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Filmkritik: “Spring” (2014)

Spring-2014
 
 
 

SPRING

Story

 
 
 
Es ist Frühling und für Evan an der Zeit sein Leben neu zu ordnen. Er reist nach Italien und verfällt dort den Reizen einer schönen Einheimischen, die jedoch andere Intentionen hegt, als sich in Touristen zu verlieben …
 
 
 


 
 
 

SPRING – Kritik

 
 
 
In einer Zeit, in der das Genre unter chronischer Ideenarmut leidet ist es immer wieder schön zu erleben, wenn Filme nicht nach gewohntem Gruselkurs gedreht werden, sondern durch frische Konzepte aus der Reihe tanzen, um Fans des fantastischen Filmgenusses auf ungewohntem Wege Gänsehaut zu bescheren. SPRING macht eindrucksvoll vor, wie ein solcher Film auszusehen hat, denn dieser durchdacht inszenierte Herz-Schmerz-Grusel schert sich einen Deut darum sich dem Massengeschmack zu unterwerfen. Wer Horrorfilme anhand seines Härtegrades als empfehlenswert einstuft, macht sich mit SPRING keine Freu(n)de. Vielmehr dringen die Regisseure JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD (beide haben in V/H/S: VIRAL die Regie für das Segment BONESTORM übernommen) tiefgründiger in die Materie vor und sorgen sich um das, was in Horrorfilmen leider viel zu oft vernachlässigt wird: Atmosphäre, Geschichte und Charaktere. Für SPRING erweist sich Schauspieler LOU TAYLOR PUCCI als Glücksgriff. Der konnte schon im Remake zu EVIL DEAD erstmals Horrorluft schnuppern und zeigt diesmal, dass er auch das Zeug dazu hat Charakterrollen zu spielen.
 
 
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In SPRING mimt er den ruhigen Evan, dem die Sicherungen durchbrennen. Nach dem plötzlichen Krebstod der Mutter wird er auf der Arbeit in eine Schlägerei verwickelt, verliert den Job und beschließt nach Italien durchzubrennen, um dort sein Leben neu ordnen zu können. Viel Zeit für sein Vorhaben bleibt nicht. Kurz nach Ankunft verdreht ihm die temperamentvolle Louise (NADIA HILKER) denn Kopf, in die sich der stille Chaot Hals über Kopf verliebt. Zwischen den beiden entbrennt eine leidenschaftliche Liaison, die jedoch unter keinem guten Stern steht, denn Louise hat ein finsteres Geheimnis, das sie bald nicht mehr vor ihrem Liebhaber verstecken kann.
 
 
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Viel zu beanstanden gibt es in SPRING nicht. Hier passt irgendwie alles zusammen und dass, obwohl SPRING mehr übernatürlicher Liebes- statt bluttriefender Horrorfilm ist. Das Regie-Duo JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD vermischt Romantik mit Grusel auf kongeniale Weise und entführt den Zuschauer in die Welt zweier Liebenden für die die Welt scheinbar stillzustehen scheint. Da schwebt die Kamera ganz unbeschwert durch die engen Gassen eines verschlafenen Fischerdorfes und bannt melancholische Urlaubsbilder auf Zelluloid, die von einem fast schon einzigartigen Gespür fürs Visuelle zeugen. AARON MOORHEAD zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern fängt als Kameramann die romantische Bilderwelt Italiens ein, die den Streifen so mit Leichtigkeit aus der grauen Masse an unüberlegten Billigproduktionen hervorstechen lässt. Aufgrund der visuellen Raffinesse wäre es wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass SPRING zu den wohl “schönsten” Gruselfilmen gezählt werden darf, die man bisher im Kino zu sehen bekommen hat. Leider dürfte der Streifen auch nur dort seine gesamte Magie entfalten können, gehört doch SPRING zu jenen Filmen, die für die große Leinwand gemacht wurden.
 
 
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Blut, Gewalt und Gore – Fehlanzeige! SPRING entfaltet sein Gruselpotenzial auf anderem Wege. Im späteren Verlauf der Geschichte rückt das Geheimnis der Filmheldin in den Mittelpunkt, über das der Zuschauer nur häppchenweise Informationen erhält. Mehr über die Handlung zu verraten raubt Illusionen, lebt doch SPRING von der Prämisse, dass irgendwas mit der schönen Louise nicht im Reinen ist. Immerhin: die wenigen Spezialeffekte glänzen durch Einfallsreichtum und entschädigen für fehlende Splatter-Einlagen. Trotzdem finden die im Film nicht selbstzweckhaft Verwendung, sondern sind schmückendes Beiwerk, auf die der Film auch gänzlich hätte verzichten können. Unterm Strich findet SPRING nur lobenswerte Worte, weil er Horror unkonventionell verpackt. Nach dem Regiedebüt RESOLUTION haben die Macher JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD eine sehenswerte Metapher für die Ängste und Unsicherheiten einer noch jungen Liebe fürs (Heim)Kino inszeniert an der vor allem jene Gefallen finden werden, die sonst doch immer bemängeln, dass es dem Genre an Niveau mangelt. Das sorgfältig inszenierte Gruselmär hat schöne Bilder, gute Schauspieler und sogar Sinn für Humor. Demzufolge sollte man die beiden Macher im Auge behalten, schließlich darf man nach dem gelungenen SPRING gespannt darauf sein, was die als nächstes drehen werden.
 
 
 


 
 
 

SPRING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hinter dem doppeldeutigen Titel SPRING schlummert ein stimmungsvoller Mix aus übernatürlicher Romanze und unheimlichen Gruselstreifen, der in seinen düsteren Momenten an die Werke eines H. P. LOVECRAFT erinnert. Nach dem Erstlingswerk RESOLUTION haben die Regisseure JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD die Katze aus dem Sack gelassen und eine sehenswerte Liebesgeschichte inszeniert, die in schönen Bildern die Unsicherheiten und Ängste einer noch frischen Liebe erzählt, ohne zu sehr im Kitsch zu ertrinken. Dank guter Schauspieler und ekligen Spezialeffekten sticht SPRING aus der Masse an trivialen Horrorbrei hervor und richtet sich vor allem an jene Zuschauer, die sonst Probleme mit sinnloser Brutalität im Genre haben. Die sucht man hier vergebens, denn SPRING entfaltet sein Gruselpotenzial auf eher subtile Weise. Empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

SPRING – Zensur

 
 
 
Gorebauern oder Fans der etwas härteren Filmart werden an SPRING keinen Gefallen finden. Es gibt hier nur einen Mord zu sehen, der aber auch nur im Off vollzogen wird. SPRING ist eine Liebesgeschichte, die sich auch hauptsächlich darauf konzentriert. Dank einiger ekliger Spezialeffekte gibt’s für den Film von der FSK die blaue FSK16-Plakette.
 
 
 


 
 
 

SPRING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kiss of the Damned (2012)
 
Dagon (2001)
 
Only Lovers Left Alive (2013)
 
When Animals Dream (2014)
 
Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (2008)
 


Filmkritik: “Enter the Dangerous Mind” (2013)

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ENTER THE DANGEROUS MIND

Story

 
 
 
Die Stimmen in seinem Kopf wird er nicht mehr los: Jim Whitman ist musikbegeistert, schüchtern und leidet dazu auch noch unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Als eine Frau in sein Leben tritt, geraten die Stimmen in seinem Kopf aus dem Gleichgewicht.
 
 
 


 
 
 

ENTER THE DANGEROUS MIND – Kritik

 
 
 
Wenn psychisch gestörte Persönlichkeiten zu kaltblütigen Killermaschinen werden. Filmstoff, der im Horrorfilm immer wieder gern Verwendung findet, aber meist nicht gründlich und ernstzunehmend ausgearbeitet wird. Leider dienen immer wieder psychische Krankheiten im Horrorkino nur als Vorwand, um viele grausame Bilder aneinanderschnippeln zu können, denn scheinbar gewinnt man nur so das Interesse der Zuschauer. Das Regie-Duo YOUSSEF DELERA und VICTOR TERAN macht es unzähligen Filmemachern gleich und hat sich dem psychologischen Horror angenommen. Mit ihrem ENTER THE DANGEROUS MIND versuchen sie Werke wie dem erschütternden CLEAN, HAVEN (1993) nachzueifern. Leider scheitern die beiden aber kläglich an der Unentschlossenheit ihres Machwerks, denn in welche Sparte sie es letztendlich stecken wollten, scheint ihnen doch nicht ganz so einleuchtend gewesen zu sein. Erfahrene Leser ahnen vermutlich schon was damit gemeint ist, denn was bei FILMCHECKER besprochen wird, ist garantiert kein Kinderkino. SNAP (so der ursprüngliche Titel des Filmprojekts) ist knüppelharter Psycho-Thrill, der anfänglich zwar vortäuscht ein Drama zu sein, am Ende jedoch sehr ins Horrorfach abgleitet und mal wieder viele unangenehme Momente im Heimkino zelebriert, die Zartbesaitete mit Sicherheit verstören werden.
 
 
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Jim Whitman (JAKE HOFFMAN) ist ein Einzelgänger, hat kaum Freunde und flüchtet bevorzugt in die Welt der Musik, um dem monotonen Alltag entfliehen zu können. Er besitzt eine Leidenschaft für selbstgemachte Dubstep-Tracks und versucht als PC-Spezialist seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Eigentlich ein normaler Mittzwanziger, wäre da nicht jenes schreckliche Erlebnis zu Kindstagen gewesen, das seither jeden Tag zum Albtraum werden lässt. Das böse Alter Ego Jake (THOMAS DEKKER aus LAID TO REST 2) hat es sich in Jims Leben bequem gemacht und ist als Person oder Stimme im Kopf allgegenwärtig. Ob in den eigenen vier Wänden, im Job oder auf der Straße – der böse Mann im Ohr gibt zwar Nachhilfe in Sachen „Frauen“, macht dem unerfahrenen Eigenbrödler jedoch das Leben zur Qual. Als Jim durch einen Nebenjob zufällig Bekanntschaft mit der attraktiven Wendy (NIKKI REED) macht und in ihr einen verständnisvollen Seelenverwandten sieht, scheint nach jahrelanger Finsternis endlich wieder die Sonne aufzugehen. Doch ENTER THE DANGEROUS MIND wäre kein Horror-Thriller, würde nicht doch etwas Unerfreuliches passieren.
 
 
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Musik spielt in ENTER THE DANGEROUS MIND eine tragende Rolle. Immer wieder werden ausweglose Schreie, unkontrollierbare Störgeräusche und pulsierende Schläge aus der selbstgemachten Musik der psychisch labilen Filmfigur eingespielt, die quasi den psychischen Zusammenbruch des Antihelden einläuten und dessen Durcheinander im Kopf widerspiegeln sollen. Der Zuschauer wird hierbei ganz nebenbei zum Mitleidenden, denn nicht selten verursachen die Elektronikklänge auch bei ihm Kopfschmerzen und versinnbildlichen, was da eigentlich im Kopf des Hauptprotagonisten vorgeht. ENTER THE DANGEROUS MIND protokolliert in ungemütlichen Bildern den psychischen Verfall eines Mannes, der allmählich die Kontrolle über sich selbst verliert und von seinem zweiten bösen Ich gesteuert wird. Das manipuliert den Filmhelden auf heimtückische Weise, damit der am Ende an unschuldigen Menschen ein Exempel statuieren darf. Den Fan kontroverse Gewaltakte dürfte das vermutlich freuen, bekommt der doch ziemlich gemeine Szenen zu sehen, in dem ein Luftgewehr auf Menschen gerichtet wird. In einem Finale, das an abgebrühtem Home-Invasion-Terror erinnert, läuft ENTER THE DANGEROUS MIND dann zu Hochform auf. Da wird ausradiert und gewimmert, als gebe es keinen Morgen mehr. Für Horrorfans durchaus interessant – wer es stattdessen plausibel und tiefgründig bevorzugt wird enttäuscht, denn ein glaubhaft inszeniertes Psychogramm eines traumatisierten Menschen, der für sich und andere zur Gefahr wird, ist ENTER THE DANGEROUS MIND leider keineswegs. Der Film verläuft sich zu sehr im Genre und ist am Ende lediglich FSK18-Gematsche mit “Hab-ich-morgen-wieder-vergessen”-Garantie. Die Protagonisten bleiben blass und wirken unzugänglich. Sympathien werden im Keim erstickt, noch bevor sie aufgebaut werden können und die Krankheitsproblematik wird nur oberflächlich umrissen, damit sich die Verwandlung vom Niemand zum Serienkiller rechtfertigen lässt. So wird aus einem anfänglichen Psycho-Drama lediglich Dutzendware für Leute, die beim Schauen von Filmen nicht sonderlich gefördert werden wollen.
 
 
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ENTER THE DANGEROUS MIND – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Kontroverser Psycho-Schocker, der dem Zuschauer am Ende in die Magengegend tritt. Im Falle von ENTER THE DANGEROUS MIND sollte jedoch kontrovers nicht zwangsläufig mit anspruchsvoll gleichgesetzt werden, denn sonderlich diskussionswürdig ist ENTER THE DANGEROUS MIND nicht. Das liegt vor allem daran, dass die brisante Thematik von Schizophrenie im Film nur als Indikator dient, um ein blutiges und unangenehmes Finale im Heimkino zelebrieren zu können. Die beiden Regisseure YOUSSEF DELERA und VICTOR TERAN schienen kein Interesse an einem glaubhaften und durchdachten Psycho-Drama gehabt zu haben. Statt sich ernsthaft mit dem Krankheitsverlauf des Antihelden zu beschäftigen, muss mal wieder alles aus dem Ruder laufen und die Mattscheibe rot gefärbt werden. In diesem Film dient Gewalt als einziges Mittel zur Problemlösung. Warum das so sein musste, scheint unklar. Vermutlich haben die vielen Stimmen im Kopf der Macher über den unpassenden Ausgang der halbherzigen Geschichte entschieden. Starker Beginn, schwache Wendung – deshalb: mittelprächtig!
 
 
 


 
 
 

ENTER THE DANGEROUS MIND – Zensur

 
 
 
Weil am Ende mit einem Luftgewehr wahllos und grafisch in Gesichter ahnungsloser Menschen geschossen wird, dürfte ENTER THE DANGEROUS MIND definitiv erst für Volljährige geeignet sein: keine Jugendfreigabe!
 
 
 


 
 
 

ENTER THE DANGEROUS MIND – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80/ Marcel Demuth

Die in der Kritik hinterlegten Grafiken stammen von der offiziellen Seite zum Film

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Alexandre Aja´s Maniac (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
A beautiful Mind (2001)
 
Fight Club (1999)
 


Filmkritik: “Darker Than Night” (2014)

darker-than-night-2014
 
 
 

DARKER THAN NIGHT

(MÁS NEGRO QUE LA NOCHE)

Story

 
 
 
Die junge Greta wird mit dem plötzlichen Tod ihrer Tante Ofelia konfrontiert und erbt ein Haus, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Kritik

 
 
Wer glaubt, dass nur die Amerikaner beliebte Kult-Grusler neu verfilmen, irrt. Auch in Mexiko hat man den Recyclingmarkt längst für sich entdeckt und daran Gefallen gefunden, bereits Dagewesenes für ein junges Kinopublikum vermeintlich zeitgemäß aufzubereiten. DARKER THAN NIGHT heißt die zumindest visuell ansprechend gefilmte Gruselmär, die vor fast 40 Jahren schon einmal über lokale Leinwände geisterte und als einer der wichtigsten Horrorexporte aus Mexiko gehandelt wird. Weil sich jedoch Horrorfans von heute mit alten Klassikern schwer tun, war die Konsequenz nur logisch: Eine modernisierte Neuverfilmung muss her. Im Falle von DARKER THAN NIGHT stellt sich jedoch einmal mehr die Frage, ob ein Remake unbedingt hätte sein müssen, denn der Originalstreifen mit dem Titel MÁS NEGRO QUE LA NOCHE (1975) gehört zu jenen Horrorwerken, die ohnehin nur den wenigsten Gruselfans ein Begriff sein dürften. Für Regisseur HENRY BEDWELL kein überzeugender Grund, nicht doch recycelten Filmmüll zu schreiben, den er dann auch gleich selbst gedreht hat. Der Mexikaner zeichnet verantwortlich und lies es sich dazu
auch nicht nehmen, von einem lukrativen Gimmick Gebrauch zu machen, um die Neuinterpretation als 3D-Schauerstück auf die Kinozuschauer loslassen zu können. So weit, so gut. Dennoch bleibt ungeklärt, was das zeitgemäße 3D hätte bringen sollen. DARKER THAN NIGHT ist nämlich ein ziemlicher mieser Film und ein schlechtes Remake noch dazu, das vermutlich nur deshalb als 3D-Variante in die Multiplexe gebracht wurde, um überhaupt jemanden zum Kauf eines Tickets bewegen zu können.
 
 
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Wie ein Sechser im Lotto: nach dem tragischen Tod der Tante hat Greta deren Anwesen geerbt, in dem es viel zu entdecken gilt. Doch das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft. Die Erbin muss dafür Sorge tragen, dass es Katze “Becker” gut geht, die Frauchen allein zurückgelassen hat. Leider nimmt Greta die Auflagen nicht ernst. Statt sich um das Wohl des Stubentigers zu kümmern, geht sie mit den aufgescheuchten Freundinnen auf Erkundungstour und entdeckt in den langen Fluren ihres neuen Heims manch mysteriöses Geheimnis. Als der Kater ertrunken aus dem Pool gefischt wird, ist leider Schluss mit lustig. Plötzlich mehren sich unheimliche Geschehnisse und Greta wird von schrecklichen Visionen und Albträumen geplagt. Alles deutet darauf hin, dass Tantchen Ofelia in die Welt der Lebenden zurückgekehrt ist und sie scheint über den plötzlichen Verlust ihres geliebten Haustieres nicht erfreut zu sein.
 
 
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Mit DARKER THAN NIGHT folgt Nachschub für all jene, die im Jahr 2014 noch nicht genug von Geister-Horror bekommen konnten. Schließlich war 2014 das wohl produktivste Jahr dieser Filme und machte das Heimkino zur Geisterbahn. Leider gab es nur selten Neues zu sehen, was viele Veröffentlichungen in völliger Bedeutungslosigkeit verschwinden ließ. Auch DARKER THAN NIGHT dürfte da keine Ausnahme bilden und gesellt sich zu jenen Kandidaten, über die morgen vermutlich kaum noch jemand sprechen wird. In dieser Grusel-Mogelpackung wird all das verbraten, was man in jedem austauschbaren Spuk- oder Gespensterfilm vor die Linse bekommt. Ob unheimliches Anwesen mit schlecht ausgeleuchteten Gängen, ein vorbeiziehender Sturm samt Blitz und Donner oder grausiges Stöhnen, flackerndes Licht und verwirrende Visionen – DARKER THAN NIGHT revolutioniert das Genre keineswegs. Ganz im Gegenteil. Regisseur HENRY BEDWELL holt sich Inspiration bei Genre-Größe GUILLERMO DEL TORO, (CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE), macht jedoch falsch was nur falsch zu machen geht und langweilt schnell, weil er knapp zwei Stunden für das benötigt, was andere in 20 Minuten zu erzählen haben. Den Zuschauer mit Langsamkeit quälen und Protagonisten orientierungslos durch ein riesiges Gemäuer treiben. Irgendwie scheinen die Macher nicht ganz verstanden zu haben, auf was es bei subtilen Horrorfilmen im Jahr 2015 ankommt. Mit endlos langen Kamerafahrten, bedeutungslosen Dialogen und schockarmen Streifzügen durch altmodisch eingerichtete Zimmer macht man sich keine Freunde, schließlich geht man davon aus, dass man in Geisterfilmen nicht nur erschreckt sondern auch mit Gänsehaut verwöhnt wird. Beides ist in DARKER THAN NIGHT Mangelware und ausreichend Beweis dafür, dass sich Regisseure von TV-Filmen besser mit der Umsetzung von Fernsehware beschäftigen sollten, statt sich in der Mache von Kinofilmen auszuprobieren.
 
 
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Normalerweise braucht ein Horrorfilm keine Stars, denn im Grunde genommen ist das auf Zelluloid gebannte Grauen die eigentliche Quintessenz eines jeden Horror-Schockers. Was jedoch tun, wenn die Schauspieler unbeholfen agieren und unheimliche Momente nur die Ausnahme bilden? Drehbuchschreiber und Regisseur HENRY BEDWELL nutzt Set-Design und Klangkulisse, um Schaueratmosphäre entstehen zu lassen. Die Ausgangslage könnte günstiger nicht sein, denn visuell ist DARKER THAN NIGHT über jeden Zweifel erhaben. Dennoch gelingt es BEDWELL trotz altmodischem Gruselambiente, kaum Gänsehautgefühl zu bewirken. Für einen Geisterstreifen ein fatales Unterfangen, das mal wieder auf den Schultern des Filmfreundes ausgetragen wird. Der wird nach nicht ganz zwei Stunden Filmlänge erneut feststellen müssen, dass er viel zu viel Zeit für einen überflüssigen Film vergeudet hat, der nicht das hält, was der Trailer verspricht. Auch wenn DARKER THAN NIGHT nach typisch mexikanischem Genre-Kino ausschaut und sich mit mehreren Zitaten im Film vor dem 75er Original verbeugt; qualitativ ist er mit ähnlich gelagerten Perlen wie HERE COMES THE DEVIL, JULIAS EYES oder WIR SIND WAS WIR SIND (Das Original!) nicht einmal ansatzweise vergleichbar. Prädikat: Schlaftablette mit Einschlafgarantie und hinterlistiger Zeiträuber!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein visuell beeindruckender Gruseltrip der alten Schule. DARKER THAN NIGHT (hier ist übrigens das Fell des Katers im Film gemeint) ist technisch gesehen Top, aber inhaltlich ein absoluter Flop. Die Ausstattung und das Set-Design sind ein Fest für die (Horror)Sinne und erinnern nicht nur einmal an die mexikanischen Gruselperlen aus der Werkstatt eines GUILLERMO DEL TORO. Blickt man jedoch hinter die Fassade, bröckelt der Putz und es offenbart sich das filmische Grauen. Der mexikanische Regisseur HENRY BEDWELL hat hier eines der unsinnigsten Remakes fabriziert, das die Filmwelt bis dato gesehen hat. Seine subtile Geister-Mär überrascht zwar mit finsteren Bildern – Gruselstimmung will aber kaum aufkommen, weil DARKER THAN NIGHT im Schneckentempo über die Mattscheibe kriecht und derart langweilig, ideenfrei, überraschungsarm und unbeholfen zusammengekleistert wurde, dass sich dem Zuschauer sprichwörtlich die Nackenhaare vor Ärger sträuben. Verschwendete Zeit, Finger weg!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Zensur

 
 
 
Die Gewalt in DARKER THAN NIGHT befindet sich auf FSK16-Niveau. Es werden Gegenstände in Augäpfel gedrückt, eine Protagonistin fällt von der Treppenbrüstung und der männliche Filmheld wird von einer Katze angefallen. Schaut alles nicht sonderlich grausam aus, was auch nicht beabsichtigt war, schließlich konzentriert sich DARKER THAN NIGHT auf subtilen Horror.
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Alle Grafiken in dieser Review stammen von der Facebookseite des Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 
KM 31: Kilómetro 31 (2006)
 


Filmkritik: “The Atticus Institute” (2015)

The-Atticus-Institute-2015
 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE

Story

 
 
 
“…Auf dieser Welt gibt es Dinge, die wir nicht erklären können und Judith Winstead ist eines dieser Dinge …”

Parapsychologen untersuchen die telekinetischen Fähigkeiten von Testobjekt Judith Winstead und entdecken, dass im Körper der Frau das Böse schlummert.

 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Kritik

 
 
 
Dass mit Dämonen und Geistern nicht gut Kirschen essen ist und es im Horrorfilm immer wieder übermütige Protagonisten geben muss, die das Böse unnötig herausfordern, scheint eine der vielen Absurditäten im Genre zu sein, die sich in nahezu jedem Film dieser Art wiederholen. Seit jeher ist der Mensch vom Unerklärlichen fasziniert, was auch der Grund dafür sein dürfte, weshalb paranormal angehauchte Gruselwerke so viel Zuspruch erhalten und nicht mehr von der Bildfläche verschwinden wollen. Paranormales geht immer. Ob als Komödie, Drama oder im längst totgefilmten Found-Footage-Stil; seit PARANORMAL ACTIVITY im Kino zum Renner wurde, haben Filme mit unerklärlichen Phänomenen Hochkonjunktur.
 
 
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Ein weiterer in der Runde dieser Unbehagen verursachenden Mystery-Grusler ist das Schauererlebnis THE ATTICUS INSTITUTE in dem drei Filmzutaten miteinander kombiniert werden, die momentan die Horrorlandschaft dominieren. Regisseur CHRIS SPARLING hat vor einigen Jahren an den Drehbüchern zu BURIED (2010) und ATM (2012) geschrieben und vereint in seiner zweiten Regiearbeit Dämonen- und Exorzismus-Genre mit der Wackelkamera-Methode, damit alles authentischer wirkt. In dem als Dokumentarfilm getarnten Gruseltrip wird die telepathisch veranlagte Judith Winstead (sehr beängstigend verkörpert von RYA KIHLSTEDT) von Wissenschaftlern in einem kleinen Forschungslabor bei Pennsylvania untersucht. Sie kann Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken bewegen und verhält sich im Vergleich zu gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen nicht sonderlich normal. Es sind die späten 70er und die Erforschung paranormaler Ereignisse steckt noch in den Kinderschuhen, so dass es selbst erfahrenen Forschern nicht immer auf Anhieb gelingt Betrüger oder Scharlatane zu entlarven. Die meist abwesend und aggressiv auftretende Frau scheint da jedoch aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein. Ihre Präsenz verursacht bei Experten Gänsehaut und in Experimenten bestätigt sich die Vermutung, dass ihre Fähigkeiten nicht menschlicher Natur sein können. Schnell wird das Militär auf die sonderbare Gabe aufmerksam und erweckt im Körper der hilflosen Frau das Böse, das von der Regierung nun gezähmt werden möchte, um es für eigene Belange nutzen zu können.
 
 
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THE ATTICUS INSTITUTE gehört zur Gattung “Mockumentary”, was ein Filmgenre bezeichnet, in dem die Geschehnisse in einen gestellten Dokumentarfilm verpackt werden. Hier bekommt der Zuschauer auf echt getrimmte Interviews mit Angehörigen und Professoren vor die Linse, die von schrecklichen Ereignissen berichten und das grausames Vorgehen des Militärs beschreiben, das in diversen Experimenten versucht, den Willen eines widerspenstigen Dämons zu brechen. Der Hauptteil der Handlung wird jedoch von Hindergrundmaterial, Aktenaufzeichnungen und Archivaufnahmen getragen, in denen unmenschliche Versuche an einer labilen Frau protokolliert werden. Die sollen dazu dienen, um das Böse heraufbeschwören zu können, das sich hartnäckig in Protagonistin Judith Winstead versteckt hält. Lang dauert es jedoch nicht, bis der dämonischen Präsenz der Geduldsfaden reißt. Ganz unerwartet verwandelt sich die anfänglich verwirrte Patientin in eine unkontrollierbare Furie und scheint sichtlich Spaß daran zu haben Zuschauer, Militär und Professoren ausgiebig in Sachen Terror zu unterrichten – Mord und Totschlag inklusive.
 
 
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In Judith schlummert das Grauen, was angesichts des reichlich spektakulär geschnittenen Trailers niemand verwundern dürfte, zeigt der nämlich die besten Szenen am Stück und nimmt dem Zuschauer die Spannung. Demzufolge raten wir von der Sichtung des Trailers ab, der mal wieder viel zu viel verrät und dem Fan solcher Streifen das Filmsehen vermiest. Immerhin bahnt sich der Schrecken langsam seinen Weg durch die finsteren Versuchsräume und garantiert zumindest in den ersten dreißig Minuten wohlig altmodisches Gänsehautfeeling, was vor allem durch die auf alt getrimmten Videobänder verstärkt wird, die immer mal wieder längst vergessene VHS-Zeiten wach werden lassen. Leider kann Schocktherapie-Macher CHRIS SPARLING das hohe Grusel-Niveau der ersten halben Stunde nicht konstant halten, denn nach einem spannenden Einstieg dümpelt der Film lustlos auf der Stelle und quält mit immer haarsträubenderen Experimenten, die nur unnötig das Tempo bremsen. Was folgen wird ist vorhersehbar, denn die Absurdität der im Film gezeigten Ereignisse lässt darauf schließen, dass der jähzornige Dämon letztendlich nur mit einem Exorzismus bekämpft und die Menschheit so gerettet werden kann. Doch die Austreibung fruchtet nur bedingt und gipfelt mal wieder im ach so überraschenden Schlussgag, mit dem sich Horror-Regisseure in letzter Zeit scheinbar gegenseitig selbst übertrumpfen möchten.
 
 
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Dass THE ATTICUS INSTITUTE trotz Found-Footage-Gewand weitestgehend nach Film ausschaut, muss man Regisseur CHRIS SPARLING hoch anrechnen. Die für diese Art von Filmen bekannten und gehassten Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen bleiben aus, so dass THE ATTICUS INSTITUTE auch bei Gegnern von pseudodokumentarischen und auf echt getrimmten Schüttelfilmen Eindruck hinterlassen dürfte. Im Rahmen des Found-Footage-Genres gehört dieser Besessenheits-Spuk zu den besseren Vertretern jener Gattung Filme. Zumal es einige gut platzierte Schreckmomente schaffen, den Puls mutiger Filmfreunde nach oben zu treiben. Zusammen mit den gelungenen Spezialeffekten garantiert THE ATTICUS INSTITUTE auf jeden Fall kurzweilige Mystery-Unterhaltung von der man dennoch nichts Großes erwarten sollte.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliche Schocktherapie, die den Puls des Zuschauers nach oben treiben wird. In THE ATTICUS INSTITUTE sind dämonische Kräfte am Werk, die dem Mensch mal wieder klar machen wollen, dass man das Tor zur dunklen Seite besser verschlossen halten sollte. Regisseur CHRIS SPARLING kombiniert Exorzismus-, Dämonen- sowie Found-Footage-Genre und macht daraus eine finstere Geschichte im Mockumentary-Stil, die sich am derzeit immer noch beliebten Paranormal-Trend orientiert. Das anfänglich subtile Gruselkino verwandelt sich recht zügig zum schreckintensiven Besessenheits-Thriller, der leider im späteren Verlauf eine ziemlich absurde Metamorphose durchlebt. Immerhin beweist SPARLING ein gutes Gespür für treffende Schockmomente. Trotz Vorhersehbarkeit sitzen die sicher und machen THE ATTICUS INSTITUTE zur Mutprobe unter zartbesaiteten Gemütern. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass man sich gegen nervige Found-Footage-Klischees entschieden hat, die man vermutlich von pseudodokumentarischen Horrorflicks erwartet. THE ATTICUS INSTITUTE schaut mehr nach Film aus, weil man bewusst auf Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen verzichtet hat. Für den als Dokumentation getarnten Mystery-Grusler eine Bereicherung, können so auch Gegner mittlerweile nicht mehr ganz so beliebter Schüttelfilme endlich mal wieder in den Genuss gut getrickster Horrorware kommen.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Zensur

 
 
 
THE ATTICUS INSTITUTE ist typischer Mystery-Horror ohne großes Blutvergießen. Zu sehen gibt es nicht viel Gewalttätiges. Die vermutlich blutigste Szene ist die, in der die Besessene allein mit ihrer Gedankenkraft das Herz eines aufgeschnittenen Frosches zerfetzt. Ansonsten ist der Horror hier hauptsächlich subtiler Natur. Eine FSK16 dürfte genügen.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Taking of Deborah Logan (2014)
 
The Dyatlov Pass Incident (2013)
 
The Vatican Exorcisms (2013)
 
The Bay (2012)
 
The Dinosaur Project (2012)


Filmkritik: “Preservation” (2014)

Preservation-2014
 
 
 

PRESERVATION

Story

 
 
 
Wenn aus Menschen Tiere werden: Drei Camper wollen in der amerikanischen Wildnis ihre Jagdkünste unter Beweis stellen, geraten dann jedoch selbst ins Visier barbarischer Freizeitjäger.

 
 
 


 
 
 

PRESERVATION – Kritik

 
 
 
Ein Bär tötet, um sich zu verteidigen, ein Löwe, weil er Hunger hat und der Mensch, weil es ihm schlichtweg Spaß bereitet. Genau jene Weisheit wird für drei ahnungslose Hobbyjäger bittere Realität. Für das Trio entwickelt sich ein Camping-Trip durch Americana zum Albtraum, als sie vom Bösen in Menschengestalt quer durch die Wildnis gejagt werden. PRESERVATION ist ein äußerst kruder Vertreter der Gattung Survival-Horror, der einmal mehr ein äußerst brisantes Thema aufgreift, das neuerdings immer Öfters zum Mittelpunkt von Horrorfilmen gemacht wird. Wenn aus Minderjährigen unkontrollierbare Killermaschinen werden – eine kontroverse Botschaft, die bereits der Brite JAMES WATKINS mit seinem EDEN LAKE (2008) an den Mann und ganz nebenbei einen der unangenehmsten Terrorfilme der letzten Jahre ins Kino brachte, der aufgrund kompromissloser Grausamkeit hierzulande bei der FSK wenige Befürworter fand. Auch Jungregisseur CHRISTOPHER DENHAM wittert mit PRESERVATION den großen Coup und hat ähnlich perfides Katz-und-Mausspiel vor traumhafter Naturkulisse auf Film gebannt, in dem er sich ebenso mit den Abgründen heutiger Teenager auseinandersetzt und dabei nicht vor knüppelhartem Psychoterror Abstand hält.
 
 
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Wenn sich der Zuschauer verängstigt in seinen Filmsessel gräbt und vor Anspannung an den Nägeln knabbert, hat ein Regisseur ihn dort, wo er ihn haben wollte. CHRISTOPHER DENHAM lässt seine schwangere Heldin (überzeugend gespielt von WRENN SCHMIDT) unerbittlich durch die Hölle gehen und setzt stahlharte Nerven voraus, um den in PRESERVATION protokollierten Überlebenskampf überhaupt ertragen zu können. Sichtlich angelehnt an Boormans Klassiker BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE (1972) ist das hier Gezeigte nicht einfach zu verdauen, denn anders als im besagten EDEN LAKE bleiben die kindlichen Mörder weitestgehend stumm, ihre Beweggründe dafür umso makabrer. Kaltblütiges Töten als kranker Sport – einmal mehr wird im Horrorfilm mahnend der Zeigefinger erhoben, denn auch wenn Regisseur CHRISTOPHER DENHAM nicht viel über die Täter im Films verrät, bleibt die harsche Gesellschaftskritik nicht ungehört. Hier werden die laxen Waffengesetze der Vereinigten Staaten an den Pranger gestellt, die es perspektivlosen Kids von Heute ermöglichen, problemlos an Gewehre, Pistolen und Munition zu kommen.
 
 
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So reichen blutige Handy-Shooter allein nicht mehr aus, um die gelangweilte Jugend in PRESERVATION bei Laune zu halten. Die erhebt das Töten von Menschen zum Freizeitspaß und lauert ahnungslosen Campern auf, um sie fernab der Zivilisation in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Lang gefackelt wird da nicht, was PRESERVATION mehr ins Horrorfach steckt, weil sich DENHAM mehr auf das Abhandeln genretypischer Schauwerte konzentriert, statt sich mit seiner brisante Kritik genauer auseinander zu setzen. Die verliert in der rasant inszenierten Hetzjagd schnell an Gewichtung, weil der Fokus vermehrt auf das Morden und Rächen gerichtet wird und sich am Ende sogar Opfer in Täter verwandeln, um die Blutgier des Zuschauers befriedigen zu können. Dennoch, auch wenn PRESERVATION hin und wieder von seltsamen Zufälligkeiten begleitet wird und die maskierten Kinder über Bärenkräfte verfügen, gehört dieser knüppelharte Überlebens-Thriller zu den besten Psycho-Trips, die das Genre in letzter Zeit gesehen hat. Wer schweißtreibende Nervennahrung bevorzugt kommt an PRESERVATION nicht vorbei – aber Achtung, wir haben gewarnt!
 
 
 


 
 
 

PRESERVATION – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos und knüppelhart: PRESERVATION ist vermutlich der unoffizielle EDEN LAKE 2 und einer der härtesten Überlebens-Thriller, die das Genre in den letzten Jahren gesehen hat. Nach dem Horror-Thriller HOME MOVIE (2009) bleibt Regisseur CHRISTOPHER DENHAM (der auch schon als Schauspieler in THE BAY zu sehen war) dem Genre treu und hat mit seinem zweiten Spielfilm ein quasi amerikanisches Remake des Terrorfilms EDEN LAKE inszeniert, der vor einigen Jahren für reichlich Aufsehen unter Fans derberer Filmware gesorgt hat. PRESERVATION spielt in der gleichen Liga und erzählt praktisch die gleiche Geschichte, natürlich ähnlich packend. Auch hier sehen sich ahnungslose Camper mit skrupellosen Kids konfrontiert, die das Töten von Menschen zum Freizeitsport gemacht haben. Wer ein schwaches Nervenkostüm besitzt, sollte von diesem Film die Finger lassen, denn die hier gezeigten Grausamkeiten wirken aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit erschreckend real, was professionelle Jugendschützer in Alarmbereitschaft versetzen dürfte. Nichtsdestotrotz ist PRESERVATION adrenalinförderndes Terrorkino so wie es sein sollte und das nach dem Abspann noch lange nachwirken wird. Wer ein Faible für jene Art Film besitzt, kommt hieran nicht vorbei. Für Horrorfans definitiv sehenswert!
 
 
 


 
 
 

PRESERVATION – Zensur

 
 
 
Im direkten Vergleich zum besagten EDEN LAKE ist PRESERVATION in Sachen Brutalität zurückhaltender, was aber nicht heißen soll, dass es hier nicht ebenso deftig zur Sache geht. Die Brutalität ist vorwiegend psychischer Natur. Dennoch gibt es auch richtige Gewalt zu sehen. Neben Gewehr- und Messerstichen in Bauch oder Beine, wird einem Protagonisten mit einer zerbrochenen Flasche der Hals aufgerissen. Weil das Morden hier von Kinder ausgeht, dürfte PRESERVATION jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit gleiches Schicksal wie EDEN LAKE erleiden: der Index. Wir rechnen jedoch mit einer ungeschnitten KJ-Freigabe – insofern die FSK einen guten Tag haben sollte.
 
 
 


 
 
 

PRESERVATION – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Alle Rechte der auf der Seite abgebildeten Grafiken liegen bei Pierrot le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Eden Lake (2008)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 
Wolf Creek 2 (2013)
 
Outback – Tödliche Jagd (2011)
 
The Mooring (2012)
 
Tower Block (2012)
 
Black Rock (2012)
 
King of the Hill (2007)
 


Filmkritik: “Poker Night” (2014)

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POKER NIGHT

Story

 
 
 
Polizist Jeter (Beau Mirchoff) erlebt im Keller eines Hauses das pure Grauen. Er wurde von einem Psychopathen entführt und muss nun allerhand Grausamkeiten über sich ergehen lassen. Wenige Stunden zuvor saß er noch zusammen mit einigen Arbeitskollegen an einem Kartentisch, die dem Neuling in geselliger Runde von den spektakulären Fällen ihrer Karriere erzählten.

 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Kritik

 
 
 
Jahre nach dem Boom der sogenannten Torture-Porn-Welle finden immer wieder überflüssige Nachzügler ihren Weg in die Heimkinos, die dem unbewanderten Filmfan da draußen zeigen wollen, dass es im Kino auch mal eine Zeit gab in der es im Film etwas härter zugange ging. Der Trend scheint nach dutzenden Found-Footage-Gähnern und Geister-Schnachern in Vergessenheit geraten zu sein, was aber eifrige Regisseure nicht davon abhält in bescheidener Regelmäßigkeit stets etwas Folterei auf die Mattscheibe zu bringen – wenn auch ausschließlich für den Videomarkt produziert.
 
POKER NIGHT ist so ein reichlich verspäteter Ableger der einst kassenträchtigen Folter-Welle und folgt dem noch grünschnäbeligen Polizisten Jeter (BEAU MIRCHOFF), der gerade seinen ersten größeren Auftrag erfolgreich abgeschlossen hat. Ihm gelang die Festnahme eines gesuchten Psychopathen, was ihm nicht nur die Anerkennung seiner Kollegen einbrachte, sondern auch die Teilnahme zu einem dieser Pokerabende, an denen sich erfahrene Polizisten versammeln, um mit spektakulären Geschichten aus ihrem Berufsleben prahlen zu können. Leider hat das erste Poker-Duell für Jeter ein unerwartetes Ende zur Folge. Auf dem Heimweg wird er von einem Fremden überwältigt und in einen Keller verschleppt. Dort muss der Jungpolizist zusammen mit seiner Freundin schlimmste Quälerei erdulden und erinnert sich in Gefangenschaft an jene Weisheiten und Erzählungen zurück, von denen seine Cop-Kollegen noch wenige Stunden zuvor am Pokertisch berichtet hatten.
 
Nach Arbeiten an dutzenden TV-Produktionen tischt Drehbuchautor und Regisseur GREG FRANCIS mit POKER NIGHT sein Spielfilmdebüt auf und orientiert sich mit dem ansprechenden Filmlook seines Erstlings an die finstere Bildsprache eines JAMES WAN, der vor knapp zehn Jahren mit der beliebten Folter-Schnitzeljagd SAW (2004) internationale Erfolge verbuchen konnte. Der Zuschauer wird Zeuge dreckiger Bildkompositionen, die der Regisseur vermehrt in Grün- und Rottöne taucht und gar an Tortur-Heuler wie besagtem SAW und THE COLLECTOR (2009) erinnern. Neben reichlich Gewalt, Schussgefechten und makabren Folterideen (so wird Filmheld Jeter mit Hilfe von Spezialkleber an die Wand gekleistert) scheint zuletzt erwähnter Horror-Thriller vor allem beim Masken-Design Eindruck hinterlassen zu haben. Der Fiesling in POKER NIGHT trägt ähnliche Maskierung wie einst der legendäre Sammler im perfiden Katz-und-Maus-Spiel, dem man 2012 mit THE COLLECTION sogar eine Fortsetzung folgen lies.
 
Von den Qualitäten der genannten Splatter-Granaten ist POKER NIGHT jedoch um Längen entfernt. Viel zu oft wird der Zuschauer ungeschickt aus der Haupthandlung gerissen und gleichzeitig durch unnötige Rückblenden verwirrt, die zurück an den Kartentisch führen, wo der Spannungsbogen immer wieder durch schlecht platzierte Erzählungen anwesender Polizisten unterbrochen wird. Die blicken auf ihre Karriere zurück, brüsten sich mit den spektakulären Einsätzen ihrer bisherigen Polizistenlaufbahn und quasseln von hinterlistigen Serienmördern, die von einer krankhaften Sucht des Tötens getrieben werden. Für eine Anthologie durchaus interessanter Kurzgeschichtenstoff, weil POKER NIGHT Material für mindesten fünf weitere Filme bereithält. Im Falle von POKER NIGHT ein nerviges Übel, das dem Filmfreund schnell die Lust am Filmeschauen vermasselt, weil das Folgen der eigentlichen Handlung durch unzählige Flashbacks und Storyabzweigungen nahezu unmöglich gemacht wird.
 
Eigentlich hätte alles so schön werden können, denn POKER NIGHT macht in Sachen Folter alles richtig. Macher GREG FRANCIS zeigt nicht viel, aber auch nicht zu wenig, lässt Opfer flüchten, um sie in darauffolgender Szene vom Killer erneut einfangen zu lassen. POKER NIGHT wächst vor allem während der Quälmomente zu eigentlicher Größe heran, weil es dem Film trotz trivialer Gewaltszenen und allerhand Vorhersehbarkeiten gelingt, immer noch genügend Nervenkitzel zu verursachen, so dass der Zuschauer gebannt in seinem Filmsessel verharrt. Viel Spaß an den wenigen Folterakten bleibt jedoch nicht, denn FRANCIS widmet sich ausgerechnet dann seinen unzähligen Nebenhandlungen, wenn es zur Sache geht und für Gewaltfans interessant wird. Dass der Überraschungstwist am Ende nicht fehlen darf, ist mal wieder so eine nervende Horror-Zutat, die seit einigen Jahren sichtlich in Mode gekommen ist. Hier werden die Ambitionen des Killers gelüftet, die reichlich Phantasie voraussetzen, um sie überhaupt nachvollziehen zu können. Letztendlich bleibt zu erwähnen, dass GREG FRANCIS viel Potenzial verschenkt hat und etwas zu eifrig und unbeholfen namhaften Filmschaffenden wie DARREN LYNN BOUSMAN oder MARCUS DUNSTAN hinterhereifert, so dass er ganz nebenbei seine eigene Geschichte aus den Augen verliert. Die ist mit unnötigen Informationen überladen, undurchsichtig, reichlich sprunghaft und absolut unglaubwürdig, was POKER NIGHT zu einem zwar handwerklich soliden, aber nicht sonderlich sehenswerten Filmerlebnis macht.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Durchgestylter Folter-Thriller, der sich vor der legendären SAW-Serie verbeugt. Auch wenn auf dem Filmposter zum Thriller POKER NIGHT ein Angst einflößender Killer grinst, dessen Maske etwas zu offensichtlich an THE COLLECTOR erinnert, hat der Film natürlich nichts mit dem harten Horror-Kracher aus dem Jahre 2009 am Hut. Vielmehr scheint Macher GREG FRANCIS von harter Mainstream-Folterei der letzten Jahre derart fasziniert gewesen sein, dass er kurzum an seinem eigenen Tortur-Flick gewerkelt hat. Der kann sich in punkto Optik durchaus sehen lassen; inhaltlich ist das Machwerk jedoch derart unsinnig, dass dem Zuschauer die Freunde schnell vergehen wird. POKER NIGHT ist überladen, wirr, undurchsichtig und dazu auch noch vollkommen unglaubwürdig. Der Grund hierfür dürfte in der stattlichen Anzahl an verschiedenen Nebenplots zu suchen sein, die es dem Zuschauer ziemlich schwer machen, der eigentlichen Handlung folgen zu können. Zudem entpuppt sich Regisseur GREG FRANCIS als Spaßbremse. Immer wenn der Filmbösewicht zum Folterutensil greift und POKER NIGHT an Fahrt gewinnt, wird zu einer der unzähligen Nebenhandlungen übergewechselt. So macht man sich unter Fans härterer Filmware keine Freunde. Was im Übrigen HELLBOY-Star RON PERLMAN dazu getrieben hat, in einem so unausgereiften Horror-Thriller mitzuwirken, dürfte mal wieder eines dieser vielen Hollywood-Mysterien sein, deren Antwort wir nie erfahren werden.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Zensur

 
 
 
Ziemlich viel geschossen wird in POKER NIGHT, weil nicht lang gefakelt wird. Ein wenig Folterei gibt es ebenso zu sehen, obwohl sich der Streifen hinsichtlich der obligatorischen Grausamkeiten in Genrefilmen überraschend zurückhält. Daher kann man davon ausgehen, dass POKER NIGHT hierzulande mit rotem „keine Jugendfreigabe“-Sticker erscheinen wird. Natürlich vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

POKER NIGHT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Collector (2009)
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Love of my Life (2013)
 
Pig (2010)
 
Hate Crime (2013)
 
Saaw (2004)
 
Saw II (2005)
 
Saw III (2006)
 
Saw IV (2007)
 
Saw V (2008)
 
Saw VI (2009)
 
Saw 3D – Vollendung (2010)
 


Filmkritik: “Time Lapse” (2014)

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TIME LAPSE

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Kamera sagt drei Mittzwanzigern die Zukunft voraus. Doch die wundersame Gerätschaft stellt die Freundschaft auf die Probe, weil sie die wahren Gesichter der Freunde zum Vorschein bringt.

 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Kritik

 
 
 
Geübte Filmfans wissen, dass das Manipulieren von Zeitlinien vor allen in Horror- und Mysteryfilmen nur selten ein gutes Ende nimmt. Bereits im Zeitreise-Thriller BUTTERFLY EFFECT (2004) richtete das Verändern von Zeitebenen ein heilloses Durcheinander an. Aber auch in THE CALLER (2011) oder FREQUENCY (2000) wurde der Zuschauer ziemlich eindringlich davor gewarnt, besser nicht mit Anrufern oder Hobbyfunkern aus einer früheren Zeit Kontakt aufzunehmen, um nachträglich Vergangenheit oder Zukunft beeinflussen zu können. TIME LAPSE macht da keine Ausnahme und ist ein weiterer in einer langen Reihe lehrhafter Mystery-Grusler, die den Filmfreund darauf hinweisen möchten, dass man das eigene Schicksale besser so hinnehmen sollte, wie es der liebe Gott vorbestimmt hat. Der bis dato unbekannte BRADLEY KING steckt hinter dem Zeitsprung-Thriller und liefert – wie so viele Nachwuchsregisseure in letzter Zeit auch – sein Regiedebüt ab, das scheinbar so gut beim Organisatoren-Team des alljährlichen Fantasy Filmfestes angekommen ist, dass er sogar 2014 ins Programm des beliebten deutschen Genre-Festivals aufgenommen wurde.
 
In TIME LAPSE finden Maler Finn, seiner Freundin Callie (aus GIRLS AGAINST BOYS) und Mitbewohner Jasper in der Wohnung ihres vermissten Nachbars eine seltsame Maschine, für deren mysteriöse Funktionen sie anfänglich keine Erklärung finden. Ein riesiges Objektiv ist auf das Wohnzimmerfenster der drei WG-Bewohner gerichtet und projiziert jeden Tag einen geheimnisvollen Schnappschuss auf Fotopapier, der den Freunden verrät, was exakt 24 Stunden später dort stattfinden wird. Für die drei eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. So nutzt Finn die Voraussagungen, um nach einer Schaffenskrise erneut kreative Kunstwerke malen zu können. Jasper dagegen macht mit den magischen Eigenschaften das große Geld und verdient sich mit Wettspielen ein goldenes Näschen. Doch Habgier und Eifersucht treibt einen Keil zwischen die Freundschaft und macht aus Freunden schnell Feinde.
 
TIME LAPSE ist weder Fisch noch Fleisch. Einerseits gelingt Regisseur BRADLEY KING das Kunststück, sein Debüt trotz beschränktem Handlungsspielort spannend zu verpacken und so den Zuschauer bei Laune zu halten. Andererseits hat der Mystery-Thriller Probleme mit Glaubwürdigkeit und Logik, was vor allem Erbsenzähler wahnsinnig machen dürfte, denen hier unzählige Plotungereimtheiten sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert werden. So finden die drei Filmhelden in einer Abstellkammer die modrigen Überreste des früheren Besitzers jenes Fotoapparates, der den Freunden später die Zukunft voraussagen wird. Statt Hilfe herbeizurufen oder die Leiche der Polizei zu übergeben, verriegeln die drei Protagonisten lieber wieder die Tür der Kammer und überlassen den leblosen Körper den Würmern, damit man sich in Ruhe mit den magischen Eigenschaften der wundersamen Zeitmaschine auseinandersetzen kann. Leider sind die WG-Freunde keineswegs darum bestrebt, das Geheimnis der ominösen Gerätschaft ergründen zu wollen, sondern versuchen ausschließlich eigenen Vorteil aus den sonderbaren Funktionen der Maschine zu schlagen. Als schließlich doch noch eine ältere Dame unerwartet an der Haustür klopft und von weiteren Fähigkeiten des eigenartigen Fotoapparates berichten möchte, wird eine Waffe gezückt und ohne Vorwarnung auf die Unwissende geschossen.
 
Kein kluger Schachzug, was aber in TIME LAPSE nichts Ungewöhnliches ist, wird der Zuschauer hier nicht nur einmal Zeuge unerklärlicher Handlungsbeweggründe, die normal denkenden Filmliebhabern partout nicht einleuchten wollen. Die stereotypen Figuren handeln nicht nach logischem Menschenverstand. Viele ihrer Entscheidungen verursachen Unverständnis, wirken konstruiert und nicht nachvollziehbar. Hinzukommt, dass sich das von BRADLEY KING mitgepinselte Drehbuch viel zu oft an den Konventionen des modernen Genre-Kinos orientiert, wo Mord- und Totschlag eine wesentliche Rolle spielen und ein reißerisches Finale mit Überraschungstwist nicht fehlen darf. Die Vorhersehbarkeit schmälert den Filmgenuss, weil dem Zuschauer ziemlich schnell klargemacht wird, vorauf die Geschehnisse des Film hinauslaufen sollen. Etwas weniger Konventionalität hätte daher gut getan, weil TIME LAPSE gerade wegen seiner immerhin unverbrauchten Idee genügend Unterhaltungswert und makabre Einfälle verspricht, damit der Genre-Fan bis zum Abspann geduldig vor der Glotze sitzen bleibt.
 
Dass der Film trotz vieler Defizite besser ist, als manch andere Debüt-Gurke liegt vor allem an den guten Schauspielern, die hier hervorragende Arbeit abliefern – auch wenn ihnen das Drehbuch nicht sonderlich viel abverlangt und die Charakterentwicklung nach bekanntem Schema verläuft. Kurzum: TIME LAPSE hatte reichlich Potenzial, das letztendlich nur bedingt ausgeschöpft wurde, weil man etwas zu halbherzig an der Geschichte gefeilt hat. Für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht es dennoch allemal.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender Mystery-Horror mit Überraschungseffekt. Das Filmdebüt von BRADLEY KING hätte ein richtig guter Sci-Fi-Streifen werden können, wäre der Film nicht zugemüllt mit dutzenden Ungereimtheiten, über die sich der Zuschauer am Ende den Kopf zerbrechen dürfte. Sicher ist die Zeitsprung-Geschichte von einem überdimensionalen Fotoapparat, der die Zukunft voraussagt nicht uninteressant. Trotzdem hinterlässt TIME LAPSE einen faden Nachgeschmack, weil die Protagonisten des Films so dämlich handeln, dass gesunder Menschenstand allein nicht ausreicht, um nachvollziehen zu können, warum sich die drei Helden so verhalten, wie sie sich verhalten. Auch wenn sich TIME LAPSE trotz Indie-Status ziemlich streng am konventionellen Horror-Kino orientiert und früh klar wird, wie der Mystery-Thriller ausgehen wird, verspricht TIME LAPSE vermutlich gerade deswegen knapp 90 Minuten solide Horror-Unterhaltung – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Zensur

 
 
 
Bis auf einige Schusswunden, sowie Stichen und Schläge mit Haushaltsgegenständen gibt es in TIME LAPSE nichts zu sehen, was für Fans härterer Filme an Interesse wäre. Zwar fließt Blut, aber der Gewaltgehalt hält sich in Grenzen. Demzufolge kommt TIME LAPSE mit FSK16 in die Händlerregale.
 
 
 


 
 
 

TIME LAPSE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle (2012)

Coherence (2013)

Timecrimes – Mord ist nur eine Frage der Zeit (2007)

Butterfly Effect (2004)

Mine Games (2012)

Frequenzy (2000)


Filmkritk: “Lemon Tree Passage” (2013)

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LEMON TREE PASSAGE

Story

 
 
 
Einige Mittzwanziger gehen in Australien auf Geisterjagd. Auf der “Lemon Tree Passage Road” im Osten des Kontinents wollen sie einer urbanen Legende auf den Grund gehen und machen dabei Bekanntschaft mit dem Sensenmann.

 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Kritik

 
 
 
Urbane Legenden sind für viele Regisseure immer wieder ein gefundenes Fressen, um daraus lukrative Horrorfilmen machen zu können. Schließlich giert man in einer Zeit permanenter Ideenarmut nach jedem halbwegs vernünftigen Gedankenblitz, damit dieser zu Geld gemacht werden kann. Neben bekannten Legenden, wie die der “Bloody Mary” oder dem “Unbekannten Anrufer” (natürlich beide von Hollywood bereits verfilmt) tauchen immer wieder neue, moderne Mythen auf, die sich Dank des Internets zügig verbreiten und Stoff für gruselige Horrorfilme liefern. Auch DAVID CAMPBELL hat sich für seinen LEMON TREE PASSAGE von einer dieser neumodischen Sagen inspirieren lassen, die seit geraumer Zeit durch die sozialen Netzwerke spukt. Hierzulande ist sie jedoch kaum jemanden ein Begriff. In Australien dagegen hat sich die Legende von der LEMON TREE PASSAGE unter Jugendlichen zu einer beliebten, aber auch äußerst gefährlichen Mutprobe entwickelt. Glaubt man den Erzählungen, spukt es auf der “Lemon Tree Passage Road” zwischen Newcastle und Sydney gewaltig. Laut Aussage der örtlichen Polizei wird in der Gegend allgemein behauptet, dass ein weißes Licht im Rückspiegel erscheint, wenn man dort eine Geschwindigkeit von mehr als 180 km/h erreicht. Grund hierfür soll angeblich ein verunglückter Motorradfahrer sein, der auf genau jener Straße sein Leben lassen musste und nun versucht Rasern gleiches Schicksal zu ersparen, in dem er sie mit einem Lichtsignal warnt. Mittlerweile hat sich die Legende zu einem ernstzunehmenden Problem für die ansässige Polizei entwickelt, da immer wieder unerfahrene Jugendliche den Nervenkitzel suchen und mit überhöhtem Tempo über die Straßen fegen, um den angeblichen Geist heraufzubeschwören und dessen Erscheinen auf Film zu bannen zu können. Viele der jungen Fahrer unterschätzen jedoch die Gefahr, was die Polizei immer wieder vor ungeahnte Herausforderungen stellt, schließlich wird durch die rücksichtslose Raserei nicht nur das eigene, sondern auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer unnötig in Gefahr gebracht.
 
Nachwuchsregisseur DAVID CAMPBELL ist noch unerfahren im Filmemachen und hat mit LEMON TREE PASSAGE seinen ersten Langfilm inszeniert, der den Vergleich zu Mainstream-Produktionen mit ähnlichem Thema (u.a. DÜSTERE LEGENDEN) nicht scheuen braucht. Für Indie-Verhältnisse schaut sein Debüt nämlich ganz ordentlich aus, was kaum erahnen lässt, dass CAMPBELL bisher nur wenig Regie-Erfahrung sammeln konnte. Viel mit dem eigentlichen (Internet)Mythos der LEMON TREE PASSAGE hat sein erster Spielfilm jedoch nicht gemein, denn CAMPBELL nutzt die moderne Legende nur als Aufhänger um darum eine Geschichte über Rache und Vergeltung zu weben. Im Mittelpunkt stehen die amerikanischen Rucksacktouristen Maya, Toby und Amelia, die am australischen Strand einige adrette Australier kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die erzählen den Durchreisenden von genau jener urbanen Legende, die seit einigen Jahren an der Ostküste Australiens die Runde macht. Selbstverständlich lässt man es sich nicht nehmen den mysteriösen Gegebenheiten auf den Grund zu gehen, steigt ins Auto und gibt Gas. Umso größer die Überraschung als tatsächlich ein unheimlicher Lichtkegel erscheint, der den Fahrenden vor drohender Gefahr warnen möchte. Leider nehmen die sechs Mittzwanziger die Warnungen nicht ernst, so dass wenig später einer nach dem anderen auf grausame Weise sein Leben lassen muss. Doch wer steckt hinter den schrecklichen Morden? Ist hier der Geist des verunglückten Motorradfahrers am Werk oder wird der verursachte Schrecken durch menschliche Hand verursacht?
 
Mystery-Horror vom Feinsten: Macher DAVID CAMPBELL scheint reichlich Gruselfutter mit unerwarteten Wendungen studiert zu haben, denn LEMON TREE PASSAGE ist einer dieser Horror-Flicks, der mal wieder mit obligatorischem Twist aufwartet, der nun mal heutzutage zum Horrorfilm gehört, wie das Salz in die Suppe. CAMPBELL streut reichlich falsche Fährten, um den Zuschauer vorerst im Glauben zu lassen, dass hier der rachsüchtige Geist eines wütenden Motorradfahrers sein Unwesen treibt. Letztendlich wird der Horrorfan aber eines Besseren belehrt, schließlich wäre eine solche triviale Auflösung vermutlich auch etwas zu unspektakulär gewesen, um Horror-Fans vor der Glotze begeistern zu können. Die Protagonisten müssen sich einer weitaus unberechenbareren Bedrohung stellen, die es am Ende zu besiegen gilt, was aber nicht ganz einfach ist, weil das Böse in LEMON TREE PASSAGE nicht irdischer Natur ist und nach Vergeltung dürstet.
 
Letztendlich überrascht jedoch, wie gut der finstere und ansprechend inszenierte Mix aus Besessenheits-, Spuk- und Rachefilm funktioniert, auch wenn zu Beginn mal wieder davon berichtet wird, dass die Geschehnisse im Film von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Das ist natürlich vollkommener Quatsch und schürt nur falsche Erwartungen, weil die Legende von der LEMON TREE PASSAGE schlichtweg dem Aberglauben zuzuordnen ist. Immerhin dürfte sich der Echtheits-Slogan auf dem Poster verkaufsfördernd auswirken. Einige verwackelte Amateur-Aufnahmen auf Youtube von vermeintlichen Geisterlichtern auf der “Lemon Tree Passage Road” dürften zudem ihr Übriges dazu beitragen, dass der Film auch hierzulande unter Gruselfans auf großes Interesse stoßen wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Garantiert kein Film für Angsthasen: Souverän inszeniertes Gruselkino mit hervorragender Schaueratmosphäre und unerwarteter Wendung. Regieneuling DAVID CAMPBELL greift mit seinem Debütwerk eine moderne Legende auf, die seit einigen Jahren an Australiens Ostküste die Runde macht und nutzt sie als Grundlage, um daraus einen Gruselstreifen über Rache und Vergeltung zu machen. Der Zuschauer wird hier abermals auf falsche Fährten gelockt, damit die Spannungsschraube konstant fester gedreht werden kann. Die Auflösung ist letztendlich nicht sonderlich innovativ, macht den Streifen aber dadurch nicht schlechter. Mystery- und Gruselfans kommen hier definitiv auf ihre Kosten, denn für ein Erstlingswerk wurde LEMON TREE PASSAGE handwerklich beachtlich umgesetzt, was neugierig auf das machen wird, was CAMPBELL in Zukunft inszenieren wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Zensur

 
 
 
LEMON TREE PASSAGE ist ein subtiler Geisterfilm, in dem kaum reißerische Gewaltakte gezeigt werden. Ein Protagonist jagt sich einer Gewehrkugel in den Kopf, ein anderer nimmt sich mit Auspuffabgasen das Leben. Zudem wird eine Heldin von einem heranfahrenden Auto zerquetscht und einen Selbstmord durch Erhängen gibt es auch zu sehen. Das reicht alles für eine ungeschnittene FSK16.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
House of Dust (2013)
 
Still 2 (2014)

Zimmer 205 – Traust du dich rein? (2011)

 
Grave Halloween (2013)


Filmkritik: “Zombie Fight Club” (2014)

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ZOMBIE FIGHT CLUB

Story

 
 
 
Ein tödlicher Zombievirus hat in der Millionenstadt Taipei ein Desaster angerichtet. Jegliche soziale Strukturen befinden sich am Rande des Zusammenbruchs, was Kriminalität und Korruption blühen lässt. In einem Hochhaus irgendwo in der Innenstadt werden aus Gangstern Gejagte. Die müssen sich ähnlich wie im Remake zu JUDGE DREDD von Stockwerk zu Stockwerk vorarbeiten, um Horden Infizierter Hausbewohner entkommen zu können.

 
 
 


 
 
 

ZOMBIE FIGHT CLUB – Kritik

 
 
 
In Taiwan ist mal wieder die Hölle los, denn dort wandeln erneut hungrige Zombies durch Straßen und Gassen, stets auf der Suche nach wohlschmeckendem Menschenfleisch. Regisseur JOE CHIEN hat ein Herz für Fans von Zombiefilmen. Der fernöstliche Filmemacher scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben Liebhabern solcher Filme mit immer wieder neuem Horrormaterial zu versorgen, in dem sich verängstigte Protagonisten vor Horden Untoter in Sicherheit bringen müssen. Nach dem eher bescheidenen ZOMBIE WORLD WAR (OT: ZOMBIE 108), der zumindest in Taiwan ordentlich Zaster in die Kassen bringen konnte, war es nur eine Frage der Zeit bis CHIEN ein weiteres Mal auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte, um dort anzuknüpfen, wo er zuletzt Erfolge verbuchen konnte. Mit ZOMBIE FIGHT CLUB hat er die sehnlich erwartete Fortsetzung zu ZOMBIE WORLD WAR gedreht und macht quasi nichts anderes als die Gewinnformel seines Erstlings abzuarbeiten und diese um Extremgewalt, Sex und Splatter zu erweitern. Technisch bleibt alles beim Alten. Abermals wird dem Zuschauer eine auf Hochglanz gebügelte und in dreckige Farben getauchte Zombieapokalypse geboten, in der Handlung, Figuren und deren Schicksale kaum Gewichtung finden. Stattdessen wird das grafische Auslöschen von Mensch und Zombie in den Mittelpunkt gerückt, was im direkten Vergleich zu aktuellen, amerikanischen Zombie-Produktionen nicht ganz ohne ist. Neben hektischen Schnitten und schnellen Kampfszenen liegt das Augenmerk auf rasante Schussduelle, ekelige Verwandlungs- und Matscheffekte sowie reißerische Zeitlupenmorde, die so genüsslich und schonungslos zelebriert werden, dass deutschen Zensurbehörden mit ZOMBIE FIGHT CLUB gar keinen Spaß verstehen dürften. Hier wird Gewalt als Mittel zum Selbstzweck eingesetzt, denn die unzugänglichen Protagonisten sehen im kaltblütigen Ausmerzen von Überlebenden und Infizierten den einzigen Ausweg einem postapokalyptischen Weltuntergangsszenario entkommen zu können. Dass im unkontrollierten Blutrausch die Handlungsbeweggründe aller Beteiligten nicht immer Sinn ergeben, ist eines der vielen Mankos mit denen ZOMBIE FIGHT CLUB sprichwörtlich zu kämpfen hat. Dem Zuschauer dürfte es da schwer fallen sich überhaupt mit einem der reichlich unsympathischen Charaktere identifizieren zu können, denn nach einer glaubhaften Charakterisierung sucht man in diesem Splatterfest vergebens.
 
In ZOMBIE FIGHT CLUB handeln die Protagonisten nicht nachvollziehbar. So finden einige Ganoven im Überlebenskampf mit dutzenden Zombies immer noch genügend Zeit, um hilflose Schulmädchen zu vergewaltigen. Zudem handelt ein Lehrer wie von Sinnen, weil seine Tochter erschossen wurde, was ihn aus unerklärlichen Gründen dazu nötigt zwei unschuldige Schulmädchen zu ermorden, mit denen er wenige Minuten zuvor noch friedlich an der Kaffeetafel gesessen hat. Vieles in ZOMBIE FIGHT CLUB ist kaum einleuchtend, weil sich JOE CHIEN zu versteift auf blutige Kämpfe und das grafische Zerschießen von Köpfen konzentriert, statt sich mit seinem Film und dessen Figuren ernsthaft auseinanderzusetzen. Fast alle Protagonisten sind Kanonenfutter, die kurz vorgestellt und wenig später kreativ vor der Kamera um die Ecke gebracht werden. Förderlich ist dies dem Film keineswegs, weil sich trotz abwechslungsreicher Gewaltakte schnell Langeweile einstellt. Letztendlich wird die dünne Handlung allein von den immerhin hervorragend umgesetzten Effekten getragen.
 
ZOMBIE FIGHT CLUB besteht aus zwei unterschiedlichen Filmhälften. Während in der ersten Stunde der Ausbruch einer Zombie-Plage zum Thema des Films gemacht wird und sich einige (kriminelle) Überlebende durch ein Hochhaus kämpfen müssen, setzt die Handlung in den letzten 30 Minuten ein Jahr später ein. In einer Art unterirdischer Kampfarena müssen Überlebende gegen Infizierte kämpfen, um just genau jenen Lehrer zu belustigen, der ein Jahr zuvor seine Tochter auf perfide Weise verloren hat. Mittlerweile handelt der nicht mehr ganz so ehrenhaft und ist zur dunklen Seite übergewechselt, hält sich Überlebende als Sklaven, um diese zu demütigen oder ermorden zu lassen. Bei derart trivialer Filmunterhaltung werden Erinnerungen an das ruppige Exploitationkino der 70er wach, denn JOE CHIEN bleibt bis zum Abspann seinem Kurs treu und ergänzt Zombie-Klischees um Sex, Martial-Arts-Action und Gewalt, so dass zumindest Freunde der etwas härteren Filmgattung gut unterhalten werden dürften. Letztendlich bleibt trotz technisch versierter Machart und reichlich Action die Spannung aus, was ZOMBIE FIGHT CLUB nur zu einem weiteren, unbedeutenden Zombie-Streifen macht, den man nach Sichtung schnell wieder vergessen haben dürfte. Eigentlich schade, hätte CHIENS Zweitwerk durchaus Potenzial gehabt, ein neuer asiatischer Splatter-Hit werden zu können. Leider mangelt es ZOMBIE FIGHT CLUB am Feinschliff, denn trotz glatt polierter Optik fehlt mal wieder das, was man in jedem zweiten Horrorfilm schmerzlich vermisst: ein sympathischer Charakter, der im Verlauf eine glaubwürdige Entwicklung durchlebt, damit sich der Zuschauer mit ihm verbunden fühlen und mitfiebern kann. Dennoch, trotz aller Kritik gehört das Sequel ZOMBIE FIGHT CLUB zu den wenigen Ausnahmen, in denen die Fortsetzung besser ist, als das Original. Demzufolge sollten Zombiefans auf jeden Fall einen Blick riskieren.
 
 
 


 
 
 

ZOMBIE FIGHT CLUB – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die taiwanesische Antwort auf THE WALKING DEAD. ZOMBIE FIGHT CLUB ist ein rasantes Zombie-Splatterfest, das seinesgleichen sucht und anfänglich etwas zu offensichtlich an den Action-Kracher THE RAID oder das JUDGE DREDD-Remake aus dem Jahre 2012 erinnert. Hier wird all das verbraten, was man bereits im schmuddeligen Exploitationkino der 70er zu sehen bekommen hat. Es wird geschossen, gefressen und zermatscht als gebe es keinen Morgen mehr, was zumindest Fans derber Gewaltstreifen durchaus zusagen dürfte. Sieht man jedoch vom hektisch geschnittenen Sex- und Gewaltcocktail sowie einigen frauenfeindlichen Filmmomenten ab, bleibt nicht mehr viel übrig, was ZOMBIE FIGHT CLUB über Wasser halten kann. Die Charaktere sind flach, die Geschichte dünn und Spannung hält sich auch in Grenzen. Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit diesem ziemlich kruden Schmuddel-Action-Mix trotzdem gut unterhalten – den vielen kreativen und hervorragend umgesetzten Gewaltspitzen sei Dank, die diesmal vorwiegend aus dem Rechner kommen, jedoch perfekt zum unbequemen Ton der düsteren Kulisse passen.
 
 
 


 
 
 

ZOMBIE FIGHT CLUB – Zensur

 
 
 
ZOMBIE FIGHT CLUB dürfte hierzulande keine ungeschnittene Freigabe erhalten. Nicht nur, dass hier ziemlich fragwürdige Gewalt gegenüber Frauen fast schon zelebriert wird; in diesem Film werden in nahezu jeder Filmminute Menschen und Zombies auf grausame Weise um die Ecke gebracht. ZOMBIE FIGHT CLUB wird demzufolge nur geschnitten in den Handel kommen. Für Label im deutschsprachigen Ausland ein gefundenes Fressen. Dort dürfte der Film mit Sicherheit im lukrativen Mediabook veröffentlicht werden.
 
 
 


 
 
 

ZOMBIE FIGHT CLUB – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Judge Dreed (2012)
 
The Raid (2011)
 
The Raid 2 (2014)
 


Filmkritik: “Tusk” (2014)

tusk-2014
 
 
 

TUSK

Story

 
 
 
Auf der Suche nach interessanten Menschen stößt der verrückte Podcaster Wallace Bryton auf den betagten Howard Howe, der den taffen Moderator auch gleich in seinem Anwesen festhält, um seinen abartigen Neigungen nachgehen zu können …

 
 
 


 
 
 

TUSK – Kritik

 
 
 
Seit seiner letzten Regiearbeit, dem Sektenthriller RED STATE (2011) ist es verdächtig still um KEVIN SMITH geworden. In letzter Zeit vorwiegend als Produzent in Erscheinung getreten hat er in der Vergangenheit manch abgedrehte Kinofilme abgeliefert, wobei CLERKS und DOGMA (1999) zu den wohl bekanntesten Amüsier-Spulen gehören dürften, die der amerikanische Indie-Filmer bisher fabriziert hat. Nach knapp dreijähriger Regieabstinenz meldet sich SMITH mit der bizarren Horrorkomödie TUSK zurück, für die er wieder einige bekannte Schauspielgrößen versammeln konnte. Der einstige Kinderstar HALEY JOEL OSMENT (THE SIXTH SENSE) agiert zusammen mit Hollywood-Star JOHNNY DEPP vor der Kamera. Letzterer hat es sich nicht nehmen lassen die Rolle eines chaotischen Eigenbrötlers zu übernehmen, für die eigentlich QUENTIN TARANTINO vorgesehen war. Weil der kein Interesse am Mitwirken hatte, rückte DEPP nach und macht mal wieder das, was er am Besten kann: sonderbare Charaktere verkörpern, die ihm in schöner Regelmäßigkeit auf den Leib geschneidert werden.
 
Die Idee zu TUSK ist auf einen gemeinsamen Audio-Podcast namens “SModcast” zurückzuführen, in dem sich Multitalent KEVIN SMITH und Produzent SCOTT MOSIER über eine Wohnungsanzeige lustig machten, in der ein Mann eine kostenlose Wohngelegenheit anbot und als Gegenleistung forderte, dass der neue Mitbewohner sich als Walross verkleiden möge. Weil SMITH das Wohnungsgesuch so absurd fand und auch Potenzial für eine mögliche Verfilmung sah, machte er daraus eine witzige Aktion und rief die Zuhörer der Folge 259 dazu auf, mit Hilfe des Hashtags „#WalrusYes“ ihr Interesse über eine Verfilmung zu bekunden. Vermutlich war das Feedback überragend, so dass aus der Idee schnell Ernst wurde und wenige Zeit später in San Diego auf der ComicCon ein erster Trailer zu TUSK gezeigt werden konnte. Doch dazu noch mehr: Glaubt man den diversen Interviews des Regisseurs, soll TUSK nur der Auftakt einer ganzen Film-Reihe werden. Eine True-North-Trilogie ist geplant, die um die ebenfalls in Kanada spielenden Filme YOGA HOSERS und JAWS ergänzt werden soll und alle Beteiligten zurückkehren lässt, die bereits im ersten Streifen zu sehen waren. So auch die Töchter von JOHNNY DEPP und KEVIN SMITH, die es ihren Vätern gleichtun und sich als Schauspielerinnen behaupten wollen.
 
TUSK erzählt die Geschichte von Podcaster Wallace Bryton (JUSTIN LONG), der für seine schwarzhumorige Internetsendung immer auf der Suche nach durchgeknallten Persönlichkeiten ist, die ihm abgefahrene Anekdoten aus ihrem Leben erzählen. Auf seinen Rundreisen entdeckt er in einer Bar den Brief des abenteuerlustigen Howard Howe (MICHAEL PARKS, aus RED STATE), der viel in seinem bisherigen Leben erlebt und zu erzählen hat. Nach einem kurzen Telefonat wird auch schon das erste Treffen vereinbart und Bryton reist nach Kanada, um den betagten Abenteurer zu besuchen. Leider erfährt das erhoffte Interview eine unerwartete Wendung, denn Howe hat mit seinem naiven Gesprächspartner Anderes im Sinn. Er überwältigt den ahnungslosen Podcaster, beraubt ihm seiner Beine und wandelt ihn Schritt für Schritt zum Walross um.
 
THE HUMAN CENTIPEDE lässt grüßen, denn irgendwie will man nach Sichtung von TUSK das Gefühl nicht loswerden wollen, als habe sich SMITH Ideen-Input beim Ekel-Horrormurks aus der Feder von TOM SIX geholt. Der hatte mit seiner kontroversen Frankenstein-Version im Jahr 2009 einen der skurrilsten Filme der letzten Jahre gedreht, der jedoch aufgrund der ungewöhnlichen Idee und der drastischen Darstellung von aneinandergenähten Menschen hier in Deutschland so schnell keinen Verleih fand. Anders sah es da jedoch international aus, wo der Film bis heute eine riesige Fangemeinde besitzt und sogar unzählige Parodien nach sich zog. TUSK könnte gleiche Richtung einschlagen, denn SMITH hat mal wieder Kino inszeniert, das ähnliches Kult-Potenzial besitzt, schließlich wird dem Zuschauer hier ein Sammelsurium schräger Charakter geboten, das allein schon das Sehen von TUSK rechtfertigt. Trotz weniger unappetitlicher Szenen kommt der Humor nicht zu kurz. SMITH lässt auch in seiner neusten Produktion das für seine Werke typische Sprüche-Feuerwerk auf den Zuschauer los, das man entweder mag oder nicht. Da wird zynisch über das kanadisch-amerikanische Verhältnis gewitzelt und kein gutes Haar an der amerikanischen Waffenpolitik gelassen. In TUSK wird nicht mit Gesellschaftskritik gespart, wenngleich diese auf eher erheiternde Weise geliefert wird, damit dem Zuschauer die mahnenden Seitenhiebe nicht auch noch auf den Magen schlagen.
 
Leider hat TUSK auch mit einigen Mankos zu kämpfen, denn inmitten schräger Geschwätzigkeit aber auch punktgenauer Wortpointen, verliert SMITH des Öfteren seine Geschichte aus den Augen. Weil TUSK aber nie erahnen lässt, wohin die Geschehnisse führen werden und neugierig auf das macht, was noch kommen wird, sind die wenigen Längen im Drehbuch zu verschmerzen. Demnach empfehlen wir diesen Höllenspaß all jenen Fans der düsteren Unterhaltung, die meinen, alles gesehen zu haben. TUSK gehört zu jenen Filmen, die so abgefahren sind, dass man es gesehen haben muss, um es überhaupt glauben zu können. Deshalb: Schaurig-komischer Geheimtipp fernab der Kommerzunterhaltung.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Einzigartiger Absurditäten-Overkill, der seinesgleichen sucht. TUSK ist abgedrehter Filmnonsens, fast schon im Grad eines HUMAN CENTIPEDE. Wer in TUSK jedoch blutige Abartigkeiten erwartet, wird enttäuscht werden, denn Macher und Drehbuchschreiber KEVIN SMITH benutzt bevorzugt skurrilen Humor, statt die haarsträubende Geschichte im Blut zu ersäufen. TUSK glänzt nicht nur mit bizarren Ideen, sondern gefällt durch seine grotesken Charaktere, die allein schon die Sichtung rechtfertigen. Allen voran JOHNNY DEPP, der sich hier mal wieder selbst übertroffen hat und überspitzt einen Detektiv verkörpert, der das tut, was er am Besten kann: reden. Ansonsten bekommt der Zuschauer die wohl seltsamste Metamorphose der Filmgeschichte zu sehen, wenn ein Mann zum Walross umoperiert wird. Wer unkommerzielle Horror-Flicks abseits des Mainstreams bevorzugt, ist mit TUSK gut beraten, schließlich bekommt man nicht alle Tage solch sonderbare Horror-Ware auf den Bildschirm, die dazu noch schwer unterhaltsam ist.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Zensur

 
 
 
THE TASK ist in Sachen Gewalt natürlich absolut nicht mit HUMAN CENTIPEDE 2 zu vergleichen, denn explizites Gemetzel gibt es hier nicht zu sehen. Meist bekommt der Zuschauer nur das Resultat schlimmer Szenen vor die Linse, die aber aufgrund der ironischen Inszenierung kaum hart wirken. Demzufolge ist TUSK ein sicherer FSK-16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

TUSK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler (2009)
 
The Human Centipede II – Full Sequence (2011)


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