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Filmkritik: „Antibirth“ (2016)

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ANTIBIRTH

Story

 
 
 

Die drogenabhängige Putzfrau Lou hat einen Filmriss. Eines Tages ist die Arme schwanger und weiß nicht von wem. Leider erweist sich der Blackout als das kleinere Übel. Weitaus besorgniserregender ist die Geschwindigkeit mit der der Fötus im Bauch heranwächst.

 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Kritik

 
 
 
Keine Macht den Drogen – vor allem während der Schwangerschaft! Mit diesem Warnruf betreiben nicht nur Krankenkassen Aufklärungsarbeit. Auch im frischen Indie-Horror ANTIBIRTH erhält diese Botschaft neuen Zündstoff unter den Hintern – vor allem schwarzhumorigen. Wenn die Geburt des Kindes zum Horror wird. Das ist Stoff, der auch Jahrzehnte nach ROSEMARY’S BABY irgendwie immer noch gut funktioniert. Das sah wohl auch Regie-Neuling DANNY PEREZ so, der aber einiges anders macht – wenn auch nicht unbedingt besser. Der ambitionierte Regisseur schien erst gar nicht am Wohl seiner Heldin interessiert zu sein. Stattdessen lässt der seine Hauptdarstellerin trotz Kind im Bauch saufen und koksen. Die Quittung fliegt ihr sogleich um die Ohren, denn was da im Bauch heranwächst sorgt nicht nur für Schmunzler, sondern auch für reichlich Ekel.
 
 
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Was das größte Glück für jede Frau ist, entpuppt sich für Putzfrau Lou (NATASHA LYONNE aus THE RAMBLER) als Albtraum. Die lebt ein Lotterleben und hangelt sich von Party zu Party, wo sie an Sex und Drugs mitnimmt, was sie kriegen kann. Nach einer weiteren durchzechten Nacht mit viel Alkohol und Substanzen illegalen Zuschnitts, wacht sie orientierungslos auf und kann sich mal wieder an nichts erinnern. Eigentlich nichts Neues im Leben der recht ziellosen Mittdreißigerin, wäre da nicht ein seltsames Gefühl in der Magengegend, das Lou zu denken gibt. Nach drei Anti-Angst-Schnäpsen soll ein Schwangerschaftstest Gewissheit vermitteln. Leider lässt der die schlimmsten Ängste wahr werden. Lou ist schwanger und der Vater unbekannt. Doch statt im Panik zu verfallen, vertraut sich die Schwangere erst mal König Alkohol an und holt sich Rat bei Freundin Sadie (CHLOË SEVIGNY aus #HORROR). Die ist über das rapide Wachstum des Kindes besorgt. Ja, die Schwangerschaft schreitet beängstigend schnell voran. Plausible Antworten hat Verschwörungstheoretikerin Lorna (MEG TILLY) in petto. Die glaubt an seltsame Experimente und Entführungen durch Außerirdische. Ob Sie damit Recht hat?
 
 
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ANTIBIRTH wird fast ausschließlich von den guten Leistungen der Darstellerinnen getragen, von denen vor allem NATASHA LYONNE hervorsticht, die hier als saufende und koksende Schwangere für so manchen schrägen Moment sorgt. Leider kann auch die beste Schauspielarbeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass ANTIRITH eine äußerst schläfrige Angelegenheit ist. Bis das schwarzhumorige Filmchen endlich mal den korrekten Weg gefunden hat, vergeht ziemlich viel Laufzeit. Warum ist Lou schwanger und weshalb kann sie sich an nichts erinnern? Das Mysterium um den ungeplanten Nachwuchs wirft viele Fragen auf – doch die Antworten darauf gibt es erst in den letzten Minuten. Regisseur DANNY PEREZ lässt sich viel Zeit, um die rätselhafte Schwangerschaft seiner Heldin zu beleuchten. So wird seine Protagonistin immer wieder mit absurden Träumen und Visionen konfrontiert, die ihr im Alkoholrausch das Hirn vernebeln. Aber auch seltsame Veränderungen am Körper deuten darauf hin, dass die nahende Geburt alles andere als normal verlaufen wird. Und so kommt, was kommen muss. Die Erzeuger-Suche wird mit Cronenberg’schen Ideen des Körper-Horrors angereichert präsentiert. Das sorgt im reichlich überzogenen Finale dann für ordentlich Ekel-Breitseite. Da bekommt auch der Fan des Kuriosen was zu sehen fürs Geld. Leider kommt der schräge Richtungswechsel viel zu spät, denn während man im Film froh darüber ist, dass der Schwangerschaftsspuk endlich ein Ende hat, dürfte der Zuschauer davon nicht viel mitbekommen haben. Der wird wegen dem fehlenden Spannungsbogen vielleicht sogar selig eingeschlummert sein und verschreckt aus dem Sessel springen, wenn laute Musik im Abspann das Schönheitsschläfchen rüde unterbricht. Wer sich trotzdem an ANTIBIRTH heranwagen möchte, sollte entweder ausgeschlafen sein oder bis zehn Minuten vor Schluss spulen. Dort gibt’s die wichtigsten Schlüsselmomente zu sehen. Was sich davor ereignet, lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen und steht bereits in der Inhaltsangabe weiter oben.
 
 
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ANTIBIRTH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Regie-Debüt, das nicht zwangsläufig Appetit auf mehr macht. ANTIBIRTH erstaunt durch enorme Gehaltlosigkeit, überzeugt aber trotzdem mit guten Darstellern, die zumindest retten, was noch gerettet werden kann. Viel bietet ANTIBIRTH nicht, was Erwähnung finden könnte, denn der Film quält sich förmlich damit, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Der schwarzen Komödie mangelt es an Tempo und Substanz. Zudem vermisst man schmerzlich den wichtigen Spannungsbogen, der in solchen Filmen unabdingbar ist. Viel passiert wirklich nicht – dieser Fehlzünder köchelt gescheite Ideen auf Sparflamme. Ein paar bizarre Visionen hier, ein absurdes Ekelfinale da – fertig ist ein Film, der irgendwie daherplätschert und erst kurz vor der Zielgeraden seine eigentliche Richtung findet. Ob das die meisten Zuschauer überhaupt zu sehen bekommen bleibt fraglich. Denn trotz Body-Horror und ein paar wenigen Trash-Schmunzlern dürften den meisten Filmfans nach wenigen Minuten bereits die Augen schwer werden. Diese Tatsache allein reicht aus, um erkennen zu können, dass es sich bei ANTIBIRTH nicht unbedingt um einen gelungenen Horrorfilm handelt. Also kann man diesen FANTASY FILMFEST-Beitrag gern auch auslassen. Es gibt weitaus bessere Horrorfilme über problematische Schwangerschaften.
 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Zensur

 
 
 
In ANTIBIRTH passiert nicht sonderlich viel – auch hinsichtlich Gewalt. Selbstzweckhaft wird hier gar nichts zelebriert. Bis auf einige körperliche Veränderungen und einer schmerzhaften Geburt am Ende, werden dem Horrorfan in ANTIBIRTH kaum Schauwerte geboten. Eine FSK16 ist demnach sicher.
 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für rafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shelley (2016)
 
Bleed (2016)
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Hell Baby (2013)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 


Filmkritik: „The Mind’s Eye“ (2015)

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THE MIND’S EYE

Story

 
 
 

Ein Arzt (JOHN SPEREDAOS aus THE INNKEEPERS und THE HOUSE OF THE DEVIL) ist besessen von Psychokinese. Er macht Jagd auf Menschen mit jener Fähigkeit und extrahiert aus ihren Körpern ein Sekret, das er sich selbst spritzt.

 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Kritik

 
 
 
Wenn Köpfe nur mit Kraft der Gedanken zum Explodieren gebracht werden können, ist DAVID CRONENBERG nicht weit. Der Experte für Body-Horror experimentierte bereits in den frühen 1980ern mit Psychokinese und Telepathie und erschuf mit SCANNERS einen der wohl kontroversesten Genrefilme seiner Zeit, der dem Schöpfer des Körper-Horrors den kommerziellen Durchbruch brachte. Nach zwei Fortsetzungen sowie den Spin-Offs SCANNER COP 1 & 2 wurde es merklich still um das Franchise. Erst in den letzten Jahren kam der Stoff wieder ins Gespräch. SAW-Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN hatte Pläne zu einem Remake, verwarf sie aber kurz Zeit später wieder, weil er den Film nicht ohne Cronenbergs Segen machen wollte. Dafür kann man dem lieben Gott nur danken, denn in einer Zeit in der Machern von Horrorfilmen nichts mehr einfällt, tun neue Filmideen Not. Kein weiterer SCANNERS, aber ein Streifen, der dem wegweisenden Sci-Fi-Horror nicht unähnlich ist: THE MIND’S EYE. Der könnte gut und gerne auch als weiteres Sequel der kultigen Filmreihe durchgehen, denn Regisseur JOE BEGOS zitiert hier Altmeister Cronenberg gut, häufig und unübersehbar. Wieder einmal werden Gedanken manipuliert, Köpfe per Gedankenkraft zermatscht oder von telekinetisch bewegten Gegenständen abgetrennt. Freunde nett getrickster Schweinereien wird’s freuen, denn in THE MIND’S EYE geht es alles andere als zimperlich zu.
 
 
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Psychokinetisch veranlagte Menschen haben es in diesem Film nicht leicht. So auch Zack Connors (GRAHAM SKIPPER aus DEMENTIA und WORRY DOLLS) und Rachel Meadows (LAUREN ASHLEY CARTER aus POD und DARLING), die sich auf der Flucht vor einem irren Arzt befinden. Doktor Michael Slovak hat einen Weg gefunden, die mysteriösen Kräfte psychokinetisch begabter Probanten zu extrahieren und Normalsterblichen zu spritzen, damit die über gleiche Fähigkeiten verfügen. Eine effektive Waffe, die man im Krieg einsetzen könnte. Leider fehlen potenzielle Opfer, die man melken kann. Nach langen Recherchen hat man einige ausfindig gemacht und beginnt sie zu jagen. Die werden verschleppt, tagtäglich ruhig gestellt und angezapft. Das gewonnene Sekret spritzt sich der Doktor selbst, der sich nicht nur körperlich verändert. Die Gier nach Einzigartigkeit und Forschung sorgt dafür, dass er allmählich den Verstand verliert. Doch die Opfer können fliehen. Kaum dem Gefängnis entkommen, haben auch schon Handlanger des Herrn Slovak die Witterung aufgenommen. Kein Versteck ist sich, weshalb Zack und Rachel beschließen sich dem Bösen zu stellen. Spätestens dann wird’s blutig.
 
 
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Low-Budget, aber wirklich gut. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, welche Dekade Regisseur JOE BEGOS am Herzen lag. Wie bereits im Vorgängerfilm ALMOST HUMAN sind es mal wieder die 1980er, die es dem Filmemacher angetan haben. THE MIND’S EYE verbeugt sich nicht nur vorm Cronbergschen SCANNERS, sondern schaut auch so aus wie ein Film, der in jener Zeit gedreht wurde. Zudem wird Retro-Feeling durch Stilmittel anderer Altmeister bewirkt. Akustische Anleihen an die Werke des legendären JOHN CARPENTER sind unüberhörbar. Aber auch die für frühere BRIAN DE PALMA-Streifen berüchtigten Kameraspielereien kommen nicht zu kurz. Das wirkt zwar oft etwas dick aufgetragen, hat aber Charme, zumal es Macher JOE BEGOS schafft wenig nach mehr aussehen zu lassen. Das macht sich vor allem bei den handgemachten Effekten bemerkbar. Die sind simpel gestickt, aber verfehlen ihre Wirkung nur selten. Da werden Schädel gespalten, Knochen gebrochen und Köpfe einmal um die eigene Achse gedreht. Der blutige Bilderrausch und die eher unkonventionelle Thematik bringen es auf den Punkt und zeigen mehr als deutlich, was Indie-Kino alles möglich macht. Hier dürfen sich Filmemacher austoben und zeigen was sie wirklich können. Das bedeutet mehr Eigenständigkeit und Erfindungsreichtum – etwas, das wegen diktierten Auflagen großer Studios in kommerziellen Filmen meist nicht möglich ist.
 
 
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In Gesprächen mit der Presse ließ Regisseur JOE BEGOS verlauten, dass ihm die Idee zum Film während der Festival-Tour zu seinem Debüt ALMOST HUMAN kam. Dort wurde er von Fans und Kritikern immer wieder gefragt, was als nächstes kommen wird. Sofort geisterten ihm Gedanken zu einem Rache-Thriller mit telekinetischen Elementen durch den Kopf – etwas, was seiner Meinung nach schon lange niemand mehr auf die Leinwand gebracht wurde. Nach dem Festival-Rummel begann er an einem Skript zu schreiben. Das ging anfangs noch eher in Richtung Home-Invasion-Horror. Doch Begos verwarf die Ideen und machte daraus Science-Fiction-Horror à la DAVID CRONENBERG. Eine gute Entscheidung, wie auch der Regisseur meint. Ihm waren die missratenen Scanners-Ableger ein Dorn im Auge, weshalb er seinen THE MIND’S EYE selbst als eine Art inoffizielle Fortsetzung zum Kulttitel beschreibt. Ganz Unrecht hat er da natürlich nicht. Vergleicht man die überflüssigen Ableger und Spin-offs der bekannten Filmreihe, ziehen die im Vergleich zu THE MIND’S EYE vor allem atmosphärisch definitiv den Kürzeren.
 
 
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THE MIND’S EYE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
EIN MANN SIEHT ROT meets SCANNERS. Splattriger Indie-Horror für Horrorfans von einem waschechten Fan gemacht. Wer THE MIND’S EYE gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. Regisseur JOE BEGOS verbeugt sich vor einer Zeit, in dem sich das Horrorkino enormer Beliebtheit erfreut hat. Nahezu jedes bekannte Horror-Franchise, das von Hollywood in den letzten Jahren neu interpretiert wurde, entspringt den wegweisenden 1980ern. Vor genauer jener Filmära verbeugt sich der Macher von THE MIND’S EYE, der offensichtlich eine Leidenschaft für das Vermischen von Subgenres hegt. Nach Alien-Film und Horrorschocker, kombiniert er nun Cronbergs Körper-Horror mit Rachethematik. THE MIND’S EYE fühlt sich an, wie eine Fortsetzung des Kultfilms SCANNERS. Das kommt nicht von ungefähr, denn Begos bekundete in Interviews, dass er die Sequels der Filmreihe schlecht fand. Dennoch; bei so viel Liebe zum Old School sollten man sich im Klaren sein, dass THE MIND’S EYE nichts fürs verwöhnte Mainstream-Publikum ist. Wer es schnell, hektisch und makellos mag, ist hier falsch. Der Film zitiert Klassiker wie SCANNERS oder TEUFELSKREIS ALPHA. Wer damit nichts anfangen kann, sollte ohnehin diesen Film meiden, denn THE MIND’S EYE richtet sich in erster Linie an alteingesessene Horrorfans, die des aktuellen Horrorfilmmarktes überdrüssig sind.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Zensur

 
 
 
Die Splatter-Gemeinde bekommt was geboten. Es werden Köpfe zum Explodieren gebracht, Schädel gespalten und in Köpfe geschossen. Zudem gibt es viel Kleinkram und nett getrickste Spezialeffekte zu sehen. Alles hausgemacht versteht sich. Hierzulande dürfte das THE MIND’S EYE eine Erwachsenenfreigabe bescheren. Keine Jugendfreigabe – ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE MIND’S EYE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scanners – Ihre Gedanken können töten (1981)
 
Scanners II (1991)
 
Scanners III (1991)
 
Scanner Cop (1994)
 
Scanner Cop II (1995)
 
Teufelskreis Alpha (1978)
 


Kritik: „Closer to God – Frankensteins Kinder“ (2014)

 Closer to God (2014)
 
 
 

CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER

Story

 
 
 
Ein geklonter Junge bricht aus seinem Gefängnis aus, läuft Amok und verwandelt sich in eine Killermaschine.

 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Kritik

 
 
 
Eine weitere Episode aus der Reihe: Unethische Experimente und ihre Folgen. Mittlerweile ist die Geschichte von Dr. Frankenstein und dem von ihm künstlich erschaffenen Menschen nicht mehr ganz so taufrisch. Knapp 200 Jahre ist es bereits her, dass der Roman aus der Feder von MARY SHELLEY anonym veröffentlicht wurde, zu Weltruhm kam und mittlerweile unzählige Regisseure zu Filmen inspiriert hat. Einer derer ist BILLY SENESE. Der befasst sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER mit dem heiklem Thema, das wohl nie an Brisanz verlieren dürfte, denn auch die moderne Interpretation des zeitlosen Frankenstein-Stoffs klärt auf, dass die Erschaffung von Mensch und Tier lieber Gott oder Natur überlassen werden sollte. Es ist die Debatte vom Klonen menschlicher Individuen, die in CLOSER TO GOD neuen Zündstoff erhält. Darin spielt JEREMY CHILDS den modernen Frankenstein namens Victor (was für ein Zufall), dem es gelingt den ersten menschlichen Klon zu erschaffen. Das Kind namens Rebecca kommt gesund im Labor auf die Welt und wird zugleich der Presse vorgestellt. Leider findet das Experiment nicht nur Befürworter. Unmengen Gegner machen dem Wissenschaftler das Leben schwer, weshalb sich Genetiker Victor Reed in sein Anwesen zurückzieht, um den Klon dort großziehen und erforschen zu können. Was die Öffentlichkeit nicht weiß: Rebecca ist nicht die erste künstlich erschaffene Kopie eines Lebewesens. Im Haus nebenan haust hinter dicken Türen Testobjekt Ethan – ein ebenfalls geklonter Mensch, bei dessen Erschaffung nicht alles nach Plan gelaufen ist. Der deformierte Junge legt aggressives Verhalten an den Tag, flüchtet aus seinem Gefängnis und schlägt jeden mit einer Eisenstange nieder, der sich ihm in den Weg stellt.
 
 
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Bis das wütende Kind jedoch durch den Film hetzen darf, vergeht viel Zeit. Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE macht nämlich von der altmodischen Methode des Angstmachens Gebrauch. Das bedeutet, dass sich der Film (zu) viel Zeit mit dem Erzählen seiner Geschichte nimmt und sich weniger auf die Zurschaustellung missgebildeter Kreaturen oder auf möglichst blutige Gewaltmomente konzentriert. Stattdessen entwickeln sich die Ereignisse gemächlich und die Gestalt des ungeliebten Klon Ethan wird aus Spannungsgründen erst am Ende gezeigt. Ein geschickter Schachzug den ohnehin gelangweilten Zuschauer bis zum Abspann vor dem Fernsehapparat zu halten, denn sonderlich packend ist CLOSER TO GOD nicht inszeniert. Interessanterweise ist CLOSER TO GOD der erst zweite Film von Regisseur BILLY SENESE, welcher sich bei seinen bisherigen (Kurz)Filmen von Thrillern der 1970ern (darunter: DER DIALOG oder DIE UNBESTECHLICHEN) inspirieren lies. Der hatte bereits 2007 den Indie-Thriller DARK AWAKENING inszeniert, war aber nach dem stressigen Dreh derart ausgepowert, dass er vom Filmemachen lange Zeit nichts wissen wollte. So fand er Erfüllung in der Produktion von gruseligen Hörspielen. Eine dieser unheimlichen Erzählungen mit dem Titel THE SUICIDE TAPES brachte er sogar 2014 in Form eines Kurzfilms auf die große Leinwand und wurde auf dem internationalen Filmfestival FANTASIA mit Preisen und Lob überhäuft. Das spornte den Filmemacher an, an einem neuen Langfilm zu arbeiten. Kurzum war die Idee zu CLOSER TO GOD geboren, die er anschließend mit kleinem Budget und viel Herzblut fürs Kino aufbereitete.
 
 
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In Interviews erklärte BILLY SENESE, dass er eigentlich nie vorhatte, in erster Linie einen Film über das Klonen zu drehen. Er war viel mehr daran interessiert, sich mit der Unvermeidlichkeit des Fortschritts zu beschäftigen. Während seiner Recherchen zum Film stieß er auf das Zitat eines Genetikers, das die Rastlosigkeit der Wissenschaft zum Ausdruck brachte. Der Gedanke, dass Experimente – wie das Klonen – durchgeführt werden, ohne dass jemand davon weiß, lies den Regisseur derart erschauern, dass er darüber ein Drehbuch schreiben musste. Leider verlieren die schaurigen Gedanken des Regisseurs im Film an Intensität, denn CLOSER TO GOD hat so seine Probleme, die im Grunde kontroverse Problematik ansprechend verpackt an den Zuschauer zu bringen. So quält sich CLOSER TO GOD damit eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich auf einen Bierdeckel passt, jedoch auf Spielfilmlänge gestreckt werden musste, um der Bezeichnung Spielfilm gerecht werden zu können. Was bleibt ist ein zäher und trocken inszenierter Versuch sich mit Vor- und Nachteilen medizinischen Fortschritts zu beschäftigen, mit dem man sich aufgrund sperriger Inszenierung nicht ernsthaft auseinandersetzen möchte. Der zähe Mix aus Drama, Thriller, Science-Fiction und Horror kann zwar mit ungeschliffenem und morbidem Indie-Look überzeugen, dürfte aber wegen seiner spannungsarmen Inszenierung schnell zum Abschalten animieren. Mehr Pepp und Tempo hätte in diesem Falle Wunder bewirken können.
 
 
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CLOSER TO GOD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Düstere Zukunftsvision, schaurig verpackt: Darf man Menschen künstlich erschaffen? Haben Klone ein Recht auf Leben? Welche Vorteile besitzt das Klonen menschlicher Individuen für die gesamte Menschheit? Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE greift in CLOSE TO GOD essenzielle Fragen auf und beschäftigt sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER mit der Unvermeidlichkeit medizinischen Fortschritts. Leider dürfte die brisante Thematik in diesem Falle schnell zu Ermüdungserscheinungen führen, denn CLOSER TO GOD ist ziemlich zäh und spannungsarm inszeniert. Erst im Finale erwacht der Streifen aus seiner Lethargie und kann dank amoklaufenden Probanden eines fehlgeleiteten Experiments noch Pluspunkte sammeln. Zu einem guten Film reicht es dennoch nicht. Dafür wurmt es zu gewaltig im zu lang geratenen Drehbuch, das mit viel Langeweile Lebenszeit raubt.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Zensur

 
 
 
Schauwerte halten sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER leider in Grenzen. Am Ende werden einige Erwachsene von einem aggressiven Kind mit einer Eisenstange verprügelt. Zwei Protagonisten müssen ihr Leben lassen. Doch das ist nicht alles. Auch der Schöpfer der Klone bekommt sein Fett weg und wird am Ende erschossen. Hierzulande hat der Film ohne Probleme die FSK mit einer Freigabe ab 16 passiert.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Closer to God; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 11.08.2016

 
 
 

Closer to God – Frankensteins Kinder [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Wiege des Bösen (1974)
 
Die Wiege des Satans (1974)
 
Die Wiege des Schreckens (1987)
 
Godsend (2004)
 


Filmkritik: „The Hive“ (2015)

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THE HIVE

Story

 
 
 
Von einem Jungen, der versucht sein Gedächtnis zurückzugewinnen. In einem Sommercamp ist der Supergau ausgebrochen. Campaufseher Adam hat Probleme zu rekonstruieren, was vorgefallen ist, denn er kann sich an nichts erinnern. Auf der Suche nach der eigenen Identität kommt er einem geheimnisvollen Virus auf die Schliche, der sich den Hirnen seiner Wirte bemächtigt hat.
 
 
 


 
 
 

THE HIVE – Kritik

 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. So zumindest lässt sich am besten beschreiben, was der Zuschauer vom neusten der mittlerweile unzähligen Viren-Schocker zu erwarten hat. Der ist mal wieder auf dem Mist eines ambitionierten Newcomers gewachsen ist, der den Sprung ins Horrorfach wittert. DAVID YAROVESKY nennt sich der Filmemacher, der dem Horrorgenre mit THE HIVE zwar Abwechslung bescheren möchte, aber nicht die Finger von postapokalyptischen Weltuntergangsszenarien lassen kann. Die sind vor allem im Zombiefilmen Programm, weil es aggressiven Killerviren immer wieder gelingt, die furchtlose Menschheit in die Knie zu zwingen. Ganz ähnlich macht’s auch THE HIVE. Hier wird ein Virus auf Menschen losgelassen, der sich in rasender Geschwindigkeit über den Erdball verbreitet und die Hirne seiner ahnungslosen Wirte manipuliert und miteinander verbindet. Das klingt vermutlich absolut schräg, verhilft dem Film über den Durchschnitt. Demzufolge geht Lob an den noch unbekannten Regisseur, der trotz kleinem Budget und bekannter Virusthematik doch mehr zu erzählen hat, als manch andere Viren- und Zombieheuler der letzten Jahre.
 
 
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Wenn ein künstlich kreierter Virus EVIL DEAD-Fans aufhorchen lässt: Macher DAVID YAROVESKY kopiert viel Grauen, was auch schon im Remake zum Splatter-Klassiker aus der Mache von SAM RAIMI funktioniert hat. So wird der Zuschauer in eine keimige Hütte entführt, in der sich infizierte Protagonisten eklig geschminkt vor den Angriffen ihrer Freunde in Acht nehmen müssen. Die verwandeln sich nach und nach in aggressive und dämonisch geifernde Furien, denen schwarzer Speichel aus den Mündern tropft. Keine Angst – zum ultrabrutalen Showdown kommt es hier jedoch nicht. Yarovesky will nicht splattern und unnötig Gewalt zelebrieren. Stattdessen entwickelt er eine Vorliebe für morbide Stimmung und intelligente Detektivarbeit, schließlich liegt der eigentlich Reiz von THE HIVE in der Art, wie der Film mit geschicktem Erzählstil den Virusausbruch in einem Sommercamp rekonstruieren möchte. So wird Spannung durch ungewohnte Erzählmechanismen aufgebaut, denn THE HIVE ist kein chronologisch erzählter Horrorfilm. Der Film wechselt permanent zwischen Zeitebenen und macht das ziemlich gut. So sieht sich Held Adam (GABRIEL BASSO) zu Beginn mit vielen Problemen konfrontiert, die anfänglich keinen Sinn ergeben wollen. Dessen Erinnerungen sind verschwommen und Leichen liegen zu seinen Füßen. Seine Aufgabe ist es zu analysieren, was geschehen ist. Mittels Visionen, Flashback und Rückblenden werden Fragen geklärt, so dass Stück für Stück entschlüsselt wird, welch Drama sich in der Hütte abgespielt hat.
 
 
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DAVID YAROVESKY legt ein bemerkenswertes Gespür für Körper-Horror an den Tag. Neben der unkonventionellen Art des Erzählens überzeugt der Neuling mit beachtlichen Make-up-Effekten, die in ihrer soliden Umsetzung reichlich verstörend wirken. So bekommt der Zuschauer diverse Stadien einer ominösen Krankheit zu sehen, die Menschen in willenlose Sklaven des Bösen umfunktionieren. Leider bleibt es bei schrecklich geschminkten Gesichtern und Körperteilen, denn blutiges Gemetzel bleibt aus. Das hat der Film auch gar nicht nötig, denn dank neuer Impulse, gelingt es Yarovesky dem mittlerweile totgefilmten Zombie- und Virusgenre so etwas wie frischen Wind einzuverleiben. Seine eigensinnige Interpretation dieser Art von Filmen lässt viele der semiprofessionellen B-Movies der letzten Jahre vergessen, schließlich schafft THE HIVE das Kunststück, dass er nahezu bis zum Ende undurchsichtig und deshalb richtig spannend bleibt. Da verzeiht man dem Streifen gern, dass er auf der Zielgerade dann doch etwas den Durchblick verliert und unter wirrer Inszenierung zu leiden hat. Aufmerksame Horrorliebhaber dürfte das jedoch kaum stören, schließlich dürften die darüber erfreut sein, endlich mal wieder im Genre geistig gefordert zu werden. Der etwas andere Erzählstil macht’s möglich.
 
 
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THE HIVE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
EVIL DEAD trifft auf CABIN FEVER und MOMENTO. Einmal mehr werden in einem Horrorfilm die Gefahren wissenschaftlicher Forschung und der gesellschaftlicher Zusammenbruch durch eine Virusplage in den Mittelpunkt gerückt. Viele alteingesessene Horrorfans dürften da schon zu gähnen beginnen. THE HIVE macht jedoch einiges anders, denn der Film geht andere Wege, als die meisten postapokalyptischen Zombie-Machwerke der letzten Jahre. Wie THE HIVE den Ausbruch einer seltsamen Krankheit an den Zuschauer bringen will, überzeugt. Hierfür nutzt Macher einen unkonventionellen Erzählstil, der in seiner Art ein wenig an den Mystery-Thriller MOMEMTO erinnert. Dort sorgte eine verdrehte und dennoch erfischende Erzählweise für reichlich Verwirrung und machte den Ausnahmethriller gerade deshalb zum Geheimtipp für Cineasten. THE HIVE ist ähnlich gestrickt, dürfte jedoch aufgrund Ekel-Make-ups dann doch mehr unter Horrorfilmjüngern Zuspruch ernten. Trotz wenig Geld: Kein übler Indie-Schocker
 
 


 
 
 

THE HIVE – Zensur

 
 
 
Wer glaubt, dass aufgrund des finsteren Trailers EVIL DEAD-artige Gewaltexzesse zelebriert werden, dürfte schnell enttäuscht werden. Auch wenn die Protagonisten von einer mysteriösen Krankheit infiziert werden – im Film selbst fließt kaum Blut. Der Film lebt von seiner undurchsichtigen Handlung und der zermürbenden Atmosphäre, die dank ekliger Make-up-Effekte zusätzlich verstärkt wird. Hierzulande dürfte THE HIVE problemlos eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 


 
 
 

THE HIVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Dead Within (2014)
 


Filmkritik: „Bedlam“ (2015)

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BEDLAM

Story

 
 
 
Weil dem verunsicherten George seltsame Stimmen durch den Kopf geistern, beschließt er sich vom gleichen Arzt untersuchen zu lassen, der einst auch schon die psychisch kranke Mutter behandelt hat. Der diagnostiziert am Patienten Schizophrenie und verspricht in seiner Klinik Heilung. George unterschreibt die Behandlungspapiere, wird in eine Irrenanstalt eingewiesen und erfährt bald am eigenen Leibe, dass der Arzt ganz eigene Untersuchungsmethoden anwendet, um die Leiden seiner Patienten lindern zu können.
 
 
 


 
 
 

BEDLAM – Kritik

 
 
 
Die Jungs von AFTER DARK FILMS melden sich zurück. Der Filmfestveranstalter hat eine Leidenschaft für gruselige Unterhaltung und versorgt die weltweite Fangemeinde mit abwechslungsreichem Horror, der nun schon seit geraumer Zeit sogar im eigenen Produktionsstudio hergestellt wird. Wie im vergangenen Jahr war man auch 2015 nicht untätig und bringt mit dem dem Psycho-Thriller BEDLAM einen weiteren Streifen einer ganzen Reihe selbstgemachter Horrorfilme in die internationalen Wohnzimmer, von denen die Mehrzahl (darunter CHILDREN OF SORROW und ASYLUM) bereits im vergangenen Jahr ausgewertet und dem Horror-erprobten Zuschauer Gänsehaut beschert haben.
 
 
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Der neuste Beitrag aus der beliebten AFTER DARK FILM-Schmiede geht es ebenso finster an, wie die bisherigen Filme aus dem noch jungen Produktionsstudio und orientiert sich thematisch an Psycho-Trips, wie dem erst kürzlich besprochenen ENTER THE DANGEROUS MIND, in dem der Zuschauer Einblicke in die Gedankenwelt eines psychisch gestörten Mannes erhält. Der nennt sich in BEDLAM George (GUY EDMONDS) und begibt sich nach dem tragischen Tod der Mutter in psychiatrische Behandlung, weil ihm böse Stimmen im Kopf das Leben zur Qual machen. Kaum die Diagnose Schizophrenie erhalten, findet sich George in der Psychiatrie wieder und soll mit fragwürdigen Experimenten von seinem Leiden befreit werden. Dem ahnungslosen Patienten wird jedoch schnell bewusst, dass in dieser Klinik der Heilung psychisch Erkrankter nur wenig Beachtung geschenkt wird. Stattdessen werden aus Patienten Versuchskaninchen, die von Arzt und Wärtern so lang erniedrigt, gefoltert und gequält werden, bis der Tod die unfreiwilligen Probanden von ihren Qualen erlöst.
 
 
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Unbequemes Filmmaterial kommt da auf den Zuschauer zu, das angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll, die sich so ähnlich in den 60er Jahren zugetragen haben sollen. BEDLAM spielt in einer Zeit in der die moderne Behandlung psychisch Erkrankter noch in den Kinderschuhen steckte, kaum Nutzen brachte und stattdessen mehr Schaden bei Betroffenen anrichtete, als ihnen Linderungen zu versprechen. PETER MCALLUM spielt hier einen erbarmungslosen Arzt mit nationalsozialistischen Gedankengut, der fest der Überzeugung ist, dass psychische Krankheiten durch Masturbation und Unzucht ausgelöst werden. Mit gnadenloser Härte injiziert er starke Medikamente, führt fragwürdig Operationen durch und setzt Patienten unter Strom, um ihnen die Gehirne zu waschen. Widerstand ist zwecklos, denn den Insassen – ob nun wirklich krank oder nicht – wird mit unmenschlichen Methoden Respekt eingejagt. Zwei erbarmungslose Aufseher handeln nach eigenen Gesetzen, vergewaltigen und prügeln damit Horrorfans auch die nötige Dosis Gewalt zu sehen bekommen. Die ist natürlich Mittel zum Zweck, denn eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit der Psyche des Filmhelden wird ziemlich früh aus den Augen verloren. Das anfängliche nicht uninteressant erzählte Psychogramm eines als Kind sexuell missbrauchten Mannes muss sich recht bald den Regeln moderner Horrorware unterwerfen. So verkommt die Psychoanalyse zum plumpen Anstalts-Thriller in dem Patienten wahllos gefoltert werden, damit sie sich am Ende rächen können.
 
 
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Geübte Zuschauer erkennen schnell Parallelen zu den reißerisch inszenierten Frauengefängnisfilme der 70er Jahre, in denen Sex, Folter und Gewalt publikumswirksam auf Zelluloid festgehalten wurde und so dem Exploitationfilm zu zweifelhaftem Ruhm verhalten. Nicht wesentlich anders geht es in BEDLAM zu, der sich viel zu versteift auf barbarische Untersuchungspraktiken konzentriert, statt sich mit der zweifelhaften Thematik ernsthaft zu beschäftigen. So dürfte es wenig wundern, dass der Film seine Probleme mit der Glaubwürdigkeit besitzt, schließlich war Regisseur CHEW BARKER dann doch mehr darum bestrebt Zuschauer mit platten Foltermomenten zu schockieren, statt sie mit den Protagonisten mitleiden zu lassen. Protagonist George glänzt in jeder Szenen mit frisch getrimmten Dreitagebart und Patienten Sofia (CASSANDRA SWABY) hat zwischen all den unmenschlichen Erniedrigungen immer noch genügend Zeit, um sich stets perfekt schminken und frisieren zu können. Die meisten der eindimensionalen Charaktere wirken befremdlich, handeln nicht nach Verstand, sondern nach den mittlerweile gängigen Regeln für möglichst hölzerne Horrorfilme. Dass die kontroverse Thematik aufgrund der wirren Erzählung und den unzugänglichen Stereotypen schnell an Reiz verliert ist bedauerlich. Vermutlich wäre es wohl besser gewesen, wenn BEDLAM ein einauthentisches Drama geworden wäre. Als Horrorfilm zumindest überzeugt der Film keineswegs. Wenigstens kommt die gewalthungrige Fan-Fraktion auf ihre Kosten – auch wenn viel Sitzfleisch vorausgesetzt wird, bis man erste Quälereien zu sehen bekommt.
 
 


 
 
 

BEDLAM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Schockierender Filmstoff mit Echtheitszertifikat. AFTER DARK FILMS ist wieder da. Der ehemalige Festivalbetreiber macht jetzt selbst Filme und ist mit einer Reihe neuer Horror-Schocker am Start. Leider versemmelt man im hauseigenen Produktionsstudio gleich den ersten Beitrag der neuen Staffel und bringt einen leidlich spannenden Film in die Heimkinos, in dem man sich mit grotesken Methoden zur Behandlung psychischer Erkrankungen beschäftigt. Zwar wirbt man gleich zu Beginn damit, dass das aktuelle Machwerk aus der AFTER DARK FILMS-Schmiede auf wahren Ereignisse beruhen soll. So authentisch einige der Behandlungsmethoden auch in Szenen gesetzt werden – BEDLAM mangelt es an Glaubwürdigkeit und Zugänglichkeit. Die Protagonisten wirken befremdlich und unsympathisch. Ein Mitfiebern wird demzufolge unmöglich gemacht. Zudem versucht Regisseur CHEW BARKER sein Filmdebüt zu verkrampft in die Horrorschublade zu pressen, obwohl es dort vollkommen deplatziert ist. BEDLAM handelt von obskuren Praktiken zur Heilung psychisch Erkrankter, die zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen steckten, in welcher der Streifen spielt. Eine kontroverse Thematik, die vermutlich besser in Form eines Dramas aufgehoben gewesen wäre. Leider konzentriert sich BARKER zu sehr auf die Abhandlung diverse Folterpraktiken, so dass er im wirren Gewaltreigen die Entwicklung seiner Figuren aus den Augen verliert. Das macht BEDLAM ziemlich anstrengend, zumal der Film mit 100 Minuten Laufzeit etwas arg lang geraten ist.
 
 
 


 
 
 

BEDLAM – Zensur

 
 
 
Trotz Foltermethoden ist BEDLAM keine Schlachtplatte. Es werden Zähne gezogen, Patienten ausgepeitscht und vergewaltigt. Dennoch dürften die Schauwerte hierzulande dafür ausreichen, dass BEDLAM von der FSK keine Jugendfreigabe erhalten und mit rotem Flatschen in die Händlerregale gebracht werden wird.
 
 


 
 
 

BEDLAM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Antisocial Behavior (2014)
 
Hemorrhage (2012)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Found (2012)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Mike Mendez’ Killers (1996)
 
Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006)
 


Filmkritik: „The Hybrid“ (2014)

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THE HYBRID

Story

 
 
 
Söldner Jim Powell (JOHN LYNCH) kommt unerwartet aus dem Gefängnis frei und muss als Gegenleistung einen ganz besonderen Auftrag ausführen. Mit einem sechsköpfigen Team soll er in die ehemalige Sowjetunion reisen und in einen stark bewachten Forschungsbunker eindringen, um dort eine Wissenschaftlerin samt Arbeiten zu bergen. Doch der Einsatz ist nicht ungefährlich, denn hier unten haust eine von Menschenhand geschaffene Bedrohung, die sich bald nicht mehr bändigen lässt.
 
 
 


 
 
 

THE HYBRID – Kritik

 
 
 
Eine unterirdische Forschungsbasis irgendwo im russischen Hinterland. Darin eine strebsame Wissenschaftlerin, die geheimnisvolle Experimente mit menschlicher DNA durchführt und damit für Chaos sorgt, weil die Testobjekte nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen. THE HYBRID liefert Horrorstoff aus dem Albträume sind und das sogar fernab jeglicher Todesbakterien oder Killerviren, die nicht selten für apokalyptische Zombieszenarien verantwortlich gemacht werden, wenn Experimente mal wieder aus dem Ruder laufen. Überraschend aufgeräumt und geradlinig geht es im britischen THE HYBRID zu, der zwar eine knappe Geschichte erzählt, aber nicht minder unterhaltsam ist. Der Brite BILLY O’BRIAN hat diesen kurzweiligen Science-Fiction-Horror gedreht. Für ihn sind missglückte Forschungen kein Neuland.
 
 
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Bereits 2005 beschäftigte er sich mit gescheiterten Experimenten und nahm für den Indie-Grusler ISOLATION das erste Mal auf dem Regiestuhl Platz. Seither ist es verdächtig ruhig um den talentierten Newcomer geworden, der wohl jetzt einen neuen Versuch wagt, um im Genre ernstgenommen zu werden. Ziemlich viele Autoren haben an Drehbuch zu THE HYBRID gepinselt, der anfangs eigentlich SCINTILLA bzw. THE SCINTILLA PROJECT heißen sollte. In den meisten Fallen kein gutes Omen, schließlich bewahrheitet sich immer öfter das Sprichwort vom verdorbenen Brei, an dem zu viele Köche gearbeitet haben. THE HYBRID tanzt aus da aus der Reihe und fällt positiv auf. Grund hierfür: die minimalistische Inszenierung, die sich nur auf das Wesentliche konzentriert, nicht viel Zeit mit Nebensächlichkeiten vergeudet und dennoch stets packend bleibt. Die eigentliche Handlung kommt zügig auf den Punkt und führt ein sechsköpfiges Team um Söldner Jim Powell (John Lynch) zu einer gut bewachten Rebellenbasis, in der abgeschottet von der Außenwelt mit außerirdischem Material gearbeitet wird.
 
 
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Mehr von der ohnehin überschaubaren Geschichte zu erzählen wäre fatal, spielt doch THE HYBRID mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, der hier mal wieder davon ausgeht, dass im Inneren der Forschungsräume deformierte Kreaturen ihr Unwesen treiben und grausam Schlachten. Natürlich ist die Verahnung nicht unbegründet, denn die Bedrohung kommt auf leisen Sohlen und getötet wird hier selbstverständlich auch. Dennoch ist die Auflösung reichlich unspektakulärer als vermutet, was aber nicht negativ gewertet werden sollte. Regisseur BILLY O’BRIAN hat ein Händchen für die Platzierung tiefsitzender Schocks, weil er langsam aufbaut und ganz unvorbereitet zuschlägt. Dank solider aber passender Spezialeffekte lässt er am Ende die Katze aus dem Sack und überzeugt mit böser Wendung. Dass da auch ein wenig gesplattert werden darf ist zeitgemäß und freut den Horrorfan. Wir raten trotzdem von der Sichtung des Trailers ab, gehört THE HYBRID zu jener Art von Filmen, über die man im Vorfeld so wenig wie möglich wissen sollte, um sich nicht die Spannung nehmen zu lassen. Endlich mal wieder ein sehenswerter Beitrag, auf den man sich freuen kann. Wir wünschen gute Unterhaltung!
 
 
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THE HYBRID – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unterhaltsamer, schnörkelfreier Sci-Fi-Horror mit überraschend bluttriefenden Momenten. THE HYBRID oder SCINTILLA – so wie er anfangs heißen sollte – ist kein tiefgründiger Science-Fiction-Schocker mit intelligenter Story. Vermutlich will er das auch gar nicht sein. Vielmehr wollte der britische Regisseur BILLY O’BRIAN (ISOLATION) kurzweilig unterhalten und das tut er mit seinem kleinen Streifen definitiv. Die Charaktere sind nur oberflächlich ausgearbeitet, die Geschichte strotzt nicht gerade vor Innovation und dennoch gelingt es dem Filmemacher einen knackig inszenierten Film an den Mann zu bringen, bei dem der Zuschauer durch die Etappen des Filmes getrieben wird – bis zum wendungsreichen Finale. Dass dort sogar auch etwas Gewalt zelebriert wird erweist sich als I-Tüpfelchen und macht aus THE HYBRID packende Genre-Unterhaltung, die bis zum Ende spannend bleibt, weil man sich ausschließlich auf das Wesentliche konzentriert. Wer übrigens diverse Fragen beantwortet haben möchte, schaut dumm aus der Wäsche. THE HYBRID liefert die nur zum Teil und kurbelt stattdessen die Phantasie des Zuschauers an. Wer daher jede Fragen bis ins Detail geklärt haben möchte, sollte lieber auf die Fortsetzung warten. Schenkt man dem offenen Ende glauben, könnte die wirklich fies werden.
 
 
 


 
 
 

THE HYBRID – Zensur

 
 
 
Am Ende gibt es einiges zu sehen. Es explodieren Köpfe, Knochen werden gebrochen und ein Protagonist wird mit einer Machete in zwei Teile geschnitten. Sollte THE HYBRID hierzulande veröffentlicht werden (was nicht unwahrscheinlich ist) kommt er mit rotem „Keine Jugendfreigabe“-Flatschen in den Handel.
 
 
 


 
 
 

THE HYBRID – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Species (1995)
 
Species II (1998)
 
Xtro II – Die zweite Begegnung (1990)
 


Filmkritik: „Hoffnung auf Eis“ (1989)

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HOFFNUNG AUF EIS

(THE CHILLING)

Story

 
 
 
Falls Sie es nicht wussten: Irgendwo im Mittleren Westen steht der Welt tollste kryogenische Klinik. Hier sind (der Film spielt angeblich in der Zukunft, wo man immer noch die Frisuren später Achtziger trägt) zum Beispiel Walt Disney oder Michael Jackson eingefroren, um in schöneren Zeiten wieder auf die Menschheit losgelassen zu werden. Näher am Plot liegt hier aber auch der kleinkriminelle Sohn des ansässigen Großindustriellen, den’s bei einem Raubüberfall zerlegt hat. Als in der Halloweennacht das Stromnetz dem Gewitter zum Opfer fällt, tauen die Frostbeulen vorzeitig auf und schlurfen mordlüstern zu den Warmblütern.
 
 
 


 
 
 

HOFFNUNG AUF EIS – Kritik

 
 
 
Unsere amerikanischen Freunde nennen Filmchen wie HOFFNUNG AUF EIS „local marvels“, also so was wie ortsansässige Wunder. Damit weisen sie halbironisch darauf hin, wie phänomenal gut, schlecht oder wenigstens schräg es daherkommt, wenn ein filmbegeisterter Amateur den örtlichen Gewerbeverein unter Vorlage seines Drehbuchentwurfs abklappert und im Idealfall mit Budgetspenden und Drehgenehmigungen nach Hause kommt. Bevorzugt bewegen sich solcherlei Filmchen im Spannungsfeld von Amateursplatter (hierzulande, dank günstiger Digitalvideotechnik und viel Waldgegenden, größer denn je) und auch mal schämenswerter Kampfsportaction. HOFFNUNG AUF EIS, gedreht am Rande von Kansas City, Missouri, ist ein trashiges Moralstück im Stil der EC Comics/Tales From The Crypt-Reihe. Der Versuch, sich nicht in ausgetretenen Nebenhandlungspfaden zu verlaufen, scheitert selbstverständlich und so kann der geneigte DVD-Einwerfer wahnwitzig miesen Schießereien mit Bluteffekten, die das professionellste Element des Films darstellen dürften, in ihrer ganzen gnadenlosen Länge beiwohnen. Auch der breite Nebenauftritt des ebenso breiten Dan Haggerty, einst beliebt als DER MANN AUS DEN BERGEN, war hoffentlich kostengünstig. Und Linda Blair, ach Linda Blair.. Das waren die Hungerjahre des früheren Horrorkinderstars. Sprit, Pillen … und Hoffnung auf Eis.
 
Durch all diese Anekdötchen kann dann vielleicht auch entschuldigt werden, wenn die präsentierte Bild- und Tonqualität eher so aussieht, dass sich der Film in Nachbarschaft von Videokassetten wohler fühlen dürfte als bei DVDs oder gar Blu-rays.
 
 
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HOFFNUNG AUF EIS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
In heimischen Straßen gedrehter Videokamera-Schrott mit Gastauftritten halbwegs bekannter Gesichter. Mit den richtigen Begleitern ein großer Filmabend-Spaß. Allein geschaut kann so was sehr weh tun.
 
 
 


 
 
 

HOFFNUNG AUF EIS – Zensur

 
 
 
Die aktuelle DVD-Veröffentlichung trägt die alte FSK-Freigabe und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HOFFNUNG AUF EIS – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Chilling; USA 1989

Genre: Horror, Thriller, Komödie, Klassiker

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: FSK 18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit alternativem Wendecover

Extras: Behind the Scenes (21:25 Min.), Trailer (1:44 Min.), Outtakes (ohne Ton) (6:41 Min.), Promo Reel (8:35 Min.)

Release-Termin: 05.12.2014

 

Hoffnung auf Eis (DVD) – Ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HOFFNUNG AUF EIS – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Return of the Living Dead (1985)
 
Toll treiben es die wilden Zombies (1988)
 
Return of the Living Dead 3 (1993)
 


Filmkritik: „Toxin“ (2015)

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TOXIN

Story

 
 
 
Die ahnungslose Großmutter Sara wird Teil eines geheimen Militär-Experiments. In ihrem Keller wird eine todbringende Biowaffe getestet, die Menschen den Tod bringen soll.

 
 
 


 
 
 

TOXIN – Kritik

 
 
Das Gute an unabhängigen Videoproduktionen ist, dass sich deren Macher was trauen können. Anders als bei Filmen größerer Studios muss die Rezeptur nicht dem Allgemeingeschmack entsprechen, so dass man meist haarsträubende Geschichten zu sehen bekommt, für die man nicht selten den logischen Menschenverstand ausknipsen sollte. TOXIC ist einer dieser wirtschaftlichen Independenttitel in denen Dinge passieren, die keiner Logik entsprechen. Hier verhalten sich alle Beteiligten reichlich sonderbar und die Geschichte wirkt derart konstruiert und unglaubwürdig, weil sich Ereignisse zutragen, die so eben nur in Horrorfilmen passieren können. Immerhin haben sich bekannte Gesichter dazu bereiterklärt in diesem auf Zelluloid gebannten B-Movie-Quatsch mitzuwirken. Darunter DANNY GLOVER (LETHAL WEAPON) und VINNIE JONES (MIDNIGHT MEAT TRAIN und WAY OF THE WICKED). Die wollten sich vermutlich mit kurzem Gastauftritt ein kleines Taschengeld dazuverdienen und mimen hier zwei Bösewichte, die zugunsten der Wissenschaft einige Teenager über die Klinge springen lassen. Für Schauspieler VINNIE JONES gewohntes Terrain, verkörpert der ohnehin in fast jedem Kinofilm fiese Burschen sowie ausgefuchste Antihelden und tut auch in TOXIN das, was er am Besten kann: böse sein.
 
 
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Gefährliche Experimente sind mal wieder daran schuld, dass alles aus dem Ruder laufen muss. Diesmal geraten nicht Viren versehentlich unters Volk, sondern tödliche Sporen werden absichtlich freigelassen, damit Wissenschaftler des Militärs damit arbeiten können. Eine Dame älteren Semesters dient als unfreiwillige Probandin, die jedoch keine Ahnung davon hat, dass im Keller ihres Hauses mit einer tödlichen Biowaffe experimentiert wird. Die wurde dort ausgesetzt, um deren Auswirkung auf den Menschen studieren zu können. Seltsamerweise scheint das Immunsystem von Großmütterchen Sara eine Resistenz gegenüber der todbringenden Bedrohung entwickelt zu haben, so dass den Wissenschaftlern gleich auch Türen für die Entwicklung eines Gegenmittels geöffnet werden. Währenddessen kehrt Enkel Dean (TAYLOR HANDLEY) von einem Militäreinsatz aus dem Nahen Osten zurück in die Heimat und fischt einen Brief aus dem Briefkasten, in dem von der Zwangsräumung der großmütterlichen Bleibe berichtet wird. Eine schockierende Nachricht, die den besorgten Mittzwanziger dazu veranlasst, zusammen mit den Freunden nach dem Rechten zu sehen. Leider hat Großmutter Sara seit dem Tod ihres Mannes ein Messie-Syndrom entwickelt und scheint die Ordnung im Haus längst auf den Augen verloren zu haben. Für die Kids kein Grund zur Sorge. Die beginnen mit der Beseitigung des Chaos ohne davon zu ahnen, dass im Keller der unsichtbare Tod auf die freiwilligen Helfer lauert.
 
 
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Auch im Jahr 2015 bieten Killerviren, Keime und Bakterien immer noch reichlich Stoff, um darauf Filme machen zu können – ob man sie nun sehen will oder nicht. TOXIN orientiert sich in seiner Machart an den Virusschocker von ELI ROTH, dem es unter dem Titel CABIN FEVER vor knapp zehn Jahren gelang so etwas wie frischen Wind in das Genre der Virenfilme zu bringen. Darin sahen sich einige Teenager mit einem besonders aggressiven Virus konfrontiert, der ihnen in einer Waldhütte sprichwörtlich das Fleisch von den Knochen knabberte. Perfekt war der krude Low-Budget-Indie zwar nicht, aber immer noch um Längen besser als das, was Regisseur JASON DUDEK trotz Starbesetzung verbrochen hat. Sein TOXIN folgt zwar ganz ähnlicher Geschichte, dürfte aber bei Fans des düsteren Genres gnadenlos durchfallen, da blutige Schauwerte die Ausnahme bilden. Stattdessen entpuppt sich TOXIN als haarsträubender Video-Nonsens, in dem unzugängliche Protagonisten Entscheidungen treffen, die keinen Sinn ergeben. Da entdeckt eine weibliche Heldin erste Symptome einer mysteriösen Infektion an ihrem Körper und verfällt in Panik. Statt schnellstmöglich in die Stadt zu fahren, um sich helfen zu lassen, nimmt sie ein Rasiermesser und schneidet sich die Kehle durch. Ein anderer Protagonist findet keine Erklärung dafür, warum die beste Freundin zur Furie wird. Damit sie Ruhe gibt, rammt er ihr ein Messer in den Unterleib. TOXIN strotzt nur so vor Fehlern, Absurditäten und Oberflächlichkeiten, reist Gedanken an, ohne sie zu Ende zu bringen. So erfährt der Zuschauer zwar in Rückblenden von den schrecklichen Kriegserlebnissen der Hauptfigur Dean; eine Gewichtung für den Fortgang der Geschichte haben diese oberflächlichen und bedeutungslosen Flashbacks jedoch nicht.
 
 
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Einziger Lichtblick ist FIONA HALE, die mit ihren 88 Jahren allen Anwesenden die Show stielt. Sie glänzt als senile Greisin und brennt sich als gutmutige und dennoch hilflose Großmutter ins Gedächtnis ein. Der Rest des überschaubaren Ensembles dürfte schneller vergessen sein, als man denken kann, schließlich handelt es sich bei allen Figuren im Film um die üblichen Stereotypen, die man in jedem zweiten Horrorfilm zu sehen bekommt. Gleiches gilt übrigens auch für den austauschbaren TOXIN. Der gehört zu jener Art von Filmen, die man schnellstmöglich wieder verkaufen will, weil man sie ohnehin nicht ein zweites Mal sehen möchte. Der hinrissige Mix aus Sci-Fi-Thriller, Virus-Horror und Kriegsbewältigungs-Drama ist so überflüssig und belanglos, wie ein Sandkasten in der Sahara. Demnach Finger weg vom Blindkauf. Wir raten: erst leihen, dann über das gesparte Geld freuen!
 
 
 


 
 
 

TOXIN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Der kleine Bruder von CABIN FEVER. Pünktlich zur Grippe-Saison schafft es mal wieder ein Horrorstreifen mit Killerviren (in diesem Fall sind es Sporen) zu FILMCHECKER, der aber zur Abwechslung nicht von wildgewordenen Zombiehorden berichtet. Vielmehr ist TOXIN Hüttenhorror, in dem sich einige Kids mit einer vom Militär entwickelten Biowaffe konfrontiert sehen und sich vorab durch Selbsttötung aus dem Drehbuch radieren, bevor es für den Horrorfan überhaupt interessant wird. TOXIN ist unglaubwürdiger Video-Trash, der nicht einmal obligatorische Schauwerte zu bieten hat, die man von aktuellen Horrorfilmen mittlerweile erwartet. Stattdessen tun hier Protagonisten Dinge, die jeglicher Logik strotzen und den Zuschauer vor dem Bildschirm fluchen lassen, weil sich die Helden im Film selten dämlich verhalten. Wer an Horrorware keinen Anspruch stellt und über Filmfehler hinwegsehen kann, dem sei solide Unterhaltung garantiert. Die Mehrzahl der Horrorfans dürfte TOXIN jedoch als Zeitverschwendung bezeichnen.
 
 


 
 
 

TOXIN – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch wird kaum etwas geboten. Es gibt einige Einschüsse zu sehen, die seltsamerweise nicht zu bluten beginnen. Zudem schlitzt sich eine Protagonistin mit einem Rasiermesser selbst die Kehle auf. Zombies oder ähnliches gibt es in dieser Virus-Schlafpille nicht zu sehen. Daher darf man auch auf eine FSK16 hoffen.
 
 
 


 
 
 

TOXIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin Fever (2002)
 
Cabin Fever 2 (2008)
 
Cabin Fever 3: Patient Zero (2014)
 
The Dead 2: India (2013)
 
Dead Within (2014)
 
Antisocial (2013)
 


Filmkritik: „The Atticus Institute“ (2015)

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THE ATTICUS INSTITUTE – TEUFLISCHE EXPERIMENTE

Story

 
 
 
„…Auf dieser Welt gibt es Dinge, die wir nicht erklären können und Judith Winstead ist eines dieser Dinge …“

Parapsychologen untersuchen die telekinetischen Fähigkeiten von Testobjekt Judith Winstead und entdecken, dass im Körper der Frau das Böse schlummert.

 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Kritik

 
 
 
Dass mit Dämonen und Geistern nicht gut Kirschen essen ist und es im Horrorfilm immer wieder übermütige Protagonisten geben muss, die das Böse unnötig herausfordern, scheint eine der vielen Absurditäten im Genre zu sein, die sich in nahezu jedem Film dieser Art wiederholen. Seit jeher ist der Mensch vom Unerklärlichen fasziniert, was auch der Grund dafür sein dürfte, weshalb paranormal angehauchte Gruselwerke so viel Zuspruch erhalten und nicht mehr von der Bildfläche verschwinden wollen. Paranormales geht immer. Ob als Komödie, Drama oder im längst totgefilmten Found-Footage-Stil; seit PARANORMAL ACTIVITY im Kino zum Renner wurde, haben Filme mit unerklärlichen Phänomenen Hochkonjunktur.
 
 
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Ein weiterer in der Runde dieser Unbehagen verursachenden Mystery-Grusler ist das Schauererlebnis THE ATTICUS INSTITUTE in dem drei Filmzutaten miteinander kombiniert werden, die momentan die Horrorlandschaft dominieren. Regisseur CHRIS SPARLING hat vor einigen Jahren an den Drehbüchern zu BURIED (2010) und ATM (2012) geschrieben und vereint in seiner zweiten Regiearbeit Dämonen- und Exorzismus-Genre mit der Wackelkamera-Methode, damit alles authentischer wirkt. In dem als Dokumentarfilm getarnten Gruseltrip wird die telepathisch veranlagte Judith Winstead (sehr beängstigend verkörpert von RYA KIHLSTEDT) von Wissenschaftlern in einem kleinen Forschungslabor bei Pennsylvania untersucht. Sie kann Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken bewegen und verhält sich im Vergleich zu gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen nicht sonderlich normal. Es sind die späten 70er und die Erforschung paranormaler Ereignisse steckt noch in den Kinderschuhen, so dass es selbst erfahrenen Forschern nicht immer auf Anhieb gelingt Betrüger oder Scharlatane zu entlarven. Die meist abwesend und aggressiv auftretende Frau scheint da jedoch aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein. Ihre Präsenz verursacht bei Experten Gänsehaut und in Experimenten bestätigt sich die Vermutung, dass ihre Fähigkeiten nicht menschlicher Natur sein können. Schnell wird das Militär auf die sonderbare Gabe aufmerksam und erweckt im Körper der hilflosen Frau das Böse, das von der Regierung nun gezähmt werden möchte, um es für eigene Belange nutzen zu können.
 
 
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THE ATTICUS INSTITUTE gehört zur Gattung „Mockumentary“, was ein Filmgenre bezeichnet, in dem die Geschehnisse in einen gestellten Dokumentarfilm verpackt werden. Hier bekommt der Zuschauer auf echt getrimmte Interviews mit Angehörigen und Professoren vor die Linse, die von schrecklichen Ereignissen berichten und das grausames Vorgehen des Militärs beschreiben, das in diversen Experimenten versucht, den Willen eines widerspenstigen Dämons zu brechen. Der Hauptteil der Handlung wird jedoch von Hindergrundmaterial, Aktenaufzeichnungen und Archivaufnahmen getragen, in denen unmenschliche Versuche an einer labilen Frau protokolliert werden. Die sollen dazu dienen, um das Böse heraufbeschwören zu können, das sich hartnäckig in Protagonistin Judith Winstead versteckt hält. Lang dauert es jedoch nicht, bis der dämonischen Präsenz der Geduldsfaden reißt. Ganz unerwartet verwandelt sich die anfänglich verwirrte Patientin in eine unkontrollierbare Furie und scheint sichtlich Spaß daran zu haben Zuschauer, Militär und Professoren ausgiebig in Sachen Terror zu unterrichten – Mord und Totschlag inklusive.
 
 
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In Judith schlummert das Grauen, was angesichts des reichlich spektakulär geschnittenen Trailers niemand verwundern dürfte, zeigt der nämlich die besten Szenen am Stück und nimmt dem Zuschauer die Spannung. Demzufolge raten wir von der Sichtung des Trailers ab, der mal wieder viel zu viel verrät und dem Fan solcher Streifen das Filmsehen vermiest. Immerhin bahnt sich der Schrecken langsam seinen Weg durch die finsteren Versuchsräume und garantiert zumindest in den ersten dreißig Minuten wohlig altmodisches Gänsehautfeeling, was vor allem durch die auf alt getrimmten Videobänder verstärkt wird, die immer mal wieder längst vergessene VHS-Zeiten wach werden lassen. Leider kann Schocktherapie-Macher CHRIS SPARLING das hohe Grusel-Niveau der ersten halben Stunde nicht konstant halten, denn nach einem spannenden Einstieg dümpelt der Film lustlos auf der Stelle und quält mit immer haarsträubenderen Experimenten, die nur unnötig das Tempo bremsen. Was folgen wird ist vorhersehbar, denn die Absurdität der im Film gezeigten Ereignisse lässt darauf schließen, dass der jähzornige Dämon letztendlich nur mit einem Exorzismus bekämpft und die Menschheit so gerettet werden kann. Doch die Austreibung fruchtet nur bedingt und gipfelt mal wieder im ach so überraschenden Schlussgag, mit dem sich Horror-Regisseure in letzter Zeit scheinbar gegenseitig selbst übertrumpfen möchten.
 
 
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Dass THE ATTICUS INSTITUTE trotz Found-Footage-Gewand weitestgehend nach Film ausschaut, muss man Regisseur CHRIS SPARLING hoch anrechnen. Die für diese Art von Filmen bekannten und gehassten Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen bleiben aus, so dass THE ATTICUS INSTITUTE auch bei Gegnern von pseudodokumentarischen und auf echt getrimmten Schüttelfilmen Eindruck hinterlassen dürfte. Im Rahmen des Found-Footage-Genres gehört dieser Besessenheits-Spuk zu den besseren Vertretern jener Gattung Filme. Zumal es einige gut platzierte Schreckmomente schaffen, den Puls mutiger Filmfreunde nach oben zu treiben. Zusammen mit den gelungenen Spezialeffekten garantiert THE ATTICUS INSTITUTE auf jeden Fall kurzweilige Mystery-Unterhaltung von der man dennoch nichts Großes erwarten sollte.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Unheimliche Schocktherapie, die den Puls des Zuschauers nach oben treiben wird. In THE ATTICUS INSTITUTE sind dämonische Kräfte am Werk, die dem Mensch mal wieder klar machen wollen, dass man das Tor zur dunklen Seite besser verschlossen halten sollte. Regisseur CHRIS SPARLING kombiniert Exorzismus-, Dämonen- sowie Found-Footage-Genre und macht daraus eine finstere Geschichte im Mockumentary-Stil, die sich am derzeit immer noch beliebten Paranormal-Trend orientiert. Das anfänglich subtile Gruselkino verwandelt sich recht zügig zum schreckintensiven Besessenheits-Thriller, der leider im späteren Verlauf eine ziemlich absurde Metamorphose durchlebt. Immerhin beweist SPARLING ein gutes Gespür für treffende Schockmomente. Trotz Vorhersehbarkeit sitzen die sicher und machen THE ATTICUS INSTITUTE zur Mutprobe unter zartbesaiteten Gemütern. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass man sich gegen nervige Found-Footage-Klischees entschieden hat, die man vermutlich von pseudodokumentarischen Horrorflicks erwartet. THE ATTICUS INSTITUTE schaut mehr nach Film aus, weil man bewusst auf Kameraausfälle, Wackelattacken und Bildstörungen verzichtet hat. Für den als Dokumentation getarnten Mystery-Grusler eine Bereicherung, können so auch Gegner mittlerweile nicht mehr ganz so beliebter Schüttelfilme endlich mal wieder in den Genuss gut getrickster Horrorware kommen.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Zensur

 
 
 
THE ATTICUS INSTITUTE ist typischer Mystery-Horror ohne großes Blutvergießen. Zu sehen gibt es nicht viel Gewalttätiges. Die vermutlich blutigste Szene ist die, in der die Besessene allein mit ihrer Gedankenkraft das Herz eines aufgeschnittenen Frosches zerfetzt. Ansonsten ist der Horror hier hauptsächlich subtiler Natur. THE ATTICUS INSTITUTE hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten und ist ungeschnitten veröffentlicht worden.
 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Atticus Institute; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton:Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 01.10.2015

 

The Atticus Institute – Teuflische Experimente [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE ATTICUS INSTITUTE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte für die verwendeten Grafiken liegen bei Universal Pictures Home Entertainment.

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Taking of Deborah Logan (2014)
 
The Dyatlov Pass Incident (2013)
 
The Vatican Exorcisms (2013)
 
The Bay (2012)
 
The Dinosaur Project (2012)


Filmkritik: „Zellblock 11“ (2014)

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ZELLBLOCK 11

(HAUNTING OF CELLBLOCK 11)

Story

 
 
 
Das Filmteam einer Reality-Show reist zu einem verlassenen Gefängnis, um dort paranormalen Erscheinungen auf den Grund gehen zu können. Die lassen nicht lang auf sich warten, denn die Geister der hier Inhaftierten bemächtigen sich den Crew-Mitgliedern und haben nur einem Ziel: Rache.

 
 
 


 
 
 

ZELLBLOCK 11 – Kritik

 
 
 
Kommt ein Horrorfilm gut beim Publikum an, kann man davon ausgehen, dass entweder eine Fortsetzung oder zig ähnlich gestrickte Plagiate folgen werden, die sich quasi der gleichen Gewinnformel bedienen, um beim Zuschauer landen zu können. HAUNTING OF CELLBLOCK 11, der in Deutschland als ZELLBLOCK 11 vermarktet wird, ist so ein Machwerk bei dem der Zuschauer das Gefühl nicht loswerden möchte, gleichen Film bereits dutzende Male gesehen zu haben. Kein Wunder, Regisseur ANDREW P. JONES hat sich für seinen billig gewerkelten Geisterfilm scheinbar ziemlich einfallslos von der Found-Footage-Hatz GRAVE ENCOUNTERS inspirieren lassen, die im Jahr 2011 ein Überraschungshit war und seither unzählige Hobby-Geisterjäger in beachtlicher Regelmäßigkeit durch verlassene Krankenhäuser, Psychiatrien und Gefängnisse irren lässt, um paranormale Aktivitäten auf Film bannen zu können. Leider hatte JONES keine Muße, um sich selbst Gedanken über einen spannenden Plot zu machen, so dass er ganz einfältig besagte Gruselware kopiert und daraus einen vollkommen überflüssigen Film inszeniert hat, auf den die Filmwelt eigentlich verzichten kann. Ähnlich wie in GRAVE ENCOUNTERS steht auch in ZELLBLOCK 11 (der übrigens anfänglich APPARITIONAL heißen sollte) ein Filmteam im Mittelpunkt, das stets auf der Suche nach paranormalen Ereignissen ist, um daraus eine Folge der beliebten Reality-Show „Ghost Sightings“ machen zu können. Leider waren die zuletzt untersuchten Fälle nicht sonderlich spektakulär, was Produzentin Ms. Simon (Ein Wiedersehen mit Altstar DEE WALLACE) Sorgen bereitet. Sie trommelt die Crew zusammen und fordert bessere Recherchen, damit die Zuschauer der Serie reißerische Geschichten zu sehen bekommen und die Sendung nicht abgesetzt werden muss. Als ob der Zufall es wolle meldet sich sofort ein älterer Herr, der das Filmteam zu einem verlassenen Gefängnis führt, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Bevor das Gebäude geschlossen wurde, soll hier ein Arzt grausame Experimente an Inhaftierten durchgeführt haben, um deren Psyche zu heilen. Legenden, die sich bald als wahr herausstellen, denn es dauert nicht lang bis das Team auf die rastlosen Seelen jener stößt, die durch die Hand eines skrupellosen Arztes ihr Leben lassen mussten. Was folgt, ist wenig einfallsreich. Die Geister bemächtigen sich der Körper der unwissenden Geisterjäger und wollen nur eins: ihren Peiniger ausfindig machen und sich an ihm rächen.
 
Alles bleibt so wie es ist. ZELLBLOCK 11 ist ein Low-Budget-Grusler ohne nennenswerte Höhepunkte, der aber immerhin vom lästigen Found-Footage-Stilmittel Abstand hält, das seit PARANORMAL ACTIVITY vor allem in Geisterfilmen immer wieder Verwendung findet. Das ist aber auch der einzig Positive, was der Gefängnis-Spuk zu bieten hat, denn im Grunde genommen klappert JONES all jene Etappen gängiger Gruselware ab, die der Zuschauer in jedem aktuellen Geisterfilm zu sehen bekommt. Ob finsteres Gebäude mit dunklen Gängen, modernes Equipment, um Spuk orten zu können oder bedenkliche Warnungen verängstigter Einheimischer, die das Filmteam vor drohendem Unheil bewahren möchten; ZELLBLOCK 11 ist derart vorhersehbar, dass schnell die Lust am Gruseln vergeht, weil sich die Geschehnisse nach Schema F abspielen und schlichtweg kreative Gedankenblitze fehlen. Derart Ideenarmut stößt bitter auf und wirft die Frage in den Raum, warum Filmemacher eigentlich immer wieder gleiche Geschichten auf Film bannen müssen, deren Verläufe sich bereits nach Sichtung des Trailers erahnen lassen. Auch hier dürfte ein lukrativer Umsatz die Antwort liefern, schließlich entstehen derart unbrauchbare Streifen nicht aus Liebe zum Horrorfilm. Wäre das der Fall, hätte Regisseur ANDREW P. JONES vermutlich bedeutend mehr Herzblut investiert und einen halbwegs vernünftigen Grusler abgeliefert. Demzufolge sei an dieser Stelle all jenen Horrorfans vom Blindkauf abzuraten, die sich von ZELLBLOCK 11 einen unheimlichen Gruselabend versprechen, schließlich regiert in diesem Schauerstreifen schlicht und einfach die nur eins: die Langeweile.
 
 
 


 
 
 

ZELLBLOCK 11 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„A wie austauschbar“ und „B wie billig“. In ZELLBLOCK 11 (Originaltitel: HAUNTING OF CELLBLOCK 11) mangelt es an allem. Ob ausreichend Budget, gute Ideen oder neue Geschichten – dieser Film macht dem Low-Budget-Sektor alle Ehre und raubt dem Zuschauer vor allem eins: die Geduld. Regisseur ANDREW P. JONES hat mit seinem Geisterfilm ein weiteres Plagiat des erfolgreichen GRAVE ENCOUNTERS fabriziert nur mit dem Unterschied, dass man zur Abwechslung Abstand vom allmählich überdrüssigen Found-Footage-Filmstil nimmt. Das ist dann aber auch die einzige Neuerung, die ZELLBLOCK 11 zu bieten hat. Ansonsten verläuft dieser ideenlose Einheitsbrei nach der gängigen Zutatenliste für Geister-Horror. Wer sich daran schon sattgesehen hat, dürfte sich schnell gelangweilt fühlen, weil dieser austauschbare Gefängnisspuk nichts zu bieten hat, was man nicht schon in gefühlt Tausenden dieser angeblich gruseligen Machwerke gesehen hat. Wir von FILMCHECKER meinen: verschwendete Zeit!
 
 
 


 
 
 

ZELLBLOCK 11 – Zensur

 
 
 
ZELLBLOCK 11 ist ein typischer Vertreter der Gattung subtiler Geister-Horror. Demzufolge gibt es hier kaum schaufreudige Gewaltakte zu sehen. Ein Mann jagt sich eine Gewehrkugel in den Kopf. Ein anderer Hauptdarsteller tötet sich selbst und springt von einem Geländer hinab in die Tiefe. Wo kaum Gewalt stattfindet, darf meist mit einer FSK16 gerechnet werden. So ist es auch – ZELLBLOCK 11 ist frei ab 16 Jahren. Wegen dem Bonusmaterial auf der Heimkinofassung hat die Scheibe eine Erwachsenfreigabe erhalten.
 
 
 


 
 
 

ZELLBLOCK 11 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
zellblock-1-bluray

(c) Schröder Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Apparitional; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 08.10.2015

 

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ZELLBLOCK 11 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters (2011)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Hollows Grove (2014)
 
SX TAPE (2013)
 
House of Dust (2013)