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Filmkritik: „Blair Witch“ (2016)

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BLAIR WITCH

Story

 
 
 

„James und Lisa verliefen sich im Wald.
Dort war es finster und auch so bitter kalt.
Sie kamen an ein Häuschen … aus Holz und Schimmel fein.
Wo mag die Blair Witch der ollen Hütte sein?“
 
(frei nach dem anonymen Kinderlied um 1900)

 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Kritik

 
 
 
1999 wirbelte ein erstaunlich frischer Wind die Kinolandschaft auf. Infolge einer raffinierten PR strömte das Publikum in die Lichtspielhäuser, um in BLAIR WITCH PROJECT das Geheimnis dreier vermisster Jugendlicher zu lüften, die unter mysteriösen Umständen verschwanden. Wochenlang wurde zuvor auf öffentlichen Plakaten über deren ungeklärtes Schicksal spekuliert. Nun sollten aufgetauchte Originalbänder Licht ins Dunkel bringen. Verantwortlich für das Grauen, mit dem die arglosen Hobbyfilmer konfrontiert wurden, sollte die Hexe von Blair sein, die gemäß „recherchierter“ Legenden in den Wäldern um Burkittsville ihr Unwesen trieb und kleinen Kindern nach dem Leben trachtete. Viele Jahre später entschloss man sich nun unter größter Geheinhaltung ein Sequel zu produzieren, das unter dem Titel THE WOODS das Licht der Welt erblickte und so mit einem Überraschungseffekt punkten wollte. Als überzeugendes Bindeglied zwischen den Filmen fungiert hierbei der Bruder, der seit 1994 nicht mehr auffindbaren Heather, der sich – keine Ruhe findend – auf die Suche nach dem Familienmitglied begibt. Gemeinsam mit Freunden und zwielichtigen Helfern startet man also erneut. Allerdings diesmal technisch deutlich besser ausgerüstet. Doch auch wenn einige Drohnenaufnahmen tatsächlich neue Perspektiven eröffnen, ist dieser Umstand nicht von Belang, da der High-Tech-Kram beim folgenden Überlebenskampf – wie erwartet – völlig nutzlos ist.
 
 
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Gedreht wurde erneut im damals noch spektakulären Found Footage Stil, mit dem Ziel Action zu erzeugen, die den Betrachter unmittelbar ins Geschehen zieht. Leider wirkt dieser „Kniff“ nach einer Unmenge ähnlicher Produktionen längst überholt und vermag entsprechend nicht wirklich zu überzeugen. Fairerweise sei angemerkt, dass das Gesehene sicher schwer zu filmen war, aber trotzdem innerhalb des Genrebereiches im Ergebnis professionell visualisierte Bilder liefert. Aber reicht das um von BLAIR WITCH mitgerissen zu werden? Wenn nach 25 Minuten Vorspiel erstmals eine verletzte Fußsohle Interesse zu wecken vermag, haut das nicht gerade aus den Socken … Aber die Hoffnung bleibt, auch bei Gewichtung des soweit respektabel aufspielenden Cast, der jedoch nur zum Teil Mitfühlpotenzial bietet. Doch was folgt, hat wenig mit Innovation zu tun. Gefühlt wird 100 mal zuvor Gesehenes geboten und die Stationen: Spaß, Symbole, Misstrauen, Suche und Panik werden brav abgearbeitet. Dabei nervt vor allen Dingen das ständige Schreien der Namen gesuchter Personen ungemein. Aber auch die an das plötzliche Auftauchen von Protagonisten gekoppelten Jump Scares entlocken, zumindest den Horror-Nerds, nur ein müdes Gähnen.
 
 
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Da man die Leidenschaft der Macher durchaus erahnen kann, bleibt immerhin die Zuversicht auf ein überzeugendes Ende, welches neue Facetten bietet und den Nachfolger als sinnvoll legitimiert. Und tatsächlich gibt es neben den Erweiterungen der BLAIR WITCH-Hintergrundstory, dem Spiel mit der Zeit, einer höheren Opferzahl und vereinzelten Gewalteffekten endlich sekundenlang auch einen Blick auf das zu erhaschen, nach dem sich viele im Original vergeblich gesehnt haben dürften. Aber so wie es sich nunmal leider oft mit erfüllten Wünschen verhält, gestaltet sich das Auftauchen der Legende nach einer anstrengenden – teils klaustrophobischen und insbesondere im Haus rummeligen – Achterbahnfahrt als zwiespältig. Somit werden einige mit dem Ergebnis zufrieden sein, während andere desillusioniert abwinken. Für eine übergreifende Verärgerung könnte dagegen der erneut abrupte Schluss sorgen, dem beim Original immerhin leidenschaftliche Diskussionen über das Gesehene folgten. Doch ein reger Disput dürfte weitgehend ausbleiben, weil es einen bedeutsamen Unterschied zum großen Vorbild gibt: Ende der 90er wusste man tatsächlich nicht, was an den Bildern real und was fiktiv war. Dies führte zu einer überzeugend unbehaglichen Grundstimmung. Auch wollte man sich nach dem Kinobesuch nicht wirklich eingestehen, dass man eigentlich ein geschickt präsentiertes „Nichts“ gesehen hatte, weil es im Grunde nichts zu sehen gab. Aber dieses „Nichts“ wusste trotzdem zu faszinieren. BLAIR WITCH dagegen bietet zwar eine bunt-krude Mischung aus Nostalgie, Body Horror sowie eine Prise Monster- und „The Cabin In The Woods“-SciFi-Elementen, kann jedoch nur ansatzweise an die damals so unheimliche Grundstimmung anknüpfen.
 
 
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BLAIR WITCH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Das vom Wackelkameramodus technisch perfekt umgesetzte BLAIR WITCH funktioniert wohl in erster Linie für die, denen der Erstling unbekannt ist, oder alle, die mit eigenen Augen sehen wollen, wie das Hexending nun tatsächlich optisch rüberkommt. (Oder auch nicht … wie man dem durchaus interessanten, da unterschwelllig ironisch-zornigen, Audiokommentar entnehmen kann.) Demnach dürften ebenso willige Easter Egg Sucher auf ihre Kosten kommen. Anderen bieten die weiteren ausführlichen Extras, welche Entstehungsbedingungen und das durchaus sympathisch leidenschaftliche Produktionsteam unter der Regie des souveränen Adam Wingard (YOU’RE NEXT/THE GUEST) in den Mittelpunkt rücken wohl mehr Kurzweil.
 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Zensur

 
 
 
Neben einem verletzten Fuß nebst Eigenleben gibt es nur zwei Gewalteffekte zu sehen, auf die nicht näher eingegangen werden soll, da der Film sonst weitere der ohnehin wenigen Höhepunkte verliert. Eine FSK ab 16 ist deren Folge.
 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blair Witch; USA 2016

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Trailer Nerve (1:28 Min.), Deutscher Trailer Weinberg (1:54 Min.), Audiokommentar von Regisseur Adam Wingard & Autor Simon Barrett, Making-of (3:17 Min.), House of Horrors: Exploring the Set (15:49 Min.), Neverending Night: Behind-The-Scenes of Blair Witch: Ungewisser Tod – Der Cast (12:45 Min.), Verzerrte Realität (13:19 Min.), Unendliche Nacht – Das Making-of (19:04 Min.), Die Enthüllung (22:58 Min.), Gefangen in der Zeitschleife (9:04 Min.), P.O.V. – Beim Dreh (29:24 Min.), Deuscher Blair Witch-Kinotrailer (2:00 Min.), Deutscher Trailer Der letzte Exorzismus, Deutscher Trailer Hannibal – 1. Staffel, Deutscher Trailer Possession – Das Dunkle in Dir, Deutscher Trailer The Blair Witch Project, Deutscher Trailer The Strangers

Release-Termin: 09.02.2017

 

Blair Witch [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Trailer

 
 

 
 

Andy78

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
Blair Witch 2 (2000)
 
Paranormal Activity (2007)
 
The Entity (2015)
 
Katakomben (2014)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Nightlight (2015)
 
UFO – Es ist hier (2016)
 

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Filmkritik: „The Blackout Experiments“ (2016)

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THE BLACKOUT EXPERIMENTS

Story

 
 
 
Einige Filmemacher wollen zusammen mit freiwilligen Probanten das Mysterium über die Lust an der extremen Angst ergründen. Sie buchen den sogenannten BLACKOUT – eine schaurige Dienstleistung, die ein amerikanisches (wirklich existierendes Unternehmen) im Internet anbietet.
 
 
 


 
 
 

THE BLACKOUT EXPERIMENTS – Kritik

 
 
 
Woher kommt eigentlich die Vorliebe für Horrorfilme und warum gibt es immer mehr Filmfans, die eine regelrechte Sucht nach Mord, Angst und Grusel im Film entwickeln? Befragt man Psychologen, wird oft von Angstlust gesprochen. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Furcht und Wonne, die an eine Rückkehr zur Sicherheit gekoppelt ist. Dabei verlassen die Zuschauer nur in Gedanken die sichere reale Welt und setzen sich bewusst mit der Lust an virtuellen Gefahren aus, weil stets eine Rückkehr ins sichere Wohnzimmer möglich ist, wenn man den Fernsehapparat abschaltet. Leider scheint die Gier nach dem Nervenkitzel in Zeiten von Internet und Co. immer absurdere Dimensionen zu erreichen. So reicht Vielen das Grauen aus dem heimischen TV-Gerät nicht mehr aus, um die eigenen Grenzen erkunden zu können. Die suchen nach Extremen, um den ultimativen Kick zu erhalten. Für all jene gibt es ein Unternehmen, das sich auf sogenannte „Blackouts“ spezialisiert hat. Hierbei handelt es sich um Grenzerfahrungen, die mit Terror, Angst und Schikane bewirkt werden – insofern man dafür nötiges Kleingeld zahlt.
 
 
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Wenn Achter- und Geisterbahnen nicht mehr genügend Adrenalin ausschütten, müssen halt perfidere Methoden her, um den Puls rasen zu lassen. So existiert im amerikanischen Untergrund ein Unternehmen, das mit sogenannten „Blackouts“ Kohle macht. Auf der hauseigenen Webseite bucht man 30-minütige Quäl-Sessions, um zu einem vereinbarten Termin mit vorher besprochenen Ängsten konfrontiert zu werden. Mit dieser neuen, zweifelhaften Art der Perversion beschäftigt sich die Dokumentation THE BLACKOUT EXPERIMENTS, in der Probanten freiwillig Geld zahlen, um sich von Unbekannten zu Tode ängstigen zu lassen. So folgt diese unheimliche Doku einigen Teilnehmern mit der Kamera und versucht zu beantworten, warum sich Menschen dieser extremen Lust an der Angst aussetzen. Dabei werden die Probanten von den Filmemachern interviewt und heimlich bei der Teilnahme an Blackouts gefilmt. Zimperlich geht es da keinesfalls vonstatten, wie hektisch eingefangene Bilder von Überwachungskameras zeigen. Darauf ist zu sehen, wie unmenschliche Dinge angetan werden. Vom Blockieren der Atemwege bis hin zu Schikanen oder Waterboarding werden die Freiwilligen psychischem Terror ausgesetzt, der irgendwann nicht mehr auszuhalten ist. Manche Menschen haben schon absurde Leidenschaften.
 
 
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Echt oder fiktiv? Aufgrund der realistischen Aufmachung kommt schnell die Frage auf, ob das Gezeigte wirklich authentisch ist. Dem ist nur bedingt so. Auch wenn THE BLACKOUT EXPERIMENTS aussieht wie eine Dokumentation mit Hintergrund, nutzt der Film die gleichen Mechanismen, wie einst schon der Found-Footage-Hit THE BLAIR WITCH PROJEKT von 1999. Das bedeutet, dass besagtes Unternehmem tatsächlich existiert. Dennoch handelt es sich bei allen Menschen vor der Kamera um Schauspieler. Zudem wurden Handlungsverläufe oder Interviews zuvor in einem Drehbuch niedergeschrieben. Ein gewisser Realismus lässt sich aufgrund der glaubhaften Darstellerleistungen trotzdem nicht abstreiten, was vor allem zusätzlich durch den akribisch eingehaltenen Dokumentationsstil verstärkt wird. Der orientiert sich in seiner Machart an die reißerisch aufbereiteten Real-Life-Dokus aus Amerika, wo weniger der Inhalt zählt, als mehr der Unterhaltungsfaktor. Leider erreicht der Streifen trotz Doku-Charakter zu keiner Zeit die beunruhigende Wirkung der genannten Blair-Witch-Mockumentary. THE BLACKOUT EXPERIMENTS macht nämlich einen Fehler. Der Streifen verspricht im Trailer zu viel und hält nicht einmal annähernd, was reißerische Sprüche dort angedeutet haben. So enttäuscht was sich letztendlich auf der Mattscheibe abgespielt. Von groß angekündigter Schaufreudigkeit oder gar expliziter Quälerei ist kaum etwas zu sehen. Das dürfte vor allem Voyeure abschrecken, die sich hier mal wieder möglichst kompromisslose Filmgewalt erhofft haben. Die wenigen Erniedrigungen werden nur angerissen und der Zuschauer darf stets nur einen kurzen Blick erhaschen, bevor mit dem nächsten Interview fortgesetzt wird. Weil sich die Abläufe ständig wiederholen, stellt sich rasch Langeweile ein. Hinzukommt, dass hier eher einseitig berichtet wird. In diesem fiktiven Dokumentarfilm kommen weder Psychologen noch Experten zu Wort, um die Gier nach Angst wissenschaftlich zu beleuchten. Stattdessen werden Probanten immer wieder in die Höhle des Löwen geschickt, bis sie es nicht mehr aushalten. Anschließend werden sie nach ihren Eindrücken befragt und schildern, welche seelischen Spuren die Demütigungen hinterlassen haben. Wegen den ständig gleichen Abläufen und dem mangelnden Informationsgehalt dürften da schnell die Augen schwer werden. Demnach sollte man THE BLACKOUT EXPERIMENTS eher unter Horror verbuchen. Von ernstzunehmender Auseinandersetzung mit dem Thema Angst ist dieser Found-Footage-Streifen weit entfernt. Dazu riecht der Streifen zu sehr nach subtiler Werbung für ein Unternehmen, das mit zweifelhaften Methoden Geld verdienen möchte.
 
 
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THE BLACKOUT EXPERIMENTS – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Einfallsreicher und beunruhigender Angstmacher im Dokumentarstil mit raffiniertem Sound-Design und interessanter Thematik. Angst spielt in THE BLACKOUT EXPERIMENTS eine tragende Rolle, weil sich die fiktive Dokumentation mit der Gier nach Angst in seiner Extremform beschäftigt. Warum setzen sich Menschen freiwillig der Angst im Film aus? Und warum zahlen Menschen Geld dafür, um sich von Fremden zu Tode ängstigen zu lassen? Sonderlich aufschlussreiche Antworten erspart sich THE BLACKOUT EXPERIMENTS, was ihn relativ oberflächlich erscheinen lässt und ihn dann doch mehr in die Horrorschublade presst. THE BLACKOUT EXPERIMENTS will eher reißerisch unterhalten, statt wissenschaftlich zu untersuchen. Das macht ihn trotz der interessanten Ansätze irgendwie austauschbar. In Interviews erklärte Regisseur RICH FOX, wie ihm die Idee zum Film kam. Bei Recherchen über das Thema Angst stieß er auf einen Artikel über sogenannte „Extreme Haunts“, der seine Aufmerksamkeit erregte. So gibt es neben den beliebten Horror-Häusern in Amerika weitaus perfidere Dienstleistungen für die man Geld zahlt, um das Fürchten gelehrt zu bekommen. Einer dieser Extremformen bietet die Seite theblackoutexperience.com an. Dort werden sogenannte „Blackouts“ als ultimatives Horror-Erlebnis beworben. Man zahlt Geld dafür, um anschließend knapp 30 Minuten irgendwo in Los Angeles oder New York mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert zu werden. Wird’s den Teilnehmern dann zu viel, haben die die Möglichkeit das teils rabiate Vorgehen mit einem vorher abgesprochenen Codewort zu beenden. Ins Leben gerufen wurde der fragwürdige Blödsinn von Josh Randall and Kristjan Thor, die sich mit dieser neuen Dimension der Angst ein goldenes Näschen verdient haben. Sachen gibt’s, die will man eigentlich gar nicht wissen.
 
 


 
 
 

THE BLACKOUT EXPERIMENTS – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es in THE BLACKOUT EXPERIMENTS nicht zu sehen. Hier werden in wenigen Einstellungen Menschen angeschrieen und schikaniert. Sollte der Film nach Deutschland finden, gibt es wohl eine FSK16 für diese Found-Footage-Dokumentation.
 
 
 


 
 
 

THE BLACKOUT EXPERIMENTS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Vatican Tapes (2015)

The Atticus Institute (2015)

Apollo 18 (2011)

Trollhunter (2010)

Mann beißt Hund (1992)


Filmreview: „The Frankenstein Theory“ (2013)

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THE FRANKENSTEIN THEORY

Story

 
 
 
Professor John Venkeheim ist regelrecht besessen von der Vorstellung, dass die Schriftstellerin Mary Shelley sich für ihren „Frankenstein“-Roman von geschichtlichen Fakten hat inspirieren lassen und das die Erzählung auf reelle Ereignisse zurückzuführen ist. Aufgrund seines Eifers hat er bereits kürzlich sein Amt an einer der renommiertesten Universitäten Amerikas verloren und versucht nun mittels einer Dokumentation all die Skeptiker von der Echtheit des mysteriösen Wesen zu überzeugen, die bisher der Meinung waren, dass Venkeheim mit seinen Theorien nicht ganz auf geistiger Höhe zu sein scheint. Um seinen akademischen Ruf retten und die Beweise aus Zelluloid bannen zu können, beauftragt er ein Kamerateam, dass ihn bei seiner Exkursion in das verschneite Kanada begleiten soll. Dort wurde die Kreatur angeblich zuletzt gesichtet, die einst einem schrecklichen Experiment entkommen konnte und nun mordgierig durch die winterliche Einöde Nordkanadas umhergeistern soll …
 
 
 


 
 
 

THE FRANKENSTEIN THEORY – Kritik

 
 
 
Schon etwas sehr hanebüchen, wenn eine MOCUMENTARY (also eine fiktive Dokumentation) dem Zuschauer einbläuen möchte, dass der Roman einer gewissen Mary Shelley keiner Fiktion entspringen, sondern auf wahren Begebenheiten beruhen soll. Bei derart sinnbefreiten Idee fragt sich der Zuschauer natürlich unweigerlich, woher eigentlich amerikanische Drehbuchautoren und Skriptschreiber die Drogen hervorkramen, die sie eingenommen haben müssen, um derart Nonsens zu Papier bringen zu können und welch üble Geschichten denn in Zukunft noch alles ihren Weg in die weltweiten Heimkinos finden werden. Bereits im Jahre 2001 haben findige Nachwuchsfilmer das Mittel der Medienmanipulation kongenial für ihren Film nutzen können. Das BLAIR WITCH PROJECT war eines der ersten (und vermutlich auch einzigen) Werke, das bereits im Vorfeld für Furore sorgte und es erstaunlich selbstsicher schaffte, Filmfans einzutrichtern, dass irgendwo in den Wäldern Amerikas eine mysteriöse Hexe ihr Unwesen treiben soll. Zehn Monate nachdem die Regisseure DAN MYRICK und ED SANCHEZ ihren Film fertiggestellt hatten, stellten sie eine Webseite ins Internet, auf welcher sie als Tatsachenbericht getarnt, über das Verschwinden dreier Studenten informierten, die einen Dokumentarfilm über die berüchtigte „Blair“-Hexe auf Zelluloid bannen wollten. Mittels fiktiver Interviews versuchten die Filmemacher den Besuchern jener Webseite glaubhaft zu machen, dass irgendwo in den Wäldern wirklich eine derart ominöse Präsenz hausen würde und die unweigerlich mit dem Verschwinden jener Kids in Verbindung stehen sollte. Die Täuschung war perfekt, sodass Filmfans weltweit von der Echtheit des Falls überzeugt waren und in die landesweiten Lichtspielhäuser strömten, um das vermeintlich von den Studenten gefilmte und gefundene Bildmaterial bewundern zu dürfen, was DAN MYRICK und ED SANCHEZ letztendlich zum bekannten Kino-Hit mit dem Titel BLAIR WITCH PROJECT zusammengeschnitten hatten.
 
Ganz so groß und raffiniert, wie THE BLAIR WITCH PROJECT kommt THE FRANKENSTEIN THEORY natürlich nicht daher, viel zu sehr wirkt die Ausgangssituation an den Haaren herbeigezerrt, sodass der Filmfreund bei derart Kontext nur unverständlich mit dem Kopf schütteln dürfte, den uns hier die Macher von THE LAST EXORCISM aufzutischen versuchen. Immerhin wissen sie diesen vollkommen blödsinnigen Hirnshit halbwegs ansprechend zu verpacken, den es lässt sich wahrlich nicht leugnen, dass THE FRANKENSTEIN THEORY durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß. Zu verdanken ist dieser Fakt, den trefflich gewählten Protagonisten, die durchweg glaubhaft und sympathisch in Erscheinung treten. Gott sei Dank hat es der Zuschauer hier mit halbwegs gestandenen Persönlichkeiten zu tun – ein teen´reskes Gebrabbel und planloses Umhergekreische darf demnach hier ausgeschlossen werden, was den Film durchaus positiv aufzuwerten weiß. Trotzdem obliegt auch THE FRANKENSTEIN THEORY den obligatorisch klischeebehafteten Genre-Regeln. Da werden natürlich Exkursionen in die verschneite Winterlandschaft nicht im Team vollzogen, sondern getrennt. Nachdem das Filmteam auf das sagenumwobene Monster stößt und den ersten Toten zu beklagen hat, soll Hilfe angefordert werden. Hier wird natürlich nur ein Crew-Mitglied in die Ödnis geschickt, das nun dringend Hilfe suchen soll. Allein lässt sich scheinbar der korrekte Weg durch das schneebdeckte Kanada besser finden, als im Doppelpack. Zudem fragt man sich als Zuschauer ohnehin die ganze Zeit, warum die Beteiligten bei einer derart Bedrohung nicht unweigerlich versuchen ihr Equipment zusammenzupacken, um in den nächstliegenden Ort per Fußmarsch zu pilgern. Stattdessen machen Sie es sich tagelang in des Monsters Holzhütte gemütlich – verständlich, dass die Kreatur keinen Spaß mit den unwillkommenen Gästen versteht.
 
Apropos Monster; das gibt es natürlich auch im Film zu sehen und hat, wie so oft in derart Produktionen, augenscheinlich bis kurz vor Ende Sendepause. Erst dann führen die Gegebenheiten ins Absurdum und das Wesen erhält einige Sekunden Screentime. Wer aber hier meint glaubhaft ausufernde Creature-Effekte serviert zu bekommen, dürfte ersichtlich enttäuscht werden. Die Anwesenden protokollieren die Interaktionen der mysteriösen Roman-Kreatur mit ihrer Kamera aus der Entfernung, sodass sich das Ding kaum erkennen lässt und eher eine aufdringliche Ähnlichkeit mit einem tollwütigen Neandertaler besitzt, der planlos durch den Schnee stapft und dabei unsittliche Laute von sich gibt. Eine unfreiwillige Komik lässt sich hier nicht leugnen, machen gerade die vollkommen unspektakulären Auftritte des Wesens, die eigentlich hervorragend-klaustrophobische aufgearbeitete Stimmung des Films zunichte. Hier hat man wahrlich etwas Spektakuläres erwartet, zumal man als Zuschauer wieder einmal nicht verstehen kann, warum ausgerechnet immer dann, wenn die Bedrohung seinen obligatorischen Auftritt erhält, Kameras unentwegt stören, wackeln oder ausfallen müssen.
 
THE FRANKENSTEIN THEORY ist eine kleine Enttäuschung. Die Atmosphäre wird Schritt für Schritt aufgebaut und punktet mit beklemmender Intensität; die traumhafte aber dennoch ausweglose Schneelandschaft offenbart ein bedrückendes Gruselerlebnis das durchaus seine Momente besitzt. Eigentlich gibt es bei THE FRANKENSTEIN THEORY kaum etwas Nennenswertes zu bemängeln. Die gefakte Dokumentation im aktuell so beliebten Found Footage-Stil ist stimmig erzählt, gut bebildert und glaubhaft gespielt. Wäre da nicht das vollkommen lächerliche Monster, dass im Verlauf des Films für Zucht und Ordnung sorgt und die Beteiligten zwanghaft in den Tod meucheln muss. Hierbei wäre weniger Schaufreudigkeit mehr gewesen. Denn nachdem sich das Ding das erste Mal vor der Kamera blicken lässt, geht es mit dem hier vorliegenden THE FRANKENSTEIN THEORY auch merklich bergab. Für einen derart plakativen Filmtitel ist der hier bebilderte Höhlenmensch, den Regisseur ANDREW WEINER in seinem Film versucht dem Zuschauer zu verkaufen, eine mehr als dreiste Unverschämtheit. Immerhin, und das muss man dem Film zugute halten, lässt er dem Zuschauer genug Interpretationsspielraum. Handelt es sich hier wirklich um das besagte Monster aus dem Roman oder um eine vollkommen andere, unbekannte Gestalt. Dieser Frage beantwortet THE FRANKENSTEIN THEORY nämlich leider vollkommen unzureichend, was hoffentlich KEIN überflüssiges Sequel/Prequel zur Folge haben wird!
 
 
 


 
 
 

THE FRANKENSTEIN THEORY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Found Footage Dokumentation mit einem zugegeben entäuschenden Monster – Durchschnittware ohne Überraschungen!
 
 
 


 
 
 

THE FRANKENSTEIN THEORY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung ist ungeschnitten und trägt das FSK16-Kennzeichen. Kein Wundern, denn grausame Schauwerte sucht man hier vergebens.
 
 
 


 
 
 

THE FRANKENSTEIN THEORY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Frankenstein Theory, USA 2013

Genre: Horror, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min. (uncut)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 23.05.2014

 
 
 

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THE FRANKENSTEIN THEORY – Trailer

 
 
 

 
 

Hellraiser80

 
 
 
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