FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Filmchecker Blog

Filmkritik: „Inside“ (2016)

inside-remake-2017-poster
 
 
 

INSIDE

(INSIDE – REMAKE)

Story

 
 
 
Ein spanisches Remake des französischen Horrorfilms INSIDE: So schnell steigt die hochschwangere Sarah Clarke (RACHEL NICHOLS) nicht wieder in ein Auto. Nach einem Autounfall verliert die nämlich nicht nur ihr Gehör. Auch der Gatte stirbt unter tragischen Umständen am Unfallort und lässt die Mutter allein mit dem ungeborenen Nachwuchs zurück. Keine leichte Situation für Sarah, die das gemeinsame Haus verkaufen und es sich trotz Kummer an Heiligabend allein Zuhause gemütlich machen möchte. Da klopft es plötzlich an der Tür. Eine Dame bittet um Einlass, weil sie eine Autopanne hat. Nun benötigt sie ein Telefon, um einen Anruf tätigen zu können. Doch die junge Mutter hat kein gutes Gefühl. Sie weist die Unbekannte ab und lenkt somit den Zorn der Hilfesuchenden auf sich. Natürlich wird schnell klar, dass der unerwartete Besuch andere Gründe hat. Die Frau will das ungeborene Kind der ahnungslosen Mutter und verschafft sich Zutritt zum Haus. Was folgt ist kein Kaffeekränzchen. Die beiden Damen liefern sich ein unerbittliches Kopf- an Kopfrennen, das nur einen Sieger kennt. Mutterglück geht eben über Grenzen hinaus. Ein hektischer Adrenalinkick! Trotz „Made in Spain“ diesmal Schrecken in englischer Sprache! Verkauft sich international besser.

 
 
 


 
 
 

INSIDE – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die darf man einfach nicht neu drehen, weil man sonst den Zorn von Horrorfans auf sich lenkt. So stehen bestimmte Horrorklassiker auf der Liste geschützter Lieblingsfilme, deren Neuinterpretationen bereits im Vorfeld verrissen werden noch bevor überhaupt ein Drehbuchschreiber am Schreibtisch gesessen hat. Doch nicht nur alter Kult-Horror wird von Anhängern verehrt und verteidigt. Auch viele neuere Produktionen stehen mittlerweile unter Schutz und Vergehen wird nicht selten mit Hetze bestraft. So geschehen mit der amerikanisierten Neuinterpretation des französischen Extrem-Schockers MARTYRS. Die Vorlage gilt als einer der größten Errungenschaften modernen Horrorkinos und hat mittlerweile eine riesige Fanbase aufgebaut, die sich über den gesamten Globus verteilt. Deren Empörung war natürlich groß, als im Internet die Nachricht von einem Remake die Runde machte. Letzteres wurde veröffentlicht und von Zuschauern und Kritikern nicht unbedingt mit Lob überhäuft. Demzufolge verschwand es so schnell wie es gekommen war wieder in der Versenkung. Berechtigt!
 
 
inside-remake-2017-bild-4
 
 
Gleiches Schicksal dürfte auch dem hier besprochenen INSIDE ereilen. Auch bei diesem Horrorthriller handelt es sich um die Neuverfilmung eines Beitrags genannten Extremkinos aus Frankreich, welches in den 2000ern aufgrund fragwürdiger Gewaltausbrüche für Furore gesorgt hat. Leider dürfte die Kontroverse nicht wiederholt werden, denn das INSIDE-Remake sieht zwar makellos aus, besitzt aber nicht einmal annähernd den Zündstoff, den einst der von JULIEN MAURY und ALEXANDRE BUSTILLO inszenierte Home-Invasion-Stoff unter dem Titel À L’INTÉRIEUR geliefert hat. Das mutet seltsam an, hat doch diesmal auf dem Regiestuhl jemand Platz genommen, der sich eigentlich mit Terror in den eigenen vier Wänden auskennt. Der Spanier MIGUEL ÁNGEL VIVAS drehte vor einigen Jahren mit KIDNAPPED einen nicht minder reißerischen Vertreter der Gattung Home-Invasion-Horror. Auch dort wurden alle Register klassischer Exploitation gezogen, um den Zuschauer schockieren zu können. Da fragt man sich doch glatt, was im Falle von INSIDE schiefgelaufen ist. Das Remake ist trotz Horror-Fachmann eine Enttäuschung und dürfte die Vita des talentierten Filmemachers nicht unbedingt bereichern. Shit happens manchmal!
 
 
inside-remake-2017-bild-3
 
 
Vermutlich wäre der spanische INSIDE ein passabler Vertreter des Genres geworden, wenn es da nicht schon die Vorlage gegeben hätte, die letztendlich bereits alles gesagt hat, was es zu sagen gibt. Viele Neuerungen gibt es im Remake nämlich nicht zu sehen, denn der Film erzählt gleichen Stoff wie das Original und weicht dabei nur wenig vom rechten Weg ab. Das macht die Neuauflage irgendwie überflüssig, die zudem auch hinsichtlich Gewalt einen Rückzieher macht mit der sich immerhin der französische INSIDE von 2007 in die Herzen von Horrorfans schlitzen konnte. Statt Blutkeule probiert sich der spanische Regisseur MIGUEL ÁNGEL VIVAS in Sachen Suspense und Thrill aus. Demzufolge ist das Katz- und Mausspiel weitaus hektischer geraten, als anfangs vermutet – scheitert aber an Ideenarmut und den katastrophalen Entscheidungen seiner Figuren. Was dem Zuschauer hier zugemutet wird, ist jenseits von Gut und Böse. Selten hat man einen Horrorfilm zu Gesicht bekommen, in dem die Dummheit seiner Protagonisten einen ganzen Film zerstört. Rationales Denken ist hier Fehl am Platz. Egal, ob Nachbar, Angehörige oder die Polizei – niemand denkt hier über Konsequenzen für unüberlegtes Handeln nach. So fliegen alle Figuren wie Motten ins Licht und geraten somit in die Fänge einer schwarzen Witwe, die mit den naiven Opfern kurzen Prozess macht. Die Auszeichnung für den im wahrsten Sinne des Wortes „dümmsten Film“ der letzten Jahre geht somit zweifelsohne an den englischsprachigen INSIDE. Spanien 12 Punkte – Herzlichen Glückwunsch!
 
 
inside-remake-2017-bild-2
 
 
Unterm Strich steigt die Neuinterpretation des Splatter-Hits INSIDE in die gleichen Fußstapfen, wie die meisten Neuverfilmungen beliebter Horrorfilme. Der Streifen macht zwar handwerklich und atmosphärisch einiges her, bestätigt aber Zweifler darin, dass lieber neue Filminhalte fürs Lichtspielhaus inszeniert werden sollten, statt kalten Kaffee immer neu aufzuwärmen. Der spanische INSIDE verdeutlicht einmal mehr, dass Neuinterpretationen nur dann Sinn machen, wenn man sie auch wirklich neu und auf eigene Weise interpretiert. Das kann passieren, wenn Klassiker einfach nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten entsprechen und man angestaubte Botschaften in neue, moderne Zeiten transferieren möchte. Demzufolge bleibt fraglich, was Filmemacher MIGUEL ÁNGEL VIVAS denn mit seinem INSIDE bezwecken wollte? Letztendlich lag es wohl bestimmt wieder am amerikanischen Zuschauer. Bekanntermaßen bevorzugt der englischsprachige Produktionen, weil er bei internationalen Filmen zu bequem ist deren Untertitel zu lesen. Manchmal ist eben nur Original legal. Immerhin geht’s diesmal glücklich aus. Die Neuauflage von INSIDE verfügt nämlich über ein Happy End in dem sich die schwangere Filmheldin mit Hilfe einer Geburts-Metapher selbst ins Leben zurückkämpft. Das dürfte dem Mainstream-verwöhnten Allesschauer in Amerika gefallen. Wir Europäer hier brauchen die rosarote Brille nicht, denn uns genügt das grimmige, bitterböse und rohe Original aus Frankreich. Das Leben ist eben nicht immer nur Ponyhof.
 
 
inside-remake-2017-bild-1
 
 


 
 
 

INSIDE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Versuch Schockwirkung auch ohne Blutkeile zu bewirken. Der englischsprachige INSIDE aus Spanien wäre vermutlich kein übles Remake geworden, wenn sich einerseits die Figuren gescheit verhalten hätten und sich Regisseur MIGUEL ÁNGEL VIVAS etwas weiter von der Vorlage entfernt hätte. Bis auf eine Verfolgungsjagd am Ende und dem guten Ausgang der Geschehnisse sind die Verläufe nahezu identisch zum französischen INSIDE von 2007. Nur bei der Gewalt wird ein Gang heruntergeschalten. Somit taugt der Film nur für jene, die sich bisher noch nicht an das französische Original herangetraut haben, weil es ihnen einfach zu brutal gewesen ist. Dennoch ist auch diese Neuverfilmung überflüssig, weil der Sinn dahinter nicht schlüssig ist. Aber in Zeiten schnell verdienten Geldes sind Gründe eher Nebensache. Vermutlich geht es ohnehin nur um Geldschneiderei. Das nächste (unnötige) Remake wartet wahrscheinlich bereits auf seine Veröffentlichung. Somit kann man den spanischen INSIDE sehen, abhaken und wieder vergessen. Wir meinen: Offensichtliche Budget- und für Horrorfans definitiv Zeitverschwendung.
 
 
 


 
 
 

INSIDE – Zensur

 
 
 
Das spanische Remake hält sich in Sachen Gewalt zurück. Einige kurze Gemeinheiten gibt es dennoch zu sehen. So kommt eine Spiegelscherbe zum Einsatz, die in einen Hals gestochen wird. Weiterhin greift man auf gutes altes Mordhandwerk zurück: dem Küchenmesser. Anders wie der Originalfilm aus Frankreich, dürfte es der spanische INSIDE bei der FSK einfacher haben. Man darf auf eine Freigabe ab 16 Jahren hoffen.
 
 
 


 
 
 

INSIDE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Nostromo Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
À l’intérieur (2007)
 
The Clinic (2010)
 
Das Wiegenlied vom Tod (2016)
 
Schlaraffenhaus (2011)
 

Advertisements

Filmkritik: „I Remember You“ (2017)

i-remember-you-poster
 
 
 

I REMEMBER YOU

(Ég man þig)

Story

 
 
 
Im ländlichen Island geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das Verschwinden eines kleinen Jungen bringt einen mysteriösen Mordfall ins Rollen, der selbstverständlich gelöst werden muss.

 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Kritik

 
 
 
Jedes Jahr um die Sommerzeit zieht ein Fest durch Deutschland, das Genre-Fans hellhörig werden lässt. Dort nämlich werden aktuelle Filme aus den Bereichen Horror, Thriller und Fantasy auf die Leinwand gebracht, die es nach der Aufführung gern mal auf DVD und Blu-ray schaffen. Die Rede ist vom FANTASY FILMFEST, das sich mittlerweile zur ersten Adresse bei Fans des phantastischen Kinos entwickelt hat, weil die Veranstalter Spreu vom Weizen trennen. Statt üblen Low-Budget-Unfug und austauschbare Billigware zu zeigen, versuchen die Macher Filme aufzuführen, die auch einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Wohl auch ein Grund für die Beliebtheit der Veranstaltung, weil das Fest vor Augen führt, dass unabhängiges Genrekino weit mehr kann, als das was uns Hollywood versucht vorzugaukeln.
 
 
i-remember-you-bild-4
 
 
Weg vom bekannten Gruseleinerlei hin zu unkonventioneller Angstmacherei. Mit genau jenem Konzept konnte auch das isländische Mysterydrama I REMEMBER YOU glänzen, das sich auf genannter Veranstaltung als Publikumsliebling entpuppte. Während das FANTASY FILMFEST nämlich in verschiedenen Städten eine Reihe von Genrestreifen im Kino zeigt, darf das Publikum die Besten der Besten küren. Dabei mauserte sich genannter Island-Export schnell zum Geheimtipp und kletterte mit seiner etwas anderen Machart an die Spitze der beliebtesten Gruselfilme des FANTASY FILMFEST 2017. Ganz unbegründet ist die Entscheidung der Zuschauer nicht. I REMEMBER YOU ist nämlich wirklich gut, aber zweifelsohne nichts fürs Kommerzpublikum. Allein dessen ist dieser isländische Genre-Beitrag aber schon mal eine Sichtung wert.
 
 
i-remember-you-bild-3
 
 
I REMEMBER YOU beansprucht die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. So wollen drei junge Leute auf einer isländischen Insel ein Haus auf Vordermann bringen, um es zahlenden Touristen als Bed-and-Breakfast-Hotel zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiten sind mühselig, hat seit über 60 Jahren kein Mensch mehr hier gewohnt. Doch die Renovierungsarbeiten stehen unter keinem guten Stern. In der Hütte scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und auch zwischen den Anwesenden beginnt es bald zu brodeln, weil private Konflikte ans Tageslicht kommen. Währenddessen wird Kilometer weiter ein seltsamer Selbstmord untersucht. Dort hat sich eine alte Dame das Leben genommen auf deren Körper man sonderbare Verletzungen findet. Der ermittelnde und selbst von Sorgen zerfressende Psychologe Freyr beginnt zu forschen und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das ihm bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
i-remember-you-bild-2
 
 
Auf Island kommt man langsam in die Gänge. Nach dem unheimlichen Abschiedsdrama RIFT folgt nun ein weiterer Gruselfilm, der gekonnt die Kulisse isländische Abgeschiedenheit nutzt, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Offenbar nimmt man sich Schweden als Vorbild, wo selbst die Traumfabrik vor der unkonventionellen Machart den Hut zog und sich Rechte für Genre-Ware krallte, um daraus neu interpretiertes Kinomaterial im amerikanische Stile zu produzieren. Gleiches könnte auch mit I REMEMBER YOU passieren, denn der Film besitzt eine verschachtelte Geschichte, die gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms ist. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn I REMEMBER YOU ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur ÓSKAR THÓR AXELSSON besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht I REMEMBER YOU auch auf emotionaler Ebene brauchbar und glaubhaft, was vor allem Schauspieler JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Mit ihm fühlt man mit, weil der unter dem kuriosen Verschwinden seines Kindes leidet. Der begegnet dem Sohnemann plötzlich an den undenkbarsten Orten und folgt ihm auf eine Spur, die am Ende des Rätsels Lösung ist. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.
 
 
i-remember-you-bild-1
 
 
Der langsam und bedacht inszenierte I REMEMBER YOU beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reißerischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Letzterer dürfte Besitzer von Heimkinoanlagen das Fürchten lehren, weil der Subwoofer just in jenen Momenten besonders aktiv wird, wenn drohendes Unheil naht. Effektive Gruselzutaten, um einen sehenswerten Genrefilm zu inszenieren. Das ist I REMEMBER YOU mit Sicherheit.
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Die isländische Version des gefeierten Geisterklassikers WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Den Plot zum Film hat sich nämlich die vielfach ausgezeichnete Kriminalautorin YRSA SIGURÐARDÓTTIR ausgedacht, die mit dem zugehörigen Roman „Ég man þig“ einen isländischen Krimi verfasst hat, der angeblich bei Erscheinen im Jahr 2010 so viele isländische Leser nächtelang wach gehalten hat, wie wenige Bücher zuvor. Ganz unbegründet ist die Hype nicht. Auch die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. I REMEMBER YOU besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Da sag noch einer, die Isländer würden von der übrigen Welt nichts mitbekommen. In Sachen Genrefilm hat man auf der Insel im Norden offenbar einiges dazugelernt. I REMEMBER YOU zumindest ist eine Glanzleistung in Sachen Mysterykino. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Zensur

 
 
 
I REMEMBER YOU hat eigentlich kaum Gewalt zu bieten. Zwei Protagonisten werden von herabfallenden Steinen erschlagen und verenden an ihren Verletzungen. Zudem gibt es eine mumifizierte Kinderleiche und tote Körper mit seltsamen Wundmalen zu sehen. Hierzulande hat der isländische Horrorfilm eine FSK16 erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Deutsche Blu-ray

 
 
 
i-remember-you-bluray

(c) Concorde Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ég man þig; Island 2017

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Release-Termin: 18.01.2018

 

I Remember You [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

I REMEMBER YOU – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Go On (2016)
 
Devil in the Dark (2017)
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 


Filmkritik: „Devil’s Gate“ (2017)

devils-gate-2017-poster
 
 
 

DEVIL’S GATE

Story

 
 
 
Auf einer unheimlichen Farm passieren seltsame Dinge. Was die Polizei dort jedoch findet, geht weit über rationalen Menschenverstand hinaus.

 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Kritik

 
 
 
Ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn ein Film von Festival zu Festival gereicht wird? Nicht selten steckt dahinter Kalkül. Viele Festival-Initiatoren zeigen sehenswerte Filme, um möglichst viele Besucher in die Vorstellungen locken zu können. Aber das Einreichen von Filmen kann auch einem anderen Zweck dienen. So kann es gut sein, dass Filme keinen Verleih finden und daher so lange auf diversen Festivals ihr Dasein fristen bis sich endlich ein Einkäufer findet. Im Falle von DEVIL’S GATE können wir aber Entwarnung geben. Auch dieser Streifen wurde auf einschlägigen Veranstaltungen wie dem FRIGHTFEST oder dem TRIBECA FILMFESTIVAL aufgeführt, vermutlich aber nicht mit dem Hintergrund unbedingt ein Käufer für die Heimkinoauswertung zu finden. Diesen dürfte erwähnter Indie-Horror ohnehin schnell gefunden haben, denn DEVIL’S GATE ist weit weg von schlecht und bringt gute Horrorunterhaltung ins gemütliche Wohnzimmer. Darauf dürfen sich Genre-Fans freuen.
 
 
devils-gate-2017-bild-1
 
 
Was ist denn hier nicht in Ordnung? Das denkt sich auch FBI-Agentin Daria Francis (AMANDA SCHULL). Die muss sich im ländlichen Amerika mit einem Fall beschäftigen, der viele Fragen aufwirft. Im Fokus der Ermittlungen steht Familienvater Jackson Pritchard (MILO VENTIMIGLIA aus STATIC und KISS OF THE DAMNED). Seit einer Ewigkeit sind nämlich dessen Frau und der gemeinsame Sohn verschwunden. Man glaubt an Mord. Doch der ortsansässige Sheriff Conrad ‚Colt‘ Salter (SHAWN ASHMORE aus HATCHET 2 und FROZEN) kennt den Beschuldigten seit der Kindheit persönlich und vermutet andere Ursachen. Grund genug sich auf der heruntergekommenen Ranch besagter Familie umzuschauen. Dort stößt man auf das verstörte Familienoberhaupt, das über den Besuch der Gesetzeshüter so gar nicht erfreut ist. Offenbart versucht er die Farm vor etwas zu beschützen, das es mit der Familie nicht sonderlich gut meint. Und in der Tat. Im Keller erhält man erste Hinweise. Dort haust in einem Käfig ein Wesen, das keinesfalls menschlich ist. Da stellt sich glatt die Frage, was in diesem Heim nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Antwort darauf sucht man in dieser Kritik vergebens. Jeder noch so kleine Spoiler raubt nämlich DEVIL’S GATE die Spannung.
 
 
devils-gate-2017-bild-2
 
 
Eine abgelegene Farm, bedrohliche Wolken, ein religiöser Fanatiker und der Teufel im Titel. Dieser Film muss mit dem Okkulten zu tun haben, was wohl das Interesse eines Exorzisten auf den Plan rufen dürfte, der hier mit Weihwasser und Kruzifix zu Tate schreiten muss. Überraschenderweise macht Regisseur CLAY STAUB alles anderes. DEVIL’S GATE ist im anderen Subgenre Zuhause und treibt mit unerwarteten Handlungsverläufen die Spannung voran. Leider beinhaltet der Streifen viele Rätsel und überraschende Wendungen, was es an dieser Stelle schwer macht den Film zu rezensieren. Jede Information zu viel zerstört den nicht uninteressanten Plot, der hier immer nur knappe Hinweise darüber liefert, was letztendlich des Pudels Kern ist. Der Zuschauer wird stets häppchenweise mit Antworten versorgt, die am Ende ein rundes Ganzes ergeben. Erst dort macht der Mystery-Plot Sinn und verinnerlicht einmal mehr, dass selbst bekannte Geschichten immer noch gut funktionieren, wenn man sie in einem unvorhersehbaren Drehbuch niederschreibt, das nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Dass die erste eigene Arbeit von Regisseur CLAY STAUB eine atmosphärische wie spannende Glanznummer geworden ist, scheint nicht von ungefähr zu kommen. Der Macher war nämlich zuvor an einigen Horror-Produktionen beteiligt, bei denen er wohl das Einmaleins des Angstmachens studiert hat. So stand er als Regisseur der zweiten Unit an der Neuverfilmung des Kultstreifens DAWN OF THE DEAD und dem Prequel zu Carpenters THE THING zur Seite. Immerhin erfolgreiche Filme, die besser waren, als die meisten Neuinterpretationen geliebter Kultklassiker. Qualitativ bleibt Macher CLAY STAUB zumindest seinem Kurs treu. DEVIL’S GATE kann sich sehen lassen und dürfte Freunde unabhängigen Gruselkinos bestens unterhalten. Dank guter (aus TV-Serien bekannter) Schauspieler, professionell getrickster Kreaturen-Effekte und durchdachter Erzählweise ist aus diesem kleinen Grusel-Indie definitiv ein Geheimtipp geworden. Sollte man sich auf die Filmliste setzen.
 
 
devils-gate-2017-bild-3
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bedrohlich-düsteres Indie-Kino, das sich nicht gleich durchschauen lässt und bis zum Ende fesselt. DEVIL’S GATE gelingt das Kunststück, welches immer wenigeren unabhängig produzierten Horrorfilmen gelingt. Der Streifen erzählt eine Geschichte, die schnell in den Bann zieht und von der man unbedingt wissen will, wie sie ausgeht. Grund hierfür: Man hat sich beim Verfassen des Drehbuchs Gedanken gemacht und an einem Plot gebastelt, der den Zuschauer anfangs versucht in die Irre zu führen. Wohin die Reise wohl gehen wird? Das bleibt bis zur Hälfte ungewiss. Ein guter Schachzug, um das Publikum bei Laune zu halten. Offenbar war im Falle von DEVIL’S GATE jemand am Regler, der selbst Horrorfan ist und weiß, was Genre-Fans wollen. Letztere dürstet es nach spannenden Geschichten, die gute Unterhaltung versprechen. Das ist Regisseur CLAY STAUB definitiv gelungen. Der zitiert hier Altmeister wie JOHN CARPENTER oder TOBE HOOPER. Die permanent bedrohliche Kulisse tut da ihr Übriges. Essentiell für einen Horrorfilm. Dieser Mysterythriller ist zweifelsohne sehenswert. Bitte mehr von diesen kleinen, qualitativen Low-Budget-Schockern.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt zeigt DEVIL’S GATE nicht. Ein Mann wird von einer Bärenfalle zerquetscht, Ein Bein wird mit einem metallischen Gegenstand durchbohrt, der Brustkorb eines Protagonisten wird aufgerissen und ein Gesicht wird ebenfalls weggeschossen. Hierzulande dürfte eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

DEVIL’S GATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Extraterrestrial (2014)
 
The Recall (2017)
 
Dark Skies – Sie sind unter uns (2013)
 


Filmkritik: „Escape from Cannibal Farm“ (2017)

escape-from-cannibal-farm-2017-poster(1)
 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM

Story

 
 
 
ESCAPE FROM CANNIBAL FARM fängt passabel an, wird aber schnell unfreiwillig albern. Eine Familie gerät an eine Sippe, die auf einer Farm Menschen mit der Kettensäge in kleine Wurstscheiben schneidet.

 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Kritik

 
 
 
Es war einmal ein kleiner Junge, der hat sich während seiner Jugend Horrorfilme im Überfluss angeschaut. Irgendwann kam ihn ein krasses Stück Genre-Kino vor die Funzel, das ihn derart beeindruckt hat, weshalb er später auch mal einen ähnlichen Schocker drehen wollte. So oder so ähnlich dürfte es zur Entstehung des folgenden Streifens gekommen sein, der bereits Dank plakativ gewähltem Titel mit der Tür ins Haus fällt und sich nicht um Subtilität oder Geheimniskrämerei kümmert. Bei ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist die Titelkreation Programm. Die klärt auf, dass es wohl etwas blutiger zugehen wird. Und in der Tat. Der Trailer erfreut durch härtere Gangart und zeigt, wo der Splatter-Frosch die Locken hat. Leider der einzig nennenswerte Bonus in diesem sonst eher stumpfsinnigen Plagiat eines umjubelten Horrorfilmklassikers. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist eine blutige Schlachtplatte eines noch unerfahrenen Regisseurs, der sich erst noch im Genre ausprobieren und finden muss. Hier ist der Blutzoll zwar hoch, aber das Drehbuch hätte dringend einen Lektor benötigt. Offenbar war es dem (Horrorfilm-begeisterten) Regisseur wichtiger einen Film mit viel Rot zu inszenieren, der bei Gleichgesinnten gut ankommt. Nun ja, das Resultat ist – sagen wir mal so – zweckmäßig.
 
 
escape-from-cannibal-farm-2017-bild-2
 
 
Von nervenden und unsympathischen Figuren, die (Gott sei Dank) Bekanntschaft mit der Kettensäge machen. Ein Wochenendtrip mit Familie und Wohnwagen. Das wollen Mutter und Stiefvater Harver. Die sammeln die drei Kinder ein und nehmen auch gleich noch den Fast-Schwiegersohn in spe mit auf die Reise ins britische Hinterland. Das kommt natürlich bei den Kids gar nicht gut an. Die müssen Handys und Laptop abgeben und sollen das Wochenende ohne Elektrosmog überstehen. Eine unglückliche Entscheidung, denn auf Elektrogeräte wird man bald angewiesen sein. So brennt während der Nachtruhe plötzlich das Zelt der Eltern lichterloh. Dumm nur, dass die Mutter darin geschlafen hat und schlimmste Verbrennungen erleidet. Wie kann das sein? Handelt es sich hier um Brandstiftung? Aber selbstverständlich. In dieser Gegend haust eine seltsame Sippe, die es nicht gut mit Durchreisenden meint. Auf einer Farm werden die zu Gulasch verarbeitet und das Fleisch an gut zahlende Kunden verkauft. Ganz ähnliches Schicksal müssen nun auch unsere Wohnwagen-Camper befürchten. Die werden zu besagter Farm verschleppt und in Käfige gesperrt. Ein Teenager mit Menschenhaut-Maske und Kettensäge hält Wache. Das kommt einen doch irgendwie bekannt vor.
 
 
escape-from-cannibal-farm-2017-bild-3
 
 
Was für ein Blödsinn. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM macht in visueller Hinsicht eine hervorragende Figur. Das Szenario ist atmosphärisch, düster und dreckig. Zumindest hier erinnert der Streifen gut und gerne mal an jenen Film, von dem sich ESCAPE FROM CANNIBAL FARM offensichtlich hat inspirieren lassen: dem TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Was aber bitter aufstößt ist das haarsträubende Drehbuch mit dem sich dieser Backwood-Slasher mehr schlecht als recht über die Runden schlägt. Der Film übertrumpft sich förmlich selbst mit unerwarteten Wendungen, die aber so konstruiert wirken, dass sich einem beinahe schon die Zehennägel kräuseln. So wird hier unter fadenscheinigen Gründen nicht nur Menschenfleisch zubereitet. Ein abstruser Streit zwischen Familien lässt vor allem Feingeister die Haare zu Berge stehen. Der Zank muss – wie hätte es anders auch sein sollen – im Blutrausch ausgetragen werden, damit Gorehounds etwas zu sehen bekommen. Doch nicht nur die einfältige Handlung hinterlässt Magengrummeln. Auch seltsames Schauspiel macht den Horrorthriller zum Geduldsspiel. Hier sind zwar talentierte Darsteller am Winseln. Dennoch spielen die Akteure derart überzogen, dass man meinen könnte, hier eine Parodie auf das legendäre Meisterwerk aus der Mache des 2017 verstorbenen TOBE HOOPER zu sehen. Auch wenn ESCAPE FROM CANNIBAL FARM einige zynische Momente zu bieten hat, ist der Streifen weit weg von lustig. Man meint Gezeigtes im wahrsten Sinne des Wortes ernst, was vor allem mit Hilfe von deftigen Gewaltmomenten unterstrichen wird. Demzufolge bleibt schleierhaft, was sich Regisseur, Drehbuchautor und Produzent CHARLIE STEED mit seinem unausgereiften Plagiat zum berüchtigten TEXAS CHAINSAW MASSACRE gedacht hat. Was soll der Quatsch und warum eine so aufgeblähte Handlung, wenn alles ohnehin nur auf ein Blut- und Eingeweidefest hinausläuft? Fans heftiger Gewaltmomente wie WRONG TURN, INBRED und dem Remake zu THE HILLS HAVE EYES wird’s vermutlich weniger stören. Die bekommen als Entschädigung für Sondermüll gut getrickste Spezialeffekte vor die Linse und ein paar knackige Szenen in denen die Motorsäge knattert. ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ist nur für Hardcore-Backwood-Horror-Fans geeignet. Für alle anderen dürfte diese britische Blutsauerei zur Farce werden.
 
 
escape-from-cannibal-farm-2017-bild-1
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
The British Chainsaw Massacre. Es hätte so schön werden können: Eine Familie gerät an Hinterwäldler und muss sich mit spitzem Werkzeug zur Wehr setzen, um dem Schicksal entkommen zu können. Leider schießt sich ESCAPE FROM CANNIBAL FARM mit üblen Nebensträngen und schwachsinnigen Wendungen selbst ins Aus. Die Erklärungsversuche für das im Film zelebrierte Massaker sind nicht nur unglaubhaft. Das Splatterfest wirkt dilettantisch und konstruiert. Hier wird eine simple Ausgangssituation mit komischen Nebenhandlungen aufgebläht, die ohnehin darauf hinauslaufen wird, möglichst viele blutige Szenen zu zeigen. Wozu der ganze überflüssige Schnickschnack? Die Frage darauf dürfte wohl nur Regisseur CHARLIE STEED beantworten können. Fakt ist, dass das unnötige Füllmaterial ESCAPE FROM CANNIBAL FARM zu lang macht und das Treiben zu schwerfällig gestaltet. Manchmal funktioniert gradlinig und simpel gestrickt besser – vor allem dann, wenn man sich in einem Subgenre bewegt, das ohnehin nur auf die niederen Instinkte des Zuschauers abzielt.
 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Zensur

 
 
 
ESCAPE FROM CANNIBAL FARM hat schon fiese Szenen zu bieten. Hinsichtlich Spezialeffekte fährt der Backwood-Slasher groß auf und gibt sich äußerst zeigefreudig. Es werden Hände abgerissen, nachdem ein Protagonist einen Käfig angefasst hat, der unter Starkstrom steht. Weiterhin verbrennt eine Filmfigur in einem Ofen. Eine andere kann gerade noch so aus einem brennenden Zelt gezogen werden, sieht danach aber nicht mehr ganz so frisch aus. Da im Film eine Kettensäge rattert, muss diese natürlich auch zum Einsatz kommen. Diese wird zweckentfremdet und für das Abschneiden von Gesichtshaut benötigt. Hierzulande bleibt fraglich ob ESCAPE FROM CANNIBAL FARM ungeschnitten erscheinen wird. Einige der Szenen sind hart anzuschauen und kommen allein deshalb zum Einsatz, um zu schockieren. Sollte die FSK einen guten Tag haben, könnte es gut sein, dass der Kannibalen-Kracher vollständig mit einer Erwachsenenfreigabe passieren wird. Wir rechnen aber eher mit dem Schlimmsten.
 
 
 


 
 
 

ESCAPE FROM CANNIBAL FARM – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Dark Temple Motion Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrong Turn (2003)
 
Inbred (2011)
 
Killbillies (2015)
 
The Horde (2016)
 
The Hills Have Eyes (2006)
 
The Texas Chainsaw Massacre (1974)
 


Filmkritik: „Desolation“ (2017)

desolation-2017-poster
 
 
 

DESOLATION

Story

 
 
 
Eine Mutter muss sich mit ihrem Sohn gegen einen Psychopathen zur Wehr setzen, der ihnen in der Wildnis nach dem Leben trachtet.

 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Kritik

 
 
 
Ein weiterer Horrorthriller, der zumindest in Amerika vom Label IFC MIDNIGHT vertrieben wird. Erfahrene Horrorkenner wissen, was sie da zu erwarten haben. Der amerikanische Filmverleih hat sich nämlich auf sehenswerte Genre-Produktionen aus dem Indie-Sektor spezialisiert, die auch gern mal auf einschlägigen Filmfestivals mit Preisen überschüttet werden. Diesmal hatte man aber leider kein Glück bei der Filmauswahl. DESOLATION wirbt zwar mit verheißungsvollem Retro-Poster, ist aber ein waschechter Rohrkrepierer, den man besser meidet, um sich nicht den Tag verderben zu lassen. Doch der Fehlschlag ist keine Überraschung. DESOLATION entpuppt sich nämlich als Debütwerk eines Regisseurs, der sich zuvor als Produktionsassistent an so Filmen wie THE CALL, THE PURGE oder THE DARKNESS verdient gemacht hat. Wer öfter FILMCHECKER liest weiß, dass die ersten Gehversuche ambitionierter Regisseure nur selten glücken. Das ist auch bei DESOLATION der Fall, der kaum Eigenständigkeit besitzt und Unerfahrenheit im Regiefach an den Tag legt. Vielleicht wird’s beim nächsten Film besser. DESOLATION zumindest ist schwach und kaum der Rede wert, denn hier wird der Begriff „Langsamkeit“ zu ernst genommen. Für Survival-Horror der Todesstoß.
 
 
desolation-2017-bild-3
 
 
Manchmal ist es besser auf die eigenen Kinder zu hören, auch wenn sie erst 13 Jahre alt sind. Zumindest hat der kleine Sam das Gefühl, dass ihn seine Mutter gern mal wie ein kleines Kind behandelt. Beide wollen zusammen mit der besten Freundin der Mutter einen Ausflug in die Berge unternehmen, um dort die Asche des verstorbenen Vaters zu verstreuen. Doch der Ausflug wird für alle zur emotionalen aber auch gefährlichen Gratwanderung. Sie werden nämlich schon bald von einem mysteriösen Fremden mit Sonnenbrille verfolgt, der offenbar nichts Gutes im Schilde führt. Für die Frauen ein Albtraum. Die verfallen in Panik und werden zu leichter Beute. Gut, dass Sam einen kühlen Kopf bewahrt. Der weiß wie man sich in einer solchen Situation verhalten muss und nimmt es mit dem personifizierten Bösen auf.
 
 
desolation-2017-bild-1
 
 
DESOLATION hat nicht viel, um das Interesse des Zuschauers für sich beanspruchen zu können. Die Geschichte ist schnell erzählt und deren Ausgang bereits früh ersichtlich. Drei Protagonisten irren im Wald umher und werden von einem Fremden terrorisiert. Das klingt nach einer weiteren Variation von BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE, ist aber bei genauerer Betrachtung ein ermüdender Überlebenstrip auf den man getrost verzichten kann. Dabei hat der Mix aus Drama und Survival-Horror ein großes Problem: Er nimmt sich zu viel Zeit für Nebensächlichkeiten. So wird in DESOLATION zu viel über verletztes Seelenheil und Familienprobleme geschnattert, was dahingehend unnötig ist, weil die Figuren – trotz Entwicklung – dennoch fad und langweilig bleiben. Die eigentliche Überlebenshatz erhält daher nur wenig Aufmerksamkeit und wird in den letzten fünfzehn Minuten per Eiltempo abgehandelt. Dort erst gewinnt DESOLATION an Fahrt und erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Ob das aber Zuschauer interessieren wird, bleibt fraglich. Weil das Angebot an besseren Filmen riesig ist und der Horrorfilmmarkt weitaus deftigere Schocker bereithält, dürften die meisten Horrorfans bereits frühzeitig abgeschalten und einen anderen Horrorstreifen gestartet haben. Manch Filmemacher sollte daher Publikumswünsche genauer analysieren, um in Erfahrung bringen zu können, was Zuschauer denn von einem Horrorfilm erwarten. Mit langweilig inszenierten Gurken und den ewig gleichen und unoriginellen Geschichten macht man sich keine Freunde.
 
 
desolation-2017-bild-2
 
 


 
 
 

DESOLATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Perfides Katz- und Mausspiel. DESOLATION ist trotz hinterlistiger Story nur ein weiterer, banaler Survival-Horror, der den Zuschauer müde macht, statt ihn zu schockieren. DESOLATION macht zwar mit reißerischem Poster neugierig, das an das Exploitationkino der 1970er erinnert. Doch von den harten Horrorthrillern dieser Zeit ist dieser Schnarcher weit entfernt. Wer daher Einschlafprobleme besitzt, sollte sich diesen Horrorthriller verschreiben lassen. Es muss nicht immer die Chemiekeule sein. Schlechte und langweilige Filme können ebenso Wunder bewirken. Wir wünschen friedliche Träume.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Zensur

 
 
 
Sonderlich brutal ist DESOLATION nicht. Erst in den letzten 20 Minuten fließt etwas Lebenssaft. Zu sehen gibt es eine ausgeweidete Leiche, ein Taschenmesser wird in eine Ferse gestochen und ein Zahn gezogen. Hierzulande dürfte der Streifen ohne Probleme eine FSK erhalten.
 
 
 


 
 
 

DESOLATION – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killing Ground (2016)
 
Carnage Park (2016)
 
The Mooring (2012)
 
Quarries (2016)
 
Preservation (2014)
 
Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)
 


Filmkritik: „Rift“ (2017)

rift-2017-poster
 
 
 

RIFT

(RÖKKUR)

Story

 
 
 
Herausforderndes, genreübergreifendes und mehrdeutiges Kino aus Island. Ein mysteriöser Anruf mit Folgen: Der psychisch labile Einar braucht Hilfe und der Ex-Freund schaut nach dem Rechten. Was ihn aber erwartet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren.

 
 
 


 
 
 

RIFT – Kritik

 
 
 
Es ist schon lange her, dass wir auf FILMCHECKER einen Genre-Streifen aus Island besprochen haben. Kein Wunder, hat sich das Land im kühlen Norden nicht unbedingt durch harte Horrorfilme einen Namen gemacht, sondern werkelt eher an anspruchsvollen Produktionen, die im Thriller, Dramen- oder Krimifach Zuhause sind. Umso mehr erfreut es uns alte Filmfüchse, wenn uns dann doch mal wieder etwas Isländisches vor die Linse kommt und uns in Welten entführt, die wir nur von Ansichtskarten kennen. RIFT nennt sich der folgende Mystery-Thriller aus Island, der natürlich Konventionen strotzt und den Filmfan mit Anspruch konfrontiert. Gute Abwechslung also, um kurz vergessen zu können, dass die Mehrheit der Horrorstreifen neueren Datums eigentlich immer nur aus einer Aneinanderreihung bekannter Szenen besteht, in denen billige Schocks, Stereotypen und Klischees die Angst-Sucht des Zuschauers befrieden sollen.
 
 
rift-2017-bild-1
 
 
Wenn sich zwei Menschen trennen und gezwungen sind über ihre gescheiterte Beziehung zu sprechen. RÖKKUR (so der Originaltitel) feierte 2017 auf dem 35. Filmfest in München Deutschlandpremiere und handelt von einem mysteriösen Anruf, der Gunnar (BJÖRN STEFÁNSSON) aus dem Schlaf reißt und mit Sorgen zurücklässt. Ex-Freund Einar (SIGUROUR PÓR ÓSKARSSON) scheint in Not zu sein, was Gunnar dazu bewegt nach dem Rechten zu sehen. Der reist in die Einöde Islands und hat gar kein gutes Bauchgefühl. Doch der Ex ist über den Besuch überrascht. Er kann sich an keinen Anruf erinnern und hat sich in das Sommerhäuschen der Eltern zurückgezogen, um nach der Trennung wieder klaren Kopf zu bekommen. Für den Besorgten Grund genug für ein paar Tage zu bleiben. Doch die verlaufen anders als gedacht. Nachts klopft es an der Tür, doch niemand steht davor. Und auch Ex-Freund Einar verhält sich neuerdings seltsam. Der beginnt in der Nacht schlafzuwandeln und irrt nackt durch die Einöde. Was das zu bedeuten hat? Der Zuschauer muss sich gut konzentrieren, denn RIFT beansprucht dessen gesamte Aufmerksamkeit.
 
 
rift-2017-bild-3
 
 
RIFT ist zweifelsohne kein übler Mystery-Thriller. Das unverbrauchte Setting zieht schnell in den Bann und auch die von hervorragenden Schauspielern verkörperten Figuren bleiben über weite Strecken interessant. Was den LGBTQ-Streifen aber problematisch macht sind die falschen Fährten. Davon gibt es in RIFT reichlich, was eigentlich lobenswert ist, um des Pudels Kern des Films möglichst lang verschleiern zu können. Leider verlaufen vieler derer ins Leere und führen den Zuschauer nicht wieder auf den richtigen Weg zurück. So verwirrt die Handlung schnell und der rote Faden geht verloren. Was bleibt sind viele Fragen, die am Ende ein unbefriedigendes Gefühl hinterlassen, weil wohl die meisten Filmfans die Auflösung nicht verstehen. Fatal für einen Horrortrip, der erst am Ende die Katze aus dem Sack lässt. In Interviews erklärte Regisseur ERLINGUR THORODDSEN, dass sich der Zuschauer nicht so sehr auf Logik konzentrieren soll. Vielmehr soll dieser den Fokus auf die Emotionen der Figuren legen. Diese durchleben im Verlauf von RIFT eine Achterbahn der Gefühle. Letztendlich sei darin die Auflösung des Ausnahmestreifens zu suchen. Ob das jedoch ausreicht, um den genreübergreifenden RIFT verstehen zu können, bleibt fraglich.
 
 
rift-2017-bild-2
 
 


 
 
 

RIFT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Anspruchsvoller Arthaus-Grusel mit atemberaubenden Bildern und beklemmender Schauerstimmung, der sich in keine Schublade pressen lässt. Der isländische Regisseur ERLINGUR THORODDSEN braucht nicht viel, um Grauen heraufbeschwören zu können. Er nutzt die menschenleere Einöde Islands, um maximales Unbehagen entstehen zu lassen. So reicht ein abgelegenes Haus und vier Figuren aus, um RIFT (Originaltitel: RÖKKUR) tragen zu können. Den Rest bescheren Dunkelheit und Geheimnisse. Letztere verbergen Protagonisten nicht ohne Grund. Leider macht sich RIFT das Leben mit falschen Fährten schwer. Irgendwann findet der Zuschauer den roten Faden nicht mehr. Unkonventionell – gut und schön. Doch was nützen die anspruchsvollsten Drehbücher, wenn selbst das Kopfkino des Zuschauers die vielen offenen Fragen des Films nicht beantworten kann. Demzufolge sollte man den Mix aus Mystery-Thriller und Beziehungsdrama mit Vorsicht genießen. Immerhin: Atmosphärisch wird groß aufgefahren. Zumindest in diesen Belangen kann man RIFT nichts vorwerfen, für den sich Macher ERLINGUR THORODDSEN übrigens von Streifen wie DER FREMDE AM SEE und WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN inspirieren ließ.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Zensur

 
 
 
Erst am Ende zeigt der Film etwas Gewalt. So wird ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen und ein Gesicht wird mit einem Teppichmesser bearbeitet. RIFT dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Kritik: „Wolf Creek – Staffel 2“ (2017)

wolf-creek-serie-staffel-2-poster
 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2

Story

 
 
 
Berge von Leichen und viele vermisste Personen. Leider interessiert das kaum noch überschaubare Verschwinden von Touristen im WOLF-CREEK-Universum niemanden. Deshalb hat der unberechenbare Touristen-Mörder Mick Taylor hier leichtes Spiel. Der hat Lust einen Reisebus zu entführen und die Gäste bis in den Tod zu terrorisieren. Die Gegend um den Meteoritenkrater am WOLF CREEK ist eben ein heißes Pflaster.

 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Kritik

 
 
 
Das Seriengeschäft boomt – nicht nur bei Streaming-Plattformen, wie NETFLIX, AMAZON und SKY. Auch weniger bekannte Portale ringen mit aktuellen Serien-Highlights um Abonnenten und drehen exklusives Zeug, das man nur dann sehen kann, wenn man Geld für ein Abo locker macht. So geschehen im Falle von WOLF CREEK – einem derben Slasher, dessen Fortsetzung sich sogar bis an die Spitze der australischen Kinocharts vorarbeiten konnte. Ein Grund für den australischen Streaming-Anbieter STAN sich die Rechte zu sichern und die kompromisslose Backwood-Slasher-Reihe in Serie gehen zu lassen. Leider blieb der erste Serienanlauf hinter Erwartungen zurück. Vielen Fans fehlten die detailreichen Grausamkeiten der Kinofilme. Die werden jetzt nachgereicht. Der Streaming-Anbieter STAN ließ weitere Folgen produzieren und hat diese nun als WOLF CREEK – STAFFEL 2 für zahlende Kunden zur Verfügung gestellt. Das Konzept ist das gleiche, wie bei den Kinofilmen und auch WOLF-CREEK-Schöpfer und Regisseur GREG MCLEAN ließ es sich nicht nehmen, für die ersten beiden Folgen der zweiten Season noch einmal selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Der verkündete in Interviews stolz, dass man weiter auf die „Psyche eingehen und den Schockfaktor in bislang ungekannte Höhen schrauben“ wolle. Viel irreführendes Marketing-Geschwätz. Auch die zweite Staffel der WOLF CREEK-Serie ist kein Burner. Die Grausamkeiten sind zwar da, verteilen sich aber überschaubar auf knapp sechs Stunden Laufzeit. Dazwischen wird viel geweint, gequasselt und planlos durchs Outback gelaufen. Etwas mehr Drive, Fokus auf das Wesentliche und kürzere Folgen hätten der Serie gut getan.
 
 
wolf-creek-serie-staffel-2-bild-1
 
 
Alles auf Anfang. WOLF CREEK – STAFFEL 2 hat nichts mit den Filmen und der vorhergehenden Season am Hut. Die Serie ist eine Anthologie-Serie, was bedeutet, dass jede Staffel eine eigenständige und abgeschlossene Geschichte erzählt und nur mit Filmkiller Mick Taylor Gemeinsamkeiten zu den übrigen Produktionen des WOLF CREEK-Franchise besitzt. Diesmal muss eine Gruppe Reisender ums Überleben bangen. Die unternimmt mit einem Reisebus eine Spritztour durch Zentralaustralien, um das Outback besser kennenzulernen. Das findet auch WOLF CREEK-Killer Mick interessant. Der ermordet kurzerhand den ortskundigen Reiseführer und nimmt den Platz des Busfahrers ein. Den Urlaubern wundert der plötzliche Fahreraustausch wenig. Doch die naive Gutgläubigkeit schlägt bald in Panik um. Outback-Killer Mick betäubt nämlich die Reisegruppe, lässt den Bus tief in der Wildnis stehen und verschwindet mit Satellitentelefon und Busbatterie. Für die gestrandeten Touristen der Horror. Die haben nämlich bald nicht nur mit Wasserknappheit und Nahrungsmangel zu kämpfen. Weitaus schlimmer ist die Tatsache, dass sie in der freien Wildbahn leichte Zielscheiben für die Schießübungen des skrupellosen Touristen-Jägers sind. So zeichnet sich schnell ab, mit was sich WOLF CREEK – STAFFEL 2 beschäftigen wird. Im Mittelpunkt steht der gnadenlose Überlebenskampf verschiedener Menschen, die sich mit einem Feind konfrontiert sehen, der weder Erbarmen noch Gnade kennt. Natürlich erweist sich eines der Opfer als taff genug, um am Ende dem Killer die Stirn bieten zu können. Ob das Filmfigur Mick Taylor beeindrucken wird? Nach sechs (zu) langen Folgen wird man schlauer sein.
 
 
wolf-creek-serie-staffel-2-bild-3
 
 
Killer Mick Taylor wird zur australischen Nervensäge. Bisher hat das Konzept vom unberechenbaren Killer gut funktioniert, der im australischen Outback Urlauber jagt und anschließend blutig um die Ecke bringt. In Staffel 2 der WOLF CEEK-Serie machen sich aber langsam Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Der Antiheld entwickelt sich nämlich nicht weiter, sondern verfolgt wie eh und je gleiche Pläne, um gerecht werden zu können, was Fans des Franchises erwarten. So stiefelt der Outback-Mörder weiterhin ziellos durch karges Hinterland, um Menschen aufzulauern, die er dann abschlachtet. Angesichts der langen Laufzeit ein Geduldsspiel. Auch Staffel 2 besitzt Stoff, der gerade einmal für einen Spielfilm reicht. Dennoch wurde er auf sechs Einzelfolgen verteilt, damit man daraus eine Season machen konnte. Da bleibt Platz für viel Leerlauf, der sich nicht gerade förderlich auf die Spannungskurve auswirkt. Immerhin bekommt der Zuschauer im Unterschied zur Vorgängerstaffel den Filmbösewicht öfters vor die Linse. Dieser glänzt mal wieder mit zynischen Humor und macht das was er am besten kann: töten. Mehr verlangt das Drehbuch nicht von Schauspieler JOHN JARRED, der diesmal zwar mehr morden darf, dafür aber langsam zum nervtötenden Störfaktor avanciert. Im Gegensatz zu seinen Opfern scheint der – trotz Alter – mit übermenschlicher Intelligenz, abnormaler Vitalität und Bärenkräften gesegnet zu sein. Egal wo sich Opfer in den Weiten australischer Natur verstecken, sie werden von Mick Taylor gefunden. Ein fairer Überlebenskampf wird da zunichte gemacht, zumal das Prinzip vom Davonlaufen, Gefundenwerden und Abschlachten in knapp sechs Stunden Laufzeit so oft wiederholt wird, dass man müde vom Zuschauen wird. Da fragt man sich doch glatt, was sich Drehbuchautoren einfallen lassen, um eine weitere Season rechtfertigen zu können. Als hätte man es geahnt, überlebt Killer Mick am Ende der Staffel den Blutrausch und kann sich in Sicherheit bringen. Weil dem Franchise keine Neuerungen einverleibt wurden, macht sich langsam ein Sättigungsgefühl bemerkbar. Demzufolge macht eine weitere Serienstaffel wenig Sinn. Aber wie heißt es so oft: Die Kuh muss gemolken werden, bis sie keine Milch mehr gibt. Habt Erbarmen mit uns Horrorfilmfans.
 
 
wolf-creek-serie-staffel-2-bild-2
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Nun ist aber gut. Mit Staffel 2 der WOLF CREEK-Serie wird die beliebte Reihe um einen furchtlosen Outback-Killer gleichzeitig zu Grabe getragen. Das Konzept, welches dem Franchise Daseinsberechtigung gibt, wird hier bis zum Erbrechen ausgereizt. Unterm Strich bedeutet das, dass verängstigte Reisende orientierungslos durch das australische Outback laufen und sich vor den Attacken besagten Mörders in Sicherheit bringen müssen. Doch egal, was sie zum Schutze tun, es nützt letztendlich nichts. Psychopath Mick Taylor ist immer einen Schritt voraus und seine Opfer nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Der unfaire Überlebenskampf hat zwar vor allem dann seine Höhepunkte, wenn die Blutkeule geschwungen wird. Klammert man aber die Gewaltmomente aus, beginnt der Antiheld spätestens in der Halbzeit zu nerven, weil er offenbar mehr Leben besitzt, als zehn Katzen zusammen. Vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte auf die Serie zum Horror-Hit verzichtet und stattdessen zwei eigenständige Spielfilme gedreht. Staffel 2 ist nämlich über weite Strecken träge und dürfte dafür sorgen, dass Zuschauer zur Fernbedienung greifen, um Kapitel überspringen zu können. Da nützen auch Fan-Wünsche nichts. Im Gegensatz zur Vorgänger-Season, orientiert sich Staffel 2 nämlich mehr an der Machart der Filme und bietet zudem mehr Screentime für den eigentlichen Star des Franchise: Killer Mick Taylor. Leider entwickelt der sich nicht weiter, sondern verharrt in der ihm auferlegten Rolle. Sinnfreies Morden ohne Konsequenzen und rastloses Umherirren in der australischen Einöde kann eben auch irgendwann mal langweilig werden. WOLF CREEK – STAFFEL 2 ist bis auf die letzten zwei Folgen eine eher ermüdende Angelegenheit. Das müssen sich auch eingefleischte Fans eingestehen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Zensur

 
 
 
Im direkten Vergleich zum splattrigen WOLF CREEK 2 ist die zweite Season der Serie Kinderfasching. Zwar wurde im Gegensatz zur ersten Staffel der Gewaltpegel erhöht. Dennoch dürfte der Fans der Reihe enttäuschen. Fast alle der 13 Urlauber des Reisebusses und einige Nebenfiguren sterben. Dabei wird auf gute alte Handarbeit zurückgegriffen. Zu sehen gibt es Verbrennungen, Kopf- und Gesichtsschüsse, Messerstiche in Bauch oder Hals, Erdrosselungen und anderer Splatterkram. Hierzulande reicht das dennoch für eine Erwachsenenfreigabe. Man darf mit einer ungeschnittenen Freigabe mit rotem FSK-Flatschen rechnen.
 
 
 


 
 
 

WOLF CREEK: STAFFEL 2 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Stan Australia)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolf Creek: Die Serie – Staffel 1 (2016)
 
Wolf Creek (2005)
 
Wolf Creek 2 (2013)
 
Outback – Tödliche jagd (2011)
 
Crawl (2011)
 
Drifter (2016)
 


Filmkritik: „Dementia 13“ (2017)

dementia-13-poster
 
 
 

DEMENTIA 13

(HALORAN MANOR)

Story

 
 
 

Eine wohlhabende Familie wird beim alljährlichen Gedenken eines verstorbenen Familienmitglieds mit seltsamen (blutigen) Vorkommnissen konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Kritik

 
 
 
Vermutlich ist der Klassiker DEMENTIA 13 nur den wenigsten Horrorfilmfans ein Begriff. Das ist auch kein Wunder, war der Streifen bereits bei seinem Erscheinen im Jahr 1963 kein sonderlich nennenswertes Gruselerlebnis, ist aber trotzdem keine Nullnummer, weil er vom damals erst 24-jährigen FRANCIS FORD COPPOLA gedreht wurde. Letzterer brachte es Jahre später mit Kultfilmen wie DER PATE oder APOCALYPSE NOW zu Weltruhm, begann die Karriere aber mit eher bescheidenen Horrorfilmen bei denen er sogar Unterstützung von B-Movie-Legende ROGER CORMAN erhielt. Weil viele amerikanischen Filmstudios keine neuen Ideen haben und immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen, hat man sich nun erwähnten DEMENTIA 13 gekrallt, durch den Zelluloid-Fleischwolf gejagt und was Kommerzielles draus gemacht. Entstanden ist mal wieder eine auf Hochglanz gebürstete Neuauflage eines (nicht grundlos) vergessenen Horrorklassikers, der immerhin das Kunststück gelingt besser zu sein, als die Vorlage. Wunder geschehen. Lobpreiset den Herrn!
 
 
dementia-13-bild-3
 
 
Von Axtmördern, habgierigen Kleinkriminellen und mysteriösen Stimmen. Im Remake zu DEMENTIA 13 entfacht der tragische Tod eines kleinen Mädchens eine Spirale der Gewalt. Eine wohlhabende Familie kommt jedes Jahr aufs neues zusammen, um einem furchtbaren Schicksalsschlag zu gedenken. Vor vielen Jahren ist das damals sechsjährige Familien-Nesthäkchen Kathleen im Teich ertrunken. Damit der Tod nicht in Vergessenheit gerät, hat man eine Zeremonie ins Leben gerufen, an der sich alle Familienmitglieder einmal im Jahr beteiligen müssen. Doch diesmal steht die Zusammenkunft unter keinem guten Stern. Ein Axtmörder treibt nämlich sein Unwesen und hat es auf die trauernden Gäste abgesehen. Doch nicht nur der Killer bringt den Familienfrieden ins Wanken. Auch zwei Kriminelle machen auf dem Anwesen Halt. Die möchten sich aber nicht am Trauermarsch beteiligen, sondern sind nur am Geld der Gesellschaft interessiert. Leider ist es damit nicht genug. Offenbar sieht man in diesem Horrorstreifen auch noch Geister, was eine Kette von Umständen in Gang bringt, die für viele Figuren dieser Neuauflage den Tod bedeutet. Ein Film – viele Nebenstränge. Man hat sich schon schlechter unterhalten gefühlt.
 
 
dementia-13-bild-2
 
 
Als FRANCIS FORD COPPOLA vor über fünfzig Jahren die Vorlage inszenierte, musste er seinem Produzenten und Gönner ROGER CORMAN versprechen so viel Sex und Gewalt in den fertigen Film zu packen, dass dem Publikum davon übel wird. Natürlich ist die Sensationsgier des gewaltgeilen Zuschauers auch heute noch ungebremst, wobei dieser in der Neuverfilmung von DEMENTIA 13 Erwartungen herunterschrauben muss. Der hübsch gefilmte Slasher hat natürlich böse Szenen zu bieten, verläuft sich dabei aber nicht im Blut- und Gewaltrausch. Doch die bebilderten Grausamkeiten im Remake sind ohnehin nur Nebensache. Vielmehr versucht Regisseur RICHARD LEMAY zu verwirren. Der ist darum bestrebt das Publikum auf falsche Fährten zu locken, um die Identität des Axtmörders möglichst lang verschleiern zu können. Deshalb treibt er den Zuschauer durch unterschiedliche Horror-Subgenres. So macht DEMENTIA 13 erst im Slasher-Genre halt, streift anschließend das Home-Invasion-Fach und schließt den Schauer-Cocktail mit Geister-Puppen-Grusel im Stile eines DOLLS ab. Wer denkt, dass zu viele Zutaten den Brei verderben, irrt gewaltig. Wenn man DEMENTIA 13 etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Abwechslung und fehlende Originalität. Der Mix aus verschiedenen Subgenres fordert den Zuschauer und macht DEMENTIA 13 zu einem interessanten Verwirrspiel, das in der zweiten Filmhälfte auch noch richtig spannend wird. Was ist hier des Pudels Kern und warum müssen vermeintlich unschuldige Menschen sterben? Was hat es mit den flüsternden Stimmen auf diesem alten Landsitz auf sich? Spuken hier etwa Geister umher und wer versteckt sich hinter der Maske eines abgebrühten Axtmörders? Alle Antworten des atmosphärischen Horrorkrimis werden im Finale gelüftet und machen DEMENTIA 13 zu einem sehenswerten Horrorbeitrag, der im Gegensatz zur Vorlage auch noch andere Wege geht. Das dürfte auch jene freuen, die den Originalfilm kennen. Statt originalgetreu zu adaptieren, hat man im Remake Neuerungen und genug Überraschungen eingebaut, um das Rätselraten auch für Kenner der Vorlage zum Erlebnis zu machen. Gerade weil die Neuauflage eigene Wege geht, gehört DEMENTIA 13 zu den besseren Remakes von denen man in den letzten Jahren zweifelsohne zu viele aufgetischt bekommen hat. Leider waren die meisten einfach nur schlecht, beliebig oder überflüssig. Da ist ein Film wie DEMENTIA 13 eine regelrechte Wohltat. Gute Horrorunterhaltung – kurzweilig und schnörkellos.
 
 
dementia-13-bild-1
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Originell, spannend und im Finale auch noch herrlich schaurig. Der Slasher DEMENTIA 13 ist ein Horror-Remake, das endlich mal wieder Daseinsberechtigung besitzt und besser ist, als das Original. In dieser Neuauflage ist ziemlich viel los, denn Regisseur RICHARD LEMAY verbindet mehrere Subgenres miteinander. Was woanders wohl für Chaos gesorgt hätte, harmoniert in DEMENTIA 13 erstaunlich gut. Der Genre-Mix wirkt zu keiner Zeit störend. Ganz im Gegenteil. Durch die Kombination diverser Subgenres gelingt das Kunststück der falschen Fährten. Für einen Slasher unabdinglich, in dem vor allem die Identität des Killers möglichst lang geheim gehalten werden muss, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers gewinnen zu können. Weil sich DEMENTIA 13 nicht so schnell durchblicken lässt, ist der Horrorthriller vor allem für Slasher-Fans interessant. Die bekommen hier nicht die ewig gleiche Geschichte vor die Linse, in der ein meuchelnder Killer spannungsfrei Menschen abmeuchelt. Stattdessen hat man an Neuerungen gefeilt, um auch mal etwas Abwechslung in das etwas eingerostete Slasher-Genre zu bringen. Aufgrund dessen ist das DEMENTIA 13-Remake eine Bereicherung für diese Filmgattung. Horrorfilmfans, die schon so ziemlich viele (Schema-F-)Schocker gesehen haben und es nach Originalität dürstet, wird´s vermutlich freuen.
 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Zensur

 
 
 
DEMENTIA 13 ist zwar ein Slasher, aber nicht unbedingt der brutalste. Die Gewalteinlagen bewegen sich auf FSK16-Niveau. So wird einer Protagonistin der Brustkorb mit einer Axt eingeschlagen. Gegen Ende werden Köpfe mit Schusswaffen bearbeitet und eine Filmfigur im See ertränkt. Sollte der Streifen hierzulande erscheinen, gibt es definitiv eine Jugendfreigabe – vermutlich mit blauem FSK16-Flatschen.

 
 
 


 
 
 

DEMENTIA 13 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Chiller Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dementia 13 (1963)
 
Dislike (2016)
 
You’re Next (2011)
 


Filmkritik: „Nails“ (2017)

nails-2017-poster
 
 
 

NAILS

(P.O.V.)

Story

 
 
 

Eine Patientin (SHAUNA MACDONALD aus den THE DESCENT-Filmen) mit Nahtoderfahrung muss sich in einem düsteren Krankenhaus erholen und macht dort Bekanntschaft mit einer bösen Präsenz.

 
 
 


 
 
 

NAILS – Kritik

 
 
 
Ob in Herrenhäusern, Irrenanstalten, Landhäusern oder Krankenhäusern – nirgendwo ist man vor rastlosen Seelen sicher, die vor allem im Horrorfilm meist nur ein Ziel haben: Möglichst viel Angst und Schrecken verbreiten. Leider sind Geister aber mittlerweile nicht mehr so furchteinflößend, wie noch vor 30 Jahren. Der Grund ist im beinahe inflationären Drehen von Geisterfilmen zu suchen, das vor allem in den letzten 15 Jahren durch minderwertige Low-Budget-Produktionen vorangetrieben wurde. Viele derer haben nämlich dem Geisterfilm den Schrecken genommen, weil man mit überschaubarem Budget schnelles Geld verdienen wollte. Nicht selten folgten enttäuschte Gesichter, weil statt intelligenter Gruselei pure Langeweile geboten wurde. Da wurden Geisterfilme nach immer wieder gleichen Schema inszeniert, bis Filmfans dankend abgewunken haben. Für die wenigen sehenswerten Streifen dieses Subgenres eine Schmach. Diese gehen in der Masse an schlechten Produktionen unter. Doch wir von FILMCHECKER picken heraus, damit auch kein nennenswerter Gruselbeitrag verpasst wird.
 
 
nails-2017-bild-2
 
 
Kein guter Tag für Sportlerin Dana (SHAUNA MACDONALD aus HOWL). Die macht sich eines Morgens aus dem Haus, um etwas Joggen zu gehen. Leider endet der Lauf im Krankenhaus, denn die attraktive Mittdreißigerin wird von einem Auto umgefahren und dabei schwer verletzt. Als sie wieder aus dem Koma erwacht, ist ihre Welt nicht mehr so, wie sie mal war. Dana wird künstlich beatmet und kann nur noch unter Anstrengungen sprechen. Deshalb dient ihr ein Sprachcomputer als Hilfe, der die Kommunikation erleichtern soll. Leider steht die Genesung unter keinen guten Stern. Im Krankenhaus passieren nämlich bald seltsame Dinge. Eine mysteriöse Gestalt macht der Patientin das Leben schwer. Die schleicht sich nachts in Danas Zimmer und will ihr offenbar nichts Gutes. Ist hier etwa ein Geist am Schaffen? Selbstverständlich, schließlich ist NAILS im Horrorgenre beheimatet und versucht mit subtilem Grauen die Nerven des Zuschauers zu strapazieren. Sonderlich beansprucht werden die – bis auf einige Schockmomente – leider nicht. NAILS sieht zwar hübsch aus, ist aber nichts fürs DVD-Regal. Der Grund: Dem Film fehlen Neuerungen und Logik wurde aus dem Drehbuch radiert. Zudem hat man das hier Gezeigte bis zum Erbrechen (besser) gesehen. Bedauerlich!
 
 
nails-2017-bild-3
 
 
Kaum Beleuchtung, heruntergekommene Aufenthaltsräume, nicht funktionierende Fahrstühle und kaum Personal. Würde man sich in einem Krankenhaus behandeln lassen, das Erinnerungen an SILENT HILL ins Gedächtnis ruft? NAILS punktet zweifelsohne durch Atmosphäre und Schockmomente, ist aber bei genauerer Betrachtung ziemlicher Blödsinn. Sicherlich sollte man es bei einem Geisterfilm nicht unbedingt genau mit der Logik nehmen. Was Regisseur DENNIS BARTOK hier aber zumutet, ist dann doch weit weg von plausiblem Geisterspuk. Dabei fängt der Streifen eigentlich gut an und hat in der ersten Hälfte schlagfertige Argumente. So wird Heldin Dana von einer unheimlichen Präsenz attackiert und muss alles über sich ergehen lassen, weil sie nach einem Unfall im eigenen Körper gefangen ist und sich nicht bewegen kann. Niemand will der gepeinigten Patientin Glauben schenken, weshalb diese in der Vergangenheit des Hospitals forscht und einige Leichen im Keller findet. Soweit, so gut. Leider wird aus dem konventionellen Geisterkrimi bald lauter Budenzauber, denn Macher DENNIS BARTOK will offenbar mit großem Finale glänzen und wirft die langsam zuvor aufgebaute Spannung über Bord. Da verwandelt sich der grundsolide Horrorthriller plötzlich zur hektischen Geisterbahn, die eigensinnige Wege geht und viele Fragen aufwirft. Spätestens jetzt muss man das Hirn ausschalten, denn Figuren handeln plötzlich von Sinnen und erfüllen bei ihrer Flucht vor einem zornigen Gespenst jedes erdenkliche Klischee, das man in der Ramschkiste für Gruselstreifen finden konnte. Immerhin weicht Macher DENNIS BARTOK nicht von seinem Plan ab den Zuschauer mit möglichst unvorbereiteten Schocks zu erwischen. Die sind reichlich vorhanden und dürften hin und wieder im Sessel zusammenzucken lassen. Dennoch ist NAILS nicht das Gelbe vom Ei. Der Film spielt zu vorhersehbar mit der Angst des Zuschauers. Zudem handelt es sich bei der nicht gerade klugen Geschichte um ein Handlungsgestrüpp aus Zufälligkeiten. Der Geist wird nämlich nicht ohne Grund dreißig Jahre nach seinem Ableben aktiv. Als hätte es der Zuschauer geahnt, steht die rastlose Seele in Verbindung mit Patientin Dana – was für ein Zufall. Etwas mehr Einfallsreichtum und Kreativität hätten NAILS sichtlich gut getan. So ist der visuell stimmige Gruselthriller zwar immer noch kurzweilig, aber weit weg von gut. NAILS ist eine Empfehlung für Hardcore-Geisterfans, die nicht ohne ihre tägliche Dosis Gruselschauer schlafen können. Wer jedoch Grusel mit Kopf erwartet, ist hier an der falschen Adresse.
 
 
nails-2017-bild-1
 
 


 
 
 

NAILS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Düstere Geisterbahn mit Schockmomenten, die sitzen. Ein Krankenhaus mit tragischer Vergangenheit, eine Patientin mit Draht zum Jenseits und ein Geist, der dort durch Gänge spukt und schon mal bessere Tage hatte. NAILS ist für erfahrene Horrorfans eine Nullnummer, weil er zu konventionelle Pfade geht und dem Zuschauer schnell zu verstehen gibt, wohin die Reise gehen soll. Da bleiben Überraschungen aus und die Langweile folgt auf dem Fuß. Das schien Regisseur DENNIS BARTOK wohl bewusst gewesen zu sein. Der überfrachtet seinen Horrorfilm mit lauten Schreckmomenten und reißt so eingeschlummerte Zuschauer aus dem Schlaf. Vieles in NAILS ist haarsträubend, macht keinen Sinn und bleibt unbeantwortet. So spukt hier ein Geist dreißig Jahre nach seinem Ableben durch ein Krankenhaus und bringt plötzlich Angestellte um. Warum ihm das nicht schon vorher in den Sinn gekommen ist, bleibt ebenso unbeantwortet wie die Frage nach dem Sinn dieses Krankenhauses. Das scheint ein Problem mit dem Licht zu haben und besitzt offenbar nur drei Patienten. Zudem sind kaum Angestellte zu sehen und auf Nachfrage der Patienten darf man hier Überwachungskameras im Zimmern anbringen – ahja! Auf etwas mehr Glaubwürdigkeit – trotz Genrefilm – hätte man Rücksicht nehmen können. Der Zuschauer ist doch nicht doof.
 
 
 


 
 
 

NAILS – Zensur

 
 
 
NAILS hat – wie es bei einem Geisterfilm zu erwarten war – kaum Gewaltmomente zu bieten. Zu Beginn schockiert ein Unfall mit Fahrerflucht. Später entdeckt man bei der Filmheldin mysteriöse Wundmale am Körper. Im Finale kratzt der Geist im Film Wörter in den Körper seines Opfers und würgt es zudem mehrmals auf unsanfte Weise. Außerdem müssen Personen sterben, die der Filmheldin nahe stehen. Wie diese aber ihr Leben lassen müssen, wird nur angedeutet. Demzufolge erhält NAILS wohl problemfrei eine FSK16.

 
 
 


 
 
 

NAILS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Fantastic Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Slumber (2017)
 
Entity – Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns verfolgt (1981)
 
Paranormal Resurrection – Die Schatten der Ex (2014)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
Backtrack – Tote vergessen nicht (2015)
 


Filmkritik: „Mercy Christmas“ (2017)

mercy-christmas-2017-poster
 
 
 

MERCY CHRISTMAS

Story

 
 
 

Der Angestellte eines Büros erlebt ein besonderes Weihnachten. Er gerät an eine Horde Kannibalen, die ihn zu einem Weihnachtsbraten verarbeiten wollen.

 
 
 


 
 
 

MERCY CHRISTMAS – Kritik

 
 
 
Jede Familie hat an Weihnachten ihre Traditionen. Die einen gehen in die Kirche und essen am Abend Würstchen mit Kartoffelsalat. Andere schmücken in Vorfreude den Weihnachtsbaum und verspeisen anschließend gemeinsam die Weihnachtsgans. Aber es geht unkonventioneller. Die Familie im folgenden Horrorfilm frönt nämlich anderen Leidenschaften. Die pfeift auf Karpfen, Gans und Truthahn. Stattdessen muss was Richtiges auf den Tisch: Menschenfleisch. Willkommen zu einem weiteren Horrorstreifen, der sich der besinnlichsten Zeit des Jahres annimmt und die Festtage für blutiges Massaker missbraucht. Diesmal werden aber keine mordenden Weihnachtsmänner auf Beutezug geschickt. Die haben im Falle von MERCY CHRISTMAS Sendepause, was man aber auch mal als Wohltat werten kann. Mittlerweile ist man nämlich überdrüssig von den immer gleichen Geschichten in denen sich Nikoläuse sinnfrei durch Handlungen schlachten. MERCY CHRISTMAS ist nicht weniger blutig, nimmt sich aber zu keiner Minute ernst. Ein Pluspunkt, der den Film hervorstechen lässt. Demzufolge sollte man sich nicht vom Low-Budget-Look des Trailers abschrecken lassen. Diese Splatterkomödie kann mehr, als die meisten Horrorstreifen des aktuellen Filmjahrs. Gute Aussichten also.
 
 
mercy-christmas-2017-bild-1
 
 
MERCY CHRISTMAS rückt den Einzelgänger Michael Briskett (STEVEN HUBBELL) in den Mittelpunkt. Viele Freunde hat er nicht und auch die eigene Mutter macht sich an Weihnachten lieber aus dem Staub, damit sie nicht mit dem Sohn die Festtage verbringen muss. Daher entschließt sich das Arbeitstier dazu eine kleine Weihnachtssause daheim zu veranstalten und verteilt im Büro Flyer. Doch die Feier wird ein Desaster: es kommt nämlich niemand. Als der Gastgeber enttäuscht die Tische räumen möchte, schaut doch noch jemand vorbei. Es ist die attraktive Kollegin Cindy, die Mitleid empfindet und den Eigenbrötler zum Weihnachtsschmaus bei den Eltern einlädt. Der nimmt die Einladung dankend an und erlebt die Hölle auf Erden. Die Familie der Kollegin ist zwar nett, hat aber große Pläne mit Michael. Der soll nämlich als Braten auf dem Küchentisch enden und findet sich bald im Keller mit anderen Menschen wieder, die ebenfalls verspeist werden sollen. Da ist guter Rat teuer. Doch auch Kannibalen machen Fehler. Die haben sich nämlich Opfer ausgesucht, die mit allen Wassern gewaschen sind. Da ist eine Schlachtplatte garantiert. Wer Splatter mag, kommt da auf seine Kosten.
 
 
mercy-christmas-2017-bild-2
 
 
Alle Jahre wieder – vor allem zum Ende des Jahres – wird das Genre mit Weihnachtshorrorfilmen überschwemmt. Viel bekommen wir hier in Deutschland nicht davon mit. Anders sieht es da in Übersee aus, wo bevorzugt Slasher entstehen, die das Weihnachtsfest mit blutiger Schlachterei versüßen wollen. Leider ist die in den meisten Fällen ein Reinfall, denn gute Fest-Horrorfilme sind rar geworden. Deswegen werden diese Produktionen meist nur im Entstehungsland veröffentlicht, weil man deren unterirdische Qualität Europäern nicht zumuten möchte. Die Horrorkomödie MERCY CHRISTMAS bildet da fast schon eine Ausnahmeerscheinung in der eine Kannibalenfamilie zu Tisch gebeten wird. In diesem Blutspaß werden Lachmuskeln überstrapaziert, denn der Regisseur scheint geschult im Umgang mit schwarzem Humor zu sein. Den gibt es – trotz Blut im Überfluss – reichlich, was MERCY CHRISTMAS wohlwollend vom Einheitsbrei abheben lässt. Beinahe könnte man meinen hier eine Persiflage auf amerikanische Weihnachtskomödien zu sehen, in denen heile Familienwelt übertrieben zur Schau gestellt wird bis sich die Balken biegen. Die Figuren im Film sind nämlich überzeichnet, ungewöhnlich nett zueinander und bescheren dem Film Dank Overacting einen fast schon Comic-gleichen Einschlag. So werden Opfer zerstückelt und Fleisch aus Pobacken in Filetform auf den Tisch gebracht. MERCY CHRISTMAS zieht Kannibalen-Klischees durch den Kakao, lässt Opfer über sich hinauswachsen, die sich am Ende unkonventionell zu wehren wissen. Die können sich aus den Fängen der Menschenfresser befreien und schwören blutige Rache. Auf Ernsthaftigkeit wird da gepfiffen. Stattdessen hangelt man sich von Klamauk zu Klamauk und lässt Lachtränen fließen. Da werden Gesichter in Kuchenmehl gepresst, bis die Oper zu ersticken drohen. Aber auch Bügeleisen oder Nudelholz funktioniert man in Waffen um und verwendet diese als Mordutensilien. So wird es Rot unterm Weihnachtsbaum. Fans blutiger Späße wird’s freuen. In diesem Sinne: MERCY CHRISTMAS!
 
 
mercy-christmas-2017-bild-3
 
 


 
 
 

MERCY CHRISTMAS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Spaß und Blut – Was will das Horrorherz mehr? MERCY CHRISTMAS ist eine köstlich rabenschwarze Kannibalenkomödie vor weihnachtlicher Kulisse, die besser ist, als es der günstig zusammengeschnittene Trailer vermuten lässt. Der Streifen besitzt bissigen Wortwirz, skurrile Figuren und allerhand blutigen Schabernack, der sich zu keiner Minute ernst nimmt. Da kann man gern einen Blick wagen – vor allem weil hier immer etwas los und kaum Leerlauf vorhanden ist. Dank zügiger Inszenierung und kurzer Laufzeit entpuppt sich MERCY CHRISTMAS als unterhaltsamer und kurzweiliger Vorweihnachtssnack für kalte Wintertage vorm Kamin. Übrigens ist das Finale eine Spaßbombe. Hier reiht sich Gag und an Gag und Regisseur RYAN NELSON scheint die Floskel „kreativ Sterben“ etwas zu ernst zu nehmen. Wer’s auch an Heiligabend blutig braucht, ist mit MERCY CHRISTMAS gut beraten. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Film für (fast) die ganze Familie.
 
 
 


 
 
 

MERCY CHRISTMAS – Zensur

 
 
 
MERCY CHRISTMAS ist zwar eine Horrorkomödie, hat aber auch einige Schauwerte zu bieten. Unkonventionell wird hier gemordet, was vor allem im Finale Freude bereitet. Es wird ein Gesicht mit einem Bügeleisen „bearbeitet“, Beine werden abgetrennt, ein Opfer wird mit Elektroschocks gequält und Punsch dient als Brandbeschleuniger. Die gezeigten Gewaltmomente besitzen zwar ironischen Unterton. Dennoch könnte es passieren, dass MERCY CHRISTMAS nur mit einem roten FSK-Flatschen in den Handel kommen wird – dazu sind einige Schauwerte dann doch etwas zu zeigefreudig ausgefallen.

 
 
 


 
 
 

MERCY CHRISTMAS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are What We Are (20013)
 
Better Watch Out (2016)
 
Bitter Feast- Blutiges Kochduell (2010)
 
Dying Breed AU (2008)
 
Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III (1990)