Filmkritik: „Draculas Rückkehr“ (1968)

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DRACULA RÜCKKEHR

(DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE)

Story

 
 
 

Er ist nicht totzukriegen, der Generalfeldmarschall unter den Filmvampiren. Ein weiteres Mal sucht Graf Dracula (Christopher Lee) das ländliche Alt-Europa heim. In diesem Durchgang zwickt den baumlangen Bösewicht der untote Docht im Untergewand mehr als möglich und er steigt der scharfen Tochter eines Priesters hinterher, der gerade in den Ort gekommen ist. Dieser Monsignore ist es auch, der den Vampir, zusammen mit dem verzweifelten Freund der Tochter, schließlich Mores lehren will.

 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Kritik

 
 
 
Von der berichterstattenden Presse gibt’s fast einstimmig auf die Schnauze. Primitiv, kitschig, brutal, inhaltslos – so der Tenor in Print und Funk. Das für Unterhaltung und Kino-Schocks zahlende Publikum rund um den Globus sieht die Sache natürlich anders und beschert Hammer Einnahmen, die sich sehen lassen konnten. Manche Dinge ändern sich eben nie. Ein interessanter Kritikpunkt allerdings findet sich in der von verschiedenen Schreiberlingen getätigten Feststellung DRACULAS RÜCKKEHR sei „style over substance“, würde also die Optik und den Schauwert über Handlungsinhalte stellen. Wollen wir ehrlich sein, stimmt diese Beobachtung natürlich. Aber das macht – Fans werden uns hier bestätigen – einen der Haupt-Reize des Hammer’schen Gruselfilm-Universums aus.
 
 
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Ort der Handlung ist ein pittoreskes Stückchen Fantasie-Süddeutschland mit dem bizarren Namen „Keinenberg“. Man muss wissen: In der sehr angelsächsisch zurechtgestrickter Germanenwelt von Hammer Films regiert über die Städtchen und Gemeinden am Fuße gotischer Horrorschlösser der sogenannte „Burgomeester“. Passt also. In DRACULAS RÜCKKEHR schreiben wir das Jahr 1906. In Cowboyfilmen mit ernsterer Agenda redet man da gern vom Ende des alten Westens. Graf Dracula ist der Übergang in die Moderne (noch) Wurscht, dreht sich für ihn weiterhin alles um die Frage des gepflegten Nackenbisses. In der Gegenwart führen ihn erst spätere Einträge seiner Filmographie.
 
 
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Auch in Sird Lord Mayor Grand Imperial Dingdong Christopher Lees drittem Auftritt in seiner bekanntesten Rolle gibt der Mime wieder alles. Selbstverständlich. Diesmal führt er seine Darstellung interessanterweise weg vom fauchenden Monster aus dem Vorgängerfilm BLUT FÜR DRACULA (1966) und zurück zum aristokratischen Ekelpaket mit Sex- und Allmachtsfantasien, wie es sich Bram Stoker und die Historie des Genrekinos angewöhnt hatten. Er hetzt den hübschen Maiden hinterher, dass es eine fast schon parodistische Freude ist. Mit Michael Ripper steht ihm ein bekanntes Studio-Gesicht gegenüber. Veronica Carlson gibt das ikonische, hochgeschnürte Hammer-Babe de jour. Ein optisch schöner Pop-Art-Einfluss findet sich in der Kameraarbeit. Knallige Farbfilter umrahmen das Bild in jeder Szene auf dem Schloss des Vampirs. Technicolor-Kunstblut, grell und beinahe schon psychedelisch: Einer dieser großen Momente, in denen dem langjährigen Jünger auffällt, was diese bescheuerten britischen Horror-Reißer einfach so besonders macht.
 
 
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DRACULA RÜCKKEHR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wie gehabt. Mit den Über-Klassikern aus der britischen Horrorfilm-Fabrik Hammer verfahren wir hier nicht nach gewohntem Bewertungsmaß. Wenn man auch nur eine Urne voll Zuneigung für die atmosphärischen, manchmal seltsamen, derben aber immer sofort wiedererkennbaren Dracula- Frankenstein-, usw. Filme dieser Zeit oder für die Geschichte unseres Lieblingsgenres übrig hat, deckt man sich bitte kritiklos mit allen BluRay-Upgrades ein und klebt sich für einen Hammer-Allnighter vor den Televisor !
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Zensur

 
 
 
DRACULAS RÜCKKEHR lief ungeschnitten im Jahr 1969 in den deutschen Kinos. Dort erhielt der Film eine Freigabe ab 16 Jahren. Auch die späteren VHS- und DVD-Veröffentlichungen waren ungeschnitten und ab 16 Jahren geeignet. Demzufolge verwundert es nicht, dass dies nun auch bei den HD-Auswertungen der Fall ist. Auch hier: uncut und FSK16.
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula Has Risen from the Grave; Großbritannien 1968

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Draculas Rückkehr [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
DRACULA RÜCKKEHR erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im Oktober 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas jagt Mini-Mädchen (1972)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (1972)

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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN

(DRACULA A.D. ’72)

Story

 
 
 

1872 liegen Graf Dracula (Christopher Lee) und van Helsing (diesmal als „Lawrence“ im Familienunternehmen der Untoten-Jagd unterwegs – Peter Cushing) im Clinch und es sieht aus, als wäre dieser verletzungs- und entbehrungsreiche Kampf der letzte zwischen den beiden Erzrivalen. Nach einer Hetzjagd auf Kutschen lassen der Vampir und sein Verfolger beide ihr Leben. Hundert Jahre später taucht der Fürst der Finsternis wieder mitten in der Hauptstadt Großbritanniens auf. Eine gelangweilte Okkultisten-Gang unter der Führung des brennenden Fürsten-Verehrers Johnny Alucard (na, schnackelts ́s?) hat den Meister der Vampire in einer Schwarzen Messe zurück in die Welt des Fleischlichen geholt. Unter ihnen auch Lorrimer und Jessica van Helsing (Stephanie Beacham). Der junge Herr Alucard bekommt das Versprechen der Vampir-Verwandlung und versorgt den Großen dafür mit frischen Mädchenhälsen. Die Polizei kommt nicht weiter im Fall der leergesaugten Leichen und ruft einen Profi zur Hilfe. Lorrimer van Helsing, trotz seiner am Filmanfang gezeigten Begeisterung für Parawissenschaft immer noch direkter Nachfahr des berühmtesten aller Weihwasser-Versprüher und auch von Peter Cushing gegeben, erklärt sich bereit, endlich zu Ende zu bringen, was ihm in den Genen liegt.

 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Kritik

 
 
 
Auch heute sorgt der herrliche deutsche Titel noch für amüsiertes Stirnrunzeln und Verwunderung in den Gesichtern derer, die ihn erstmals serviert bekommen. Unter dem seltsamen Begriff der Mini-Mädchen firmierten für die knochigen Übersetzer damals junge Swinging-London-Schnecken. Also keine Mädchen in Taschenventilator-Größe, die sich Christopher Lee in eine Tasche seines seit Jahrhunderten leidgeprüften Beerdigungsanzuges stecken könnte.
 
 
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Man will ́s nicht meinen aber wahrhaftig hatten Christopher Lee und sein ewiger knoblauchschwingender Counterpart Peter Cushing seit dem ersten „Dracula“-Film aus der Hammer-Schmiede, 1958, nicht mehr als Graf und sein besessener Jäger miteinander gerungen. 1970 kommt der recht farblose „Dracula – Nächte des Entsetzens“ überhaupt nicht gut bei seinem Publikum an. Da muss Hammer sich schon etwas Besseres einfallen lassen als das nächste, im schlimmsten Fall uninspirierte Aufwärmen der Hatz durch erfundene südostdeutsche Städtchen während des Viktorianischen Zeitalters. Mit eimerweise grellem Zeitkolorit versehen, packt man also die eigenen Strickmuster des Vampirfilms, die man in den Jahren seit der faktischen Übernahme des Horror-Marktes zur Perfektion getrieben hat und verpflanzt sie in die englische Metropole zu Zeiten der ausgehenden Hippie-Epoche. Das so friedliebende „Zeitalter des Wassermanns“ muss sich wohl oder übel mit dem gegelten Höllenfürsten aus Rumänien befassen – und der hat ́s – oh Wunder – so gar nicht mit Peace & Love. Die Produzenten des Films umso mehr. Sogar ein Auftritt der obskuren, langhaarigen Kiffer-Rockband Stoneground findet bis in die Endfassung des Films. CD gibt es auch.
 
 
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Jugendliche Stinkmolche, die ihre Bürgerkinder-Langeweile und auch gleich ihre Eltern auf dem Wege des Spiels mit dem gefährlichen Übersinnlichen bekämpften, sind Anfang der Siebziger ein dankbares Thema. Mit der Vätergeneration am Hebel von Buch und Regie meint man es in den Studios nicht gerade gut mit den aufmüpfigen Blumenkindern und ihren Nachfolgern. Ja, es lässt sich sogar die ironische Behauptung „Die müssen doch mit dem Leibhaftigen im Bunde sein!“ herauslesen aus Filmen wie den „Mini-Mädchen“ hier oder trashigen Manson-Verarbeitungen wie „I Drink Your Blood“ aus den USA. Okkultismus-Rabauken-Meisterwerk des britischen Grusels ist der bei uns so geil mit dem Titel „Der Frosch“ geschlagene Satanisten-Biker-Knaller „Psychomania“ von Don Sharp. Unbedingte Empfehlung.
 
 
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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hammers Sprung in die Moderne tut Film und Genre gut. Viele Fans der Firma stehen sogar mehr auf die Horror-Abenteuer ohne Historienfilm-Anstrich. Wir mögen beide Seiten und freuen uns über die angenehme Schrägheit der Mini-Mädchen und ihres scharfen Jägers.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Zensur

 
 
 
Der sechste Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios mit Christopher Lee lief im Kino angeschnitten. Auch die TV-Ausstrahlungen waren bisher ungeschnitten. Nicht ganz komplett dagegen war die Auswertung auf VHS durch Anbieter WARNER. Dort vermisste man Material, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die deutsche VHS-Fassung das Master der alten britischen Videofassung als Vorlage hatte. Dort fehlte Filmmaterial. Immerhin änderte sich das mit der DVD-Veröffentlichung. Die DVD-Fassung sowie alle Blu-ray-Auswertungen von DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN sind komplett, ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A.D. 1972; Großbritannien 1972

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 04.10.2019

 

Dracula jagt Mini-Mädchen [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im September 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ (1970)

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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?

(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)

Story

 
 
 

Das immer kurz vorm A-Star-Durchbruch stehende Gewohnheits-Ekel Ralph Bates spielt Courtley, einen jungen englischen Lord, der sich seine von den Untertanen gestohlene Zeit mit okkulten Ritualen und Teufelsbeschwörungen vertreibt. Sein Ruf als wegen Sauereien enterbter Dekadenz-Veranstalter hat auch drei weitere, aber deutlich ältere Widerlinge aus der britischen Gesellschafts-Elite erreicht, deren amoralische Suche nach neuen Reizen sich kaum noch befriedigen lässt. Zumindest nicht auf im weitesten Sinne natürliche Weise – die Puffs der Landeshauptstadt kennen sie zu Genüge. Jetzt ist der kleine Lord ein nachgerückter Jünger des Grafen Dracula, der die drei Gesellen zu einem schwarzmagischen Wiedererweckungs-Ritual überreden kann, in dessen Verlauf ihnen die dämonische Sache dann doch zu heiß wird und sie den Burschen wahnhaft-wütend totschlagen. Dem trotz dieses Widernisses auferstandenen Vampir schmeckt das gar nicht (noch weniger als das Blut von Dracula vermutlich. Entschuldigung…) und er beschließt, aus Rache für das Ableben Courtleys, die Kinder seiner Mörder in seinen Bann zu ziehen. Das ist doch mal eine Verbundenheit der Chefetage zum Personal, die sich sehen lassen kann! Im viktorianischen England auch noch. Ach ja, gefügig, auf dass sie ihre Väter um die Ecke bringen. Übrigens weiß niemand, dass die drei alten Freunde original britisch-konservativen Holzes in ihrer Freizeit Volldampf-Perverse sind. Auch Paul, einer der Söhne, nicht. Er wird aber zumindest gewarnt und wirft sich mit dem Mut der Verzweiflung dem Herrn der Finsternis entgegen.

 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Kritik

 
 
 
Wie schmeckt es denn nun? Die Frage beantwortet Hammer in seinem vierten Film über den König der Blutsauger nur unzureichend. Zu Videotheken-Zeiten, anno 1985 genauer, ist das dann offenbar auch schnuppe und die Kassette wartet als „Das Blut von Dracula“ in den Regalen der deutschen Verleihbuden auf ihre Opfer. Eigentlich will der Film ja gar kein „Dracula“ mehr sein. Studio-Hoffnung Ralph Bates soll als Nachfolger des vom teuren Christopher Lee verkörperten Vampirs eingeführt werden.
 
 
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Hammers US-amerikanische Vertriebspartner laufen angesichts dieser Ankündigung aus London allerdings beinahe Amok. Keine Chance für einen sauberen Schnitt also. Jetzt müssen die Firmenchefs Hinds und Carreras die Zähne zusammenbeißen, nochmal eines der versteckten eigenen Sparschweine zerschlagen und den notorisch von sich eingenommenen Verhandlungspartner Christopher Lee an den Produzententisch bitten. Dass unter diesen schwierigen Bedingungen noch einer der besten Filme der Reihe entstehen kann, spricht für alle Beteiligten. Tragisch aber und zu bei aller unterhaltsamen Qualität nicht zu leugnen: Hammers Glanzzeiten neigen sich anno 1970 langsam aber sicher ihrem Ende zu. Gothic Horror mit bösen Cape-Trägern auf gruseligen Schlössern rücken langsam aus dem Fokus der zahlenden Zuschauerschaft. Gleich zu Anfang verwursten die Produzenten Lees letzte Sterbeszene aus „Draculas Rückkehr“ ein zweites Mal. Drückt die Produktionskosten schon ein wenig. Dann kommen neue Aufnahmen.
 
 
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Sie bemerken an der Installation des jugendlichen Helden im Kampf gegen den Grafen: Auch dieses Mal kann Hammer Peter Cushing nicht für die Rolle des Vampirjägers Professor van Helsing begeistern. Das Logikverständnis des Schauspielers ist nicht elastisch genug, dem per se unsterblichen (und auch immer wieder ins Leben zurückgeholten) Transsylvanier als okkultistischer Wissenschaftler gegenüberzustehen, der irgendwann auch plötzlich mehrere hundert Jahre alt sein müsste. Der Plan, gar Vincent Price als Anführer der drei Herren zu besetzen scheitert im Vorfeld am Budget. In der Rolle von Pauls Freundin sehen wir Linda Hayden, für Freunde britischen Horrorkinos im Folgejahr unsterblich geworden durch die Hauptrolle der besessenen Angel in Piers Haggards wundervollem „In den Krallen des Hexenjägers“. Den haben wir hier auch mal gefeiert.
 
 
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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was als Übergabe des Staffelholzes für Hammer beginnen sollte, gerät zur routinierten Fingerübung mit allem, was der Fan an diesen Filmen schätzt. Innen und außen also wenig neues. Opulenz, wo angebracht, Budget-Ersparnis wo nötig. Man fühlt sich wie zuhause.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Zensur

 
 
 
Der vierte Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios setzt nahtlos an den Vorgänger DRACULAS RÜCKKEHR an. Bei seiner deutschen Kinoauswertung im Juli 1970 durfte WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA bereits von Sechzehnjährigen besucht werden und war ungeschnitten. Das änderte sich mit der deutschen VHS-Veröffentlichung. Für die setzte man die Schere an und schnitt neben einigen harten Szenen auch einige Szenen aus dem Film, die man damals für anrüchig empfand. Erst in DVD-Zeitalter konnten Filmliebhaber auf die ungeschnittene Fassung zugreifen. WARNER brachte 2004 die erste deutsche DVD von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA auf den Markt. Diese war umgeschnitten frei ab 16 Jahren. Das hat sich mittlerweile auch nicht geändert. Alle erhältlichen HD-Fassungen auf Blu-ray besitzen eine FSK16-Freigabe und sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Taste the Blood of Dracula; Großbritannien 1970

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Wie schmeckt das Blut von Dracula [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im August 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Filmkritik: „Dracula“ (1958)

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DRACULA

Story

 
 
 

Die Geschichte ist, da sind wir uns sicher, bekannt. Trotzdem hier gern noch einmal: Jonathan Harker, ein junger, unbedarfter Jurist und Immobilien-Mensch, wird von seiner Londoner Firma auf eine umständliche Geschäftsreise in einen der hintersten Winkel der Karpaten geschickt. Hier erwartet ihm, auf seinem Schloss, das die Einwohner der benachbarten Dörfer meiden wie die Pest, Graf Dracula, Der zurückgezogene Spross eines uralten Adelsgeschlechts will sich ein repräsentatives Anwesen auf der Insel zulegen und entdeckt auf einem Bild Mina, die Gattin des Engländers. Sie erinnert den Rumänen an seine große Liebe und er reist, nach der Vampirisierung seines Besuchers, auf dem Seeweg nach England und hat die Pest an Bord. Angekommen bringt Graf Dracula die höheren Töchter der Hauptstadt in Nöte und später um ihr Blut. Vampir-Forscher Professor van Helsing, die Bekannten des Maklers und seiner Familie sind dem spitzzahnigen Schrecken auf den Fersen.

 
 
 


 
 
 

DRACULA – Kritik

 
 
 
Der in London lebende Ire Bram Stoker setzt der Ende des 19. Jahrhunderts zur Staatsräson erhobenen Lust-Unterdrückung im England von Königin Victoria ein gar schauriges Literaturdenkmal, ja vermutlich die erste Horror-Story für die Ewigkeit. Dutzende Verfilmungen hat seine Düster-Fabel vom das britische Mutterland überfallenden Fledermaus-Herrscher aus dem wilden Osten seit der Stummfilm-Zeit hervorgebracht. Mit der Übernahme Christopher Lees verändert sich die Figur des Grafen unumkehrbar.
 
 
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Nach Murnaus unsterblichem „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), der Stokers Charaktere urheberrechtsbedingt nicht nutzen durfte, geht die erste Darstellung des Grafen an Bela Lugosi. Mit dem von dem Ungarn gespielten Nachzehrer in Tod Brownings „Dracula“ (1931) hat dieser Titel-Bösewicht aus dem Hause Hammer nun aber so gar nichts mehr gemein. Hier ist der mit Abstand berühmteste Literatur-Vampir mit adligem Stammbaum auf einmal kein merkwürdiger, osteuropäischer Spukschloss-Charmeur mit dem exotischen Gestus eines gut abgehangenen Bühnenschauspielers mehr. Sir Christopher Lees wild-interessante Züge mit ihrer jederzeit ins Wölfische, überhaupt Raubtierhafte umschaltbaren Durchsetzungskraft bringen zwar noch immer ein gewisses Quäntchen Exotik mit, nur macht sich der Schauspieler diese Färbung seines Charakters Eigenschaft zu Nutze, um die eindeutig sexuell zu verstehende Praktik der Verführung zum Eindringen seiner Fangzähne in zarte Damenhälse eben als aggressive Form von Sexualität dastehen zu lassen. Sein Graf Dracula ist ein strenger, schwarzhaariger Sex-Tyrann von nahezu zwei Metern Größe, dessen Biss seine – bevorzugt natürlich weiblichen – Opfer in devoter Hörigkeit zitternd und auf der Matratze kauernd zurücklässt. Da hat mancher von sich selbst überraschte Kulturwissenschaftler schon Sadomasochismus reinprojiziert, dass die Wände gewackelt haben. Lees Performance wird immer mit dem Grafen verbunden sein, Interpretationen durch andere Schauspieler nur noch dann zulassen, wenn sie sich – wie bei beim dandyhaften Gary Oldman 1992 etwa – ihre eigene Form von Überzeichnung erlaubten.
 
 
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Abraham van Helsing, ewiger und gerne von Peter Cushing gegebener Fachmann im Umgang mit Knoblauch, Kruzifix und Holzpflock, muss Jahrzehnte auf seinen Auftritt als Star des eigenen Films warten. Das Kinoverbrechen, das man sich 2004 getraut und auf dem man bei Universal gerne ein komplettes Universum – so wie ́s Marvel/Disney gegenwärtig ausreizt – der Monsterfilme aufgebaut hätte, ist ein kolossaler Schuss in den Ofen. Hugh Jackman trägt den viel cooleren (?) Vornamen Gabriel und reist als Steampunk-Quasi-Superheld durch einen blassgrünen Alptraum aus PlayStation 2-Effekten und Hirnfurz-Handlung, der manchen Zuschauer schreiend aus dem Saal zu jagen vermag. Super-Bad-Guy Dracula gründet hier mit anderen Monstern einen Club der Bösewichter. Ein ganz schreckliches Zeitdokument. Das halbgare „The Mummy“-Filmchen mit Tom Cruise beweist vor ein paar Jahren die eindeutige Lern-Resistenz auf Seiten des Studios.
 
 
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DRACULA – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Volle Punktzahl, allein schon aus historischen Gründen. „Dracula“ ist eine der Säulen, auf denen der Ruhm von Hammer Films und der gute Ruf britischen/europäischen Horrorkinos allgemein fußt. Gehört ohne Frage in jede respektable Filmsammlung und sieht in seiner restaurierten Fassung auch noch so knackig frisch aus wie seit seiner Leinwandzeit nicht mehr.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Zensur

 
 
 
DRACULA von 1958 wurde vom britischen Filmprüfungskomitee BBFC fürs Kino geschnitten, lief in deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 16 Jahren und erhielt auf VHS eine Freigabe ab 12. Jahrzehntelang galten diese von der BBFC herausgeschnittenen Szenen als verschollen. Doch im September 2011 wurden die letzten Filmrollen mit genau diesen Szenen in Japan gefunden. Demzufolge entstand eine Langfassung mit diesen Szenen. Beide Filmfassungen – also die ursprüngliche Fassung mit den herausgeschnittenen Szenen und die mit den gefundenen Szenen – sind nun auch in Deutschland auf Blu-ray und DVD zu haben. Beide Filmfassungen sind von der FSK neu geprüft worden. Sie sind für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula; Großbritannien 1958

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Enthält zwei restaurierte Fassungen: 1. Fassung von Warner Bros., 2. Fassung von Hammer Film (2012), Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – Uwe Sommerlad & Volker Kronz, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Dracula – Restaurierte Fassung (2. Neuauflage) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA von 1985 hat in Deutschland schon so einige Blu-ray-Veröffentlichungen spendiert bekommen. Zuerst erschien er als Blu-ray im Mediabook und im KeepCase von STUDIO HAMBURG ohne Bonusmaterial. Anschließend brachte ANOLIS mehrere Sondereditionen auf den Markt für die sie jede Menge Bonus sammelten und sogar extra produzieren ließen. Nun wirft STUDIO HAMBURG noch einmal eine Blu-ray-Fassung (2. Neuauflage) auf den Markt. Diesmal mit besserer Bildqualität, zwei verschiedenen Filmfassungen und etwas Bonusmaterial. Letzteres entspricht zum Teil dem, was bereits auf den Scheiben vom Anbieter ANOLIS enthalten war. Wer aber das komplette Bonus-Paket sein Eigen nennen möchte, muss zwangsweise doch zu den teureren Veröffentlichungen aus dem Hause ANOLIS greifen. Nur dort sind umfangreiche Zusatzmaterialien vorhanden.
 
 


 
 
 

DRACULA – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Halloween – Die Geburt des modernen Horrorfilms

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EIN RÜCKBLICK AUF DIE HALLOWEEN-FILME

 
 
 
Da sich auch kalendarisch Halloween nähert, ist es an der Zeit, einen Blick auf die „Halloween“-Reihe zu werfen, deren erster Teil aus dem Jahr 1978 inzwischen als Klassiker (und Begründer) des Slasher-Genres gilt. Bereits der Score aus den „Halloween“-Filmen jagte Generationen von Horrorfilm-Fans eine Gänsehaut über den Rücken und verschaffte der Figur Michael Myers zu unheimlicher Aufmerksamkeit.
 
 
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(Halloween – Die Nacht des Grauens | © CONCORDE)

 
 

DIE NACHT DES GRAUENS – GEBURT EINES KLASSIKERS

 
 
Im ersten „Halloween“ bricht Michael Myers nach 15 Jahren aus einer psychiatrischen Anstalt aus und kehrt in seine Heimatstadt Haddonfield zurück. Für den Mord an seiner Schwester, den er als Sechsjähriger beging, sollte Myers eigentlich lebenslang verwahrt bleiben. Einzig der Psychiater Dr. Loomis (Donald Pleasance) glaubt daran, dass Myers in seine alte Heimat zurückkehrt, doch der geht in Haddonfield bereits auf die Jagd. Und während er einen Teenager nach dem Anderen mit dem Küchenmesser zerteilt, scheint einzig Laurie (Jamie Lee Curtis) ihm immer wieder von der Klinge zu springen. Mit diesem simplen Rezept wurde „Halloween – Die Nacht des Grauens“ zum Horrorklassiker und etablierte das amerikanische Slasher-Genre – eine Gruppe von Teenagern, ein übermenschlich wirkender Mörder und eine unschuldige Teenagerdame, die vor dem Messer des Mörders flieht. Nebenbei machte John Carpenter (der damals vor allem für seine auf der Uni entstandene Sci-Fi-Parodie „Dark Star“ bekannt war) mit dem Film eine blutjunge Jamie Lee Curtis zum Star und zum Archetypen der Scream-Queen für das anbrechende VHS-Zeitalter. Dass „Halloween“ trotz seines mageren Budgets von 300.000 Dollar zum Mega-Erfolg wurde, lag wohl auch an der Arbeit, die man in das Skript investierte. In der ursprünglichen Fassung sollte es um die Babysitter-Morde gehen… was deutlich weniger genredefinierend als „Halloween“ klingt. Stattdessen orientierte die Grundidee von „Halloween“ sich nun eher an keltischen Traditionen. Ganz im Geiste von Samhain nutzt der Film diesen einen Tag im Jahr, damit böse Geister (oder hier Michael Myers) für Chaos sorgen können. Auch die Idee, man könne das Böse nicht töten, hat im Samhain seinen Ursprung. Und dass man weder das Böse, noch die „Halloween“-Reihe töten kann, beweisen die insgesamt sieben Fortsetzungen, ein Reboot von Rob Zombie und aktuell ein Kurzfilm mit dem Titel „The Rebirth of Michael Myers„. Die Sequels erweitern zwar das Thema von Samhain und den Charakter von Michael Myers, erhielten aber eher gemischte Kritiken. Besonders der dritte Teil „The Season of the Witch“ fiel bei Kritikern und Fans durch, wohl auch, weil Michael Myers im Film keine Rolle spielt. Fortan blieb man beim Bewährten und brachte den Unverwüstbaren mit der Maske stets wieder zurück. Auch im Zuge der modernen Slasher-Welle versuchte man mit „Halloween H20“ noch mal an die alten Erfolge anzuknüpfen, was aber nicht gänzlich gelang. Der siebte Teil der Halloween-Serie spielt genau 20 Jahre nach dem ersten Film und konnte im Vorfeld immerhin mit dem Comeback von Jamie Lee Curtis auftrumpfen. Regisseur Steve Miner schaffte es trotzdem nicht Halloween H20 auf das Niveau der Teile 1 und 2 zu hieven, was auch daran lag, dass die Teile drei bis sechs der Filmreihe weitestgehend ignoriert wurden und das Handwerk eines John Carpenter im Hinblick auf den Spannungsbogen unerreicht blieb.
 
 
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(Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers | © NSM und TIBERIUS FILM )

 
 
 
 

SCHWERES ATMEN, LANGE SCHRITTE

 
 
Das Intro zu „Halloween“ gehört zu den absoluten und oft kopierten klassischen Elementen, die diesen Film so großartig machen. Ein Long Take, ein langer Spaziergang durch die Halloween-Nacht, schweres Atmen, das uns als Zuschauer wissen lässt: Wir blicken aus den Augen des Mörders. Und doch sehen wir ihn nicht, wir befinden uns mit Michael Myers auf einer langen Reise zum Mord. Jeder Passant könnte das Opfer sein, doch stattdessen schleichen wir uns in ein Haus – dann erst erfolgt die eigentliche Enthüllung: Wir stecken im Körper eines Kindes. Dass Michael Myers bereits im Kindesalter ein Mörder und Psychopath ist, erkennen wir Noch unnahbarer und unheimlicher sollte Michael Myers durch seine Maske wirken, die im Drehbuch als weiß mit menschlichen Zügen beschrieben wurde. Aus Budget-Gründen übermalte das Team eine Captain Kirk-Maske mit weißer Farbe. Generationen von Teenagern schrieen also in Furcht vor William Shatner auf. Was „Halloween“ 1978 ebenfalls begründete, war die konservative Grundhaltung des Horrorfilms, die sich bis heute hartnäckig gehalten hat. In Wes Cravens „Scream“ werden die Regeln des Slashers auch gerne parodiert und auch der launige „Cabin in the Woods“ spielt mit eben jenen Ideen, die „Halloween“ etablierte: Der Tod durch den Killer ist nicht einfach nur ein wahlloser Kick, sondern eine Strafe für die Grenzüberschreitung. Alkoholkonsum und promiskes Verhalten werden mit Michael Myers’ Messer bestraft, wohingegen die unschuldige Laurie den Film überleben darf. Zwar gab es schon vor „Halloween“ US-Slasher wie das „Texas Chainsaw Massacre“ und auch der Einfluss des gewaltfixierten Giallo-Genres aus dem Italien der frühen Siebziger ist nicht zu leugnen, doch „Halloween“ zementierte den Slasher im kulturellen Gedächtnis und etablierte dank Carpenters Handschrift (lange PoV-Fahrten) das Genre auch stilistisch. Zwar arbeitete Carpenter immer wieder einmal an den Fortsetzungen zu „Halloween“ (in Teil 2 schrieb er am Drehbuch) mit, Regie führte er jedoch nur beim ersten Teil. Mit Filmen wie „Die Klapperschlange“ oder „Big Trouble in Little China“ ist Carpenter aber nach wie vor eine wichtige Kulturikone – vor allem der 80er. Auch dem Horrorgenre blieb er mit Filmen wie „Vampires“ oder „Ghosts of Mars“ immer treu.
 
 
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(Halloween – H20 | © STUDIO CANAL )

 
 

EIN GENREDEFINIERENDER KLASSIKER

 
 
„Halloween“ von 1978 ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Horrorfilme des ganzen Genres. Zwar wirkt die Gewalt im Vergleich mit aktuellen Horrorfilmen zahm, dafür bietet „Halloween“ Spannung und Suspense. Wie Carpenter mit den Nerven der Zuschauer spielt, ist beeindruckend. Wer sich selbst von den Ereignissen um Halloween und Michael Meyers überzeugen möchte, kann sich passend zur Jahreszeit bei den verschiedenen VoD-Seiten mit ausreichend Horrorfilmen versorgen. So sind bei maxdome ein Großteil der Filme aus der Halloween-Reihe sowie auch einige andere Werke aus den Bereichen Horror und Slasher zu finden.
 
 
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(Rob Zombie’s Halloween | © SENATOR und UNIVERSUM FILM)

 
 

(Sören)

 
 
Alle bisherigen Halloween-Filme auf einem Blick:
 
 
Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)
Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück (1981)
Halloween 3 – Die Nacht der Entscheidung (1982)
Halloween 4 – The Return of Michael Myers (1988)
Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers (1989)
Halloween – Der Fluch des Michael Myers (1995)
Halloween H20 (1998)
Halloween: Resurrection (2002)
Halloween (2007)
Halloween II (2009)

Filmreview: „Dark House“ (2014)

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DARK HOUSE

Story

 
 
 
Nick (Luke Kleintank) besitzt hellseherische Fähigkeiten und erbt ein geheimnisvolles Landhaus, in dem sich das Böse versteckt hält, das schon seit vielen Jahren auf die Ankunft des Erben wartet …
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Kritik

 
 
 
ACHTUNG: Kritik beinhaltet viele SPOILER!
 
 
 
VICTOR SALVA ist ein ganz schön ausgekochtes Schlitzohr, denn der JEEPERS CREEPERS-Schöpfer scheint nicht nur eine Leidenschaft fürs Phantastische Genre zu hegen. In seinem letzten Psycho-Thriller ROSEWOOD LANE (2011) bewies der Filmemacher, dass er ein ziemlich sicheres Händchen für unerwartete Wendungen besitzt und auch schon mal mit verblüffenden Enden konfrontiert, die der Zuschauer vermutlich so nicht kommen gesehen hat. Weil’s wahrscheinlich gut angekommen ist, macht SALVA auch gleich da weiter, wo er aufgehört hat. DARK HOUSE heißt der aktuelle Kracher aus der Feder des umstrittenen Regisseurs, der in der Vergangenheit eine Menge Probleme mit dem amerikanischen Rechtstaat bekam, weil er sich an einem minderjährigen Darsteller vergriffen hatte. Nach 15 Monaten Haft wurde SALVA wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen und konzentriert sich seither auf das, was er wirklich gut kann: Filme drehen.
 
Wahrlich extravagant ist die Titelkreation des neusten Schockers nicht gerade und lässt diverse Spuk- und Geisterfilme Revue passieren, die man in letzter Zeit auf dem Schirm hatte. Umso enttäuschender zumindest für jene Horrorfans, die hier Paranormales erwarten, denn mit garstigen Poltergeistern und klassischem Geisterspuk im herkömmlichen Sinne hat DARK HOUSE (der ursprünglich übrigens als HAUNTED in die Kinos kommen sollte) rein gar nichts am Hut. Es geht um Nick Di Santo (LUKE KLEINTANK), der mal wieder seine Mutter in der Klapse besucht, um feststellen zu müssen, dass die wirklich nicht alle Latten am Zaun hat. Die gute Frau will dem Sohnemann partout nichts über den leiblichen Vater verraten, von dem er eine mysteriöse Gabe weitervererbt bekommen hat. Er kann den Tod jener Menschen voraussehen, die er berührt was aber auch Nachteile mit sich bringt, denn oftmals schwirren ihm so Dinge vor Augen, die er eigentlich nicht freiwillig sehen möchte. Als er in Rage nach der Mutter greift, sieht er auch gleich ihr letztes Stündlein schlagen. Wenige Stunden später stirbt sie eines grausamen Todes und vermacht dem Sohn ein riesiges Anwesen. Viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, denn Nick kennt das Haus von vielen Bildern und Skizzen, die er seit frühster Kindheit gezeichnet hat. Eine logische Erklärungen hierfür findet er nicht, dafür aber eine Urkunde mit einer Adresse, die ihm direkt zu jenem Gemäuer führen soll. Leider wurde die Gegend um das Haus vor vielen Jahren von einem Hochwasser verwüstet, was die Suche weitaus schwieriger gestaltet, als anfänglich erwartet. Auch die Einheimischen sind keine Hilfe. Die kennen nur die Legenden und warnen vor drohendem Unheil. Gott sei Dank begegnet man drei Landvermessern, die natürlich wissen wo man das verfallene Grundstück finden kann und Nick genau zu jenem Häuslein bringen, das ihn seit Kindertagen bis in die Träume verfolgt. Kaum angekommen stoßen sie auf einen langhaarigen Zottelkopf (TOBIN BELL), der nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck hinterlässt. Der hetzt einen Trupp springender Axtwerfer auf die nichtsahnenden Besucher und macht den Fremden unmissverständlich klar, dass sie hier nichts zu suchen haben.
 
TOBIN BELL (Jigsaw aus der SAW-Serie), der hier einen seltsamen Eigenbrödler spielt, hat wieder Lust ein Spiel zu spielen. Diesmal erschließt sich dem Zuschauer aber vorerst nicht, auf welcher Seite er stehen wird. VICTOR SALVI entführt den Zuschauer auf eine rasante Achterbahn voller Twists und Wendungen, der es ganz spielerisch gelingt dem festgefahrenen Horror-Genre frischen Wind einzuverleiben. In diesem Horrortrip ist nichts wie es anfänglich scheint. Hier herrscht verkehrte Welt, denn in DARK HOUSE sind Bösewichte nicht bösartiger Natur, sondern die Guten die Bösen. In SALVAS neustem Genre-Flick ist ne Menge los, was man so in dieser Art mit Sicherheit noch nicht auf dem Bildschirm hatte. Vor allem die fürs Genre wichtigen Horrorgestalten bleiben in Erinnerung, schließlich flimmern nicht alle Tage axtschwingende Riesen über den TV-Apparat, die auf Kommando seitlich im Takt springen. Die stummen und langhaarigen Kreaturen handeln im Auftrag des seltsamen Seth (TOBIN BELL), der dem neuen Hausbesitzer erst einmal einen Heidenschreck einjagen muss, damit dieser mit seinen Freunden möglichst zügig wieder verschwindet. Warum er das tut wird schnell klar, denn eigentlich will er Schlimmes verhindern, schließlich lebt im Keller des Hauses eine dämonische Macht, die nur auf die Ankunft des Erben gewartet hat, um die Hölle auf Erden errichten zu können.
 
Regisseur VICTOR SALVA bringt nach dem Überraschungserfolg JEEPERS CREEPERS ein weiteres Horror-Highlight in die internationalen Wohnzimmer, das wir von FILMCHECKER uneingeschränkt empfehlen können. DARK HOUSE bedient sich bei diversen Subgenres des Horrorfilms und macht daraus etwas vollkommen Neues, das den Fan auch noch packend zu unterhalten versteht. Hier sehen wir übrigens einen der besten Horror-Momente der letzten Jahre: Die Helden rütteln an einer verschlossenen Kellertür während im Mondschein unzählige von axtschwingenden Monstern in Richtung Horrorhaus hüpfen. Als die Freunde von der Tür lassen bleiben die Kreaturen stehen. Nun heißt es sich so leise wie möglich an den langhaarigen Riesenprimaten vorbeizuschleichen. Fünf Minuten Adrenalin pur. Vielen Dank dafür Herr SALVA.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Horrorpflichtprogramm! DARK HOUSE ist eine überraschungsreiche Achterbahn mit cleveren Wendungen und unerwarteten Twists. Der Schöpfer der beliebten JEEPERS CREEPERS-Saga hat hier einen großartigen Horrorfilm gedreht, der sich zwar aus bekannten Horrorelementen zusammensetzt und doch am Ende verblüfft, weil man derart Mixtur bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Hervorzuheben sind die wirklich obskuren Filmmonster und die Tatsache, dass man eigentlich nie weiß wohin die Reise führen wird. Dass der Schocker nicht einmal eine Million Dollar gekostet haben soll, will man gar nicht so recht glauben, denn DARK HOUSE macht trotz Indie-Status alles andere als einen billigen Eindruck. Letztendlich bleibt zu erwähnen, dass Regisseur VICTOR SALVA hier schwer unterhaltsame Genreware gedreht hat, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Denn nach dem genannten JEEPERS CREEPERS (2001) gehört DARK HOUSE zu dem Besten, was der Filmemacher bisher hervorgebracht hat.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Zensur

 
 
 
DARK HOUSE ist nicht sonderlich grausam. Dennoch schwingt man hier leidenschaftlich mit der Axt, so dass auch mal ein Kopf gespalten wird. Ansonsten gibt es herausgerissene Herzen und ein wenig Gekröse zu sehen. Das ist nicht sonderlich brutal und wurde von der FSK daher auch ab 16 Jahren freigegeben. Dennoch ist die erhältliche Heimkinofassung erst für Volljährige geeignet. Der Grund liegt im Bonusmaterial.
 
 
 


 
 
 

DARK HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Haunted; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p – Full HD, @24 Hz)

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Film: FSK 16 / Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 24.03.2015

 

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DARK HOUSE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haunt (2013)
 
House of Bad (2013)
 
Haunter (2013)
 
Jeepers Creepers (2001)