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Filmkritik: „Devil in the Dark“ (2017)

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DEVIL IN THE DARK

Story

 
 
 

Die zwei Brüder Adam (ROBIN DUNNE) und Clint (DAN PAYNE aus CABIN IN THE WOODS) werden in den Wäldern Kanadas mit der Vergangenheit konfrontiert und müssen gleichzeitig ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Kritik

 
 
 
Wenn nach der Sichtung eines Horrorfilms Fragen entstehen, weil man Gesehenes nicht einordnen kann, ist das schon einmal ein gutes Zeichen. In der Regel werden so die grauen Zellen des Zuschauers beansprucht, der sich auch nach dem Abspann mit Eindrücken auseinandersetzen muss, um plausible Antworten zu finden. Wenn man aber einen Horrorstreifen gesehen hat, der trotz akribischer Analyse irgendwie gar keinen Sinn ergeben will, ist das alles andere als erbaulich. Offenbar hat dann der Regisseur sein Ziel verfehlt, der mit undurchsichtiger Handlung eher die Wut des Zuschauers schürt, statt ihn spannend zu unterhalten. Ganz ähnliches Desaster ist dem Regisseur TIM BROWN mit DEVIL IN THE DARK passiert – einem Mystery-Scharcher dessen Geschichte in den letzten Minuten sonderbare Wege geht. Dabei hat der Filmemacher eigentlich schon Erfahrung im Angstmachen sammeln können. Auf seine Kappe gehen Filme wie BITE und ANTISOCIAL 2 für die er zwar nicht auf dem Regiestuhl gesessen hat, aber immerhin als Geldgeber in Erscheinung getreten ist. Nun versucht sich TIM BROWN als Multitalent. Für den zweiten Spielfilm mit dem Titel DEVIL IN THE DARK zeichnet er neben der Produzententätigkeit ebenso als Regisseur verantwortlich. Entstanden ist ein Gruseldrama, bei dem nicht immer eindeutig ist, was man da eigentlich zu sehen bekommt.
 
 
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Wenn ein Vater seinem Kind nicht die Beachtung schenkt, welche es sich erhofft hat. Das Gruseldrama DEVIL IN THE DARK erzählt das Schicksal zweier Brüder, die nach 15 Jahren aufeinandertreffen, um jene Route durch die Wälder zu laufen, die auch der verstorbene Vater mit ihnen an Kindstagen gegangen ist. Leider ist das Verhältnis zwischen den Geschwistern angespannt. Der Vater hatte sie zu Lebzeiten nicht gleichwertig behandelt, was zu Spannungen geführt hat. Diese halten die beiden Männer auch Jahre nach dem Tod des Familienoberhaupts auf Distanz, was den Jagdausflug in den kanadischen Wäldern nicht gerade einfach gestaltet. Doch Familiendiskrepanzen sind bald das kleinere Übel. Im Schutze der Dunkelheit geht nämlich etwas Böse auf Beutezug. Eine unheimliche Kreatur will den Brüdern nichts Gutes und heftet sich an die Fersen der Männer. Bald wird klar, dass dieses Wesen kein Unbekannter ist. Bereits in der Kindheit haben die Brüder Adam (ROBIN DUNE) und Clint (DAN PAYNE) mit der finsteren Gestalt Bekanntschaft gemacht. Dass sie nun ausgerechnet als Erwachsene wieder auf den grotesken Bösewicht stoßen kann doch kein Zufall sein. Oder etwa doch?
 
 
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Was wie Werbung für Urlaub in den kanadischen Wäldern anmutet, hat mit Erholung nichts zu tun. Die Naturkulisse ist nur Schein, denn DEVIL IN THE DARK entpuppt sich als fast schon klaustrophobisches Gruseldrama in dem der Wald zur Falle, aber gleichzeitig auch zur Erlösung wird. Was wie beliebiges Gruselfutter beginnt, ist mehr Familiendrama statt Horror und begleitet zwei Brüder auf eine Reise in die kanadische Wildnis, auf der die entfremdeten Geschwister wieder zueinander finden werden. Während sich der eine vom verstorbenen Vater stets unverstanden gefühlt hat, sieht der andere im Familienoberhaupt sein Vorbild. Dass unterschiedliche Sichtweisen bereits an Kindertagen zu Spannungen und Rangkämpfen zwischen den Brüdern geführt hat, wird in Rückblenden geschildert. Doch alles wendet sich zum Guten. Die Geschwister sprechen sich aus und nähern sich an. Ein Happy End wäre somit vorprogrammiert gewesen, würde Regisseur TIM BROWN am Ende nicht einen unnötigen Rattenschwanz anhängen, der bei genauerer Betrachtung zu Verständnisproblemen führt. Da heftet sich plötzlich eine Kreatur an die Fersen der beiden Wanderer und zerrt den jüngeren Adam in seinen Bau. Der ältere Clint ringt mit der Angst und eilt dem Bruder herbei. Was folgt erschließt sich nicht wirklich. Fungiert die schlecht animierte Kreatur nur als Metapher für verdrängte Kindheitserlebnisse und die unterdrückte Emotionen der Hauptprotagonisten oder will hier einfach nur ein Walddämon Angst und Schrecken verbreiten. Aufgrund eines abrupten Endes und dem – in Horrorfilmen gern mal eingesetzten – Plottwist werden neue Fragen aufgeworfen, die in erster Linie eines gut können: verwirren. Weil Regisseur TIM BROWN mit einem offenen Ende nicht die erhofften Antworten bietet, die das Publikum wohl erwartet hat, dürften die meisten Zuschauer DEVIL IN THE DARK als Blödsinn abstempeln. Demzufolge ist dieser Mystery-Thriller definitiv nichts für jene, die Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen haben wollen. Mit denen hält man sich nämlich zurück, was zu einem mehr als unbefriedigendem Filmerlebnis führt.
 
 
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DEVIL IN THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Mystery-Drama mit fast schon surrealem Einschlag. DEVIL IN THE DARK zeigt schöne Landschaftsaufnahmen, hat gute Darsteller zu bieten und beginnt auch vielversprechend. Doch je näher sich der Streifen der Zielgeraden nähert, umso mehr enttäuscht der gebotene Mix aus Drama, Grusel und Mystery zunehmend. So wird die Handlung in den letzten dreißig Minuten immer verworrener, was das Folgen der Handlung unnötig erschwert. Weil Regisseur TIM BROWN mehrere Interpretationen zulässt, offenbar von Metaphern Gebrauch macht und sich einen Deut darum schert Antworten zu liefern, dürfte das DEVIL IN THE DARK bei den meisten Zuschauern durchfallen. Apropos durchfallen: Auch wenn dieser Streifen im Horror-Genre verwurzelt ist, hat DEVIL IN THE DARK mit Horror nur wenig am Hut. Der Film fokussiert sich in erster Linie auf das Verhältnis zweier entfremdeter Brüder, die sich durch eine bewegte Vergangenheit kämpfen. Demzufolge passt der Streifen eher ins Dramenfach – auch wenn am Ende schlechtes CGI in Form einer ominösen Waldkreatur über die Mattscheibe flimmert. Manchmal ist es eben doch besser, wenn man dem Zuschauer einfach gestrickte Geschichten erzählt, die er auch versteht und deuten kann.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Zensur

 
 
 
In DEVIL IN THE DARK werden kaum Schauwerte geboten. Der Film lebt in erster Linie von seiner unheilvollen Atmosphäre. Einer der Brüder stürzt von einer Klippe. Am Ende sehen wir eine von Elchgeweihen durchbohrten Körper. Demzufolge dürfte DEVIL IN THE DARK ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEVIL IN THE DARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Entertainment | Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Witch (2015)
 
It’s in the Blood (2012)
 
The Monster (2016)
 


Filmkritik: „Havenhurst“ (2016)

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HAVENHURST

Story

 
 
 

Ein alter Apartmentkomplex mitten in New York. Darin geht es nicht mit rechten Dingen zu, wie die neue Mieterin Jackie (JULIE BENZ – diesmal mit dunklen Haaren) bald herausfinden wird.

 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Kritik

 
 
 
Ein nostalgisches Mietshaus zwischen modernen Wolkenkratzern irgendwo in New York. Das lässt nicht unbegründet Horrorklassiker wie ROSEMARIES BABY oder HEXENSABBAT Revue passieren, in den sich das Grauen subtil seinen Weg durchs Drehbuch gebahnt hat. Von subtiler Angstmacherei oder gar altem Gruselhandwerk ist im folgenden Film aber kaum etwas zu verzeichnen. Der feierte seine Deutschlandpremiere bereits 2016 auf dem beliebten FANTASY FILMFEST, wo er eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Filmkritiker und Publikum bemängelten die schwache Regie, den löchrigen Plot und konstruiert wirkende Handlungsverläufe mit denen sich Regisseur ANDREW C. ERIN mehr schlecht als recht über Wasser hält. Ganz unbegründet ist die teils negative Kritik jedoch nicht. In der Tat bekleckert sich HAVENHURST nicht sonderlich mit Ruhm. Der stielt dreist bei Filmen wie HOUSEBOUND, THE COLLECTION oder TOOLBOX MURDERS und nimmt sich dabei auch noch bierernst. Eigene Ideen sucht man vergebens und mehr Sorgfalt im Drehbuch hätten Wunder bewirken können. Stattdessen quält HAVENHURST mit Klischees, Lustlosigkeit und Logiklücken und braucht dazu auch noch lang, bis er endlich mal an Fahrt gewinnt. Mit nennenswerter Gruselunterhaltung hat das freilich nichts zu tun.
 
 
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Eigentlich sollte sich für Jackie (JULIE BENZ aus der TV-Serie DEXTER) nun alles zum Guten wenden. Die junge Mutter war alkoholabhängig und hat durch ihre Trinksucht den Tod der kleinen Tochter zu verantworten. Nach langer Trauer und einigen Therapien soll nun ein neues Leben beginnen. Doch der Start ist schwerer als gedacht. Mit der neuen Wohnung im alten Apartmentkomplex „Havenhurst“ liegt etwas im Argen. So kann Freundin Danielle (DANIELLE HARRIS) nicht gefunden werden. Die hat hier ebenfalls ein Apartment gemietet und scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Selbstverständlich bewahrheiten sich die Vorahnungen bald. Offenbar geht in diesem Haus etwas nicht mit rechten Dingen zu, denn immer wieder verschwinden Mieter spurlos. Das weckt die Neugierde der ehemaligen Alkoholikerin. Jackie beginnt Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf ein furchtbares Geheimnis, das von der aristokratisch Hausleiterin Eleanor (FIONNULA FLANAGAN) bisher gut gehütet wurde. Hinter den Wänden lebt nämlich das Böse. Das sieht es gar nicht gern, wenn Mieter unsittliche Dinge in ihren Wohnungen veranstalten. So muss einer nach dem anderen sterben, der sich nicht an die Hausordnung hält. Ob die vom Leben gezeichnete Mittdreißigerin diesem Albtraum ein Ende bereiten wird?
 
 
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Von alten Gemäuern mit dunklen Geheimnissen. In der Regel bedeutet das: Spuk und Geister. Diesmal kommt aber alles etwas anders, denn auch wenn HAVENHURST mit schlecht ausgeleuchteten Fluren und gotischer Gruseloptik Gänsehaut verursachen möchte, ist dieser Streifen nicht im Geistergenre beheimatet. Das Böse ist hier menschlicher Natur und das ist auch schon das größte Problem dieses Horrorthrillers, denn in Sachen Glaubwürdigkeit spielt der Streifen in einer anderen Liga. Offenbar interessiert es in HAVENHURST nicht einmal die Polizei, wenn in einem riesigen Wohnkomplex plötzlich Mieter aus heiterem Himmel verschwinden. Trotz eindeutiger Hinweise und mysteriösen Hausplänen unternimmt niemand etwas. Währenddessen sterben im Keller Menschen. Mit Logik oder Glaubwürdigkeit hat das nichts zu tun. Nichtsdestotrotz will man nicht so hart ins Gericht gehen. Horrorfilme sind nicht dazu da, um logische Handlungen abzuspielen. Sie sollen das Fürchten lehren und das Herz schneller schlagen lassen. Letzteres gelingt Regisseur ANDREW C. ERIN in den letzten 30 Minuten – naja, zumindest ein wenig. Wenn das Mysterium des Films entschlüsselt wird und HAVENDURST einen deutlich raueren Ton einschlägt, überschlagen sich Ereignisse und der Gruselkrimi gewinnt an Fahrt. So wird aus seichter und atmosphärischer Gruselei ein dreckiger Überlebenskampf gegen das personifizierte Böse, der die Heldin durch Luftschächte krabbeln und in Fallen stolpern lässt. Trotz kurzem Adrenalinkick wirkt das Ende aufgesetzt. Offensichtlich wollte man sich da eine Hintertür für die obligatorische Fortsetzung offen halten. Anders lässt sich nicht erklären, warum man die krampfhaft auf sympathisch getrimmte Filmheldin kurz und schmerzlos über den Jordan springen lässt, damit das Böse triumphieren darf. Den meisten Zuschauern dürfte man mit diesem hinterlistigen Finale wohl vor den Kopf stoßen. Immerhin besitzt HAVENHURST einen Lichtblick. Horror-Ikone DANIELLE HARRIS spielt nämlich auch im Film mit. Leider ist die beliebte Genre-Schauspielerin nur in einer kurzen Rolle zu sehen, wobei am Rande erwähnt werden sollte, dass ihr Gastauftritt kaum der Rede wert ist. Die Harris stirbt nämlich bereits im Prolog den Leinwandtod. Irgendwie schade.
 
 
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HAVENHURST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Horrortrip mit fiesem Finale. Letzteres ist in seiner Boshaftigkeit aber leider sehr enttäuschend. Nicht nur weil es mit seinem unerfreulichem Ausgang vollkommen unbefriedigend ist. Es wirkt zudem erzwungen und flimmert vollkommen abrupt über die Mattscheibe. Ist den Verantwortlichen etwa das Budget ausgegangen oder hatte man vielleicht keine Lust mehr HAVENHURST um ein ansprechendes Ende zu bereichern? Letztendlich sind die Beweggründe irrelevant, denn dieser Horrorthriller ist nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Die Schauspieler machen zwar ihre Sache gut und auch die Atmosphäre stimmt. Was einen faden Beigeschmack hinterlässt ist der dümmliche Plot. Da wollte wohl jemand ganz raffiniert sein und hat unbeholfen bei Filmen wie TOOLBOX MURDERS und HOUSEBOUND stibitzt. Herausgekommen ist unglaubwürdiger und einfältiger Blödsinn, der erfahrener Zuschauer kopfschüttelnd auf der Couch zurücklassen dürfte. Da kann die reißerische Plotauflösung auch nichts mehr reißen.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es in HAVENHURST nicht zu sehen. Trotzdem gibt es eine Szene in der einem Pärchen schreckliche Dinge angetan werden und die Kamera hält drauf. Wie die beiden Protagonisten „bearbeitet“ werden ist nicht ganz ohne. Trotzdem darf man von einer ungeschnittenen FSK16 ausgehen.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CMG | Protocol Entertainment | Twisted Pictures )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Toolbox Murders (2004)
 
Toolbox Murders (1978)
 
13 Gantry Row (1998)
 
Within (2016)
 
Housebound (2014)
 


Filmkritik: „Bodom“ (2016)

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BODOM

(LAKE BODOM)

Story

 
 
 
Vier Jugendliche wollen einen mysteriösen Mordfall untersuchen, der sich 50 Jahre zuvor abgespielt hat und werden mit einer Bedrohung konfrontiert, die ihr Leben in Gefahr bringt.

 
 
 


 
 
 

BODOM – Kritik

 
 
 
Finnland ist nicht gerade das Land, was man in Horrorfilmfan-Kreisen als Genre-Schmiede bezeichnen würde. Was hier bisher an Grusel- und Schockermaterial gedreht wurde, lässt sich an einer Hand abzählen. So dürften zuletzt nur RARE EXPORTS und DARK FLOORS bei Kennern im Gedächtnis geblieben sein, die immerhin auf einschlägigen Festivals positive Resonanz erhielten und sich deshalb auch außerhalb Finnlands einen Namen machen konnten. Gleiches könnte nun auch mit dem Horrorthriller BODOM (der für den Weltmarkt in LAKE BODOM umgetauft wurde) wiederholt werden, der sich einem erfolgreichen – wenn auch makabren – Marketingtrick bedient. Regisseur TANELI MUSTONEN nutzt fürs Angstmachen historischen Background. Das bedeutet, dass die Ereignisse des Films von einem Verbrechen inspiriert wurden, das sich 1960 tatsächlich am finnischen Bodom-See nahe der Stadt Espoo, nicht weit von der Hauptstadt Helsinki zugetragen hat. Dort wurden vier Camper am frühen Morgen des 06. Juni 1960 von einem unbekannten Täter überrascht. Drei von ihnen überlebten das Massaker nicht. Trotz jahrelangen Ermittlungen konnte nicht ermittelt werden, wer die Tat begangen hat. Dennoch wurde der Vorfall im Jahr 2004 erneut aufgerollt. So geriet der damals 18-jährige Nils Wilhelm Gustafsson unter Verdacht. Der konnte sich in der Mordnacht schwer verletzt in Sicherheit bringen und wurde 2004 erneut am Mord seiner Freunde beschuldigt. Weil man aber keine aussagekräftigen Beweise finden konnte, sprach man ihn von allen Vorwürfen frei und zahlte 45.000 Euro Schadensersatz für unbegründete Untersuchungshaft.
 
 
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Horrorfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Das ist nach wie vor eine gut funktionierende Prämisse in der Filmlandschaft, um sensationslüsterne Zuschauer ins Kino locken zu können. Was bereits bei Filmen wie PSYCHO oder TEXAS CHAINSAW MASSACRE kassenwirksam angewandt wurde, funktioniert natürlich auch im Film BODOM hervorragend, der vier Jugendliche bei der Rekonstruktion besagter Morde aus dem Jahr 1960 begleitet. Die machen sich mit Sack und Pack zum Bodom-See auf, um die dort vorgefallenen Ereignisse 50 Jahre später in Eigenregie noch einmal zu untersuchen. Was aber mit Neugierde beginnt, entwickelt sich für die vier Schüler bald zum Albtraum. Kaum stehen die Zelte und die Nacht bricht herein, bekommen es die Jugendlichen mit der Angst zu tun. Offenbar schleicht hier jemand durch die Wälder, um ahnungslosen Campern das Fürchten zu lehren. So ist bald schon der erste Tote zu beklagen. Der Rest flüchtet panisch durchs Gebüsch und versucht im Dunkel der Nacht die Landstraße zu erreichen. Weil BODOM nun mal im Horrorgenre beheimatet ist, dürften erfahrene Horrorfilmkenner bereits erahnen, wohin die Reise gehen wird. Trotzdem hat BODOM einige Überraschungen zu bieten, die ihn zu nicht uninteressanter Horrorware machen. Mehr zu verraten wäre gemein.
 
 
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Was sich hier liest, wie ein beliebiger Slasher von der Stange ist weit mehr als gedacht. Der finnische Horrorthriller ist nämlich eine dieser fiesen Schauerproduktionen, die den Zuschauer versucht mit twistreicher Handlung an der Nase herumzuführen. Weil’s solche Horrorfilme aber mittlerweile wie Sand am Meer gibt, will sich BODOM dann doch gleich mit mehreren dieser Überraschungswendungen ein Denkmal setzen. Hier ist nichts wie es anfangs scheint. So besteht der Streifen aus zwei Filmhälften. Die erste entpuppt sich als atmosphärischer Slasher der alten Schule und mündet in eine zweite Hälfte, in der die Erfolgszutat gängiger Überlebens- und Terrorfilme Verwendung findet. Das bedeutet: gnadenlose Jagd durch dunkles Waldgebiet, die ein ungutes Bauchgefühl zurücklässt, weil Opfer bis zur psychischen Erschöpfung terrorisiert werden. Dabei kommt dem Film vor allem die unheimliche Kulisse zugute, die den Überlebenskampf zusätzlich erschwert. BODOM spielt mit menschlichen Urängsten, wobei die Angst vor Dunkelheit einen großen Stellenwert einnimmt. Die Jugendlichen irren hier durch ein minimalistisch ausgeleuchtetes Szenario und sehen die Hand vor Augen nicht. Dank hervorragender Kameraarbeit wird das Gefühl der Ausweglosigkeit zusätzlich verstärkt, denn Regisseur TANELI MUSTONEN lässt den Wald zu aussehen, als gebe es hier ohnehin kein Herauskommen mehr. Letzterer scheint übrigens viele Horrorfilme älteren und neueren Datum studiert zu haben. Der vermischt hier Oldschool-Lagerfeuer-Meuchelei mit unmenschlicher Kaltschnäuzigkeit, die man sonst eher in Filmen wie WOLF CREEK zu sehen bekommt. Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen und braucht den Vergleich zum amerikanischen Horrormarkt nicht zu scheuen. Technisch und atmosphärisch fährt BODOM nämlich groß auf, was einmal mehr beweist, dass die wirklich mutigen, guten und innovativen Horrorfilme immer noch aus Europa kommen.
 
 
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BODOM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslos, wendungsreich und definitiv nichts für Weicheier. Wenn ein rätselhafter Mordfall Stoff für einen Horrorfilm liefert. Bisher mussten oft die schockierenden Tatsachenberichte des berüchtigten Kriminellen CHARLES MANSON als Grundlage dafür herhalten, um Kinogänger mit fiktiven Gruselgeschichten schaurige Horrorunterhaltung bieten zu können. Doch es geht auch anders. Ein grausamer Mordfall aus Finnland bietet nun in BODOM (internationaler Titel: LAKE BODOM) die Ausgangsituation für knapp 90 Minuten Angst, Terror und Geschrei. Nach eher familienfreundlichen Produktionen geht es Regisseur TANELI MUSTONEN blutiger an. Der hatte mit THE REUNION im Jahr 2015 einen der erfolgreichsten finnischen Kinofilme gedreht und probiert sich jetzt im Horrorgenre aus. Das Endresultat kann sich sehen lassen und dürfte Slasher-Fans spannende Minuten versprechen, denn BODOM versucht mit geschickten Wendungen den Konventionen gängiger Slasher-Streifen zu entkommen. Zwar hat der Film mit den zugrundeliegenden Morden, die sich in den 1960ern in Finnland ereignet haben, nichts mehr zu tun. Trotzdem spinnt der Filmemacher die Ereignisse konsequent weiter und bietet Horrorfans spannenden Horrorstoff, der sich positiv vom üblichen Videobrei aus Amerika abhebt. Statt immer nur anspruchsvolles Arthaus- und Dramenkino zu inszenieren, täte es Finnland gut, wenn man mehr für den internationalen Filmmarkt tätig wäre. Ein Film wie BODOM dürfte sich wohl auch international zügig verkaufen lassen, denn offensichtlich beherrscht man auch in Finnland kompromissloses Horrorhandwerk tadellos. Ein uneingeschränkt empfehlenswerter Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

BODOM – Zensur

 
 
 
Trotz Slasher ist BODOM nicht sonderlich brutal. Einige Teenager werden mit spitzen Gegenständen durch Hals und Rücken erstochen. Der Fokus liegt in diesem Horrorthriller aber in erster Linie auf Terror. Demzufolge ist eine FSK16 durchaus realistisch.
 
 
 


 
 
 

BODOM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Don Films | Münchhausen Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
In Fear (2013)
 
Freitag der 13. (1980)
 
Manhunt Backwoods Massacre (2008)
 
Reykjavik Whale Watching Massacre (2009)
 
Vor Morgengrauen (1981)
 


Kritik: “ Incarnate – Teuflische Besessenheit“ (2016)

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INCARNATE – TEUFLISCHE BESESSENHEIT

(INCARNATE)

Story

 
 
 
Dr. Seth Ember (AARON ECKART) muss sich in INCARNATE seinen eigenen Dämonen stellen. Als Exorzist im Einsatz muss er erkennen, dass der neuste Patient einen Dämon beherbergt, der ihm kein Unbekannter ist.

 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Kritik

 
 
 
Über 40 Jahre ist es nun bereits her, seit WILLIAM FRIEDKIN mit dem Okkult-Horror DER EXORZIST Millionen Kinogänger schockierte und damit nicht nur einen der größten Filmerfolge der frühen 1970er Jahre schuf. Die tricktechnisch beeindruckende Teufelsaustreibung gehört auch heute noch zu jenen verstörenden Filmen, die vor allem eines gut können: Angst beim Zuschauer verursachen. Deshalb nehmen sich auch vier Jahrzehnte später immer noch Filmemacher den Klassiker zum Vorbild, um mit ihren Filmen gleichen Schrecken bewirken zu können. Leider gelingt das nur den wenigsten von ihnen, weil eher plump kopiert wird, statt sich einen eigenen Kopf zu machen. Auch Regisseur BRAD PEYTON versucht mit seinem Horrorfilm INCARNATE auf der beliebten Exorzmus-Welle zu reiten. Der hat schon einschlägige Erfahrung mit Kino-Hits gemacht und zeichnet für Filme wie SAN ANDREAS oder CATS & DOGS 2 verantwortlich. Nach lautem Action-Blockbustern für Groß und Klein, folgt nun Erwachsenenunterhaltung. Dafür bedient sich Peyton ähnlichen Erfolgsmechanismen, die bereits das Kultwerk von WILLIAM FRIEDKIN so berüchtigt gemacht haben. Ob das aufgrund der meisterhaften Vorlage überhaupt gut gehen kann?
 
 
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Dr. Seth Ember (AARON ECKART aus dem Kinoflop I, FRANKENSTEIN) ist ein gebrochener Mann. Er hat bei einem Autounfall Frau und Kind verloren. Seither quälen ihn Selbstzweifel und Gewissensbisse, die den Alltag zur Hölle machen. Doch statt in Selbstmitleid zu verfallen, flüchtet sich der depressive Familienvater in die Arbeit. Er ist als Exorzist zum Wohle der Menschheit im Einsatz. Doch statt mit Bibel und Weihwasser Dämonen auszutreiben, kommen unkonventionelle Methoden zum Einsatz. Dämonenaustreiber Dr. Ember besitzt die Gabe in das Unterbewusstsein der Leidgeplagten vorzudringen. Einmal dort angekommen, bekämpft er finstere Mächte von innen heraus. Doch nicht jeder Dämonenparasit lässt sich so einfach in die Schranken weisen. So hat sich ein ganz heimtückischer Fiesling im Kopf des 11-jährigen Cameron (DAVID MAZOUZ aus THE DARKNESS und SANITARIUM) eingenistet, der bei genauer Betrachtung kein Unbekannter ist. Die ersten Austreibungsversuche verlaufen nicht nach Plan, denn dieser Dämon beherrscht die Gabe der Manipulation. Schnell wird klar, dass hier schärfere Geschütze ausgefahren werden müssen, denn das Wesen im Kopf des Jungen ist mit Kräften ausgestattet, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellen.
 
 
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Hinter INCARNARE steckt eine leicht abgeänderte Version des Horrorklassikers DER EXORZIST. Die wurde mal wieder vom nicht gerade unbekannten Herrn Jason Blum mitproduziert, der schon allerhand kommerziellen Unfug (wie MARTYRS oder PLAY) für Hollywood fabriziert hat, um nimmersatte Mainstream-Zuschauer das Fürchten lehren zu können. Sonderlich furchteinflößend ist der hektisch zusammengeschnittene und konsequent durchgestylte INCARNATE jedoch nicht. Gänsehaut wird hier in erster Linie durch laute Schockmomente bewirkt, die in kommerziellen Horrorfilmen nun mal zum guten Ton gehören. Schlecht macht das diesen Horrorfilm aber nicht. Auch wenn INCARNATE weit weg ist von der Kreativität manch cleverer Indie-Produktionen, gehört dieser Okkult-Horror zu den besseren seiner Art. Drehbuchautor RONNIE CHRISTENSEN hat hier nicht nur wahllos Exorzisten-Klischees aneinandergereiht, um möglichst spektakuläre Spezialeffekte zeigen zu können. In dieser düsteren Dämonenaustreibung steckt weit mehr Hirn, als man es von Filmen der BLUMHOUSE PRODUCTIONS erwartet hätte. Der Film geht es überraschend psychologisch an, denn die Dämonen in diesem Horrorthriller verstecken sich hinter den Ängsten ihrer Opfer, die weit im Unterbewusstsein schlummern. Demzufolge fungiert Filmfigur Dr. Ember nicht nur als Exorzist und Dämonenaustreiber, sondern ist gleichzeitig auch Therapeut und Trostspender, der seine Patienten vom seelischen Ballast befreit. Der begibt sich in INCARNATE auf eine psychologische Reise durch den Geist eines kleinen Jungen, forscht nach Ursachen der Besessenheit und findet heraus, dass sein tapferer Patient unter der Trennung der Eltern zu leiden hat. Für den dämonischen Parasiten ein gefundenes Opfer. Der haust im Kopf des angeschlagenen Jungen, labt sich am Schmerz seines Wirtes und treibt ihn damit nur noch weiter in den Abgrund. Eine beunruhigende Diagnose.
 
 
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INCARNATE bläst frischen Wind in die Okkult-Ecke. Wer hier auf vom Teufel besessene Protagonisten hofft, die an Betten gefesselt werden und dabei vulgäres Zeug faseln, wartet vermutlich vergebens. INCARNATE macht vieles anders und vermutlich auch besser. Der etwas andere und erfrischende Umgang mit dem Thema Exorzismus verleiht dem längst eingerosteten Exorzismus-Genre neue Facetten und treibt den Spannungsaufbau voran, weil wegen der originellen Herangehensweise nervende Vorhersehbarkeiten ausbleiben. Bei einer so unkonventionellen Dämonenaustreibung schaut man doch gern über manch reißerische Effekthascherei hinweg, die vor allem im Finale etwas sehr aufdringlich zelebriert wird. Umso mehr sollte man Vorurteile ablegen und INCARNATE eine Chance geben. Auch wenn hinter dem Film eher kommerzielle Filmbuden wie BLUMHOUSE PRODUCTIONS und WWE STUDIOS stecken, hält der Thriller Abstand von hirnlose Stereotypen und Horror nach Schema F. Ungewöhnlich, clever und deshalb empfehlenswert.
 
 
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INCARNATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DER EXORZIST meets INCEPTION. Die etwas andere Psychotherapie. INCARNATE wurde bereits 2013 gedreht. Erst drei Jahre später erfolgte die amerikanische Kinoauswertung, was in den meisten Fällen nicht unbedingt Gutes bedeutet. Bei diesem Okkult-Horror kann aber Entwarnung gegeben werden. INCARNATE macht nämlich vieles richtig, wobei vor allem der interessante Umgang mit dem Thema Exorzismus Erwähnung finden sollte. Die üblichen Exorzisten-Klischees haben Sendepause. Es gibt hier weder Erbsenbrei spuckende Besessene zu sehen, noch werden mit Bibelversen und Weihwasser fiese Dämonen ausgetrieben. Das Böse wird mittels kurioser Psychotherapie in die Schranken gewiesen, was im Falle von INCARNATE originell umgesetzt wurde. Spannung ist da, Schocks fehlen nicht und blutige Schauwerte hat dieser Horrorthriller ebenfalls zu bieten. Was will das Horrorfilmherz mehr?
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Zensur

 
 
 
INCARNATE hat nicht viele Gewaltmomente zu bieten. Ein Arm wird auf unangenehme Weise gebrochen, ein Protagonist springt aus dem Fenster und landet unsanft auf dem Asphalt. Außerdem werden Gedärme aus einem Körper gezogen. Die erhältliche Heimkinofassung ist frei ab 16 Jahren und ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Incarnate; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 06.04.2017

 

Incarnate – Teuflische Besessenheit [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Exorzist II – Der Ketzer (1977)
 
Der Exorzismus von Emily Rose (2005)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Besessen – Der Teufel in mir (2012)
 
Worry Dolls (2016)
 
The Cloth – Kampf mit dem Teufel (2013)
 


Filmkritik: „The Disappointments Room“ (2016)

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THE DISAPPOINTMENTS ROOM

Story

 
 
 
Ein Film, der angeblich auf wahren Begebenheiten beruht: Eine kleine Familie zieht nach einem Schicksalsschlag in ein altes Landhaus, ohne zu ahnen, was die vorherigen Bewohner für grausame Dinge darin veranstaltet haben.
 
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Kritik

 
 
 
Es gibt Horrorfilme, da braucht man sich nur Inhaltsangabe oder Trailer anschauen und schon spart man sich den mühsamen Weg bis zum Abspann. Gruselfilme haben seit Jahren im (Heim)Kino Hochkonjunktur, was eigentlich nichts Schlechtes bedeutet. Das Problem ist hierbei jedoch, dass die unheimlichen Streifen in dem meisten Fällen nach gleichem Muster gestrickt werden. Eine gut gemeinte Geste der Drehbuchautoren, um (amerikanische) Zuschauer nicht zu überfordern. Weil aber seit Jahren immer wieder die gleichen Handlungen im Geister- und Spukgenre abgespult werden, sind diese Filme zu richtigen Spannungskillern verkommen. So folgen Handlungen stets gleichem Ablauf, was Gruselfilme so vorhersehbar gestaltet, dass bereits nach wenigen Minuten klar sein dürfte, wohin die Reise gehen soll. Auch der glattgebügelte THE DISAPPOINTMENTS ROOM macht da keine Ausnahme. KATE BECKINSALE bleibt dem Horrorgenre treu, verändert aber ihren Stil. Statt dunkler Latexuniform (wie in den UNDERWOLRD-Filmen) trägt die Schauspielerin nun vornehmlich helle Baumwollgewänder und verwandelt sich von der erbarmungslosen Vampirjägerin in eine treusorgende Hausfrau und Mutter. Die Rolle nimmt man ihr zwar zu keinem Zeitpunkt ab, dafür bekommt der männliche Filmfan was fürs Auge geboten. Das Motto „Sex sells“ gilt eben auch im Horrorfilm. Leider kam der Film – trotz der Beckinsale als Blickfang – beim amerikanischen Publikum nicht sonderlich gut. Von knapp 14 Millionen US-Dollar Budget konnten gerade mal vier wieder eingespielt werden. Ein Kinoerfolg sieht anders aus.
 
 
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Dana (KATE BECKINSALE – übrigens diesmal blond) und David (MEL RAIDO) haben es nicht leicht. Nach dem plötzlichen Tod des neugeborenen Kindes soll die kleine Familie wieder zur Ruhe kommen. Der tragische Schicksalsschlag hat das Leben der noch jungen Eheleute ins Wanken gebracht. Doch ein Neuanfang soll’s wieder richten. Dafür bezieht das Paar zusammen mit Sohnemann Lucas ein altes Landhaus, das aber erst einmal auf Vordermann gebracht werden muss. Doch aus kleinen Reparaturen werden schnell große Probleme. Auf dem Dachboden entdeckt Dana einen verschlossenen Raum, der sich auf keinem Bauplan finden lässt. Das weckt die Neugier der leidenschaftlichen Architektin. Sie versucht einen Weg zu finden, um die Tür des geheimnisvollen Zimmers zu öffnen. Selbstverständlich ergibt sich bald eine Möglichkeit, doch der Raum ist leer. Kratzspuren an Wand und Tür hinterlassen ein ungutes Bauchgefühl. Das ist bald auch berechtigt, denn offenbar hat Dana etwas befreit, das eigentlich eingeschlossen bleiben sollte. Was folgt wird zum neuen Schreckgespenst. Furchtbare Albträume und Visionen machen der attraktiven Frau ein weiteres Mal das Leben schwer. Die sieht sich bald mit einer bösartigen Präsenz konfrontiert, die so rein gar nicht zu Scherzen aufgelegt ist. Was will der Geist von der ohnehin gebeutelten Mutter und was hat es mit dem mysteriösen Zimmer auf sich? Die Suche nach Antworten führt fast zur Katastrophe.
 
 
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Spielt sich das alles nur im Kopf der Hauptdarstellerin ab oder sind hier wirklich Geister am Werk? Regisseur D.J.CARUSO macht es Filmen wie DER BABADOOK oder THE HOUSE ON PINE STREET gleich. Das bedeutet, dass er gekonnt zwischen Psychothriller und Geisterfilm springt und damit mehrere Interpretationsansätze zulässt. THE DISAPPOINTMENTS ROOM funktioniert daher als lupenreiner Spukfilm ebenso, wie als Psychogramm einer von Schuldgefühlen geplagten Mutter, die wegen des tragischen Todes ihres Babys den Verstand verliert und plötzlich mysteriöse Dinge sieht. Auch wenn es derartige Taschenspielertricks in letzter Zeit so ziemlich oft auf die Mattscheibe geschafft haben, funktioniert das Verwirrspiel in diesem Film tadellos. THE DISAPPOINTMENTS ROOM ist aufgrund seiner anfänglich undurchsichtigen Machart nämlich ganz spannend geraten, weil lang ungeklärt bleibt, was es mit dem geheimnisvollen Raum im Dachgeschoss auf sich hat. Macher D.J.CARUSO lässt früh erahnen, dass mit diesem kargen Zimmer etwas nicht stimmt und webt darum ein Geheimnis, das von der Filmheldin erkundet werden soll. Die fängt an zu recherchieren und ebnet so ihren Weg in den Wahnsinn. Ein paar Geistererscheinungen sollen den Zuschauer auf falsche Fährten locken und von der psychische Instabilität der Filmheldin ablenken. Gemeine Manipulation, die aber immerhin für Gänsehaut sorgt und Liebhaber unheimlicher Mysterystreifen kurzweilige Schauer beschert. Wer demzufolge eine Vorliebe für alte Gemäuer mit grausamer Vergangenheit besitzt, kann gern dieser gruseligen Schnitzeljagd durch schlecht ausgeleuchtete Räume folgen. Konventionelle Schocks sind garantiert und die makellose Optik dürfte vor allem Mainstream-Zuschauern zusagen. Hollywood bleibt eben Hollywood.
 
 
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THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
THE DISAPPOINTMENTS ROOM ist spannend inszeniertes Gruselkino, das sich aber beim Ablauf am Altbewährten orientiert. Wer schon einmal Filme über alte Gemäuer gesehen hat in denen es spukt, weiß was gemeint ist. Die meisten Streifen dieser Art laufen nämlich nach gleichem Muster ab. So ist es nicht selten so, dass neue Bewohner alter Anwesen von Spukerscheinungen geplagt werden und die Ursachen dafür ergründen müssen. In der Regel ist das unfreiwillige Ableben ahnungsloser Menschen daran schuld, dass genau jene nach dem Tod nicht zu Ruhe kommen. Ganz ähnlich läuft das auch in THE DISAPPOINTMENTS ROOM ab. Hier muss eine attraktive Mutter den tragischen Tod ihres Neugeborenen verarbeiten und wird im neuen Heim auch noch mit Geistern konfrontiert. Hinter dem Spuk steckt Regisseur D.J.CARUSO, der bereits Kommerzielles für Hollywood gedreht hat. Mit DISTURBIA oder ICH BIN NUMMER VIER wurden schon einige Kassenschlager von ihm inszeniert, die für namhafte Studios viel Geld eingespielt haben. Zieht man THE DISAPPOINTMENTS ROOM zum Vergleich heran, ist das Gebotene zwar immer noch kurzweilig, aber weit weg vom potenziellen Kinohit. Der Mix aus Mystery, Psychothriller und Geisterfilm bietet nichts Neues oder gar Originelles, was ihn aus der Masse an Gruselstreifen hervorstechen lässt. Zudem wirkt die bekannte Schauspielerin KATE BECKINSALE (aus den UNDERWOLRD-Filmen) im Film unnahbar und lustlos. Für eine Identifikationsfigur fatal, soll die doch den Zuschauer an die Hand nehmen und durch den Film führen. Immerhin hat die attraktive Darstellerin in jeder Szene die Haare schön und steigt selbst nach einem Nickerchen aus dem Bett, als käme sie gerade aus dem Beautysalon. Da gibt’s von uns glatt mal ein Lob an das Haar- und Make-up-Team. THE DISAPPOINTMENTS ROOM erfindet das Rad nicht neu, bereitet jedoch altbewährte Gruselrezeptur so auf, dass es nicht langweilig wird. Wer Gruselnachschub benötigt, wird demnach nicht enttäuscht werden – auch wenn das Finale dann doch etwas sehr unglaubwürdig erscheint.
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Zensur

 
 
 
Es gibt eine zerfleischt Katze zu sehen, die von einem Hund attackiert wurde. Weiterhin schlägt KATE BECKINSALE mehrmals mit einem Gegenstand auf einen Kopf ein, so dass vom Schädel nur noch Brei übrig ist. Auch wenn diese Szene sehr hart anzuschauen ist, reicht es sicherlich noch für eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE DISAPPOINTMENTS ROOM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen und Trailer liegen bei Rogue Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Noonday Witch (2016)
 
The Babadook (2014)
 
Darling (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Little Devil (2014)
 
Shining (1980)
 
The Suffering (2016)


Filmkritik: „Drifter“ (2016)

drifter-2016-posterPoster-Copyright: ©Jonathan B Perez
 
 
 

DRIFTER

Story

 
 
 
Zwei Brüder verirren sich in die Höhle des Löwen. In einer verlassenen Wüstenstadt geraten sie in die Fänge gewissenloser Psychopathen, die ihre ganz eigenen Willkommensrituale mit Durchreisenden zu feiern pflegen.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Kritik

 
 
 
Wie hätte sich das moderne Horror-Genre wohl entwickelt, wenn es nicht Regisseure wie WES CRAVEN, JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER gegeben hätte, die Generationen schockiert und so dem Horrorfilm zur Popularität verholfen haben? Letztgenannter brachte mit dem College-Film THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 1974 einen einflussreichen Wegbereiter des modernen Angstkinos in die Lichtspielhäuser, der nicht nur maßgeblich am Erfolg schmuddeliger Exploitation-Filme beteiligt war. Hoopers Paradebeispiel für kompromissloses Terrorkino polarisierte die Zuschauer und inspirierte ungezählte Filmemacher, mal mehr, mal weniger gelungene Plagiate des fix berüchtigt gewordenen Kettensägenmassakers zu drehen. Weit über 40 Jahre später hat sich da nichts geändert, wie der Indie-Horror DRIFTER beweist. Der lockt zwar nicht mit einem verheißungsvollen Massaker im Titel, ist aber bei genauerer Betrachtung nichts weiter als eine Neuinterpretation des Klassikers aus der Mache TOBE HOOPERS.
 
 
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Die zwei Brüder Miles (ARIA EMORY) und Dominic Pierce (DREW HARWOOD) kämpfen ums Überleben. In einer Zeit, in der die Welt kurz vor dem Untergang steht. Sie sind auf der Suche nach den Übeltätern, die für den Tod des geliebten Vaters verantwortlich sind und schlagen sich durch trostlose Wüstenlandschaften in denen es keine Freunde, sondern nur Feinde gibt. Nachdem ihnen mal wieder einige Fieslinge ans Leder wollen und Miles an der Hand verletzt wird, muss ein Arzt her. Doch den zu finden scheint in einem standesgemäßen Weltuntergangsszenario wie diesem schier unmöglich zu sein. So reisen die Brüder durchs Land und geraten in eine Geisterstadt, die ihnen zum Verhängnis wird. Eine Gruppe Kannibalen treibt dort ihr Unwesen und nimmt keine Gefangenen. Im übertragenen Sinn. Tatsächlich überwältigen sie die Brüder und verschleppen sie in ihren Bau. Was ihnen dort widerfährt, dürften Filmkenner bereits aus erwähntem TEXAS CHAINSAW MASSAKER sowie dessen Fortsetzungen und Prequels kennen.
 
 
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Wüsten-Massaker – nur ohne Kettensäge diesmal. Nein, DRIFTER ist trotz des Bades in der Reminiszenz keine Katastrophe. Ganz im Gegenteil. Regisseur CHRIS VON HOFFMANN hat mit seinem Spielfilmdebüt einen passablen Terrorfilm geschaffen, der vor allem durch seine durchdachte Optik zu bestechen weiß. Zu sehen gibt es durchgestylte Bilder, ungewöhnliche Kamerablickwinkel und ein schwüles Wüsten-Setting, das hin und wieder an den nachgerückten und bisher kommerziell erfolgreichsten Teil der Mad-Max-Reihe erinnert: MAD MAX – FURY ROAD. Unterstrichen wird das für Indie-Verhältnisse visuelle beeindruckende Treiben von grummelnden Bässen, Synthesizer-Klängen und verstörenden Soundeffekten, die unverkennbar durchscheinen lassen, wer Einfluss auf den Regisseur gehabt haben muss. So dürften Filmkenner akustische Anleihen zu Klassikern wie SUSPIRIA (während des Abspanns) oder dem Frühwerk des JOHN CARPENTER erkennen.
 
 
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Auf der Crowdfunding-Seite zu DRIFTER gab Filmemacher CHRIS VON HOFFMANN weiterhin zu verstehen, dass ihn aber auch Regisseure wie MARTIN SCORSESE, WILLIAM FRIEDKIN, JEAN-PIERRE MELVILLE und ABEL FERRARA beeinflusst haben sollen. DRIFTER zumindest haben die vielen Inspirationsquellen gut getan, denn die für Terror- und Backwood-Horror untypische Kulisse in Kombination mit der gelungenen akustischen Untermauerung, stellt eine gelungene Abwechslung zum teils bedeutungslosen Horror-Brei dar, der heute beinahe täglich ins Händlerregal gestellt wird. Da sieht man doch verständnisvoll darüber hinweg, dass DRIFTER im Mittelteil ein wenig schwächelt. Aufgrund der visuellen Raffinessen verliert der Regieneuling ab und an das Drehbuch aus den Augen. Das macht sich durch Leerlauf und Tempoeinbußen bemerkbar. Doch der nächste Gewaltmoment lässt nicht auf sich warten. Die sind im Film reichlich vorhanden und dürften wegen ihrer professionellen Machart Fans fürs grobe Gewaltkino zufriedenstellen. Wer sich an die härtere Gangart eines TEXAS CHAINSAW MASSACRE – THE BEGINNING gewöhnt hat, dürfte sich auch bei DRIFTER gut aufgehoben fühlen. In Sachen filmischer Kompromisslosigkeit hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN sich manchen Handgriff und Einfall von den Altmeistern abgeschaut.
 
 


 
 
 

DRIFTER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
MAD MAX trifft auf TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Das sind zumindest neben WOLF CREEK und THE PROPOSITION zwei weitere Titel, die der Regie-Newcomer im Informationstext seiner Crowdfunding-Kampagne aufzählt und die ihn zum Dreh seines Debütstreifens DRIFTER inspiriert haben sollen. Offensichtlich scheint er damit reichlich Interesse beim Horrorfilmliebhaber geweckt zu haben, weshalb Filmfans auf einer bekannten Crowdfunding-Plattform Geld spendeten, damit DRIFTER fertiggestellt werden konnte. Trotz bekannter Verweise ist DRIFTER aber dann doch mehr TEXAS CHAINSAW MASSACRE mit Protagonisten aus dem Modelkatalog, die nacheinander mit diversen Schieß- und Schneideutensilien ausradiert werden. Das allein ist natürlich nicht der Rede wert, wäre da nicht die versierte Symbiose aus Technik, Optik und Akustik. Diese Kombination lässt den Film nach deutlich mehr ausschauen, als er vermutlich gekostet hat und hebt ihn aus der grauen Masse an beliebigen Backwood- und Terrorstreifen hervor. Talent und Erfahrung zahlen sich eben aus. Letzteres hat Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHRIS VON HOFFMANN ausreichend während der Arbeit zu diversen Kurzfilmen gesammelt, die er mit viel Liebe zum Genre inszeniert hat. Mit einigen davon gewann er sogar Preise auf einschlägigen Festivals. Chapeau!
 
 


 
 
 

DRIFTER – Zensur

 
 
 
Wie es sich für einen TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Klon gehört, geht es auch in DRIFTER nicht gerade zimperlich zur Sache. Von einem abgeschlagenen Schädel, über Einschusswunden bis zu übel zugerichteten Leichen und Gesichtern gibt es einige äußerst schmerzhafte Spezialeffekte zu sehen. Hierzulande hat das aber für eine Erwachsenenfreigabe gereicht, ohne das geschnitten werden muss. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON New Media (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Drifter; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 31.03.2017

 

Drifter [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DRIFTER – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen, Szenenbilder liegen bei I-ON New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgericht in Texas (1974)
 
Kill, Granny, Kill! (2014)
 
The Redwood Massacre (2014)
 
Wolf Creek 2 (2014)
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw 3D
 


Filmkritik: „Within“ (2016)

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WITHIN

(CRAWLSPACE)

Story

 
 
 
Eine Familie bezieht ein neues Haus, in dem es – Überraschung – nicht mit rechten Dingen zugeht. Da poltert es mal wieder aus nicht erklärlichen Gründen oder Möbel verschieben sich wie von Geisterhand. Spukt es hier etwa? Na, hoffentlich nicht.

 
 
 


 
 
 

WITHIN – Kritik

 
 
 
Es gibt ja immer mal wieder eingeschränkt kreative Produzenten, Regisseure oder Drehbuchautoren, die meinen, stets besonders einfallsreich sein zu müssen. Sie feilen auf Biegen und Brechen an Titelkreationen, damit am Ende ein möglichst ausgefallener Filmname möglichst viele neugierige Zuschauer ins Kino lockt. Ein durchaus cleverer Einfall, der aber die Mühe nicht wert ist, wenn er zu viel verrät. Genau das ist beim Horrorfilm WITHIN passiert. Hier entschlüsselt der Titel quasi das, worauf der Streifen abzielt. Dumm gelaufen, vor allem deshalb, weil Drehbuchautor GARY DAUBERMAN (von ihm kommen übrigens auch die Drehbücher zu den THE CONJURING-Ablegern ANNABELLE und ANNABELLE 2) vehement darum bemüht ist, die Auflösung zum Film möglichst lang hinauszuzögern. Hat man dann aber die ersten Filmminuten gesehen und zieht den Filmtitel für Erklärungsversuche heran, wird schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Weil WITHIN von einem größeren Studio produziert wurde, kann es sich definitiv um keinen Anfängerfehler handeln. Da war wohl jemand einfach nur dumm und hat nicht mitgedacht.
 
 
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„Jede Straße hat ein unheimliches Haus und in einem dieser Häuser lebst Du!“. Jene beunruhigende Botschaft überbringt einer der Nachbarsjungen der neu hinzugezogenen Teenagerin Rebecca Howe (TEAGAN SIRSET), als die in der Garage mal wieder mysteriösen Geräuschen auf den Grund gehen will. Sie hat zusammen mit den Eltern ein schönes Anwesen in einer gepflegten Vorstadtsiedlung bezogen. Doch die Idylle ist trügerisch. Vor einigen Jahren hat sich hier Tragisches ereignet. Eine Familie kam im neuen Heim auf schreckliche Weise ums Leben. Seither machen die Nachbarn einen großen Bogen um das Haus. Spukt es hier etwa? Zumindest liegt der Verdacht nahe, denn seit dem Einzug passieren seltsame Dinge. Bilder fallen plötzlich von der Wand, Möbel werden verschoben, auf dem Dachboden rumpelt es und die Hauskatze wittert hinter den Wänden das Böse. Nach einigen Recherchen in alten Kisten der früheren Bewohner findet Rebecca eine Spur. Offensichtlich ist hier weit mehr im Busch als anfangs vermutet. Sie beginnt Ursachen zu erforschen und stößt auf ein Geheimnis, das allen bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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WITHIN oder CRAWLSPACE – so wie der Film wohl anfangs heißen sollte und umbenannt wurde, weil die Auflösung dann zu offensichtlich gewesen wäre – ist leichte Thrillerunterhaltung mit ein paar unterwarteten Wendungen und dem obligatorischen Überraschungstwist. Letzterer ist im Horrorfilm mittlerweile so oft zu sehen, dass es fast schon überflüssig ist, ihn als raffiniertes Filmelement erwähnen zu müssen. Mit Spuk hat Gezeigtes natürlich wenig gemein. Die Bedrohung ist greifbar und die mysteriösen Ereignisse lassen sich rational erklären. So dürften geübte Zuschauer recht schnell erraten, worauf es hier hinauslaufen wird, obwohl lang suggeriert wird, dass WITHIN ein weiterer Spukstreifen ist. Das macht den Streifen vorhersehbar, weil Regisseur PHIL CLAYDON (LESBIAN VAMPIRE KILLERS) mit allerhand Klischees und bekannten Schreckmomenten arbeitet, um auf falsche Fährten zu locken. Leider hat man viele der Schockmomente und Handlungsabläufe so ähnlich bereits in vielen anderen Filmen gesehen, weshalb die Irreführung nur bedingt funktioniert. Hinzukommt, dass WITHIN dann doch so einige Zeit braucht, bis es wirklich mal interessant wird.
 
 
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So bleibt leider nur ein weiterer – immerhin glattgebügelter – Thriller fürs kommerzverwöhnte Mainstream-Publikum. Sonderlich viel Anspruch und Einfallsreichtum sollte man nicht erwarten, denn WITHIN will nicht die grauen Zellen fordern, sondern ausschließlich unterhalten. Wenn man den Kopf ausschaltet, funktioniert das im hektisch geschnittenen Finale sogar wirklich gut. Hier jedoch von einem außergewöhnlich guten oder gar intelligenten Thriller zu sprechen, wäre schlicht übertrieben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einer kleinen Idee viel Brimborium gemacht wird. WITHIN verläuft nach bekannten Mustern, und kommt nicht von gewohnten Bahnen ab. Eine Familie zieht in ein Haus, bemerkt mysteriöse Dinge, geht der Sache auf den Grund und bekämpft das Böse. Der Ablauf ist bekannt und hat man in vielen anderen Horrorthrillern so ähnlich gesehen. Relativ unverbraucht ist hier nur die Erklärung, welche sich dafür mehr oder weniger dreist bei Filmen wie DAS HAUS DER VERGESSENEN, THE BOY oder UNCERTAIN GUEST bedient. Drehbuchautor GARY DAUBERMAN hat viel Füllmaterial um einen Überraschungstwist geschrieben, der in WITHIN den eigentlichen Höhepunkt darstellen soll. Wer horrorfilmunerfahren ist, dürfte über den Twist verblüfft sein – alte Horrorhasen wittern die Fährte bereits nach wenigen Minuten. Trotz austauschbarer Handlung ist Hauptdarstellerin TEAGAN SIRSET immerhin hübsch anzusehen. Die hat in quasi jeder Szenen die Haare schön und steigt natürlich nach acht Stunden Nachtruhe perfekt geschminkt aus dem Bett. Die Dame muss am Ende gegen das personifizierte Böse kämpfen und purzelt dabei von einem Klischee ins nächste. Für Zwischendurch reicht das Gruseltheater. Sonderlich hohe Erwartungen sollte man aber nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Zensur

 
 
 
Schlimme Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Hammer wird in einen Kopf geschlagen, einer anderen Person wird ein Kabel um den Hals gelegt und sie wird aufgehangen. Hierzulande wird es wohl eine FSK16 geben. Der Film soll Februar 2017 in Deutschland über WARNER BROS. erscheinen.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei WARNER BROS.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pact (2012)
 
Uncertain Guest – Du bist nicht allein (2004)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 
The Boy (2015)


Filmkritik: „31 – A Rob Zombie Film“ (2016)

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31 – A ROB ZOMBIE FILM

Story

 
 
 
Eine Gruppe Schausteller (darunter einige Darsteller aus früheren Filmen von ROB ZOMBIE) wird von Fremden überfallen und in eine unterirdische Arena verschleppt. Dort müssen sie ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

31 – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte Zottelbart und Musiker ROB ZOMBIE nach THE LORDS OF SALEM dem Filmemachen den Rücken kehren. Der surreale Okkult-Grusler erntete mehr negative Kritiken – vor allem auch deswegen, weil Fanboys hier nicht die für Zombie bekannten Gewaltorgien zu sehen bekamen. Stattdessen kehrte der kontroverse Regisseur derben Schlachtplatten den Rücken und probierte sich im Subtilen aus. Leider war das Publikum vom optisch immerhin beeindruckenden Richtungswandel nicht sonderlich begeistert. Demzufolge erhielt ROB ZOMBIE für seinen schleichenden und teils ziellosen Schauerausflug nicht die Anerkennung, die er erhofft hatte und war beleidigt. Die Quintessenz: Erstmal Schluss mit Filmedrehen – zurück zu Comics und Musik. Offenbar war’s ihm so ohne Regieklappe in der Hand auf Dauer zu langweilig. Deshalb machten kurze Zeit nach THE LORDS OF SALEM Informationen im Internet die Runde, dass der Filmemacher an einem weiteren Horrorfilm tüfteln würde, der zu Zombies Regie-Wurzeln zurückkehren sollte. Mehr Härte und Hoffnung auf ein NC-17 (die höchste Freigabe, die Filme in den USA erhalten können) sollten Erwartungshaltungen schüren. Doch verspricht 31 auch das, was der Musiker, Comicautor und Regisseur seinen Anhängern im Vorfeld versprochen hat?
 
 
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Halloween des Jahres 1979. Eine Gruppe Schausteller reist mit einem Bus durch das Hinterland der Vereinigten Staaten. Viel scheinen die nicht im Hirn zu haben, denn gute Manieren oder eloquenter Ausdruck scheinen den Zeitgenossen fremd. Da kommt es dem Zuschauer geradezu gelegen, dass der gammeligen Sitte endlich mal der Marsch geblasen wird. Bei der Reise durchs ländliche Amerika stoßen die Freunde auf seltsame Vogelscheuchen, die jemand kurz zuvor auf der Fahrbahn platziert haben muss. Wenig später ist Land unter. Vermummte Gestalten überfallen den Bus, töten die Bande und verschleppen fünf der Kumpels in eine unterirdische Arena. Hier werden Todesspiele gespielt und Wetten abgegeben. Gut für die Initiatoren der Veranstaltung, schlecht für die unfreiwilligen Teilnehmer der Menschenhatz. Die müssen sich vor einer Horde Killer-Clowns in Sicherheit bringen, die mit unterschiedlichem Mordwerkzeug den menschlichen Zielscheiben an den Kragen wollen. Immerhin gibt es ein Ziel. Wer zwölf Stunden im Spiel 31 überlebt, kann auf Gnade hoffen. Doch ob es überhaupt einem der fünf Freunden gelingt, die Nacht heil zu überstehen? Man kann es nur hoffen.
 
 
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Einmal mehr setzt ROB ZOMBIE auf das, was seine Filme nun mal ausmachen. Das bedeutet: Verrohende Sprache, gammelige Typen und brutale Gewaltmomente. Somit orientiert sich 31 in seiner Machart an die Erstlingswerke des Schock-Rockers, der mit DAS HAUS DER 1000 Leichen und der Fortsetzung THE DEVIL’S REJECTS vor allem beim horrorerprobten Zuschauer Eindruck hinterlassen konnte. Leider dürfte die Rückkehr zum Altbewährten diesmal zwar durchaus Fans der härteren Filmart zufriedenstellen; der große Coup ist mit 31 leider nicht gelungen. Horror definiert sich nicht nur durch eine lose Aneinanderreihung von möglichst heftigen Gewaltexzessen. In Zombies 31 bleiben Figuren allesamt gesichtslos, was das Treiben relativ unnahbar gestaltet, denn Sympathieträger fehlen gänzlich. Demzufolge dürfte der Zuschauer weitestgehend unberührt vom Schicksal der Helden und Bösewichte bleiben, denen es in 31 nicht gerade zimperlich an den Kragen geht.
 
 
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Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Das macht 31 aus, denn der Survival-Horrorfilm besitzt außer dem möglichst zeigefreudigen Ausradieren seiner Figuren nicht viel, was Erwähnung finden könnte. Leider verpufft die teils schockierende Wirkung der meisten Gewaltakte gänzlich, denn Macher ROB ZOMBIE lässt viel mit der Kamera wackeln, anstatt mal richtig draufzuhalten. So kommen zwar Nagelkeulen und Motorsägen zum Einsatz – außer viel Geschrei und Hektik bleiben jedoch die wenigsten der groß angekündigten Brutalo-Szenen in Erinnerung. Das spricht nicht gerade für den Film, der ohnehin ein großes Problem mit seiner rudimentären Handlung hat. Die wurde offensichtlich um diverse Gewalteinlagen geschrieben, schafft aber kaum Klarheit. So bleibt unbeantwortet, warum hier Menschen weggefangen und für Todesspiele missbraucht werden. Aber auch das Mysterium um die Drahtzieher der skrupellosen Organisation wird nicht gelüftet. Vermutlich will sich Zombie da wohl Stoff für mögliche Fortsetzungen offen lassen – sollte der Film sein Publikum finden.
 
 
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Letztendlich ist auch 31 einer dieser Film aus der Mache des ROB ZOMBIE, den man entweder mag oder auch nicht. Der schonungslose Überlebenskampf bewegt sich irgendwo zwischen Filmen wie RUNNING MAN und DIE INSEL DER VERDAMMTEN, überzeugt mit dreckigem 70er-Look und punktet definitiv in Sachen Atmosphäre. Hier muss man Zombie durchaus Talent aussprechen, denn 31 dürfte der wohl düsterste Streifen sein, den der zottelige Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat. Leider hat auch 31 – wie die übrigen Filme des ROB ZOMBIE – ein großes Problem mit der Wortgewandtheit seiner Figuren. Vulgäres Miteinander steht hier an der Tagesordnung, was den Streifen nicht unbedingt besser macht. Das unterstreicht zwar den exploitationhaften Charakter des Horrortrips, geht aber irgendwann so ziemlich auf den Wecker. Wer darüber wegsehen kann und kein Problem mit Filmen hat, die kaum Handlung besitzen und sich von einem Gewaltmoment zum nächsten hangeln, könnte kurzweilig unterhalten werden. Große Horrorfilmkunst ist 31 definitiv nicht. Da hat man schon besseres von Herrn Zombie gesehen.
 
 
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31 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Exploitation á la carte – Ein ROB ZOMBIE-Schocker wie er im Buche steht. Mit 31 kehrt der kontroverse Macher deftiger Filmalbträume wieder zu seinen Wurzeln zurück. Der durch Crowdfunding finanzierte Schocker hat vor allem eines zu bieten: Gewalt – und davon nicht wenig. Leider dürften die Schlachtorgien nicht jedermanns Sache sein. Das liegt nicht in erster Linie an der Grausamkeit der zelebrierten Morde, sondern eher an der unruhigen Kameraführung, die Schwindelgefühle auslöst. Zombie siebter Ausflug ins Regiefach glänzt durch düstere Optik, die beunruhigt – aber auch durch nahezu kaum vorhandene Handlung. Im Mittelpunkt steht ausschließlich der Gedanke, wie man Opfer möglichst reißerisch bebildert um die Ecke bringen kann. Das kann 31 ganz gut. Zu mehr taugt der Film leider nicht, dazu ist der Streifen einzig darauf aus, die niederen Instinkte des Zuschauers zu befriedigen.
 
 
 


 
 
 

31 – Zensur

 
 
 
31 hatte es nicht leicht mit der US-Freigabebehörde MPAA. Die wollte dem Streifen in der Urfassung das kommerziell tödliche NC-17 aufdrücken. Demzufolge musste der Streifen vom Regisseur geschnitten werden (angeblich nur 4 Sekunen), um ein R-Rating erhalten zu können. Auf dieser Version beruht nun auch die deutsche DVD und Blu-ray. Diese beinhaltet demzufolge die amerikanische Kinofassung. Immerhin ist die aber komplett. Angesichts der ruppigen Vorgehensweisen im Film ist die ungeschnittene Freigabe schon sehr verwunderlich.
 
 
 


 
 
 

31 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit DVD & Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 31; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.03.2017 (BD KeepCase)

 

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31 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Running Man (1987)
 
Insel der Verdammten (1982)
 
Carnage Park (2016)
 
Hostel (2005)
 


Filmkritik: „The Noonday Witch“ (2016)

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THE NOONDAY WITCH

(POLEDNICE)

Story

 
 
 

Eine junge Mutter wagt mit der kleinen Tochter in der ländlichen Idylle Tschechiens einen Neuanfang. Doch schaurige Legenden machen das neue Leben zu Hölle.

 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Kritik

 
 
 
Horror ist eine Sprache, die man überall auf der Welt versteht. Ob Europa, Asien, Südamerika oder Australien – auf jedem Kontinent unserer Erde beherrscht man die Gabe des Angstmachens und Zuschauer wagen sich freiwillig in Kinos, damit dort Nerven gekitzelt werden können. Auch wenn die meisten Horrorfilme immer noch in den USA verbrochen werden, entstehen dennoch viele Überraschungen fernab der Traumwelt. So erblicken immer mal wieder Horrorstreifen das Licht der Kinowelt aus Ländern, von denen man derart Filmware überhaupt nicht erwarten würde. Für Horrorfilme unbekannt, aber nicht unbegabt mischt nun auch Tschechien mit auf dem internationalen Gruselmarkt. Mit THE NOONDAY WITCH (im Original: POLEDNICE) wurde dort überzeugendes Filmhandwerk produziert, das schon auf einigen Festivals gezeigt wurde und viel Zustimmung erhielt. Da kann man nur hoffen, dass im Publikum keine amerikanischen Filmproduzenten saßen. Anderenfalls dürfte ein Remake nicht lang auf sich warten lassen. Ein solches Vergehen hätte THE NOONDAY WITCH nun wirklich nicht verdient.
 
 
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Das Gruseldrama THE NOONDAY WITCH basiert auf einem Gedicht des tschechischen Dichters KAREL JAROMIR ERBEN. Der veröffentlichte die Ballade von der POLEDNICE (übersetzt: Mittagshexe) bereits 1853 in seiner Balladensammlung KYTICE und lies sich hierfür von der slawischen Sagenwelt inspirieren. Darin taucht immer wieder die Figur der Mittagshexe auf, die vor allem an heißen Sommertagen erscheint, um den Menschen den Verstand zu rauben oder deren Kinder zu stehlen, die sie hinterlistig durch Wechselbälger vertauscht. Historiker vermuten, dass die Legenden deshalb entstanden, weil während der Erntezeit viele Knechte und Mägde auch in der Mittagshitze aufs Feld geschickt wurden und dort einen Hitzeschaden erlitten. Bis heute halten sich die Erzählungen über die Mittagshexe vor allem im ländlichen Tschechien hartnäckig – wohl ach deshalb, weil Kunst und Kultur immer mal wieder Sagen des Landes aufgreifen, um sie künstlerisch zu verarbeiten. So geschehen durch den Komponisten ANTONÍN DVORÁK. Der nahm sich 1894 im Orchesterwerk POLEDNICE die Thematik von der Mittagshexe erneut vor. Dabei entstand eine sinfonische Dichtung, die bis heute – zu Recht – zu einem der wichtigen Nationalgüter Tschechiens gehört.
 
 
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Wer jetzt aber glaubt, dass das Genre-Drama des jungen, tschechischen Regisseurs JIRI SADEK geifernde Kreaturen durch Kornfelder metzeln lässt, wird enttäuscht. THE NOONDAY WITCH nutzt die die Sage von der Mittagshexe nur als reißerischen Aufzieher, um den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken. Im Film wird eine junge Mutter mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert, die darauf schließen lassen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein tragisches Schicksal vereint Mutter Eliska (ANNA GEISLEROVÁ) und die kleine Tochter Anetka (KAROLINA LIPOWSKÁ). Ein Umzug aufs Land steht bevor, der nicht ohne Grund erfolgt. Der Vater ist gestorben und ein Neuanfang steht bevor. Doch davon ahnt die aufgeweckte Anetka nichts. Die erkundigt sich beinahe täglich bei der Mutter, wenn denn der Vater nachkommt. Leider weicht die Mutter bei jeder Frage aus und suggeriert dem Mädchen Hoffnung, das auf eine baldige Rückkehr des Familienoberhauptes hofft. Doch die ländliche Einöde entpuppt sich schnell als trügerisches Idyll. Die Neuhinzugezogenen werden zwar von den Einheimischen mit offenen Armen empfangen; zur Ruhe kommt die kleine Familie jedoch nicht. Der Grund: Eine verwirrte alte Frau verbreitet im Dorf Angst. Die hat vor vielen Jahren unter tragischen Umständen den Sohn verloren und ist fest davon überzeugt, dass die sogenannte Mittagshexe für die Ereignisse verantwortlich ist. Was bei Mutter Eliska anfangs Sorgen bereitet, wird bald zur Paranoia. Will hier wirklich eine bösartige Kreatur der Tochter was Böses?
 
 
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Wenn der Verlust eine geliebten Menschen aus der Bahn wirft und das Leben verändert. Viel mit Horror hat THE NOONDAY WITCH nicht am Hut. Hinter dem plakativen Titel verbirgt sich bei genauerer Betrachtung das Psychogramm einer überforderten Alleinerziehenden, die zwar ihr Kind schützen möchte, aber genau das Gegenteil bewirkt. Macher JIRI SADEK hat hier Psycho-Horror unter der schwülen Mittagssonne Tschechiens inszeniert, der Themen wie Verlust und Verlustangst fokussiert. Dabei fungiert die titelgebende THE NOONDAY WITCH nur als Metapher, um das seelische Ungleichgewicht einer orientierungslosen Frau zu unterstreichen, die allmählich den Bezug zur Realität verliert. Damit tritt JIRI SADEK in die Fußstapfen, des australischen THE BABADOOK, der im Grunde genommen von der Machart nicht unähnlich ist. Auch hier sieht sich eine alleinerziehende Frau missverstanden und verliert im Alltagswahnsinn ihren Verstand. Was folgt wird für Mutter als auch den Zuschauer zur psychischen Tortur. International gab’s für diesen intelligenten Angstmacher viel Lob.
 
 
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Gleiches bekommt THE NOONDAY WITCH auch von uns, denn der tschechische Regisseur JIRI SADEK macht seine Sache ganz gut. Hinter strahlendem Sonnenschein und goldenen Kornfelder bahnt sich Psycho-Horror schleichend seinen Weg durch den Film, um am Ende ganz unvorbereitet zuzuschlagen. Das gelingt ohne Computereffekte, effekthascherische Bilder und theatralische Musik, denn Sadek vertraut allein auf gute Schauspieler und authentische Inszenierung. Letztere scheint die Quintessenz dieses gut durchdachten Psychostücks zu sein, denn von Stereotypen ist diesmal weit und breit keine Spur. Stattdessen gibt’s Psychograuen hinterm Hoftor mit glaubhaft agierenden Protagonisten vor authentischer Kulisse. Allein deshalb wirkt THE NOONDAY WITCH schon irgendwie besorgniserregend, weil sich ein solches Drama mit Sicherheit auch genau so auch auf deutschen Dörfern zutragen könnte. Sieben blutige Filmklappen haben sich unsere Nachbarn darum redlich verdient. Wir hätten gern mehr von solchen kleinen unscheinbaren Geschichten im Abo!
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Die tschechische Antwort auf THE BABADOOK. Bemerkenswert authentisches Verwirr- und Psychospiel vor der sommerlichen Dorfidylle Tschechiens. Horror ist vermutlich der falsche Ausdruck für THE NOONDAY WITCH, der im Original eigentlich POLEDNICE heißt. Regisseur JIRI SADEK vermischt hier den psychischen Abstieg einer alleinerziehenden Mutter mit tschechischer Folklore und hat ein kleines aber feines Psychodrama inszeniert, das sich vor internationaler Konkurrenz nicht verstecken braucht. Nein, strahlender Sonnenschein und goldene Kornfelder sind nicht gerade Erfolgsgaranten für unbequeme Genrefilme. Dennoch gelingt dem tschechischen Regisseur genau dieses Kunststück in eben dieser Kulisse maximales Unbehagen entstehen zu lassen. Zu verdanken hat er das den hervorragend ausgewählten Schauspielern und einigen falsch gelegten Fährten. THE NOONDAY WITCH befindet sich weit weg von Glanz und Gloria. Das ist aber auch gut so, denn gerade deswegen wirkt der Streifen authentisch und realitätsnah. Ziemlich bemerkenswert, was da bei den Nachbarn entstanden ist. Wer demnach Anspruch im Genre sucht, sollte sich diesen Streifen unbedingt vormerken. Der ist im Übrigen nichts für jene ist, denen es im Kino hektisch, schnell und blutig zugehen muss. All das ist THE NOONDAY WITCH nämlich nicht.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Zensur

 
 
 
THE NOONDAY WITCH bzw. POLEDNICE hat weder Gewalt noch bildliches Grauen zu bieten. Der Horror ist subtiler Natur und entsteht im Kopf des Zuschauers. Demnach könnte der Film sogar eine FSK12 erhalten. Wer sich von der niedrigen Freigabe abgeschreckt fühlt, dürfte aber ein gutes Psychodrama verpassen.
 
 
 


 
 
 

THE NOONDAY WITCH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Julie Vrabelová / Barletta Production)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)

Darling (2015)

Dark Circles (2013)

Rosemaries Baby (1968)

The House on Pine Street (2015)

Demon Baby (2014)

Shining (1980)


Filmkritik: „The Forgotten“ (2014)

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THE FORGOTTEN

Story

 
 
 

In britischen Sozialwohnungen passieren seltsame Dinge. Dem 14jährigen Tommy bereiten unheimliche Geräusche aus der Nachbarswohnung Angst. Der will in THE FORGOTTEN herausfinden, ob das Gepolter rational erklärbare Ursprünge besitzt oder ob da vielleicht doch höhere Mächte am Werk sind.

 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer düstere Friedhöfe, alte Burgen oder englische Herrenhäuser sein, in denen Kreaturen aus dem Jenseits Unruhe stiften. Auch in den Ghettos britischer Großstädte fühlen sich Geister neuerdings heimisch und treiben Besetzer verlassener Sozialwohnungen in den Wahnsinn. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass Spuk in den meisten Fällen nicht grundlos stattfindet. Meist wollen Geister den Lebenden Botschaften überbringen oder den eigenen verfrühten Tod rächen, der durch die Hand skrupelloser Zeitgenossen herbeigeführt wurde. In den meisten Fällen löst das unerwartete Kettenreaktionen aus. Ob das auch in THE FORGOTTEN der Fall ist? Hinter dem sensibel orchestrierten Gruselstreifen stecken zwei, die zumindest in England nicht unbekannt sind. OLIVER FRAMTON und JAMES HALL zeichneten für Arbeiten an der langjährigen Polizeiserie THE BILL verantwortlich, die zwischen 1984–2010 eine feste Größe im britischen TV war und unter dem Titel DIE WACHE sogar für Deutschland adaptiert wurde. Für die britische Version steuerten die beiden Autoren Geschichten bei, die dann regelmäßig über die Mattscheibe flimmerten. Mit THE FORGOTTEN hat man zusammen an etwas Eigenem gearbeitet – fernab von Trivialität und Massengeschmack. Ein riskanter Versuch, der sich sehen lassen kann. Über einige wenige Logiklücken sieht man da gern hinweg.
 
 
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Teenager Tommy hat es nicht leicht. Seine Eltern leben getrennt und der Junge hat keine Freunde, weshalb er sich zurückzieht und Bilder malt. Als die Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, soll der Jugendliche beim Vater wohnen. Der entpuppt sich als Hausbesetzer und plündert abrissreife Gebäude, um sich mit dem Verkauf von Kupferrohren über Wasser halten zu können. Leider ist der Vormund kein unbeschriebenes Blatt, was den Jungen stutzig macht, weil der Vater eigenartiges Verhalten an den Tag legt. Als der von Zuhältern zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ist Tommy auf sich allein gestellt. Nun ist guter Rat teuer. Im neuen Zuhause scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Seltsames Poltern ist im Apartment nebenan zu hören. Leider wohnt dort schon seit Jahren niemand mehr. Das verursacht natürlich Unbehagen. Doch das Leben schlägt manchmal sonderbare Wege ein. Beim Zeichnen auf einer Parkbank lernt er die geheimnisvolle Carmen kennen. Schnell entsteht zwischen den Jugendlichen eine innige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Zusammen versucht man das Geheimnis der unheimlichen Geräusche zu ergründen, die Tommy Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Leider ist die Auflösung alles andere als erbaulich.
 
 
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Grusel mit Anspruch. THE FORGOTTEN setzt Köpfchen voraus, was aufgrund der hohen Anzahl an trivial gedrehter Spuk- und Geisterfilme der letzten Jahre schon als Glanzleistung betitelt werden kann. Viele davon machen nämlich das Hirn des Zuschauers zu Brei, wenn mit schlechten Geschichten versucht wird, Unterhaltung vorzugaukeln. Im Grunde besteht das Ergebnis dann aber doch nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Der englische Regisseur OLIVER FRAMTON macht da einiges anders. Hinter dem Schauerdebüt von der Insel verbirgt sich nämlich ein berührender und zugleich deprimierend-trauriger Geisterfilm, der vor allem durch hervorragend besetzte Jungdarsteller überzeugen kann. Wie im schwedischen SO FINSTER DIE NACHT entsteht hier eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der 14jährige Tommy (CLEM TIBBER) als Einzelgänger durchs Leben geht und zurückgezogen in einer ganz eigenen Welt lebt, verschanzt sich die unnahbare Carmen (ELARIA JOHNSON aus AFTERDEATH) hinter dicken Mauern und lässt kaum Schwäche zu. Trotz ihrer Gegensätze erkennen die pubertierenden Protagonisten schnell, dass sie mehr Gemeinsamkeiten besitzen als anfangs vermutet. So machen sich die beiden auf, ein Rätsel zu lösen, das den Zuschauer durch seine unbefriedigende und unerwartete Auflösung leider vor dem Kopf stößt, den Zuschauer aber gleichzeitig da packt, wo es weh tut. Kino kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.
 
 
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THE FORGOTTEN ist nichts für Arthouse-Hasser. Dieser Genrestreifen gehört zu jener Gattung Film, die man eigentlich gern im Programmkino sehen würde. Statt plakative Grusel- und Schockeffekte abzuhandeln, waren Drehbuchautor JAMES HALL die Hauptdarsteller wichtig. Demzufolge liegt der Fokus mehr auf Charakterentwicklung und Drama, statt auf Spuk und Erschrecken. Weil es der Film ruhig angeht und so Unheil gemächlich aufgebaut wird, ist THE FORGOTTEN garantiert kein Film für Gegner des langsamen Erzählens. Die sollten besser nach kommerziellem Spukkino Ausschau halten. Der nächste Blödsinn aus Hollywood lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten. Da sind wir uns sicher.
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Authentisch gespieltes Schauerstück vor ungewöhnlicher Gruselkulisse. THE FORGOTTEN beweist, dass es nicht nur in alten Herrenhäusern oder modrigen Kellergewölben spuken kann. Auch in heruntergekommenen Neubaublöcken Großbritanniens finden es Geister gemütlich. Triste Wohnviertel in sozialen Brennpunkten laden ein zu Spuk auf hohem Niveau. THE FORGOTTEN ist keiner dieser konventionell zusammengekleisterten Gruselfilme. Hier nimmt man sich Zeit für Charakter und Emotionen, so dass Spuk und Budenzauber beinahe zu kurz kommen. Ein gute Entscheidung: THE FORGOTTEN berührt – vor allem wegen der Antihelden, die von talentierten Jungdarstellern verkörpert werden. Mehr Drama statt Horror steht auf dem Programm, was den Beitrag aus der Masse hervorstechen lässt. Wer mit dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT was anfangen konnte, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. THE FORGOTTEN ist nämlich mehr oder weniger vom gleichen Kaliber. Ungewöhnlich, ergreifend und sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Zensur

 
 
 
In THE FORGOTTEN gibt es weder Gewalt noch Blut zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Gruseldrama, das eher von seiner unheilvollen Stimmung lebt, als die Geschehnisse in Blut zu ertränken. Weil es doch hin und wieder etwas unheimlich wird, bekommt der Streifen in Deutschland vermutliche eine FSK16. Insofern sich überhaupt ein Label finden lässt, das den Film hierzulande veröffentlichen möchte. THE FORGOTTEN ist nämlich sehr speziell und richtet sich eher an ein Arthaus-erprobtes Publikum. Übrigens: das Filmplakat ist vollkommen irreführend. Hier wird reißerischer Geisterspuk vorgegaukelt. Der Film ist aber ein ganz anderes Kaliber.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Citadel – Wo das Böse wohnt (2012)