Filmkritik: „Die Klapperschlange“ (1981)

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DIE KLAPPERSCHLANGE

(ESCAPE FROM NEW YORK)

Story

 
 
 
In der nahen Zukunft hat die amerikanische Regierung vor den Aufständen der ewig Ausgebeuteten und der Kriminellen kapituliert. New York City bekommt rigoros eine schwerst bewachte Mauer um seine Grenzen gezogen. Die Inseln der Metropole am Hudson River sind zum amerikanischen Verbannungsgefängnis geworden. Wer hier landet, ist aus den Augen und aus dem Sinn der noch halbwegs funktionierenden Gesellschafts-Mitglieder verschwunden. Als der Präsident der USA über der Knast-Großstadt abstürzt, wird der raue Ex-Elitesoldat und Outlaw Snake Plissken hinter die hohen Mauern geschickt. Der desillusionierte Söldner soll retten, was noch zu retten ist. Für das Vaterland.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Kritik

 
 
 
John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE ist neben dem australischen Genre-Meilenstein MAD MAX exakt der Film, nach dessen Look und Feeling sich Anfang der Achtziger ein ganzes Sub-Genre aufgestellt hat. Kaum ein Beispiel für Endzeit-Science-Fiction – darum geht es hier natürlich – in dem man nicht mühelos Merkmale von Max Rockatansky oder Snake Plissken entdeckten könnte. Da ist sogar egal, ob wir uns über großzügiger budgetiertes Kino oder gnadenlose billig gedrehte Kiesgruben-Actionreißer aus Italien oder von den Philippinen unterhalten.
 
 
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Hauptdarsteller Kurt Russell war dereinst großer Kinderstar bei Disney und Legenden zufolge der letzte Erdenmensch, mit dem Onkel Walt noch reden wollte, als es finster in seinem Oberstübchen wurde. DIE KLAPPERSCHLANGE heißt auf deutsch deswegen so, weil Russells Charakter Snake Plissken eine Kobra tätowiert hat (fragen Sie nicht…). Nachdem man sich kurz davor, 1980 genauer gesagt, beim Fernseh-Biopic ELVIS kennengelernt hatte, war der Film hier der tatsächliche Beginn einer Zusammenarbeit von Regisseur und Hauptdarsteller, die Russell fast zu einer Art Alter Ego des Mannes auf dem Chefsessel am Set machen würde. In fast jedem großen Filmhit des Kaliforniers würde King Kurt in den nächsten Jahren die leading role übernehmen. DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) zum Beispiel. Auch ansonsten scheint der Schauspieler ein bodenständiger und recht cooler Typ zu sein, wie sich immer wieder lesen lässt.
 
 
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Es gehört zum guten Ton, zu erwähnen, dass der gute John Carpenter seit Anbeginn seiner Karriere davon träumt, Western zu drehen. Nur der Zeitgeist hält den Synthesizer-Fan mit eigener Band immer wieder davon ab, gänzlich unverdünnt ins Reich der Pferdeopern abzuwandern. Also nimmt er sich Filme anderer Stilarten vor und legt seinen ganz eigenen Western-Filter drüber. Plissken ist der einsame Wolf des Westens, ein Gesetzloser unter Gesetzlosen, den jedoch ein ureigener Ehrenkodex samuraihafter Strenge davon abhält, auf die am Ende doch moralisch falsche Seite zu wechseln. Den müden Cowboy hat die schöne neue Welt einst sogar ein Auge gekostet – was er ihr auch übel nimmt. Die Restbesetzung des Films lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Einige in Ehren ergraute Recken aus der Welt des kernigen Männerfilms (eingetragenes Warenzeichen) vergangener Jahrzehnte schauen lässig vorbei. Unter anderem jagt Ernest Borgnine sein Taxi durch die Nacht, Soul-Sexprotz Isaac Hayes hat einen denkwürdigen Auftritt als Ghettokönig Duke und der arg undurchsichtige Regierungsagent Lee van Cleef ist die eigentliche Schlange im Schachern um das Schicksal von Präsident Donald Pleasence. Da ist es um so behämmerter, heute von einem B-Movie zu reden, wie man es in unseren simplizistischen Breitengraden seit eh und je mit viel zu vielen Genrefilmen macht. Zu seiner Entstehungszeit ist ESCAPE FROM NEW YORK, so der Originaltitel, ein legitimer und Respektiver Erfolgsfilm – A-Klasse. Basta. Wenn man sich übrigens heutzutage John Carpenters erstaunlich spät nachgerücktes Sequel FLUCHT AUS L.A. ansieht, für das es 1996 in den Medien ausnahmslos nur auf die Löffel gab, ist das gar nicht mehr so hundert Prozent totalausfällig. An das Original kommt die Fortsetzung natürlich nicht ran. Wäre aber auch ungewöhnlich.
 
 
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DIE KLAPPERSCHLANGE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Was hier vorliegt ist selbstverständlich ein absoluter Action, Sci-Fi- und Endzeit-Klassiker aus der stärksten Schaffensphase eines Regisseurs, dem man das Präfix „Kult“ nicht umsonst schon vor dreißig Jahren angeheftet hat. Kurt Russells Snake Plissken ist der mit Abstand coolste Anarchist, der überhaupt den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt hat. DIE KLAPPERSCHLANGE sollte in jedem Regal stehen, dessen Einräumer etwas auf sich und seinem Filmgeschmack hält.. Eine Lehrstunde für männliches Filmemachen, eine Blaupause des Endzeit-Kinos und ein Film, der immer geht.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Zensur

 
 
 
Wie auch schon im Kino, auf Laserdisc und DVD ist nun auch die erhältliche Blu-ray bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Wer demzufolge ausschliesslich ungeschnittene Filmklassiker ins Regal stellen möchte, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Escape from New York; USA 1981

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Audiokommentar mit Produzentin Debra Hill und Ausstatter Joe Alves (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Darsteller Kurt Russell (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Schauspielerin Adrienne Barbeau und Kameramann Dean Cundey, Audiokommentar mit Filmjournalist Kai-Oliver Derks und Alexander Büttner (2010), Die visuellen Effekte (ca. 14 Min.), Die Filmmusik (ca. 18 Min.), Interview mit Kurt Russell (ca. 7 Min.), Rückkehr zur „Klapperschlange“ (ca. 23 Min.), Die Original-Eröffnungsszene (ca. 11 Min.), Teaser und Trailer (ca. 5 Min.)

Release-Termin: 03.11.2016

 

Die Klapperschlange [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Flucht aus L.A. (1996)
 
Assault – Anschlag bei Nacht (1976)
 
Sie Leben (1988)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Lockout (2012)

Filmkritik: „Thief – Der Einzelgänger“ (1981)

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THIEF – DER EINZELGÄNGER

Story

 
 
 

Frank (James Caan) kommt aus der Hölle der amerikanischen Unterklasse. Als Waise aufgewachsen in brutalen Kinderheimen und als junger Kerl von älteren Gangstern wie dem Meisterdieb Okla (Country-Sänger Willie Nelson) beeinflusst und geformt, ist Frank inzwischen professioneller Diamantenräuber mit großem Namen in der Unterwelt. Sein gemachtes Geld wäscht er mit seinem eigenen Autohaus und einer kleinen Bar in Chicago. Im Portemonnaie trägt er eine Postkarte, auf der er all das geklebt hat, was er sich für sein Leben, abseits der aufgeschweißten Tresorräume und geknackten Alarmanlagen wünscht: Eine Frau plus Familie, Frieden, genug Kohle und die Nähe des Ersatzvaters Okla. Der sitzt im Gefängnis und hat nicht mehr lange zu leben. Frank sieht die Zeit an sich vorüberziehen und setzt sich unter Druck. Wie besessen forciert er eine Beziehung mit einer hübschen Diner-Bedienung. Währenddessen gerät er in den Dunstkreis einer lokalen Gangsterbande, die seine Dienste für einen Raub von noch nicht da gewesener Präzision, am anderen Ende der USA, in Kalifornien, gewinnen möchte. Im Spagat zwischen Mafia, der Polizei und dem erträumten Familienleben droht Frank zu zerreißen.

 
 
 


 
 
 

THIEF – Kritik

 
 
 
THIEF – DER EINZELGÄNGER war 1981 Michael Manns (ROTER DRACHE, HEAT) erste Regiearbeit im Kino. Seinen Stil bringt der Regisseur bereits in seinem Debütfilm beeindruckend souverän auf den Punkt.
 
 
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Was Kritiker des Filmemachers gerne gegen diesen US-Ästheten ins Feld führen ist die irrwitzig doofe Behauptung, in seinen Filmen ginge Form über Inhalt, Style over Substance. Sogar der Vorwurf. MMs Filme sähen aus wie TV-Serien aus den achtziger Jahren. Au contraire. Die Fernseh-Eighties sahen aus wie Michael Manns Filme! Schließlich ist der Gute ganz nebenbei der Erfinder des modewilden Krimi-Schlachtrosses MIAMI VICE mit all seinen in New-Age-Synthesizer-Scores getunkten Breitwand-Panoramen Floridas, vor denen sich die windigen Schönlings-Bullen in grässlichen, hochgekrempelten Designer-Sakkos fläzen durften. Lustig, dass Manns eigenes Remake zu MIAMI VICE, mit Colin Farrell und Jamie Foxx vor ein paar Jahren im Kino gelaufen, so gar nicht recht zünden will.
 
 
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In THIEF – DER EINZELGÄNGER finden wir diese essentiellen Bausteine Manns auch schon. Angenehmerweise exerziert er seine optischen Trademarks noch nicht so selbstbewusst, vielleicht sogar selbstverliebt durch wie in späteren Jahren. Nein, Manns Stil ist zwar gewichtend, was seine Wiedererkennungsmerkmale angeht, aber doch reduziert aufs Wesentliche. Hier sind die glasklaren und doch wie gemalt komponierten und auf der vorliegenden DVD/BD in Referenzqualität leuchtenden Bilder des Films noch Mittel zum Zweck. Die Fahrten durch die nächtliche Großstadt fangen zwar die Neon-Traurigkeit eines ausgehenden Jahrzehnts phantastisch ein, wirken aber noch nicht wie jene erstickend ausgedehnten Bildaufbau-Tableaus, die man später so eindeutig mit Michael Mann verbinden sollte. Fast wie in den Argento-meets-Hitchcock-Meisterwerken Brian De Palmas wirken hingegen Einstellungen wie das starre Herauffilmen aus einem Aufzugsschacht, in den die herausgebrochenen Stücke der Decke bröckeln. Diese Referenz kann man auch bezüglich der Shootouts nennen. Da wird geblutet wie bei Peckinpah und man wähnt Michael Mann kurz als einen Geistesverwandten des ebenfalls schändlich unterschätzten Herrenregisseurs Walter Hill. Der super-dichte, stets dräuende Soundtrack von THIEF – DER EINZELGÄNGER stammt von den Berliner Tasten-Pionieren TANGERINE DREAM. Drunter gab sich der Filmemacher nicht zufrieden. Wenn schon schwelende Moog-Plucker-Orgien, dann bitte von den verrückten Deutschen, die das mit erfunden haben.
 
 
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Dazu gelingt es dem talentierten Regisseur auch noch ganz vorzüglich, den imaginären Hut vor ein paar seiner offensichtlichen Thriller-Vorbilder zu ziehen. Die Gruppe der Mafiosi, die sich Franks Freiheit zu eigen machen wollen, findet man so ähnlich in manchem Film Noir der späten Vierziger mit ihren Ehrencodes von guten Gangstern gegen böse. Frank selbst, mit seiner fatalistischen Reaktion auf das „alles, was Du bist und was Du hast, gehört mir!“ seines Auftraggebers erinnert an die müden Unterweltler, wie sie Jean-Pierre Melville für das französische Kriminalkino der Fünfziger und Sechziger in Szene setzte. Nur dass Frank am Ende doch deutlich amerikanischer zupackt als Alain Delon in Melvilles beispielhaftem DER EISKALTE ENGEL etwa. Auch in Frankreich: RIFIFI, ein stilbildender Euro-Noir des Exil-Amerikaners Jules Dassin, schaffte 1955 nicht nur, die Spielregeln für das Gangsterfilm-Untergenre des „Heist“-Movies deutlicher zu definieren, zu dem streckenweise auch unser gerade behandelter Film gezählt werden darf. Der erste Diamantenraub in THIEF zitiert sogar RIFIFIS bekannteste Szene: Den Einbruch, während dessen Durchführung die Räuber kein Wort wechseln. Bloß dass aus den 32 Minuten des Originals bei Michael Mann knackig heruntergeköchelte zehn werden.
 
 
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Michael Manns Vorliebe für ein festes Ensemble von Schauspielern oder zumindest wiederkehrende Mimen beginnt schon 1981. In einer Minirolle bekommt William Peterson eins auf die Nase. Der heute in Krimiserien etablierte Theaterschauspieler sollte in ROTER DRACHE, Manns den Anfang der Hannibal-Lecter-Filme markierendem Horror-Flick, die Hauptrolle spielen. Man erkennt ich aber nur, wenn man genau darauf achtet. Faszinierend als Franks Sidekick Barry: James Belushi, damals noch mit mehr Haupthaar und speckiger als heute – das genaue Ebenbild seines kurz darauf den Drogentod sterbenden Bruders John.
 
 
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So liegt also mit THIEF – DER EINZELGÄNGER die makellose Veröffentlichung eines essentiellen Stücks amerikanischen Genrekinos vor. Ein Film für unterschiedliche Grüppchen. Erstens die Freunde kerniger Männerfilme, gedreht während einer der spannendsten Epochen überhaupt – den Jahren, in denen sich das „New Hollywood“ gerade etabliert hatte und in denen jemand wie der verbissene James Caan Publikumsmagnet war. Heute undenkbar. Leider. Frank stellt übrigens Caans liebste Rollenleistung dar, genau wie THIEF der favorisierteste Film des tougen Method Actors ist. Auch den zahlreichen Liebhabern Nicholas Winding Refns legen wir Michael Manns Debüt ans Herz. Nach DRIVE und ONLY GOD FORGIVES konnte man gar nicht schnell genug flüchten vor den verrückten Lobeshymnen auf den Dänen, der mit seiner farblosen Muse Ryan Gosling gerade angeblich das Kino neu erfunden haben sollte. Die fetischisierten Autofahrten, die Gewaltausbrüche und nicht zuletzt die Stimmungsmanipulation durch den Score (Synthesizer-Wände hier wie dort) finden wir in THIEF – DER EINZELGÄNGER bereits in großzügigem Maß.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein Seventies-Crime-Thriller wie in Marmor geschlagen. Schauspiel-Kettensäge James Caan frisst sich ins Fleisch einer Handlung, die sich keine Schnörkel leistet und das Publikum konsequent und im Stil traditioneller Vorgänger an der Hand zum Abgrund führt. Ganz nebenbei gibt Regisseur Michael Mann den Look des Genres für Film und TV des folgenden Jahrzehnts vor.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Zensur

 
 
 
THIEF war in Deutschland zu VHS-Zeiten nur geschnitten erhältlich. Das änderte sich erst mit Erscheinen der DVD-Ausgabe. Auch die nun erhältlich Blu-ray Disc des Films ist angeschnitten – aber erst für Erwachsene freigegeben (keine Jugendfreigabe). Filmfans und Sammler können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Thief; USA 1981

Genre: Thriller

Ton: Blu-ray: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1) | DVD: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: Blu-ray: 1,85:1 (1080p) | DVD: 1,85:1 (16:9)

Laufzeit: Blu-ray: 125 Min | DVD: 120 Min

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Limitiertes Digipack im Schuber

Extras: Hauptfilm in 3 verschiedenen Versionen: Überarbeitete Director’s Cut-Fassung von einem brandneuen 4K-Transfer, erstellt in Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Mann [Blu-ray und DVD], Original-Kinofassung [Blu-ray und DVD], „Special Director’s Edition“ aus dem Jahre 1995 [nur DVD], Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Isolierte Musik- und Effektspur bei der Kinofassung, The Directors: Michael Mann – Dokumentation über den Filmemacher, Stolen Dreams – Neues Interview mit James Caan, Hollywood USA: James Caan – Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney, Kinotrailer, Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, gefaltetes Filmposter

Veröffentlichung:11.03.2016

 
 
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(c) OFDB Filmworks

Rechteinhaber OFDB Filmworks hat am 11. März 2016 eine Sonderveröffentlichung von THIEF veröffentlicht. In einer prall gefüllten Ultimate Edition stecken 5 Discs, die in einem stabilen Digipack untergebracht wurden. Auf diesen Scheiben befinden sich:

  • Director‘ Cut auf DVD und Blu-ray
  • Kinofassung auf DVD und Blu-ray
  • Special Director’s Edition auf DVD

Zudem glänzen die Scheiben durch umfangreiches Bonusmaterial. Hier hat sich der Rechteinhaber nicht lumpen lassen. Wer alles sehen möchten, dürfte vermutlich einige Tage einplanen. Großartig!
 
 

Thief – Der Einzelgänger – Ultimate Edition (5-Disc Set) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THIEF – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Heat (1995)
 
Hundstage (1975)
 
The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab (1969)
 

Filmreview: „Montana Sacra – Der heilige Berg“ (1973)

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MONTANA SACRA – DER HEILIGE BERG

Story

 
 
 
Als ein Dieb einen hohen Turm erklimmt, trifft er dort in einem riesigen Regenbogenzimmer auf den Alchemisten. Dieser ist im Begriff eine Gruppe von Leuten um sich zu versammeln, um sich auf die Reise zum „heiligen Berg“ zu machen damit sie dort zu Göttern werden …
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Kritik

 
 
 
Alejandro Jodorowsky ist einer der obskursten Filmemacher aller Zeiten. Sein Leben und sein künstlerisches Schaffen lassen sich nur schwer in Worte fassen, denn es gibt kaum etwas, das dieser Mann nicht gemacht hat, und es gibt kaum eine größere Persönlichkeit, die Jodorowsky nicht kennengelernt hat. Er ist Schriftsteller, Dichter, Musiker, arbeitete an mehreren Comics, inszenierte Theaterstücke und ist Regisseur von Filmen, bei denen man sich heute kaum vorstellen kann, dass es Leute gab, die diese Werke finanziell unterstützt haben. Es sind Filme, welche sich nicht nur abseits des Mainstreams bewegen oder als Sparten-Kino bezeichnet werden können, nein, Jodorowsky erschuf mit seinen Arbeiten eine ganz neue Spezies von Filmen. Im höchsten Maße surrealistisch, ist es nur schwer zu fassen, was Jodorowsky einem wirklich erzählen möchte. Seine Hauptcharaktere sind meist Außenseiter und die Welt, in der sie leben, ein verrücktes Labyrinth. Seine Filme gleichen traumartigen Reisen und die Geschichten sind geprägt durch Jodorowskys spirituelles Wesen und wohl nicht zuletzt durch seinen Konsum von Drogen. Seine absolutes Meistwerkwerk des Außergewöhnlichen stellt wohl DER HEILIGE BERG (The Holy Mountain, 1973) dar, welcher hier in Deutschland auch unter dem Titel MONTANA SACRA bekannt ist.
 
Nach dem Erfolg seines Vorgängerfilmes EL TOPO (1970) war Alejandro Jodorowsky ein Name des Underground-Kinos. Nach dem „Summer of Love“ erreichte die Hippie-Bewegung in den USA 1969 mit dem damaligen Woodstock Festival ihren Höhepunkt. Die Beatles trafen mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band den Zeitgeist, wie kaum eine andere Band. Pink Floyd feierten ihre ersten großen Erfolge und Filme wie Roger Cormans THE TRIP (1967), Stanley Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) oder Dennis Hoppers EASY RIDER (1969) waren Kino-Hits. Jodorowskys EL TOPO kam also zu einem Zeitpunkt in die Kinos, als die Hippie-Bewegung schon begann abzuklingen. Dennoch fand der Streifen großen Zuspruch, u.a. vom Beatles-Mitglied John Lennon. Dieser konnte seinen damaligen Manager Allen Klein davon überzeugen Jodorowskys nächsten Film, DER HEILIGE BERG, finanziell zu unterstützen. Dieser Deal sollte Alejandro Jodorowsky später zum Verhängnis werden, da er und Klein in einen Streit um zukünftige Projekte gerieten. Jodorowsky hatte fortan keine Kontrolle mehr über seine Filme EL TOPO und DER HEILIGE BERG. Letzterer sollte jedoch auch deswegen in die Filmgeschichte eingehen, da Jodorowsky von den 1,5 Millionen Dollar Produktionsbudget gerade einmal die Hälfte verbrauchte und die andere Hälfte zurückgab.
 
 

„Most directors make films with their eyes. I make films with my balls.“
ALEJANDRO JODOROWSKY

 
 
Nicht nur DER HEILIGE BERG selbst, auch dessen Entstehungsgeschichte ist spektakulär. So verbrachte Alejandro Jodorowsky mehrere Tage vor Drehstart ohne Schlaf unter der Aufsicht eines Zen Meisters, schrieb das Drehbuch unter Einfluss von LSD und lebte mehrere Wochen lang mit der Crew des Filmes in einer Art Kommune, wo die Schauspieler, ebenfalls unter Einfluss von Drogen, spirituelle Erfahrungen machen sollten. Und wie genau kann man DER HEILIGEN BERG nun in Worte fassen? Es ist sehr schwer. Wie schon der Trailer verkündet, steht der Film außerhalb jeglicher Kritik. Ihn als eine „traumartige Reise“ oder einen „Trip“ zu bezeichnen ist noch nett gemeint. DER HEILIGE BERG ist unkonventionell und mutig. Einige Dinge die dieser Film zeigt, könnte man heute nicht mehr drehen. Auch wie der Film mit einigen anderen Dingen umgeht, wäre heutzutage undenkbar.
 
Der Film beginnt in einem Raum, verziert mit einem weißem Mosaik mit schwarzem Muster. Zwei Frauen gekleidet wie Marilyn Monroe und Bette Davis knien auf dem Boden. Hinter ihnen steht ein Mann (Alejandro Jodorowsky als der Alchemist), der einen tiefschwarzen Mantel und einen schwarzen großen Hut trägt. Er beginnt den Frauen die Haare kurz zu schneiden, um ihnen schließlich die Köpfe kahl zu rasieren. Danach folgt der psychedelische Vorspann, geprägt von außerordentlich schönen, aber verwirrenden Bildern, die Muster und Schmuck in allerlei Formen und Farben zeigen. Anschließend sehen wir eine Horde nackter kleiner Jungen, deren Genitalien grün angemalt sind, wie sie einen Mann, der Jesus ähnlich an einem Pfahl festgebunden ist, mit Steinen bewerfen. Dieser weiß sich schließlich zu befreien und verjagt die Horde Kinder, nur um anschließend mit einem Kleinwüchsigen, dessen Arme und Beine amputiert sind, etwas zu rauchen. Wer sich hier denkt, dass die Spitze des Eisberges an Absurdität schon erklommen ist, der irrt. Der Film weiß sich kurz darauf noch einmal zu überbieten. Und dann noch mal, und dann noch mal, und dann noch mal. Es wird nie wirklich klar, was Alejandro Jodorowsky von einem will. Ob er nur ein Thema behandelt oder mehrere. Es gibt in DER HEILIGE BERG immer wieder Elemente die, man als Satire und Gesellschaftskritik auffassen kann. So arbeiten mehrere Begleiter des Diebes und des Alchemisten für die Regierung oder es sind Leute der Oberschicht, von denen die meisten in ihren großen Industrien allerlei absurdes Zeug herstellen, das Leute bei der Stangen halten und sie manipulieren soll.
 
Zugegeben, die erste Hälfte des Filmes fällt wesentlich spektakulärer aus als die zweite. Wie auch schon EL TOPO, so ist DER HEILIGE BERG in zwei zusammenhängende Teile gegliedert, welche sich vom Ton her jedoch stärker voneinander unterscheiden. So ist die erste Hälfte eher ein hochstilisierter Gang durch ein buntes und explosives Labyrinth, in welchem episodenhaft die verschiedenen Charaktere vorgestellt werden. Die zweite Hälfte ist immer noch voll von einigen sehr verrückten Dingen, aber im Vergleich zur ersten wirkt sie etwas gediegener und naturalistischer. Sie beschreibt die Reise zum heiligen Berg.
 
 

„One does not go to the theater to escape from himself, but to reestablish contact with the mystery that we all are.“
ALEJANDRO JODOROWSKY

 
 
Ein kleines Manko des Filmes ist jedoch sein Ende, wobei man hier anmerken sollte, dass diese Meinung rein subjektiv ist. Von einem künstlerischen Standpunkt aus betrachtet, hat der Schluss durchaus seine Berechtigung. Jodorowsky hatte damit etwas zu sagen und es hätte wahrscheinlich kaum eine andere Möglichkeit gegeben, sich adäquat aus diesem Meer des Wahnsinns zu retten. Jedoch ist das Ende in höchstem Maße desillusionierend und weckt den Zuschauer aus einem scheinbar nicht enden wollenden halluzinogenen Alptraum auf. Man hätte gerne noch 5 Minuten, vielleicht auch eine Stunde länger schlafen wollen…
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Alejandro Jodorowskys DER HEILIGE BERG ist ein Meisterwerk des Wahnsinns. Ein bunte und surreale Explosion von Bildern, von denen man nicht eine Sekunde lang seine Augen lassen sollte. Doch wie ist dieser Film zu bewerten? Eigentlich gar nicht. Jodorowskys halluzinogenes Werk kann man nicht wie einen gewöhnlichen Film bewerten. Im Grunde müsste man die Wertung für diesen Film auf „nicht gesehen haben“ oder „gesehen haben“ beschränken statt in Zahlen. Hat man ihn nicht gesehen wird man niemals eine solche Filmerfahrung machen wie bei diesem Streifen. Hat man ihn gesehen, erlebt man etwas wirklich Besonderes und lässt sich von Alejandro Jodorowsky auf einen außerordentlichen Trip mitnehmen. Wenn man den Film aber in Zahlen für das bewerten soll was er ist, so gibt es eigentlich keinen Grund ihm nicht die volle Punktzahl zu geben.
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Zensur

 
 
 
DER HEILIGE BERG startete unter dem Titel MONTANA SACRA am 21.08.1974 in einer wahrscheinlich ungeschnittenen Fassung in den deutschen Kinos. 2006 wurde der Film einmalig wiederaufgeführt und 2008 auf Arte gezeigt. Auch hier ist nicht zu hundert Prozent sicher, ob die gezeigten Fassungen unzensiert waren. Die aktuell erhältliche Filmfassung von BILDSTÖRUNG ist zumindest komplett. Der Film trägt das FSK 18-Siegel.
 
 
 


 
 
 

DER HEILIGE BERG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Bildstörung

 
 
 
Am 28. Februar 2014 veröffentlichte das unter Sammlern hoch angesehen Label Bildstörung in Zusammenarbeit mit dem Filmverleih Drop-Out Cinema seine Box „Die Filme von Alejandro Jodorowsky“ als separate DVD- und als Blu-ray-Version. Diese Box ist fantastisch und jedem der das abseitige Kino liebt wärmstens zu empfehlen! Enthalten sind Jodorowskys erster Spielfilm FANDO UND LIS (1968), EL TOPO (1970) und natürlich DER HEILIGE BERG (1973). Die Box ist nicht nur äußerst schön gestaltet, sie enthält auch ca. 8 Stunden Bonusmaterial sowie die Soundtracks von EL TOPO und DER HEILIGE BERG. Die Bild- und Ton-Qualität sind bei allen drei Filmen absolut Spitze. So toll haben Jodorowskys erste drei Spielfilme noch nie ausgesehen.
 
 
 

TECHNISCHE DATEN

DIE FILME VON ALEJANDRO JODOROWSKY Blu-ray Box
 
Originaltitel: El Topo – Mexico (1970) / The Holy Mountain – Mexiko, USA (1973)

Genre: Der Heilige Berg: Drama, Fantasy, Science Fiction / El Topo: Western

Ton: El Topo: Deutsch – LPCM Mono, Spanisch – DTS-HD 5.1 & LPCM Stereo / Der heilige Berg: Deutsch – LPCM Mono, Englisch – DTS-HD 5.1 & LPCM Stereo

Untertitel: Deutsch

Bild: El Topo: 1,33:1 (1080/24p) / Der heilige Berg: 2,35:1 (1080/24p)

Laufzeit: El Topo: 125 Min., Der heilige Berg: 113 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Schuber mit mehreren Digipacks

Extras: EXKLUSIVE BONUSFEATURES: Alejandro Jodorowskys Debütfilm FANDO UND LIS (1968, 93 Min.), 2 CDs mit den Originalsoundtracks zu EL TOPO und DER HEILIGE BERG, BONUSFEATURES: 3 Audiokommentare von Alejandro Jodorowsky zu seinen drei Spielfilmen, Jodorowskys wiederentdeckter Kurzfilm DIE KRAWATTE (1957, 21 Min.), Dokumentarfilm DIE KONSTELLATION JODOROWSKY (1994, 86 Min.), Entfallene Szenen zu DER HEILIGE BERG, Alejandro Jodorowsky über Tarot (7 Min.), Alejandro Jodorowsky über EL TOPO (5 Min.), Alejandro Jodorowsky trifft Nicolas Winding Refn [DRIVE, ONLY GOD FORGIVES] (20 Min.), Alejandro Jodorowsky auf dem Filmfest München 2013 (20 Min.), US-Trailer, Bildergalerien, 2 Booklets mit einem langen Interview mit Alejandro Jodorowsky von 1970, der Indizierungsbegründung zu EL TOPO und einem Essay von Claus Löser (alle Features mit deutschen UTs)

Release-Termin: 28.02.2014

 
 

JODOROWSKY Collection (2 Blu-rays, 2 DVDs, 2 CDs) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 

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DER HEILIGE BERG – Trailer

 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnche Filme:
 
El Topo (1973)
 
Santa Sangre (1989)