Filmkritik: „Lamb“ (2021)

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LAMB

Story

 
 
 
Nachdem eins ihrer Schafe ein Wesen zwischen Mensch und Lamm gebärt, entscheiden Ingvar und María sich, es als Teil der Familie aufzuziehen.
 
 
 


 
 
 

LAMB – Kritik

 
 
Ein Sturm wütet auf der verschneiten, isländischen Weide und eine Pferdeherde flüchtet vor einer schwer atmenden Gestalt, die wir jedoch nicht zu sehen bekommen. Mit diesem stimmungsvollen Opener begrüßt uns das außergewöhnliche Drama „Lamb“, dessen wortkarge und auf beeindruckende Landschaftspanoramen setzende Inszenierung sich auch in den folgenden 100 Minuten fortsetzen wird. Im ersten der drei grob gleichlangen Kapitel, in die der Film eingeteilt ist, „passiert“ demnach auch nicht viel, bis auf der Alltag unserer Protagonisten María (Noomi Rapace) und Ingvar (Hilmir Snær Guðnason), einem Paar das auf ihrer recht isoliert wirkenden Schaafsfarm lebt.
 
 
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Das Aushelfen beim Gebären der Lämmer gehört ebenso zur Routine wie lange Fahrten mit dem langsam den Geist aufgebenden Traktor, Gespräche sind selten, Emotionen werden für sich ausgehandelt. Inmitten dieser leicht distanziert oder kühl wirkenden Umgebung und Beziehung wird nun plötzlich ein Lamm geboren, zu dem María von Anfang an eine mütterliche und fürsorgliche Beziehung aufbaut, zumal es sich – woraus in dem Werbematerial ja auch nie ein Hehl gemacht wurde – um ein Lamm/Mensch-Hybridwesen handelt, dessen Verhalten größtenteils dem eines Babys entspricht.
 
 
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Wenn Ada, so der Name des stummen Lammkindes, nun angezogen mit María im Blumenfeld sitzt oder mit Ingvar durch die malerische Umgebung fährt, sorgt das für einzigartig absurde, wunderbar surreale Bilder und zudem eine erfülltere Beziehung samt Familienglück, was mit anderen Motivationen also leicht in eine leichtfüßige, romantische Komödie abrutschen könnte. Süße Tiere, gefühlvolle und sanfte Musik, traumhafte Felder und warm beleuchtete Sets – es könnte so harmlos und kitschig sein. Doch nicht nur klopft Ingvars kleinkrimineller Bruder an die Pforte und bittet um Einlass, auch hat Adas eigentliche Mutter, das Schaf nämlich, ein großes Problem mit dem Kindesraub und stellt sich in Protest blökend vor das Fenster.
 
 
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Stimmungsvoll sepiafarbende Alpträume von Schafen, vernebelte Felder mit beängstigend schnaufenden Wolltieren, ein A24-Film mit bedrohlichem Trailer, der direkt an Black Philip aus „The Witch“ denken lässt – wer die Prämisse einmal geschluckt und ernst genommen hat, der könnte auch auf ganz andere Weise auf dem Holzweg sein. Denn trotz verunsichernder Momente und einer unterschwelligen Anspannung sowie Bedrohung ist „Lamb“ keinesfalls ein Horrorfilm. Nach dem behutsamen und langsamen Aufbau der Geschichte im ersten Akt herrschen nun erst einmal Dialoge, Konflikte und äußerst witzige Situationskomik vor, zwischen dramatischen Träumen und Trieben bleibt eine äußerst lebendige und authentische, betrunkene 80s-Synthiepop-Tanzszene im Gedächtnis, die wenig erzählt, aber die Charaktere noch menschlicher werden lässt.
 
 
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Die grobe Thematik rund um Verlust & Akzeptanz, Liebe & Missgunst wurde ähnlich, wenn auch deutlich zäher und weniger künstlerisch in z.B. „Vivarium“ verfilmt, während dieser aber ein farbenfrohes, unerwartetes und recht starkes Finale und Ende hat, ist mir bei „Lamb“ hingegen fast schon die Kinnlade auf den Boden gefallen – vorherigen Theorien, Metaphern oder angedachten Symboliken bewusst boykottierend und fast schon den Stinkefinger zeigend, endet es konsequent und irgendwie genau so dämlich wie amüsant, da der Kontrast zwischen todernstem Drama und fast schon memewürdig-merkwürdigem Genrefilm besonders deutlich und bewusst hervorgehoben wird. Gleichsam sind es die süßesten und niedlichsten Einstellungen des Films, die auf die tragische Hintergrundgeschichte unserer Charaktere hindeuten.
 
 
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Wer sich hier also spoilt hat schon verloren, denn „Lamb“ hatte für mich keine besondere Sogwirkung oder versteckte Genialität, sondern ist „einfach nur“ der sehr gut gemachte, höchst atmosphärische, minimalistisch aber überzeugend gespielte und großartig fotografierte, äußerst ungewöhnliche und simple, geradlinige Dramenfilm den man nach dem Lesen einiger Reaktionen erwartet hat – nur dass man das Ende, sowie einige Einstellungen oder Momente davor definitiv selber gesehen haben sollte, einfach um verwundert, aber interessiert zu grinsen.
 
 


 
 
 

LAMB – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Weder Horrorfilm noch absurde Comedy, weder ein Meisterwerk noch ein Totalausfall – „Lamb“ ist ein hochwertig produziertes, eigensinniges Drama mit Mut zur Absurdität, das seine wilde Prämisse ernst nimmt und zum Interpretieren einlädt, nur um alle Konzepte dann wieder zu sabotieren. Etwas schleppend und wenig für 100 Minuten ist das zwar schon, aber eine einmalige Sichtung dürften genreoffene Filmfans, Bildästheten, A24-Fans und Freunde überraschender Enden wohl kaum bereuen.
 
 


 
 
 

LAMB – Zensur

 
 
 
„Lamb“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 16 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

LAMB – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook – Cover A)

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(c) Koch Films (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lamb; Island | Polen | Schweden 2021

Genre: Horror, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Isländisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 106 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Behind-the-Scenes, Teaser und Trailer, Bildergalerie | zusätzlich im Mediabook: Film auf UHD-Disc, Exklusiver Lamb-Pin (Nur für die ersten 100 Vorsteller im Koch Films Shop), Booklet mit einem Text von Robyn Kerkhof

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 28.04.2022

 
 

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LAMB – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume (2019)
 
Borgman (2013)
 
Possession (1981)
 

Filmkritik: „Spasmo“ (1974)

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SPASMO

Story

 
 
 
Nachdem Christian einen scheinbaren Killer in Notwehr erschossen hat und dessen Leiche spurlos verschwunden ist, fühlt er sich konstant verunsichert. Als eine mysteriöse, am Strand liegende Frau ihm eine Karte hinterlässt, geht er seiner Vermutung auf den Grund…

 
 
 


 
 
 

SPASMO – Kritik

 
 
Nach längerer Zeit mal wieder einen authentischen, italienischen Giallo aus den Siebzigern zu sichten ist jedes Mal aufs Neue eine hoch ästhetische und lohnenswerte Erfahrung, denn was Farben, Settings, Mode und Kameraarbeit angeht, macht den Italienern der Dekade so schnell einfach niemand etwas vor – doch ob Umberto Lenzis „Spasmo“ auch inhaltlich etwas zu bieten hat, das wusste ich vor der Sichtung absolut nicht. Wie viele italienische Genreregisseure scheint Lenzi am bekanntesten für seine Kannibalenfilme geworden zu sein, obwohl er auch etliche Western, Monumentalfilme, Thriller und andere Horrorfilme gedreht hat – mein erster Berührpunkt mit seinem Oeuvre aber war nun tatsächlich dieser stilsichere Psychothriller und ich muss sagen: Gerne mehr davon!
 
 

„Das ist alles so absurd, so absurd und gefährlich!“

 
 
Ein lederjackentragender Jüngling fährt mit der Honda seine Freundin durch die pittoreske Berglandschaft, einzig das folgende Rummachen auf der Autorückbank wird jäh von der Entdeckung einer gruseligen, am Waldrand aufgehangenen, menschengroßen Puppe unterbrochen. Zu betörenden Klängen der traumhaften Morricone-Score starten die stimmungsvollen Credits zu weiteren halbnackten Frauenpuppen, anschließend stößt ein Pärchen, bestehend aus Xenia (Suzy Kendall) & Christian (Robert Hoffman), am Strand auf eine Frau namens Barbara, die im ersten Moment tot erscheint. Statt – wie üblich – den von dieser mysteriösen Begegnung ausgehenden, erst mit seinen Andeutungen und Fragezeichen lange Zeit Spaß machenden, dann aber etwas zu repetitiv oder langsam verlaufenden Plot weiter nach zu erzählen, werde ich aus Spoilergründen stattdessen nur einen groben Abriss der folgenden ~90 Minuten wiedergeben, da man diesen, leicht noirigen, leicht mysteriösen, nicht auf die üblichen Tropen zurückgreifenden Film am besten möglichst unvorbereitet guckt.
 
 
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Erwartungsgemäß gilt es durchgängig die Farben, Bilder, Perspektiven, Tapeten, Lampen, Leinwände, Vorhänge, sprich, Setdesigns sowie Landschaftsaufnahmen zu würdigen, die der vielbeschäftigte Cinematograph Guglielmo Mancori, der unter anderem auch für Fulci gearbeitet, oder die Bilder in Franco Prosperi’s „Wild Beasts“ gezaubert hat, versiert zu verewigen wusste. Sowohl die nächtlichen Hafenimpressionen und Küstenumgebungen, als auch das nach den 70ern schreiende Hotel- und Badezimmer; die mit ausgestopften Raubvögeln vollgestellte Wohnung samt knallroten Türen, oder die POV-Aufnahmen des Killers, alles davon wurde stillvoll und durchdacht aufgenommen, was auch bei durchhängender Dramaturgie einen Eigenwert bietet. Doch statt einen allzu generischen oder unspektakulären Fall durch audiovisuelle Schmankerl zu veredeln, dürfte jegliche kurzzeitig aufkommende Langeweile oder Ödnis eher aus der zugrundeliegenden Struktur des twistreichen und nicht gerade gewöhnlichen Scripts stammen, denn aus einer fehlgeleiteten Inszenierung. So gibt es trotz eines kleinen Casts mit nur elf Charakteren mehrere zu verfolgende Fährten, glaubt man dann, die Story durchschaut zu haben, entpuppt sie sich als noch düsterer und unerwarteter, als vielleicht gedacht.
 
 
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Zwischen Eifersuchtsgeschichten mit überraschend wenig Erotik für die Zeit und das Genre, paranoider Alptraumstimmung, psychedelischen bis synthielastigen Musikeinlagen vom Meister, verschwindenden Leichen, Verfolgungsszenen mit komplett geschrotteten Autos und klassischen Giallo-Trademarks wie dem erinnerten, wichtigen Detail, Kindheitstraumata oder sexuell aufgeladener Puppenverstümmelung dürften gerade Genrefans also mehr als glücklich werden. Im zweiten Akt wird ziemlich viel erfolglos rumgefahren, man könnte sogar sagen Zeit geschunden, doch das irrwitzige Finale, die Auflösung und das komplett aus seiner Zeit stammende Ende wissen dies absolut zu vertrösten.
 
 


 
 
 

SPASMO – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Stilsicherer, überraschender, etwas gemächlicher Giallo mit hübschen Sets, ungewöhnlicher Fokussetzung, starker Score und gut aufgelegtem Starcast.
 
 


 
 
 

SPASMO – Zensur

 
 
 
„Spasmo“ erschien schon mehrere Male im deutschsprachigen Ausland auf DVD und Blu-ray. Diese Fassungen waren zwar ungeschnitten aber auch FSK-ungeprüft. Das hat sich nun geändert, denn der Anbieter CMV Laservision hat den Giallo im August 2021 von der FSK prüfen lassen und erhielt in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SPASMO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (Blu-ray im KeepCase)

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(c) CMV Laservision (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Spasmo; Italien 1974

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Italienisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Marcus Stiglegger, Interview mit Umberto Lenzi, Werbematerial & Poster (Slideshow), Isolierter Titeltrack | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 12.11.2021 (Neuauflage) | KeepCase: 10.12.2021

 

Spasmo [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Spasmo [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SPASMO – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV Laservision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hatchet for Honeymoon (1970)
 
Das Geheimnis der blutigen Lilie (1972)
 
Das Haus im Nebel (1972)
 
Das Parfüm der Dame in Schwarz (1974)
 

Filmkritik: „Berserker“ (1987)

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BERSERKER

Story

 
 
 
Sechs Teenager brechen auf, ein idyllisches Wochenende in Rainbow Valley zu verbringen, doch eine nordische, bluttriefende Mythengestalt macht ihnen einen Strich durch die Rechnung…

 
 
 


 
 
 

BERSERKER – Kritik

 
 
Jefferson Richards dritte und letzte Regie-Arbeit nach dem Familiendrama „In Search of a Golden Sky“ und dem Crime-Thriller „Rigged“ kann in seinen besten Momenten den relativ „hohen“ Erwartungshaltungen von käsiger 80s-Unterhaltung mit bekloppter Story, dicker Atmosphäre und schrillen Synthesizern gerecht werden, scheitert dann aber doch an der Bewältigung zu oft gesehener Genre-Krankheiten. Ob das Gesamtwerk dabei immer noch sehenswert bleibt, oder aber zurecht in Vergessenheit geraten ist, klären meine folgenden Eindrücke.
 
 
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In der, im 10. Jahrhundert spielenden, Eröffnungsszene zwischen unaufhörlich blasendem Wind und dicken Nebelschwaden legt ein Ruderboot an, bevor ein muskelbepackter, oberkörperfreier, blutiger Typ mit Wolfsgebiss in die Nacht knurrt, böse brüllt und die Titlecard heraufbeschwört: „Berserker – The Nordic Curse“. Ein (echter!) Bär ist von der Seite zu sehen, wie er gutmütig durchs Bild läuft, dann ein zerkratzter Rücken, haarige Beine, dann ein allzu offensichtliches Latex-Prop. Die gequälten Synthesizer setzen wie erwartet ein, Nahaufnahmen des blutigen, aufgerissenen Mauls folgen, Blut tropft von (oder aus?!) den Reißzähnen, bei allem Trash-Gehalt verfehlen diese Szenen ihre Wirkung jedoch nicht.
 
 
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Nach diesen drei Minuten martialischen Openers wird zu einem alten Paar geschnitten, das beim Camping/Angelausflug herzerwärmend Händchen haltend spazieren geht, dabei jedoch scheinbar die Zeit vergisst oder sich massiv verläuft, da es auf einmal Mitternacht ist und die armen Leute, aus Sicht des Berserkers gefilmt, Blut ins Gesicht gespritzt bekommen, was wohl ihr Ableben symbolisieren soll. Dazu gesellen sich erneut Aufnahmen des süßen und echten Grizzlybären, der offensichtlich unbeschwert seines Weges läuft und keine Ahnung hat, in was für eine Produktion er hier geraten ist.
Nachdem die Etablierung des Antagonisten samt Opening Kills also zackig in den ersten fünf Minuten abgehandelt wurde, startet „Berseker“ nun gut gelaunt mit 80s-Rock, breit grinsenden Protagonisten, ausgelassener Ferienstimmung und idyllischer Landschaft, da es natürlich eine Gruppe junger Erwachsener in des Berserkers Wälder verschlägt, um dort zu Campen. Der unter anderem aus „Alligator“, John Carpenter Filmen oder „Maniac Cop“ bekannte John F. Goff kommt als Officer vorbei, ignoriert aber die offensichtlichen Anzeichen von Trunkenheit am Steuer und Drogenbesitz, konzentriert sich stattdessen nur auf die Vermüllung der Umwelt, die die Truppe fleißig betreibt. Eine Szene später und angekommen am Campground von „Rainbow Valley“ trifft die Gruppe nun auf Schauspiellegende George Buck Flower, auch ein Carpenter-Liebling, als „Papi Nyquist“, ein kauziger Charakter mit dicken Akzent, der erneut auf die Umwelt hinweist und den Verdacht eines „Long Weekend“-mäßigen Ökohorrors aufkommen lässt.
 
 
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Doch abseits der ersten 5 Minuten ist von Horror jetzt erst einmal weit und breit nichts zu sehen, was auch gut so ist, da die folgenden Minuten ein reiner Genuss für jeden Freund von 80s-Käse sind: Schmissige Rockmusik, herumalbernde Darsteller in Rollen, die 5 Jahre jünger geschrieben wurden, dabei wie sie gefährlich Quadfahren, sich homoerotisch oberkörperfrei mit Bier vollspritzen, oder gar den Zuschauer teasen – eine der Schönheiten der Gruppe tut so, als würde sie vor der Kamera ihr Top ausziehen, tut es dann aber entschieden doch nicht. Eine spaßige und kurzweilige Montagesequenz, auch ein letztes leichtherziges und kurzweiliges Durchatmen, bevor der Film langsam aber sicher ruhiger und ernster wird. Das beginnt mit der obligatorischen Lagerfeuer-Horrogeschichtenszene, in der der Mythos um den titelgebenden Berserker etwas beleuchtet wird, geht dann aber unerwartet ruhig, langsam und ernst weiter mit einer fast schon dramatischen, lakonischen, nächtlichen Szene, in der Papi und Officer Hill Schach spielen und sich über ihre verstorbene Verwandschaft, ihre Rückenschmerzen und den Alkoholismus austauschen.
 
 
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Die gesamte erste halbe Stunde, der gesamte erste Akt dieser recht kurzen 85 Minuten sind also stimmig, kurzweilig, sehenswert und als gelungen zu erachten, doch wo bleibt nun die eigentliche Horror- oder zumindest Creature-Komponente? Und was hat der Bär, im Abspann sogar credited als „Bart the Bear“ mit all dem zu tun? Nun, vor sechs Jahren, so erzählt ein Mitglied unserer sechsköpfigen Gruppe, gab es einen Vorfall, bei dem ein kleines Mädchen von einem „Bären“ angegriffen wurde, dazu blendet der Film Aufnahmen von Bart ein, wie er scheinbar den Mond anbrüllt. Ist der Berserker also vielleicht völlig woanders unterwegs und ein riesiger red herring?
 
 
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Jugendliche Streiche und Rummacherei, unbehagliches Toilettensuchen im kalten Wald und laute 80s-Musik in der Holzhütte füllen die nächsten zehn Minuten, bevor kurz vor der Halbzeit die erste Sex-Szene sowie natürlich, damit einhergehend, die ersten Kills zu begutachten sind. Und während die Synthies wie erwartet gellend schreien dürfen und dank der erneuten POV-Variante auch keine billige Kreatur auffällt, so enttäuschen die Tötungen selber effekttechnisch leider doch sehr, da hier einfach nur ein paar Krallen blutige Striemen hinterlassen, welche dann scheinbar tödlich sind.
Da die Atmosphäre in den düsteren, nebligen Wäldern immer wieder stimmt, man mit einem süßen Bären, guter Musik und etwas Nacktheit vertröstet wird, echte Charakterdarsteller in den Nebenrollen gecastet wurden und die Erwartungshaltung nie sonderlich hoch war, kann man sich als Genrefan definitiv auch durch die nächste halbe Stunde retten – doch leider ist hier, in der Mitte des Films, definitiv der meiste Leerlauf und repetitivste, langweiligste Abschnitt zu finden. Dialoglos wird durch die wenig spannend eingefangenen Außensets gelaufen, allzu zäh gestaltet sich das verletzte Rumstolpern und Veräußern halbgarer Dialoge.
 
 
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Aber aber, kurz bevor mein Interesse ganz abgebaut hatte und ich mich nur noch durch den dritten Akt quälen wollte, folgt noch ein unerwartetes Highlight: Nach einer überraschend ehrlichen und gut geschriebenen Dialogszene nämlich bricht plötzlich ein Kampf aus, in dem sich ganz offensichtlich ein echter Mensch mehrere Minuten und Einstellungen lang mit einem echten Bären geprügelt hat, bzw. mit ihm rangelte. Und das ist nicht nur meist überzeugend verschnitten, auch wenn sichtlich und munter zwischen zwei verschiedenen Bären, nämlich einem Grizzly und einem Braunbären, sowie einem Fake-Gebiss, gewechselt wird, sondern vorallem verdammt beeindruckend bis beunruhigend zu sehen, wie dieses riesige Tier mit seinen potentiell tödlichen Pranken hier „spielt“ und es wirklich aussehen lässt, als könnte man schon mal den Sarg bestellen.
 
 
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Ein funkiger, grooviger Song mit Saxophon darf nicht fehlen, ein erst herrlich unpointiertes, dann natürlich noch per Twist einen draufsetzendes Ende auch nicht, die Ruhe nach dem Sturm, das böse Grinsen am Ende, Feierabend. Was bleibt zu sagen? „Berserker“ leidet an seiner Mitte und dem Weg zum Finale, diese „Kampf“-Szene zwischen Mensch und Tier allein macht den Film aber fast schon sehenswert. Ob man der ersten halben Stunde – und somit dem gesamten Film – was abgewinnen kann, das liegt wohl in erster Linie an der 80s-Affinität was Musik, Mode, unbedarftes Schauspiel und unbeschwerte Atmosphäre angeht. Ich war hier deutlich zufriedener, als in vielen Konkurrenzwerken.
 
 


 
 
 

BERSERKER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
30 Minuten feinster Achtziger-Käse, 30 Minuten unspektakuläres bis langweiliges durch den Wald laufen, dazu ein einmalig dressierter Kampf, ein süßer Bär, etwas Camp-Slasher-Stimmung, starke Schauspiel-Urgesteine am Rand und ein schmissiger, die Stimmung hoch haltender Soundtrack. Stellenweise trashig, dann wieder durchaus atmosphärisch und ansprechend inszeniert.
 
 


 
 
 

BERSERKER – Zensur

 
 
 
„Berserker“ erschien auf Videokassette in Deutschland ungeschnitten. Dennoch stand der Streifen von 1990 bis 2015 auf dem Index. 2019 folgte die erste deutsche DVD-Veröffentlichung durch Great Movies. Die Fassung auf der Scheibe bot die unzensierte Fassung. Genau ein Jahr später wurde „Berserker“ zum ersten Mal auf Blu-ray veröffentlicht. Mittlerweile ist der Backwood-Slasher nicht mehr indiziert und kann ungeschnitten mit rotem FSK-Stempel im Handel gekauft werden. Der Sammler hat die Wahl zwischen der DVD und der Blu-ray.
 
 
 


 
 
 

BERSERKER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Classics / daredo (Soulfood) (Blu-ray im KeepCase)

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(c) White Pearl Classics / daredo (Soulfood) (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Berserker; USA 1987

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Originaltrailer, Artworkgalerie | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 16-seitiges Booklet mit Fotos und weiteren interessanten Zusatzinformationen

Release-Termin: Mediabook: 21.02.2020 | KeepCase: 08.10.2021

 

Berserker [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Berserker [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BERSERKER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies / daredo (Soulfood))

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Maneater – Tod aus der Kälte (2015)
 
Bear (2010)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 

Filmkritik: „Demonic“ (2021)

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DEMONIC

Story

 
 
 
Per 3D-Simulation soll eine junge Frau den Kontakt mit ihrer im Koma liegenden Mutter aufnehmen. Dieses Experiment hat fatale Folgen.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Kritik

 
 
Vor zehn Jahren hätte die Filmwelt wahrscheinlich noch begeistert aufgeschrien, wenn Neill Blomkamp einen neuen Film inszeniert. Mit seinem Debüt „District 9“ feierte der Südafrikaner 2009 nämlich einen großen Erfolg, der sowohl Filmfreunde, wie auch Kritiker begeistern konnte. Danach folgten zwei Filme, die an diese Qualitäten nicht anknüpfen konnten und auch der Posten als Regisseur für „Alien 5“ verpuffte im Nichts. Nun feiert Blomkamp mit „Demonic“ sein Comeback, doch bereits die ersten Kritiken ließen die Erwartungen sinken. Und leider kommt es so, wie man erwarten durfte: „Demonic“ will viel, bietet im Endeffekt aber so gut wie nichts und verkommt so zu einer lauen Luftnummer, die man echt nicht gesehen haben muss.
 
 
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Vor vielen Jahren hat Carly ihre Heimat verlassen, weil ihre Mutter des mehrfachen Mordes angeklagt wurde, worunter Carly sehr gelitten hat. Eines Tages meldet sich ein Pharma-Konzern bei Carly. Ihre Mutter liegt im Koma und die Wissenschaftler wollen unbedingt, dass Carly ihre neue Technologie ausprobiert. Mit Hilfe dieser kann sie per 3D-Simulation in die Gedanken ihrer Mutter schlüpfen und so Kontakt mit ihr aufnehmen. Carly ist von der Idee wenig begeistert, willigt jedoch ein, aber in dem Unterbewusstsein ihrer Mutter lauert Schreckliches. Neill Blomkamp kann Science-Fiction; das hat er besonders mit „District 9“ bewiesen und er schreibt an den Drehbüchern zumindest immer selbst mit. Im Falle von „Demonic“ stammt die Geschichte jedoch von ihm ganz alleine und storytechnisch versagt der Film leider nahezu vollkommen. Was auf dem Papier noch halbwegs interessant klingt, ist in der Umsetzung an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Man bekommt als Zuschauer nicht mal wirklich mit, weshalb sich die Geschehnisse ereignen, die man hier beobachtet. Auf eine clevere Pointe muss man ebenfalls verzichten und mit Dämonen hat das Ganze nun auch nicht gerade viel zu tun. Selbst als anspruchsloser Horrorfan wird man von dieser Story enttäuscht, obwohl verschiedene Einzel-Ideen ja an sich gar nicht mal schlecht wären.
 
 
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Nur leider kann Blomkamp diese einfach nicht zu einem stimmigen Gesamtbild formen. Das größte Problem wird wohl sein, dass der Science-Fiction-Experte nun gerne ins Horrorfach wandern wollte. Und Horror kann der Mann eben nicht, was man an „Demonic“ eindrucksvoll erkennen kann. Die Inszenierung wirkt insgesamt eher gelangweilt und die Horror-Szenen stammen dermaßen von der Stange, dass man auch gleich in billige C-Movie-Gefilde abdriften kann. Ein großes Budget stand Blomkamp nicht mehr zur Verfügung, doch es mangelt auch gar nicht mal so sehr am Geld. Eine schicke Optik ist nämlich dennoch gelungen und zu billig wirkt der Film optisch niemals. Dass die 3D-Simulationen nicht perfekt aussehen, ist sogar relativ authentisch. Hier hat man mit der Volumetric-Capture-Technik gearbeitet, welche echte Welten nachträglich virtuell darstellt. Das Ergebnis sieht durchaus interessant aus und bedient dann wieder die Science-Fiction-Elemente, die Blomkamp so gut beherrscht. Nur wie bereits erwähnt, funktioniert die Symbiose mit dem Horror so gar nicht, weil der Regisseur hier nur den billigsten Standard bedient.
 
 
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Man hätte über die ein oder andere Schwäche noch hinwegsehen können, doch das endgültige Aus beschert „Demonic“ die Figurenzeichnung. Gerade auch in diesem Punkt war Blomkamp zuvor viel besser. Was er hier jedoch geschrieben hat, lässt sich am treffendsten mit dem Adjektiv lieblos beschreiben. Von Anfang an erhält der Zuschauer überhaupt keinen Draht zu den Charakteren. Die Hintergrundgeschichte von Carlys Mutter wird fast gar nicht erwähnt und die Protagonistin selbst wird einem auch nicht näher gebracht. Alles daran ist künstlicher, als die Bilder der virtuellen Realität und so stellt sich ein Mitfiebern mit den Figuren bereits ab der ersten Filmminute ein. Die Darsteller haben da natürlich von vornherein einen ganz undankbaren Job. Carly Pope gibt sich alle Mühe und agiert durchaus brauchbar, kann aber eben auch nichts an der miesen Figurenzeichnung ändern. Alle anderen Schauspieler sind okay, doch niemand kann hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
 
 
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Es sollte nun keine große Überraschung sein, dass der Unterhaltungswert nicht viel taugt. Den Anfang lässt man sich noch gerne gefallen und das Potenzial wirkt im ersten Drittel noch relativ vielversprechend, doch bereits hier kommt eigentlich gar keine Spannung auf. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich dieser Zustand zusehends. Der mittlere Teil ist fad und will nicht so richtig auf den Punkt kommen, während das Finale dann versucht besonders aufregend auszufallen. Plötzlich gibt es irre Wendungen und viel mehr Action, aber profitieren kann „Demonic“ davon niemals, weil man als Zuschauer hier bereits lange das Interesse verloren hat. Es mangelt im Endeffekt einfach ganz erheblich an Atmosphäre. Der Film ist nämlich überhaupt nicht gruselig, nicht ansatzweise unheimlich oder beängstigend. Als Horror versagt das also auf ganzer Linie, aber selbst die Science-Fiction-Elemente wirken beliebig. Am Ende bleibt ein generischer Score und viel heiße Luft um nichts, wobei die Effekte noch ganz schick ausgefallen sind. Wirklich brutal wird es aber natürlich auch nicht.
 
 


 
 
 

DEMONIC – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
Selbst wenn Geschmäcker im Endeffekt natürlich sehr verschieden sind, fragt man sich bei „Demonic“ schon zurecht, was dieser Film eigentlich soll. Zur Unterhaltung dient er jedenfalls nicht. Die Grundprämisse hätte reizvoll sein können, ein paar Ideen sind solide und die optische Umsetzung ist nun auch nichts, was man alle Tage sieht. Außerdem agieren die Darsteller doch ganz passabel. Das bringt dem Streifen jedoch alles nichts, weil die Inszenierung völlig langweilig erscheint und die Atmosphäre nicht den Hauch von Horror besitzt. Die gesamte Geschichte könnte belangloser kaum sein, aber diese lieblose 08/15-Figurenzeichnung stellt „Demonic“ schlussendlich komplett das Bein. Von diesem Sturz kann sich der Film nicht erholen, selbst wenn das Finale viel Action bieten will. So ambitioniert die Idee von Blomkamp also vielleicht mal gewesen sein mag, so fad ist das Ergebnis und für eine Empfehlung reicht das leider nicht ansatzweise aus!
 
 


 
 
 

DEMONIC – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Demonic“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (DVD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demonic; Kanada 2021

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.00:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet

Release-Termin: KeepCase: 31.12.2021 | Mediabook: 31.12.2021

 

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DEMONIC – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Cell (2000)
 
eXistenZ (1999)
 
Virtuosity (1995)
 

Filmkritik: „The Green Knight“ (2021)

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THE GREEN KNIGHT

Story

 
 
 
Der junge und unerfahrene Neffe von König Artus, Sir Gawain, lässt sich zu Weihnachten auf ein Spiel mit dem mysteriösen „Grünen Ritter“ ein, dessen Konsequenz ihn ein Jahr später einholen soll. Doch schon auf der langen Reise zu der größten Herausforderung seines Lebens gilt es, sich in mehrerlei Hinsicht zu beweisen.

 
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Kritik

 
 
Der erste Filmchecker-Titel, den ich zuerst begeistert im Kino und dann erneut, noch begeisterter, auf der heimischen Leinwand genossen habe, heißt „The Green Knight“ und adaptiert mit modernster Technik eine „chivalry romance“, eine Geschichte um einen der Ritter an König Artus‘ Tafel, welche aus dem 13. Jahrhundert überliefert wurde. Doch wer nun abgeschreckt an CGI- lastige Action und maximal profitorientierte Scripts denkt, darf erleichtert aufatmen – und kennt wohl auch den Regisseur noch nicht.
 
 

„I’m not ready yet … I’m not ready yet …“

 
 
Denn David Lowerys keinesfalls einziger, sehr wohl aber bekanntester und erfolgreichster Film bisher dürfte das ambitionierte Drama „A Ghost Story“ gewesen sein, das mit seinen Bildern auch die größten Kritiker in seinen Bann ziehen konnte, u.a. (mit einem gefühlt endlosen One-Take,) aber auch für Diskussionsstoff unter Filmfans gesorgt hat. Ganz so langsam und sperrig inszeniert sich die modifizierte Heldenreise um den jungen, unerfahrenen Sir Gaiwan – vorbildlich verkörpert von Dev Patel – bei weitem nicht. Doch wer aufgrund großer Streitäxte oder eines erneut zu manipulativ geschnittenen Trailers blutige Konfrontationen oder in erster Linie physische Herausforderungen erwartet, der wird sich trotzdem gepflegt langweilen.
 
 

„Wasn’t it just a game?“

 
 
Die Sogkraft, die Lowery aus diesem ohnehin schon überraschend elaboriert und modern wirkenden Mythos zieht, manifestiert sich in erster Linie in der aufwendig eingefangenen, bildhübschen Landschafts- & Burgkulisse, die das natürliche Licht und prächtigen Umgebungen eindrucksvoll zur Geltung bringen weiß, sehr wohl aber auch – spätestens bei der zweiten Sichtung – in den liebevollen Details und fast schon verspielt zu nennenden Entscheidungen am Rande, die diese teils sehr episodenhafte Erzählung immer spannend, unvorhersehbar und einzigartig formen.
 
 

„I fear I am not made for greatness.“

 
 
Die pointiert gewählten Titelcards der einzelnen Stationen z.B. wurden liebevoll und individuell aus den unterschiedlichsten Quellen und Jahrhunderten zusammengesucht, Dialogdetails weisen eine clevere Mischung aus altem Englisch, Foreshadowing und angemessener Modernisierung auf, Symbole und Metaphern sind Szene für Szene auf der Bild- sowie Tonebene zu finden und sorgen für Rätselspannung, ambivalente Szenen, eine Verfestigung der Charakterisierungen. Echt wirkende Kostüme, Umgebungen und Requisiten, ein durch die Bank weg fantastischer Cast mit perfekt in das Jahrhundert passenden Gesichtern, eine originelle und gerade im zweiten Akt unerwartet gepacete Geschichte – doch dann stürzt tatsächlich das eingangs erwähnte CGI, der Fluch moderner Verfilmungen auch der noch-so-arthousigen Schiene, über den Film hinein und nimmt ihm die Chance, meine Höchstwertung zu erhalten.
 
 

„Honour. That is why a knight does what he does.“

 
 
Nicht dass ich prinzipiell was gegen CGI hätte, doch spezifisch ein Film wie „The Green Knight“, der sich zu jeder Zeit so natürlich und authentisch anfühlt, hätte weder budgettechnisch noch inszenatorisch nötig gehabt, ein derart offensichtlich, mediokre getrickstes Tier, eine sich nicht in den Film einfügen wollende Sequenz mit mythischen Wesen, sowie die ein oder andere allzu auffällige gekünstelte Burg einzufügen. Doch in zwei Szenen spezifisch wurde ich leider wirklich ein wenig aus dem Film gezogen, ohne einen erzählerischen Mehrwert zu sehen, der nicht auch mit praktischen Effekten möglich gewesen wäre.
 
 
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Last but not least wären da noch besagte Details und Modernisierungen, die leider nicht immer überzeugen können, sondern diesen stellenweise ohnehin schon sehr vagen oder unverständlichen Film, in dem die selbe Schauspielerin mehrfach besetzt wird, Gegenstände verschwinden und wieder auftauchen und offensichtlich nicht wörtlich gemeinte Dialoge gehalten werden, weiter verrätseln. Googelt man nach dem Filmgenuss die Vorlage sowie das ein oder andere Detail, so wird man zwar nicht staunen, wieviel von der Geschichte tatsächlich ~700 Jahre lang überliefert wurde – doch gleichzeitig gibt es auf einige Fragen zu den „neuen“ Ideen der filmischen Adaption nicht immer befriedigende oder logische Antworten.
 
 
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Da auch diese Entscheidungen jedoch den Rahmen dessen nicht sprengen, was man unter dem „A24“-Tag ohnehin häufig zusammenfasst und zu erwarten hat, ändern sie auch nichts daran, dass „The Green Knight“ einer der eindrucksvollsten und bildgewaltigsten Filme der letzten Jahre, sowie eine dicke Empfehlung und Offenbarung für jeden Freund von Artusepik, Abenteuergeschichten oder „großem“ Kino allgemein ist. Die Score von Lowery-Mehrfachkollaborateur Daniel Hart fügt sich ebenfalls bestens zu einer modernen A24-Produktion, stimmt aber auch immer wieder epische, mitreißende Chöre an.
 
 
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Ist die erwartete Reise an sich überlebt und die finale Konfrontation erreicht, spielt „The Green Knight“ noch zwei letzte Asse aus, die eine meiner Lieblingsszenen und eins der besten Filmenden überhaupt darstellen – mit einem fetten Grinsen aus diesem Meisterwerk entlassen, war ich dann schlußendlich also doch froh, dass Lowery hier selbst geschrieben und modernisiert hat – denn so gallig und abermals pointiert war „das Original“ dann wohl doch nicht. Hut ab!
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Faszinierendes Abenteuerepos voll gewaltiger Bilder und postmoderne Meditation über Männlichkeitsriten und den Drang, sich zu beweisen, in einem.
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Green Knight“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE GREEN KNIGHT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-green-knight-2021-bluray

(c) Telepool / Eurovideo Medien (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Telepool / Eurovideo Medien (4K-UHD + Blu-ray im KeepCase)

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(c) Telepool / Eurovideo Medien (4K-UHD + Blu-ray im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Green Knight; Großbritannien | Irland | Kanada | USA 2021

Genre: Abenteuer, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 130 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Interviews, Visual Effects, Featurettes | zusätzlich im Mediabook: Film auf 4K, Booklet

Release-Termin: KeepCase: 09.12.2021 | Mediabook: 09.12.2021

 

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THE GREEN KNIGHT – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Telepool / Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Tragedy of Macbeth (2021)
 
Excalibur (1981)
 
King Arthur (2004)
 

Filmkritik: „Light Sleeper“ (1992)

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LIGHT SLEEPER

Story

 
 
 
Der 40-jährige Drogendealer und Ex-Junkie John LeTour sieht wie seine Umwelt sich langsam von ihm abwendet, Träume sich verflüchtigen und überlegt selbst, das Business zu verlassen, um eine Musikkarriere zu verfolgen. Zeitgleich wird die Leiche einer neunzehnjährigen Studentin gefunden, die eine große Menge ungestrecktes Koks bei sich trug..

 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Kritik

 
 
Auch wenn die Filme inhaltlich sowie formal quasi überhaupt gar nichts miteinander zu tun haben, bis auf irgendeine Relevanz oder Erwähnung von Schlaf, so sind „Strange Dreams“ und „Light Sleeper“ doch bestens für einen Vergleich geeignet, als Beispiel für zwei komplett gegensätzliche Werke die es mir als Kritiker maximal leicht bzw. schwierig machen.
 
 
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Während „Strange Dreams“ nämlich kein Genre so wirklich, mehrere aber ansatzweise bedient und ziemlich unentschlossen sowie innerlich aufgebraust ist, von Szene zu Szene verunsichert und interessant zu sezieren, so ist „Light Sleeper“ hingegen eine simple, geradlinige, minimalistische Sozial- bzw. Charakterstudie, die sich keine tonalen Ausfälle, ungeahnten Ambitionen oder auch nur bemerkenswerte Szenen zu Schulden kommen lässt. Zu Singer-Songwriter Countrymusik, Rockballaden oder immer wieder aufkommendem Saxophon beschwört Schrader eine oft gesehene Neo-Noir-Atmosphäre, in der unser einsamer Drogenkurier, ein ungewohnt authentischer und zurückgehaltener Willem Dafoe, durch die Nacht gefahren wird und eine nichtige Begegnung nach der anderen macht.
 
 
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Mit mitreißender Cinematographie, nahe gehenden Szenen emotionaler Schauspielkunst oder einer wirklichen Story hatte diese Prämisse alle Möglichkeiten der Welt, weder Schrader noch der Cast sind unerfahren anno 1992, doch leider sollte der geneigte Zuschauer hier nicht mehr erwarten als eine gleichförmige Sozialstudie, die nie so konsequent oder radikal wie die Werke eines Abel Ferrara daherkommt, trotzdem nicht deutlich mehr Spannung oder Storytelling liefert.
 
 
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Dafoes Voiceover über seine endlos geschriebenen, dann wieder weggeworfenen Bücher und sein vergeudetes Talent, gepaart mit nebligen, nächtlichen Pflastersteinen, Alltagsbewegungen und dem omnipräsent leidenden, stöhnenden, keuchenden Soundtrack ist anfangs noch atmosphärisch und vielversprechend, doch mit jeder weiteren Zeile á la „It feels like the world’s on fire“, „Everything you need is around you – the only danger is inside you.“ oder „You were an encyclopedia of suicidal fantasies!“ wird es selbstbemitleidender, redundanter, beliebiger und belangloser.
Eine wenig verdiente und „tragische“ Rache wird zu einem späteren Zeitpunkt, zu dem ich mich längst mit der rein beobachtenden Art des Films zufrieden gegeben hatte, als erster echter Konflikt inszeniert – doch Spannung kommt dadurch keine auf, Motivationen oder Wahrheiten bleiben genreüblich unklar, „retten“ kann diese kurze Aufregung diesen sehr unaufgeregten, aber eben auch nicht tiefgründig seine Charaktere erforschenden Film auch nicht mehr retten.
 
 

„I can change. I can become a good person.“

 
 
Kitschige Musik drückt auf die Tränendrüse, ein paar hübsche Hotellobbies mit ansprechender Architektur offenbaren, wie endlos hässlich, grau und langweilig große Teile dieses Films doch aussehen – unabhängig davon, ob dies als Stilmittel zur Charakterisierung dient, eine optisch anstrengende bis ermüdende Entscheidung. Doch nicht nur kitschig ist die Musik, nein, denn wem die fehlenden Spannungsbögen zu vage sind, der bekommt das Innenleben des Protagonisten in den Texten der minutenlangen Songs dafür quasi noch ausbuchstabiert und erklärt, sodass jegliches Miträtseln oder Interpretieren auch seinen Reiz verliert.
 
 
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Wem die Reihung leicht drogeninduzierter Gespräche mit gesellschaftskritischen Aussagen, blau schimmernden Nachtaufnahmen mit Saxophonsoundtrack und ein paar realistische Performances der Szene und Zeit also reichen, dem könnte „Light Sleeper“ vielleicht mehr Unterhaltung oder Mehrwert bereiten als mir. Doch so amüsant und tragikomisch die Szenen mit Paul Jabara als ausgebrannter Cokehead z.B. auch sind, so sehr gehen sie unter in der laissez-faire Attitüde des Films, in der von Anfang an offensichtlich scheint, dass weder die Ziele noch romantischen Ambitionen unseres Protagonisten erfüllt werden können.
 
 


 
 
 

SLIGHT SLEEPER – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Routiniert gelangweiltes, stilles Drama im sachlichen, nüchternen Stil, das mit schmalziger manipulativer Musik, Noir-Anleihen und fehlender Charaktertiefe zunichte macht, was der inszenatorische Stil an Potential vorgibt. Gut gespielt und mit ein paar atmosphärischen Szenen, als Gesamtwerk jedoch unterwältigend, zudem im hässlichen Look einer 90s-Soap-Opera.
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Light Sleeper“ war bereits bei der deutschen Kinoauswertung im Jahr 1994 ungeschnitten und ab 16 Jahren. Das hat sich auch mit der nun erhältlichen HD-Fassung des Thrillers nicht geändert. Diese ist ebenso ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Light Sleeper; USA 1992

Genre: Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 1.0, Englisch DTS-HD Master Audio 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Mediabook

Extras: 4-seitiges Buchteil mit einem Text von Nicolai Bühnemann, Film auf DVD, The Guardian Interview mit Willem Dafoe, The Midlife Movie: Paul Schrader Interview, Audiokommentar von Paul Schrader, Szenenkommentar von Willem Dafoe und Susan Sarandon, Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Release-Termin: Mediabook: 26.08.2021

 

Light Sleeper [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

LIGHT SLEEPER – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of New York – König zwischen Tag und Nacht (1990)
 
‚R Xmas (2001)
 

Filmkritik: „Truck Turner – Chicago Poker“ (1974)

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TRUCK TURNER – CHICAGO POKER

(TRUCK TURNER | BLACK BULLET)

Story

 
 
 
Truck Turner (Isaac Fucking Hayes) verdingt sich nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Football-Karriere in Los Angeles als Kopfgeldjäger. Auf der Suche nach dem flüchtigen Luden Gator gerät Turner in einen Revierkampf zwischen brutalen Zuhälterfraktionen. Der fieseste unter den Nuttenhauern ist Harvard Blue (Yaphet Kotto), der sich gerne den Kopf des Kopfgeldjägers über den Kamin hängen würde.

 
 
 


 
 
 

TRUCK TURNER – Kritik

 
 
Ein Film aus dem Fundus der American International Pictures (AIP) könnte nicht mal dann enttäuschen, wenn er es versucht. Was nicht heißen soll, dass TRUCK TURNER eine Enttäuschung wäre. Im Gegenteil! Roger Cormans langjähriges Heimatstudio versteht in den Seventies auch, die innerstädtischen Kinos, maßgeblich von einem schwarzen Publikum besucht, mit perfekt aufgezogenen Billigreißern zu beliefern. Dabei wird das Script des Films anfänglich für einen weißen Schauspieler geschrieben. Lee Marvin oder Ernest Borgnine sind im Gespräch für den Part des Bounty Hunters. Knarzige Altherren-Action also. Interessant, so aber besser.
 
 
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TRUCK TURNER funktioniert nach den liebgewonnenen Mustern des Black-Action-Cinema. Kampf der afroamerikanischen Alpha-Wasserbüffel in grausigen Garderoben vor urbaner Kulisse. Die Herren sind gleichermaßen gewaltbereit und übercool und selbst im Angesicht wildester Schlägereien wäre, wenn nötig, genug Hoden-Überdruck vorhanden, eine der scharfen Afro-Schnitten zu bespaßen, die mindestens genau so tough redet und handelt wie die Herren der Schöpfung. Das Betrachten eines Blaxploitation-Films dürfte in jedem feministischen Universitätsfilmclub zu spontanen Selbstentzündungen im Publikum führen.
 
 
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TRUCK TURNER (hierzulande übrigens früher CHICAGO POKER, obwohl er in LA spielt. Deutschland, meine Damen und Herren, Deutschland!) läuft in den USA als tatsächlicher B-Film (also Film Nummer zwei eines Double Features) für den genialen FOXY BROWN, ist aber auch separat ein Knüppel. Bei dieser Besetzung ja auch nicht weiter verwunderlich.
 
 
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Isaac Hayes (1942 – 2008), sagenhaft kreativer Musiker und Songschreiber des besseren Soul und Funk, landet mit seinem „Theme From Shaft“ Anfang 1971 einen Crossover-Hit, der nicht nur die Charts stürmt, sondern auch noch die Soundtrack-Blaupause zum Blaxploitation-Genre wird. Es folgen Jahre des Prominenz-Exzesses, Kokain, schlechte Weiber und schlechtere Finanzberatung. Dafür aber auch Auftritte in Kultprogrammen wie John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE, wo er den Gangsterboss Duke Of New York spielt. Die Musik von TRUCK TURNER übernimmt er natürlich auch.
 
 
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Später Comeback-Erfolg ist dem Mann mit der tiefen Stimme als Chefkoch im wilden Erfolgs-Cartoon SOUTH PARK vergönnt. Er spricht und singt die Parts des stets potenten Cafeteria-Küchenmeisters mit jederzeit hörbarer Freude an der Sache ein. Seine immer deutlich unter der Gürtellinie landenden Sprüche sind wichtiger Beitrag zum frühen Erfolg der langlebigen Serie von Matt Stone und Trey Parker bis sich der bekennende Scientologe mit den beiden Machern überwirft. Grund ist natürlich eine Folge über L. Ron Hubbards kontroverse Science-Fiction-Sekte aus Kalifornien.
 
 
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Nichelle Nichols, die echte Uhura aus RAUMSCHIFF ENTERPRISE spielt mit, dann als blutgeiler Pimp der gewohnt intensiv agierende Yaphet Kotto, den’s ja leider auch dieses Jahr erwischt hat. Turners Auftraggeber spielt Dick Miller, den jeder Filmfan in mindestens fünf Filmen gesehen hat, wofür man ihm die Filmbiografie THAT GUY DICK MILLER geschenkt hat.
 
 


 
 
 

TRUCK TURNER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Populärer Blaxploitation-Standardfilm in großartiger Qualität. Isaac Hayes, der sich auf einem Plattencover auch mal ordentlich größenwahnsinnig Black Moses nannte, erfreut den Bahnhofskino-Freund als lässiger Sex- und Fressevoll-Gott im brütenden Los Angeles der Wilden Siebziger. TRUCK TURNER ist ein Beispiel für einen Genrefilm, bei dem tatsächlich alles stimmt.
 
 


 
 
 

TRUCK TURNER – Zensur

 
 
 
TRUCK TURNER ist ein Kultfilm, der während der Blaxploitation-Welle in den 70er-Jahren erschien und in Deutschland um zehn Minuten gekürzt auf VHS-Kassette veröffentlicht wurde. Diese Fassung wurde im Jahr 1984 indiziert. 20 Jahre stand der Streifen auf dem Index. Erst im September 2011 erfolgte eine Neuprüfung, die dem Kultfilm eine FSK16 in der ungeschnittenen Fassung attestierte. Die nun erhältliche Blu-ray besitzt einen roten FSK-Flatschen. Der Grund ist im von der FSK höher eingestuftem Bonusmaterial zu suchen, denn der Streifen selbst besitzt eine Jugendfreigabe. Die Blu-ray-Fassung des Streifens ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

TRUCK TURNER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (Blu-rays + DVDs in 6 Mediabooks)

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(c) NSM RECORDS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Black Bullet; USA 1974

Genre: Thriller, Krimis, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Die ehemaligen nachsynchronisierten Fehlstellen wurden 2020 nochmal neu nachsynchronisert und ersetzen die bisherige Nachsynchro, Trailer, Radio-Spots | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Text von Mike Blankenburg, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021 | Mediabook: 18.12.2020

 

Truck Turner – Chicago Poker [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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TRUCK TURNER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hammer (1972)
 
Wenn es Nacht wird in Manhattan (1970)
 
Coffy – die Raubkatze (1973)
 

Filmkritik: „Die Todeskandidaten 2“ (2015)

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DIE TODESKANDIDATEN 2

(THE CONDEMNED 2)

Story

 
 
 
Will Tanner (WWE-Wrestling-Lumpenhund Randy Orton) ist Teil eines desaströsen Einsatzes gegen die Veranstalter eines perversen Menschenjagd-Games, das seinen kriminellen Machern im Netz dicke Dollars macht. Er kehrt zurück in die karge Kulisse seiner ländlichen US-Heimat und leckt sich die Wunden. Als plötzlich Anschläge auf Tanners Leben stattfinden, muss der Kämpfer feststellen, dass die Zielpersonen ganz genau wissen, wer es auf sie abgesehen hatte und jetzt den nächsten Schritt unternehmen.

 
 
 


 
 
 

DIE TODESKANDIDATEN 2 – Kritik

 
 
Als die Welt noch nicht ganz am Arsch war, ist man für solche Filme in die Videothek seines Vertrauens eingekehrt und durfte auf der heimischen Couch des Schicksals Stunden stumpfsinniger Herren-Zufriedenheit verleben. Schauspielende Kampfsport-Bestien zeigen gegen Armeen gesichts- und charakterloser Bösewichter, was der Mann vom Fach mit Fäusten, Tritten und einem vernünftigen Waffenarsenal anrichten kann und sind sich im besten Falle darüber im Klaren, auch diese Saison nicht im Rennen um den Oscar anzutreten.
 
 
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Menschenjagd-, und Einer-gegen-alle-Filme wie DIE TODESKANDIDATEN 2 sind – jetzt lassen wir mal den Filmwissenschaftler raushängen – seit 1932 eine der Säulen des Actionkinos. Da hetzt nämlich bereits der übergeschnappte Aristokrat Zaroff seine Opfer über die Sets des Original-KING-KONG-Films. Ach ja, der Film heißt natürlich GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN, Original: THE MOST DANGEROUS GAME und ist grob geschätzt 300 mal neu verfilmt worden. Meistens inoffiziell, mal offiziell (jetzt gerade auf Amazon Prime, liebe Kinder).
 
 
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Hier ist’s Kopfgeldjäger Will Tanner, der eigentlich einer mafiösen Gang von Mordshow-Veranstaltern das Geschäft versauen will. Der Einsatz verunglückt und zurück in der Redneck-Idylle seiner amerikanischen Heimat wird der Jäger, wie man so schön sagt, selbst zum Gejagten. Routiniert reißt er dem prämiengeilen Gesindel die Ärsche auf bis zum Nacken und hält sich nicht mit Kinkerlitzchen wie charakterlicher Tiefe und ausziseliertem Minenspiel auf. Weil er es auch nicht muss, verdammt noch eins! Irrwitzige Buddy-Movie-Einsprengsel gibt’s als Bonus, wenn Tanners Vater, gegeben von der mittlerweile One-Man-Exploitation-Show Eric Roberts, anrückt und seinem Junior das Leben schwer macht. Er meint es ja nur gut.
 
 
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DIE TODESKANDIDATEN 2 als Sequel des gleichnamigen Reißers von 2007 zu sehen, kann nur nach hinten losgehen. Wenn im Erstling „Stone Cold“ Steve Austin als verdeckter Ermittler die übelsten Mörder des Planeten eigenhändig zur Schlachtbank führt, findet das dermaßen knüppelhart und in den Actionszenen fast schon so cartoonhaft brutal statt, wie man es von einem „so nebenbei“ erschienenen Actionfilm mit Wrestling-Connection absolut nicht erwarten konnte. Ja, THE CONDEMNED dürfte der beste Film sein, den die Film-Tochter vom World Wrestling Entertainment bis dato hinbekommen hat.
 
 
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Diesen Elefanten aus dem Raum gescheucht, kann man DIE TODESKANDIDATEN 2 als den soliden Teller Action-Hausmannskost nach alter Väter Sitte genießen, der er ist. Ring-Sauhund Randy „The Viper“ Orton in der Hauptrolle hat definitiv Film-Potential, wäre aber in einer Rolle als Bad Guy deutlich besser aufgehoben. Der Kerl strahlt auch als Held einfach eine spezielle, vollendete Arschlochhaftigkeit aus, die er – so konnte ich als Nicht-Kenner modernen Wrestlings eruieren – in seiner Haupt-Karriere seinem Publikum auch seit Jahren meisterlich vor den Latz knallt.
Da sind die Baddies, denen Orton hier im Film die Leviten liest, beinahe farblose Bodycount-Kandidaten. Bis auf die beiden Chefs natürlich! Wes Studi, amerikanischer Indianer (ja, das sagt man eigentlich nicht mehr), ist seit Jahrzehnten auf der Leinwand zu sehen und liefert auch hier Qualität ab. Der Big Boss des Todesspiel-Programms ist Baccaro. Der wird gespielt von Steven Michael Quezada, den man hauptsächlich als Drogencop Steve in der Über-Serie BREAKING BAD kennt. Sein Turn zum skrupellosen Business-Psycho in DIE TODESKANDIDATEN 2 weist ihn als fähigen Schauspieler aus. Macht Spaß.
 
 
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DIE TODESKANDIDATEN 2 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Vielleicht ist das eine angenehme Nebenerscheinung des gegenwärtig atemlos geschlagenen Kampfs um die Erhältlichkeit eines jeden Filmes zu jeder Zeit, wenn sich unter dem Radar millionenteurer Großproduktionen und aufwändig ausgestatteter Neu-Editionen großer Titel ein neues, verlässliches B-Action-Spielfeld entwickelt! DIE TODESKANDIDATEN 2 ist ein unterhaltsames, saftiges Männerfilm-Steak alter Schule und tut, was getan werden muss: Unterhalten!
 
 


 
 
 

DIE TODESKANDIDATEN 2 – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Die Todeskandidaten 2“ erscheint sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal synchronisiert in Deutschland über NSM RECORDS. Der Film ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Anders als sein Vorgänger blieb ihm die Indizierung erspart. Actionfilmfans wird das freuen.
 
 
 


 
 
 

DIE TODESKANDIDATEN 2 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover A)

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(c) NSM RECORDS (Blu-ray + DVD im Mediabook – Cover D)

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(c) NSM RECORDS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Condemned 2; USA 2015

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Dominik Starck, Hinter den Kulissen: Drones, Hinter den Kulissen: Fight, deutscher Trailer, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet von Nando Rohner, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 27.08.2021 | Mediabook: 26.02.2021

 

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DIE TODESKANDIDATEN 2 – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Todeskandidaten (2007)
 
Running Man (1987)
 
The Hunt (2020)
 

Filmkritik: „The Ultimate Weapon“ (1998)

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THE ULTIMATE WEAPON

Story

 
 
 
Nachdem ein Söldner eigenmächtig gehandelt hat, wird seine Tochter von einem skrupellosen Verbrecher entführt. Da sich das nicht gehört, hagelt es bald Leichen.

 
 
 


 
 
 

THE ULTIMATE WEAPON – Kritik

 
 
Der ehemalige Wrestler Hulk Hogan hat es schon früh zu einer echten Berühmtheit gebracht. Schon damals war es nicht so unüblich, dass sich Wrestler auch mal im Filmbusiness ausprobieren und so machte das auch Hogan. Seine Filme beschränkten sich jedoch überwiegend auf albernen Kinderkram, der für den Erwachsenen teilweise schwer zu ertragen war. Abgesehen von „Der Ritter aus dem All“ befindet sich eigentlich kein hochwertiges Werk in der Filmographie von Hogan. 1997 sollte dann ein Richtungswechsel stattfinden. Nun versuchte sich Hogan an ernsten Rollen und harten Actionfilmen. Auch hier war er nicht erfolgreich. Woran das liegt, sieht man an „The Ultimate Weapon“.
 
 
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Der Söldner Cutter will eine letzte Mission durchziehen, die sich gegen Waffenschmuggler richtet. Als Cutter bemerkt, dass er von seinem Auftragsgeber betrogen wurde und die Waffen in terroristische Hände gelangen sollen, zerstört er sie eigenmächtig. Damit macht er einen Senator ziemlich sauer und als dieser herausfindet, dass Cutter eine Tochter hat, will er sie auch gleich entführen. Dummerweise hat Cutter keine gute Beziehung zu seiner Tochter, aber jetzt muss er sie natürlich befreien.
Mit dem Drehbuch gewinnt man sicherlich keine Innovationspreise, aber das muss bei simpler Action ja auch gar nicht sein. Die Prämissen sind oftmals total schlicht und an sich hätte die Story genügend Potenzial hergegeben, nur leider wird sie ziemlich lahm erzählt. Überraschungen gibt es keine und der gesamte Verlauf ist völlig vorhersehbar. Das wäre an sich zu verkraften, wenn man den Fokus mehr in Richtung Action gelenkt hätte, aber dafür fehlte „The Ultimate Weapon“ wohl das Budget.
 
 
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So konzentriert sich Regisseur Jon Cassar, der erst hinterher mit der Serie „24“ so erfolgreich werden sollte, im mittleren Teil auf einen lahmen Drama-Handlungsstrang, der den Zuschauer völlig kalt lässt. Hier geschieht nichts, was interessant wäre und dass man für diese Szenen kein großes Geld brauchte, lässt sich klar erkennen. Das ist zwar handwerklich solide gemacht, aber eben ganz schön langweilig und ereignislos. Immerhin gibt es am Anfang und am Ende jeweils zwei ausgedehnte, gut gemachte Actionszenen. Der Einstieg weckt somit falsche Hoffnungen, fällt aber noch ganz passabel aus. Das Finale rettet „The Ultimate Weapon“ nicht, sieht jedoch trotzdem hübsch aus, bietet nochmal eine gute Portion Action und auch die nötige Portion Gewalt. Die Shoot-outs sind nicht harmlos, aber die Freigabe ab 18 Jahren wirkt aus heutiger Sicht dennoch etwas überzogen. Allgemein ist die Inszenierung schon ganz brauchbar und sauber gemacht, ist der Streifen durchaus und trotzdem mangelt es erheblich an Schauwerten und an einem Wiedererkennungswert.
 
 
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Daran kann auch ein Hulk Hogan nichts ändern. In den Rollen, in denen er sich zum Affen machte, bewies Hogan stets Humor, Selbstironie und das Ergebnis war dann doch irgendwie sympathisch. In „The Ultimate Weapon“ versucht er nun komplett ernst zu spielen und dieses Ergebnis fällt schon weitaus enttäuschender aus. Das wirkt alles sehr verkrampft, erzwungen, plump und holprig. Dass aus Hogan kein echter Actionstar wurde, wundert einen nach diesem Film jedenfalls nicht. Die restliche Besetzung kann auch nicht viel reißen. Carl Marotte ist fehlbesetzt und Daniel Pilon spielt einen stereotypischen, nichtssagenden Bösewicht. Lediglich Cynthia Preston lässt noch ein wenig Charme aufkommen. Die Figurenzeichnung ist langweilig und funktioniert nicht. Alle Charaktere wirken künstlich, konstruiert und sind ein reines Mittel zum Zweck. Somit kommen keinerlei Sympathien auf und die Figuren sind dem Zuschauer schlichtweg egal.
 
 
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Für einen richtigen Actionreißer bietet „The Ultimate Weapon“ zu wenig Action und für die Drama-Anteile ist die Figurenzeichnung zu schlecht. Dass man sich nicht durchgehend langweilen muss, liegt an dem soliden Start und dem versöhnlichen Ende. Alles, was dazwischen geschieht, kann man verkraften, aber Spaß kommt hier sicherlich keiner auf. Auch die Atmosphäre erfüllt ihren Zweck selten. Das ist zwar teilweise reißerisch, aber niemals genug. Ein paar unfreiwillig komische Szenen lassen den Trash-Faktor automatisch nach oben schnellen, doch so richtig amüsant wird das trotzdem selten, denn dafür ist das Geschehen einfach zu trocken. So bekommt man im Endeffekt 95 Minuten Laufzeit geboten, die nicht schrecklich langatmig sind, aber am ehesten für einen gemütlichen Sonntag-Mittag, an dem man vielleicht noch ein bisschen dösen möchte, taugen.
Der Score ist okay, fällt aber nicht sonderlich auf.
 
 


 
 
 

THE ULTIMATE WEAPON – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
„The Ultimate Weapon“ ist ein recht lahmer Actionfilm, der zwar am Anfang und am Ende in diesem Bereich überzeugen kann, ansonsten jedoch keinerlei Highlights zu bieten hat. Die Inszenierung ist ganz sauber und die vorhandene Action wurde solide gestaltet, aber das Drama funktioniert überhaupt nicht und die Figurenzeichnung ist absolut öde. Aus der simplen Story hätte man mit mehr Budget sicherlich auch mehr herausholen können. So bleibt dem Zuschauer am ehesten ein Hulk Hogan, der beweist, dass er wirklich kein guter Schauspieler ist. Ihm dabei zuzuschauen, macht nicht gerade Spaß, aber auch die restlichen Darsteller bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm. Das ist zwar niemals ärgerlich langweilig, besitzt aber im mittleren Teil dennoch zu viele Längen und ist am Ende weder trashig, noch amüsant oder brachial genug. Für Fans von Hogan vielleicht mal eine Sichtung wert, für Fans guter Actionfilme verzichtbar!
 
 


 
 
 

THE ULTIMATE WEAPON – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Ultimate Weapon“ war bereits bei seiner Erstveröffentlichung auf VHS ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Der Streifen lief sogar bereits im Free-TV geschnitten ab 16 Jahren. Die nun erhältliche HD-Fassung des Actionfilmklassikers ist ebenso ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE ULTIMATE WEAPON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Ultimate Weapon; Kanada 1998

Genre: Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase | Mediabook

Extras: Erstmals als Blu-Ray (Digital remastered in 2K), Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet von Mike Blankenburg, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 27.08.2021 | Mediabook: 26.03.2021

 

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THE ULTIMATE WEAPON – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shadow Warriors – Rache um jeden Preis (1999)
 
Das Phantom-Kommando (1985)
 

Filmkritik: „Night of the Living Dead“ (1990)

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NIGHT OF THE LIVING DEAD

(DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN)

Story

 
 
 
In der Neuauflage von Romeros Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ muss eine kleine Gruppe von Menschen sich erneut gegen eine Schar von Zombies zur Wehr setzen.

 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE LIVING DEAD – Kritik

 
 
1968 erschuf George A. Romero mit seinem Debütfilm „Die Nacht der lebenden Toten“ mal gleich einen der prägendsten Horrorfilme überhaupt. Seitdem ist der Zombie massentauglich geworden und aus dem Horrorbereich nicht mehr weg zu denken. 1990 meinte Tom Savini dann, dass es an der Zeit für ein Remake dieses Klassikers wäre. Savini, der ja eher für seine Geniestreiche als Maskenbildner und Spezialeffektekünstler bekannt ist, hatte ein vielfaches an Budget zur Verfügung, war mit dem Resultat aber wohl nicht so richtig zufrieden, weil zu viel geändert werden musste. Ähnlich ging es scheinbar auch Romero selbst, der sogar mit am neuen Drehbuch arbeitete. Schlecht gelungen, ist „Night of the Living Dead“, in Deutschland auch unter dem Titel „Die Rückkehr der Untoten“ bekannt, allerdings nicht. Wer sich gerne altmodische Zombiefilme anschaut, wird hier nämlich ordentlich bedient.
 
 
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Barbara besucht mit ihrem Bruder den Friedhof, wo sich das Grab der Mutter befindet. Kurze Zeit später werden die Beiden von Untoten angegriffen und nur Barbara gelingt es sich in ein altes Farmhaus zu flüchten. Hier begegnet sie Ben, der sehr hilfsbereit ist und sich ebenfalls auf der Flucht vor der Bedrohung befindet. Doch im Keller hat sich noch eine kleine Gruppe von Menschen verscharrt. Jedoch gelingt es den Leuten nicht, sich gegenseitig zu helfen und die Gefahr draußen wächst stetig an. Kann es ein Entkommen geben?
 
 
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Tom Savini und George A. Romero schrieben das Drehbuch gemeinsam und es ist zum Glück keine stumpfe Kopie dabei entstanden. Obwohl das Szenario im Kern sehr gleich bleibt, gibt es genügend Unterschiede zu betrachten, was sich besonders in der Figurenzeichnung bemerkbar macht. Außerdem ist das Ende gänzlich anders geraten. Dies ist allerdings nicht unbedingt positiv zu vermerken, denn „Night of the Living Dead“ fehlt es komplett an der Gesellschaftskritik, welche das Original hatte. Ansonsten ist die Geschichte ähnlich simpel. Das heißt: Nichts wird weiter erklärt und Hintergründe sind egal. Bei einem solch schlichten Zombiefilm sei das erlaubt, aber den Anspruch, den das Werk von 1968 hatte, sucht man im Remake leider vergebens.
 
 
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Tom Savini kann man als Regisseur jedoch kaum Vorwürfe machen, denn er macht seine Sache schon ziemlich gut, baut die Szenen gekonnt auf und versteht etwas, von dem, was er da tut. Aus rein handwerklicher Sicht ist „Night of the Living Dead“ gut geworden und wenn Savini schon selbst einen Zombiefilm dreht, darf man sich sicher sein, dass es in diesem nicht gerade zimperlich zur Sache gehen wird. Der Splatter-Gehalt ist ordentlich und sollte jeden Gorehound befriedigen. Dass der Film in Deutschland aber so lange beschlagnahmt war, ist unverständlich, denn grenzwertig brutal ist das Ergebnis nun ebenfalls nicht. Dafür gibt es jedoch sehr schöne Effekte zu bestaunen, die herrlich altmodisch aussehen. Die Zombies können sich ebenfalls sehen lassen.
 
 
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Schön ist zudem, dass sie sich noch richtig altmodisch verhalten. Das heißt: Sie sind dumm und langsam, stellen alleine eigentlich keine Gefahr dar, kommen aber in so großen Massen vor, dass sie die Überhand gewinnen. Wenn man auf diese altmodische Herangehensweise abfährt, wird man in „Night of the Living Dead“ vollkommen bedient. Das Farmhaus ist als Schauplatz manchmal etwas unspektakulär und der Score klingt nun auch nicht so richtig einprägsam, aber insgesamt kann man mit dem Resultat schon zufrieden sein. Dies liegt auch am ordentlichen Unterhaltungswert. Gerade am Anfang ist das Tempo rasend hoch. Da vergehen keine fünf Minuten und schon ist viel los. Im Haus angekommen, nimmt Savini die Geschwindigkeit etwas heraus. Dann spielen vorerst die Spannungen in der Gruppe die Hauptrolle, doch in der letzten halben Stunde steht wieder reine Zombie-Action auf dem Programm und mit seinen 88 Minuten Laufzeit ist das schon ziemlich kurzweilig geraten.
 
 
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Lobenswert sind zudem noch die Darstellerleistungen. Sehr schön ist, dass Tony Todd eine große Hauptrolle spielt, was er charismatisch macht. Patricia Tallman gibt die kämpferische Frau ebenfalls überzeugend und Tom Towles spielt das Arschloch so richtig hassenswert. Der Horrorfan wird zudem mit ein paar Kleinigkeiten bedient, wie z.B. der kurze Auftritt von Bill Moseley am Anfang. Die Figurenzeichnung erfüllt insgesamt ihren Zweck und, wie bereits erwähnt, gibt es hier einige Abweichnungen zum Original. Ein paar Charaktere sind schon ziemlich nervig, doch man kann erkennen, dass dies so gewollt war und es macht die Spannungen in der Gruppe durchaus höher. Lange wird einem das sicher nicht in Erinnerungen bleiben, doch brauchbar kreiert wurden diese Figuren schon.
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE LIVING DEAD – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Night of the Living Dead“ macht als Remake schon eine ganze Menge richtig, wenngleich er dem Original natürlich niemals das Wasser reichen kann. Die Story ist zwar gleich geblieben, wirkt aber nie stumpf kopiert, die Charaktere sind ganz anders gezeichnet und es gibt selbstverständlich deutlich mehr Splatter zu sehen, als im Original. Das neue Ende ist allerdings schade, denn Gesellschaftskritik oder Anspruch findet man somit gar nicht mehr vor. Trotzdem ist die Atmosphäre schön düster und da man sich zu den richtigen Momenten völlig auf die Zombies fokussiert, kann man sich über einen zu niedrigen Unterhaltungswert niemals beklagen. Savini macht seine Sache als Regisseur absolut nicht schlecht, die Darsteller taugen etwas, die Effekte sehen klasse aus und das Ergebnis macht schon Spaß. Ob es „Night of the Living Dead“ nun unbedingt gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber als Fan von altmodischer Zombie-Unterhaltung macht man damit durchaus nichts verkehrt!
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE LIVING DEAD – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Night of the Living Dead“ war schon immer ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Im Jahr 1992 wurde der Streifen indiziert. Vier Jahre später wurde der Zombiefilm beschlagnahmt. Die Beschlagnahmen vom AG Tiergarten wurden im Februar 2020 aufgehoben. Im Juni 2020 gab die BPjM auch die Listenstreichung nach über 28 Jahren bekannt. Ende Juni 2021 folgte die FSK-Prüfung. Das Prüf-Gremium vergab die Einstufung: „Keine Jugendfreigabe“. Seit August 2021 kann „Die Rückkehr der Untoten“ (so der deutsche Videotheken-Titel) von allen erwachsenen Zuschauern legal, ungeschnitten und ohne Umwege über das deutschsprachige Ausland im hiesigen Handel gekauft werden.
 
 
 


 
 
 

NIGHT OF THE LIVING DEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SONY PICTURES ENTERTAINMENT (Blu-ray im KeepCase)

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(c) SONY PICTURES ENTERTAINMENT (Blu-ray im Steelbook)

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(c) SONY PICTURES ENTERTAINMENT (DVD / Blu-ray im Mediabook + Büste)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Night of the Living Dead; USA 1990

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase | Steelbook | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Regisseur Tom Savini, US-Kinotrailer (1:05 Min.), Making Of – The Dead Walk (24:54 Min.) | zusätzlich in der Büsten-Edition: Film auf DVD, Büste, Booklet

Release-Termin: KeepCase | Steelbook | Büste: 05.08.2021

 

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NIGHT OF THE LIVING DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Nacht der lebenden Toten (1968)
 
Zombie – Dawn of the Dead (1978)
 
Verdammt, die Zombies kommen (1985)