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Filmkritik: „Speak No Evil“ (2013)

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SPEAK NO EVIL

Story

 
 
 
In einer Kleinstadt verschwinden die Kinder spurlos. Als sie wieder auftauchen gieren sie nach dem Blut der Erwachsenen …
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Kritik

 
 
 
Das amerikanische Multitalent ROZE hat ein Herz für strebsame Indie-Regisseure, die vehement daran arbeiten möglichst kreative Filme an den Zuschauer bringen zu wollen. Mit seiner Internetseite mindplate.tv eröffnet er all jenen Filmschaffenden die Möglichkeit, dass deren Werke auch von einem größeren Publikum in Nordamerika gesehen werden können. Ganz nebenbei soll mit seiner Plattform auch eine Basis für unabhängige Filmemacher geschaffen werden, mögliche Investoren für interessante Projekte gewinnen zu können, schließlich ist es meist für noch unbekannte Regisseure ohnehin schon schwer genug Filme zu finanzieren oder überhaupt einen Fuß in die Filmwelt zu bekommen. ROZE, der selbst seit 2002 Filme schreibt, dreht und produziert ist eigentlich ganz unfreiwillig zum Film gekommen. Bevor er seine neue Bestimmung fand, sah er sich eigentlich als Musiker. Weil er sich jedoch das Handgelenk brach und nicht mehr Gitarre spielen konnte, suchte er nach beruflichen Alternativen und landete an einer Filmhochschule. Es folgten Kurzfilme, Werbespots und 2010 schließlich der erste abendfüllende Langfilm: DEADFALL TRAIL. Drei Jahre später hatte ROZE bereits den zweiten Spielfilm abgedreht, der unter dem Titel SPEAK NO EVIL nun auch auf der eigenen Vermarktungsplattform zum Kauf angeboten wird und mit Sicherheit recht zügig internationale Publisher finden dürfte.
 

„What are you willing to sacrifice to overcome your fear and defeat evil?“. I believe we are willing to sacrifice our child in America and I believe we have.

(ROZE)

 
Der Regisseur ist dem Horrorfilm treu geblieben und führt in SPEAK NO EVIL mehrere Subgenres zusammen. Neben Elementen aus Zombie- und Okkultismusfilmen findet auch Besessenheitsthematik Verwendung, die auch Jahrzehnte nach DER EXORZIST immer mal wieder im Horrorfilm die Runde macht. Um den Anspruch zu wahren, hat ROZE zudem an Gesellschaftskritik gedacht, die sich subtil durch die Geschehnisse der zweifelhaften Geschichte schleicht, schließlich muss das kaltblütige Auslöschen hilfloser Kinder dann doch irgendwie begründet werden. Ähnlich wie in Serradors EIN KIND ZU TÖTEN (1976), dem zugehörigen Remake COME OUT AND PLAY (2013) oder Kings KINDER DES ZORNS (1984) sind es gut behütete Kids, die zum Mittelpunkt des Streifens gemacht werden und sich nicht gerade zimperlich gegen die Erwachsenen einer Kleinstadt zur Wehr setzen. Der Dämon Adramelech muss als Indikator herhalten, um ein gar blutiges Massaker an einigen Kindern zu rechtfertigen, die unter seinen Einfluss beginnen an ihren Erziehungsberechtigten herumzuknabbern. Dass die Eltern in letzter Konsequenz nur noch das teils drastische Auslöschen der Schützlinge als Lösung sehen, um dem Spuk ein Ende bereits zu können, ist aufgrund der ziemlich zeigefreudigen Splatter-Szenen schon als arg geschmacklos zu betiteln. In einem Interview erklärte der Regisseur, dass er stets darum bemüht ist kritische Botschaften in seine Werke einfließen zu lassen. Im Falle von SPEAK NO EVIL hält er dem Zuschauer den Spiegel vor Augen und zieht Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen. Laut seiner Erkenntnis lässt sich das unmenschliche Vergehen der Eltern im Film auch auf die Realität übertragen. So ist er fest davon überzeugt, dass seine amerikanischen Landsleute nicht davor zurückschrecken würden, den eigenen Nachwuchs zu opfern, um sich selbst in Sicherheit wähnen und Böses vernichten zu können. Eine gewagte These, die jedoch gerade aufgrund der jüngsten US-Kriegeinsatz-Problematiken in Afghanistan und im Irak an Brisanz gewinnt. Nicht selten ziehen meist junge Soldaten angetrieben vom Applaus der stolzen Eltern furchtlos in den Krieg und werden später als schwer traumatisierte Zombies erneut in die Gesellschaft eingegliedert. Dass viele der Kriegsheimkehrer nach dem Einsatz eine Menge Zeit benötigen, um das Erlebte verarbeiten zu können, wird meist nicht ohne Grund von der amerikanischen Regierung verschwiegen.
 
SPEAK NO EVIL erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Anna, die mit ihrem neuen Freund und Tochter Joey versucht über die Runde zu kommen. Eines Abends beobachtet die Tochter, wie ein seltsames Wesen aus dem Boden krabbelt – wenig später ist Joey verschwunden. Für die Eltern entwickelt sich die Situation zum Albtraum, scheint es keine Anhaltspunkte für das mysteriöse Verschwinden der Tochter zu geben. Doch Joey ist nicht einzige, die nicht mehr auffindbar ist. Allen Erwachsenen des Ortes ist ähnliches Schicksal widerfahren – die Kinder sind wie vom Erdboden verschluckt, so dass ein Suchtrupp aufgestellt wird, der nach den Kids suchen soll. So schnell wie sie verschwunden waren, tauchen die Schützlinge wenige Zeit später auch wieder auf. Ganz zur Freude aller Eltern, die aber bald feststellen müssen, dass sich der Nachwuchs wie ausgewechselt verhält. Ein grauenvoller Dämon hat sich der Kinder bemächtigt, die nun von Boshaftigkeit besessen beginnen den Heimatort zu terrorisieren. Als die ersten Erwachsenen den Angriffen der Minderjährigen erliegen und sich die Eltern nicht mehr zu wehren wissen, schmiedet man einen teuflischen Plan. Währenddessen ist Mutter Anna fest davon überzeugt, die eigene Tochter aus den Klauen des Dämons retten zu können.
 
Knapp 150.000 Dollar hat der Regisseur für sein Zweitwerk ausgegeben. Wie so oft bei Indie-Flicks steht das minimale Budget im direkten Vergleich zum fertigen Film in keinem Verhältnis, denn auch Filmemacher ROZE hat es geschafft, dass sein SPEAK NO EVIL nach bedeutend mehr ausschaut, als man anfänglich vermuten würde. Doch dazu nicht genug. Seit seinem Erstling DEADFALL TRAIL hat sich einiges getan. Die für einen Horrorfilm obligatorischen Ekelmomente befinden sich auf einem erstaunlich hohen Niveau. So greift man bei den Make-up und Matscheffekten auf Handgemachtes zurück und beschränkt sich auf nur wenige Computeranimationen. Auch im Fall von SPEAK NO EVIL kommt dem Film der ungeschliffene Indie-Look gelegen, der sich durch den gesamten Streifen zieht. Die lose Kamera schwirrt permanent um die Protagonisten und ist immer nah am Geschehen. Sie nimmt die Beobachterposition ein und suggeriert dem Zuschauer, Teil der mysteriösen Ereignisse zu sein. Auch wenn das Treiben recht schnell ein ordentliches Tempo entwickelt und der Film von einem permanenten Gefühl des Unbehagens begleitet wird, mangelt es dem Drehbuch an Feintuning. Eine Charakterentwicklung gibt es nicht und die teils konfuse Geschichte gerät sehr bald in Erklärungsnot. Zudem ist GABRIELLE STONE als alleinerziehende Mutter Anna zwar darum bestrebt die Geschichte zu tragen; eine sympathische Heldin verkörpert sie jedoch mit ihrer unnahbaren Art leider nicht.
 
Die eigentlichen Stars des Streifens sind hier erstaunlicherweise die Kinder, die sich in SPEAK NO EVIL ihren Weg durch die Stadt beißen und schreien. Letzteres geht dann doch schon arg durch Mark und Bein, wenn eine bemitleidenswerte Kreatur wie Vieh an eine Leine gehalten wird und einen fragwürdigen Exorzismus über sich ergehen lassen muss. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die kindlichen Schauspieler bei weitem mehr Talent beweisen, als ihre erwachsenen Schauspielkollegen. Einige derer haben vermutlich während der Dreharbeiten nicht verstanden, dass SPEAK NO EVIL ein Horrorfilm werden sollte. Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum in Momenten der Angst Dialoge mit einem verschmitzten Grinsen in die Kamera gequasselt werden.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schockierendes Horror-Spektakel, was uns da Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ROZE mit SPEAK NO EVIL auftischt, denn in diesem Horror-Schocker werden Kinder von einer höheren Macht gesteuert und gegen die Erwachsenen des Films aufgehetzt. Regisseur ROZE geizt nicht mit blutigen Details und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Zeugen eines äußerst kontroversen Schlachtspektakels, das sogar noch mit einem äußerst makabren Abschlusstwist aufwartet. Für knapp 150.000 Dollar hat Macher ROZE einen ganz passablen Indie-Trip gebastelt, der jedoch wie so oft bei unabhängigen B-Filmen mit so einigen Schwächen zu kämpfen hat. Zwar passt die Gruselstimmung; die schauspielerischen Leistungen der erwachsenen Protagonisten wirken jedoch im Gegensatz zu ihren kindlichen Schauspielkollegen oftmals sehr unbeholfen. Außerdem leidet das Drehbuch unter der teils sehr konfusen Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu geben. In Anbetracht des mageren Budgets sind die Defizite jedoch zu verschmerzen, denn trotz Mankos ist SPEAK NO EVIL immer noch besser, als das was sonst üblicherweise aus dem Indie-Sektor kommt. Wir meinen: SPEAK NO EVIL ist ein beunruhigender Horror-Thriller in der Machart von KINDER DES ZORNS, DAS DORF DER VERDAMMTEN und COME OUT AND PLAY. Fans ungeschliffener Indie-Grusler greifen zu; Mainstream-Gucker bleiben dagegen fern.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Zensur

 
 
 
Die Freigabe der FSK scheint im Falle von SPEAK NO EVIL willkührlich zu sein. Gerade weil hier recht grafisch Kinder vor der Linse getötet werden, hätten ähnlich gelagerte Film vor einigen Jahren noch arge Probleme bekommen. Die Gewalt wird teils roher als in COME OUT AND PLAY dargestellt. Trotzdem wurde SPEAK NO EVIL bereits für Jugendliche ab 16 Jahren freigegben. Ungeschnitten! Das verstehe wer will.
 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Speak No Evil; USA 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 74 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 27.02.2015

 

Speak No Evil [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SPEAK NO EVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Come Out and Play – Kinder des Todes (2012)
 
Dark Touch (2013)
 
Kinder des Zorns (1984)
 
Children of the Corn (2009)
 
Ein Kind zu töten (1976)
 

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Filmreview: „Here Comes the Devil“ (2012)

here comes the devil 2013
 
 
 

HERE COMES THE DEVIL

Story

 
 
 
Eine kleine Familie düst mit dem Auto in die Berge. Nachdem die Kinder von der Bergkletterei nicht zurückkehren alarmieren die Eltern die Polizei. Als die Kids gefunden und zu den besorgten Eltern gebracht werden, beginnt für Mutter Sol ein Albtraum. Sie bemerkt, dass die Geschwister sich reichlich abnormal und wie ausgewechselt verhalten …
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Kritik

 
 
 
In Mexiko tut sich was im Horrorbereich. Da wird seit geraumer Zeit an Genrezeugs gearbeitet, das sogar seinen Weg nach Deutschland findet und sich erstaunlicherweise vom formelhaften Hochglanzschrott aus Hollywood abzuheben versteht. Für die amerikanische Traumfabrik hat sich mexikanisches Horrorfutter längst zur rentablen Geldquelle entwickelt, denn dort sucht man stets gierig nach unverbrauchten Geschichten, die man möglichst gewinnbringend wiederverwerten kann. Als bestes Beispiel hierfür sei das mexikanische Kannibalendrama WIR SIND WAS WIR SIND (OT: SOMOS LO QUE HAY) zu nennen, das 2010 von JORGE MICHEL GRAU in die Kinos gebracht wurde und relativ zeitnah als amerikanisches Remake mit dem Titel WE ARE WHAT WE ARE (wir berichteten) über die US-Leinwände flimmerte. Ähnlich dürfte es vermutlich auch dem neusten mexikanischen Gruselexport ergehen. Der nennt sich schlicht und einfach HERE COMES THE DEVIL und traut sich mal wieder gegen den Strom zu schwimmen. Hier gibt es weder Zombies, noch Folterei oder nerviges Kameragewackel zu sehen, was für die Amerikaner allein schon Grund genug sein dürfte, sich schnell die Rechte für eine Neuverfilmung unter den Nagel zu reißen. Hinter AHÍ VA EL DIABLO (so der Originaltitel) steckt ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO. Der dürfte dem bewanderten Filmfan kein Unbekannter sein. Wer sich im Horrorfilm auskennt weiß natürlich schnell, dass der Regisseur auch an der THE ABC’S OF DEATH-Anthologie mitgetüftelt und sich dort mit seinem B IS FOR BIGFOOT leidlich unterhaltsam verewigt hat. Ganz grundlos dürfte seine Teilnahme nicht gewesen sein, ist doch der gebürtige Spanier ein leidenschaftlicher Fan des phantastischen Genres und hat zuvor schon einige (miese) Horrorstreifen gedreht, wobei COLD SWEAT (2010) und der schmuddelige I’LL NEVER DIE ALONE (2008) zu den wohl bekanntesten Werken seines bisherigen Schaffens gehören dürften. Nun hat er im Zuge des erfolgreichen Todes-ABC’s die Gunst der Stunde genutzt und endlich mal einen richtig guten Grusler gedreht, der sich überraschenderweise vom Effekthascherischen distanziert und die eher leisen Töne anschlägt.
 
HERE COMES THE DEVIL handelt vom Paar Felix (FRANCISCO BARREIRO) und Sol (LAURA CARO), das bei einem Familienausflug mit den beiden Kindern vom Bösen heimgesucht wird. Während sich die Eltern im Auto vergnügen, gehen die Kids auf Entdeckungstour in die Berge und kehren nicht mehr zurück. Das macht den sorgenden Erziehungsberechtigten verständlicherweise Kummer, so dass man sich an die örtliche Polizei wendet, die die Kinder wenige Stunden später findet und unversehrt der Familie übergibt. Doch die Geschwister scheinen verändert zu sein. Sie sprechen nur noch das Nötigste und verhalten sich seltsam verschlossen. Als die besorgten Eltern Wundmale auf Rücken und Beinen entdecken und der Psychologe von einem Trauma faselt, brennen dem Pärchen die Sicherungen durch. Es gilt einen Kinderschänder zu finden, der für die Taten verantwortlich gemacht werden muss. Der ist schnell gefunden und wird kaltblütig um die Ecke gebracht. Doch bald schon merkt Mutter Sol, dass hier etwas Größeres am Brodeln ist. Ganz so unrecht hat sie mit ihrer Vermutung natürlich nicht, denn als sie noch einmal in die Berge zurückreist, wird sie in einer Höhle mit dem ultimativen Grauen konfrontiert.
 
Horror mit Kindern scheint in Mexiko ganz schön im Trend zu sein. Nachdem die zornigen Kids aus COME OUT AND PLAY (2013) in den blutigen Rachefeldzug gegen Erwachsene gezogen sind, gibt’s nun mit HERE COMES THE DEVIL den zweiten mexikanischen Horrorfilm in Folge, der sich um kleine Rabauken dreht, mit denen irgendwas nicht stimmt. Die sind natürlich nicht freiwillig vom Bösen infiziert, taumeln des Öfteren wie betrunken durch die Szenarie und jagen der verunsicherten Mutter einen gehörigen Schrecken ein. Vater Felix versteht die ganze Aufregung nicht, sieht er im seltsamen Verhalten der Kinder die Folgen von sexuellem Missbrauch, dessen vermeintlicher Verursacher mit einem gut geschärften Messer bereits um die Ecke gebracht wurde. Fast schon möge man meinen BOGLIANO wolle mit seinem Mystery-Drama das Schaudern der 70er zurück auf die Mattscheibe holen. Zu jener Zeit kamen stimmige Geschichten in die Kinos, deren Macher sich sorgsam darum bemühten dem Zuschauer mit gepflegter Atmosphäre das Fürchten zu lehren. Da wurde das Unbehagen langsam und schrittweise aufgebaut, um den Filmfan am Ende da zu packen, wo es ihm am meisten wehtut. Ähnlich verhält es sich auch mit HERE COMES THE DEVIL. Der Film beginnt mit einem blutrünstigen Auftakt, fällt danach wieder und baut bis zum Ende eine nahezu konstant anhaltende Aura des Grauens auf, um dem Zuschauer dann im Finale gehörig ins Gesicht zu spuken. Macher ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bedient sich mit seinem mysteriösen Gruselding bei einem der ganz Großen des Genres: PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975) und liebäugelt vor allem mit all den dämonischen Okkultstreifen, die sich Anfang der 70er großer Beliebtheit erfreut haben. Wir erleben Kinder, die scheinbar wie in DAS DORF DER VERDAMMTEN (1960) von einer fremden Macht dirigiert werden und eine fast schon paranoisch agierende Mutter, die geradezu davon besessen ist zu glauben, dass hinter der Veränderung ihrer Kinder das Böse stecken muss. ROSEMARIES BABY (einer der Vorreiter der 70er-Okkultwelle) lässt grüßen, denn auch in BOGLIANO Machwerk will der Ehefrau mal wieder niemand Glauben schenken, obwohl selbst dem Zuschauer offensichtlich ist, dass es in HERE COMES THE DEVIL mal wieder nicht mit rechten Dingen zugeht.
 
HERE COMES THE DEVIL ist ein kleiner, ungeschliffener Rohdiamant mit Ecken und Kanten. Das Budget muss mal wieder knapp gewesen sein, denn nicht selten mag man das Gefühl nicht loswerden wollen, als ob BOGLIANO mehr zeigen wollte, es aber produktionsbedingt nicht konnte. Dennoch ist sein neuster Grusler einer jener Filme, denen das Unprofessionelle erheblich gut steht und wo vor allem die teils nostalgische Kameraführung gefällt. Da erfreuen nicht selten hektische Zooms auf die Gesichter der Protagonisten, ganz so wie man es eben in vielen Klassikern der 70er zu sehen bekam. Auch wenn das teils unbeholfene Gestrampel der Kiddis davon zeugt, dass die engagierten Jungdarsteller zuvor noch nie etwas vom Schauspielern gehört haben, muss man doch überrascht sagen, dass HERE COMES THE DEVIL ein wirklich sehr guter Film geworden ist. Wer den Holzhammer nicht braucht erlebt hier mal wieder, warum sich das Horrorgenre auch heute noch so großer Beliebtheit erfreut. BOGLIANO bringt das traditionelle Gruseln in die Wohnzimmer. Ihm gelingt es mit souveräner Leichtigkeit die Vorzüge des subtilen Schauderns zurück auf die Mattscheiben zu holen. Nach so viel blutigem Pseudo-Horror, der dem Zuschauer in letzter Zeit untergejubelt wurde, ist so ein Gruseltrip der alten Schule eine regelrechte Wohltat (auch wenn sich BOGLIANO nicht den Spaß nehmen lässt, um auch mit etwas Lebenssaft zu experimentieren). Bei so schnörkellosem und effektivem Old-School-Horror darf man auf das gespannt sein, was da in Zukunft noch alles aus Mexiko kommen wird.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der Teufel macht auch vor Kindern nicht Halt: Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO bringt mit seinem HERE COMES THE DEVIL einen der besten mexikanischen Horrorfilme in die Wohnzimmer. Old-School-Horror heißt hier die Devise, denn sein mysteriöses Gruselstück orientiert sich an den okkulten Glanz-Schauerwerken der 70er Jahre, wo gute Geschichten und atmosphärischer Aufbau das Maß aller Dinge gewesen sind. Hier werden Spannungslücken nicht mit obligatorischem Blutzoll kaschiert, denn BOGLIANO arbeitet vehement daran, dass sein HERE COMES THE DEVIL gar nicht erst Leerlauf erhält. Die eigensinnige Geschichte beginnt wie ein Drama und driftet recht schnell ins Okkulte ab. Dabei wird die Spannungsschraube fast schon minutiös fester gedreht, so dass der Horrorfan am Ende feststellen muss, das die knapp 90 Minuten Spiellaufzeit nicht vergebens gewesen sind. Da stellt sich die Frage, warum es nicht mehr von so sehenswerten Horrorfilmen gibt, scheint es doch gar nicht so schwer zu sein derart Streifen zu drehen.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Zensur

 
 
 
In HERE COMES THE DEVIL gibt es einen sehr heftigen Rachemord zu sehen, der wahrlich ziemlich roh über die Mattscheibe flimmert. Anonsten hält sich der Film (bis auf die Anfangsszene) recht zurück mit Grausamkeiten. Die erhältliche Disc mit roter KEINE JUGENDFREIGABE-Einstufung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Here comes the Devil Blu-ray

(c) Pierrot Le Fou

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ahí va el diablo; Mexiko / USA 2012

Genre: Drama, Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch Dolby Digital 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making of, Trailer

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 

Here Comes The Devil [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HERE COMES THE DEVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Picknick am Valentinstag (1975)
 
Das Omen (1976)
 
Rosemaries Baby (1967)


Filmreview: „The Ward“ (2011)

John Carpenter, ein wegweisender Filmregisseur, Produzent, Komponist und Drehbuchautor.

Bereits 1974 startete er seine Filmkarriere mit kleinen Filmproduktionen, wie „Dark Star“ und dem (erst Jahre später zum Kultstatus avancierten) „Assault – Anschlag bei Nacht“.

Erst Ende der 70er erlangte er Weltrum mit einer kleinen Low – Budgetproduktion, die dem bis dato verstaubten Horrorfilmgenre neue Impulse gab: „Halloween“.

Halloween“ revolutionierte nicht nur das Nischenprodukt „Horrorfilm“, es machte den Horrorfilm auch mainstreamtauglicher und erschuf zeitgleich den Genrebegriff „Slasher“.

Zig Film(reihen) versuchten mehr oder weniger überzeugend an die Erfolge von „Halloween“ anzuknüpfen, indem sie das Thema „Slasherfilm“ bis an die Grenzen ausreizten.

Bekannte Vertreter und würdige „Halloween“ – Nachfolger sind dabei „Freitag der 13.“, die „Sleepaway“ – Reihe, die „Nightmare on Elm Street“- Serie, sowie die „Scream“- Quadrologie.

Auch nach „Halloween“ blieb Carpenter dem Horrorgenre treu und drehte unzählige einflussreiche Werke („The Fog – Nebel des Grauens, „Halloween 2“, „Halloween 3“, „Christine“), die ebenfalls unter Horrorfilmfans große Beachtung erhielten und Kultstatus erlangten.

Carpenters größter Kino-Flop stellte dabei 1982 die filmische Umsetzung des Remakes „The Thing“ dar, das zeitgleich mit Spielbergs „E.T. – der Außerirdische“ durch den Vertrieb UNIVERSAL Pictures in den Kinos anlief.

Das Amerikanische Kinopublikum war über den zeitgleichen Release dermaßen schockiert, dass man sogar „The Thing“ – Kinovorstellungen boykotierte.

Für die meisten Kinogänger der damaligen Zeit war es unverständlich, warum man parallel zu einem derart zuckersüßen Kinohit, wie „E.T. – Der Außerirdische“ einen derart grausamen, blutgierigen und tristen Film wie „The Thing“ anlaufen lies.

Dennoch, über die Jahre wurde auch Carpenters Science Fiction – Ausflug zu einem Kultfilm, der vor allem mit den, für damalige Verhältnisse, revolutionären Spezialeffekten punkten konnte.

Mitte der 80er Jahre probierte sich Carpenter in diversen anderen Genres aus. Vor allem im Bereich „Actionfilm“ wurde er mit „Die Klapperschlange“, „Big Trouble in litte China“ und „Flucht aus L.A.“, der Fortsetzung seines Kinohits „Die Klapperschlange“, legendär.

Leider gelang es ihm mit seinen Werken in den 90ern nicht mehr an die Erfolge seine Schaffens der 80er Jahre anzuknüpfen.

Seine Produktionen wurden von Kritikern gnadenlos verrissen.

Das Dorf der Verdammten“, „Vampire“ und „Ghosts of Mars“ sind nach wie vor zwar gute Filme, waren aber an den Kinokassen leidlich rentabel.

Nach der Regie von „Ghosts of Mars“ zog sich Carpenter 2001 aus der Kinolandschaft zurück und führte einzig für die TV-Serie „Masters of Horror“ für 2 Episoden Regie.

Nun, 10 Jahre nach seinem letzen Kinofilm, ist Carpenter wieder zurück mit „The Ward“.

The Ward“ ist dabei ein typisches Old – School – Gruselfilmchen geworden, das weniger durch Innovationen überrascht, als vielmehr durch stille Kamerafahrten und subtilen Schockeffekte.

Völlig verstört und desorientiert erwacht Kirsten (Amber Heard) eine Abends in der örtlichen Nervenheilanstalt. Der leitende Arzt konfrontiert sie mit den Geschehnissen: Kirsten soll eine Scheune in Brand gesetzt haben – kann sich aber an rein gar nichts erinnern.

In einem speziellen Programm versucht der Psychiater (Jared Harris) Kristens Barriere zu durchdringen und ihr zu helfen.

Doch irgendwas scheint mit der Klinik nicht zu stimmen. Immer wieder wird Kirsten von einem furchterregenden Geist verfolgt.

Nachdem der Geist höchst unangenehm mehrere Mitpatientinnen ins Jenseits befördert hat, beschließt Kristen den Geschehnissen in der Klinik auf den Grund zu gehen.

Da ist er nun, der in der Horror-Filmszene mit Vorfreude erwartete Comeback-Versuch Carpenters. Ein Film, der unspektakulärer hätte nicht sein können.

Und auch diesmal, wie in seinen Werken ein Jahrzehnt zuvor, werden sich auch an „The Ward“ die Geister und Kritiker scheiden.

Schlecht ist „The Ward“ natürlich nicht geworden – gut leider auch nicht. Irgendwo zwischen sehenswert und belanglos plätschert Carpenters aktuelle Produktion vor sich dahin.

Dabei findet man wirklich wenig innovatives in diesem kleinen Spukfilmchen.

Carpenter arbeitet professionell. Alles wirkt genau durchdacht und routiniert gefilmt. Vielleicht auch etwas zu sauber.

Er lässt dem Zuschauer viel Zeit sich in der Klinik zurecht zufinden  und die Charaktere zu durchleuchten, bevor er mit dem Holzhammer zuschlägt.

The Ward“ ist demnach auch sehr „still“ geworden und verlangt ordentlich Sitzfleisch vom Zuschauer ab. Bis zur die Hälfte des Filmes muss sich der Zuschauer gedulden, bis letztendlich überhaupt irgendwas passiert.

Carpenter setzt bei seinem aktuellen Schocker mehr auf traditionellen Grusel, als auf explizites Gemetzel (was jetzt aber nicht heißen soll, dass es nicht die ein oder andere geschmackvoll in Szene gesetzte Splatterszene gibt). Gerade wenn es arg still wird und Kirsten hinter der nächsten Ecke den Geist vermutet, wird dieser höchst effektvoll und laut in Szene gesetzt. Man könnte Carpenter vorwerfen, er hätte neuerdings den „lauten“ Schockeffekt für sich entdeckt. In keinen seiner bisherigen Filme kommen diese Schocker besser und effektiver zur Geltung, als in „The Ward“.

Diese effektvolle und akustische Untermalung von Höhepunkten und das Spielen mit Schocks könnte mir gefallen. Mehr als einmal habe ich bemerkt wie ich zusammengezuckt bin. Hoffe Herr Carpenter behält diese Methode, Zuschauer bei Stange zu halten, in seinen folgenden Filmen bei.

Ebenfalls Beachtung sollte man dem, wieder einmal trefflich selbstkomponierten und auf den Punkt gebrachten, Soundtrack Carpenters schenken.

Stille Töne, Kinderchorgeträller, Klavierkompositionen – das alles fügt sich passend in den Kontext des Filmes ein und unterstreicht den Grundton von „The Ward“ enorm.

Weniger passend jedoch die Charakterauswahl. Keine Ahnung was Carpenter da geritten hat. Natürlich sind bis auf das Klinikpersonal, wie könnte es auch anders sein, alle Hauptcharaktere von unmenschlich schöner Attraktivität geplagt und durch die Klischeeschraube gestampft wurden. Bis auf Hauptdarstellerin Amber Heard (Kristen) bleiben alle Insassinnen recht blass und unwichtig. Da interessiert es letztendlich auch niemanden, wenn Eine nach der Anderen über den Jordan gemeuchelt wird.

Fazit: 6,5/ 10 Punkte

Routinierter, stiller und Schockreicher Old – School – Grusler. Leider will man nicht so recht glauben, dass da Carpenter „drin ist“, obwohl Carpenter „draussteht“.

Hellraiser80