Filmkritik: „Becky“ (2019)

becky-2020-poster
 
 
 

BECKY

Story

 
 
 
Die rebellische Becky und ihr verstrittener Vater geraten in das Visier einer Gruppe geflüchteter Häftlinge, als sie eigentlich am idyllischen Seehaus die Wogen der Verhangenheit glätten wollten.

 
 
 


 
 
 

BECKY – Kritik

 
 
Weniger als eine halbe Sekunde ertönt ein lautes, verzerrtes Geräusch, Schnitt und die Teenagerin Becky erzählt der Psychologin und dem Polizisten im lichtüberfluteten Raum, sichtlich verstört, was passiert ist – Flashbacks einer hektischen Flucht durch den Wald, schrille Synthesizer-Sirenen und die Einblendung „Zwei Wochen vorher“ später werden sowohl im Gefängnishof, Dominicks (Kevin James) Revier, einem Neonazi mit dickem Hakenkreuz auf dem Schädel, als auch in der Schule, Beckys Revier, einzelne Leute von einer Gruppe verprügelt. Foreshadowing auf heftigste Gewalteinlagen, die jedoch noch einige Rückblenden zur krebskranken Mutter und überzeugend geschriebene Dialoge zwischen Vater und pubertierender Tochter lange auf sich warten lassen müssen…
 
 
becky-2020-bild-1
 
 
Einerseits habe ich nie mehr als ein paar synchronisierte Schnipsel „King of Queens“ im Fernsehen gesehen, die mir aber nie sonderlich gefallen haben, weshalb ich keine Angst hatte, Kevin James hier nach jahrelanger Prägung nicht mehr in einer anderen Rolle sehen zu können, andererseits aber hat genau diese fehlende Vorerfahrung mit seinem Werk auch dazu geführt, dass ich ihn voll und ganz negativ mit ideenlosen, selbstverliebten Non-Comedies wie Pixels oder Kindsköpfe 2 assoziiert habe. Was genau von seiner Performance als humorloser Neonazi in „Becky“ zu erwarten sein würde, war mir also ein Mysterium und auch wenn James hier nie mit der Wucht eines Patrick Stewarts aus „Green Room“ z.B. agiert, so bin ich froh berichten zu können, dass dieser deutlich weniger ernste Film das – ganz im Gegensatz zum teils grässlich realistischen Nazi vs. Punker-Highlight – auch gar nicht nötig hat.
 
 
becky-2020-bild-2
 
 
Denn „Becky“ ist seine gesamten, schlanken 86 Minuten lang nur auf eines aus und das ist, möglichst gut zu Unterhalten: Der stringente Drei-Akt-Aufbau unterfüttert die Charaktere zu Beginn zwar noch mit wenig genutztem Konfliktpotential und scheint interessiert am Familiendrama, doch innerhalb von Sekunden wird durch gekonnte Match Cuts eine aufeinander zu laufende Montagesequenz gestartet, die sich alsbald mit einem an der Tür klopfendem Neonazi und seinen Mitflüchtlingen entlädt. Gerade die höfliche Fassade beherrscht James hier bestens, doch auch der restliche Cast macht seine Sache überzeugend genug, allen voran die 15-Jährige Hauptdarstellerin Lulu Wilson, deren energische Anti-Haltung ich schnell abkaufen konnte. Es wird unüblich realistisch und geerdet mit ihren Plänen, Ideen und Angriffen umgegangen, die Bösartigkeit oder Erbarmungslosigkeit eines „Agression Scales“ wird dabei nie erreicht, dafür ist dieser stets gut beleuchtete, auf Hochglanz polierte Film aber deutlich expliziter, wenn es dann mal drastisch wird. Die comichafte Überzeichnung des gnadenlos tötenden Teens fokussiert sich dabei bewusst auf die Splatstick-Einlagen selber, so dass der Film an sich nicht zur reinen Farce verkommt. Die hausbesetzenden Gangster gehen zwar auch kaltschnäuzig vor, zu zynische oder ausgewälzte Foltereinlagen sind aber zum Glück nicht zu befürchten.
 
 
becky-2020-bild-3
 
 
Dem rasanten sowie blutigen, dauerhaft kurzweiligen Geschehen streckenweise die Show stehlen tut nun noch der hochmotivierte, treibende, teils experimentell wirkende Electro-Tribal-Soundtrack, der zwischen gezupften Synthesizern und schnaufend-kriegerischen Sounds tänzelt und den Film gelungen nach vorne leitet. Wirklich neu oder allzu kreativ ist nichts davon, viele der Szenen hat man so oder so ähnlich bereits x-mal gesehen und auch Logik oder Charakterverhalten sollte man nicht immer hinterfragen – doch bei einer solch selbstbewussten tongue-in-cheek-Inszenierung können derlei Mängel gerne verziehen werden. Der schwarzhumorigere, wenn auch harmlosere Weihnachtstipp „Better Watch Out“ ist spontan eine Spur besser gespielt und origineller geschrieben, im Vergleich zum sehr ähnlich gelagerten „The Aggression Scale – Der Killer in dir“ hingegen, hat dieser Streifen der „Coonies“-Macher die Nase ein wenig vorne.
 
 
becky-2020-bild-4
 
 
Wer also gerne brachiale, und dadurch aber eben so witzige und kaum ernst zu nehmende, trotzdem schmerzende Gore-Einlagen in seinen Geiselthrillern mag, wer auf kurzweilige und trotzdem spannende Filme steht oder wer einfach mal Kevin James in einer relativ ernsten Rolle sehen will, der sollte bei „Becky“ definitiv die Anlage aufdrehen, das Hirn auf Durchzug stellen und sich an cleveren Katz- und Maus-Spielen erfreuen, bevor aus rhetorischer Kriegsführung blutige Kämpfe mit improvisierten Stichwaffen und realistisch bedrohlichen Hunden werden.
 
 


 
 
 

BECKY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Kein irrsinnig hübscher, grandios geschriebener oder oscarreif gespielter Film, auch keiner mit sonderlich viel Raffinesse – doch wenn ich bei jedem Kill schnauben, aufheulen oder lachen muss und sich in knapp 90 Minuten trotz oft gesehener Prämisse keine Länge auftut, hat ein Film sehr viel sehr richtig gemacht.
 
 


 
 
 

BECKY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Becky“ ist mit dem roten FSK-Flatschen vollkommen ungeschnitten. Das verwundert, da „Becky“ doch schon recht zeigefreudig in Sachen Gewalt ist.
 
 
 


 
 
 

BECKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
becky-bluray

(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becky; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Interviews, Behind the Scenes

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2020

 

Becky [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BECKY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Hostage – Entführt (2005)
 
Better Watch Out (2016)
 
Deadly Home (2015)
 
Deadly Games (1989)
 

Filmkritik: „Blood Quantum“ (2019)

blood-quantum-2020-poster
 
 
 

BLOOD QUANTUM

Story

 
 
 
In „Blood Quantum“ gibt es eine weitere Zombie-Apokalypse zu sehen, nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal Indianer immun gegen das Virus sind.

 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Kritik

 
 
Die Zombiefilm-Varianten hören wirklich nicht auf, aber es ist zur Abwechslung auch mal ganz schön, dass mit „Blood Quantum“ wieder ein ernster Vertreter mit an Bord ist, der teilweise sogar ein wenig auf Romero’s „Night of the living Dead“ Pfaden wandelt. Leider ist das Endresultat dann nur eindeutig zu wenig spannend geraten, um hier eine höhere Wertung zu zücken.
 
 
blood-quantum-2020-bild-2
 
 
In einem Indianer-Reservat in Kanada gehen merkwürdige Dinge vor sich. Tote Tiere fangen plötzlich wieder an zu leben und es dauert nicht lange, da verhalten sich auch die Menschen sehr aggressiv. Ein sechsmonatiger Sprung in die Zukunft zeigt: Die Zombie-Apokalypse ist über die Menschen eingebrochen. Allerdings sind die Indianer gegen diese Krankheit immun und konnten sich so erfolgreich verschanzen. Dort draußen gibt es jedoch weitere Überlebende und jeder Nicht-Indianer, den man hineinlässt, stellt eine potenzielle Gefahr dar. Genau dieses Spiel mit den Rassen erinnert dann auch einigermaßen an „Night of the living Dead“. Dass die Miꞌkmaq immun sind, ist eine interessante Idee, aus der man jedoch viel mehr herausholen hätte können. Die gesellschaftskritischen wie auch sozialkritischen Töne sind nämlich höchstens eine Randnotiz. Ein paar Male bekommt man mit, dass die Story an sich ihren Anspruch besitzt, ansonsten wird aber auch nur ein konventionelles Zombieszenario erzählt und gerade weil es davon schon tausende gab, wäre hier ein wenig mehr Mut zur Andersartigkeit echt nicht verkehrt gewesen.
 
 
blood-quantum-2020-bild-3
 
 
Immerhin ist mit Regisseur Jeff Barnaby ein echter Miꞌkmaq für den Film verantwortlich, was schon mal für Authentizität sorgt. Nebenbei hat er auch für eine indigene Besetzung gesorgt, was an den Darstellernamen wie Michael Greyeyes oder Elle-Maija Tailfeathers auch nicht schwer zu erkennen ist. Dies sorgt ebenfalls für Pluspunkte, denn so kommt das gesamte Szenario doch reichlich glaubwürdig daher. Über die handwerkliche Arbeit kann man sich kaum beklagen. Da gibt es besonders am Anfang und am Ende ein paar wunderschöne Kamerafahrten über die Landschaft, die Kulissen sind abwechslungsreich und der Horror wurde ebenfalls gut in Szene gesetzt. Die Atmosphäre gibt sich meistens ordentlich ernst und wirkt desöfteren auch recht dramatisch, was für eine dichte und bedrohliche Stimmung sorgt. Nur der gelegentliche Anflug von Humor in Form von amüsanten Sprüchen wirkt da etwas fehlplatziert. Über die Darsteller kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Sie müssen keine Höchstleistungen präsentieren, wirken jedoch markant genug, um nicht sofort in Vergessenheit zu geraten, selbst wenn die Figurenzeichnung teilweise etwas zu dünn ist und es nicht verkehrt gewesen wäre die Hauptfiguren noch stärker in den Fokus zu rücken.
 
 
blood-quantum-2020-bild-4
 
 
Am schwächsten ist leider der Unterhaltungswert geraten und das ist für einen Horrorfilm niemals förderlich. Besonders der Anfang macht es dabei echt gut. Hier wird ganz langsam Spannung aufgebaut und wenn der elektronische Score das dezent begleitet, dann entsteht eine schön unheimliche Atmosphäre. Doch dann folgt der Bruch und hier hat man es sich zu leicht gemacht. Plötzlich sind Monate vergangen und die Zombies haben sich schon überall verbreitet. Nun muss man erneut in das Szenario hineinkommen, weshalb es streng genommen zwei Einleitungen gibt und das wäre hier nicht nötig gewesen. Obwohl es von da an immer mal Angriffe der Zombies gibt und die Mischung aus Horror und Drama relativ ausgewogen ist, kommt leider niemals so richtig viel Spannung auf. Dafür besitzt das Treiben dann im Endeffekt doch zu wenig Substanz. Der Gorehound kann sich immerhin noch über eine gute Menge an Splatter erfreuen, der überwiegend auch gut getrickst wurde. Wenigstens stammt hier nahezu alles von Hand und der Härtegrad ist für einen Zombiefilm definitiv ausreichend.
 
 
blood-quantum-2020-bild-1
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Blood Quantum“ schafft es auf jeden Fall dem Zombiefilm eine weitere Facette zu verleihen und mit seinen leicht sozialkritischen Tönen ist er sogar dem großen Romero auf den Fersen, aber im Endeffekt bekommt man dann doch nur wieder eine relativ konventionelle Variante geboten, die sich scheinbar nicht genügend traut völlig anders zu sein. An sich nicht weiter tragisch, da die handwerkliche Arbeit stimmt, die Darsteller etwas taugen und es auch genügend Splatter zu sehen gibt. Schade ist da eigentlich nur, dass der Film niemals so richtig an Tempo gewinnen will, deshalb nicht spannend ist und zu viele Längen besitzt. Für Freunde der ernsteren Zombieunterhaltung ist „Blood Quantum“ aber dennoch eine Sichtung wert, denn gut gemacht, ist er allemal!
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Blood Quantum“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
blood-quantum-2020-bluray-keepcase

(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

blood-quantum-2020-mediabook

(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im limitierten Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Quantum; Kanada 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Making Of, Interviews, Q&A | zusätzlich im Mediabook: Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 24.09.2020 | KeepCase: 24.09.2020

 

Blood Quantum [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Blood Quantum [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BLOOD QUANTUM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
28 Days Later (2002)
 
The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. (2017)
 
Anger of the Dead (2015)
 
The Rezort (2015)
 
Hostile (2017)
 
The Day – Fight. Or Die (2011)