Filmkritik: „Ashes“ (2018)

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ASHES

Story

 
 
 

Nach dem Tod der Tante scheint es im Leben einer großen Familie drunter und drüber zu gehen. Da passieren plötzlich mysteriöse Dinge, die die Angehörigen um den Verstand bringen.

 
 
 


 
 
 

ASHES – Kritik

 
 
 
Der Amerikaner BARRY JAY liebt Horror. Der gründete 1998 ein Fitnessunternehmen, das bis heute weltweit mehrere Filialen besitzt und ordentlich Geld auf das Bankkonto des Geschäftsmanns spült. Ein Segen für den selbsternannten Horrorfilmfan, der schon als Kind eine Leidenschaft fürs Genre entwickelte. Mittlerweile sind Träume Realtität. Durch die Einnahmen kann der erfolgreiche Tausendsassa nämlich sein Hobby finanzieren. Dazu gehören das Schreiben und Produzieren von Horrorfilmen. So entstand bereits Brauchbares. Zuletzt der Fanfilm NEVER HIKE ALONE für den BARRY JAY das Budget beisteuerte und der als liebevolle Hommage an die beliebte FREITAG DER 13.-Filmreihe sogar Preise abstauben konnte. Doch das Finanzieren von Filmen allein reicht dem ambitionierten Cineasten schon lange nicht mehr. Der probiert sich seit einiger Zeit auch im Führen von Regie aus. ASHES gehört zu einer dieser Regiearbeiten, die mehr kann, als das billige Poster verspricht.
 
 
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Eigentlich ist die Familie in ASHES ein ganz heiterer Haufen. Drei Generationen leben hier unter einem Dach, kommen sich aber so gut wie nie in die Quere. Das ändert sich schon bald, denn ein Schicksalsschlag zieht schnell weite Kreise. Tante Marion (MELINDA DEKAY) stirbt ganz unverhofft – doch so keiner ist wirklich traurig darüber. Ganz unbegründet ist das natürlich nicht. Zu Lebzeiten war die alte Frau mit ihren Marotten eher Ballast und mauserte sich schnell zum Gespött der Familie. Umso verständlicher die Tatsache, dass nun keiner weiß, was mit der Asche der Verstorbenen gemacht werden soll. Vergraben will man die Überreste nicht und auch im Haus will sich partout kein Platz dafür finden. Da passieren bald seltsame Dinge. Die Großmutter erleidet einen Schlaganfall, die älteste Tochter verliert das ungeborene Kind und auch Mutter Ellyn leidet unter Albträumen. Da fällt der Verdacht bald auf höhere Mächte. Schnell ist man überzeugt davon, dass sich offenbar die verstorbene Tante aus dem Jenseits für die vielen Schandtaten rächen möchte, die ihr die Familienmitglieder einst angetan haben. Ein Hexenbrett soll die Bestätigung liefern. Doch wie so oft im Horrorfilm kommt alles ganz anders.
 
 
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Eine schrecklich nette Familie. Könnte man meinen, wenn man die ersten 30 Minuten von ASHES verfolgt. Darin bekommt man sympathische und teils durchgeknallte Persönlichkeiten vor die Linse, von denen man meinen könnte sie schon eine Ewigkeit zu kennen. Die sprechen in Interviews über paranormalen Erfahrungen und nehmen die Sache spaßig. Doch denen vergeht schon bald das Lachen. Aus ALLE UNTER EINEM DACH wird plötzlich PARANORMAL ACTIVITY und der Ton ändert sich schlagartig. Was als schwarze Komödie beginnt, entwickelt sich abrupt zum spaßfreien Horrorszenario. Spuk, Besessenheit und jede Menge Tohuwabohu – ASHES gehört wohl zu den eigensinnigsten Horrortrips der aktuellen Saison, weil man einen solch unvorbereiteten Richtungswechsel nicht kommen gesehen hat. Für günstigen Videomarkt-Horror ungewöhnlich experimentell und mutig.
 
 
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Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY holt alles aus dem mageren Budget von knapp $200,000 heraus. Die Schauspieler agieren für eine Low-Budget-Produktion bemerkenswert souverän und auch in Sachen Dramaturgie tut sich was. Aus einer kleinen, beinahe schon trivialen Geschichte entwickelt sich ultimativer Horror, der sich kontinuierlich steigert und in einem lauten Effektgewitter endet. Dabei versucht der Filmemacher Hintergründe möglichst lang zu verschleiern. Was hat es mit den seltsamen Vorkommnissen auf sich? Gibt es plausible Erklärungen oder steckt hinter dem ganzen Gruselschabernack vielleicht doch eine übernatürliche Präsenz. ASHES macht seine Sache gut und liefert brauchbaren Schauer, der übrigens von wahren Ereignissen inspiriert wurde.
 
 
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Nun ja, ganz so reißerisch wie im Film hat sich alles natürlich nicht zugetragen. Vielmehr erklärte Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY, dass der Tod seiner Tante Marion die Idee für ASHES geliefert hat. Wie im Film kam der Tod der Familienangehörigen ganz überraschend. Die Schwester des Filmemachers war die nächste Verwandte, bekam die Asche ausgehändigt – konnte aber mit den Überresten nichts anfangen, weil sie zu der Tante keine enge Verbindung hatte. Demzufolge versteckte sie die Asche in einer Kommode. Es folgten seltsame Ereignisse, die aber weitaus harmloser waren, als im Film geschildert. Offenbar beflügelten diese die Fantasie des Regisseurs. Letzterer setzte sich an einen Tisch und schrieb die Geschichte zu ASHES. Dabei ließ er sich von seinen Lieblingsfilmen DRAG ME TO HELL und EVIL DEAD inspirieren. Von letztem hagelt es Verweise im Film. So sehen wir immer wieder ähnliche Kamerafahrten wie im Kult-Horror aus der Mache von SAM RAIMI. Der damals noch unbekannte Filmemacher baute irre Kamerafahrten in seine Splatter-Orgie ein, die bis heute viele Nachahmer gefunden haben. So dürfte es wohl so einige Dämonenfilme geben, die nicht mindestens über jene kurze Szene verfügen, in der ein Dämon in Egoansicht durch Hütten oder Wälder saust. ASHES zumindest kopiert fleißig, verleugnet aber nicht die Leidenschaft seines Machers zum Horror-Genre. Eine ehrliche und ambitionierte Regiearbeit.
 
 
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ASHES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein wilder Mix aus Mockumentary, schwarzer Komödie und Hexenbrett-Horror. Der Produzent des Jason-Voorhees-Fanfilms NEVER HIKE ALONE dreht nun selbst Filme. Herausgekommen ist ASHES – ein unabhängiger Schauertrip, der wilde Wendungen und makabere Späße in petto hat. ASHES zeigt, wie das Verhältnis einer Familie durch mysteriöse Ereignisse auf eine Probe gestellt wird. Das Gebotene ist zwar nicht frei von Fehlern und hat ab und an Längen. Dafür entschädigen gute Schauspieler und ein effektreiches Finale. Wer auf Geisterkram mit Besessenheitsunsinn steht, dürfte an ASHES Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Zensur

 
 
 
ASHES hat kaum Gewaltszenen zu bieten. Eine Figur schneidet sich die Pulsadern in der Badewanne auf. Ansonsten spielt sich gewalttechnisch alles eher im Hintergrund ab. ASHES legt Wert auf subtilen Schauer. Ein Grund, der dem Filme eine FSK16 bescheren könnte – insofern der Streifen in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Killer Therapy)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ouija Experiment (2011)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Midnight Game (2013)
 

Filmkritik: „I Trapped the Devil“ (2019)

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I TRAPPED THE DEVIL

Story

 
 
 

Zwei entfremdete Brüder treffen am Heiligen Abend aufeinander und erleben ein Weihnachtsfest voller Angst.

 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Kritik

 
 
 
Horrorfilme, die an Heiligabend spielen, bilden nicht erst seit gestern ein eigenes Genre. Bereits in den 1970ern wurde Weihnachten in Filmen wie BLACK CHRISTMAS oder UNTER MORDVERDACHT zum bluttriefenden Grauen deklariert, wo statt gefeiert grausam gestorben werden musste. Was in den 1970ern aber noch die Ausnahme war, hat sich mittlerweile im Horror-Genre fest etabliert. So vergeht nahezu kein Jahr an dem nicht mehrere Horrorfilme gedreht werden, die das Weihnachtsfest zum Thema schrecklicher Ereignisse machen. I TRAPPED THE DEVIL ist einer derer. Kurioserweise handelt es sich hier um einen Genre-Beitrag, der zwar zur Weihnachtszeit spielt, aber kaum Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. Stattdessen wird der Zuschauer in einen Albtraum aus Wahn, Paranoia und Okkult-Horror gezogen, der vor allem durch eines auffällig wird: klaustrophobische Bilder und ungemütliche Atmosphäre.
 
 
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Wenn Weihnachten eine unerwartete Richtung einschlägt. Eigentlich möchten Matt und Frau Karen nur die Festtage mit der Familie verbringen. Doch es kommt alles ganz anders. Die beiden wollen Matts psychisch labilen Bruder besuchen, um ihm am Weihnachtsabend Gesellschaft zu leisten. Leider ist Bruderherz Steve über den unangemeldeten Besuch alles andere als erfreut. Die miese Weihnachtsstimmung hat auch ihren Grund. Steve hat nämlich andere Sorgen. Der hat im Keller einen Menschen eingesperrt, von dem er fest davon überzeugt ist, dass es sich dabei um den Leibhaftigen persönlich handelt. Letzterer soll angeblich für die vielen Negativschlagzeilen in den Tageszeitungen verantwortlich zeichnen. Eine gewagte Theorie, die bald absurde Ausmaße annimmt und die Frage in den Raum stellt, ob der paranoide Bruder damit Recht behält oder alles doch nur einem kranken Geist entspringt.
 
 
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Handwerklich souverän inszenierter Gruselfilm mit kleinen Schwächen. Die Geschichte hinter I TRAPPED THE DEVIL erinnert ein wenig an die 41. Episode der beliebten THE TWILIGHT ZONE mit dem Titel THE HOWLING MAN von 1959. Auch dort drehte sich alles um einen eingesperrten Mann, der angeblich deshalb hinter verschlossenen Mauern sein Dasein fristen musste, weil man fest der Überzeugung war es hier mit dem Teufel zu tun zu haben. Was dort aber in knapp 30 Minuten über die Mattscheibe lief, wird in I TRAPPED THE DEVIL in Spielfilmlänge abgehandelt. Das ist dahingehend problematisch, weil nicht viel Story geboten wird. Regisseur JOSH LOBO lässt die überschaubare Handlung zu häufig um die Frage kreisen, was denn nun eigentlich des Pudels Kern seines ersten Spielfilms ist. Wer befindet sich tatsächlich im Keller und haben die wüsten Verschwörungstheorien überhaupt Gewichtung mit denen der Zuschauer hier konfrontiert wird? Um genau jene Fragen wird ein großes Mysterium gesponnen, für welches das Publikum viel Geduld mitbringen muss. Die Auflösung flimmert nämlich erst eine Minute vorm Abspann über den Bildschirm.
 
 
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Viel Substanz besitzt I TRAPPED THE DEVIL keineswegs. Die Geschichte tritt nämlich zugunsten Atmosphäre in den Hintergrund. Hier erhalten unbequeme Bilder und angespannte Stimmung Hauptaugenmerk. Regisseur JOSH LOBO versucht mit gruseligen Kameraeinstellungen und farblich stimmiger Ausleuchtung (da werden Bilder in stechendes Rot getaucht – DARIO ARGENTO lässt grüßen) eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die bis zum erlösenden Abspann aufrechterhalten werden soll. In der Tat schafft sie das problemlos. Schnell ist man mittendrin und sitzt angespannt vor dem Fernseher, um genau jene Auflösung zu ergründen, die I TRAPPED THE DEVIL ansteuern möchte. Leider wird die Antwort auf die entscheidende Frage so nur künstlich hinausgezögert. Die Hinhalte-Technik macht nämlich schnell müde. Ein langsamer Erzählfluss tut da sein Übriges. Regisseur JOSH LOBO nimmt sich viel Zeit, um Charaktere zu beleuchten und Stimmung durch visuelle Stilelemente aufzubauen. Die eigentliche Handlung kommt dabei aber nur schleppend in Fahrt. Das macht den visuell starken und schauspielerisch gut besetzten I TRAPPED THE DEVIL zu einem zweischneidigen Schwert. Filmfans mit Hang zum Mainstream werden da schnell das Interesse verlieren.
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der wohl gruseligste Weihnachtsfilm, der jemals gedreht wurde. I TRAPPED THE DEVIL ist ein schauriges und vor allem mehrdeutiges Gruselerlebnis, das das Gruselhandwerk der alten Schule zurück auf die Mattscheibe bringt. Hier übernehmen leise Töne die Oberhand. Mit gerade einmal drei Hauptdarstellern wird hier eine subtile und gleichzeitig klaustrophobische Geschichte erzählt, die sich in nur drei Zimmern abspielt. Die überschaubare Kulisse nutzt alle Möglichkeiten des subtilen Angstkinos aus. Da sorgen mysteriöse Stimmen für Gänsehaut, eine befremdliche Ausleuchtung schwört Unbehagen herauf und unbeantwortete Fragen treiben die Spannung voran. Leider hat dieses Debüt-Stück eines ambitionierten Nachwuchsregisseurs einen Haken. I TRAPPED THE DEVIL wird derart langsam erzählt, dass man Probleme bekommen könnte der Handlung zu folgen, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Hinzukommt, dass der Streifen in der ersten halben Stunden mit Leerlauf zu kämpfen hat, weil der dünne Plot auf 83 Minuten Laufzeit gestreckt werden musste. Zwar sind alle Zutaten für gruseliges Gänsehautkino vorhanden. Dennoch benötigt der Film lang bis diese zu einem Ganzen finden. Dafür ist das Finale stark. I TRAPPED THE DEVIL ist unausgereiftes Indie-Kino, das aber immer noch weit besser ist als das, was einem mittlerweile alles im Horror-Genre zugemutet wird.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Zensur

 
 
 
I TRAPPED THE DEVIL ist eher ein ruhig erzählter Gruselthriller ohne großartige Gewaltausbrüche. Erst am Ende wird ein Messer in einen Körper gestoßen und eine Waffe kommt auch zum Einsatz. Hierzulande dürfte das alles für eine ungeschnittene FSK16 reichen.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Rite – Das Ritual (2011)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Lost Souls – Verlorene Seelen (2000)
 

Filmkritik: „The Inhabitant“ (2017)

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THE INHABITANT

(EL HABITANTE)

Story

 
 
 
Für das Begleichen von Schulden brechen drei Mädchen in das Haus eines Politikers ein und erleben dort den ultimativen Horror.

 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Kritik

 
 
 
Der in Uruguay geborene und in Chile beheimatete GUILLERMO AMOEDO ist ein Phänomen, das man in der Filmwelt ganz häufig zu sehen bekommt. Er gehört zu jenen Leuten, die zwar beim Film arbeiten, sich aber vermutlich nie zu Träumen gewagt haben, irgendwann mal selbst bei einem Kinofilm Regie zu führen. So konnte sich Amoedo in erster Linie durch das Schreiben von Drehbüchern einen Namen machen. Von denen profitiere der kontroverse Regisseur ELI ROTH. Mit Amoedo als Drehbuchschreiber an der Seite konnte Roth mit Filmen wie KNOCK KNOCK, AFTERSHOCK und THE GREEN INFERNO international für Furore sorgen. Offenbar gab es zum Dank von Onkel Eli etwas Geld, damit Amoedo auch einen eigenen Film drehen konnte. Der kam mit THE STRANGER im Jahr 2014 auf den Markt und wurde auf einschlägigen Festivals mit Lob überhäuft. Nun hat der Filmemacher Blut geleckt. Nach einigen TV-Filmen folgt nun ein weiterer Kinofilm. Der schimpft sich EL HABITANTE und wurde zum besseren Verständnis für den Weltmarkt in THE INHABITANT umbenannt.
 
 
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Ein Einbruch mit schwerwiegenden Folgen. Eigentlich sollte es keine große Sache werden. Drei Frauen wollen in das Haus eines Senators einbrechen und dort den Tresor plündern. Doch es kommt mal wieder alles anders. Auf der Suche nach dem Geld findet man Keller ein eingeschlossenes Mädchen. Das wurde auf ein Bett gefesselt, damit es nicht fliehen kann. Schnell vermuten die Einbrecherinnen Missbrauch und wollen das Kind von seinen Qualen erlösen. Man befreit das arme Ding und will es in ein Krankenhaus bringen. Keine gute Idee, denn die Rettungsaktion endet im Desaster. Offenbar wurde das Mädchen nicht grundlos ans Bett gefesselt, denn im Körper des Teenagers schlummert das Böse. Eine Erkenntnis die den Retterinnen zu spät kommt. Die müssen nicht nur bald die Polizei fürchten, sondern auch einen Gegner, der mit allen Wassern gewachsen ist. Dämonen sind eben hinterlistige Kreaturen.
 
 
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Wenn Dämonen ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis besitzen. Vermutlich hat jeder schon mal die Begegnung mit Menschen gemacht, die Reden als gebe es kein Morgen mehr. Einmal im Quasselmodus will sich der Mund partout nicht mehr schließen. Da würde man am liebsten zum Knebel greifen, damit der ungewollte Informationsinput endlich ein Ende findet. So ähnlich dürfte es auch dem Zuschauer von THE INHABITANT gehen. Der bekommt es in diesem Film mit einem redseligen Zeitgenossen zu tun, der irgendwie nicht die Klappe halten will. Hier will ein Dämon sein Gegenüber in Grund und Boden reden mit dem Ziel sein Opfer durch Manipulation in die Knie zu zwingen. Im Film trägt das schnell Früchte. Nur leider hat Regisseur GUILLERMO AMOEDO nicht an seinen Zuschauer gedacht. Der fragt sich nicht unbegründet, warum keiner der Anwesenden endlich die Pläne des Dämons verstanden hat. Die fallen immer wieder auf die Irreführungen des Bösen hinein und katapultieren sich damit sicher in den Tod. Gut für die Opfer – schlecht für das Publikum. Das dürfte wegen der Dauerbeschallung schnell an Kopfschmerzen leiden. Einige Aspirin dürften helfen.
 
 
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THE INHABITANT ist Okkult-Horror aus Mexiko, der sich zweifelsohne vor einem der ganz großen Exorzisten-Filmen verbeugt: DER EXORZIST. Spiderwalk und Suppenkotze fehlen zwar. Dafür sind die üblichen Klischees mit an Bord. Ein Kind ist besessen und die Eltern tun alles dran, den Eindringling zu vertreiben. So kennt der Dämon alle Geheimnisse seiner Opfer, mag Bibelsprüche gar nicht und scheut weder Anstand noch Moral. Alles wie eh und je eben. Damit es dem Zuschauer aber nicht zu eintönig wird, hat man an Wendungen gedacht. Findige Horrorkenner werden da aber schnell ebenfalls bekannte Verläufe erkennen. Das Handlungsgerüst erinnert nämlich stark an den Erfolgshorror DON’T BREATHE, der im Jahr 2016 erfolgreich im Kino lief. Darin schlichen sich ebenfalls Einbrecher in eine Hütte und bekamen es darin mit dem Bösen zu tun. Einbrechen ist eben nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch lebensgefährlich.
 
 
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Auch wenn THE INHABITANT keinen Hehl daraus macht von bekannten und weitaus besseren Filmen zu stibitzen, ist der Streifen aber weit weg von schlecht. Die mexikanische Gruselproduktion hat zweifelsohne Schwächen, fährt aber in Sachen Atmosphäre groß auf. Das Set ist dunkel, einige Schockmomente sitzen genau und Spannung wird dahingehend bewirkt in dem man versucht den Zuschauer zu verwirren. Das Böse im Film konfrontiert seine Opfer mit inneren Dämonen. Die finden sich plötzlich in der eigenen Vergangenheit wieder und durchleben schreckliche Ereignisse erneut. Als wäre das nicht alles schon verwirrend genug, baut der Dämon in diesem Film Scheinwelten auf, die zu Recht die Frage aufwerfen, was denn nun in THE INHABITANT echt ist und was vom Dämon inszeniert, um das Gegenüber manipulieren zu können. Auf diese perfiden Spiele fallen nicht selten nur die gutgläubigen Protagonisten herein. Auch der Zuschauer dürfte sich dabei erwischen sich in einer der vielen Traumwelten zu verlaufen, die das Böse im Film aufbaut, um den Verstand zu vernebeln.

 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
THE INHABITANT ist kein Meisterwerk. Dafür aber solide Standard-Ware, die zumindest in der ersten Hälfte ganz spannend geraten ist. Hier weiß man anfangs nicht, worauf der Film hinaus will. Da werden ein paar falsche Fährten gelegt, um die Spannung vorantreiben zu können. Ist das Geheimnis ergründet, werden die üblichen Exorzismus-Klischees abgeklappert. Nichts Neues also aus dem Exorzisten-Lager. Dennoch fährt der uruguayische Regisseur GUILLERMO AMOEDO atmosphärisch groß auf. Der nimmt sich Zeit für seine Figuren und baut schnell ein effektives Bedrohungsszenario auf, das dann doch einige ziemlich unheimliche Momente besitzt. Gruselstimmung ist somit garantiert. Leider ist ab der Halbzeit Schluß mit spannend. Dann nämlich verirrt sich THE INHABITANT zu sehr in Vorhersehbarkeiten und zeigt das, was man eben von Exorzismus-Horrorstreifen her kennt: ständig plappernde Besessene, die trotz Exorzismus einfach nicht aus dem Körper ihres Opfers fahren wollen. Mögen sie doch an einem Kruzifix im Halse ersticken.
 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Zensur

 
 
 
THE INHABITANT hat kaum Gewalt zu bieten. Man sieht einen Autounfall, eine Protagonistin erhängt sich und einige Schusswunden bekommt man auch zu sehen. In Deutschland wurde THE INHABITANT ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El habitante; Mexiko 2017

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.66:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 26.10.2018

 

The Inhabitant [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE INHABITANT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 
Der Exorzist (1973)
 

Filmkritik: „Out of the Shadows“ (2017)

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OUT OF THE SHADOWS

Story

 
 
 

Sowas hatten wir definitiv noch nie vor der Linse: Ein Paar bezieht ein neues Haus und wird darin vom Bösen heimgesucht.

 
 
 


 
 
 

OUT OF THE SHADOWS – Kritik

 
 
 
Eigentlich hat sich Australiens Genre-Schmiede in den letzten Jahren nur von der besten Seite gezeigt. So wurden dort Filme wie THE BABADOOK, WOLF CREEK oder BETTER WATCH OUT gedreht, die von Kritikern und Presse viel Lob erhalten haben. Leider entstehen im Land der Kängurus aber auch jene Filme, die man nicht einmal mit der Kneifzange anfassen möchte. Zu einem derer gehört OUT OF THE SHADOWS. Hierbei handelt es sich um 08/15-Gruselware, die nicht grundlos auf den Wühltischen bekannter Elektronikfachmärkte ihr jämmerliches Dasein fristen wird. Regisseur DEE MCLACHLAN hat mit seinem Okkult-Blödsinn eine belanglose Gruselschlaftablette inszeniert, die wegen fehlender Ideen Müdigkeit verursacht. Der Filmemacher hat für seinen Film die wohl schlechtesten Low-Budget-Gurken der letzten Jahre abgegrast und deren gestohlene Ideen noch einmal für seinen OUT OF THE SHADOWS verwendet. Entstanden ist eine Kopie von der Kopie. Was für ein fades Gruselerlebnis.
 
 
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Elternglück mit Hindernissen. Eric (BLAKE NORTHFIELD) und Katrina (KENDAL RAE) erwarten Nachwuchs. Grund genug ein neues Heim zu beziehen und es sich darin gemütlich zu machen. Leider geht es dort bald drunter und drüber. Die Schwangere beginnt nämlich seltsame Stimmen zu hören, die das Ungeborene fordern. Das ängstigt die werdende Mutter zu Tode, zumal eine tote Krankenschwester durch die Wohnung wandelt, mit der offenbar nicht gut Kirschen essen ist. Was soll das alles? Genau jene Frage stellt sich bald auch die verzweifelten Katrina, die mit eigenen Forschungen beginnt, weil ihr niemand Glauben schenken will. Währenddessen untersucht Gatte und Gesetzeshüter Eric seltsame Mordfälle. Darin verwickelt: schwangere Frauen. Ob es hier Parallelen zum Privatleben des Detectives gibt? Man muss OUT OF THE SHADOWS nicht gesehen haben, um eins und eins zusammenzählen zu können.
 
 
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Von Dämonen, Geistern und schwangeren Frauen. OUT OF THE SHADOWS ist kein guter Gruselstreifen, weil er einfach unoriginell das abspult, was zuvor schon so viele Filme thematisiert haben. Ein Dämon will Unheil stiften und muss deshalb in seine Schranken gewiesen werden. Ein paar paranormale Ereignisse hier, ein paar falsche Fährten da und am Ende muss mit kirchlichem Beistand das Böse vernichtet werden. Ja, das klingt nach Stoff, den man so noch nie zu sehen bekommen hat. OUT OF THE SHADOWS bekleckert sich beim Erzählen nicht unbedingt mit Einfallsreichtum, sondern macht von der faden Zutatenliste für Geister- und Dämonen-Horror Gebrauch, mit der sich die Mehrheit der Filme über Wasser hält, die in diesen Subgenres beheimatet sind. Demzufolge sind Verläufe vorhersehbar und Schockmomente verfehlen ihre Wirkung. Ob das Regisseur DEE MCLACHLAN so bewusst gewesen ist? Der hat hier einen simplen, vorhersehbaren und vor allem langweiligen Dämonenschnarcher auf Zelluloid gebannt, dem es nicht einmal gelingt gruselig zu sein. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen Streifen, der eigentlich darum bestrebt sein sollte dem Zuschauer Gänsehaut zu bereiten. Daher legen wir jedem ans Herz, diesen cineastischen Schnellschuss besser zu meiden. Die kostbare Lebenszeit kann man auch in bessere Filme investieren. Eine Folge GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN ist spannender und weitaus gruseliger.
 
 
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OUT OF THE SHADOWS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Austauschbarer Gruselfilm auf NETFLIX-Niveau! Eine schwangere Frau, die durch unheimliche Geschehnisse den Verstand verliert. Erfahrene Filmkenner haben da gleich so Filme wie ROSEMARIES BABY, DELIVERY oder DARK CIRCLES vor Augen, in denen die Schwangerschaft zum Horror gemacht wird. Leider ist der hier vorgestellte OUT OF THE SHADOWS kein Psychothriller über eine überforderte Schwangere, die Angst davor hat Mutter zu werden. Vielmehr entpuppt sich dieser australische Gruselstreifen als langweiliger Okkult-Schnarcher, der nach Schema F gezimmert wurde und kaum eigene Ideen besitzt. Geister spuken umher und wollen Botschaften vermitteln. Dämonen hingegen treiben ihr Unwesen und sorgen für Chaos. Ein Priester will dem Treiben ein Ende setzen und lockt das Böse aus der Reserve. Alteingesessene Genre-Anhänger rollen da zu Recht mit den Augen. OUT OF THE SHADOWS ist ein typischer Vertreter der Gattung: „Günstig gedreht und schnell abkassiert“. Neuerungen sucht man vergebens und Spannung ebenfalls. Immerhin macht der Streifen technisch einiges her. Der Film schaut gut aus und auch die Schauspieler können was. Doch was nützt die schöne Hülle, wenn das Fundament wackelig ist. In diesem Falle hätte man sich fürs Schreiben des Drehbuchs ein paar Tage mehr Zeit lassen sollen.
 
 
 


 
 
 

OUT OF THE SHADOWS – Zensur

 
 
 
In OUT OF THE SHADOWS liegt eher das Gruseln im Mittelpunkt. Viel Blut oder Gewalt gibt es demnach nicht zu sehen. Sollte der Streifen in Deutschland ausgewertet werden, dürfte eine FSK16 denkbar sein.
 
 
 


 
 
 

OUT OF THE SHADOWS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Bronte Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Still/Born (2017)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „The Hollow Child“ (2017)

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THE HOLLOW CHILD

Story

 
 
 

Eine boshafte Kreatur schlüpft in den Körper eines kleinen Mädchens und stiftet so Unruhe.

 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Kritik

 
 
 
Dämonen sind schon heimtückische Kreaturen. Die lassen nichts unversucht, um der Menschheit das Leben schwer zu machen. So schlüpfen sie nicht selten in die Körper ahnungsloser Opfer, um so unbemerkt Schrecken und Leid zu verursachen. Dabei ganz besonders beliebt als Versteck: unschuldig dreinschauende Kinder, denen man nichts Böses möchte. Die werden im Genrekino gern mal als willenlose Marionetten umfunktioniert, weil niemand vermuten würde, dass in ihnen der Teufel hausen könnte. Eine heimtückische Gruselrezeptur, die auch im Horrorfilm THE HOLLOW CHILD angewandt wird. Ähnlich wie im Okkult-Klassiker DAS OMEN verbirgt sich hier ebenso das Böse hinter vermeintlich unschuldigen Kinderaugen mit dem Ziel, möglichst viel Chaos entstehen zu lassen. Überraschenderweise ist dieser Versuch geglückt. Trotz Erstlingswerk hat der noch unbekannte Nachwuchsregisseur JEREMY LUTTER einen durchweg gelungenen Film hervorgebracht, der vor allem von seiner sympathischen Hauptdarstellerin getragen wird. Letztere wird von JESSICA MCLEOD verkörpert, welche sich mit einer Außenseiterrolle vom üblichen Helden-Klischee abhebt. Gute Voraussetzungen also um Mitfiebern zu können.
 
 
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Olivia (HANNAH CHERAMY) und Samantha (JESSICA MCLEOD) sind zwei Waisenkinder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Beiden werden von einem gutbürgerlichen Pärchen aufgenommen und erhalten so die Möglichkeit ein ganz normales Leben zu beginnen. Während die jüngere Olivia schnell einen Draht zu den neuen Eltern findet, fällt es der rebellischen Teenagerin Samantha schwerer sich in die neue Familie zu integrieren. Doch das Schicksal meint es mit beiden Mädchen nicht sonderlich gut. Die jüngere Olivia verschwindet plötzlich im Wald, weil ihre Adoptivschwester nicht auf sie aufgepasst hat. Trotz Suche bleibt das neue Familienmitglied verschwunden. Das lenkt die Enttäuschung der verzweifelten Eltern auf sich, die sich plötzlich gar nicht mehr so sicher sind, ob es eine gute Idee gewesen ist, eine pubertierende Teenagerin zu adoptieren. Nach drei Tagen voller Kummer taucht das verschollene Mädchen plötzlich wieder auf. Zwar scheint dem Kind nichts passiert zu sein, trotzdem ist Olivia nicht mehr dieselbe. Die reißt ihren Stofftieren die Augen aus und hat offenbar ihre guten Manieren verloren. Ist das Mädchen etwa vom Teufel besessen? Genau jenen Verdacht hegt Adoptivschwester Samantha, die mit Recherchen beginnt, weil ihr niemand Glauben schenken möchte.
 
 
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Vom Bösen besessene Kinder. Das ist ein Thema, dass gern im Horrorkino Verwendung findet. So denke man an den ganz großen Film dieser Gattung: DER EXORZIST. Der verstörte in den 1970ern gerade deswegen, weil sich das Böse in einem Kind formierte, dem man kein Leid zufügen wollte, um den Teufel wieder vertreiben zu können. Was aber vor über 40 Jahren im Kino zu Tode ängstigte, ist natürlich mittlerweile Horror-Alltag geworden und schockiert kaum noch jemanden, der regelmäßig Horrorfilme sieht. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Tricktechniker makabere Spezialeffekte einfallen lassen und so alteingesessene Horrorfilmkenner in Entzückung versetzen. Der Videomarkt ist groß und demzufolge auch die Anzahl sich ständig wiederholender Geschichten und totgefilmter Klischees, die dem Horrorgenre allmählich die Puste rauben, weil mehr auf Quantität Wert gelegt wird, statt Qualität walten zu lassen. Da verblüfft es dennoch, dass ein Film wie THE HOLLOW CHILD eines Besseren belehren kann. Der Streifen ist mutiges Indie-Kino und kommt auch ohne Ekel-Metamorphosen oder schnellem CGI-Overkill aus. Stattdessen beruft sich Filmemacher JEREMY LUTTER auf die klassische Kunst des Erzählens und vermeidet hektische Schnitte oder übertriebene Blut-Sauereien. Das stellt sich glatt die Frage, ob altes Gruselhandwerk in einer Zeit überhaupt noch funktioniert, in welcher Streaming-Portale wie NETFLIX & Konsorten immer trivialeren Fast-Food-Horror auf den zahlungswilligen Zuschauer loslassen. Wir meinen ja. THE HOLLOW CHILD nimmt sich nämlich noch Zeit für seine Protagonisten und hakt deren Charakterisierung nicht im Eiltempo ab. So kann sich der Zuschauer auf die Figuren einlassen und leidet mit ihnen mit.
 
 
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Mehr Drama statt Horror lautet im Falle von THE HOLLOW CHILD die Devise. Der Film besitzt natürlich Horror-Elemente und webt ein Mysterium um Filmfigur Olivia. Die Antworten auf plötzlich seltsames Verhalten des kleinen Mädchens besitzen aber wenig Gewichtung. Stattdessen fokussiert sich der Film weitestgehend auf seine rebellische Hauptdarstellerin, die in THE HOLLOW CHILD eine regelrechte Verwandlung durchlebt. Während die sonst so brave Olivia zum garstigen Teufel mutiert, wird deren Adoptivschwester und Teenagerin Samantha plötzlich vom pubertierenden Problemfall zur einsichtigen Mutter Theresa. Auf ihrem Weg der Erleuchtung muss sie erkennen, was wahre Freundschaft bedeutet und dass Familie etwas ist, was auch in schlechten Zeiten stützt. Somit ist THE HOLLOW CHILD trotz Gruselelementen mehr Drama über Selbstfindung und Erwachsenwerden, das letztendlich hätte auch ganz auf den Horror-Part verzichten können. Der mutet mancherorts störend an, musste aber wohl sein, um das Interesse von Horrorfans gewinnen zu können. Manchmal sind die subtileren Wege die besseren.
 
 
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THE HOLLOW CHILD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mix aus Coming-of-Age-Drama und Dämonen-Horror, der vor allem wegen seiner sympathischen Filmheldin in Erinnerung bleibt. Wer hier den ultimativen Okkult-Schocker mit Infarktrisiko erwartet, wird schnell enttäuscht werden. In THE HOLLOW CHILD regieren die leisen Töne und ja, es wird ziemlich viel geredet. Das dürfte schnell jene abschrecken, die sonst eher schnell abgedrehten Hochglanz-Horror aus dem Hause BLUMHOUSE bevorzugen. THE HOLLOW CHILD ist – trotz Dämonenthematik – eher ein Gruseldrama über einen Teenager, der nach Zugehörigkeit sucht und diese natürlich auch findet. Dass das alles unter dem Deckmantel eines Horrorfilms passieren muss, ist etwas unglücklich entschieden, aber dennoch ganz passabel. Wer demzufolge gern Horrorfilme schaut, in denen die Figuren der Star sind und nicht die Spezialeffekte, dürfte durchaus positiv überrascht sein – auch wenn im Finale etwas zu sehr in der angestaubten Horror-Mottenkisten nach Dämonen-Klischees gekramt wird.
 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Zensur

 
 
 
Sonderlich brutal ist THE HOLLOW CHILD nicht. Erst gegen Ende gibt es einige Gewaltmomente zu sehen. Die werden aber eher zurückhaltend eingesetzt, weshalb der Streifen hierzulande problemlos eine FSK16 erhalten hat.
 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Hollow Child; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 28.09.2018

 

The Hollow Child [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE HOLLOW CHILD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Broken Mirror Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Omen (1976)
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Mickey (1992)
 

Filmkritik: „The Cleanse“ (2016)

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THE CLEANSE

(THE MASTER CLEANSE)

Story

 
 
 

Neustart mit Hindernissen: Ein seltsames Programm soll Menschen von ihren Sorgen befreien und ein neues, besseres Leben ermöglichen. Doch dieser Kurs hat auch seine Tücken, wie der desorientierte Mittdreißiger Paul herausfinden muss.

 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Kritik

 
 
 
Es ist immer wieder überraschend, wen man so alles in Indie-Horrorfilmen wiedertrifft. Nicht selten geben sich nämlich namhafte Schauspieler die Ehre und tauchen in Filmen auf, die sich eher auf einen kleinen, nischigen Publikumskreis konzentrieren. Zuletzt geschehen in der Romanverfilmung I AM NOT A SERIAL KILLER. Darin gab es ein Wiedersehen mit Zurück-in-die-Zukunft-Star CHRISTOPHER LLOYD, der sich offenbar nicht zu schade war, auch mal in einem Horrorfilm mitzuwirken, welcher nicht unbedingt für den Massenmarkt gemacht wurde. Gleiches trifft nun auch auf den vorliegenden THE CLEANSE (Arbeitstitel: THE MASTER CLEANSE) zu. Dabei handelt es sich ebenfalls um unabhängig produzierte Genre-Ware, die gleich zwei bekannte Gesichter zu bieten hat. Zum einen wäre da JOHNNY GALECKI, der sich vor allem durch Rollen in Erfolgsserien wie ROSEANNE und THE BIG BANG THEORY in die Hirne der Zuschauer brennen konnte. Zum anderen lässt sich Oscar-Preisträgerin ANJELICA HUSTON blicken. Die war während der 1990er und 2000er in einigen sehr erfolgreichen Kinostreifen zu sehen. So verwandelte sie in HEXEN HEXEN als Oberhexe Kinder in Mäuse und übernahm in der Kinoadaption zur beliebten TV-Serie ADDAMS FAMILY die Rolle der Morticia Addams. Auch in THE CLEANSE hinterlässt sie einen nicht minder prägnanten Eindruck. Hier spielt sie die Leiterin eines ominösen Programms, das Menschen wieder zurück auf die rechte Bahn bringen soll. Kleiner Film – große Stars. Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Oder etwa doch?
 
 
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Ein ungewöhnlicher Neubeginn. Der Mittdreißiger Paul weiß nicht mehr weiter. Offenbar hat er einen Punkt in seinem Leben erreicht, an dem er nicht mehr weiterkommt. Er hat den Job verloren und auch das Beziehungsleben sieht alles andere als rosig aus. Da kommt ihm eine Werbung geradezu recht, die im Nachtprogramm über den TV-Bildschirm flimmert. Ein kostenloser Kurs verspricht den Start in eines neues Leben durch Befreiung innerer Dämonen. Eine Chance, die der desorientierte Paul nutzen will. Er trägt sich für das vielversprechende Programm ein und wird zusammen mit drei anderen Teilnehmern in ein mysteriöses Camp gebracht. Dort müssen die Probanden seltsame Flüssigkeiten konsumieren, um sich von innen selbst zu reinigen. Leider nimmt der Reinigungsprozess bald seltsame Ausmaße an. Nach mehreren Gläsern Reinigungsgebräu erbrechen die Anwesenden seltsame Kreaturen, die quasi den fleischgewordenen Ballast symbolisieren sollen, den die Leidtragenden seit Jahren mit sich tragen. Doch so putzig die Wesen auf den ersten Blick auch sind, THE CLEANSE ist immer noch im Horror-Genre beheimatet und wartet mit einer Wendung auf, die den Film dann doch erst für Erwachsene interessant macht.
 
 
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Vertraue niemals großen Kulleraugen im Horrorfilm, denn dahinter verbirgt sich gern mal das Böse. Niedlichkeit im Gruselgenre ist trügerisch. So lehrte uns die Gruselkomödie GREMLINS – KLEINE MONSTER, dass kleine Knuddelgnome nicht unbedingt nett sein müssen. Regisseur JACOB VAUGHAN bestätigte jene These in BAD MILO. Dort machte ein knuffiger Dämon einem Mann das Leben zur Hölle, der sich im Hintern seines Opfers eingenistet hatte. Das Spiel mit dem trügerischen Kindchenschema ist auch im Horrorspaß THE CLEANSE Programm. Auch hier blinzeln herzallerliebste Kreaturen in die Kamera, die von ahnungslosen Menschen erbrochen werden und danach im Eiltempo zu wachsen beginnen. Was sich aber liest wie ein vielversprechendes Creature-Feature mit hohem Fun-Faktor, ist trotz bekannter Gesichter dann doch eine enttäuschende Angelegenheit. Das Problem: dem Film fehlt ein Wendung, das Treiben gestaltet sich als relativ „brav“ und auf ein richtiges Finale hat man gleich ganz verzichtet. Filmemacher BOBBY MILLER fokussiert sich zu verkrampft auf seine Helden. Die begeben sich in die Obhut einer ominösen Organisation und müssen sich anschließend mit ihrem seelischen Ballast auseinandersetzen, der als fleischgewordener Minidämon durchs Bild saust. Wer jetzt aber meint, dass die Kreaturen noch etwas anderes können, als niedlich zu sein, wird enttäuscht werden. Wo in GREMLINS plötzlich alles aus dem Ruder läuft, weil man die Gefährlichkeit der Kobolde unterschätzt, plätschert das Treiben in THE CLEANSE relativ familienfreundlich über die Leinwand. Kein Kobold-Schabernack, keine Kills. Stattdessen entwickeln die Charaktere emotionale Beziehungen zu ihren Dämonen und können sich am Ende nur schwer von ihrem fleischgewordenen Ballast lösen. Fans gut getrickster Monster-Filme werden da zu Recht dumm aus der Wäsche schauen, denn THE CLEANSE verschenkt Potenzial in allen Belangen.
 
 
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THE CLEANSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Dieses Dämonen-Movie ist mehr kuschelig als schrecklich. THE CLEANSE ist für einen Horrorfilm schlichtweg zu brav inszeniert, um ernst genommen zu werden. Für Kinder ist das Treiben zu düster ausgefallen, allen erwachsenen Genre-Fans mutet Gebotenes zu lapidar und belanglos an. Da fragt man sich doch glatt, für welches Publikum Regisseur BOBBY MILLER seine Horrorkomödie gemacht hat. Der hat namhafte Schauspieler für THE CLEANSE gewonnen, die den Streifen nach mehr aussehen lassen, als er wohl gekostet hat. Die Dämonen-Kreaturen, welche hier von Menschen erbrochen werden, sind handgemacht und Situationskomik zündet in der ersten Filmhälfte. Leider geht es danach bergab, denn offenbar schien Regisseur BOBBY MILLER beim Schreiben des Drehbuchs nicht klar zu sein, in welche Richtung er seinen Monster-Spaß lenken sollte. So gipfeln die Geschehnisse in einem zwar konsequenten Ende, das aber die Frage in den Raum wirft, was denn das alles hier soll. Die Monster verhalten sich weitestgehend friedlich und bis auf einige Entwicklungsstadien der Kreaturen hat man gänzlich auf Höhepunkte verzichtet. Demzufolge sollte man THE CLEANSE mit Vorsicht genießen.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Zensur

 
 
 
THE CLEANSE ist relativ harmlos. Der Fokus liegt auf Humor. Ein Mann wird von einem Monster ermordet. Der Zuschauer bekommt nur das Ergebnis zu sehen. Weiterhin stirbt eine Protagonistin. Man sieht nur ihren toten Körper. Sollte THE CLEANSE hierzulande ausgewertet werden, gibt es eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE CLEANSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlins – Kleine Monster (1984)
 
Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster (1990)
 
Bad Milo (2013)
 
Spookies – Die Killermonster (1986)
 
Ghoulies (1985)

Filmkritik: „Truth or Dare“ (2017)

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TRUTH OR DARE

Story

 
 
 

Acht Studenten spielen in einem Spukhaus „Wahrheit oder Pflicht“. Dass das nicht gut ausgehen kann, dürfte auf der Hand liegen.

 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Kritik

 
 
 
Wenn ein Produktionsstudio einen Film in Auftrag gibt, das sich vor allem durch Rachefilme einen Namen machen konnte, dürfte jeder Fan härterer Filmgangart hellhörig werden. CINETEL FILMS heißt der Laden, der für das Remake zu I SPIT ON YOUR GRAVE verantwortlich zeichnet und zwei Fortsetzungen folgen lies, weil die Neuverfilmung so gut ankam. Nun hat das Studio mal wieder einen Horrorfilm gedreht und versucht abermals mit der Angstsucht des Publikums Geld zu verdienen. Diesmal lässt man aber keine rächenden Kampfamazonen auf den Zuschauer los. In TRUTH OR DARE wird ein bekanntes Partyspiel zweckentfremdet, um nicht minder deftigen Gewaltquatsch auf die Mattscheibe zu bringen. Für den konnte man sogar eine Ikone des modernen Horrorfilms gewinnen. HEATHER LANGENKAMP wurde in den 1980ern durch NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME bekannt. Darin verkörperte sie einen furchtlosen Teenager, der es mit dem Filmmonster FREDDY KRUEGER aufnahm. Die großen Horrorzeiten sind aber längst vorbei. Mittlerweile verdient sich die Schauspielerin mit kleinen Rollen in Serien und B-Movies den Lebensunterhalt. Zu letzteren gehört auch der hier vorgestellte Film. Der wurde offenbar von jemandem inszeniert, der sich mit dem Drehen von Horrorfilmen auskennt. In der Tat gehen schon einige Genrestreifen auf das Konto von Regisseur NICK SIMON – darunter ein Slasher mit dem Titel THE GIRL IN THE PHOTOGRAPHS, welcher vom verstorbenen Kultregisseur WES CRAVEN im Jahr 2015 mitproduziert wurde. Von dem scheint Simon ein großer Verfechter zu sein, wie der Gastauftritt von HEATHER LANGENKAMP im Film TRUTH OR DARE vermuten lässt. Deren Karriere brachte nämlich Altmeister WES CRAVEN mit A NIGHTMARE ON ELM STREET ins Rollen. Das kann kein Zufall sein.
 
 
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Dummheit muss bestraft werden. Für acht College-Studenten wird grenzenloser Leichtsinn eine Lehre. Die mieten ein Haus an, wo sich in den 1980ern tragisches ereignet hat. Dort sind mehrere junge Leute unter schrecklichen Umständen ums Leben gekommen. Genau jene Bude hat man sich für eine Sause an Halloween ausgesucht. Doch zum Feiern kommt man gar nicht erst, denn hier lebt offenbar das Böse. So entpuppt sich die ausgesuchte Bretterbude als Spukhaus, wo plötzlich mysteriöse Dinge passieren. Alles beginnt nach einer Runde „Wahrheit oder Pflicht“. Da mischt sich plötzlich ein unsichtbarer Mitspieler unter die Anwesenden. Der treibt böse Späße und fordert von den Studenten unfassbare Taten. Kommt man den Aufgaben nicht nach oder hält man sich nicht an die Spielregeln, muss man einen grausamen Tod sterben. Da ist die Stimmung plötzlich im Keller – vor allem auch deshalb, weil kein Entkommen möglich ist. Die Türen und Fenster sind verriegelt, Handys funktionieren (mal wieder) nicht. Somit muss man sich den Aufgaben des unheimlichen Moderators stellen. Der will, dass man Stromkabel berührt, Knie zertrümmert oder verbranntes Fleisch eines der übrigen Mitspieler verspeist. Eine Runde Monopoly wäre wohl die bessere Alternative gewesen.
 
 
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Böse Mächte spielen niemals fair. Das zeigt einmal mehr TRUTH OR DARE. Hier scheint eine boshafte Macht offenbar zu viel Langeweile zu haben und quält ahnungslose Studenten bis in den Tod. Sonderlich einfallsreich ist der Film leider nicht. Das ist auch kein Wunder, denn TRUTH OR DARE wurde fürs amerikanische Fernsehen produziert und richtet sich daher mit seichter Gruselei ans Massenpublikum. Konventioneller Ablauf ist daher die Folge. Die Figuren müssen nach Wegen suchen, wie der Spuk unbeschadet überstanden werden kann. Dabei entpuppt sich die Antwort als relativ plausibel. So müssen die drei Runden des Spiels innerhalb von 48 stunden beendet werden. Weil TRUTH OR DARE neue Wege scheut, ist der Ausgang vorhersehbar. Die Helden sterben nacheinander – abwechslungsreich und blutig. Parallelen zur FINAL DESTINATION-Reihe sind unverkennbar. Auch dort kam der Tod auf leisen Sohlen und sorgte mit unterschiedlichen Todesarten für Unterhaltung. Erfinderisch Sterben kann eben über ein dünnes Drehbuchtief hinweghelfen. Apropos Abwechslung: Auch wenn TRUTH OR DARE für seine rudimentäre Handlung wohl kaum einen Originalitätspreis gewinnen dürfte, zieht der Streifen einen Großteil seiner Spannung aus den verschiedenen Aufgabenstellungen. Die entscheiden über Leben und Tod und werden immer makabrer je näher sich der Streifen seiner Zielgeraden nähert. Da müssen Zähne gezogen oder Gift getrunken werden. Aber auch ein Runde russisches Roulette sorgt für kurzen Nervenkitzel. Handwerklich kann man nicht meckern. Von üblichem Low-Budget-Futter fürs Fernsehen ist TRUTH OR DARE weit entfernt. Die Effekte sind gut getrickst und auch die Darsteller können was. Von denen wird aber nicht viel abverlangt. Deren Rollen bleiben blass, weil sie nur als Kanonenfutter herhalten müssen. Dennoch ist TRUTH OR DARE nicht schlecht. Der Streifen ist kurzweilig und eignet sich demzufolge ideal für einen winterlichen Horrorfilmabend vorm Kamin.
 
 
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TRUTH OR DARE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets FINAL DESTINATION. TRUTH OR DARE ist ein makabrer Horrorstreifen, der seinen Reiz aus zynischen Aufgabenstellungen zieht, die ahnungslose Protagonisten während eines Spiels lösen müssen. Wer keine Lust auf Spiele spielen hat, muss sterben – grausam und blutig. TRUTH OR DARE ist nichts Großes. Dafür sorgt der Streifen aber für Kurzweil und wurde zügig inszeniert, so dass der Zuschauer erst gar keine Zeit hat, sich über Sinn und Unsinn Gedanken zu machen. Schön, dass Horrorikone HEATHER LANGENKAMP mal wieder vorbeischaut. Die hat zwar nur eine kurze Rolle erhalten, dürfte aber alteingesessene Horrorfilmkenner in Verzückung setzen. Da werden Erinnerungen an die 1980er wach, wo man in Horrorfilmen gern mal mit Spezialeffekten experimentiert hat. Die sind auch in TRUTH OR DARE abwechslungsreich, wobei der Streifen vor allem gegen Ende ausgesprochen blutig daherkommt. Lobenswerterweise ist alles handgemacht. Etwas, das vor allem Puristen freuen dürfte. Werden doch mittlerweile gern mal (schlecht getrickste) Effekte aus dem Computer gezaubert. TRUTH OR DARE ist blutig, makaber und kurzweilig – was will das Horrorfanherz mehr?
 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Zensur

 
 
 
Eigentlich wäre TRUTH OR DARE ein typischer FSK16-Kandidat. Doch das Finale hat es in sich. Da müssen sich Protagonisten Körperteile abschneiden, was dann doch sehr explizit zelebriert wird. Demzufolge dürfte der Streifen erst für ein erwachsenen Publikum geeignet sein.

 
 
 


 
 
 

TRUTH OR DARE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Cinetel Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Destination (2000)
 
Final Destination 2 (2003)
 
Final Destination 3 (2006)
 
13 Sins (2014)
 
Saw (2004)
 
The Midnight Game (2013)
 
Needle – Deinem Schicksal entkommst Du nicht (2010)
 

Filmkritik: „Amityville: The Awakening“ (2017)

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AMITYVILLE: THE AWAKENING

(AMITYVILLE: THE LOST TAPES)

Story

 
 
 

Vierzig Jahre nach dem grausamen Massaker an einer Familie im berüchtigten Amityville-Spukhaus zieht dort eine neue Familie ein und bekommt es bald mit dunklen Mächten zu tun.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Kritik

 
 
 
Es gibt wohl keinen anderen Horrorfilm, der mittlerweile so viele Fortsetzungen spendiert bekommen hat, dass wohl die meisten Gruselfans so langsam den Überblick verloren haben dürften. Mit 19 Verfilmungen gehört die Geschichte um das Spukhaus im amerikanischen Amityville zu einem der meistverfilmtesten Horrorfilmthemen aller Zeiten und das, obwohl sich die Filmserie bisher nicht sonderlich weiterentwickelt hat. Auch Verfilmung Nummer 19 macht da keine Ausnahme. Die schimpft sich AMITYVILLE: THE AWAKENING und schaut nach vielen Billigproduktionen der Horrorhaus-Reihe immerhin mal wieder nach etwas aus. Der Grund: Hollywoodproduzent JASON BLUM und die BRÜDER WEINSTEIN haben Geld lockergemacht. Leider schien man mit dem fertigen Ergebnis nicht sonderlich zufrieden gewesen zu sein. AMITYVILLE: THE AWAKENING hat nämlich eine beinahe schon lächerliche Veröffentlichungsodyssee hinter sich und wurde mehrfach verschoben, so dass kaum noch jemand an eine Veröffentlichung glaubte hat.
 
 
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So wurde der Spuk-Horror bereits 2014 fertiggestellt und sollte im darauf folgenden Jahr in die Kinos kommen. Daraus wurde aber nichts. Offenbar hatte man wenig bis überhaupt kein Vertrauen in die Qualitäten der genannten Fortsetzung. Deshalb ordnete man Nachdrehs an, überarbeitete den kompletten Film und schnitt ihn auf eine jugendkonforme PG13-Fassung herunter, um so möglichst viel Umsatz generieren zu können. Nach etlichen Verschiebungen kam er dann drei Jahre nach Fertigstellung endlich in die amerikanischen Kinos – wenn auch nur in limitierter Form. Das Resultat ist angesichts des großen Trubels um den Film nicht der Rede wert. AMITYVILLE: THE AWAKENING ist ein beliebiger Spukhausfilm von der Stange, der kaum Originalität besitzt. Da fragt man sich doch glatt, was die Produzenten an der ersten Filmversion zu bemängeln hatten. Angesichts der Umstände wäre interessant zu erfahren, wie die ursprüngliche Fassung zusammengeschnippelt wurde. Vielleicht wird diese irgendwann kommen. Es wäre nämlich nicht das erste Mal, wenn Regisseure Jahre nach der Kinofassung den obligatorischen Director’s Cut nachschieben. In den meisten Fallen war der besser, als die von Studio oder Produzenten geforderte Filmversion. Man darf doch wohl noch träumen dürfen.
 
 
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AMITYVILLE: THE AWAKENING oder AMITYVILLE: THE LOST TAPES – so wie der Film eigentlich heißen sollte – war wegen der Erfolge von PARANORMAL ACTIVITY anfangs als Found-Footage-Grusler angedacht. Weil ab 2011 langsam keiner mehr Wackelcam-Filme sehen wollte, wurde das Drehbuch kurzerhand umgeschrieben und die Found-Footage-Zutat gestrichen. Nun erzählt der 19. Ableger der Gruselhaus-Serie von einer vom Schicksal gebeutelten Familie, die einen Neustart wagt. Sie zieht in die berüchtigte Horrorbude ein, in der vor vierzig Jahren ein 23-jähriger die gesamte Familie ermordete, weil es ihm dämonische Stimmen befohlen haben. Der Grund: nach einem Sturz aus dem Fenster liegt der Teenager James im Koma. Damit Mutter Joan mehr Geld übrig hat für die Pflege des Jungen hat man sich für den Umzug in das Gruselgemäuer entschieden, weil es günstig zu haben war. Natürlich passieren bald seltsame Dinge. Der Patient wacht aus seinem Koma auf und erfreut sich bald bester Gesundheit. Horrorfilmkenner wissen, dass dieser Zustand nicht von Ungefähr kommt. Das Haus und seine dämonischen Bewohner stecken dahinter und wollen für Unheil sorgen. Gott sei Dank ist die heranwachsende Belle nicht auf den Kopf gefallen. Die riecht den Braten und versucht schlimmstes zu verhindern. Klingt konventionell und ist es natürlich auch.
 
 
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Visuell macht es AMITYVILLE: THE AWAKENING der Neuverfilmung von THE AMITYVILLE HORROR aus dem Jahre 2005 gleich. Die Filme sind von der Optik her aus einem Guss und überzeugen durch finstere Bilder und jede Menge plakative Schreckmomente. Interessant ist aber, dass der hier vorgestellte Film alle bisherigen Verfilmungen über das Amityville-Horrorhaus leugnet. Regisseur FRANCH KHALFOUN knüpft mit AMITYVILLE: THE AWAKENING vierzig Jahre nach den wahren Begebenheiten im amerikanischen Amityville an und ließ sich den Spaß nicht nehmen, den Originalfilm von 1979 zu erwähnen. Den schauen sich die Protagonisten im Film an und ziehen danach Parallelen zu Vorfällen, die ihnen nun so ähnlich im Haus widerfahren. So wird der komatöse James aus unerklärlichen Gründen wieder gesund, um anschließend von Dämonen getrieben die eigene Familie auszulöschen. Dessen Mordversuch ist auch schon die eigentliche Quintessenz genannten Horrorstreifens. Während die erste Filmhälfte mit viel Leerlauf und konventionellem Einheitsbrei zu kämpfen hat, wird in den letzten dreißig Minuten an der Spannungsschraube gedreht. Offenbar dürfte es sich hier noch um fast unangetastete Fragmente der ersten Filmversion handeln, denn das schaurige Finale tritt weit weniger holprig in Erscheinung, als der traurige Rest von AMITYVILLE: THE AWAKENING. Leider sieht man dem Streifen nachträgliche Gewaltkürzungen an, um ein PG-13 erreichen zu können. Gerade im Schlusskampf wird krampfhaft weggeblendet, wenn der besessene James mit dem Schrotgewehr durchs Haus saust, um die Liebsten zu töten. Das stößt bei jenen bitter auf, die schon seit über drei Jahren vergebens auf die Veröffentlichung des Gruselfilms gewartet haben. Zwar ist AMITYVILLE: THE AWAKENING immer noch besser, als all die minderwertigen Low-Budget-Ableger der letzten Jahre. Angesichts der Tatsache, was machbar gewesen wäre, ist der 19. Film der Reihe dann doch eine Enttäuschung. Der wenig geübte Mainstram-Zuschauer kommt auf seine Kosten. Wer schon ein paar Horrorfilme über Spukhäuser gesehen hat, winkt dankend ab. Zu Recht!
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Visuell ansprechender Gruselfilm mit spannendem Finale und einigen gut sitzenden Schockmomenten. Dennoch: Was 2011 als unheimliche Erforschung des Amityville-Mythos angedacht war, ist weit konventioneller als erwartet. AMITYVILLE: THE AWAKENING ist ziemlich holprig, was wohl auf die desaströse Entstehungsgeschichte des Films zurückzuführen sein dürfte. Ansonsten ist der mittlerweile schon 19. Film der Amityville-Reihe kaum der Rede wert. Er spult im Grunde genommen das ab, was man schon so ähnlich im Originalfilm und dem Remake von 2005 gesehen hat. Höhepunkt ist dabei das düstere Finale in dem endlich auch einmal Horror zelebriert wird. Davor gibt es nur zähen Budenzauber und viele unnötige Szenen zu sehen, die dem Horrorfan schon im Trailer gezeigt wurden. Regisseur FRANCH KHALFOUN dürfte genauso enttäuscht über das Resultat gewesen sein, wie der Zuschauer. Der Filmemacher hat nämlich ein talentiertes Händchen fürs Angstmachen und schon deftiges Zeug fürs Kino gemacht. Darunter das gelungene Remake zum Kulthorror MANIAC und den Parkhaus-Thriller P2 – SCHREIE IM PARKHAUS. Weil JASON BLUM und DIMENSION FILM nicht mit dem fertigen Amityville-Film zufrieden waren, musste der Regisseur seine Visionen verwerfen und nach den Wünschen der Auftraggeber neudrehen und umschneiden. Das Resultat entspricht demzufolge nicht mehr dem, was FRANCH KHALFOUN eigentlich verfilmt hat. Der Albtraum eines jeden Filmemachers.
 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Zensur

 
 
 
In AMITYVILLE: THE AWAKENING werden zwei Protagonisten am Ende erschossen. Leider passiert das im Off – vermutlich auch deshalb, weil man in Amerika bereits geschnitten hat, um eine jugendkonforme Fassung fürs Kino zu erhalten. Blut sucht man – mal abgesehen von einer Kopfwunde – demnach vergebens. Das dürfte auch hierzulande eine FSK16 sicher machen.

 
 
 


 
 
 

AMITYVILLE: THE AWAKENING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Dimension Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ouija: Ursprung des Bösen (2016)
 
The Axe Murders of Villisca (2016)
 
Amityville Horror (1979)
 
Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)
 
The Remains (2016)
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 

Filmkritik: „Annabelle 2“ (2017)

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ANNABELLE 2

(ANNABELLE: CREATION)

Story

 
 
 

Die unheimliche Puppe mit den langen Zöpfen ist wieder da. Diesmal versucht sie Waisenkindern in einem abgelegenen Farmhaus das Fürchten zu lehren.

 
 
 


 
 
 

ANNABELLE 2 – Kritik

 
 
 
Mittlerweile blickt keiner mehr durch. Seit Jahren sind in Hollywood nicht mehr nur Fortsetzungen erfolgreicher Horrorfilme Mode. Die Traumfabrik hat neue Wege gefunden, um den spendablen Kinogängern noch mehr Geld aus den Taschen ziehen zu können. Einer derer nennt sich Spin-Off und hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt mit dem sich gut Zaster verdienen lässt. Dabei handelt es sich um Ableger bekannter Filme aus denen ein Nebenstrang oder eine Figur entnommen wurde, um daraus einen eigenen Film zu machen. So geschehen mit ANNABELLE – einem Horrorfilm von 2014 in dem eine gruselige Puppe ihr Unwesen trieb, die zuvor in einem anderen Horrorfilm mit dem Titel THE CONJURING Erwähnung fand. Die war dort nur wenige Minuten zu sehen, ließ aber tausende Kinofans erschaudern, weshalb sich das Produktionsstudio dazu entschloss dem unheimlichen Spielzeug einen eigenen Film zu spendieren. Der wurde produziert, kam aber nicht sonderlich gut an. Dennoch spielte ANNABELLE genug an den Kinokassen ein und musste fortgesetzt werden. Hollywood ist manchmal so durchschaubar.
 
 
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Die Fortsetzung zu ANNABELLE erzählt – wie’s aktuell im Horrorbereich Trend ist – die Vorgeschichte zum Originalfilm. Dabei werden die Ursprünge der schaurigen Puppe beleuchtet, die von einem bösen Dämon besessen ist, der nur Unruhe stiften will. Alles beginnt im Jahr 1943, wo es das Schicksal mit Puppenmacher Samuel Mullins und dessen Frau Esther nicht sonderlich gut meint. Die geliebte Tochter Annabelle wird von einem Auto überfahren und stirbt am Unfallort. Weil die Trauer über den Verlust unerträglich ist, beschließt das Paar einer geheimnisvollen Präsenz die Erlaubnis zu erteilen, in einen Puppenkörper schlüpfen zu dürfen, die seit dem Tod der kleinen Tochter durchs Haus geistert. Leider wird den Eheleuten bald klar, dass jener Geist nicht die kleine Annabelle ist von der sie gehofft hatten, dass sie zurückgekehrt ist. Ein boshafter Dämon nutzt die Gunst der Stunde, um einen Weg in die Welt der Lebenden zu finden. Gott sei Dank kann das Vorhaben gestoppt werden. Die Puppe wird in einen geheimen Raum gesperrt von wo aus das Böse kein Unheil mehr anrichten kann. Zwölf Jahre später geht der Spuk in die nächste Runde. Einige Waisenkinder machen es sich im Haus erwähnter Farmleute gemütlich und bringen wieder Leben in die Hütte. Doch mit der Ruhe ist es bald vorbei. Eines der Kinder stößt bei Entdeckungsreisen durch das Anwesen auf das Versteck der Puppe und weckt so den Dämon aus seinem Schönheitsschlaf. Der hat jetzt keine Lust mehr nur im Puppenkörper zu hausen und versucht sich dem Körper der ahnungslosen Janice zu bemächtigen. Zusammengefasst: Nichts Neues von der Geisterfront.
 
 
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Und täglich grüßt das Murmeltier. ANNABELLE 2 macht visuell eine beachtliche Figur, erfindet das Gruselrad aber nicht neu. Der Film spult im Grunde genommen gleiches Schema ab, das bereits im Puppen-Vorgänger und den von JAMES WAN inszenierten CONJURING-Streifen Verwendung fand. So sorgen dämonische Kräfte für lauten Radau, kennen aber offenbar keine Abwechslung. Das dürfte erfahrene Zuschauer schnell unterfordern, denn die werden hier von einem Schockmoment zum nächsten getrieben und folgen dabei immer gleichen Szenenabläufen in denen Protagonisten von bösen Kräften überrascht werden und es anschließend mit der Angst zu tun bekommen. Große Gruselkunst sieht anders aus, zumal der Streifen erst spät einen Weg aus der monotonen Dauerschleife findet und endlich beginnt seine Geschichte zu erzählen. Die passt auf einen Bierdeckel und reduziert sich auf Rückblenden in denen erläutert wird, wie es dazu kam, dass böse Mächte in die Puppe geschlüpft sind. Immerhin wird Spuk aus der Gruselhochglanzbroschüre geboten – was anderes hätte man von einem Film auch nicht erwartet, der von einem namhaften Studio wie NEW LINE CINEMA produziert wurde. Regisseur DAVID F. SANDBERG beweist nach LIGHTS OUT erneut Talent für schaurige Atmosphäre und hat ein Händchen für altmodischen Grusel. Letzterer erinnert gern mal an Old-School-Horror der 1970er, wo es Okkult, Spuk- und Geisterfilme ziemlich oft auf die große Leinwand geschafft haben.
 
 
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ANNABELLE 2 – Fazit

 
 
 

6 Punkte Final

 
 
 
Schöne Verpackung, enttäuschender Inhalt. ANNABELLE 2 sieht Bombe aus und hat fiese Schockmomente zu bieten, die zweifelsohne im Sessel zusammenzucken lassen. Damit macht der Gruseltrip das wieder gut, was Zuschauer am Vorgängerfilm bemängelt haben. Dennoch mangelt es auch dem Prequel an Originalität oder Neuerungen, denn sonderlich viel Neues passiert in den knapp 100 Minuten Spielzeit leider nicht. Die Handlung wird mit immer gleichen Szenenabläufen gefüllt, die einzig darauf aus sind mit hinterlistigen Jump Scares zu erschrecken. Hin und wieder gelingt dem Streifen das auch ganz ordentlich, obwohl Gezeigtes nicht mehr viel mit den angeblich wahren Ereignissen am Hut hat, die um die Puppe ranken. ANNABELLE 2 zeigt nichts, was man nicht auch schon im Vorgänger zu sehen bekommen hat und besitzt zudem auch offensichtliche Logikschwächen und Ungereimtheiten. Das mag für alte Horrorkenner schnell zum Geduldsspiel werden, weil sich ANNABELLE auch noch ziemlich gemächlich bis zum Finale schleppt und lange benötigt, bis er überhaupt an Fahrt gewinnt. Schön ist dennoch, dass man einen Bogen zum ersten Teil zieht. Das Ende von ANNABELLE 2 knüpft nämlich genau dort an, wo der Vorgänger vor einigen Jahren begonnen wurde. Trotzdem sind wir der Meinung, dass man es bei zwei Filmen belassen und die ANNABELLE-Gruselakten schließen sollte. Jede weitere Fortsetzung wäre überflüssig. Vermutlich wird das aber die Traumfabrik nicht davon abhalten, die Kuh weiter zu melken – und sei’s nur für den Videomarkt. Aufgrund der enormen Beliebtheit des CONJURING-Universums dürfte ein dritter Teil nicht lange auf sich warten lassen. Der dürfte sich perfekt in jene Liste von Ablegern einreihen, die Hollywood noch auf der Umsetzungsliste stehen hat. Schenkt man nämlich Informationen im Internet Glauben, sollen weitere Kreaturen aus dem CONJURING-Streifen in eigenen Filmen auftauchen. Ob die Erschaffung eigener Filmuniversen ein neuer Trend im Kino ist? Man darf davon ausgehen. Der Studio-Gigant UNIVERSAL PICTURES hat nämlich Ähnliches vor. Mit dem DARK UNIVERSE will das Filmstudio Urgesteine des Horrorfilms in einem Universum vereinen. Demzufolge wird es in naher Zukunft ein Aufeinandertreffen zwischen der Mumie, Frankenstein oder dem Wolfsmenschen geben. Sachen gibt’s, die braucht kein Mensch.
 
 
 


 
 
 

ANNABELLE 2 – Zensur

 
 
 
ANNABELLE 2 hält sich mit Schauwerten bedeckt. Ein Kind wird im Off überfahren und ein Auge wird im Off ausgekratzt. Zudem wird einem der Protagonisten sprichwörtlich die Lebensenergie ausgesaugt. Der einzige Gewalteffekt begrenzt sich auf eine Filmfigur, die an eine Wand genagelt wird und der der Unterleib abgetrennt wurde. Ansonsten wird sich in erster Linie auf Schreckmomente konzentriert. Im Kino lief ANNABELLE 2 frei ab 16 Jahren. Gleiche Freigabe hat auch die Heimkinoauswertung erhalten.
 
 
 


 
 
 

ANNABELLE 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Annabelle 2 Bluray

(c) Warner Home Video (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Annabelle: Creation; USA 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch Dolby Atmos 7.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 5.1, Französisch DD 5.1, Italienisch DD 5.1, Spanisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Kommentar des Regisseurs, Directing Annabelle, The Horror Continues, Horror Shorts: Attic Panic and Coffer, Deleted Scenes

Release-Termin: 18.01.2018

 

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ANNABELLE 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Warner Bros. Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dolly Dearest (1991)
 
Annabelle (2014)
 
Ouija – Ursprung des Bösen (2016)
 
Robert the Doll (2015)
 

Filmkritik: „Ghost House“ (2017)

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GHOST HOUSE

Story

 
 
 

Ein Urlaub mit Schrecken: Zwei Urlauber werden in Thailand von einem Geist verfolgt, der offenbar eine Leidenschaft fürs Terrorisieren von Touristen besitzt.

 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Kritik

 
 
 
Vermutlich glauben nur die wenigsten Leser hier an Geister oder Gespenster. In aufgeklärten Zeiten wie der unseren ist das aber auch kein Wunder, gehören Dämonen, Spuk und Geisterwesen in die Welt des Aberglaubens, mit denen man vor allem Kindern gern mal einen Schreck einjagen kann. Anders sieht es da in Thailand aus, denn dort ist der Glaube an Geister weit verbreitet. So ist es nicht unüblich einen eigenen Haus- und Hofgeist zu haben, der natürlich gebührend beherbergt werden muss! Thais glauben nämlich, dass jedes Stück Land von einem Geist bewohnt wird. Will man darauf ein Haus bauen, nimmt man der rastlosen Seele das Zuhause weg. Um die Kreaturen nicht zu verärgern, bauen ihnen die Thailänder eigene Häuschen und richten diese gemütlich ein. Die stehen in der Regel an Grundstücksgrenzen, damit unliebsame Menschen möglichs früh von den Bewohnern der kleinen Häuser vertrieben werden können. Genau jene Thematik liegt dem folgenden GHOST HOUSE zugrunde. Hier muss die interessante Folklore aber als Alibifunktion herhalten, damit lautes Spuktheater veranstaltet werden kann. Regisseur RICH RAGSDALE nutzt Thai-Legenden aus, um das Massenpublikum mit oberflächlicher Gruselware zu beglücken. GHOST HOUSE ist demzufolge eher Gruselhappen ohne Überraschungen. Wer mehr über die kleinen Geisterhäuser im Film wissen möchte, muss selbst recherchieren.
 
 
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Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Julie (SCOUT TAYLOR-COMPTON aus 247°F) und Jim (JAMES LANDRY HÉBERT aus CARNAGE PARK) vor ihrem Trip nach Thailand Reiseführer besorgt und diese auch studiert hätten. Dann wäre ihnen so manch Problem im Reiseland erspart geblieben. Die wollen dort heilige Geisterschreine – auch San Phra Phum genannt – fotografieren, ohne sich davor ausführlich mit diesen unheimlichen Gegenständen auseinandergesetzt zu haben. Die Lehre folgt auf dem Weg. Zwei Briten nutzen die Unwissenheit der Touristen aus, um ihnen etwas Furchtbares anzuhängen. Sie führen das ahnungslose Paar zu einem besonders gefürchteten Exemplar, wo Julie eine mysteriöse Figur aus genanntem Schrein entwendet und so den Zorn eines besonders bösen Geistes auf sich lenkt. Da ist plötzlich Schluss mit Reise- und Entdeckungslust. Eine grimmige Geisterfrau heftet sich an die Fersen der attraktiven Urlauberin und beschert ihr die Hölle auf Erden. Gut, dass Jim seine Freundin liebt. Der versucht dem Spuk ein Ende zu bereiten und findet heraus, dass die Liebste unter einem Fluch steht. Leider hat er nur drei Tage Zeit, um das Desaster rückgängig zu machen. Anderenfalls ist die Liebe seines Lebens für immer verloren. Ob am Ende alles gut wird? Man wird sehen.
 
 
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Wenn Amerikaner Gruselfilme drehen, die sich mit fremden Bräuchen und Traditionen beschäftigen, kann in der Regel nur überflüssiger Nonsens entstehen. GHOST HOUSE ist nichts anderes, als ein weiterer Versuch mit fernöstlicher Mythologie Kasse zu machen. Der Film macht es den Neuverfilmungen THE GRUDGE oder RING gleich und bringt seichte Gruselei ins Heimkino, die sich fremder Folklore bedient von der hierzulande nur die wenigsten gehört haben. Das mag sich zwar auf den ersten Blick erfrischend oder gar interessant anhören. Das Ergebnis wurde aber einfältig amerikanisiert, so dass die Erforschung thailändischen Geisteraberglaubens zügig ins Abseits gerät. GHOST HOUSE klappert ab, was eigentlich nicht neu ist und in so jedem Geisterfilm abgehandelt wird. Ein Geist ist wütend und treibt allerhand Schindluder mit seinen Opfern. Dabei wird der Zorn durch Einsatz möglichst fieser Schreckmomente, unheimlicher Geräuschkulisse und düsterer Optik zum Ausdruck gebracht. Leider wirken viele Schockmomente abgenutzt, denn sonderlich originell wird nicht erschreckt. So erscheint die garstige Kreatur der heimgesuchten Filmheldin in unmöglichsten Momenten abrupt und treibt ihr Opfer damit in den Wahnsinn. Immerhin besitzt GHOST HOUSE trotz Jump Scares und vorhersehbarer Handlung reichlich Tempo, das den konventionellen Spuk-Brei halbwegs unterhaltsam gestaltet. Die Protagonisten müssen einen Weg finden, den Fluch zu brechen und holen sich Rat bei Einheimischen, die selbstverständlich wissen wie man dem Spuk ein Ende bereiten muss. Klingt abgedroschen, ist es auch. Für Fans von DER FLUCH VON DARKNESS FALLS oder DON’T KNOCK TWICE vermutlich dennoch einen Blick wert. Ein informatives Buch über die sogenannten Geisterhäuser in Thailand dürfte hingegen wohl mehr Gänsehaut bescheren.
 
 
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GHOST HOUSE – Fazit

 
 
 

6 Punkte Final

 
 
 
Andere Länder, andere Sitten: Konventionelles Spuktheater, das sich zwar thailändischer Folklore bedient aber dann doch aussieht, wie Geister-Allerlei großer amerikanischer Studios. Visuell kann GHOST HOUSE überzeugen. Der Gruselstreifen schaut atmosphärisch aus und auch obligatorische Schreckmomente verfehlen ihre Wirkung nicht. Leider geht der Film zu beliebig vor und hebt sich nicht von den üblichen Konsorten ab. Wieder einmal treibt ein Geist Schabernack. Die Filmhelden müssen Antworten finden und den Unruhestifter in seine Schranken weisen. Sonderlich neu oder originell ist das nicht. Wegen der straffen Inszenierung ist GHOST HOUSE zumindest halbwegs unterhaltsam – Langeweile kommt nämlich kaum auf. Dennoch bleibt nach Sichtung nicht sonderlich viel hängen, weil GHOST HOUSE ein typischer Vertreter der Sorte „einmal gesehen und schnell wieder vergessen“ ist. Aufgrund der interessanten und unverbrauchten Thematik über thailändische Geisterschreine irgendwie schade.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Zensur

 
 
 
GHOST HOUSE hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Hier handelt es sich in erster Linie um einen Gruselstreifen, der von Schocks und Schreckmomenten lebt. Immer wieder taucht die Geisterfrau unverhofft auf, um der Filmheldin den Verstand zu rauben. Gewalttechnisch gibt es nur einen abgeschnittenen Finger zu sehen – das war’s. Hierzulande dürfte der Streifen wegen seiner gruseligen Momente eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Fluch – The Grudge (2004)
 
Drag Me to Hell (2009)
 
Don’t Knock Twice (2016)
 
Der Fluch – The Grudge 2 (2006)
 
The Eye (2002)
 
Make Me Shudder (2013)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)