Filmkritik: „Sea Fever“ (2019)

sea-fever-2019-poster
 
 
 

SEA FEVER

Story

 
 
 

Während einer Fischereiexpedition machen Wissenschaftlicher Bekanntschaft mit einem tödlichen Parasiten.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Kritik

 
 
 
Es gibt immer noch Welten auf diesem Planeten, die von der Menschheit weitestgehend unerkundet geblieben sind. Eine dieser nennt sich Tiefsee und beherbergt Individuen, die so grotesk aussehen, dass man meinen könnte, sie wären aus einem Horrorfilm entsprungen. Was fantastisch anmutet, ist natürlich für die Filmindustrie immer wieder Grund genug daraus irgendwelche Schocker zu basteln. Da dringen nach Millionen von Jahren plötzlich Kreaturen vom Meeresboden an die Oberfläche, die nur ein Ziel kennen: ahnungslose Fischer, Taucher oder Badegäste zu terrorisieren. Offenbar auch Traumfilmstoff für Regisseurin NEASA HARDIMAN. Die hat in der Vergangenheit eher an Episoden für TV-Serien gearbeitet und liefert mit SEA FEVER ihr Langfilmregiedebüt ab.
 
 
sea-fever-2019-bild-5
 
 
Darin ließ sich die Filmemacherin als bekennender Sci-Fi-Horror und Psychothriller-Fan von Streifen wie ARRIVAL, AUSLÖSCHUNG und THE THING inspirieren. Aber auch die aktuelle Klimakrise hatte maßgeblich Einfluss beim Entstehungsprozess des Drehbuchs. Letzteres wurde von Hardiman in Eigenregie verfasst, in welchem sie dem Thema Verantwortung auf den Grund geht. So erklärte die Regisseurin in Interviews, dass wir Menschen zwar nicht viel über den tiefen Ozean wissen, aber durch unser umweltfeindliches Handeln prägenden Einfluss auf die riesigen Ökosysteme unter Wasser haben. Zudem wirft sie in SEA FEVER die Frage in den Raum, inwieweit wir Verantwortung für uns selbst und für andere übernehmen müssen. Themen, die komplex erscheinen, aber nicht unbedingt tiefgründig erforscht werden. SEA FEVER ist mehr Horrorfilm als kritisches Unterfangen. Das muss aber nichts Schlechtes bedeuten.
 
 
sea-fever-2019-bild-2
 
 
SEA FEVER erzählt die Geschichte der schüchternen Studentin Siobhan. Die landet im Rahmen ihres Meeresbiologiestudiums auf einem irischen Hochseefischereischiff, das hinaus aufs Meer fahren möchte, um dort einige wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu können. Doch diese Seefahrt verläuft nicht nach Plan. Die Crew ignoriert Warnungen der Küstenwache und ändert den Kurs. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Ein riesiger und nicht identifizierbarer Tintenfisch heftet sich an den Rumpf des Schiffes. Was jedoch anfangs als Sensation gefeiert wird, schlägt bald in pure Angst um. Das Wasserwesen meint, in dem Schiff tierische Beute gefunden zu haben und stößt blauen Schleim aus seinen Tentakeln aus. Darin enthalten: tödliche Parasiten, die die Crew-Mitglieder infizieren. Da stellt sich verständlicherweise Panik ein, denn niemand weiß, wie man sich vor dem mikroskopisch kleinen Killer schützen kann. Doch Studentin Siobhan hat einen Plan. Die kombiniert richtig und beweist Köpfchen. Was für ein Glücksfang.
 
 
sea-fever-2019-bild-1
 
 
CABIN FEVER auf dem Meer. So ähnlich lässt sich SEA FEVER mit knappen Worten beschreiben, der ebenso von der Prämisse Gebrauch macht, dass eine mysteriöse Krankheit Menschen befällt und diese anschließend tötet. Statt tödlicher Viren werden hier jedoch kurzerhand kleine Larven für ein Massensterben verantwortlich gemacht. Minimale Unterschiede, die aber das gleiche Ziel haben: den Zuschauer mit ekligen Spezialeffekten bei Laune zu halten. Da explodieren schon mal Augäpfel. Zartbesaitet schüttelt es da verständlicherweise nicht unbegründet. Doch SEA FEVER hat mehr zu bieten als handgemachte Manschereien. Der Streifen macht sich Themen wie Klaustrophobie und Paranoia zu Eigen. Kaum mit der Gefahr konfrontiert, wird das Wasserfahrzeug zum Gefängnis. Umgeben von Wasser kann niemand entkommen, was sich natürlich auch auf die Stimmung des Films auswirkt. Da entsteht plötzlich Panik unter den Anwesenden, zumal bald niemand mehr weiß, wer als Wirt dient und den tödlichem Eindringling überträgt. Wem kann man vertrauen? Wer trägt den Erreger in sich? Und wer bringt anderen den Tod? Fragen, die vertraut klingen und Tempo in den anfangs gemächlich erzählten Film bringen.
 
 
sea-fever-2019-bild-3
 
 
SEA FEVER verfügt nämlich über ein ähnliches Handlungskonzept, das sich bereits JOHN CARPENTER mit seinem DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT zunutze machte. Dort konnte eine außerirdische Lebensform jede Gestalt von Lebewesen annehmen, was dazu führte, dass Antarktis-Forscher bald nicht mehr wussten, wer von den Kumpels menschlich ist und wer imitiert. So wurden aus Freunden Feinde, was natürlich die Spannung unter den Protagonisten ankurbelte und für psychologischen Horror sorgte. Letzterer ebnet sich auch in SEA FEVER den Weg zum Ziel. Da kippt in der Halbzeit die Stimmung. Aus Neugierde und Forscherdrang wird Ausweglosigkeit und Chaos. Rezepturen, die dem Spannungsaufbau förderlich sind. Kaum ist der erste infiziert, wird eine wissenschaftliche Expedition zum Überlebenstrip. Das bannt vor dem TV-Gerät und der Herzschlag wird schneller. Für einen Horrorfilm unabdinglich.
 
 
sea-fever-2019-bild-4
 
 
Unterm Strich ist SEA FEVER ein standardisierter Horrorthriller, den sich Fans von Körper-Horror schon mal ansehen können. Die Darsteller sind gut gewählt, in technischer Hinsicht macht der Streifen eine hervorragende Figur und auch die Atmosphäre stimmt. In puncto Originalität gewinnt SEA FEVER aber keinen Filmpreis. Spätestens hier kann Regisseurin NEASA HARDIMAN die TV-Herkunft nicht leugnen. Ihr Langfilmdebüt ist kurzweilig – wie die Episode einer Fernsehserie. Blickt man aber hinter die Fassade makelloser Bilder, bleibt ein austauschbares Handlungsgerüst über, auf dem die meisten Horrorfilme aufbauen. Auch SEA FEVER bedient sich dem vertrautem Prinzip moderner Genrefilme. Darin geht es in der Regel ums Erschrecken oder zeigefreudiges Sterben. Letzterem widmet sich SEA FEVER besonders ausgiebig. Wem das bewusst ist, wird trotzdem gut unterhalten werden.
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Spannender Körper-Horror, der Filme wie THE ABYSS, CABIN FEVER und THE THING zitiert. SEA FEVER gewinnt keinen Originalitätspreis. Viel Substanz besitzt dieser Streifen nicht. Der Film zieht seinen Reiz aus der Tatsache, dass darin auf eine Weise gestorben wird, die in Zeiten von COVID-19 erschreckender denn je ist. Hier stecken sich Filmfiguren mit einem Parasiten an, der mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Als wäre das nicht schon erschreckend genug, trägt man den Übeltäter aus Unachtsamkeit von Mensch zu Mensch weiter. Unterstrichen wird die unbequeme Thematik mit Hilfe ekliger Spezialeffekte. Regisseurin NEASA HARDIMAN weiß, wie Spannung geht. Ihr gelingt es einfach klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen und Panik entstehen zu lassen. Ein geschickter Schachzug, denn so bekommt der Zuschauer nicht unbedingt davon Wind, dass die Story von SEA FEVER gerade einmal auf einen Bierdeckel passt.

 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Zensur

 
 
 
SEA FEVER ist keine Gewalt oder Splattergranate. Die Spezialeffekte sind zwar eklig, befinden sich aber im FSK16-Bereich. Daher kann man getrost von einer Jugendfreigabe für diesen Body-Horror ausgehen.
 
 
 


 
 
 

SEA FEVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dust)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
The Thing (2011)
 
Cabin Fever (2016)
 

Filmkritik: „The Rezort“ (2015)

The-Rezort-2015-poster(1)
 
 
 

THE REZORT – WILLKOMMEN AUF DEAD ISLAND

(GENERATION Z)

Story

 
 
 

Auf einer gar malerischen Insel ist der Teufel los. Dort geht der Tod in Form von Zombies spazieren, welche die gutbetuchte Touristen-Elite zum Spaß erledigen dürfen. Leider meinen es die Drehbuchschreiber nicht sonderlich gut mit den schießwütigen Feriengästen. Eine unerwartete Katastrophe verpasst der reichen Gesellschaft einen blutigen Denkzettel.

 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Kritik

 
 
 
Wer fleißig Horrorfilme schaut, in denen furchtbare Katastrophen über die Protagonisten hereinbrechen, dürfte mittlerweile verstanden haben, dass die übermütige Menschheit stets das bekommt, was sie auch verdient hat. Am deutlichsten wird das im Zombiegenre deutlich, wo in postapokalyptischen Szenarien immer wieder gern die Unbelehrbarkeit der Menschen an den Pranger gestellt wird. So ähnlich – wenngleich noch nicht so bildgewaltig, wie es bei vielen Hollywood-Produktionen der Fall ist – hat das bereits Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO in jungen Jahren getan und wird nicht müde, sich zu wiederholen. In dessen Debütfilm NIGHT OF THE LIVING DEAD hagelte es anno 1968 nicht wenig subtile Gesellschaftskritik. Deshalb hat’s der Streifen auch längst in die Filmsammlung des Museum of Modern Art geschafft und ist seit 1999 als erhaltenswertes Kulturgut in die National Film Registry eingetragen. Kritische Tendenzen sind auch im Zombiefilm THE REZORT zu verzeichnen, der sich aber anders als genannter Kulttitel mehr im Unterhaltungssektor bewegt und viel grausames Zeug auf Zelluloid festhält. Das macht ihn leider weniger kontrovers, als es sich Regisseur STEVE BAKER gewünscht hätte. Der Schocker streift zwar eine brisante Thematik, verirrt sich aber dann doch eher im möglichst grafischen Ausradieren von Zombies. Damit macht es der Horrorthriller vielen neueren Zombiefilmen gleich. Weil’s davon mittlerweile ziemlich viele gibt, dürfte es dem immerhin technisch souverän abgehandelten Streifen schwer fallen, aus der Masse hervorzustechen – denn viel Neues gibt es auch hier nicht zu sehen.
 
 
the-rezort-2015-bild-1(1)
 
 
Wenn Menschen erst jagen und dann selbst zu Gejagten werden. Ein klischeehafter Überlebenskampf flimmert in THE REZORT über die Mattscheibe. Hier macht sich ein junges Paar auf zu einer Insel, auf der es gesetzlich legal ist auf Untote zu schießen. Nach einer verheerenden Katastrophe hat sich die halbe Welt in Zombies verwandelt. Doch die Menschen konnten der Lage Herr werden und die Kreaturen in die Knie zwingen. Zehn Jahre später gibt es nur noch wenige von ihnen. Die wurden auf eine Insel verbannt, wo sich frustrierte Reiche den Frust von der Seele schießen können. Weil nur auf Zombies schießen auf Dauer langweilig sein kann, überrascht THE REZORT selbstverständlich mit unerwarteter Wendung. Ein Computervirus hat sich in das Sicherheitssystem geschlichen und bahnt den Kreaturen den Weg in die Freiheit. Dort angekommen gibt es ein Blutbad. Doch davon wissen einige Leute und besagtes Pärchen nichts. Die campen irgendwo auf dem Eiland und warten ungeduldig auf neue Ziele. Lang warten müssen sie darauf freilich nicht. Die entkommenen Zombies machen Jagd auf alles und jeden. Was bleibt ist davonlaufen. Leider ist das Drehbuch nicht gnädig mit den Protagonisten. Einer nach dem anderen muss sterben. Sonderlich helle ist das natürlich nicht.
 
 
the-rezort-2015-bild-2(1)
 
 
GENERATION Z (so der anfängliche Arbeitstitel) hat alles, was man für einen Zombiefilm benötigt. Neben seltsamen Entscheidungen und unvorsichtigen Fluchtversuchen, sind es vor allem die netten Make-up-Effekte, die WALKING DEAD-Anhänger zum Schwärmen bringen. Zudem wird recht explizit auf Köpfe und Körper geschossen, so dass Liebhaber blutiger Metzelgeschichten auf ihre Kosten kommen. Flüchten und Winseln lautet im Film die Devise, denn THE REZORT orientiert sich beim Erzählen am Zombiestandard. Wer schon einige dieser Filme gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. So rückt die Zombiehatz eine Gruppe Menschen in den Mittelpunkt, die nach und nach von fleischlechzenden Kreaturen ausradiert werden, weil sich Figuren so dämlich verhalten, dass man ihnen den Filmtod nur wünschen kann. Immerhin hat man an eine zugängliche Filmheldin gedacht. Die registriert schnell, dass auf dieser Insel einiges im Argen liegt. Flüchtlinge verirren sich hierher. Leider wird denen nicht geholfen, wie man es der Gesellschaft vorgaukelt. Die auf diesem Stück Land ansässige Organisation funktioniert Hilfesuchende in Zombies um, damit reiche Bürger neues Gewehrfutter erhalten. Damit schlägt Macher STEVE BAKER Brücken zum aktuellen Zeitgeschehen und klärt auf, wer vom Kapitalismus profitiert und wer darunter zu leiden hat. So brisant die Debatte von Arm und Reich auch sein mag, sie verpufft im lauten Munitionshagel der Schießeisen. Zu oberflächlich, banal und konventionell wurde der Horrorfilm inszeniert, als das Kritik zum Nachdenken anregt. Demzufolge sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren und unterhalten lassen. Das kann THE REZORT immerhin ganz ordentlich.
 
 
the-rezort-2015-bild-3
 
 


 
 
 

THE REZORT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Darf man Zombies töten? Können Zombies fühlen? Und sind das nicht auch nur Menschen? Wie einst schon Zombievater GEORGE A. ROMERO mit DAY OF THE DEAD konfrontiert Regisseur STEVE BAKER im Horrorfilm THE REZORT mit brisanter Thematik und beginnt sogar eine gesellschaftskritische Debatte vom Gegensatz zwischen Arm und Reich. Leider werden diese Gedanken nur angerissen und nicht weitergedacht, denn schnell verliert sich der Film im blutgeilen Gemetzel und schonungslosen Ausradieren. Abermals sind die Spielregeln klar. Menschen töten Zombies und Zombies töten Menschen. So werden nach und nach Statisten und Schauspieler grafisch um die Ecke gebracht, damit Zombiefans was zu sehen bekommen. Immerhin ist THE REZORT technisch ganz ordentlich. Der Film schaut hochwertig aus und hat sogar ganz atmosphärische Landschaftsaufnahmen zu bieten. Zudem gibt kaum Leerlauf. Das ist auch kein Wunder, denn hinter der Zombieflucht steckt jemand, der sich mit dieser Art von Filmen auskennt. Macher STEVE BAKER hat nämlich zuvor bereits den Nazi-Zombie-Splatterer OUTPOST und dessen Fortsetzung OUTPOST: BLACK SUN inszeniert. Somit ist kurzweilige Unterhaltung garantiert – auch wenn man den Streifen wegen seiner austauschbaren Handlung nach wenigen Stunden bereits wieder vergessen haben wird.
 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Zensur

 
 
 
In THE REZORT werden Zombies mit Gewehren und Pistolen grafisch in den Filmhimmel befördert. Der Film ist keine Splatter- und Gewaltgranate. Deshalb wude er wohl bereits für Jugendliche freigegeben: FSK16
 
 


 
 
 

THE REZORT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-rezort-bluray

(c) Ascot Elite Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Rezort; Belgien | Großbritannien | Spanien 2015

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover und Schuber

Extras: Behind the Scenes, Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 16.09.2016

 

The Rezort [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE REZORT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei ASCOT ELITE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Anger of the Dead (2015)
 
The Dead 2: India (2013)
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)
 
Day of the Dead (1985)
 

Filmkritik: „Tiger House“ (2015)

tiger-house-2015
 
 
 

TIGER HOUSE

Story

 
 
 
Vier Einbrecher legen sich mit einem Teenager an, der den ungebetenen Besuchern eine Lektion erteilt.
 
 
 


 
 
 

TIGER HOUSE – Kritik

 
 
 
Nicht schon wieder ein Home-Invasion-Thriller. Die wurden seit der Mediensatire FUNNY GAMES ziemlich zahlreich fürs Heimkino produziert und spielen mal mehr, mal weniger drastisch mit den Urängsten des Zuschauers. So verwandelt sich in den meisten dieser Werke das eigene Zuhause zur gnadenlosen Todesfalle, weil sich Fremde Zutritt verschaffen, um ihre Lust am Quälen befriedigen zu können. Nicht ganz so heftig geht es in TIGER HOUSE zu. Hier versuchen Einbrecher Lösegeld zu erpressen, haben aber nicht mit der Raffinesse eines mutigen Teenagers gerechnet. Der bewegt sich wie eine Raubkatze unbeobachtet durch die verwinkelten Räume einer Villa und schlägt die Eindringlinge am Ende – im wahrsten Sinne des Wortes – mit den eigenen Waffen. Der nicht uninteressante Thriller geht auf das Konto des noch unbekannten THOMAS DELAY, welcher bisher nur Kurzfilme gedreht und mit TIGER HOUSE quasi den ersten Langfilm inszeniert hat. Ein solider Start ins Filmgeschäft, der nichts Großes ist, aber immerhin kurzweilige Momente beschert.
 
 
tiger-house-bild-3
 
 
TIGER HOUSE erzählt die Geschichte der smarten Kelly (verkörpert von KAYA SCODELARIO aus THE MAZE RUNNER), die den Liebsten (DANIEL BOYD) zum 18. Geburtstag überraschend möchte. Weil dessen wohlhabende Eltern nicht gut auf das Mädchen zu sprechen sind, schleicht sich der Teenager durch das Fenster ins Zimmer ihres Freundes und beichtet ihm von der bevorstehenden Schwangerschaft. Logischerweise ist die Freude nicht sonderlich groß. Doch für überschwängliche Predigten bleibt keine Zeit. Vier skrupellose Gestalten brechen in das Anwesen ein und nehmen die Familie gefangen. Sie wollen Lösegeld erpressen, bemerken aber die verängstigte Kelly nicht, die in letzter Minute unter das Bett ihres Freundes kriechen konnte. Nun versucht sie einen Ausweg zu finden. Doch der Weg hinaus ist voller Gefahren.
 
 
tiger-house-bild-2
 
 
Dass Newcomer THOMAS DELAY noch etwas grün hinter den Ohren ist, fällt im unausgereiften Inszenierungsstil auf. TIGER HOUSE bremst sich spannungstechnisch oft selbst aus, denn immer wieder werden die packenden Fluchtversuche der Hauptdarstellerin durch unnötige Dialoge zwischen den Einbrechern unterbrochen. Die haben nicht Gutes im Sinn und wurden mal wieder mit schablonenhafter Charakterentwicklung gesegnet, damit das Szenario bedrückender wirkt, als es eigentlich ist. So musste unter den Bösewichten auch ein Frauenschänder gemischt werden, was mittlerweile im Home-Invasion-Genre irgendwie zum Standard gehört. Im Falle von TIGER HOUSE ist das ED SKREIN. Der spielt hier einen verhaltensauffälligen Psychopathen, der leider etwas einseitig denkt. Statt nicht aufzufallen und die geplante Erpressung im Auge zu behalten, kommt ihm partout nichts anderes in den Sinn, als an hinterhältigen Geiselmissbrauch und kaltblütiges Morden zu denken. Dass der für sein krankes Verhalten am Ende mit dem Tod bestraft werden muss, liegt auf der Hand – so sind schließlich die Gesetze im Horrorfilm.
 
 
tiger-house-bild-1
 
 
Trotz klaustrophobischem Katz- und Mausspiel hat TIGER HOUSE ein großes Problem. Das liegt in der Glaubwürdigkeit seiner Protagonisten. Die handeln teils derart dämlich und unvorsichtig, dass Fluchen nicht ausbleiben dürfte. So flitzt die minderjährige Heldin wieder zurück in die Festung des Bösen, nachdem sie sich einen Weg in die Freiheit bahnen konnte. Auch die Einbrecher handeln unklug, legen Feuer im Haus und ziehen damit die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter und Nachbarn auf sich. Wer Filme mit unerwarteter Auflösung bevorzugt, ist mit TIGER HOUSE übrigens gut beraten. Dumm nur, dass die nicht sonderlich geistreich ist. Hier bekommt es der Zuschauer mit einem der hanebüchensten Filmenden zu tun, die man zuletzt im Genre zu sehen bekommen hat. Zieht man die Werke eines M. NIGHT SHYAMALAN (THE VILLAGE oder THE VISIT) zum Vergleich heran, sind dessen Filme hinsichtlich dummer Schlusstwiste diesem hier haushoch überlegen.
 
 


 
 
 

TIGER HOUSE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein schweißtreibender Überlebenstrip. TIGER HOUSE ist ein packender Home-Invasion-Thriller mit fieser Auflösung und charmanter Hauptdarstellerin, der aber nicht frei von Fehlern ist. Regie-Newcomer THOMAS DELAY hat hier einen soliden Erstling abgeliefert, dem es des Öfteren gelingt Herzrasen zu verursachen. Gerade wenn Filmheldin wie eine Raubkatze unbemerkt an ihren Gegner vorbeihuscht, wächst der Streifen zu eigentlicher Größe heran. Leider hat TIGER HOUSE unter den teils dummen Handlungen seiner Figuren zu leiden. Die verhalten sich nicht immer klug und sorgen für lautes Fluchen. Dennoch; Zuschauer mit einer Vorliebe für Home-Invasion-Thriller werden vermutlich gut unterhalten – auch wenn TIGER HOUSE kaum Schauwerte oder Gewalt zu bieten hat.
 
 


 
 
 

TIGER HOUSE – Zensur

 
 
 
Im Vergleich zu anderen Home-Invasion-Streifen geht es in TIGER HOUSE erheblich zahmer zu. Bis auf einen eingeschlagenen Kopf, diverse Schusswunden oder einen Pfeil, der sich durch einen Körper bohrt, gibt es kaum nennenswerte Schauwerte zu sehen. Der Film hat eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

TIGER HOUSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
tiger-house-bluray

(c) Studio Hamburg (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Tiger House; Großbritannien | Südafrika 2015

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 13.10.2016 (BD KeepCase)

 

Tiger House [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

TIGER HOUSE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Knock Knock (2015)

Hate Crime (2013)

Home Invasion (2012)

The Aggression Scale (2012)

Home Sweet Home (2013)

In their Skin (2012)

Filmreview: „Last Passenger“ (2013)

last-passenger-2013
 
 
 

LAST PASSENGER – ZUG INS UNGEWISSE

Story

 
 
 
Lewis Shaler (Dougray Scott) ist vielbeschäftigter Arzt und alleinerziehender Vater. Auf dem Weg nach Hause begibt er sich mit seinem kleinen Sohnemann in den letzten Zug nach London, wo er der schönen Fremden Lewis ( Kara Tointon) begegnet und sich ihr sofort verbunden fühlt. Doch die Liaison währt nicht lang. Als der Zug nicht wie erhofft am Zielbahnhof ankommt, die Notbremsen nicht zu funktionieren scheinen und weit und breit kein Zugbegleiter anzutreffen ist, schwant den wenigen Passagieren Übles. Ein irrer Selbstmörder hat die Kontrolle des Zugs übernommen und will unweigerlich mit Gefährt und Besatzung in den Tod rasen. Können die Reisenden ihrem Schicksal entkommen?
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Kritik

 
 
 
Führt man sich einmal viele durchaus gelungene Horrorfilme der letzten Dekaden vor Augen, so fällt verblüffend oft auf, dass es sich hier um Genrebeiträge handelt, die von Jungregisseuren inszeniert wurden, die vorher wenige bis gar keine Regieerfahrungen vorweisen konnten. Gerade im Horrorbereich scheint der Trend allmählich weg vom kommerziellen Mainstream, hin zum günstig hergestellten Independentfilm zu gehen, wobei das natürlich nicht zwangsläufig negativ gewertet werden sollte. Auch der vorliegende LAST PASSENGER ist einer dieser einfallsreich umgesetzten Filmbeiträge, der ohne millionenschweres Budget auskommen musste und es trotzdem schafft, den Puls des ahnungslosen Zuschauer ordentlich in die Höhe zu treiben. Regisseur und Co-Drehbuchautor OMID NOOSHIN, der zuletzt auf dem Gebiet des Kurzfilms einige Regie-Erfahrungen sammeln konnte, inszeniert mit LAST PASSENGER seinen ersten abendfüllenden Spielfilm und beweist mit seiner minimalistisch erzählten Geschichte eindrucksvoll, dass es manchmal nur ein wenig Einfallsreichtums bedarf, einen schweißtreibenden und spannenden Schocker zu realisieren. Das sah vermutlich auch das britische Produktionshaus UK FILM COUNCIL (IRON LADY und MY WEEK WITH MARYLIN) so und fungierte als verlässlicher Geldgeber.
 
In LAST PASSENGER erlebt der Filmfreund die hilflosen Interaktionen einiger ahnungsloser Reisender, die vehement alles erdenklich Mögliche unternehmen, um einen außer Kontrolle geratenen Zug in ihre Gewalt zu bringen und das eigene Überleben zu sichern. Hierbei versucht Regisseur OMID NOOSHIN sein erschütterndes Szenario so glaubwürdig wie möglich zu zeichnen. Auch wenn die Verhaltensmuster der wenigen Fahrgäste zu Beginn noch den vermeintlich typischen Klischees des Genres unterliegen, so ändert sich das im Verlauf der Handlung, so dass LAST PASSENGER am Ende sogar gänzlich ohne Unsympathen auskommt. Das Verhalten der wenigen Fahrgäste erscheint vollkommen nachvollziehbar, ihre Verzweiflung wirkt stets authentisch, wobei sich der Zuschauer nicht nur einmal dabei ertappen dürfte, das Szenario selbst zu hinterfragen und dabei eine Antwort zu finden, wie er sich selbst in einer derart verzweifelten Situation verhalten würde. Auch wenn die zugrundeliegende Idee des Films nicht wirklich originell erscheint und die Charaktere ein wenig Zeit benötigen, um die zündenden, letztlich rettenden Gedanken in die Tat umzusetzen, so schafft es NOOSHIN mit einer Leichtigkeit, eine erschreckend klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen, die den Grundton der Geschichte vortrefflich zu unterstreichen weiß. Hier sorgt nicht die Enge der Zugabteile für ein beklemmendes Angstgefühl, sondern die Hilflosigkeit der Charaktere, die vorerst rein gar nichts unternehmen können, den Zug stoppen zu können. Wer gerade gegen Filmmitte einige der durchaus adrenalinfördernden Szenen kaum ertragen kann und nicht hinschauen mag, wenn die Fahrgäste versuchen von Außen die Abteile zu entkoppeln, dem sei an dieser Stelle vergewissert, dass der Film natürlich ein gutes Ende nimmt.
 
Dennoch, bis der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, erlebt der Filmfreund Suspense-Unterhaltung aller erster Güte. Wer eine Vorliebe für kurzweilig-unterhaltsames Thriller-Kino hegt, ist mit LAST PASSENGER optimal beraten. Ein Thriller der zwar nicht ganz befreit von budgetbedingten Schnitzern ist; für ein Regie-Debüt jedoch erstaunlich souverän in Szene gesetzt wurde.
 
Von daher: Nächster Halt: LAST PASSENGER – wir wünschen eine gute Fahrt! .
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schweißtreibend inszenierter Suspense-Thriller für Nervenstarke. Ein Beitrag, der gerade für jene Genre-Fans interessant sein dürfte, die ein Faible für sauber inszenierte Filme hegen, deren Spannungsschraube von Minute zu Minute fester gezogen wird. Überraschend guter Indie-Beitrag!
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Zensur

 
 
 
Der Film ist nicht brutal und zeigt kaum Grausamkeiten. Zwar sterben im Film auch Menschen, der FSK war der packende Zugentführungs-Thriller aber immerhin eine FSK12 wert und ist somit auch für Minderjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
LAST PASSENGER Blu-ray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Last Passenger; Großbritannien 2013

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK 12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making Of, Featurette, Interviews, B-Roll, Visual Effects, Sound Design

Starttermin: 17.01.2014

 
 
 
LAST PASSENGER ist ein kleiner Indie, der mit wenig Budget auskommen musste und das merkt man auch. Vor allem beim Bild der Blu-ray aus dem Hause UNIVERSUM FILM macht sich das magere Kapital bemerkbar. Das Bild ist viel zu hell und schaut durchweg milchig und arg kontrastarm aus. Zudem sind die Farben verwaschen, was aber immerhin zum Charakter der altmodischen Wagon-Kulisse passt. Beim Ton schaut es da schon etwas besser aus. Die Stimmen sind stets klar zu verstehen und die klapprigen Umgebungsgeräusche des Zugabteils sorgen für eine angenehme Räumlichkeit. Kommt es dann ab Filmmitte zum Zusammenprall mit einem Auto scheint das Heimkino aus seinem Winterschlaf zu erwachen. Der anfänglich eher zurückhaltende und eher dialogreiche Thriller überrascht mit lautem Getose, das druckvoll aus den Boxen schallt. Zudem kommt in den wenigen Actionszenen der Subwoofer vermehr zum Einsatz. Vor allem die Explosion gegen Filmende überzeugt. Im wirklich hübsch animierten Hauptmenü findet der Zuschauer selbstverständlich eine kleine Anzahl an Extras. Die sind zwar recht übersichtlich ausgefallen, überzeugen aber durch Qualität. So gibt es ein Making of (ca. 3 Minuten), eine B-Roll (ca. 6 Minuten) und 13 Interviews mit diversen Beteiligten (ca. 30 Minuten) zu sehen. Weiterhin haben noch drei Features über die Kameraarbeit, die visuellen Effekte und das Sound Design (zusammen ca. 13 Minuten) den Weg auf die Blu-ray gefunden. Ein BD-Live-Zugang und der Trailer in Deutsch und Englisch runden das Extrapaket ab. Leider gibt es mal wieder keine deutschen Untertitel für die Boni, so dass die meisten Extras kaum zu gebrauchen sind. Dafür entschädigt eine umfangreiche Trailershow mit sechs weiteren Filmen aus dem Katalog des Anbieters. Wer sich immer noch nicht mit dem FSK-Flatschen anfreunden kann, darf den Einleger gern umdrehen, denn ein Wendecover liegt bei.
 
 
 

Last Passenger [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Elevator (2011)

247°F – Todesfalle Sauna (2011)