Filmkritik: „Scare Campaign“ (2016)

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SCARE CAMPAIGN

Story

 
 
 

Dieses Opfer versteht absolut keinen Spaß! Eine TV-Sendung hat sich das Erschrecken von Menschen auf die Fahnen geschrieben. Doch das neueste auserkorene Opfer ist überhaupt nicht zu Scherzen aufgelegt und rastet vollkommen aus.

 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Kritik

 
 
 
Die Gebrüder CAIRNES sind wieder da und versorgen das Horror-Genre mit neuen Ideen. Ehrlich gesagt hat es das auch dringend nötig. Zuletzt waren die Geschwister anno 2012 positiv aufgefallen. Mit ihrem Spielfilmdebüt 100 BLOODY ACRES (kleines Trivia-Bit: einer der am häufigsten illegal heruntergeladenen Filme 2013) lieferten sie den etwas anderen Backwood-Horrorfilm ab und landeten damit auf den üblichen Festivals einen Volltreffer. Seither ist es etwas stiller um die Brüder CAMERON und COLIN CAIRNES geworden. Vermutlich haben sie nur eine kleine Auszeit benötigt, um kreative Gedanken ansammeln zu können. Vier Jahre später kommt nun der neue Geniestreich der beiden Australier, die abermals für Drehbuch sowie Regie verantwortlich zeichnen und mit SCARE CAMPAIGN gleich mal einen Film gemacht haben, den man so mit Sicherheit noch nicht gesehen hat. Statt Horrorfilme und Subgenres wahnwitzig zu persiflieren, wird es diesmal makaber und rabenschwarz. Horror Macabro wird geboten, der zudem ernste Töne anschlägt und nicht davor scheut den Zuschauer an der Nase herumzuführen. SCARE CAMPAIGN ist ein Streifen der definitiv aus der Reihe tanzt. Das wird ein Fest.
 
 
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Im zweiten Film der CAIRNES-Brüder treibt ein TV-Team bitterböse Späße mit nichtsahnenden Menschen. In der Fernsehsendung SCARE CAMPAIGN werden fiktive Gruselszenarien erschaffen, um ahnungslose Menschen zu Tode erschrecken zu können. Leider geht der fünften Staffel der beliebten Reihe so langsam die Luft aus. Die Quoten sinken und die Programmchefin fordert einen neuen Kurs. Eine mysteriöse Webseite soll als Vorbild dienen. Dort werden Menschen nicht nur erschreckt, sondern von maskierten Killern auch gleich vor der Kamera ermordet. Für das Team keine Überlegung wert, weshalb man die bekannte Richtung vorerst beibehält. So soll in einem morschen Sanatorium die nächste Sendung aufgezeichnet werden. Leider verläuft die alles andere als geplant. Das potenzielle Opfer scheint über die inszenierte Geisterbahn alles andere als erfreut zu sein. Es zückt eine Axt und läuft Amok. Ob das Fernsehteam diesen unvorbereiteten Twist im Drehbuch heil überstehen wird?
 
 
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Verstehen Sie Spaß? SCARE CAMPAIGN ist mehr oder weniger die cineastische Horrorversion der versteckten Kamera, die Jahrzehnte auf verschiedenen Kanälen zu sehen war. Aber auch auf dem amerikanischen Sci-Fi-Channel lief vor einigen Jahren mit SCARE TACTICS ein unserem Film hier erstaunlich ähnliches Stück Reality-TV, das wohl auch als Vorlage für den Streifen gedient hat – zumindest lässt der Filmtitel darauf schließen. In Interviews ließen die Macher verlauten, dass sie sich auf der Suche nach neuen Ideen durchs Internet bewegt haben und so auf Youtube-Clips gestoßen sind, wo Unwissenden in Fernsehshows böse Streiche gespielt wurden. Beim Betrachten dieser oftmals morbiden Plagen stellten sich die Brüder die Frage, was wohl passieren würde, wenn sich hereingelegte Opfer an den Beteiligten dieser Sendungen rächen. So war der Plot von SCARE CAMPAIGN geboren, der entgegen der Erwartungen doch ziemlich spaßfrei aufgebaut ist und manche Überraschung bereithält. Horrorfans kommen definitiv auf ihre Kosten.
 
 
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SCARE CAMPAIGN ist nicht irgendein Horrorfilm. Er kann gut und gerne auch als einer der cleversten Horrorthriller der letzten Jahre gewertet werden. Virtuos wird mit unerwarteten Wendungen und Überraschungsmomenten gespielt. Twist folgt auf Twist und gerade dann, wenn man glaubt die Auflösung zu kennen, flimmert eine weitere überraschende Filmwendung über die Kinoleinwand. CAMERON und COLIN CAIRNES funktionieren den Zuschauer selbst zum Streich-Opfer um. Er wird hier nicht nur einmal hinters Licht geführt, sondern auch zum stillen Zeugen gemacht, der dank Überwachungskameras zu sehen bekommt, was eigentlich nicht fürs TV bestimmt ist. So läuft SCARE CAMPAIGN schon bald aus dem Ruder. Aus Unterhaltung wird blutroter Ernst und die Grenzen verschwimmen. Ist das Gezeigte nur Show oder will hier doch jemand über Leichen gehen? Die Antwort haben sich die CAIRNES gut überlegt. SCARE CAMPAIGN glänzt durch intelligenten, gut durchdachten Handlungsaufbau, der gerade wegen seiner Undurchsichtigkeit fesselt. Demzufolge ist jeder selbst schuld, wer das verpasst. Auf Festivals zumindest kam der Film gut an und gewann zu Recht Preise. Demnach dürfte SCARE CAMPAIGN so den gleichen Erfolgsweg einschlagen, wie bereits der Erstling 100 BLOODY ACRES von 2012. Man darf gespannt sein, was die kreativen Geschwister noch an Schrecken fürs Kino fabrizieren werden. SCARE CAMPAIGN zumindest ist ein überraschend fieser Horrorfilm.
 
 
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SCARE CAMPAIGN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Nach 100 BLOODY ACRES schlagen die CAIRNES-Brüder ein weiteres Mal zu und dürften dafür sorgen, dass dem Zuschauer die Kinnlage herunterklappt. Selten hat man in den letzten Jahren einen Horrorfilm gesehen, der den Zuschauer so geschickt hinter das Licht führt wie SCARE CAMPAIGN. Das Wort Twist bekommt hier eine ganz neue Bedeutung und davon gibt es im Film gleich mehrere. Schluss mit dummen Geschichten, die ewig gleiche Handlungsverläufe abspulen. Die Gebrüder CAIRNES waren um Neuerungen bemüht und haben eine simple Idee in makabres Horrorkino umfunktioniert, das gut und gerne noch ein Stündchen hätte länger gehen können. Spannung wird groß geschrieben und ist vor allem deswegen im Dauereinsatz, weil die Geschichte mit falschen Fährten und unerwarteten Wendungen nur so gespickt ist. SCARE CAMPAIGN ist die Slasher-Version der VERSTECKTEN KAMERA oder VERSTEHEN SIE SPASS. Demzufolge sollte man einfach genießen und sich überraschen lassen. Letzteres kann SCARE CAMPAIGN besonders gut.
 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Zensur

 
 
 
Auch wenn die Handlung und die Filmbilder zu SCARE CAMPAIGN ein blutiges Schlachtfest vermuten lassen, ist dem nicht so. Kurze Gewaltmomente gibt es trotzdem zu sehen. Eine Frau wird enthauptet und eine Axt kommt auch zum Einsatz. Zudem werden Körper zerstückelt. Klingt hart, aber die Kamera hält nicht zu detailliert drauf. In Deutschland hat es ohne Probleme einen roten FSK-Flatschen gegeben. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON New Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scare Campaign; Australien 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 26.01.2018

 

Scare Campaign [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SCARE CAMPAIGN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei I-ON New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Prank – Der Streich (2013)

April, April – Tote scherzen nicht (2008)

Filmreview: „100 Bloody Acres“ (2012)

100BloodyAcres
 
 
 

100 BLOODY ACRES

Story

 
 
 
Die beiden Brüder Lindsay (Angus Sampson) und Reggie Morgan (Damon Herriman) haben eine grandiose Geschäftsidee. Sie fahren die Straßen nach tödlich verunglückten Unfallopfern ab und verarbeiten die Reste zu potentem Pflanzendünger. Währenddessen sind die drei Freunde Sophie (Anna McGahan), James (Oliver Ackland) und Wes (Jamie Kristian) auf dem Weg zu einem Musik-Festival. Die fröhliche Sause findet allerdings ein frühes Ende, als das Auto zum Erliegen kommt und der Hinterwäldler Reggie den Städtern Hilfe anbietet. Die finden sich jedoch bald gefesselt und geknebelt im Schuppen Reggies und seiner Brüder wieder und sind so rein gar nicht erfreut darüber, die Bekanntschaft mit einer in der heimischen Werkstatt gebauten Dünger-Verarbeitungsmaschine zu machen …
 
 
 


 
 
 

100 BLOODY ACRES – Kritik

 
 
 
An 100 BLOODY ACRES kann sich der Zuschauer erneut davon überzeugen, dass es doch noch Filme innerhalb des Horror-Genres gibt, die es schaffen, ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Vor nunmehr fast zwei Jahrzehnten brachte WES CRAVEN mit seiner legendären SCREAM-Trilogie (1996-2000) frischen Wind in die angestaubte Horrorfilmwelt und bewies eindrucksvoll, dass Horror nicht immer zwangsläufig ernst sein muss, sondern sich auch gut und gern mal auf die Schippe nehmen darf. Im Zuge der neuen ironischen Slasher-Welle Mitte der 90er Jahre, folgten mit der beliebten SCARY MOVIE Reihe mehr oder weniger gelungene Horror-Parodien, die zuletzt mit GHOST MOVIE ihren kläglichen Höhepunkt fanden. Der vorliegende 100 BLOODY ACRES erweist sich jetzt als Glücksgriff für die Geschwister CAMERON und COLIN CAIRNES, die die Muse fanden, einen herrlich bösartigen Schenkelklopfer zu schaffen. Das fertige Filmdebüt steht groß-budgetierten Produktionen, wie der herrlich abgedrehten Zombie-Komödie SHAUN OF THE DEAD (2004), in nichts nach. Wer sich noch an den kanadischen TUCKER AND DALE VS. EVIL (2010) erinnern kann, dürfte vermutlich vor Freunde im Kreis springen, wenn er liest, dass 100 BLOODY ACRES quasi die australische Antwort auf den selbstironischen Backwood-Slasher ist.
 
Hier heißen die beiden Brüder jedoch nicht Tucker und Dale, sondern Lindsay (ANGUS SAMPSON) und Reggie Morgan (DAMON HERRIMAN), die ein kleines Unternehmen betreiben, das sich auf die Herstellung von Dünger aus menschlichen Überresten spezialisiert hat. Die Geschwister streifen die Landstraßen nach Roadkill ab und werfen ihre Funde wenig später in den Fleischwolf ihrer Werkstatt, der aus den verwesenden Überresten einen durchaus potenten Wundersaft zaubert. Natürlich treffen die beiden Landeier auf drei ziemlich abgedrehte Stadtmenschen und die Rezeptur ihre Geheimzutat droht aufzufliegen, was natürlich verhindert werden muss. Was folgt ist eine wunderbar schwarzhumorige Low-Budget-Komödie, deren Geschichte eigentlich total bescheuert ist, aber den Zuschauer ungemein unterhält.
 
100 BLOODY ACRES funktioniert deshalb so gut, weil es dem Film immer wieder gelingt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers zu jonglieren. An Filme wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) angelehnt, werden hier die Klischees und Stereotypen des berüchtigten Terrorfilms Backwoods-Horror wunderbar auf die Schippe genommen; die Geschichte findet immer wieder ideenreiche Wendungen um die Gegebenheiten kreativ weiterzuspinnen, ohne dabei zu langweilen. Wie bereits in TUCKER AND DALE VS. EVIL finden hier unzählige Einfälle ihren Weg in den Film, die vor allerhand Situationskomik strotzen und unzählige Lacher garantieren. Während die geschäftstüchtigen Geschwister zu Beginn noch als gutmütige Helden deklariert werden, die meinen mit ihrer Arbeit gemeinnützig zu handeln, so wird im Verlauf der Story ein Keil zwischen die Brüder getrieben. Bruder Lindsay, ein bärtiger Koloss, findest bald Gefallen daran auch noch lebende Menschen für seinen Spezialdünger zu opfern, während der zurückhaltende Reggie schnell an der Zurechnungsfähigkeit seines Bruders zweifelt und sich stattdessen von Opfer Sophie (ANNA MCGAHAN) umnebeln lässt. Die ist natürlich mit allen Wassern gewaschen und nicht einmal annähernd so unschuldig, wie sie zu Beginn des Film scheint. CAMERON und COLIN CAIRNES schaffen es innerhalb ihres Films, die Sympathiepunkte neu zu verteilen, so dass sich Reggie am Ende sogar zum Antihelden entwickelt und sich mit Leichtigkeit in die Herzen der Zuschauer spielt. Auch wenn es vermutlich nicht zum neuen Kultfilm reichen wird, ist die Inszenierung über weite Strecken derart abgedreht, dass sich der australischen Comedy-Thriller mit all den unglückliche Todesfällen (die natürlich gar nicht so gewollt waren) immerhin wohlwollend vom pubertären Fakälwitz eines amerikanischen SCARY MOVIE abzuheben versteht. Plumper Fäkalhumor war gestern, in 100 BLOODY ACRES geht es mit viel Wortwitz reichlich intelligent zur Sache, was aber nicht bedeuten soll, dass hier nicht auch der Lebenssaft fließt. Hier wird Over-The-Top-gesplattert, dass das Herz eines jeden Gorehounds schneller zu schlagen beginnt. Trotzdem sollten die diversen „bösen“ Szenen mit einem gewissen Augenzwinkern genossen werden, denn wirklich hart anzusehen sind die natürlich nicht.
 
 
 


 
 
 

100 BLOODY ACRES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wer meint Australier hätten keinen Humor, der hat 100 BLOODY ACRES nocht nicht gesehen. Reichlich rabenschwarzer Schabernack für Freunde selbstironischer Horrorstreifen. 100 BLOODY ACRES steht Horror-Komödien wie SHAUN OF THE DEAD oder TUCKER AND DALE VS. EVIL in nichts nach! Anschauen lohnt!
 
 
 


 
 
 

100 BLOODY ACRES – Zensur

 
 
 
100 BLOODY ACRES ist nicht besonders brutal. Zwar handelt es sich hier um eine Splatter-Komödie; die dargestellten Grausamkeiten sind jedoch derart überspitzt und ironisch dargestellt, dass das natürlich nicht wirklich hart wirkt. Von daher wurde 100 BLOODY ACRES hierzulande frei ab 18 Jahren veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

100 BLOODY ACRES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 100 Bloody Acres; Australien 2012

Genre: Horror, Splatter, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK18 – Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 22.05.2014

 
 
 

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100 BLOODY ACRES – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mega Monster Movie (2009)

A Little Bit Zombie (2012)

Chillerama (2011)

Tucker and Dale vs. Evil (2010)

Scary Movie (2000)

Scary Movie 2 (2001)