Filmkritik: „Psycho Goreman“ (2020)

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PSYCHO GOREMAN

Story

 
 
 
Was geschieht, wenn Kinder plötzlich über eine uralte, dämonische Macht verfügen, zeigt uns äußerst eindrucksvoll der Funsplatter „Psycho Goreman“.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Kritik

 
 
Es ist immer erfreulich, wenn man endlich wieder eine gute Horrorkomödie vor sich hat, denn davon gibt es echt viel zu wenige. „Psycho Goreman“ klingt zwar eigentlich mehr nach einem echten Gorefest, bietet im Endeffekt aber erstaunlich harmonische Unterhaltung, die sich einen Dreck um politische Korrektheit schert, schön anarchisch und trotzdem irgendwie süß daherkommt. Ein Fest für jeden, der auf kuriose Unterhaltung steht.
 
 
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Die beiden Geschwister Mimi und Luke entdecken beim Spielen einen seltsamen Edelstein und ein ominöses Gerät in einem Erdloch. Ohne zu wissen, womit sie es da zu tun haben, setzen die Geschwister eine äußerst gefährliche außerirdische Kraft frei, die einst von einem anderen Planeten Lichtjahre entfernt verbannt wurde. Für Mimi ist das jedoch kein Grund, um Angst zu haben, denn mit dem Edelstein lässt sich das gruselige, zerstörerische Monster ganz leicht kontrollieren. Wer im Besitz des Edelsteins ist, hat das Sagen und deshalb richtet Mimi gemeinsam mit Luke so einigen Schaden an. Doch auf einem Planeten in weiter Ferne läuten die Alarmsignale und eine weitere Macht ist auf dem Weg, um dem Ungetüm Einhalt zu gebieten. Was für ein schriller Mix! Bei „Psycho Goreman“ fühlt man sich an unglaublich viele Dinge erinnert. An „Wishmaster“, an „Hellraiser“, an „Masters of the Universe“, an „Flash Gordon“, ja sogar irgendwie etwas an „Krieg der Sterne“ und sogar minimal an „Dragon Ball Z“. Dieser Film mischt sich wirklich von allem etwas zusammen und erscheint im Endeffekt trotzdem recht eigenständig. Man hatte herrlich schräge Ideen und formt diese zu einem kindlich-naiven, albernen und völlig sinnbefreiten Quatsch, welcher jedoch absolut Spaß macht. Das Drehbuch hat schon mal das Zeug zum Kult.
 
 
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Dass das so gut funktioniert, liegt vor allen Dingen an der Atmosphäre, die schrulliger einfach nicht hätte sein können. Wenn ein kleines Mädchen das Sagen über eine Bestie hat, dann kommt man sich fast vor wie in einem Werk von Disney. Im nächsten Moment fliegen dann aber die Gedärme herum. „Psycho Goreman“ ist ein Film der Gegensätze und das macht ihn so heiter. Dabei ist der Grundton überraschend soft und sogar ein wenig Coming-of-Age-Drama schafft es in die Handlung. Der übernatürliche Teil wirkt wie eine abgefahrene Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Horror, während ein Großteil der Laufzeit von der Komödie dominiert wird. Hier gilt wie immer: Humor ist Geschmackssache und nicht jeder wird die Gags gut finden. Viele davon sind nämlich wirklich over-the-top und wirken mächtig albern. Trotzdem ist die Trefferquote angenehm und das gesamte Treiben ist dermaßen locker und schräg, dass man sich sehr gut unterhalten fühlt.
 
 
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Mit Steven Kostanski ist sowieso immer wieder zu rechnen. Mit „The Void“ zeigte er seine ernste Seite, aber schon bei Streifen wie „Manborg“, „Father’s Day“ oder der überraschend guten Neuauflage „Leprechauns Returns“ bewies der Mann, dass er amüsanten Horror bestens beherrscht. Die Inszenierung ist kreativ, verspielt und teilweise ziemlich verrückt, nur um in manchen Momenten dann fast wieder kommerziell zu wirken. Hinzu gesellen sich abgefahrene Effekte, die herrlich retro erscheinen, weil sie eben überwiegend von Hand gemacht wurden. Die ganzen Wesen sehen richtig schön kreativ gestaltet aus und auch der Psycho Goreman ist eine Wucht. Die vielen Lichteffekte könnten so direkt aus den 80ern stammen, was hier positiv verstanden werden soll. Außerdem splattert es ab und zu noch schön, wobei die Freigabe ab 16 Jahren hier schon verrät, dass es nicht zu derb wird. Das ist etwas schade, denn mehr wäre definitiv nicht verkehrt gewesen, aber der Blutgehalt geht dennoch in Ordnung und der Soundtrack macht dem Wort „retro“ ebenfalls alle Ehre.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich übrigens nicht beklagen. Es ist immer mutig Kinder in Hauptrollen zu stecken, denn viele Filme scheiterten schon daran. Mit der Figur von Mimi macht es sich „Psycho Goreman“ ebenfalls nicht leicht, denn nicht jeder wird etwas mit dem rotzfrechen Gör anfangen können. Da befindet man sich auf einer schmalen Linie zwischen cool und nervig. Nita-Josee Hanna macht ihre Sache aber ganz ordentlich und Owen Myre agiert angenehm zurückhaltend. Die Rollen der Eltern hätten etwas markanter ausfallen dürfen, gehen jedoch in Ordnung und Matthew Ninaber ist in der Rolle des Psycho Goreman einfach herrlich. Zum Glück verfehlt hier auch die deutsche Synchronisation ihren Zweck nicht. Nebenbei bekommt man sogar eine einigermaßen stimmige Figurenzeichnung geboten, die teilweise bewusst kitschig ist, teilweise aber auch erfreulich stark auf gewisse Klischees verzichtet.
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Psycho Goreman“ besitzt ganz klar seine Schwächen, aber diese können dem Sehgenuss kaum etwas anhaben und man hat es hier mit einem potenziellen Kultfilm zu tun. Die Story ist völlig simpel, aber herrlich kreativ und man hat hier einfach dermaßen viele Zutaten vermischt, dass die Atmosphäre kaum vielseitiger sein könnte. Das geht über Sci-Fi bis hin zu Fantasy und endet in einer albernen Komödie, die manchmal sehr kindlich-naiv wirkt. Mit dem Humor muss man sich arrangieren können, aber das ist einfach Geschmackssache. Auch sollte man auf altmodische Effekte stehen, aber sowieso schreit einfach alles an „Psycho Goreman“ nach retro. Das wurde handwerklich ordentlich gemacht, besitzt einen klasse Unterhaltungswert, gute Darsteller, wunderbare Effekte und ein paar echt gelungene Lacher. Zwar können einem manche Figuren etwas auf den Keks gehen und für mehr Gore wäre man bei dem Titel ebenfalls dankbar gewesen, doch alles in einem ist dieser Film köstlich und dass er mit viel Herz gemacht wurde, bemerkt man ebenfalls. Gerne eine Fortsetzung davon!
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Psycho Goreman“ ist ungeschnitten und überraschenderweise bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Psycho Goreman; Kanada 2020

Genre: Horror, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks

Extras: Audiokommentar des Regisseurs, Interview mit Steven Kostanski, Interviews mit Cast & Crew, Deleted Scene, Behind the Scenes, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2021 | Mediabook: 25.02.2021

 

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PSYCHO GOREMAN – Trailer

 
 



 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wes Craven’s Wishmaster (1997)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 
Masters of the Universe (1987)
 
Flash Gordon (1980)
 
Turbo Kid (2015)
 

Filmkritik: „Train to Busan“ (2016)

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TRAIN TO BUSAN

(BUSANHAENG)

Story

 
 
 
Der erfolgreichste, südkoreanische Film des Jahres 2016 zeigt, was geschieht, wenn in einem Hochgeschwindigkeitszug eine Zombie-Seuche ausbricht.

 
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Kritik

 
 
Horrorszenarien auf engerem Raum stattfinden zu lassen, ist eine beliebte Methode. So durften z.B. Zombies oder Schlangen schon ein Flugzeug unsicher machen. „Train to Busan“ besitzt ebenfalls eine solche Grundidee und überträgt eine drohende Zombie-Apokalypse auf den Schauplatz Zug. Da das Ganze mit reichlich Tempo und Action umgesetzt wurde, kann man sich hier ordentlich unterhalten lassen, wobei Mainstream-Werke wie „World War Z“ doch etwas mehr Substanz boten.
 
 
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Der Geschäftsmann Seok-woo hat sich von seiner Frau scheiden lassen und seine Tochter Su-an lebt bei ihm. An ihrem Geburtstag würde sie gerne ihre Mutter sehen, die in Busan lebt und es gelingt Su-an ihren Vater zu einer Zugreise dorthin zu überreden. Man hat sich nur leider den falschen Zeitpunkt für die Reise ausgesucht, denn in ganz Südkorea bricht gerade eine Zombie-Apokalypse aus. An sich wäre der Zug ein sicherer Ort, wenn sich dort nicht ebenfalls jemand infiziert hätte und weitere Reisende sich zu Zombies verwandeln. Die Story basiert eigentlich wirklich nur auf der Idee, dass man Zombies in einen Zug steckt. Mehr gibt die Handlung kaum her. Man hatte ein paar Ideen, die für etwas Dynamik sorgen (z.B. greifen die Zombies ihre Opfer im Dunkeln nicht an), doch im Großen und Ganzen ist das dennoch etwas zu wenig. Schade ist zudem, dass das Drehbuch keinerlei Gesellschaftskritik bietet und das Szenario reichlich simpel schildert. Hier wäre bestimmt mehr möglich gewesen, aber dafür überzeugt die handwerkliche Arbeit umso mehr.
 
 
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Regisseur Yeon Sang-ho drehte zuvor nur Animationsfilme (u.a. den Vorgänger zu „Train to Busan“ „Seoul Station) und inszenierte hiermit seinen ersten Realfilm. Dabei versteht er es sehr gut den begrenzten Schauplatz zu nutzen und obwohl der Zug die größte Kulisse darstellt, wird hier genügend Abwechslung geboten. Sang-ho dreht mächtig an der Spannungsschraube und so wird das Geschehen mit zunehmender Laufzeit immer packender, bis es zu einem wirklich starken Finale kommt. Die Laufzeit von fast zwei Stunden hätte man zwar etwas straffen können, doch im Endeffekt wird man von „Train to Busan“ prima unterhalten. So gibt es anfangs eine etwas ruhigere Einleitung, doch nach 20 Minuten tritt Sang-ho aufs Gas und geht von diesem dann auch nicht mehr oft herunter. Da hat man schon einige sehr spannende Momente kreiert und wenig Zombies kommen dabei nicht zum Einsatz. Diese können übrigens (wie das mittlerweile Trend ist) rennen und haben nichts mit den altmodischen Viechern zu tun. Ob man das mag oder nicht, ist reine Geschmackssache. Auf jeden Fall wird für ausreichend Blutvergießen gesorgt, wobei die Freigabe ab 16 Jahren dennoch gerechtfertigt ist, denn es gibt schon deutlich deftigere Zombie-Filme. Im Finale kommt der Gorehound trotzdem auf seine Kosten und die Effekte sehen allesamt gelungen aus.
 
 
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Was „Train to Busan“ definitiv noch etwas hochwertiger macht, ist seine Figurenzeichnung. Nicht selten verkommen die Charaktere in solchen Streifen zu plumpem und doofem Kanonenfutter, doch hier ist dem nicht so. Man hat zwar wenig Gelegenheit, den Figuren große Substanz zu verleihen, aber sie verändern sich mit dem gefährlichen Szenario und das wirkt insgesamt doch ziemlich authentisch. So ist Seok-woo anfangs eher ein eingebildeter, selbstsüchtiger Geschäftsmann, der hinterher bereit ist sich aufzuopfern. Diese Zeichnungen sorgen für Sympathien und so kann der Zuschauer viel besser mit den Charakteren mitfiebern. Das Schauspiel ist nebenbei ebenfalls ordentlich. Gong Yoo wirkt am Anfang etwas nichtssagend, wird dann hinterher aber deutlich besser und Kim Su-an geht als Kinderdarstellerin ebenfalls vollkommen klar. Alle anderen Darsteller erledigen ihre Aufgabe mindestens solide.
 
 
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TRAIN TO BUSAN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Train to Busan“ ist nicht der perfekte Zombie-Film geworden, für Fans solcher Werke aber dennoch völlig sehenswert. Die Handlung hätte ruhig etwas mehr Substanz haben dürfen, etwas bissiger verpackt werden dürfen und ein paar mehr Hintergründe wären ebenfalls nicht verkehrt gewesen. Außerdem ist die Laufzeit etwas zu hoch, was anfangs und zwischendurch für kleinere Längen sorgt. Immer wenn die Zombies zum Einsatz kommen, ist „Train to Busan“ allerdings reichlich spannend, was auch mit an der gelungenen Inszenierung liegt. Die Atmosphäre erfüllt ihren Zweck, die Darsteller sind gut und die Figurenzeichnung erscheint erfreulich menschlich. Das Finale ist ein echtes Highlight und ausreichend Splatter gibt es ebenfalls zu sehen. Sicher nicht frei von Schwächen, aber eine souveräne, actionreiche Erweiterung in der schier unendlichen Veröffentlichungsflut an Zombie-Streifen!
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Train to Busan“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

TRAIN TO BUSAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im KeepCase mit Bonusfilm Seoul Station)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im Mediabook mit Bonusfilm Seoul Station – auf 2000 Stück limitiert)

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(c) Splendid Film (Blu-ray im Steelbook mit Bonusfilm Seoul Station – auf 2000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Busanhaeng; Südkorea 2016

Genre: Horror, Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Koreanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 118 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: B-Roll (12:59 Min.), Press Screening Q&A (41:44 Min.), Original Trailer (1:38 Min.), Teaser #1 (0:37 Min.), Teaser #2 (0:32 Min.), Trailershow | zusätzlich im Mediabook: Blu-ray mit dem Film Seoul Station, 24-seitiges Booklet | zusätzlich im Steelbook: Blu-ray mit dem Film Seoul Station

Release-Termin: KeepCases: 24.02.2017 | Mediabook: 03.02.2017 | Steelbook: 30.06.2017

 

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TRAIN TO BUSAN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Peninsula (2020)
 
28 Weeks Later (2007)
 
World War Z (2013)
 

Filmkritik: „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ (2019)

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THE MORTUARY – JEDER TOD HAT EINE GESCHICHTE

(THE MORTUARY COLLECTION)

Story

 
 
 
Als die junge Sam (Caitlin Custer) an den Pforten des örtlichen Bestattungsinstitus klopft und neugierig nach Geschichten fragt, antwortet Montgomery Dark (Clancy Brown) mit abendfüllender Horrorunterhaltung.

 
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Kritik

 
 
Gefühlt die Hälfte aller modernen Horrorfilmreleases, oder zumindest derer, die ich hier bespreche, bestehen aus Anthologien durchwachsener, bis fragwürdiger Qualität. So fällt es den individuellen Produktionen immer schwieriger, in dem Sumpf des Durchschnitts aufzufallen – und das ausgerechnet in einem Horrorsubgenre, dessen starke Einzelbeiträge ohnehin schon Probleme haben herauszustechen, sind sie doch oft selbst zwischen belanglose Füllerepisoden gebettet. Positiv hervorzuhebende Kurzfilme also, die sich in abendfüllenden sowie sehenswerten Beiträgen statt auf Youtube finden, sind selten, werte Leser:innen, und doch schafft „The Mortuary Collection“ (in Deutschland unverständlicherweise in „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ umbenannt, obwohl mehr Deutsche „Collection“ als „Mortuary“ verstehen dürften, aber gut), von Horrorkurzfilmregisseur und Langfilmdebütant Ryan Spindell, es in seinen knapp zwei Stunden direkt mehrfach, genau solche zu liefern.
 
 
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Dass jede der Episoden des Films dabei vom selben Regisseur inszeniert wurde, steht der Produktion zu jedem Moment sehr gut, da alles wie eine homogene Horrormasse, ein genrebewusster Guss wirkt, statt wie der allzu gewohnte, tonal völlig verwirrte Flickenteppich internationaler Beiträge, die durch dünne Überleitungen zusammengehalten werden sollen. Das pompöse, treibende, klassische Spukhaus-Theme im Menü stimmt bestens ein; vor schwarzem Bildschirm fällt dann das Zitat „The world is not made of atoms, it is made of stories“, bevor der Titel des Films auf einem Buch steht, welches auf den Tisch fällt, die Kamera in das Buch fährt und eine, leider eher misslungen zu nennende, ruckelnde CGI-Fahrt startet. Das Zusammenspiel der modernen, malerischen Tracking Shots und Inszenierung im Kontrast zur gemächlichen, in Nostalgie schwelgenden Musik könnte hier bestens funktionieren, hätte man sich nicht für immer wieder die Immersion zerstörende, da kaum überzeugende Computeranimationen entschieden.
 
 
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Nach diesen ersten drei Minuten Opening Credits wird uns galant inszeniert, clever und nicht ohne Schrecken der von Schauspiellegende Clancy Brown gespielte Bestatter und Erzähler Montgomery Dark vorgestellt, ein älterer Hüne mit ausdrucksstarker Stimme, die zusammen mit seiner erhabenen Gestik und Mimik gar ein wenig an Christopher Lee erinnert. Leicht slapstickhafter Humor, der sich aber in würdevollen Grenzen hält und eher schwarzhumorig-lakonisch anmutet, kommt in diesen vorstellenden Minuten auch nicht zu kurz. Die alte Villa mit den prachtvoll verzierenden Glasmalereien, der ausufernden Bibliothek, den zahlreichen prunkvollen Gemälden und der höchst atmosphärischen, spärlichen Beleuchtung weiß von der ersten Minute an zu begeistern und verzaubern, wird sie uns doch liebevoll und mit angenehmen Pacing nähergebracht, ohne dass je der Fokus des Films verloren geht.
 

„Have you any experience in the mortuary arts?“

 
Und dieser liegt, man ahnt es kaum, auf den kurzen Geschichten von Montgomery, vier an der Zahl. Nachdem die sympathische junge Sam, gespielt von Seriendarstellerin Caitlin Custer, nämlich bei Monty aufkreuzt, um sich für einen Job zu melden, fragt sie ihn äußerst neugierig nach den zahlreichen morbiden Anekdoten und Todesfällen, die sich hinter den Leichen seiner täglichen Arbeit verstecken– und so beginnt nach äußerst gekonnt einstimmenden elf Minuten Laufzeit also die erste Geschichte.
 
 
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Und diese versteht sich dabei viel mehr als Appetizer, denn als vollwertige Story – wichtiger als die relativ belanglosen, wenn auch technisch recht ansprechenden fünf Minuten Cosmic Horror light mit sehr vorhersehbarem Verlauf und Augenzwinkern am Ende (5/10), ist hier nämlich Sams Reaktion auf die Geschichte, da sie diese selbst sofort abwertet und sich etwas mit „mehr Substanz“ erhofft; genau wie auch der Zuschauer. Nun macht es den Genuss der fünf Minuten selbst natürlich nicht besser, sehr wohl aber zeigt der Film hier bereits, wie er sich seines Genres und dessen Problemen voll und ganz bewusst ist und gelobt, die üblichen Anthologiekrankheiten zu vermeiden – ob dieses Vorhaben glückt?
 
 
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Der Dialog zwischen Monty und Sam treibt in wenigen Minuten erneut die Story voran und spricht ein zu oft genutztes Klischee direkt an, weiter geht es mit sexistischen, modelhaften Ultra-Chad- Studenten, die auf dem Campus Kondome verteilen und sich wie überdrehte, anstrengende Idioten verhalten. Jake, besagter durchtrainierter Protagonist, macht das hornbrillentragende, aber nicht unattraktive Mauerblümchen Sandra an,welche bissig und unerwartet hart flirtet. Eine letzte, charakterbildende Szene vor „dem Vorfall“ offenbart die männlichen Nebendarsteller dann leider erneut als etwas schwächer; gibt dem Protagonisten über sein stereotypes, unsympathisches Abziehbild hinaus aberetwas Charakter und Selbstreflektion, dann geht es auch schon auf eine Party und, nach etwas Foreshadowing wie etwa vermissen Highschooljungs, mit Sandra zusammen ins Bett…
 
 
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Was folgt, ist ein breites Grinsen für alle Genrefans die es satt sind, halbgare „Sex und Blut haha“ Kurzfilme oder unausgereifte „One Night Stand + was Schlimmes passiert“-Prämissen in ihren Horrorfilmen zu finden, denn diese moralische cautionary tale ist ein rund 25-minütiger Bodyhorrortrip, der ein sehr reales Problem auf garstige, schwarzhumorig-feministische Weise thematisiert und dabei vor nichts zurückschreckt. Es gibt eine quälend unlogische bzw. tonal nicht passende Szene und ja, der Einstieg kann auch ein wenig auf den Zeiger gehen – doch alles andere an dieser Episode ist Gold, ein großer Spaß. „THAT was a story!“ ruft Sam begeistert, und ich gehe glatt mit – was für eine wilde, konsequente Episode doch.(8[-]/10)
 
 
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Eine Dreiviertelstunde ist vergangen und die überzeugend getrickste Leiche einer jungen Frau birgt die nächste Geschichte, „Till Death do us part“. Ein wenig erschreckender Hochzeits- Alptraum als Einleitung; danach verbringen wir Zeit mit Wendell Owen, der sich tagtäglich um seine bettlägerige, schwerkranke Frau kümmert und daran zugrunde geht. Ein befreundeter Arzt macht ihm einen unmoralischen Vorschlag, doch auch dieser geht schief – fortan sorgen verzweifelte Maßnahmen für grausige Folgen.
 
 
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Die dritte Episode im Bunde macht es dem genreaffinen Zuschauer nicht leicht, denn auch wenn die Technik erneut überzeugt und das Schauspiel in Ordnung geht, so hat man viele Szenen oder Konflikte bereits so oder so ähnlich gesehen; das Finale der ganzen Chose zudem bereits im Trailer. Zwar gibt es einen wirklich bösen und blutigen Tod sowie ansprechende Effektarbeit in den künstlerischen letzten Minuten der Erzählung, doch weder die Kreativität, noch Konsequenz, noch der schwarze Humor sind hier so präsent wie im letzten Beitrag, oder der Rahmenhandlung. Mit der Kürze des Einstiegs vermutlich eine Wohltat, auf 20+ Minuten gestreckt aber recht ermüdend und schade um die Technik. (6/10)
 
 
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Aber eins muss man dem Film auch zu diesem Zeitpunkt noch lassen – er hat Mut zur Selbstkritik und weiß um die Subjektitivät des Zuschauers. „I kinda hated that story“ kommentiert Sam und entmantelt gekonnt den Kern dieser ganzen pseudoerzieherischen Lehrgeschichten, bevor sie den ersten Twist des gewitzten Scripts – und somit auch selber eine Geschichte – liefert. „The Babysitter Murders“ ist ein 2015 von Ryan Spindell unabhängig von diesem Projekt hier entstandener Meta-Slasher-Kurzfilm mit 80s-Flair und professioneller Inszenierung, statt DTVStyle mit Brüsten und Ketchupblut. Die ersten Minuten können dabei gekonnt in die Irre führen, da hier ein billiger 80s-Slasher als Film im Film (in der Erzählung in der Rahmenhandlung des eigentlichen Films) läuft, doch schnell blitzt das fast schon arrogant wirkende Selbstbewusstsein auf, mit dem hier ganz klar zwischen dieser Produktion und dem sonstigen Retrotrash differenziert wird und schürt auf bewundernswert rotzige Weise Erwartungen. Leisten kann sich dieser Zwanzigminüter das auf jeden Fall, da Spindell hier mit gerade einmal $60,000 einen überraschend actionreichen, spannenden und clever geschriebenen Home Invasion-Horror in die Welt gesetzt hat, der den Genrelook der Zeit gekonnt widerspiegelt, ohne sich auf der reinen Ästhetik auszuruhen und zudem eine der besten Parallelmontagen bietet, die ich in letzter Zeit so gesehen habe. Ein überinszenierter, zu moderner Kampf mit Zeitraffer und -lupe sowie blinkenden Lichtern fällt zwar etwas negativ auf, das Zusammenlaufen der verschiedenen Episoden, Plotlines und Theorien im bitterbösen Finale und Ende aber, entschädigt locker dafür. Ein weiterer Kracher, ausgewogener und gelungener als die Studentenepisode gar. (8[+]/10)
 
 
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Und somit leitet dieser sehr gut verdichtete Film auch direkt aus der finalen Episode zurück ins Finale vom Hier und Jetzt, denn das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen – und in der Tat, auch wenn ich den erneuten CGI-Overkill sowie das Design an sich nicht allzu sehr begrüßen kann, so wissen die stilvolle Inszenierung der Ruhe danach, die Geschichte an sich, sowie die erneute Bösartigkeit zum breiten Grinsen animieren.
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein gut abgerundeter, postmoderner und doch wohlig-altmodisch-atmosphärischer Episodengrusel/-horror, der zu überraschen und unterhalten weiß und der nicht unter dem Gewicht seiner Länge, oder der Inkonsistenz seiner Einzelbeiträge zu Grunde geht. Endlich mal wieder! Genau zwischen der 7 und 8, für Letztere fehlt nur der letzte Hauch Eigenständigkeit: 7/10.
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Fans gruseliger Horrorstreifen können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Capelight Pictures (4K UHD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Mortuary Collection; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 111 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: 14 spannende Hinter-den-Kulissen-Featurettes (ca. 112 Min.), Entfallene Szenen, Audiokommentar von Regisseur Ryan Spindell, Kinotrailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf 4K UHD, 24-seitiges Booklet

Release-Termin: Mediabook + BD-KeepCase: 26.02.2021

 

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THE MORTUARY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Creepshow (1982)
 
Trick ’r Treat (2007)
 
Die Todeskarten des Dr. Schreck (1965)
 

Filmkritik: „Zombie – Dawn of the Dead“ (1978)

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ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD

(DAWN OF THE DEAD)

Story

 
 
 
Der wahrscheinlich einflussreichste und kultigste Zombie-Film aller Zeiten führt vier Protagonisten in ein Kaufhaus, in welchem sie sich gegen die drohende Apokalypse verteidigen müssen.

 
 
 


 
 
 

DAWN OF THE DEAD – Kritik

 
 
Wohl niemand hat den Zombiefilm dermaßen geprägt, wie George A. Romero. Zwar wurden Zombies auch schon weit vor 1968 thematisiert, doch Romero verpackte bissige Gesellschaftskritik mit in den Horror und so wurde schon sein Erstling „Night of the Living Dead“ zu einem Kultstreifen, der bis heute nichts von seiner Atmosphäre eingebüßt hat. Es sollte ca. zehn Jahre dauern, bis Romero seinen Ruf als Meister der Zombies ausbaute. 1978 war es soweit und „Dawn of the Dead“ (in Deutschland schlicht mit „Zombie“ oder auch „Zombies im Kaufhaus“ betitelt) erblickte das Licht der Kinoleinwände. Dieses Mal in Farbe und mit deutlich mehr Aufwand. Romero hat hier schlichtweg DEN Klassiker des Zombiefilms gedreht und er löste damit eine regelrechte Welle von ähnlichen Werken (oftmals aus Italien) aus, die sich bis Mitte/Ende der 80er Jahre erfolgreich hielt. Es gibt an diesem Film eigentlich nichts auszusetzen, denn selbst kleinere Fehler können diesem Meisterwerk nichts anhaben.
 
 

 
 
In „Night of the Living Dead“ wurde das Übel mit den Zombies eingeleitet. Seitdem ist einige Zeit vergangen und „Dawn of the Dead“ steigt mitten in ein apokalyptisches Szenario ein. Stephen arbeitet als Verkehrsberichtserstatter und bekommt deshalb die Gelegenheit mit einem Hubschrauber abzuhauen. Seine Freundin Francine kommt mit, ebenso wie die beiden SWAT-Beamten Peter und Roger. Das gesamte Land wird von Zombies überfallen und die Vier suchen nach einem sicheren Ort. Sie finden ein ganzes Einkaufszentrum, in welchem es Verpflegung im Überfluss gibt. Nachdem man ein paar Zombies aus dem Weg geräumt hat, scheint es hier sicher zu sein, doch der Schein trügt.
 
 
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Romero verstand es wunderbar seine Horrorfilme mit reichlich Gesellschaftskritik zu füllen und es ist ihm wohl niemals mehr so genial gelungen, wie in „Dawn of the Dead“. Die Idee mit dem Einkaufszentrum ist einfach perfekt und lässt so viele Deutungen zu, dass es zwangsläufig anspruchsvoll wird. Wenn die Zombies nach ihrem Tod zu dem Ort zurückkehren, der ihnen wohl trotzdem in Erinnerung geblieben ist, wenn selbst die vier Protagonisten dem Kapitalismus frönen, dann besitzt das ein Niveau, welches man im Horrorfilm sonst eher vergeblich sucht. Das Drehbuch an sich ist natürlich ziemlich simpel, doch 1978 war das noch erlaubt, denn hier war der Zombiefilm noch längst nicht so ausgelutscht, wie heutzutage. Es sind die Ideen, die auch über 40 Jahre später noch faszinieren und deshalb gibt es an der Handlung absolut nichts auszusetzen.
 
 
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Ein weiterer Punkt, der „Dawn of the Dead“ so stark macht, ist selbstverständlich sein Splatter-Gehalt. Gleich am Anfang geht es schon mächtig zur Sache und im Finale fliegen die Gedärme regelrecht durch die Gegend. Mit Tom Savini (der auch eine kleine Rolle übernahm) hatte Romero einen der besten, wenn nicht den besten Effekte-Künstler zur Verfügung und der konnte sich hier so richtig austoben. Bei den Zombies muss man kleinere Abstriche machen, denn die sind manchmal einfach nur etwas angemalt. Allerdings muss man auch beachten, dass „Dawn of the Dead“ keineswegs eine Big-Budget-Produktion war. Dafür kann sich die handwerkliche Arbeit umso mehr sehen lassen und der handgemachte Splatter kann auch heute noch ein Strahlen ins Gesicht jedes Gorehounds zaubern.
 
 
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Einen Überblick über die verschiedenen Fassungen zu bewahren, ist nicht so leicht, denn es existieren zig Schnittversionen von „Dawn of the Dead“. In Deutschland wurde er damals natürlich beschlagnahmt (was mittlerweile zum Glück rückgängig gemacht wurde) und so gab es viele gekürzte Fassungen. Zusätzlich exisitiert die Long-Version, ein Romero- und ein Argento-Cut. In der längsten Fassung läuft der Film fast zweieinhalb Stunden, doch in Deutschland ist die gängigste Version wohl die zweistündige. Diese reicht auch aus, denn nicht jede kleine Handlungserweiterung ist notwendig.
 
 
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Neben allen bisherigen Glorifizierungen, muss man den saustarken Unterhaltungwert ebenfalls loben. Dieser kommt am ehesten zustande, weil der Aufbau so genial geraten ist. Ohne eine richtige Einleitung geht es sofort zur Sache und schon in der ersten Viertelstunde kommt es zu genügend Action. Im mittleren Teil wird es dann etwas ruhiger und hier kommt sogar eine richtige Feel-Good-Stimmung auf. Wenn die vier Protagonisten es sich im Einkaufszentrum gut gehen lassen, kann man das als Zuschauer bestens nachvollziehen und ist fast schon neidisch auf diese Situation. „Dawn of the Dead“ ist nicht einfach nur eine brutale Schlachtplatte geworden, er macht zeitweise auch einfach sehr viel Spaß und ist unerwartet locker. Natürlich ist die Gefahr keineswegs vorüber und so bahnt sich ein Finale an, welches wirklich alle Register zieht. Hier gibt es nochmals reichlich Splatter zu sehen und es kommt eine gute Portion Spannung auf. Egal ob nun 120 oder 140 Minuten – Der Unterhaltungswert ist perfekt. Keine Sekunde scheint überflüssig und dass einem der Film trotz seiner Kurzweiligkeit manchmal etwas lang vorkommt, sorgt nur für ein noch epischeres Gefühl.
 
 
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Bei den Darstellern braucht man nicht unbedingt nach Perfektion zu suchen, wobei trotzdem jeder sehr ordentlich spielt. Besonders David Emge besitzt ein paar Momente, die etwas holprig wirken, doch das stört niemals. Ken Foree sieht man sehr gerne zu und sein Mitwirken erbrachte ihm in Horrorkreisen hinterher einen gewissen Kultstatus. Auch Scott H. Reiniger besitzt eine ordentliche Ausstrahlung und Gaylen Ross macht das Quartett souverän voll. Alle anderen Darsteller besitzen nur kleinere Rollen und stehen nicht im Mittelpunkt, doch auch hier wurde viel Aufwand betrieben und man hat sehr große Massen an Statisten etc. versammelt. Dass „Dawn of the Dead“ überhaupt Spannung erzeugen kann, liegt selbstverständlich auch an einer gelungenen Figurenzeichnung. Die vier Hauptcharaktere sind nicht perfekt, besitzen ihre Ecken und Kanten, verhalten sich manchmal auch ein wenig dämlich, doch sie funktionieren als Menschen, sind sympathisch genug und man kann mit ihnen mitfiebern. Hier wurde nahezu alles richtig gemacht.
 
 
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Einen kleinen Extra-Absatz verdient zum Schluss noch der tolle Soundtrack der italienischen Progressive-Rock-Band Goblin, die schon so manch einen Film mit ihrer Musik verfeinert hat. Es ist also kein Wunder, dass oftmals auf den Soundtrack zurückgegriffen wird und die Musik oft zu hören ist. Die Melodien prägen sich sofort ein, wurden sogar für andere Zombiefilme später erneut verwendet und alleine wenn man diese Musik hört, ist das Feeling vom Film sofort wieder da. Und wenn dann noch das offene Ende folgt, kann man noch heute eine Gänsehaut bekommen.
 
 
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DAWN OF THE DEAD – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
So stark, wie bei „Dawn of the Dead“ war George A. Romero nie wieder. Zwar war auch „Night of the Living Dead“ sehr gut und die beiden Nachfolger „Day of the Dead“ und „Land of the Dead“ („Diary of the Dead“ und „Survival of the Dead“ werden hier bewusst verschwiegen) konnten ein tolles Niveau halten, aber hiermit hat Romero wirklich sein Meisterwerk erschaffen. Es fängt schon bei der genialen Handlung an, die beweist, dass man mit simplen Ideen ein perfektes Drehbuch schreiben kann. Weiter geht es mit einer tollen Inszenierung und einer handwerklich hervorragenden Arbeit, der man es überhaupt nicht anmerkt, dass das Budget nicht so groß war. Dann wären da natürlich die zahlreichen Effekte, die reichlich Splatter bieten, welcher auch heute noch toll aussieht. Dass der Film kleinere Macken, keine perfekten Darsteller und auch ein paar etwas dümmliche Verhaltensweisen der Figuren besitzt, macht ihn eigentlich nur noch sympathischer. Der Unterhaltunswert könnte höher nicht sein und der fabelhafte Soundtrack rundet das Ganze ideal ab. „Dawn of the Dead“ ist auch über 40 Jahre später noch ein actionreicher, spannender, aber auch amüsanter, lockerer und vor allen Dingen echt brutaler Zombiefilm, der seinen Kultstatus zurecht erlangt hat, eine unschlagbare Atmosphäre besitzt und wohl den besten Zombiefilm aller Zeiten darstellt!
 
 


 
 
 

DAWN OF THE DEAD – Zensur

 
 
 
„Zombie – Dawn of the Dead“ hatte in Deutschland eine bewegte Zensurvergangenheit. Der Film lief damals in einer leicht gekürzten Fassung in den deutschen Kinos, die auf dem Argento Cut beruhte. Letzterer wurde in allen europäischen Ländern veröffentlicht, während der sogenannte Romero Cut in englischsprachigen Ländern sowie Nord- und Südamerika herausgebracht wurde. Beide Fassung unterscheiden sich in Musik und Alternativszenen. Die erste deutsche VHS von Marketing Film war um fast 13 Minuten geschnitten und wurde 1983 indiziert. Es folgte eine Neuauflage von VPS, die zwar mehr Handlung enthielt aber in sämtlichen Gewaltszenen zensiert wurde. 1991 wurde die erste VHS von Marketing Film beschlagnahmt. Es folgten diverse Indizierungen und Beschlagnahmungen aller erdenklicher Fassungen und Veröffentlichungen, die in Deutschland und im Ausland herausgebracht wurden. Erst das Label Astro veröffentlichte „Zombie – Dawn of the Dead“ zum ersten mal im ungekürzten Argento Cut auf Laser Disk und VHS. Das Label Laser Paradise zog nach und brachte selbigen auf DVD heraus. Während der Klassiker in den letzten Jahren mehrfach ungeschnitten im deutschsprachigen Ausland auf DVD und Blu-ray ungeprüft veröffentlicht wurde, passierte im Januar 2019 in Deutschland ein Wunder. Dort wurde die Beschlagnahme von „Zombie – Dawn of the Dead“ nach 28 Jahren aufgehoben. Es folgte Index- und Listenstreichungen diverser Fassungen. Ende Mai 2019 wurde der Argento Cut neu von der FSK geprüft und mit „Keine Jugendfreigabe“ bewertet. Demzufolge dürfen die „Zombies im kaufhaus“ nun auch zum ersten mal auch dort ungeschnitten verkauft werden. Das nahm das Label Koch Film zum Anlass, um „Zombie“ erstmalig auf Blu-ray zu releasen. Hierzu hat der Käufer die Qual der Wahl zwischen vielen tollen Veröffentlichungen mit massig an Bonusmaterial!
 
 
 


 
 
 

DAWN OF THE DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (1 UHD + 2 Blu-rays im Mediabook – Cover A)

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(c) Koch Films (1 UHD + 2 Blu-rays im Mediabook – Cover B)

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(c) Koch Films (1 UHD + 3 Blu-rays in der Retro-Edition – Cover B)

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(c) Koch Films (1 UHD + 3 Blu-rays in der Retro-Edition – Cover B)

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(c) Koch Films (1 UHD + 6 Blu-rays + 1 CD in der Limited Special Edition)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dawn of the Dead; Italien | USA 1978

Genre: Thriller, Horror, Drama, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 119 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover, Mediabook, VHS-Verpackung, Sammlerbox

Extra – KeepCase: Unzensierte Argento-Fassung auf Blu-ray, Audiokommentar von Komponist Claudio Simonetti (Englisch, Optionale Deutsche Untertitel), Englische Trailer, Deutsche Trailer, TV-Spots, Trailer Europäische Fassung, Radio Spots

Extras – Mediabook: Unzensierte Argento-Fassung auf Blu-ray, Audiokommentar von Komponist Claudio Simonetti (Englisch, Optionale Deutsche Untertitel), Englische Trailer, Deutsche Trailer, TV-Spots, Trailer Europäische Fassung, Radio Spots 18-seitiges Booklet mit einem Text von Peter Osteried, Interview mit Regisseur George A. Romero, Interview mit Produzent Dario Argento, Interview mit Make-Up-Artist Tom Savini, Interview mit Stuntman Taso Stavrakis, Interview mit Filmemacher Nicolas Winding Refn, Bela B. trifft George Romero, Über die italienische Fassung, Bildergalerie, 4K-UHD-Fassung des Argento Cuts

Extras – VHS Retro Edition:Unzensierte Argento-Fassung auf Blu-ray, Audiokommentar von Komponist Claudio Simonetti (Englisch, Optionale Deutsche Untertitel), Englische Trailer, Deutsche Trailer, TV-Spots, Trailer Europäische Fassung, Radio Spots, Interview mit Regisseur George A. Romero, Interview mit Produzent Dario Argento, Interview mit Make-Up-Artist Tom Savini, Interview mit Stuntman Taso Stavrakis, Interview mit Filmemacher Nicolas Winding Refn, Bela B. trifft George Romero, Über die italienische Fassung, Bildergalerie, 4K-UHD-Fassung des Argento Cuts, Jörg Buttgereit und Kai Nowak über „Zombie“ in Deutschland, Biennale 2016 Pressekonferenz, Biennale 2016 Einführung, Deutscher TV-Beitrag über die Dreharbeiten, Home Videos mit Kommentar von Robert Langer, Home Videos mit Kommentar von Ralph Langer, Monroville Mall Tour, Super-8-Fassung

Extras – Special Limited Edition: Edler Schuber mit Titel in Heißfolienprägung und Spotlackierung, 28-seitiges Booklet in DINA4, Nachdruck des Deutschen Pressehefts in DINA4, 2 einseitig bedruckte Filmplakate (89×59 cm), 6 hochglanz Art-Cards (32×32 cm), Unzensierte Argento-Fassung auf Blu-ray, Audiokommentar von Komponist Claudio Simonetti (Englisch, Optionale Deutsche Untertitel), Englische Trailer, Deutsche Trailer, TV-Spots, Trailer Europäische Fassung, Radio Spots, 4K-UHD-Fassung des Argento Cuts, Vollbild Argento-Fassung in HD, US-Kinofassung in HD (Romero Cut), Extended Cannes-Fassung in HD, Interview mit Regisseur George A. Romero, Interview mit Produzent Dario Argento, Interview mit Make-Up-Artist Tom Savini, Interview mit Stuntman Taso Stavrakis, Interview mit Filmemacher Nicolas Winding Refn, Bela B. trifft George Romero, Über die italienische Fassung, Bildergalerie, Jörg Buttgereit und Kai Nowak über „Zombie“ in Deutschland, Biennale 2016 Pressekonferenz, Biennale 2016 Einführung, Deutscher TV-Beitrag über die Dreharbeiten, Home Videos mit Kommentar von Robert Langer, Home Videos mit Kommentar von Ralph Langer, Monroville Mall Tour, Super-8-Fassung, Soundtrack-CD

Release-Termin: KeepCase | Mediabooks | Retro-VHS-Edition | Limitied Special Edition: 17.12.2020

 

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DAWN OF THE DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Nacht der lebenden Toten (1968)
 
Zombie 2 – Day of the Dead (1985)
 
Land of the Dead (2005)
 
Diary of the Dead (2007)
 
Survival of the Dead (2009)
 

Filmkritik „Wrong Turn“ (2021)

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WRONG TURN

(WRONG TURN: THE FOUNDATION)

Story

 
 
 

Eine Gruppe junger Wanderer kommt am Appalachen-Trail vom rechten Weg ab und zahlt dafür mit dem Tod.

 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Kritik

 
 
 
Jedes Horrorfilm-Franchise hat seine Antihelden. NIGHTMARE ON ELM STREET hat Kultkiller Freddy, FREITAG DER 13. lässt Hockeymasken-Mörder Jason auf Teenager los und TEXAS CHAINSAW MASSACRE wäre ohne den kettensägenschwingenden Leatherface nur halb so beliebt. Was aber, wenn man aus diesen Filmreihen das streicht, was sie berüchtigt gemacht hat. Genau dieses Experiment ist man bereits in den 1980ern mit HALLOWEEN III und der Serie FREDDY’S NIGHTMARES eingegangen. Dort entfernte man die Horrorikonen Michael Myers und Freddy Krueger. Das Ergebnis war wenig überraschend. Erwähnte Produktionen kamen beim Publikum gar nicht gut an. Berechtigte Kritik, die nun offenbar auch CONSTANTIN FILM mit seiner Endlos-Reihe WRONG TURN riskieren möchte. Im Jahr 2018 wurde nämlich bekannt, dass man dem Franchise neues Leben mit einem Reboot einverleiben wollte. Ein nur allzu berechtigtes Vorhaben machten sich die letzten Ableger der WRONG TURN-Reihe weniger durch Ideen und Qualität einen Namen als vielmehr mit Gewalt, schlechten Effekten und Zensurproblemen.
 
 
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Ein Neustart war demzufolge unausweichlich. Nun steht dieser an, kommt ins Kino und spult vertraute Abläufe ab. Alles beginnt mit einem aufgewühlten Vater (MATTHEW MODINE aus 47 METERS DOWN). Der macht sich auf die Suche nach Tochter Jen (CHARLOTTE VEGA), die sich seit Wochen nicht meldet. Die Sorgen sind groß, kann die New Yorkerin nicht mehr erreicht werden. Das Telefon ist aus und auch sonst herrscht Funkstille. Ob da etwas passiert ist? Ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Die junge Frau hatte sich nämlich mit einigen Freunden auf den Weg zum Appalachian Trail gemacht. Dort wollte man etwas Wandern und die Natur erkunden. Eine spannende Reise, die aber bald in Horror umschlägt – wie Rückblenden erklären. Trotz Warnungen von Einheimischen hält man sich nicht an Wegmarkierungen. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Man stapft in sonderbare Fallen und bekommt es mit der Angst zu tun. Als man wieder klare Gedanken fassen kann, befindet man sich in den Fängen einer ominösen Gemeinschaft. Die ist nicht gut auf neugierige Wanderer zu sprechen, welche fernab der üblichen Waldwege herumschnüffeln.
 
 
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Alles auf null und doch ganz anders. Der WRONG TURN-Neuanfang ist eine Sache, die bei eingefleischten Fans der Filmreihe so gar nicht auf Begeisterung stoßen wird. Das Problem: die Erwartungshaltung. Was in diesem Reboot fehlt, sind nämlich die deformierten Hinterwäldler, welche in der Original-Serie für Angst und Schrecken gesorgt haben. Diese wurden entfernt und durch eine mysteriöse Gemeinschaft von Bergbewohnern ersetzt, die seit Mitte des 19. Jahrhundert im Osten der Vereinigten Staaten autark leben und alles daran tun, damit man deren verborgenes Dorf nicht findet. Klingt natürlich weitaus langweiliger, als entstellte Kannibalen, die niederen Instinkten frönen. Aber wir geben Entwarnung. Das Quasi-Remake von WRONG TURN ist ganz ordentlich, orientiert sich in der Machart an den Sekten-Thriller MIDSOMMAR und lässt sogar Fans des blutigen Handwerks nicht unbefriedigt zurück. Subtile Gesellschaftskritik gibt es übrigens gratis dazu.
 
 
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Mehr Thrill statt Horror lautet die Devise. WRONG TURN von 2021 ist in erster Linie ein Survival-Thriller und will mit Backwood-Horror so gar nichts mehr zu tun haben. Eine weise Entscheidung von Drehbuchautor ALAN B. MCELROY, auf dessen Kappe bereits das Drehbuch zum Original von 2003 geht. Der hat hier eine weitaus erwachsenere Geschichte zu Papier gebracht, die von MIKE P. NELSON inszeniert wurde. Letzterer hat offenbar Blut im Horror-Genre geleckt. Zuletzt führte er Regie beim Endzeit-Horror THE DOMESTICS und bewies eindrucksvoll, dass er sich gut mit Spannung und Überlebenskämpfen auskennt. Gute Voraussetzungen, um WRONG TURN zu alten Qualitäten zurückzuführen. Was da nämlich in den letzten Teilen zugemutet wurde, war keine Sternstunde des Horrorkinos.
 
 
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So teilt sich das Reboot in zwei Handlungsstränge auf und hetzt seine Helden sprichwörtlich in ein ungewisses Abenteuer. Während der eine vom sorgenden Vater Scott erzählt, der sich auf die Suche nach der verschollenen Tochter begibt, berichtet die andere von jungen Leuten, die durch eine Reihe von Umständen in den eigenen Tod schlittern. Das mag zwar alles etwas konstruiert anmuten, wird aber von Regisseur MIKE P. NELSON derart rasant zum Ende geführt, dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. Erst im Finale kreuzen sich beide Handlungsstränge und laufen ineinander. Adrenalin-Horror hat nie besser funktioniert.

 
 


 
 
 

WRONG TURN – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Weg vom Splatter-Nonsens hin zum Spannungskino. Das Remake, Reboot oder wie man auch immer die Neuauflage bezeichnen möchte, hat mit der vertrauten Reihe kaum noch etwas gemein. Die beliebten Bösewichte hat man aus dem Drehbuch radiert und der Gewaltpegel wurde nach unten geschraubt. Ein gewagtes Unterfangen, das dennoch sehenswert ist. WRONG TURN von 2021 hat eine toughe Heldin, hervorragende Darsteller und eine ordentliche Portion Spannung. Hinzukommt, dass er technisch endlich mal wieder Kinoqualität erreicht und auch noch gut getrickste Spezialeffekte in petto hat. Da sieht man gern über die Tatsache hinweg, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn man den Schocker unter anderem Titel vermarktet hätte. So muss sich der Film missgünstigen Vergleichen eingefleischter Fans der Originalreihe stellen, die jetzt schon – gelinde gesagt – unfair sind. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass sich jeder Zuschauer am Ende die Frage stellen wird, wie man diesen WRONG TURN fortsetzen könnte. Viele Optionen werden nicht gegeben. Wir meinen aber, dass man vermutlich Wege finden wird, um einen Spagat zu den Bösewichten der Originalserie zu ziehen. Dazu ist das Fan-Echo einfach zu wichtig für CONSTANTIN FILM – schließlich will das Filmunternehmen in Zukunft weiter diese lukrative Kuh melken.
 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Zensur

 
 
 
Das Remake / Reboot von WRONG TURN hat in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Filmfassung ist ungeschnitten. Es werden zermatschte Köpfe gezeigt, eine Figur fällt in eine Falle mit Holzpfählen und Augen werden auch noch mit einem heißen Eisen ausgebrannt. Weiterhin gibt es Messereinstiche und Pfeilwunden zu sehen. Demzufolge ist die hohe Freigabe gerechtfertig. Wer aber ein Splatterfeuerwerk und sadistische Morde erwartet, wird enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CONSTANTIN FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Midsommar (2019)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 
Kinder des Zorns (1984)
 

Filmkritik: „Schlaf“ (2020)

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SCHLAF

Story

 
 
 

Nachdem Marlene den Ort ihrer Albträume aufgesucht hat und in einen komatösen Zustand verfällt, versucht ihre Tochter den Geheimnissen der Träume auf die Spur zu kommen.

 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Kritik

 
 
 
Wieder mal hat sich ein deutscher Regisseur am Genrefilm probiert und Skepsis ist da von vornherein angebracht, denn gute Horrorfilme aus unserem Lande gibt es einfach nicht sonderlich viele. „Schlaf“ hingegen schafft es seine Vorbilder zu kopieren und nebenbei dennoch eine Eigenständigkeit hervor zu zaubern, weshalb hier nicht ganz zu Unrecht vom besten, deutschen Genrefilm des Jahres gesprochen wird.
 
 
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Marlene geht es psychisch schon lange nicht mehr gut. Sie leidet an Albträumen, die oftmals mit der Wirklichkeit verschwimmen. Eines Tages findet sie ein Hotel, welches das aus ihren Träumen zu sein scheint und besucht es auch prompt. Ein Krankenhausaufenthalt und ein komatöser Zustand sind die Folgen. Ihre Tochter Mona besucht daraufhin ebenfalls das Hotel und versucht herauszufinden, was es mit dem Zustand ihrer Mutter auf sich hat. Dabei verschwimmen Realität und Traum immer mehr, bis sich selbst Mona nicht mehr sicher ist, bei klarem Verstand zu sein. Welche Vorbilder das Drehbuch hatte, ist nicht sonderlich schwer zu erkennen. Gerade durch die verschiedenen Traumebenen und die Verschmelzung zwischen Fiktion und Realität, spürt man hier immer einen David Lynch. Doch auch „Shining“ blitzt gerade durch den Schauplatz des Hotels immer mal wieder durch. Wenn da alte Bilder im Hotel zu sehen sind, fühlt man sich sofort an Stephen King erinnert. Daneben gelingt es der Story jedoch auch einen eigenen Weg zu gehen. Die Ideen sind solide, teilweise sogar schön bizarr und es bleibt stets interessant. Natürlich muss auch eine Auflösung daher und diese enttäuscht nicht, kann allerdings nicht so sehr begeistern, wie das Mysterium zuvor.
 
 
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Allgemein beginnt „Schlaf“ mit einer tollen, ersten Hälfte. Obwohl der Film ziemlich ruhig ist, setzt man von Anfang an auf ein hohes Tempo, was die Handlung betrifft und so dauert es nicht lange, bis der Horror sich langsam entfalten kann. Der Aufbau ist gelungen und die Atmosphäre, die sich hier entwickelt, kann sich sehen bzw. spüren lassen. Da gibt es ein paar herrlich skurrile Szenen zu bewundern und die Traumsequenzen hat man ebenfalls toll gestaltet. Highlight ist hier sicherlich eine erotisch wirkende und dennoch verstörende, eigentlich recht simpel gemachte Szene, die ihre Wirkung aber vollkommen erreicht. Das ist vor allen Dingen deshalb ziemlich beeindruckend, weil Regisseur Michael Venus, der übrigens auch am Drehbuch beteiligt war, mit „Schlaf“ sein Langfilmdebüt gab. Allerdings muss man auch sagen, dass er durch Fördergelder den Luxus hatte, ca. 1,4 Millionen Euro Budget zu erlangen. Das kann längst nicht jeder Debüt-Regisseur von sich behaupten. Schön, dass Herr Venus etwas daraus gemacht hat. Das Hotel als Schauplatz ist große Klasse und allgemein gibt es starke Bilder zu sehen. Die handwerkliche Arbeit braucht sich definitiv kaum hinter genannten Vorbildern zu verstecken.
 
 
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Die zweite Hälfte kann dieses Niveau nicht ganz halten und wird manchmal etwas zu wirr. Umso mehr man dem Geheimnis auf die Schliche kommt, desto mehr verliert „Schlaf“ leider auch an Reiz. Das Finale ist dann nicht mehr besonders spannend und wirkt zudem seltsam unglaubwürdig. Das ist etwas schade, zieht das Gesamtwerk aber zum Glück nicht zu sehr herunter, denn dafür wird man über 100 Minuten Laufzeit dann doch zu gut unterhalten. Außerdem kann sich der Film auf seine ordentlichen Darsteller verlassen. Gro Swantje Kohlhof machte ihre Sache ausgezeichnet und besitzt ein paar Szenen, die sicher nicht leicht zu spielen waren. Daneben weiß August Schmölzer vollkommen zu überzeugen und alle anderen enttäuschen ebenfalls nicht. Die Figurenzeichnung wurde schön rätselhaft gestaltet, ohne dabei jedoch zu plakativ zu wirken und nebenbei darf auch der Score manchmal gelungen zur Atmosphäre beitragen. Nur Blut sollte man hier nicht viel erwarten, denn darauf legt es dieser Film absolut nicht an.
 
 
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SCHLAF – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
„Schlaf“ beweist, dass deutsches Genrekino doch etwas taugen kann. Stilistisch wandelt man auf Pfaden eines David Lynch, ist aber trotzdem eigenständig genug. Während die Schauplätze schon ein echter Star sind, können auch die Darsteller vollkommen überzeugen und die handwerkliche Arbeit kann sich definitiv sehen lassen. Das besitzt eine starke, erste Hälfte und flacht hinterher leider etwas ab, was dann eine höhere Wertung verhindert. Wer jedoch Lust auf einen deutschen Mysterythriller/Horrorfilm hat, nach dem man sich nicht denkt, dass die Deutschen es nicht können, sollte „Schlaf“ nicht verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Zensur

 
 
 
„Schlaf“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese Freigabe ist auch gerechtfertigt. Der Film startet am 29.10.2020 bundesweit in den Kinos.
 
 
 


 
 
 

SCHLAF – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Junafilm | Salzgeber & Co. Medien GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shining (1980)
 
Mulholland Drive – Straße der Finsternis (2001)
 
Inception (2010)
 
Lost Highway (1997)
 

Filmkritik: „For the Sake of Vicious“ (2020)

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FOR THE SAKE OF VICIOUS

Story

 
 
 

Eine Krankenschwester, ein Verrückter und ein gefolterter Mann müssen sich in „For the Sake of Vicious“ gegen eine Horde irrer Killer verteidigen.

 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Kritik

 
 
 
Der Home-Invasion-Thriller erfreut sich gerade im Low-Budget-Bereich immer wieder großer Beliebtheit, was nicht verwunderlich ist, da man hier mit recht simplen Mitteln viel erreichen kann. So geschieht es auch in „For the Sake of Vicious“, der einen hammerharten Beitrag garantiert und Freunde des blutigen Filmes sicher nicht enttäuschen wird.
 
 
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Romina kommt an Halloween von ihrer Schicht nach Hause und findet dort einen Verrückten mit seinem Opfer vor. Chris ist sich sicher, dass der ominöse Geschäftsmann Alan seine Tochter vergewaltigt hat und durch ein paar Zufälle, konnte er ihn in Rominas Haus stellen. Zunächst wissen alle drei Parteien nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen, doch als das Haus dann auch noch von Killern gestürmt wird, bahnt sich ein Kampf um Leben und Tod an.
 
 
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Im Grunde genommen, ist diese Handlung sehr simpel, sie wird jedoch verschachtelt genug erzählt, um Interesse zu erzeugen. „For the Sake of Vicious“ macht sich einen Spaß daraus, den Zuschauer lange nicht genau wissen zu lassen, wer hier denn eigentlich im Recht ist und was dort überhaupt vor sich geht. Der Aufbau ist sehr gelungen und erzeugt Spannung. Viel erklärt, wird auch hinterher nicht, aber das sorgt dafür, dass hier nichts zu vorhersehbar ist. Einziger Wermutstropfen am Drehbuch ist, dass es nicht unbedingt logisch zur Sache geht. Die Killer stürmen das Haus nur in Wellen, was zwar für den Blutgehalt zweckdienlich ist, aber nicht glaubwürdig wirkt. Außerdem halten die wichtigsten Charaktere enorm viel aus. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau und wer beim Realismus ein paar Abstriche machen kann, bekommt eine gelungene Handlung serviert.
 
 
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Mit Gabriel Carrer und Reese Eveneshen besitzt der Film gleich zwei Regisseure, die schon einige Erfahrung sammeln konnten und hier wunderbar zusammenarbeiten. Es gibt ein paar herrlich stylishe Bilder zu sehen, die von dem elektronischen Soundtrack ideal ergänzt werden. Die Lautsprecher sollte man jedenfalls schön aufdrehen, denn der Sound macht echt etwas her. Die handwerkliche Arbeit ist rundum gelungen. Zwar muss man es mögen, wenn es desöfteren Mal hektische Schnitte zu sehen gibt, aber bei „For the Sake of Vicious“ wirkt das gut genug gemacht, um nicht zu unübersichtlich zu werden. Daneben können sich auch die drei Hauptdarsteller sehen lassen. Lora Burke macht ihre Sache glaubwürdig und Nick Smyth mutiert hinterher zu einer Art John Wick, was er ebenfalls ordentlich verkauft. Auch das Spiel von Colin Paradine ist alles andere als schlecht. Dass sich das Treiben an Halloween abspielt, bekommt man zwar selten so richtig mit, aber diese Tatsache stellt das i-Tüpfelchen der Atmosphäre dar. Diese gibt sich völlig humorfrei und ist enorm düster, was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut.
 
 
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Dabei hält sich die erste Hälfte noch ziemlich zurück. Hier kann man schon fast von einer Art Kammerspiel reden. Dass es nicht langweilig wird, liegt daran, dass man die Charaktere noch nicht richtig durchschauen kann und nicht weiß, auf wessen Seite man eigentlich sein soll. Ziemlich genau zur Halbzeit wechselt das Geschehen dann zum blutigen Home-Invasion-Thriller und bietet fast Nonstop-Action, die reichlich brutal ausgefallen ist. Da wird ein Hammer ins Auge gerammt, Messer kommen oft zum Einsatz und Schädel werden regelrecht zertrümmert. Die Gewalt tut manchmal schon richtig weh und dass die Effekte nebenbei von Hand gemacht sind, wird den Gorehound ebenfalls erfreuen. Bei einer Laufzeit von gerade mal 80 Minuten (mit Abspann) kann sich „For the Sake of Vicious“ das hohe Tempo hinterher durchaus leisten und der Film ist wirklich sehr kurzweilig. Da nebenbei genügend Action und Spannung vorhanden sind, verfliegt diese Laufzeit sehr schnell.
 
 
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FOR THE SAKE OF VICIOUS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„For the Sake of Vicious“ ist ein knüppelharter Home-Invasion-Thriller, der nichts für Zartbesaitete ist. Nach einer etwas ruhigeren, ersten Hälfte geht es reichlich brachial zur Sache. Die Story ist an sich nichts Besonderes, wird aber originell genug erzählt, um nicht zu langweilen und die handwerkliche Arbeit kann sich sehen lassen. Hinzu gesellen sich ordentliche Darstellerleistungen und der tolle Score rundet das Geschehen ideal ab. Lediglich auf Realismus sollte man keinen zu großen Wert legen. Spannend, kurzweilig und temporeich. Für Freunde der härteren Gangart absolut zu empfehlen!
 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Zensur

 
 
 
„For the Sake of Vicious“ ist brutal! Hier wird ein Hammer ins Auge gestoßen, Schädel werden zertrümmert und das Messer darf sich austoben. Zudem kommt der Film mit sehr ernster Atmosphäre daher. Fraglich, ob es der Home-Invasion-Schocker überhaupt in Deutschland unbeschadet durch die FSK schaffen wird.
 
 
 


 
 
 

FOR THE SAKE OF VICIOUS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Raven Banner Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Motorrad – The Last Ride (2017)
 
Hate Crime (2013)
 
Kidnapped (2010)
 
Trauma – Das Böse verlangt Loyalität (2017)
 
Deadly Home (2015)
 
The Blood Lands – Grenzenlose Furcht (2014)
 

Filmkritik: „Rent-A-Pal“ (2020)

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RENT-A-PAL

Story

 
 
 

Seltsame Freundschaft und beunruhigende Liebesgeschichte. Ein Einzelgänger bekommt eine Videokassette in die Hände, auf der ein Moderator zu sehen ist, welcher schnell das Vertrauen seines neugierigen Gegenübers gewinnt und für eigene Zwecke missbraucht.

 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Kritik

 
 
 
Das Besondere an Horrorfilmen ist, dass fantasiebegabte Drehbuchautoren die Möglichkeit haben jede noch so belanglose Situation auszunutzen, um darum Albträume zu weben. Da können Duschvorhänge – wie in CURTAIN – schon mal schlaflose Nächte bereiten, weil die immer wieder von Geisterhand verschwinden. Aber auch ein schlichtes Loch in der Wand wurde schon als Aufzieher verwendet, um eine schaurige Geschichte zu erzählen, die sich ins Gedächtnis gebrannt hat – DEEP DARK lässt grüßen. Den Möglichkeiten für Angstmacherei sind kaum Grenzen gesetzt. Treu der Devise „je sonderbarer, umso genialer“ wurden sogar schon Sitzmöbel (KILLER SOFA), Reifen (RUBBER) und Nahrungsmittel (ANGRIFF DER KILLERTOMATEN) dafür verwendet, um Zuschauern Schrecken einzujagen. Die Liste absurder Horrorszenarien ist lang. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist da noch lange nicht die Spitze des Eisbergs.
 
 
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Der spielt in den 1990ern, beginnt ganz unscheinbar und erzählt vom traurigen Leben des Einzelgängers David (BRIN LANDIS FOLKINS aus SLASHED – AUFGESCHLITZT). Der lebt zurückgezogen mit der an Alzheimer erkrankten Mutter in einer Wohnung und kümmert sich liebevoll um das Familienmitglied. Leider verlangt die Pflege so einiges von unserem Helden ab. Der muss auf Privatleben verzichten, weil er dafür schlichtweg keine Zeit mehr hat. Dennoch sehnt es ihn nach Geborgenheit. Deshalb hat sich David bei einer Video-Dating-Firma angemeldet. Die dreht Kontaktanzeigen, spielt diese auf Videokassette und vermittelt so unter den Suchenden untereinander. Leider hat David damit gar kein Glück. Keine Frau will sich auf seine Videoannonce melden. Bis ihm ein mysteriöses Videoband namens „Rent-A-Pal“ in die Hände kommt. Darauf sind zwar keine Kontaktanzeigen interessierter Damen zu sehen. Dafür wirbt aber der charismatischer Andy (WIL WHEATON) für genau das, was der einsame David sucht: Freundschaft, Verständnis und Zugehörigkeit. Bei so verheißungsvollen Botschaften kommt es unserem Helden gar nicht seltsam vor, dass das Videoband offenbar ein Eigenleben führt. Für jede Frage hat Andy nämlich eine Antwort. Für jedes Problem die passende Lösung. So entwickelt sich eine skurrile Männerfreundschaft, die im wahrsten Sinnes des Wortes bald keine Grenzen mehr kennt.
 
 
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Kennt Ihr noch WIL WHEATON? Wem der Namen gar kein Begriff ist, dürfte den Schauspieler dennoch schon einmal auf der Mattscheibe gehabt haben. Hierbei handelt es sich um einen der Freunde im King-Drama STAND BY ME. Mittlerweile ist der Kinderdarsteller erwachsen geworden und hat die Seiten gewechselt. Aus Gut wurde Böse und hinter treu blickenden Rehaugen verbirgt sich schon mal das personifizierte Böse – wie RENT-A-PAL beweist. Hier hält der Filmfan den wohl sonderbarsten Horrorstreifen des Jahres 2020 in den Händen, der auch gleich einen der ungewöhnlichsten Schurken innerhalb des Horror-Genres mitbringt. Statt messerschwingende und maskierte Irre auf das Publikum loszulassen, geht es Regisseur JON STEVENSON weitaus psychologischer an. Sein Killer ist ungewöhnlich anders und tötet gar nicht selbst. Statt Killer aus Fleisch und Blut zur Tat schreiten zu lassen, stiftet ein Videoband zum Mord an, indem es manipuliert. Darauf zu sehen: ein Moderator der mit vertrauenswürdigen Floskeln das Gehirn seines Zuschauers wäscht. Eine makabre wie kontroverse Prämisse – vor allem auch deshalb, weil der Film auf erschreckende Weise zeigt, was Menschen tolerieren, um geliebt zu werden. Liebe macht eben bekanntlich blind.
 
 
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Filmemacher JON STEVENSON thematisiert in seinem Film die ausweglose Suche nach Liebe, Zugehörigkeit und Verständnis in einer anonymen Welt, wo es immer schwieriger wird, Freundschaften zu pflegen und Partner zu finden. RENT-A-PAL zeigt hierbei wie schnell sich Suchende vom rechten Weg locken lassen, in dem sie gutgläubig und blind dem verzweifelten Ruf der Liebe folgen, ohne zu hinterfragen, ob das Gegenüber ernsthafte Absichten hegt oder nicht. Geht es nach Stevenson haben moderne Gesellschaften sogar verlernt, Kontakte auf herkömmlichem Wege zu knüpfen und gesundes Misstrauen zu entwickeln. Eine kranke Entwicklung, die in RENT-A-PAL beinahe schon zynisch auf die Spitze getrieben wird. Demzufolge findet es Held David im Filmverlauf gar nicht so ungewöhnlich mit einem Videoband zu sprechen. Statt das Herz für interessierte Frauen zu öffnen und raus in die Welt zu gehen, verkriecht er sich stattdessen in seinem Zimmer und knüpft dort Bande mit einer anonymen und nicht greifbaren Person. Die heuchelt auf einem Videoband Freundschaft vor und macht das Gegenüber emotional gefügig. Das mag zwar alles auf den ersten Blick gaga, grotesk und surreal wirken. Dennoch ist Thematik hinter dem Genre-Film gar nicht weit hergeholt. Zieht man nämlich Parallelen zum heutigen Zeitgeschehen, könnte die Geschichte hinter RENT-A-PAL gar nicht aktueller sein.
 
 
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Die Digitalisierung hat es möglich gemacht, dass es einerseits zwar leichter geworden ist, mit Mitmenschen in Kontakt zu treten. Dennoch heißt das nicht zwangsläufig, dass es im Internet leichter ist die Liebe des Lebens oder gar echte Freunde zu finden. Dennoch wird zu schnell und leichtsinnig dem Unbekannten vertraut. So tummeln sich zwar auf Social Media Plattformen, Dating-Portalen oder Partner-Börsen kontaktfreudige Menschen, die Gleichgesinnte suchen. Leichter wird dort die Suche nach Mitgliedern mit ernstzunehmenden Absichten nicht zwangsläufig. Hinter anonymen Profilen tummeln sich gern auch zwielichte Gestalten, die alles andere – nur nicht ernstzunehmende Absichten suchen. Ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle, Stalker und Abzocker, die die Gutgläubigkeit des Gegenübers ausnutzen und Zuneigung vortäuschen. Brisanter Stoff, der schon einige Male im Horror-Genre behandelt wurde. Filme wie UNKNOWN USER und THE DEN sollten an dieser Stelle Erwähnung finden.
 
 
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RENT-A-PAL – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Die wohl krankeste aber auch traurigste Liebesgeschichte des Jahres. Intensiver Psycho-Horror, der unscheinbar beginnt und ganz unerwartet den Boden unter den Füßen wegzieht. Man sollte sich daher keinesfalls vom nichtssagenden Titel und dem doch schon langweilig gestalteten Filmplakat blenden lassen. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist ein Geheimtipp für Genre-Fans und sollte unbedingt gesehen werden. Warum? Weil der Zuschauer hier einen der ungewöhnlichsten Psychopathen der Filmgeschichte zu sehen bekommt. Der zieht sein Opfer schnell in den Bann und treibt ihn mit allen Mitteln der Manipulation in den Abgrund, ohne dabei aktiv oder gar selbst zum Mordwerkzeug greifen zu müssen. Das ist teils erschreckend pervers und makaber anzusehen – hat aber alles Hintergrund. RENT-A-PAL strotzt nämlich so vor Gesellschaftskritik und zeigt einmal mehr als deutlich in welchen abartig kranken Zeiten wir eigentlich leben. Dass der Streifen trotz Erstlingswerk ganz ordentlich geworden ist und hervorragende Schauspieler zu bieten hat, mag nicht von Ungefähr kommen. Hinter dem Psycho-Horror, das sich irgendwo im Stalker-Genre ansiedeln lässt, steckt nämlich der genreerprobte JON STEVENSON. Der war vor einigen Jahren am Body-Horror EAT als Kameramann am Start und feiert mit RENT-A-PAL sein Regiedebüt. Statt sich – wie die meisten Newcomer durch Gewalt, Blut und Gore ins Gedächtnis der Horrorfangemeinde einzubrennen – geht er es subtil und bedacht an. Viel Hintergrund, bedachte Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Das Ergebnis: Ein filmisches Experiment mit brisanter Botschaft, das zum Nachdenken anregt und doch schon irgendwie Angst macht.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Zensur

 
 
 
RENT-A-PAL ist mehr Charakterstudie mit psychologischem Horror statt krasse Schlachtplatte. Am Ende wird es etwas „tödlich“. Gründe, die dem Streifen eine FSK16 einbringen dürften. Es würde wundern, wenn sich in Deutschland für diese sehenswerten Streifen kein Rechteinhaber finden sollte.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
13 Cameras (2015)
 
I Trapped the Devil (2019)
 

Filmkritik: „The Owners“ (2020)

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THE OWNERS

Story

 
 
 

Vier abgefuckte, britische Leute ohne Perspektiven brechen in das Haus eines älteren Ehepaares ein, das sich jedoch zu wehren weiß.


 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die nicht auf Anhieb verraten, wohin die Reise gehen wird. In einer Zeit in der Horrorware am Fließband gedreht wird und quasi stets die gleichen Geschichten nur mit anderen Gesichtern abgespult werden, tun frische Ideen Not, die den Zuschauer trotz ewig gleicher Rezepturen an die Glotze fesseln können. Der Horrorthriller THE OWNERS ist so ein Fall. Der beginnt zwar damit eine bekannte Geschichte zu erzählen, die man so ähnlich schon unzählige Male gesehen hat. Was danach folgt, ist aber mutig und neu. Schluss mit bekannten Klischees und vorhersehbarem Ablauf. Der französische Regisseur JULIUS BERG spickt sein Langfilm-Regiedebüt mit unvorhersehbaren Wendungen und viel frischem Wind. Da schaut man doch gern genauer hin.
 
 
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Wenn die Verlockung vom leichten Geld zur Todesfalle wird. THE OWNERS erzählt die Geschichte von britischen Landeiern, die fette Beute wittern. Vier junge Leute – welche an Charaktere des Kultfilms TRAINSPOTTING erinnern – erhoffen im Haus eines älteren Arztehepaares ein stattliches Vermögen. Die brechen in das Anwesen ein und staunen nicht schlecht, als man im Keller einen riesigen Safe vorfindet. Leider hat die Sache einen Haken. Die Ganoven haben nicht das notwendige Equipment dabei, um den Tresor knacken zu können. Da kommt einer der Amateureinbrecher auf eine Idee. Man wartet einfach die Rückkehr der Eigentümer ab und setzt diese unter Druck mit dem Ziel, dass die freiwillig die Kombination des Schlosses herausrücken. Gesagt getan. Kaum kommen die Herrschaften nach Hause, geht es drunter unter drüber. Doch der Plan geht nicht auf. Die Hausbesitzer sind zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch ganz fit im Kopf. Damit sind sie den perspektivlosen Einbrechern einen Schritt voraus. Sie manipulieren die Ganoven und sperren sie im morschen Gebäude ein. Was folgt ist ein perfides Katz- und Mausspiel, das aus Opfern Täter und Täter zu Opfern macht. Klingt berechtigterweise nach DON’T BREATHE von 2016 und ist bei genauerer Betrachtung tatsächlich eine weitere Variante des erwähnten Home-Invasion-Thrillers.
 
 
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Dennoch ist THE OWNERS keine plumpe Kopie. Der Film basiert auf dem Comicroman UNE NUIT DE PLEINE LUNE, welcher bereits 2011 veröffentlicht wurde, und ist vollgestopft mit feinstem englischen Humor, welchen wohl nicht jedermann so lustig finden wird. Für diesen Ausflug in Horrorgenre benötigt man ein dickes Fell, denn der bitterböse Humor dieses Films dürfte bei empfindsamen Zuschauern dafür sorgen, dass denen das Lachen im Halse stecken bleibt. Doch damit nicht genug. THE OWNERS zeichnet sich durch zynische Einfälle, perfide Abläufe und unvorbereitete Gewaltausbrüche aus. Dazwischen ein ungleicher Kampf zwischen Jungen und Alten, der hier auf die Spitze getrieben wird und stets spannend bleibt. Damit hebt sich die britische Produktion von den üblichen Verdächtigen der Gattung Home-Invasion-Horror ab und macht THE OWNERS zum Fest für Horrorfilmfans. Mehr über die Handlung zu verraten verdirbt den Spaß, denn THE OWNERS lebt von der Prämisse, dass nie ersichtlich ist, was als Nächstes passieren wird. So erleben Zuschauer und Protagonisten eine Nacht des Schreckens an deren Ende nichts mehr so ist, wie es den Abend zuvor gewesen war.
 
 
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JULIUS BERG – der sich als großer Fan von Genreware wie SUSPIRIA, DER WEISSE HAI und ALIEN bezeichnet – hat zuvor einiges fürs Fernsehen gemacht und war auch für die Mini-Serie DER WALD als Regisseur für Netflix tätig. In Interviews mit der Presse erklärte er, dass er für die Verfilmung der Graphic Novel viel Freiheit von der Autoren des Comics erhielt und so ein neues, überraschendes und grimmigeres Ende kreieren durfte. Auch inszenatorisch beweist Macher JULIUS BERG Einfallsreichtum und kramt in der Filmtrickkiste. Dem Zuschauer sollte – wie den Protagonisten – das Gefühl vermittelt werden, selbst gefangen zu sein. Im Film wird das ganz clever gelöst. So wird einfach der Bildausschnitt immer kleiner, bis man das Treiben im Finale nur noch durch ein quadratisches Fenster sieht. Solltet Ihr Euch daher wundern, warum plötzlich aus 16:9 ein 4:3 wird, liegt das nicht daran, dass Eurer TV-Gerät einen Defekt hat. Hierbei handelt es sich um ein Stilelement des Regisseurs, der mit den beschnittenen Bildinformationen das klaustrophobische Gefühl der eingesperrten Antihelden unterstreichen möchte, die vergeblich nach einem Weg suchen den Ausgang des Herrenhauses zu finden, um aus den Krallen der schrulligen Herrschaften zu entkommen.
 
 
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THE OWNERS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Schräge Protagonisten, böser Humor und mörderisch gute Schocks. THE OWNERS ist ein Mix aus DON’T BREATHE und YOU’RE NEXT, der sich an jene richtet, die das Horrorgenre nicht immer so ernst nehmen. Genau das tut nämlich auch diese britische Produktion nicht. Für ungeübte Zuschauer mag das hier zelebrierte Treiben kranker Shit sein. Erfahrene Zuschauer ertappen sich öfters beim Schmunzeln, denn schwarzer, britischer Humor durchzieht den ganzen Film. Damit macht es THE OWNERS Filmen wie DALE & TUCKER VS EVIL gleich. Letzterer persiflierte das Genre der Backwood-Slasher-Filme. THE OWNERS nimmt sich die Gattung Home-Invasion-Schocker vor und wirft seine Helden in ein skurriles und schräges Szenario, das man in dieser Art und Weise vermutlich noch nicht auf der Mattscheibe hatte. THE OWNERS ist definitiv ein Geheimtipp für Horrorfilm-Fans und wird seine Fans finden, weil er die bekannte Home-Invasion-Formel verdreht und somit mit der Erwartung des Publikums spielt. Ansehen lohnt daher unbedingt!
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Zensur

 
 
 
THE OWNERS ist eher ein Thriller, der Gewalt reduziert einsetzt. Kommt die aber dann mal zum Einsatz ist sie umso heftiger. Wir denken jedoch, dass THE OWNERS eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 
Mum & Dad (2008)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 

Filmkritik: „Frightmare – Alptraum“ (1974)

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FRIGHTMARE – ALPTRAUM

Story

 
 
Edmund und Dorothy Yates (Rupert Davies und Sheila Keith) sind ein bescheidenes englisches Rentnerpärchen. Er bessert seine Rente als Chauffeur auf, sie offeriert im lokalen Blättchen ihre Dienste als Kartenlegerin. Ein Idyll, will man denken. Wäre da nicht der Störfaktor der letzten 15 Jahre. Die haben die alten Leutchen nämlich in der geschlossenen Klapsmühle verbracht. Dorothy hatte sich zuvor als kannibalische Serienmörderin betätigt und ihr Göttergatte, als Verschleierer der Untaten, gleich mit. Die Yates haben zwei erwachsene Töchter. Die ältere beschäftigt sich zeitlebens mit den damals mitbekommenen Ereignissen und versucht mit ihrem Mann, einem Psychiater, dem Auslöser des blutigen Wahns der Mutter auf den Grund zu gehen. Die jüngere, geboren im Jahr der Verhaftung, zeigt ihrerseits eigene Verhaltensauffälligkeiten, die ihre Schwester das Schlimmste erahnen lassen: Hat sich Mutters grausame Psychose vererbt?

 
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Kritik

 
 
Die Ein-Mann-Exploitation-Todesmaschine Pete Walker ist in den siebziger Jahren das beinharte Rückgrat des britischen Horror- und Bahnhofskinofilms. Mit FRIGHTMARE, das Skript geschrieben vom einzigartigen und hinter manchem Kracher dieser Zeit steckenden Drehbuch-Enfant-Terrible David McGillivray, gelingt ihm sein persönlich vielleicht größter Wurf im Genre. Immer noch im höchsten Maße britisch in Optik und Stimmung, also traurige graue Stadtpanoramen, finstere Landhäuser und mörderische Koteletten an schlechten Menschen, hebt sich die dräuende und hinterhältige Bosheit von FRIGHTMARE spürbar von Walkers anderen, deutlich drögeren Werken dieser Ära ab. Ja, die derbe, auch mit Splattermomenten nicht geizende Bildsprache und die insgesamt menschenfeindliche Grundhaltung des Films erinnert sogar schon an die Arbeiten von Walkers nihilistischem Landsmann Norman J. Warren. Die tragische Kannibalismusgeschichte hat bei allem cinematischen Genre- und Quatschfaktor trotzdem eine realistische, weil psychologisch erklärte Note, die den Film meilenweit über zeitgenössischem Menschenfresser-Terror aus dem Italo-Dschungel oder äffische Zombie-Hirnkauereien erhaben sein lässt.
 
 
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Zu den besonderen Reizen des B-Movies, Trashfilms, Cult Cinemas, nenne man es wie man möchte, gehört die Freude am Wiedererkennen von Gesichtern, die man ab einem gewissen Zeitpunkt des Fanseins untrennbar mit dieser Art von Kino verbindet. Die Schottin Sheila Keith (1920 – 2004) nennt eines dieser Gesichter ihr Eigen und taucht in den Siebzigern in manchem Horrorfilm von der Insel auf. Ihre mehrfache Zusammenarbeit mit Regisseur Pete Walker bildet den deutlichen Kontrast zu ihrem Mitwirken in einer schier endlosen Zahl von UK-Fernsehserien. Mrs. Keiths Schauspielkunst in FRIGHTMARE ist schlicht angsteinflößend – und das ist im besten Sinne und definitiv nicht spöttisch gemeint. Ihre mörderische Psychopathin mit klinischer Ursache ihrer Mordlust könnte zu den einprägsamsten Horrorfilm-Monster zählen, die man nicht direkt, wie etwa die Draculas und Frankensteins von Universal und Hammer oder die amerikanischen Serien-Slasher wie Jason Vorhees und Michael Myers auf dem Schirm hat. Das sollte man aber tunlichst anpassen. Ja, ihre Leistung ist wirklich so gut.
 
 
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FRIGHTMARE ist der letzte Film, den der kurz zuvor aus seiner Firma Tigon Productions ausgeschiedene Tony Tenser (1929 – 2007) produziert. Seinen Ruhm in Fankreisen genießt das kleine Studio durch seine erfolgreichen Exploitationfilme wie Michael Reeves‘ berühmter DER HEXENJÄGER mit Vincent Price. Noch zuvor ist Tenser Co-Produzent von Nackedei-Filmchen aber auch Roman Polanskis frühen Filmen EKEL (1965) und WENN KATELBACH KOMMT… (1966).
 
 
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FRIGHTMARE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Als Kannibalismus-Psychothriller und Horrorfilm mit realistischer Kante ist FRIGHTMARE ein Ausnahmefilm. Dem selten daneben liegenden Kultregisseur Pete Walker gelingt so etwas wie das britische Äquivalent zu Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS. Was beim Kettensägenmassaker die sonnengebleichte Landschaft des amerikanischen Südwestens ist, übernimmt bei FRIGHTMARE das triste Bild britischer Cottages im Moor.
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Zensur

 
 
 
Die Zensurgeschichte von FRIGHTMARE ist unterhaltsam. Der Streifen wurde ungeschnitten auf VHS veröffentlicht. 1984 wurde der Film indiziert. KOCH MEDIA brachte den Film im Jahr 2004 als DVD mit einer FSK16 in den Handel, ohne jedoch zu ahnen, dass der Film immer noch indiziert war. Als man den Fehler bemerkte, nahm man die DVD wieder vom Markt. 2009 sah die Bundesprüfstelle immer noch eine Jugendgefährdung und sprach eine Folgeindizierung aus. Doch Anbieter WICKED VISION bemühte sich um eine Rehabilitierung. Das Label reichte im Mai 2020 einen Antrag auf Listenstreichung ein und war erfolgreich. Somit ist FRIGHTMAR nach 36 Jahren nicht mehr auf dem Index. Zeit den Streifen mit einer Premium-Edition zu würdigen. WICKED VISION veröffentlichte jüngst die erste deutsche Blu-ray-Veröffentlichung. Diese ist ungeschnitten, frei ab 16 Jahren und wurde im Mediabook veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision (Mediabook Cover A – Limitiert auf 444 Stück)

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(c) Wicked Vision (Mediabook Cover B – Limitiert auf 222 Stück)

frightmare-1974-mediabook-cover-c

(c) Wicked Vision (Mediabook Cover C – Limitiert auf 222 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Frightmare; Großbritannien 1974

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Audiokommentar von Lars- Dreyer-Winkelmann (Deutsch), Audiokommentar mit Regisseur Pete Walker und Kameramann Peter Jessop (Englisch), „For the Sake of Cannibalism“ – Interview mit Pete Walker, Featurette: „Frightful Thoughts – Pete Walker über Frightmare“, Featurette: „Shelia Keith: A Nice Old Lady?“, Bildergalerie, Trailer, DVD-Fassung des Films, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von David Renske

Veröffentlichung: Mediabook: 26.06.2020

 
 

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FRIGHTMARE – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH)

 
 
 
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