Filmkritik: „Cruel Peter“ 2019

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CRUEL PETER

Story

 
 
 

Garstiger Geisterjunge steht von den Toten auf und treibt im Diesseits bitterbösen Schabernack. Eine kleine Familie ist genervt, will dem Treiben ein Ende bereiten und stößt bei Recherchen auf ein schreckliches Geheimnis.

 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Kritik

 
 
 
Es mag ja immer noch Horrorfilmliebhaber geben, die an den guten alten Schauerfilmzeiten festhalten. Vergönnen kann man es ihnen nicht, denn betrachtet man Horrorware neueren Datums genauer, scheint sich das Verständnis für Grauen, Angst und Gänsehaut verändert zu haben. Während man in Horrorklassikern wie THE HAUNTING noch mit subtiler Angstmacherei und Kopfkino versucht hat das Publikum um den Schlaf zu bringen, zählt heut die Holzhammertaktik mehr denn je. Blut, Schocks und hektische Schnitte stehen an der Tagesordnung, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Eine Entwicklung, der die Regisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI entgegensteuern wollen. Die hatten sich vor einigen Jahren mit THE HAUNTING OF HELENA vorm klassischen Horrorfilm verbeugt. Statt laut, schnell und brutal verließen die sich auf längst vergessene Angstrezepturen und kopierten Gruselabläufe alter Meister. Etwas, dass auch beim zweiten gemeinsamen Film beibehalten wird. Der nennt sich CRUEL PETER (übersetzt: Grausamer Peter) und klingt eher nach Folterwerk – ist aber alles andere, nur nicht das. Stattdessen wird das in den Vordergrund gerückt, was Horrorfilme mal in den Anfängen ausgemacht haben. Nostalgiker kommen da nicht unberechtigt ins Schwärmen.
 
 
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CRUEL PETER erzählt die Geschichte des Archäologen Norman, der nach dem tragischen Tod der Gattin zusammen mit der traumatisierten Tochter von England nach Sizilien zieht. Dort soll er alte Gräber untersuchen, während der Sprössling eine Schule besucht. Letzterer macht bald Begegnungen der paranormalen Art. Die kommen nicht von ungefähr. Die Gegend birgt nämlich ein schauriges Geheimnis. Vor genau 100 Jahren trieb hier ein verwöhntes Gör sein Unwesen. Peter – so wie man den Jungen nannte – kam aus gut betuchtem Hause und hatte sichtlich Spaß daran Menschen und Tiere zu quälen. Die Strafe folgte auf dem Fuss. Nach einem Erdbeben galt das masochistisch veranlagte Balg als verschollen. Legenden, die bald Realität werden. Offenbar hat das boshafte Kind mitbekommen, dass es seit den Erfolgen der RING-Filme in Mode ist, über Mattscheiben zu spuken. Etwas, das der tote Peter nun zum Anlass nimmt, um den noch Lebenden auf den sprichwörtlichen Geist zu gehen. Gruselfans wird das freuen.
 
 
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Der gemächlich erzählte CRUEL PETER ist nämlich visuell gesehen ein Augenschmaus. Die Regisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI bieten wohligen Gothic-Horror, wie man ihn zu den Hochzeiten der Hammer Studios zu sehen bekommen hat. Da wird all das aufgetischt, was vor allem klassische, britische Gruselfilme seit Jahrzehnten auszeichnet. Knarrende Türen, alte Herrenhäuser und eine herrlich schaurige Atmosphäre, der es vor allem durch das kunstvolle Spiel von Licht und Dunkelheit gelingt, hin und wieder Gänsehaut zu verursachen. Dennoch: Der Teufel steckt jedoch im Detail. Zwar wurde die simple Story ansprechend verpackt – gegen Ende wird CRUEL PETER aber ziemlich wirr. Während die erste Stunde eine geradlinige Geistergeschichte erzählt und viele stimmige Momente zu bieten hat, wird es im finalen Akt konfus. Da wandelt die altmodische Gruselgeschichte plötzlich auf den Pfaden von Friedkins DER EXORZIST. Ein seltsamer Richtungswechsel, der dazu auch noch erzwungen daherkommt und den Eindruck erweckt, als hätte die Spukgeschichte allein nicht einen Spielfilm ausfüllen können. Deshalb musste ein unnötiger Rattenschwanz angehangen werden, damit CUREL PETER genug Laufzeit für einen Langfilm besitzt. Bedauerlich.
 
 
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CRUEL PETER – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Ein atmosphärischer Grusel-Leckerbissen – storytechnisch eher weniger meisterlich. CRUEL PETER ist eine stimmige Gruselgeschichte alter Schule, die aber ihr Pulver bereits in der ersten Filmhälfte verschießt. Ein Mädchen mit Handycap nimmt Kontakt mit den Toten auf. Dabei zieht es die Aufmerksamkeit eines Geisterjungen auf sich, der zur Lebzeiten alles andere – nur nicht artig war. Der sorgt für Chaos und muss in die Schranken gewiesen werden. Dafür muss man aber erst mal die angestaubten Knochen des Unruhestifters finden. Klingt nach vertrauten Abläufen und ist unterm Strich eine Gothic-Horror-Variante des japanischen RING. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Die zweite Filmhälfte ist Unsinn und wirkt derart konstruiert, dass erfahrene Filmkenner nur fassungslos mit dem Kopf schütteln können. Übrigens zieht man in Russland alle Register irreführender Filmwerbung. Dort kamen Poster-Designer auf die Idee das Plakat so zu gestalten, dass man meinen könnte CRUEL PETER sei ein Remake oder eine Fortsetzung zu DIE FRAU IN SCHWARZ 2. Zwar sind visuelle Gemeinsamkeiten zu erkennen und auch die Bildsprache ist ähnlich; inhaltlich hat diese spanische Produktion aber nichts mit Gothic-Horror aus dem Jahre 2014 gemein. Da kann man nur hoffen, dass sich russische Horrorfilmfans vor dem Kauf erkundigen. Heimtückischer kann man nämlich Käufer nicht um ihr Geld bringen.
 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Zensur

 
 
 
CRUEL PETER hat ein paar Morde zu bieten. Diese sind aber nicht sonderlich blutig oder werden lang zelebriert. Der Fokus liegt aus subtilen Horror. Daher dürfte CRUEL PETER hierzulande eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Voltage Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
Down a Dark Hall (2018)
 
Das Geheimnis von Marrowbone (2017)
 
Das Waisenhaus (2007)
 

Kritik: „Fairytale – The Haunting of Helena“ (2012)

THE HAUNTING OF HELENA
 
 
 

FAIRYTALE

(THE HAUNTING OF HELENA)

Story

 
 
 
Die alleinerziehende Mutter Sophia (Harriet MacMasters-Green) bezieht mit ihrer kleinen Tochter Helena eine neue Wohnung. Anfänglich voller Lebensmut und erfreut darüber den Start in ein neues Leben gewagt zu haben, verblasst die Euphorie umgehend, als die kleine Helena den ersten Milchzahn verliert und fortan seltsames Gestammel von sich gibt. Eine Zahnfee soll ihr angeblich des Nachts erscheinen. Die hält sich den Tag über in ihrem neuen Kleiderschrank versteckt und kriecht am Abend aus ihrem Versteck, um die verschüchterte Helena zum Bringen neuer Zähne zu zwingen. Nachdem sich das Verhalten des Kindes verändert, beginnt die besorgte Mutter Nachforschungen anzustellen und stößt auf ein schreckliches Geheimnis.
 
 
 


 
 
 

FAIRYTALE – Kritik

 
 
 
Wirklich subtile und angsteinflößende Grusler sind mittlerweile selten geworden. Viel zu oft wird wohliges Schauergefühl durch obligatorische Schlachtplatten ersetzt, um dem Begriff Horror gerecht werden zu können. Umso mehr dürfte es Fans atmosphärischer Gruselfilme freuen, dass im Fahrwasser immer gleicher Horrormachwerke auch hin und wieder kleine Ausnahmestreifen das Licht der Filmwelt erblicken, die sich souverän gegen die Masse an austauschbarem Horror-Nonsens behaupten und dem Zuschauer auf altmodischer Methode Gänsehaut bescheren wollen. Spanien hat sich seit einigen Jahren in Sachen subtiler Gruselei zum Geheimtipp entwickelt. Und weil diese Art des Angstmachens gut angenommen wurde, machen es nun die Italiener den Spaniern gleich. FAIRYTALE (Alternativtitel: THE HAUNTING OF HELENA) ist so ein Fall, der ohne Blut und Gewalt Unbehagen bescheren soll. Hier wurde eine ganz eigene Version von der Geschichte der bösen Zahnfee auf Zelluloid gebannt. Weniger ist mehr lautet die Devise. So beginnt der Film ohne reißerischen Prolog und hält Abstand von blutigen Schauwerten. Stattdessen setzen die Macher CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI auf düstere sowie melancholische Kamerafahrten und beweisen Gespür fürs Visuelle. Zentrum des Bösen ist diesmal ein seltsamer Kleiderschrank, der ein böses Geheimnis birgt. Nachdem das antike Möbelstück das Kinderzimmer der unschuldigen Helena ziert, beginnt ein zunehmend geistiger Zerfall der kleinen Filmheldin einzutreten. Deren Erklärungsversuche werden wie so oft im Genrefilm kaum Beachtung geschenkt. Dennoch fühlt sich auch Mutter Sophia von reichlich Unbehagen bedroht und beginnt den seltsamen Hinweisen der Tochter nachzuforschen.
 
Der große Pluspunkt von FAIRYTALE ist seine düstere Atmosphäre, die mehr an ein Märchen erinnert. Der Kleiderschrank im Zimmer der kleinen Heldin wirkt in den faden, dreckigen und farblosen Bildern gespenstig bedrohlich. Erst nach und nach wird dessen Geheimnis gelüftet, so dass die Geschichte um das antike Möbelstück konsequent spannend bleibt. Trotz positive Ansätze schaffen es die beiden Regie-Newcomer CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI jedoch nicht, das hohe Niveau ihrer kleinen Geschichte bis zum Ende zu halten. Ab Filmmitte wird FAIRYTALE reichlich surreal, denn die kleine Heldin sieht sich bald mit allerhand seltsamen Erscheinungen konfrontiert. Hierbei rückt nun das Schicksal der Mutter in den Vordergrund, die versucht das Rätsel rund um die Herkunft des Kleiderschrankes zu lösen. Die sterile Krankenhaus-Atmosphäre will hierbei nicht so recht zum übrigen Stil des eher düster gehaltenen Streifens passen. Vielmehr wirkt der schroffe Schauplatzwechsel auf Zwang konstruiert, um eine Brücke zur Herkunft des Möbelstücks schaffen zu können. Auch wenn sich das grausige Treiben gegen Ende in eine Achterbahn des Schreckens verwandelt und mit viel Effekthascherei aufwartet, so mag man als Filmfreund irgendwie nicht das Gefühl loswerden wollen, dass die beiden Filmregisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI reichlich Potenzial verschenkt haben. Zugunsten eine konventionellen Inszenierung treiben sie mit hanebüchenem Ende auf die Palme, das in seiner Form dann doch eher an austauschbarem Horrorquatsch aus Hollywood erinnert. Schade eigentlich, denn nur wenige Horrorfilme aus letzter Zeit konnten mit auf altmodisch getrimmten Gurselschauern überzeugen.
 
Subtiler Horror bevorzugt? Dann dürfte der Grusler FAIRYTALE genau die richtige Wahl für einen gemütlichen Gruselabend sein. Statt eimerweise Eingeweide und unmenschliche Folterei zu zelebrieren, zählen Atmosphäre, Optik und Geschichte. Umso mehr dürfte dieses Streifen für Freunde etwas härterer Filmkost reichlich unbeholfen daherkommen, denn FAIRYTALE wird langsam und gemächlich erzählt. Die Macher haben durchdachte Gruseleffekte in die Handlung gestreut, die ihre bedrohliche Wirkung zu keiner Minute verfehlen. Auch wenn der Schauerbeitrag ab Filmmitte reichlich haarsträubende wird und sich der Gruselfaktor aufgrund konstruiert wirkender Detektivarbeit verabschiedet, so kann man nicht behaupten, dass FAIRYTALE ein schlechter Film ist. Das geschickte Spiel von Licht und Schatten, sowie der märchenhafte Einschlag erinnert in seiner Darstellung an kommerzielle Horrorfilme aus Amerika. Und so verwundert es ein wenig, dass FAIRYTALE oftmals ein wenig zu sehr an DER FLUCH VON DARKNESS FALLS (2003) oder POSSESSION (2012) erinnert, denn das uninspirierte Kopieren bekannter Filmformeln hätte dieser Debütwerk vermutlich rein gar nicht nötig gehabt. Trotzdem, für ein Erstlingswerk haben die beiden Regisseur-Neulinge CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI erstaunliche Arbeit geleistet. Der Film ist trotz seine oftmals unweigerlichen Vorhersehbarkeit spannender als das übliche Horroreinerlei, welches aktuell den hiesigen Heimkinomarkt überschwemmt. Zudem darf der Horrorfilmfreund eine der besten Szenen ever in der Geschichte des Phantastischen Films genießen:
 
Mutter Sarah ist einen Moment unachtsam im Straßenverkehr, gerät von der Fahrbahn ab und brettert mit dem Fahrzeug vom Rand einer Brücke hinein in die Fluten eines reißenden Flusses. Die virtuose Kameraarbeit dieser Szene, welche sich in Zeitraffermethode entlädt, ist derart genial, außergewöhnlich und atemberaubend, dass man allein nur dieser Szene wegen THE HAUNTING OF HELENA gesehen haben sollte. Beachtlich!
 
 
 


 
 
 

FAIRYTALE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Horror der alten Schule. FAIRYTALE ist ein sehenswertes und unheimliches Gruselmärchen, das für wohldosierte Schauer sorgen wird. Zuschauer mit einer Leidenschaft für subtile Schauer sollten unbedingt einen Blick riskieren.
 
 
 


 
 
 

FAIRYTALE – Zensur

 
 
 
Hier zählen vorwiegend die leisen Töne, von daher geht es hier eher blutfrei zugange. Die ungeschnittene Filmversion hat die FSK16-Kennzeichnung erhalten. Gruselfans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

FAIRYTALE – Trailer

 
 
 


 
 

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