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Filmkritik: „Boarding School“ (2018)

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BOARDING SCHOOL

Story

 
 
 

Ein introvertierter Junge erlebt in einem sonderbaren Internat den blanken Horror.

 
 
 


 
 
 

BOARDING SCHOOL – Kritik

 
 
 
Wenn Jugendliche in düstere Internate geschickt werden, wissen alteingesessene Horrorfilmzuschauer mittlerweile, dass ihnen dort das Grausen erwarten wird. Meist schmieden nämlich in diesen Filmen boshafte Lehrkörper an furchtbaren Plänen. Die Schule ist schon lange kein Ort der Sicherheit mehr. Das Genre-Kino hat uns gelehrt, das gerade dort wo für die Zukunft gebüffelt werden soll, furchteinflößende Gestalten ihr Unwesen treiben. Ob es – wie in SUSPIRIA – Hexen sind, die ausgerechnet in einer Tanzschule ein Höllentor bewachen oder nur die Seelen verstorbener Künstler, die – wie in DOWN A DARK HALL – in die Körper ahnungsloser Mädchen schlüpfen wollen. Schulen sind schon lange nicht mehr das, was sie einmal waren. Umso mehr kann man es Schülern nicht übel nehmen, wenn die lieber schwänzen, statt in diesen Einrichtungen zu pauken. Albtraum Schule ist auch im Spielfilm BOARDING SCHOOL Programm. BOAZ YAKIN hat hier geschrieben und Regie geführt. Eigentlich ein talentierter Mann Hollywoods. Der steuerte nämlich das Drehbuch des Kultfilms DER PUNISHER mit Action-Legende DOLPH LUNDGREN bei und drehte so Thriller- und Actionzeugs wie GEGEN JEDE REGEL oder SAFE – TODSICHER. Umso mehr verwundert die Arbeit an BOARDING SCHOOL. Der Streifen ist im direkten Vergleich zu den bisherigen Arbeiten des Filmemachers eine ganz andere Hausnummer. Statt glattgebügelter Hochglanzware wird eine ungeschliffene Indie-Produktion aufgetischt. Eigentlich nichts Schlechtes – hätte doch BOARDING SCHOOL nicht so viele Ecken und Kanten, die dann schon wieder zu viel des Guten sind.
 
 
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Eigentlich ist Jacob nur ein introvertierter Junge, der sich mitten in der Pubertät befindet. Ein schwieriger Lebensabschnitt, der vor allem die Eltern vor große Herausforderungen stellt. Nachts wacht der Junge schweißgebadet auf, weil er von Albträumen geplagt wird. Für die Mutter keine einfache Zeit, die wegen der allnächtlichen Schreie des Jungen nicht mehr zum Schlafen kommt. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Jacob. Als die Großmutter ganz plötzlich dahinscheidet, wissen die Eltern nicht mehr weiter. Der Heranwachsende flüchtet sich nämlich in seine ganz eigene Welt, um schmerzhafte Schicksalsschläge verarbeiten zu können. Ein wesentlicher Grund, warum der Sonderling in ein Internat gesteckt wird. Dort soll er lernen, wieder auf den rechten Weg zu kommen. Leider machen die Schulleiter von ganz eigenen Methoden Gebrauch, um die Schüler zu disziplinieren. Statt Schulbüchern liegen hier Gottesbücher aus. Und auch bei der Züchtigung vertrauen Lehrer eher konservativen Methoden. Tatsachen, die die Jugendlichen bald hinterfragen werden, denn offenbar liegt mit dieser Privatschule einiges im Argen.
 
 
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Ein merkwürdiger Film, der in erste Linie aber nur wenig mit Horror am Hut hat. Genau genommen ist BOARDING SCHOOL im Thriller- und Drama-Fach beheimatet, obwohl selbst diese Kategorisierungen nur selten eindeutig bleiben. BOARDING SCHOOL handelt von Außenseitern, die in einer Schule nach dem Warum und sich selbst suchen. Warum sind sie hier? Weshalb benehmen sich Lehrer so sonderbar? Und warum werden in dieser Schule gerade einmal sieben Schüler unterrichtet? Die Antwort darauf lässt auf sich warten, denn Regisseur BOAZ YAKIN macht aus seiner Geschichte ein Geheimnis – wohl vermutlich auch, um so die Spannung voranzutreiben. Hin und wieder gelingt ihm das ganz gut, wobei lobenswerter auf Charakterentwicklung geachtet wurde. So erhalten die Jungschauspieler genug Zeit, um sich in ihren Rollen vertiefen zu können. Leider ist Erfahrungsmangel und Talent ein großes Problem. So wirken die erbrachten Schauspielleistungen mancherorts unbeholfen und hölzern – grenzen oft sogar an Overacting. Weil der Film fast ausschließlich von unerfahrenen Jungdarstellern getragen wird, mausert sich BOARDING SCHOOL mit fortlaufender Spielzeit zu einer anstrengenden Rätselraterei. Hier wird nämlich viel gequasselt, was vor allem durch die Unerfahrenheit der Darsteller zum Problem wird.
 
 
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Aber auch die Handlung hat mit Schwächen zu kämpfen. Hier werden viele Themen aufgegriffen, aber zu keinem befriedigenden Ende geführt. Regisseur BOAZ YAKIN scheint seine Handlung nicht unbedingt unter Kontrolle zu haben. Der wirft zahlreiche Einfälle in einen Topf und scheint es offenbar darauf anzulegen, was am Ende für eine sonderbare Mixtur auf dem Teller landet. Das Sprichwort „Friss oder Stirb“ trifft es auf den Kopf. Zu sehen gibt es eine Teen-Liebesgeschichte, blutige Morde, eine Suche nach der eigenen Identität, Naziflashbacks und düstere Geheimnisse. Eigentlich ein interessanter Cocktail, wäre das Gebräu nicht doch etwas unausgegoren, überladen und wirr. Demzufolge kein Film für den Massenmarkt, sondern für Leute, die sich gern auf sonderbare Experimente einlassen wollen. Aufgeschlossen muss man zweifelsohne sein, um BOARDING SCHOOL genießen zu können, denn dieser Film ist wie seine Helden: ein waschechter Außenseiter mit Problemen.
 
 
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BOARDING SCHOOL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der geschwätzige BOARDING SCHOOL ist mehr Drama statt Horror. Der Streifen thematisiert viele emotionale Themen. Darunter: elterliche Enttäuschung, Mobbing und die Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität. Als wäre das nicht schon Stoff für mehrere Filme wird der Streifen noch um Grusel- und Nazithematik erweitert. Doch dabei soll es nicht bleiben. Im Mittelpunkt steht eine Coming-of-Age-Geschichte, die um Horror-Elemente erweitert wurde. Zu viel des Guten, wie wir meinen, denn BOARDING SCHOOL entpuppt sich unterm Strich als wirrer und teils unausgegorener Grusel-, Thriller- und Dramen-Mix welcher derart viele Gedanken und Ideen enthält, dass es nicht wundern würde, wenn man den Faden verliert. BOARDING SCHOOL ist keine einfache Kost und vor allem nichts für den Otto-Normal-Zuschauer. Kann man schauen, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

BOARDING SCHOOL – Zensur

 
 
 
Gewalt ist in BOARDING SCHOOL rar gesät. Meist bekommt man nur das Ergebnis eines Mordes zu sehen. Demzufolge ist dieser Film nichts für jene, denen es nicht blutrünstig genug vor der Linse zugehen kann. CAPELIGHT PICTURES hat sich die Rechte zum Film gesichert und dürfte für den Streifen problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BOARDING SCHOOL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen: Momentum Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Down a Dark Hall (2018)
 
Final Hour (1995)
 
Detention – Nachsitzen kann tödlich sein (2011)
 
The Moth Diaries (2010)
 
Das Mädcheninternat – Deine Schreie wird niemand hören (2001)
 
Der Fluch von Hellestad (2004)
 
Suspiria (1977)
 
 
Suspiria (2018)

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Filmkritik: „Our House“ (2018)

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OUR HOUSE

Story

 
 
 

In dieser kanadisch-deutschen Coproduktion öffnen drei Geschwister mit einer selbstgebauten Maschine versehentlich das Tor zu Geisterwelt und richten damit erheblichen Schaden an.

 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Kritik

 
 
 
Und mal wieder was mit Geistern – hatten wir in diesem Jahr bisher nur gefühlt 1500 Mal. Was diesen Film aber aus der Masse hervorstechen lässt ist die Tatsache, dass man mit OUR HOUSE ein Remake in den Händen hält. Regisseur ANTHONY SCOTT BURNS (HOLIDAYS – Segment: FATHER’S DAY) hat nämlich hier einen Film neu interpretiert, den es vor einigen Jahren schon einmal gab. GHOST FROM THE MACHINE schimpfte sich der auf Filmfestivals gelobte Gruselfilm, der angeblich nur schlanke 25.000 Dollar gekostet haben soll und bei Publikum und Presse wie eine Bombe einschlug. Offenbar waren vom Resultat selbst die Studiobosse von UNIVERSAL PICTURES begeistert. Die sicherten sich die Remake-Rechte und planten einen kommerziellen Schauerangriff in den Lichtspielhäusern. Für den war eigentlich GARY SHORE als Regisseur vorgesehen. Doch der dürfte so seine Gründe gehabt haben, sich letztendlich doch umzuentscheiden und das Regiezepter dem Kollegen ANTHONY SCOTT zu übergeben. Schaut man sich den fertigen OUR HOUSE an, kann man sich schon denken, woran es gelegen haben muss. Der Film ist nämlich weit weg von dem, was sich da Macher MATT OSTERMAN mit einfachen Mitteln für GHOST FROM THE MACHINE im Jahr 2010 ausgedacht hat. In der Neuverfilmung gibt es nämlich Gruselei für die breite Masse zu sehen. Originalität? Fehlanzeige! Da werden schon die Augen nur beim Lesen der Inhaltsangabe schwer. Wo sind nur die cleveren Gruselfilme im Stile eines THE SIXTH SENSE?
 
 
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Hätte Ethan (THOMAS MANN aus AMITYVILLE: THE AWAKENING) doch noch mehr Zeit mit der Familie verbracht. Seit der nicht mehr zu Hause wohnt und auf eigenen Beinen steht, muss er sich überwinden überhaupt mal nach Hause zu fahren, um Eltern und Geschwister zu besuchen. Doch die Schelte folgt auf dem Fuß. Die Eltern sterben bei einem Autounfall und Ethan bekommt einen Denkzettel für sein ignorantes Verhalten. Der muss sich fortan um die Geschwister Becca und Matt kümmern und zieht zurück in das Haus der Eltern. Aller Anfang ist schwer, zumal der junge Mann lernen muss, die Erziehung der Geschwister und den eignen Job auf die Reihe zu bekommen. Doch Ethan strebt Großes an. Mit einer selbstgebauten Maschine will er Glühlampen auch ohne Strom oder Steckdose zum Leuchten bringen. Leider offenbart das Gerät bald andere Stärken. Ist es erst einmal eingeschaltet, öffnet es das Tor zur Geisterwelt. Mit fatalen Folgen.
 
 
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Erst Drama, dann Horror. OUR HOUSE beginnt ganz brauchbar. Wir sehen, wie drei Geschwister nach dem Tod der Eltern irgendwie versuchen über die Runden zu kommen. Der ältere und zuvor noch rebellische Ethan wird zum Vormund. Statt lockeres Gammelleben, muss der nun Struktur in den Alltag bringen, damit aus den beiden jüngeren Geschwistern was Anständiges wird. Doch die Trauer über den Verlust der Eltern muss bald für paranormalen Schabernack weichen. Schnell entwickelt sich OUR HOUSE nämlich zum überraschungsarmen Gruselgroschenroman, der Spuk mit Mystery vermischt und sich dabei nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Hier ein paar falsche Fährten, dort vorhersehbare Schockmomente. Wirklich „scary“ ist OUR HOUSE leider zu keiner Minute, zumal erfahrene Gruselkenner schnell des Pudels Kern wittern werden und den Ausgang der Geschichte vorausahnen. Mehr unkonventionelle Gruselei hätte an dieser Stelle Not getan. Doch statt innovativer Angstmacherei mit frischen Ideen, läuft die in OUR HOUSE zelebrierte Geisterbahn nach altbekannter Schauerrezeptur ab. Erschrecken, schreien, laufen und retten. Geisterfilme sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren. Angesehen und abgehakt – der nächste Gruselfilm wartet bereits.
 
 
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OUR HOUSE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Handwerklich souverän inszenierter Gruseltrip, dem es aber an Originalität mangelt. Was wie ein deprimierendes Familiendrama beginnt, entpuppt sich leider recht schnell als vorhersehbarer Mix aus Hoopers POLTERGEIST, WHITE NOISE und ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT, der zu verkrampft darum bestrebt ist, sein PG-13 zu halten. Das bedeutet unterm Strich: seichte Gruselunterhaltung für die ganze Familie, die mit billigen Taschenspielertricks versucht den Zuschauer zu erschrecken. OUR HOUSE ist ein Remake eines Streifens aus dem Jahr 2010. Leider bringt es hier mal wieder die Film-Weisheit auf den Punkt, dass Neuverfilmungen meist im Schatten ihrer Vorlagen stehen. Während GHOST FROM THE MACHINE (so der Originalfilm) auf Filmfestivals gelobt wurde, dürfte über OUR HOUSE bald niemand mehr sprechen. Der Grund hierfür ist ganz einfach: OUR HOUSE bleibt nicht im Gedächtnis, weil er genau das abspult, was man bereits unzählige Male in gleicher Form im Kino zu sehen bekommen hat. Schade.
 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Zensur

 
 
 
Wer auf Gewaltmomente hofft, wird enttäuscht werden. In OUR HOUSE gibt es keine Schauwerte. Es fließt weder Blut, noch sterben Menschen vor der Kamera. Einige unheimliche Geisterszenen könnte etwas Gänsehaut bewirken. Sonderlich gruselig ist OUR HOUSE aber nicht. In Amerika erhielt der Streifen ein niedriges PG-13. Diese Freigabe ist gerechtfertig. Hierzulande gibt es wohl eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

OUR HOUSE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
White Noise (2005)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
The Darkness (2016)
 
Jessabelle (2013)
 


Filmkritik: „Ghostland“ (2018)

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GHOSTLAND

(INCIDENT IN A GHOSTLAND)

Story

 
 
 
Zwei Schwestern müssen ihre Angst gegen das personifizierte Böse überwinden, um überleben zu können. In einer Hölle aus Angst und Gewalt sehen sie sich mit zwei Psychopathen konfrontiert, die es nicht gut mit den beiden Mädchen meinen.

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Kritik

 
 
 
Das hatte wohl kaum jemand erwartet. PASCAL LAUGIER ist zurück und hat einen Film im Gepäck, der alle überrascht hat. Vor über zehn Jahren feierte der französische Regisseur Erfolge. Mit MARTYRS brauchte der Filmemacher den wohl wichtigsten Beitrag der französischen Terrorwelle in die Lichtspielhäuser und schockierte damit Zuschauer auf dem ganzen Erdball. Leider wurde es danach ruhig und Laugier machte sich rar. Doch das ändert sich jetzt. Ein knappes Jahrzehnt später läuft der Regisseur noch einmal zu Hochtouren auf. Mit GHOSTLAND findet der einst gefeierte Nachwuchsregisseur zu eigentlicher Größe zurück und wiederholt das, mit dem bereits der kontroverse MARTYRS das Publikum in die Magengrube trat. Unterm Strich bedeutet das: knüppelharter Terror, unangenehme Stimmung und Hochspannung pur. Frankreich at his best!
 
 
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Nach dem Tod der Tante zieht Mutter Colleen mit ihren beiden Töchtern in das Haus des verstorbenen Familienmitglieds ein. Hier ist zwar alles etwas verstaubt und auch nicht sonderlich modern eingerichtet; dennoch wollen die drei Frauen in der französischen Einöde ein neues Leben beginnen. Doch der Umzug in morsche Villa fordert bald seinen Tribut. Kaum eingezogen, bekommt man ungebetenen Besuch. Zwei skurrile Gestalten verschaffen sich Zutritt zum Haus und überwältigen die neuen Eigentümer. Was folgt, ist kein Kaffeekränzchen. Die beiden Psychopathen terrorisieren die ahnungslosen Frauen und quälen die Opfer bis aufs Blut. Doch man weiß sich zu wehren. Mit selbstlosem Mut kann Mutter Colleen die Eindringlinge zur Strecke bringen und ihre Töchter retten. Jahre später passieren seltsame Dinge. Tochter Beth hat es zur gefeierten Horrorbuchautorin gebracht. Doch das Leben gerät durch einen verstörenden Anruf aus den Fugen. Die traumatisierte Schwester ist am Telefon und wimmert um Hilfe. Ein folgenschwerer Vorall, der das Leben der drei Frauen verändern wird.
 
 
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PASCAL LAUGIER goes TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Ja richtig gelesen. GHOSTLAND ist bei genauerer Betrachtung eine Art französisches Kettensägenmassaker, das die Liebe des Regisseurs zum Horrorkino der Siebzigerjahre widerspiegelt. Darin schickt er abermals zwei Frauen durch die Filmhölle, die – wie bereits im Horror-Hit MARTYRS – seelisch gebrochen werden sollen. Keine leichte Kost, zumal es Laugier wie kein Zweiter versteht an der Terrorschraube zu drehen, dass dem Zuschauer Angst und Bange wird. So durchleben die beiden Schwestern im Film das ultimative Martyrium. Die werden von zwei Psychopathen misshandelt, geschlagen und gefoltert, was auch beim Zuschauer bleibenden Eindruck hinterlässt. Letzterer geht hier mit den Frauen durch die Hölle und dürfte des Öfteren nach Luft ringen, weil Macher PASCAL LAUGIER kaum Verschnaufpausen gönnt und Kompromisse scheut. Filmfreunde mit schwachem Nervenkostüm seien an dieser Stelle vorgewarnt, denn zimperlich geht es hier freilich nicht zu.
 
 
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Betrachtet man GHOSTLAND genauer, sind Parallelen zum wohl erfolgreichsten Film des Regisseurs nicht von der Hand zu weisen. Wie in MARTYS sind es wieder zwei Frauen, die in den Mittelpunkt gerückt und an den Rand des psychisch Ertragbaren getrieben werden. Das hat auch seinen Grund. In Interviews gab Laugier nämlich zu verstehen, dass ihm die filmische Erforschung von Männern unwichtig sei. Weitaus spannender sind ihm die Frauen, die sich ihm zugegen als große Rätsel offenbaren, welche er erkunden möchte. Demzufolge wird kaum ein Wort über die Bösewichte in GHOSTLAND vergeudet. Die sind nur Mittel zum Zweck, um tiefer in die Psyche der weiblichen Helden vordringen zu können. Das gelingt dem Filmemacher zweifelsohne. Die zwei Frauen im Film erleben den ultimativen Horror, der sich kaum in Worte fassen oder ertragen lässt. In dieser Hinsicht ist der Franzose PASCAL LAUGIER ein Meister seines Fachs. Hoch lebe das moderne, französische Horrorkino.
 
 
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GHOSTLAND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein Brett von Film und das ohne viel Blut oder Schauwerte. GHOSTLAND ist zwar kein zweiter MARTYRS, aber verflixt nahe dran. Zwei Frauen, zwei Bösewichte und jede Menge Terror. Das sind Zutaten aus denen nennenswerte Horrorfilme gemacht werden. Dabei orientierte sich der französische PASCAL LAUGIER am Terrorkino der 1970er und liefert kontroverses Filmmaterial ab, das vor allem eines kann: verstören. GHOSTLAND ist ungeschönt und düster. Es werden Kompromisse gescheut und Hoffnungen zunichtegemacht. Dabei behilflich: Wendungen und unvorhersehbaren Überraschungen. Entstanden ist ein heftiger Filmalbtraum made in Frankreich, der vor allem der amerikanischen Traumfabrik rigoros den Stinkefinger zeigt. Horrorkenner wissen nämlich, dass Laugier kein Freund Hollywoods ist. Der bekam vor einigen Jahren das Angebot ein amerikanisches Remake zu HELLRAISER zu drehen. Weil er sich mit dem Studio über seine unkonventionellen Ideen nicht einigen konnte, ging er zurück nach Frankreich, um dort Filme zu drehen, die er so machen kann, wie er es will. Das bedeutet: keine glattgebügelten Horrorfilme, die sich auch ein jüngeres Publikum anschauen kann. Für Letzteres ist GHOSTLAND keineswegs geeignet. Dieser Streifen schafft es, ohne Weiteres selbst eingefleischte Horrorfilm-Zuschauer um den Schlaf zu bringen. Das soll schon was heißen.
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Zensur

 
 
 
GHOSTLAND hatte keine Freunde bei der FSK. Bei der Erstprüfung fürs Kino wollte man den Film erst für Erwachsene freigeben. Doch Rechteinhaber CAPELIGHT PICTURES ging in Berufung und hatte Glück. Das Label erhielt für den Film eine FSK16-Freigabe. Gleiche Freigabe hat der Streifen nun auch im Heimkino erhalten. Die Fassung auf Blu-ray und DVD ist trotz Jugendfreigabe ungeschnitten. Man sollte sich aber von der niedrigen Einstufung nicht abschrecken lassen. GHOSTLAND hat es in sich!
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray Steelbook-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ghostland; Frankreich | Kanada 2018

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook | Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Making-of | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet,

Release-Termin: 10.08.2018

 

Ghostland [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Ghostland [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Ghostland [Blu-ray im Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Mediabook

 
 
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Mediabook Ghostland
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GHOSTLAND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Texas Chainsaw Massacre (1974)
 
Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr (1994)
 
Martyrs (2008)
 
Martyrs – Remake (2015)
 


Filmkritik: „Ruin Me“ (2017)

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RUIN ME

Story

 
 
 

Eine Art Escape Room im Freien wird zum Albtraum. Sechs Leute nehmen an einer Horror-Schnitzeljagd teil und können bald nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Spiel unterscheiden.

 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Kritik

 
 
 
Neue Trends bedeuten neue Horrorfilmstoffe. Immer wenn gute Ideen, neue Innovationen oder raffinierte Technologien die Gesellschaft bewegen, kann man davon ausgehen, dass daraus auch Horrorfilme entstehen. Das war bei dem Siegeszug von Social Media der Fall und wurde auch zum Erfolgsgaranten als sogenannte Horror-Pranks oder Streiche in den Medien schockierten. Nicht weit davon entfernt sind Escape Rooms, die sich momentan in größeren Städten enormer Beliebtheit erfreuen. Hierbei lassen sich Freiwillige in Räume einschließen und versuchen darin Rätsel zu lösen, um wieder nach Draußen zu finden. Ein spannendes Thema, das offenbar Inspiration für den folgenden Horrorthriller geliefert hat. Der stammt von jemandem, der mit dem ersten Horrorfilm den großen Durchbruch erhofft. PRESTON DEFRANCIS zeichnet als Regisseur verantwortlich und hat auch gleich mit am Drehbuch geschrieben. Das Ergebnis ist gar nicht mal so übel, wie man es sonst von anderen Newcomer so sieht. Im Falle von RUIN ME kann man also durchaus einen Blick riskieren – vor allem deshalb, weil die zugrundeliegende Thematik noch relativ unverbraucht ist.
 
 
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Eigentlich sollte es nur ein unterhaltsamer Campingausflug mit Gruseleinlagen werden. Doch für Nathan (MATT DELLAPIANA) und Alex (MARCIENNE DWYER) wird dieser Trip in die Natur zum blanken Horror. Die nehmen an der ultimativen Horrorerfahrung namens „Slasher Sleepout“ teil und erhalten die Lektion ihres Lebens. Dabei handelt es sich um eine Art fiktive Slasher-Schnitzeljagd während der zahlungswillige Gäste zu Tode geängstigt werden und makabre Rätsel lösen müssen. Doch die Mutprobe wird nicht allein absolviert. Vier andere Teilnehmer sind mit an Bord, die sich ebenso fürchten lassen wollen und dafür Geld zahlen. Eine Mordsgaudi, die aber irgendwann aus dem Ruder läuft. So werden die Horrorfans plötzlich von einem Psychopathen verfolgt, der es nicht gut mit den Teilnehmern meint. Passiert das alles wirklich oder ist das nur Teil des Spiels? Die Frage ist berechtigt, denn einer nach dem anderen stirbt. Nun ist guter Rat teuer, zumal sich der Gruselspaß durch ein erlösendes „Aloha, willkommen auf Hawaii“ nicht mehr beenden lässt. Ein Grund mehr warum Heldin Alex die Zähne zusammenbeißen und den Albtraum über sich ergehen lassen muss. Ein vorbildliches Final Girl eben!
 
 
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Der Film mit dem komischen Namen ist verwirrende Gruselunterhaltung, welche an ähnliche Horrorfilme erinnert, die wir vor einiger Zeit besprochen haben. Bei genauerer Betrachtung ist RUIN ME nämlich aus ähnlichem Holz geschnitzt, wie die Streifen SCARE CAMPAIGN, THE BLACKOUT EXPERIMENTS oder FEAR INC. Auch in diesen Horrorfilmen wurden ahnungslose Menschen Teil gruseliger Streiche und makabrer Spiele, die die unfreiwilligen Teilnehmer beinahe in den Wahnsinn getrieben haben. Dem steht auch die Heldin Alex im hier besprochenen Horrorthriller nahe, denn die wird – wie auch der Zuschauer selbst – ziemlich oft an der Nase herumgeführt. Ist hier wirklich ein maskierter Mörder unterwegs oder hat die Hauptdarstellerin nur einen an der Klatsche? Die zuletzt genannte Vermutung kommt nicht von ungefähr. Mehrmals wird Figur Alex im Film darauf hingewiesen, dass die ihre Pillen schlucken soll. Offenbar ist in der Vergangenheit Tragisches passiert, dass ein Trauma hinterlassen hat. Wie das aber in Verbindung mit den Ereignissen in RUIN ME steht, bleibt bis zum Finale ein gut gehütetes Geheimnis. RUIN ME ist kein Horror-Highlight, aber immerhin spannend genug, um zumindest etwas Kurzweil zu versprühen. Regisseur PRESTON DEFRANCIS hat an falsche Fährten, brauchbare Schauspieler und den obligatorischen Twist gedacht. Auf Letzteren kann man im Horrorfilm mittlerweile gar nicht mehr verzichten. Der kommt im Falle von RUIN ME zwar nicht mehr ganz so überraschend daher, macht aber diesen Indie-Horror zu einer runden Angelegenheit. Da verschmerzt man doch gern einige Schnitzer im Drehbuch. So verlässt der Filmemacher kurz das Slasher-Fach, um sich etwas im SAW-Milieu auszutoben, nur um anschließend zur Slasher-Tagesordnung zurückzukehren. Irgendwie passt dieser abrupte Richtungswechsel gar nicht zum eigentlichen Film. Wir von FILMCHECKER drücken diesmal noch ein Auge zu, denn gute Horrorfilme sind leider ziemlich rar geworden.
 
 
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RUIN ME – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die Horror-Version von ICH BIN EIN STAR, HOLT MICH HIER RAUS. Der Indie-Horror RUIN ME ist kein Horror-Highlight, aber wegen seiner noch unverbrauchten Thematik und einiger falscher Fährten immer noch besser, als das, was einem sonst mittlerweile im Horror-Genre zugemutet wird. Im Grunde genommen besitzt der Streifen all das, was man von Horrorfilmen neueren Datums erwartet. Es gibt einige Morde zu sehen, falsche Fährten und den wichtigen Twist. Leider ist die Auflösung schnell vorhersehbar, auch wenn Macher PRESTON DEFRANCIS vehement darum bemüht ist, das Geheimnis rund um Filmheldin Alex gut zu bewahren. Immerhin wird der belohnt, der sich über den seltsamen Filmtitel Köpfchen macht. Was zu Beginn Fragen aufwirft, ergibt am Ende einen Sinn. Dann erst passt die Titelkreation wie die Faust aufs Auge. RUIN ME ist nichts, was das Horror-Genre maßgeblich verändern wird. Als kleiner Lückenfüller für einen verregneten Sonntag reicht er aber aus.
 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Zensur

 
 
 
RUIN ME ist kein Splatter-Hit. Die Gewaltmomente sind überschaubar. Ein Mann ertrinkt, es gibt eine Schussverletzung und eine durchgeschnittene Kehle. Sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden, winkt vermutlich eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

RUIN ME – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Terror Weekend Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scare Campaign (2016)
 
Fear Inc. (2015)
 
April Fool’s Day (1986)
 
Happy Birthday (2016)
 


Filmkritik: „Hostile“ (2017)

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HOSTILE

Story

 
 
 

Eine junge Frau muss in einem Unfall-Auto gegen menschenfressende Kreaturen kämpfen, um überleben zu können.

 
 
 


 
 
 

HOSTILE – Kritik

 
 
 
Ein Horrorfilm produziert vom Franzosen XAVIER GENS. Da stellt sich Vorfreude bei Fans härterer Filmgangart ein. Die ist nicht unbegründet, hat sich der Filmemacher vor allem durch Streifen einen Namen gemacht, die sich durch blutige Raffinessen in die Hirne brennen konnten. So entstanden unter Gens Fuchtel so fragwürdige Gewaltausbrüche wie THE DIVIDE oder FRONTIER(S). Letzterer gilt als einer der wichtigsten Beiträge zur französischen Terrorwelle, welche vor knapp zehn Jahren um den Globus ging. Umso mehr überrascht es, dass sich der französische Regisseur seit einiger Zeit den eher leiseren Tönen widmet. Die waren bereits in THE CRUCIFIXION Programm. Statt eimerweise Kunstblut auf der Leinwand zu verteilen, lag der Fokus auf atmosphärischen Bildern und subtiler Gruselstimmung. Anhänger des kontroversen Filmemachers gefiel das verständlicherweise so rein gar nicht. Genau jene Schiene folgt nun auch HOSTILE, für den Gens als Geldgeber fungierte. Statt selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, überließ er das Regiezepter dem ambitionierten Neuling MATHIEU TURI. Der war zuletzt ausschließlich als Regieassistent für viele bekannte Hollywood-Produktionen tätig. Darunter so Filme wie R.E.D. 2, DIE SCHLÜMPFE 2 oder LUCY.
 
 
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HOSTILE verlegt seine Handlung in eine dystopische Welt. Die Menschen kämpfen in trostlosen Wüstenlandschaften ums Überleben, stets auf der Suche nach Nahrung und medizinischer Versorgung. Doch der Überlebenskampf ist nicht einfach. Neben der permanenten Suche nach Wasser und Essbarem, verbreiten furchterregende Kreaturen Angst und Schrecken. Dabei handelt es sich um ausgemergelte, menschenähnliche Wesen, die nur ein Ziel kennen: Menschenfleisch fressen. Mit genau jenen Monstern sieht sich nun auch die attraktive Juliette (BRITTANY ASHWORTH aus THE CRUCIFIXION) konfrontiert. Diese durchstreift die Gegend, um nach Vorräten zu suchen. Dabei versucht sie so viele dieser Kreaturen in die ewigen Jagdgründe zu befördern, wie nur möglich. Leider meint es das Schicksal nicht so gut mit der tapferen Einzelgängerin. Es kommt zu einem folgenschweren Autounfall, der Juliette vor unüberwindbare Probleme stellt. Das Fahrzeug überschlägt sich und bricht der taffen Kampfamazone das Bein. Nun ist guter Rat teuer, zumal es dunkel wird und es einer der Menschenfresser auf unsere verletzte Heldin abgesehen hat. Ein Kampf ums Überleben beginnt.
 
 
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Tragische Beziehungsgeschichte trifft auf postapokalyptisches Weltuntergangsszenario im Stile eines MAD MAX. HOSTILE lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Der Film erzählt nämlich zwei unterschiedliche Handlungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der Film in der Gegenwart beginnt und die Hauptdarstellerin bei ihren Überlebensstreifzügen durch karge Kulissen bekleidet, springt die Handlung regelmäßig zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit. Letztere widmet sich der tragischen Vorgeschichte ihrer Heldin. Deren früheres Leben war nämlich nicht immer eitel Sonnenschein und von Drogen geprägt. Ein nicht minder attraktiver Retter nimmt sich der orientierungslosen Frau an und bringt sie zurück auf dem rechten Weg. Was folgt, ist das umfangreiche Protokoll einer durchwachsenen Romanze, die dann doch etwas sehr an Liebeskitsch wie PRETTY WOMAN erinnert. Doch die ausführliche Beziehungs-Analyse hat seinen Sinn. Sie dient für das Verständnis für den Ausgang der Geschichte. Im Finale fließen nämlich beide Handlungsstränge ineinander und münden in einem grimmigen wie kitschigen Twist, der dann doch etwas sehr unpassend gewählt wurde.
 
 
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Dennoch sollte man mit HOSTILE deswegen nicht zu streng ins Gericht gehen. Der Film erhielt auf einschlägigen Festivals Preise und das nicht ohne Grund. Klammert man das etwas sehr konstruierte Ende aus, auf welches Regisseur MATHIEU TURI hinausarbeitet, ist die erste eigene Regiearbeit doch sehr atmosphärischer Endzeit-Horror mit Hintergrund, in dem mal wieder das thematisiert wird, was alle Menschen über sich hinauswachsen lässt: die Liebe. Zwar bleibt weitestgehend ungeklärt, welche Ursachen dazu geführt haben, dass die Welt in Trümmern liegt. Dafür nimmt HOSTILE aber seine Figuren genauer unter die Lupe und analysiert diese sorgfältig. Entstanden ist so etwas anderer Endzeit-Horror, der sich nicht zwingend mit Mord- und Totschlag beschäftigen muss, um eine gescheite Geschichte zu erzählen.
 
 
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HOSTILE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
MAD MAX trifft auf PRETTY WOMAN. Der französische Regisseur MATHIEU TURI ist in Experimentierlaune und spielt in HOSTILE mit unterschiedlichen Genres. So verbindet er Endzeit- und Survival-Horror mit tragischem Beziehungsschmalz in Form unterschiedlicher Handlungsstränge. Während der eine für die Analyse seiner Protagonisten vonnöten ist, sorgt der andere für Horror mit Adrenalinkick. Ein ungewöhnlicher Mix, der nicht jedem Horrorfan zusagen dürfte. Wem das aber bewusst ist und wer sich auf HOSTILE einlässt, dürfte positiv überrascht sein.
 
 
 


 
 
 

HOSTILE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt hat HOSTILE nicht zu bieten. Ein Mann verendet an einer Bauchverletzung, ein Gegenstand bohrt sich durch ein Bein, einem Protagonisten wird der Kopf eingetreten und einige der Kreaturen im Film werden mit einer Schusswaffe „bearbeitet“. Hierzulande gab es für den Endzeit-Horrorstreifen eine FSK16 in ungeschnittener Form. Wegen Bonusmaterial besitzt die erhältliche Scheibe aber einen roten FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

HOSTILE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im limitierten Steelbook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hostile; Frankreich 2017

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Blu-ray wegen Bonusmaterial: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | limitiertes Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Deleted Scenes, Making of

Release-Termin: 27.04.2018

 

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HOSTILE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
It Stains the Sands Red (2016)
 
Vampire Nation (2010)
 
Vampire Nation 2: Badlands (2017)
 
Cujo (1983)
 


Filmkritik: „The Lodgers“ (2017)

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THE LODGERS

Story

 
 
 

Im Keller eines irischen Anwesens passieren komische Dinge. Die Bewohner des Hauses machen aber darum ein Geheimnis und spannen das Publikum so auf die Folter.

 
 
 


 
 
 

THE LODGERS – Kritik

 
 
 
Im Jahr 2014 sorgte Regisseur BRIAN O’MALLEY für Furore. Mit seinem Langfilmdebüt LET US PREY bewies der Ire, dass auch Irland Splatter kann und räumte auf einschlägigen Filmfestivals Lob und Preise ab. Wer jetzt aber denkt, dass sich der Filmemacher in eine Schublade pressen lässt und Filme nach immer gleicher Machart fabriziert, irrt gewaltig. Statt erneut Blut-Chaos zu inszenieren, macht der Regisseur für den zweiten Spielfilm eine Kehrtwende. Im Falle von THE LODGERS heißt das: Schluss mit Blut und expliziter Gewalt, hin zu ruhigeren Tönen und gepflegtem Schauer alter Schule. Damit macht er allen Fans altmodischen Gruselhorrors eine Freude, die es eher subtil und zurückhaltend bevorzugen. Doch, ob die Rückkehr zum traditionellen Gruselhandwerk so eine gute Entscheidung gewesen ist? Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein Filmemacher beim klassischen Angstmachen übernimmt, der bisher eher durch handfeste Splatter-Raffinessen aufgefallen ist. Wir klären auf!
 
 
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Eine atmosphärische Schauererzählung alter Schule: Auf einem irischen Landsitz geht es nicht mit rechten Dingen zu. Dort leben die Zwillinge Rachel (CHARLOTTE VEGA) und Edward (BILL MILNER) allein ohne Eltern und haben sich an feste Regeln zu halten. So müssen beide vor Mitternacht in ihren Zimmern sein und kein Fremder darf das Heim betreten. Auch ist ein Verlassen des verwachsenen Grundstücks nicht erlaubt, was die ältere der beiden Jugendlichen aber nicht davon abhält, die Welt außerhalb zu erkunden und sich in den Händlersohn Sean zu verlieben. Doch der Regelverstoß hat Konsequenzen. Offenbar treibt etwas Böses im Keller des Hauses sein Unwesen und wagt sich erst dann aus seinem Versteck, wenn die beiden Waisen den Regeln folgen und um Null Uhr in ihren Betten liegen. Leider plant Rachel bald ein Leben außerhalb der modrigen Behausung, was das Böse im Keller gar nicht für gut heißt. Doch was verbirgt sich hinter dem schaurigen Familiengeheimnis? Um die Antwort darauf zu erhalten, muss man sich bis zum Ende gedulden.
 
 
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Ein altes Herrenhaus, minimalistische Beleuchtung und Gothic-Horror-Gruselatmosphäre, die an die Werke des EDGAR ALLAN POE erinnert. THE LODGERS bringt gute Voraussetzungen mit, um dem Zuschauer das Fürchten zu lehren. Alles dreht sich hier um ein mysteriöses Erbe, was die beiden Hauptdarsteller antreten müssen, aber nicht wollen. So lastet ein unheimlicher Familienfluch auf den Geschwistern, über dessen Hintergründe jedoch geschwiegen wird. Leider ist die Geheimniskrämerei gleichzeitig Fluch und Segen. Natürlich möchte man gern wissen, was da im Keller haust und täglich nach dem Rechten sieht. Doch die Ergründung der mysteriösen Vorkommnisse beansprucht viel Zeit, was nichts für jene ist, die es schnell und hektisch mögen. Regisseur BRIAN O’MALLEY geht es ruhig an und verteilt immer nur kleine Anhaltspunkte, um die Hintergründe über ein Familiengeheimnis möglichst lang verborgen zu halten. Das mag in hektischen Horrorfilmzeiten durchaus löblich sein, gestaltet sich aber im Falle von THE LODGERS äußerst schwerfällig, weil man viel unnützes Füllmaterial verwendet, um eine kleine Geschichte auf Spielfilmlänge bekommen zu können. Da werden regelmäßig surreale Visionen eingespielt, die nichts Gutes verheißen. Zudem ist immer wieder Wasser zu sehen, das vom Boden an die Decke tropft. Das künstliche Hinauszögern mit bedeutungsschwangeren Szenen und visuellen Metaphern überstrapaziert die Geduld des Zuschauers, der zwar mit schaurigen Bildern vertröstet wird, aber sich zu recht bald fragt, wann man denn hier langsam zum Punkt kommt. So schön THE LODGERS auch aussehen mag; in diesem Film passiert einfach nicht viel. Zu oft hat der Zuschauer mit Durststrecken zu kämpfen und wird am Ende nicht einmal dafür entlohnt. Die Auflösung ist nicht sonderlich spektakulär und auf einen Twist hat man gänzlich verzichtet. Angesichts des riesigen Tamtams, der hier veranstaltet wird, sind die Erklärungen für den Spuk dann doch sehr enttäuschend. Da hat man schon bessere Old-School-Gruselei auf dem Bildschirm gehabt. Der britische THE AWAKENING sei an dieser Stelle erwähnt.
 
 
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THE LODGERS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Visuell ansprechendes Gothic-Horrormärchen mit inhaltlichen Schwächen. Hier gilt das Sprichwort: außen hui, innen pfui. THE LODGERS schaut wirklich gut aus. Die schaurige Optik lässt auf gruselige Unterhaltung hoffen und die auf Hochglanz polierten Bilder ziehen schnell in den Bann. Doch die visuellen Raffinessen sind nur Blender. Bis auf seine Auflösung hat der Film kaum Substanz. Die ist nämlich hier gleichzeitig der Höhepunkt und fällt doch enttäuschend aus. Kein raffinierter Twist, kein kreatives CGI-Monster, keine Blutexzesse. Stattdessen surreale Erklärungsversuche, die kein Zuschauer ernst nehmen kann. Da will man die teilweise unbeholfen agierenden Hauptdarsteller tröstend in den Arm nehmen. Deren Charaktere werden zugunsten der gruseligen Bilderflut und einer zwanghaft auf poetisch getrimmten Auflösung vernachlässigt. Da wäre weitaus mehr möglich gewesen. Immerhin: Für Gothic-Horror-Fans einen Blick wert – erwarten sollte man aber nichts.
 
 
 


 
 
 

THE LODGERS – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es im Film eigentlich kaum zu sehen. Ein Gegenstand wird durch eine Hand gejagt, ein älterer Herr wird ermordet und in den Keller geworfen. Weiterhin ertrinkt eine der Filmfiguren und ein anderer Charakter wird erstochen. Die Gewalt-Handlungen werden dabei nicht zeigefreudig zelebriert, sondern passieren im Off oder die Kamera blendet weg. Hierzulande dürfte es für THE LODGERS daher eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

THE LODGERS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Epic Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Others (2002)
 
Marrowbone (2017)
 
The Awakening – Geister der Vergangenheit (2011)
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 


Filmkritik: „My Friend Dahmer“ (2017)

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MY FRIEND DAHMER

Story

 
 
 

Außenseiterdasein, Pubertät und Probleme im Elternhaus. Auch Serienmörder – wie Jeffrey Dahmer – mussten sie einmal durchleben: die Jugend.

 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Kritik

 
 
 
Ein neuer Trend im Horror-Genre ist die Erforschung von Jugendjahren bekannter Horror-Ikonen. So sind schon lange nicht mehr nur Fortsetzungen beliebter Horror-Reihen eine sichere Bank. Auch sogenannte Prequels – also Vorgeschichten – haben sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldeinnahmequelle entwickelt, sobald man mit Fortsetzungen nicht mehr weiterkommt. Hierbei immer wieder gern verfilmt: die Kindheit gerissener Filmkiller. So musste nicht nur der Mythos LEATHERFACE für den schnellen Dollar genauer unter die Lupe genommen werden. Auch die Jugendjahre von Killer-Kollegen MICHAEL MEYERS oder NORMAN BATES füllten die Bankkonten profitorientierter Studiobosse und nahmen so den legendären Filmbösewichten einen Teil ihres Schreckens. Doch nicht immer muss nur Fiktives genauer ergründet werden. Mit MY FRIEND DAHMER geht es einem an den Kragen, der tatsächlich gelebt hat. Wie es der Titel des Films bereits vermuten lässt, dreht sich in diesem Streifen alles um einen der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts: Jeffrey Dahmer. Der wurde von der Presse auch als „Monster von Milwaukee“ betitelt, weil er zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer ermordete, vergewaltigte und teilweise sogar aufgegessen hatte. Doch Dahmer wurde nicht als Killer geboren. Der folgende Film behandelt einen unbekannten Teil von Dahmers Leben. Rückten alle bisher erschienen Filme in erster Linie die Taten des Mörders in den Fokus, geht es dieser Film etwas anders an. MY FRIEND DAHMER erzählt von der Highschool-Zeit des späteren Serienkillers. Ein interessanter Blickwinkel, um vielleicht einige Ursachen seiner Taten verstehen zu können.
 
 
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Amerika in den 1970ern: Der Teenager Jeffrey Dahmer ist schon ein komischer Kauz. Der beschäftigt sich lieber mit überfahrenen Tieren, die er sammelt und in Säure einlegt, statt sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. In der Schule nimmt kaum jemand Notiz von ihm, bis er unter viel Gelächter seltsame Ticks inszeniert und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Plötzlich verwandelt sich Dahmer vom Niemand zum Pausenclown. Dessen komödiantische Gabe erkennt auch Mitschüler John Backderf, der kurzum den Dahmer-Fanclub gründet und den Sonderling zu komischen Taten anstiftet. Doch Dahmer hat Sorgen – große Sorgen. Die Eltern liegen im ständigen Streit und auch die Sexualität des einsamen Teenagers bereitet Probleme. Da kommt der neue Freund „Alkohol“ gerade recht. Leider führt der den desorientierten Jugendlichen genau in den Abgrund.
 
 
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Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: MY FRIEND DAHMER ist kein reißerischer Schocker über die Taten des berüchtigten Serienkillers. Wer Blut und Gewalt sucht, ist hier an der falschen Adresse. Der Film rückt nicht die Bestie „Dahmer“ in den Mittelpunkt, sondern untersucht den Mensch dahinter. Dafür stand die Graphic Novel „My Friend Dahmer“ Pate, die von einem Schulfreund Dahmers gezeichnet wurde, der zu Schulzeiten mit dem Eigenbrötler gemeinsam die Bank drückte. Nachdem die Taten des Serienkillers durch die Medien gingen und Dahmer 1994 von einem Mithäftling getötet wurde, begann Schulfreund JOHN BACKDERF Material zu sammeln und seine Begegnungen mit dem Sonderling zu Papier zu bringen. Dabei entstanden Kurzgeschichten, die nicht die Taten des Mörders in den Fokus rücken sollten. Stattdessen analysierte der talentierte Comicautor die Probleme und Sorgen mit denen Dahmer in der Schule und Elternhaus zu kämpfen hatte. Das Resultat entpuppte sich als traurige und erschreckende Charakterstudie eines einsamen Heranwachsenden, die mehrfach Auszeichnungen erhielt. Auf genau jenen Bildergeschichten basiert nun der hier vorliegende Film, der weit tiefgründiger ausgefallen ist, als erwartet.
 
 
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So hat man für die Rolle des jungen Jeffrey Dahmer jemanden gefunden, der wohl sein Image als Kinderstar loswerden wollte. ROSS LYNCH machte sich vor allem mit Auftritten in bekannten Disney-Produktionen einen Namen. Offenbar war ihm leichte Unterhaltung auf Dauer zu wenig, weshalb er mit der Hauptrolle in MY FRIEND DAHMER einen mutigen Richtungswechsel antritt, der ihm außerordentlich gut steht. Der haucht der Rolle des Jeffrey Dahmer eine gewisse Menschlichkeit ein und verdeutlicht dem Zuschauer eindrücklich, was für ein bemitleidenswerter Mensch der spätere Serienkiller tatsächlich war. Seine Verkörperung des wortkargen Sonderlings mutet unheimlich an, faszinierend aber zugleich. Das macht MY FRIEND DAHMER vor allem bei denen interessant, die sich weniger mit Taten sondern eher mit der Psyche fehlgeleiteter Menschen auseinandersetzen wollen. Regisseur MARC MEYERS dämonisiert seinen Filmhelden nicht. Stattdessen kümmert er sich behutsam um seine Filmfigur und studiert sie ausführlich, ohne zwangsläufig ihre Taten zu beurteilen. Das macht die filmische Umsetzung der Graphic Novel besonders, weil man mit dem Namen „Jeffrey Dahmer“ wohl etwas ganz anderes erwartet hat, als es der Film zu vermitteln versucht. Sehenswert!
 
 
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MY FRIEND DAHMER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama, statt Horror. Beunruhigende und deprimierende Charakterstudie, die niemanden kalt lässt. MY FRIEND DAHMER geht das Thema „Jeffrey Dahmer“ vollkommen anders an. Normalerweise erwartet man hier eine detaillierte und reißerische Ausschlachtung der Taten des berüchtigten Serienmörders. Aber Regisseur MARC MEYERS macht alles anders. Der betrachtet die Jugendjahre des Einzelgängers und versucht damit dem Zuschauer nahezubringen, was für ein desorientierter und verunsicherter Mensch Jeffrey Dahmer wirklich war. Statt die „Bestie“ Dahmer zu analysieren, betrachtet der Filmemacher den „Mensch“ Dahmer mit all seinen Ängsten, Sorgen und Problemen. Damit nimmt dieser Streifen eine Sonderstellung in der Reihe an Verfilmungen über den Serientäter ein. MY FRIEND DAHMER ist ein interessantes und vor allem unkonventionelles Filmprojekt, das neugierigen Cineasten ans Herz gelegt sei. Ein Geheimtipp, der auch bei Filmfestivals wegen des anderen Umgangs mit dem kontroversen Thema „Dahmer“ gelobt wurde.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Zensur

 
 
 
MY FRIEND DAHMER hat keine Gewaltmomente zu bieten. Es gibt einige tote Tiere zu sehen, die der Antiheld von der Straße kratzt und in Säure einlegt. Eigentlich wäre der Film daher ein sicherer FSKL12-Kandidat. Wegen des kontroversen Zusammenhangs mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer dürfte der Film aber eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FilmRise)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)


Filmkritik: „The Wailing“ (2016)

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THE WAILING: DIE BESESSENEN

(THE WAILING | GOKSEONG | GOKSUNG)

Story

 
 
 
Sehenswertes Gruselkino aus Fernost: In einem südkoreanischen Bergdorf geht es nicht mit rechten Dingen zu. Friedliebende Bewohner werden plötzlich zu kompromisslosen Mördern. Was ist hier nur im Gange?

 
 
 


 
 
 

THE WAILING – Kritik

 
 
 
Es passieren doch noch Wunder. Deutschland ist nicht unbedingt das Paradies für Fans asiatischer Filmproduktionen. Nur wenige Perlen aus Fernost schaffen es in deutsche Händlerregale, wo sie nicht selten ein bescheidenes Dasein fristen und irgendwann preislich reduziert in den Wühltischen bekannter Elektrofachmärkte landen. Ein deprimierender Kreislauf, der nicht sein muss, wenn sich mehr Cineasten die Zeit nehmen und vorurteilslos das begutachten würden, was da immer seltener von Asien nach Deutschland exportiert wird. Darunter befinden sich gern mal Geheimtipps zu denen auch der südkoreanische THE WAILING gehört. Der Film feierte seine Europa-Premiere auf dem Cannes-Filmfestival 2016 und hinterließ dort offenbar Eindruck – nicht nur bei Filmfans und Kritikern. Vermutlich einer der Gründe, warum das Ausnahmewerk vom Label PIERROT LE FOU nun in ansprechender Aufmachung veröffentlicht wird. Lobenswert!
 
 
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Irgendwo im südkoreanischen Hinterland passieren seltsame Dinge. Der kleine verschlafene Ort Goksung wird von mysteriösen Mordfällen heimgesucht, die die ganze Gegend schockieren. Offenbar verwandeln sich friedliebende Dorfbewohner grundlos in abgebrühte Killermaschinen und töten Familie und Freunde, bevor sie anschließend in eine Art Schockstarre verfallen. Doch worin liegen die Ursachen? Das fragt sich auch Polizist Jong-gu (KWAK DO-WON), der die Morde genauer untersucht. Er findet heraus, dass alle Täter von einem großflächigen Ausschlag betroffen sind, mit dem auch bald die Tochter des Gesetzeshüters zu kämpfen hat. Ist sie etwa die Nächste? Das lässt Alarmlocken beim Familienvater läuten. Der will seine Tochter beschützen – koste es was es wolle. Deshalb geht er Gerüchten auf den Grund, die verlauten lassen, dass ein neu hinzugezogener Japaner offenbar mit den Morden in Verbindung stehen soll. Schnell ist der zur Rede gestellt. Doch als man in einer Kammer seines Hauses Bilder von toten Einheimischen entdeckt, die für ominöse Rituale verwendet werden, verhärten sich Gerüchte, dass sich hier wohl das Böse ins Dorf eingeschlichen haben muss.
 
 
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Eine traurige aber zugleich verwirrende Geschichte über Aberglauben und Traditionen. Es ist nicht leicht THE WAILING (der im Original übrigens GOKSUNG heißt) in eine Schublade zu pressen. Der viel gelobte Film trotz jeglichen Genre-Konventionen und funktioniert als Familiendrama ebenso gut, wie als Mystery-Horror oder Okkult-Thriller. Dabei stets allgegenwärtig: subtile Kritik am aktuellen Zeitgeschehen. So scheint im ländlichen Asien immer noch der Glaube in den Köpfen zu sitzen, dass Dämonen und Geister für Schicksalsschläge und Missetaten verantwortlich zeichnen. Statt nach wissenschaftlichen Erklärungen zu suchen, verkriecht man sich in die Welt der Mystik und Folklore. Relikte längst vergangener Zeiten, die offenbar immer noch in den südkoreanischen Bergen verankert sich, wo Fortschritt dem Aberglauben weichen muss. Genau jene Thematik macht sich THE WAILING zu eigen, der sich als schwer zu durchschauende Gruselgeschichte entpuppt, die vom Stilmittel der Desorientierung Gebrauch macht. Regisseur NA HONG-JIN experimentiert im dritten Langfilm mit buddhistischen aber auch christlichen Angstmotiven und stiftet damit Verwirrung. Lang bleibt nämlich unklar, was denn hier der Grund für seltsame Ereignisse ist. Haben die Geschehnisse eine rationell erklärbaren Hintergrund oder sind tatsächlich paranormale Kräfte am Werk. Die Antwort darauf wird erst in den letzten Minuten des knapp zweieinhalbstündigen Kinostücks gelüftet, an dem Filmemacher NA HONG-JIN nach eigener Aussage sechs Jahre tüftelte. Der hatte offenbar genug von actionlastigen Filmen, die gradlinig inszeniert eher einfache Gemüter befriedigen sollten. Nach den international erfolgreichen Actionfilmen THE CHASER und THE YELLOW SEA hegte er einen anderen Anspruch. Den hat er mit THE WAILING definitiv erreicht, denn mit diesem Filmepos findet er den Spagat vom actionlastigen Blockbusterkino hin zu dramaturgisch vertrackten und abstrakteren Themen.
 
 
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THE WAILING – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 

Weniger Action, dafür mehr Hirn. Asiatischer Ausnahmefilm, der durch Komplexität und Tiefgang beeindruckt. Nach eher rasanten Thrillern, macht der südkoreanischen Regisseur NA HONG-JIN Ernst. THE WAILING – DIE BESESSENEN ist ein Gruselerlebnis par excellence. Was wie ein Mystery-Polizeikrimi beginnt, entwickelt sich schleichend zu einem verwirrenden Schauer-Albtraum, der die volle Konzentration seines Publikums beansprucht. Schlüssig ist hier auf den ersten Blick nichts. Wer sich aber unter die Oberfläche traut und forscht, bekommt einen der besten Genre-Vertreter zu sehen, die bis dato Südkorea hervorgebracht hat. Macher NA HONG-JIN hält im dritten Spielfilm das Spannungslevel konstant hoch. Was ist hier des Pudels Kern? Leicht durchschauen lässt sich THE WAILING nicht. Das Verwirrspiel hat Hintergrund, kritisiert Rassismus ebenso wie das sture Verharren in alten Traditionen. Offene Cineasten werden da hellhörig. Dennoch muss man schon eine gewisse Leidenschaft für fernöstliche Filme besitzen. Nicht jedem dürfte die langsame Erzählmethode und das Eintauchen in asiatischer Folklore zusagen.
 
 
 


 
 
 

THE WAILING – Zensur

 
 
 
Wer von THE WAILING Blut und Gewalt erwartet, wird enttäuscht werden. Der Fokus liegt auf subtiles Grauen. Es gibt meist nur die Resultate von Gewaltakten zu sehen. Meist sind das ermordete Dorfbewohner, die von anderen Familienmitgliedern getötet wurden. Hierzulande hat das koreanische Gruseldrama in ungeschnittener Form eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE WAILING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) PIERROT LE FOU (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) PIERROT LE FOU (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Goksung; Südkoreak 2016

Genre: Drama, Grusel

Ton: Deutsch DTS HD MA 5.1, Koreanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 156 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook

Extras: Making-of, Behind the Scenes, B-Roll, Interview, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet, Plakat

Release-Termin: 23.02.2018

 

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The Wailing [Limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE WAILING – Mediabook

 
 
 
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THE WAILING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei PIERROT LE FOU)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Tale of Two Sisters (2003)
 
I Saw the Devil (2010)
 
Manhole (2014)
 


Filmkritik: „Tragedy Girls“ (2017)

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TRAGEDY GIRLS

Story

 
 
 
Zwei Mädchen gehen für mehr Likes und Fans über Leichen. Um den eigenen Internet-Blog zum Laufen zu bringen, wird man selbst zum Mörder.

 
 
 


 
 
 

TRAGEDY GIRLS – Kritik

 
 
 
Die Macht der Selbstinszenierung: Social Media. Was noch vor einigen Jahren als harmlose Möglichkeit gedient hat, um sich mit Freunden zu vernetzen und mit ihnen zu kommunizieren, dient mittlerweile ganz anderem Zweck. Schon lange nicht mehr geht es auf Plattformen wie Facebook, Instagram und Konsorten darum, mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder an deren Leben teilzuhaben. Wer heute im Gespräch bleiben möchte oder auffallen will, muss sich inszenieren – möglichst oft und ausreichend. Daher hat seit einiger Zeit ein regelrechter Run nach Followern, Likes und Shares im Internet begonnen, der nicht selten absurde Ausmaße erreicht. Auch der folgende TRAGEDY GIRLS setzt sich mit der Gier nach Anerkennung im Web auseinander, betrachtet die Thematik aber mit einem Augenzwinkern. Das Resultat entpuppt sich als schwarze Horror-Satire, die genau jene Geltungssucht an den Pranger stellt, aber dennoch Spaß bereitet. Dafür sorgen lockere Sprüche, attraktive Hauptdarstellerinnen und knackige Morde. Slasher-Fans wird’s freuen.
 
 
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Das Kleinstädtchen Rosedale hat seit einiger Zeit mit blutigen Morden zu kämpfen. Immer wieder werden ermordete Schüler gefunden, die übel zugerichtet vor allem den örtlichen Sheriff vor Rätsel stellen. Doch zwei Teenager wissen mehr. Die führen einen kleinen Internet-Blog in der Freizeit und berichten darauf über die schrecklichen Ereignisse. Leider halten sich Leserzahlen in Grenzen, was Sadie (BRIANNA HILDEBRAND) und McKayla (ALEXANDRA SHIPP) auf eine Idee bringt. Sie stellen Recherchen an und kommen dem Killer auf die Schliche. Der wird überwältigt, an einen Stuhl gebunden und fortan mit Hundefutter gefüttert. Doch statt das Böse der Polizei auszuhändigen, haben die Mädchen andere Pläne. Sie übernehmen einfach den Job des High-School-Mörders, bringen unbeliebte Mitschüler um die Ecke und haben so Neuigkeiten für Ihren Blog, um exklusiv berichten zu können. Doch die Sucht nach Likes und Fans hat auch so seine Schattenseiten. Zwar verzeichnet der „Tragedy Girls“-Blog schon bald hohe Zugriffszahlen, doch zwischen den Betreiberinnen kommt es zu Differenzen. Ob das perfide Spiel auffliegen wird?
 
 
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Alles etwas anders. TRAGEDY GIRLS ist zwar im Slasher-Genre beheimatet, geht die Sache jedoch frischer an. Statt die ewig gleiche Geschichte vom rastlosen Killer zu erzählen, der bestialisch Menschen ermordet und am Ende entlarvt wird, versucht TRAGEDY GIRLS frischen Wind ins angestaubte Schlitzer-Fach zu bringen. Bekannte Verläufe werden umgekrempelt. Zudem wird beinahe ungeniert mit Stereotypen und Klischees gespielt. So wird die Identität des Killers bereits zu Beginn gelüftet und das für Slasher typische Bluttreiben ins Absurdum getrieben. Wohl einer der Gründe, warum sich Regisseur TYLER MACINTYRE zum Projekt überreden lies. Der hatte zuvor die Horrorkomödie PATCHWORK gedreht, war aber über den Vorschlag als nächstes einen Slasher zu drehen alles andere als erfreut. Als man ihm aber erklärte, dass sich dieser Streifen vom grauen Rest abheben würde, las er das Drehbuch und war Feuer und Flamme. In der Tat verleibt TRAGEDY GIRLS dem totgefilmten Slasher neues Leben ein und geht so quasi gleichen Weg, wie der leider 2015 verstorbene WES CRAVEN mit dem Meta-Horror SCREAM. Statt neu aufzuwärmen und damit zu langweilen, persifliert man das Slasher-Genre und nimmt dessen Klischees und Abläufe aufs Korn. TRAGEDY GIRLS strotzt nur so vor Metakniffen auf das Slasher-Subgenre und unterhält Horrorfilm-Kenner mit teils überdeutlichen Genre-Verweisen. So werden bekannte Szenen aus Filmen wie HALLOWEEN, PROM NIGHT oder CARRIE zitiert – liebevoll und überzeichnet. Offenbar waren da selbst leidenschaftliche Fans bei der Arbeit. Anders lassen sich die vielen Verweise, Doppeldeutigkeiten und Insider-Gags nicht erklären, die sich wie eine Linie durch das Drehbuch des Films ziehen. TRAGEDY GIRLS ist ein Film von Slasher- für Slasherfans. Das ist unverkennbar. Der Film ist witzig, blutig und weit weg von den monotonen Abläufen mit denen der Slasherfilm seit Jahrzehnten zu kämpfen hat. Aufgrund dessen dürfte das Herz eines jeden Fans besagten Genres schneller schlagen und das nicht ohne Grund. TRAGEDY GIRLS ist eine clevere Splatter-Komödie, die Kultpotenzial besitzt. Da kann man nur hoffen, dass das Beispiel Schule macht und sich endlich mal Filmemacher daran machen, bekannte Genre-Formeln zu überdenken. Slasher so wie sie seit den Anfängen auch heute noch gedreht werden, will niemand mehr sehen. Neuerungen und Abwechslung tun Not. Daher weisen Filme wie SCREAM, FINAL GIRLS und auch TRAGEDY GIRLS den richtigen Weg. Unbedingt mehr davon.
 
 
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TRAGEDY GIRLS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Sexy, rabenschwarz und blutig – TRAGEDY GIRLS ist einer der besten Slasher der letzten Jahre. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Regisseur TYLER MACINTYRE will mit seiner Horror-Satire nicht neu aufzuwärmen. Stattdessen bereichert er das angestaubte Slasher-Genre mit neuen Ideen und nimmt sich dabei nicht immer bierernst. Bekannte Abläufe und auch Klischees werden aufs Korn genommen. Das macht aus dem cleveren Meta-Slasher eine schwer unterhaltsame Angelegenheit, vor allem auch deshalb, weil TRAGEDY GIRLS andere Wege geht. Der Film will nicht ausschließlich dumme Teenager zeigen, die – wie im Slasher üblich – möglichst grausam zur Strecke gebracht werden. Der Streifen ist auch an einer Botschaft interessiert – für einen Slasher doch irgendwie unüblich. So wird hier die Geilheit nach Sensationsgier ebenfalls an den Pranger gestellt, wie die Sucht nach Geltungsgier im Internet. Wer daher Abwechslung benötigt und fernab bekannter Genre-Pfade wandeln möchte, ist mit TRAGEDY GIRLS gut beraten. Ein überraschender Partyslasher vor dem Herrn – Kultpotenzial inklusive! Die vielen positiven Stimmen auf einschlägigen Filmfestivals sprechen für sich. Wir können die hervorragende Resonanz nur bestätigen.
 
 
 


 
 
 

TRAGEDY GIRLS – Zensur

 
 
 
TRAGEDY GIRLS ist zwar eine Komödie, aber einige Gewaltszenen haben es in sich. So fällt ein Kopf auf eine Kreissäge und Macheten bohren sich durch Körper. Weiterhin zermatscht ein herabfallendes Gewicht den Schädel eines Fitnessraumnutzers und einer Filmfigur wird die Kehle aufgeschlitzt. Mit etwas Glück gibt es wegen dem humoristischen Unterton eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

TRAGEDY GIRLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Gunpowder & Sky)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Detention – Nachsitzen kann tödlich sein (2011)
 
Final Girls (2015)
 
Scream – Schrei! (1996)
 
Heathers (1988)
 


Filmkritik: „Mayhem“ (2017)

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MAYHEM

Story

 
 
 

Ein von einem Virus infizierter Angestellter wird plötzlich zur rasenden Killerbestie und will den Geschäftsführer zu Rede stellen, weil er gekündigt wurde.

 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Kritik

 
 
 
In jeder Firma gibt es sie: hinterhältige Angestellte, die für die eigene Karriere über Leichen gehen. Da werden für eigene Interessen gern mal die Kollegen in die Pfanne gehauen, die sich dann für Dinge rechtfertigen müssen, von denen sie gar nichts wissen. Leider ist es im wahren Leben schon lange nicht mehr so, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. In einer Ellenbogengesellschaft, in der nur Leistung zählt, muss man schon ein Schwein sein, um erfolgreich bestehen zu können. Genau jene These vertritt auch der Action-Splatter MAYHEM, der schwarzhumorig vermittelt, wie sich die derzeitige Unternehmenskultur entwickelt hat. Hier wird gehörig gegen Unternehmensführer gewettert, in deren Händen das Schicksal des kleinen Mannes liegt. Damit spricht man natürlich all jenen aus der Seele, die im Job nichts zu lachen haben und sich unterwerfen müssen. Für genau diese Menschen gibt es Filme wie MAYHEM, die vermitteln wollen, dass auch boshafte Angestellte und Unternehmensbosse irgendwann mal an ihren Meister geraten.
 
 
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Gute Kollegen, schlechte Kollegen. Von den Letzteren gibt es im rabenschwarzen Splatterfilm MAYHEM offenbar zu viele. Die sind nämlich dafür verantwortlich, dass Derek seinen Job verliert. Der arbeitet für eine erfolgreiche Anwaltskanzlei, wo hinter verschlossenen Türen gern mal Bürointrigen gesponnen werden. Eine derer fällt nun auch Derek zum Opfer. Prompt folgt die Kündigung. Doch mit der Entscheidung der Geschäftsleitung ist der Entlassende so gar nicht einverstanden. Der pocht auf sein Recht, stößt aber auf taube Ohren. Da nehmen die Geschehnisse eine eigenartige Wendung. Der Bürokomplex wird unter Quarantäne gestellt. Der Grund dafür ist ein mysteriöser Virus, der Menschen in gewaltbereite Kreaturen verwandelt. Mit dem haben sich fast alle Angestellten angesteckt und gehen sich nun gegenseitig an den Kragen. Eine gute Chance für Derek der Geschäftsleitung für ihre skrupellosen Praktiken den Marsch zu blasen. Der bewaffnet sich bis auf die Zähne und arbeitet sich bis hoch in die letzte Etage, wo sich die Büros der Chefriege befinden. Bis er dort jedoch angekommen ist, fließt viel Blut. Splatterfans wird es freuen.
 
 
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Einige FILMCHECKER-Leser haben jetzt vermutlich ein Déjà-vu. Wir können aber versichern, dass MAYHEM keine Fortsetzung und kein Remake zum vor einiger Zeit hier besprochenen Das BELKO EXPERIMENT ist. Die Vermutung ist nicht unbegründet. Beide Filme sind nämlich thematisch ähnlich und zeigen streitsüchtige Angestellte, die plötzlich zu aggressiven Killermaschinen mutieren und dabei weder Freund noch Feind kennen. Interessanterweise nimmt sich MAYHEM trotz brutaler Gangart gern mal selbst auf die Schippe. Die Inszenierung gleicht nicht selten einer Film-gewordenen Comicverfilmung, wo sich Protagonisten Prügel aussetzen und danach aufstehen, als wäre nichts gewesen. Doch damit nicht genug. MAYHEM strotzt nur so vor Zynismus und schwarzen Späßen. Obwohl sich viele Figuren im Film ihrem Schicksal bewusst sind, haben sie stets trockene Sprüche auf den Lippen. Das mildert den Härtegrad der vielen Gewalteskapaden, die mit fortlaufender Spielzeit von Regisseur JOE LYNCH genüsslich zelebriert werden. Mit Splatter, Action und boshaften Späßen hat der Filmemacher übrigens Erfahrung. Der feierte seinen Regiedebüt mit der günstig produzierten Fortsetzung zum Backwood-Slasher WRONG TURN und übernahm danach die Inszenierung eines Segments der zitatreichen Horror-Anthologie CHILLERAMA. Seither sind viele Jahre vergangen und Lynch scheint recht sicher auf seinem Regie-Posten zu sitzen. Vorbei sind die Zeiten schlechter Spezialeffekte und mäßiger Low-Budget-Produktionen. MAYHEM ist bis zum Ende durchgestylt und macht einen professionellen Eindruck. Hinzukommt, dass der Regisseur gern mal die Speed-Taste drückt und euphorische Zerstörungslust auslebt. Da kommen auch Actionfreunde auf Ihre Kosten, die gern Filme sehen in denen sich Menschen gegenseitig vermöbeln.
 
 
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Unterm Strich entpuppt sich MAYHEM als unterhaltsamer Party-Splatter, der hemmungslos mit miesen Menschen aufräumt. MAYHEM besitz einen beißend kritischen Unterton, der nicht nur mit skrupellosen Praktiken profitgeiler Unternehmensbosse aufräumt. Der Film spricht gern auch jedem Arbeitnehmer aus dem Herzen, der für seinen Job alles tut, aber dennoch ersetzbar ist, wenn es darauf ankommt. Da ist es am Ende fast schon eine Genugtuung, wenn den Bösewichten der Garaus gemacht wird und sie für ihre selbstsüchtigen Missetaten bestraft werden. Leider ist MAYHEM nur ein Film. Im echten Leben kommen diese Menschen meist ungeschoren davon – leider!
 
 


 
 
 

MAYHEM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Der perfekte Partyfilm für hungrige Splatterfans. MAYHEM ist eine unsinnige Gewaltorgie, die man aber nicht ernstnehmen sollte. Das tut der Film nämlich selbst zu keiner Minute und zeigt wie sich ein gekündigter Arbeitnehmer in einem Hochhaus – ähnliche wie im Remake zu DREDD oder THE RAID – von unten nach oben durchmetzelt. Ziel ist die oberste Etage, wo der Geschäftsführer darüber entscheidet, wer aus dem Unternehmen fliegt und wer nicht. Bis er jedoch sein Ziel erreicht, muss er vielen kleinen Zwischengegnern die Rübe einschlagen, die ihm daran hindern den Oberbösewicht zur Rede zu stellen. MAYHEM gleicht in seiner brachialen Zerstörungs- und Wutorgie einem actiongeladenen Computerspiel. Die Figuren bestehen aus Stereotypen und viel Substanz ist auch nicht vorhanden. Aber intellektuell will MAYHEM überhaupt nicht sein. Regisseur JOE LYNCH will kurzweilig unterhalten. Das gelingt ihm ganz gut. In null Komma nichts befindet sich der Zuschauer im Geschehen und folgt einem gefrusteten Angestellten, der sich zynisch durch Büros metzelt. Wer eine Leidenschaft für Filme besitzt, die kaum Handlung, dafür viel Gewalt zu bieten haben, ist mit MAYHEM gut bedient. Angesichts überschaubarer Zutaten würde ein solcher Film auf FILMCHECKER normalerweise gnadenlos durchfallen. Weil MAYHEM sich selbst gern mal aufs Korn nimmt und einfach nur unterhalten will, drücken wir mal ein Auge zu. Zugegeben: wir haben uns zu keiner Minute gelangweilt.
 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Zensur

 
 
 
In MAYHEM geht es nicht zimperlich zu. Hier kommen elektrische Sägen und Nagelpistolen zum Einsatz, um Arbeitskollegen das Lebenslicht auslöschen zu können. Gesplattert und geprügelt wird reichlich. Demzufolge ist der Film hierzulande erst für Volljährige geeignet. Die Grausamkeiten werden aber so überspitzt zelebriert, dass der Streifen eine ungeschnittene Fassung erhalten hat. Da ist das in der Kritik erwähnte BELKO EXPERIMENT brutaler.
 
 
 


 
 
 

MAYHEM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Mayhem; USA 2017

Genre: Horror, Thriller, Action

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080i)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 29.03.2018

 

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MAYHEM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Belko Experiment (2016)
 
Bloodsucking Bastards (2015)
 
Z-Office (2017)
 
Stalled (2013)
 
Botched (2007)