Filmkritik: „Plague“ (2014)

Plague-2014-film
 
 
 

PLAGUE

Story

 
 
 
Eine mysteriöse Infektion hat die Menschen in Zombies verwandelt. Zwei Überlebende müssen bald am eigenen Leibe erfahren, dass im postapokalyptischen Australien weitaus schlimmere Bedrohungen warten, als untote Menschenfresser.
 
 
 


 
 
 

PLAGUE – Kritik

 
 
 
Achtung, Achtung – die Zombies sind los! Mittlerweile ist das in der Horrorfilmwelt nichts Ungewöhnliches mehr, denn Zombiefilme zu drehen hat sich seit einigen Jahren mal wieder zum begehrten Sport unter Nachwuchsregisseuren gemausert. Ob günstig fabriziert, tiefgründig, blutig oder künstlerisch wertvoll; Zombies lassen sich auch knapp ein viertel Jahrhundert nach Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD gut vermarkten – egal wie einfältig sie von untalentierten Filmemachern auch in Szene gesetzt werden. Einen etwas anderen Zombiefilm bringen die beiden Australier NICK KOZAKIS und KOSTA OUZAS in die Heimkinos. Die lassen zwar auf dem Cover ihres ersten Spielfilmes mit fressgeilen Monstern werben; der Film schlägt aber eine andere Richtung ein. Horror aus Australien steht auf dem Programm hinter dem sich aber keine Gore- und Splattergranate versteckt, wie man es wohl bei Filmen dieser Art erwarten würde. PLAGUE ist mehr Drama als Horror und deckt auf, was viel unberechenbarer und grausamer ist als Horden untoter Furien: der Mensch selbst.
 
 
plague-2014-film-bild-1
 
 
Eine ansteckende Infektion macht in Australien die Runde und hat die Bevölkerung in hungrige Kreaturen verwandelt. Einige Überlebende konnten sich in einem Schuppen vor der Seuche in Sicherheit bringen. Doch das Versteck wird von Infizierten entdeckt und die Flucht vor bereits toten Menschenfressern beginnt von Neuem. Während die Gruppe ihr Lager aufbricht, entscheidet Evie (TEGAN CROWLEY) zurückzubleiben und auf den Liebsten (SCOTT MARCUS) zu warten nichtsahnend, dass ihr bald der Sensenmann höchstpersönlich auf den Leib rücken wird. Das Paar bekommt unerwarteten Besuch von einem hilfsbereiten Fremden (STEVEN KENNEDY), der Unterstützung anbietet und Medikamente besorgt. Doch die Nettigkeiten sind nur Fassade. Als mit dem Unbekannten die Hormone durchgehen, zeigt der sein wahres Gesicht und entpuppt sich als erbarmungsloser Psychopath.
 
 
plague-2014-film-bild-2
 
 
Die Regisseure NICK KOZAKIS, KOSTA OUZAS sowie Produzent ALEXANDER OUZAS glauben, dass das Zombie-Genre weit mehr zu bieten hat, als stumpfe Fress- und Gewaltmomente. So nutzen sie den Zombiefilm als Möglichkeit, um menschliche Verhaltensweisen zu studieren und der Gesellschaft den Spiegel vorzuzeigen. In ihrem PLAGUE zeigen sie auf, dass Menschen in Extremsituation zu Einzelkämpfern werden. Grundlegende Vorstellungen über Ethik und Moral geraten da schnell ins Abseits, wenn Überlebensinstinkte geweckt werden und sich jeder selbst der Nächste ist. Dass in PLAGUE die dunkle Seite des Menschen in Mittelpunkt gerückt wird und die Zombies nur als Alibifunktion herhalten müssen, um menschliche Abgründe aufdecken zu können, scheint ein gewagtes Experiment zu sein. Glücklicherweise trägt der Mut zum unkonventionellen Kino Früchte, denn PLAGUE ist trotz überschaubaren Zombieangriffen ein nicht uninteressanter Film. Inmitten eines Weltuntergangszenarios werden essentielle Fragen gestellt. Kannst Du Freunden trauen? Hält Liebe im Chaos Bestand? Was würdest Du für das Leben nahestehender Menschen opfern? Die Realität ist bitter, denn die Protagonisten im Film werden vor schwere Entscheidungen gestellt, die am Ende zu denken geben und verstören.
 
 
plague-2014-film-bild-3
 
 
PLAGUE beschönigt nichts und schließt auch mit keinem kitschigen Happy End ab. Ganz im Gegenteil, die Macher stoßen mit einem bitterbösen Finale vor den Kopf, das in seiner Radikalität ein unangenehmes Baugefühl beim Zuschauer verursacht. Der dürfte wohl am Ende selbst überrascht sein, dass PLAGUE trotz kaum vorhandener Splatterszenen weitaus beängstigender ausfällt, als manch ultra-brutale Zombiegurke. Das mag vor allem an der beunruhigenden Atmosphäre liegen, die sich wie ein Pfaden durch den gesamten Film frisst. Der Ton des Films ist deprimierend, ausweglos und bedrückend, so dass bereits nach wenigen Minuten einleuchten dürfte, dass die Geschehnisse in PLAGUE kein gutes Ende nehmen werden. Letztendlich gehört der australische Genrebeitrag zu einem der besseren Zombiefilme, weil er den Virusausbruch aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Zombies haben Sendepause und kaum Screentime. Stattdessen wird Aufmerksamkeit auf die Protagonisten gerichtet, die diesmal nicht typischen Heldenbildern entsprechen. Kurioserweise besitzt PLAGUE nämlich keine Helden, auch wenn zu Beginn Sympathien zu den Hauptdarstellern vorgeheuchelt werden. Ihre selbstsüchtigen Entscheidungen bewirken das Gegenteil und das macht den Film besonders und einzigartig. Gerade weil PLAGUE ein vollkommen anderer Zombiefilm ist, sei er an dieser Stellen den Freunden psychologischen Horrors ans Herz, denn wir meinen: sehenswert!

 
 


 
 
 

PLAGUE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Unberechenbarer und kaltblütiger als jeder Zombie ist die Bestie Mensch: Bitterböses, postapokalyptisches Weltuntergangsszenario mit ungemütlicher, gesellschaftskritischer Botschaft, die zu denken geben dürfte. PLAGUE ist der etwas andere Zombiefilm, der sich jedoch weniger mit Zombies beschäftigt. Vielmehr rücken die australischen Regisseure NICK KOZAKIS und KOSTA OUZAS den Mensch selbst in den Mittelpunkt, der sich im Ausnahmezustand nur noch auf sich verlässt. Soziale Bindungen haben in Extremsituationen kaum noch Stellenwert, denn wenn es ums Überleben geht ist sich jeder selbst der Nächste. Mit schmalen 150.000 Dollar ist den Nachwuchsregisseuren ein verstörender Genre-Beitrag gelungen, der menschliche Abgründe zu Tage bringt und all jene ansprechen soll, die nach Neuerungen im Zombiefilm suchen. Die andere Herangehensweise ist die Quintessenz von PLAGUE. Denn statt den Streifen mit langen Fressmomenten zu füllen, wird der Zuschauer mit grundlegenden, moralischen Fragen konfrontiert. Auch wenn es kaum Untote zu sehen gibt, wirkt da Gezeigte hart und unbequem. Weil die Macher auch ohne Gewalt verstören können, vergeben wir auch hier das Prädikat: „Geheimtipp“.
 
 
 


 
 
 

PLAGUE – Zensur

 
 
 
Es gibt einen kurzen Fressmoment zu sehen in dem ein Charakter von Zombies zerfleischt wird. Ansonsten ist die Gewalt hier vorwiegend psychischer Natur. Dennoch kommt hin und wieder das Schrottgewehr zum Einsatz. Einmal wird einem Protagonisten die Gesichthälfte weggeschossen. In einer anderen Szene bahnt sich Munition durch den Bauch einer Filmfigur. Weil PLAGUE mehr Drama statt Horror ist und sich die gezeigte Gewalt in Grenzen hält, darf man von einer deutschen FSK16 ausgehen.
 
 


 
 
 

PLAGUE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dead Within (2014)
 
Chrysalis (2014)
 
The Dead 2: India (2013)

Filmkritik: „Wyrmwood: Road of the Dead“ (2014)

Wyrmwood-road-of-the-dead-2014
 
 
 

WYRMWOOD:

ROAD OF THE DEAD

Story

 
 
 
Abermals verwandelt eine unbekannte Bedrohung nichtsahnende Menschen in Zombies. Eine Gruppe Überlebender sammelt sich und versucht der Lage Herr zu werden.

 
 
 


 
 
 

WYRMWOOD – Kritik

 
 
Seit jeher gelten vor allem die Japaner in Sachen Horror als schonungslos und ausgefallen. Dort krabbeln nicht nur nasse Geistermädchen aus TV-Geräten und Waschmaschinen (RINGU); auch absurde Splatter- und Goregranaten (GUTS OF A BEAUTY) färben immer mal wieder Leinwände rot und buhlen um die Gunst des internationalen Kinopublikums. Dass aber nicht nur Filmemacher aus dem Land der untergehenden Sonne abgefahrene Blutorgien inszenieren können, beweist der Australier KIAH ROACHE-TURNER. Der ist noch recht frisch im Filmgeschäft und hat mit dem Erstling WYRMWOOD gleich einen potenziellen Hitkandidat gedreht, der das Zeug zum neuen Kult-Horror hat. Der Splatter-Klassiker BRAINDEAD bekommt Konkurrenz, denn Regieneuling ROACHE-TURNER lässt hier ein actiongeladenes Gewaltfeuerwerk aller erster Güte auf den Zuschauer los, das nicht mit kongenialen Gedankenblitzen, frechen Späßen und klebrigem Kunstblut geizt.
 
 
wyrmwood-bild1
 
 
MAD MAX trifft auf DAWN OF THE DEAD – so oder ähnlich lässt sich in knappen Worten beschreiben, was der Horror-Fraktion mit WYRMWOOD geboten wird. In diesem Film wird dem müden Sub-Genre der immer wieder gleichen Zombiegurken frischer Wind einverleibt. Der weht ziemlich kräftig durch ein apokalyptisches Weltuntergangsszenario, in dem mal wieder einige Menschen vor Zombies flüchten und ums Überleben bangen müssen. Im Mittelpunkt steht Familienvater Barry (JAY GALLAGHER). Der hört eines Abends Geräusche in der Küche und befindet sich wenig später mit Frau und Tochter auf der Flucht vor Horden aggressiver Menschen, die nach noch warmem Menschenfleisch gieren. Nachdem sich auch Gattin und Kind zu einem dieser primitiven Menschenfresser verwandelt haben, macht sich Barry allein auf die Suche nach Schwesterherz Brooke (BIANCA BRADEY). Die wurde in ein mysteriöses Labor verschleppt und muss nun obskure Experimente über sich ergehen lassen, die ein verrückter Wissenschaftler an ihr durchführt. Doch die unmenschlichen Versuche segnen das hilflose Testobjekt mit wundersamen Kräften. Brooke entwickelt neue Fähigkeiten, die ihr bald schon den Weg aus der Zombieinvasion bahnen. Mit Hilfe ihrer Gedanken kann sie die zornigen Fressmaschinen kontrollieren. Eine Eigenschaft, die ihr bald den Hintern retten wird.
 
 
wyrmwood-bild2
 
 
Nichts ist schlimmer als Filme zu sehen, die langweilen. Leider haben ziemlich viele der letzten Zombie-Heuler mit akuter Ideenarmut und immer wieder gleichen Handlungsverläufen gequält, so dass Horrorfans mittlerweile vorsichtig geworden sind, wenn ein Film mit Zombies auf dem Cover wirbt. Anders sieht das bei WYRMWOOD aus. Regisseur KIAH ROACHE-TURNER muss wohl im Drogenwahn gewesen sein, als er die Masse an kunterbunten Einfällen für sein Debüt zu Papier gebracht hat. Die Geschehnisse im Film sind teilweise so bescheuert, dass man den Quatsch gesehen haben muss, um es glauben zu können. In WYRMWOOD werden Zombies als Tankstelle missbraucht. Die Kreaturen produzieren in ihren verwesenden Körpern Treibstoff mit dem Fahrzeuge betrieben werden können. Für die Überlebenden ein praktischer Nutzen, lässt es sich mit schnellem Gefährt besser vor den Untoten flüchten – vorausgesetzt man hat stets einen wandelnden Toten als „Reserve“ im Kofferraum.
 
 
wyrmwood-bild3
 
 
Vier Jahre lang war WYRMWOOD in der Mache, weil die meisten Szenen mit Freunden am Wochenende gedreht werden mussten. Somit folgt KIAH ROACHE-TURNER denen, die einst den Fuß mit semiprofessionellen Amateurfilmen ins Business bekommen haben und mittlerweile Erfolge in Hollywood feiern: SAM RAIMI und PETER JACKSON. Doch nicht nur Low-Budget-Produktionen wie TANZ DER TEUFEL (1981) und BAD TASTE (1987) boten dem Newcomer Inspirationsgrundlage. In einem Interview verriet der Nachwuchsregisseur, dass ihn maßgeblich MAD MAX zum Dreh des Films getrieben hat. Schon lange wartete er gemeinsam mit seinem Bruder auf eine weitere postapokalyptische Weltuntergangssaga im Stile des Kult-Actioners aus den 80er Jahren. Weil die aber vergebens auf sich warten lies, entschlossen die Geschwister selbst einen Film auf die Beine zu stellen, der an jene Filme erinnern sollte, die bereits in der Kindheit Eindruck hinterlassen haben: DAWN OF THE DEAD und MAD MAX.
 
 
wyrmwood-bild4
 
 
Dass die Geschwister in der Jugend nicht nur Filme sondern auch Comics verschlungen haben, wird in WYRMWOOD mehr als deutlich. Der Streifen entpuppt sich als rasante Comic-Blutorgie, deren Macher konsequent das Gaspedal durchtreten und offensichtlich darum bestrebt waren, das zu Papier gebrachte nicht bierernst zu nehmen. Dank dutzender Slapstickelemente, haarsträubenden Einfällen und groteskem Overacting erhält WYRMWOOD eine fast schon befremdlich wirkende Erzählsprache, die dann doch sehr an Comicware jüngeren Datums erinnert. Nicht weniger überdreht kommt Gewalt im Film zum Einsatz. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Mit Hilfe von günstigem CGI werden Köpfe gespalten, Gliedmaßen abgeschlagen und Schädel zum Explodieren gebracht. WYRMWOOD ist nichts für Warmduscher, denn scheinbar wollte Regisseur KIAH ROACHE-TURNER Fans härterer Horror-Streifen gerecht werden und verbrät in seinem Erstling literweise Kunstblut und Kunststoffgedärm. Bei einem so zeigefreudigen Gewaltrausch dürfte das Splatter-Herz zu tanzen beginnen, schließlich gehört WYRMWOOD zu jenen Zombie-Schockern, die zwar blutig aber auch sehenswert sind.
 
 
wyrmwood-bild5
 
 
 


 
 
 

WYRMWOOD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
DAWN OF THE DEAD trifft auf MAD MAX. Schluss mit gähnendem Zombie-Murks. WYRMWOOD ist ein abgefahrenes Splatter-Epos in dem minutiös Blut auf die Leinwand spitzt und das ein beachtliches Tempo an den Tag legt, bei dem einem ganz schwindelig wird. Der hektisch geschnittene Fun-Splatter macht Comic-Leser glücklich, denn Macher KIAH ROACHE-TURNER bannt Absurditäten auf Zelluloid, die man eigentlich so nur in Comics zu sehen bekommt. Da werden Zombies abgemolken und mittels Telekinese ferngesteuert; coole Antihelden ballern sich um den Verstand und 98 Minuten zeigefreudiger Splatter-Spaß beschert Fans des drastischen Kinos feuchte Höschen. Bei so viel Freude am Kunstblut verliert die Erkenntnis an Bedeutung, dass mit WYRMWOOD das Kunststück gelungen ist, einem müden Sub-Genre frischen Wind einzuverleiben. Man darf auf eine Fortsetzung hoffen. Denn im Falle von WYRMWOOD wäre es fatal, wenn diese nicht gedreht werden würde.
 
 


 
 
 

WYRMWOOD – Zensur

 
 
 
In WYRMWOOD: ROAD OF THE DEAD wird geballert, gemetzelt und gesplattert als gebe es keinen Morgen mehr. Trotzdem ist der Zombie-Streifen ungeschnitten nach Deutschland gekommen. Dass die FSK in letzter Zeit ziemlich human mit Filmen dieser Art ins Gericht geht, hat auch WYRMWOOD zu spüren bekommen. Trotz Mord und Totschlag gabs für die ungeschnittene Version den roten FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

WYRMWOOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
wyrmwood-bluray

(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Wyrmwood; Australien 2014

Genre: Splatter, Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch | Extras haben auch deutsche UT

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras:Audiokommentar, Making of, Deleted Scenes, Storyboards, Indiegogo Videos

Release-Termin: 06.08.2015

 

Wyrmwood [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

WYRMWOOD – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Die Rechte der Bilder in der Kritik liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dead Within (2014)

Chrysalis (2014)

Open Grave (2013)

Attack of the Undead (2010)

28 Days Later (2002)

28 Weeks Later (2007)

Crazies (1973)

The Crazies (2010)

Kritik: „Survival – Überlebe wenn du kannst!“ (2013)

survival-ueberlebe-wenn-du-kannst
 
 
 

SURVIVAL

ÜBERLEBE WENN DU KANNST

Story

 
 
 
Der ehemalige US-Marine Frank (Frank Raffel) soll die Tochter eines reichen Geschäftmannes, die von einer Gruppe Aktivisten entführt wurde, zurück nach Hause holen. Die Spur führt nach Polen, wo es in einem geheimen Forschungslabor zu einem Unfall gekommen und ein aggressiver Virus ausgebrochen ist, der Menschen in Zombies verwandelt…
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Kritik

 
 
 
Die in Deutschland gebastelten Horrorfilme genießen von jeher eher bescheidenes Renommee. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass deutsches Grauen meist mit günstig gemachten Horrorstreifen aus der No-Budget-Ecke der Herren Ittenbach, Taubert & Co. in Verbindung gebracht wird. Die sind durch haarsträubende Amateur-Produktionen zu zweifelhafter Bekanntheit gekommen und standen in den späten 90ern eine Viertelstunde im Rampenlicht. Seither hat sich jedoch im deutschen Horror-Bereich einiges getan. Aufgrund der kaum noch überschaubaren Flut internationaler Billigware musste sich auch der deutsche Amateurfilm einem Wandel unterziehen, um auch weiterhin auf dem Splatter- und Gewaltmarkt bestehen zu können. Während der einstige Amateurfilm-Papst OLAF ITTENBACH schon lange den Anschluss verloren hat und scheinbar auf der Stelle verharrt, folgte ihm eine neue Garde talentierter Nachwuchsfilmebastler mit dem Ziel, dem angestaubten deutschen Indie-Sektor neue Impulse zu geben. Einer dieser neuen Regisseure, denen das Kunststück tatsächlich gelungen ist, heißt MARCEL WALZ. Der wandelt mit seinen Produktionen mittlerweile auf internationalen Pfaden und drehte zuletzt die blutreiche Fortsetzung des von UWE BOLL inszenierten Serienkiller-Streifens SEED. Doch damit nicht genug. WALZ war clever und schuf zusammen mit MICHAEL EFFENBERGER das Low-Budget-Produktionslabel MATADOR FILM, dem nun schon einige unabhängige Blut-Schocker entsprungen sind, die sich längst des faden Beigeschmacks trashiger Amateurproduktionen entledigen konnten und reichlich Geld in die Kassen spülten.
 
In Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, tut sich was. Das Bemerkenswerte daran ist, dass deutscher Indie-Horror im internationalen Vergleich keine so üble Figur mehr macht, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Deutsche Horror-Macher sind selbstbewusster geworden und versuchen auf beliebten Horror-Wellen mitzureiten, die in Regelmäßigkeit um den Erball ziehen. So konnte sich das von MARVIN KREN inszenierte Berliner Zombie-Endzeitszenario RAMMBOCK (2010) hervorragend ins Ausland verkaufen, weil es sich an der kassenträchtigen Zombie-Thematik orientierte, die sich auch Jahrzehnte nach ROMERO und FULCI großer Beliebtheit erfreut. Ähnlich machte das auch der Deutsche STEFAN RUZOWITZKY mit seinem ANATOMIE (2000). Angekurbelt durch die Reanimation des beliebten Teen-Slashers brachte er um die Jahrtausendwende die deutsche Antwort auf SCREAM (1996) und ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1997) in hiesige Lichtspielhäuser und verbuchte Erfolge.
 
Auch die beiden Genre-Regisseure MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL wollen hoch hinaus. Sie tun es ihren deutschen Horrorfilm-Kollegen gleich und kopieren das, was auf dem internationalen Horror-Markt populär ist und Kasse macht. Im Falle ihres SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST ist es mal wieder der beliebte Zombie-Zug, der trotz immer gleicher Geschichten noch genügend Fahrgäste anlockt, die schnell ein Ticket lösen wollen. Die Geschichte ist mittlerweile ein alter Hut und hinreichend bekannt: In einem geheimen, diesmal polnischen Forschungslabor kommt es zum Supergau. Ein Virus lässt die Angestellten zu Zombies mutieren und ein ehemaliger Navy-Angehöriger plus Menschenrechtler und gerissener Söldnergruppe darf sich gegen eine Horde Infizierter zu Wehr setzen. Wer schon einige Zombiegurken gesehen hat, dürfte den Fortgang der Geschichte vorausahnen, schließlich konzentriert sich auch dieser Zombiestreifen auf das möglichst grafische Ausradieren seiner Protagonisten – makabrer Schlusspointe inklusive. Eigentlich wäre SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST einer dieser Kandidaten, den wir von FILMCHECKER wohl in der Luft zerreißen würden. Eigentlich – wäre da nicht die erstaunlich hochwertige Machart, die all den deutschen Billig-Nonsens aus der Horrorecke kurzeitig vergessen lässt. KLAUS PFREUNDNER konnte sich hier am Keyboard nach Herzenslust austoben und bereichert SURVIVAL um atmosphärische Klänge, die der Zuschauer wohl bis dato in noch keinem deutschen Low-Budget-Splatter zu hören bekommen hat. Er vermischt Orchestrales mit bedrohlichem Gegrummel, hat für jeden Moment die passende Untermalung parat und lässt einen Hauch amerikanischen Mainstreams aus den Heimkinoboxen schallen.
 
Ähnlich gehen auch die Regisseure MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL vor. Letzterer hat im Film gleich die Hauptrolle übernommen. RAFFEL (selbst gelernter Kampfkünstler) legt als deutsches Jason Statham-Pendant nicht nur fressgeile Zombies mittels Martial-Arts-Kampfeinlagen übers Knie; das Regie-Duo orientiert sich mit seiner blutigen Zombieschlacht bei den ganz Großen des internationalen Untoten-Genres. So dürfen wilde Fressorgien genauso wenig fehlen, wie der obligatorische Munitionshagel, bei dem Körperteile im Akkord durchlöchert werden. Der Action-Anteil ist für deutschen Horror immens. Das ist aber auch kein Wunder, denn durch viel Lärm fällt nicht so offensichtlich ins Gewicht, dass meist inhaltlich auf Sparflamme geköchelt wird.
 
Dem Horrorfan mit wenig Geld maximales Filmvergnügen bieten. SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST ist ein ehrgeiziges Filmprojekt, dem man seine Drehbuchschwächen nicht übel nehmen möchte. Der Streifen ist technisch über jeden Zweifel erhaben und lässt kaum noch erahnen, dass es sich hier eigentlich um Mord- und Totschlag aus deutschen Landen handelt. Kameraführung, Schnitt und Übersetzung (der Streifen wurde in englischer Sprache gedreht) befinden sich auf einem hohen Niveau und machen neugierig auf das, was MICHAEL EFFENBERGER und FRANK RAFFEL demnächst noch auf die Beine stellen werden.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Auch wenn die Geschichte von Söldnern, Navy-Kämpfern und Zombies wieder sehr arg aufgesetzt scheint, gehört SURVIVAL – ÜBERLEBE WENN DU KANNST zu den Vorzeige-Projekten, die eine unabhängige deutsche Horrorfilmschmiede hervorgebracht hat. Sieht man von der dünnen und eher zweckmäßigen Handlung ab, bekommt der Horrorfan ansprechend gefilmte Zombie-Action geboten, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Großes Lob gilt an dieser Stelle der Übersetzung. Die Synchronisation wurde mit professionellen Sprechern besetzt, die den Streifen wertiger erscheinen lassen, als er im Originalton ist. Das soll erst einmal nachgemacht werden.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Zensur

 
 
 
SURVIVAL ist bekanntes Zombiefutter mit diversen Einschüssen, Fressszenen und Blutgemansche. Der Streifen wurde von der FSK demnach erst für Erwachsene freigegeben und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
survival-ueberlebe-wenn-du-kannst-blu-ray-special-edition

(c) Maritim Pictures (Special Edition Blu-ray)

 
 
survival-ueberlebe-wenn-du-kannst-blu-ray

(c) Maritim Pictures (Einzel-Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Survival; Deutschland 2013

Genre: Horror, Action, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Einzel-Blu-ray: Originaltrailer / Special Edition Blu-ray: Neben der erhältlichen Einzel-Blu-ray mit Trailer liegt der Streifen auch als DVD vor. Zudem sind auf einer weiteren Bonus-DVD ein Making of, Outtakes und Trailer enthalten

Release-Termin: 26.08.2014

 

Survival – Überleben [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 

Survival – Überleben [DVD + Blu-ray + Bonus-Disc] – Special Edition (3-Disc-Set) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SURVIVAL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Battle of the Damned (2013)
 
Chrysalis (2014)
 
Attack of the Undead (2013)
 
Zombie Night (2014)
 
Antisocial (2013)
 
Open Grave (2013)
 
Infected – Infiziert (2012)
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 
Crazies (1973)
 
The Crazies (2010)