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Filmkritik: „Die Klapperschlange“ (1981)

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DIE KLAPPERSCHLANGE

(ESCAPE FROM NEW YORK)

Story

 
 
 
In der nahen Zukunft hat die amerikanische Regierung vor den Aufständen der ewig Ausgebeuteten und der Kriminellen kapituliert. New York City bekommt rigoros eine schwerst bewachte Mauer um seine Grenzen gezogen. Die Inseln der Metropole am Hudson River sind zum amerikanischen Verbannungsgefängnis geworden. Wer hier landet, ist aus den Augen und aus dem Sinn der noch halbwegs funktionierenden Gesellschafts-Mitglieder verschwunden. Als der Präsident der USA über der Knast-Großstadt abstürzt, wird der raue Ex-Elitesoldat und Outlaw Snake Plissken hinter die hohen Mauern geschickt. Der desillusionierte Söldner soll retten, was noch zu retten ist. Für das Vaterland.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Kritik

 
 
 
John Carpenters DIE KLAPPERSCHLANGE ist neben dem australischen Genre-Meilenstein MAD MAX exakt der Film, nach dessen Look und Feeling sich Anfang der Achtziger ein ganzes Sub-Genre aufgestellt hat. Kaum ein Beispiel für Endzeit-Science-Fiction – darum geht es hier natürlich – in dem man nicht mühelos Merkmale von Max Rockatansky oder Snake Plissken entdeckten könnte. Da ist sogar egal, ob wir uns über großzügiger budgetiertes Kino oder gnadenlose billig gedrehte Kiesgruben-Actionreißer aus Italien oder von den Philippinen unterhalten.
 
 
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Hauptdarsteller Kurt Russell war dereinst großer Kinderstar bei Disney und Legenden zufolge der letzte Erdenmensch, mit dem Onkel Walt noch reden wollte, als es finster in seinem Oberstübchen wurde. DIE KLAPPERSCHLANGE heißt auf deutsch deswegen so, weil Russells Charakter Snake Plissken eine Kobra tätowiert hat (fragen Sie nicht…). Nachdem man sich kurz davor, 1980 genauer gesagt, beim Fernseh-Biopic ELVIS kennengelernt hatte, war der Film hier der tatsächliche Beginn einer Zusammenarbeit von Regisseur und Hauptdarsteller, die Russell fast zu einer Art Alter Ego des Mannes auf dem Chefsessel am Set machen würde. In fast jedem großen Filmhit des Kaliforniers würde King Kurt in den nächsten Jahren die leading role übernehmen. DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) zum Beispiel. Auch ansonsten scheint der Schauspieler ein bodenständiger und recht cooler Typ zu sein, wie sich immer wieder lesen lässt.
 
 
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Es gehört zum guten Ton, zu erwähnen, dass der gute John Carpenter seit Anbeginn seiner Karriere davon träumt, Western zu drehen. Nur der Zeitgeist hält den Synthesizer-Fan mit eigener Band immer wieder davon ab, gänzlich unverdünnt ins Reich der Pferdeopern abzuwandern. Also nimmt er sich Filme anderer Stilarten vor und legt seinen ganz eigenen Western-Filter drüber. Plissken ist der einsame Wolf des Westens, ein Gesetzloser unter Gesetzlosen, den jedoch ein ureigener Ehrenkodex samuraihafter Strenge davon abhält, auf die am Ende doch moralisch falsche Seite zu wechseln. Den müden Cowboy hat die schöne neue Welt einst sogar ein Auge gekostet – was er ihr auch übel nimmt. Die Restbesetzung des Films lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Einige in Ehren ergraute Recken aus der Welt des kernigen Männerfilms (eingetragenes Warenzeichen) vergangener Jahrzehnte schauen lässig vorbei. Unter anderem jagt Ernest Borgnine sein Taxi durch die Nacht, Soul-Sexprotz Isaac Hayes hat einen denkwürdigen Auftritt als Ghettokönig Duke und der arg undurchsichtige Regierungsagent Lee van Cleef ist die eigentliche Schlange im Schachern um das Schicksal von Präsident Donald Pleasence. Da ist es um so behämmerter, heute von einem B-Movie zu reden, wie man es in unseren simplizistischen Breitengraden seit eh und je mit viel zu vielen Genrefilmen macht. Zu seiner Entstehungszeit ist ESCAPE FROM NEW YORK, so der Originaltitel, ein legitimer und Respektiver Erfolgsfilm – A-Klasse. Basta. Wenn man sich übrigens heutzutage John Carpenters erstaunlich spät nachgerücktes Sequel FLUCHT AUS L.A. ansieht, für das es 1996 in den Medien ausnahmslos nur auf die Löffel gab, ist das gar nicht mehr so hundert Prozent totalausfällig. An das Original kommt die Fortsetzung natürlich nicht ran. Wäre aber auch ungewöhnlich.
 
 
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DIE KLAPPERSCHLANGE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Was hier vorliegt ist selbstverständlich ein absoluter Action, Sci-Fi- und Endzeit-Klassiker aus der stärksten Schaffensphase eines Regisseurs, dem man das Präfix „Kult“ nicht umsonst schon vor dreißig Jahren angeheftet hat. Kurt Russells Snake Plissken ist der mit Abstand coolste Anarchist, der überhaupt den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt hat. DIE KLAPPERSCHLANGE sollte in jedem Regal stehen, dessen Einräumer etwas auf sich und seinem Filmgeschmack hält.. Eine Lehrstunde für männliches Filmemachen, eine Blaupause des Endzeit-Kinos und ein Film, der immer geht.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Zensur

 
 
 
Wie auch schon im Kino, auf Laserdisc und DVD ist nun auch die erhältliche Blu-ray bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Wer demzufolge ausschliesslich ungeschnittene Filmklassiker ins Regal stellen möchte, kann bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Escape from New York; USA 1981

Genre: Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: Audiokommentar mit Produzentin Debra Hill und Ausstatter Joe Alves (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Darsteller Kurt Russell (Deutsche Untertitel), Audiokommentar mit Schauspielerin Adrienne Barbeau und Kameramann Dean Cundey, Audiokommentar mit Filmjournalist Kai-Oliver Derks und Alexander Büttner (2010), Die visuellen Effekte (ca. 14 Min.), Die Filmmusik (ca. 18 Min.), Interview mit Kurt Russell (ca. 7 Min.), Rückkehr zur „Klapperschlange“ (ca. 23 Min.), Die Original-Eröffnungsszene (ca. 11 Min.), Teaser und Trailer (ca. 5 Min.)

Release-Termin: 03.11.2016

 

Die Klapperschlange [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DIE KLAPPERSCHLANGE – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Flucht aus L.A. (1996)
 
Assault – Anschlag bei Nacht (1976)
 
Sie Leben (1988)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
 
Lockout (2012)


Filmkritik: „Sindbad und das Auge des Tigers“ (1977)

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SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS

(SINDBAD AND THE EYE OF THE TIGER)

Story

 
 
 
Seefahrer Sindbad will sein Leben als Stoff von Heldengesängen an den Nagel hängen, sesshaft werden und reist an den Hof eines benachbarten Reiches. Dort wartet seine Holde, die Prinzessin. Leider gibt´s dort auch eine böse Stiefmutter, die mit Hilfe finsterer Mächte die Angehörigen der Königsfamilie in Tiere verwandelt hat. Legenden berichten von einem Einsiedler, der die Hexerei umkehren kann. So machen sich Sindbad und seine Crew auf eine weitere große Reise, die sie in phantastische Inselreiche voller mythischer Kreaturen und kampflüsterner Monster führt. Sogar den verschollenen Kontinent Hyperborea besucht man auf der Suche nach der Rettung von Sindbads Zukunft als Ehemann und Throninhaber.
 
 
 


 
 
 

SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS – Kritik

 
 
 
Die Katze aus dem Sack, bitte: SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS ist ein Ray-Harryhausen-Film. Natürlich ist er das. Der 2013 verstorbene Gründervater des Stop-Motion-Effekts dürfte wohl der einzige Tricktechniker aus Hollywood oder anderorts sein, dessen Name zum Synonym der Filme geworden ist, in denen seine Arbeit zu sehen war. Die Namen der verschiedenen durchgereichten Regisseure sind da eher Nebensache. Jene der Hauptdarsteller ehrlich gesagt auch. Hat sich aber keiner dran gestört. Ganz im Gegenteil. Mancher zum Zerkrümeln langweilige Sonn- oder Feiertag konnte Kindern in aller Welt mit den phantasievollen Orient-Märchenfilmen und ihren über den Bildschirm zuckelnden Monstrositäten aus Tausendundeinernacht erträglicher gestaltet werden. Konsequenterweise fungierte der Effekt-Pionier hier auch als Co-Autor des Drehbuchs und sogar als Produzent. Somit war gesichert, wo bei SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS die Prioritäten zu liegen haben.
 
 
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Der Film ist – dankenswert – eine Revue der unendlich kreativen Stop-Motion-Effekte aus erklärter Großmeister-Werkstatt. Die Finanzmenschen der Columbia Studios hatten ihrem dritten Sindbad-Film 1977 großzügige sieben Millionen Dollar Budget genehmigt. Das ist für diese Zeiten mehr als ordentlich. Zudem es sich um einen an ein kindliches Publikum adressierten Film handelt. Mit dem Geld konnten Regisseurs-Handwerker Sam Wanamaker und seine Mannschaft wunderbar stimmige Drehorte im Nahen Osten und in der Mittelmeerregion ins Auge der Kamera rücken. Die antike Felsenstadt Petra, im heutigen Jordanien gelegen, findet sogar explizit Erwähnung in der Handlung. Die Besetzung, wie erwähnt, zweitrangig. John Philip Law hatte 1977 keine Lust, den tollkühnen Märchenhelden aus Bagdad nochmal zu geben. Also fiel die Titelrolle an den armen Patrick Wayne, zeitlebens geschlagen mit dem übermächtigen Schatten seines Vaters: Western-Volksheld und ewiges Idol amerikanischer Konservativer: John Wayne. Junior macht seine von vornherein mit Einschränkungen versehene Sache gut, genau wie die über-hübsche James-Bond-Gespielin Jane Seymour an seiner Seite oder auch Peter Mayhew, der seine zweizwanzig kurz darauf ins berühmte Fellkostüm des Chewbacca am Set von KRIEG DER STERNE wickeln sollte.
 
 
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SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Die Orient-Abenteuer aus dem Schoß der Columbia-Studios sind in etwa sowas wie die amerikanischen Gegenstücke zu den hierzulande so beliebten Märchenfilmen aus der Sowjetunion oder der Tschechoslowakei. Ray Harryhausens Spezialeffekte im Stop-Motion-Stil bilden das Zentrum der Sindbad-Filme und wissen auch heute noch mit ihrem (inzwischen leicht antiquierten) Charme zu begeistern. SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS besitzt die magische Fähigkeit, den Zuschauer zurück in die verregneten Fernsehnachmittage der Kindheit zu versetzen. Was will man von einem Film für kleine und große Kinder noch mehr?
 
 
 


 
 
 

SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS – Zensur

 
 
 
Auch die nun erhältliche Blu-ray zu SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS ist ungeschnitten und – wie bereits zur Kinoaufführung im Jahr 1977 – frei ab 6 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment | Explosive Media (KeepCase mit Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sinbad and the Eye of the Tiger; Großbritannien | USA 1977

Genre: Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 113 Min.

FSK: FSK6 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Erstauflage im Schuber

Extras: The Harryhausen Chronicles (ca. 58 Min.), This is Dynamation Featurette (ca. 3:30 Min.), Bildergalerie (HD, ca. 2 Min.), Original Kinotrailer (ca. 2 Min.)

Release-Termin: 01.12.2016

 

Sindbad und das Auge des Tigers [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT | EXPLOSIVE MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sindbads fünfte Reise (2014)
 
Sindbads gefährliche Abenteuer (1973)
 
Sindbads siebente Reise (1958)
 
Kampf der Titanen (1981)
 


Filmkritik: „Sie sind verdammt“ (1963)

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SIE SIND VERDAMMT

(THE DAMNED | THESE ARE THE DAMNED)

Story

 
 
 
Simon, ein amerikanischer Tourist, tatsächlich hat er nach einer Scheidung seine bürgerliche Existenz in den Staaten quasi aufgelöst, lässt sich in London nieder, wo er das attraktiv-freche Straßenmädchen Joan kennenlernt. Wie bestellt lockt ihn das Mädel in einen schlechteren Teil der Stadt. Hier lauert eine Bande grober Rockabilly-Rabauken, „Teddy Boys/Teds“, wie man in damals in England gesagt hat. Simon bekommt die Fresse voll und wird ausgeraubt. Chef der Bande ist der brutale King (der brutale Oliver Reed), passenderweise Bruder von Joan. Der in einem nicht näher bezeichneten Armeejob tätige Bernard und seine Freundin, die Abstrakt-Künstlerin Freya, kümmern sich um den blessierten Touristen. Um King zu provozieren, besucht Joan Simon auf seinem Mietboot und bricht mit ihm auf eine quasi-romantische Reise ins Ungewisse auf. Die Teds machen sich auf die Jagd, King als furcht einflößender Häuptling des Rocker-Stamms ist angegriffen. Hier beginnt der zweite und insgesamt wichtigere Handlungsstrang von „Sie sind verdammt“ seine Entfaltung. Sie legen an Land an und verstecken sich im Atelier Freyas, auf das sie zufällig stoßen. In der Nacht stürzen die beiden, weiterhin auf der Flucht vor King, von einer Klippe. Ihre Retter sind merkwürdige Kinder, die in einer weitläufigen futuristischen Militäreinrichtung leben und die beiden Verletzten mitnehmen. Bernards kameraüberwachte und streng geheime Militäranlage. Es stellt sich heraus, dass die Kinder, emotionslos, kühl und wenig lebendig, fast wie künstliche Menschen wirkend, eine ausgeklügelte, genetisch modifizierte Züchtung der Regierung sind. In ihnen liegt die Hoffnung, nach dem Dritten Weltkrieg den Homo sapiens am Leben zu erhalten. In der täglichen Kommunikation mit einem per Monitor zugeschalteten Wissenschaftler der Armee werden sie gedrillt auf „den Tag, an dem ihr alles verstehen werdet“.
 
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Kritik

 
 
 
Für filmische Reaktionen auf die Tagespolitik, die sogenannte Realität also, war Hammer Films nicht unbedingt bekannt. Ist schon was anderes als heimelig-schaurige Vampir-Filme. Dementsprechend obskur auch „Sie sind verdammt“. Für die Story über die irre Bedrohung des Kalten Krieges holte man sich dann auch den fast genrefremden Joseph Losey auf den Regiestuhl. Eine Konstellation, die man sich so nicht ausdenken könnte. Joseph Losey (1909-1984), ein in Europa und den USA gleich-heimischer Regisseur (in Wisconsin geboren) dreht einen finsteren Science-Fiction-Schocker für Hammer Films! Zugegebenermaßen hatte man schon bei harmloseren Weltraumfilmen der Studio-Frühzeit zusammengearbeitet. Joseph Losey war einer der wenigen Filmemacher seiner Generation, deren Status als Auteur und Favorit der Kritik noch zu Lebzeiten anerkannt war. Schon früh unterhielt sich Losey offen mit der Presse über seine Filmideen und Einflüsse aus der Kinogeschichte. 1977 war er sogar an einem in Deutschland erschienenen Büchlein über sein Werk beteiligt. Sein bekanntester Film ist die äußerst giftige Charakterstudie „Der Diener“ (1963), in dem der immer traurig dreinschauende Schauspieler Dirk Bogarde als Butler die traditionell festgelegten Beziehungen zwischen Personal und Geldadel pervertiert. Sehr gut, genau wie sein 1951 veröffentlichtes Remake von Fritz Langs Weimarer Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. In „Sie sind verdammt“ verwebt Losey die Science-Fiction der viele Jahrzehnte reale Angst vorm alles zerkrümelnden Atomschlag gekonnt mit den rüden, irgendwo aber noch im britischen Realismus fußenden Jugendbanden-Aggressionen der ersten Filmhälfte. Erinnert ein wenig an Lindsay Andersons bekannteren „If…“ (1968) und dessen überbordende Gewaltfantasien unter Internatsschülern in England. Kings fiese Teddys spiegeln anschaulich auf der kleinsten Ebene wider, aufgrund welcher negativer Charaktereigenschaften die Menschheit überhaupt darüber nachdenken muss, sich um ein Leben nach der Bombe zu kümmern. D.H. Lawrence´ in Deutschland recht unbekannter Endzeit-Roman „The Children Of Light“ galt als dem Film Vorlage. Sein bedrückender Ton, etwa, wenn die Kinder ihre Betreuer in den Strahlenschutzanzügen als „Schwarzen Tod“ bezeichnen, macht auch „Sie sind verdammt“ aus.
 
 
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SIE SIND VERDAMMT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Nicht nur, weil der Film zur magischen Kategorie „nach dem Titel hat sich eine Punkband benannt“ gehört, ist „Sie sind verdammt“ ein wunderbares Scheibchen Plastik. Obwohl „The Damned“ schon was Größeres waren. Ein ungewöhnlicher und entdeckenswerter Film, bei dem man nicht darauf käme, es mit einer Produktion aus dem Hause Hammer zu tun zu haben. Ein faszinierender Mix aus britischer Tristesse und Science-Fiction, die zwischen verrückt und nachvollziehbar oszilliert.
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung auf DVD ist genauso ungeschnitten, wie die bisher im TV ausgestrahlten Fassungen des Films. Auf dem Cover der DVD-Erstveröffentlichung ist ein blauer FSK-Flatschen ausgedruckt. Der ist auch berechtigt, denn nach deftigen Gewaltmomenten sucht man vergebens – es handelt sich schließlich um einen Film von 1963.
 
 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Explosive Media | Sony (DVD KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Damned | These are the Damned; USA 1963

Genre: Horror, Science Fiction

Ton:Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 2.2.35:1 anamorph 16:9, PAL

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Bildergalerie seltener Artworks, Original Kinotrailer, Trailershow

Release-Termin: 28.08.2015

 

Sie sind verdammt (DVD Erstveröfentlichung) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SIE SIND VERDAMMT – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei EXPLOSIVE MEDIA | SONY)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Dorf der Verdammten (1960)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 


Filmkritik: „Zeit der Dunkelheit“ (1988)

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ZEIT DER DUNKELHEIT

Story

 
 
 
Frankreich, Anfang des finsteren zwölften Jahrhunderts. Klosterschülerin Heloise (Kim Thompson) treibt ihre verschleierten Aufpasserinnen mit ausführlichen Fragen zu Gott und der Welt fast in den Irrsinn und wird in die Obhut ihres kirchlich strengen Onkels Fulbert (Denholm Elliot aus INDIANA JONES) abgeschoben. Dort, in der Landeshauptstadt, gerät sie an den den eher fortschrittlich gesonnenen Religionsphilosophen Peter Abelard (Derek de Lint), der im Hause des Onkels einen kleinen Strafarrest abbrummt. Es kommt wie es kommen muss und das junge Ding verliebt sich in den gebildeten und silberzüngigen Teufel. Nach einigem Nacktsport kommt ihnen der Onkel auf die Schliche und ist ganz und gar nicht erfreut. Er lässt Abelard jagen und ihn von seinen Unterlingen kastrieren.
 
 
 


 
 
 

ZEIT DER DUNKELHEIT – Kritik

 
 
 
Aaah, heilige Mutter Kirche! Verlässlicher Lieferant extremster durchorganisierter Unmenschlichkeiten im Namen eines Mannes, den man der Überlieferung zufolge vor zweitausend Jahren an wüstenverdörrtes Holz genagelt hat, weil er den Ratschlag parat hatte, doch mal nicht mehr so scheiße zueinander zu sein. Die Geschichte von Abelard und Heloise – und das ist das Ekelhafte – ist belegt. Gehört also auch auf die endlose Kuhhaut blutiger Sauereien seitens der Katholischen Kirche, für die, um auf einen Gleichstand zu kommen, der aktuell so rotierende Islam zum Beispiel noch einige vollbesetzte Bürotürme knacken müsste. Clive Donner, englischer Regie-Routinier, irgendwann zum verlässlichen Ansprechpartner für die Verfilmung historischer Vorlagen geworden, nahm sich der fiesen Story an und fügte seiner Filmographie einen weiteren Eintrag stimmigen Ausstattungskinos zu. ZEIT DER DUNKELHEIT verdankt seine Existenz wohl dem unerwarteten Erfolg der Produktionen von Bio-Pics christlicher Schmerzensmänner in US-Reißern wie Scorseses DIE LETZTE VERSUCHUNG CHRISTI aus dem Vorjahr. Kino-Kirche ging gut, so kurz vor Ende des Kommunismus und so kam kurz darauf selbst der heilige Franziskus von Assisi zu einer Verkörperung durch ausgerechnet Mickey Rourke.
 
 
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Die Abelard-Adaption hier geht leider einen bedächtigen Weg, zeigt die Brutalitäten der Glaubenswächter und ihrer weltlichen „partners in crime“ nicht so drastisch wie der erwähnte Jesusfilm oder gar der von Mad Mel Gibson ein paar Jahrzehnte später. Da gibt es einen vielgesuchten und bekloppten deutschen Autorenfilm zum Thema. ABELARD – DIE ENTMANNUNG, der 1977 dem schmierigen Christian Kohlund wegen der süßen Susanne Uhlen die Eier abknipsen lässt, wäre das. Dieser Film spielt in der Gegenwart im Milieu Münchener fucking Tierärzte. Ja, Tierärzte. Er wirkt hier und da wie eine betont unseriöse Überspitzung der Heimatfilm-Momente aus HEXEN – ZU TODE GEQUÄLT, bietet aber trotzdem einen schönen Kontrast zum manches Mal einfach zu sauberen ZEIT DER DUNKELHEIT.
 
 
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ZEIT DER DUNKELHEIT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Solider Historienschinken mit tatsächlichem Hintergrund. Die mittelalterliche Splattergeschichte um die verlorenen Eier des Abelard und seiner Heloise wird vorsichtiger präsentiert als es Not täte. So ist ZEIT DER DUNKELHEIT zwar angemessen deprimierend, ist aber mitnichten der Horrorfilm, den ihn seine Verpackung vorzutäuschen sucht. Für historisch Interessierte eine sichere Wahl.
 
 
 


 
 
 

ZEIT DER DUNKELHEIT – Zensur

 
 
 
Der Film ist wie bereits die alte VHS ungeschnitten frei ab 16 Jahren. Das hat sich auch bei der erhältlichen DVD nicht geändert. Filmsammler können bedenkenlos zuschlagen.
 
 
 


 
 
 

ZEIT DER DUNKELHEIT – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany (Capitol Film Classics)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Stealing Heaven; Großbritannien | Jugoslawien 1988

Genre: Drama, Historie, Monumental

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 4:3

Laufzeit: ca. 111 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 28.08.2015

 

Zeit der Dunkelheit (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ZEIT DER DUNKELHEIT – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

Die Rechte für alle Grafiken liegen bei Edel Germany (Capitol Film Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Marquis de Sade: Justine (1969)
 
Hexen zu Tode gequält (1973)
 
Der Name der Rose (1986)
 


Filmkritik: „Alien Shock“ (1980)

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ALIEN SHOCK

(DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL)

Story

 
 
 
Die genreübliche Horde rolliger Teenager hat Lust auf einen wilden Abenteuerurlaub in den amerikanischen Hinterwäldern. Dort hört dich niemand stöhnen. Man begegnet eingangs natürlich dem ortsansässigen Tankstellen-Alkoholiker, der die Kids warnt, doch lieber mit dem Arsch daheim zu bleiben. Hören natürlich nicht auf den alten Spritter und werden zur Strafe von fliegenden Vampir-Rochen aus dem Weltall attackiert. Planlos wie geköpfte Hühner machen sich die jungen Sexurlauber zusammen mit einem ausgemusterten Armee-Haudegen reiferen Alters und einer ebenfalls im Niemandsland umherstreichenden Pfadfindergruppe auf die Flucht vor den brutalen Extraterrestrischen. Die Flugbiester sind nämlich nur der kleinste Teil der Bedrohung vom anderen Stern.

 
 
 


 
 
 

ALIEN SHOCK – Kritik

 
 
 
Regisseur Greydon Clark kommt aus dem Umfeld des großen amerikanischen Käsefilmers Al Adamson. Wie sein ehemaliger Vorgesetzter auch, arbeitete der Mann aus Michigan in jedem Untergenre, das die Welt des Schmuddelfilms in ihrer Hochzeit zu bieten hatte. Vor untd hinter der Kamera. Schmierige Rockerfilme wie DIE SADISTEN SATANS, verquer feministischer Agentinnenquatsch wie ANGELS HÖLLENKOMMANDO oder Blaxploitation-Irrsinn wie BLACK SHAMPOO sind nur drei Titel aus der schwer unterhaltsamen Filmographie Clarks. Sein ALIEN SHOCK ist ein mit beschränkten Mitteln (nicht nur finanziell) gedrehter Vorläufer des ungleich bekannteren Schwarzenegger-Vehikels PREDATOR von 1987. Da wie hier steckt im Kautschuk-Anzug der zwei Meter zwanzig Riese Kevin Peter Hall. Das Kostüm für den Film hier hat in etwa soviel gekostet wie zwei Reißverschlüsse beim Predator.
 
 
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Die eigentliche Besetzung ist natürlich auch heiß. Der Zuschauer bekommt hier ein Paradebeispiel für die Resteverwertung einstmals großer Schauspieler in Schrottfilmen präsentiert, wie sie typisch für die Welt der Exploitation war und ist. Nein, damit ist nicht Fernsehkommissar David Caruso gemeint, der bei ALIEN SHOCK einen der dauergeilen Campingteenager spielt und heute gefühlt jeden Abend auf RTL Sonnebrillen verspeist. Jack Palance und Martin Landau sind die Stars des Films, geben die von der Armee ausgespuckten älteren Knochen mit deftig Verfolgungswahn und Kenntnissen über die Alien-Attacken. Kantenfratze Palance hat ja sein Leben lang kaum Rollen verschmäht. Geld stinkt ja nun nicht. Martin Landaus Karriere war Ende der Siebziger dafür ganz gewaltig in der Grütze. Tatsächlich schlitterte der Charakterdarsteller erst mit seiner oscarprämierten Darstellung Bela Lugosis in Tim Burtons Filmbiographie ED WOOD, Mitte der Neunziger, wieder heraus aus dem Schlick teuflischer Video-Grindhouse-Unterhaltung. Nach der hochverdienten Oscar-Rolle unternahm der Schauspieler dann wieder einen Kopfsprung in die Tiefen eher unguter Kinoware. Tragisch.
 
 
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ALIEN SHOCK presst die Schablone beliebter Slasherfilme, also das unkaputtbare Prinzip der Zehn kleinen Negerlein, auf einen Science-Fiction-Monsterheuler, wie er so oder so ähnlich schon in den Fünfzigern gedreht worden wäre. Somit ist auch an der Splatterfront nicht viel zu holen. Das bösartig miese Außerirdischenkostüm und die fliegenden Ungetüme reichen jedoch schon wieder aus, den Film auf die Liste der Guten zu kritzeln. Nicht umsonst ist der ALIEN SHOCK bereits in unzähligen Fassungen verschiedener Zensurstufen veröffentlicht worden. Das BluRay-Upgrade ist allerdings neu.
 
 
 


 
 
 

ALIEN SHOCK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Greydon Clarks ALIEN SHOCK ist eine angenehm trashige Mischung aus Slasherfilm und Alienjäger-Spaß á la PREDATOR. Ein kleiner Exploitation-Klassiker made in USA, der schon immer zahlreiche Fans sein eigen nennen darf. Nachvollziehbar.
 
 
 


 
 
 

ALIEN SHOCK – Zensur

 
 
 
Der Film war in Deutschand nie indiziert und in der FSK 18-Version auch immer ungekürzt. Nur eine DVD aus dem Hause E-M-S wurde für eine Jugendfreigabe geschnitten. Die nun erhältliche Filmversion auf Blu-ray ist ebenso ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

ALIEN SHOCK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) New Vision Films / Edel Germany (Kaufhaus-Fassung im KeepCase)

 
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(c) CMV (Mediabook – limitiert auf 250 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Without Warning; USA 1980

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1.85:1

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook (auf 250 Stück limitiert)

Extras: Neue deutsche Synchronisation, Audiokommentar des Regisseurs Greydon Clark (englisch ohne Untertitel), Original Trailer (1:42 Min.) englisch, Bildergalerie (3:40 Min./ 36 Bilder), Trailershow

Release-Termin: KeepCase-Variante: 27.03.2015 | Mediabook-Variante: 24.04.2015

 

Alien Shock [Blu-ray] – KeepCase Version bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ALIEN SHOCK – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei NEW VISION FILMS / EDEL GERMANY

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)
 
Almost Human (2013)
 


Kritik: „Macabre – Die Küsse der Jane Baxter“ (1980)

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MACABRE

Story

 
 
 
New Orleans. Jane Baxter hat Probleme mit den Plänen des Schicksals. Beim Date mit dem Lover passiert dem alleingelassenen Nachwuchs daheim ein fürchterliches Unglück. Tod. Als würde das nicht reichen, erleidet die Ärmste sogleich einen Autounfall, der ihren Liebhaber mit Schmackes enthauptet. Nachvollziehbarerweise landet Jane in der Klapsmühle. Etwas erholter bezieht sie die ehemalige Bumswohnung, die mal ihr kopfloser Liebhaber inne hatte und lebt in der Nachbarschaft ihres blinden und merkbar verknallten Vermieters. Nach und nach kommt dieser auf den Plan, dass Jane sich Herrenbesuch kommen lässt oder gar unlautere Beziehungen zu ihrem Verflossenen unterhält. Aber der ist doch nicht bloß tot, sondern etwa 35 Zentimeter kürzer.. Oder etwa nicht?
 
 
 


 
 
 

MACABRE – Kritik

 
 
 
Lamberto Bava ist der Sohn des legendären italienischen Genre-Regisseurs Mario Bava. Das Gefühl dieses Filmemachers für Bildkomposition und Farbgebung ist bis in die heutige Zeit stilbildend, nicht nur für den Horror. Auch inhaltlich verdankt die Fanschaft dem alten Römer einiges, gehen auf seine Kappe doch die Blaupausen für das Giallo-Kino (THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH oder BLUTIGE SEIDE) Slasher (IM BLUTRAUSCH DES SATANS) glitzeriges Pop-Art-Comic-Kino, von dem Marvel unbewusst noch heute zehrt (GEFAHR: DIABOLIK!) und last but not least mit PLANET DER VAMPIRE ein Film, dessen ALIEN-haftigkeit anderthalb Jahrzehnte vor ALIEN Ridley Scott immer noch die Schamesröte ins bärtige Lehrergesicht treiben dürfte. Wieso diese kurze Einleitung zu den Meriten des älteren Bava? Natürlich um darauf hinzuweisen, wie schwer es sein Junior (der inzwischen auch schon stolze 70 Lenze zählt) sein Lebtag haben musste, nicht für jeden Pups, der ihm entfleuchte, mit seinem alten Herrn verglichen zu werden.
 
 
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MACABRO oder MACABRE, wie die DVD in Anlehnung an den britischen Titel jetzt auch hier heißt, war 1980 Bavas erste eigene Regiearbeit nach der Assistenz beim Vater und sollte so etwas wie ein Befreiungsschlag werden. Weg von den historischen und gotischen Zelluloid-Malereien des Familiennamens, mehr hin zum Ekelhorror als Schlag in die Magengrube. In Zeiten der Fulcis und Argentos in Italien auch nur zeitgemäß. Trotzdem lebt MACABRE noch von den Antäusch-Gruseleien der Genretradition und es wird eben nicht graphisch dem Leichengeknatter gefrönt, wie es unter der Regie eben erwähnter Kollegen und im Sinne des Schockwerts vielleicht passiert wäre. Nein, es geht Atmosphäre vor Gore-Sauereien; und das ist dem Film zu Gute zu halten. Ruhig gefilmte Sequenzen des pittoresken New Orleans mit seiner Melange aus Katholizismus und Südstaaten-Voodoo sind seit jeher treffliche Zutaten guter Schauerstücke. In einem solchen Setting fällt es dem Publikum leichter, sich auf die Seite derer zu setzen, die Jane für eine Nekrophile halten oder doch lieber einer Protagonistin beim Durchdrehen zuschauen. Dazu trägt den Film, der vielleicht ein bisschen unter dem Anfängerfehler leidet, dem Zuschauer ein paar Handlungsstreckminuten zuviel zuzumuten, Anklänge an Hitchcock (PSYCHO natürlich) aber auch die trashigen Thriller eines William Castle, in denen auch regelmäßig Damen die Hölle heiß gemacht wurde.
 
 
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MACABRE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
MACABRE – DIE KÜSSE DER JANE BAXTER ist kein unumstößlicher Meilenstein italienischen Horrorkinos aber ein Brückenschlag zwischen der Gotik-Atmosphärik der Bava-Tradition und modernen Schockern, wie sie die Achtziger noch zuhauf liefern sollten.
 
 
 


 
 
 

MACABRE – Zensur

 
 
 
Der ehemals indizierte Klassiker wurde bereits im Jahre 2007 von der BPjM wieder freigegeben. Zuvor war der Streifen knapp 25 Jahre auf der Liste für indizierte Medien zu finden. Mittlerweile kann der Film ungeschnitten im Handel erworben werden.
 
 
 


 
 
 

MACABRE – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany / Paragon Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Macabro; Italien 1980

Genre: Horror, Klassiker, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 1.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 1.0 Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1,85:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray, FSK-freies Wendecover mit alternativem Design, das dem der UK-DVD von Arrow Video gleicht

Extras: Trailer

Release-Termin: 30.01.2015

 

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MAKABRE – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 
Nekromantik (1987)
 


Filmreview: „Basket Case“ (1982)

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BASKET CASE – DER UNHEIMLICHE ZWILLING

Story

 
 
 
Duane (KEVIN VAN HENTENRYCK) mietet sich in einer der ekelhafteren Ecken New Yorks ein Hotelzimmer. Mit sich schleppt der junge Mann einen Korb, dessen scheinbar wenig menschlichen Bewohner er mit Hamburgern versorgt. Besagter Korbbewohner ist Duanes siamesischer Zwilling Belial, ein monströses Schrumpelwesen, zu dem der gesunde Bruder ein, nun ja, zwillingshaft enges Verhältnis pflegt. Die Brüder wurden im Kleinkindalter auf Geheiß des Vaters getrennt und Belial war eigentlich dem Tode geweiht. Jetzt sind sie gemeinsam in der Millionenstadt unterwegs und wollen die Ärzte, die dem Vater seinerzeit Folge leisteten, zur finalen Verantwortung ziehen.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Kritik

 
 
 
Ich möchte einmal mehr das Wort Zeitkapsel benutzen, was mein Seitenbetreiber hier so gerne hört, wenn’s um Filme aus einer Zeit geht, in der wir für abgenudelte VHS-Kassetten mittelgroße Anstrengungen unternehmen mussten. BASKET CASE ist ein Kultfilm dieser Generation Horrorvideo, nicht weniger. In dieser Zeitkapsel glänzt ein Film, in dem ein klauenbewehrter Kopffüßler wahlweise als Gummibiest oder als fanherzerweichend staubige Stop-Motion-Miniatur blutig für Ordnung sorgt sehr, sehr hell. Auch das New York, von einem Regisseur auf Material gebannt, der die schmierigen Zeiten der alten 42nd Street mit ihrem Dutzend gefährlich-versiffter Rotlicht-Kinos noch kannte und verehrte, ist heute nur noch Historie. Wo Belial Anfang der Achtziger noch wütete, begehen heute MICKEY MOUSE und seine höllischen Heerscharen größere Missetaten.
 
BASKET CASE deckt ein breites Spektrum Untergrund-Kino ab. Neben dem fiesen Unterhaltungswert eines Latexungetüms, das burgerfressend und Geister der Vergangenheit richtend in einem Weidenkorb transportiert wird wie ein pervertierter Moses durchs Babylon New York, bekommt man, wenn die Analyse denn derart ernst arbeiten möchte, sogar noch Sozialkritik: Der Vater der Zwillinge will keinen verkrüppelten Fortsatz an seinem gesunden Sohn und überlässt den Missgestalteten seinem Schicksal und dem Skalpell. Wie schon im Horrorklassiker FREAKS von TOD BROWNING, 1932 unter großen Skandalgejohle gedreht, wird der Zuschauer mühelos auf die Seite der äußerlich hässlichen, weil verunstaltet geborenen Protagonisten gezogen, da die gesunde, schöne und erfolgreiche Welt doch so viel kälter und in Endeffekt schlicht züchtigungswürdiger ist. Dazu funktioniert BASKET CASE tatsächlich auch noch als schwarze Komödie. Der Cocktail aus erwähnter Sozialkritik, rauem No-Budget-Splatter á la H.G. LEWIS goes Eighties und treffsicher geschmacklosem Humor war dem Kleinkinogänger vor dreißig Jahren aber nicht geheuer und die Beschaffer des Mörderetats von nicht ganz 40.000 Dolares mussten schließlich bis zur Explosion des Heimkinomarktes auf ihre Rendite warten. Die kam dann allerdings vielfach ins Haus zurück und verführte HENENLOTTER über die Jahre zum Auf-die-Beine-stellen zweier Fortsetzungen und mit ELMER einer leichten Variation des Themas.
 
Die Erkenntnis, dass der arbeitende Regisseur ein schlauerer Welcher ist, hätte auch dem deutschsprachigen Zuschauer spätestens mit dem Titelwortspiel kommen müssen. Aber Synchron-Germania lehrt leider traditionell nur unzureichendes Englisch und BASKET CASE wurde trotz seines kommerziellen Erfolges während der VHS-Ära nur zu einer – dazu auch noch oft zensiert erhältlichen – Videogewaltferkelei unter ferner liefen. Vor die amateurhafte Analyse amerikanischer Teekesselchen wollen wie heute aber einmal die filmischen und besonders filmhistorischen Leistungen des Mannes stellen. FRANK HENENLOTTER versteht sich selbst nicht als Horrorschaffender. Eher sieht er sich als Schüler der großen Exploitationregisseure der 60er und 70er Jahre. Windige Geschäftsmänner
 
wie HARRY NOVAK oder H.G. LEWIS’ Kollaborateur DAVID F. FRIEDMAN, die oftmals erst ein reißerisches Plakat mit ordentlich Möpsen und Metzel drauf anfertigten, um potentiellen Geldgebern den Finanzierungsplan aus den Rippen zu leiern. Selbstverständlich bevor denn ein Drehbuch bei der Hand war. Diesen Vätern des amerikanischen Grindhousefilms – deutsches Pendant wäre das Bahnhofskino – konnte HENENLOTTER im Dienste des VHS/DVD-Labels SOMETHING WEIRD VIDEO ab den frühen 1990ern sogar wieder Tantiemen zufließen lassen. Ja, durch die Homevideoveröffentlichungen dieser ruppigen Leinwandraketen begründete sich eine ganze Untergrundkultur um den Drive-In-Trash; inklusive aufwändiger Audiokommentare, teurer Memorabilia-Sammlungen, Festivals und Magazinen, die sich mit nichts anderem beschäftigen als etwa den Softsexabenteuern des nackichten Robin Hood.
 
Nach regelmäßigen Auftritten in Dokumentationen über die wilde Welt des Exploitationfilms, in denen er, jahrelang geschult, Rede und Antwort auch zu den abseitigeren Bereichen eines an sich schon schrägen Metiers stand, drehte HENENLOTTER mit HERSCHELL GORDON LEWIS – THE GODFATHER OF GORE (2010) und THAT’S SEXPLOITATION (2013) selbst zwei hervorragende Beiträge.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
BASKET CASE ist ein Kultfilm des modernen Horrorkinos. Eine Zeit, in der wöchentlich Premiere feiernder ach-so-sexy Splatter im Multiplex undenkbar war, brachte dann konsequenterweise Filme hervor, die sich wagten, ihre Zuseher zu ekeln, zu unterhalten, zum Lachen und von mir aus sogar zum Nachdenken zu bringen.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Zensur

 
 
 
BASKET CASE ist nach wie vor in Deutschland indiziert. Daher sollte man beim Kauf darauf achten, dass sich auf der Front kein dicker 18er Stempel befindet, denn die erhältliche KJ-Variante ist geschnitten. Wer den Film ungeschnitten sein Eigen nennen möchte, sollte daher immer darauf achten, dass die Rückseite ein SPIO/JK-Symbol ziert. Denn nur juristisch geprüfte Scheiben des Films sind komplett.
 
 
 


 
 
 

BASKET CASE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Basket Case; USA 1982

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo, Englisch Dolby Digital 2.0 Stereo

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,37:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK 18 – SPIO/JK (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Einleitung von Frank Henenlotter (02:26 Min. – deutsche UT), Audiokommentar Regisseur Frank Henenlotter, Produzent Edgar Ievins, Trailer & TV-Spots (02:55 Min.), Spanischer Trailer (01:02 Min.), „In Search of the Hotel Broslin“ (15:30 Min.), „Beverly Bonner’s Laugh Track“ (07:20 Min.), Bildergalerie (12:31 Min.), Outtakes (06:13 Min.), Featurette: What’s in the Basket (78:35 Min. – deutsche UT, HD), Ein Blick hinter die SFX-Kulissen (06:34 Min. – deutsche UT, HD), Radio-Spots (01:49 Min.), Radiointerviews (08:55 Min.), Besonderheiten der deutschen Fassung (02:29 Min.), Weitere Trailer: Alien – Die Saat des Grauens kehrt zurück (03:20 Min.), Bloodnight (01:18 Min.), The Boogey Man (01:02 Min.), Puppet Master (01:38 Min.)

 
 
 
Es gibt immer wieder Indie-Labels, die mit ihren Veröffentlichungen aus der Masse herausstechen. Da werden kleine Nischenfilme oder beliebte Kultklassiker mit Liebe zum Detail neu veröffentlicht, erhalten eine Menge Bonusmaterial und sogar schicke Sammlerverpackungen. Anbieter CMV LASERVISION ist ein derartiger Fall. Hier ist nicht nur das Feedback der Kunden wichtig; mit der beliebten Retro- und Trashkollektion hat sich der Publisher unter Anhängern des Horrorgenres einen besonderen Ruf erkämpft. Seit geraumer Zeit hat CMV auch im HD-Bereich Fuß gefasst und bringt begehrte Kultklassiker auf Blaustrahl in den Handel. Das neuste Release ist die B-Movie-Perle BASKET CASE, der zum 15. Firmenjubiläum eine ganz besondere Veröffentlichung zuteil wurde. Die kommt, wie alle hauseigenen Blu-rays zuvor, im edlen Mediabook. Das besitzt zwar keinen Buchteil, macht aber im Sammlerregal eine wirklich gute Figur. Lobenswerterweise überlässt CMV LASERVISION dem Kunden die Qual der Wahl, denn die Jubiläumsedition des Kultklassikers erscheint in drei Ausführungen. So kann sich der Käufer zwischen einer Retro-Version im Super-Jewelcase (auf 199 Stück limitiert), sowie einer weißen und einer schwarzen Edition im Mediabook entscheiden, wobei die Bücher auf jeweils 500 Stück limitiert und durchnummeriert wurden. Natürlich sollte man bei der Technik keine Quantensprünge erwarten. Bereits im Vorwort wird von Autor und Regisseur FRANK HENENLOTTER erläutert, dass man für die HD-Fassung wieder zu den Ursprüngen zurückkehren wollte. BASKET CASE wurde auf 16mm gedreht und soll nun auch auf Blu-ray im ursprünglichen Glanz und Originalbildformat erstrahlen. Die für 16mm-Filmmaterial typisch grobe Körnung wurde belassen und auch sonst schaut BASKET CASE auf Blaustrahl so aus, wie er nun eben ausgesehen hatte, als er vor fast 30 Jahren veröffentlicht wurde. Auch wenn das Bild für heutige HD-Maßstäbe kaum der Rede wert ist, bietet der Transfer im direkten Vergleich zur hochwertigen LEGEND FILM DVD (im Digipak) aus dem Jahr 2002 eine erstaunliche Steigerung. Zwar füllt das Bild jetzt nicht mehr den ganzen Bildschirm aus, sondern besitzt links und rechts schwarze Balken; trotz miserablem Ausgangsmaterial lassen sich dennoch bedeutend mehr Details erkennen, als in allen bisher erhältlichen DVD-Auflagen, von denen es nicht wenige gab. Immerhin hat das körnige Bild auch seine Vorteile: es unterstreicht geradezu perfekt den schmuddeligen Charme des Films und lässt nostalgisches VHS-Feeling aufkommen. Kernstück der Veröffentlichungen ist aber das Bonusmaterial. Für einen derartigen Streifen ist das nahezu spektakulär umfangreich. Neben allen Extras der damaligen LEGEND-Auflage (in SD), hat CMV LASERVISION auch Bonus der erhältlichen SECOND SIGHT Blu-ray aus England lizensiert. So darf sich der Zuschauer auf die Dokumentation WHAT’S IN THE BASKET (in HD) freuen, die sogar Spielfilmlänge und selbstverständlich deutsche Untertitel besitzt. Zudem gefällt der Menüpunkt EIN BLICK HINTER DIE SFX-KULISSEN in dem der Zuschauer den Spezialeffekte-Künstler GABE BARTALOS beim Rundgang durch seine SFX-Firma ATLANTIC WEST EFFECTS (in HD) begleitet. Leider besitzt auch das durchweg gelungene Mediabook von CMV einen kleinen Wehmutstropfen. So hat nur das neue Zusatzmaterial eine Untertitelspur erhalten. Die bereits bekannten Extras der LEGEND-Scheibe sind auch auf dieser Veröffentlichung ohne Untertitel vorzufinden. Immerhin hat der Anbieter auch ein Feature selbst produziert. So wird in einem kleinen Bericht auf die Unterschiede in der deutschen VHS-Fassung eingegangen, die sich in der Titelsequenz vom Rest der Welt unterscheidet. Außerdem betreibt CMV mit vier weiteren HD-Klassikern etwas Eigenwerbung. Wer sich die Jubiläumsedition sichert, sahnt übrigens doppelt ab. Neben der tollen Blu-ray liegt jeder Veröffentlichung eine Extra-DVD mit einem Klassiker der beliebten CMV-Trashkollektion bei. In dem uns vorliegenden Produkt versteckte sich DIE LEICHENMÜHLE. Wer sich nur die HD-Perlen unter den Klassiker-Releases aussucht, kommt an BASKET CASE nicht vorbei. Die Veröffentlichung aus dem Hause CMV LASERVISION ist nicht nur optisch ein Hingucker; auch inhaltlich ist dieses Mediabook ein Traum und den Preis auf alle Fälle wert.
 
 
 

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BASKET CASE – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig (Filmkritik) / Marcel Demuth (BD-Vorstellung)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Basket Case 2 (1990)
 
Basket Case 3 – Die Brut (1991)
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Seconds Apart (2011)


Filmreview: „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994)

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DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS

Story

 
 
 
Horrorautor Sutter Cane (Jürgen Prochnow) ist der weltweit beliebteste und erfolgreichste Schriftsteller. Jedes seiner Bücher wird über Nacht zum Bestseller. Doch was seine unheimlichen Romane mit seinen Lesern anrichten, will keiner so recht für möglich halten. Als Sutter Cane eines Tages spurlos verschwindet, wird der zynische Versicherungsdetektiv John Trent (Sam Neill) von Canes Verlag damit beauftragt, den Autor und damit sein neuestes Werk, „Die Mächte des Wahnsinns“ wiederzufinden. Begleitet von Canes Lektorin Linda Styles (Julie Carmen), macht sich Trent auf die Suche nach dem verschollenen Schriftsteller, und gerät auf seiner Reise immer tiefer in einen Strudel aus Unwahrheiten und Dingen die sich logisch nicht erklären lassen. Schon bald lassen sich Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr voneinander trennen…
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Kritik

 
 
 
Die 90er Jahre – das Jahrzehnt, das den Auftakt zum digitalen Zeitalter darstellt und in dem sich so manch aufsehenerregendes Ereignis zutrug. Der Sturm auf die Davidianer in Waco (1993), das Bombenattentat in Oklahoma City (1995), der Giftgasanschlag in einer tokioter U-Bahn (1995), der Massensuizid der Heaven’s Gate Sekte (1997), der Komet Hale-Bopp (1995-1997), der Amoklauf von Jonesboro (1998), Woodstock (1999), der Amoklauf an der Columbine Highschool (1999), die Sonnenfinsternis (1999) und natürlich die Angst vor dem Y2K-Milleniumbug…
Es war ein verrücktes, buntes und streckenweise düsteres Jahrzehnt, voller Gräueltaten, spektakulärer Naturphänomene und einer unterschwelligen Unsicherheit aus Angst vor der Jahrtausendwende. Diese zeigte sich nicht nur in abstrusen Weltuntergangsverkündungen, sondern auch in Form einer leichten Technophobie. Was erwartet uns im digitalen Zeitalter und wie werden wir uns dort zurechtfinden? Eine vermeintliche Antwort hier drauf hatte der Medienkritiker Jean Baudrillard, der im Jahre 1984 seine Schrift „Das Jahr 2000 findet nicht statt“ veröffentlichte. Die Kernaussage dieses Werkes ist, dass im neuen Jahrtausend Fiktion und Simulation so weit in die Realität vorgedrungen sein werden, dass diese nicht mehr stattfindet. Und wo stehen wir heute? Unser Verhältnis und das blinde Vertrauen zum Fernsehen, unseren Smartphones und dem Internet. Inwiefern kann man noch behaupten, in einer vollkommen realen Welt zu leben, oder inwiefern kann man sagen, dass unser Leben nur noch online via Facebook, Twitter oder What’s App stattfindet? Mit teils apokalyptischen Konzepten versuchte das Hollywood der 90er Jahre diese Frage auf verschiedenste Arten zu beantworten. Ob in Form eines Dramas wie DIE TRUMAN SHOW (1998) mit Jim Carrey, in Form von Action- und Sci-Fi-Filmen wie VERNETZT – JOHNNY MNEMONIC (1995) mit Keanu Reeves, James Camerons TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991), der ordentlich aufgepeppten Stephen King-Verfilmung DER RASENMÄHERMANN (1992), samt der Fortsetzung DER RASENMÄHERMANN 2 – BEYOND CYBERSPACE (1996) oder dem Klassiker MATRIX (1999), alle Filme machten sich die Themen Technik, Simulation, „Was ist Realität?“ und der damit verbundenen Gefahr zum Mittelpunkt der Geschichte. Doch auch das Horror-Genre schreckte in den 90er Jahren nicht davor zurück diese Entwicklung möglichst fantasiereich auszuschlachten und Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. So sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Art Filme Wes Cravens SCREAM (1996), samt SCREAM 2 (1998) und eine weitere Geschichte des Regisseurs, WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE (1994), welcher sogar noch zwei Jahre vor SCREAM in die Kinos kam. Zwar haben die 90er das Genre des Meta-Horrors nicht neu erfunden, aber ganz entscheidend begründet. Es gibt jedoch einen weiteren Film, der über die Jahre hinweg bei den Meisten in Vergessenheit geraten ist, und erst jetzt eine Art Renaissance durchlebt, so, wie es beinahe jeder Film des Regisseurs tat. Die Rede ist von John Carpenter und seinem letzten Meisterwerk DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994).
 
John Carpenter in den 90er Jahren. Gerade als er sich mit DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) und SIE LEBEN (1988) wieder ein festes Standbein im Bereich des Independentfilms geschaffen hatte, übernahm er den Posten des Regisseurs bei der großen Studioproduktion JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992), mit Chevy Chase, Daryl Hannah und Sam Neill. Doch auch im neuen Jahrzehnt meinte es Hollywood nicht gut mit Carpenter. Der Film floppte gnadenlos an den Kinokassen und ließ den Regisseur erneut gekränkt zurück. Allen Bemühungen zum Trotze kam der Film nicht beim Kinopublikum an. Heute sieht das, wie bei vielen von Carpenters Filmen, anders aus. Doch schaut man sich JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN etwas genauer an, erkennt man, dass John Carpenter hiermit eine breitere Masse ansprechen wollte. Abgesehen davon, dass der Film eine für Carpenter recht untypische Geschichte erzählt, lässt sich nur schwer die Handschrift des Regisseurs erkennen, was Bild und Musik (welche diesesmal nicht von John Carpenter, sondern von Shirley Walker komponiert wurde) angeht.
 
Während John Carpenter damit beschäftigt war JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN auf die Beine zu stellen, wurde der Regisseurin Mary Lambert ein Drehbuch von Michael De Luca angeboten, welches den Titel IN THE MOUTH OF MADNESS (der amerikanische Originaltitel von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS) trug. Doch diese lehnte ab, da sie sich zuerst mit FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 (1992) beschäftigen wollte. Schließlich landete das Skript wieder in den Händen von John Carpenter, der es bereits 1988 gelesen hatte, sich aber nicht ganz sicher war, ob er diesen Film bewerkstelligen könne. Letztendlich sagte Carpenter, zu großen Freude von Drehbuchautor Michael De Luca, zu. Bei DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS handelte sich um eine Hommage an die unheimlichen Geschichten des amerikanischen Schriftstellers und Meister des Horrors H.P. Lovecraft, den Carpenter so sehr verehrte. Eine Geschichte in der Realität und Fiktion immer stärker verwischen, bis man nicht mehr darüber urteilen kann, was Wirklichkeit ist und was nicht.
 
Die Hauptrolle wollte Carpenter unbedingt mit Sam Neill besetzten, womit das produzierende Studio New Line Cinema jedoch nicht einverstanden war. Letztendlich überzeugte John Carpenter die Verantwortliche aber mit dem Argument, dass Sam Neill gerade einen großen Erfolg mit JURASSIC PARK (1993) feierte und er einige Zuschauer mehr ins Kino locken würde. Carpenter selbst hielt dieses Argument für totalen Unsinn, doch bekam er damit New Line rum, die sich plötzlich doch mit Sam Neill in der Hauptrolle anfreunden konnten. Die Dreharbeiten zu DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS verliefen laut Carpenter ohne größere Schwierigkeiten. Doch der Schnitt des Filmes, stellte sich als große Herausforderung heraus. Zusammen mit seinem Editor Edward A. Warschilka, mit dem Carpenter seit BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) sechs Mal zusammenarbeitete, machten sich die beiden ans Werk um eine Struktur ins Chaos zu bringen, was angesichts der recht komplexen Geschichte gar nicht so einfach war. Besonders hervorzuheben ist hier die Szene, in welcher die Hauptfigur John Trent (Sam Neill), auf der Couch sitzt, Bücher liest und sich in einem Traum-im-Traum-Durcheinander verstrickt. Diese Szene zu schneiden, sagte Carpenter, war für ihn und seinen Editor der reinste Horror.
 
DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS startete am 3. Februar 1995 in den amerikanischen Kinos, und ging sofort am Boxoffice unter. Auch hierzulande (der Film startete bei uns am 23. Februar 1995), sah sich kaum einer Carpenters neuesten Streifen an. Filmkritiker Roger Ebert schrieb damals: „One wonders how „In the Mouth of Madness“ might have turned out if the script had contained even a little more wit and ambition“, und zeigte sich ebenfalls wenig beeindruckt. Man muss allerdings dazu sagen, dass Ebert allgemein kein gutes Haar an Carpenters Filmen ließ und Werke wie DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) oder BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) verschmähte.
 
Doch wie ist es fast 20 Jahre später um John Carpenters vielschichtigen Horrorfilm bestellt? Auch hier trifft der Satz „Das Blatt hat sich gewendet“ den Nagel auf den Kopf. Früher als Flop vom Publikum abgelehnt, wird DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS heutzutage u.a. als einer der cleversten und intelligentesten Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet und von Fans und Kritikern gleichermaßen gelobt. Zurecht! Schafft es John Carpenter hier erneut eine starke mysteriöse Atmosphäre aufzubauen und den Zuschauer auf eine sehr erfrischende und clevere Art und Weise das Fürchten zu lehren. Anders als seine vorherigen Filme, arbeitet DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS mit verschiedenen Erzählstrukturen (Prolepse und Analepse), und stellt sich zum Ende hin selbst in Frage. Was haben wir uns da eigentlich gerade angesehen? Nur auf sein altes Motiv, das Monster niemals ganz zu zeigen, greift Carpenter wieder zurück, was dem Film jedoch nur zu Gute kommt, handelt es sich bei der Bedrohung um etwas fast schon Ungreifbares. Auch wenn Carpenter sagte, er wollte mit seinen Filmen niemals bewusst einen politischen Standpunkt vertreten, oder sich kritisch der Gesellschaft gegenüber äußern (mit großer Ausnahme von SIE LEBEN), so finden sich auch in DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS zahlreiche gesellschafts- und medienkritische Motive wieder. Der Horrorautor dem blind vertraut, und der wie eine Art Gott behandelt wird. Die ahnungslosen Leser, welche hysterisch von den Läden Schlange stehen um die neueste Ausgabe der beliebten Horror-Romane zu ergattern. Der Verlag, den es reichlich wenig interessiert welchen Effekt die Bücher auf die Leute haben, solange die Verkaufszahlen stimmen. Auch stellt uns der Film die Frage, welche Macht eigentlich Kunst bzw. Fiktion haben, und ob man Allem was neu und beliebt ist wirklich blind vertrauen darf. Es wäre schön gewesen, hätte der Film ein größeres Budget gehabt. Denn von der Massenhysterie der Leser die sich über die Lande erstreckt, sieht man nur sehr wenig. Verbildlicht wird dies immer nur in kurzen Fernseh- oder Radioberichten. Schauspielerisch bekommt man einen gewohnt guten Sam Neill zu Gesicht, sowie Julie Carmen, Jürgen Prochnow und Charlton Heston in etwas kleineren Rollen.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Mit DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hat John Carpenter seinen letzten großartigen Film abgeliefert. Waren einige der folgenden Werke ebenfalls noch ziemlich unterhaltsam, kam keiner von Carpenters Spätwerken an die Klasse seiner 1994er H.P. Lovecraft-Hommage heran.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland existierenden Fassungen von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS sind komplett ungeschnitten und tragen seit seinem Kinostart das FSK16-Siegel. Im Jahr 2000 erschien von BMG Video eine Pressung auf DVD, welche fälschlicherweise das FSK 18-Siegel auf dem Cover trug. Weder diese Fassung, noch die 1998 erschienene Videokassette von X-Vision, deren Cover mit der Beischrift „Director’s Cut“ versehen war, enthalten längere Fassungen des Filmes. Seit dem 25. Oktober 2013 ist DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hierzulande auf Blu-ray Disc von Warner erhältlich. Bild und Ton liegen in guter Qualität vor und heben sich deutlich von der DVD ab.
Einziger Wehmutstropfen ist das fehlende Bonusmaterial. Sowohl die zwei kleinen Making of Feauturettes der BMG Video DVD fehlen, sowie die Interviews mit den Schauspielern. Auch das Interview mit Greg Nicotero, welcher für die Special Makeup Effects zuständig war, ist weiterhin nur auf der französischen DVD von Metropolitan vorzufinden.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: In the Mouth of Madness; USA/Kanada 1994

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 2.0, Französisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0, Japanisch DD 2.0, Spanisch DD 2.0, Lateinamerikanisches Spanisch DD 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Französisch, Italienisch

Bild: 2.40:1 (1080p), 24Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray ohne Wechselcover

Extras: Audiokommentar von John Carpenter und Gary B. Kibbe, US-Kinotrailer (ca. 1:47)

 
 
 

Die Mächte des Wahnsinns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Trailer

 
 
 

 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Die Fürsten der Dunkelheit (1988)

The Shining (1980)

Hellraiser V – Inferno (2000)

Silent Hill: Revelation (2012)