Filmkritik: „The Owners“ (2020)

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THE OWNERS

Story

 
 
 

Vier abgefuckte, britische Leute ohne Perspektiven brechen in das Haus eines älteren Ehepaares ein, das sich jedoch zu wehren weiß.


 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die nicht auf Anhieb verraten, wohin die Reise gehen wird. In einer Zeit in der Horrorware am Fließband gedreht wird und quasi stets die gleichen Geschichten nur mit anderen Gesichtern abgespult werden, tun frische Ideen Not, die den Zuschauer trotz ewig gleicher Rezepturen an die Glotze fesseln können. Der Horrorthriller THE OWNERS ist so ein Fall. Der beginnt zwar damit eine bekannte Geschichte zu erzählen, die man so ähnlich schon unzählige Male gesehen hat. Was danach folgt, ist aber mutig und neu. Schluss mit bekannten Klischees und vorhersehbarem Ablauf. Der französische Regisseur JULIUS BERG spickt sein Langfilm-Regiedebüt mit unvorhersehbaren Wendungen und viel frischem Wind. Da schaut man doch gern genauer hin.
 
 
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Wenn die Verlockung vom leichten Geld zur Todesfalle wird. THE OWNERS erzählt die Geschichte von britischen Landeiern, die fette Beute wittern. Vier junge Leute – welche an Charaktere des Kultfilms TRAINSPOTTING erinnern – erhoffen im Haus eines älteren Arztehepaares ein stattliches Vermögen. Die brechen in das Anwesen ein und staunen nicht schlecht, als man im Keller einen riesigen Safe vorfindet. Leider hat die Sache einen Haken. Die Ganoven haben nicht das notwendige Equipment dabei, um den Tresor knacken zu können. Da kommt einer der Amateureinbrecher auf eine Idee. Man wartet einfach die Rückkehr der Eigentümer ab und setzt diese unter Druck mit dem Ziel, dass die freiwillig die Kombination des Schlosses herausrücken. Gesagt getan. Kaum kommen die Herrschaften nach Hause, geht es drunter unter drüber. Doch der Plan geht nicht auf. Die Hausbesitzer sind zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch ganz fit im Kopf. Damit sind sie den perspektivlosen Einbrechern einen Schritt voraus. Sie manipulieren die Ganoven und sperren sie im morschen Gebäude ein. Was folgt ist ein perfides Katz- und Mausspiel, das aus Opfern Täter und Täter zu Opfern macht. Klingt berechtigterweise nach DON’T BREATHE von 2016 und ist bei genauerer Betrachtung tatsächlich eine weitere Variante des erwähnten Home-Invasion-Thrillers.
 
 
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Dennoch ist THE OWNERS keine plumpe Kopie. Der Film basiert auf dem Comicroman UNE NUIT DE PLEINE LUNE, welcher bereits 2011 veröffentlicht wurde, und ist vollgestopft mit feinstem englischen Humor, welchen wohl nicht jedermann so lustig finden wird. Für diesen Ausflug in Horrorgenre benötigt man ein dickes Fell, denn der bitterböse Humor dieses Films dürfte bei empfindsamen Zuschauern dafür sorgen, dass denen das Lachen im Halse stecken bleibt. Doch damit nicht genug. THE OWNERS zeichnet sich durch zynische Einfälle, perfide Abläufe und unvorbereitete Gewaltausbrüche aus. Dazwischen ein ungleicher Kampf zwischen Jungen und Alten, der hier auf die Spitze getrieben wird und stets spannend bleibt. Damit hebt sich die britische Produktion von den üblichen Verdächtigen der Gattung Home-Invasion-Horror ab und macht THE OWNERS zum Fest für Horrorfilmfans. Mehr über die Handlung zu verraten verdirbt den Spaß, denn THE OWNERS lebt von der Prämisse, dass nie ersichtlich ist, was als Nächstes passieren wird. So erleben Zuschauer und Protagonisten eine Nacht des Schreckens an deren Ende nichts mehr so ist, wie es den Abend zuvor gewesen war.
 
 
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JULIUS BERG – der sich als großer Fan von Genreware wie SUSPIRIA, DER WEISSE HAI und ALIEN bezeichnet – hat zuvor einiges fürs Fernsehen gemacht und war auch für die Mini-Serie DER WALD als Regisseur für Netflix tätig. In Interviews mit der Presse erklärte er, dass er für die Verfilmung der Graphic Novel viel Freiheit von der Autoren des Comics erhielt und so ein neues, überraschendes und grimmigeres Ende kreieren durfte. Auch inszenatorisch beweist Macher JULIUS BERG Einfallsreichtum und kramt in der Filmtrickkiste. Dem Zuschauer sollte – wie den Protagonisten – das Gefühl vermittelt werden, selbst gefangen zu sein. Im Film wird das ganz clever gelöst. So wird einfach der Bildausschnitt immer kleiner, bis man das Treiben im Finale nur noch durch ein quadratisches Fenster sieht. Solltet Ihr Euch daher wundern, warum plötzlich aus 16:9 ein 4:3 wird, liegt das nicht daran, dass Eurer TV-Gerät einen Defekt hat. Hierbei handelt es sich um ein Stilelement des Regisseurs, der mit den beschnittenen Bildinformationen das klaustrophobische Gefühl der eingesperrten Antihelden unterstreichen möchte, die vergeblich nach einem Weg suchen den Ausgang des Herrenhauses zu finden, um aus den Krallen der schrulligen Herrschaften zu entkommen.
 
 
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THE OWNERS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Schräge Protagonisten, böser Humor und mörderisch gute Schocks. THE OWNERS ist ein Mix aus DON’T BREATHE und YOU’RE NEXT, der sich an jene richtet, die das Horrorgenre nicht immer so ernst nehmen. Genau das tut nämlich auch diese britische Produktion nicht. Für ungeübte Zuschauer mag das hier zelebrierte Treiben kranker Shit sein. Erfahrene Zuschauer ertappen sich öfters beim Schmunzeln, denn schwarzer, britischer Humor durchzieht den ganzen Film. Damit macht es THE OWNERS Filmen wie DALE & TUCKER VS EVIL gleich. Letzterer persiflierte das Genre der Backwood-Slasher-Filme. THE OWNERS nimmt sich die Gattung Home-Invasion-Schocker vor und wirft seine Helden in ein skurriles und schräges Szenario, das man in dieser Art und Weise vermutlich noch nicht auf der Mattscheibe hatte. THE OWNERS ist definitiv ein Geheimtipp für Horrorfilm-Fans und wird seine Fans finden, weil er die bekannte Home-Invasion-Formel verdreht und somit mit der Erwartung des Publikums spielt. Ansehen lohnt daher unbedingt!
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Zensur

 
 
 
THE OWNERS ist eher ein Thriller, der Gewalt reduziert einsetzt. Kommt die aber dann mal zum Einsatz ist sie umso heftiger. Wir denken jedoch, dass THE OWNERS eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE OWNERS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Dark Paradise (1988)
 
Mum & Dad (2008)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 

Filmkritik: „Frightmare – Alptraum“ (1974)

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FRIGHTMARE – ALPTRAUM

Story

 
 
Edmund und Dorothy Yates (Rupert Davies und Sheila Keith) sind ein bescheidenes englisches Rentnerpärchen. Er bessert seine Rente als Chauffeur auf, sie offeriert im lokalen Blättchen ihre Dienste als Kartenlegerin. Ein Idyll, will man denken. Wäre da nicht der Störfaktor der letzten 15 Jahre. Die haben die alten Leutchen nämlich in der geschlossenen Klapsmühle verbracht. Dorothy hatte sich zuvor als kannibalische Serienmörderin betätigt und ihr Göttergatte, als Verschleierer der Untaten, gleich mit. Die Yates haben zwei erwachsene Töchter. Die ältere beschäftigt sich zeitlebens mit den damals mitbekommenen Ereignissen und versucht mit ihrem Mann, einem Psychiater, dem Auslöser des blutigen Wahns der Mutter auf den Grund zu gehen. Die jüngere, geboren im Jahr der Verhaftung, zeigt ihrerseits eigene Verhaltensauffälligkeiten, die ihre Schwester das Schlimmste erahnen lassen: Hat sich Mutters grausame Psychose vererbt?

 
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Kritik

 
 
Die Ein-Mann-Exploitation-Todesmaschine Pete Walker ist in den siebziger Jahren das beinharte Rückgrat des britischen Horror- und Bahnhofskinofilms. Mit FRIGHTMARE, das Skript geschrieben vom einzigartigen und hinter manchem Kracher dieser Zeit steckenden Drehbuch-Enfant-Terrible David McGillivray, gelingt ihm sein persönlich vielleicht größter Wurf im Genre. Immer noch im höchsten Maße britisch in Optik und Stimmung, also traurige graue Stadtpanoramen, finstere Landhäuser und mörderische Koteletten an schlechten Menschen, hebt sich die dräuende und hinterhältige Bosheit von FRIGHTMARE spürbar von Walkers anderen, deutlich drögeren Werken dieser Ära ab. Ja, die derbe, auch mit Splattermomenten nicht geizende Bildsprache und die insgesamt menschenfeindliche Grundhaltung des Films erinnert sogar schon an die Arbeiten von Walkers nihilistischem Landsmann Norman J. Warren. Die tragische Kannibalismusgeschichte hat bei allem cinematischen Genre- und Quatschfaktor trotzdem eine realistische, weil psychologisch erklärte Note, die den Film meilenweit über zeitgenössischem Menschenfresser-Terror aus dem Italo-Dschungel oder äffische Zombie-Hirnkauereien erhaben sein lässt.
 
 
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Zu den besonderen Reizen des B-Movies, Trashfilms, Cult Cinemas, nenne man es wie man möchte, gehört die Freude am Wiedererkennen von Gesichtern, die man ab einem gewissen Zeitpunkt des Fanseins untrennbar mit dieser Art von Kino verbindet. Die Schottin Sheila Keith (1920 – 2004) nennt eines dieser Gesichter ihr Eigen und taucht in den Siebzigern in manchem Horrorfilm von der Insel auf. Ihre mehrfache Zusammenarbeit mit Regisseur Pete Walker bildet den deutlichen Kontrast zu ihrem Mitwirken in einer schier endlosen Zahl von UK-Fernsehserien. Mrs. Keiths Schauspielkunst in FRIGHTMARE ist schlicht angsteinflößend – und das ist im besten Sinne und definitiv nicht spöttisch gemeint. Ihre mörderische Psychopathin mit klinischer Ursache ihrer Mordlust könnte zu den einprägsamsten Horrorfilm-Monster zählen, die man nicht direkt, wie etwa die Draculas und Frankensteins von Universal und Hammer oder die amerikanischen Serien-Slasher wie Jason Vorhees und Michael Myers auf dem Schirm hat. Das sollte man aber tunlichst anpassen. Ja, ihre Leistung ist wirklich so gut.
 
 
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FRIGHTMARE ist der letzte Film, den der kurz zuvor aus seiner Firma Tigon Productions ausgeschiedene Tony Tenser (1929 – 2007) produziert. Seinen Ruhm in Fankreisen genießt das kleine Studio durch seine erfolgreichen Exploitationfilme wie Michael Reeves‘ berühmter DER HEXENJÄGER mit Vincent Price. Noch zuvor ist Tenser Co-Produzent von Nackedei-Filmchen aber auch Roman Polanskis frühen Filmen EKEL (1965) und WENN KATELBACH KOMMT… (1966).
 
 
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FRIGHTMARE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Als Kannibalismus-Psychothriller und Horrorfilm mit realistischer Kante ist FRIGHTMARE ein Ausnahmefilm. Dem selten daneben liegenden Kultregisseur Pete Walker gelingt so etwas wie das britische Äquivalent zu Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS. Was beim Kettensägenmassaker die sonnengebleichte Landschaft des amerikanischen Südwestens ist, übernimmt bei FRIGHTMARE das triste Bild britischer Cottages im Moor.
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Zensur

 
 
 
Die Zensurgeschichte von FRIGHTMARE ist unterhaltsam. Der Streifen wurde ungeschnitten auf VHS veröffentlicht. 1984 wurde der Film indiziert. KOCH MEDIA brachte den Film im Jahr 2004 als DVD mit einer FSK16 in den Handel, ohne jedoch zu ahnen, dass der Film immer noch indiziert war. Als man den Fehler bemerkte, nahm man die DVD wieder vom Markt. 2009 sah die Bundesprüfstelle immer noch eine Jugendgefährdung und sprach eine Folgeindizierung aus. Doch Anbieter WICKED VISION bemühte sich um eine Rehabilitierung. Das Label reichte im Mai 2020 einen Antrag auf Listenstreichung ein und war erfolgreich. Somit ist FRIGHTMAR nach 36 Jahren nicht mehr auf dem Index. Zeit den Streifen mit einer Premium-Edition zu würdigen. WICKED VISION veröffentlichte jüngst die erste deutsche Blu-ray-Veröffentlichung. Diese ist ungeschnitten, frei ab 16 Jahren und wurde im Mediabook veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

FRIGHTMARE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision (Mediabook Cover A – Limitiert auf 444 Stück)

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(c) Wicked Vision (Mediabook Cover B – Limitiert auf 222 Stück)

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(c) Wicked Vision (Mediabook Cover C – Limitiert auf 222 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Frightmare; Großbritannien 1974

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Audiokommentar von Lars- Dreyer-Winkelmann (Deutsch), Audiokommentar mit Regisseur Pete Walker und Kameramann Peter Jessop (Englisch), „For the Sake of Cannibalism“ – Interview mit Pete Walker, Featurette: „Frightful Thoughts – Pete Walker über Frightmare“, Featurette: „Shelia Keith: A Nice Old Lady?“, Bildergalerie, Trailer, DVD-Fassung des Films, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von David Renske

Veröffentlichung: Mediabook: 26.06.2020

 
 

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FRIGHTMARE – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Der Turm der lebenden Leichen (1972)
 
Haus der Peitschen (1974)
 
Sklavin des Satans (1976)
 

Filmkritik: „Anonymous Animals“ (2020)

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ANONYMOUS ANIMALS

Story

 
 
 

Menschen übernehmen die Rolle von Tieren, um dem Zuschauer zu zeigen, wie grausam wir Menschen oft mit Haus- und Nutztieren umgehen.

 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Kritik

 
 
 
Können Tier leiden? Haben Tiere Gefühle und wie gehen Tiere eigentlich mit Todesangst um? Essenzielle Fragen, die in Zeiten von übertriebenem Fleischkonsum, Massentierhaltung und Billigfleisch gar nicht weit hergeholt scheinen. Demzufolge ist es mal wieder Zeit für einen Denkzettel – diesmal aus Frankreich. Was man zu erwarten hat, dürfte vielen Horrorfilmfans bekannt sein. In Frankreich nimmt man genretechnisch kein Blatt vor den Mund. Hier pfeift man auf Konventionen, hat Mut zum Risiko und wagt das, was sich große Mainstreamstudios nie wagen würden zu zeigen. Entstanden ist in den 2000ern so die französische Terrorwelle, die mit MARTYRS, INSIDE und HIGH TENSION Schocker um den Globus schickte, die in Sachen Horror neue Extreme setzen konnten.
 
 
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Dass den französischen Landsmännern diesbezüglich noch lange nicht die Puste ausgegangen ist, zeigt der hier vorgestellte Mikrobudget-Film. Der hat nicht einmal 7000€ gekostet und verdeutlicht, dass man auch mit kleinem Kapital beunruhigende Filme drehen kann, die dazu auch noch hochwertig aussehen. ANONYMOUS ANIMALS nennt sich der Streifen, der an insgesamt sechs Tagen gedreht wurde und schon fast einem kontroversen Experiment gleichkommt. Darin geht Sonderbares vor. Wir folgen Menschen in verschiedene Situationen, in denen sie Todesangst durchleben müssen. Mal werden sie in einem Stallgehege eingesperrt und warten dort auf den Tod. In einer anderen Szene müssen Menschen angekettet gegen eigene Artgenossen kämpfen. Skurril, zumal stets maskierte Fremde zugegen sind, die Tiermasken tragen und dem Treiben stumm beiwohnen. Was soll das alles und was hat das mit Horror zu tun? Wie sagen es Euch.
 
 
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Hinter ANONYMOUS ANIMALS steckt nämlich ein perfider Rollentausch mit weitaus mehr Substanz als man wohl beim Lesen der überschaubaren Inhaltsangabe erwarten würde. Regisseur BAPTISTE ROUVEURE macht es dem erst kürzlich hier besprochenen THE FARM gleich, in welchem kurzerhand die Rollen von Menschen und Tieren vertauscht wurden. Darin durchgingen Menschen quasi die gleichen Stationen eines Mastbetriebes, die auch Kühe durchleben müssen, bis sie am Ende den erlösenden Gnadenschuss vom Schlachter erhalten. Im Unterschied zu THE FARM werden in ANONYMOUS ANIMALS aber nicht nüchtern und emotionslos Vergleiche gezogen, die verdeutlichen sollen, dass Nutztiere für uns Menschen nichts weiter sind als Ware. ANONYMOUS ANIMALS geht einen Schritt weiter und bringt zum Vorschein, wie respektlos und perfide wir als höhere Lebensform mit niederen Lebensformen umgehen. In diesem experimentellen Schocker mit Dokumentarfilmcharakter wird der Bestie Menschen schonungslos der Spiegel vorgehalten.
 
 
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Wieder nehmen Menschen die Rollen von Tieren ein und umgekehrt. Vollkommen dialoglos folgen wir einer Abfolge von Szenen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Darin sehen wir, wie Tiere sich den Menschen überlegen fühlen und sichtlich Spaß daran haben, diese Übermacht für eigene Zwecke zu missbrauchen. Da müssen Menschen das Fleisch der eigenen Artgenossen verspeisen oder sich gegenseitig abschlachten, während Tiere dabei zusehen und Wetten abschließen. Doch damit nicht genug. Im Mastbetrieb wird mit der Angst der menschlichen Opfer gespielt. Diese geraten in Todesangst, weil sie mit zusehen müssen, wie eigene Artgenossen für die Fleischverarbeitung umgebracht werden. Einer Frau gelingt die Flucht. Diese wird von den tierischen Besitzern eingefangen, beruhigt und anschließend im Zustand des Vertrauens hinterrücks getötet. Ein krankes Unterfangen, das ein allgegenwärtiges unangenehmes Bauchgefühl verursacht, weil die menschlichen Opfer in den diversen Situationen der Übermacht Tier hilflos ausgeliefert sind.
 
 
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Doch ziehen wir Parallelen zur Realität und korrigieren die Rollen. Die Botschaft, welche ANONYMOUS ANIMALS vermittelt ist ernst. So haben wir längst vergessen, dass es sich bei Tieren immer noch um empfindungsfähige Lebewesen handelt, die auch Rechte haben. Die leiden zu Millionen in Tierversuchen, in der industriellen Landwirtschaft, in Schlachthöfen, Zuchtbetrieben, Zoos, Zirkussen, bei der Jagd und als artwidrig gehaltene „Haustiere“. Genau das gibt ANONYMOUS ANIMALS zu verstehen, in dem er einfach Menschen in jene Situationen bringt, in die tagtäglich ahnungslose Tiere unfreiwillig hineingeraten. Regisseur BAPTISTE ROUVEURE verdeutlich eindringlich, welche Ängste und Höllenqualen Tiere durchleben müssen – ungeschönt und krass. Das macht ANONYMOUS ANIMALS zu einem traurigen aber auch erschütternden Kinoerlebnis, das noch lange nachwirkt.
 
 
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ANONYMOUS ANIMALS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Erschütternd, schockierend und traurig. ANONYMOUS ANIMALS ist ein Weckruf und gleichzeitig Schlag in die Magengrube. Der experimentelle Film mit dem doppeldeutigen Titel bringt Menschen in gleiche Situationen, in die tagtäglich Tiere unfreiwillig hineingeraten und so ihrem Schicksal schutzlos ausgeliefert sind. Der Mensch als Bestie und dominantes Überwesen wird hier einmal mehr an den Pranger gestellt. An dem wird kein gutes Haar gelassen, weil er weder Grenzen, Respekt noch Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen kennt. Die Idee hinter ANONYMOUS ANIMALS geht auf Erlebnisse aus der Kindheit von Regisseur BAPTISTE ROUVEURE zurück. Der erklärte der Presse, dass er behutsam auf dem Land aufwuchs und dort Zeuge des schicksalhaften Einflusses des Menschen auf Tiere durch Ausbeutung und Jagd wurde. Diese manchmal blutigen, makabren und grausamen Bilder entwickelten im Laufe der Zeit ein starkes Einfühlungsvermögen für Tiere. Letzteres führte dazu, dass sich der französische Filmemacher die Frage stellte, welchen Platz Tiere überhaupt in unserer Gesellschaft einnehmen. Die Erkenntnis ist bitter, denn das filmische Ergebnis ist kontrovers und regt zum Denken an. Somit hat Rouveure wohl das erreicht, was er erreichen wollte. Für ein Langfilmdebüt beachtlich!
 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Zensur

 
 
 
Anders als der thematisch ähnliche THE FARM hält ANONYMOUS ANIMALS von zu extremen Gewaltmomenten Abstand. Dennoch wirkt Gezeigtes hart und verstörend. Sollte der Film in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Film in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Anonymous Animals Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Farm (2018)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Caged (2010)
 

Filmkritik: „1BR“ (2019)

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1BR

Story

 
 
 

Dieser Film treibt den Puls in die Höhe. Studentin Sarah will in Los Angeles einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Doch der Start ins neue Leben schlägt bald in blanken Horror um.

 
 
 


 
 
 

1BR – Kritik

 
 
 
Wie wichtig ist Freiheit? Würdest Du auch weiter nach Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung streben, wenn Du Dein Leben dadurch in Gefahr bringen würdest? Eine wichtige Frage, über die wir uns in deutschen Landen nicht unbedingt den Kopf zerbrechen müssen. Hier ist der Freiheitsgedanke selbstverständlich. Anders sieht es da schon im Ausland aus. In Überwachungsstaaten wie Nordkorea oder China genügt bereits Querdenken, um mit tödlichen Konsequenzen rechnen zu müssen. Da ordnet man sich als Teil der Gemeinschaft unter, um in Ruhe leben zu können und akzeptiert unter Zwang Regeln, die in demokratischen Ländern unvorstellbar sind. Frieden durch Angst – brisanter Stoff, der sich natürlich auch gut als Film verpacken lässt. Einer dieser nennt sich 1BR, kommt aus Amiland und ist komplexer, als es der Trailer vermuten lässt. Dieser Horrorthriller ist beunruhigender Shit, der dort trifft, wo es am meisten wehtut und so ein mulmiges Gefühl beim Publikum hinterlässt, wie man es zuletzt bei Filmen wie MARTYRS oder EDEN LAKE erleben konnte. Da werden Horrorfilmfans nicht unbegründet neugierig. Ein Grund mehr die erste Horror-Überraschung des Filmjahres 2020 genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
 
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Newcomer DAVID MARMOR zeichnet für Drehbuch und Regie verantwortlich. Der erzählt hier die Geschichte von Studentin Sarah (NOCOLE BRYDON BLOOM), welche sich nach dem Tod der Mutter von der Familie abkapselt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Die plötzliche Flucht hat auch ihren Grund. Sarahs Vater hat die krebskranke Gattin am Totenbett mit der Krankenschwester betrogen. Deshalb will die labile Mittzwanzigerin nichts mehr vom Familienoberhaupt wissen. Doch das eigene Leben in Los Angeles ist nicht so einfach wie gedacht. Gute Jobs sind Mangelware und auch in Sachen Wohnungen ist die Auswahl nicht sonderlich gut. Umso erfreulicher für Sarah, als die ein Apartment findet und direkt einziehen kann. Die Nachbarn sind freundlich und nehmen die junge Frau herzlich auf. Doch die Sache hat einen Haken. 1BR ist nämlich ein Horrorfilm. Demzufolge wendet sich bald das Blatt und aus Freude über die neue Wohnung wird grenzenlose Angst. Etwas stimmt leider nicht mit der neuen Behausung. Erst wird Sarah durch laute Geräusche aus dem Schlaf gerissen, die aus den Rohren schallen. Später fühlt sich die Studentin von Tag zu Tag schlapper. Was mag das für Ursachen haben? Die Antwort darauf ist krank und pervers.
 
 
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Eingesperrt und unter Kontrolle – Big Brother is watching you. 1BR ist so ein Film, der nach dem Abspann schockiert vor dem Fernsehgerät zurücklässt. Regisseur DAVID MARMOR vermischt in seinem Erstling Horror mit Originalität, würzt mit gesellschaftskritischer Note und kombiniert auch noch diverse Subgenres des Horrorfilms. So muss die Heldin im Film bald feststellen, dass ihr neues Apartment weit mehr ist, als es auf den ersten Blick scheint. Schlafplatz allein wäre zu langweilig. Stattdessen wird um die kleine Wohnung ein komplexes Handlungsgestrüpp gewebt, das Heldin wie Zuschauer durch eine Achterbahn des Grauens jagt. Somit wären wir auch schon bei der geheimen Quintessenz von 1BR. Filmemacher DAVID MARMOR hat sich nämlich einen Twist ausgedacht, auf dem sich alles aufbaut. Der wird zwar früh gelüftet, bildet aber das Fundament für eine Handlung, welche in puncto Einfallsreichtum und Spannung die letztjährigen Eigenproduktionen des Streaming-Anbieter NETFLIX mit Leichtigkeit gegen die Wand spielt.
 
 
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Regisseur DAVID MARMOR kreiert in 1BR ein schockierendes Paralleluniversum, in dessen Mittelpunkt eine scheinfriedliche Gesellschaft ihr Dasein fristet, die nur durch Angst und Terror zusammengehalten wird. Dabei lassen sich Parallelen zum aktuellen politischen Weltgeschehen nicht von der Hand weisen. Dennoch hatte der Regie-Newcomer mit seinem Film in erster Linie anderes im Sinn. Wie die Hauptprotagonistin im 1BR kam Marmor mit jungen Jahren vom Land in die Stadt. Eine befremdliche Angelegenheit für den damals Anfang Zwanzigjährigen, der sich in der riesigen Großstadt alleingelassen fühlte. Die beinahe schon surreal anmutende Anonymität ängstigte und machte dem Neuhinzugezogenen zu schaffen. Just in diesem Moment entstand die Idee zu 1BR. Im ersten Entwurf stellte sich der Filmemacher die Frage, was die vielen freundlichen aber dennoch fremden Nachbarn seines Apartmentkomplexes hinter verschlossenen Türen veranstalten könnten. Gleichzeitig hörte Marmor von utopischen Gemeinschaften und Randreligionen, die sich seit Jahren in L.A. im Untergrund entwickeln. Ein Cocktail interessanter Ansatzpunkte, der letztendlich zu einem pulstreibenden Filmerlebnis führt.
 
 
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Mehr über 1BR zu verraten wäre unfair jedem Zuschauer zugegen. Dieser sollte am besten so wenig wie möglich über 1BR lesen, um maximale Schockintensität genießen zu können. 1BR ist Nervenkitzelfutter, das unaufgeregt beginnt und den Zuschauer ganz plötzlich in tiefe Abgründe zieht. Statt physischer Gewalt kriecht psychologischer Horror über die Mattscheibe. Weil sich die Handlung nicht leicht durchschauen lässt, gehört dieser Psychothriller zum wohl spannendsten, was das Horrorgenre derzeit zu bieten hat. Wer daher mit Kopf-Horror schlaflose Nächte durchlebt, sollte diese Wohnungsbesichtigung mit Vorsicht genießen. Was sich dort hinter verschlossenen Haustüren abspielt, lässt nicht nur fassungslos vor der Glotze zurück, sondern dürfte zartbesaiteten Zuschauern so einige Albträume bescheren.
 
 


 
 
 

1BR – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Sauspannend, schockierend und unangenehm. 1BR ist so ein Kandidat, der in der beliebten Film-Reihe KINO KONTROVERS gut aufgehoben wäre. Mit seiner gesellschaftskritischen Botschaft eckt der Film nämlich nicht nur an, sondern zeichnet sich auch gleichzeitig durch genug Originalität aus, um bis zum Ende vor der Glotze bibbern zu lassen. Die Hintergründe sind nicht so schnell zu entziffern. Regisseur DAVID MARMOR spickt seine Handlung mit vielen Wendungen, damit der Spannungsbogen gehalten werden kann. Der zieht sich wie ein roter Faden durch den Streifen und schockt am Ende mit einer unbequemen Auflösung. Da mag man es gar nicht glauben wollen, dass 1BR auf das Konto eines Newcomers geht. Grünschnabel DAVID MARMOR hat sich nicht nur den Plot ausgedacht, sondern auch gleich auf dem Regiestuhl platzgenommen. Dass der damit direkt ins Schwarze trifft, ist beachtlich. Das Drehbuch ist für doppeldeutigen Horror bemerkenswert und auch auf technischer Ebene kann sich mancher Filmemacher Hollywoods eine Scheibe abschneiden. Mit derart Voraussetzungen darf man gespannt auf das sein, was Marmor in Zukunft auf die Leinwand bringen wird. Talentfreiheit kann man diesem ambitionierten Neuling zweifelsohne nicht unterstellen. Klasse!
 
 
 


 
 
 

1BR – Zensur

 
 
 
1BR setzt in erster Linie auf psychologischen Horror. Gewalt gibt es daher nur wenig zu sehen. Zwei Nägel werden in Hände geschlagen. Die übrige Gewalt reduziert sich auf das Finale in dem eine Schusswaffe zum Einsatz kommt. Hierzulande dürfte der Psychothriller eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

1BR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Community of Fear (2012)
 
Dark Society (1989)
 
The Sacrament (2013)
 

Filmkritik: „Daniel Isn’t Real“ (2019)

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DANIEL ISN’T REAL

Story

 
 
 

Luke besitzt einen imaginären Freund, der ihm bald das Leben zur Hölle macht.

 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Kritik

 
 
 
Egal, was ELIJAH WOODS anpackt, es hat nicht nur Hand und Fuß – es wird auch zum Hit. Der Schauspieler startete seine Karriere mit einer Mini-Rolle in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2 und war danach in Hollywood-Filmen wie THE FACULTY oder DEEP IMPACT zu sehen. Der ganz große Durchbruch kam dann als Frodo Beutlin in der Kinofilmreihe DER HERR DER RINGE. Mittlerweile tritt Wood auch als Produzent in Erscheinung. Neben einer eigenen Plattenfirma gründete das Multitalent 2010 eine eigene Produktionsfirma namens SPECTREVISION. Die stellt seither fleißig Horrorfilme her. Bisher ging daraus brauchbares Material hervor. Darunter Genre-Werke wie THE GREASY STRANGLER, MANDY, COOTIES und THE BOY.
 
 
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Auch der ungewöhnliche DANIEL ISN’T REAL stammt aus genannte Produktionsschmiede und erzählt die Geschichte des kleinen Lukes, der einen imaginären Freund namens Daniel besitzt. Der hilft dem Jungen über so manchen Schmerz hinweg, hat aber eine dunkle Seite. Daniel ist das personifizierte Böse und hat nur ein Ziel: Chaos anrichten. Ein wesentlicher Grund, warum Luke den mysteriösen Freund in das Puppenhaus der Großmutter verbannen muss. Jahre später ist aus Luke ein attraktiver Mann geworden. Der steht unter Unistress und muss sich auch noch um den Geisteszustand der Mutter sorgen. Da juckt es den Studenten in den Fingern. Er greift zum Schlüssel des Puppenhauses und befreit den Freund aus Kindertagen. Letzterer ist zugleich zur Stelle und steht dem desorientierten Luke zur Seite. Eine Erleichterung, die aber bald desaströse Ausmaßnahme annimmt. Der imaginäre Daniel ist nämlich der Teufel persönlich und tut alles daran Unheil anzurichten. Statt an schlechten Tagen Halt zu geben, will Daniel das Leben seines Freundes für sich beanspruchen. Leider lässt sich das Böse diesmal nicht so einfach zurück in ein Puppenhaus verbannen. Da ist guter Rat teuer, denn Luke wird sein überflüssiges Anhängsel nicht wieder los.
 
 
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Psychologischer Schauer trifft auf unangenehmen Body-Horror. DANIEL ISN’T REAL ist der außergewöhnlichste Horrorstreifen des Jahres 2019. Statt Horror-Klischees lustlos abzuarbeiten, zelebriert Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER unangenehmen Kopf-Horror, der den Zuschauer mit auf eine Reise in menschliche Abgründe nimmt. Der imaginäre Daniel wird hier als dämonengleicher Parasit beschrieben, der sich in den Kopf seines Opfers einnistet, um dort die Welt seines Wirts aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat dieser erst einmal Vertrauen gewonnen, ist der Rest für den Bösewicht ein Kinderspiel. ADAM EGYPT MORTIMER weiß, wie er polarisieren muss, um das Publikum zu schocken. Das ist ihm bereits einmal mit dem brutalen Horrorthriller SOME KIND OF HATE gelungen. Der setzte vermehrt auf blutige Schauwerte. Die geraten im neuen Werk in den Hintergrund. Statt möglichst blutige Gewalt zu zelebrieren, geht es der Filmemacher diesmal psychologischer an und lässt dabei den Zuschauer lang im Unklaren, was der imaginäre Freund nun eigentlich will. Sind hier dämonische Kräfte im Spiel, die von einer unschuldigen Seele Besitz ergreifen? Oder handelt es sich bei Daniel nur um eine der vielen Persönlichkeiten im Kopf eines schizophrenen Mannes? Die Antwort darauf lässt auf sich warten, wobei ADAM EGYPT MORTIMER am Ende mit gelungenen Spezialeffekten die Katze aus dem Sack lässt.
 
 
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Da bekommt der Zuschauer plötzlich surreale Body-Horror-Szenen zu sehen. Darin werden aus einem Körper auf einmal zwei, denn Daniel möchte nicht mehr ein nicht-körperlicher Führer zu sein. Er beginnt die Kontrolle über Lukes Körper zu übernehmen und schafft es sogar sich vom Fleisch seines Opfers zu lösen. Das ist tricktechnisch gut umgesetzt und erinnert an Körpertransformationen aus Filmen wie NIGHTMARE ON ELM STREET 5 oder dem Remake von THE THING. Als ob das nicht alles grotesk genug ist, macht DANIEL ISN’T REAL im Finale sogar noch einen Abstecher in die düstere Welt von CLIVE BARKER. Dort muss der Held einen Weg aus seinem eignen Unterbewusstsein finden, in das ihn sein Gegenspieler verbannt hat. Leider ist es da schaurig und gar nicht schön. Assoziationen zur Höhlenwelt aus HELLRAISER sind nicht unbegründet. In einer Art selbstgeschaffener Albtraumwelt muss Luke versuchen, wieder die Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen. Vorbei an entstellten Dämonen und düsteren Gängen. Das ist alles doppeldeutig und metapherreich. Kompliziertes Filmfutter also und vermutlich nicht für jedermann geeignet, der Antworten auf dem Silbertablett serviert haben möchte. Immerhin mangelt es DANIEL ISN’T REAL nicht an Filmzitaten. Die zumindest dürfte jeder Horrorfilmkenner auf Anhieb erkennen. Wer selbst die nicht versteht, schaut lieber was Leichteres auf NETFLIX.
 
 
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DANIEL ISN’T REAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend unkonventioneller Mix aus Psychothriller und Horrorfilm, der tiefgründiger ist, als er auf den ersten Blick scheint. DANIEL ISN’T REAL basiert auf dem Roman IN THIS WAY I WAS SAVED von BRIAN DELEEUW, der es sich nicht nehmen lassen hat, auch gleich das Drehbuch zur Filmadaption zusammen mit Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER zu verfassen. Das Resultat ist ein surrealer Horrortrip, der nur vor kreativen Ideen strotzt. Da bekommt der Zuschauer endlich mal was Neues zu sehen und nicht den schon wieder lauwarm aufgewärmten Horrornonsens. Keine rastlosen Geister, keine amoklaufenden Massenmörder und auch keine Hobbysadisten mit einer nervigen Leidenschaft fürs Foltern. DANIEL ISN’T REAL bringt endlich mal wieder was mit Anspruch und Hirn auf die Mattscheibe. Offenbar war das auch im Sinne von Schauspieler ELIJAH WOODS. Der zeichnet für diesen etwas anderen Psycho-Horror mit seiner eigenen Filmfirma SPECTREVISION verantwortlich. Hoffentlich kommt da in Zukunft noch mehr. Schenkt man Gerüchten im Internet Glauben, hat die Produktionsfirma Interesse an den Rechten der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe bekundet, um das Franchise fortführen zu können. Mit Woods als Firmengründer kann da wohl nichts mehr schiefgehen.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Zensur

 
 
 
DANIEL ISN’T REAL ist – anders wie das Langfilmregiedebüt von ADAM EGYPT MORTIMER – in Sachen Gewalt sehr zurückhaltend. Dafür bekommt man groteske Körpertausch-Szenen zu sehen. Die Körper verschmelzen miteinander oder werden soweit gedenkt, dass der eine in den anderen hineinsteigen kann. Ein paar kurze Gewaltszenen gibt es auch. So bekommt man gleich zu Beginn einen Amoklauf zu sehen. Weiterhin wird ein Psychologe während einer Sitzung mit einem spitzen Gegenstand ermordet. Hierzulande dürfte DANIEL ISN’T REAL aber ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder | Samuel Goldwyn Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Split (2016)

Simon Killer (2012)

Mein Bruder Kain (1992)

Let Her Out (2016)

Seconds Apart (2011)

Enter the Dangerous Mind (2013)

Twisted Sisters (2006)

Filmkritik: „The Shed“ (2019)

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THE SHED

Story

 
 
 

Ein Vampir verschanzt sich in einem Schuppen und stellt damit das Leben eines Teenagers auf den Kopf.


 
 
 


 
 
 

THE SHED – Kritik

 
 
 
Normalerweise verstecken sich Vampire in Särgen, bevor die Sonne aufgeht. Da wird bis zur Abenddämmerung darin verweilt, um sich vor schmerzenden Sonnenstrahlen zu schützen. Mittlerweile ist das Schnee von gestern. Moderne Vampire geben sich mit modrigen Holzkisten nicht mehr zufrieden. Viel zu unbequem und beengend. Das haben auch Macher von Vampirfilmen erkannt, die ständig nach kreativen Lösungen suchen, um das Treiben blutlechzender Dracula-Monster an die heutige Zeit anzupassen. Schluss mit Friedhof, Gruft und Särgen. Blutsauger in aktuellen Horrorfilmen mieten sich abgedunkelte Altbauwohnungen und schlafen in weichen Himmelbetten. Luxus, den der Filmbösewicht in THE SHED wohl auch gern hätte. Der ist schlecht organisiert und hat die Zeit nicht im Blick. Prompt ist es hell und nur ein klappriger Schuppen in Sicht. Gemütlich ist anders.
 
 
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Teenagers Stan hat es nicht leicht. Die Eltern sind unter tragischen Umständen gestorben. Seither ist der Heranwachsende den Launen des cholerischen Großvaters ausgesetzt, der mit seinem Enkel so gar nicht warm werden möchte. Doch der aggressive Vaterersatz ist nur eines der vielen Probleme im Leben von Stan. Auch in der Schule läuft es nicht gut. Zusammen mit Kumpel Dommer wird er von Mitschülern gemobbt. Kann es da noch schlimmer kommen? Natürlich! Eine blutrünstige Vampirbestie nistet sich im Schuppen des Großvaters ein. Die hat mit niemandem erbarmen, der ihr Versteck entdeckt. Leider kommt die Erkenntnis für Großvater Ellis zu spät. Der nimmt die Warnungen des Enkels nicht ernst, schaut im Schuppen nach dem Rechten und wird dafür mit dem Tod bestraft. Da ist Stan nun allein. Der steht unter Schock und macht es sich zur Aufgabe, dass der Bretterverschlag von niemand weiterem betreten wird. Eine gute Sache. Bis plötzlich alles aus dem Ruder läuft.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor FRANK SABATELLA liefert mit THE SHED den zweiten Langfilm ab und macht seine Arbeit ganz ordentlich. Mit kleinem Budget hat er einen soliden Horrorfilm inszeniert, der sich so weit wie möglich vom Vampirmythos entfernt. Anders wie in den üblichen Dracula-Plagiaten wird das Böse hier nicht als charismatischer Frauenverführer in Szene gesetzt, der das weibliche Geschlecht bezirzt und anschließend mit Leidenschaft aussaugt. Der Vampir in THE SHED ist eine zombiegleiche Tötungsmaschine – hässlich, aggressiv und erbarmungslos. Das bekommen auch einige der Figuren im Film zu spüren, die sich furchtlos in den Schuppen begeben und dort in Stücke gerissen werden. Splatterfans wirds freuen, denn Streifen wie 30 DAYS OF NIGHT, VAMPIRE NATION oder DAYBREAKERS lassen grüßen.
 
 
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Interessanterweise besteht THE SHED aus zwei Teilen. Während sich die erste Hälfte damit beschäftigt, wie der unwillkommene Gast von Filmheld STAN in Zaum gehalten wird und nicht aus seinem Versteck flüchten kann, geht die zweiten Filmhälfte weitaus deftigere Wege. Dann nämlich kann sich das Böse einen Weg in die Freiheit bahnen und beginnt das Gute zu terrorisieren. So wird aus subtilem Schrecken plötzlich eine actionreiche Überlebenshatz – etwas zu hektisch aber dafür atmosphärisch. Regisseur FRANK SABATELLA knippst das Licht aus und reduziert die Beleuchtung. Eine gute Methode, um Unbehagen entstehen zu lassen. Da wird unser Held im Dunkel vom Bösen umzingelt und muss seinen Mut zusammennehmen. Als habe man es geahnt, ist in THE SHED auch Liebe im Spiel. Wie es sich für einen Film mit einem Außenseiter gehört, darf ein attraktives Mädchen nicht fehlen, in das sich der introvertierte Sonderling verguckt hat. Da THE SHED auf ein Happy End hinausläuft, ist selbstverständlich klar, dass sich beide am Ende in den Armen liegen. Auch im Horror-Genre ist man vor Kitsch nicht gefeit.
 
 
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Macher FRANK SABATELLA ist ein echtes Arbeitstier und schreibt oder dreht nicht nur selbst Genre-Schocker. Der war schon als Schauspieler im Slasher THE RANGER zu sehen und hat seine Leidenschaft für Horrorfilme zum Beruf gemacht. In Interviews verriet der Regisseur, dass er ein Kind der 1980er ist. Der wurde mit vielen modernen Schockern groß, die im Jahrzehnt der 99 Luftballons in Videotheken verliehen wurden und über Mattscheiben flimmerten. THE SHED beruht auf einer Kurzgeschichte, die von einem Freund von der Filmhochschule Anfang der 2000er geschrieben wurde. Die hinterließ derart Eindruck, dass Sabatella selbst Jahre nach Entstehung immer noch so fasziniert von der Erzählung war, dass er unbedingt daraus einen Film drehen wollte. Gesagt, getan. Das Ergebnis überrascht mit guten Schauspielern und durch souveräne Inszenierung. Darüber hinaus, überzeugt THE SHED durch praktische Effekte. Da fliegen Köpfe durch die Luft und Arme werden abgerissen. Hoch lebe die blutige Handarbeit.
 
 
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THE SHED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Coming-of-Age-Drama meets Horror. THE SHED ist eine der besseren Indie-Horrorproduktion des Filmjahres 2019, die das brisante Thema vom Mobbing als Horrorfilm verpackt. Zu sehen gibt es Old-School-Horror, der ein wenig an die 1980er erinnert. Ein jugendlicher Außenseiter muss das Böse bekämpfen und bekommt am Ende das Mädchen seiner Träume. Dazwischen Schulsorgen, Raufereien und Proletengehabe. Klingt nach einer Menge Pickelkram und Horrorklischees – ist aber ganz passable Horrorunterhaltung. THE SHED beginnt mit viel Drama und Sorgen – endet im fulminanten Splatterrausch. Das hat man nicht kommen gesehen, zumal sich FRANK SABATELLA ziemlich viel Zeit mit Charakterisierung lässt, um seinen Filmhelden so sympathisch wie möglich zu gestalten. Das Resultat ist um Längen besser als das, was uns der Regisseur vor einigen Jahren mit seinem Regiedebüt BLOOD NIGHT – THE LEGEND OF MARY HATCHET zugemutet hatte. Offenbar hat Sabatella diesmal vor den Dreharbeiten Hausarbeiten gemacht. Auf die Frage, von welchen Filmen er sich für die Arbeit zu THE SHED inspirieren ließ, fielen nämlich Titel bekannter Kultfilme wie THE LOST BOYS, NEAR DARK und FRIGHT NIGHT. Große Klassiker, die ausreichend analysiert wurden – aber natürlich überlegen sind. Macht aber nichts. THE SHED ist stimmig, professionell gemacht und hin und wieder sogar richtig spannend. Ob da Regisseur MIKE MENDEZ seine Finger mit im Spiel hatte? Der fungierte hier als Produzent und ist unter Horrorfilmfans kein Unbekannter. Mendez ist selbst Horrorfilmemacher und war 1996 mit seinem kontroversen MIKE MENDEZ‘ KILLERS in aller Munde.
 
 
 


 
 
 

THE SHED – Zensur

 
 
 
THE SHED hat einige Gewaltmomente zu bieten. Meist passieren die aber im Off und man sieht nur das Ergebnis diverser Morde. Im Finale wird etwas Splatter gezeigt. Da aber alles bei Nacht passiert, werden die Gewalteskapaden in Dunkelheit gehüllt. Hierzulande dürfte THE SHED ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE SHED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (1987)
 
Fright Night – Remake (2011)
 
Vampire Nation (2010)
 

Filmkritik: „Draculas Rückkehr“ (1968)

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DRACULA RÜCKKEHR

(DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE)

Story

 
 
 

Er ist nicht totzukriegen, der Generalfeldmarschall unter den Filmvampiren. Ein weiteres Mal sucht Graf Dracula (Christopher Lee) das ländliche Alt-Europa heim. In diesem Durchgang zwickt den baumlangen Bösewicht der untote Docht im Untergewand mehr als möglich und er steigt der scharfen Tochter eines Priesters hinterher, der gerade in den Ort gekommen ist. Dieser Monsignore ist es auch, der den Vampir, zusammen mit dem verzweifelten Freund der Tochter, schließlich Mores lehren will.

 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Kritik

 
 
 
Von der berichterstattenden Presse gibt’s fast einstimmig auf die Schnauze. Primitiv, kitschig, brutal, inhaltslos – so der Tenor in Print und Funk. Das für Unterhaltung und Kino-Schocks zahlende Publikum rund um den Globus sieht die Sache natürlich anders und beschert Hammer Einnahmen, die sich sehen lassen konnten. Manche Dinge ändern sich eben nie. Ein interessanter Kritikpunkt allerdings findet sich in der von verschiedenen Schreiberlingen getätigten Feststellung DRACULAS RÜCKKEHR sei „style over substance“, würde also die Optik und den Schauwert über Handlungsinhalte stellen. Wollen wir ehrlich sein, stimmt diese Beobachtung natürlich. Aber das macht – Fans werden uns hier bestätigen – einen der Haupt-Reize des Hammer’schen Gruselfilm-Universums aus.
 
 
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Ort der Handlung ist ein pittoreskes Stückchen Fantasie-Süddeutschland mit dem bizarren Namen „Keinenberg“. Man muss wissen: In der sehr angelsächsisch zurechtgestrickter Germanenwelt von Hammer Films regiert über die Städtchen und Gemeinden am Fuße gotischer Horrorschlösser der sogenannte „Burgomeester“. Passt also. In DRACULAS RÜCKKEHR schreiben wir das Jahr 1906. In Cowboyfilmen mit ernsterer Agenda redet man da gern vom Ende des alten Westens. Graf Dracula ist der Übergang in die Moderne (noch) Wurscht, dreht sich für ihn weiterhin alles um die Frage des gepflegten Nackenbisses. In der Gegenwart führen ihn erst spätere Einträge seiner Filmographie.
 
 
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Auch in Sird Lord Mayor Grand Imperial Dingdong Christopher Lees drittem Auftritt in seiner bekanntesten Rolle gibt der Mime wieder alles. Selbstverständlich. Diesmal führt er seine Darstellung interessanterweise weg vom fauchenden Monster aus dem Vorgängerfilm BLUT FÜR DRACULA (1966) und zurück zum aristokratischen Ekelpaket mit Sex- und Allmachtsfantasien, wie es sich Bram Stoker und die Historie des Genrekinos angewöhnt hatten. Er hetzt den hübschen Maiden hinterher, dass es eine fast schon parodistische Freude ist. Mit Michael Ripper steht ihm ein bekanntes Studio-Gesicht gegenüber. Veronica Carlson gibt das ikonische, hochgeschnürte Hammer-Babe de jour. Ein optisch schöner Pop-Art-Einfluss findet sich in der Kameraarbeit. Knallige Farbfilter umrahmen das Bild in jeder Szene auf dem Schloss des Vampirs. Technicolor-Kunstblut, grell und beinahe schon psychedelisch: Einer dieser großen Momente, in denen dem langjährigen Jünger auffällt, was diese bescheuerten britischen Horror-Reißer einfach so besonders macht.
 
 
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DRACULA RÜCKKEHR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wie gehabt. Mit den Über-Klassikern aus der britischen Horrorfilm-Fabrik Hammer verfahren wir hier nicht nach gewohntem Bewertungsmaß. Wenn man auch nur eine Urne voll Zuneigung für die atmosphärischen, manchmal seltsamen, derben aber immer sofort wiedererkennbaren Dracula- Frankenstein-, usw. Filme dieser Zeit oder für die Geschichte unseres Lieblingsgenres übrig hat, deckt man sich bitte kritiklos mit allen BluRay-Upgrades ein und klebt sich für einen Hammer-Allnighter vor den Televisor !
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Zensur

 
 
 
DRACULAS RÜCKKEHR lief ungeschnitten im Jahr 1969 in den deutschen Kinos. Dort erhielt der Film eine Freigabe ab 16 Jahren. Auch die späteren VHS- und DVD-Veröffentlichungen waren ungeschnitten und ab 16 Jahren geeignet. Demzufolge verwundert es nicht, dass dies nun auch bei den HD-Auswertungen der Fall ist. Auch hier: uncut und FSK16.
 
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula Has Risen from the Grave; Großbritannien 1968

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Draculas Rückkehr [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
DRACULA RÜCKKEHR erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im Oktober 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA RÜCKKEHR – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas jagt Mini-Mädchen (1972)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (1972)

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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN

(DRACULA A.D. ’72)

Story

 
 
 

1872 liegen Graf Dracula (Christopher Lee) und van Helsing (diesmal als „Lawrence“ im Familienunternehmen der Untoten-Jagd unterwegs – Peter Cushing) im Clinch und es sieht aus, als wäre dieser verletzungs- und entbehrungsreiche Kampf der letzte zwischen den beiden Erzrivalen. Nach einer Hetzjagd auf Kutschen lassen der Vampir und sein Verfolger beide ihr Leben. Hundert Jahre später taucht der Fürst der Finsternis wieder mitten in der Hauptstadt Großbritanniens auf. Eine gelangweilte Okkultisten-Gang unter der Führung des brennenden Fürsten-Verehrers Johnny Alucard (na, schnackelts ́s?) hat den Meister der Vampire in einer Schwarzen Messe zurück in die Welt des Fleischlichen geholt. Unter ihnen auch Lorrimer und Jessica van Helsing (Stephanie Beacham). Der junge Herr Alucard bekommt das Versprechen der Vampir-Verwandlung und versorgt den Großen dafür mit frischen Mädchenhälsen. Die Polizei kommt nicht weiter im Fall der leergesaugten Leichen und ruft einen Profi zur Hilfe. Lorrimer van Helsing, trotz seiner am Filmanfang gezeigten Begeisterung für Parawissenschaft immer noch direkter Nachfahr des berühmtesten aller Weihwasser-Versprüher und auch von Peter Cushing gegeben, erklärt sich bereit, endlich zu Ende zu bringen, was ihm in den Genen liegt.

 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Kritik

 
 
 
Auch heute sorgt der herrliche deutsche Titel noch für amüsiertes Stirnrunzeln und Verwunderung in den Gesichtern derer, die ihn erstmals serviert bekommen. Unter dem seltsamen Begriff der Mini-Mädchen firmierten für die knochigen Übersetzer damals junge Swinging-London-Schnecken. Also keine Mädchen in Taschenventilator-Größe, die sich Christopher Lee in eine Tasche seines seit Jahrhunderten leidgeprüften Beerdigungsanzuges stecken könnte.
 
 
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Man will ́s nicht meinen aber wahrhaftig hatten Christopher Lee und sein ewiger knoblauchschwingender Counterpart Peter Cushing seit dem ersten „Dracula“-Film aus der Hammer-Schmiede, 1958, nicht mehr als Graf und sein besessener Jäger miteinander gerungen. 1970 kommt der recht farblose „Dracula – Nächte des Entsetzens“ überhaupt nicht gut bei seinem Publikum an. Da muss Hammer sich schon etwas Besseres einfallen lassen als das nächste, im schlimmsten Fall uninspirierte Aufwärmen der Hatz durch erfundene südostdeutsche Städtchen während des Viktorianischen Zeitalters. Mit eimerweise grellem Zeitkolorit versehen, packt man also die eigenen Strickmuster des Vampirfilms, die man in den Jahren seit der faktischen Übernahme des Horror-Marktes zur Perfektion getrieben hat und verpflanzt sie in die englische Metropole zu Zeiten der ausgehenden Hippie-Epoche. Das so friedliebende „Zeitalter des Wassermanns“ muss sich wohl oder übel mit dem gegelten Höllenfürsten aus Rumänien befassen – und der hat ́s – oh Wunder – so gar nicht mit Peace & Love. Die Produzenten des Films umso mehr. Sogar ein Auftritt der obskuren, langhaarigen Kiffer-Rockband Stoneground findet bis in die Endfassung des Films. CD gibt es auch.
 
 
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Jugendliche Stinkmolche, die ihre Bürgerkinder-Langeweile und auch gleich ihre Eltern auf dem Wege des Spiels mit dem gefährlichen Übersinnlichen bekämpften, sind Anfang der Siebziger ein dankbares Thema. Mit der Vätergeneration am Hebel von Buch und Regie meint man es in den Studios nicht gerade gut mit den aufmüpfigen Blumenkindern und ihren Nachfolgern. Ja, es lässt sich sogar die ironische Behauptung „Die müssen doch mit dem Leibhaftigen im Bunde sein!“ herauslesen aus Filmen wie den „Mini-Mädchen“ hier oder trashigen Manson-Verarbeitungen wie „I Drink Your Blood“ aus den USA. Okkultismus-Rabauken-Meisterwerk des britischen Grusels ist der bei uns so geil mit dem Titel „Der Frosch“ geschlagene Satanisten-Biker-Knaller „Psychomania“ von Don Sharp. Unbedingte Empfehlung.
 
 
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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hammers Sprung in die Moderne tut Film und Genre gut. Viele Fans der Firma stehen sogar mehr auf die Horror-Abenteuer ohne Historienfilm-Anstrich. Wir mögen beide Seiten und freuen uns über die angenehme Schrägheit der Mini-Mädchen und ihres scharfen Jägers.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Zensur

 
 
 
Der sechste Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios mit Christopher Lee lief im Kino angeschnitten. Auch die TV-Ausstrahlungen waren bisher ungeschnitten. Nicht ganz komplett dagegen war die Auswertung auf VHS durch Anbieter WARNER. Dort vermisste man Material, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die deutsche VHS-Fassung das Master der alten britischen Videofassung als Vorlage hatte. Dort fehlte Filmmaterial. Immerhin änderte sich das mit der DVD-Veröffentlichung. Die DVD-Fassung sowie alle Blu-ray-Auswertungen von DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN sind komplett, ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A.D. 1972; Großbritannien 1972

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 04.10.2019

 

Dracula jagt Mini-Mädchen [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im September 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula? (1970)
 

Filmkritik: „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ (1970)

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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?

(TASTE THE BLOOD OF DRACULA)

Story

 
 
 

Das immer kurz vorm A-Star-Durchbruch stehende Gewohnheits-Ekel Ralph Bates spielt Courtley, einen jungen englischen Lord, der sich seine von den Untertanen gestohlene Zeit mit okkulten Ritualen und Teufelsbeschwörungen vertreibt. Sein Ruf als wegen Sauereien enterbter Dekadenz-Veranstalter hat auch drei weitere, aber deutlich ältere Widerlinge aus der britischen Gesellschafts-Elite erreicht, deren amoralische Suche nach neuen Reizen sich kaum noch befriedigen lässt. Zumindest nicht auf im weitesten Sinne natürliche Weise – die Puffs der Landeshauptstadt kennen sie zu Genüge. Jetzt ist der kleine Lord ein nachgerückter Jünger des Grafen Dracula, der die drei Gesellen zu einem schwarzmagischen Wiedererweckungs-Ritual überreden kann, in dessen Verlauf ihnen die dämonische Sache dann doch zu heiß wird und sie den Burschen wahnhaft-wütend totschlagen. Dem trotz dieses Widernisses auferstandenen Vampir schmeckt das gar nicht (noch weniger als das Blut von Dracula vermutlich. Entschuldigung…) und er beschließt, aus Rache für das Ableben Courtleys, die Kinder seiner Mörder in seinen Bann zu ziehen. Das ist doch mal eine Verbundenheit der Chefetage zum Personal, die sich sehen lassen kann! Im viktorianischen England auch noch. Ach ja, gefügig, auf dass sie ihre Väter um die Ecke bringen. Übrigens weiß niemand, dass die drei alten Freunde original britisch-konservativen Holzes in ihrer Freizeit Volldampf-Perverse sind. Auch Paul, einer der Söhne, nicht. Er wird aber zumindest gewarnt und wirft sich mit dem Mut der Verzweiflung dem Herrn der Finsternis entgegen.

 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Kritik

 
 
 
Wie schmeckt es denn nun? Die Frage beantwortet Hammer in seinem vierten Film über den König der Blutsauger nur unzureichend. Zu Videotheken-Zeiten, anno 1985 genauer, ist das dann offenbar auch schnuppe und die Kassette wartet als „Das Blut von Dracula“ in den Regalen der deutschen Verleihbuden auf ihre Opfer. Eigentlich will der Film ja gar kein „Dracula“ mehr sein. Studio-Hoffnung Ralph Bates soll als Nachfolger des vom teuren Christopher Lee verkörperten Vampirs eingeführt werden.
 
 
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Hammers US-amerikanische Vertriebspartner laufen angesichts dieser Ankündigung aus London allerdings beinahe Amok. Keine Chance für einen sauberen Schnitt also. Jetzt müssen die Firmenchefs Hinds und Carreras die Zähne zusammenbeißen, nochmal eines der versteckten eigenen Sparschweine zerschlagen und den notorisch von sich eingenommenen Verhandlungspartner Christopher Lee an den Produzententisch bitten. Dass unter diesen schwierigen Bedingungen noch einer der besten Filme der Reihe entstehen kann, spricht für alle Beteiligten. Tragisch aber und zu bei aller unterhaltsamen Qualität nicht zu leugnen: Hammers Glanzzeiten neigen sich anno 1970 langsam aber sicher ihrem Ende zu. Gothic Horror mit bösen Cape-Trägern auf gruseligen Schlössern rücken langsam aus dem Fokus der zahlenden Zuschauerschaft. Gleich zu Anfang verwursten die Produzenten Lees letzte Sterbeszene aus „Draculas Rückkehr“ ein zweites Mal. Drückt die Produktionskosten schon ein wenig. Dann kommen neue Aufnahmen.
 
 
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Sie bemerken an der Installation des jugendlichen Helden im Kampf gegen den Grafen: Auch dieses Mal kann Hammer Peter Cushing nicht für die Rolle des Vampirjägers Professor van Helsing begeistern. Das Logikverständnis des Schauspielers ist nicht elastisch genug, dem per se unsterblichen (und auch immer wieder ins Leben zurückgeholten) Transsylvanier als okkultistischer Wissenschaftler gegenüberzustehen, der irgendwann auch plötzlich mehrere hundert Jahre alt sein müsste. Der Plan, gar Vincent Price als Anführer der drei Herren zu besetzen scheitert im Vorfeld am Budget. In der Rolle von Pauls Freundin sehen wir Linda Hayden, für Freunde britischen Horrorkinos im Folgejahr unsterblich geworden durch die Hauptrolle der besessenen Angel in Piers Haggards wundervollem „In den Krallen des Hexenjägers“. Den haben wir hier auch mal gefeiert.
 
 
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WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was als Übergabe des Staffelholzes für Hammer beginnen sollte, gerät zur routinierten Fingerübung mit allem, was der Fan an diesen Filmen schätzt. Innen und außen also wenig neues. Opulenz, wo angebracht, Budget-Ersparnis wo nötig. Man fühlt sich wie zuhause.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Zensur

 
 
 
Der vierte Dracula-Film aus den legendären britischen Hammer Studios setzt nahtlos an den Vorgänger DRACULAS RÜCKKEHR an. Bei seiner deutschen Kinoauswertung im Juli 1970 durfte WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA bereits von Sechzehnjährigen besucht werden und war ungeschnitten. Das änderte sich mit der deutschen VHS-Veröffentlichung. Für die setzte man die Schere an und schnitt neben einigen harten Szenen auch einige Szenen aus dem Film, die man damals für anrüchig empfand. Erst in DVD-Zeitalter konnten Filmliebhaber auf die ungeschnittene Fassung zugreifen. WARNER brachte 2004 die erste deutsche DVD von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA auf den Markt. Diese war umgeschnitten frei ab 16 Jahren. Das hat sich mittlerweile auch nicht geändert. Alle erhältlichen HD-Fassungen auf Blu-ray besitzen eine FSK16-Freigabe und sind ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Taste the Blood of Dracula; Großbritannien 1970

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Wie schmeckt das Blut von Dracula [Blu-ray 2. Auflage von Studio Hamburg] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA erschien bereits in mehreren Blu-ray-Auflagen in Deutschland. Bereits im Sommer 2016 feierte der Klassiker seine deutsche HD-Premiere im Mediabook. Diese war aber dem Klassiker nicht angemessen und verärgerte Fans durch mangelhafte technische Ausstattung. STUDIO HAMBURG schob einige Monate später eine Blu-ray im KeepCase mit gleicher technischer Ausstattung nach. Erst im August 2018 übernahm Anbieter ANOLIS das Ruder. Das beliebte Label brachte den Streifen in einer Sonderedition auf den Markt, bereicherte die Mediabook-Veröffentlichung um umfangreiches Bonusmaterial und holte das Optimum bei Ton und Bild heraus. Nun erscheint eine zweite Auflage der KeepCase von STUDIO HAMBURG. Diese beinhaltet mehr Extras als noch bei der HD-Erstveröffentlichung und zeigt den Film in 1080p. Die Erstveröffentlichung erschien noch mit 1080i. Dennoch befinden sich auf dieser Zweitauflage immer noch weitaus weniger Extras, als es bei der ANOLIS-Veröffentlichung noch der Fall war. Immerhin ist diese Zweitauswertung von STUDIO HAMBURG zu einem relativ günstigen Kurs zu haben.
 
 


 
 
 

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Dracula (1958)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)
 

Filmkritik: „Dracula“ (1958)

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DRACULA

Story

 
 
 

Die Geschichte ist, da sind wir uns sicher, bekannt. Trotzdem hier gern noch einmal: Jonathan Harker, ein junger, unbedarfter Jurist und Immobilien-Mensch, wird von seiner Londoner Firma auf eine umständliche Geschäftsreise in einen der hintersten Winkel der Karpaten geschickt. Hier erwartet ihm, auf seinem Schloss, das die Einwohner der benachbarten Dörfer meiden wie die Pest, Graf Dracula, Der zurückgezogene Spross eines uralten Adelsgeschlechts will sich ein repräsentatives Anwesen auf der Insel zulegen und entdeckt auf einem Bild Mina, die Gattin des Engländers. Sie erinnert den Rumänen an seine große Liebe und er reist, nach der Vampirisierung seines Besuchers, auf dem Seeweg nach England und hat die Pest an Bord. Angekommen bringt Graf Dracula die höheren Töchter der Hauptstadt in Nöte und später um ihr Blut. Vampir-Forscher Professor van Helsing, die Bekannten des Maklers und seiner Familie sind dem spitzzahnigen Schrecken auf den Fersen.

 
 
 


 
 
 

DRACULA – Kritik

 
 
 
Der in London lebende Ire Bram Stoker setzt der Ende des 19. Jahrhunderts zur Staatsräson erhobenen Lust-Unterdrückung im England von Königin Victoria ein gar schauriges Literaturdenkmal, ja vermutlich die erste Horror-Story für die Ewigkeit. Dutzende Verfilmungen hat seine Düster-Fabel vom das britische Mutterland überfallenden Fledermaus-Herrscher aus dem wilden Osten seit der Stummfilm-Zeit hervorgebracht. Mit der Übernahme Christopher Lees verändert sich die Figur des Grafen unumkehrbar.
 
 
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Nach Murnaus unsterblichem „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), der Stokers Charaktere urheberrechtsbedingt nicht nutzen durfte, geht die erste Darstellung des Grafen an Bela Lugosi. Mit dem von dem Ungarn gespielten Nachzehrer in Tod Brownings „Dracula“ (1931) hat dieser Titel-Bösewicht aus dem Hause Hammer nun aber so gar nichts mehr gemein. Hier ist der mit Abstand berühmteste Literatur-Vampir mit adligem Stammbaum auf einmal kein merkwürdiger, osteuropäischer Spukschloss-Charmeur mit dem exotischen Gestus eines gut abgehangenen Bühnenschauspielers mehr. Sir Christopher Lees wild-interessante Züge mit ihrer jederzeit ins Wölfische, überhaupt Raubtierhafte umschaltbaren Durchsetzungskraft bringen zwar noch immer ein gewisses Quäntchen Exotik mit, nur macht sich der Schauspieler diese Färbung seines Charakters Eigenschaft zu Nutze, um die eindeutig sexuell zu verstehende Praktik der Verführung zum Eindringen seiner Fangzähne in zarte Damenhälse eben als aggressive Form von Sexualität dastehen zu lassen. Sein Graf Dracula ist ein strenger, schwarzhaariger Sex-Tyrann von nahezu zwei Metern Größe, dessen Biss seine – bevorzugt natürlich weiblichen – Opfer in devoter Hörigkeit zitternd und auf der Matratze kauernd zurücklässt. Da hat mancher von sich selbst überraschte Kulturwissenschaftler schon Sadomasochismus reinprojiziert, dass die Wände gewackelt haben. Lees Performance wird immer mit dem Grafen verbunden sein, Interpretationen durch andere Schauspieler nur noch dann zulassen, wenn sie sich – wie bei beim dandyhaften Gary Oldman 1992 etwa – ihre eigene Form von Überzeichnung erlaubten.
 
 
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Abraham van Helsing, ewiger und gerne von Peter Cushing gegebener Fachmann im Umgang mit Knoblauch, Kruzifix und Holzpflock, muss Jahrzehnte auf seinen Auftritt als Star des eigenen Films warten. Das Kinoverbrechen, das man sich 2004 getraut und auf dem man bei Universal gerne ein komplettes Universum – so wie ́s Marvel/Disney gegenwärtig ausreizt – der Monsterfilme aufgebaut hätte, ist ein kolossaler Schuss in den Ofen. Hugh Jackman trägt den viel cooleren (?) Vornamen Gabriel und reist als Steampunk-Quasi-Superheld durch einen blassgrünen Alptraum aus PlayStation 2-Effekten und Hirnfurz-Handlung, der manchen Zuschauer schreiend aus dem Saal zu jagen vermag. Super-Bad-Guy Dracula gründet hier mit anderen Monstern einen Club der Bösewichter. Ein ganz schreckliches Zeitdokument. Das halbgare „The Mummy“-Filmchen mit Tom Cruise beweist vor ein paar Jahren die eindeutige Lern-Resistenz auf Seiten des Studios.
 
 
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DRACULA – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Volle Punktzahl, allein schon aus historischen Gründen. „Dracula“ ist eine der Säulen, auf denen der Ruhm von Hammer Films und der gute Ruf britischen/europäischen Horrorkinos allgemein fußt. Gehört ohne Frage in jede respektable Filmsammlung und sieht in seiner restaurierten Fassung auch noch so knackig frisch aus wie seit seiner Leinwandzeit nicht mehr.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Zensur

 
 
 
DRACULA von 1958 wurde vom britischen Filmprüfungskomitee BBFC fürs Kino geschnitten, lief in deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 16 Jahren und erhielt auf VHS eine Freigabe ab 12. Jahrzehntelang galten diese von der BBFC herausgeschnittenen Szenen als verschollen. Doch im September 2011 wurden die letzten Filmrollen mit genau diesen Szenen in Japan gefunden. Demzufolge entstand eine Langfassung mit diesen Szenen. Beide Filmfassungen – also die ursprüngliche Fassung mit den herausgeschnittenen Szenen und die mit den gefundenen Szenen – sind nun auch in Deutschland auf Blu-ray und DVD zu haben. Beide Filmfassungen sind von der FSK neu geprüft worden. Sie sind für Zwölfjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

DRACULA – Deutsche Blu-ray (2. Neuauflage)

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase) – 2. Neuauflage

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dracula; Großbritannien 1958

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Enthält zwei restaurierte Fassungen: 1. Fassung von Warner Bros., 2. Fassung von Hammer Film (2012), Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – Uwe Sommerlad & Volker Kronz, Super 8 Fassung, Englischer Trailer, Deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik

Release-Termin: 27.09.2019

 

Dracula – Restaurierte Fassung (2. Neuauflage) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
DRACULA von 1985 hat in Deutschland schon so einige Blu-ray-Veröffentlichungen spendiert bekommen. Zuerst erschien er als Blu-ray im Mediabook und im KeepCase von STUDIO HAMBURG ohne Bonusmaterial. Anschließend brachte ANOLIS mehrere Sondereditionen auf den Markt für die sie jede Menge Bonus sammelten und sogar extra produzieren ließen. Nun wirft STUDIO HAMBURG noch einmal eine Blu-ray-Fassung (2. Neuauflage) auf den Markt. Diesmal mit besserer Bildqualität, zwei verschiedenen Filmfassungen und etwas Bonusmaterial. Letzteres entspricht zum Teil dem, was bereits auf den Scheiben vom Anbieter ANOLIS enthalten war. Wer aber das komplette Bonus-Paket sein Eigen nennen möchte, muss zwangsweise doch zu den teureren Veröffentlichungen aus dem Hause ANOLIS greifen. Nur dort sind umfangreiche Zusatzmaterialien vorhanden.
 
 


 
 
 

DRACULA – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Draculas Rückkehr (1968)
 
Wie schmeckt das Blut von Dracula (1970)
 
Dracula braucht frisches Blut (1973)
 
Dracula jagt Minimädchen (1972)