Filmkritik: „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ (2019)

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THE MORTUARY – JEDER TOD HAT EINE GESCHICHTE

(THE MORTUARY COLLECTION)

Story

 
 
 
Als die junge Sam (Caitlin Custer) an den Pforten des örtlichen Bestattungsinstitus klopft und neugierig nach Geschichten fragt, antwortet Montgomery Dark (Clancy Brown) mit abendfüllender Horrorunterhaltung.

 
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Kritik

 
 
Gefühlt die Hälfte aller modernen Horrorfilmreleases, oder zumindest derer, die ich hier bespreche, bestehen aus Anthologien durchwachsener, bis fragwürdiger Qualität. So fällt es den individuellen Produktionen immer schwieriger, in dem Sumpf des Durchschnitts aufzufallen – und das ausgerechnet in einem Horrorsubgenre, dessen starke Einzelbeiträge ohnehin schon Probleme haben herauszustechen, sind sie doch oft selbst zwischen belanglose Füllerepisoden gebettet. Positiv hervorzuhebende Kurzfilme also, die sich in abendfüllenden sowie sehenswerten Beiträgen statt auf Youtube finden, sind selten, werte Leser:innen, und doch schafft „The Mortuary Collection“ (in Deutschland unverständlicherweise in „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ umbenannt, obwohl mehr Deutsche „Collection“ als „Mortuary“ verstehen dürften, aber gut), von Horrorkurzfilmregisseur und Langfilmdebütant Ryan Spindell, es in seinen knapp zwei Stunden direkt mehrfach, genau solche zu liefern.
 
 
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Dass jede der Episoden des Films dabei vom selben Regisseur inszeniert wurde, steht der Produktion zu jedem Moment sehr gut, da alles wie eine homogene Horrormasse, ein genrebewusster Guss wirkt, statt wie der allzu gewohnte, tonal völlig verwirrte Flickenteppich internationaler Beiträge, die durch dünne Überleitungen zusammengehalten werden sollen. Das pompöse, treibende, klassische Spukhaus-Theme im Menü stimmt bestens ein; vor schwarzem Bildschirm fällt dann das Zitat „The world is not made of atoms, it is made of stories“, bevor der Titel des Films auf einem Buch steht, welches auf den Tisch fällt, die Kamera in das Buch fährt und eine, leider eher misslungen zu nennende, ruckelnde CGI-Fahrt startet. Das Zusammenspiel der modernen, malerischen Tracking Shots und Inszenierung im Kontrast zur gemächlichen, in Nostalgie schwelgenden Musik könnte hier bestens funktionieren, hätte man sich nicht für immer wieder die Immersion zerstörende, da kaum überzeugende Computeranimationen entschieden.
 
 
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Nach diesen ersten drei Minuten Opening Credits wird uns galant inszeniert, clever und nicht ohne Schrecken der von Schauspiellegende Clancy Brown gespielte Bestatter und Erzähler Montgomery Dark vorgestellt, ein älterer Hüne mit ausdrucksstarker Stimme, die zusammen mit seiner erhabenen Gestik und Mimik gar ein wenig an Christopher Lee erinnert. Leicht slapstickhafter Humor, der sich aber in würdevollen Grenzen hält und eher schwarzhumorig-lakonisch anmutet, kommt in diesen vorstellenden Minuten auch nicht zu kurz. Die alte Villa mit den prachtvoll verzierenden Glasmalereien, der ausufernden Bibliothek, den zahlreichen prunkvollen Gemälden und der höchst atmosphärischen, spärlichen Beleuchtung weiß von der ersten Minute an zu begeistern und verzaubern, wird sie uns doch liebevoll und mit angenehmen Pacing nähergebracht, ohne dass je der Fokus des Films verloren geht.
 

„Have you any experience in the mortuary arts?“

 
Und dieser liegt, man ahnt es kaum, auf den kurzen Geschichten von Montgomery, vier an der Zahl. Nachdem die sympathische junge Sam, gespielt von Seriendarstellerin Caitlin Custer, nämlich bei Monty aufkreuzt, um sich für einen Job zu melden, fragt sie ihn äußerst neugierig nach den zahlreichen morbiden Anekdoten und Todesfällen, die sich hinter den Leichen seiner täglichen Arbeit verstecken– und so beginnt nach äußerst gekonnt einstimmenden elf Minuten Laufzeit also die erste Geschichte.
 
 
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Und diese versteht sich dabei viel mehr als Appetizer, denn als vollwertige Story – wichtiger als die relativ belanglosen, wenn auch technisch recht ansprechenden fünf Minuten Cosmic Horror light mit sehr vorhersehbarem Verlauf und Augenzwinkern am Ende (5/10), ist hier nämlich Sams Reaktion auf die Geschichte, da sie diese selbst sofort abwertet und sich etwas mit „mehr Substanz“ erhofft; genau wie auch der Zuschauer. Nun macht es den Genuss der fünf Minuten selbst natürlich nicht besser, sehr wohl aber zeigt der Film hier bereits, wie er sich seines Genres und dessen Problemen voll und ganz bewusst ist und gelobt, die üblichen Anthologiekrankheiten zu vermeiden – ob dieses Vorhaben glückt?
 
 
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Der Dialog zwischen Monty und Sam treibt in wenigen Minuten erneut die Story voran und spricht ein zu oft genutztes Klischee direkt an, weiter geht es mit sexistischen, modelhaften Ultra-Chad- Studenten, die auf dem Campus Kondome verteilen und sich wie überdrehte, anstrengende Idioten verhalten. Jake, besagter durchtrainierter Protagonist, macht das hornbrillentragende, aber nicht unattraktive Mauerblümchen Sandra an,welche bissig und unerwartet hart flirtet. Eine letzte, charakterbildende Szene vor „dem Vorfall“ offenbart die männlichen Nebendarsteller dann leider erneut als etwas schwächer; gibt dem Protagonisten über sein stereotypes, unsympathisches Abziehbild hinaus aberetwas Charakter und Selbstreflektion, dann geht es auch schon auf eine Party und, nach etwas Foreshadowing wie etwa vermissen Highschooljungs, mit Sandra zusammen ins Bett…
 
 
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Was folgt, ist ein breites Grinsen für alle Genrefans die es satt sind, halbgare „Sex und Blut haha“ Kurzfilme oder unausgereifte „One Night Stand + was Schlimmes passiert“-Prämissen in ihren Horrorfilmen zu finden, denn diese moralische cautionary tale ist ein rund 25-minütiger Bodyhorrortrip, der ein sehr reales Problem auf garstige, schwarzhumorig-feministische Weise thematisiert und dabei vor nichts zurückschreckt. Es gibt eine quälend unlogische bzw. tonal nicht passende Szene und ja, der Einstieg kann auch ein wenig auf den Zeiger gehen – doch alles andere an dieser Episode ist Gold, ein großer Spaß. „THAT was a story!“ ruft Sam begeistert, und ich gehe glatt mit – was für eine wilde, konsequente Episode doch.(8[-]/10)
 
 
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Eine Dreiviertelstunde ist vergangen und die überzeugend getrickste Leiche einer jungen Frau birgt die nächste Geschichte, „Till Death do us part“. Ein wenig erschreckender Hochzeits- Alptraum als Einleitung; danach verbringen wir Zeit mit Wendell Owen, der sich tagtäglich um seine bettlägerige, schwerkranke Frau kümmert und daran zugrunde geht. Ein befreundeter Arzt macht ihm einen unmoralischen Vorschlag, doch auch dieser geht schief – fortan sorgen verzweifelte Maßnahmen für grausige Folgen.
 
 
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Die dritte Episode im Bunde macht es dem genreaffinen Zuschauer nicht leicht, denn auch wenn die Technik erneut überzeugt und das Schauspiel in Ordnung geht, so hat man viele Szenen oder Konflikte bereits so oder so ähnlich gesehen; das Finale der ganzen Chose zudem bereits im Trailer. Zwar gibt es einen wirklich bösen und blutigen Tod sowie ansprechende Effektarbeit in den künstlerischen letzten Minuten der Erzählung, doch weder die Kreativität, noch Konsequenz, noch der schwarze Humor sind hier so präsent wie im letzten Beitrag, oder der Rahmenhandlung. Mit der Kürze des Einstiegs vermutlich eine Wohltat, auf 20+ Minuten gestreckt aber recht ermüdend und schade um die Technik. (6/10)
 
 
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Aber eins muss man dem Film auch zu diesem Zeitpunkt noch lassen – er hat Mut zur Selbstkritik und weiß um die Subjektitivät des Zuschauers. „I kinda hated that story“ kommentiert Sam und entmantelt gekonnt den Kern dieser ganzen pseudoerzieherischen Lehrgeschichten, bevor sie den ersten Twist des gewitzten Scripts – und somit auch selber eine Geschichte – liefert. „The Babysitter Murders“ ist ein 2015 von Ryan Spindell unabhängig von diesem Projekt hier entstandener Meta-Slasher-Kurzfilm mit 80s-Flair und professioneller Inszenierung, statt DTVStyle mit Brüsten und Ketchupblut. Die ersten Minuten können dabei gekonnt in die Irre führen, da hier ein billiger 80s-Slasher als Film im Film (in der Erzählung in der Rahmenhandlung des eigentlichen Films) läuft, doch schnell blitzt das fast schon arrogant wirkende Selbstbewusstsein auf, mit dem hier ganz klar zwischen dieser Produktion und dem sonstigen Retrotrash differenziert wird und schürt auf bewundernswert rotzige Weise Erwartungen. Leisten kann sich dieser Zwanzigminüter das auf jeden Fall, da Spindell hier mit gerade einmal $60,000 einen überraschend actionreichen, spannenden und clever geschriebenen Home Invasion-Horror in die Welt gesetzt hat, der den Genrelook der Zeit gekonnt widerspiegelt, ohne sich auf der reinen Ästhetik auszuruhen und zudem eine der besten Parallelmontagen bietet, die ich in letzter Zeit so gesehen habe. Ein überinszenierter, zu moderner Kampf mit Zeitraffer und -lupe sowie blinkenden Lichtern fällt zwar etwas negativ auf, das Zusammenlaufen der verschiedenen Episoden, Plotlines und Theorien im bitterbösen Finale und Ende aber, entschädigt locker dafür. Ein weiterer Kracher, ausgewogener und gelungener als die Studentenepisode gar. (8[+]/10)
 
 
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Und somit leitet dieser sehr gut verdichtete Film auch direkt aus der finalen Episode zurück ins Finale vom Hier und Jetzt, denn das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen – und in der Tat, auch wenn ich den erneuten CGI-Overkill sowie das Design an sich nicht allzu sehr begrüßen kann, so wissen die stilvolle Inszenierung der Ruhe danach, die Geschichte an sich, sowie die erneute Bösartigkeit zum breiten Grinsen animieren.
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Ein gut abgerundeter, postmoderner und doch wohlig-altmodisch-atmosphärischer Episodengrusel/-horror, der zu überraschen und unterhalten weiß und der nicht unter dem Gewicht seiner Länge, oder der Inkonsistenz seiner Einzelbeiträge zu Grunde geht. Endlich mal wieder! Genau zwischen der 7 und 8, für Letztere fehlt nur der letzte Hauch Eigenständigkeit: 7/10.
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Fans gruseliger Horrorstreifen können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE MORTUARY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Capelight Pictures (4K UHD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Mortuary Collection; USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 111 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: 14 spannende Hinter-den-Kulissen-Featurettes (ca. 112 Min.), Entfallene Szenen, Audiokommentar von Regisseur Ryan Spindell, Kinotrailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf 4K UHD, 24-seitiges Booklet

Release-Termin: Mediabook + BD-KeepCase: 26.02.2021

 

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THE MORTUARY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Creepshow (1982)
 
Trick ’r Treat (2007)
 
Die Todeskarten des Dr. Schreck (1965)
 

Filmkritik: „Like.Share.Follow.“ (2017)

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Story

 
 
 

Eine Stalkerin macht einem YouTube-Star das Leben zur Hölle, weil der ihre Liebe nicht erwidern will. Dank dem Internet beschafft sie sich alle Informationen über das Objekt ihrer Begierde und richtet damit Chaos an.

 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Kritik

 
 
 
Jeder kennt es, jeder nutzt es – aber niemand scheint einsehen zu wollen, dass das Internet auch Schattenseiten besitzt. Im Zuge der Anonymität können nämlich hier Menschen Schindluder treiben, für das sie oft nicht mal belangt werden können. Dabei sind es vor allem die sozialen Netzwerke, die in den letzten Jahren zum Tummelplatz zwielichter Gestalten geworden sind. Hier wird beleidigt, gemobbt oder manipuliert, was sich oft für Opfer zu einem nichtendenden Albtraum entwickelt. Die können zwar die Leitung kappen, aber so dem Horror nicht immer entkommen. Nicht selten geht der Albtraum in der Offline-Welt weiter, weil das Internet mittlerweile so forangeschritten ist, dass es alle Bereiche des „richtigen“ Lebens beeinflusst. Demzufolge sollte man Vorsicht walten lassen, welche intimen Details man über sich im Internet verbreitet. Es gibt immer Menschen, die derart sensible Informationen missbrauchen, um sie für eigene Zwecke zu verwenden. Leider kommen die Warnungen für den Protagonisten des folgenden Spielfilms zu spät. Cybermobbing und seine Folgen sind in diesem Thriller Programm. Der nennt sich LIKE.SHARE.FOLLOW und zeigt erschreckend, was passieren kann, wenn die Möglichkeiten des Internets in die Hände psychisch labiler Menschen geraten.
 
 
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Dass Gefahren im Internet lauern, müssen auch erfolgreiche Youtuber einsehen. Garrett (KEIYNAN LONSDALE) macht sein Leben zum viralen Erlebnis und hat damit schon zwei Millionen Menschen erreicht, die ihm tagtäglich auf seinem YouTube-Kanal folgen. Der Erfolg spült zwar Geld in die Kasse, hat aber auch negative Seiten. Ein hartnäckiger Fan (EMA HORVATH) empfindet nämlich mehr für den Internetstar. Michelle heißt die Gute und hat offenbar nicht alle Latten am Zaun. Sie findet einen Weg ins Leben des YouTube-Junkies und macht ihm dort das Leben zu Hölle. Erst landet sie mit dem begehrten Junggesellen im Bett. Als der von ihren Stalker-Qualitäten Wind bekommt und logischerweise nichts mehr mit der jungen Dame zu tun haben möchte, zeigt Michelle jedoch ihr wahres Gesicht. Sie betreibt Cybermobbing, stellt dem Objekt ihrer Begierde nach und schreckt auch nicht davor zurück, Angehörige der YouTube-Berühmtheit in Gefahr zu bringen. Da stellt sich schnell die Frage, ob es nicht besser wäre, den Stecker zu ziehen und Offline zu gehen. Doch Internetabstinenz macht den gestörten Fan nur wütender. Der hat pikante Videos und Bilder seines Opfers und stellt diese ins Internet, um dessen Ruf zu zerstören. Was folgt ist eine Lektion in Sachen bewusster Umgang mit dem Internet, denn was man dort leichtfertig veröffentlicht, kann erschreckende Konsequenzen haben.
 
 
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Die Leute hinter BLUMHOUSE PRODUCTION wissen, wonach es dem Kommerzpublikum dürstet. Die Produktionschmiede ist dafür bekannt, simpel gestrickten und auf Hochglanz polierten Mainstream-Horror für die breite Masse in Arbeit zu geben, der nicht überfordert – aber unterhält. Auch bei LIKE.SHARE.FOLLOW hatte das Produktionsstudio seine Finger mit im Spiel, was zumindest auf kurzweilige Unterhaltung hoffen lässt. Die wird definitiv geboten, denn der hier vorgestellte Psychothriller reiht sich souverän in die Schlange ähnlich gestrickter Stalker-Streifen wie SWIMFAN, MISERY oder EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE ein und hebt dabei sogar noch mahnend den Zeigefinger. Regisseur und Drehbuchschreiber GLENN GERS versucht eindringlich vor der unüberlegten Nutzung des Internets zu warnen, wo nicht immer Gefahren eingeschätzt werden, die durch leichtsinnigen Gebrauch auf Social-Media-Plattformen entstehen. So macht Protagonist Garrett sein Leben transparent. Der gibt im Netz zu viel von sich preis und macht sich dadurch angreifbar. Das Resultat ist Cybermobbing in seiner ganzen Form gegen das selbst Gesetzeshüter im Film nichts unternehmen können, weil Grenzen zwischen Recht und Unrecht nicht eindeutig erkennbar sind. Demzufolge sind die Geschehnisse in LIKE.SHARE.FOLLOW nicht weit hergeholt – wenngleich der Film im Finale dann doch etwas zwanghaft in die Horrorschublade gepresst wird. Dort wird nach blutigen Lösungen gesucht, um den Stalker-Spuk ein Ende bereiten zu können. Etwas zu einfach, weil im Grunde genommen so die meisten Filme mit Stalker-Problematik beendet werden. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, wenn man den Film weniger konsequent abgeschlossen und nach unkonventionellen Lösungen gesucht hätte. Der nicht unspannend inszenierte LIKE.SHARE.FOLLOW wäre so vermutlich aus der Masse an Stalker-Thrillern hervorgestochen. Dennoch ist der Psychothriller weit weg von schlecht. Kann man sich durchaus mal ansehen.
 
 
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LIKE.SHARE.FOLLOW. – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sehenswerter Psychothriller, der sich einen bedachteren Umgang mit dem Internet wünscht. Schöne neue, aber auch gefährliche Welt. Wie bedrohlich das Internet tatsächlich ist, zeigt LIKE.SHARE.FOLLOW mehr als deutlich. Social-Media-Plattformen und egozentrische Nutzer werden hier an den Pranger gestellt. Von Letzteren gibt es immer mehr. Die verkaufen sprichwörtlich das eigene Leben, um mit Selbstinszenierung und Selbstbeweihräucherung möglichst viele Likes und ausreichend Anerkennung im Netz abstauben zu können. Virale Leichtfertigkeit ist jedoch nicht folgenfrei. So führt LIKE.SHARE.FOLLOW vor Augen, welche unerwartete Folgen grenzenlose Naivität, Unachtsamkeit und Geltungssucht haben können. Der Streifen beginnt harmlos. Doch der Ton ändert sich schon bald, denn schnell verwandelt sich das erheiternde Treiben in schonungslosen Psychoterror für den man gute Darsteller ausgewählt hat. Hier fällt vor allem Schauspielerin EMA HORVATH auf. Die macht zwar in ihrer Rolle den Anschein, als könne sie keiner Fliege etwas zu Leide tun, ist sie jedoch einmal in Fahrt, möchte man der von ihr gespielten Stalkerin Michelle besser nicht im Dunkeln begegnen. Da zeigt sich mal wieder, wie wichtig Schauspieler sind, die auch was können. Die beiden hervorragend gewählten Protagonisten tragen den Psychothriller beinahe allein und lassen die übrigen Darsteller verblassen. Wegen des guten Schauspiels schaut man doch gern über das klischeehafte Ende und einer unpassenden Pointe vorm Abspann hinweg. Letztere ist – trotz zynischem Unterton – vollkommen überflüssig.
 
 
 


 
 
 

LIKE.SHARE.FOLLOW. – Zensur

 
 
 
LIKE.SHARE.FOLLOW. hat kaum Gewalt zu bieten. Der Film ist eher im Psychofach beheimatet und schwört Horror auf psychologischem Wege herauf. Erst am Ende fließt etwas Blut. Ein Messer wird in einen Körper gestochen und ein Kaminhaken wird zweckentfremdet. Hierzulande dürfte der Film problemlos eine FSK16 erhalten.

 
 
 


 
 
 

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Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Blumhouse Productions)

 
 
 
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