Filmkritik: „Prey – Beutejagd“ (2016)

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PREY – BEUTEJAGD

(PROOI)

Story

 
 
 

Ein riesiger Löwe streift durch Amsterdam und schlägt sich den Magen voll, indem er einfach unzählige Stadtbewohner vertilgt.

 
 
 


 
 
 

PREY – Kritik

 
 
 
Tier-Horror erfreut sich seit den 1970ern besonders großer Beliebtheit. Nicht selten haben es sich in dieser Art Filme mutierte, zornige oder besonders gefräßige Tiere zur Aufgabe gemacht der Menschheit einen Denkzettel zu verpassen, weil diese so ignorant und ausbeuterisch mit Natur und Umwelt umgeht. Ein Thema, das auch heute noch aktueller denn je ist. Dennoch genießen Tierhorrorfilme mittlerweile einen zweifelhaften Ruf, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass es so profitorientierte Filmstudios wie SYFY oder THE ASYLUM gibt. Die drehen zwar gern mal Horrorfilme mit und über Tiere. Statt aber Kritik an der Zerstörung der Umwelt durch die Menschheit und dem damit verbundenen Zerfall wichtiger Ökosysteme auszuüben, ist man dort eher daran interessiert trashige Unterhaltung mit schlechten Spezialeffekten zu drehen, die die Hirnzellen des Zuschauers zerstören sollen.
 
 
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Da erwartet man von einem Film mit dem Titel PREY – BEUTEJAGD auch nicht unbedingt feingeistige Filmware. Dennoch ist dieser Horrorstreifen über einen nimmersatten Löwen eine Erwähnung wert. Der Film ist nämlich in den Niederlanden entstanden und hat mit Regisseur DICK MAAS auch noch einen bekannten Holländer am Start, der sich im Horror-Genre bereits einen Namen gemacht hat. Erfahrener Kenner erheben da verständlicherweise den Zeigefinger und zeigen sich interessiert. Das nicht ohne Grund. Herr Maas war nämlich an einigen Horrorproduktionen beteiligt, die in Holland gedreht und sogar international vermarktet wurden. Darunter bekannte Genre-Ware wie VERFLUCHTES AMSTERDAM, FAHRSTUHL DES GRAUENS und der grimmige Weihnachts-Horror SAINT. Wem das alles nichts sagt, dürfte aber trotzdem gleich eine Wissenslücke füllen können. Eine der in Deutschland bekanntesten Komödien wurde von ihm in den 1990ern inszeniert. DICK MAAS schrieb und inszenierte den kultigen FLODDER-Film. Wir sind uns sicher, bei den meisten Lesern macht es jetzt Klick.
 
 
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In Amsterdam herrscht Ausnahmezustand. Dort sind die Einwohner sehr aufgeregt, weil sich in der Stadt eine Bestie herumtreibt, die eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Da werden zerfetzte Menschen gefunden und die Polizei steht vor einem Rätsel. Doch eine Kommissarin weiß sofort, was los ist. Sie hat eine Spur und macht einen riesigen Löwen verantwortlich, der offenbar jegliche Scheu vor der Menschheit verloren hat. Leider will der besorgten Kriminalbeamtin niemand Glauben schenken. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Die hungrige Raubkatze dezimiert unschuldige Menschen und macht vor nichts und niemandem halt. Weil sie sich auch noch gut verstecken kann, scheint es nicht leicht, dem Tier das Handwerk zu legen. Da muss ein Experte ran. Ein erfahrener Jäger wird eingeflogen und soll das Problem lösen. Leider sitzt der im Rollstuhl und hat Probleme mit dem Alkohol. Wenn das mal nicht gute Voraussetzungen sind.
 
 
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PREY – der übrigens im Entstehungsland als PROOI vermarktet wird – ist nicht unbedingt das, was man sich von einem erfahrenen Filmemacher wie DICK MAAS vorgestellt hat. Der Streifen ist weit weg von den Qualitäten jener Filme, mit denen der Regisseur Fuß im Filmbusiness gefasst hat. Trotzdem ist der Raubkatzen-Horror PREY immer noch weit besser als das, was der Horror-Videomarkt mittlerweile zu bieten hat. Hier ist ein computeranimiertes Raubtier zu sehen, das die Straßen der niederländischen Hauptstadt unsicher macht und nicht zimperlich zur Sache geht. Das Resultat: zerfetzte Körper und große Blutlachen. Das dürfte jene freuen, die gern sattes Rot im Film sehen wollen, denn PREY geizt zweifelsohne nicht mit Schauwerten. Tier verspeist nicht nur ahnungslose Golfspieler und Essenslieferanten. Auch spielende Kinder müssen dran glauben und werden nach einer Rutschpartie auf dem Spielplatz direkt ins Maul des Tieres befördert. Irgendwie gemein.
 
 
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Generell nimmt sich PREY nicht immer ernst. Der Streifen scheint sich seiner trashigen Handlung bewusst zu sein und zieht daraus Unterhaltungsfaktor. Da geht die riesige Katze in einer vollen Straßenbahn(!) auf Beutefang und übereifrige Hobby-Jäger wollen das Tier in Eigenregie fangen – fallen letztendlich aber selbst in die aufgestellten Fallen. In einer anderen Szene sehen wir, wie ein flüchtender Mann in der Amstel landet und sich in Sicherheit wähnt. Als er aus dem Wasser taucht, um nach dem Rechten zu sehen, wird ihm der Kopf abgebissen. Als wäre das nicht alles schon zynisch genug, landet das abgefressene Haupt anschließend versehentlich in der Müllpresse der Stadtreinigung. Rabenschwarzer Humor lässt sich da freilich nicht von der Hand weisen. Mit derart Späßen hält sich PREY über weite Strecken über Wasser. Die hat die niederländische Produktion aber auch zwingend nötig.
 
 
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Der Streifen ist nämlich knapp zwei Stunden lang und hat vor allem im Mittelteil mit einigen Hängern zu kämpfen. Da werden Figuren eingeführt, die natürlich auch so etwas wie Charakterisierung und eine Hintergrundgeschichte erhalten müssen. Vielleicht etwas zu viel Hintergrund und Dialog, der hätte gestrafft werden können. Das nimmt dem tierischen Horror-Spaß oft den Drive. Trotzdem will man nicht meckern. PREY macht Laune – keine Frage und ist der beste Beweis dafür, dass man nicht unbedingt immer nach Übersee schielen muss, wenn man soliden Horror mit Bluteinlage sehen will. Hier bekommt der Horrorfan all das, was er eben von kurzweiliger Horror-Ware erwartet: Spaß, Gore und jede Menge Blut. Europa kann eben auch blutigen Horror.
 
 


 
 
 

PREY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Löwenstarker Tier-Horror aus Holland. Unsere Nachbarn trauen sich was und experimentieren mit CGI-Effekten. Das Ergebnis ist PREY – BEUTEJAGD, der als Horrorfilm keine üble Figur macht. Regisseur DICK MAAS erzählt in dieser Produktion von einem amoklaufenden Löwen, der Amsterdam in Schach hält. Das Tier tritt als computeranimierter Killer in Erscheinung, frisst sich aber auch als Puppe durch das Fleisch seiner Opfer. Die Bezeichnung fressen wird dabei besonders zeigefreudig in Szene gesetzt. Wie zuletzt in BOAR ist auch PREY in Sachen Gewalt ganz offen und zelebriert jede Menge blutiger Handarbeiten, die Splatterfans in Verzückung versetzen werden. Offenbar sahen das auch die Horrorfilm-Liebhaber in China so. Schenkt man der Facebook-Webseite zum Film Glauben, schaffte es PREY dort sogar in die Top10 der chinesischen Kinocharts. Das gelingt nicht vielen europäischen Horrorfilmen.
 
 
 


 
 
 

PREY – Zensur

 
 
 
PREY – der in Holland als PROOI vermarktet wird – hält sich nicht unbedingt mit Schauwerten zurück. Es gibt verstümmelte Leichen zu sehen, abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen. Ein Jäger fällt weiterhin mit dem Gesicht in eine Bärenfalle. Der Löwe im Film reißt Schädel ab und beißt auch sonst alles tot, was ihm zwischen die Zähne kommt. So muss sogar ein unschuldiges Kind sterben dem der Hals zerbissen wird. Hierzulande dürfte PREY – BEUTEJAGD trotz aller Gewalt eine FSK16 erhalten. In deutscher Sprache erscheint der Titel vorerst Anfang Dezember 2019 ert einmal ungeprüft im deutschspachigen Ausland über Indeed Film / Illusion Unltd. Eine mögliche Auswertung mit FSK-Prüfung für die deutschen Kaufhäuser ist im Verlauf des Jahres 2020 nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

PREY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shooting Star Filmcompany BV | Dutch FilmWorks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Roar – die Löwen sind los (1981)
 
Burning Bright – Tödliche Gefahr (2010)
 
Maneater (2007)
 

Filmkritik: „Verfluchtes Amsterdam“ (1988)

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VERFLUCHTES AMSTERDAM

Story

 
 
 
In den Grachten von Amsterdam geht das Grauen um. Ein mysteriöser Angreifer hinterlässt eine Blutspur und stellt die Ermittelnden Polizeibeamten vor ein Rätsel. Inspektor Eric Visser heftet sich an die Fährten des Killers und gerät dabei bald selbst ins Visier des Wahnsinnigen…
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Kritik

 
 
 
Der Niederländische Regisseur Dick Maas, vor allen Dingen bekannt durch eine gewisse Familie namens „Flodder“, feierte seinen Einstand als Regisseur mit dem, in meinen Augen eher unterdurchschnittlichen „De Lift“ (in Deutschland unter dem unfreiwillig komischen Titel „Fahrstuhl des Grauens“ bekannt) nur um fünf Jahre später mit dem hier besprochenen „Amsterdamned“ auch international für Furore zu Sorgen. Seine waghalsige Mischung aus Horror-, Action- und Copthriller wurde zu einem echten Kassenschlager indem sogar in einer bestimmten Szene Filmgeschichte geschrieben wurde. Dazu aber später mehr. Gleich zu Beginn fällt der düstere Score auf, der in seiner Simplizität entfernt an John Carpenter erinnert. Zusammen mit der düsteren Bildsprache baut Regisseur Dick Maas hier in den ersten Minuten eine hübsch bedrohliche Atmosphäre auf. Und wenn zum Einstieg in die Geschichte aus der subjektiven Kameraperspektive, begleitet von schwerem Atmen, aus den wässrigen Grachten der Blick auf die nächtlichen Straßen von Amsterdam freigegeben wird, ein langes Küchenmesser verschwindet und eine Bordsteinschwalbe in bester „Jack the Ripper“-Manier abgemurkst wird, schlägt der Film erst mal deutlich die Marschroute Richtung „Horror“ ein. Die Täterfigur wird sehr schön zurückhaltend in Szene gesetzt. Zwar wird schnell klar dass man es hier mit einem Serienkiller in Tauchmontur zu tun hat, jedoch schafft es Dick Maas diese Figur nicht zu einer „Edgar Wallace“- artigen Witzfigur verkommen zu lassen, sondern ihn als echte Bedrohung die aus dem Verborgenen blitzschnell zuschlägt, zu inszenieren.
 
 
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Mit der Einführung der Hauptfigur schlägt der Film dann einen abrupten Haken Richtung Copthriller. Die Hauptfigur wird dabei sympathisch eingeführt und präsentiert sich als gesunde Mischung aus zynischem Hard-Boiled-Cop, der im Vorbeigehen einen kleinen Raubüberfall sehr unkonventionell auflöst, und Familienvater der ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu seiner Tochter hegt. Huub Stapel, der hier den Inspektor Eric Vissel verkörpert, nimmt man dabei das sympathische Raubein sofort ab. Amsterdam bietet für die nun folgende Mörderhatz eine sehr schöne Kulisse, hält hier aber nicht nur als Schauplatz her, sondern ist maßgeblich in das Geschehen miteinbezogen. Selten wurden die Möglichkeiten einer Stadt so effektiv in einem Genre-Film genutzt. Wobei sich hier nicht nur auf die Postkartenmotiv-Seite von Amsterdam verlassen wird. Vielmehr zeigt uns Dick Maas das düstere Amsterdam, samt finsteren Hinterhöfen, Rotlichtvierteln, verschmutzten Grachten und einer wässrig-modrigen, unbehaglichen Atmosphäre. Die nun folgende Mörderjagd bietet inhaltlich nicht viel Neues und klappert munter bekannte Stationen ab, die das Genre eben in der Form mit sich bringt. Da werden Zeugen befragt, Kollegen auf das Untersuchen von Beweisen abgestellt, mögliche Verdächtige ausgemacht etc.pp.. Inszenatorisch wird das aber alles sehr kurzweilig verpackt und durch die regelmäßigen Ausflüge ins Horrorfilm-Fach, in Form weiterer Morde des Killer-Froschmanns, aufgelockert. Besonders ins Auge stechen dabei im späteren Verlauf zwei wirklich toll gefilmte Verfolgungsjagden, wobei die Minutenlange Motorboot-Jagd in den Kilometerlangen Grachten besonders hervor zu heben ist. Hier sind wir übrigens wieder beim oben bereits erwähnten Thema „Filmgeschichte“ angekommen. Denn innerhalb dieser Motorboot-Verfolgungsjagd hat der verantwortliche Stuntman einen 67-Meter Sprung über zwei Brücken hingelegt, der den damaligen Rekordhalter für solch einen Stunt, nämlich den „James Bond“-Film „Leben und Sterben lassen“, noch übertrifft. Ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde war die Folge. Aber nicht nur dieser Rekord-Stunt macht die Szene so sehenswert. Sie ist obendrein toll gefilmt und für die damaligen Verhältnisse äußerst spektakulär in Szene gesetzt. Tatsächlich der Höhepunkt des Films.
 
 
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Aber bei all den offensichtlichen Horror- und Actionelementen ist auch der böse Humor nicht zu verachten, der in einigen Szenen durchblitzt. Die Szene, in der die Tote Prostituierte über eine, mit Schulkindern beladene Fähre rutscht und dabei eine knallrote Blutspur auf dem Gläsernen Dach dieser hinterlässt, ist dabei nicht nur bitterböse, sondern geht fast schon als Hommage an diverse Dario Argento-Streifen durch. Sowieso scheint sich Regisseur Dick Maas in der Horror-Filmgeschichte gut auszukennen, denn neben den offensichtlichen Anleihen bei John Carpenter, zitiert er in einer Mordszene munter die legendäre „Badewannen-Szene“ aus „Nightmare on Elm Street“ und während eines späteren Tauchgangs, in dem ein Schiffsrack inspiziert wird, zitiert er überdeutlich Spielbergs „Der Weiße Hai“. Gänzlich frei von Kritik ist der Film dann allerdings doch nicht, denn ausgerechnet auf der Zielgraden geht ihm etwas die Puste aus und die finale Auflösung wer denn nun der mysteriöse Killer ist und welchen Beweggründen er folgt erweist sich als haarsträubend und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Schade.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Verfluchtes Amsterdam“ ist eine unterhaltsame Mörderhatz durch eine beeindruckend in Szene gesetzte Großstadt. Der deutliche Horrorfilm-Einschlag steht dem Film ausgezeichnet und in Verbindung mit dem Copthriller-Thema sowie dem einen oder anderen Ausreißer in Richtung Action-Film gelang Regisseur Dick Maas hier ein höchst unterhaltsamer Genre-Mix wie man ihn heut zu Tage nur noch viel zu selten aus Europa zu sehen bekommt. Leichte Abzüge in der B-Note gibt’s für die haarsträubende Auflösung der Story, die allerdings dem Unterhaltungswert dieses Films in keinster Weise im Weg steht.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Zensur

 
 
 
Achtung: Leider ist die aktuelle Blu-Ray Veröffentlichung des Films nicht zu empfehlen, da sie einen wirklich ärgerlichen Zensurschnitt zu beklagen hat. Des Weiteren ist auch die deutsche Tonspur an manchen Stellen leicht asynchron. Genauere Infos über den Grund dieser Tatsachen gibt es bisher noch nicht, aber StudioCanal hat bereits angekündigt diesen Sachverhalt prüfen zu lassen. Scheinbar handelt es sich hier um einen Fehler, da alle bisherigen DVDs des Streifens ungeschnitten waren. Update: Rechteinhaber StudioCanal tauscht das fehlerhafte Produkt problemlos aus. Hierzu muss die fehlerhafte Scheibe eingeschickt werden. StudioCanal tauscht um. Eine Neuauflage mit fehlerfreier Disc wurde bereits im Handel ausgelegt.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amsterdamned; Niederlande 1988

Genre: Action, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Niederländisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 112 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: 30-minütiges Making Of, Original Kinotrailer

Release-Termin: 22.01.2015

 

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VERFLUCHTES AMSTERDAM – Trailer

 
 


 
 

Sebastian Lach

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Poker Night (2014)
 
Killers (2014)
 
Das Schweigen der Lämmer (1991)
 
Sieben (1995)
 
Antikörper (2005)
 

Filmreview: „Saint“ (2010)

 

In Holland zelebriert man den Nikolaustag, etwas ausgelassener:

Dort feiert man den „Sinterklaas“ (Sankt Nikolaus), der in der Nacht vom 5. auf den 6.12 vor allem die artigen Kinder mit Süßigkeiten beschenkt, mit einem rauschenden Fest.

Grund hierfür für Regisseur und Drehbuchautor Dick Maas den vorweihnachtlichen Spieß einfach umzudrehen und den „Sinterklass“ in ein mordendes und blutgieriges Etwas zu verwandeln, dass alle 23 Jahre zu Vollmond an einem 5.Dezember seinen Beutezug startet, um Kinder und Jugendliche nieder zu meucheln.

Amsterdam heute: 23 Jahre sind seit dem letzten Erscheinen des „bösen“ Sankt Nikolaus vergangen. Damals musste der junge Goerth zusehen, wie der „Sinterklass“ seine gesamte Familie ausrottete. Jetzt 23 Jahre später will er den sinnlosen Tod aller Kinder und Erwachsenen rechen. Zusammen mit der Unterstützung des Abiturienten Frank, der unwissend in das grausame Geschehen involviert wird,  versucht er dem üblen Zeitgenossen das Handwerk zu legen.

 

 

Nachdem der holländischen Film „Saint“ auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest Unmengen an Fanherzen hat höher schlagen lassen, veröffentlich „WVG“ das Vorweihnachtliche Spektakel nun auch in unseren Gefilden direkt auf DVD- und Bluraydisc.

Und was uns Regisseur Dick Maas da an wirklich frisch-frivoler Horrorkost vorsetzt ist schon beachtlich bemerkenswert, bedenkt man, dass es sich bei seinem aktuellen Werk um Horrorkost aus unserem Nachbarland Holland handelt, dass den Vergleich zu diversen anderen internationalen Produktionen nicht scheuen braucht.

Schon irgendwie grotesk und beschämend, dass es mittlerweile fast jedes europäische Land geschafft hat mit frischem Horrorstuff, international für Gesprächsstoff zu sorgen – nur eben das Arthausverwöhnte Deutschland nicht, dass lieber Fördergelder in kasprig – nervigen „Bully Herbig“ Komödien, oder in vergangenheitsaufarbeitenden Geschichtsdramen pumpt.

Zumindest ist es Maas mit „Sint“ gelungen eine wirklich stimmungsvolle Weihnachts-Horror-Komödie zu schaffen, die trotz geringen Budgets überaus hochwertig ausschaut. Dabei drängt sich nicht nur einmal der Gedanke auf, dass Maas scheinbar aktuellen Hochglanz-Hollywood-Produktionen nacheifern wollte. Zumindest im optischen Sinne, der Erzählweise und der Darstellung der wohldosierten Schocks ist dies deutlich spürbar. Klar wirkt das dennoch etwas arg dilettantisch-unbeholfen und irgendwie aufdringlich-aufgesetzt, macht „Sint“ aber gerade deswegen irgendwie sympathisch.

Dabei sollte, der interessierte Horrorfreund die Augen offen halten, denn gerade das actiongeladenen Finale erinnert mit seiner nebligen Location, dem abgefackelten Schiff und den grausamen Helfern des „Sinterklass“, die wortlos-zombieartig aus dem Nebel stapfen, doch irgendwie an Carpenter´s „The Fog“, oder  De Ossorios´s „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“. Charmanter und liebevoller kann man glaube derart Klassiker nicht zitieren.

Was den Blutzoll betrifft, so bekommt der Filmfreund so einiges geboten. Sicherlich ist „Sint“ keine Schlachterplatte geworden. Dennoch, überraschenderweise hat die FSK den Film in seiner ungeschnittenen Form, ab 16 Jahren freigegeben, was mich aufgrund der Zurschaustellung diverser abgetrennter Körperteile und fliegenden Köpfe und der Thematik des Abschlachtens von Kindern, schon irgendwie verwundert hat. Scheinbar hat der FSK der leicht ironische und satirisch angehauchte Unterton dieser holländischen Hochglanzproduktion gemundet, denn für meinen Geschmack ist die Freigabe etwas derb tief angesetzt worden.

Wie auch immer, wollen wir mal nicht meckern, die rabenschwarze Slasher-Komödie „Sint“ ist es auf jeden Fall wert geschaut zu werden. Aufgrund des relativ interessanten und unverbrauchten Charakters des „Sinterklass“ (über die Fehlende Oberlippe und den schiefen Zähnen könnt ich mich jetzt noch zerschießen) wäre eine Fortsetzung auf jeden Fall angebracht. Denn Infos über die Legende und die Beweggründe des „Sinterklass“ sind, mal abgesehen vom recht düsteren Filmauftakt, Mangelware. Eigentlich schade, zumal mich das Geschehen und das Vergehen des bösartigen Zeitgenossen in der Vergangenheit hätte mehr gereizt, als so wie es der Film letztendlich erzählt:  in der Gegenwart.

Ein Prequel ist, meines Erachtens, dringend von Nöten.

Hoffen wir mal nicht, dass sich Hollywood die Finger nach den Filmstoff lechzt und letztendlich auch von dieser europäischen Filmproduktion ein Remake stanzt.

 

 

Fazit 7/10 Punkte

 

Nikolaus mal anders. Wäre an dieser Legende etwas wahres dran, würden die Kinder von heute sicherlich 10 mal gründlicher ihre Schuhe polieren und, ganz zur Freude der Eltern, artiger durchs Leben „wirbeln“. Horrorspass für Erwachsene und definitiv KEIN Film für Kinder!

 

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