Filmkritik: „Bait“ (2014)

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BAIT

(THE TAKING)

Story

 
 
 
Zwei strebsame Frauen, geraten in die Fänge eines gewissenlosen Kredithais, der mit den Damen ein krankes Spiel treibt. Doch die Freundinnen wissen sich zu wehren.
 
 
 


 
 
 

BAIT – Kritik

 
 
 
Unterschätze nie den Zorn wütender Frauen, denn der kann unberechenbar und tödlich sein. Im Horrorfilm scheint jene Weisheit für männliche Bösewichte auch Jahre nach I SPIT ON YOUR GRAVE und LAST HOUSE ON THE LEFT fremd zu sein, denn oftmals kommt denen die Einsicht zu spät, dass man Frauen weder betrügt, missbraucht oder hintergeht. Auch Regisseur DOMINIC BRUNT beschäftigt sich in seinem Rachethriller BAIT mit blutigem Geschlechterkampf und erzählt von Frauen, denen der Geduldsfaden reißt. Das passiert zur Freude des Zuschauers blutig und detailreich, steckt doch hinter BAIT nicht nur ein Regisseur, der Horrorfilme macht. In Interviews mit der Fachpresse erklärte Macher DOMINIC BRUNT, dass er eine unbeschreibliche Liebe zum Genre hegt. Die kam bereits im Backwood-Slasher INBRED zum Tragen, wo er kurzerhand in die Rolle eines Hinterwäldlers schlüpfte und Teenager abschlachtete. Mittlerweile steht Brunt jedoch nicht mehr nur als Schauspieler vor der Kamera (u.a. in der britischen Erfolgsserie EMMERSDALE). Seit einiger Zeit produziert und dreht er selbst. So stellte er mit dem Zombiestreifen BEFORE DAWN sein Regiedebüt auf die Beine, das von Fans und Presse leider nur durchwachsene Kritiken erntete. Ob BAIT gleiches Schicksal ereilen wird?
 
 
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Ähnlich wie im Erstling BEFORE DAWN erzählt auch Brunts zweiter Spielfilm von Monstern. Die entspringen diesmal jedoch nicht der Welt der Mythen, Märchen und Legenden, sondern sind irdischen Ursprungs. So regiert in einer von Arbeitslosigkeit geplagten englischen Kleinstadt der Terror. Ein schmieriger Kredithai namens Jeremy (unberechenbar widerlich: JONATHAN SLINGER) verbreitet im Ort Angst und Schrecken. Der führt Anwohner hinters Licht und bietet scheinbar lukrative Kredite an, fordert sie jedoch binnen weniger Tage zurück. Wer seine Rechnungen nicht zahlen kann hat ein Problem, denn der bekommt die Faust eines glatzköpfigen Handlangers zu spüren. Auch die Freundinnen Bex (VICTORIA SMURFIT) und Dawn (JOANNE MITCHELL aus WHITE SETTLERS) tappen in die Darlehnfalle. Die träumen von einem eigenen Tee- und Kuchengeschäft, bekommen jedoch kein Geld von der Bank. Kurzum leihen sie sich Geld bei Halsabschneider Jeremy, der bald sein wahres Gesicht zeigt. Er beginnt die Frauen zu terrorisieren, stellt unmenschliche Forderungen und demütigt seine Opfer. Doch die Freundinnen wissen sich zu wehren. Sie locken ihren Peiniger zu sich nach Haus und erteilen dem hinterlistigen Geldgeber eine Lektion.
 
 
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Ein Film mit wahrem Hintergrund: BAIT wurde von kontroversen Artikeln aus der internationalen Presse inspiriert in denen von unseriösen Kreditgeber berichtet wurde, die mit der finanziellen Not ahnungsloser Menschen grausames Schindluder getrieben haben. Doch die bittere Botschaft des Films lässt sich nicht ausschließlich auf ausgewählte Zeitungsberichte übertragen, sondern ist aktueller denn je. In einer Zeit in der Englands Bürger mit den Folgen der Inflation zu kämpfen haben, fällt es Millionen Briten immer schwerer, ihren gewohnten Lebensstandard zu halten. So frisst sich die drastisch gestiegene Inflationsrate und die Anhebung der Mehrwertsteuer besonders in die Einkommen der Geringverdiener. Viele Bürger, die einen Vollzeitjob suchen, finden nur Teilzeitstellen, weil nach schwerer Rezession die Wirtschaftserholung in Großbritannien weitgehend ausgeblieben ist. Zudem werden Haushalte durch hohe Schulden für Hauskauf und Konsum belastet, die sich in den fetten Jahren vor der Krise angesammelt haben. Die Folgen sind fatal, denn Wirtschaftsflaute und Bankenbeben haben einer Nischenbranche die Türen geöffnet, weil Banken keine Kredite mehr gewähren möchten. So bringt das blühende Geschäft mit den Geldproblemen immer neue Anbieter auf dem britischen Markt hervor, die für Darlehn horrende Zinsen fordern – darunter viele schwarze Schafe.
 
 
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THE TAKING – so wir THE BAIT anfangs eigentlich heißen sollte – treibt das Thema Finanzkrise auf die Spitze und taucht die Problematik in sattes Rot. Regisseur DOMINIC BRUNT stößt seine zwei Hauptcharaktere immer weiter in die Verzweiflung und lässt sie in einem unerbittlichen Showdown Amok laufen, der verstörend und brutal zugleich ist. Kompliment gilt dabei Schauspieler JONATHAN SLINGER, der den Bösewicht in Perfektion verkörpert. Der ist zwar anfangs vertrauenserweckend und freundlich, offenbart sich dem Publikum aber schon bald als das Böse in Menschengestalt. BAIT ist eine Geschichte über die Schrecken des modernen Kapitalismus und lässt keinesfalls kalt. Aufgrund der äußerst brutalen Inszenierung richtet sich der Streifen aber dann doch an jene, die mit reißerisch dargestellten Gewaltszenen keine Probleme besitzen. Übrigens: Knet-Splatter gibt es nach dem Abspann zu sehen. Der für seine Claymation-Kurzfilme bekannte LEE HARDCASTLE spinnt den Film durch Einsatz witziger Todesszenen weiter. Fans des kreativen Knet-Künstlers wird das freuen, denn dessen morbider Humor sorgt für einige Lacher.
 
 


 
 
 

BAIT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unangenehm, brutal und verstörend: BAIT ist eine schockierende Geschichte über die Schrecken des modernen Kapitalismus, wie sie brisanter nicht sein könnte. Erneut rückt Regisseur DOMINIC BRUNT unberechenbare Monster in den Mittelpunkt – diesmal sind es jedoch keine Zombies, sondern das personifizierte Böse in Menschengestalt. Aufgrund des zermürbenden und bedrohlichen Erzählstils gehört BAIT zu jenen Filmen, die man nicht nebenbei sieht. Dieser Streifen ist harter Tobak, der sich vor allem an ein Publikum richtet, das mit Gewalt im Kino keine Probleme besitzt. Gerade weil Macher DOMINIC BRUNT Gesellschaftskritik mit harten, zweifelhaften Gewalteskapaden vermischt, liegt BAIT äußerst schwer im Magen. Dennoch meinen wir: sehenswert!
 
 


 
 
 

BAIT – Zensur

 
 
 
In BAIT geht es nicht zimperlich zu. Menschen werden gedemütigt und zusammengeschlagen. Im Finale wird ein Kopf mit einem Waschbecken zertrümmert und Gegenstände in Körper gebohrt. Hierzulande dürfte der Film vermutlich mit einer Freigabe für Erwachsene erscheinen. Da auf sehr grafische Weise Selbstjustiz ausgeübt wird, könnte es aber auch sein, dass BAIT keine Freigabe von der FSK erhalten wird.
 
 


 
 
 

BAIT – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
Evangeline (2013)
 
Girls against Boys (2012)
 
Big Driver (2014)
 
Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)
 

Kritik: „Alléluia – Ein mörderisches Paar“ (2014)

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ALLÉLUIA – EIN MÖRDERISCHES PAAR

Story

 
 
 
Für Gloria (Lola Duenas) hat das Leben nicht viel zu bieten. Sie lebt allein mit ihrer Tochter und hat ein überschaubares soziales Umfeld. Auch in ihrem Arbeitsalltag geschieht wenig, denn Gloria arbeitet im Leichenschauhaus eines Krankenhauses. Ein zaghafter Vorstoß im Online-Dating bringt sie mit dem schicken Weiberheld Michel (Laurent Lucas) zusammen. Die Beiden verbringen eine hitzige Nacht miteinander, doch kurz danach offenbaren sich Michels wahre Intentionen, die über den Liebesakt hinaus und bis in den kriminellen Bereich gehen. Fasziniert vom mysteriösen Mann schließt Gloria sich ihm an und begibt sich als seine Komplizin auf einen steinigen Weg aus Betrug, Besessenheit und einer instabilen Liebesbeziehung.
 
 
 


 
 
 

ALLÉLUIA – Kritik

 
 
 
Im vergangenen Jahr war der Belgier Fabrice du Welz fleißig. Neben „Alléluia“ übernahm er das Steuer des Polizei-Thrillers „Colt 45“, der von dieser beunruhigenden Romanze kaum weiter entfernt sein könnte. Grob basierend auf der wirklichen Geschichte der Lonely Hearts Killers, die in den späten 40ern zwanzig Menschen ermordet haben, erzählt er die Geschichte von zwei stark geschädigten Seelen, die entgegen jeder Wahrscheinlichkeit genau das finden, was sie suchen.
 
 
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Wie auch in normalen, nicht-mörderischen Beziehungen, sind die Dinge für Gloria und Michel nicht ganz so einfach, wie sie zu Beginn scheinen. Mit der Vereinigung der beiden gestörten Menschen zeichnet sich das Rezept für ein unheilbares Desaster ab, unter dem die Opfer des Killer-Paares leiden werden. Der raubeinige, düstere Stil, den du Welz bereits in „Colt 45“ zur Schau stellte, funktioniert in „Alléluia“ noch besser. An Stelle eines flinken, actionlastigen Cop-Thrillers präsentiert er hier einen Blick in zwei Köpfe, in die man lieber nicht gesehen hätte. Als Wurzel für die Gräueltaten seiner Protagonisten beschränkt er sich nicht auf Sadismus oder die morbide Lust am Töten, sondern auf ein kompliziertes und äußerst flüchtiges Verhältnis zwischen Gloria und Michel. Für jeden der beiden erhalten wir einen Blick in eine düstere Vergangenheit, was den Charakteren die nötige Tiefe verleiht, um den Film wirklich interessant zu machen.
 
 
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„Alléluia“ ist ein Film, der so unangenehm und schwer verdaulich ist, wie man es von einem psychologischen und sexuellen Thriller erwarten kann. Die Hauptdarsteller Lola Duenas und Laurent Lucas laufen zu einer Hochform auf und üben trotz der abstoßenden Natur ihrer Charaktere eine gewisse Faszination auf den Zuschauer aus. Mit ihrer Hilfe untersucht Fabrice du Welz die schlimmstmöglichen Konsequenzen, die eine Liebe zwischen zwei Menschen haben kann.
 
 
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ALLÉLUIA – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Fies, schmutzig und beklemmend – NATURAL BORN KILLERS in ernst. „Alléluia“ ist ein schockierender Albtraum aus Sex und Gewalt in dem der Belgier Fabrice du Welz einmal mehr zeigt, was er kann. Mit sicherer Hand führt er seine Schauspieler und strickt einen spannenden, schmutzigen Psycho-Thriller, der den seelischen Abstieg seines Paares in grausamen Details festhält. „Alléluia“ ist ein Geheimtipp für Freunde des unkommerziellen Kinos – sehenswert!
 
 
 


 
 
 

ALLÉLUIA – Zensur

 
 
 
Seine Härte erlangt „Alléluia“ primär über die beklemmende Atmosphäre, die den Film durchweg beherrscht. Trotzdem enthält der Film einige Gewaltspitzen, die allerdings nicht durch übertriebenes Vergießen von Kunstblut wirken. Stattdessen hält Fabrice du Welz die Kamera in seinen Tötungsszenen gnadenlos auf Opfer und Täter, was ihnen einen besonders rohen Charakter verleiht. Eine Freigabe ab 16 hat der Film von der FSK erhalten – ungeschnitten!
 
 
 


 
 
 

ALLÉLUIA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Alléluia; Deutschland / Frankreich 2014

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Kurzfilm, Deleted Scenes

Release-Termin: 16.10.2015

 

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ALLÉLUIA – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei PIERROT LE FOU

 
 
 
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