Filmkritik: „Finale“ (2018)

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FINALE

Story

 
 
 
Agnes und Belinda können sich zwar nicht leiden, müssen aber auch nur eine ruhige Tankstellenschicht zusammen überleben, bevor Feierabend und Lebenswandel folgen – doch was mit harmlosen Späßen beginnt, entwickelt sich alsbald zum wahren Alptraum.

 
 
 


 
 
 

FINALE – Kritik

 
 
Das Debüt des 57-Jährigen Dänen Søren Juul Petersen, der bisher nur als Produzent und Schauspieler in Erscheinung getreten ist, kann sich wahrhaftig sehen lassen. Ist die europäische Genrefilmlandschaft zwar keinesfalls eingeschränkt oder unterentwickelt zu nennen, so verbinden die meisten Filmfans Dänemark wohl eher mit Sozialdramen, schwarzen Komödien und den Werken von Nicolas Winding Refn, als wirklich reinrassiger oder blutrünstiger Genrekost, die den Zuschauer zusammenzucken lässt. Doch Petersen tut gut daran, dies zu ändern – denn wenn im Booklet des Mediabooks erzählt wird, dass „Finale“ ein reinrassiger Torture-Porn-Vertreter sei, so kann ich bei der Laufzeitverteilung und dem Aufbau des Films nur widersprechen – aber wenn Petersen selber in einem Interview vor dem Film festlegt dass es sich um einen Horrorfilm handle, und entschieden nicht „nur“ um einen Thriller, dann muss ich dem beipflichten.
 
 
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Denn “Finale“ ist hart, keine Frage und ja, “Finale“ beinhaltet auch definitiv ungeschönte Folterelemente – doch statt diese auszubeuten und zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens zu machen, geht der Film das Thema stattdessen subtiler an und spielt seine Hauptthemen von Voyeurismus, Überwachung und Paranoia dabei gelungen aus, ohne Körpersäfte spritzen zu lassen – die Angst vor der Dunkelheit und dem Unbekannten ist hier nämlich genau so wichtig, wie die vor Schmerz am eigenen Körper. Mit einem Rauschen, Dröhnen und Bildfehlern werden wir nämlich vom Film begrüßt, bevor ein roter Vorhang den Prolog einleitet, der 1:1, aus Frankenstein übernommen wurde. Ein weiß geschminkter Frackträger erscheint und spricht eine freundliche Warnung aus, rollt das r, lässt den dänischen Akzent durchkommen, nimmt das Thema des Films vorweg: „Morbid curiosity of the human mind.“ – sehr stilvoll und nett gedacht, gleichzeitig aber sehr direkt und unverblümt. Ein zu niedrig aufgelöster Text informiert uns über ein weiteres Intro, in der Ouvertüre nämlich ruft eine Frau im Dunkeln panisch nach Belinda, hört Geräusche um sich herum, scheint in einem Lüftrungsrohr oder einer Box zu sein, Kakerlaken rennen über ihre nackten Beine. Sie tritt gegen die Ecke ihres Gefängnisses und erhascht etwas Licht, eine Clownshand nimmt ihr dieses wieder.
 
 
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Schnitt und nach zwei sehr unterschiedlichen, aber durchaus gelungen zu nennenden Intros startet also der eigentliche Film: Zu einladend idyllischen Einstellungen rast ein Pärchen zum Sonnenuntergang durch die Feldwege, das Radio informiert dass Dänemark scheinbar im Finale ist. Auch wenn die Sportart nie genannt wird, bleibt also festzuhalten dass niemand aufpasst oder unterwegs ist in diesem Film, weil sie alle vor der Glotze hängen und ein von Kameras gefilmtes Machtspiel angucken, wink wink. Belinda, so der Name der Freundin, wird von ihrem Freund zur Tankstelle gebracht, dieser düst ab, Agnes, die Tochter des Tankstellenbetreibers, ist dabei die ungeliebte Arbeitskollegin für die Nacht. Die Frauen werden von Anfang an als unterschiedlich und doch irgendwo ausgeglichen harmonisch etabliert und die Sympathie des Zuschauers dürfte hier einige Male von „unsympathisch“ zu „egal“ zu „ich fieber aktiv mit“ schwanken, da die Handlungen beider zumeist realitisch verunsichert oder gar panisch, aber trotzdem noch sinnvoll erscheinen. Sanfte Synthieklängen leiten uns angenehm früh im Film durch ein wenig dramatische Backstory von Belinda, Agnes hingegen studiert Psychologie und wirkt recht selbstsicher. Eine letzte Schicht im Grenzgebiet bevor der Umzug nach Hamburg folgt, was soll schon geschehen? Nach 12 Minuten Film ist die Luftpumpe bereits umgestellt, auch kommt ein leicht merkwürdiger, theatralischer Almgaudi-Typ vorbei, wirklich erstmals spannend wird es dann aber, wenn wir über vermisste Mädchen in der Umgebung informiert werden und zwei fies aussehende, unangenehme Typen ankommen, von denen einer die ganze Zeit aufdringlich filmt. Nachdem diese aber ohne direkte Konfrontation oder offensichtliche Bedrohung wieder weg sind, meint Belinda etwas durchaus Beunruhigendes entdeckt zu haben – oder hat ihre Fantasie ihr da einen Streich gespielt?
 
 
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23 Minuten im Film und es dämmert langsam, in welcher Situation sich die blonde Frau aus dem Intro scheinbar befindet und wer sie ist, denn ja, ein sehr nach Agnes aussehender Mensch wird weinend und schmerzhaft an den Haaren aus der Dunkelheit gezogen, bevor es zurück zum Hier und Jetzt geht und die Luftpumpe das zweite Mal wie von Geisterhand weg gestellt wurde. Kenny, der Freund von Belinda, kommt vorbei um sich Geld zu leihen, der Kommentar „Die Leute machen alles um ins Fernsehen zu kommen“ fällt, die Überwachungskameras der Tankstelle werden immer wieder eingeblendet – das Thema kristallisiert sich heraus, eine bedrohliche Atmosphäre macht sich breit, nach 33 Minuten, also genau einem Drittel des Films, ertönt dann auch ein netter Retro-Horror-Jingle und die bereits als harmlos abgetanen Typen von vorher kommen zurück. Derweil informiert eine englische Stimme uns darüber, dass die finalen Vorbereitung für unser „danish delight“ im Gange sind und das Kamera-Overlay darüber, dass bereits zwei Tausend, absurd schnell mehr werdend, Zuschauer online warten. Die Clownshand gehört dem Ringmeister bzw. Moderator der Veranstaltung und setzt unserem Opfer eine ausdruckslose Maske auf. Ein zweites Mal entpuppen sich die gruseligen, nächtlichen Tankstellenbesucher als harmlose Reisende mit unwahrscheinlichen Problemen und Umständen, beherzt darf gelacht werden um einen funktionierenden Jumpscare um die Ohren gejagt zu bekommen, bevor die absolut beunruhigende Routine der magisch umgestellten Luftpumpe ein drittes Mal zum Tragen kommt…
 
 
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„Preshow Pressure“ wird es derweil genannt, wenn dekadente Anzugträger gegen vermutlich viel Geld ihre dänische Delikatesse berühren und unangenehm halb ausziehen dürfen, während sie wehrlos gefesselt und entmenschlicht im rostigen Stuhl sitzt, von in stylischen Nahaufnahmen surrenden Kameras umgeben – alptraumhaft bereits hier, ganz ohne Zerstörungen des menschlichen Körpers. „Don’t cry Agnes – It’s only showbiz“ haucht der sadistische Ringmaster einfühlsam hämisch sein Opfer an und an dieser Stelle muss ich ein großes Lob an Damon Younger aussprechen, der die Rolle des perfiden Showmasters und clownsgesichtigen Sexualsadisten inbrünstig unangenehm spielt und dem gesamten Restcast so ziemlich die Show stiehlt. Ein fieser, unangenehmer Antagonist der ins Mark geht, gefährlich nahe an schelmischer Sympathie grenzt, dann aber wieder unaussprechliche Gräueltaten exekutiert.
 
 
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Aber bei denen sind wir noch nicht angelangt – Agnes und Belinda finden ein schick eingerichtetes Setpiece mit bedrohlicher Botschaft, die Polizei wird angerufen doch schnell wieder abbestellt, da sich die Situation entspannt. Ohne die Zwischenschnitte in eine Welt aus Schmerz, wähnten wir uns nun fast schon in Sicherheit – so aber nicht. Denn nach genau 49 Minuten und somit also der Hälfte des Films heißt es „meet the meat“ bei unseren Perversen und somit werden Aussagen von Agnes erzwungen, endlose Kameras aufgezählt und vor, laut Stream, 25 Tausend Zuschauern eine wunderbar gemeine Mad Hatter-Performances zum Besten gegeben, die dann auch tatsächlich in der ersten Folterszene mündet – und während eben jene dann zwar recht sadistisch und unangnehm war, so gab es doch kaum was zu sehen und nach SO einem Aufbau war ich erleichtert bzw. enttäuscht, nicht wirklich mitgenommen zu werden. Doch als wüsste der Film das, so schlägt er direkt unerbitterlich mit erbarmungsloser Härte zu und nach 60 der rund 100 Minuten also war ich bereits ziemlich verstört und musste schlucken, da hier exzellente, handgemachte, nahe gehende Effektarbeit abgeliefert wurde. Weiterer Splatter folgt, greift aber weniger, danach ist Akt 1 der dekadenten Vergnügungsshow auch schon durch und wir kommen zum Hauptakt – und da wir auch an der Tankstelle inzwischen den Zeitpunkt der Entführung erreicht haben, gibt es nun auch keine Flucht oder Abwechslung mehr. Oder?
 
 
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Waren Intro und Ouvertüre bereits unüblich und die Struktur von „Finale“ bis dato sehr interessant, so ist auch der weitere Verlauf vermutlich nicht das, was man sich wahlweise erhofft oder befürchtet hat. So liefert „Finale“ dem geneigten Horrorfan jetzt nämlich in der Tat weitere Gewalttaten und Folter, doch diese fallen imo allesamt weniger sadistisch, mitnehmend oder brutal aus, als man annehmen sollte. Das liegt einerseits daran, dass man anno 2020 durch Sachen wie Jackass spätestens einige Dinge einfach schon in Echt gesehen hat, die hier zur Folter gemacht werden, weshalb man sehr wohl weiß, wie aushaltbar und prinzipiell „ungefährlich“ die Handlung ist, andererseits aber auch daran, dass ganz ohne Realitätsanspruch das Gore bzw. Splatterpulver bereits vorher verschossen wurde, weshalb nun nur noch weniger Ekliges/Brutales auf der Liste steht.
 
 
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Dadurch, dass unser Moderator nach wie vor in britische Formulierungen und etwas Französisch ausweicht und ihm die Rolle des perversen High-Class-Entertainers im Folterkeller einfach steht, sowie durch die professionelle Inszenierung, Beleuchtung und den Chat des Streams, ist das nun zwar immer noch unterhaltsam und durchaus spannend, gleichzeitig aber auch oft gesehen und nicht mehr nahegehend. Gott sei Dank hält sich „Finale“ aber nun auch nicht mehr lange mit diesem Subgenreversatzstück auf, sondern liefert nach etwas sexualisierter Gewalt schnell einen krachenden Kampf, der mit seiner Drastik und durch seinen repetitiven Aufbau leider immer wieder an einer Comedy kratzt. 20 Minuten vor Ende habe ich mich dann gefragt, was jetzt noch folgen soll oder wo der Film hin will, nur um leider herauszufinden, dass er in der Tat auch als 80-Minüter geklappt hätte: Denn das Finale von „Finale“ ist leider ziemlich generisch, unnötig und hinten dran geklebt und nachdem ich die „eigentliche“ Auflösung schon ziemlich schwach fand, so machen diese 15 Minuten Versteckenspielen mit Pistolen und oft gesehener Dramaturgie leider auch nichts wett, das im Script nicht stimmt.
 
 
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Sind wir am reichlich konstruierten Ende angekommen, so wissen Technik, Optik, Soundtrack und Schauspiel durchaus wieder zu gefallen, nur leider ist das Ganze dabei so episch und pompös und aufgeblasen inszeniert, dass es sich anfühlt als hätte man gerade 3 Stunden Überlebenskampf um Troja überlebt, nicht einen nahe gehenden, fiesen, „privaten“ Horrorsteifen um menschlichen Sadismus, Voyeurismus und Schadenfreude. „Finale“ macht vieles richtig, gerade auf der technischen Seite: Der Film nutzt seine Settings sinnvoll, sieht trotz niedrigem Budgets wirklich gut aus und punktet mit gelungenen Schauspielerinnen in den Leads sowie einem charismatisch-unangenehmen Killerclown-Moderator als prägnanten Antagonist. Die Effekte sind handgetrickst und überzeugend, der Soundtrack stimmungsvoll und schnell kommt eine düstere, nächtliche, paranoide Stimmung auf. Auch der Chat des späteren Folterstreams geizt nicht mit realistischen Reaktionen, Usernamen und Details. Then again aber ist sowohl hier, wenn z.B. die „Faces of Death“-Reihe im Chat verlinkt wird oder eine generische Gallerie wenig gruseliger Bilder, als auch im Editing und Script immer wieder eine gewisse Unbeholfenheit zu spüren, mit der in aller Deutlichkeit „on the nose“ die Themen von Überwachung angesprochen und Parallelen gezogen werden, die über „camera bad“ nie hinaus kommen. Ambitionierter, schicker und kompetenter als die endlosen Riegen der Hostel-Nachmacher und 2000er-Folterhorror vom Fließband ist das definitiv, sehenswert imo allein für die Performance von Young, den gelungenen Aufbau mit steter Verunsicherung und die generell auswegslose Atmosphäre, doch mit ein paar totgeguckten Tropen aus der „Bitte meiden!“-Genrekiste weniger und etwas mehr Grips sowie Mut hätte man einen knüppelharten, erbarmungslosen Horrorfilm schaffen können, der sich weder intelektuell noch cerebral vor der Konkurrenz zu verstecken bräuchte.
 
 


 
 
 

FINALE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Spannend strukturierter, handwerklich sehr gut gemachter, beklemmender Horrortrip mit starken Performances und fiesen Spitzen, der sich nur zu einfach mit seinem Storyverlauf zu Frieden gibt. Knappe 7,5 Punkte noch, aber näher an der 7 als an der 8. Für Genrefans so oder so sehenswert.
 
 


 
 
 

FINALE – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Finale“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

FINALE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Finale; Dänemark 2018

Genre: Thriller Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Dänisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Trailer, Q&A-Talk, Poster, Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 05.06.2020

 

Finale [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FINALE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Pierrot Le Fou)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Our Evil (2017)
 
Hostel (2005)
 
Circus of the Dead (2014)
 
Hush (2008)
 

Filmkritik: „What We Become“ (2015)

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WHAT WE BECOME

(SORGENFRI)

Story

 
 
 
In einer dänischen Vorstadt-Siedlung herrscht das Chaos. Eine unbekannte Seuche zieht von Haus zu Haus und macht aus den Bewohnern infizierte Furien. Mittendrin: Teenager Gustav (BENJAMIN ENGELL) und dessen Familie, die während einer Zombie-Invasion versuchen zu überleben.

 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Kritik

 
 
 
Virusepidemie mit nachfolgender Zombie-Plage, die ungefähr 8299te. Diesmal passiert die Katastrophe bei unseren dänischen Nachbarn und erlebt die Heimkinopremiere bei einem deutschen Indie-Label, das eigentlich für Qualitätskino bekannt ist und dafür in Filmliebhaber-Kreisen geschätzt wird. Dass sich CAPELIGHT PICTURES ausgerechnet die Rechte an einem Zombiefilm gesichert hat, könnte den einen oder anderen Cineasten ein wenig ärgerlich stimmen. Das wäre natürlich nicht unbegründet, haben die meisten Horrorfans von Zombies doch so allmählich die Nase voll. Einfach zu viele dieser (schlechten) Filme wurden in der jüngeren Vergangenheit gedreht. Dennoch dürfte der ungewöhnliche Einkauf gleichzeitig Hoffnung auf Qualität wecken, hat das Berliner Label bei der Filmauswahl doch meistens ein goldenes Händchen bewiesen und mit Neuerungen im Genre überrascht. Das ist auch bei WHAT WE BECOME nicht anders, der gar nicht mal so übel ist, wie die meisten der eher unterdurchschnittlichen Videoproduktionen der letzten Jahre. Gut, der dänische Horrorbeitrag berichtet von einem ähnlichen postapokalyptischen Weltuntergangs-Szenario, wie die meisten der vielen Zombiefilme aus Amerika. Im Unterschied zu den dort oft in Eigenregie produzierten Zeiträubern wird der Überlebenskampf in diesem dänischen Zombie-Streifen aber spannend in Szene gesetzt – obwohl die Untoten nur selten beim Fressen ihrer bedauernswerten Opfer zu sehen sind. Hui, wie kann das sein?
 
 
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In der dänischen Vorstadt-Siedlung SORGENFRI (was übrigens – Ihr werdet es ahnen – „sorgenfrei“ bedeutet und gleichzeitig der Originaltitel des Films ist) ist die Welt noch in Ordnung. Hier kümmert man sich um das Wohl des Nachbarn und sorgt sich liebevoll um Neuhinzugezogene, wenn die desorientiert durch die Straßen irren. Doch mit der friedlichen Idylle ist es bald vorbei. Der Ort wird aus vorerst nicht erklärten Gründen unter Quarantäne gestellt. Das will dem rebellischen Teenager Gustav so gar nicht schmecken! Er will wissen, was in den Straßen vor sich geht und der neuen Nachbarin zu Hilfe eilen, auf die er ein Auge geworfen hat. Diese gibt vom Fenster gegenüber zu verstehen, dass sie sich in einer verzwickten Situation befindet. Freilich bewegt das den Heranwachsenden, mal nach dem Rechten zu sehen. Doch die Rettungsaktion führt zur Katastrophe. Gustav öffnet bei seinen Erkundungstouren versehentlich einen Container des Militärs und lässt rasend aggressive Stadtbewohner frei, die sich mit einem ominösen Virus angesteckt haben. Die rennen nun fauchend durch die Gassen und fallen über die Gesunden her, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Leider sind das keine guten Aussichten für das malerische Örtchen im Norden von Kopenhagen, wo sich nun eine Seuche rasend verbreitet und weder vor Freunden, noch Nachbarn halt macht. Was folgt ist ein Kampf um Leben und Tod, bei dem Familien nur noch ein Ziel kennen: Überleben.
 
 
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Zombie-Invasion auf Dänisch. WHAT WE BECOME beginnt eigentlich da, wo jeder andere Film dieser Art auch beginnt. Eine nicht näher beschriebene Seuche verbreitet sich in einem kleinen Ort und macht aus Bewohnern aggressive Killermaschinen. Interessanterweise distanziert sich Regisseur BO MIKKELSEN weitestgehend vom üblichen Zombie-Einerlei und versucht in erster Linie die verzweifelte Situation seiner Protagonisten zu beschreiben. Die wollen überleben, wissen aber nicht von der Bedrohung, die draußen auf den Straßen lauert. Erst nach und nach offenbart sich das ganze Grauen. Nachbarn werden zur Gefahr und die sicheren vier Wände zum todbringenden Gefängnis. Technisch und dramaturgisch ist das Gebotene ganz ordentlich. Der Film quält selten durch Längen und fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. So deutet BO MIKKELSEN anfangs nur an und entwickelt dadurch ein beklemmendes Gefühl der Angst und Unsicherheit, das sich durch den gesamten Film zieht. Das macht WHAT WE BECOME spannend, vor allem auch deshalb, weil sich im Film um Realismus bemüht wird und der Zuschauer nie mehr weiß als die Protagonisten dieses dänischen Genrestreifens selbst. Statt Zombies fokussiert sich das Virus-Szenario auf die missliche Lage einer vierköpfigen Familie. Die droht aufgrund des Vorfalls psychisch zu zerbrechen, was zusätzlich für (An)Spannung sorgt. Bei so viel psychologischem Horror wirken die Auftritte der eigentlichen Menschenfresser beinahe störend. WHAT WE BECOME ist nämlich einer dieser Filme, bei dem man das mit den Zombies auch gut und gerne hätte weglassen können. Der Film lebt hauptsächlich von dem Gefühl der Machtlosigkeit und der resultierenden Verzweiflung. Demzufolge ist die immerhin bildgewaltig in Szene gesetzte Zombie-Invasion am Ende überflüssig. WHAT WE BECOME hätte auch ohne die gut funktioniert.
 
 
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WHAT WE BECOME – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein Zombiefilm mit nur wenigen Zombie-Szenen. WHAT WE BECOME zeigt erst in den letzten Minuten einige Menschenfresser in Aktion. Bis dahin werden sie durch Schatten und lautes Stöhnen angedeutet. Das steht dem Streifen erstaunlich gut, denn mit dem bloßen Andeuten wird das Kopfkino angekurbelt. WHAT WE BECOME bemüht sich um möglichst viel Realität und versucht abzuspulen, wie sich so eine Virusepidemie in einem europäischen Vorort abspielen könnte, in dem ganz normale Menschen leben. Bis die Zombies in voller Pracht zu sehen sind, funktioniert das wirklich gut. Erst in den letzten Minuten driftet WHAT WE BECOME zu sehr ins amerikanische Untoten-Genre ab und wird albern. Das ist dahingehend fatal, weil dieser dänische Katastrophenfilm die wandelnden Toten gar nicht gebraucht hätte. Die Situation der Machtlosigkeit – so wie sie in WHAT WE BECOME beschrieben wird – ist allein schon erschreckend genug, um Unbehagen bewirken zu können. Weil sich dieser Streifen weitestgehend vom Splatter-Quatsch üblicher Zombiefilme distanziert, ist WHAT WE BECOME für THE WALKING DEAD-Fans leider so gar nicht geeignet. Alle anderen können gern einen Blick wagen.
 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Zensur

 
 
 
WHAT WE BECOME (im Original: SORGENFRI) ist kein Zombiefilm, wie man ihn sonst immer zu sehen bekommt. Fressattacken und Gewaltmomente sind die Seltenheit. Das hatte zur Folge, dass der Film hierzulande eine Jugendfreigabe erhalten hat. Die FSK gab den Film bereits für Minderjährige frei. Die deutsche Fassung von WHAT WE BECOME ist ungeschnitten und steht mit FSK16-Flatschen im Händlerregal.
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sorgenfri; Dänemark 2015

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Dänisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und im Schuber

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 18.11.2016

 

What We Become (Blu-Ray) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

WHAT WE BECOME – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Viral (2016)
 
Summer Camp (2015)
 
Don’t Grow Up (2015)
 
Anger of the Dead (2015)
 

Filmkritik: „Shelley“ (2016)

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SHELLEY

Story

 
 
 

Wenn die Leihmutterschaft unerträglich wird: Eine Gastarbeiterin trägt für Geld das Baby ihrer Arbeitgeberin aus und erlebt in dieser Zeit die schlimmsten Schrecken auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Kritik

 
 
 
Wenn die Schwangerschaft zum Horror wird – ein Thema, mit dem sich schon viele Filmemacher beschäftigt haben. Der wohl bekannteste dieser Riege ist zweifelsohne ROMAN POLANSKI, der mit ROSEMARY’S BABY vielen werdenden Müttern manche schlaflose Nacht bereitet hat. Der polnischstämmige Franzose hatte vor fast 50 Jahren erreicht, was vielen ambitionierten Newcomern heutzutage nur mühsam gelingt. Statt plumper Effekthascherei und plakativem Erschrecken ließ er den eigentlichen Horror im Kopf des Zuschauers entstehen. Dafür wurde er seinerzeit zu Recht gelobt. In der Gegenwart sieht das leider ganz anders aus. In Zeiten hektisch geschnittener Gewaltepen mutet subtile Angstmacherei vielen altbacken an. Demzufolge macht sich Kopf-Horror allmählich rar im Genre-Kino, was aber neugierige Nachwuchsregisseure nicht davon abhält, mit dieser Art des filmischen Grauens zu experimentieren. Der Däne ALI ABBASHI ist so ein Fall. Der zitiert nicht nur fleißig aus dem anfangs erwähnten Okkult-Klassiker, sondern macht bereits auf dem Filmplakat darauf aufmerksam, vor welchem Klassiker er sich verneigen möchte. Kenner sehen die Parallelen. Vergleicht man das Plakat zum Filmdebüt SHELLEY und das des Schauermärchens ROSEMARY’S BABY ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Doch nicht nur werbetechnisch besitzen beide Genrewerke Gemeinsamkeiten. Auch inhaltlich folgt Regisseur ALI ABBASHI den von Polanski diktierten Pfaden. Das bedeutet: leise Töne und langsame Inszenierung dafür maximalen Horror. Kann das in einer schnelllebigen Zeit wie der Heutigen noch funktionieren?
 
 
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Wie in ROSEMARY’S BABY verfallen in SHELLEY Protagonisten allmählich dem Wahnsinn. Doch bevor der eintritt, ist es ein langer Weg. SHELLEY rückt zwei Frauen in den Mittelpunkt, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Die eine kommt aus Rumänien und will als Gastarbeiterin in Dänemark schnelles Geld verdienen, um sich in der Heimat ein Haus kaufen zu können. Die andere ist Selbstversorgerin und lebt mit dem Mann in einer Hütte am See – ganz ohne Strom und Moderne. Weil man Unterstützung im Haushalt und Garten benötigt, nimmt man die Gastarbeiterin auf und entlohnt sie für anfallende Arbeiten. Schnell entsteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden Frauen, weshalb sich Louise (ELEN DORRIT PETERSEN) der neuen Seelenverwandten anvertraut. Sie erklärt dem Hausmädchen auf Zeit, dass sie keine Kinder bekommen kann. Nach einer Fehlgeburt musste ihr die Gebärmutter entfernt werden. Doch eingefrorene Eizellen könnten immer noch eine Leihmutterschaft ermöglichen. Weil Gastarbeiterin Elena (COSMINA STRATAN) viel Geld wittert, schlägt sie vor, das Kind auszutragen. Doch die Schwangerschaft verläuft nicht ohne Probleme. Bald schon passieren seltsame Dinge, was die werdende Mutter veranlasst zu glauben, dass die Frucht in ihrem Leib das Böse beherbergt. Ob sie damit Recht behält?
 
 
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Von der Angst über Nachwuchs, der im Körper heranwächst und der Besessenheit endlich Mutter zu werden. SHELLEY ist zweifelsohne Gruselvergnügen alter Schule, das sogar noch Hirn hat. Statt nur plump zu kopieren, kombiniert Macher ALI ABBASHI souverän und lässt dabei etwas Eigenes entstehen. So ist SHELLEY eigentlich ein Film, der zwei Geschichten und Schicksale vereint. Was nämlich anfangs eine neumodische ROSEMARY’S BABY-Interpretation vermuten lässt, ist weit mehr als das. Der Psychothriller wird gegen Ende zum waschechten Okkult-Grusler und wandelt auf den Spuren des Teufelsjungen Damien aus DAS OMEN. Spätestens hier macht ALI ABBASHI Nägel mit Köpfen, was Kennern der Polanski-Vorlage vielleicht etwas zu kommerziell geraten sein dürfte. Hat der damals den Zuschauer selbst darüber entscheiden lassen, ob der Teufel im Bunde oder alles nur Einbildung war, bezieht Abbashi in SHELLEY klare Stellung. Hier ist wirklich das Böse zuhause und die Tatsache verursacht Gänsehaut. Die wird mit einfachen Mitteln bewirkt, was den Film für all jenen interessant machen dürfte, die sich gern das Fürchten fernab der Traumfabrik lehren lassen möchten. SHELLEY funktioniert auch trotz der eindeutigen Erklärungen gerade wegen seiner eigensinnigen Machart. Lange Kameraeinstellungen gesellen sich zu gut durchdachtem Erzählstil. Der ist in erster Linie ruhig und macht zudem von wenig Musikeinsatz Gebrauch. Langsam bahnt sich das Grauen seinen Weg durch den Film – nur um am Ende gnadenlos zuzuschlagen. So überschlagen sich im Finale die Ereignisse und es kommt zu folgenschweren Entschlüssen. Angesichts mangelnder Schocks und Gewaltexzesse ist die dort verursachte Stimmung des Unbehagens bemerkenswert. Spätestens an dieser Stelle sollte man dem dänischen Newcomer für seine Arbeit beglückwünschen, denn Gänsehaut mit einfachen und unkonventionellen Mitteln zu bewirken, kann nicht jeder.
 
 
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SHELLEY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Altmodisch – aber oho: Wenn subtiles Angstkino der 1960er in die Gegenwart transferiert wird. Dann entsteht so etwas wie SHELLEY, der souverän zeigt, dass subtil erzählte Horrorfilme auch genauso gut heute funktionieren. Weniger Schocks auf der Mattscheibe, dafür mehr Grauen im Kopf. Das sind die eigentlichen Intensionen, die der dänische Regisseur ALI ABBASHI verfolgt und damit alles richtig macht. SHELLEY ist so nichts für jene, die Herzflattern und Adrenalinkick beim Schauen von Horrorfilmen voraussetzen. Dieser Film beschreitet den Weg des Grauens langsam und wirft somit Ritalin-Patienten vollkommen aus der Bahn. Das Böse wird im Film vielerorts nur angedeutet. Dennoch entsteht schnell eine fesselnde Aura des Unbehagens. Ist die Heldin im Film nur dem Wahnsinn nahe oder sind hier wirklich teuflische Mächte am Werk? Wo sich ROMAN POLANSKI in ROSEMARY’S BABY eindeutige Erklärungen verkniff, macht SHELLEY Nägel mit Köpfen. Das ist aber auch das einzige was man dem Film vorwerfen könnte. Der Rest ist über jeden Zweifel erhaben – insofern man überhaupt etwas mit langsam erzählten Gruselstreifen anfangen kann, in denen sich das Grauen langsam den Weg bahnt. Langsamkeit ist nämlich in SHELLEY Programm und zeigt mal wieder, dass gut durchdachte Geschichten, talentierte Schauspieler und lobenswerte Kameraarbeit plakative Schocks und Gewaltmomente überflüssig machen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in SHELLEY kaum eine Rolle. Eine versuchte Abtreibung wird angedeutet und gegen Ende wird der Kopf eines Protagonisten mit der Autotür zermatscht. Das sieht man aber nicht, da die Kamera wegblendet. SHELLEY dürfte in Deutschland wohl mit einer FSK16 davonkommen.
 
 
 


 
 
 

SHELLEY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Bleed (2016)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 
Rosemaries Baby (1968)
 

Kritik: „Resurrection of the Walking Dead“ (2010)

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RESURRECTION OF THE WALKING DEAD

Story

 
 
 
In einer Kirche kommt es zur ultimativen Fressorgie. Einige Trauergäste werden während Simons Beerdigung von einer Horde blutgieriger Untoter überrascht. Nur die drei Geschwister des Verstorbenen können sich in Sicherheit bringen und nehmen in den Katakomben des Gotteshauses den Kampf gegen die Kreaturen auf.
 
 
 


 
 
 

RESURRECTION OF THE WALKING DEAD – Kritik

 
 
 
Die Welt ist erneut im Zombie-Fieber. Nachdem das Genre durch die Neuverfilmung des Romero´schen Kultschockers DAWN OF THE DEAD (2004) reanimiert und zum Mainstream deklariert wurde, erfreut es sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Vor allem die Amerikaner sind es, die in regelmäßigen Abständen emsig für Nachschub sorgen und den fast vergessenen Zombiefilm sogar ins Kino bringen (WORLD WAR Z, RESIDENT EVIL). Bei so viel Erfolg will natürlich Europa nicht im Abseits stehen und versucht sich ebenso fleißig daran, Horrorfilmfans mit möglichst blutigen Filmen dieser Art zu versorgen. Ob England mit 28 DAYS LATER, Spanien mit dem Wackelcam-Thriller [REC] oder Frankreich mit DIE HORDE; der Zombiefilm spricht eine internationale Sprache. Selbst Deutschland hat den Trend der Zeit erkannt und schickte im Jahr 2010 mit dem Berliner Weltuntergangsszenario RAMMBOCK seinen Beitrag zur Untoten-Thematik ins Rennen. Dass es sich da der Nachbar Dänemark ebenfalls nicht nehmen ließ und mit OPSTANDELSEN ein Zombie-Werk produzierte, liegt nah. Drei Jahre hat es nun gedauert bis RESURRECTION OF THE WALKING DEAD (so der vielversprechende deutsche Titel) auch in hiesigen Gefilden veröffentlicht wurde. Wobei das etwas plakativ gestaltete Heimkinocover schon einmal entsprechenden Vorgeschmack bietet, was den Filmfreund in den nächsten 50 Minuten erwarten wird.
 
Richtig gelesen. Mit seinen rund 50 Minuten Laufzeit ist RESURRECTION OF THE WALKING DEAD mehr Kurzfilm als abendfüllendes Leinwanddebüt. Immerhin entpuppt sich Musikvideo-Filmer CASPAR HAUGEGAARD bei seinem ersten „richtigen“ Film als durchaus aufmerksames Kerlchen, der die vielen italienischen Zombiefilme der 80er und natürlich die Werke der letzten Jahre reichlich genau studiert zu haben scheint. Schnörkellos geht es in RESURRECTION OF THE WALKING DEAD zu, was sich vor allem bei dem etwas dünn geratenen Handlungsgerüst bemerkbar macht. Viel gibt es hier nicht zu erzählen, außer dass OPSTANDELSEN von drei Geschwistern handelt, die während der Beerdigung ihres Bruders Simon (gespielt vom Regisseur) von einer plötzlichen Flut von Zombies überrascht werden. Um sich in Sicherheit zu bringen, entscheiden Sie, in den Katakomben der Kirche Schutz zu suchen, um sich von dort einen Ausweg aus der verzwickten Situation zu bahnen. Was folgt ist der übliche Zombie-Quark. Die Kids werden durch Bisse infiziert oder von den reißenden Bestien genüsslich verspeist. Auch wenn RESURRECTION OF THE WALKING DEAD flott inszeniert wurde und HAUGEGAARD Geschick bei der Umsetzung seiner kleinen Geschichte an den Tag legt, ist es vor allem der arg amateurhafte Look, der das Seherlebnis schmälert. Das Ding wurde mit einer Handkamera gedreht und hinterlässt einen schalen Homevideo-Charakter. Immerhin befinden sich Ton und Schnitt auf ziemlich hohem Niveau, so dass RESURRECTION OF THE WALKING DEAD bei weitem besser ist, als anfänglich vermutet. Durch den effektiven Einsatz von Taschenlampenbeleuchtung entsteht sogar etwas Gruselfeeling, wobei der grummelnde Score einige Schockeffekte sogar auf den Punkt zu bringen versteht. Zudem wurde dem Film in der deutschen Fassung eine ziemlich professionelle Synchronisation zu Teil, die den Euro-Low-Budget-Charakter schnell vergessen macht.
 
Pausen gönnt sich RESURRECTION OF THE WALKING DEAD kaum, es passiert immer etwas. Heftiges Kameragewackel wirkt zwar nicht selten etwas stümperhaft, bringt aber hektische Dynamik in die Geschehnisse. Zudem beweist Regisseur und Drehbuchautor CASPAR HAUGEGAARD bei der Umsetzung der diversen Splatter-Effekte viel Liebe zum Detail. Hier wird nicht geklotzt sondern gekleckert. Das Blut fließt in Strömen und die handgemachten Spezialeffekte hinterlassen einen durchweg hervorragenden Eindruck. Leider kommt RESURRECTION OF THE WALKING DEAD weit über 20 Jahre zu spät. Denn heute zaubert ein derart substanzloses Splatter-Feuerwerk im Amateur-Look, ohne nennenswerte Handlung und arg hanebüchenen Dialogen dem Fan kaum noch ein Lächeln ins Gesicht. Wäre dieser Schlachtplatte in den 80ern erschienen, RESURRECTION OF THE WALKING DEAD hätte sich vermutlich zum Kultfilm mausern können. So erlebt der Zuschauer nur einen weiteren Zombiefilm unter vielen, der nicht einmal ansatzweise den Versuch wagt, das generisch gewordene Genre zu erneuern.
 
 
 


 
 
 

RESURRECTION OF THE WALKING DEAD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Ein ziemlich blutiger Zombie-Kurzfilm mit guten, hausgemachten Splatter-Effekten aber arg dünner Handlung. Woher die Zombies kommen, wird nicht geklärt. Immerhin befindet sich die technische Komponente (mal abgesehen vom billigen Homevideo-Charme) auf einem durchweg hervorragenden Level. Da kann man nur hoffen, dass Regisseur CASPAR HAUGEGAARD die Möglichkeit eingeräumt wird, mit mehr Budget und einer richtigen Kamera einen weiteren Film zu drehen.
 
 
 


 
 
 

RESURRECTION OF THE WALKING DEAD – Zensur

 
 
 
RESURRECTION OF THE WALKING DEAD ist erstaunlich blutig. Die Effekte sehen ziemlich gut aus und so verwundert es auch, dass der Film in deutschen Gefilden ungeschnitten die FSK passieren durfte. Die Heimkinofassung ziert die KEINE JUGENFREIGABE-Kennzeichnung. Wer blutige Horrorfilme mag, kann daher bedenkenlos zugreifen. Hier wurde nichts zensiert.
 
 
 


 
 
 

RESURRECTION OF THE WALKING DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Opstandelsen; Dänemark 2010

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Norwegisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.77:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 47 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Behind the Scenes Video (10:42, keine Untertitel), Kurzfilm „Kaeldermenneske“ (27:34, optionalen deutschen Untertiteln), vier Musikvideos (ca. 16 Minuten), Teaser (1:44), Trailer (3:01)

 
 
 
Die vorliegende Blu-ray aus dem Hause EDEL AG/PARAGON MOVIES kommt überraschend umfangreich daher, wobei der Hauptfilm nicht einmal ansatzweise HD-Niveau erreicht. Warum der Anbieter parallel zur DVD eine Blu-ray anbietet bleibt unverständlich. Das Bild von RESURRECTION OF THE WALKING DEAD befindet sich auf schwachem DVD-Niveau und besitzt Homevideo-Charakter. Immerhin hat der Subwoofer einiges zu tun. Denn der begleitende Soundtrack wird von einem grummelnden Bass begleitet, der die Heimkinoanlage arbeiten lässt. An dieser Stelle sei zu nennen, dass RESURRECTION OF THE WALKING DEAD eine erstaunlich professionelle Synchronisation erhalten hat. Da es sich hier um einen Film auf gehobenen Amateurfilm-Niveau handelt, mag das zwar anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig wirken; die gute Übersetzung bereichert diesen Zombiespaß aber ungemein. Überraschenderweise hat der Anbieter EDEL AG/PARAGON MOVIES dem vorliegenden RESURRECTION OF THE WALKING DEAD eine stattliche Anzahl an Extras spendiert. So findet der Zuschauer neben einem ca. 30-minütigen Kurzfilm des Regisseurs CASPAR HAUGEGAARD (27 Minuten, deutsch untertitelt) auch ein Paket mit vier Music-Clips des Filmemachers. Der Trailer und ein Teaser im Original sowie ein kurzes Making of (10 Minuten, keine Untertitel) haben es ebenfalls auf die Scheibe geschafft. Bleibt abschließend zu erwähnen, dass die Veröffentlichung ein Wendecover besitzt und der Amateurfilm-Fan mit einer Vorliebe für sabbernde Zombies einen Blick riskieren sollte.
 
 

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RESURRECTION OF THE WALKING DEAD – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth/ Hellraiser80

 
 
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