Filmkritik: „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ (2020)

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THE NIGHT – ES GIBT KEINEN AUSWEG

(THE NIGHT | AN SHAB)

Story

 
 
 
Ein iranisches Pärchen verliert sich Nachts in einer amerikanischen Großstadt und findet in einem Hotel Zuflucht, das seine Gäste nicht ohne weiteres wieder gehen lassen will..

 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Kritik

 
 
Der letztes Jahr entstandene, dieses Jahr in Deutschland herausgebrachte Horrorfilm „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ von Spielfilmdebütant Kourosh Ahari handelt von einem iranischen Pärchen, das mit scheinbar verfluchten oder dämonischen Umständen in einem Hotel zu kämpfen hat. Klingt spontan wenig originell, doch wird vom Label mit „The Shining“ von Stanley Kubrick verglichen, kommt online immerhin durchschnittlich weg – eine Genre-Erfahrung, die es wert ist?
 
 
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Nachdem der Trailer zum unterirdischen „The Banishing“ verkraftet wurde, startet „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ mit Oboen, orientalisch anmutenden Flöten und einer sechsköpfigen Gruppe von Freunden, die sich auf persisch unterhalten und ein Gesellschaftsspiel á la „Werwolf“ spielen. Unser scheinbarer Protagonist, Babak, kann eine verwirrende Sekunde lang sein Spiegelbild nicht sehen, abseits davon bleibt das Foreshadowing in den ersten Dialogen wunderbar ungenau und falsche Fährten legend, da direkt vom Konflikt Männer vs. Frauen, einem rächenden Geist und den Härten eines Krankenhausjobs geredet wird, was sich alles realistisch und authentisch anfühlt, zudem in nahezu jede Richtung ausschlagen könnte. Wenige Minuten später sondern sich unser Protagonisten-Pärchen, Babak und Neda, ab, und fährt nach Hause, wobei durch das inzwischen altbekannte, mysteriöse Trommeln und Klicken in den Opening Credits, zusammen mit der Drohnenfahrt über das durch die Nacht fahrende Auto, wohl eine ähnlich intensiv-beunruhigende Atmosphäre wie bei „The Invitation“ aufkommen soll, was aber nur so halb funktioniert. In einer hübschen Einstellung kreist die Kamera bis sie kopfüber steht und fährt auf das Auto zu, ein paar Klischees – das vergessene Ladegerät, das spinnende Navigationssystem, die scheinbar überfahrene, aber dann verschwundene Gestalt – danach sind diese ungewöhnlichen, aber atmosphärischen, ersten 16 Minuten vorbei und eine Gestalt in dunkler Kutte steht am Wegesrand.
 
 
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Etwas später platziert, man könnte diese Erscheinung als das Ankommen des allzu generischen Standard-Horrors sehen, der diesen bisher sehr kompetenten, ggf. politisch motivierten, ggf. einfach an Authentizität interessierten Thriller oder Horror in die Sackgasse leitet – doch so bleibt noch etwas Zeit, bevor der bittere Geschmack sich verbreitet. Aufgrund der Komplikationen wird trotz schwarzer Katze auf dem Weg nämlich das Hotel „Normandie“ als Unterschlupf für die Nacht genutzt und nicht nur ist die Lobby dieses Hotels das größte optische Highlight des Films, nein, auch die leicht schrullige, mysteriöse, herzliche dann wieder schroffe Performance von George Maguire als stilsicherer, klassischer Rezeptionist sorgt für Anspannung und Unterhaltung.
 
 
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Die gespenstische, traumhaft beleuchtete, noble Lobby mit argentoesquer, roter Tür die direkt aus Suspirira stammen könnte, einem gruseligen, prunkvollen Gemälde und in der Tat an den Gänsehaut erzeugenden Ballroom aus The Shining erinnernder, leise im Hintergrund absgespielter Musik mit perfekter Produktion machen richtig Lust auf den weiteren Film, stellen die Frage, welche gruseligen Geschichten oder auswegslosen Situationen sich in diesem alten Gebäude verbergen, laden ein auf noch ganze 80 Minuten Horrorfilm. Doch besser wird es leider nicht.
Denn was die hübschen HD-Einstellungen, die anfänglich noch reizvoll zwischen kunstvoll beleuchteten Bildern und quasidokumentarischen Perspektiven hin- und herwechselten, von nun an erzählen dürfen, das ist altbekannt: Lange Hotelflure bei Nacht sind gruselig, ermüden sich nach ein paar Einstellungen aber, ein wiederholt weinendes, quengelndes, zum Aufstehen aufforderndes Baby ist nervig aber auch wenig spannend. Einzig die ominösen, düsteren Andeutungen des Rezeptionisten bescheren dem ersten Drittel noch etwas Mehrwert und angedeutete Geschichte, abseits davon beginnt die Geduld des Zuschauers aber bereits nach rund 35 Minuten strapaziert zu werden.
 
 
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Auch das subtile, überzeugend abgemischte Sounddesign von den flirrenden Neonröhren über tropfende Wasserhähne, knarzende Schritte oder alte Musikboxen ist hervorragend gewählt und könnte wahrlich beunruhigende Szenen zaubern, würde inhaltlich nicht die altbekannte Mischung aus Träumen, Erinnerungen, Andeutungen und verschwindenen Plagegeistern aufgetischt. Extradiegetische, laute Jumpscare-Sounds in eigentlich nicht schockierenden Einstellungen rauben jede Subtilität wieder, die gezupften Seiten im bis dato schon bekannt wirkenden Soundtrack klingen später wirklich 1:1 wie die aus „The Invitation“. Schade nicht nur um das Sounddesign und die starke Performance von Maguire, sondern so einige Elemente, die prinzipiell stimmen: So kommt nach knapp einer Stunde, als die Luft das erste Mal so wirklich raus ist, noch Michael Graham für einen amüsanten Einschub als Cop vorbei und auch die Technik ist teilweise richtig ansprechend, in der Golden Hour auf dem Hausdach gefilmt, professionell editiert, mit ein paar beklemmenden Szenenkonzepten.
 
 
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Doch wer 100 Minuten lang Horror mit nur einem Setting und hauptsächlich nur zwei Charakteren inszenieren will, der muss inhaltlich viel früher für einen Hook, eine Konsequenz, eine Fallhöhe oder Anspannung sorgen, als es hier der Fall ist – denn erst nach rund 70 Minuten werden für das Finale Dinge ausbuchstabiert, und dann mit dem Holzhammer die Läuterung inszeniert. Eins der Motive ist moralisch gelinde gesagt fragwürdig und als „Erklärung“ unzureichend, das andere oft gesehen und ohne weiteren Belang für die Story. Und so endet also auch „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ nach hart erkämpfter, unverdienter Lauflänge und nicht einer Szene, die sich nachhaltig einbrennt.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Ein weiterer moderner, professionell aussehender, solide bis gut gespielter, überlanger Slowburn-Horror über Sünde und Sühne, endlose Korridore und düstere Vergangenheiten. Nie gruselig, sehr schnell ermüdend, oft gesehen.
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von „The Night – Es gibt keinen Ausweg“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Night; Iran / USA 2020

Genre: Thriller, Horror, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 26.08.2021

 

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THE NIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Banishing – Im Bann des Dämons (2020)
 
Zimmer 1408 (2007)
 
Under The Shadow (2016)