Filmkritik: „Das Grauen auf Schloss Witley“ (1965)

das-grauen-auf-schloss-witley-1965-poster
 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY

(DIE, MONSTER, DIE!)

Story

 
 
 
Arkham, in England, anstatt, wie üblich Massachusetts. Das Herrenhaus (meinetwegen auch Schloß) der Familie Witley ist bei der Landbevölkerung nicht gerade wohlgelitten. Grausige, übernatürliche Dinge sollen hinter den Mauern vorgehen, der alte Nahum Witley (Boris Karloff, zeitypisch leider im Rollstuhl) mit widernatürlicher Wissenschaft experimentieren. Susan, Nahums Tochter, ist mit dem Amerikanier Stephen liiert. Als der auf Inselbesuch kommt, wird der Alte stinkig, will nicht, dass der Schwiegersohn in spe hier übernachtet. Am liebsten wäre ihm gar ein promptes Ende der Beziehung. Warum? In seinem Gewächshaus erforscht Nahum die Wirkung eines auf seinem Grund niedergegangenen Komenten auf die örtliche Pflanzenwelt. Der gleiche Himmelskörper, der für das Verdorren der gesamten Fauna im Umland verantwortlich ist.

 
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Kritik

 
 
American International Pictures (AIP) nimmt gewohnheitsmäßig keine Gefangenen, wenn’s um’s Verballern äußerst sparsam angesetzter Budgets unter der Maßgabe maximaler Effektivität und Kassenklingelei geht. Da ist’s fast verzeihlich, wenn AIPs hart arbeitende Drehbuchteufel sich beim Adaptieren populärer Horrorliteratur dermaßen viele künstlerische Freiheiten gönnen, dass die Vorlagen zum Schluss gerne mal nur noch an den Namen der Figuren zu erkennen sind. So geschehen auch bei „Das Grauen auf Schloß Witley“. Die Geschichte könnte so auch dem Edgar-Allan-Poe-as-imagined-by-Roger-Corman-Filmzyklus entstammen. Spuk-Gemäuer, Horror-Altstar, langezogener Plot, herausragende Leistungen von Licht, Kamera und Soundtrack, die über das fehlende Produktionsgeld hinwegtäuschen – alles da. Verfilmt wird H.P. Lovecrafts berühmte Geschichte „Die Farbe aus dem All“, etstanden im Jahr 1927. Die Figurennamen sind zusammengebastelt aus denen von Charakteren dieser Story und der ein Jahr später verfassten Geschichte „Das Grauen von Dunwich“, wo die Protagonisten ja die Redneck-Voodoohexer der Familie Wateley (hier zu „Witley“ verknappt) sind.
 
 
das-grauen-auf-schloss-witley-1965-bild-1
 
 
Boris Karloff als verrückter Wissenschaftler, der mit der Strahlung aus einem Kometen Mutationsexperimente an Pflanzen macht, ist auch so eine Sache, die deutlich mehr „AIP“ als HPL“ ruft. Will sagen, so eine eher bodenständige Mad-Scientist-Schote mit strahlenden Helden gegen den greisen Finsterling im Laborkittel entspricht nicht der Arbeitsweise des Schöpfers von außerirdischen Grauensgottheiten wie dem Großen Cthulhu, Shub-Niggurath und des ihnen gewidmeten Subgenres des „Cosmic-Horror“. Nein, das früher häufige, mit der Qualitätssteigerung der Möglichkeiten von Computereffekten inzwischen weniger oft fallende Attribut „unverfilmbar“ trifft auf die Welten H.P. Lovecrafts noch immer zu und lässt seine Fans weiter auf adäquate Adaptionen seiner Geschichten und ihrer Atmosphäre warten. Richard Stanley geht mit „Die Farbe aus dem All“ schonmal in die richtige Richtung, tappt aber in die Falle, Nicolas Cage einen Nicolas-Cage-Film machen zu lassen.
 
 
das-grauen-auf-schloss-witley-1965-bild-3
 
 
„Das Grauen auf Schloß Witley“ sieht – wie erwähnt AIP-typisch – klasse aus. Das liegt auch an Regisseur Daniel Haller, der wirklich bei Dutzenden Filmen – inklusive des kompletten Horrorkataloges – seines „Heimatstudios“ gelernt hat, mit wenig Mitteln große und beeindruckende Optik zu zaubern. Unter anderem findet sich Hallers Set-Design bei 1963 in Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“, einer großen Vincent-Price-Show, deren Plot auch ein bunter Lovecraft-Eintopf ist aber als Poe-Verfilmung vermarktet wird. Großer Cthulhu, steh uns bei, ist das kompliziert! 1969 kehrt er zu Lovecraft zurück und arbeitet als Regisseur am psychedelischen „Voodoo Child„. Hinter diesem sicherlich von einem Jimi-Hendrix-Fan ausgesuchten Filmtitel steckt dann tatsächlich eine fantasievolle, wenn auch nicht sonderlich originalgetreue Adaption von „The Dunwich Horror“.
 
 
das-grauen-auf-schloss-witley-1965-bild-2
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Als frühe Verfilmung der Ideen H.P. Lovecrafts, gebührt „Das Grauen auf Schloss Witley“ ein besonderer Platz in den Annalen des Horror-Genres. Die Gang bei American International Pictures verwurstet gleich mehrere Stories des Meisters aus Providence für das Drehbuch. Das Endergebnis ist okay – wirklich vom Hocker reißt einen der Film leider nicht. Ein Schicksal das er sich mit einem Großteil der HPL-Filme teilt. Boris Karloff ein weiteres Mal als gebrechlichen Senior im Rollstuhl zu sehen, tut im Herzen weh.
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Zensur

 
 
 
„Das Grauen auf Schloss Witley“ lief 1968 in den westdeutschen Kinos und wurde dort in der ungeschnittenen Fassung mit einer Freigabe ab 16 Jahren gezeigt. Die folgenden VHS- und DVD-Veröffentlichungen waren ebenfalls ab 16 und ungeschnitten. Das hat sich auch bei der Blu-ray-Auswertung nicht geändert. Diese ist nach wie vor für Sechzehnjährige geeignet und uncut.
 
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
das-grauen-auf-schloss-witley-1965-mediabook-cover-a

(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover A – limitiert auf 444 Stück)

das-grauen-auf-schloss-witley-1965-mediabook-cover-b

(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover B – limitiert auf 444 Stück)

das-grauen-auf-schloss-witley-1965-mediabook-cover-c

(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover C – limitiert auf 333 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Die, Monster, Die!; Großbritannien | USA 1965

Genre: Horror, Mystery, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 44-seitiges Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen & dem Original Comic zum Film, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Dr. Gerd Naumann, Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), Deutsche Titelsequenz, Umfangreiche Bildergalerie, Trailer, Film zusätzlich auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 14.09.2018

 

Das Grauen auf Schloss Witley [Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Das Grauen auf Schloss Witley [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Das Grauen auf Schloss Witley [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 

wicked-vision-shop

Unterstützt WICKED VISION und kauft DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY im WICKED Shop!

 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Curse (1987)
 
Saat des Bösen (2008)
 
Die Farbe (2010)
 
Die Farbe aus dem All (2019)
 

Filmkritik: „The Jack In The Box – Es lebt“ (2019)

the-jack-in-the-box-2019-poster
 
 
 

THE JACK IN THE BOX – ES LEBT

(THE JACK IN THE BOX)

Story

 
 
 

Spieluhr des Grauens. In einem Spielzeug haust ein boshafter Dämon, der mal wieder der Menschheit nichts Gutes will.

 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Kritik

 
 
 
Es gibt Filmemacher, die wiederholen eigene Erfolgsrezepte wieder und wieder. Da hat man mit einem Film gut Kasse gemacht und flink inszeniert man einen weiteren Streifen nach ähnlichem Aufbau. Der Brite LAWRENCE FOWLER scheint so ein Kandidat zu sein. 2018 mutete er den Zuschauern mit CONJURING OF THE WITCH’S DOLL so einiges zu. Darin wurde von einer lebensgroßen Puppe berichtet, die ein schauriges Eigenleben führte. Das Ergebnis: Puppen-Horror für den Videomarkt auf Amateur-Niveau ohne nennenswerte Höhepunkte, der dazu auch noch stinklangweilig war. Der Filmtrailer und die Bewertung auf IMDB sprechen natürlich Bände. Demzufolge mutet es schon beinahe fahrlässig an, dass der Filmemacher sein ermüdendes Gruselprinzip gleich noch mal für seinen Folgefilm anwendet. THE JACK IN THE BOX nennt sich das Ganze und ist bei genauerer Betrachtung eine Kopie des Vorgängers mit dem Unterschied, dass die Puppe gegen eine Spieldose ausgetauscht wurde. Da fragt man sich berechtigterweise, warum der liebe Herrgott nicht Erbarmen mit allen Horrorfilm-Fans gehabt hat. Doch wir sind zur Stelle und übernehmen die Rolle der Geschmackspolizei zum Schutze aller Genre-Liebhaber.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-1
 
 
Eine mysteriöse Spieluhr bringt nur Unglück. Deshalb landet sie um Zuge einer Haushaltsauflösung in einem Museum, wo neben alter Militärausrüstung auch antikes Spielzeug ausgestellt wird. Für den engagierten Museumsangestellten Casey eine phänomenale Entdeckung. Der ist für das seltene Fundstück gleich Feuer und Flamme und versucht mehr über die Box herauszufinden. Doch wie es im Horrorfilm nun mal so ist, entpuppen sich geheimnisvolle Gegenstände oft als unglücksbringende Grußbotschaften direkt aus der Hölle. Genau von dort kommt jene Spieluhr, um die sich die Geschehnisse in THE JACK IN THE BOX drehen. Im Inneren versteckt sich nämlich ein als Clown getarnter Dämon, der Jagd auf ahnungslose Menschen macht. Der will sich sechs menschliche Seelen krallen und dabei gleichzeitig Chaos stiften. Doch Antiquitäten-Liebhaber Casey kommt den Fiesling auf die Schliche. Der tut alles daran, dem Bösen das Handwerk zu legen und riskiert dabei Kopf und Kragen.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-3
 
 
Passt irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit. Der britische THE JACK IN THE BOX ist einer dieser Filme, der zu Videotheken-Zeiten ganz gut gelaufen wäre. Er erinnert an die günstigen Produktionen aus der Mache von Produzent und Regisseur CHARLES BAND, der sich Ende der 1980er und während der 1990er mit der Herstellung von B-Filmen ein goldenes Näschen verdiente. Davon genießen heute sogar einige Kultstatus. Darunter trashiger Puppen-Spaß wie PUPPET MASTER, DEMONIC TOYS oder GHOULIES, über die heutige Horrorfilm-Fans wohl eher lachen, statt sich davor zu fürchten. Genau dieses Schicksal dürfte auch THE JACK IN THE BOX ereilen, der sich zu ernst nimmt und mit allen Mitteln dagegen sträubt, nicht in die Trash-Schublade gesteckt zu werden. Da wird vehement auf möglichst schaurige Ausleuchtung geachtet, das Schauspiel bewegt sich auf ordentlichem Niveau und auch bei der akustischen Untermalung lässt THE JACK IN THE BOX nicht darauf schließen, dass hier wohl alles zum Spartarif inszeniert werden musste.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-5
 
 
Was THE JACK IN THE BOX aber albern erscheinen lässt und somit zwangsläufig zum Trash-Blödsinn deklariert ist die Tatsache, dass starr dreinschauende Clown-Puppen und Statisten, die sich in Ganzkörper-Monsterkostüme quetschen, im Jahr 2020 nicht mehr gruselig sind. Mit diesen Taschenspielertricks versucht THE JACK IN THE BOX Albträume zu bescheren. Wir sehen, wie die Figur einer Spieluhr ab und an unbemerkt ihren steifen Holzkopf bewegt. Wow, spooky. Nähert sich ein Opfer zu offensiv der Spielbox, krabbelt ein schmächtiger Clown-Dämon aus seinem Versteck und macht mit der Beute kurzen Prozess. Blutig wird es nur selten. Die Kamera blendet schnell weg, wenn es für die Gewaltfraktion endlich mal interessant wird. Spätestens jetzt macht sich das fehlende Budget bemerkbar.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-7
 
 
Regisseur LAWRENCE FOWLER eifert nach. Der war wohl vom Erfolg des Low-Budget-Splatters TERRIFIER so entzückt, dass er schnell selbst Clown-Horror fürs Heimkino geschrieben und inszeniert hat. Zwar ist hier alles wie in den 1980ern Handarbeit, aber wirklich herausragend ist THE JACK IN THE BOX zu keiner Minute. Was gezeigt wird, befindet sich trick- und handlungstechnisch auf ähnlichem Level wie jüngste Puppen-Schnarcher. Darunter zählen Filme mit wohlklingenden Vornamen wie ROBERT oder ANNA genauso wie die Schlaftablette DOLLS – SCHAU HIN ODER STIRB. Alles schnell und lieblos abgedrehte Low-Budget-Gurken, die immer nach ähnlichem Konzept aufgebaut wurden. Da laufen keine Puppen à la CHUCKY durchs Bild. Statt bemerkenswerte Animatronik, liebenswertes Stop-Motion oder gar professionelles CGI einzusetzen, bringt man den Zuschauer mit dilettantischen Effekten zum Gähnen. Da machen es sich Puppen auf Schaukelstühlen gemütlich, um anschließend ihre Pupillen hektisch hin- und her zu bewegen. Oder man sieht Leichen am Boden liegen, neben denen die starrblickenden Spielkameraden bewegungslos sitzen. Mit so belangloser Tricktechnik lockt man selbst Zehnjährige nicht hinterm Ofen hervor. Für Puppen-Horror der im Gedächtnis haften soll, braucht man mittlerweile mehr als nur bunt angemaltes Holz.
 
 
the-jack-in-the-box-2019-bild-4
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Puppen-Horror meets Clown-Terror. Klingt eigentlich nach vielversprechender Genre-Unterhaltung. Ist es aber nicht wirklich. Nach den erfolgreichen Neuverfilmungen von ES und CHILD’S PLAY war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf den Trichter kam, die Rezepturen beider Kassenhits irgendwie in einem Film zu verwursteln. Das Ergebnis ist Low-Budget-Quatsch ohne Überraschungen. Simple Prämisse, simple Ausführung. In einer Spieluhr haust ein Dämon. Die Verläufe sind wenig originell. Ein paar Protagonisten sterben, bis jemand dahinter kommt, dass das Spielzeug für das Sterben verantwortlich ist. Nun gilt es den Übeltäter aufzuhalten. Mit genau gleicher Handlung vertreiben sich gefühlt mehrere zehntausend B-Horror-Schnarcher die Zeit. Weil sich die Spezialeffekte außerdem auf Trash-Niveau bewegen und oftmals unfreiwillig komisch wirken, dürfte THE JACK IN THE BOX zum heiß ersehnten Kandidaten für eine Ausstrahlung auf SchleFaZ werden lassen.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Zensur

 
 
 
THE JACK IN THE BOX hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Kehlenschnitt gibt es zu sehen. Der Rest besteht eher aus Gruselmomenten. Meist blendet die Kamera weg, wenn Gewalt passiert. Daher hat THE JACK IN THE BOX problemlos eine FSK16 erhalten. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Deutsche Blu-ray

 
 
 
jack-in-the-box-bluray

(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jack in the Box; Großbritannien 2019

Genre: Horror | Mystery | Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: Keepcase: 23.10.2020

 

Jack in the Box – ES lebt [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von 4Digital Media | Up A Notch Productions | Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlin
 
Robert – Die Puppe des Teufels (2015)
 
Robert 2 – Die Rückkehr der Teufelspuppe (2016)
 
Amityville – Das Böse stirbt nie (1996)
 

Filmkritik: „The Forgotten“ (2014)

the-forgotten-2014-poster(1)
 
 
 

THE FORGOTTEN

Story

 
 
 

In britischen Sozialwohnungen passieren seltsame Dinge. Dem 14jährigen Tommy bereiten unheimliche Geräusche aus der Nachbarswohnung Angst. Der will in THE FORGOTTEN herausfinden, ob das Gepolter rational erklärbare Ursprünge besitzt oder ob da vielleicht doch höhere Mächte am Werk sind.

 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer düstere Friedhöfe, alte Burgen oder englische Herrenhäuser sein, in denen Kreaturen aus dem Jenseits Unruhe stiften. Auch in den Ghettos britischer Großstädte fühlen sich Geister neuerdings heimisch und treiben Besetzer verlassener Sozialwohnungen in den Wahnsinn. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass Spuk in den meisten Fällen nicht grundlos stattfindet. Meist wollen Geister den Lebenden Botschaften überbringen oder den eigenen verfrühten Tod rächen, der durch die Hand skrupelloser Zeitgenossen herbeigeführt wurde. In den meisten Fällen löst das unerwartete Kettenreaktionen aus. Ob das auch in THE FORGOTTEN der Fall ist? Hinter dem sensibel orchestrierten Gruselstreifen stecken zwei, die zumindest in England nicht unbekannt sind. OLIVER FRAMTON und JAMES HALL zeichneten für Arbeiten an der langjährigen Polizeiserie THE BILL verantwortlich, die zwischen 1984–2010 eine feste Größe im britischen TV war und unter dem Titel DIE WACHE sogar für Deutschland adaptiert wurde. Für die britische Version steuerten die beiden Autoren Geschichten bei, die dann regelmäßig über die Mattscheibe flimmerten. Mit THE FORGOTTEN hat man zusammen an etwas Eigenem gearbeitet – fernab von Trivialität und Massengeschmack. Ein riskanter Versuch, der sich sehen lassen kann. Über einige wenige Logiklücken sieht man da gern hinweg.
 
 
the-fogotten-2014-bild-4
 
 
Teenager Tommy hat es nicht leicht. Seine Eltern leben getrennt und der Junge hat keine Freunde, weshalb er sich zurückzieht und Bilder malt. Als die Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, soll der Jugendliche beim Vater wohnen. Der entpuppt sich als Hausbesetzer und plündert abrissreife Gebäude, um sich mit dem Verkauf von Kupferrohren über Wasser halten zu können. Leider ist der Vormund kein unbeschriebenes Blatt, was den Jungen stutzig macht, weil der Vater eigenartiges Verhalten an den Tag legt. Als der von Zuhältern zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ist Tommy auf sich allein gestellt. Nun ist guter Rat teuer. Im neuen Zuhause scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Seltsames Poltern ist im Apartment nebenan zu hören. Leider wohnt dort schon seit Jahren niemand mehr. Das verursacht natürlich Unbehagen. Doch das Leben schlägt manchmal sonderbare Wege ein. Beim Zeichnen auf einer Parkbank lernt er die geheimnisvolle Carmen kennen. Schnell entsteht zwischen den Jugendlichen eine innige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Zusammen versucht man das Geheimnis der unheimlichen Geräusche zu ergründen, die Tommy Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Leider ist die Auflösung alles andere als erbaulich.
 
 
the-forgotten-2014-bild-2
 
 
Grusel mit Anspruch. THE FORGOTTEN setzt Köpfchen voraus, was aufgrund der hohen Anzahl an trivial gedrehter Spuk- und Geisterfilme der letzten Jahre schon als Glanzleistung betitelt werden kann. Viele davon machen nämlich das Hirn des Zuschauers zu Brei, wenn mit schlechten Geschichten versucht wird, Unterhaltung vorzugaukeln. Im Grunde besteht das Ergebnis dann aber doch nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Der englische Regisseur OLIVER FRAMTON macht da einiges anders. Hinter dem Schauerdebüt von der Insel verbirgt sich nämlich ein berührender und zugleich deprimierend-trauriger Geisterfilm, der vor allem durch hervorragend besetzte Jungdarsteller überzeugen kann. Wie im schwedischen SO FINSTER DIE NACHT entsteht hier eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der 14jährige Tommy (CLEM TIBBER) als Einzelgänger durchs Leben geht und zurückgezogen in einer ganz eigenen Welt lebt, verschanzt sich die unnahbare Carmen (ELARIA JOHNSON aus AFTERDEATH) hinter dicken Mauern und lässt kaum Schwäche zu. Trotz ihrer Gegensätze erkennen die pubertierenden Protagonisten schnell, dass sie mehr Gemeinsamkeiten besitzen als anfangs vermutet. So machen sich die beiden auf, ein Rätsel zu lösen, das den Zuschauer durch seine unbefriedigende und unerwartete Auflösung leider vor dem Kopf stößt, den Zuschauer aber gleichzeitig da packt, wo es weh tut. Kino kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.
 
 
the-forgotten-2014-bild-1
 
 
THE FORGOTTEN ist nichts für Arthouse-Hasser. Dieser Genrestreifen gehört zu jener Gattung Film, die man eigentlich gern im Programmkino sehen würde. Statt plakative Grusel- und Schockeffekte abzuhandeln, waren Drehbuchautor JAMES HALL die Hauptdarsteller wichtig. Demzufolge liegt der Fokus mehr auf Charakterentwicklung und Drama, statt auf Spuk und Erschrecken. Weil es der Film ruhig angeht und so Unheil gemächlich aufgebaut wird, ist THE FORGOTTEN garantiert kein Film für Gegner des langsamen Erzählens. Die sollten besser nach kommerziellem Spukkino Ausschau halten. Der nächste Blödsinn aus Hollywood lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten. Da sind wir uns sicher.
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Authentisch gespieltes Schauerstück vor ungewöhnlicher Gruselkulisse. THE FORGOTTEN beweist, dass es nicht nur in alten Herrenhäusern oder modrigen Kellergewölben spuken kann. Auch in heruntergekommenen Neubaublöcken Großbritanniens finden es Geister gemütlich. Triste Wohnviertel in sozialen Brennpunkten laden ein zu Spuk auf hohem Niveau. THE FORGOTTEN ist keiner dieser konventionell zusammengekleisterten Gruselfilme. Hier nimmt man sich Zeit für Charakter und Emotionen, so dass Spuk und Budenzauber beinahe zu kurz kommen. Ein gute Entscheidung: THE FORGOTTEN berührt – vor allem wegen der Antihelden, die von talentierten Jungdarstellern verkörpert werden. Mehr Drama statt Horror steht auf dem Programm, was den Beitrag aus der Masse hervorstechen lässt. Wer mit dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT was anfangen konnte, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. THE FORGOTTEN ist nämlich mehr oder weniger vom gleichen Kaliber. Ungewöhnlich, ergreifend und sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Zensur

 
 
 
In THE FORGOTTEN gibt es weder Gewalt noch Blut zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Gruseldrama, das eher von seiner unheilvollen Stimmung lebt, als die Geschehnisse in Blut zu ertränken. Weil es doch hin und wieder etwas unheimlich wird, bekommt der Streifen in Deutschland vermutliche eine FSK16. Insofern sich überhaupt ein Label finden lässt, das den Film hierzulande veröffentlichen möchte. THE FORGOTTEN ist nämlich sehr speziell und richtet sich eher an ein Arthaus-erprobtes Publikum. Übrigens: das Filmplakat ist vollkommen irreführend. Hier wird reißerischer Geisterspuk vorgegaukelt. Der Film ist aber ein ganz anderes Kaliber.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Citadel – Wo das Böse wohnt (2012)