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Beiträge mit Schlagwort “Filme vom Fantasy Filmfest

Filmkritik: „Abattoir“ (2016)

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ABATTOIR

Story

 
 
 
Auf der Suche nach Antworten zu mysteriösen Mordfällen, verschlagt es eine neugierige Reporterin in ein verschlafenes Dorf, wo es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Kritik

 
 
 
Und wieder ein Mysteryfilm mit Geisterzutat. Das ist Anbetracht der Menge jener Art von Streifen mittlerweile nichts Besonderes mehr. Weitaus interessanter ist da schon eher, wer es sich auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht hat. DARREN LYNN BOUSMAN ist wieder da und wechselt die Fronten. Der ist eigentlich für blutige Hausmannskost berüchtigt und hat zuvor die Teile zwei, drei und vier der nicht gerade zimperlichen SAW-Reihe fürs Multiplex inszeniert. Vermutlich hatte er es aber wohl satt den immer gleichen Käse fürs gewalterprobte Publikum zu drehen. Daher verirrt er sich nun mit ABATTOIR ins subtile Filmfach – kann aber scheinbar trotzdem nicht das mit dem Blut und der Gewalt lassen. Der Schuster bleibt halt bei seinen Leisten. ABATTOIR basiert auf den gleichnamigen Graphic Novels des horrorkundigen Filmemachers. Leider ist der Sprung auf die Leinwand nicht sonderlich erwähnenswert, denn irgendwie vermisst man in der Kinoadaption das zügige Tempo und die knallharte Kompromisslosigkeit der früheren Werke des Regisseurs. Das verursacht keine Begeisterungsstürme – vor allem nicht beim Zuschauer, der eine gewisse Kaltschnäutzigkeit erwartet, die er mit den Werken des DARREN LYNN BOUSMAN in Verbindung bringt. Da kann man nur hoffen, dass beim nächsten Film alles besser wird. Schenkt man Interviews und Berichten im Internet Glauben, soll ABATTOIR unter dem Titel THE DWELLING fortgesetzt werden. Hoffentlich dann aber auch in der für Bousman bekannten Gangart – denn ABATTOIR ist im Gegensatz zu dem was man sonst von ihm gesehen hat Kinderfasching.
 
 
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Düsterer Videolook und dreckige Bilder. Auch ABATTOIR erinnert visuell so ziemlich an die bisherigen Schocker des Herrn Bousmann und erzählt die Geschichte von Journalistin Julia, die hier versucht ein Mysterium zu lüften. Die Familie ihrer Schwester wurde von einem Fremden kaltblütig abgeschlachtet. Die Polizei steht vor einem Rätsel – vor allem auch deshalb, weil wenige Stunden später der gesamte Tatort aus dem Haus gerissen wurde. Weil man keine Erklärungen für die Tat findet, beginnt die attraktive Mittdreißigerin auf eigene Faust zu recherchieren. Schnell findet Julia eine erste Spur. Offensichtlich verschwinden seit Jahren immer häufiger Schauplätze grausamer Verbrechen. So verschlägt es die Journalistin auf der Suche nach Antworten in ein kleines Dorf in dem Prediger Crone für Zucht und Ordnung sorgt. Leider sind die Bewohner nicht sonderlich kommunikativ. Das hat auch seine Gründe, denn hinter der Fassade friedliebender Bürger versteckt sich das ultimativ Böse.
 
 
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ABATTOIR (was so viel heißt wie Schlachthaus) bewegt sich irgendwo zwischen Sekten, Geister- und Kleinstadt-Horror, macht aber nicht sonderlich Laune. Statt den Zuschauer mit Terror, Adrenalin und Hektik zu quälen – so wie man es bisher aus der Bousman’schen Tortur-Werkstatt vorgesetzt bekommen hat – bereitet dieser Streifen in erster Linie nur eines: Langeweile. Der US-amerikanische Regisseur versucht es mit Langsamkeit und stetig steigenden Spannungsbogen. Leider gelingt es dem Filmemacher nur mühsam den Film voranzutreiben und die Handlung irgendwie interessant zu gestalten. Demzufolge braucht ABATTOIR erschreckend lang bis er endlich in die Gänge kommt und seine Richtung gefunden hat. Spätestens dann überzeugt der Horrorthriller aber mit tricktechnisch gutem CGI-Finale und netten Einfällen. Nach vermeintlich ergebnisfreier Suche nach Antworten und teils spannungsfreier Detektivarbeit schöpft Bousman endlich aus den vollen und zeigt einmal mehr, wieso die SAW-Filme so erfolgreich wurden. Die Helden und auch der Zuschauer werden durch eine Art surreale Geisterbahn gejagt, in der vor allem Bousmans Gespür für abrupte Schnitte zum Tragen kommt. Das macht den Film hektisch und rasant – kommt aber 70 Minuten zu spät. Letztendlich bleibt ABATTOIR weit hinter den Erwartungen zurück. Trotz aller Bemühungen schafft es der Streifen zu keiner Minute zu fesseln. Das ist dahingehend schade, weil die Idee mit den verschollenen Tatorten und die letztendliche Auflösung durchaus ihren Reiz haben. Demzufolge kann man Bouman dann doch eher raten bei dem bleiben, was er wirklich kann. Das sind nun mal in erster Linie keine atmosphärischen und gut durchdachten Gruselschauer, sondern reißerische Horrorfilme, die sich mit den Abgründen der menschlichen Seele beschäftigen.
 
 
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ABATTOIR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Eine surreale Geisterbahn, die irgendwie nicht so recht an Fahrt zulegen will. ABATTOIR ist eine kleine Enttäuschung, denn nach den durchaus unterhaltsamen SAW-Streifen zwei, drei und vier hat man dann doch schon etwas mehr Fingerspitzengefühl in Sachen Horror von Regisseur DARREN LYNN BOUSMAN erwartet. Wo die reißerischen SAW-Ableger trotz gleicher Machart irgendwie doch noch mitfiebern ließen, herrscht in ABATTOIR Leere. Der Film ist unglaublich ereignisarm und hätte auch gut und gerne als 30-minütige Gruselepisode irgendeiner Horror-TV-Sendung abgehandelt werden können. Stattdessen wird eine im Grunde genommen gar nicht mal so uninteressante Geschichte zwanghaft auf 90 Minuten geblasen und verursacht gähnende Langeweile. Viel passiert nicht – zumindest bis kurz vor Ende. Dann wird der Zuschauer immerhin durch eine spukreiche Jahrmarkt-Attraktion gejagt. Ob das aber das Sehen dieses eher mittelprächtigen Gruselstreifens rechtfertig, muss jeder selbst entscheiden. Wer jedoch gerade wegen DARREN LYNN BOUSMAN am Steuer einen „krassen“ Film erwartet, dürfte sehr schnell enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Zensur

 
 
 
Zwar ist ABATTOIR kein SAW, aber es gibt dennoch einige recht krude Morde zu sehen. So gibt es in einem Zusammenschnitt sämtliche Verbrechen zu sehen, die sich in diversen Zimmern zugetragen haben, welche dann auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Dennoch halten sich die Schauwerte in Grenzen und rechtfertigen eine FSK16. Nach der Deutschlandpremiere auf dem FANTASY FILMFEST 2016 ist der Streifen nun ungeschnitten auf DVD und Blu-ray erschienen.
 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film | Highlight Communications

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Abattoir; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making of (10 Min.), Trailer Deutsch, Originaltrailer, Unsere DVD/BD-Empfehlung

Release-Termin: 06.10.2016

 

Abattoir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ABATTOIR – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Constantin Film | Highlight Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Conjuring – Die Heimsuchung (2013)
 
100 Feet (2007)
 
100 Ghost Street – The Return of Richard Speck (2012)
 


Kritik: „The Ones Below – Das Böse unter uns“ (2015)

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THE ONES BELOW – DAS BÖSE UNTER UNS

Story

 
 
 
Die Geburt des neuen Sohnes wird für Kate und Jack (CLÉMENCE POÉSY und STEPHEN CAMPBELL MOORE) zum Albtraum, als in der Wohnung im Erdgeschoss neue Nachbarn (LAURA BIRN und DAVID MORRISSEY) einziehen, die sich äußerst merkwürdig verhalten.

 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Kritik

 
 
 
Von werdenden Eltern und bösen Nachbarn. In THE ONES BELOW erwarten Kate und Jack ihr erstes Kind. Umso erfreulicher für das junge Paar, dass in der Wohnung unter ihnen ebenso glückliche Leute einziehen, die ebenfalls auf Nachwuchs warten. Schnell sind die Gesprächthemen gefunden und man freundet sich an. Doch die frisch geschlossene Freundschaft steht unter keinem guten Stern. Die neuen Nachbarn haben nämlich einige Marotten, die nicht sonderlich gut ankommen. Erst ist es der penetrante Zwang nach Ordnung, der bei Kate und Jack für Verwirrung sorgt. Später verursacht die überfreundliche Art der neuen Hausbewohner Gänsehaut, wirkt die doch trotz aller Bemühungen nicht sonderlich vertrauenserweckend. Doch das alles ist nichts im Gegensatz zu dem, was noch kommen wird. Während eines gemeinsamen Abendessens kommt es zu einem folgenschweren Vorfall, der die wahren Intentionen der neuen Nachbarn ans Tageslicht bringt. ALFRED HITCHCOCK und ROMAN POLANSKI lassen grüßen.
 
 
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MIT THE ONES BELOW gibt’s Nachschub für all jene, die eine Abreibung fürs Nervenkostüm brauchen. Morbider Psycho-Horror wird geboten, der sich einmal mehr einer Thematik widmet, die sich im Genre neuerdings wieder großer Beliebtheit erfreut. Albtraum Schwangerschaft – das ist Stoff, der bereits in den 1960ern durch ROMAN POLANSKI furchteinflößend für die Leinwand aufbereitet wurde. Viele Jahrzehnte später lässt sich aus bekannter Formel immer noch makabrer Horrorstoff drehen, der vor allem werdenden Mütter an die Substanz gehen dürfte. Hinter dem kleinen Indie-Thriller steckt kein Mann vom Fach. Trotzdem weiß Nachwuchsregisseur DAVID FARR ziemlich genau, wie er Spannungsschrauben fester drehen muss, damit es dem Zuschauer unbequem wird. Der britische Newcomer bewegt sich in seinem Filmdebüt weg vom Holzhammer-Horror und geht über zum Daumenschrauben-Kino, in dem sich die Spannung bis zum makabren Finale steigert, damit am Ende die Katze aus dem Sack gelassen werden kann. Das gelingt ganz ohne Blut- und Schockmomente – verursacht aber gerade deswegen ein unangenehmes Bauchgefühl, weil Macher DAVID FARR das Grauen auf subtile Weise heraufbeschwört und den Horror im Kopf des Zuschauers entstehen lässt. So etwas nennt man Horror mit Hirn, der mittlerweile im Genre ziemlich selten geworden ist, weil Horror vor allem beim jungen Publikum in erster Linie mit Mord und Totschlag in Verbindung gebracht wird. Brachiale Kills und ausufernde Gewalt sucht man hier aber vergebens. THE ONES BELOW setzt auf Charakteraufbau und Dialoge – klappt scheinbar auch heute immer noch so gut wie vor 30 Jahren.
 
 
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In THE ONES BELOW bahnt sich das Grauen langsam seinen Weg durch den Film. Immer wieder geraten die Sympathieträger in verzwickte Situationen, die den Zuschauer mit flauem Magengefühl vor der Flimmerkiste zurücklassen. Man ahnt schnell, dass mit den neuen Nachbarn nicht gut Kirschen essen ist. So lauert hinter der Fassade gesitteter Bürger mal wieder das Böse. Eine Erkenntnis mit welcher der Film in die Fußstapfen vieler Genrefilme der 1980er und 1990er tritt, die unter so berüchtigten Titeln wie THE STEPFATHER, DAS KINDERMÄDCHEN oder FEAR – WENN LIEBE ANGST MACHT bei Fans des Genres ein Begriff sein dürften. THE ONE BELOW ist nach dem gleichen Muster gestrickt und strapaziert mit knisternder Spannung die Nerven des Publikums. Demzufolge sollte man diesen kleinen Psychothriller eine Chance geben – insofern man was mit langsam erzählten Psycho-Kicks anfangen kann, die sich viel Zeit für das Wesentliche im sogenannten Angstkino lassen.
 
 
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THE ONES BELOW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hätte ALFRED HITCHCOCK den Okkult-Schocker ROSEMARIES BABY verfilmt, wäre vermutlich so etwas wie THE ONES BELOW dabei herausgekommen. Der auf dem Fantasy Filmfest ausgestrahlte und vielgelobte Psychothriller ist nichts für Fans hektisch geschnittener Gewaltepen. Das minimalistische Psychodrama hat was von einem Kammerspiel und konzentriert sich auf Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Statt die Augen des Horrorfans mit Blut und Gewalt zu blenden, kümmert sich Regieneuling DAVID FARR um die Hirne seines Publikums und vernebelt die mit astreinem Psycho-Terror. Dafür musste mal wieder das Thema Schwangerschaft herhalten mit dem (Found-Footage) Filmemacher in letzter Zeit reichlich Schabernack getrieben haben. Mit THE ONES BELOW wird aber wieder alles besser, denn DAVID FARR lässt das Böse nicht im Bauch der Mutter heranwachsen, sondern funktioniert freundliche Nachbarn zu ultimativen Psychopathen um. Für knisternde Spannung und unangenehmes Bauchgefühl ist somit gesorgt, denn der britische Regisseur scheint viele Altmeister des Thrillerfachs genau studiert zu haben. Er beherrscht die subtile Angstmacherei erstaunlich gut, was THE ONES BELOW zu einem echten Indie-Psycho-Geheimtipp macht.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Zensur

 
 
 
Wer Gewalt sucht, ist hier falsch. Davon gibt es im Film nichts zu sehen. Eigentlich könnte man THE ONES BELOW bereits ab 12 Jahren freigeben. Wegen dem kompromisslosen Ende, einiger Schimpfwörter und bedrohlicher Stimmung hat es THE ONES BELOW aber mit einer FSK16 in die Händlerregale geschafft.
 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) METEOR FILM (Blu-ray KeepCase-Version)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Ones Below; Großbritannien 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.11.2016

 

The Ones Below – Das Böse unter uns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE ONES BELOW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei METEOR FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Stepfather (2009)
 
The Stepfather (1987)
 
The Roommate (2011)
 
The Harvest (2013)
 
One Hour Photo (2002)


Filmkritik: „Antibirth“ (2016)

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ANTIBIRTH

Story

 
 
 

Die drogenabhängige Putzfrau Lou hat einen Filmriss. Eines Tages ist die Arme schwanger und weiß nicht von wem. Leider erweist sich der Blackout als das kleinere Übel. Weitaus besorgniserregender ist die Geschwindigkeit mit der der Fötus im Bauch heranwächst.

 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Kritik

 
 
 
Keine Macht den Drogen – vor allem während der Schwangerschaft! Mit diesem Warnruf betreiben nicht nur Krankenkassen Aufklärungsarbeit. Auch im frischen Indie-Horror ANTIBIRTH erhält diese Botschaft neuen Zündstoff unter den Hintern – vor allem schwarzhumorigen. Wenn die Geburt des Kindes zum Horror wird. Das ist Stoff, der auch Jahrzehnte nach ROSEMARY’S BABY irgendwie immer noch gut funktioniert. Das sah wohl auch Regie-Neuling DANNY PEREZ so, der aber einiges anders macht – wenn auch nicht unbedingt besser. Der ambitionierte Regisseur schien erst gar nicht am Wohl seiner Heldin interessiert zu sein. Stattdessen lässt der seine Hauptdarstellerin trotz Kind im Bauch saufen und koksen. Die Quittung fliegt ihr sogleich um die Ohren, denn was da im Bauch heranwächst sorgt nicht nur für Schmunzler, sondern auch für reichlich Ekel.
 
 
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Was das größte Glück für jede Frau ist, entpuppt sich für Putzfrau Lou (NATASHA LYONNE aus THE RAMBLER) als Albtraum. Die lebt ein Lotterleben und hangelt sich von Party zu Party, wo sie an Sex und Drugs mitnimmt, was sie kriegen kann. Nach einer weiteren durchzechten Nacht mit viel Alkohol und Substanzen illegalen Zuschnitts, wacht sie orientierungslos auf und kann sich mal wieder an nichts erinnern. Eigentlich nichts Neues im Leben der recht ziellosen Mittdreißigerin, wäre da nicht ein seltsames Gefühl in der Magengegend, das Lou zu denken gibt. Nach drei Anti-Angst-Schnäpsen soll ein Schwangerschaftstest Gewissheit vermitteln. Leider lässt der die schlimmsten Ängste wahr werden. Lou ist schwanger und der Vater unbekannt. Doch statt im Panik zu verfallen, vertraut sich die Schwangere erst mal König Alkohol an und holt sich Rat bei Freundin Sadie (CHLOË SEVIGNY aus #HORROR). Die ist über das rapide Wachstum des Kindes besorgt. Ja, die Schwangerschaft schreitet beängstigend schnell voran. Plausible Antworten hat Verschwörungstheoretikerin Lorna (MEG TILLY) in petto. Die glaubt an seltsame Experimente und Entführungen durch Außerirdische. Ob Sie damit Recht hat?
 
 
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ANTIBIRTH wird fast ausschließlich von den guten Leistungen der Darstellerinnen getragen, von denen vor allem NATASHA LYONNE hervorsticht, die hier als saufende und koksende Schwangere für so manchen schrägen Moment sorgt. Leider kann auch die beste Schauspielarbeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass ANTIRITH eine äußerst schläfrige Angelegenheit ist. Bis das schwarzhumorige Filmchen endlich mal den korrekten Weg gefunden hat, vergeht ziemlich viel Laufzeit. Warum ist Lou schwanger und weshalb kann sie sich an nichts erinnern? Das Mysterium um den ungeplanten Nachwuchs wirft viele Fragen auf – doch die Antworten darauf gibt es erst in den letzten Minuten. Regisseur DANNY PEREZ lässt sich viel Zeit, um die rätselhafte Schwangerschaft seiner Heldin zu beleuchten. So wird seine Protagonistin immer wieder mit absurden Träumen und Visionen konfrontiert, die ihr im Alkoholrausch das Hirn vernebeln. Aber auch seltsame Veränderungen am Körper deuten darauf hin, dass die nahende Geburt alles andere als normal verlaufen wird. Und so kommt, was kommen muss. Die Erzeuger-Suche wird mit Cronenberg’schen Ideen des Körper-Horrors angereichert präsentiert. Das sorgt im reichlich überzogenen Finale dann für ordentlich Ekel-Breitseite. Da bekommt auch der Fan des Kuriosen was zu sehen fürs Geld. Leider kommt der schräge Richtungswechsel viel zu spät, denn während man im Film froh darüber ist, dass der Schwangerschaftsspuk endlich ein Ende hat, dürfte der Zuschauer davon nicht viel mitbekommen haben. Der wird wegen dem fehlenden Spannungsbogen vielleicht sogar selig eingeschlummert sein und verschreckt aus dem Sessel springen, wenn laute Musik im Abspann das Schönheitsschläfchen rüde unterbricht. Wer sich trotzdem an ANTIBIRTH heranwagen möchte, sollte entweder ausgeschlafen sein oder bis zehn Minuten vor Schluss spulen. Dort gibt’s die wichtigsten Schlüsselmomente zu sehen. Was sich davor ereignet, lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen und steht bereits in der Inhaltsangabe weiter oben.
 
 
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ANTIBIRTH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Regie-Debüt, das nicht zwangsläufig Appetit auf mehr macht. ANTIBIRTH erstaunt durch enorme Gehaltlosigkeit, überzeugt aber trotzdem mit guten Darstellern, die zumindest retten, was noch gerettet werden kann. Viel bietet ANTIBIRTH nicht, was Erwähnung finden könnte, denn der Film quält sich förmlich damit, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Der schwarzen Komödie mangelt es an Tempo und Substanz. Zudem vermisst man schmerzlich den wichtigen Spannungsbogen, der in solchen Filmen unabdingbar ist. Viel passiert wirklich nicht – dieser Fehlzünder köchelt gescheite Ideen auf Sparflamme. Ein paar bizarre Visionen hier, ein absurdes Ekelfinale da – fertig ist ein Film, der irgendwie daherplätschert und erst kurz vor der Zielgeraden seine eigentliche Richtung findet. Ob das die meisten Zuschauer überhaupt zu sehen bekommen bleibt fraglich. Denn trotz Body-Horror und ein paar wenigen Trash-Schmunzlern dürften den meisten Filmfans nach wenigen Minuten bereits die Augen schwer werden. Diese Tatsache allein reicht aus, um erkennen zu können, dass es sich bei ANTIBIRTH nicht unbedingt um einen gelungenen Horrorfilm handelt. Also kann man diesen FANTASY FILMFEST-Beitrag gern auch auslassen. Es gibt weitaus bessere Horrorfilme über problematische Schwangerschaften.
 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Zensur

 
 
 
In ANTIBIRTH passiert nicht sonderlich viel – auch hinsichtlich Gewalt. Selbstzweckhaft wird hier gar nichts zelebriert. Bis auf einige körperliche Veränderungen und einer schmerzhaften Geburt am Ende, werden dem Horrorfan in ANTIBIRTH kaum Schauwerte geboten. Eine FSK16 ist demnach sicher.
 
 
 


 
 
 

ANTIBIRTH – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für rafiken liegen bei IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Shelley (2016)
 
Bleed (2016)
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Hell Baby (2013)
 
Devil’s Due – Teufelsbrut (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Unborn – Kind des Satans (1991)
 


Filmkritik: „Scherzo Diabolico“ (2015)

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SCHERZO DIABOLICO – BLUTIG UND BÖSE

Story

 
 
 
Einem fleißigen Rechtsanwalt platzt der Kragen. Weil er im Job nur ausgenutzt wird und auch zuhause mit der Familie keinen Frieden findet, schmiedet er einen diabolischen Plan. Mit unvorhersehbaren Folgen.

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Kritik

 
 
 
Die Sprache des Horrors ist in jedem Land gleich und kennt somit keine Grenzen. So auch in Mexiko, das sich seit einigen Jahren überraschend konstant darin übt, beunruhigende Geschichten in Kinos und Wohnzimmer in aller Welt zu bringen. Dass das Land von Tequila und Tortillas nicht nur Horror-Eintagsfliegen hervorbringt, hat man mit Filmen wie Guillermo Del Toros Debüt CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE oder WIR SIND WAS WIR SIND bewiesen. Letzterer überrumpelte selbst Hollywood, so dass ein amerikanisches Remake her musste, das aber in den heimischen Kinos nicht den erhofften Erfolg brachte. Wen wundert’s? Zuletzt hat Mexiko dank des Regisseurs ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO Horror-Aufsehen erregt. Der Mexikaner landete mit HERE COMES THE DEVIL gleich mal einen Indie-Horror-Hit, der bei anspruchsvollen Festivalbesuchern bleibenden Eindruck hinterließ. Ob das auch mit der bitterbösen Parabel SCHERZO DIABOLICO wiederholt werden kann, für die ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO ebenso verantwortlich zeichnet?
 
 
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Eigentlich ist Rechtsanwalt Aram ein Arbeitnehmer aus dem Bilderbuch. Stets pünktlich am Arbeitsplatz, schuftend wie kein anderer. Vom Chef erhält er keine Anerkennung. Noch nicht mal für Überstunden, die er fast tagtäglich abreißt. Auch zu Hause herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Arams Ehefrau ist von der Feigheit ihres Gatten alles andere als erfreut und bestraft den Liebsten mit Sexentzug – weil der nicht den Mut besitzt, eine Entlohnung für die Mehrarbeit einzufordern. Doch damit soll nun Schluss sein. Aram schmiedet einen hinterlistigen Plan. Er beschattet die Tochter des Kanzleiboss Granovsky und entführt das ahnungslose Mädchen in der Hoffnung, dass der Vorgesetzte die Arbeit vernachlässigt und entlassen wird. Tatsächlich trägt das fiese Vorhaben Früchte. Granovsky ist psychisch am Ende und muss die Firma verlassen. Seinen Platz nimmt Aram ein, der nun hofft, dass sich das Schicksal zum Besseren wenden wird. Leider kommt natürlich alles anders. Wie im Horrorbereich üblich, haben die Opfer das letzte Wort. Die lassen Arams Demütigungen nicht auf sich sitzen und dürsten nach Rache – am liebsten blutig und kompromisslos.
 
 
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Einmal Horror immer Horror. Ein schnell improvisiertes Sprichwort, dass sich aber immer wieder bewahrheitet. Nach HERE COMES THE DEVIL, THE ABCS OF DEATH und LATE PHASES bleibt der Mexikaner ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO dem Genre treu und unterhält nach gefräßigen Werwölfen, unartigen Kindern und perversen Serienkillern zur Abwechslung mit Rachegelüsten der makabren Sorte. Wie bereits der Titel SCHERZO DIABOLICO vermuten lässt, geht es im gleichnamigen Film selbst reichlich zynisch und schwarzhumorig zu. Im Verlauf der Handlung werden die Rollen neu verteilt und unerwartete Wendungen nehmen ihren Lauf. So brennen dem Filmhelden später die Sicherungen durch. Der anfangs rechtschaffene und sympathische aber bereits desorientierte Hauptcharakter wird zum Handlanger des Bösen. Um eigene Interessen durchsetzen zu können und endlich mal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, handelt er gegen das Gesetz. Leider ist und bleibt Protagonist Aram der geborene Pechvogel. Mit seinem Vorhaben setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die nur zu Chaos führen kann. Ihm ereilt eine bitterböse Strafe, weil er gewissenlos gehandelt hat. Eine gewisse Ironie lässt sich nicht von der Hand weisen – das gibt SCHERZO DIABOLICO in der letzten halben Stunde auch dem Zuschauer unverblümt zu verstehen.
 
 
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Trotz ambitionierter Machart und bitterböser Geschichte über selbstsüchtiges Streben nach Macht und Erfolg, ist SCHERZO DIABOLICO ein zweischneidiges Schwert. Nach den erwähnten Arbeiten von Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO, die auf vielen Filmfesten (darunter auch dem FANTASY FILMFEST) Lob einheimsen konnten, entpuppt sich SCHERZO DIABOLICO als kleine Enttäuschung. Grund: es dauert zu lange, bis es für Horrorfans endlich interessant wird. Zudem ist diese mexikanische Thriller-Produktion nur auf ein möglichst reißerisches Finale aus, in dem viel flüssiges Rot auf Boden und Wände klatscht. Im Gegensatz zu dem, was der Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat, fehlen SCHERZO DIABOLICO schlichtweg Einzigartigkeit und Raffinesse. Gewalt allein macht eben keinen Horrorfilm herausragend. So geht es im Finale drunter und drüber. Im dort zelebrierten Racheakt wird Exploitation pur gezeigt – quasi so, wie man sie in den deutschen Bahnhofskinos der 1970er und 80er zu sehen bekam. Köpfe werden zermatscht aber auch Waffen und Baseballschläger kommen zum Einsatz. Im Vergleich zur eher zurückhaltend und bedacht inszenierten ersten Filmhälfte ist das Gezeigte äußerst grenzwertig und nicht für jedermann geeignet. Horrorfans wird’s nicht stören. Immerhin: Weil’s übertrieben blutig wird, fällt gar nicht auf, dass Gründe und Auslöser für die im Film dargestellte Selbstjustiz dünn, fadenscheinig und unglaubhaft sind. Psychologen dürften da wohl das kalte Grausen bekommen. Egal – im Horrorfilm ist eben alles möglich und ist es auch noch so dämlich.
 
 
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SCHERZO DIABOLICO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Auch in Mexiko wird blutig gerächt: Bitterböses Rachefilmchen mit äußerst brutalem Finale, das Liebhabern reißerischer Exploitation-Schocker feuchte Höschen bescheren wird. Splatterfans kommen in SCHERZO DIABOLICO definitiv auf ihre Kosten. Hier wird ein schmuddeliger Mexiko-Look mit deftigen Gewalteskapaden vermengt, welche von klassischen Klavierstücken begleitet werden. Letztere bieten Symbolcharakter und sind Auslöser für eine Tat, die eher zartbesaitete Zuschauer verstört in den Kinosessel pressen wird. Leider tut sich der mexikanische Rachethriller schwer mit dem Erzählen seiner Geschichte. Die braucht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und lässt Horrorfans ungeduldig auf das warten, was sich Regisseur ADRIÁN GARCÍA BOGLIANO für sein Finale hat einfallen lassen. Eine Spirale der Gewalt wird in Gang gesetzt, die schwarzhumorig und grotesk zeigt, was rücksichtloses Gieren nach Macht bewirken kann. Das ist zwar reichlich unglaubwürdig, wird aber den meisten Zuschauern egal sein – schließlich spritzt Blut. Kann man gucken, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Zensur

 
 
 
Überraschend blutig geht es in SCHERZO DIABOLICO zu. Das hätte man gar nicht erwartet, weil der Film eher zurückhaltend und behäbig beginnt. Im letzten Akt geht es drunter und drüber. Ein gekidnapptes Opfer dreht vollkommen durch und töte alles, was in die Quere kommt. Da werden Köpfe zermatscht und die Kamera hält drauf. Da die FSK immer große Probleme mit Selbstjustiz in Filmen besitzt, gab es anfangs bedenken. Dennoch hat der Film in der ungeschnittenen Version eine Erwachsenenfreigabe erhalten: keine Jugendfreigabe.
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scherzo Diabolico; Mexiko | USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Musikvideo

Release-Termin: 30.09.2016

 

Scherzo Diabolico – Blutig und böse [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCHERZO DIABOLICO – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei DONAU FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bound to Vengeance (2015)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 
Evangeline – Rache ist stärker als der Tod (2013)
 
Big Driver (2014)
 
Daddy’s Little Girl (2012)
 


Filmkritik: „Green Room“ (2015)

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GREEN ROOM – ONE WAY IN. NO WAY OUT

Story

 
 
 

Auf der Tournee der Ain’t Rights ist Chaos vorprogrammiert. Die Band, die aus jungen Punkrockern und Rebellen besteht, zieht eine Schneise aus Alkoholmissbrauch und schlechtem Verhalten durch die ländlichen USA. Als obskure Punk-Band ohne Social-Media-Auftritt sind sie stolz darauf, abseits des Radars zu leben und zu musizieren. Nach der jüngsten verkaterten Nacht finden sie sich allerdings etwas zu weit neben dem verhassten Mainstream wieder. Ein Kontakt hat ihnen einen lukrativen Auftritt organisiert, der allerdings auch seine Schattenseiten mit sich bringt. Dass die Location mitten im verlassenen Nirgendwo einer Waldlichtung liegt, ist noch das kleinste Problem. Die Spannung steigt merklich, als die rotzigen Punker vor einer Meute Skinheads spielen müssen, die von der Message der Ain’t Rights offenbar nicht begeistert sind. Gerade noch so kommt die Band mit dem Schrecken davon, doch dann werden die Mitglieder unfreiwillig Zeuge einer unfassbaren Tat hinter der Bühne. Kein gutes Omen für die Musiker, die nun um ihr Leben bangen müssen. Eingeschlossen in den ranzigen Mauern des Hinterwald-Nazi-Clubs beginnt ein blutiges Duell ums Überleben: Punks gegen Skinheads.

 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Kritik

 
 
 
Schon mit seinem Zweitwerk „Blue Ruin“ etablierte der amerikanische Indie-Regisseur Jeremy Saulnier seine Visitenkarte. Der Film um einen ängstlichen Mann und dessen Wunsch nach blutiger Rache lief auf dem Filmfestival in Cannes und avancierte in Filmkreisen schnell zum Geheimtipp – vor allem unter Freunden rabiater Thriller. Mit dem Stichwort „rabiat“ lässt sich Saulniers Stil und vor allem seine Art und Weise, filmische Gewalt zu inszenieren, gut umschreiben. In seinen Filmen verfängt er sich nicht im Gemetzel, häuft keine riesigen Bodycounts an und vergießt auch keine grotesken Mengen an Kunstblut. Seine Form von Gewalt ist eine, die nicht bei den Augen aufhört, sondern direkt an die Nieren geht. Die filmischen Gewaltspitzen erzielen mit ihrer nüchternen, distanzierten Inszenierung nicht selten den Effekt, dass man als Zuschauer solidarisch mitleidet – und das nicht gerade wenig.
 
 
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Natürlich ist das subtile Gewaltkonzept auch in Saulniers neuen Film „Green Room“ präsent, wobei diesmal von allem etwas mehr geboten wird, denn wer erfolgreich polarisierende Horrorfilme drehen möchte, muss sich auch in Sachen Filmgewalt weiterentwickeln. War es in “Blue Ruin” noch eine intimen Geschichte über einen Mann und seine Rachegelüste, die es verstand zu beunruhigen, ist es in “Green Room” gleich ein ausgewachsener Kleinkrieg zwischen Links und Rechts, der an die Substanz geht. Auf der einen Seite die Vertreter des ansässigen Hakenkreuz-Fanclubs, auf der anderen Seite eine chaotische Gruppe junger Musiker, deren Sounds sich aus linken Parolen und viel Geschrei zusammensetzen. Dadurch, dass Saulnier mit seinen beiden Parteien in Extreme abschweift, entwischt ihm das feine Gespür für Charaktere, das noch in „Blue Ruin“ Programm gewesen war. Weder die Nazis noch die Steinewerfer sind wirklich sympathisch, ein tatsächliches Drama ergibt sich in „Green Room“ keineswegs. Abgesehen von den Auftritten der Schauspieler Macon Blair (der Protagonist aus „Blue Ruin“) und Patrick Stewart (der übrigens mit voller Kraft gegen seinen Typ spielt), bleiben die Figuren weitgehend blass und das schauspielerische Talent ungenutzt. Vor allem die Darsteller Imogen Poots und Anton Yelchin gehören zu den größeren Talenten ihrer Altersklasse. Leider können sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten im Film kaum unter Beweis stellen.
 
 
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Was bleibt ist ein gemeiner, stylischer aber doch irgendwie generischer Thriller. Wenn man von der effektiven und expliziten Inszenierung der Gewalt im Film absieht, ist Saulniers dritter Spielfilm dennoch kaum mehr als ein gewöhnlicher Slasher-Film, in dem die Figuren in schöner Regelmäßigkeit ins Jenseits befördert werden. Nichts davon macht den Streifen jedoch schlecht. Ganz im Gegenteil – Fans der härteren Gangart werden gut unterhalten, denn mit beunruhigenden Bildern zieht der Film trotz Oberflächlichkeiten schnell in den Bann. „Green Room“ ist ein weiterer Erfolg für Jeremy Saulnier, der seinen Status als stilsicherer und mutiger Indie-Regisseur zementiert. Er liefert dem hungrigen Horrorpublikum einen spannenden und kurzweiligen Thriller, der zwar hinter den Erwartungen zurückbleibt, aber trotzdem eine Menge Spaß bereitet. Packende und harte Unterhaltung ist garantiert.
 
 
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GREEN ROOM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Im Horrorthriller „Green Room“ verlegt „Blue Ruin“-Regisseur Jeremy Saulnier sein Talent in ein abgelegenes Nazi-Clubhaus, füllt das mit Skinheads sowie Punks und strickt daraus ein Pulverfass. Auf der Drehbuch-Ebene lässt der Film zwar zu wünschen übrig. Auf seiner Plus-Seite glänzt der Streifen durch grobe Inszenierung von Gewalt – was mit Sicherheit Fans härterer Filmproduktionen zusagen dürfte. Zudem bleibt der Film wegen charismatischer Auftritte von Macon Blair und Patrick Stewart im Gedächtnis. „Green Room“ ist ein durchgestylter, schmutziger, schneller und rücksichtsloser Thriller, für den man ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Zensur

 
 
 
Der Film lief bereits im Frühsommer 2016 über UNIVERSUM FILM ungeschnitten in den deutschen Kinos. Da der Film mitunter recht hart ans Eingemachte geht, hat „Green Room“ in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Allerdings werden die brutalen Exzesse zu keiner Zeit so grotesk oder übertrieben zelebriert, dass sie eine Indizierung oder Freigabeverweigerung der später erscheinenden Heimkinoveröffentlichung rechtfertigen. Diese ist ebenfalls ungeschnitten und besitzt den roten FSK-Flatschen: keine Jugendfreigabe!
 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Green Room; USA 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Featurettes

Release-Termin: 07.10.2016

 

Green Room [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

GREEN ROOM – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blue Ruin (2013)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Invitation (2015)
 


Filmkritik: „Backtrack“ (2015)

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BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT

Story

 
 
 

Der Psychologe Peter (ADRIAN BRODY aus SPLICE, GIALLO und WRECKED) sieht plötzlich tote Menschen und begibt sich auf eine Reise voller Rätsel und Geheimnisse, die ihn zurück in den Heimatort führt, wo er mit seiner tragischen Vergangenheit konfrontiert wird.

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Kritik

 
 
 
Es ist schön, dass es sie doch noch gibt: Geisterfilme, die auch das halten, was man von ihnen erwartet. Seit der Videomarkt boomt und sich nahezu jeder Niemand darin versucht, mit möglichst wenigen Budget und einfältigen Schreckmomenten rasch Geld zu verdienen, hat das Spuk- und Geistergenre einen großen Teil seiner schaurigen Faszination verloren. Regisseur MICHAEL PETRONI versucht dagegen anzukämpfen und besinnt sich auf traditionelle Spukwerte zurück. Der hat bereits im Horrorbereich Erfahrung sammeln können und Drehbücher zu Filmen wie THE RITE oder KÖNIGIN DER VERDAMMTEN beigesteuert. Mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT nahm er sich die Freiheit, auch mal ein eigenes Schauskript selbst zu verfilmen und landet damit gleich einen Glückstreffer. Ihm gelingt das Meisterstück eine packende Geschichte herrlich schaurig zu erzählen, die von Anfang bis Ende konstant spannend bleibt. Freunde klassischer Spuksteifen sollten demnach gut zuhören, denn BACKTRACK beendet die Durststrecke nach sehenswerten Gruselfilmen. Das war auch bitter nötig.
 
 
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Bereits auf dem FANTASY FILMFEST 2015 konnten sich Besucher von der herausragenden Qualität des wendungsreichen Gruselstücks überzeugen. Das ist mit Oscar-Preisträger ADRIAN BRODY sowie SAM NEILL prominent besetzt und erzählt die Geschichte vom Psychologen Peter, der plötzlich Geister sieht und Gewissensbisse bekommt. Der tragische Tod der kleinen Tochter hat den gestandenen Mann aus der Bahn gerissen. Für den gibt er sich selbst die Schuld, weil er nur eine Minute unachtsam war. Eines Tages taucht in seiner Praxis ein kleines Mädchen auf, das mit ihrem seltsamen Verhalten Fragen aufwirft. Nach einigen Recherchen steht fest: die minderjährige Besucherin ist seit Jahren tot – genauso wie die übrigen Patienten, die sich seit Wochen den Kummer in der Praxis von der Seele reden. Selbstverständlich sind die Geistererscheinungen nicht grundlos. Die wollen dem von Sorgen zerfressenen Psychologen etwas mitteilen. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass sich dahinter meist ein schreckliches Schicksal verbirgt, das mit dem Filmheld in Verbindung steht.
 
 
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BACKTRACK besitzt alles, was man von hochwertigem Horrorkino erwartet. Ob unwohlig musikalischer Untermalung, virtuose Kameraführung oder wirkungsvolle Schreckmomente – die Symbiose aus Mysterythriller, Geisterfilm und Verlustdrama hat einiges zu bieten, nach dem sich Hobby-Geisterjäger zu Hause seit Jahren sehnen. Die finstere und atmosphärische Kopie von THE SIXTH SENSE ködert den Zuschauer mit stets kleinen Häppchen und verrät nie zu viel über eine Geschichte, die mit genug Twisten aufwartet, damit Spannungsschrauben konstant fester gedreht werden können. Erst nach und nach werden Details über die Hintergrundgeschichte preisgegeben, die mancherorts zwar etwas konstruiert erscheint, was aber dem Spannungsbogen keinen Abbruch tut. Mehr über die intelligent geschriebene Geschichte zu verraten wäre gemein. BACKTRACK entfaltet seinen gesamten Schrecken am besten, wenn man so wenig wie möglich über den Film weiß. Deshalb: Vorhänge zuziehen, Licht ausschalten und Heimkinoanlage auf Maximum drehen. Ein Gruselfest der Extraklasse ist somit garantiert.
 
 
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BACKTRACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein finsteres und sehr atmosphärisches Geisterdrama, das mancherorts THE SIXTH SENSE oder STIR OF ECHOES in Erinnerung ruft. Klassische Gruselware wird mit BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT geboten, die nicht ungesehen bleiben sollte. Ganz im Gegenteil. Der mit ADRIAN BRODY besetzte Geisterfilm ist ein Referenztitel und sorgt mit schauriger Stimmung und fiesen Jump Scares für reichlich Gänsehaut. Die Quintessenz dieses unheimlichen und packenden Genrefilms ist jedoch die clever geschriebene Geschichte. Die fesselt bis zum erlösenden Ende und hat einige Überraschungen zu bieten. Ganz nebenbei glänzt Brody mit beeindruckender Schauspielleistung. Der verkörpert in BACKTRACK eine zermürbte Figur, die an dem tragischen Tod der Tochter zu zerbrechen droht. Seine gekonnte Darbietung eines gequälten Mannes hinterlässt Eindruck und bestätigt noch einmal, warum der Schauspieler vor einigen Jahren mit einem Oscar (für DER PIANIST) ausgezeichnet wurde. BACKTRACK ist großartig inszenierter Geisterspuk, der niemanden kalt lässt. Unbedingt sehenswert.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Zensur

 
 
 
Gewalt spielt in BACKTRACK – TOTE VERGESSEN NICHT keine Rolle. Eigentlich bekommt der Zuschauer hier keine bösen Szenen zu sehen. Der Film verursacht Gänsehaut auf subtile Weise. Wegen ein paar Schocks und Schreckmomente sowie der düster gehaltenen Stimmung des Films hat es in Deutschland für BACKTRACK eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) EUROVIDEO MEDIEN (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Backtrack; Australien 2015

Genre: Horror, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 | @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailershow, Originaltrailer

Release-Termin: 10.11.2016

 

Backtrack – Tote vergessen nicht [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BACKTRACK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Packshot liegen bei EUROVIDEO MEDIEN)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)

Schatten der Wahrheit (2000)

Echoes (2014)

Jessabelle (2014)

The Gift – Die dunkle Gabe (2000)


Filmkritik: „Ava’s Possessions“ (2015)

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AVA’S POSSESSIONS

Story

 
 
 

Die attraktive Ava (LOUISA KRAUSE) war 28 Tage von einem Dämon besessen. Nach einer geglückten Teufelsaustreibung versucht sie nun wieder einem geregelten Leben nachzugehen. Leider plagen sie einige Erinnerungslücken, denn die junge Frau weiß nicht, was sie während der Zeit ihrer Besessenheit getrieben hat.

 
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Kritik

 
 
 
Schon wieder ein Film über eine besessene Frau, die von einem Dämonen besessen ist und der das Böse mittels Exorzismus ausgetrieben werden soll? Seit DER EXORZIST im Kino gewütet und praktisch Generationen von Horrorfans um den Schlaf gebracht hat, ist Besessenheit in Kombination mit ihrer Austreibung ein beliebtes Sujet, dem sich vor allem die Filmemacher widmen, denen partout nichts Neues einfallen will. Der obligatorische Exorzisten-Fahrplan ist Schuld, dass man sich trotz stattlicher Anzahl an Plagiaten bisher nur an wenige dieser Filme erinnern kann. So werden die meist weiblichen Protagonisten dabei begleitet, wie sie erst von einer bösartigen Macht heimgesucht und anschließend zu willenlosen Marionetten umfunktioniert werden. Weil meist ein Dämon oder gleich der Teufel selbst für unanständiges Benehmen verantwortlich gemacht wird, kann der Übeltäter nur durch einen Exorzismus unschädlich gemacht werden – mit ermüdenden Folgen. Aufgrund immer gleicher Handlungsverläufe haben Exorzismusfilme über die Jahre an Schrecken verloren, denn viele dieser Streifen eifern zu verkrampft genanntem Horrorklassiker von WILLIAM FRIEDKIN nach, statt neue Geschichten zu erzählen. Ganz anders: AVA’S POSSESSIONS. Der Film von der Hand JORDAN GALLANDS versucht erst gar nicht, sich den diktierten Regeln dieser Filmgattung zu unterwerfen. Ein unkonventionelles Experiment, das zumindest bei Kritikern und Publikum des FANTASY FILMFEST 2015 gut ankam. AVA’S POSSESSIONS erntete durch die Bank weg positives Feedback und erhielt von der Fachpresse hervorragende Kritiken. Aber kann der ungewöhnliche Horrorstreifen auch den mainstreamverwöhnten Zuschauer überzeugen?
 
 
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Die taffe Ava hat eine schwere Zeit hinter sich. Sie war 28 Tage von einem Dämonen besessen und kann sich an nichts mehr erinnern. Weitaus problematischer ist jedoch, was nun auf sie zukommt. Während ihrer Besessenheit trieb die Leidtragende allerhand Schindluder, sorgte für Chaos und verletzte Menschen. Dafür soll sie nun bestraft werden und ins Gefängnis kommen. Doch der Richter hat Mitleid. Um der Haftstrafe entgehen zu können, muss Ava an einem staatlichen Programm für ehemals Besessene teilnehmen. In einer anonymen Selbsthilfegruppe soll sie lernen mit der Situation umzugehen, sich mit Gleichgesinnten austauschen und bei Opfern entschuldigen. Weitaus wichtiger als Austausch und Entschuldigungen ist für Ava aber das Schließen von Erinnerungslücken, denn Freunde und Familie verhalten sich ihr gegenüber distanziert. So beginnt die junge Frau auf eigene Faust zu ermitteln und stößt dabei auf ein unheimliches Familiengeheimnis.
 
 
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AVA’S POSSESSIONS nimmt unter den vielen Exorzismus-Streifen eine Sonderstellung ein. Der Film langweilt nicht mit bekannten Episoden von Besessenheit, die zwangsläufig zum Exorzismus führen, damit das Opfer von seinen Qualen erlöst werden kann. Vielmehr beleuchtet der unabhängig produzierte Streifen das Leben nach einer Dämonenaustreibung und setzt sich mit der Frage auseinander, wie ehemals Besessene erneut in die Gesellschaft eingegliedert werden können. Entstanden ist dabei ein ungewöhnlicher Mix aus Mystery-Thriller und Horrorkomödie, der von der Stimmung her fast in Richtung Film noir weist und den Zuschauer mit Brotkrumen-Methode fordert. Dabei setzt der Film da an, wo eigentlich die meisten dieser Grusler enden. Nach einem Exorzismus leidet die Filmheldin unter Gedächtnisverlust und begibt sich auf eine verzweifelte Suche nach Antworten, deren Puzzleteile erst am Ende einen Sinn ergeben. Während der erfrischenden Schnitzeljagd macht JORDAN GALLAND von ungewöhnlichem Farbenspiel Gebrauch, das man bereits in früheren Werken des legendären DARIO ARGENTO zu sehen bekam. AVA’S POSSESSIONS ist farbtechnisch wirklich sehr durchdacht. So unterstreichen experimentelle Farbenspiele die Gefühle der Titelfigur. Zudem kommen grelles Rot und auffälliges Blau immer dann zum Einsatz, wenn aussagekräftige Schlüsselmomente hervorgehoben werden müssen.
 
 
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Charmant-kurzweiliger Gruselspaß ist mit AVA’S POSSESSIONS garantiert, denn die charismatische Hauptdarstellerin bleibt in Erinnerung, weil die sich selbst und ihre eigentlich verzwickte Situation nicht sonderlich ernst nimmt. Das kommt auch beim Zuschauer gut an, der mit dem eigenwilligen Humor der Filmfigur so seinen Spaß haben wird. So meistert die Ex-Besessene voller Tatendrang urkomische Situationen in besagter Selbsthilfegruppe und trifft dort natürlich auch auf sonderbare Zeitgenossen, die ihr bei der Suche nach Erleuchtung behilflich sind. Mit Mut zum Unkonventionellen, einer originellen Idee und einfach anderer Herangehensweise, verleibt AVA’S POSSESSIONS dem mittlerweile gar nicht mehr so frischem Exorzismus- und Dämonenfilm neues Leben ein, das dieses Subgenre bitter nötig hat. Wer demzufolge einen Richtungswechsel voraussetzt, um sich überhaupt noch von dieser Gattung Film unterhalten lassen zu können, sollte AVA’S POSSESSIONS unbedingt eine Chance geben. Für Anhänger des Mainstreams ist dieser Film übrigens nix.
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
HANGOVER meets DER EXORZIST. AVA’S POSSESSIONS ist nicht mit bekannten Genre-Beiträgen vergleichbar und nimmt demzufolge unter den vielen Exorzismus-Beiträgen eine Sonderstellung ein. Von Dämonen besessen zu sein, ist in diesem Film nichts Ungewöhnliches mehr, denn offensichtlich passiert das in der Welt von AVA’S POSSESSIONS nahezu täglich, weshalb staatlich gegründete Selbsthilfegruppen Betroffenen den rechten Weg weisen sollen. So absurd sich der Grundplot auch anhören mag, so skurril ist AVA’S POSSESSIONS letztendlich auch. Das ist die Quintessenz dieser schrägen Horrorkomödie, die sich im späteren Verlauf vom Mystery-Film hin zum Detektiv-Thriller entwickelt und für allerhand urkomische Situationen und trockenen Wortwitz sorgt, wenn Filmheldin Ava nach dem warum ihrer Besessenheit forscht. Leider verspielt Regisseur JORDAN GALLAND einige Pluspunkte, weil der Film hin und wieder unter seinem bedächtigen Tempo leidet. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil die sympathische Besetzung manchen Holperer in der Inszenierung vergessen lässt.
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Zensur

 
 
 
Blut, Splatter und Gewalt haben Sendepause. Der Film hat keinerlei selbstzweckhafte Gemeinheiten zu bieten. Es gibt eine Leiche in einem Minibus zu sehen. Das war es dann aber auch schon. Das ist aber nicht weiter schlimm, handelt es sich bei AVA’S POSSESSIONS in erster Linie um eine Horrorkomödie, die von einer absurden Geschichte und schrägen Charakteren lebt. Eine FSK16 ist aufgrund einiger schauriger Verwandlungsmomente realistisch.
 
 
 


 
 
 

AVA’S POSSESSIONS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Ravenous Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)

Demonic (2015)

Gallows Hill (2013)

The Atticus Institute (2015)

Der Exorzist (1973)

Teenage Exorcist (1991)


Filmkritik: „Southbound“ (2015)

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SOUTHBOUND – HIGHWAY TO HELL

Story

 
 
 

Auf dem Highway ist die Hölle los. Das bekommt auch eine Gruppe Durchreisender am eigenen Leib zu spüren, als sie auf einem Highway-Abschnitt durch die Mojave-Wüste schreckliche Dinge erleben.

 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Kritik

 
 
 
Man nehme makabre Kurzgeschichten, lasse sie von bekannten Genre-Regisseuren verfilmen und knüpfe sie mit einer plausiblen Rahmenhandlung zusammen, auf dass alles Hand und Fuß bekommt. Fertig ist gruseliger Anthologien-Spaß, wie er seit ein paar Jahren wieder schwer im Kommen ist. Einer der Gründe, warum sich Episoden-Horror aktuell wieder großer Beliebtheit erfreut, ist der überraschende Erfolg der V/H/S-Trilogie (Besprechungen zu Teil 2 und 3), die praktisch die Rückkehr gruseliger Kurzgeschichtensammlungen eingeläutet hat, um einer neuen Generation von Horrorfans beweisen zu können, dass auch knapp erzähltes Grauen ein flaues Gefühl in der Magengegend bescheren kann. Umso erfreulicher, dass sich die Macher genannter Anthologien-Serie ein weiteres Mal zusammengetan haben. Offensichtlich hatte man noch so manche Idee im Kopf, die man dem Zuschauer nicht vorenthalten wollte. So reihte man für SOUTHBOUND erneut deftig gewürzte Horror-Episoden aneinander, welche aber diesmal ohne das Found-Footage-Stilmittel auskommen mussten – Gott sein Dank!
 
 
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Mit dabei sind DAVID BRUCKNER und die vier kreativen Köpfe von RADIO SILENCE. Die hatten bereits jeweils ein Segment in V/H/S verfilmt und wollen noch einmal mit gleicher Rezeptur ähnliche Erfolge feiern. Neu auf dem Regiestuhl ist ROXANNE BENJAMIN. Die trat zuvor als Produzentin der Trilogie in Erscheinung und feiert mit einem selbst inszenierten Segment in SOUTHBOUND ihr Regiedebüt. Löblicherweise hat man sich bei dem neuen Horrorprojekt für herkömmlichen Filmlook entschieden und die wackelige Handkamera-Optik weggelassen. Deren exzessiver Einsatz hatte vielen V/H/S-Fans auf den Magen geschlagen, weil konfuse Kameraführung für Kopfschmerzen und Schwindel sorgten. Die wurde aus dem Film verbannt, was aber nicht heißen soll, dass SOUTHBOUND nun weniger Unruhe verursacht. Ganz im Gegenteil. Auch wenn vom Schüttelstil Abstand gehalten wurde, setzt auch das neue Werk der V/H/S-Macher einen gesunden Magen voraus. Das hat auch einen Grund, denn im Film geht es zur Freude der Gorehounds keineswegs zimperlich zu – Halleluja.
 
 
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SOUTHBOUND erzählt von der unheilvolle Reise diverser Reisender, die auf einen Highway-Abschnitt in der Mojave-Wüste mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert werden. So müssen zwei blutverschmierte Männer gegen fliegende Skelette kämpfen, die den Flüchtenden ans Leder wollen. Als wäre das nicht bereits sonderbar genug, verirrt sich eine Mädchenband nach einer Autopanne in das Haus ominöser Herrschaften, die – trotz spießiger Attitüde – nichts Gutes im Schilde führen. Weiter geht es mit einem tragischen Autounfall, dessen Verursacher von Mitarbeitern der Notrufzentrale am Telefon aufgefordert wird, das Leben des Unfallopfers durch eine wichtige Operation zu retten. In der Halbzeit legt sich ein bewaffneter Mann mit einer Gruppe Einheimischer an, der in einem staubigen Wüstenkaff nach der eigenen Schwester sucht. Den krönenden Abschluss bildet Home-Invasion-Horror der etwas anderen Sorte. Hier überfallen maskierte Einbrecher eine nichtsahnende Familie ohne zu wissen, dass sie mit der schrecklichen Tat das Tor zu Hölle öffnen.
 
 
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SOUTHBOUND ist ein makabrer Mix aus THE TWILIGHT ZONE und OUTER LIMITS, der genau das besitzt, was man von einem Horrorfilm neueren Datums erwartet. So gibt es neben schwarzem Humor und abgefahrenen Ideen selbstverständlich auch jede Menge Blut, handgemachte Effekte und viel unappetitliches Zeug zu sehen, das genau den Nerv des Horrorfilmfans treffen dürfte. Abwechslungsreichtum wird in diesem Episodenfilm groß geschrieben. Die Macher vermischen unterschiedliche Subgenres und vereinen Mystery-Schauer, Okkult-Horror, Home-Invasion-Thriller und Elemente des Road Movies zu schwer unterhaltsamer Horror-Unterhaltung, die kaum Längen hat. Die Segmente sind kurz und knackig, konzentrieren sich aufs Wesentliche und beeindrucken mit teils überraschendem Ausgang. Hin und wieder bleibt einem sogar das Lachen im Halse stecken, weil Gezeigtes dann doch mehr verstört als zu fesseln. So sei an dieser Stelle die Episode THE ACCIDENT genannt, in der ein übel zugerichtetes Unfallopfer nach einer grausigen Operation von seinen Leiden befreit wird. Der Goregehalt dieses Segments ist hoch, der Blutzoll deftig. Ungeübte Zuschauer halten sich am besten die Augen zu.
 
 
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Trotz unterschiedlicher Inszenierungsstile und des Gebrauchs verschiedener Subgenres wirken die einzelnen Segmente aus einem Guss. Das rührt vor allem daher, weil die Geschichten nahtlos ineinander übergehen und miteinander verknüpft sind. Alle Hauptfiguren der jeweiligen Episoden verbindet ein Schicksal. So stehen Themen wie „Schuld“ und „Vergeltung“ im Mittelpunkt der Segmente, die dem Zuschauer kurzweiliges Grauen bescheren werden. Letztendlich ist SOUTHBOUND gerade wegen der außergewöhnlichen atmosphärischen Wüstenkulisse ein Highlight unter der mittlerweile stattlichen Anzahl mehr oder weniger gelungener Horror-Anthologien. Demzufolge sprechen wir auch eine Empfehlung aus. Wer es kurz, knackig und blutig will, sollte diesen vom Teufel heimgesuchten Highway einen Besuch abstatten. Absolut sehenswert!
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Rabenschwarz, abwechslungsreich und ganz schön blutig. Mit makabrem Horror kriegt man den Zuschauer. Nach V/H/S nun SOUTHBOUND, der vom gleichen Team gemacht wurde und dann doch irgendwie in der Summe mehr überzeugt, als die stark verwackelten Videokassetten-Anthologien. Der Grund liegt in der anderen Machart und den kruden Spezialeffekten, die da ziemlich unverfroren auf der Mattscheibe zelebriert werden. Die Episoden sind abwechslungsreich, rasant und packend inszeniert. Zudem laufen die Segmente nahtlos ineinander und machen erst am Ende Sinn, wenn man dem Zuschauer die Auflösung präsentiert. Wer eine Vorliebe für fiese Scherze hat, ist mit SOUTHBOUND gut beraten. Wie in den vielen Folgen der beliebten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe mündet jede Story in einem fiesen Finale. Umso trauriger, dass der spannende wie zynische SOUTHBOUND bereits nach 90 Minuten zu Ende ist. Aber kein Grund zur Panik. Man darf davon ausgehen, dass eine teuflische Fortsetzung folgen wird. Mit noch mehr Blut und Innereien könnte es DIE Kurzgeschichtensammlung werden, an der sich alle künftigen Filme dieser Art messen lassen müssen.
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Zensur

 
 
 
Kein Film für Zartbesaitete. Gerade in der dritten Episode wird es sehr unangenehm. Dort wird ein Körper aufgeschnitten und daran eine makabre Operation vorgenommen. Weiterhin gibt es aufgeschlitzte Münder, zerfetzte Köpfe, abgeschossene Hände und diverse Stichwunden zu sehen. Hierzulande hat der Film ungeschnitten eine Erwachsenenfreigabe erhalten: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

SOUTHBOUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Southbound; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 13.10.2016 (BD KeepCase | Mediabook)

 

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SOUTHBOUND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S 2 (2013)
 
V/H/S 3 – Viral (2014)
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Still 2 (2014)
 
Tom Holland’s Twisted Tales (2013)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
The Penny Dreadful Picture Show (2013)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Phobia 2 (2009)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)


Filmkritik: „It Follows“ (2014)

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IT FOLLOWS

Story

 
 
 
Es sind die 80er, es ist Detroit und die junge, attraktive Jay (Maika Monroe) ist verliebt. Während einer Verabredung mit der rebellischen Flamme ist es schließlich soweit: der taffe Teenager verliert seine Jungfräulichkeit. Was jedoch danach folgt ist nicht sonderlich romantisch. Der Liebhaber betäubt die Filmheldin und verschleppt sie in eine heruntergekommene Lagerhalle. Dort fesselt er sein Opfer an einen Stuhl und sagt ihm ein schreckliches Schicksal voraus. Das Mädchen wurde durch das Schäferstündchen mit einem mysteriösen Fluch belegt. Fortan muss Jay mit offenen Augen durchs Leben gehen, um nicht vom Bösen in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden.

 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Kritik

 
 
 
Seit seiner Premiere auf dem Filmfestival in Cannes ist der amerikanische Horrorfilm IT FOLLOWS gut herum- und angekommen. Unter anderem lief er auf dem Fantasy Filmfests 2014 und wurde dort von Horrorfans und Kritikern mit großartigen Kritiken bedacht. Zu Recht, denn der Film von David Robert Mitchell verpasst dem ermüdeten Horrorgenre einen überfälligen Schuss Adrenalin und Originalität. Die Gefahr im Film ist eine, die man so bislang nicht gesehen hat. Wie der Titel verrät, wird Filmheldin Jay fortan verfolgt. Nicht von einem geisteskranken Axtmörder, einem Rudel wilder Hunde oder einem besessenen Ex-Freund. Stattdessen ist die Bedrohung, die nur von Jay selbst wahrgenommen werden kann, allgegenwärtig, unermüdlich und nicht mit herkömmlichen Waffen zu bekämpfen. Dies nutzt Mitchell, um IT FOLLOWS mit einer fesselnden Grundspannung auszustatten, die sich durch den gesamten Film zieht.
 
 
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Eine derartige Grundspannung, die kontinuierlich aufrecht gehalten und gesteigert wird, ist alles, was ein Horrorfilm benötigt, um das Publikum im Kinosessel halten zu können. Es braucht keine brutalen Exzesse oder gewalttätige Tötungsszenen, um ihn funktionieren zu lassen. Unterstrichen wird die angespannte Stimmung des Films von blassen Bildern und einem ungeheuerlichen Synthie-Soundtrack (JOHN CARPENTER lässt grüßen), der an viele Horrorstreifen aus den 1980en erinnert. Der fügt sich perfekt in das Setting eines außergewöhnlichen Gruseltrips ein, den man als aufgeschlossener Filmfan unbedingt gesehen haben sollte.
 
 
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IT FOLLOWS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
IT FOLLOWS ist eine Perle in einem Genre, das sich mehr und mehr durchs Zeigen von Blut und Gewalt identifiziert. Der Film bringt klassische Spannung ins Gruselkino zurück, die man schon Jahre nicht mehr in dieser Form auf der großen Leinwand erlebt hat. Zusammen mit seiner stilsicheren Umsetzung ist mit IT FOLLOWS einer der erfrischendsten Horrorfilme der letzten Jahre entstanden, der vor allem jenen Zuschauern zusagen dürfte, die von Schauerware einen gewissen Anspruch erwarten. Kultkandidat!
 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Zensur

 
 
 
In Deutschland wurde „It Follows“ ungeschnitten ab 12 Jahren freigegeben. Das weitgehende Fehlen von brutalen Szenen ist dieser Freigabe angemessen. Aufgrund der Bonusmaterialien wurde die Heimkinoveröffentlichung jedoch mit einer FSK16 versehen.
 
 
 


 
 
 

IT FOLLOWS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: It Follows; USA 2014

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: Film: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Heimkinoveröffentlichung wegen Bonusmaterial: FSK16

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Filmkritiker Scott Weinberg, Interview mit Soundtrack-Komponist Disasterpeace, Trailer

Release-Termin: 21.11.2015

 

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IT FOLLOWS – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei WELTKINO

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Babadook (2014)
 
The Entity (1982)
 
Schocker (1989)
 
Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung (1993)
 


Filmkritik: „The Pack“ (2015)

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THE PACK

Story

 
 
 
Auch tierliebende Menschen sind nicht vor den Launen der Natur sicher. Im Horrorfilm THE PACK geht es einer verschuldeten Familie an den Kragen, die auf ihrer Farm von einem Rudel wilder Hunde attackiert wird. Man versucht zu entkommen, doch leider wird jeder Fluchtversuch von den tollwütigen Bestien unterbunden. Was folgt ist ein unerbittlicher Kampf zwischen Mensch und Tier, der am Ende nur einen Sieger kennt.
 
 
 


 
 
 

THE PACK – Kritik

 
 
 
Das Böse auf vier Pfoten – Home Invasion mal anders. Diesmal sind es keine Psychopathen, Serienkiller oder maskiere Teenager, die einer ahnungslosen Familie nichts Gutes wollen. In diesem Horror-Thriller warten wilde Hunde vor der Haustür verängstigter Bürger, die aus unerklärlichen Gründen nur eines im Sinn haben: knurren, töten und fressen. THE PACK ist Tier-Horror für (fast) die ganze Familie, der im Frühjahr 2015 auf dem Filmfestival in Cannes zum ersten Mal gezeigt wurde und hierzulande im Zuge des FANTASY FILMFESTES seine Deutschlandpremiere feierte. Leider ist der Terrorstreifen dort beim Publikum nicht sonderlich gut angekommen, was hauptsächlich am schläfrigen Inszenierungsstil von Regisseur NICK ROBERTSON gelegen hat, der in seinem Regiedebüt Spannung mit Tiefschlaf verwechselt. Keine guten Vorraussetzungen für einen Genrefilm, der eigentlich in erster Linie Angst einjagen und nicht zum Einschlafen verleiten soll. Umso mehr verärgert die Titelgebung. Die verwirrt nämlich den Zuschauer unnötig, weil sie suggeriert, dass es der Horrorfan hier mit einer unnötigen Neuauflage zu tun bekommt. Dem ist natürlich nicht der Fall. THE PACK hat nichts mit dem gleichnamigen Tier-Horror aus dem Jahre 1977 gemeint, der hierzulande als DIE MEUTE vermarktet wurde und mit ähnlicher Handlung Nervenkitzel bescheren konnte.
 
 
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Von Nervenkitzel ist im vorliegenden Horrorfilm keine Spur. Stattdessen wird die dünne Geschichte um selten nachvollziehbare Handlungenverläufe bereichert, die daran zweifeln lassen, dass die Macher das auch ernst meinen, was sie da auf Film gebannt haben. Warum in Gottes Namen verlässt man das Haus, wenn man weiß, dass draußen aggressive Killerhunde lauern? THE PACK ist ein Film der Fragen aufwirft. Nicht nur aggressive Köter haben aus unerklärlichen Gründen ihren Gehör- und Geruchssinn verloren. Auch mit den Protagonisten des Films scheint etwas nicht zu stimmen, handeln die zu keiner Zeit nachvollziehbar oder taktisch klug. So versucht man sich selbst in Gefahr zu bringen, um anschließend irgendwie gebissen oder attackiert zu werden. Nein, THE PACK ist kein sinnbefreiter Trash mit schlechten Effekten. Was da an Logikfehlern über die Mattscheibe flimmert, entspring tatsächlich dem Geist eines ambitionierten Drehbuchautors, der entweder noch nie einen Horrorfilm gesehen hat oder bewusst versucht Fans dieses Subgenres zu verärgern. Geglückt ist ihm Letzteres alle Mal, denn auch wenn Regisseur NICK ROBERTSON viele Ungereimtheiten mit immerhin atmosphärischer Optik und hektischen Schnitten zu überspielen versucht, gehört THE PACK zweifelsohne zu einem der dümmsten Tierhorrorfilme, die das Kinojahr 2015 hervorgebracht hat.
 
 
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Ein Grund mehr an dieser Stelle auf einen ähnlich gestrickten Horror-Thriller zu verweisen, der bereits 2010 unter der Regie des Amerikaners CARLOS BROOKS entstanden ist. In BURNING BRIGHT – TÖDLICHE GEFAHR lässt man einen Tiger auf einen Teenager und dessen autistischen Bruder los, die sich im Haus des Stiefvaters gegen die Attacken der hungrigen Kreatur zur Wehr setzen müssen. Entstanden ist ein packendes und zugleich schweißtreibendes Katz-und-Maus-Spiel, das beispielhaft zeigt, wie wichtig konsequenter Spannungsaufbau für einen Horrorfilm ist. Nach dem sucht man in THE PACK leider vergebens. Stattdessen tragen sich die teils behäbig in Szene gesetzten Ereignisse haargenau so ab, wie in bereits all den Tier-Schockern, die seit den 70ern Kinos und Wohnzimmer unsicher machen. Umso bedauerlicher, dass Regisseur NICK ROBERTSON und Drehbuchautor EVAN RANDALL GREEN viel Aufwand in die Charakterisierung ihrer Figuren (darunter ANNA LISE PHILLIPS aus HEADHUNT) investiert haben, denen in THE PACK eine angemessene Tiefe zuteil wird. Vergeudete Arbeit, hat doch dieser Horror-Schnarcher – mal abgesehen von dummen Ideen – nichts, was positiv im Gedächtnis haften bleibt. Enttäuschend!
 
 
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THE PACK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein Home-Invasion-Thriller der vierbeinigen Art, dem es vor allem an einem mangelt: Originalität und Logik. Wer auch beim Horrorfilm den Grips nicht ausstellen kann, der sollte THE PACK meiden. Hier verhalten sich nicht nur Killerhunde komisch; auch die Protagonisten stellen sich selten dämlich an. Während man anfänglich noch um eine angemessene Tiefe aller Figuren bemüht ist und die Spannung konstant zu steigern versucht, fällt das zuvor akribisch erdachte Handlungsgerüst wie ein Kartenhaus in sich zusammen, sobald die bösen Hunde vor der Haustür knurren. Die besitzen plötzlich weder Geruchs- noch Gehörsinn und springen wie Superdog durch Autoscheiben, um Menschen zu reißen. Aber auch die Opfer sind von Sinnen. So bleibt man nicht hinter schützenden Mauern und bemüht sich um Hilfe, sondern läuft nach draußen geradewegs ins Visier der Hunde. Kopfschütteln ist in THE PACK Programm, bekommt es der Zuschauer hier mit einem behäbig inszenierten Tier-Grusler zu tun, der kaum Überraschungen zu bieten hat und mit unglaubhaften Handlungsverläufen zugemüllt wurde. Wer glaubt hier geht es blutig zu irrt. Schauwerte sind Mangelware. Die reduzieren sich auf Nahaufnahmen von Hundemäulern und blutverschmierte Gesichter wehrloser Opfer, die im Todeskampf um Hilfe winseln. Letztendlich gehört THE PACK trotz stimmiger Optik zu den enttäuschendsten Tierhorrorfilmen, die man in Filmjahr 2015 zu sehen bekommen hat. Viel Potenzial war vorhanden, welches nicht ansatzweise ausgeschöpft wurde. Umso mehr sollte man noch einmal ähnliche gestrickte Filme Revue passieren lassen, die böse Hunde bedeutend besser und gruseliger in Szenen gesetzt haben: THE BREED, CUJO oder DIE MEUTE.
 
 


 
 
 

THE PACK – Zensur

 
 
 
Jene Szenen in denen Menschen vor der Kamera von Hunden zerfetzt werden sind so hektisch und konfus geschnitten, dass man kaum etwas erkennen kann. So bekommt man teils nur knurrende Hundemäuler und blutverschmierte Gesichter von Opfern zu sehen, die um ihr Leben winseln. Ein geschickter Schachzug, um den teuren Einsatz von Spezialeffekten umgehen zu können. Weil die Morde von Tieren ausgeht, dürfte THE PACK von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Prüfbehörde bei Tier-Horrorfilmen immer sehr gnädig Freigaben verteilt hat.
 
 


 
 
 

THE PACK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cujo (1983)
 
Wolf Town (2010)
 
The Breed (2006)
 
Die Meute (1977)
 
Der Tod kommt auf vier Pfoten (1993)
 
Rottweiler (2004)
 
Killerhunde (1976)
 
Man’s Best Friend (1993)