Filmkritik: „Blutrache – Blood Hunt“ (2017)

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BLUTRACHE – BLOOD HUNT

(BLOOD HUNT)

Story

 
 
 

Ein junges Paar gerät an vier Hinterwäldler, in deren Entwicklung offenbar etwas schiefgelaufen ist. Die haben Spaß daran ahnungslose Stadtmenschen zu entführen und sich irgendwo am Hintern der Welt an ihnen zu vergehen. Rape-and-Revenge-Horror vom Feinsten.

 
 
 


 
 
 

BLUTRACHE – Kritik

 
 
 
Manche Filmthemen sind einfach nicht totzukriegen und kommen deshalb wieder und wieder. Das kann einerseits daran liegen, weil sie ohne viel Aufwand auf Zelluloid gebannt werden können und sich damit leicht Geld verdienen lässt. Andererseits gibt es mittlerweile Filmstoff, der so beliebt ist, dass man schlichtweg damit beschäftigt ist der hohen Nachfragen nach den immer wieder gleichen Filmen Herr zu werden. Beide Thesen könnten vermutlich auch für den folgenden Streifen gelten. Der spult im Grunde genommen ab, was man schon bis zum Erbrechen gesehen hat. Dennoch ist die Gier nach solchen Filmen vor allem unter Fans deftiger Hausmannskost groß. Viele derer erleben Glücksmomente, wenn im Horrorfilm Anarchie regiert. Daher erleben vor allem Rachefilme seit einigen Jahren ein Comeback, die schon in den 1970er und 1980er Jahren Hochkonjunktur feierten. Ebenso im Rache-Genre beheimatet ist der australische BLUTRACHE – BLOOD HUNT, der sich im Original schlicht BLOOD HUNT schimpft. Hier geht es nicht zimperlich zu – wie der kontroverse Prolog im Film zu verstehen gibt. Der zeigt die Vergewaltigung eines Opfers in der Egoperspektive. Was danach kommt ist nicht minder schockierend. Rache-Thriller wie THE LAST HOUSE ON THE LEFT und I SPIT ON YOUR GRAVE lassen grüßen.
 
 
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In BLOOD HUNT erlebt ein junges Paar die Hölle auf Erden. Das wollte eigentlich Beziehungsprobleme in den Griff bekommen, gerät aber schon bald in die Fänge des personifizierten Bösen. An einer Tankstelle machen Dean (DEAN KIRKRIGHT) und Claire (KAHLI WILLIAMS) Bekanntschaft mit einem unheimlichen Zeitgenossen, der aggressives Verhalten an den Tag legt. Doch man kann der Bedrohung in letzter Minute entkommen – zumindest vorerst. Kaum vom ersten Schreck erholt, folgt der Zweite. Das Auto macht unterwegs schlapp und man wartet auf Hilfe. Die kommt auch bald in Form des Sensenmannes. Der Psychopath von der Tankstelle macht nämlich mit seinen Freunden Halt. Die verschleppen das Paar und erteilen eine Lektion in Sachen Terror. Was folgt, sollten ungeübte Zuschauer besser meiden. Die vier Hinterwäldler missbrauchen, foltern und demütigen ihre Opfer. Um die Grausamkeiten ertragen zu können, braucht man schon Nerven wie Drahtseile. Das Leben ist eben nun mal kein Ponyhof.
 
 
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Vom Demütigen und Rächen – Horrorfilmthemen, die offenbar nie aus der Mode kommen. Auch wenn bereits zuvor viele ähnlich gelagerte Filme polarisiert haben und erfahrene Zuschauer mittlerweile abgehärtet sein dürften, lässt BLOOD HUNT nicht kalt. Was hier gezeigt wird, ist nicht minder hart anzuschauen. Regisseur SAM CURTAIN ist noch unerfahren im Filmedrehen. Dennoch zeugt das Langfilmdebüt von Geschick im Schockieren. Der Newcomer scheint viele Werke der Herren Craven, Peckinpah und Zarchi genau analysiert zu haben. Auch in deren Streifen mussten ahnungslose Protagonisten Unmenschliches über sich ergehen lassen und haben anschließend rot gesehen. Weil zweifelhafter Ablauf damals schon gut ankam, verfolgt SAM CURTAIN ähnliches Konzept und schaut weder nach links oder rechts. Überraschenderweise kommt trotz bekanntem Ablauf kaum Langeweile auf. BLOOD HUNT wurde schnörkellos inszeniert und besitzt mit seinen 76 Minuten kaum Längen. Der Film überzeugt mit ungeschliffenem Digitallook und erinnert dadurch irgendwie an Amateurware. Doch keine Panik. Die semiprofessionelle Optik stört zu keiner Minute und lässt das Treiben kruder erscheinen. Dank ungeschönter Bilderflut und pulsierender Soundkulisse, wird schnell ein Gefühl permanenten Unbehagens heraufbeschworen. Das zieht sich durch den gesamten Film und sorgt so für schnellen Herzschlag. Handgemachten Spezialeffekte tun da ihr Übriges. Die dürften in ihrer blutigen Zurschaustellung nicht jedermanns Sache sein und hinterlassen ein flaues Gefühl in der Magengegend. BLOOD HUNT ist definitiv kein Schnellschuss. Dazu ist der bewusst auf unprofessionell getrimmte Racheschocker zu professionell geraten. Weil der erste Langfilm durchaus (grausame) Höhepunkte besitzt, darf man gespannt sein was Regie-Neuling SAM CURTAIN noch an heftigen Gewalt-Epen auf die Fanbase loslassen wird. Der erste Ausflug ins Horrorfach zumindest kann sich sehen lassen – insofern man so etwas denn sehen will und überhaupt ertragen kann.
 
 
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BLUTRACHE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Heftiger Tobak. Ein weiteres Quälfilmchen über die Unberechenbarkeit von Bestie Mensch. BLUTRACHE – BLOOD HUNT (OT: BLOOD HUNT) läuft nach gleichem Schema ab, das bereits Streifen wie THE LAST HOUSE ON THE LEFT und I SPIT ON YOUR GRAVE zum Erfolg verholfen hat. Neuerungen gibt es kaum, dafür jede Menge unmenschlicher Bilder, die Gewaltfans Freudentränen bescheren werden. BLOOD HUNT zeigt Exploitation in Reinform. Es werden Menschen gedemütigt, vergewaltigt und gerächt. Einfache Zutaten, die BLOOD HUNT über Wasser halten. Erfreulicherweise funktioniert der Mix aus Schandtaten, Quälstimmung und Geschrei recht gut. Der Rachestreifen besitzt ungemütliche Terrorstimmung und rasante Verfolgungsjagden. Schnelligkeit spielt hier überhaupt eine tragende Rolle. Macher SAM CURTAIN hakt im Eiltempo ab. Das lässt kaum Längen entstehen, weshalb die oberflächliche und eindimensionale Charakterisierung gar nicht so schwer ins Gewicht fällt. Die ist in dieser Art von Streifen aber nicht sonderlich wichtig. BLOOD HUNT ist einer der besseren Rachefilme. Wer auf diese Art von Horror steht, kann gern einen Blick riskieren ohne gleich enttäuscht zu werden.
 
 
 


 
 
 

BLUTRACHE – Zensur

 
 
 
Die FSK hat bekanntermaßen große Probleme mit Filmen, in denen skrupellos gerächt, vergewaltigt und gemordet wird. Das ist auch in BLUTRACHE – BLOOD HUNT (Originaltitel: BLOOD HUNT) nicht anders. Ein Mann wird aufgehängt und als menschlicher Boxsack missbraucht. Ein anderer auf ebensolche Weise gefoltert und aufgeschlitzt, so dass er ausblutet. Weiterhin wird ein Kopf von einer Autotür zermatscht und die obligatorische Vergewaltigung fehlt natürlich auch nicht. Das Gewaltspektakel wird mit Schuss- und Stichverletzungen abgerundet. BLOOD HUNT hat in Deutschland keine ungeschnittene Freigabe erhalten. Das Label INDEED FILM musste eine gekürzte Fassung bei der FSK einreichen um eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten zu können. Eine ungeschnittene deutsche Veröffentlichung wurde über das deutschsprachige Ausland im Mediabook veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

BLUTRACHE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Indeed Film (Blu-ray im KeepCase – geschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Hunt; Australien 2017

Genre: Horror, Thriller, Crime

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 76 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Interviews, Behind the Scenes, Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: 20.07.2018

 

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BLUTRACHE – Deutsche Blu-ray im Mediabook

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blood Hund; Australien 2017

Genre: Horror, Thriller, Crime

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: nicht geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook in vier verschiedenen Ausführungen

Extras: Mehrseitiges Booklet, Making the Beast, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, DVD auf der noch einmal der Film enthalten ist.

Release-Termin: 30.10.2018

 

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BLUTRACHE – Mediabook

 
 
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BLUTRACHE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Abbildungen liegen bei INDEED FILM | ILLUSIONS UNLIMITED)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on Your Grave (2010)
 
I Spit on Your Grave (1978)
 
I Spit on Your Grave 2 (2013)
 
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Filmkritik: „Hidden in the Woods“ (2012)

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HIDDEN IN THE WOODS

(EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD)

Story

 
 
 
Nach dem Mord an ihrer Mutter gehen zwei Schwestern durch die Hölle. Die Hölle der Erniedrigung, Misshandlung, Vergewaltigung durch den eigenen Vater. Als das Familienoberhaupt schließlich im Gefängnis landet, nutzen die Mädchen die Gunst der Stunde und flüchten in die Freiheit …
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
„Tief in den Wäldern hört dich niemand schreien“ … ein treffender Untertitel, der das Heimkino-Cover des vorliegenden Schmuddelfilms mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS sichtlich aufgewertet hätte. Auch in Chile ist man auf den Geschmack von grausamen Rape’n Revenge-Thrillern gekommen – jenes Sub-Genre, das es zumindest hier in Deutschland bei der FSK nicht gerade leicht hat. Betrachtet man die Entwicklung dieser Filmgattung in den letzten Jahren genauer, ist das aber auch kein Wunder. Mittlerweile ist es unter den Regisseuren dieser Streifen zum Sport geworden, sich in punkto Grausamkeit übertreffen zu wollen. Dabei kennt die Kreativität der Drehbuchautoren keine Grenzen, die sich immer kränkere Methoden einfallen lassen, um ihre meist weiblichen Heldinnen noch menschenverachtender zu quälen und zu demütigen. Der zweifelhafte Höhepunkt jener Art von Filmen wurde bereits im Jahr 2013 erreicht, als sich STEVEN R. MONROE mit seinem I SPIT ON YOUR GRAVE 2 ein Denkmal in Sachen Frauengewalt setzte und einen Rachestreifen inszenierte, der alle bis dato gedrehten Rape’n Revenge-Arbeiten in den Schatten stellte. Hierzulande verstand man mit der überflüssigen Gewaltorgie keinen Spaß – I SPIT ON YOUR GRAVE 2 erlitt das gleiche Schicksal, wie manch ähnlicher Film zuvor: Er wurde eingezogen und auf den Index gesetzt. Der chilenische Filmemacher PATRICIO VALLADARES führt mit seinem HIDDEN IN THE WOODS die traurige Saga sinnloser Gewalt gegen wehrlose Frauen fort und tut es dem Spanier ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO gleich. Letzterer brachte Jahre vor seinem gelobten HERE COMES THE DEVIL einen ebenso schmuddeligen Gewalt-Mix in die Wohnzimmer, der es unter dem Titel I’LL NEVER DIE ALONE (wenn auch in zerschnippelter Form) sogar in deutsche Händlerregal brachte.
 
Von der Machart her ist HIDDEN IN THE WOODS besagtem I’LL NEVER DIE ALONE nicht unähnlich, denn auch in diesem trivialen Machwerk bekommt der Zuschauer alle Checkpunkte gängiger Exploitation-Kunst aufgetischt, ohne die Stoffe wie die berüchtigte I SPIT ON YOUR GRAVE-Reihe wohl niemals den Erfolg gehabt hätten, den sie heute unter Horror-Jüngern genießen. Unter der brennenden Sonne Südamerikas müssen hier abermals Frauen ums nackte Überleben kämpfen, die von ihren männlichen Filmkollegen auf Niederträchtigste durch die Filmhölle gejagt werden. Jahrzehnte der Emanzipation verlieren binnen weniger Minuten an Bedeutung, schließlich scheint die Nachfrage nach Filmen immer größer zu werden, in denen Frauen wie Vieh behandelt werden. Wie zu den Anfängen von Exploitation im Kino nutzt auch HIDDEN IN THE WOODS-Macher PATRICIO VALLADARES reißerische Themen, um sie dem Zuschauer in Kombination mit möglichst sadistischer Gewalt und kontroversen Sexszenen zu verkaufen. So finden neben grässlichen Vergewaltigungsszenen, eigentlich sensibel zu behandelnde Themen wie Kindesmissbrauch, Inzest und Kannibalismus Verwendung, die jedoch nur selten ernsthaft beleuchtet werden. Stattdessen bilden sie die Grundlage fragwürdigen Treibens, das ohnehin nur darauf hinausläuft, möglichst viel Leid und Lebenssaft auf der Mattscheibe zeigen zu können.
 
In HIDDEN IN THE WOODS begleitet der Zuschauer Ana und Anny – zwei traumatisierte Frauen, die allein mit ihrem Vater irgendwo in den Wäldern Chiles leben und unter dem täglichen Terror des Familienoberhauptes zu leiden haben. Der bunkert auf seinem Grundstück nämlich nicht nur Drogen des heimtückischen Drogenbarons „Onkel Costello“, sondern vergeht sich nach dem Mord an der eigenen Frau hin und wieder an seinen beiden Schützlingen. Als die älteste Tochter Ana nach jahrelanger Inzucht schwanger wird, sperrt der Vater den Säugling in eine dunkle Kammer und beginnt ihn mit rohem Fleisch zu füttern. Jahre später tauchen zwei Polizeibeamte auf, die durch Zufall auf das missgestaltete Kind Manuel stoßen. Bevor sie jedoch das gesetzeswidrige Treiben unterbinden können, greift der Vater zur Kettensäge und macht mit den Polizisten kurzen Prozess. Die kaltblütige Tat hat schwerwiegende Konsequenzen, denn wenig später wartet das Gefängnis auf das hinterlistige Familienmitglied. Für die Mädchen die einzige Möglichkeit endlich der Terrorherrschaft des Vaters entkommen zu können. Leider ist die Welt nicht von Gefahren gefreit. Bald schon nimmt Drogenboss „Onkel Costello“ die Witterung der flüchtenden Töchter auf, schließlich fordert der die versteckten Drogen von den Mädchen zurück, die jedoch keinen blassen Schimmer haben, wo sie der Vater versteckt hat.
 
Günstige 90000 Dollar hat die Schmuddel-Orgie gekostet, die dem Exploitation-Genre so alle Ehre macht. In HIDDEN IN THE WOODS wird geschlagen, geschossen, geschändet und sogar Menschenfleisch gefressen, damit die Sensationsgier des Zuschauers befriedigt werden kann. Die Kamera hält das konfuse und an den Haaren herbeigezogene Treiben in ungeschönt-dreckigen Bildern ein, um die Authentizität bewahren zu können. PATRICIO VALLADARES hat sich wie so oft im Horror-Bereich von Geschichten inspirieren lassen, die das Leben im südamerikanischen Hinterland nun mal so schreibt. Dementsprechend darf der Hinweis im Opening nicht fehlen, der dem Zuschauer vorheuchelt, dass das Gezeigte auf wahre Begebenheiten zurückzuführen sei. Ob dem wirklich so gewesen ist, dürfte einmal mehr stark bezweifelt werden, denn mittlerweile gehört der „Alles total wahr“-Slogan zum Horrorfilm, wie das Kruzifix in die Kirche, weil sich mit pseudo-realem Hintergrund eigentlich immer besser Kasse machen lässt. Bei so viel Liebe zur Exploitation stellt sich natürlich die Frage, ob es dem Film gelingt unter Hobby-Sadisten überhaupt Laune zu verbreiten. Im Gegensatz zum Heiligen Folter-Gral I SPIT ON YOUR GRAVE (2010) und dessen Fortsetzung aus dem Jahre 2013 ist das Geschehen trotz aller Liebe zur Frauenverachtung weit entfernt von den perversen Phantasien eines STEVEN R. MONROE. Das mag vor allem an der etwas hölzernen Darbietung von Opfer und Täter liegen, die teilweise so unglaubwürdig agieren, weil mal wieder unbekannte und maximal leidlich talentierte Jungdarsteller gecastet wurden, die dazu auch noch einem unausgereiften Drehbuch folgen. Zudem verliert der Streifen immer wieder an Tempo, weil VALLADARES auf Krampf darum bestrebt ist, den Protagonisten seiner hanebüchenen Geschichte eine gekünstelte Charakterentwicklung einräumen zu wollen. Immerhin zieht der Regisseur in Momenten der Langeweile die Reißleine. Immer wenn HIDDEN IN THE WOODS mit Längen zu kämpfen hat, greift VALLADARES auf Exploitation zurück und lässt sein Treiben in Gewalt und Blut ersaufen. Zur Freude des Horrorfans ist die Kamera immer nah am Geschehen, damit der für die langen Wartezeiten mit grafischen Grausamkeiten entschädigt werden kann.
 
Groteskerweise stieß die eher mittelmäßige Gewaltgurke bei den Amerikanern auf große Aufmerksamkeit. In solchen Fällen ist es meist unvermeidbar, dass dem Original eine glattgebügelte Neuverfilmung nachgeschoben wird. Schauspieler, Produzent und Regisseur MICHAEL BIEHN (THE VICTIM) zeichnet in diesem Fall verantwortlich und hat das Remake unter gleichem Namen produziert, für das PATRICIO VALLADARES gleich noch einmal auf dem Regiestuhl platz nehmen durfte. Ob er sich verbessern konnte bleibt abzuwarten. Der große Wurf ist ihm mit seinem Original HIDDEN IN THE WOODS leider nicht gelungen. Denn: Ein paar kontroverse Szenen und eine handvoll Matscheffekte machen aus einem unglaubwürdig zusammengewürfelten Plot noch lange keinen guten Horrorfilm.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein grausamer Schocker, der stahlharte Nerven voraussetzt. Leider ist HIDDEN IN THE WOODS keine Sternstunde des schmuddeligen Exploitation-Kinos, das sich seit den 1960ern bis weit in die 80er hinein großer Beliebtheit erfreut hat und seit der Remake-Welle der letzten Jahren durch alles von RODRIGUEZ und TARANTINO bis hin zu Bodensatz wie I SPIT ON YOUR GRAVE wiederbelebt wurde. EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (so der Originaltitel) hat zwar alles zu bieten, was jene Art von Filmen so erfolgreich gemacht hat; Macher PATRICIO VALLADARES verliert aber zu oft die Geschichte und seine Heldinnen aus den Augen. Sie haben über weite Strecken schlichtweg nichts zu tun. Der Cocktail aus Inzuchtthematik, Kannibalismus, Gewalt und Sex ist teils arg wirr geraten und hat nicht selten mit ziemlichen Längen zu kämpfen. Vielleicht wäre es demnach besser gewesen, wenn sich VALLADARES auf nur ein Thema konzentriert hätte, statt seine Geschichte mit Kontroversem schlicht zu überfrachten. Immerhin findet er die Notbremse stets zur rechten Zeit. Immer dann, wenn es langweilig wird, gibt es Gewalt satt für alle Liebhaber frauenverachtender Filmware. Dass des Öfteren die Logik ausgeklammert wird, dürfte Fans jener Filme aber weniger stören. Die bekommen nämlich von der Vergewaltigung hin zu Motorsägen-Maniküre all das zu sehen, was in waschechtes Exploitation-Cinema nun einmal gehört: Gewalt als Mittel zum Selbstzweck.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Gerade weil HIDDEN IN THE WOODS den gängigen Exploitation-Regeln folgt und nicht zimperlich mit seinen Protagonisten zugange geht, hat der Streifen in Deutschland keine ungeschnittene Freigabe erhalten. Hier werden Frauen erniedrigt und misshandelt, Kannibalismus zelebriert und Körperteile vor der Kamera mittels Kettensäge abgetrennt. Demzufolge musste die Schere angesetzt werden, um die FSK besänftigen zu können. Die deutsche Fassung kann zwar erst von volljährigen Zuschauern erworben werden, ist aber geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; Chile 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Behind the Scenes, Deleted Scenes

Release-Termin: 23.06.2015

 

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HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für diese Kritik verwendeten Grafiken liegen bei MARITIM PICTURES

 
 
 
Ähnche Filme:
 
I Spit on your Grave 2 (2013)

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Eden Lake (2008)

The Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

I’ll never die alone (2008)

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