Wahn für diese Box. Um mit ihr zusammen zu sein, geht er sogar über Leichen. Das klingt definitiv nicht nach einer Geschichte, die man alle Tage zu sehen bekommt und hört sich sicherlich auch recht bizarr an. Allerdings geht es „The Special“ nicht darum möglichst absurd zu sein. Er verkauft seine Story schon ernsthaft und das ist über weite Strecken auch gelungen. Mit simplen Mitteln entsteht hier ein gewisses Interesse beim Zuschauer. Wobei nicht wirklich etwas aufgeklärt wird, gibt es eine gelungene Pointe am Schluss und allgemein ist das Drehbuch nicht verkehrt.
 
 
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Leider reicht die Geschichte nur nicht ganz für einen Langfilm mit einer Laufzeit von 94 Minuten aus. Das bemerkt man vor allen Dingen im recht lahmen Mittelteil, der ziemlich in die Länge gezogen wirkt. Anfangs funktioniert das Geschehen noch gut, doch dann lässt man sich viel Zeit und das Tempo wird immer geringer, bis das Finale dann doch endlich mal Nägel mit Köpfen macht. Somit hätte man „The Special“ gut und gerne um eine halbe Stunde verkürzen dürfen. Dann wären sicher auch ein, zwei Punkte mehr drin gewesen, denn der Film plätschert einfach zu lange ereignislos vor sich hin. Die allgemein ganz passable handwerkliche Arbeit kann daran nichts verändern. Zwar ist die Inszenierung keineswegs schlecht, doch an den langweiligen Kulissen kann man gut erkennen, dass hier nicht das große Budget vorhanden war. Überraschend fallen dafür die handgemachten Effekte aus, wenn man sich am Ende dem Body-Horror hingibt. Es sind zwar wirklich nicht viele Effekte, aber die vorhandenen sehen dann prima aus. Brutal wird es übrigens nahezu gar nicht und die eigentliche Freigabe des Filmes ist berechtigt ab 16 Jahren.
 
 
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Die Darsteller sind, der Preisklasse entsprechend, keine großen Talente, stören aber zumindest nicht. Davy Raphaely ist sogar hin und wieder ganz brauchbar. Schade ist nur, dass seine Figur recht nervig gestaltet wurde. Er dient sicher nicht als Protagonist, hätte aber auch nicht unbedingt so unsympathisch gezeichnet werden müssen. Sein Schicksal lässt den Zuschauer somit nämlich doch relativ kalt. Auch die anderen Charaktere sprühen nicht gerade vor Charme, aber man kann mit ihnen leben und die deutsche Synchronisation hätte ebenfalls mieser ausfallen können. Da alles auf das bedeutungsschwangere Finale hinausläuft, verlässt man „The Special“ mit ganz guter Laune, weil eben dieses alles andere als enttäuschend ausgefallen ist. Das entschädigt zwar nicht völlig für manch eine Länge, hält aber wenigstens was es verspricht. Vom Score hat man etwas zu stark Gebrauch gemacht, aber schlecht klingt er immerhin nicht.
 
 
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THE SPECIAL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„The Special – Dies ist keine Liebesgeschichte“ ist wirklich ein recht spezieller Film, der von der Story her sehr reißerisch und fast schon dämlich klingt, daraus aber doch etwas kreiert, das man ernst nehmen kann. Zwar hätte sich das Szenario für einen etwas längeren Kurzfilm eher angeboten, jedoch gibt es durchaus gelungene Sequenzen. Besonders der Anfang und das letzte Drittel wissen jedenfalls zu überzeugen. Die Kulissen sind etwas monoton, die Charaktere zu farblos und unsympathisch und die Darsteller reißen jetzt auch nicht gerade viel, aber eine gewisse Qualität steckt dennoch dahinter und die wenigen Effekte am Ende sehen stark aus. Für den großen Wurf reicht das nicht aus, aber wer am kleineren Body-Horror Interesse hat, bekommt eine interessante Version davon zu sehen!
 
 


 
 
 

THE SPECIAL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Special – Dies ist keine Liebesgeschichte“ ist ungeschnitten. Aber Achtung: Der Hauptfilm ist FSK16. Auf der Blu-ray befindet sich aber ein roter FSK-Sticker. Das liegt daran, weil auf der Blu-ray selbst Bonusmaterial enthalten ist, das von der FSK höher eingestuft wurde.
 
 
 


 
 
 

THE SPECIAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Steelbook Blu-ray – auf 1000 Stück limitiert)

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(c) White Pearl Movies (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Special; USA 2020

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonusmaterial ist Blu-ray: keine Jugendfreigabe

Verpackung: Steelbook| Blu-ray im KeepCase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: Steelbook + KeepCase: 06.11.2020

 

The Special [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Special [Blu-ray + DVD im Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE SPECIAL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Rabid – Der brüllende Tod (1977)
 

Filmkritik: „Ginger Snaps Trilogie“ (2000 – 2004)

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UM WAS GEHT ES IN DEN GINGER SNAPS FILMEN?

Storys

 
 
GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR: Ginger und Brigitte sind kanadische Provinz-Teeniemädchen mit einer morbiden Freude am Tod und allem, was dazugehört. Sogar ein Sterbe-Abkommen wird geschlossen. Früher hätte man Gruftie gesagt, heutzutage Goth. Die Pubertät scheint bei den Schwestern noch nicht angekommen zu sein, was durchaus ungewöhnlich ist. Gleichzeitig mit Gingers erster Periode wird das arme Ding von einem Werwolf angefallen und fängt sich – so ist das bekanntermaßen – den Fluch des Wolfsmenschenseins ein. Ein furchtbares Spiel um Blut, verschworene Verbundenheit und neue Identitäten beherrscht das Leben der Mädchen.

GINGER SNAPS – ENTFESSELT: In der Fortsetzung des Horrordramas vegetiert Brigitte in einer Hochsicherheitszelle dahin und wird mit dem Folklore-Medikament des Eisenhuts in Zaum gehalten. Das Horrornerd-Mädchen Ghost findet Gefallen an ihr und ein männliches Wolfsmensch-Exemplar hat Paarungszwang…

GINGER SNAPS – DER ANFANG ist, man kann es sich denken, ein Prequel, in dem wir die Schwestern in ihren früheren Inkarnationen, genauer 1815 auf einem Handelsposten an der kanadischen Zivilisationsgrenze kennenlernen. Hier gehen sie den schicksalshaften Pakt miteinander ein, hier liegen die Wurzeln ihres Lycanthropie-Alptraums.

 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Kritik

 
 
Zu den wirklichen Erkenntnisgewinn bringenden Begleiterscheinungen der Kritikschreiberei gehört die Chance, bei ihrem Erscheinen gesehene Filme noch einmal losgelöst von den damaligen Hintergrundgeräuschen betrachten und bewerten zu dürfen. Im Falle von GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR bestehen diese Hintergrundgeräusche aus den Lobeshymnen junger Damen der Journaille, die sich über den Feminismus im Genrefilm gar nicht mehr einkriegen können. Man vermutet gar ein komplettes Umkrempeln der Horrorwelt in den Nachwehen der kanadischen Werwölfinnen. Ganz so gravierend ist’s dann doch nicht geworden. Immerhin aber folgen dem Vorbild doch bis heute Filme, denen man den Einfluss anmerken kann. Die alles in allem doch recht dröge UNDERWORLD-Saga und auch die insgesamt das Genre eher zum Rahmen seiner Pre-Teen-Liebesgeschichten nutzende TWILIGHT-Universum bedienen sich der Werwölfe und der unterm Fell steckenden Menschlein.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Die drei GINGER-SNAPS-Filme kommen Anfang der 2000er hervorragend beim Publikum an – dem ganzen Publikum, nicht nur der Horror-Fangemeinde, die seinerzeit noch zum größten Teil männlichen Geschlechts ist. Würstchenparty eben. GINGER SNAPS trifft 2000 den Nerv eines Zuschauersegments junger Mädchen und Frauen, die im Schicksal der Protagonistinnen vielleicht ihren persönlicher Horror in den schwierigen Jahren der Adoleszenz wiedererkennen können. Alle der drei Teile des Franchise, wie man heute sagt, sind von Frauen geschrieben worden, somit schwingt in den Geschichten um die Wolfsmädchen eine Authentizität mit, die vom neuen Publikum auch positiv zur Kenntnis genommen wird. GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR tritt eine Welle neuer Wahrnehmung weiblicher Hauptfiguren in Horrorfilmen los. Von MAY – DIE SCHNEIDERIN DES TODES (2002) bis AMERICAN MARY oder EXCISION, beide 2012 erschienen – zwischen Zerbrechlichkeit und Psychose oszillierende Protagonistinnen, deren Schöpfer ohne GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR womöglich nicht den Mut gefunden hätten, ihre Bücher zur Verfilmung freizugeben.
 
 
Ginger Snaps II - Entfesselt

(c) Ginger Snaps 2 (NSM RECORDS)

 
 
Auf den Erfolg des 2000er Independent-Horror-Hits reagieren dessen Rechteinhaber mit der Fertigung gleich zweier Sequels, die stilgerecht (man denke an die MATRIX-Filme oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) Back-To-Back gedreht werden und 2004 erscheinen. GINGER SNAPS – ENTFESSELT, bedient sich verschiedener Grundideen des Originals und führt ein neues Mädel in die Handlung ein, das sich Brigittes Zwitterwesen zum Objekt der Erforschung und späteren Rache nimmt. Der Ball wird praktisch einer neuen Generation zugespielt. Interessanterweise ist die Fortsetzung zahmer, was den Splatterfaktor angeht und lenkt den Fokus mehr auf die Charakterentwicklung. Weder Teil 2, noch Teil 3: GINGER SNAPS – DER ANFANG lösen die Begeisterungsstürme aus, die das Original erfährt. Nummer drei wird sogar nur Direct-To-Video ausgewertet und kommt nicht mkehr in die Kinos.
 
 
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(c) Ginger Snaps 1 (NSM RECORDS)

 
 
Seit Bram Stokers Dracula-Roman, einer der ersten literarisch festgehaltenen Motiv- und Regelsammlungen der Vampir-Fiktion, wird der Biss des Nachzehrers auch als Code für einen Sexualakt gedeutet. Die nach außen stets makellos, züchtig und selbstverständlich unschuldig präsentierten Maiden des Viktorianischen Englands, die, vom Übergriff des Blutsaugers quasi, zu Frauen gemacht werden. Eine direkte Schilderung oder auch nur Erwähnung von Themen wie Sex, Pubertät oder Menstruation ist unter den Moralvorstellungen dieser Jahre nicht möglich. Diese Interpretation realer menschlicher Befindlichkeiten unter der Maskerade im Ursprung folkloristischer Grusel-Märchen durchwehrt das Horrorkino seit Jahr und Tag. Bei GINGER SNAPS – DAS BIEST IN DIR findet die Infektion der Werwolfskrankheit zeitgleich mit dem Einsatz von Gingers erster Regelblutung statt. Das Mädchen erfährt als geschlechtsreife Frau und/oder Wolfsmensch eine Wandlung vom Gothic-Mauerblümchen zum Sex- und Gewalt-Ungetüm. Plump gesprochen: Man weiß nicht, was das Mädchen mehr durchdrehen lässt, Pubertät oder Lycanthropie.
 
 
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(c) Ginger Snaps 3 (NSM RECORDS)

 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Anno 2000 in aller Munde und heute kaum noch im Fan-Gedächtnis, lohnt die Trilogie um die kanadischen Werwolf-Mädchen Eure Wiederentdeckung. Die weibliche Sicht auf den Horrorfilm und die Protagonistinnen ist damals stilbildend und färbt zum Beispiel auf die UNDERWORLD-Reihe ab. GINGER SNAPS ist ein faszinierender Blick auf die Ideen von Drehbuchschreiberinnen für ein Genre, das in der SCREAM-Ironiesoße erstickt und den Energiestoß der SAW-Filme noch nicht erfahren hat.
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Zensur

 
 
 
GINGER SNAPS hatte es nicht schwer in Deutschland. Während der erste Teil direkt auf DVD erschien und frei ab 18 Jahren war, waren die Teile zwei und drei mit einer FSK16 bereits bei ihrer DVD-Auswertung für Jugendliche geeignete. Etwas hat sich aber im HD-Zeitalter geändert. Die Teile zwei und drei besitzen weiterhin eine Jugendfreigabe und sind frei ab 16 Jahren. Der erste Teil wurde neu geprüft und ist ab sofort auch schon für ein jugendliches Publikum geeignet. Alle deutschen Veröffentlichungen der Filme sind somit ungeschnitten und ab sofort auch FSK16.
 
 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
ginger-snaps-trilogie-bluray-mediabook

(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im limitierten Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

ginger-snaps-trilogie-bluray-keepcase

(c) NSM Records (Triologie auf 3 Blu-rays im KeepCase)

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(c) NSM Records (Lederbuch-Schuber mit allen 3 Filmen im Mediabook – auf 666 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Ginger Snaps | Ginger Snaps: Unleashed | Ginger Snaps Back: The Beginning; Kanada 2000 – 2004

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: insgesamt 297 Minuten

FSK: Mediabook | Leatherbook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | Leatherbook | KeepCase

Extras: Making of, Filmographies, Deleted scenes, Behind the scenes, Booklet, Documentations, Trailer, Audio commentary, Photo gallery, Storyboards

Veröffentlichung: Mediabook: 22.11.2019 | Leather-Book: 29.03.2019 | KeepCase: 25.09.2020

 
 

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Ginger Snaps Trilogy [3 Blu-rays] im Mediabook ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Ginger Snaps Trilogy [3 Mediabooks] im Lederbook-Schuber ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

GINGER SNAPS TRILOGIE – Trailer

 
 




 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Bad Moon (1996)
 
Verflucht (2004)
 
Die Zeit der Wölfe (1984)
 
Raw (2016)
 
Late Phases (2014)
 

Filmkritik: „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ (2018)

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MARLA – SEX MIT IHR IST TÖDLICH

(MARLA MAE)

Story

 
 
 

Im Horrorfilm „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ ist der Titel wörtlich zu nehmen, denn nachdem sich Marla eine Spirale einsetzen hat lassen, funktioniert ihr Geschlechtsteil irgendwie anders, als man denken würde.

 
 
 


 
 
 

MARLA – Kritik

 
 
 
Gleich vorweg darf verraten werden, dass man es bei „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ mit einem stinklangweiligen Möchtegern-Horrorfilm zu tun hat, der nahezu nichts zu bieten hat. Deshalb gibt es die interessanteste Information auch gleich am Anfang. Einer der Darsteller (Jason Stange) war ein gesuchter Bankräuber, der dann am Set vom Film festgenommen wurde. Damals lief das noch unter dem Titel „Marla Mae“ und die Meldung ist auch bereits von 2015, was dann vielleicht auch erklärt, dass es bis zur Veröffentlichung doch ganz schön lange gedauert hat. Nun muss man sicher ganz schön doof sein, um sich als gesuchter Verbrecher als Schauspieler zu versuchen, aber ebenso doof muss man sein, um für „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ Geld auszugeben.
 
 
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Marla will sich eine Spirale einsetzen lassen, um ein unbeschwertes Sexleben genießen zu können, aber die Kosten sind ihr ein Dorn im Auge. Zum Glück gibt es da einen alten Jugendfreund, der Gynäkologe geworden ist und Marla als eine Art Freundschaftsdienst eine kostenlose Behandlung anbietet. Dummerweise geht gleich der erste Geschlechtsverkehr danach schief und schon wird Marla von der Polizei verfolgt. Was sich anfangs wie eine Mischung aus Bodyhorror a la Cronenberg und „Bad Biology“ von Henenlotter anhört, entpuppt sich rein storytechnisch als reine Schlaftablette. Man hat wirklich kaum etwas aus der Handlung gemacht. Hinterher spürt man förmlich den Versuch, dass der Zuschauer sich doch bitte für die Auflösung interessieren solle, doch bis dahin hat man sowieso jegliche Neugierde verloren. Und selbst wenn die Auflösung sich dann möglichst interpretationsfreudig gibt, so ist die Aufbereitung dennoch unter aller Sau. Jede kleine Mini-Geschichte bei „X-Factor“ wurde aufregender geschrieben.
 
 
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Die treibende Kraft hinter „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ war Lisa van Dam-Bates, die nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern auch für die Effekte verantwortlich war und die Hauptrolle übernahm. Ziemlich viele Aufgaben, wenn man sich überlegt, dass dies ein Regiedebüt darstellt. Von Talent ist jedoch weit und breit keine Spur. Weder kann Lisa van Dam-Bates aus inszenatorischer Sicht überzeugen, noch als Hauptdarstellerin. Ihre Leistung ist mit einem zugekniffenen Auge noch okay, mehr aber auf keinen Fall. Etwas anderes lässt sich von der restlichen, recht überschaubaren Anzahl an Schauspielern leider ebenfalls nicht behaupten. Hinzu gesellt sich eine völlig hölzerne, absolut null glaubwürdige Figurenzeichnung, die langweiliger nicht hätte ausfallen können. Die Charaktere sind überhaupt nicht interessant und selbst wenn man sich die deutsche Synchronisation sogar anhören kann, macht es keinerlei Spaß den lustlosen Dialogen zuzuhören.
 
 
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Wenn doch wenigstens ab und zu mal etwas los wäre, doch „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ ist gnadenlos langweilig. Nach knapp einer halben Stunde geht es endlich mal etwas zur Sache, aber bis auf einen relativ schlecht gemachten Splattereffekt ist da trotzdem nicht viel los. Danach versucht man wohl so etwas wie Spannung aufzubauen, was jedoch gänzlich misslingt. Weiterhin dümpelt das Geschehen bis zum unspektakulären Finale ohne jegliche Highlights vor sich hin. Die wenigen Effekte sind nicht weiter der Rede wert, stammen zwar immerhin von Hand, sehen aber nicht gut aus und wirklich brutal ist der Film sowieso nicht. Wer beim Filmtitel auf reichlich Sex hofft, darf sich ebenfalls enttäuscht vorfinden. Aus handwerklicher Sicht ist das ja noch ganz okay gestaltet, nur versagen alleine die langweiligen Schauplätze völlig. Schaut man sich Filme an, möchte man wohl gerne Schauwerte geboten bekommen. In „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ sieht alles gänzlich langweilig und öde aus. So ziehen sich die 90 Minuten Laufzeit spätestens ab der zweiten Hälfte wie Kaugummi dahin und dass der Score sich immerhin anhören lässt, ändert daran auch nichts mehr.
 
 
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MARLA – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
„Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ ist eine einzige Enttäuschung, die es nicht lohnt gesichtet zu werden. Das Übel fängt bei einer miserabel geschriebenen Story an, die niemals Interesse weckt und am Ende trotz manch einem Fragezeichen weiterhin gänzlich lustlos bleibt. Die Darsteller agieren nicht gut, die Inszenierung ist zwar zweckdienlich, aber die Bilder sind allesamt erschreckend öde und eine Atmosphäre kommt erst gar nicht auf. Mit Horror hat das jedenfalls nichts zu tun. Effekte gibt es kaum zu sehen, Gewalt und Sex ebenso nicht und da braucht man sich nicht zu wundern, dass der Unterhaltungswert Richtung null tendiert. Nur weil das handwerklich zeitweise passabel gemacht wurde und der Score noch okay klingt, lässt sich noch eine Rechtfertigung finden dem Ganzen zwei Punkte zu geben. Wer sich jedoch nicht zu Tode langweilen möchte, lässt besser die Finger von „Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ – Sonst hat der Filmtitel am Ende in gewisser Weise doch noch recht!
 
 
 


 
 
 

MARLA – Zensur

 
 
 
„Marla – Sex mit ihr ist tödlich“ erhielt von der FSK eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Sammler ungekürzter Filme können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

MARLA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies / daredo (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Marla Mae; USA 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 92 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Original Trailer, Trailershow

Veröffentlichung: KeepCase: 31.07.2020

 
 

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MARLA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei White Pearl Movies / daredo)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Bad Biology (2008)
 
Rabid – Der brüllende Tod (1977)
 
Parasiten-Mörder (1975)
 

Filmkritik: „Sea Fever“ (2019)

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SEA FEVER

Story

 
 
 

Während einer Fischereiexpedition machen Wissenschaftlicher Bekanntschaft mit einem tödlichen Parasiten.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Kritik

 
 
 
Es gibt immer noch Welten auf diesem Planeten, die von der Menschheit weitestgehend unerkundet geblieben sind. Eine dieser nennt sich Tiefsee und beherbergt Individuen, die so grotesk aussehen, dass man meinen könnte, sie wären aus einem Horrorfilm entsprungen. Was fantastisch anmutet, ist natürlich für die Filmindustrie immer wieder Grund genug daraus irgendwelche Schocker zu basteln. Da dringen nach Millionen von Jahren plötzlich Kreaturen vom Meeresboden an die Oberfläche, die nur ein Ziel kennen: ahnungslose Fischer, Taucher oder Badegäste zu terrorisieren. Offenbar auch Traumfilmstoff für Regisseurin NEASA HARDIMAN. Die hat in der Vergangenheit eher an Episoden für TV-Serien gearbeitet und liefert mit SEA FEVER ihr Langfilmregiedebüt ab.
 
 
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Darin ließ sich die Filmemacherin als bekennender Sci-Fi-Horror und Psychothriller-Fan von Streifen wie ARRIVAL, AUSLÖSCHUNG und THE THING inspirieren. Aber auch die aktuelle Klimakrise hatte maßgeblich Einfluss beim Entstehungsprozess des Drehbuchs. Letzteres wurde von Hardiman in Eigenregie verfasst, in welchem sie dem Thema Verantwortung auf den Grund geht. So erklärte die Regisseurin in Interviews, dass wir Menschen zwar nicht viel über den tiefen Ozean wissen, aber durch unser umweltfeindliches Handeln prägenden Einfluss auf die riesigen Ökosysteme unter Wasser haben. Zudem wirft sie in SEA FEVER die Frage in den Raum, inwieweit wir Verantwortung für uns selbst und für andere übernehmen müssen. Themen, die komplex erscheinen, aber nicht unbedingt tiefgründig erforscht werden. SEA FEVER ist mehr Horrorfilm als kritisches Unterfangen. Das muss aber nichts Schlechtes bedeuten.
 
 
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SEA FEVER erzählt die Geschichte der schüchternen Studentin Siobhan. Die landet im Rahmen ihres Meeresbiologiestudiums auf einem irischen Hochseefischereischiff, das hinaus aufs Meer fahren möchte, um dort einige wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu können. Doch diese Seefahrt verläuft nicht nach Plan. Die Crew ignoriert Warnungen der Küstenwache und ändert den Kurs. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Ein riesiger und nicht identifizierbarer Tintenfisch heftet sich an den Rumpf des Schiffes. Was jedoch anfangs als Sensation gefeiert wird, schlägt bald in pure Angst um. Das Wasserwesen meint, in dem Schiff tierische Beute gefunden zu haben und stößt blauen Schleim aus seinen Tentakeln aus. Darin enthalten: tödliche Parasiten, die die Crew-Mitglieder infizieren. Da stellt sich verständlicherweise Panik ein, denn niemand weiß, wie man sich vor dem mikroskopisch kleinen Killer schützen kann. Doch Studentin Siobhan hat einen Plan. Die kombiniert richtig und beweist Köpfchen. Was für ein Glücksfang.
 
 
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CABIN FEVER auf dem Meer. So ähnlich lässt sich SEA FEVER mit knappen Worten beschreiben, der ebenso von der Prämisse Gebrauch macht, dass eine mysteriöse Krankheit Menschen befällt und diese anschließend tötet. Statt tödlicher Viren werden hier jedoch kurzerhand kleine Larven für ein Massensterben verantwortlich gemacht. Minimale Unterschiede, die aber das gleiche Ziel haben: den Zuschauer mit ekligen Spezialeffekten bei Laune zu halten. Da explodieren schon mal Augäpfel. Zartbesaitet schüttelt es da verständlicherweise nicht unbegründet. Doch SEA FEVER hat mehr zu bieten als handgemachte Manschereien. Der Streifen macht sich Themen wie Klaustrophobie und Paranoia zu Eigen. Kaum mit der Gefahr konfrontiert, wird das Wasserfahrzeug zum Gefängnis. Umgeben von Wasser kann niemand entkommen, was sich natürlich auch auf die Stimmung des Films auswirkt. Da entsteht plötzlich Panik unter den Anwesenden, zumal bald niemand mehr weiß, wer als Wirt dient und den tödlichem Eindringling überträgt. Wem kann man vertrauen? Wer trägt den Erreger in sich? Und wer bringt anderen den Tod? Fragen, die vertraut klingen und Tempo in den anfangs gemächlich erzählten Film bringen.
 
 
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SEA FEVER verfügt nämlich über ein ähnliches Handlungskonzept, das sich bereits JOHN CARPENTER mit seinem DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT zunutze machte. Dort konnte eine außerirdische Lebensform jede Gestalt von Lebewesen annehmen, was dazu führte, dass Antarktis-Forscher bald nicht mehr wussten, wer von den Kumpels menschlich ist und wer imitiert. So wurden aus Freunden Feinde, was natürlich die Spannung unter den Protagonisten ankurbelte und für psychologischen Horror sorgte. Letzterer ebnet sich auch in SEA FEVER den Weg zum Ziel. Da kippt in der Halbzeit die Stimmung. Aus Neugierde und Forscherdrang wird Ausweglosigkeit und Chaos. Rezepturen, die dem Spannungsaufbau förderlich sind. Kaum ist der erste infiziert, wird eine wissenschaftliche Expedition zum Überlebenstrip. Das bannt vor dem TV-Gerät und der Herzschlag wird schneller. Für einen Horrorfilm unabdinglich.
 
 
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Unterm Strich ist SEA FEVER ein standardisierter Horrorthriller, den sich Fans von Körper-Horror schon mal ansehen können. Die Darsteller sind gut gewählt, in technischer Hinsicht macht der Streifen eine hervorragende Figur und auch die Atmosphäre stimmt. In puncto Originalität gewinnt SEA FEVER aber keinen Filmpreis. Spätestens hier kann Regisseurin NEASA HARDIMAN die TV-Herkunft nicht leugnen. Ihr Langfilmdebüt ist kurzweilig – wie die Episode einer Fernsehserie. Blickt man aber hinter die Fassade makelloser Bilder, bleibt ein austauschbares Handlungsgerüst über, auf dem die meisten Horrorfilme aufbauen. Auch SEA FEVER bedient sich dem vertrautem Prinzip moderner Genrefilme. Darin geht es in der Regel ums Erschrecken oder zeigefreudiges Sterben. Letzterem widmet sich SEA FEVER besonders ausgiebig. Wem das bewusst ist, wird trotzdem gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Spannender Körper-Horror, der Filme wie THE ABYSS, CABIN FEVER und THE THING zitiert. SEA FEVER gewinnt keinen Originalitätspreis. Viel Substanz besitzt dieser Streifen nicht. Der Film zieht seinen Reiz aus der Tatsache, dass darin auf eine Weise gestorben wird, die in Zeiten von COVID-19 erschreckender denn je ist. Hier stecken sich Filmfiguren mit einem Parasiten an, der mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, trägt man den Übeltäter aus Unachtsamkeit von Mensch zu Mensch weiter. Unterstrichen wird die unbequeme Thematik mit Hilfe ekliger Spezialeffekte. Regisseurin NEASA HARDIMAN weiß, wie Spannung geht. Ihr gelingt es einfach klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen und Panik entstehen zu lassen. Ein geschickter Schachzug, denn so bekommt der Zuschauer nicht unbedingt davon Wind, dass die Story von SEA FEVER gerade einmal auf einen Bierdeckel passt.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Zensur

 
 
 
SEA FEVER ist keine Gewalt oder Splattergranate. Die Spezialeffekte sind zwar eklig, befinden sich aber im FSK16-Bereich. Daher kann man getrost von einer Jugendfreigabe für diesen Body-Horror ausgehen.
 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dust)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Cabin Fever (2016)
 

Filmkritik: „Die Farbe aus dem All“ (2019)

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DIE FARBE AUS DEM ALL

(THE COLOUR OUT OF SPACE)

Story

 
 
 

Für Familie Gardner wird das idyllische Landleben zum Albtraum, als ein Meteorit in ihrem Garten einschlägt, der sämtliches Leben in näherer Umgebung beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

DIE FARBE AUS DEM ALL – Kritik

 
 
 
Stoffe von H. P. Lovecraft zu verfilmen, wird sicher nie aus der Mode kommen, denn dafür sind seine Geschichten einfach zu gut. „Die Farbe aus dem All“ ist eine seiner Kurzgeschichten, die mittlerweile schon desöfteren verfilmt wurde und mit dem gleichnamigen Film nun eine weitere Umsetzung erfahren darf. Mit Richard Stanley als Regisseur, Nicolas Cage als Hauptdarsteller und Elijah Wood als Produzenten schien dabei nicht viel schiefgehen zu können. Und in der Tat ist hier ein eindrucksvoller Horrorfilm entstanden, bei dem man lange Zeit nicht genau wissen kann, was man denn nun erwarten soll.
 
 
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Familie Gardner hat sich auf eine Farm zurückgezogen, um der Hektik des Lebens etwas zu entkommen. Scheinbar funktioniert das nicht für jedes Familienmitglied, aber alle Sorgen sind sowieso vergessen, als eines Nachts ein Meteorit im Garten der Familie einschlägt. Anfangs halten das alle nur für einen kuriosen Zufall, aber nach für nach ist es nicht mehr von der Hand zu weisen, dass sich in der Gegend etwas verändert. Eine seltsame Farbe dominiert die Landschaft und das Verhalten aller Lebewesen wird auch immer abstrakter. Kennt man die literarische Vorlage, wird man ungefähr wissen, wie die Story verlaufen wird, aber selbst wenn dem so ist, kann man nie genau wissen, in welcher Art und Weise das hier umgesetzt wird. Die Geschichte von Lovecraft ist herrlich simpel, aber gleichzeitig einfach faszinierend und der Film kann davon nur profitieren. Da braucht man keine großen Wendungen oder Innovationen im Drehbuch, sondern kann dem Chaos einfach freien Lauf lassen. Dass man den Aufbau dabei sehr langsam angeht und den Zuschauer nicht zu schnell mit Kuriositäten berieselt, ist dabei nur löblich, denn so baut sich nebenbei auch eine ungemein fesselnde Atmosphäre auf.
 
 
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Der Beginn ist noch locker, harmlos und macht am ehesten Spaß. Horror-Elemente gesellen sich zwar schon bald mit zum Geschehen hinzu, aber zu diesem Zeitpunkt gibt es immer noch genügend lockere Momente, wie z.B. den Einfall mit den Alpakas. Langsam aber sicher spitzt sich die Lage zu und macht die Protagonisten hier immer wahnsinniger, weshalb es auch gar nicht mehr so leicht fällt, den Bezug zu ihnen zu behalten. Mitleid kennt „Die Farbe aus dem All“ mit seinen Charakteren jedenfalls nicht. In der zweiten Hälfte schraubt man immer mehr am Faktor Wahnsinn, bis alles in einem psychedelisch-surrealen Finale gipfelt. Dabei ist der Horror-Anteil echt nicht gering. Manche Szenen wirken albtraumhaft. Und trotzdem gibt es da immer wieder Momente, die absurd wirken und einen fast zum Lachen animieren. Man ist sich am Ende selbst kaum noch sicher, ob das nun eine Komik besitzt oder eben purer Wahnsinn ist. Diese eigenartige Atmosphäre, die neben Science-Fiction-Elementen auch noch leichte Motive vom Body-Horror besitzt, zieht einen auf jeden Fall in ihren Bann und macht dann am Ende doch am ehesten sehr viel Spaß.
 
 
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Das liegt auch am ordentlichen Cast. Seitdem Nicolas Cage in „Mandy“ so überzeugen konnte, scheint seine Tendenz wieder mehr in Richtung „brauchbarer Film“ zu gehen. Er hält sich anfangs enorm zurück, darf in der zweiten Hälfte aber wieder genügend Overacting betreiben. Allerdings ist das hier absolut passend und Cage macht das einfach toll. Joely Richardson ist souverän und Brendan Meyer erfüllt seinen Zweck ebenfalls vollkommen. Elliot Knight besitzt Charisma und Madeleine Arthur hat auch das gewisse Etwas, um in Erinnerung bleiben zu können. Absolut klasse ist es, dass man Tommy Chong zu sehen bekommt und seine Rolle könnte wohl kaum passender sein. Reichlich schade ist nur, dass sich seine Auftritte auf wenige Minuten begrenzen. Insgesamt sind die Schauspieler aber auf jeden Fall gut bis sehr gut und die Figurenzeichnung erfüllt ihren Zweck. Sie ist später sowieso nicht mehr von Belang, weil dann ganz andere Dinge zählen.
 
 
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Dazu gehört natürlich die visuelle Umsetzung. Die Farbe, die an eine Mischung aus Pink, Violett und Purpur erinnert, ist stets präsent, meistens jedoch überraschend subtil. Wenn man auf Kleinigkeiten achtet, sieht man sie jedoch stetig. Geht es dann brachialer zur Sache erstrahlt nahezu der gesamte Bildschirm in dieser Farbe und da wurden schon ein paar Schauwerte erschaffen, die begeistern können. Regisseur Richard Stanley, der einst als Horror-Hoffnung galt, hat mit „Die Farbe aus dem All“ seit über 20 Jahren zum ersten Mal wieder einen Film inszeniert. Er zeigt hier aber eindrucksvoll, dass er seinen Beruf keineswegs verlernt hat. Lobenswert sind in diesem Punkt auch die Effekte, die überwiegend kaum künstlich aussehen. Bei einem Budget von angeblich 12 Millionen Dollar ist das keine Selbstverständlichkeit. Manches stammt aus dem Computer, aber vieles wurde auch von Hand gemacht. Dem Auge wird jedenfalls reichlich geboten und handwerklich ist das stark gemacht.
 
 


 
 
 

DIE FARBE AUS DEM ALL – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Die Farbe aus dem All“ ist ein eigenwilliger Horrorfilm, der zwar von der Story her äußerst simpel bleibt, aber nebenbei dermaßen viele verschiedene Elemente besitzt und so herrlich mysteriös bleibt, dass er mit seinem Szenario einfach fesseln kann. Die Darsteller sind ordentlich, Cage ist voll in seinem Element und an der handwerklichen Umsetzung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Am besten gelungen ist jedoch der Aufbau, weil man den Wahnsinn hier kontinuierlich steigern kann. Da gibt es zwar immer wieder amüsante Momente, doch im Endeffekt ist der Horror nahezu albtraumhaft und phasenweise kommt das Geschehen auch einem Trip gleich. Die Effekte sehen faszinierend aus, nur auf Splatter sollte man sich nicht einstellen. Etwas mehr davon und noch etwas mehr Tommy Chong hätten sicher nicht geschadet, aber auch so bekommt man einen spannenden, sehr kurzweiligen Horrorfilm geboten, der Freude macht und nebenbei noch reichlich eigenwillig daherkommt!
 
 
 


 
 
 

DIE FARBE AUS DEM ALL – Zensur

 
 
 
„Die Farbe aus dem All“ hat einiges an Body-Horror zu bieten. Man bekommt miteinander verschmolzene Körper vor die Linse, wie man sie aus Carpenters „Thge Thing“ sowie dem Remake her kennt. Hierzulande hat es von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren gegeben. „Die Farbe aus dem All“ ist trotz niedriger Freigabe komplett ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DIE FARBE AUS DEM ALL – Deutsche Blu-ray-Veröffentllichungen

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im Keepcase)

Extras:
– Entfallene Szenen (ca. 13 Min.)
– Bildergalerie
– Original Kinotrailer

Die Farbe aus dem All [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 


 

die-farbe-aus-dem-all-2019-special-edition

(c) Koch Films (UHD + 2 Blu-ray im Mediabook – Cover A)

die-farbe-aus-dem-all-2019-mediabook-b

(c) Koch Films (UHD + 2 Blu-ray im Mediabook – Cover B)

Extras:
12-seitiges Booklet mit Texten von Christoph Huber und Stefan Jung
Disc 1 Blu-ray Die Farbe aus dem All 4K UHD (HD, ca. 110 Min.):
Entfallene Szenen (ca. 13 Min.)
Bildergalerie
Original Kinotrailer
Disc 2 Die Farbe aus dem All Blu-ray (HD, ca. 110 Min.):
Entfallene Szenen (ca. 13 Min.)
Bildergalerie
Original Kinotrailer
Disc 3 Blu-ray Bonus Blu-ray:
Color out of Space Featurette (ca. 20 Min.)
Weltpremiere in Toronto (ca. 21 Min.)
Interviews mit Cast & Crew (ca. 13 Min.)
Richard Stanley – The Movies that Made me (Trailers from Hell Audiopodcast) (ca. 66 Min.)
„Lost in Landshut“ – Interview mit Richard Stanley (ca. 49 Min.)
„The Colour out of Space“ & „The Garden“ – Kurzfilme von Patrick Müller (ca. 11 Min.)
„Rites of passage“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 10 Min.)
„Incidents of an expanding universe“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 45 Min.)
„Voice of the moon“ – Dokumentation von Richard Stanley (ca. 33 Min.)
„The sea of perdition“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 9 Min.)
 

Die Farbe aus dem All [UHD + 2 Blu-ray im Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Die Farbe aus dem All [UHD + 2 Blu-ray im Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 


 
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(c) Koch Films (UHD + 5 Blu-rays + CD im Digipack)

Extras:
104-seitiger Original Nachdruck des „Amazing Stories“-Magazins, welches die H.P. Lovecraft Geschichte erstmals veröffentlichte
12-seitiges Booklet mit Texten von Christoph Huber und Stefan Jung
Zwei DIN-A1-Kinoplakate
6 Retro-Aushangphotos
Disc 1 Blu-ray Die Farbe aus dem All – Color Out of Space 4K UHD (HD, ca. 110 Min.):
Entfallene Szenen (ca. 13 Min.)
Bildergalerie
Original Kinotrailer
Disc 2 Die Farbe aus dem All – Color Out of Space Blu-ray (HD, ca. 110 Min.):
Entfallene Szenen (ca. 13 Min.)
Bildergalerie
Original Kinotrailer
Disc 3 Blu-ray Bonus Blu-ray:
Color out of Space Featurette (ca. 20 Min.)
Weltpremiere in Toronto (ca. 21 Min.)
Interviews mit Cast & Crew (ca. 13 Min.)
Richard Stanley – The Movies that Made me (Trailers from Hell Audiopodcast) (ca. 66 Min.)
„Lost in Landshut“ – Interview mit Richard Stanley (ca. 49 Min.)
„The Colour out of Space“ & „The Garden“ – Kurzfilme von Patrick Müller (ca. 11 Min.)
„Rites of passage“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 10 Min.)
„Incidents of an expanding universe“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 45 Min.)
„Voice of the moon“ – Dokumentation von Richard Stanley (ca. 33 Min.)
„The sea of perdition“ – Kurzfilm von Richard Stanley (ca. 9 Min.)
Disc 4 Blu-ray Bonusfilm Das Grauen auf Schloss Witley (HD, ca. 80 Min.):
Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Dr. Gerd Naumann
Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3)
Deutsche Titelsequenz
Umfangreiche Bildergalerie
Trailer
Disc 5 Blu-ray Bonusfilm The Curse (1987) (HD, ca. 92 Min.):
Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann & Matthias Künnecke und Christopher Klaese
Originaltrailer
Bildergalerie
Disc 6 Blu-ray Bonusfilm Die Farbe (2010) (HD, ca. 86 Min.):
Teaser (0:41 Min.)
Trailer (1:49 Min.)
Verlorene Szene (3:10 Min.)
Making Of (22:22 Min.)
Effekte und Konzepte (6:36 Min.)
Disc 7 CD Soundtrack CD mit Musik von Colin Stetson (ca. 45 Min.):
Ohne Bonusmaterial
 

Die Farbe aus dem All [Ultimate Edition – UHD + 5 Blu-rays + CD im Digipack] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE FARBE AUS DEM ALL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Harbinger Down – Es gibt kein zurück (2015)
 

Filmkritik: „Antiviral“ (2012)

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ANTIVIRAL

Story

 
 
 
Syd March ist Mitarbeiter der Lucas Clinic, die die infizierten Zellen von Promis an ihre Fans verkauft. Als er eines Tages die Vorschriften ignoriert, wird er bald Teil eines tödlichen Geheimnisses.

 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Kritik

 
 
Da ich nach kultig-einmaligen und sehenswerten Glanzstücken wie „Videodrome“ und gerade „The Brood“, gepackt mit furchterregendem Body-Horror und beißender Gesellschaftskritik, definitiv zum David Cronenberg-Fan geworden bin, war ich mehr als nur neugierig zu erfahren, was Sohnemann Brandon wohl in seinem Debüt gezaubert hat, dessen Prämisse und Setting bereits an die Regiewurzeln anmahnen: Krankheiten und ihre Viren stehen im Fokus, Fetischisierung und Ikonisierung von Stars werden auf ein galliges Maximum getrieben. Zusammen mit einer steril-durchstilisierten Umgebung und einem tragendem Hauptdarsteller also alles nicht fernab von einer Black Mirror-Folge – bis auf die Laufzeit.
 
 
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Und somit ist mein Gesamteindruck auch leider schon recht präzise wiedergegeben – gerade für ein Debüt hat Cronenberg hier einen optisch sehr versierten Film geschaffen, dessen Setdesigns Spaß machen und Cast nahezu durchgängig überzeugen kann – doch statt sich 100 Minuten lang selber zu beobachten und die in Reihung dann leider doch zu ähnlichen Bilder mit langsamen Pace durch zu exerzieren, wäre es vielleicht weiser gewesen, wahlweise sympathische Charaktere, oder zumindest Kurzweil durch Genreeinlagen zu verwenden – so aber ist „Antiviral“ genauso kalt und leer wie seine Optik und das kann man als Stilvollendung auf Metaebene und Vorhalten des Zuschauers begreifen, aber vielleicht auch eher als Script, das eine gute Kernidee hat, diese aber nicht ausarbeiten weiß.
 
 
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David Cronenberg hat oft von Außenseitern erzählt, von Exzentrikern und Ausgestoßenen, noch öfter aber von solchen, die es wurden – diese menschliche Seite fehlt dem unangenehm und grandios von Caleb Landry Jones gespieltem Hauptdarsteller aber leider, und auch sonst bleiben die Charaktere oftmals funktional, für das Script clever oder ominös oder für die Szene interessant genug, im Kopf bleiben oder für weitere Mysterien sorgen tun sie aber nicht. Allgemein werden die reizvolle Prämisse und das Worldbuilding fast nur auf die Lucas Klinik und wenige weitere Orte angewendet, von einer größeren, lebendigen Welt mit Eigenmechanik fehlt leider jede Spur – ein weiterer Kritikpunkt, der bei einem Einstünder nicht weiter auffiel, auf 100 Minuten gestreckt jedoch leider schon.
 
 
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Body-Horror-Effekte, gorige Einlagen oder furchterregende Momente sind bei einem solchen Setting und stetiger Anwesenheit von Patienten natürlich naheliegend, doch auch hier sollte man den Vornamen und nicht nur „Cronenberg“ lesen, da die genannten Einlagen zwar funktionieren, eine Wirkung erzielen und auch ordentlich getrickst sind, die Gewalt oder Ideen derer nur leider nicht nahe gehen oder wirklich verstören, da, erneut, die Charaktere bzw. Umstände nicht fesselnd genug, menschlich genug, nachvollziehbar genug geschrieben sind, um wirklich zu kümmern. Es bleibt ein sehr ambitionierter Film mit einer hervorragenden Grundidee, gelungener Regie und einer starken Hauptperformance, der nur leider nie das volle Potential seiner Ideen herauskitzeln kann und optisch auf höchstem Niveau gepflegt begeistert, einlullt, langweilt. Definitiv einmalig sehenswert und interessant, aber keine Großtat für das Genre sozialkritischen Bodyhorrors.
 
 
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ANTIVIRAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Antiviral“ schafft es bestens, eine spannende Prämisse aufzubauen und in seine Welt zu ziehen, inszeniert Gräueltaten und Ungeheuerliches routiniert als Alltag und hat sehenswerte Elemente in sich, als Gesamtwerk aber leider zu leer, aufgeblasen und kalt für meinen Geschmack.
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Zensur

 
 
 
„Antiviral“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Form erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt. Body-Horror-Fans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Antiviral; Kanada 2012

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 107 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 19.10.2018

 

Antiviral [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
eXistenZ (1999)
 
Replace (2017)
 

Filmkritik: „Der Killer in mir“ (2019)

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DER KILLER IN MIR

(DANIEL ISN’T REAL)

Story

 
 
 

Luke besitzt einen imaginären Freund, der ihm bald das Leben zur Hölle macht.

 
 
 


 
 
 

DER KILLER IN MIR – Kritik

 
 
 
Egal, was ELIJAH WOODS anpackt, es hat nicht nur Hand und Fuß – es wird auch zum Hit. Der Schauspieler startete seine Karriere mit einer Mini-Rolle in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2 und war danach in Hollywood-Filmen wie THE FACULTY oder DEEP IMPACT zu sehen. Der ganz große Durchbruch kam dann als Frodo Beutlin in der Kinofilmreihe DER HERR DER RINGE. Mittlerweile tritt Wood auch als Produzent in Erscheinung. Neben einer eigenen Plattenfirma gründete das Multitalent 2010 eine eigene Produktionsfirma namens SPECTREVISION. Die stellt seither fleißig Horrorfilme her. Bisher ging daraus brauchbares Material hervor. Darunter Genre-Werke wie THE GREASY STRANGLER, MANDY, COOTIES und THE BOY.
 
 
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Auch der ungewöhnliche DER KILLER IN MIR (Originaltitel: DANIEL ISN’T REAL) stammt aus genannte Produktionsschmiede und erzählt die Geschichte des kleinen Lukes, der einen imaginären Freund namens Daniel besitzt. Der hilft dem Jungen über so manchen Schmerz hinweg, hat aber eine dunkle Seite. Daniel ist das personifizierte Böse und hat nur ein Ziel: Chaos anrichten. Ein wesentlicher Grund, warum Luke den mysteriösen Freund in das Puppenhaus der Großmutter verbannen muss. Jahre später ist aus Luke ein attraktiver Mann geworden. Der steht unter Unistress und muss sich auch noch um den Geisteszustand der Mutter sorgen. Da juckt es den Studenten in den Fingern. Er greift zum Schlüssel des Puppenhauses und befreit den Freund aus Kindertagen. Letzterer ist zugleich zur Stelle und steht dem desorientierten Luke zur Seite. Eine Erleichterung, die aber bald desaströse Ausmaßnahme annimmt. Der imaginäre Daniel ist nämlich der Teufel persönlich und tut alles daran Unheil anzurichten. Statt an schlechten Tagen Halt zu geben, will Daniel das Leben seines Freundes für sich beanspruchen. Leider lässt sich das Böse diesmal nicht so einfach zurück in ein Puppenhaus verbannen. Da ist guter Rat teuer, denn Luke wird sein überflüssiges Anhängsel nicht wieder los.
 
 
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Psychologischer Schauer trifft auf unangenehmen Body-Horror. DER KILLER IN MIR ist der außergewöhnlichste Horrorstreifen des Jahres 2019. Statt Horror-Klischees lustlos abzuarbeiten, zelebriert Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER unangenehmen Kopf-Horror, der den Zuschauer mit auf eine Reise in menschliche Abgründe nimmt. Der imaginäre Daniel wird hier als dämonengleicher Parasit beschrieben, der sich in den Kopf seines Opfers einnistet, um dort die Welt seines Wirts aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat dieser erst einmal Vertrauen gewonnen, ist der Rest für den Bösewicht ein Kinderspiel. ADAM EGYPT MORTIMER weiß, wie er polarisieren muss, um das Publikum zu schocken. Das ist ihm bereits einmal mit dem brutalen Horrorthriller SOME KIND OF HATE gelungen. Der setzte vermehrt auf blutige Schauwerte. Die geraten im neuen Werk in den Hintergrund. Statt möglichst blutige Gewalt zu zelebrieren, geht es der Filmemacher diesmal psychologischer an und lässt dabei den Zuschauer lang im Unklaren, was der imaginäre Freund nun eigentlich will. Sind hier dämonische Kräfte im Spiel, die von einer unschuldigen Seele Besitz ergreifen? Oder handelt es sich bei Daniel nur um eine der vielen Persönlichkeiten im Kopf eines schizophrenen Mannes? Die Antwort darauf lässt auf sich warten, wobei ADAM EGYPT MORTIMER am Ende mit gelungenen Spezialeffekten die Katze aus dem Sack lässt.
 
 
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Da bekommt der Zuschauer plötzlich surreale Body-Horror-Szenen zu sehen. Darin werden aus einem Körper auf einmal zwei, denn Daniel möchte nicht mehr ein nicht-körperlicher Führer zu sein. Er beginnt die Kontrolle über Lukes Körper zu übernehmen und schafft es sogar sich vom Fleisch seines Opfers zu lösen. Das ist tricktechnisch gut umgesetzt und erinnert an Körpertransformationen aus Filmen wie NIGHTMARE ON ELM STREET 5 oder dem Remake von THE THING. Als ob das nicht alles grotesk genug ist, macht DER KILLER IN MIR im Finale sogar noch einen Abstecher in die düstere Welt von CLIVE BARKER. Dort muss der Held einen Weg aus seinem eignen Unterbewusstsein finden, in das ihn sein Gegenspieler verbannt hat. Leider ist es da schaurig und gar nicht schön. Assoziationen zur Höhlenwelt aus HELLRAISER sind nicht unbegründet. In einer Art selbstgeschaffener Albtraumwelt muss Luke versuchen, wieder die Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen. Vorbei an entstellten Dämonen und düsteren Gängen. Das ist alles doppeldeutig und metapherreich. Kompliziertes Filmfutter also und vermutlich nicht für jedermann geeignet, der Antworten auf dem Silbertablett serviert haben möchte. Immerhin mangelt es DER KILLER IN MIR nicht an Filmzitaten. Die zumindest dürfte jeder Horrorfilmkenner auf Anhieb erkennen. Wer selbst die nicht versteht, schaut lieber was Leichteres auf NETFLIX.
 
 
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DER KILLER IN MIR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend unkonventioneller Mix aus Psychothriller und Horrorfilm, der tiefgründiger ist, als er auf den ersten Blick scheint. DER KILLER IN MIR basiert auf dem Roman IN THIS WAY I WAS SAVED von BRIAN DELEEUW, der es sich nicht nehmen lassen hat, auch gleich das Drehbuch zur Filmadaption zusammen mit Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER zu verfassen. Das Resultat ist ein surrealer Horrortrip, der nur vor kreativen Ideen strotzt. Da bekommt der Zuschauer endlich mal was Neues zu sehen und nicht den schon wieder lauwarm aufgewärmten Horrornonsens. Keine rastlosen Geister, keine amoklaufenden Massenmörder und auch keine Hobbysadisten mit einer nervigen Leidenschaft fürs Foltern. DER KILLER IN MIR bringt endlich mal wieder was mit Anspruch und Hirn auf die Mattscheibe. Offenbar war das auch im Sinne von Schauspieler ELIJAH WOODS. Der zeichnet für diesen etwas anderen Psycho-Horror mit seiner eigenen Filmfirma SPECTREVISION verantwortlich. Hoffentlich kommt da in Zukunft noch mehr. Schenkt man Gerüchten im Internet Glauben, hat die Produktionsfirma Interesse an den Rechten der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe bekundet, um das Franchise fortführen zu können. Mit Woods als Firmengründer kann da wohl nichts mehr schiefgehen.
 
 
 


 
 
 

DER KILLER IN MIR – Zensur

 
 
 
DER KILLER IN MIR ist – anders wie das Langfilmregiedebüt von ADAM EGYPT MORTIMER – in Sachen Gewalt sehr zurückhaltend. Dafür bekommt man groteske Körpertausch-Szenen zu sehen. Die Körper verschmelzen miteinander oder werden soweit gedenkt, dass der eine in den anderen hineinsteigen kann. Ein paar kurze Gewaltszenen gibt es auch. So bekommt man gleich zu Beginn einen Amoklauf zu sehen. Weiterhin wird ein Psychologe während einer Sitzung mit einem spitzen Gegenstand ermordet. Hierzulande hat DER KILLER IN MIR (Originaltitel: DANIEL ISN’T REAL) ohne Probleme eine FSK16 erhalten. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DER KILLER IN MIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Elite (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Daniel Isn’t Real; USA 2019

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Deutscher Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 20.11.2020

 

Der Killer in mir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DER KILLER IN MIR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder | Samuel Goldwyn Films | Ascot Elite)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Split (2016)

Simon Killer (2012)

Mein Bruder Kain (1992)

Let Her Out (2016)

Seconds Apart (2011)

Enter the Dangerous Mind (2013)

Twisted Sisters (2006)