Filmkritik: „Dragged Across Concrete“ (2018)

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DRAGGED ACROSS CONCRETE

Story

 
 
 

Im düsteren Thriller „Dragged Across Concrete“ wechseln zwei Cops die Seiten, um sich zu bereichern, doch dabei legen sie sich mit psychopathischen Verbrechern an und die Sache scheint kein gutes Ende nehmen zu können.

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Kritik

 
 
 
S. Craig Zahler hat sich mit nur zwei Regie-Arbeiten schon zum absoluten Genre-Experten gemausert. Sein Debüt „Bone Tomahawk“ stellte eine Mischung aus Horror und Western dar und sein zweites Werk „Brawl in Cell Block 99“ dürfte kein Auge von Exploitations-Fans trocken gelassen haben. Die Erwartungen an „Dragged Across Concrete“ hätten kaum höher sein können. Eine enorm hohe Laufzeit, richtig gute Darsteller und eben Zahler als Regisseur. Was soll da großartig schiefgehen? Wer den Regisseur kennt und sich deshalb keinerlei falsche Erwartungen gestaltet, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht sein, wobei Zahler sein Publikum auch hier wieder gnadenlos spalten wird.
 
 
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Die Cops Brett und Anthony sind nicht gerade für ihre soften Methoden bekannt. Besonders Brett, der erfahrenere und ältere von Beiden, macht aus seinen skrupellosen Methoden keinen Hehl und geht gerade mit ausländischen Kriminellen nicht zimperlich um. Eines Tages reicht das aus für eine Suspendierung und weil Brett eine schwerkranke Frau hat, muss er an Geld herankommen. Also überredet er Anthony dazu, die Seiten zu wechseln. Schnell hat man sich einen Tipp eingeholt und observiert einen Verbrecher. Doch was anfangs nach einem Drogengeschäft aussieht, wird bald zu einem Banküberfall und mit den Kriminellen ist nicht zu spaßen, denn diese machen keine Gefangenen. Das liest sich nicht gerade besonders anspruchsvoll und eigentlich ist diese Story auch überhaupt nichts Besonderes. Hier gesellt sich Cop-Thriller zu Heist-Movie, aber wenn S. Craig Zahler das Drehbuch selbst schreibt, fällt die Handlung trotzdem anders aus. Auf die üblichen Konventionen wird überwiegend gepfiffen und so kann der Zuschauer sich niemals sicher sein, was als nächstes geschehen wird. So simpel die Geschichte im Kern auch sein mag, so treffsicher ist sie doch auch, wenn es um die Analyse des Weltgeschehens geht. Dieses Weltbild sieht nicht gerade rosig aus und geht eher in eine nihilistische Richtung. Themen wie Rassismus und Politik werden immer mal angesprochen, doch stets am Rande. Dies dominiert nicht das Geschehen, doch es ist vorhanden und verleiht dem Drehbuch so am Ende doch einen gewissen Anspruch.
 
 
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Wirklich gut ist „Dragged Across Concrete“ aber am ehesten, weil er sich nicht an die üblichen Regeln hält. Nachdem Zahler ja bereits mit seinen beiden vorherigen Regie-Arbeiten gezeigt hat, dass er es gerne langsamer und länger hat, treibt er dieses Spiel mit „Dragged Across Concrete“ nun vollends auf die Spitze. 160 Minuten Laufzeit sind für einen Film dieser Art absolut nicht wenig und das erfordert schon gewisses Sitzfleisch vom Publikum. Zahler zelebriert die Langsamkeit, treibt seine Handlung gnadenlos schleppend voran. Die Kunst daran ist, dass er dabei trotzdem niemals langweilt. In der ersten Hälfte beschäftigt man sich am ehesten mit den beiden suspendierten Cops Brett und Anthony. Sie erhalten ihren Hintergrund und dieser muss gar nicht großartig ausgefeilt werden damit sie glaubwürdig wirken. Ihre Charaktere sind ambivalent. Eigentlich stellen sie nicht gerade die Guten dar und trotzdem kann man sie nachvollziehen, ja gewissermaßen sogar gutheißen, was sie da machen. Auch alle anderen Figuren werden nur am Rand charakterisiert und immer reicht das vollkommen aus. Es ist allerdings viel weniger das Zusammenspiel dieser verschiedenen Figuren, sondern noch viel mehr die Inszenierung von Zahler, die das alles so sehenswert macht.
 
 
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Lange nimmt der Regisseur sich Zeit, zeigt auch die wohl eher unwichtigen Dinge, entwirft damit jedoch ein stimmiges und authentisches Bild des Lebens. Plötzlich eskaliert die Situation ohne große Vorwarnung und dann spielt auch Gewalt eine Rolle. Die Freigabe ab 16 Jahren mag täuschen, aber harmlos ist „Dragged Across Concrete“ ganz sicher nicht. Die Gewalt findet hier allerdings nur beiläufig und niemals ausufernd statt. Obwohl das Weltbild im Film düsterer Natur ist, gibt es trotzdem so eine Art Fairness. Manche Szenen lassen eine gewisse Trostlosigkeit spüren, andere hingegen besitzen mit ihrem leicht schwarzen Humor schon fast etwas Lockeres. Auf jeden Fall gesellen sich viele unterschiedliche Stimmungen zu einem homogenen Ganzen zusammen. Ein wenig Drama, etwas Thriller, eine minimale Portion Heist-Movie und am Ende auch ein ganz wenig Actionfilm. Von Spannung wird das Treiben dabei mit Sicherheit nicht dominiert, denn dafür sind die meisten Szenen zu unspektakulär. Erst im letzten Drittel geht es diesbezüglich etwas mehr zur Sache, doch auch zuvor fühlt man sich stets sehr gut unterhalten. Dafür sorgen neben den gut ausgearbeiteten Dialogen vor allen Dingen auch die starken Darsteller.
 
 
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Vince Vaughn darf leider keine zweite Leistung wie in „Brawl in Cell Block 99“ von sich geben, doch nach wie vor macht er sich in den ernsten Rollen bestens und enttäuscht nicht. Besonders interessant ist es zudem Mel Gibson an seiner Seite zu sehen und vor allen Dingen ihn in einem Film von S. Craig Zahler zu sehen. Gibson, der sich von seinen Eskapaden mittlerweile ja ziemlich rehabilitiert hat, ist hier in einer mutigen Rolle zu sehen, weil sie seinem eigenen Weltbild wahrscheinlich gar nicht so unähnlich ist. Wer hier nun das emotionsstärkste Schauspiel erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, aber auch so ist das sehr routiniert und packend gespielt. In kleineren Rollen gibt es Udo Kier, Thomas Kretschmann und eine starke Jennifer Carpenter zu sehen. Wirklich gut ist nebenbei auch Tory Kittles. Allgemein enttäuscht hier kein Darsteller und das Treiben ist zeitweise recht dialoglastig, obwohl im Endeffekt dann doch gar nicht so viel gesagt wird. „Dragged Across Concrete“ ist ein stiller Film, was auch das Fehlen von einem Score noch mal stark bestätigt. Bis auf ein paar Songs vom Soundtrack gibt es im gesamten Film keinerlei Musik zu hören. Das passt und rundet dieses eher spezielle Werk ideal ab.
 
 
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DRAGGED ACROSS CONCRETE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
S. Craig Zahler macht so weiter, wie er aufgehört hat und geht seinen Weg konsequent weiter. Manche werden ihn dafür lieben, andere werden damit nichts mehr anfangen können. „Dragged Across Concrete“ ist die reine Langsamkeit. Die Geschichte hätte man in der Hälfte der Laufzeit erzählen können und selbst wenn das auf den ersten Blick gar nicht so viel Substanz besitzt, machen die Feinheiten doch eine ganze Menge aus. Das Drehbuch besitzt auf jeden Fall seine Portion Anspruch und dazu gesellt sich eine sehr interessante Besetzung, die einen ordentlichen Job abliefert. Die Inszenierung ist typisch für Zahler, langsam, teilweise entgegen der Erwartungen und dann wieder in Gewalt eskalierend. Doch „Dragged Across Concrete“ ist noch deutlich langsamer, als seine beiden Vorgänger. Nicht jeder wird damit etwas anfangen können und das ist auch gut so. Fakt bleibt jedoch, dass Zahler seinen Ruf als Genre-Experte weiter festigen können wird, denn mit so unkonventionellen, konsequenten Filmen bietet er etwas, womit heutzutage nicht mehr viele Filme dienen können: Überraschung!
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Zensur

 
 
 
„Dragged Across Concrete“ hat im Vergleich zu den bisherigen Arbeiten von Regisseur S. Craig Zahler (der übrigens mit am Drehbuch „Puppet Master: Das tödlichste Reich“ schrieb) eine überraschend niedrige FSK-Freigabe erhalten. Zuletzt sorgten die Filme des Filmemachers gerade wegen der Zurschaustellung von Gewalt für Furore. Der neuste Streich ist da zurückhaltender. Deshalb gab es für den Streifen von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Fassung.
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dragged Across Concrete; USA 2018

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 163 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Featurette: Elements of Crime – Part 1-3, Featurette: Moral Conflict Creating Cinema that Challenges, Trailer

Release-Termin: 20.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brawl in Cell Block 99 (2017)
 
Killing Them Softly (2012)
 
Training Day (2001)
 
Dark Blue (2002)
 

Filmkritik: „Feedback: Sende oder stirb!“ (2019)

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FEEDBACK: SENDE ODER STIRB!

(FEEDBACK)

Story

 
 
 

Radioshow des Grauens: Einige maskierte Einbrecher legen eine Radiostation lahm und übernehmen das Zepter. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die einen kalt und unvorbereitet treffen. Da schiebt man ahnungslos einen Film in den Player und erwartet eigentlich nicht viel. Umso erfreulicher, wenn es einen dann doch packt und nicht mehr loslassen will. Der spanische FEEDBACK ist eine dieser beschriebenen Produktionen. Der wurde ausschließlich in englischer Sprache gedreht und international besetzt. So lässt sich ein europäischer Film besser international verkaufen. Das Ergebnis ist Qualitätsarbeit aus Spanien bei der nicht wundern würde, wenn einen Herrn Jason Blumhouse der Teufel packt und FEEDBACK noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt neu interpretieren würde. FEEDBACK erinnert in seiner Machart an FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder den erst kürzlich hier besprochenen DAS GEHEIMNIS DER ROSE. In letzterem wurde eine Familie von einem Fremden terrorisiert, der noch ein Hühnchen mit der Bande zu rupfen hatte. Während dort der Horror in erster Linie psychischer Natur war, hält Regisseur PEDRO C. ALONSO von Kopfkino allein nicht sonderlich viel. Der lässt in seinem Regiedebüt FEEDBACK gleich mal den Hammer schwingen und sorgt für ein Blutbad. Hier wird Schockwirkung mit dem Riesenhammer erzielt. Zartbesaitete halten besser Abstand, denn FEEDBACK wirkt wegen der schonungslosen Skrupellosig- und Unberechenbarkeit von Bestie Mensch nach.
 
 
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Der Moderator einer erfolgreichen Radiosendung erlebt die Hölle auf Erden. Der wird eines Abends während einer Live-Übertragung von Einbrechern in seinem Moderationsraum festhalten. Jarvis Dolan soll die Sendung wie üblich weiter führen aber den Anweisungen der maskierten Fremden Folge leisten. Die haben keine besonderen Musikwünsche, sondern wollen den Moderator vor Live-Publikum zur Rede stellen. Eine Angelegenheit, die die Karriere des bekannten Rundfunksprechers beenden könnte. Das weiß Jarvis Dolan natürlich, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das perfide Spiel mitzuspielen. Die Kriminellen haben nämlich Geiseln in der Hand und sind zu allem bereit. Ist der Moderator nicht kooperativ, sterben nahestehende Menschen. Eine Tatsache, die diese Live-Sendung zur längsten im bisherigen Leben des Jarvis Dolan macht.
 
 
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Überschaubare Kulisse und Hochspannung pur. Die ganze Handlung von FEEDBACK spielt sich – ähnlich wie in so Filmen wie PANIC ROOM oder ELEVATOR – auf begrenztem Raum ab. Das bedeutet, dass sich die Geschehnisse in nur einem einzigen Zimmer zutragen, was zusätzlich für Anspannung sorgt. Panik, Klaustrophobie, Angst – extreme Herausforderungen, die den Film tragen und zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Regisseur PEDRO C. ALONSO lässt kaum Verschnaufpausen zu. Er beweist einen bewundernswerten Umgang mit Spannung, fordert seine Opfer und ebenso den Zuschauer. Was wollen die Einbrecher, wer versteckt sich hinter den Masken und zu was sind die Fremden fähig? Antworten auf Fragen, die natürlich so lang wie möglich verschleiert werden. Dazwischen: explizite Gewalt, psychologischer Terror und unerwartete Wendungen. Ja, FEEDBACK ist kein einfach zu verdauendes Filmchen – vor allem auch deshalb, weil der Film Kompromisse scheut und den Zuschauer wie auch seine Opfer durch die Filmhölle gehen lässt. Dabei bleibt grundsätzlich unklar, wer denn nun hier eigentlich gut und wer böse ist. Da verschwimmen Grenzen. Filmemacher PEDRO C. ALONSO macht aus Menschen Monster, die selbst in Extremsituationen über Leichen gehen und sich kontinuierlich in der moralischen Zweideutigkeit bewegen. Eine Tatsache, die verstört, zumal der Newcomer auch noch mit einem hinterlistigen Ende dort trifft, wo es am meisten wehtut. Das ist zwar nichts für Zuschauer mit schwachem Kreislauf. Trotzdem bleibt man aber mit so brachial schonungslosen Filmen im Gedächtnis. Eine Tatsache, die schon so manchem Filmschaffenden den Weg nach Hollywood geebnet hat. Kollegen wie ALEXANDRE AJA können ein Lied davon singen.
 
 
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FEEDBACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine kontroverse Geiselnahme, die schon bald aus dem Ruder läuft. FEEDBACK ist kein Kinderfasching. Der Film entpuppt sich als klaustrophobisches Kammerspiel, das vor allem durch eines im Gedächtnis bleibt: Schockwirkung. Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Das betrifft Figuren, wie auch Handlungsverläufe. Dazwischen: brachiale Gewaltausbrüche, die so unvorbereitet und heftig kommen, dass der Puls rast. Regisseur PEDRO C. ALONSO entpuppt sich als wahrhaftiger Spannungsmeister. Kaum Action, viele Dialoge. Dennoch vergehen die knapp 90 Minuten wie im Flug. Danach erhebt man sich schweißgebadet aus dem Filmsessel und braucht erstmal eine kalte Dusche. Krasses Debütwerk.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Zensur

 
 
 
FEEDBACK hat einige doch sehr harte Szenen zu bieten. Da wird mit einem riesigen Hammer eine Hand zertrümmert, auf einen Schädel mehrmals eingeschlagen und einen Kehlenschnitt gibt es auch zu sehen. Man darf von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen: FSK18. FEEDBACK – SENDE ODER STIRB (so der deutsche Titel) wird am 29. November 2019 als DVD, Blu-ray und im Mediabook veröffentlicht. Anbieter PANDASTORM PICTURES hat sich die deutschen Rechte gesichert.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Films Spain | Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Das Geheimnis der Rose (2017)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „Level 16“ (2018)

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LEVEL 16

Story

 
 
 

In einer Akademie werden Teenagerinnen mit harter Hand geführt. Bis es plötzlich zwei Mädchen nicht mehr aushalten und das System der Schule hinterfragen.

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Kritik

 
 
 
Während minderwertige Horrorfilme gern mal mit reißerischen Covergestaltungen um die Gunst der Käuferschaft buhlen, passiert es nicht selten, dass viele Streifen erst gar nicht gekauft werden, weil das Cover der DVD oder Blu-ray zum zugehörigen Film nicht ansprechend gestaltet wurde. Das ist dahingehend schade, weil so Produktionen erst gar nicht gesehen werden, die eigentlich Aufmerksamkeit verdient hätten. Ein solches Beispiel ist der folgende LEVEL 16. Der wurde auf einigen Festivals zu Recht mit Preisen und Lob überschüttet. Leider hat man beim Cover-Design nicht unbedingt Kreativität walten lassen, was wohl dazu führen wird, dass der Geheimtipp im Kaufregal liegen bleibt. Eine Schande, verpasst man doch so einen der besten Indie-Genrefilme der letzten Jahre. Deshalb klären wir auf: LEVEL 16 ist einer jener Filme, der gesehen werden sollte, weil er nachwirkt. Ganz ohne Blut, Mord und Totschlag!
 
 
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Die Mädchen der Vestalis-Akademie haben es nicht leicht. Die müssen sich strengen Regeln unterwerfen und werden zu Reinheit, Gehorsamkeit und Bescheidenheit erzogen. Nur wer demütig und anständig bleibt, hat so die Chance von liebenden Eltern adoptiert zu werden. Doch bevor die Teenagerinnen in ein neues Zuhause ziehen können, muss Level 16 durchwandert werden. Hierbei handelt es sich um die finale Stufe der Akademie, die nur durch Fleiß, Unterwerfung und Disziplin erreicht werden kann. In jenem Level 16 befinden sich auch Vivien (KATIE DOUGLAS) und Sophia (CELINA MARTIN). Die beginnen bald das System zu hinterfragen und wollen nur noch raus. Doch der Weg in die Freiheit ist steinig und schwer. Auf den Gängen befinden sich bewaffnete Männer und beinahe jede Tür dieser Einrichtung wurde mittels Schlüsselkarte verschlossen. Sieht so eine Schule für strebsame Schülerinnen aus?
 
 
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LEVEL 16 besitzt das, was guten Genre-Filmen neueren Datums oft fehlt. Der Film überzeugt durch gute Schauspieler, eine undurchsichtige Handlung und zermürbende Atmosphäre, die einen tief in den Filmsessel versinken lässt. Was in dieser eigensinnigen Mädchenschule tatsächlich vor sich geht, wird zum großen Geheimnis gemacht. Was liegt hier im Argen, warum werden die Mädchen in dieser Akademie streng bewacht und hart geführt? Die Antwort darauf lässt auf sich warten. Bis der Streifen nämlich mit der Sprache herausrückt, vergeht viel Zeit. Da wird gern mal angedeutet, Spannung vorangetrieben und mit klaustrophobischer Stimmung provoziert. Letztere lässt früh erahnen, dass hinter diesen Mauern ein perfides Spiel gespielt wird. So mutet es eigensinnig an, dass die pubertierenden Mädchen weder Lesen, Schreiben noch Rechnen können. Als wäre das für eine Eliteschule nicht seltsam genug, werden die jungen Frauen auch noch wie Gefangene in Zellen gehalten, um sie vor drohendem Unheil fernzuhalten, das sich draußen an der Luft zusammenbraut. Erfahrene Zuschauer wissen: normal ist das definitiv nicht.
 
 
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Regisseurin DANISHKA ESTERHAZY dreht ausschließlich Filme in denen starke Frauen im Zentrum stehen. Das ist auch in LEVEL 16 der Fall. Hierbei handelt es sich um einen dystopischen Thriller, der in erster Linie das Zusammenspiel seiner kleinen Helden fokussiert. Dabei wird die Kulisse bewusst minimalistisch gehalten, damit sich der Zuschauer auf die Figuren konzentrieren kann. Die werden im Film von Aufsehern der Einrichtung manipuliert und mit Bestrafungen terrorisiert, um so zu anständigen und „reinen“ Frauen heranzuwachsen. Da macht sich unter den Mädchen ein Gefühl der Angst breit, die sich so ziemlich schnell auch auf den Zuschauer überträgt. Eine Kunst für sich, die vor allem auf die schauspielerischen Leistungen zurückzuführen ist. Die jungen Darstellerinnen winseln und weinen ziemlich echt. Das hat zur Folge, dass die psychischen Folterungen und die emotionalen Qualen der Schülerinnen durch Mark und Bein gehen. LEVEL 16 ist der beste Beweis dafür, dass es kein millionenschweres Budget und teure Spezialeffekte bedarf, um sehenswerte Genre-Ware zu drehen. Ein gutes Drehbuch und talentierte Schauspieler sind alles, um knapp 90 Minuten unterhalten zu können.
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der kanadische LEVEL 16 ist ein dystopisches Thriller-Drama mit kühlen und sterilen Look, über das man besser nicht zu viel liest, um sich nicht die Spannung verderben zu lassen. Der minimalistische Streifen lebt nämlich von der Prämisse, dass er aus seinem übersichtlichen Plot ein großes Geheimnis macht. Der Zuschauer wird – wie seine jungen Darstellerinnen – lang im Unklaren darüber gelassen, was es denn nun mit dieser Schule auf sich hat, die im Film heranwachsende Mädchen zu gehörigen Damen erzieht. Diese Undurchsichtigkeit macht den kammerspielartig aufgebauten LEVEL 16 so ziemlich spannend. Sollte man als offener Filmfan gesehen haben. Sehenswert!
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Zensur

 
 
 
LEVEL 16 ist eher ein zurückhaltendes Drama, statt bluttriefender Horrorfilm. Am Ende fällt ein Mann über eine Mauer und bricht sich das Genick. Weiterhin sieht man eine Leiche, deren Haut abgezogen wurde und mit einem Skalpell wird ein Gesicht verunstaltet zerschnitten. Hierzulande hat LEVEL 16 eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Level 16; Kanada 2018

Genre: Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 103 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.03.2019

 

Level 16 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Insel (2005)
 
The Handmaids Tale (seit 2017)
 

Filmkritik: „Dismissed“ (2017)

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DISMISSED

Story

 
 
 

Eine beunruhigende Unterrichtsstunde in Sachen Psychoterror: Ein Englischlehrer gerät an einen Schüler des Grauens. Der entpuppt sich als heimtückischer Psychopath und macht den Unterricht zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Kritik

 
 
 
Wenn uns das Horrorgenre ein was gelehrt hat, dann ist das die Vorsicht vor ungewöhnlich gut erzogenen Kindern und Jugendlichen. In der Regel stimmt da irgendwas nicht. Vieler derer sind nämlich gar nicht so wohlerzogen, wie man es von ihnen erwartet, denn oft schlummert hinter der Fassade vermeintlich höflicher Kids gern mal das abgrundtief Böse. Bereits Regisseur RICHARD DONNER hat das in den 1976ern erkannt. Der brachte mit DAS OMEN einen wegweisenden Kassenschlager in die Kinos und machte darin einen kleinen Jungen zum Handlanger des Teufels bei dem wegen des unschuldig dreinschauenden Gesichts niemand wahrhaben wollte, dass in ihm das Böse haust. Ähnliches Thema ist auch im folgenden DISMISSED Programm. Der mag zwar nicht im Okkult-Fach beheimatet sein, ist aber mindestens genauso beunruhigend. Auch hier will man nicht glauben, dass in einem vorbildlichen Schüler das Böse in Menschengestalt lebt. Für den unberechenbaren Psychotrip zeichnet ein Newcomer verantwortlich. Regisseur BENJAMIN ARFMANN feiert mit dem Thriller DISMISSED sein Langfilmdebüt. Zuvor arbeitete er ausschließlich an Kurzfilmen und einigen Folgen weniger bekannter Vorabendserien. Nun probiert er sich an etwas Größerem aus, das sich zweifelsohne sehen lassen kann. DISMISSED ist ein schnörkelloser Psychothriller mit starken Schauspielern und straffer Inszenierung. Wer demnach seine Nerven strapazieren lassen möchte, darf gern einen Blick wagen.
 
 
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Englischlehrer David Butler (KENT OSBORNE) zweifelt an seinem Lehrer-Dasein. Die Schüler arbeiten im Unterricht nicht mit und auch sonst will sich niemand in seinen Lehrstunden einbringen. Ist er etwa kein guter Lehrer? Da kommt plötzlich ein neuer Schüler an die Schule und belehrt eines Besseren. Lucas (eher bekannt aus Disney-Produktionen: DYLAN SPROUSE) heißt der Vorzeigeschüler, der sich zu benehmen weiß, hervorragend Schach spielt und Interesse am Unterricht zeigt. Das lässt nicht nur Mitschüler erstaunen. Auch Mr. Butler ist über den Unterrichtseinsatz und den Fähigkeiten des Neulings verblüfft. Er freundet sich mit seinem neuen Schüler an und verbringt auch sonst ungewöhnlich viel Zeit mit dem Teenager. Doch der ist nicht so fehlerfrei wie anfangs vermutet. Perfektionist Lucas hat nämlich auch noch ein zweites Gesicht und das ist alles andere als freundlich. Als der für eine Hausarbeit nicht die erhoffte gute Note erhält, ist Schluss mit nett. Er beginnt seinen Lehrer zu terrorisieren und macht ihm das Leben alles andere als einfach. Schüler sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Früh übt sich, wer ein Psychopath werden will. DISMISSED ist einer dieser Psychothriller, die das Grauen langsam heraufbeschwören und den Zuschauer schnell dort packen, wo es ihm am meisten wehtut. Lehrer David Butler wird hier in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Musterschüler Lucas besitzt nämlich die Gabe der Manipulation und will für eine schlechte Note dem Lehrer eine Lektion erteilen. Der hat schnell die halbe Schule auf seiner Seite. Die glaubt dem Jugendlichen bald mehr, als dessen Lehrkörper. Das wirkt zwar teilweise etwas sehr konstruiert und unglaubwürdig, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Spannungsschrauben werden in DISMISSED minütlich fester gezogen, weil sich Psychopath Lucas immer perfidere Methoden einfallen lässt, um das Leben seines Englischlehrers zu ruinieren. Der versucht einen Ausweg aus der Misere zu finden und recherchiert. Natürlich will ihm niemand Glauben schenken. Doch er findet Anhaltspunkte darüber, dass der neue Schüler bereits an der alten High School ähnliches Spiel mit einem anderen Lehrer gespielt hat.
 
 
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Die Geschichte von DISMISSED ist nicht neu und auch der Verlauf der Geschichte ist nach gleichem Muster gestrickt, wie die der vielen anderen Filme in denen sich scheinbar friedliebende Menschen als Psychopathen entpuppen. Dennoch ist DISMISSED deshalb nicht zwangsläufig schlecht. Regisseur BENJAMIN ARFMANN hat für seinen Film zwei hervorragende Schauspieler gefunden, die sich ein bitteres Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Hierbei glänzt vor allem Jungdarsteller DYLAN SPROUSE, der eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem jungen LEONARDO DICAPRIO besitzt und mit Engelsgesicht fasziniert, aber auch böse kann. Da werden Erinnerungen an Filme wie EMELIE, MIKEY, ORPHAN oder DAS ZWEITE GESICHT wach. Auch dort versteckte sich das Böse hinter Engelsaugen, das man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Gott sei Dank gab es in diesen Filmen für die unartigen Kinder am Ende eine Lektion. Ob eine Bestrafung auch auf den geistig verwirrten Bengel in DISMISSED wartet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist, dass der hier vorgestellte Psychothriller – trotz kleinem Budget – millionenschweren und starbesetzten Thrillern souverän die Stirn bietet. DISMISSED ist sehenswert. Da kann man nicht meckern. Hoch lebe das Indie-Horrorkino.
 
 


 
 
 

DISMISSED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Böse Taten für gute Noten: Spannender Psychothriller mit unberechenbarem Bösewicht, der eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Erpressen besitzt. DISMISSED ist ein kleiner Film mit wenig Budget. Das sieht man dem Psychothriller aber zu keiner Minute an. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Der Film wird von seinen hervorragenden Darstellern getragen, die mit gutem Schauspiel überzeugen können. Das macht schon was her, denn was nützen die klügsten Geschichten, wenn die Darsteller schlecht sind. Dank gutem Schauspiel vergisst man schnell die überschaubare Handlung, die nach gleicher Rezeptur für Psychothriller gemixt wurde, wie unzählige Streifen zuvor. Wieder mal wird ein vermeintlich liebenswerter Teenager als skrupelloser Psychopath entlarvt. Das erinnert an so Filme wie FEAR oder HOUSE AT THE END OF THE STREET. Überraschung gibt es wenige. Trotzdem funktioniert der Film hervorragend, weil Regisseur BENJAMIN ARFMANN kaum Längen zulässt. Wer demzufolge eine Schwäche für solche Filme besitzt, wird gut unterhalten werden. Trotz bekanntem Verlauf ist DISMISSED erstaunlich kurzweilig geraten. Unterhaltsame Filme sind eben alles. Kann man sich bedenkenlos auf seine Filmliste setzen.
 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Zensur

 
 
 
DISMISSED ist ein Psychothriller. Dementsprechend liegt der Fokus in erster Linie auf psychologischen Horror. Ein Mädchen stürzt vom Dach der Schule und im Schulunterricht wird ein Schüler durch eine Explosion im Chemieunterricht verletzt. Am Ende gibt es noch einen Mord zu sehen, der aber im Off zelebriert wird. Der Zuschauer bekommt dort nur das Ergebnis zu Gesicht. DISMISSED ist ein klarer FSK16-Kandidat.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei BoulderLight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
The Stepfather (1987)
 

Filmkritik: „Happy Hunting“ (2017)

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HAPPY HUNTING

Story

 
 
 

Alkoholiker (MARTIN DINGLE WALL) verirrt sich bei seiner Reise nach Mexiko in das Jagdgebiet gewissenloser Landeier, die gern mal auf Menschenhatz gehen.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte der alkoholabhängige Warren nur nach Mexiko reisen, um dort einem ominösen Telefonanruf nachzugehen. Eine Mexikanerin hat kurz vor ihrem Tod erklärt, dass der Herumtreiber der Vater ihres Kindes sei. Deshalb will Waren die lange Reise aufnehmen, um seinen Sohn kennenzulernen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als Horrortrip. Der Alkoholiker verirrt sich in das kleine Städtchen Bedford Flats irgendwo in der Wüste an der mexikanischen Grenze, wo nach anderen Regeln gelebt wird. Hier wird alljährlich ein Fest der Superlative gefeiert bei dem unschuldige Menschen gejagt werden. Leider stolpert Warren genau während der Festvorbereitungen in den Ort und wird so zum unfreiwilligen Opfer einer Menschenjagd, die mit nichts und niemand Gnade kennt.
 
 
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HAPPY HANUTING ist kein einfach zu verdauender Horrorthriller, denn die kaltschnäuzigen Bilder sind nicht für jedermann bestimmt. Inmitten flirrender Wüstenhitze wird hier eine kompromisslose Menschenjagd veranstaltet. In ihrer derben Zurschaustellung erinnert die nicht selten an das harte Exploitationkino der 1970er, wo so Survival-Horror wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder der reißerische Mutanten-Schocker THE HILLS HAVE EYES für Furore gesorgt haben. Doch das Duell zwischen Mensch und Mensch ist nicht nur brutal und zeigefreudig. Im Unterschied zu vielen ähnlich gelagerten Streifen in denen Menschen gejagt, gefoltert und ermordet werden, mangelt es HAPPY HAUNTING nicht an gesellschaftspolitischer Kritik. So prangern die beiden Regisseure JOE DIETSCHS und LOUIE GIBSON nicht nur die lapidaren Waffengesetze in den Vereinigten Staaten an, wo das Recht Waffen zu besitzen, verfassungsrechtlich geschützt ist. Auch die politisch vergessenen Teile Amerikas werden kritisch beäugt, wo offenbar an eigenen Traditionen und Bräuchen festgehalten wird, weil man sich von der Politik im Stich gelassen fühlt.
 
 
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Unterm Strich also kein belangloses Gewaltspektakel, sondern Horror mit Hirn, der durchaus kurzweilig über die Leinwand flimmert und – der Titel lässt es erahnen – gern auch mal von schwarzhumorigen Untertönen Gebrauch macht. Übrigens ist LOUIE GIBSON kein Niemand. Hier handelt es sich um einen der Söhne von Schauspieler MEL GIBSION. Letzterer probiert sich seit einigen Jahren auch gern mal als Regisseur aus. Offenbar hat dessen Sohnemann auch Gefallen am Drehen von Filmen gefunden. Mit HAPPY HUNTING feiert der Nachwuchs nämlich sein Spielfilm-Regiedebüt. Angesichts der schnörkelfreien Inszenierung darf man gespannt auf das sein, was da noch kommen wird. Talent hat der Gibson-Spross definitiv.
 
 
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HAPPY HUNTING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Kompromisslose Mischung aus Actionfilm, Survival-Thriller und Neo-Western, der an das harte Exploitationkino der 1970er erinnert. Der Film überzeugt mit versiertem Umgang der Kamera, atemberaubenden Bildern sowie spannender Erzählweise und beweist einmal mehr, dass visuell überzeugende Filme nicht immer nur aus Hollywood kommen müssen. Als i-Tüpfelchen gibt es neben viel Gewalt und zynischer Note auch noch jede Menge Bezüge und Seitenhiebe auf die aktuelle Politik des DONALD TRUMP. Dessen Vision einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wird in HAPPY HUNTING Wirklichkeit. Ganz zum Leidwesen von Filmheld Warren. Der muss vor einer Meute schießwütiger Amerikaner nach Mexiko flüchten, kommt aber nicht auf die andere Seite, weil eine Mauer an der Grenze gebaut wurde. Was für ein makabres Unterfangen. HAPPY HUNTING ist intelligent, brutal und sehenswert. Demzufolge ein Fest für anspruchsvolle Horrorfans.
 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Zensur

 
 
 
HAPPY HUNTING ist ziemlich hart und die Gewaltszenen sehr zeigefreudig. Vor allem unerwartete Einschüsse in menschliche Körper lassen zusammenzucken und sind nichts für empfindsame Gemüter. Sollte HAPPY HUNTING in Deutschland erscheinen, könnte es Probleme mit der FSK geben. Dennoch gehen wir von einer ungeschnittenen Erwachsenenfreigabe mit rotem Freigabesticker aus.

 
 
 


 
 
 

HAPPY HUNTING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Selective Collective | Waterstone Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Reach – In der Schusslinie (2014)
 
Desierto – Tödliche Hetzjagd (2015)
 
King of the Hill (2007)
 

Filmkritik: „The Good Neighbor“ (2016)

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THE GOOD NEIGHBOR – JEDER HAT EIN DUNKLES GEHEIMNIS

(THE WAITING)

Story

 
 
 
Zwei Teenager (darunter KEIR GILCHRIST aus IT FOLLOWS und DARK SUMMER) haben ein perfides Experiment vor, das sie berühmt machen soll. Sie wollen den seltsamen Rentner von nebenan glauben lassen, dass es in seinem Haus spukt und filmen seine Reaktionen. Leider nimmt der makabre Streich bald erschreckende Ausmaße an.

 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Kritik

 
 
 
Kaum eine Filmgattung hat in den letzten Jahren so polarisiert, wie das Found-Footage-Genre. Durch THE BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY erst richtig populär geworden, hat man seither mit dieser Art des filmischen Erzählens reichlich Schindluder getrieben. Gefühlt jede zweite Horrorproduktion der letzten zehn Jahre kam in Found-Footage-Aufmachung und pseudo-verwackelten Filmaufnahmen daher. Das hatte zur Folge, dass bald keiner mehr diese Streifen sehen wollte. Trotz Vorbehalte sollte man aber dem folgenden Film eine Chance geben. Der macht zwar indirekt auch vom Found-Footage-Stil Gebrauch, ist aber zur Abwechslung sehenswert, weil er die Zutaten genannter Filmrichtung zu seinem Vorteil versteht einzusetzen. THE GOOD NEIGHBOR nennt sich der Thriller von Regieneuling KASRA FARAHINI, der es endlich wieder schafft, dass verwackelte Handyaufnahmen und triste Überwachungskameras flaues Bauchgefühl verursachen. So hat das Regiedebüt ein raffiniertes Drehbuch zu bieten, das den Zuschauer auf falsche Fährten führt und am Ende mit kompromissloser Härte vor den Kopf stößt. Da läuft es einem definitiv eiskalt den Rücken herunter – versprochen!
 
 
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Im Film mit dem doppeldeutigen Titel haben zwei Schüler etwas Perfides vor, um in den sozialen Netzwerken berühmt zu werden. Sie brechen beim mürrischen Nachbar ein und bespicken die Wohnung mit Überwachungskameras. Warum sie das machen, erklären sie dem Zuschauer selbst. Sie wollen einen Film drehen und darin ein ahnungsloses Opfer solange Spuk vorgaukeln, bis es fest davon überzeugt ist, dass es in den eigenen vier Wänden spukt. Leider haben sich die Teenager ein äußerst zähes Opfer ausgesucht, das sich von den inszenierten Spukaktivitäten nur wenig beeindruckt zeigt. So äußert Mr. Grainey weder Unbehagen, noch bittet er Polizei und Angehörige um Hilfe. Das macht die dreisten Beobachter stutzig, zumal der Rentner von den falschen paranormalen Ereignissen derart genervt zu sein scheint, dass er auch schon mal die Axt aus der Garage holt und Türen einschlägt. Doch der unechte Spuk wird bald zur Nebensache. Der eigenbrötlerische Alte verbringt nachts viel Zeit im Keller. Das macht die beiden Freunde neugierig. Leider haben sie dort keine Überwachungskamera angebracht und können daher nur spekulieren, was das Testobjekt darin treibt. Ob der alleinstehende Nachbar unterm Haus etwas Verborgen hält, von dem niemand etwas erfahren darf? Die Antwort darauf gibt’s kurz vorm Abspann.
 
 
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Man muss schon seinen Hut ziehen vor dem, was KASRA FARAHINI mit dem Filmdebüt THE GOOD NEIGHBOR da auf die Leinwand gebracht hat. Das ist kein Film den man mal so nebenbei schaut. Dieser Film schockiert und das vor allem wegen seinem unerwarteten Ausgang. So wird dem Zuschauer gleich zu Beginn klargemacht, dass die Ereignisse hier tragisch ausgehen werden. THE GOOD NEIGHBOR beginnt mit einer Gerichtverhandlung, in der Zeugen befragt werden. Was vorgefallen ist, bleibt vorerst ungeklärt. Das steigert die Spannung und macht neugierig, zumal der noch unerfahrene Regisseur ein talentiertes Händchen für extravagante Erzählweise an den Tag legt. Der Film wechselt nämlich im späteren Verlauf zwischen Gerichtsverhandlung und gefundenem Filmmaterial. Letzteres wurde von der Spurensicherung ausgewertet und rekonstruiert die Taten der noch jungen Filmhelden. Die halten während ihres Experiments nicht nur den Tagesablauf ihres Opfers digital fest, sondern filmen sich bei ihren makabren Streichen selbst. Das hat man zwar schon in vielen Found-Footage-Streifen auf ähnliche Weise ertragen müssen, stört aber in THE GOOD NEIGHBOR keineswegs. Trotz Found-Footage ist dieser fiese Film eine runde Sache. Das liegt einerseits an den lobenswerten Leistungen der Darsteller. Hier wäre vor allem JAMES CAAN (das Opfer von KATHY BATES in MISERY) zu nennen, der als unnahbarer Rentner eine beachtliche Performance abliefert und am Ende sogar als zermürbte Kreatur an seine Grenzen geht. Andererseits überzeugt der Handlungsaufbau und die Art, wie Macher KASRA FARAHINI für schnellen Herzschlag sorgt. Er verrät nämlich nie zuviel, versorgt den Zuschauer immer nur mit Häppchen und schlägt am Ende mit gnadenloser Härte zu. Das irritiert nicht nur die naiven Streichspieler, sondern auch den Zuschauer. Schade nur, dass man so gut durchdachte Found-Footage-Geschichten leider viel zu selten zu sehen bekommt.
 
 
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THE GOOD NEIGHBOR – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spannend, unkonventionell, verstörend und schockierend. Wenn ein Dummejungenstreich zur Katastrophe führt, weil die Gier nach medialer Aufmerksamkeit jugendliche Sinne vernebelt. THE GOOD NEIGHBOR (der anfangs eigentlich THE WAITING heißen sollte) hat es ganz schön in sich. Der Film beginnt harmlos, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Wer jetzt aber glaubt, dass der Streifen trotz schockierendem Ausgang irgendwo im Horrorgenre beheimatet ist, der irrt. THE GOOD NEIGHBOR ist alles andere als das. Trotz Thriller-Elemente verbirgt sich hinter dem Debütstück eher ein deprimierendes Drama über Verlust und seine Folgen, das trotz Schockwirkung niemanden kalt lässt. Wem es demnach nach clever erzähltem Indie-Kino dürstet, sollte sich diesen Mix aus Gerichtssaal-Drama und Mysterythriller keineswegs entgegen lassen. Von uns gibt es für diesen undurchsichtigen Found-Footage-Beitrag eine selten gute Bewertung – vor allem auch deshalb, weil der Streifen nach dem Abspann auch mal die Gehirnzellen rotieren lässt und zum Nachdenken anregt. In Zeiten, in denen offenbar nur noch hirnfreier Zelluloid-Schrott fürs Kino produziert wird, soll das schon etwas heißen.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Zensur

 
 
 
THE GOOD NEIGHBOR hat nur eine harte Szene zu bieten. Hierbei handelt es sich um einen Kopfschuss. Mehr grausames Material hat der Streifen nicht zu bieten. Demzufolge hat es von der FSK auch problemlos den blauen Freigabe-Flatschen gegeben: FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: The Good Neighbor; USA 2016

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Interviews mit James Caan – Logan Miller – Keir Gilchrist, Trailer

Release-Termin: 23.11.2017

 

The Good Neighbor – Jeder hat ein dunkles Geheimnis [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
House at the End of the Street (2012)
 
The Harvest (2013)

Filmkritik: „I Am Not a Serial Killer“ (2016)

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I AM NOT A SERIAL KILLER

Story

 
 
 

Der Teenager John Cleaver bezeichnet sich selbst als Soziapath und versucht alles daran zu tun, dass er nicht selbst zum Killer mutiert. Doch als im Städtchen Clayton der Tod die Runde macht, kann er die Bestie in sich nicht mehr im Zaum halten.

 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Kritik

 
 
 
Facettenreich sein und mal was anderes ausprobieren. Schauspieler CHRISTOPHER LLOYD ist eigentlich dafür berüchtigt in familientauglichen Filmen für Spaß zu sorgen. So hat er sich als verrückter Professor in der ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT-Trilogie selbst ein Denkmal gesetzt und scheint nun am Höhepunkt seiner Karriere mal die Fronten wechseln zu wollen. Im Film I AM NOT A SERIAL KILLER überrascht er mit ungewohnt ernster Miene und ist zur Abwechslung keiner von den Guten – sondern blutgeil und böse. Hinter dem ungewöhnlichen Horror-Krimi steckt Regisseur BILLY O’BRIAN, der mit THE HYBRID und ISOLATION schon einige Ausflüge ins Horrorfach gewagt hat. Mit I AM NOT A SERIAL KILLER versucht er sich nun auch als ernstzunehmender Filmemacher zu behaupten, was durchaus fruchten könnte, denn hinter dem Titel steckt weit mehr als trivialer Fast-Food-Horror fürs Heimkino.
 
 
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Weil er der Mutter immer beim Präparieren von Leichen hilft und sich für das Treiben von Serienmörder interessiert, ist John (MAX RECORDS – der kleine Junge aus WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN) ein Außenseiter und wird an der Schule gehänselt. Doch sein Interesse an der dunklen Seite von Menschen kommt nicht von ungefähr. Der Fünfzehnjährige ist nämlich fest davon überzeugt ein Soziopath zu sein und dass es sein Schicksal ist, selbst ein Serienkiller zu werden. Deswegen hat er eine Reihe von Regeln aufgestellt, die ihn daran hintern sollen ein Mörder zu werden. Doch der gute Vorsatz gerät ins Wanken, als im Heimatort obskure Dinge geschehen. Übel zugerichtete Leichen werden gefunden und ominöse Ölspuren an den Tatorten werfen Fragen auf. Leider ist die Polizei ratlos und tappt bei den Ermittlungen im Dunkeln. Als der Teenager mal wieder desorientiert durch die Straßen der Kleinstadt schlendert, kommt John dem geheimen Doppelleben des alten Mr. Crowley (CHRISTOPHER LLOYD) auf die Schliche. Der wohnt im Haus gegenüber und ist dem Schüler eigentlich als freundlichen Nachbar bekannt. Doch der Rentner kann auch anders. Als er dem betagten Herrn mit dem Fahrrad folgt, macht er im Wald eine schreckliche Entdeckung. Mr. Crowley scheint nämlich etwas zu verbergen von dem niemand erfahren soll. Doch das schreckt den Jungen nicht ab. Der entwickelt eine Faszination für die Taten des alten Mannes und wird so in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt.
 
 
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Der Horrorthriller I AM NOT A SERIAL KILLER basiert auf dem gleichnamigen Roman von DAN WELLS, der hierzulande unter dem Titel ICH BIN KEIN SERIENKILLER in die Buchläden gebracht wurde und der erste Teil einer Thriller-Serie ist. Zu der gehören auch die Folgeromane MR. MONSTER, I DON’T WANT TO KILL YOU, THE DEVIL’S ONLY FRIEND und OVER YOUR DEAD BODY, die die Geschehnisse um den jungen John Cleaver weiterspinnen. Wie schon das Buch, bleibt auch die Verfilmung des ersten Bandes Antworten schuldig. So bekommt es der Filmheld hier mit einem dämonischen Serienkiller zu tun, der offenbar wahllos Menschen tötet und sie ihrer Organe beraubt. Welches Ziel er damit verfolgt und wie er so lange im Geheimen morden konnte bleibt ungeklärt, denn Regisseur BILLY O’BRIAN hält sich weitestgehend an der packenden Buchvorlage, die sich vor einigen Jahren unter Horrorlesern zum Geheimtipp mauserte. Mit stimmiger 1980er Atmosphäre (der Film spielt aber in der Gegenwart) und ungeschliffene Indie-Optik wird schauriger Kleinstadt-Horror bewirkt, der vielerorts an die vielen Geschichten des jungen STEPHEN KING erinnert. So bahnt sich das Grauen langsam seinen Weg durch den Film und zeigt sich während eines nervenaufreibenden Showdown in ganzer Pracht auf der Mattscheibe. Trotz Horror- und Mystery bleiben aber nicht die Figuren auf der Strecke. Denen wird eine detaillierte Entwicklung eingeräumt. Allen voran Held John, der zwar unnahbar bleibt aber schnell wegen seiner eigensinnigen Art zum Sympathieträger avanciert. Der eigenbrötlerische Schüler begibt sich auf eine mysteriöse Serienkillerjagd und entfacht dabei just genau das Böse in sich, das er eigentlich nicht ausbrechen lassen wollte. Eine obskure Metamorphose, die den eher ruhig erzählten Film über weite Strecken spannend macht, weil lang ungewiss bleibt, wohin die Reise gehen wird. Dafür muss man Macher BILLY O’BRIAN an dieser Stelle Lob aussprechen. Der hat mit seinem Coming-of-Age-Schauer einen ungewöhnlichen Horrorthriller gedreht, der gerade wegen seinen ungewöhnlichen Charakteren und der bizarren Atmosphäre viele Horrorfilme neueren Datums in den Schatten stellt. Wer das nicht glaubt, sollte sich eines Besseren belehren lassen, denn I AM NOT A SERIAL KILLER klärt mal wieder auf, dass unkonventionelle Horrorfilme aus dem Indie-Bereich nun mal die besseren Horrorfilme sind.
 
 
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I AM NOT A SERIAL KILLER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Sehenswerter Horror-Geheimtipp irgendwo zwischen DONNY DARKO und NAKED LUNCH. I AM NOT A SERIAL KILLER ist Indie-Horror wie er im Buche steht. Zwischen ungeschliffener Griesel-Optik und eigensinnigem Retro-Sound verbirgt sich ein unkonventionelles Coming-of-Age-Drama, das King’schem Kleinstadt-Horror ein neues Gesicht gibt. Wenn sich hinter der Fassade des liebenswerten Nachbarn das ultimative Böse verbirgt. Das sind eigentlich Geschichten mit denen der Horrorautor STEPHEN KING bekannt geworden ist. I AM NOT A SERIAL KILLER ist aber keine weitere Verfilmung aus der Mache des beliebten Gruselschriftstellers. Hinter dem Streifen verbirgt sich zwar auch eine Romanadaption; die kommt aber aus der Feder von DAN WELLS, der vor einigen Jahren mit den Geschichten um Antiheld John Cleaver bei Horrorlesern auf Zustimmung stieß. Die Filmumsetzung hält sich nah an der Vorlage und überzeugt gerade wegen seiner glanzlosen Machart und den guten Darstellern auf ganzer Linie. So gibt es ein Wiedersehen mit CHRISTOPHER LLOYD, der hier abermals mit Vielseitigkeit begeistert. Statt Späßen ist diesmal Schluss mit lustig, denn der in die Jahre gekommene Schauspieler verkörpert diesmal einen von den Bösen. Eine Rolle, die dem betagten Altstar erstaunlich gut steht. Umso mehr sei dieser sehenswerte Genrefilm jedem ans Herz gelegt, der eine Schwäche für ungewöhnliche Geschichten und eigensinnige Charaktere besitzt. Da kann man nur hoffen, dass die Leinwandumsetzung zu I AM NOT A SERIAL KILLER gut beim Publikum ankommt. Wäre da das Fall wäre es begrüßenswert, wenn Regisseur BILLY O’BRIAN auch die Folgeromane auf haargenau gleiche Weise fortführt.
 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Zensur

 
 
 
Die Morde in I AM NOT A SERIAL KILLER passieren entweder in weiter Ferne oder im Off. Sonderlich blutig ist der Film demnach nicht. Immerhin gibt es einige übel zugerichtete Leichen auf dem Untersuchungstisch der örtlichen Leichenschauhauses zu sehen. Hierzulande gab es dafür eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Indeed Film (Blu-ray im KeepCase mit Schuber)

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(c) Indeed Film (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: I Am Not a Serial Killer; Großbritannien | Irland 2016

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Limitiertes Mediabook | KeepCase mit Wendecover und im Schuber

Extras: Early 2011 Mood Promo, Behind the Scenes, Deleted Scenes | im Mediabook zusätzlich: 72 Seiten Leseprobe des Originalromans

Release-Termin: 24.02.2017

 

I am not a Serial Killer [Blu-ray im Keepcase mit Schuber] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

I am not a serial Killer [limitiertes Mediabook mit Blu-ray & DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

I AM NOT A SERIAL KILLER – Mediabook

 
 
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I AM NOT A SERIAL KILLER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Indeed Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
House at the End of the Street (2012)
 
One Hour Photo (2002)
 

Filmkritik: „13 Cameras“ (2015)

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13 CAMERAS

(SLUMLORD)

Story

 
 
 
Dabei sein ist alles: Ein junges Paar bezieht ein ansprechend umgebautes Haus, ohne zu wissen, dass der voyeuristisch veranlagte Vermieter darin ganz besondere Technik eingebaut hat.

 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Kritik

 
 
 
Mehr als 30 Millionen Überwachungskameras wurden in den letzten zehn Jahren verkauft. Doch die finden nicht immer nur zum Schutze von Leben und Eigentum Verwendung. So wurden über 8000 Menschen im letzten Jahr heimlich von Überwachungskameras daheim beobachtet. Eine beunruhigende Zahl, die natürlich genug Stoff hergibt, um daraus einen ungemütlichen Thriller zu drehen. Regieneuling VICTOR ZARCOFF hat das Potenzial dahinter erkannt. Er führt im ersten Spielfilm dem Zuschauer auf erschreckende Weise vor Augen, dass nicht jeder Wohnungseigentümer am Wohle seines Mieters interessiert ist. 13 CAMERAS (der auf Festivals auch unter SLUMLORD lief) nennt sich dessen Leinwanddebüt, das geschickt beklemmend beschreibt, wie einfach die Sucht am Beobachten in grenzenlose Besessenheit umschlagen kann. Dabei lässt Zarcoff das Grauen immer nur Häppchenweise auf den Besucher los, bis es am Ende in voller Gnadenlosigkeit zuschlägt.
 
 
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Wenn dich der Vermieter heimlich beim Stuhlgang beobachtet. Claire (BRIANNE MONCRIEF) und Ryan (PJ MCCABE aus THE DEN) sind eigentlich ein glückliches Paar. Der Nachwuchs soll in den nächsten Wochen zur Welt gebracht werden, weshalb sie die jungen Eheleute nach einer neuen Wohnung umschauen. Die ist schnell gefunden. Ein seltsamer und nicht sonderlich kommunikativer Vermieter zeigt den beiden ein ansprechend umgebautes Heim mit Pool. Darin riecht es zwar nicht gerade einladend, wird aber wenig später von den werdenden Eltern bezogen. Doch die anfängliche Freude über das kleine Haus am Stadtrand und die gemeinsame Zukunft währt nicht lange. Ryan treibt nämlich hinter dem Rücken seiner Frau ein makabres Spiel. Der hat mit der Arbeitskollegin eine geheime Affäre, von der niemand wissen darf. Leider will die bald mehr von ihrem Liebhaber und mischt sich in dessen Ehe ein. Doch die zerrüttete Beziehung des verheirateten Paares hat bald andere Probleme. Hauseigentümer Gerald (NEVILLE ARCHAMBAULT) ist nämlich einer der ganz perversen Sorte. Der hat im Haus Überwachungskameras versteckt und beobachtet das Leben der jungen Leute. Als er eine Obsession für die schwangere Claire entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und die neue Bleibe wird bald zum blanken Horror für die neuen Mieter.
 
 
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Es ist schon eine schauderhafte Vorstellung, wenn man sich vorstellt, wie Fremde in das Intimleben anderer Leute eindringen, ohne dass die Opfer überhaupt davon merken. Macher VICTOR ZARCOFF spielt gekonnt mit dieser Angst und macht den Zuchauer quasi zum heimlichen Mitwisser, der – wie der Fiesling im Film – das Privatleben eines Paares durch versteckte Kameras beobachtet. NEVILLE ARCHAMBAULT verkörpert in 13 CAMERAS einen besonders eigensinnigen Zeitgenossen. Der besitzt voyeuristischen Neigungen und steuert das Leben fremder Menschen auf subtile weise, die natürlich vollkommen ahnungslos darüber sind, dass da jemand Teil ihres Privatlebens ist. Sind die jungen Leute aus dem Haus, macht es sich der Eigenbrödler in deren Wohnung gemütlich, füttert den Hund, durchwühlt Unterwäsche oder leckt an fremden Zahnbürsten. Kommen die Mieter zurück nach Hause, wundern die sich aus nachvollziehbaren Gründen darüber, warum das Haustier ständig erbricht oder Zahnbürsten nach Fäkalien riechen. Filmfigur und Hauseigentümer Gerald ist niemand, den man gern auf eine Tasse Kaffee einladen möchte. Der scheint zwar minderbemittelt zu sein und verhält sich weitestgehend distanziert und unauffällig; gerät er aber in Rage kommt der Psychopath zum Vorschein. Dank guten Make-up-Künsten gehört die von ihm gespielte Figur zu den ekelerregendsten aber auch bemittleidenswertesten Kreaturen, die man in der letzten Zeit auf der Mattscheibe zu sehen bekommen hat. Allein deren mangelnde und im Film oftmals kritisierte Körperhygiene verursacht Brechreiz, weil man als Zuschauer meint, den unangenehmen Körperduft des Filmbösewichts sogar durch den Fernsehapparat riechen zu können.
 
 
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Eigentlich ist 13 CAMERAS mehr ein Beziehungsdrama, in dem ein Seitensprung dafür sorgt, dass die Beziehung zwischen zwei Liebenden aus dem Gleichgewicht gerät. Regisseur VICTOR ZARCOFF nutzt aber die Gelegenheit zwischen Herzschmerz, Skepsis und Vertrauensbruch den Horror regieren zu lassen. Von den Streitenden unbemerkt, wird der schmierige Vermieter von Nebenan nicht nur zufällig Mitwisser, sondern verwandelt sich im Verlauf des Film zum unberechenbaren Killer, der sogar über Leichen geht, sobald seine perversen Machenschaften aufzufliegen drohen. So wird die Atmosphäre von 13 CAMERAS gegen Filmmitte immer ungemütlicher, wenn sich Eigentümer Gerald immer häufiger Zutritt zum Haus seiner Mieter verschafft. Die Angst entdeckt zu werden ist allgegenwärtig und verursacht reichlich Herzklopfen beim Zuschauer, der innig hofft, dass das perverse Versteckspiel endlich aufgedeckt wird – aber niemand zu Schaden kommt. Für einen Debütfilm ist 13 CAMERAS bemerkenswerte Arbeit. Neuling VICTOR ZARCOFF versteht es eindrucksvoll Spannungsschrauben fester zu drehen und besitzt sogar ein Faible für schwarzen Humor. Für den Filmtwist am Ende macht er nämlich von Galgenhumor Gebrauch. Sensible Gemüter dürften Gezeigtes aber nicht sonderlich lustig finden.
 
 
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13 CAMERAS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Reichlich unbequemer Suspense-Thriller mit brisanter Thematik, die gar nicht mal so weit hergeholt ist. So haben die Medien bereits schon öfters über Wohnungseigentümer und Hotelbesitzer berichtet, die Mieter und Gäste heimlich mit Überwachungskameras gefilmt und die Aufzeichnungen ins Netz gestellt haben, damit perfide Neigungen befriedigt werden können. Wenn jemand in unser aller Intimstes eindringt, hört der Spaß auf. Das will auch Regisseur VICTOR ZARCOFF klarstellen, der mit seinem ersten Spielfilm 13 CAMERAS einen spannenden Thriller gedreht hat, der von Filmminute zu Filmminute immer unangenehmer wird. Die Spannungsschrauben werden dabei bis zum Finale immer fester gedreht – ganz so, wie man es von gut durchdachter Suspense-Ware eben erwartet. Für den Einstieg ins Filmgeschäft ist der Psychothriller 13 CAMERAS nicht übel. Demzufolge sollte man Zarcoffs weiteren Werdegang definitiv im Auge behalten.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Zensur

 
 
 
Für die FSK gibt es nichts zu bemängeln. Grausamkeiten spielen hier kaum eine Rolle. Am Ende wird eine Filmfigur ertränkt, eine andere erschlagen. Demzufolge ist eine FSK16 sicher.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Sliver (1993)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 

Filmkritik: „Thief – Der Einzelgänger“ (1981)

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THIEF – DER EINZELGÄNGER

Story

 
 
 

Frank (James Caan) kommt aus der Hölle der amerikanischen Unterklasse. Als Waise aufgewachsen in brutalen Kinderheimen und als junger Kerl von älteren Gangstern wie dem Meisterdieb Okla (Country-Sänger Willie Nelson) beeinflusst und geformt, ist Frank inzwischen professioneller Diamantenräuber mit großem Namen in der Unterwelt. Sein gemachtes Geld wäscht er mit seinem eigenen Autohaus und einer kleinen Bar in Chicago. Im Portemonnaie trägt er eine Postkarte, auf der er all das geklebt hat, was er sich für sein Leben, abseits der aufgeschweißten Tresorräume und geknackten Alarmanlagen wünscht: Eine Frau plus Familie, Frieden, genug Kohle und die Nähe des Ersatzvaters Okla. Der sitzt im Gefängnis und hat nicht mehr lange zu leben. Frank sieht die Zeit an sich vorüberziehen und setzt sich unter Druck. Wie besessen forciert er eine Beziehung mit einer hübschen Diner-Bedienung. Währenddessen gerät er in den Dunstkreis einer lokalen Gangsterbande, die seine Dienste für einen Raub von noch nicht da gewesener Präzision, am anderen Ende der USA, in Kalifornien, gewinnen möchte. Im Spagat zwischen Mafia, der Polizei und dem erträumten Familienleben droht Frank zu zerreißen.

 
 
 


 
 
 

THIEF – Kritik

 
 
 
THIEF – DER EINZELGÄNGER war 1981 Michael Manns (ROTER DRACHE, HEAT) erste Regiearbeit im Kino. Seinen Stil bringt der Regisseur bereits in seinem Debütfilm beeindruckend souverän auf den Punkt.
 
 
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Was Kritiker des Filmemachers gerne gegen diesen US-Ästheten ins Feld führen ist die irrwitzig doofe Behauptung, in seinen Filmen ginge Form über Inhalt, Style over Substance. Sogar der Vorwurf. MMs Filme sähen aus wie TV-Serien aus den achtziger Jahren. Au contraire. Die Fernseh-Eighties sahen aus wie Michael Manns Filme! Schließlich ist der Gute ganz nebenbei der Erfinder des modewilden Krimi-Schlachtrosses MIAMI VICE mit all seinen in New-Age-Synthesizer-Scores getunkten Breitwand-Panoramen Floridas, vor denen sich die windigen Schönlings-Bullen in grässlichen, hochgekrempelten Designer-Sakkos fläzen durften. Lustig, dass Manns eigenes Remake zu MIAMI VICE, mit Colin Farrell und Jamie Foxx vor ein paar Jahren im Kino gelaufen, so gar nicht recht zünden will.
 
 
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In THIEF – DER EINZELGÄNGER finden wir diese essentiellen Bausteine Manns auch schon. Angenehmerweise exerziert er seine optischen Trademarks noch nicht so selbstbewusst, vielleicht sogar selbstverliebt durch wie in späteren Jahren. Nein, Manns Stil ist zwar gewichtend, was seine Wiedererkennungsmerkmale angeht, aber doch reduziert aufs Wesentliche. Hier sind die glasklaren und doch wie gemalt komponierten und auf der vorliegenden DVD/BD in Referenzqualität leuchtenden Bilder des Films noch Mittel zum Zweck. Die Fahrten durch die nächtliche Großstadt fangen zwar die Neon-Traurigkeit eines ausgehenden Jahrzehnts phantastisch ein, wirken aber noch nicht wie jene erstickend ausgedehnten Bildaufbau-Tableaus, die man später so eindeutig mit Michael Mann verbinden sollte. Fast wie in den Argento-meets-Hitchcock-Meisterwerken Brian De Palmas wirken hingegen Einstellungen wie das starre Herauffilmen aus einem Aufzugsschacht, in den die herausgebrochenen Stücke der Decke bröckeln. Diese Referenz kann man auch bezüglich der Shootouts nennen. Da wird geblutet wie bei Peckinpah und man wähnt Michael Mann kurz als einen Geistesverwandten des ebenfalls schändlich unterschätzten Herrenregisseurs Walter Hill. Der super-dichte, stets dräuende Soundtrack von THIEF – DER EINZELGÄNGER stammt von den Berliner Tasten-Pionieren TANGERINE DREAM. Drunter gab sich der Filmemacher nicht zufrieden. Wenn schon schwelende Moog-Plucker-Orgien, dann bitte von den verrückten Deutschen, die das mit erfunden haben.
 
 
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Dazu gelingt es dem talentierten Regisseur auch noch ganz vorzüglich, den imaginären Hut vor ein paar seiner offensichtlichen Thriller-Vorbilder zu ziehen. Die Gruppe der Mafiosi, die sich Franks Freiheit zu eigen machen wollen, findet man so ähnlich in manchem Film Noir der späten Vierziger mit ihren Ehrencodes von guten Gangstern gegen böse. Frank selbst, mit seiner fatalistischen Reaktion auf das „alles, was Du bist und was Du hast, gehört mir!“ seines Auftraggebers erinnert an die müden Unterweltler, wie sie Jean-Pierre Melville für das französische Kriminalkino der Fünfziger und Sechziger in Szene setzte. Nur dass Frank am Ende doch deutlich amerikanischer zupackt als Alain Delon in Melvilles beispielhaftem DER EISKALTE ENGEL etwa. Auch in Frankreich: RIFIFI, ein stilbildender Euro-Noir des Exil-Amerikaners Jules Dassin, schaffte 1955 nicht nur, die Spielregeln für das Gangsterfilm-Untergenre des „Heist“-Movies deutlicher zu definieren, zu dem streckenweise auch unser gerade behandelter Film gezählt werden darf. Der erste Diamantenraub in THIEF zitiert sogar RIFIFIS bekannteste Szene: Den Einbruch, während dessen Durchführung die Räuber kein Wort wechseln. Bloß dass aus den 32 Minuten des Originals bei Michael Mann knackig heruntergeköchelte zehn werden.
 
 
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Michael Manns Vorliebe für ein festes Ensemble von Schauspielern oder zumindest wiederkehrende Mimen beginnt schon 1981. In einer Minirolle bekommt William Peterson eins auf die Nase. Der heute in Krimiserien etablierte Theaterschauspieler sollte in ROTER DRACHE, Manns den Anfang der Hannibal-Lecter-Filme markierendem Horror-Flick, die Hauptrolle spielen. Man erkennt ich aber nur, wenn man genau darauf achtet. Faszinierend als Franks Sidekick Barry: James Belushi, damals noch mit mehr Haupthaar und speckiger als heute – das genaue Ebenbild seines kurz darauf den Drogentod sterbenden Bruders John.
 
 
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So liegt also mit THIEF – DER EINZELGÄNGER die makellose Veröffentlichung eines essentiellen Stücks amerikanischen Genrekinos vor. Ein Film für unterschiedliche Grüppchen. Erstens die Freunde kerniger Männerfilme, gedreht während einer der spannendsten Epochen überhaupt – den Jahren, in denen sich das „New Hollywood“ gerade etabliert hatte und in denen jemand wie der verbissene James Caan Publikumsmagnet war. Heute undenkbar. Leider. Frank stellt übrigens Caans liebste Rollenleistung dar, genau wie THIEF der favorisierteste Film des tougen Method Actors ist. Auch den zahlreichen Liebhabern Nicholas Winding Refns legen wir Michael Manns Debüt ans Herz. Nach DRIVE und ONLY GOD FORGIVES konnte man gar nicht schnell genug flüchten vor den verrückten Lobeshymnen auf den Dänen, der mit seiner farblosen Muse Ryan Gosling gerade angeblich das Kino neu erfunden haben sollte. Die fetischisierten Autofahrten, die Gewaltausbrüche und nicht zuletzt die Stimmungsmanipulation durch den Score (Synthesizer-Wände hier wie dort) finden wir in THIEF – DER EINZELGÄNGER bereits in großzügigem Maß.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Ein Seventies-Crime-Thriller wie in Marmor geschlagen. Schauspiel-Kettensäge James Caan frisst sich ins Fleisch einer Handlung, die sich keine Schnörkel leistet und das Publikum konsequent und im Stil traditioneller Vorgänger an der Hand zum Abgrund führt. Ganz nebenbei gibt Regisseur Michael Mann den Look des Genres für Film und TV des folgenden Jahrzehnts vor.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Zensur

 
 
 
THIEF war in Deutschland zu VHS-Zeiten nur geschnitten erhältlich. Das änderte sich erst mit Erscheinen der DVD-Ausgabe. Auch die nun erhältlich Blu-ray Disc des Films ist angeschnitten – aber erst für Erwachsene freigegeben (keine Jugendfreigabe). Filmfans und Sammler können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THIEF – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Thief; USA 1981

Genre: Thriller

Ton: Blu-ray: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1) | DVD: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: Blu-ray: 1,85:1 (1080p) | DVD: 1,85:1 (16:9)

Laufzeit: Blu-ray: 125 Min | DVD: 120 Min

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Limitiertes Digipack im Schuber

Extras: Hauptfilm in 3 verschiedenen Versionen: Überarbeitete Director’s Cut-Fassung von einem brandneuen 4K-Transfer, erstellt in Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Mann [Blu-ray und DVD], Original-Kinofassung [Blu-ray und DVD], „Special Director’s Edition“ aus dem Jahre 1995 [nur DVD], Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Isolierte Musik- und Effektspur bei der Kinofassung, The Directors: Michael Mann – Dokumentation über den Filmemacher, Stolen Dreams – Neues Interview mit James Caan, Hollywood USA: James Caan – Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, The Art of the Heist – Ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F.X. Feeney, Kinotrailer, Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, gefaltetes Filmposter

Veröffentlichung:11.03.2016

 
 
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(c) OFDB Filmworks

Rechteinhaber OFDB Filmworks hat am 11. März 2016 eine Sonderveröffentlichung von THIEF veröffentlicht. In einer prall gefüllten Ultimate Edition stecken 5 Discs, die in einem stabilen Digipack untergebracht wurden. Auf diesen Scheiben befinden sich:

  • Director‘ Cut auf DVD und Blu-ray
  • Kinofassung auf DVD und Blu-ray
  • Special Director’s Edition auf DVD

Zudem glänzen die Scheiben durch umfangreiches Bonusmaterial. Hier hat sich der Rechteinhaber nicht lumpen lassen. Wer alles sehen möchten, dürfte vermutlich einige Tage einplanen. Großartig!
 
 

Thief – Der Einzelgänger – Ultimate Edition (5-Disc Set) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THIEF – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Heat (1995)
 
Hundstage (1975)
 
The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab (1969)
 

Filmkritik: „Das Haus am Wald“ (2015)

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DAS HAUS AM WALD

(AWAITING)

Story

 
 
 
Zu Besuch bei komischen Menschen: Anwalt Jake soll sich nach einem Autounfall kurz im Haus von Farmer Morris und dessen Tochter ausruhen. Leider bekommt der Gast schnell davon Wind, dass diese Familie eine Gefahr für jeden unangemeldeten Besucher ist.
 
 
 


 
 
 

DAS HAUS AM WALD – Kritik

 
 
 
Blut ist dicker als Wasser – ein bedeutsames Sprichwort, das vor allem im Horrorfilm gern Verwendung findet. Dort ist es keine Seltenheit mehr, dass sich hinter der Fassade glücklicher Familien gern auch mal das Böse verstecken kann. Mit einer sehr speziellen Familie bekommt es der Zuschauer auch im Horror-Thriller DAS HAUS AM WALD (Originaltitel: AWAITING) zu tun, in dem ganz unverfroren mit der Psychokeule geschwungen und dazu rigoros geschockt wird. Für den britischen Genrebeitrag zeichnet MARK MURPHY verantwortlich. Der hat zuvor hauptsächlich Drehbücher für britische TV-Serien geschrieben, die er als Regisseur auch gleich eigenhändig verfilmt hat. Mit DAS HAUS AM WALD wechselt er quasi vom TV ins Kinofach über und bannt seine Leidenschaft zum Genre auf Zelluloid. Obwohl er damit Neuland betritt überrascht die souveräne Inszenierung, denn DAS HAUS AM WALD ist zur Abwechslung kein Horrorfilm von der Stange. Regisseur MARK MURPHY erweist sich als talentierter Geschichtenerzähler, fesselt mit stetig wachsendem Spannungsbogen und geizt nicht mit blutigen Ideen. Letztere dürften der Gewaltfraktion zusagen. Die bekommt im Finale deftige Schauwerte geboten, welche in ihrer professionellen Machart schmerzhaft anzusehen sind.
 
 
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DAS HAUS AM WALD erzählt die Geschichte des Anwalts Jake (RUPERT HILL). Der findet sich nach einem Autounfall im Haus von Farmbesitzer Morris (TONY CURRAN) und dessen attraktiven Tochter Lauren (DIANA VICKERS) wieder. Leider lebt man dort nach anderen Regeln. Nicht nur, dass Weihnachten im September gefeiert wird; Gast Jake stellt schnell fest, dass Vater und Tochter ein eher abnormales Verhältnis zueinander pflegen. Als der das Haus nach seiner Genesung verlassen möchte, nehmen die Dinge ihren Lauf. Vater Morris versucht alles daran zu tun, den aufmüpfigen Gast nicht gehen zu lassen. Das hat seine Gründe, denn das Familienoberhaupt behütet ein furchtbares Geheimnis von dem besser niemand erfahren sollte.
 
 
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Schön, dass es sie gibt! Diese kleinen fiesen Indie-Produktionen von denen man wenig erwartet und die letztendlich härter treffen, als Prominent besetzte und hochbudgetierte Dutzendware. Eine Spirale des Schreckens wird hier in Gang gesetzt, die nach und nach zum Vorschein bringt, was lang verborgenen gehalten wurde. Drei hervorragende Darsteller tragen das Horrorstück und glänzen mit beachtlichen Leistungen. Allen voran TONY CURRAN, der als hingebungsvoller Vater schnell offen legt, dass ihn ihm ein unberechenbarer Psychopath schlummert, dem jedes Mittel recht ist, um seine Familie zu schützen. Ihm steht RUPERT HILL als ahnungsloses Opfer gegenüber, der vehement versucht einen Keil zwischen seine Peiniger zu treiben, um einem morbiden Gefängnis entfliegen zu können. Schnell erreicht die Konfrontation ihren Höhepunkt und gipfelt in einem blutigen Albtraum, in dem Macher MARK MURPHY mit einem feinen Gespür fürs Makabre zeigt, wie einfach man dank des Computers menschliche Gliedmaßen verschwinden lassen kann. So wird mit Hilfe eine Gitarrensaite – tricktechnisch beachtlich – ein Fuß abgetrennt und lässt jene Szene aus SAW Revue passieren, in der sich Filmopfer CARY ELWES (TWISTER und SHADOW OF THE VAMPIRE) auf ähnliche Weise seines Fußes entledigen musste, um das eigene Leben retten zu können. Das ist zwar heftiger Tobak und nicht jedermanns Sache. Trotz unappetitlicher Szenen und überflüssiger Schlusspointe ist DAS HAUS AM WALD unterm Strich weitaus besser als das, was man sonst im Horrorbereich vorgesetzt bekommt. Dafür darf man Regisseur MARK MURPHY an dieser Stelle Dank aussprechen.
 
 
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DAS HAUS AM WALD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
SAW meets MISERY: Wenn Menschen gegen ihren Willen gefangen gehalten werden und sich im Überlebenskampf ihrer Gliedmaßen abtrennen müssen. DAS HAUS AM WALD oder im Original AWAITING gehört zweifelsohne zum Besten, was das Horror-Genre im Filmjahr 2015 hervorgebracht hat. Der Psychotrip überzeugt mit unbequemer Spannungsschraube, die Regisseur MARK MURPHY mit gnadenloser Härte minütlich fester dreht. In diesem Psychothriller wird ein vermeintlicher Rettungsversuch zur tödlichen Falle aus der es kein Entkommen gibt. Drei talentierte Schauspieler lassen die Situation eskalieren und sorgen dafür, dass DAS HAUS AM WALD packend bis zum Schluss bleibt. Horror aus Großbritannien – hart, fesselnd und nicht so schnell zu durchschauen. Bitte mehr davon!
 
 


 
 
 

DAS HAUS AM WALD – Zensur

 
 
 
Die gezeigte Gewalt im Film ist nicht ganz ohne. Vor allem im Finale geht es heftig zur Sache. Höhepunkt ist eine Szene in der ein Fuß mit einer Gitarrensaite abgetrennt wird. Die Kamera hält schonungslos drauf und protokolliert jedes Detail. Weiterhin gibt es einen Kopfschuss zu sehen, Äxte werden in Körper geschlagen und Arme mit einer Säge zurechtgestutzt. Hierzulande wurde DAS HAUS AM WALD (OT: AWAITING) deshalb erst für Erwachsene freigegeben werden. Das Cover besitzt einen roten FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe und ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DAS HAUS AM WALD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im Keepcase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Awaiting; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 26.10.2018

 

Das Haus am Wald [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DAS HAUS AM WALD – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Harvest (2013)
 
American Gothic (1988)
 
The Strange Vengeance of Rosalie (1972)
 
Das düstere Haus (1965)