Filmkritik: „Anonymous Animals“ (2020)

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ANONYMOUS ANIMALS

Story

 
 
 

Menschen übernehmen die Rolle von Tieren, um dem Zuschauer zu zeigen, wie grausam wir Menschen oft mit Haus- und Nutztieren umgehen.

 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Kritik

 
 
 
Können Tier leiden? Haben Tiere Gefühle und wie gehen Tiere eigentlich mit Todesangst um? Essenzielle Fragen, die in Zeiten von übertriebenem Fleischkonsum, Massentierhaltung und Billigfleisch gar nicht weit hergeholt scheinen. Demzufolge ist es mal wieder Zeit für einen Denkzettel – diesmal aus Frankreich. Was man zu erwarten hat, dürfte vielen Horrorfilmfans bekannt sein. In Frankreich nimmt man genretechnisch kein Blatt vor den Mund. Hier pfeift man auf Konventionen, hat Mut zum Risiko und wagt das, was sich große Mainstreamstudios nie wagen würden zu zeigen. Entstanden ist in den 2000ern so die französische Terrorwelle, die mit MARTYRS, INSIDE und HIGH TENSION Schocker um den Globus schickte, die in Sachen Horror neue Extreme setzen konnten.
 
 
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Dass den französischen Landsmännern diesbezüglich noch lange nicht die Puste ausgegangen ist, zeigt der hier vorgestellte Mikrobudget-Film. Der hat nicht einmal 7000€ gekostet und verdeutlicht, dass man auch mit kleinem Kapital beunruhigende Filme drehen kann, die dazu auch noch hochwertig aussehen. ANONYMOUS ANIMALS nennt sich der Streifen, der an insgesamt sechs Tagen gedreht wurde und schon fast einem kontroversen Experiment gleichkommt. Darin geht Sonderbares vor. Wir folgen Menschen in verschiedene Situationen, in denen sie Todesangst durchleben müssen. Mal werden sie in einem Stallgehege eingesperrt und warten dort auf den Tod. In einer anderen Szene müssen Menschen angekettet gegen eigene Artgenossen kämpfen. Skurril, zumal stets maskierte Fremde zugegen sind, die Tiermasken tragen und dem Treiben stumm beiwohnen. Was soll das alles und was hat das mit Horror zu tun? Wie sagen es Euch.
 
 
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Hinter ANONYMOUS ANIMALS steckt nämlich ein perfider Rollentausch mit weitaus mehr Substanz als man wohl beim Lesen der überschaubaren Inhaltsangabe erwarten würde. Regisseur BAPTISTE ROUVEURE macht es dem erst kürzlich hier besprochenen THE FARM gleich, in welchem kurzerhand die Rollen von Menschen und Tieren vertauscht wurden. Darin durchgingen Menschen quasi die gleichen Stationen eines Mastbetriebes, die auch Kühe durchleben müssen, bis sie am Ende den erlösenden Gnadenschuss vom Schlachter erhalten. Im Unterschied zu THE FARM werden in ANONYMOUS ANIMALS aber nicht nüchtern und emotionslos Vergleiche gezogen, die verdeutlichen sollen, dass Nutztiere für uns Menschen nichts weiter sind als Ware. ANONYMOUS ANIMALS geht einen Schritt weiter und bringt zum Vorschein, wie respektlos und perfide wir als höhere Lebensform mit niederen Lebensformen umgehen. In diesem experimentellen Schocker mit Dokumentarfilmcharakter wird der Bestie Menschen schonungslos der Spiegel vorgehalten.
 
 
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Wieder nehmen Menschen die Rollen von Tieren ein und umgekehrt. Vollkommen dialoglos folgen wir einer Abfolge von Szenen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Darin sehen wir, wie Tiere sich den Menschen überlegen fühlen und sichtlich Spaß daran haben, diese Übermacht für eigene Zwecke zu missbrauchen. Da müssen Menschen das Fleisch der eigenen Artgenossen verspeisen oder sich gegenseitig abschlachten, während Tiere dabei zusehen und Wetten abschließen. Doch damit nicht genug. Im Mastbetrieb wird mit der Angst der menschlichen Opfer gespielt. Diese geraten in Todesangst, weil sie mit zusehen müssen, wie eigene Artgenossen für die Fleischverarbeitung umgebracht werden. Einer Frau gelingt die Flucht. Diese wird von den tierischen Besitzern eingefangen, beruhigt und anschließend im Zustand des Vertrauens hinterrücks getötet. Ein krankes Unterfangen, das ein allgegenwärtiges unangenehmes Bauchgefühl verursacht, weil die menschlichen Opfer in den diversen Situationen der Übermacht Tier hilflos ausgeliefert sind.
 
 
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Doch ziehen wir Parallelen zur Realität und korrigieren die Rollen. Die Botschaft, welche ANONYMOUS ANIMALS vermittelt ist ernst. So haben wir längst vergessen, dass es sich bei Tieren immer noch um empfindungsfähige Lebewesen handelt, die auch Rechte haben. Die leiden zu Millionen in Tierversuchen, in der industriellen Landwirtschaft, in Schlachthöfen, Zuchtbetrieben, Zoos, Zirkussen, bei der Jagd und als artwidrig gehaltene „Haustiere“. Genau das gibt ANONYMOUS ANIMALS zu verstehen, in dem er einfach Menschen in jene Situationen bringt, in die tagtäglich ahnungslose Tiere unfreiwillig hineingeraten. Regisseur BAPTISTE ROUVEURE verdeutlich eindringlich, welche Ängste und Höllenqualen Tiere durchleben müssen – ungeschönt und krass. Das macht ANONYMOUS ANIMALS zu einem traurigen aber auch erschütternden Kinoerlebnis, das noch lange nachwirkt.
 
 
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ANONYMOUS ANIMALS – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Erschütternd, schockierend und traurig. ANONYMOUS ANIMALS ist ein Weckruf und gleichzeitig Schlag in die Magengrube. Der experimentelle Film mit dem doppeldeutigen Titel bringt Menschen in gleiche Situationen, in die tagtäglich Tiere unfreiwillig hineingeraten und so ihrem Schicksal schutzlos ausgeliefert sind. Der Mensch als Bestie und dominantes Überwesen wird hier einmal mehr an den Pranger gestellt. An dem wird kein gutes Haar gelassen, weil er weder Grenzen, Respekt noch Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen kennt. Die Idee hinter ANONYMOUS ANIMALS geht auf Erlebnisse aus der Kindheit von Regisseur BAPTISTE ROUVEURE zurück. Der erklärte der Presse, dass er behutsam auf dem Land aufwuchs und dort Zeuge des schicksalhaften Einflusses des Menschen auf Tiere durch Ausbeutung und Jagd wurde. Diese manchmal blutigen, makabren und grausamen Bilder entwickelten im Laufe der Zeit ein starkes Einfühlungsvermögen für Tiere. Letzteres führte dazu, dass sich der französische Filmemacher die Frage stellte, welchen Platz Tiere überhaupt in unserer Gesellschaft einnehmen. Die Erkenntnis ist bitter, denn das filmische Ergebnis ist kontrovers und regt zum Denken an. Somit hat Rouveure wohl das erreicht, was er erreichen wollte. Für ein Langfilmdebüt beachtlich!
 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Zensur

 
 
 
Anders als der thematisch ähnliche THE FARM hält ANONYMOUS ANIMALS von zu extremen Gewaltmomenten Abstand. Dennoch wirkt Gezeigtes hart und verstörend. Sollte der Film in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Film in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

ANONYMOUS ANIMALS – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Anonymous Animals Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Farm (2018)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Caged (2010)
 

Filmkritik: „Darling“ (2015)

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DARLING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Lauren Ashley Carter) bezieht ein Apartment irgendwo mitten in New York City und soll als Hausmeisterin für ein paar Tage auf die bezogene Wohnung achtgeben. Leider erlebt sie darin unvorstellbares Grauen.

 
 
 


 
 
 

DARLING – Kritik

 
 
 
Immer wieder interessant zu beobachten, welchen Weg Horror-Regisseure gehen. Da gibt es die, die der eingeschlagenen Richtung treu bleiben und stets ähnlich gestrickte Schocker drehen, mit denen sie im Horrorfilmgeschäft Fuß gefasst haben. Andere probieren sich wiederum aus und experimentieren mit Stilen und Genres. Zu Gruppe 2 gehört MICKEY KEATING. Dessen Streifen entwickeln sich so langsam zu Geheimtipps, denn seit dem Okkultismus-Thriller RITUAL ist das, was der Regisseur hervorbringt, immer überraschend durchdacht und sorgfältig inszeniert. Nach POD, einem spannenden Ausflug ins Mystery-Fach, verblüfft der ambitionierte Filmemacher mit seiner Neugier für klassisches Grauen, das er in DARLING virtuos – nahezu kunstvoll – auf die Kinoleinwand transferiert. Hierzu knipst er die Farben aus und schaltet den Schwarz-Weiß-Filter an. So fühlt sich das Publikum in eine Zeit versetzt, als noch die Macht der Imagination für schlaflose Nächte gesorgt hat. Keating macht die Furcht vor dem Nichtgreifbaren in DARLING zum Thema und verbeugt sich damit ehrfürchtig vor den Werken des französisch-polnischen Meisterregisseurs ROMAN POLANSKI. Der konnte sich bereits in den 1960ern mit drei Kultfilmen, die man heute manchmal als „Mieter-Trilogie“ zusammenfasst (EKEL, ROSEMARIES BABY, DER MIETER) einen Namen machen und lies brillant nagendstes Grauen in den Köpfen seiner Zuschauer entstehen. Die gleiche Richtung schlägt auch Regisseur MICKEY KEATING ein. Er tritt in die Fußstapfen des Altmeisters und kreiert mit DARLING psychologischen Horror, der sich langsam, dafür aber umso intensiver seinen Weg durch die Köpfe des Publikums frisst.
 
 
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Wie in genannten Werken von ROMAN POLANSKI wird auch in DARLING eine Wohnung zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Hier bezieht eine Mittzwanzigerin (LAUREN ASHLEY CARTER aus JUG FACE und THE WOMAN) das älteste Apartment New Yorks auf Zeit. Dort soll sich Tragisches ereignet haben. Eine junge Frau hat sich darin einst das Leben genommen. Doch das schreckt die neue Mieterin nicht ab, die als Hausmeisterin auf die riesige Wohnung achtgeben soll. Weitaus mehr Magenschmerzen bereitet ihr eine verschlossene Tür im oberen Stockwerk. Die soll auf Anraten der Wohnungseigentümerin bitte auch verschlossen bleiben, was Neugier aber auch Unwohlsein auf den Plan ruft. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür und warum darf das mysteriöse Zimmer nicht betreten werden? Viel Zeit für die Suche nach Antworten bleibt nicht, denn die junge Frau wird bald von schrecklichen Visionen heimgesucht und hört seltsame Stimmen. Erfahrene Horrorfans ahnen, dass das nur Vorboten sind, die ein schreckliches Ende einläuten werden. So ist es auch, denn offenbar scheint die Hauptprotagonistin im Film ihren Verstand zu verlieren und wird zu grausamen Taten angestiftet. Interessanterweise wird die Auflösung nicht auf dem Silbertablett serviert. Regisseur MICKEY KEATING hat das Drehbuch zu DARLING so clever konzipiert, dass mehrere Erklärungen Sinn machen. Hat sich hier ein Geist dem Körper einer jungen Frau bemächtigt, der Rache für unmenschliche Schandtaten fordert? Entpuppt sich das Haus als Pforte zur Hölle, in dem okkulte Rituale gehalten werden, um der Menschheit zu schaden? Oder ist in DARLING eine labile Mieterin nicht mehr Herr der eigenen Sinne, weil sie sich einsam fühlt und Hass gegenüber Männern hegt? Die Interpretationsfähigkeit des Publikums ist gefragt.
 
 
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Es müssen nicht immer laute Gruselschocker sein, die sich durch möglichst realistische Ekel- und Spezialeffekte versuchen gegenseitig den Rang abzulaufen. Manchmal können auch dezent und zurückhaltend eingesetzte Schauer ziemlich viel Unbehagen auslösen, was in DARLING gut funktioniert – gerade auch deshalb, weil sich der Film auf das Wesentliche konzentriert und versucht mit simpler Methodik Grauen heraufzubeschwören. Statt sich mit einfältiger Effekthascherei über Wasser zu halten, entsteht in DARLING Horror auf subtile Weise. Regisseur MICKEY KEATING spielt mit den Möglichkeiten von Kamera, Ausleuchtung, Akustik und Schnitten. Die dabei verursachte, gespenstige Atmosphäre ist beachtlich, was DARLING zu einem ganz speziellen Gruselerlebnis für anspruchsvolle Kinogänger macht, die sich nicht mit trivialer Angstmacherei abspeisen lassen möchten, sondern auch im Genrefilm das Besondere suchen. DARLING ist ein ungewöhnliches Gruselerlebnis, das Konventionen strotzt und fast schon die Grenzen zum Arthaus-Kino streift. Die Kulisse ist puristisch gehalten und reduziert sich auf weiße Gänge und spartanisch eingerichtete Räume. Mittendrin LAREN ASHLEY CARTER, die den Zuschauer mit großen Augen durch ein morbides Szenario führt und den gesamten Film fast ganz allein auf den schmalen Schultern tragen muss. Gesprochen wird kaum. Stattdessen beobachtet die Kamera akribisch den psychischen Verfall einer Frau, die von unheimlichen Stimmen geleitet zu einer unfassbaren Tat angestiftet wird. Dabei durchlebt die Leidgeplagte eine sonderbare Verwandlung. Macher MICKEY KEATING bewirkt, dass anfängliche Sympathien für die verängstige Frau in blankes Entsetzen und Abscheu umschlägt. Hinzukommt, dass durch ausgeklügeltes Spiel von Licht und Schatten sowie abrupt ablaufender Szenenabfolgen eine Stimmung ständiger Angst und Unbehagens bewirkt wird. Die beunruhigenden Filmelemente drängen DARLING vom Horror ins Psychofach und lassen den Film virtuos auf den Spuren des Polanski-Klassikers EKEL wandeln, der ziemliche viele Parallelen im Inszenierungsstil und den Erzählmechanismen vorzuweisen hat.
 
 
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DARLING ist kein Genrefilm fürs breite Publikum. Den meisten Zuschauern dürfte die Geschichte wegen der langen Kameraeinstellungen doch etwas zu gemächlich über die Mattscheibe flimmern. Zudem fühlt sich der behäbige und eigenwillige Inszenierungsstil an, als wäre man im Horrorkino der späten 1960ern gefangen. Was sich für die meisten Horrorfreunde befremdlich und nicht gerade zeitgemäß anfühlt, ist aber die eigentliche Quintessenz dieses außergewöhnlichen Filmexperiments. Das orientiert sich bewusst an längst vergangene Zeiten und lässt eine Epoche aufleben, in der mit NIGHT OF THE LIVING DEAD, PSYCHO oder BIS DAS BLUT GEFRIERT wichtige Wegbereiter moderner Horrorware entstanden sind. Wer Filme fernab gängiger Horror-Formate bevorzugt, sollte sich daher dieses klaustrophobische, beängstigende und ungemütliche Stück Psycho-Horror nicht entgehen lassen. Auch wenn DARLING versucht so jedem Horrorklischee aus dem Weg zu gehen ist er vielleicht auch gerade deswegen einen Blick wert. Von FILMCHECKER gibt es daher einen Empfehlung.
 
 
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DARLING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigend inszenierter Psycho-Horror in mehreren Akten, der auf den Pfaden von Polanskis Mieter-Trilogie wandelt und sich an Zuschauer richtet, die eine Vorliebe für Horror-Kopfkino besitzen. Dort spielt sich nämlich das meiste Grauen in DARLING ab, denn wie in den guten alten Zeiten entsteht der Horror hier vornehmlich im Kopf des Publikums. Regisseur MICKEY KEATING macht von klassischer Angstmacherei Gebrauch. Der Film sieht aus, als wäre er in den 1960ern entstanden und nutzt zudem klassische Stilmittel wie schnelle Bildabfolgen, permanentes Flüstern und abrupte Geräusche um Unbehagen zu bewirken. Laut Keating wurde der Film in nur zwölf Tagen fertiggestellt und in einem Haus von Freunden der Hauptdarstellerin LAREN ASHLEY CARTER im Zentrum von New York City gedreht. Entstanden ist ein außergewöhnliches und doppeldeutiges Filmexperiment, das sich konsequent gegen die vordiktierten Konventionen aktueller Horrorware lehnt. Ein mutiger Schritt den Filmemacher MICKEY KEATING da wagt, der in Interviews immer wieder zu verstehen gibt, dass er sich nicht festlegen lassen will, sondern als ernstzunehmender Regisseur ausprobieren möchte. Vergleicht man DARLING mit Keatings bisherigen Arbeiten bestätigt sich dessen Aussage. Alle Filme des Machers sind so unterschiedlich, dass man gespannt sein darf, was als nächstes folgen wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass nach RITUAL, POD und DARLING ein weiterer Geheimtipp auf uns zukommen wird, denn genannte Horrorstreifen zeigen eindrucksvoll, worauf es im Horrorgenre ankommt.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Zensur

 
 
 
DARLING ist mehr Psychothriller als Horrorfilm. Das Grauen wird dabei in erster Linie durch Stilelemente wie Licht- und Schattenspiel oder konfuse Schnitte bewirkt. Gegen Ende wird dann ein klein wenig gesplattert und das sogar in schwarz/weiß. Die Kamera hält zwar drauf, aber durch schnelle Schnitte lässt sich letztendlich nur erahnen, was da vor der Linse passiert. Das ist Kopfkino. Interessanterweise gab es dafür von der FSK eine Erwachsenenfreigabe. Auf dem Heimkinocover ist deshalb der rote FSK-Flatschen zu sehen.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Darling; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p) | @23,976 Hz | schwarz-weiss

Laufzeit: ca. 78 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.09.2017

 

Darling [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DARLING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House on Pine Street (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Der Mieter (1976)
 
Ekel (1965)
 

Filmkritik: „Flowers“ (2015)

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FLOWERS

Story

 
 
 
Ein experimenteller Bilderrausch! Sechs Frauen erwachen in sechs Räumen – miteinander durch das Schicksal verbunden. Auf der Suche nach Antworten werden sie nicht nur mit den eigenen Ängsten konfrontiert, sondern durchleben zudem Stunden voller Qualen.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Kritik

 
 
 
Einige Jahrzehnte sind mittlerweile ins Land verstrichen, seit Underground-Horror aus Deutschland Erwachsenenabteilungen hiesiger Videotheken unsicher gemacht und pseudokünstlerische Ekelperlen wie NEKROMANTIK oder Amateur-Schlaftabletten aus der Schmiede eines unerfahrenen OLAF ITTENBACH hervorgebracht hat. Momentan erlebt diese deutsche Filmnische mit GERMAN ANGST ein kleines Revival und auch im Ausland brodelt es im Untergrund gewaltig. FLOWERS ist eines dieser obskuren Filmchen, das nicht für den Massengeschmack gemacht wurde und aus Zeiten stammen könnte, als JÖRG BUTTGEREIT mit seiner gefeierten Leichenfledderei weit über die Landegrenzen hinaus für Brechreiz sorgte. Der Amerikaner PHIL STEVENS zeichnet für den künstlerischen Ekeltrip verantwortlich und hat mit knapp 20.000 Dollar eine surreale Bilderflut inszeniert, die er selbst lobpreisend in die Kategorie des Arthaus-Horrors einordnet. Nun ja, reichlich Phantasie wird während der Sichtung von FLOWERS vorausgesetzt, folgt doch der Film keinem linearen Handlungsfaden und lässt stattdessen mehrdeutige Bilder für sich sprechen. Jedermanns Sache ist das höchstwahrscheinlich nicht.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor PHIL STEVENS berichtet in seinem experimentellen Horrorstück von sechs Frauen, die eines Tages im Zimmer eines Hauses erwachen und feststellen müssen, dass sie nicht mehr unter den Lebenden weilen. Gefangen in einer Art Fegefeuer durchleben die sechs „Blumen“ quälende Stunden voller Angst, krabbeln durch Innereien und verspeisen verdorbene Lebensmittel. Auf ihrer Suche nach Erlösung finden sie Hinweise aus ihren früheren Leben und erfahren die Gründe, die zu ihrem Ableben geführt haben. Weil FLOWERS nun mal im Horror angesiedelt ist dürfte klar sein, dass die Todesursachen eher drastischer Natur gewesen sein müssen, schließlich beeindruckt man mit Krebstot und Herzinfarkt keinen Horrorfan.
 
 
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Die Idee zum klaustrophobischen Experimental-Horror kam STEVENS während einer Sinnkrise vor mehreren Jahren. Nichts bereitete ihm mehr Freude und er fühlte sich uninspiriert, um neue Projekte in Angriff zu nehmen. Da kam ihm der Geistesblitz von mehreren Kurzgeschichten in den Sinn, die in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen und durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden sollten. Schnell entstand das Drehbuch zu FLOWERS, in dem nun mehrere Räume das Fundament bilden, in denen sich STEVENS künstlerisch austoben konnte. Schenkt man den Aussagen des Filmemachers Glauben, ist er ein Gegner des gesprochenen Wortes. Er bevorzugt es visuell und versucht in seinem Kunstwerk daher gänzlich auf Dialog zu verzichten. Demzufolge vertraute er vollends auf das Improvisationsgeschick und den schauspielerischen Fähigkeiten seiner Hauptdarstellerinnen. Die bringen Gefühle ausschließlich mit Händen, Füßen, Mimik und Gestik zum Ausdruck damit sich der Zuschauer ein mitfühlendes Bild ihrer Qualen machen kann.
 
 
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Aber auch akustisch wird Freunden beklemmenden Filmgedudels einiges geboten. Die bedrohliche Soundkulisse ist allgegenwärtig und bewirkt nicht nur ein permanent flaues Gefühl in der Magengegend, sondern unterstreicht den kränklich und surreal anmutenden Filmlook dieses auf Fäulnis getrimmten Fiebertraums. Bei all den im Film gezeigten Kadaverbergen und Tierorganexzessen kann man nur froh darüber sein, dass es immer noch kein Geruchsfernsehen gibt. STEVENS treibt seine Protagonistinnen durch faulige Erde, modriges Wasser und Berge von menschlichen Plastikgliedern. Die Suche nach Antworten schaut nicht sonderlich appetitlich aus und macht aus dem surrealen Kunst-Horror eher leidlich spannendes Kotzkino mit pseudointellektuellem Anspruch. Immerhin zeigt FLOWERS mal wieder, dass man auch mit wenig Geld ungemütliche Atmosphäre bewirken kann. Hier wächst dieses eigensinnige Filmexperiment zu eigentlicher Stärke heran. Schade nur, dass viele der ungeschönten Bilder durch Leerlauf an Intensität einbüßen. Dieses Kunstmachwerk hat mit reichlich Längen zu kämpfen, die den Filmgenuss trüben. So richtet sich FLOWERS wohl ausschließlich an ein kunsterprobtes Publikum, das in Horrorfilmen – ob vorhanden oder nicht – nach Anspruch sucht. Wer stattdessen ein Gore-Fest erwartet, wird schnell enttäuscht werden. Auch wenn damit im Trailer geworben wird hält man im Film von selbstzweckhafter Gewalt Abstand.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Verstörend beklemmender Arthaus-Horror mit Ekelgarantie – für Zuschauer mit Reizmägen definitiv ungeeignet. FLOWERS setzt da an, wo Underground-Filme wie NEKROMANTIK oder SUBCONSCIOUS CRUELTY vor mehr als einem Jahrzehnt in der Horror-Szene für Furore gesorgt haben. Regisseur PHIL STEVENS macht es den genannten Filmwerken gleich und mixt Horror mit Kunst, um mit Anspruch Albträume zu bescheren. Das ist nur bedingt gelungen, denn sein FLOWERS hat das, was weit schlimmer ist, als eine Woche schlaflose Nächte: quälende Langeweile. Der Film lebt ausschließlich von seiner unheilvollen Bilderflut und lässt so reichlich Interpretationsspielraum offen. Eine richtige Handlung gibt es nicht – Dialoge ebenso wenig. Stattdessen quält sich der Zuschauer durch ein pseudointellektuelles Untergrundfilmchen, das zwar mit experimentellem Erzählstil Neues zu bieten, aber gleichzeitig unter erheblichen Längen zu leiden hat. Trotz Matsch und Ekel ist FLOWERS ein spezieller Film, der sich rein gar nicht an die Hardcore-Fraktion richtet. Die dürfte aufgrund des gemächlichen Erzähltempos ohnehin nach wenigen Minuten die Nase voll haben und abschalten. Wer nicht genug von oben genannten Filmen bekommen kann ist hier richtig, denn für ausschließlich jene ist FLOWERS gemacht.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Zensur

 
 
 
FLOWERS ist kein Gewaltepos. Hier werden rein gar keine Menschen vor der Kamera umgebracht. Die Protagonisten befinden sich teils allein in finsteren Räumen wieder und erkunden in langsamen Schritten die Umgebung. Dabei stoßen sie auf Skelette, wühlen in Organen oder essen Erde. Die Atmosphäre ist dennoch verstörend, trotzdem vermuten wir eine Freigabe ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

FLOWERS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

Alle Grafiken dieser Review stammen von der FB-Seite zum Film.

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Subconscious Cruelty (2000)
 
The Bunny Game (2010)