Filmkritik: „A Score to Settle“ (2019)

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A SCORE TO SETTLE

Story

 
 
 
Nachdem Frank 19 Jahre unschuldig hinter Gittern verbracht hat, kommt er aufgrund einer unheilbaren Krankheit früher aus dem Knast und nun steht Rache auf seinem Programm.

 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Kritik

 
 
Über Nicolas Cage und seine nicht besonders tolle Rollenwahl im letzten Jahrzehnt, braucht man wohl nicht mehr viele Worte zu verlieren. In letzter Zeit durfte jedoch wieder Hoffnung entstehen, was auch am tollen „Mandy“ lag und selbst wenn viele Filme mit Cage schlecht waren: Er gab sich eigentlich immer Mühe. Dies trifft auch auf „A Score to Settle“ zu, der am ehesten durch Cage sehenswert wird, letztendlich aber an einem zu schwachen Drehbuch scheitert.
 
 
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19 Jahre befand sich Frank in Haft für einen Mord, den er nicht begangen hat. Doch seine kriminellen Umkreise gaben ihm Geld dafür, dass er die Schuld auf sich nimmt. Dummerweise ging Frank viel länger in den Knast, als erwartet und nur weil bei ihm eine unheilbare, tödliche Krankheit festgestellt wird, kommt er früher raus. Alles, was er nun will, ist die Beziehung zu seinem mittlerweile erwachsenen Sohn erneut aufbauen, doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los und Frank will Rache an den Schuldigen von damals nehmen. Was nach einer typischen Rachegeschichte klingt, setzt den Fokus allerdings stark auf ein Schuld-und-Sühne-Drama. Die gesamte Aufmachung lässt den Zuschauer einen Rache-Thriller erwarten und letztendlich gibt es davon viel zu wenig. Wenn dieser Aspekt plötzlich doch noch etwas mehr Raum spendiert bekommt, wirkt es meistens unpassend. Mit Erwartungshaltungen sollte man also schon mal vorsichtig sein, doch selbst wenn man sich auf dieses Drama einstellt, wird man nicht gerade mit einem guten Drehbuch belohnt. Dafür macht es sich „A Score to Settle“ an vielen Stellen deutlich zu leicht. Wenn es dann im letzten Drittel zu gleich zwei großen Wendungen kommt, dann kann man sich sogar etwas ärgern, weil die Twists vom Prinzip her gar nicht mal so schlecht sind, nur absolut nicht gut vorbereitet wurden und so im Endeffekt viel zu unglaubwürdig erscheinen.
 
 
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Mangelnde Glaubwürdigkeit dominiert auch die Figurenzeichnung, was dem Film auch am ehesten ein Bein stellt. Als Beispiel sei hier die gesamte Vater-Sohn-Beziehung genannt, die „A Score to Settle“ lange behandelt. Anfangs ist das ja noch solide und etwas nachvollziehbar, doch dann verhalten sich sowohl Vater, wie auch Sohn dermaßen unglaubwürdig, dass der Kitsch aus allen Poren trieft. Obendrauf gibt es dann noch einen kleinen Nebenstrang mit einer Prostituierten, wo man sich für die Herangehensweise ebenfalls schämen möchte. Psychologisch ist das alles absolut nicht wertvoll gestaltet und gerade deshalb fällt es auch so schwer mit diesen Charakteren mitzufühlen. Das ist auch deshalb ziemlich schade, weil die Darsteller gut sind. Nicolas Cage glänzt hier mal nicht mit seinem gewohnten Overacting, sondern gibt sich, seiner Rolle entsprechend, eher ruhig und verleiht diesem Frank somit immerhin noch etwas Menschlichkeit, welche die Figurenzeichnung eher verhindert. Noah Le Gros ist ebenfalls nicht schlecht und Benjamin Pratt ist in seinen wenigen Momenten auch gut anschaubar. Es liegt also überhaupt nicht an den Darstellern, dass der Film nicht funktioniert.
 
 
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Ebenfalls kann man der Regie dafür nicht die Schuld in die Schuhe schieben. Regisseur Shawn Ku hatte mit seinem Debüt „Beautiful Boy“ vor einigen Jahren mal sehr positive Aufmerksamkeit erregen können, versank dann aber irgendwo in der Bedeutungslosigkeit und meldet sich erst mit „A Score to Settle“ zurück. Inszenieren kann der Mann, was man deutlich sehen kann. Besonders die ruhigen Momente sind schön eingefangen und hinterlassen eine gewisse Melancholie. Sowieso ist die Stimmung gar nicht übel, denn wenn man sich auf dieses Drama einlassen kann, bekommt man meistens eine dichte Atmosphäre, die keine gute Laune aufkommen lässt, was hier jedoch positiv gemeint ist. Wären da nicht immer wieder die unangenehm kitschig-naiven Szenen, dann wäre das Drama gelungen und rein handwerklich wurde das alles souverän umgesetzt. Der Rache-Anteil gerät da schon deutlich plumper und überzeugt kaum. Allerdings wiegt das im Endeffekt nicht so schwer, weil es sowieso kaum Rache und somit auch nahezu keine Action zu sehen gibt. Die Freigabe ab 18 Jahren täuscht zudem auch noch, weil der eigentliche Film bereits ab 16 Jahren freigegeben wurde. Man braucht sich also auf keine große Gewalt einzustellen. Wäre die Mischung ausgewogener gewesen, hätten die gut 100 Minuten Laufzeit auch bestimmt mehr Kurzweil gehabt, aber so kommt es schon mal zu gewissen Längen.
 
 
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A SCORE TO SETTLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„A Score to Settle“ bietet einen gut aufgelegten Nicolas Cage, der seine Sache ernst nimmt und das dementsprechend spielt. Auch die handwerkliche Arbeit ist alles andere als verkehrt. Nur leider gibt es da das Drehbuch, welches eine höhere Wertung einfach verhindert. Zunächst ist die Figurenzeichnung viel zu plump, um funktionieren zu können und dann gibt es da auch noch zwei große Twists, die ihre Wirkung nicht entfalten können, eben weil sie so naiv dargeboten werden. Außerdem wird schon alleine die Aufmachung als Rache-Thriller für viele enttäuschte Zuschauer sorgen, weil man es bei „A Score to Settle“ viel mehr mit einem ruhigen Drama zu tun hat und es deshalb so gut wie keine Action gibt. Das besitzt genügend solide Momente, um nicht durchgehend zu langweilen, wird im Endeffekt aber nicht lange in Erinnerung verweilen und stellt somit einen durchgehend durchschnittlichen Film dar!
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Zensur

 
 
 
Der rote FSK-Flatschen auf dem Cover ist ein Blender. „A Score to Settle“ wurde von der FSK in ungeschnittener Form bereits ab 16 Jahren freigegeben. Die Freigabe der Blu-ray wurde angehoben wegen dem Bonusmaterial auf der Scheibe. Darauf enthalten: Trailer zu weiteren Titeln von Splendid Film.
 
 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Score to Settle; Kanada | USA 2019

Genre: Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)| Blu-ray wegen Bonus: keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 25.10.2019

 

A Score to Settle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

A SCORE TO SETTLE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)
 
A History of Violence (2005)
 

Filmkritik: „Hard Powder“ (2019)

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HARD POWDER

(COLD PURSUIT)

Story

 
 
 

Der Sohn eines Schneepflugfahrers wird ermordet, woraufhin sich dieser an den Mördern rächen will und einen Kleinkrieg unter zwei konkurrierenden Drogenbossen anrichtet.

 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Kritik

 
 
 
Dass Hollywood sich gerne ausländische Hits schnappt und diesen ziemlich schnell ein Remake spendiert, ist ja längst keine Neuigkeit mehr. „Einer nach dem anderen“ hat gerade mal fünf Jahre auf dem Buckel und muss sich nun auch einer mainstreamigeren Variante hergeben. Hans Petter Moland durfte sogar selbst bei dem Remake erneut Regie führen und es war davon auszugehen, dass man es hier mit einer glattgebügelten Version zu tun bekommt. Dem ist erstaunlicherweise gar nicht unbedingt so, aber trotzdem kann „Hard Powder“ niemals aus dem Schatten des Originals heraustreten, denn dafür ist er einfach viel zu sehr kopiert.
 
 
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Nels Coxman ist Schneepflugfahrer in einem Skigebiet in Colorado. Eines Tages wird sein Sohn tot aufgefunden und die Todesursache ist eine Überdosis Drogen. Nels weiß, dass sein Sohn kein Junkie war und es dauert auch nicht lange, da bekommt er schon heraus, wer für den Tod verantwortlich ist. Nun bleibt Nels nur noch Rache und er arbeitet sich Stück für Stück nach oben, bis nur noch der Drogenboss Viking auf seiner Liste steht. Der glaubt allerdings, dass seine Konkurrenten für die Leichen verantwortlich sind und so entsteht nebenbei noch ein kleiner Drogenkrieg. Statt Serben gibt es nun Indianer und der Schauplatz wurde auch verändert – Das sind dann auch schon die größten Änderungen, die „Hard Powder“ zu bieten hat, denn ansonsten funktioniert die Story nach demselben Prinzip. Die Abänderungen sind wirklich marginal und sowieso eher unwichtig. Das Grundgerüst der Geschichte ist noch immer ziemlich gut, doch leider sind ein paar Dinge dann leicht schwächer ausgefallen. So funktioniert das Spiel mit dem Rassismus hier weniger und die kleinen gesellschaftskritischen Einschübe findet man leider ebenfalls nicht mehr. Dafür wurde fast der gesamte Rest 1:1 übernommen.
 
 
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Wenn man als Regisseur sein Original noch mal drehen darf, ist das bestimmt eine tolle Chance Fehler von damals zu korrigieren oder den Fokus ein wenig zu verändern, doch Hans Petter Moland macht einfach alles nahezu identisch. Da gibt es teilweise sogar exakt dieselben Kameraeinstellungen und die Dialoge klingen oftmals ebenfalls sehr kopiert. Das ist schade, denn wenn dem Zuschauer das Original bekannt ist, bekommt er hier kaum etwas Neues geboten. Lediglich die verschneiten Rocky Mountains sorgen tatsächlich für noch imposantere Bilder. Aus handwerklicher Sicht ist das wirklich ordentlich ausgefallen, nur hätten ein paar neue Ideen nicht geschadet. So wirkt selbst das Einblenden der Namen der gerade Verstorbenen in „Hard Powder“ kaum noch originell. Selbst viele Gags wurden komplett aus dem Film von 2014 übernommen. Neue Witze bekommt man nur äußerst selten serviert. Erfreulich ist daran am ehesten, dass diese Hollywood-Variante also gar nicht wirklich weichgespülter ist, als das Original, aber wie könnte sie das auch sein, wenn man es doch fast mit demselben Film zu tun hat? Selbst die Gewalt wurde fast identisch belassen.
 
 
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Natürlich sind die größten Unterschiede bei den Darstellern zu finden. Liam Neeson ersetzt nun Stellan Skarsgård und diese Rolle bietet sich für ihn perfekt an. Den Neeson auf Rachefeldzug durfte man in den letzten Jahren ja ungemein oft beobachten. Neeson macht seine Sache solide und ist schön grimmig unterwegs. Tom Bateman ist als Ersatz für Pål Sverre Valheim Hagen in der Rolle des Bösewichts mit Sicherheit nicht schlecht, erreicht jedoch niemals sein Charisma und das ist ein weiteres Problem von „Hard Powder“: Die Figurenzeichnung erzeugt weniger Atmosphäre. Auch hier bekommen wir es mit recht verschrobenen Typen zu tun, die allerdings niemals so markant wirken und eine gewisse Menschlichkeit vermissen lassen. Das ist schade, doch hier bemerkt man dann eben doch, dass man es nicht mit europäischem, sondern mit amerikanischem Mainstream-Kino zu tun hat. Letztendlich sind leider auch Score und Soundtrack relativ austauschbar und erfüllen lediglich ihren Zweck.
 
 
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HARD POWDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Hard Powder“ ist ein sehenswerter Film, der nur keinerlei künstlerischen Mehrwert besitzt, weil er nach lediglich fünf Jahren das Original fast komplett kopiert. Die anderen Darsteller zu sehen, ist reizvoll und die Inszenierung ist definitiv gelungen, doch ansonsten gibt es keine Gründe, weshalb der Zuschauer das Original nicht vorziehen sollte. Kennt man dieses nicht, bekommt man einen weiterhin recht ruhigen, recht schwarzhumorigen Film geboten, der nur wenig Action, dafür aber ein paar starke Ideen bietet. Allerdings ist die Atmosphäre phasenweise zu schwach, weder dramatisch noch amüsant genug und deshalb bleibt eine kleine Enttäuschung auch nicht aus!
 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Zensur

 
 
 
„Hard Powder“ – der übrigens im Original „Cold Pursuit“ heißt – hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Das war bereits bei der Kinoauswertung so und hat sich natürlich auch auf Blu-ray, DVD und UHD nicht geändert. Die Freigabe ist gerechtfertigt. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cold Pursuit; Großbritannien | Kanada | Norwegen | USA 2019

Genre: Action Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Französisch Dolby Atmos

Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 119 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Featurette, Interviews mit Liam Neeson und Hans Petter Moland, Geschnittene Szenen, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Hard Powder [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HARD POWDER – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Unknown Identity (2011)
 
96 Hours (2008)
 
96 Hours – Taken 2 (2012)
 
96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Filmkritik: „I Spit on Your Grave 3“ (2015)

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I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE

(I SPIT ON YOU GRAVE 3)

Story

 
 
 
Jennifer Hills (SARAH BUTLER) – das Vergewaltigungsopfer aus dem I SPIT ON YOUR GRAVE-Remake – rächt sich an den Peinigern vergewaltigter Frauen einer Selbsthilfegruppe.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Kritik

 
 
 
Wer öfter Kritiken auf FILMCHECKER liest, dürfte vermutlich mitbekommen haben, dass wir keine Freunde brutaler Gewaltfilme sind, in denen aus reiner Sensations- und Geldgeilheit Menschen gequält, gedemütigt und gerichtet werden. So hatten in der Vergangenheit vor allem Rape-and-Revenge-Streifen das Nachsehen, die wegen ihrer sadistischen Zurschaustellung frauenverachtender Quälerei keine lobenden Worte erhalten haben. Einer, dem besonderes Augenmerk geschenkt wurde, war I SPIT ON YOUR GRAVE 2. Hier wurde die Messlatte in punkto Sadismus besonders nach oben geschoben, was den Streifen vor allem bei jenen interessant machen konnte, die die Qualität eines Horrorfilms allein vom Gewaltpegel abhängig machen. Für Macher STEVEN R. MONROE ein ganz großer Coup. Dem gelang mit der kontroversen Neuauflage eines in Deutschland immer noch beschlagnahmten Racheklassikers und deren ultrabrutaler Fortsetzung der Sprung in die Liga der gefragtesten Horror-Regisseure. Trotz zweifelhaftem Ruhm gelang ihm immerhin das Kunststück, die schmuddeligen Revenge-Streifen von einst wieder ins Kino zu bringen. So war das Subgenre des groben Rachefilms in den siebziger und achtziger Jahren eine sichere Bank in Hollywood und bediente gnadenlos das niedere Auge-um-Auge-Bedürfnis des kleinbürgerlichen Zusehers. Meir Zarchis I SPIT ON YOUR GRAVE war seinerzeits nur die B-Movie-Überspitzung zahlreicher konservativen Reißer, die vor allem CHARLES BRONSON und Kollegen über Nacht zu gefragten Schauspielern machten.
 
 
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Dass aufgrund des finanziellen Erfolgs der neuen I SPIT-Streifen ein weiterer Ableger gedreht werden musste, war logische Konsequenz. Der ist nun unter dem Titel I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE erschienen und wirbt reißerisch im Namen mit vielversprechender „Rache“. Die zweite Fortsetzung knüpft direkt an die Geschehnisse des Remakes aus dem Jahr 2010 an und rückt Hauptdarstellerin Jennifer Hills (SARAH BUTLER aus TERROR Z) erneut in den Fokus. Die nennt sich jetzt Angela und versucht nach einer grausamen Vergewaltigung zu ihrem alten Leben zurückzufinden. Hilfe verspricht sie sich in einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer, in der sie die schrecklichen Erlebnisse besser verarbeiten lernen will. Doch die zermürbte Protagonistin wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Als sie in der Gruppe die selbstbewusste Marla (JENNIFER LANDON) kennenlernt, scheint das Leben endlich wieder einen Sinn zu ergeben. Die Frauen schließen Freundschaft und verbringen viel Zeit miteinander, in der die taffe Marla Unterricht im schlagfertigen Umgang mit allzu aufdringlichen Männern erteilt. Doch die Ereignisse nehmen eine unerwartete Wendung. Die rebellische neue Freundin wird tot aufgefunden. Zurück bleibt eine desorientierte Angela, der der Boden erneut unter den Füßen weggezogen wird. Die versucht den Täter zur Verantwortung zu ziehen, scheitert aber an einem maroden Justizsystem. Umso einleuchtender die Entscheidung das Gesetz ein weiteres Mal selbst in die Hand zu nehmen. Weil die Polizei kein ernsthaftes Interesse besitzt, gemeldeten Vergewaltigungen nachzugehen, übernimmt Angela kurzum deren Arbeit in Eigenregie. Im Namen aller missbrauchten Frauen mutiert sie zur Super-Rächerin, um Vergeltung für all jene einzufordern, die ebenso vergewaltigt und von der Justiz im Stich gelassen wurden.
 
 
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Das Thema Vergewaltigung ist brisant. Immer mehr Frauen gehen an die Öffentlichkeit, um zu berichten, was aus Angst oder Scham lang geheim gehalten wurde. So brachen amerikanische Studentinnen 2014 ihr Schweigen und entfachten damit eine Debatte über sexuelle Übergriffe an Universitäten. Die wurde zusätzlich durch einen Report des Pentagons verschärft, in dem von acht Prozent mehr gemeldeten Vergewaltigungen unter Militäranghörigen berichtet wurde. Trotz heißer Diskussionen und schärferer Gesetze werden die meisten Täter nie vor Gericht gebracht. Der Anteil verurteilter Sexualstraftäter ist im Verhältnis zu den Anzeigen der Opfer gesunken, was vor allem daraus resultiert, weil nicht immer an einer ernsthaften Verfolgung und Aufklärung der Taten gearbeitet wird. Immer noch scheinen sexuelle Übergriffe auf Frauen verharmlost, nicht ernst genommen zu werden, was dazu führt, dass Sexualverbrechen nicht genauer untersucht oder Akten mangels Beweise ganz geschlossen werden. Für die Opfer ein Albtraum, die mit den tragischen Erlebnissen allein fertig werden müssen. Der Staat unterstützt nur die wenigsten bei der Trauma-Verarbeitung. Ein Grund mehr, warum vielen nur der Weg zum Psychologen oder die Flucht in Selbsthilfegruppen bleibt, um sich dort die Last irgendwie von der Seele reden zu können.
 
 
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I SPIT ON YOUR GRAVE 3 beteiligt sich an der kontroversen Debatte und greift genau jene Hilflosigkeit vieler Frauen auf, die sich von Justiz und Behörden im Stich gelassen fühlen. Filmheldin Angela sitzt in ähnlicher Zwickmühle und nimmt das Gesetz selbst in die Hand, weil ihr die Tatenlosigkeit des Rechtssystems ein Dorn im Auge ist. Was folgt, ist für die Gewaltfraktion interessant. Die fehlgeleitete Protagonistin bestraft all jene mit dem Tod, die Frauen quälen oder missbrauchen und dafür nicht verurteilt werden. Interessanterweise schlägt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Richtungswechsel ein. Statt möglichst viel perverses Material auf Film zu bannen und sich ausschließlich auf das exploitative Zelebrieren von Gewaltmomenten zu beschränken, hat dieser Ableger auch etwas zu erzählen. Die Weiterentwicklung war bitter nötig, stieß bereits I SPIT ON YOUR GRAVE 2 an seine Grenzen. Er hatte eigentlich die gleiche Geschichte zu erzählen, wie der Vorgängerfilm. Somit dürften sich vor allem jene vor den Kopf gestoßen fühlen, die sich vom neusten Ableger ein ähnlich gestricktes Gewaltepos versprochen haben, in dem ausschließlich gefoltert, gedemütigt und vergewaltigt wird.
 
 
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Der frische Wind ist dem Newcomer R.D. BROWNSTEIN zu verdanken, der für I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE verantwortlich zeichnet. Der macht aus schonungslosem Rape-and-Revenge gesellschaftskritische Thriller-Ware, die deutlich gehaltvoller ist, als man es von einem Film dieses Subgenres erwartet hätte. Statt dummer Gewalt dominiert im Film das Drama um Angela, die mit inneren Dämonen ringen muss und am Ende den Kampf gegen den Hass verliert. Was folgt ist das Resultat eines mangelhaft funktionierenden Justizsystems. Die verwirrte Filmheldin verwandelt sich zur Killermaschine, die im Racherausch nicht mehr zwischen guten und bösen Jungs unterscheiden kann. Doch damit nicht genug. BROWNSTEIN treibt seine Figur weiter in den Abgrund, bis die letztendlich selbst zur boshaften Kreatur mutiert, die weder Skrupel noch Moral kennt. Letztendlich vermittelt I SPIT ON YOUR GRAVE 3 eine wichtige Botschaft. So hebt BROWNSTEIN am Ende den Zeigefinger und mahnt vor unermüdlichen Streben nach Rache und Vergeltung, schließlich bringt grenzenloser Hass niemals gewünschte Genugtuung, sondern immer nur weiteres Chaos.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WENIGER I SPIT ON YOUR GRAVE – dafür mehr DEATH WISH und DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE ist der beste Teil der gesamten Filmreihe, insofern man die Qualität von Horrorfilmen nicht unbedingt am Härtegrad festmacht. Zuschauer, die die Vorgänger gerade wegen der Gewalt in den Himmel gelobt haben, werden vom neuesten Ableger reichlich enttäuscht werden. Bis auf zwei kurze (aber heftige) Gewaltmomente hält sich Teil drei zurück mit der Zuschaustellung reißerischer Exploitation-Momente. Stattdessen wurde diesmal ein Drehbuch mit richtigen Dialogen verfilmt, das sogar gesellschaftskritische aber auch moralische Ansätze besitzt. So setzt sich der Streifen mit dem Thema Rache auseinander, klärt aber auf, dass Genugtuung nie zu Gerechtigkeit führt, welche man sich von Vergeltung erhofft. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Filmheldin wird durch rastloses Rächen nur noch weiter in den Abgrund gerissen. Hier erinnert der Film an Abel Ferraras in Exploitationfan-Kreisen geschätzten, unterkühlt-brutalen DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM. Newcomer R.D. BROWNSTEIN macht mit dem Richtungswechsel alles richtig und hat mit I SPIT ON YOUR GRAVE 3 einen Film gedreht, dem es zur Abwechslung gelingt wirklich zu polarisieren. Der Streifen ist mehr Drama als Horror und regt mit brisanter Thematik zum Nachdenken an. Das ist bisher noch keinem Streifen der Reihe gelungen. Somit wird der Film vermutlich all jene ansprechen, die bisher so rein gar nichts mit der Filmserie anfangen konnten. Auch wenn sich der aktuelle Ableger deutlich von seinen Vorgängern abhebt, kann man nur hoffen, dass man die Grab-Serie damit ruhen lässt. Jeder weiterer Rache-Quatsch wäre überflüssig und unnötig.
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Zensur

 
 
 
Auch wenn I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE in Sachen Gewalt nicht die Härte der Vorgängerfilme erreicht, gibt es 2-3 kurze Szenen, die es in sich haben. So wird ein männliches Geschlechtsteil bearbeitet und die Analpenetration mit einem Rohr geht durch Mark und Bein. Auch wenn Gewalteinsätze überschaubar sind, hat I SPIT ON YOUR GRAVE: VENGEANCE IS MINE hierzulande ebenso Probleme mit der FSK bekommen. Der Film ist in Deutschland geschnitten erschienen. Das ist kein Wunder, weil die Prüfbehörde so ihre Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt. Natürlich gibt es für Horrorfans eine Alternative. Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. hat I SPIT ON YOUR GRAVE 3 – wie bereits die Teile zuvor – ungeschnitten im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Österreichische Blu-ray

 
 
 
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(c) ILLUSIONS UNLTD. (KeepCase im Schuber – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton:Deutsch DTS HD 5.1, Englisch DTS HD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min. (ungeschnittene Fassung)

FSK: AT-Import – ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: AT-Import – KeepCase im Schuber (nur Erstauflage)

Extras: „Back to the Cabin“ – Interview mit Sarah Butler zu Teil 1 (2010), Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Release-Termin: ungeschnittener AT-Import: 28.01.2016

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray / DVD] ungeschnitten auf BEYOND MEDIA bestellen

 

I Spit on your Grave 3: Vengeance is mine – Unrated [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
Der auf ungeschnittene Horrorware spezialisierte Rechteinhaber ILLUSIONS UNLTD. aus Österreich sorgt für zufriedene Gesichter. Das ist auch kein Wunder, denn das Label veröffentlicht den dritten Teil ebenso wie die Vorgänger in ungeschnittener Filmfassung und deutscher Sprache. Damit die Optik im Sammlerregal einheitlich bleibt, wurde auch die Blu-ray zu I SPIT ON YOU GRAVE 3 in einen stabilen Schuber gesteckt, der selbstverständlich nur bei der Erstauflage mit an Bord ist. Sammler sollten sich demnach beeilen, denn lange wird es diese Auflage aufgrund der hohen Nachfrage dieser Filmreihe nicht geben. Bleibt noch zu erwähnen, dass Bild und Ton tadellos sind. Leider mangelt es der Veröffentlichung an Bonusmaterial. Bis auf einige Interviews sucht man nach Extras vergebens. Schade. Dennoch dürfte das Fans der Reihe nicht stören. Denen dürfte es weitaus wichtiger sein, den Film ungeschnitten ihr Eigen zu nennen.
 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray – geschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: I Spit on Your Grave III: Vengeance Is Mine; USA 2015

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Sarah Butler Interview (2015), Trailer

Veröffentlichung: 07.03.2016

 
 
 

I Spit On Your Grave 3 – Mein ist die Rache [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

I SPIT ON YOU GRAVE 3 – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Savaged (2013)

Bait (2014)

Bound to Vengeance (2015)

Evangeline (2013)

Girls against Boys (2012)

Big Driver (2014)

Autumn Blood – Zeit der Rache (2013)

I Spit on your Grave 2(2013)

Last House on the Left (2009)

I Spit on your Grave (2010)

Extremities (1986)

Straw Dogs (2011)

Eden Lake (2008)