Filmkritik: „Dismissed“ (2017)

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DISMISSED

Story

 
 
 

Eine beunruhigende Unterrichtsstunde in Sachen Psychoterror: Ein Englischlehrer gerät an einen Schüler des Grauens. Der entpuppt sich als heimtückischer Psychopath und macht den Unterricht zum Albtraum.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Kritik

 
 
 
Wenn uns das Horrorgenre ein was gelehrt hat, dann ist das die Vorsicht vor ungewöhnlich gut erzogenen Kindern und Jugendlichen. In der Regel stimmt da irgendwas nicht. Vieler derer sind nämlich gar nicht so wohlerzogen, wie man es von ihnen erwartet, denn oft schlummert hinter der Fassade vermeintlich höflicher Kids gern mal das abgrundtief Böse. Bereits Regisseur RICHARD DONNER hat das in den 1976ern erkannt. Der brachte mit DAS OMEN einen wegweisenden Kassenschlager in die Kinos und machte darin einen kleinen Jungen zum Handlanger des Teufels bei dem wegen des unschuldig dreinschauenden Gesichts niemand wahrhaben wollte, dass in ihm das Böse haust. Ähnliches Thema ist auch im folgenden DISMISSED Programm. Der mag zwar nicht im Okkult-Fach beheimatet sein, ist aber mindestens genauso beunruhigend. Auch hier will man nicht glauben, dass in einem vorbildlichen Schüler das Böse in Menschengestalt lebt. Für den unberechenbaren Psychotrip zeichnet ein Newcomer verantwortlich. Regisseur BENJAMIN ARFMANN feiert mit dem Thriller DISMISSED sein Langfilmdebüt. Zuvor arbeitete er ausschließlich an Kurzfilmen und einigen Folgen weniger bekannter Vorabendserien. Nun probiert er sich an etwas Größerem aus, das sich zweifelsohne sehen lassen kann. DISMISSED ist ein schnörkelloser Psychothriller mit starken Schauspielern und straffer Inszenierung. Wer demnach seine Nerven strapazieren lassen möchte, darf gern einen Blick wagen.
 
 
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Englischlehrer David Butler (KENT OSBORNE) zweifelt an seinem Lehrer-Dasein. Die Schüler arbeiten im Unterricht nicht mit und auch sonst will sich niemand in seinen Lehrstunden einbringen. Ist er etwa kein guter Lehrer? Da kommt plötzlich ein neuer Schüler an die Schule und belehrt eines Besseren. Lucas (eher bekannt aus Disney-Produktionen: DYLAN SPROUSE) heißt der Vorzeigeschüler, der sich zu benehmen weiß, hervorragend Schach spielt und Interesse am Unterricht zeigt. Das lässt nicht nur Mitschüler erstaunen. Auch Mr. Butler ist über den Unterrichtseinsatz und den Fähigkeiten des Neulings verblüfft. Er freundet sich mit seinem neuen Schüler an und verbringt auch sonst ungewöhnlich viel Zeit mit dem Teenager. Doch der ist nicht so fehlerfrei wie anfangs vermutet. Perfektionist Lucas hat nämlich auch noch ein zweites Gesicht und das ist alles andere als freundlich. Als der für eine Hausarbeit nicht die erhoffte gute Note erhält, ist Schluss mit nett. Er beginnt seinen Lehrer zu terrorisieren und macht ihm das Leben alles andere als einfach. Schüler sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren.
 
 
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Früh übt sich, wer ein Psychopath werden will. DISMISSED ist einer dieser Psychothriller, die das Grauen langsam heraufbeschwören und den Zuschauer schnell dort packen, wo es ihm am meisten wehtut. Lehrer David Butler wird hier in einen Strudel von Umständen gezogen, aus dem es bald kein Entkommen mehr gibt. Musterschüler Lucas besitzt nämlich die Gabe der Manipulation und will für eine schlechte Note dem Lehrer eine Lektion erteilen. Der hat schnell die halbe Schule auf seiner Seite. Die glaubt dem Jugendlichen bald mehr, als dessen Lehrkörper. Das wirkt zwar teilweise etwas sehr konstruiert und unglaubwürdig, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Spannungsschrauben werden in DISMISSED minütlich fester gezogen, weil sich Psychopath Lucas immer perfidere Methoden einfallen lässt, um das Leben seines Englischlehrers zu ruinieren. Der versucht einen Ausweg aus der Misere zu finden und recherchiert. Natürlich will ihm niemand Glauben schenken. Doch er findet Anhaltspunkte darüber, dass der neue Schüler bereits an der alten High School ähnliches Spiel mit einem anderen Lehrer gespielt hat.
 
 
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Die Geschichte von DISMISSED ist nicht neu und auch der Verlauf der Geschichte ist nach gleichem Muster gestrickt, wie die der vielen anderen Filme in denen sich scheinbar friedliebende Menschen als Psychopathen entpuppen. Dennoch ist DISMISSED deshalb nicht zwangsläufig schlecht. Regisseur BENJAMIN ARFMANN hat für seinen Film zwei hervorragende Schauspieler gefunden, die sich ein bitteres Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Hierbei glänzt vor allem Jungdarsteller DYLAN SPROUSE, der eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem jungen LEONARDO DICAPRIO besitzt und mit Engelsgesicht fasziniert, aber auch böse kann. Da werden Erinnerungen an Filme wie EMELIE, MIKEY, ORPHAN oder DAS ZWEITE GESICHT wach. Auch dort versteckte sich das Böse hinter Engelsaugen, das man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Gott sei Dank gab es in diesen Filmen für die unartigen Kinder am Ende eine Lektion. Ob eine Bestrafung auch auf den geistig verwirrten Bengel in DISMISSED wartet, wird an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist, dass der hier vorgestellte Psychothriller – trotz kleinem Budget – millionenschweren und starbesetzten Thrillern souverän die Stirn bietet. DISMISSED ist sehenswert. Da kann man nicht meckern. Hoch lebe das Indie-Horrorkino.
 
 


 
 
 

DISMISSED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Böse Taten für gute Noten: Spannender Psychothriller mit unberechenbarem Bösewicht, der eine Leidenschaft fürs Terrorisieren und Erpressen besitzt. DISMISSED ist ein kleiner Film mit wenig Budget. Das sieht man dem Psychothriller aber zu keiner Minute an. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Der Film wird von seinen hervorragenden Darstellern getragen, die mit gutem Schauspiel überzeugen können. Das macht schon was her, denn was nützen die klügsten Geschichten, wenn die Darsteller schlecht sind. Dank gutem Schauspiel vergisst man schnell die überschaubare Handlung, die nach gleicher Rezeptur für Psychothriller gemixt wurde, wie unzählige Streifen zuvor. Wieder mal wird ein vermeintlich liebenswerter Teenager als skrupelloser Psychopath entlarvt. Das erinnert an so Filme wie FEAR oder HOUSE AT THE END OF THE STREET. Überraschung gibt es wenige. Trotzdem funktioniert der Film hervorragend, weil Regisseur BENJAMIN ARFMANN kaum Längen zulässt. Wer demzufolge eine Schwäche für solche Filme besitzt, wird gut unterhalten werden. Trotz bekanntem Verlauf ist DISMISSED erstaunlich kurzweilig geraten. Unterhaltsame Filme sind eben alles. Kann man sich bedenkenlos auf seine Filmliste setzen.
 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Zensur

 
 
 
DISMISSED ist ein Psychothriller. Dementsprechend liegt der Fokus in erster Linie auf psychologischen Horror. Ein Mädchen stürzt vom Dach der Schule und im Schulunterricht wird ein Schüler durch eine Explosion im Chemieunterricht verletzt. Am Ende gibt es noch einen Mord zu sehen, der aber im Off zelebriert wird. Der Zuschauer bekommt dort nur das Ergebnis zu Gesicht. DISMISSED ist ein klarer FSK16-Kandidat.

 
 
 


 
 
 

DISMISSED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei BoulderLight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
The Stepfather (1987)
 

Filmkritik: „The Badger Game“ (2014)

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THE BADGER GAME

Story

 
 
 
Kidnapping mit Hindernissen: Opfer Liam (SAM BOXLEITNER) will nicht mit seinen maskierten Erpressern kooperieren, denn die wollen von ihm Bares. Das führt letztendlich dazu, dass die chaotische Entführung für Täter und Opfer im Desaster endet.
 
 
 


 
 
 

THE BADGER GAME – Kritik

 
 
 
Komödie, Thriller, Folterstreifen oder Drama – zu welcher Gattung Film gehört THE BADGER GAME eigentlich? Bleiben wir einfach dabei, dass dieses schwarzhumorige Stück Independent-Kino von allem etwas beinhaltet, denn in eine Schublade stecken lässt sich der neue Streifen von THOMAS ZAMBECK und JOSHUA WAGNER (Drehbuchautor von MIMESIS – NIGHT OF THE LIVING DEAD) leider nicht. Als „sexy/bloody/violent/comedic thriller“ wurde das Projekt in einer Crowdfunding-Kampagne auf der Internetplattform KICKSTARTER beworben, wo das Regie-DUO 15.000 Dollar von hilfsbereiten Fans sammelte, damit der Film fertiggestellt werden konnte. Überhaupt scheint sich Crowdfunding in den letzten Jahren zu einem rentablen Sprungbrett für ambitionierte Nachwuchsfilmemacher entwickelt zu haben. Denn nur mit Hilfe dieser neuen Finanzierungsmethode konnten mutige (Horror)Filme entstehen, die ohne die Unterstützung spendabler Filmliebhaber wohl nie das Licht der Zelluloidwelt erblickt hätten.
 
 
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Man sollte nie die Rache betrogener Frauen unterschätzen, denn die kann grausam und unberechenbar sein. Mit selbiger hat der gutbetuchte Werbefachmann Liam nicht gerechnet. Der wechselt attraktive Frauen wie Hemden, obwohl die treusorgende Ehegattin zu Haus auf ihn wartet. Auch Alex (AUGIE DUKE aus SPRING) ist eine der vielen Schönheiten im Leben des Womanizers, die aus allen Wolken fällt, als plötzlich von der Ehefrau die Rede ist. Grund genug Rachepläne zu schmieden. Zusammen mit Bruder Kip (PATRICK CRONEN) sowie den beiden Freundinnen Shelly (JILLIAN LEIGH) und Jane (SASHA HIGGINS) schmiedet die Betrogene einen teuflischen Plan. Eine Entführung soll dem triebgesteuerten Casanova einen Denkzettel verpassen. Man will Lösegeld erpressen und dem Macho die Leviten lesen. Kooperiert Liam nicht, soll die Ehefrau vom Doppelleben ihres Mannes erfahren. Leider verlaufen die Dinge anders als erwartet, denn dem Entführten sind die Forderungen egal. Als der dann auch noch aus seinem Gefängnis flieht und ein Fremder von den Plänen der Freunde erfährt, gerät die gut durchdachte Racheaktion außer Kontrolle.
 
 
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Tiermasken im Trailer und auf dem Cover legen die Vermutung nahe, dass hier Home-Invasion-Horror à la YOU’RE NEXT über die Mattscheibe flimmern wird. All jene, die von THE BADGER GAME grausame Metzelmomente erwarten, werden an dieser Stelle vorgewarnt, denn dieser Streifen hat mit jener Art von Filmen nichts gemein. THE BADGAR GAME ist ein zynisches Indie-Erlebnis mit unerwarteten Wendungen und weitaus makabrem Finale. Hier wird das bluttriefende Konzept gängiger Torturwerke über Bord geworfen. Obwohl die Protagonisten des Films immer wieder zum Folterwerkzeug greifen, bleibt unangenehmes Quälen aus. THE BADGER GAME beginnt wie jeder beliebige Folterstreifen. Dennoch distanzieren sich die Macher THOMAS ZAMBECK und JOSHUA WAGNER zügig vom sadistischen Treiben jenes polarisierenden Subgenres. Ihnen war es wichtig die dunkle Seite ihrer Figuren zutage zu fördern. Denn anders als man es anfangs erwarten würde, zeigen die vermeintlich sympathischen Entführer im späteren Verlauf, dass sie nicht weniger gewissenlos sind, als ihr hinterlistiges Opfer. Schauspielerisch ist das gebotene Kammerstück (die Haupthandlung spielt sich in einem dunklen Keller ab) für Low-Budget-Verhältnisse ganz ordentlich. Die Akteure zeigen zur Abwechslung, dass sie was können. In Filmen mit wenig Kapital ist das nicht die Regel. Vor allem im Horrorfilm fließt ein Großteil des wenigen Budgets in handgemachte Spezialeffekte, so dass nicht selten Laiendarsteller engagiert werden müssen, weil sonst das Geld nicht mehr ausreichen würde.
 
 
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THE BADGER GAME zeigt – wenn auch auf schwarzhumorige Weise – wie weit Menschen gehen, wenn schnelles Bargeld lockt. So läuft eine gut durchgeplante Entführung schnell aus dem Ruder und gute Freunde werden zu erbitterten Feinden. Der Zuschauer fungiert als Beobachter und erkennt schnell, dass diese Entführung im Chaos enden wird, handelt es sich doch bei den Tätern nicht um die hellsten Kerzen auf der Torte. Ein Missgeschick jagt das nächste und jeder der Beteiligten erhält am Ende die gerecht Strafe. Spätestens dann darf gelacht werden, ist doch Schadenfreude nun mal die schönste Freude. Trotz Humor und guter Ideen sollte nicht unerwähnt bleiben, dass THE BADGER GAME seine Längen hat. Eine straffere Inszenierung hätte durchaus Wunder bewirkt und das gemeinsame Machwerk der beiden Freunde und Regisseure THOMAS ZAMBECK und JOSHUA WAGNER unterhaltsamer gemacht. So ist THE BADGER GAME trotz Herzblut zwar ein solider Thriller; lang wird man sich an diesem durchwachsenen Genre-Mix nicht erinnern können. Denn dazu ist der Entführungsstreifen einfach zu weit davon entfernt ein guter Film zu sein.
 
 
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THE BADGER GAME – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Der etwas andere Folterfilm: zynischer Entführungsthriller mit makabrem Ende. THE BADGER GAME beginnt wie jeder andere Folterfilm, schlägt aber schnell eine ganz andere Richtung ein. Die beiden Regisseure THOMAS ZAMBECK und JOSHUA WAGNER überraschen mit bitterbösen Wendungen und sorgen dank schwarzem Humor für schadenfrohe Schmunzler. Leider hat THE BADGER GAME mit erheblichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn die beiden Regisseure noch einmal das eigene Drehbuch überflogen und einige Dialoge gestrafft hätten. Vor allem im Mittelteil zieht sich die Handlung wie Kaugummi, so dass man die Vorspultaste der Fernbedienung griffbereit halten sollte. Trotz mutigem Richtungswechsel – lang bleibt dieser Film nicht im Gedächtnis. Schade!
 
 


 
 
 

THE BADGER GAME – Zensur

 
 
 
Auch wenn THE BADGER GAME wie üblicher Folterbrei beginnt, die bebilderten Grausamkeiten halten sich in Grenzen. Ein Schädel wird im Off zerschmettert und ein Gesicht wird mittels Gartengerät „verschönert“. Außerdem wird eine Protagonistin erstickt. Hierzulande wird der Film eine FSK16 erhalten.
 
 


 
 
 

THE BADGER GAME – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Simple Plan (1998)
 
Blood Simple – Eine mörderische Nacht (1984)