Filmkritik: „Die Klapperschlange“ (1981)

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DIE KLAPPERSCHLANGE

(ESCAPE FROM NEW YORK)

Story

 
 
 
In der nahen Zukunft hat die amerikanische Regierung vor den Aufständen der ewig Ausgebeuteten und der Kriminellen kapituliert. New York City bekommt rigoros eine schwerst bewachte Mauer um seine Grenzen gezogen. Die Inseln der Metropole am Hudson River sind zum amerikanischen Verbannungsgefängnis geworden. Wer hier landet, ist aus den Augen und aus dem Sinn der noch halbwegs funktionierenden Gesellschafts-Mitglieder verschwunden. Als der Präsident der USA über der Knast-Großstadt abstürzt, wird der raue Ex-Elitesoldat und Outlaw Snake Plissken hinter die hohen Mauern geschickt. Der desillusionierte Söldner soll retten, was noch zu retten ist. Für das Vaterland.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Kritik

 
 
 
John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE ist neben dem australischen Genre-Meilenstein MAD MAX exakt der Film, nach dessen Look und Feeling sich Anfang der Achtziger ein ganzes Sub-Genre aufgestellt hat. Kaum ein Beispiel für Endzeit-Science-Fiction – darum geht es hier natürlich – in dem man nicht mühelos Merkmale von Max Rockatansky oder Snake Plissken entdeckten könnte. Da ist sogar egal, ob wir uns über großzügiger budgetiertes Kino oder gnadenlose billig gedrehte Kiesgruben-Actionreißer aus Italien oder von den Philippinen unterhalten.
 
 
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Hauptdarsteller Kurt Russell war dereinst großer Kinderstar bei Disney und Legenden zufolge der letzte Erdenmensch, mit dem Onkel Walt noch reden wollte, als es finster in seinem Oberstübchen wurde. DIE KLAPPERSCHLANGE heißt auf deutsch deswegen so, weil Russells Charakter Snake Plissken eine Kobra tätowiert hat (fragen Sie nicht…). Nachdem man sich kurz davor, 1980 genauer gesagt, beim Fernseh-Biopic ELVIS kennengelernt hatte, war der Film hier der tatsächliche Beginn einer Zusammenarbeit von Regisseur und Hauptdarsteller, die Russell fast zu einer Art Alter Ego des Mannes auf dem Chefsessel am Set machen würde. In fast jedem großen Filmhit des Kaliforniers würde King Kurt in den nächsten Jahren die leading role übernehmen. DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) zum Beispiel. Auch ansonsten scheint der Schauspieler ein bodenständiger und recht cooler Typ zu sein, wie sich immer wieder lesen lässt.
 
 
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Es gehört zum guten Ton, zu erwähnen, dass der gute John Carpenter seit Anbeginn seiner Karriere davon träumt, Western zu drehen. Nur der Zeitgeist hält den Synthesizer-Fan mit eigener Band immer wieder davon ab, gänzlich unverdünnt ins Reich der Pferdeopern abzuwandern. Also nimmt er sich Filme anderer Stilarten vor und legt seinen ganz eigenen Western-Filter drüber. Plissken ist der einsame Wolf des Westens, ein Gesetzloser unter Gesetzlosen, den jedoch ein ureigener Ehrenkodex samuraihafter Strenge davon abhält, auf die am Ende doch moralisch falsche Seite zu wechseln. Den müden Cowboy hat die schöne neue Welt einst sogar ein Auge gekostet – was er ihr auch übel nimmt. Die Restbesetzung des Films lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Einige in Ehren ergraute Recken aus der Welt des kernigen Männerfilms (eingetragenes Warenzeichen) vergangener Jahrzehnte schauen lässig vorbei. Unter anderem jagt Ernest Borgnine sein Taxi durch die Nacht, Soul-Sexprotz Isaac Hayes hat einen denkwürdigen Auftritt als Ghettokönig Duke und der arg undurchsichtige Regierungsagent Lee van Cleef ist die eigentliche Schlange im Schachern um das Schicksal von Präsident Donald Pleasence. Da ist es um so behämmerter, heute von einem B-Movie zu reden, wie man es in unseren simplizistischen Breitengraden seit eh und je mit viel zu vielen Genrefilmen macht. Zu seiner Entstehungszeit ist ESCAPE FROM NEW YORK, so der Originaltitel, ein legitimer und Respektiver Erfolgsfilm – A-Klasse. Basta. Wenn man sich übrigens heutzutage John Carpenters erstaunlich spät nachgerücktes Sequel FLUCHT AUS L.A. ansieht, für das es 1996 in den Medien ausnahmslos nur auf die Löffel gab, ist das gar nicht mehr so hundert Prozent totalausfällig. An das Original kommt die Fortsetzung natürlich nicht ran. Wäre aber auch ungewöhnlich.
 
 
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DIE KLAPPERSCHLANGE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Was hier vorliegt ist selbstverständlich ein absoluter Action, Sci-Fi- und Endzeit-Klassiker aus der stärksten Schaffensphase eines Regisseurs, dem man das Präfix „Kult“ nicht umsonst schon vor dreißig Jahren angeheftet hat. Kurt Russells Snake Plissken ist der mit Abstand coolste Anarchist, der überhaupt den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt hat. DIE KLAPPERSCHLANGE sollte in jedem Regal stehen, dessen Einräumer etwas auf sich und seinem Filmgeschmack hält.. Eine Lehrstunde für männliches Filmemachen, eine Blaupause des Endzeit-Kinos und ein Film, der immer geht.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Zensur

 
 
 
Wie auch schon im Kino, auf Laserdisc und DVD ist nun auch die erhältliche Blu-ray bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Wer demzufolge ausschliesslich ungeschnittene Filmklassiker ins Regal stellen möchte, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Escape from New York; USA 1981

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Audiokommentar mit Produzentin Debra Hill und Ausstatter Joe Alves (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Darsteller Kurt Russell (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Schauspielerin Adrienne Barbeau und Kameramann Dean Cundey, Audiokommentar mit Filmjournalist Kai-Oliver Derks und Alexander Büttner (2010), Die visuellen Effekte (ca. 14 Min.), Die Filmmusik (ca. 18 Min.), Interview mit Kurt Russell (ca. 7 Min.), Rückkehr zur „Klapperschlange“ (ca. 23 Min.), Die Original-Eröffnungsszene (ca. 11 Min.), Teaser und Trailer (ca. 5 Min.)

Release-Termin: 03.11.2016

 

Die Klapperschlange [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Flucht aus L.A. (1996)
 
Assault – Anschlag bei Nacht (1976)
 
Sie Leben (1988)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Lockout (2012)

Halloween – Die Geburt des modernen Horrorfilms

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EIN RÜCKBLICK AUF DIE HALLOWEEN-FILME

 
 
 
Da sich auch kalendarisch Halloween nähert, ist es an der Zeit, einen Blick auf die „Halloween“-Reihe zu werfen, deren erster Teil aus dem Jahr 1978 inzwischen als Klassiker (und Begründer) des Slasher-Genres gilt. Bereits der Score aus den „Halloween“-Filmen jagte Generationen von Horrorfilm-Fans eine Gänsehaut über den Rücken und verschaffte der Figur Michael Myers zu unheimlicher Aufmerksamkeit.
 
 
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(Halloween – Die Nacht des Grauens | © CONCORDE)

 
 

DIE NACHT DES GRAUENS – GEBURT EINES KLASSIKERS

 
 
Im ersten „Halloween“ bricht Michael Myers nach 15 Jahren aus einer psychiatrischen Anstalt aus und kehrt in seine Heimatstadt Haddonfield zurück. Für den Mord an seiner Schwester, den er als Sechsjähriger beging, sollte Myers eigentlich lebenslang verwahrt bleiben. Einzig der Psychiater Dr. Loomis (Donald Pleasance) glaubt daran, dass Myers in seine alte Heimat zurückkehrt, doch der geht in Haddonfield bereits auf die Jagd. Und während er einen Teenager nach dem Anderen mit dem Küchenmesser zerteilt, scheint einzig Laurie (Jamie Lee Curtis) ihm immer wieder von der Klinge zu springen. Mit diesem simplen Rezept wurde „Halloween – Die Nacht des Grauens“ zum Horrorklassiker und etablierte das amerikanische Slasher-Genre – eine Gruppe von Teenagern, ein übermenschlich wirkender Mörder und eine unschuldige Teenagerdame, die vor dem Messer des Mörders flieht. Nebenbei machte John Carpenter (der damals vor allem für seine auf der Uni entstandene Sci-Fi-Parodie „Dark Star“ bekannt war) mit dem Film eine blutjunge Jamie Lee Curtis zum Star und zum Archetypen der Scream-Queen für das anbrechende VHS-Zeitalter. Dass „Halloween“ trotz seines mageren Budgets von 300.000 Dollar zum Mega-Erfolg wurde, lag wohl auch an der Arbeit, die man in das Skript investierte. In der ursprünglichen Fassung sollte es um die Babysitter-Morde gehen… was deutlich weniger genredefinierend als „Halloween“ klingt. Stattdessen orientierte die Grundidee von „Halloween“ sich nun eher an keltischen Traditionen. Ganz im Geiste von Samhain nutzt der Film diesen einen Tag im Jahr, damit böse Geister (oder hier Michael Myers) für Chaos sorgen können. Auch die Idee, man könne das Böse nicht töten, hat im Samhain seinen Ursprung. Und dass man weder das Böse, noch die „Halloween“-Reihe töten kann, beweisen die insgesamt sieben Fortsetzungen, ein Reboot von Rob Zombie und aktuell ein Kurzfilm mit dem Titel „The Rebirth of Michael Myers„. Die Sequels erweitern zwar das Thema von Samhain und den Charakter von Michael Myers, erhielten aber eher gemischte Kritiken. Besonders der dritte Teil „The Season of the Witch“ fiel bei Kritikern und Fans durch, wohl auch, weil Michael Myers im Film keine Rolle spielt. Fortan blieb man beim Bewährten und brachte den Unverwüstbaren mit der Maske stets wieder zurück. Auch im Zuge der modernen Slasher-Welle versuchte man mit „Halloween H20“ noch mal an die alten Erfolge anzuknüpfen, was aber nicht gänzlich gelang. Der siebte Teil der Halloween-Serie spielt genau 20 Jahre nach dem ersten Film und konnte im Vorfeld immerhin mit dem Comeback von Jamie Lee Curtis auftrumpfen. Regisseur Steve Miner schaffte es trotzdem nicht Halloween H20 auf das Niveau der Teile 1 und 2 zu hieven, was auch daran lag, dass die Teile drei bis sechs der Filmreihe weitestgehend ignoriert wurden und das Handwerk eines John Carpenter im Hinblick auf den Spannungsbogen unerreicht blieb.
 
 
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(Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers | © NSM und TIBERIUS FILM )

 
 
 
 

SCHWERES ATMEN, LANGE SCHRITTE

 
 
Das Intro zu „Halloween“ gehört zu den absoluten und oft kopierten klassischen Elementen, die diesen Film so großartig machen. Ein Long Take, ein langer Spaziergang durch die Halloween-Nacht, schweres Atmen, das uns als Zuschauer wissen lässt: Wir blicken aus den Augen des Mörders. Und doch sehen wir ihn nicht, wir befinden uns mit Michael Myers auf einer langen Reise zum Mord. Jeder Passant könnte das Opfer sein, doch stattdessen schleichen wir uns in ein Haus – dann erst erfolgt die eigentliche Enthüllung: Wir stecken im Körper eines Kindes. Dass Michael Myers bereits im Kindesalter ein Mörder und Psychopath ist, erkennen wir Noch unnahbarer und unheimlicher sollte Michael Myers durch seine Maske wirken, die im Drehbuch als weiß mit menschlichen Zügen beschrieben wurde. Aus Budget-Gründen übermalte das Team eine Captain Kirk-Maske mit weißer Farbe. Generationen von Teenagern schrieen also in Furcht vor William Shatner auf. Was „Halloween“ 1978 ebenfalls begründete, war die konservative Grundhaltung des Horrorfilms, die sich bis heute hartnäckig gehalten hat. In Wes Cravens „Scream“ werden die Regeln des Slashers auch gerne parodiert und auch der launige „Cabin in the Woods“ spielt mit eben jenen Ideen, die „Halloween“ etablierte: Der Tod durch den Killer ist nicht einfach nur ein wahlloser Kick, sondern eine Strafe für die Grenzüberschreitung. Alkoholkonsum und promiskes Verhalten werden mit Michael Myers’ Messer bestraft, wohingegen die unschuldige Laurie den Film überleben darf. Zwar gab es schon vor „Halloween“ US-Slasher wie das „Texas Chainsaw Massacre“ und auch der Einfluss des gewaltfixierten Giallo-Genres aus dem Italien der frühen Siebziger ist nicht zu leugnen, doch „Halloween“ zementierte den Slasher im kulturellen Gedächtnis und etablierte dank Carpenters Handschrift (lange PoV-Fahrten) das Genre auch stilistisch. Zwar arbeitete Carpenter immer wieder einmal an den Fortsetzungen zu „Halloween“ (in Teil 2 schrieb er am Drehbuch) mit, Regie führte er jedoch nur beim ersten Teil. Mit Filmen wie „Die Klapperschlange“ oder „Big Trouble in Little China“ ist Carpenter aber nach wie vor eine wichtige Kulturikone – vor allem der 80er. Auch dem Horrorgenre blieb er mit Filmen wie „Vampires“ oder „Ghosts of Mars“ immer treu.
 
 
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(Halloween – H20 | © STUDIO CANAL )

 
 

EIN GENREDEFINIERENDER KLASSIKER

 
 
„Halloween“ von 1978 ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Horrorfilme des ganzen Genres. Zwar wirkt die Gewalt im Vergleich mit aktuellen Horrorfilmen zahm, dafür bietet „Halloween“ Spannung und Suspense. Wie Carpenter mit den Nerven der Zuschauer spielt, ist beeindruckend. Wer sich selbst von den Ereignissen um Halloween und Michael Meyers überzeugen möchte, kann sich passend zur Jahreszeit bei den verschiedenen VoD-Seiten mit ausreichend Horrorfilmen versorgen. So sind bei maxdome ein Großteil der Filme aus der Halloween-Reihe sowie auch einige andere Werke aus den Bereichen Horror und Slasher zu finden.
 
 
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(Rob Zombie’s Halloween | © SENATOR und UNIVERSUM FILM)

 
 

(Sören)

 
 
Alle bisherigen Halloween-Filme auf einem Blick:
 
 
Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)
Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück (1981)
Halloween 3 – Die Nacht der Entscheidung (1982)
Halloween 4 – The Return of Michael Myers (1988)
Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers (1989)
Halloween – Der Fluch des Michael Myers (1995)
Halloween H20 (1998)
Halloween: Resurrection (2002)
Halloween (2007)
Halloween II (2009)

Filmreview: „Die Fürsten der Dunkelheit“ (1987)

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DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT

Story

 
 
 
Etwas uraltes Böses ist aus seinem Jahrhunderte andauernden Schlaf erwacht. Zunehmende Veränderungen sind auf der Erde und am Himmel zu sehen. Der Ursprung des Grauens findet sich unter einer uralten verschlossenen Kirche mitten in Los Angeles. Dort liegt ein Geheimnis begraben, welches die Kirche lange versuchte zu vertuschen. Doch als klar wird, dass dies nicht mehr möglich ist, bittet ein Priester (Donald Pleasence) Prof. Howard Birack (Victor Wong) um Hilfe. Dieser soll zusammen mit seinen Studenten und einem Team von Wissenschaftlern dem schrecklichen Geheimnis unter der Kirche auf den Grund gehen. Doch je näher man der Lösung des Rätsels auf die Spur kommt, desto stärker werden die Kräfte der mysteriösen düsteren Gestalt, welche langsam und bedrohlich in unsere Welt vordringt.
 
 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Kritik

 
 
 
Die 80er Jahre waren keine Glanzzeit für John Carpenter. Auch wenn seine Filme aus dieser Zeit von Fans und Filmfreunden vergöttert werden, lieferte der Kultfilm-Regisseur in dieser Dekade gleich zwei große finanzielle Flops ab, welche erst nach 20 Jahren als glorreiche Klassiker wiederentdeckt wurden. Weder seine düstere Adaption von DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982), noch sein knallbuntes Fantasy-/Actionspektakel BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) fanden sonderlich großen Anklang bei den damaligen Kinozuschauern und ließen Carpenter derart gefrustet zurück, dass er sich nach dem Debakel um BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA, vorerst aus dem großen Filmgeschäft zurückzog, um kleinere Independent Filme zu drehen. Hierfür war schnell ein Vier-Filme-Deal mit Alive Films abgeschlossen, bei dem Carpenter pro Film ein Budget von 3 Millionen US-Dollar zur Verfügung stand und er völlige kreative Freiheit hatte. Aus diesem Vertrag gingen jedoch nur zwei Filme hervor, da die Filmschmiede Ende der 80er Jahre Pleite ging. Einer dieser Filme war DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987).
 
 
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Wenn es Filme von John Carpenter gibt, die viel zu oft neben Klassikern wie HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978), DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT oder DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) übersehen werden, dann zählt DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT auf jeden Fall dazu, wenngleich er heutzutage als Kult-Horrorfilm gilt. Doch wie es bei Carpenters Filmen sehr oft der Fall war, verkannten Kritiker zur aktuellen Stunde die Werke des Regisseurs. Dabei ist die Geschichte, die uns der im Original betitelte „Prince of Darkness“ erzählt, ziemlich originell.
 
 
 
 
„Es war nicht der Teufel. Der Teufel ist ein Engel der aus dem Himmel verbannt wurde. Der Bösewicht in meinem Film ist das Spiegelbild Gottes, nicht der Teufel. Es hat nichts mit Satan zutun.“
 

(John Carpenter im Interview mit der L.A.Times)


 
 
 
Zur damaligen Zeit beschäftigte sich Carpenter viel mit theoretischer Physik, insbesondere mit der Atomtheorie und der Quantenmechanik. Fasziniert von dem Gedanken, dass es laut der Wissenschaft als theoretisch möglich gilt, dass subatomare Partikel, genannt Tachyonen, rückwärts durch die Zeit reisen, also quasi aus der Zukunft zu uns kommen könnten, veranlasste Carpenter, sich wieder höchstpersönlich an ein Drehbuch zu setzten. Sein kreativer Geist war geweckt, denn seinem Erachten nach, ließ sich aus dieser Idee ein großartiger Horrorfilm machen. Das Script zum Film schrieb Carpenter unter dem Pseudonym Martin Quatermass. Damit verbeugte er sich vor Science-Fiction-Drehbuchautor Nigel Kneale, der besonders für die Erschaffung des Filmcharakters Professor Bernard Quatermass bekannt geworden ist. Dieser ist die Hauptfigur der britischen Sci-Fi-Filme SCHOCK (1955), FEINDE AUS DEM NICHTS (1957) und DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (1967) die Carpenter allesamt verehrte. Auch im Drehbuch zu DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT finden sich einige thematische und atmosphärische Eckpunkte der „Quatermass-Filme“ wieder.
 
Die Besetzung von DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT bestand wieder größtenteils aus Leuten, mit denen John Carpenter schon zuvor gearbeitet hatte. Allen voran fällt Fans des Genres hier natürlich Donald Pleasence ins Auge. Pleasence, der zuvor in Carpenters HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS die Figur Dr. Sam Loomis spielte und in DIE KLAPPERSCHLANGE den Präsidenten, mimt in DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT einen Priester, der als einer der ersten die bedrohlichen Veränderungen in unserer Welt wahrnimmt. Und wie immer spielt Donald Pleasence seine Rolle mit Bravour. Des Weiteren finden sich im Cast Victor Wong und Dennis Dunn wieder, die bereits in BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA zu sehen waren, sowie Peter Jason, der hier zum ersten mal mit Carpenter zusammenarbeitete und in sechs weiteren seiner Filme mitwirkte. Ein weiterer Name, der aus der Menge hervorsticht, dürfte wohl Schock-Rocker Legende Alice Cooper sein. Shep Gorden, ausführender Produzent von DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT, war zum damaligen Zeitpunkt Alice Coopers Manager. So kam es, dass Cooper letztendlich nicht nur eine kleine Rolle im Film bekam, sondern dass er auch einen Titelsong zum Streifen aufnahm, der im fertigen Film jedoch nur kurz zu hören ist. Dieser Song mit dem Titel „Prince of Darkness“ erschien im selben Jahr auf Alice Coopers Album „Raise Your Fist And Yell“. Auch wenn Cooper nur eine kleinere Rolle im Film spielte, zum damaligen Zeitpunkt war er eine solche Größe im Musikgeschäft, dass selbst in der Teenie-Zeitschrift Bravo über den Streifen berichtet wurde. Der restliche Cast besteht aus eher unbekannten Schauspielern die ihre Rollen ausreichend gut verkörpern. Leider bleiben einige Charaktere auch recht blass, da sie zu wenig Screentime bekommen und man nichts Genaues über sie erfährt. Dies stört aber nicht zu sehr, da der Film durch viele andere Aspekte zu überzeugen weiß.
 
 
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Was aus DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT geworden ist, ist ein Horror-Kammerspiel, welches deutlich die Handschrift Carpenters trägt. Dem Film wurde zur damaligen Zeit nicht sonderlich viel Beachtung geschenkt, doch einige Kritiker, die sich tatsächlich mit dem Werk beschäftigten, sahen in ihm eine Rückbesinnung Carpenters an seine alten Erfolge. So finden sich zahlreiche Motive, die Filme wie ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT (1976) oder THE FOG – NEBEL DES GRAUENS (1980) zu so großartigen Streifen machten, auch in DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT wieder. Beispielsweise ähneln sich die Vorspänne von DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT und THE FOG sehr. In beiden werden Minuten lang fragmentarisch verschiedene und scheinbar unabhängig voneinander stattfindende Ereignisse, Situationen und Personen gezeigt, welche als erste Zeichen einer nahenden Bedrohung zu deuten sind, bzw. im weiteren Verlauf des Film zueinander finden. Eine weitere Parallele findet sich in Bezug auf Carpenters Frühwerk ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT wieder. Beide Filme handeln von Personen, die an einem bestimmten Ort eingeschlossen sind und sich gegen eine von außen kommende Bedrohung zur Wehr setzten müssen. Ein Konzept, bei dem sich Carpenter von Howard Hawks RIO BRAVO (1959) inspirieren ließ, und das er teilweise auch bei GHOSTS OF MARS (2001) anwendete.
 
John Carpenter ist oft dann am besten, wenn die Budgets klein sind, und er selbst Hand anlegen, also in seine eigene Trickkiste greifen muss. Eine bedächtige Erzählweise, ruhige Kamera und das typische Feeling eines handgemachten Filmes von Carpenter, dass macht auch DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT aus. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA und der Sci-Fi Lovestory STARMAN (1984), ist DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT wieder ein kleinerer, düsterer und ernster Film, der trotz seines übernatürlichen Aspektes ein Film über rationale Angst und dem rationalen Bösen ist. Carpenters legt in seinem Film viel Wert darauf, dass alle übernatürlichen/religiösen Aspekte sehr sachlich dargelegt werden. So auch sein böser Anti-Gott und die Bösartigkeit im Menschen. DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT stellt auf gekonnte Art und Weise Religion, Aberglaube und Wissenschaft auf den Kopf und hat visuell einige unheimliche Bilder parat, wie die mysteriöse Mondsichel genau über der Sonne oder jede Menge krabbelnde und schleimige Insekten. All dies ist unterlegt von einem typischen John Carpenter Soundtrack, bestehend aus düsteren, monotonen Synthesizer Klängen, welche besonders dann sehr eindrucksvoll sind, wenn sie mehrere Minuten am Stück unter längeren Sequenzen und Szenenabfolgen spielen. Carpenter schafft es dadurch eine tolle Atmosphäre aufzubauen, ein Talent des Regisseurs.
 
 
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Nach über 20 Jahren hat DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT nun die Anerkennung gefunden die er verdient hat. Schnaubten damals noch die Kritiker und verteufelten John Carpenter. Einige warfen ihm sogar die „Ausbeutung von Ängsten“ vor. Zum 25-jährigen Jubiläum wurden der Film und sein Regisseur dann letztendlich im Jahr 2012 auf dem Los Angeles Screamfest Horrorfilm Festival geehrt. Ein Anlass, der auch John Carpenter noch einmal einen Blick in die Vergangenheit werfen ließ.
 
 
 
“I know I’m old. I understand that part, it’s not a mystery to me. What can I do about it? I’m an old guy now, I’ve embraced it. It makes me look back. I’ve had a long career in this business and it’s been just forever, it seems like.”
 

(John Carpenter im Interview mit der L.A. Times)


 
 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mit DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT lieferte John Carpenter einen interessanten Horrorfilm ab, der trotz kleinerer Schwächen was seine Charaktere angeht genug Spannung und Atmosphäre aufbauen kann, um den Zuschauer durchgehend zu fesseln. Besonders Fans von Carpenter und 80er-Jahre-Horrorfilmen werden von „Prince of Darkness“ nicht enttäuscht sein.
 
 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Zensur

 
 
 
Aufgrund einiger härterer Einlagen war der Film bei seiner Erstveröffentlichung in den deutschen Kinos 1988 ungeschnitten ab 18 Jahren freigegeben. So gut wie alle folgenden Veröffentlichungen auf VHS enthielten jedoch eine geschnittene Fassung des Filmes. Auch im Fernsehen lief DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT stets nur in einer zensierten FSK16-Fassung. Erst Anfang der 2000er veröffentlichte Kinowelt den Streifen in seiner ungeschnittenen Fassung auf DVD, jedoch war diese nicht FSK geprüft und somit nicht im freien Handel erhältlich. Im Jahr 2013 wurde DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT vom Index gestrichen und neu geprüft. Der Film ist nun ungeschnitten frei ab 16 Jahren. Die erhältliche Blu-ray hat den blauen FSK16 Sticker erhalten.
 
 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prince of Darkness; USA 1987

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch und Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 – nicht mehr indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Erstauflage: Amaray im Schuber (limitierte O-Card), Zweitauflage: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar von Regisseur John Carpenter, Trailer

 
 
 

Die Fürsten der Dunkelheit – Uncut [Blu-ray] Limitierte Erstauflage ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
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DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Deutsche Blu-ray Neuauflage (2018)

 
 
 
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(c) StudioCanal – KeepCase Blu-ray

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prince of Darkness; USA 1987

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Stereo DTS-HD Master Audio, Englisch 5.1 DTS-HD (Master Audio), Englisch Stereo PCM, Französisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

Medium KeepCase

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Making of „Das Böse: John Carpenters Fürsten der Dunkelheit“; Interview „Sympathie für den Teufel“; „Horror’s Hallowed Grounds“ mit Sean Clark; Audiokommentar; Einführung und Szenenanalyse von Carpenter; Kinotrailer; Bildergalerie; Radiospots

Release 08.11.2018

 

Die Fürsten der Dunkelheit (Blu-ray + Bonus-Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Deutsche 4K UHD Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal – Limitiertes Steelbook (mit 4K UHD Blu-ray, 2x Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prince of Darkness; USA 1987

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Stereo DTS-HD Master Audio, Englisch 5.1 DTS-HD (Master Audio), Englisch Stereo PCM, Französisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 102 Min.

Medium Steelbook

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Making of „Das Böse: John Carpenters Fürsten der Dunkelheit“; Interview „Sympathie für den Teufel“; „Horror’s Hallowed Grounds“ mit Sean Clark; Audiokommentar; Einführung und Szenenanalyse von Carpenter; Kinotrailer; Bildergalerie; Radiospots

Release 08.11.2018

 

Die Fürsten der Dunkelheit (4K Ultra HD + Blu-ray + Bonus-Blu-ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT – Trailer

 
 


 
 

Sam Freissler

(Rechte für Grafiken, Packshots + Abbildungen liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Grüne Blut der Dämonen (1967)

Die Mächte des Wahnsinns (1984)