Filmkritik: „Stephen Kings Kinder des Zorns“ (2009)

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STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS

(CHILDREN OF THE CORN | KINDER DES ZORNS REMAKE)

Story

 
 
 

Zwei Durchreisende erleben im amerikanischen „Heartland“ – also eigentlich Hinterland – den puren Terror. In einer kleinen Gemeinde umrahmt von Kornfeldern, führen religiös-fanatische Kinder nichts Gutes im Schilde.


 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS – Kritik

 
 
 
Es gibt im Horror-Bereich Filmreihen, die einfach nicht enden wollen. Das nervt und frustriert spätestens am Punkt, wenn eigentlich alles gesagt wurde und trotzdem nach haarsträubenden Handlungsmöglichkeiten gesucht wird, um ein längst zehn Tode gestorbenes Franchise künstlich am Leben zu erhalten. So geschehen mit Filmreihen wie A NIGHTMARE ON ELM STREET, FREITAG DER 13. und aktueller: SAW. Die Startschüsse wurden mit kleinem Kapital gedreht und spielten das mindestens Zehnfache ihrer jeweiligen Herstellungskosten ein. Für profitgeile Filmbosse ein gefundenes Fressen. Die ließen gnadenlos Fortsetzungen am laufenden Band drehen, um mit der Beliebtheit von Bösewichtern wie FREDDY KRUEGER, JASON VORHEES und dem JIGSAW-KILLER möglichst dicken Reibach machen zu können. Leider sind während des Horror-Hypes der 1980er auch Genre-Reihen entstanden, bei denen dem Rezensenten bis heute nicht einleuchten möchte, warum die eigentlich weitergeführt wurden. Zu einer dieser irgendwie einfach nicht enden wollenden Serien gehört KINDER DES ZORNS. Der erste Horror-Bestsellerautor STEPHEN KING selbst dürfte beim Schreiben seiner Kurzgeschichte nie im Leben damit gerechnet haben, welche Kreise er bis heute damit ziehen würde. Kornkreise, Entschuldigung. Seine KINDER DES MAIS wurden im Jahr 1977 erstmals im Hochglanz-Schmuddelmagazin PENTHOUSE abgedruckt und sieben Jahre später verfilmt, weil sich während der 1980er alles verkaufen ließ, was dem Hirn des erfolgreichen Autors und damals Profitrinkers entsprungen war. Leider blieb es nicht nur bei der einen Verfilmung. Aus irgendeinem Grund musste man den in die Videotheken verbannten Sekten-Horror reanimieren und fürs Kino fortsetzen. Dabei entstand mit knapp zehnjähriger Verspätung KINDER DES ZORNS – TÖDLICHE ERNTE, der leider nicht einmal annähernd die Qualitäten des temporeichen Erstlingsfilms erreichen konnte, sondern allein durch Spezialeffekte in Erinnerung blieb. Mittlerweile sind derart absurd viele Fortsetzungen erschienen, dass man sich kaum noch daran erinnern kann, um was es eigentlich überhaupt in jedem dieser Ableger ging. Das sah man wohl auch beim amerikanischen Fernsehsender SYFY so. Im Wahn unnötiger Neuinterpretationen lieb gewonnener Horrorklassiker musste auch Meister Kings KINDER DES ZORNS dran glauben. Der Horrorstreifen von 1984 musste sich einer, naja, Frischzellenkur unterziehen, um ein neues, junges Publikum ansprechen zu können. Leider hat’s nicht für die Leinwand gereicht. Die 2009 gedrehte Neuverfilmung wurde mit einem stolzen Budget von mehreren Millionen US-Dollar ausschließlich fürs Fernsehen gedreht. Hat man das Remake letztendlich gesehen, dürfte man vermutlich ungeduldig wissen wollen, was denn am Ende das meiste Geld verschlungen hat. Was da über die Mattscheibe flimmert wird dem stattlichen Produktionsgeld in keinster Weise gerecht. Manch anderer Indie-Regisseur hätte wohl mit dem gleichen Kapital vier Filme gedreht – bessere versteht sich.
 
 
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Wie in der Kurzgeschichte und der Erstverfilmung von KINDER DES ZORNS geraten zwei Durchreisende ins Visier einer grotesken Sekte dämonischer Kinder. Im Remake sind es Burt (David Anders) and seine Frau Vicky (Kandyse McClure), die nach der Hochzeit schnell merken, dass sie eigentlich doch nicht zusammenpassen. Da ist Streit vorprogrammiert. Auf einer Landstraße überfahren die beiden Streithähne einen kleinen Jungen, der panisch aus dem Maisfeld läuft. Der erste Schock sitzt tief, doch der zweite folgt sogleich. Offenbar starb der Bursche nicht an den Folgen des Unfalls. Irgendjemand muss ihm zuvor die Kehle durchschnitten haben, was bei den Städtern dann doch ein mulmiges Gefühl hervorruft. Die Polizei soll den Sachverhalt genauer prüfen, weshalb man den leblosen Körper im Kofferraum verstaut und in den nächsten Ort fährt. Gatlin heißt das triste Kaff, in dem von Menschen weit und breit nichts zu sehen ist. Alteingesessene Horrorzuschauer wissen, dass dem natürlich nicht so ist. Hier herrscht das Böse, denn von der Außenwelt weitgehend abgeschirmt hausen im Ort religiös fanatisierte Kinder, die eine Natur-Gottheit verehren, die zum Mord anstiftet. Die Erwachsenen wurden bereits vor Jahren mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Dieser nette Brauch wird so auch beibehalten. Wer die Schwelle zur Volljährigkeit betritt, muss geopfert werden. Leider finden das die Gestrandeten alles andere als erfreulich. Die heben mahnend den Zeigefinger und wenden Erziehungsmethoden an, um die Kinder wieder auf den rechten Pfad zu bringen. Sektenprediger Isaac machen sie damit keine Freude. Der ist zwar erst neun, aber mit allen unheiligen Wassern gewaschen.
 
 
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Dass das TV-Remake der KINDER DES ZORNS keine lohnende Neuinterpretation ist, muss wohl Bestsellerautor STEPHEN KING früh erkannt haben. Der sollte eigentlich Teil dieses Reboots werden, lehnte jedoch ab. Geld hat er ohnehin mehrere Kornsilos voll. Produzent, Drehbuchautor und Regisseur DONALD P. BORCHERS (der übrigens auch schon beim Original als Geldgeber fungiert hat) schickte dem erfolgreichen Schriftsteller das Skript zum Film, bekam aber eine klare Abfuhr erteilt. King war nicht interessiert und wollte keineswegs in die Produktion involviert werden. Hat man das Remake gesehen, weiß man auch warum. Sonderlich einfallsreich ist hier nichts. BORCHERS wärmt ausschließlich auf und tauscht bloß Kleinigkeiten aus. Das macht die Angelegenheit nicht gerade interessant für all jene, die das Original und die gefühlten hundert Fortsetzungen gesehen haben. Vielmehr wird sich an bekannte Szenenabläufe gehalten. Das bedeutet: Nichtgläubige müssen gefangen, überwältigt und ausgeschaltet werden – möglichst grausam und brutal. In Deutschland hatten Zensurbehörden nicht immer Spaß daran. Schnitte mussten her, damit auch hiesige Zuschauer das Treiben der zornigen Kinder sehen durften. Etwas, dass der Neuverfilmung erspart bleiben wird, denn in puncto Gewalt wird sich an (deutschen) TV-Standard gehalten. Sprich: sonderlich blutig wird es nicht. Ob die angesprochene Zurückhaltung in Sachen Gewalt Horrorfans zufrieden stimmen kann? Gerade wenn man an die zahlreichen harten Effekte aktueller US-Serienerfolge denkt, zieht das TV-Remake den Kürzeren.
 
 
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Das größte Problem an der recycelten Romanverfilmung ist jedoch nicht dieser nahezu kaum vorhandene Härtegrad. Weitaus größere Magenschmerzen bereitet einem der Mangel an sympathischen Figuren. Die wurden gleich mal aus dem Drehbuch radiert. Die Rolle der von LINDA HAMILTON verkörperten Heldin aus dem Original hat jetzt eine Afroamerikanerin übernommen, die als weinerliches und kaum zu ertragenes Frauenbündel unnötig Konflikte schürt und damit die Nerven des Zuschauers ganz gewaltig überstrapaziert. Gott sei Dank muss der Störenfried einen zeitigen Filmtod sterben und den verhassten Gatten gegen Horden aggressiver Minderjähriger kämpfen lassen, die von einem unscheinbaren Anführer geleitet werden, der mit seinen neun Lenzen Bibelverse abfeuert wie ein Großer. Fatal: der gewählte Kinderdarsteller ist alles andere als furchteinflössend. Erscheint er auf der Mattscheibe schwindet die Glaubwürdigkeit. Vergleicht man den charismatischen Bösewicht aus dem Original mit der unschuldig dreinschauenden Lachnummer der Neuverfilmung liegen dazwischen Welten. Spätestens jetzt hat das Remake verloren.
 
 
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STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Auch wenn sich das TV-Remake zu KINDER DES ZORNS (Originaltitel: CHILDREN OF THE CORN) weitaus näher an der eigentlichen Kurzgeschichte von STEPHEN KING orientiert als alle bisherigen veröffentlichten Filme und Sequels, ist die Neuinterpretation im Fernsehformat (die übrigens für den Sender SYFY produziert wurde) ziemlich überflüssig. Der Film kann seine TV-Herkunft nicht verbergen und schaut trotz einiger atmosphärischer Momente günstig aus – und das, obwohl der Film angeblich zwei bis vier Millionen US-Dollar gekostet haben soll. Bei kaum vorhandenen Spezialeffekten und nicht sonderlich begabten (unbekannten) Schauspielern fragt man sich, wo das ganze Geld denn geblieben sein soll. Die Neuverfilmung klappert stur ab, was King sich in den 1970ern ausgedacht hat. Auf Spannung oder gar Einfälle jenseits der bekannten Wege hat man keinen Wert gelegt. Weitaus schlimmer aber sind die Figuren. Die wirken unsympathisch und schon fast störend. Eine Identifikationsfigur gibt es nicht. Das hat zur Folge, dass das Interesse am Fort- und Ausgang der Geschichte so ziemlich verloren geht. Wer mindestens einen KINDER DES ZORNS-Film gesehen hat, kann sich das Remake sparen. Sieht man mal vom nicht ganz so rosarot schimmernden Ende ab, wird nicht Neues geboten, was nicht bereits in den vielen Filmen der Reihe thematisiert wurde. Fazit: Überflüssig!
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS – Zensur

 
 
 
Zwar geht es weitaus zeigefreudiger zur Sache als noch im Original von 1984. Eine Schlachtplatte wird jedoch nicht serviert. Gleich zu Beginn findet man ein Kind auf der Straße, dessen Kerle durchgeschnitten wurde. Im Verlauf der Handlung werden Protagonisten von Kugeln durchsiebt oder von Stichwaffen verletzt. Vieles wird im Off zelebriert und bekommt der Zuschauer nicht zu sehen. Die FSK wollte STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS im ersten Anlauf ungeschnitten nicht passieren lassen. Demzufolge reichte Anbieter CAPELIGHT den Streifen ein zweites Mal ein und bekam überraschenderweise grünes Licht für die unangetastete Fassung. Das sogar mit einer FSK16.
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (BD KeepCase)

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(c) Capelight Pictures (Limitieres BD-Steelbook mit den Teilen 1 bis 3 inklusive dem Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Children of the Corn; USA 2009

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: KeepCase: Deutsche TV-Fassung (HD, ca. 88 Min.), Unrated Cut (HD, ca. 96 Min.), Featurette: Rough Cuts – Remaking Children of the Corn, Featurette: Neue Richtungen, Featurette: Die Darsteller, Featurette: Leben und Sterben in Gatlin, Featurette: Fliege an der Wand | Steelbook: gleichen Extras wie in der KeepCase-Fassung, zusätzlich die Teile 1-3 mit umfangreichen Bonusmaterial.

Release-Termin: KeepCase + Steelbook: 27.12.2017

 

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STEPHEN KINGS KINDER DES ZORNS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kinder des Zorns (1984)
 
Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II (1992)
 
Kinder des Zorns III – Das Chicago-Massaker (1995)
 
Kinder des Zorns 4 – Mörderischer Kult (1996)
 
Kinder des Zorns 5 – Feld des Terrors (1998)
 
Kinder des Zorns 6 – Isaacs Rückkehr (1999)
 
Kinder des Zorns 7 – Revelation (2001)
 
Kinder des Zorns: Genesis – Der Anfang (2011)
 
Come Out and Play (2013)
 
The Children (2009)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 

Filmkritik: „Speak No Evil“ (2013)

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SPEAK NO EVIL

Story

 
 
 
In einer Kleinstadt verschwinden die Kinder spurlos. Als sie wieder auftauchen gieren sie nach dem Blut der Erwachsenen …
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Kritik

 
 
 
Das amerikanische Multitalent ROZE hat ein Herz für strebsame Indie-Regisseure, die vehement daran arbeiten möglichst kreative Filme an den Zuschauer bringen zu wollen. Mit seiner Internetseite mindplate.tv eröffnet er all jenen Filmschaffenden die Möglichkeit, dass deren Werke auch von einem größeren Publikum in Nordamerika gesehen werden können. Ganz nebenbei soll mit seiner Plattform auch eine Basis für unabhängige Filmemacher geschaffen werden, mögliche Investoren für interessante Projekte gewinnen zu können, schließlich ist es meist für noch unbekannte Regisseure ohnehin schon schwer genug Filme zu finanzieren oder überhaupt einen Fuß in die Filmwelt zu bekommen. ROZE, der selbst seit 2002 Filme schreibt, dreht und produziert ist eigentlich ganz unfreiwillig zum Film gekommen. Bevor er seine neue Bestimmung fand, sah er sich eigentlich als Musiker. Weil er sich jedoch das Handgelenk brach und nicht mehr Gitarre spielen konnte, suchte er nach beruflichen Alternativen und landete an einer Filmhochschule. Es folgten Kurzfilme, Werbespots und 2010 schließlich der erste abendfüllende Langfilm: DEADFALL TRAIL. Drei Jahre später hatte ROZE bereits den zweiten Spielfilm abgedreht, der unter dem Titel SPEAK NO EVIL nun auch auf der eigenen Vermarktungsplattform zum Kauf angeboten wird und mit Sicherheit recht zügig internationale Publisher finden dürfte.
 

„What are you willing to sacrifice to overcome your fear and defeat evil?“. I believe we are willing to sacrifice our child in America and I believe we have.

(ROZE)

 
Der Regisseur ist dem Horrorfilm treu geblieben und führt in SPEAK NO EVIL mehrere Subgenres zusammen. Neben Elementen aus Zombie- und Okkultismusfilmen findet auch Besessenheitsthematik Verwendung, die auch Jahrzehnte nach DER EXORZIST immer mal wieder im Horrorfilm die Runde macht. Um den Anspruch zu wahren, hat ROZE zudem an Gesellschaftskritik gedacht, die sich subtil durch die Geschehnisse der zweifelhaften Geschichte schleicht, schließlich muss das kaltblütige Auslöschen hilfloser Kinder dann doch irgendwie begründet werden. Ähnlich wie in Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976), dem zugehörigen Remake COME OUT AND PLAY (2013) oder Kings KINDER DES ZORNS (1984) sind es gut behütete Kids, die zum Mittelpunkt des Streifens gemacht werden und sich nicht gerade zimperlich gegen die Erwachsenen einer Kleinstadt zur Wehr setzen. Der Dämon Adramelech muss als Indikator herhalten, um ein gar blutiges Massaker an einigen Kindern zu rechtfertigen, die unter seinen Einfluss beginnen an ihren Erziehungsberechtigten herumzuknabbern. Dass die Eltern in letzter Konsequenz nur noch das teils drastische Auslöschen der Schützlinge als Lösung sehen, um dem Spuk ein Ende bereits zu können, ist aufgrund der ziemlich zeigefreudigen Splatter-Szenen schon als arg geschmacklos zu betiteln. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er stets darum bemüht ist kritische Botschaften in seine Werke einfließen zu lassen. Im Falle von SPEAK NO EVIL hält er dem Zuschauer den Spiegel vor Augen und zieht Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen. Laut seiner Erkenntnis lässt sich das unmenschliche Vergehen der Eltern im Film auch auf die Realität übertragen. So ist er fest davon überzeugt, dass seine amerikanischen Landsleute nicht davor zurückschrecken würden, den eigenen Nachwuchs zu opfern, um sich selbst in Sicherheit wähnen und Böses vernichten zu können. Eine gewagte These, die jedoch gerade aufgrund der jüngsten US-Kriegeinsatz-Problematiken in Afghanistan und im Irak an Brisanz gewinnt. Nicht selten ziehen meist junge Soldaten angetrieben vom Applaus der stolzen Eltern furchtlos in den Krieg und werden später als schwer traumatisierte Zombies erneut in die Gesellschaft eingegliedert. Dass viele der Kriegsheimkehrer nach dem Einsatz eine Menge Zeit benötigen, um das Erlebte verarbeiten zu können, wird meist nicht ohne Grund von der amerikanischen Regierung verschwiegen.
 
SPEAK NO EVIL erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Anna, die mit ihrem neuen Freund und Tochter Joey versucht über die Runde zu kommen. Eines Abends beobachtet die Tochter, wie ein seltsames Wesen aus dem Boden krabbelt – wenig später ist Joey verschwunden. Für die Eltern entwickelt sich die Situation zum Albtraum, scheint es keine Anhaltspunkte für das mysteriöse Verschwinden der Tochter zu geben. Doch Joey ist nicht einzige, die nicht mehr auffindbar ist. Allen Erwachsenen des Ortes ist ähnliches Schicksal widerfahren – die Kinder sind wie vom Erdboden verschluckt, so dass ein Suchtrupp aufgestellt wird, der nach den Kids suchen soll. So schnell wie sie verschwunden waren, tauchen die Schützlinge wenige Zeit später auch wieder auf. Ganz zur Freude aller Eltern, die aber bald feststellen müssen, dass sich der Nachwuchs wie ausgewechselt verhält. Ein grauenvoller Dämon hat sich der Kinder bemächtigt, die nun von Boshaftigkeit besessen beginnen den Heimatort zu terrorisieren. Als die ersten Erwachsenen den Angriffen der Minderjährigen erliegen und sich die Eltern nicht mehr zu wehren wissen, schmiedet man einen teuflischen Plan. Währenddessen ist Mutter Anna fest davon überzeugt, die eigene Tochter aus den Klauen des Dämons retten zu können.
 
Knapp 150.000 Dollar hat der Regisseur für sein Zweitwerk ausgegeben. Wie so oft bei Indie-Flicks steht das minimale Budget im direkten Vergleich zum fertigen Film in keinem Verhältnis, denn auch Filmemacher ROZE hat es geschafft, dass sein SPEAK NO EVIL nach bedeutend mehr ausschaut, als man anfänglich vermuten würde. Doch dazu nicht genug. Seit seinem Erstling DEADFALL TRAIL hat sich einiges getan. Die für einen Horrorfilm obligatorischen Ekelmomente befinden sich auf einem erstaunlich hohen Niveau. So greift man bei den Make-up und Matscheffekten auf Handgemachtes zurück und beschränkt sich auf nur wenige Computeranimationen. Auch im Fall von SPEAK NO EVIL kommt dem Film der ungeschliffene Indie-Look gelegen, der sich durch den gesamten Streifen zieht. Die lose Kamera schwirrt permanent um die Protagonisten und ist immer nah am Geschehen. Sie nimmt die Beobachterposition ein und suggeriert dem Zuschauer, Teil der mysteriösen Ereignisse zu sein. Auch wenn das Treiben recht schnell ein ordentliches Tempo entwickelt und der Film von einem permanenten Gefühl des Unbehagens begleitet wird, mangelt es dem Drehbuch an Feintuning. Eine Charakterentwicklung gibt es nicht und die teils konfuse Geschichte gerät sehr bald in Erklärungsnot. Zudem ist GABRIELLE STONE als alleinerziehende Mutter Anna zwar darum bestrebt die Geschichte zu tragen; eine sympathische Heldin verkörpert sie jedoch mit ihrer unnahbaren Art leider nicht.
 
Die eigentlichen Stars des Streifens sind hier erstaunlicherweise die Kinder, die sich in SPEAK NO EVIL ihren Weg durch die Stadt beißen und schreien. Letzteres geht dann doch schon arg durch Mark und Bein, wenn eine bemitleidenswerte Kreatur wie Vieh an eine Leine gehalten wird und einen fragwürdigen Exorzismus über sich ergehen lassen muss. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die kindlichen Schauspieler bei weitem mehr Talent beweisen, als ihre erwachsenen Schauspielkollegen. Einige derer haben vermutlich während der Dreharbeiten nicht verstanden, dass SPEAK NO EVIL ein Horrorfilm werden sollte. Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum in Momenten der Angst Dialoge mit einem verschmitzten Grinsen in die Kamera gequasselt werden.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierendes Horror-Spektakel, was uns da Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ROZE mit SPEAK NO EVIL auftischt, denn in diesem Horror-Schocker werden Kinder von einer höheren Macht gesteuert und gegen die Erwachsenen des Films aufgehetzt. Regisseur ROZE geizt nicht mit blutigen Details und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Zeugen eines äußerst kontroversen Schlachtspektakels, das sogar noch mit einem äußerst makabren Abschlusstwist aufwartet. Für knapp 150.000 Dollar hat Macher ROZE einen ganz passablen Indie-Trip gebastelt, der jedoch wie so oft bei unabhängigen B-Filmen mit so einigen Schwächen zu kämpfen hat. Zwar passt die Gruselstimmung; die schauspielerischen Leistungen der erwachsenen Protagonisten wirken jedoch im Gegensatz zu ihren kindlichen Schauspielkollegen oftmals sehr unbeholfen. Außerdem leidet das Drehbuch unter der teils sehr konfusen Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu geben. In Anbetracht des mageren Budgets sind die Defizite jedoch zu verschmerzen, denn trotz Mankos ist SPEAK NO EVIL immer noch besser, als das was sonst üblicherweise aus dem Indie-Sektor kommt. Wir meinen: SPEAK NO EVIL ist ein beunruhigender Horror-Thriller in der Machart von KINDER DES ZORNS, DAS DORF DER VERDAMMTEN und COME OUT AND PLAY. Fans ungeschliffener Indie-Grusler greifen zu; Mainstream-Gucker bleiben dagegen fern.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Zensur

 
 
 
Die Freigabe der FSK scheint im Falle von SPEAK NO EVIL willkührlich zu sein. Gerade weil hier recht grafisch Kinder vor der Linse getötet werden, hätten ähnlich gelagerte Film vor einigen Jahren noch arge Probleme bekommen. Die Gewalt wird teils roher als in COME OUT AND PLAY dargestellt. Trotzdem wurde SPEAK NO EVIL bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegben. Ungeschnitten! Das verstehe wer will.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Speak No Evil; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 74 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 27.02.2015

 

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SPEAK NO EVIL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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