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Filmkritik: „RAW“ (2016)

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RAW

(GRAVE)

Story

 
 
 

Eine überzeugte Vegetarierin verwandelt sich zur leidenschaftlichen Fleischesserin und richtet damit Unheil an.

 
 
 


 
 
 

RAW – Kritik

 
 
 
Man darf nicht immer alles glauben, was über Filme geschrieben wird. Was oft in Klatsch- und Tratschblättern ins Absurdum getrieben wird, damit mit den Schicksalen anderer Kasse gemacht werden kann, findet auch gut und gern mal in der Filmszene Verwendung, um den Kauf von Kinotickets anzukurbeln. So geschehen zur Weltpremiere des französischen Horror-Dramas RAW. Schenkt man nämlich Berichten Glauben, die im Internet die Runde machen, soll der Streifen so heftig sein, dass Zuschauer bei der Uraufführung in Cannes schockiert aus dem Kinosaal liefen. Doch es geht noch krasser. Als der Streifen zum Filmfestival im kanadischen Toronto gezeigt wurde, wurde sogar medizinische Betreuung benötigt, weil Zuschauer wegen unappetitlicher Szenen in Ohnmacht gefallen sein sollen. Das ist vermutlich absoluter Unfug, aber immerhin cleveres PR, um RAW bei Horrorfans interessant machen zu können. Letztere sollten sich aber von der verheißungsvollen Werbung nicht blenden lassen. RAW hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten und ist ohnehin mehr Drama statt Horror. Regisseurin JULIA DUCOURNAU hält von reißerischen Grausamkeiten Abstand und verfolgt andere Intensionen. Damit macht sie alles richtig – auch wenn gleichzeitig enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sein dürften, weil Frankreich in Sachen Horror seit Jahren einen härteren Kurs verfolgt.
 
 
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Ein neuer Lebensabschnitt bringt nicht selten neue Probleme mit sich. Diese Erfahrung muss auch die verschlossene Musterschülerin Justine (GARANCE MARILLIER) machen, die ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnt und es alles andere als leicht hat. Nicht nur, dass sie als Neuling die Demütigungen älterer Kommilitonen über sich ergehen lassen muss. Auch der Speiseplan an der Uni-Mensa hat mit dem von Hotel Mama nur wenig gemein. Hier isst man mit Vorliebe gebratenes Fleisch, was für die überzeugte Vegetarierin zum größten Problem wird. Leider nimmt auf Gaumenfreuden hier niemand Rücksicht – nicht einmal die eigene Schwester. Die stopft der verunsicherten Justine bei einem Aufnahmeritual eingelegte Hasennieren in den Mund und weckt somit neue Instinkte in der schüchternen Studentin. Leider führt die neue Vorliebe nach Fleisch zu Komplikationen. Einmal gekostet macht sich ein hässlicher Ausschlag breit, der mit Salbe behandelt werden muss. Doch es kommt noch schlimmer. Als bei einer Intimwachsstunde versehentlich Blut fließt, passiert das Unfassbare. Justine probiert neugierig vom Lebenssaft der großen Schwester und weckt so die Bestie in sich.
 
 
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Wenn Teenager erwachsen werden und dabei die Kontrolle verlieren. Viel mit Horror hat RAW nicht gemeint. Regie-Newcomerin JULIA DUCOURNAUS erzählt im ersten Langfilm vom Erwachsenwerden und welche Hürden gleichzeitig überwunden werden müssen. Dabei analysiert die Filmemacherin zerrüttete Seelenwelten von Teenagern und ruft so den Überraschungshit IT FOLLOWS ins Gedächtnis, der im Jahr 2015 mit nicht unähnlicher Thematik für Furore gesorgt hat. RAW ist ein zynisches Coming-of-Age-Drama, das mit den Mitteln des Horrorkinos erzählt wird. Hier kommt eine introvertierte Außenseiterin mit Menschenfleisch in Berührung und entwickelt kannibalistische Neigungen. Das Thema „Kannibalismus“ hat dabei jedoch nur Metapher-Funktion und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierbare Sexualität, welche allmählich von Heldin Justine Besitz ergreift. Die verliert bald die Kontrolle über sich und ihren Körper, ohne dabei zu ahnen, was für ein Chaos sie damit anrichtet. Sex und Triebe machen eben aus Menschen Tiere – Cronenbergs RABID lässt grüßen.
 
 
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RAW – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Weit weg vom einfältigen Genre-Kino oder reißerischen Ekelexzessen eines CANNIBAL HOLOCAUST. RAW besitzt zwar Body-Horror-Elemente und schneidet kontroverse Kannibalismus-Thematik an, ist aber unterm Strich eher ein rabenschwarzes Coming-of-Age-Drama, das sich irgendwo zwischen experimentellen Arthaus und mutigem Indie-Kino bewegt. Regisseurin JULIA DUCOURNAU – die sich offenbar vom Vater des Body-Horrors DAVID CRONENBERG inspirieren ließ – versucht im ersten Spielfilm Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, der durch äußere und innere Einflüsse zum Erwachsenen heranreift. Leider ist der Reifeprozess alles andere als unkompliziert, denn Filmheldin Justine erlebt im Verlaufe von RAW eine schmerzhafte Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau, die vielen Versuchungen ausgesetzt ist – und keiner widerstehen kann. Der französische Indie-Geheimtipp hat kaum Schauwerte zu bieten und ist mehr Geschichte einer Außenseiterin, die aus gut behüteten Verhältnissen kommt und mit dem „richtigen“ Leben konfrontiert wird. Das bringt die Schülerin ins Stolpern, weil sie im neuen Lebensabschnitt mit Dingen in Berührung kommt, die ihr die Eltern bisher vorenthalten haben. RAW ist ein tragisch aber gleichzeitig komisches Genre-Erlebnis, für das man tiefer forschen muss, um es im Ganzen verstehen zu können. Deshalb lohnt eine Zweitsichtung, vor allem der vielen Metaphern wegen. Somit tritt Filmemacherin JULIA DUCOURNAU in die gleichen Fußstapfen wie bereits TOMAS ALFREDSONS. Der drehte mit SO FINSTER DIE NACHT im Jahr 2008 einen interessanten Streifen, der zumindest thematisch und atmosphärisch RAW nicht unähnlich ist. Demzufolge gilt auch hier: Wer den Anspruch im Horror-Genre sucht, ist mit RAW gut beraten, denn trotz kleiner Schwächen in der zweiten Filmhälfte ist dieses Genre-Drama für ein Erstlingswerk bemerkenswert tiefgründig.
 
 
 


 
 
 

RAW – Zensur

 
 
 
Wer trotz Kannibalismus-Thematik ausufernde Fressszenen erwartet, dürfte enttäuscht werden. RAW (der anfangs übrigens noch GRAVE hieß) ist mehr Drama statt Horror. Die Hauptdarstellerin knabbert an einem abgetrennten Finger, beißt sich in die eigene Hand und findet Gefallen daran, einem Kommilitonen in die Lippe zu beißen. Zudem gibt es einen abgenagten Unterschenkel eines Studenten zu sehen. Hierzulande dürfte das alles mit einer FSK16 in den Handel kommen, da die wirklich überschaubaren Ekelmomente nicht selbstzweckhaft zelebriert werden.
 
 
 


 
 
 

RAW – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Wild Bunch)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alena (2015)
 
Eat (2013)
 
Excision (2012)
 
Naked Blood (1995)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Rabid (1977)
 
Shivers (1975)
 
So finster die Nacht (2008)
 
Sensoria (2015)
 


Filmkritik: „Sam Was Here“ (2016)

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SAM WAS HERE

(NEMESIS)

Story

 
 
 

In der kalifornischen Mojave-Wüste erlebt ein Handelsvertreter den blanken Horror. Erst leuchtet ein mysteriöses Licht am Himmel. Später machen Menschen Jagd auf ihn. Was liegt hier im Argen?

 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Kritik

 
 
 
Talentierte Schauspieler, ein cleveres Drehbuch und genug Spannung, um den Zuschauer bei Laune zu halten – es bedarf nicht viel um einen sehenswerten Horrorfilm zu drehen. Dennoch scheitern allein daran schon viele Regisseure, weil es den meisten Horrorfilmen neueren Datums an Ideen mangelt. Stattdessen werden die immer wieder gleichen Geschichten abgespult in der Hoffnung, mit der unersättlichen Nachfrage des horrorhungrigen Publikums irgendwie Geld verdienen zu können. Das macht müde und nimmt allmählich die Lust am Genrefilm. Immerhin gibt es Ausnahmen. Die sind zwar rar, aber dennoch vorhanden. Einer dieser Streifen mit Seltenheitswert nennt sich SAM WAS HERE, der mal wieder von einem Newcomer gedreht wurde, der auf Konventionen pfeift. Mit gerade einmal 70.000 Euro hat hier ein französischer Regisseur einen hitzigen Thriller gedreht, der wieder Lust auf mehr Horror macht. CHRISTOPHE DEROO nennt sich der ambitionierte Filmemacher, der mit seinem anarchistischen Filmdebüt und dem Mut zum Unkonventionellen Werke der französischen Terrorwelle ins Gedächtnis ruft. Die wütete in den 2000ern und brachte kontroverse Streifen wie MARTYRS oder HIGH TENSION hervor, welche sich sogar international einen Namen machen konnten. Auch dort kümmerte man sich weder um Grenzen noch Geschmäcker, hielt mit der Kamera drauf und polarisierte. Letzteres gelingt auch SAM WAS HERE ohne Probleme – wenngleich auf anderem Wege.
 
 
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NEMESIS – so wie SAM WAS HERE auch vermarktet wird – erzählt die rätselhafte Geschichte des Vertreters Sam (RUSTY JOINER), der von seinem Vorgesetzten ins amerikanische Hinterland geschickt wird, um mehr Kunden akquirieren zu können. Der fährt in schwüler Hitze durch die Mojave-Wüste von Kalifornien und klappert ein Haus nach dem anderen im kargen Ödland ab, um deren Bewohner zum Kauf seiner Produkte zu bewegen. Kurioserweise steht er aber immer vor verschlossenen Türen und auch sonst ist keine Menschenseele zu sehen. Nur ein lokaler Radiosender bietet Abwechslung zum monotonen Vertreteralltag. Auf dem wird pausenlos von den grausamen Verbrechen eines skrupellosen Kinderschänders berichtet, der in der Gegend für Angst und Schrecken sorgt. Leider nehmen die Ereignisse bald eine seltsame Wendung. Sam wird plötzlich von maskierten Menschen verfolgt, die ihm nichts Gutes wollen. Zudem werfen Briefe Fragen auf, in denen der ominöse Radiosender die Bewohner der Gegend zum Mord am Kindermörder anstiftet. Kein gutes Omen für den ahnungslosen Vertreter. Der muss bald einsehen, dass man ihn als den gesuchten Mörder verdächtigt. Aber warum? Für die Antwort darauf ist sollte man die grauen Zellen aktivieren.
 
 
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Es müssen nicht immer dunkle Gänge, gruselige Herrenhäuser oder verlassene Friedhöfe sein, um Gänsehaut bewirken zu können. Wie bereits zuletzt in DRIFTER oder CARNAGE PARK kann auch schwüle Wüstenatmosphäre dazu beitragen, um ausweglosen Horror zu transportieren. Die mysteriöse und spannend aufbereitet Geschichte ist hier die Quintessenz. SAM WAS HERE ist nämlich nicht so leicht zu durchschauen, denn Regisseur CHRISTOPHE DEROO verzichtet auf plausible Antworten und führt stattdessen seine mysteriöse Geschichte ins Absurdum. Ist der Filmheld ein kaltblütiger Kindermörder und kann sich daran nicht erinnern? Oder wird in diesem Film gar Kritik an den Medien geäußert, die durch gezielte Falschinformationen den Hass von Menschen schüren? SAM WAS HERE nimmt den Zorn der Zuschauer auf sich und verwirrt mit offenem Ende. Statt Antworten gibt es Fragen, auf deren Suche nach Antworten weitere Fragen aufgeworfen werden. Diese Richtung ist aber gewollt, denn Filmemacher CHRISTOPHE DEROO macht es seinem Vorbild DAVID LYNCH gleich. Auch der ist dafür berüchtigt einfache Geschichten zu erzählen, die viele Schubladen öffnen und so mehrere Interpretationen zulassen. Demzufolge sollte man das Köpfchen anstrengen und seine Phantasie spielen lassen. Wem das bewusst ist, erlebt mit SAM WAS HERE einen tadellosen Horrorbeitrag der sich ins Hirn brennen wird.
 
 
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SAM WAS HERE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Achtung: Horror-Geheimtipp! Ultra-Spannender Überlebenshorror unter der drückenden Hitze Nord-West-Amerikas. Was hier mit 70.000 Euro in zwölf Tagen gedreht wurde ist erstaunlich. SAM WAS HERE (Alternativtitel: NEMESIS) ist auf technischer Ebene vielen Indie-Produktionen um Längen voraus. Zudem erweist sich Regisseur und Drehbuchautor CHRISTOPHE DEROO als wahrhaftiger Meister der Spannung. Sein Filmdebüt ist zwar mit knappen 70 Minuten nicht sonderlich lang, fesselt aber mit einer undurchsichtigen und ebenso unvorhersehbaren Geschichte ungemein. In Interviews erklärte der Newcomer, dass er neben DAVID LYNCH auch ein großer Liebhaber der Filme von Regisseur JOHN CARPENTER ist. Demzufolge gibt’s aggressiv pumpenden Synthesizer-Sound für die Ohren, der zweifelsohne die Frühwerke des Altmeisters Revue passieren lässt. Wie genanntes Vorbild versucht CHRISTOPHE DEROO mit wenigen Mitteln viel zu schaffen und zu sagen. Das kleine Budget sieht man dem Film zu keiner Minute an – eine Kunst für sich. Weil keine Antworten auf dem Silbertablett serviert werden, dürfte SAM WAS HERE aber manch Zuschauer vor den Kopf stoßen. Das ist gewollt, denn CHRISTOPHE DEROO gab in Interviews zu verstehen, dass Verständnis nicht zu seinen Prioritäten beim Filmemachen gehört. Daher sollte man einfach mal etwas tiefer forschen und die eigene Interpretationsfähigkeit walten lassen. Der Streifen lässt nämlich viele Erklärungsansätze zu. Das macht ihn so einzigartig. Trotzdem von uns ein kleiner Tipp: Im Film leuchtet des Öfteren ein rotes Licht am Himmel. Schenkt man der Aussage des Regisseurs Glauben, steht jenes Licht für wachsenden Hass. Je stärker es leuchtet, umso mehr Hass wird produziert. Wir wünschen genug Kreativität bei der Suche nach Antworten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Zensur

 
 
 
Eine Frau wird mit heißem Wasser verbrüht, ein Kopf wird eingeschlagen, eine Spritze in ein Gesicht gerammt, Gewehrmunition bohrt sich durch Körper und am Ende wird ein Protagonist mit Säure überschüttet. CHRISTOPHE DEROO ist laut Interview kein Freund zeigefreudiger Brutalitäten. Demzufolge wird oft nur angedeutet oder weggeblendet, wenn es zu deftig wird. SAM WAS HERE dürfte demnach problemlos die FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAM WAS HERE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Strangers (2008)
 
The Hitchhiker (2007)
 
Carnage Park (2016)
 


Filmkritik: „Saint Ange – Haus der Stimmen“ (2004)

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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN

Story

 
 
 
1958 in den Französischen Alpen – das Waisenhaus Saint Ange wird abgewickelt. Die ihre Schwangerschaft versteckende junge Hilfskraft Anna merkt bereits bei ihrer Ankunft, während der sie ein kleines Mädchen vor den „unheimlichen Kindern“ warnt, dass hier die Geister der Vergangenheit gegenwärtig sind. Wird sie Licht in das Dunkel bringen und ihre Bestimmung finden?
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Kritik

 
 
 
PASCAL LAUGIER, der mit MARTYRS 2008 viel Aufmerksamkeit bekam, drehte bereits vier Jahre zuvor eine Art Gruselspukdrama, dass selbst den geneigten Betrachter auf eine harte Probe stellt. Allerdings völlig anders als er es im späteren Seh- und Fühlgewohnheiten brechenden polarisierend grenzaustestenden Horrorfilm tat. Bereits nach der immerhin noch in gewissem Maße Neugier weckenden Eröffnungssequenz, während der ein Junge tragisch zu Tode kommt, wird deutlich, dass hier weder mit Tempo noch harten Schauwerten zu rechnen ist. In betulich kammerspielartiger Atmosphäre wird man in den folgenden quälend langen Minuten Anna dabei begleiten, im Heim ihrer Arbeit nachzugehen, währenddessen sie lediglich von einer Köchin/Pflegerin und einem Fahrer unterstützt wird. Anweisungen erhält sie von der – optisch Fräulein Rottenmeier ähnlichen – strengen Leiterin, bei der sie auf kein Verständnis für ihre Leidensbiografie hoffen darf und die anscheinend etwas zu verbergen hat. Eine Annäherung erfolgt nur zur offensichtlich verwirrten und deshalb unvermittelbaren letzten Bewohnerin Judith (welche aus gegebenem Anlass an JANE BIRKIN erinnert), die der festen Überzeugung ist, dass noch andere Kinder irgendwo im verlassenen Heim leben würden. Und wie sollte es anders sein, wird auch Anna in zunehmender Intensität mit überirdischen Kontaktversuchen konfrontiert, die sie zu einer Spurensuche motivieren, die sie immer tiefer in das dunkle Geheimnis um Saint Ange hineinzieht.
 
 
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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wirkt ambitioniert, aber krankt in erster Linie daran in keinem Genrebereich eine Bindung zum Zuschauer aufzubauen. Der überschaubare Cast um die arg unnahbare Anna wirkt unsympathisch und ermöglicht im Grunde wohl nur den sensibelsten Betrachtern den Aufbau von Empathie. Dabei ist das nicht vorhandene Identifikationspotential für die Wirkung des Films mindestens ebenso fatal wie die Vorhersehbarkeit des simpel gestrickten dramatischen Verlaufs. Die Bilder sind kameratechnisch professionell schön, aber ebenso Leere verströmend wie das dem Lauf der Zeit zum Opfer fallende Anwesen. Dafür wird man mit einem aufdringlich orchestralen Score konfrontiert, der auf Teufel komm raus versucht, dem eher tristen Geschehen eine melodramatische Richtung zu geben. Alles zieht sich gefühlt endlos in die Länge und selbst der an sich atmosphärische Schauplatz wirkt mit der Zeit zu Tode erkundet. Eingestreute hinlänglich vertraute Erschreckszenen wie Stimmengewisper, Traumsequenzen, schlagende Türen oder herabfallende Gegenstände reißen mittlerweile wohl auch niemanden mehr vom Hocker. Storyverlauf, Dialoge, Figurenentwicklungen oder Szenenwechsel fallen überdies derart minimalistisch aus, dass Langeweile in einer neuen Dimension zu ertragen ist. Wenn man akzeptiert hat, dass man sich eher in einem Drama als in einem Grusel-, geschweige denn Horrorfilm befindet, bestünde zumindest die theoretische Möglichkeit, emotionaler in den bemühten Storyverlauf und das theatralische Finale einzusteigen, das letzten Endes leider vor allem Potential zum müden Abwinken in sich birgt.
 
 
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SAINT ANGE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Irgendwie wirkt SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wie eine nett bilderte, handwerklich zwar saubere, aber im Grunde überflüssige Alternativversion vom später entstandenen spanisch-mexikanischen Beitrag DAS WAISENHAUS von JUAN ANTONIO BAYONA, die man, falls man diesen Film kennen sollte, getrost abhaken kann. Somit bleibt lediglich Irritation über das Gesehene zurück, das in keinem Genre wirklich mit neuen Ideen zu punkten vermag und den Eindruck vermittelt, sich bewusst jeder Erwartungshaltung zu entziehen, wobei auch die wohl als hochdramatischer Abschluss konzipierten letzten pathetischen Szenen nur wenig herausreißen können. Einige Fragen bleiben auch nach dem Abspann offen und dürften so immerhin den geneigten Konsumenten zum Weiterdenken verführen. Laugier beweist zumindest bereits das in ihm steckende und sich in seiner weiteren beruflichen Entwicklung offenbahrende Potential.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Zensur

 
 
 
Ein genähtes Knie, ein Schlag gegen den Kopf oder ein Sturz auf das Waschbecken haben der FSK sicher keine schlaflosen Nächte bereitet. Und auch wenn ungeborenes Leben in Gefahr gerät, insidemäßige Brutalität gibt es (erfreulicherweise?) noch nicht zu sehen. Somit sind keine Schnitte zu beklagen. SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Saint Ange; Frankreich 2004

Genre: Horror, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Geschnittene Szenen

Release-Termin: 22.09.2016

 

Saint Ange – Haus der Stimmen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZOn kaufen

 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Trailer

 
 

 
 

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(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 


Filmkritik: „Alone“ (2015)

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ALONE

(DON’T GROW UP)

Story

 
 
 

Sechs straffällige Jugendliche müssen auf einer Insel feststellen, dass hier Kinder und Teenager in Lebensgefahr sind. Die Erwachsenen scheinen wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Kein gutes Omen, wie sich bald herausstellen wird.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Kritik

 
 
 
Manch einer muss jetzt tapfer sein, denn auch wenn sich das Team von FILMCHECKER geschworen hat in Zukunft weniger schlechte Zombiefilme zu besprechen, flattern uns hin und wieder solche Streifen ins Postfach, die dann doch eine Kritik rechtfertigen. ALONE (Originaltitel: DON’T GROW UP) ist so ein Fall und sollte allein schon deshalb Erwähnung finden, weil es sich diesmal nicht um unterirdischen Low-Budget-Trash handelt, wie er in den letzten Jahren zu oft von untalentierten Filmemachern gedreht und meist sogar noch in Eigenregie produziert wurde. Mit ALONE wird Qualität geboten, was wohl auch daran liegt, wer da auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Jemand, dessen Herz für Zombiefilme schlägt. Der Franzose THIERRY POIRAUD steckt dahinter und ließ bereits in mehreren Interviews verlauten, dass er mit Vorliebe das Untoten-Genre dazu benutzt, um Gesellschaftskritik zu äußern. Damit tritt er – erfahrene Horrofans werden es ahnen – in die Fußstapfen des legendären GEORGE A. ROMERO. Der Urvater des Zombiefilms hat bereits seinerzeit mit dem Kultwerk NIGHT OF THE LIVING DEAD gesellschaftliche Missstände angeprangert. Ganz nebenbei gelang ihm einer der wichtigsten Beiträge zum modernen Horrorkino.
 
 
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ALONE geht das Zombie-Genre etwas anders an und macht ihn deshalb so interessant. Statt Horden Untoter auf ahnungslose Menschen zu hetzen, rückt THIERRY POIRAUD ein postapokalyptisches Szenario in den Mittelpunkt, das sich in erster Linie durch eine beängstigende und beklemmende Stimmung in Gedächtnis brennt. Die Zombies kommen da fast schon etwas zu kurz, was in ALONE aber nicht sonderlich tragisch ist, zehrt zumindest die erste Filmhälfte von der Prämisse, Zuschauer und Protagonisten darüber im Ungewissen zu lassen, was in dieser spanisch-französischen Koproduktion als nächstes passieren wird. Das steigert die Spannung und verursacht Magenschmerzen, denn inmitten Nebel und Dunkelheit schlägt eine Bedrohung ganz unverhofft zu – schonungslos und brutal. Sechs straffällig gewordene Teenager aus Problemfamilien müssen in ALONE ums Überleben kämpfen. Sie müssen eines Morgens feststellen, dass die Aufseher und Erzieher des Heims verschwunden sind, in dem sie wieder auf den rechten Pfad gebracht werden sollen. Die Abwesenheit der Erziehungsberechtigten macht neugierig. So werden Spinde aufgebrochen und Akten durchstöbert. Leider werden die Heranwachsenden bald durstig. Alkohol muss her, weshalb man sich in die Stadt macht, um Hochprozentiges zu kaufen. Was jedoch dort passiert, lässt ihnen das Blut in Adern gefrieren. Die Geschäfte sind menschenleer und von Erwachsenen ist keine Spur. Was ist hier passiert? Die Antwort auf diese Frage lässt nicht lange auf sich warten.
 
 
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Willkommen zu einem weiteren Weltuntergangsszenario, wo Chaos, Zerstörung und Gewalt eine wesentliche Rolle spielen. Zwischen spektakulären Landschaften und friedlich eingefangener Idylle (der Film wurde auf Teneriffa gedreht) verbirgt sich eine unberechenbare Bedrohung, die hier Blutzoll fordert. Es sind die Erwachsenen, die ähnlich wie in Romeros THE CRAZIES zu tollwütigen Bestien mutiert sind und töten müssen. Auch den sechs Hauptdarstellern blüht gleiches Schicksal. Die müssen erfahren, dass die Verwandlung zur Bestie immer dann eintritt, wenn die Jugendlichen die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten haben. Der Verlust von Reinheit und Unschuld sorgt dafür, dass aus artigen Kindern desorientierte Monster werden. Groteskerweise ist das Schicksal für jeden der Protagonisten im Film vorbestimmt – eben so wie im richtigen Leben.
 
 
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Regisseur THIERRY POIRAUD macht diesmal ernst. Während der Vorgängerfilm GOAL OF THE DEAD mit schwarzem Humor und knapp zwei Stunden Spielzeit viel Sitzfleisch vorausgesetzt hat, ist im Folgefilm alles anders. Trotz des gleichen Subgenres ist ALONE frei von Lachern und mit knapp 70 Minuten sogar etwas kurz geraten. Kurz, knackig und ernst könnte man meinen, doch leider ist dem nicht so. Der Streifen macht zwar anfangs alles richtig und zeigt spannungsgeladenes Überlebenskino mit wenigen Gewalteinlagen. In der Halbzeit weht ein anderer Wind und ALONE wird zum behäbig inszenierten Coming-of-Age-Drama mit zu vielen Längen und reichlich Teenager-Romantik. Zombiefans werden da die Nase rümpfen, vor allem auch deshalb, weil der Richtungswechsel das Tempo drosselt und dem Film die Spannung raubt. So wird eine erzwungene Liebesgeschichte zum Todesurteil für einen Film, der eigentlich stark begonnen hatte, sich am Ende aber selbst im Weg steht. Bleibt zu erwähnen, dass sich Macher THIERRY POIRAUD für seinen Horror-Dramen-Mix von den Filmen des Regisseurs LARRY CLARK inspirieren lies. Der beschäftigt sich in seinen meist kontroversen Kinoerlebnissen stets mit der Weise, wie wir heutzutage in der Gesellschaft Jugendliche wahrnehmen – oder wie zumindest CLARK sie wahrnimmt. Verarbeitet hat der seine Beobachtungen in Werken wie BULLY, KIDS und KEN PARK. Die meisten davon lösten heikle Debatten unter Filmfans aus. Die dürften dem unentschlossenen ALONE wohl verwehrt bleiben.
 
 
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ALONE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Peter-Pan-Syndrom meets Zombies. Oder: Desorientierte Kinder und ihre Zukunft. In ALONE (oder DON’T GROW UP – so wie er auch vermarketet wird) ist die leider nicht sonderlich rosig, denn sobald Kinder im Film die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten, verwandeln sie sich zu gewissenlosen Kreaturen – ganz wie im richtigen Leben eben. Der neue Streifen von GOAL OF THE DEAD-Macher THIERRY POIRAUD ist eine Allegorie auf das Erwachsenwerden, beginnt mit einer starken ersten Filmhälfte und verirrt sich nach der Halbzeit im Coming-of-Age-Schmalz. Das ist ärgerlich, weil aus ALONE ein richtig fieses Filmchen hätte werden können, wenn man den anfänglich eingeschlagenen Survival-Horror-Kurs beibehalten hätte. Auch wenn sich aggressive Furien für einen Zombie-Schocker ziemlich rar machen, gelingt es Regisseur THIERRY POIRAUD eine allgegenwärtige Weltuntergangsstimmung zu erzeugen und die Küste von Teneriffa (der Filme wurde dort gedreht) in den Vorhof zur Hölle zu verwandeln. Trotz Gesellschaftskritik ist ALONE trotzdem kein tiefgründiges Filmerlebnis. Um ernstgenommen zu werden, wirkt der Film einfach nicht rund genug und hat mit vielen Logiklöchern zu kämpfen. Hardcore-Zombiefans werden sich von der Gesellschaftskritik im Film ohnehin nicht beeindrucken lassen. Weil sich zelebrierte Gewalt in Grenzen hält, schalten die vermutlich ohnehin nach der Hälfte ab. Damit liegen die gar nicht mal so falsch. Auch wir empfehlen nach der Halbzeit abzuschalten, denn was danach kommt, ist kaum der Rede wert.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Zensur

 
 
 
Bei den Zombies im Film handelt es sich um aggressive Erwachsene, die Kinder jagen – Splattermomente bleiben aber aus. Das gilt auch für Gewalt, die sehr sparsam eingesetzt wird.
Das meiste passiert im Off und viele Angriffe tollwütiger Erwachsener gibt es auch nicht zu sehen. Weil Schauwerte überschaubar sind, hat es für ALONE / DON’T GROW UP eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (normale Blu-ray im Keepcase mit O-Card)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Don’t Grow Up; Frankreich | Spanien 2015

Genre: Horror, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover und im O-Card

Extras: Making-of, Trailer, Trailershow

Release-Termin: 24.03.2017

 

Alone [Blu-ray mit O-Card] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

ALONE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Terror Z – Der Tag danach (2013)
 
Carriers (2009)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
28 Weeks Later (2007)
 
28 Days Later (2002)


Filmkritik: „Martyrs“ (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Dennoch musste das MARTYRS-Remake geschnitten werden, um eine FSK-Freigabe erhalten zu können. Diese zensierte Fassung besitzt den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (Mediabook mit dem Original von 2008 und Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Martyrs; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Inside the Creature – Featurette | zusätzlich im Mediabook: Booklet, der Originalfilm Martyrs von 2008

Release-Termin: 03.11.2016 (BD KeepCase und Mediabook)

 

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MARTYRS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)


Kritik: „Horsehead – Wach auf wenn du kannst“ (2014)

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HORSEHEAD

Story

 
 
 
Jessica (Lilly-Fleur Pointeaux) ist eine junge, französische Studentin, die auf den ersten Blick eine normale junge Frau zu sein scheint. Doch hinter den blonden Haaren und tiefblauen Augen versteckt sich etwas Unheimliches. Seit ihrer Kindheit leidet Jessica an schlimmen Albträumen, die ihr Schlaf und Ruhe rauben. Als sie von ihrer Mutter Catelyn (Catriona MacColl) zur Beerdigung ihrer Großmutter gerufen wird, beginnen sich die Ursachen ihrer lebenslangen Albträume abzuzeichnen. Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist kühl und distanziert, nicht einmal dem Ehemann und Stiefvater Jim (Murray Head) gelingt es, die Stimmung zu heben. Getrieben von den gruseligen Symbolen ihrer Träume und bewaffnet mit der Fähigkeit des luziden Träumens begibt Jessica sich auf eine Reise in ihre familiäre Vergangenheit und stößt auf einige höchst unschöne Geheimnisse.
 
 
 


 
 
 

HORSEHEAD – Kritik

 
 
 
Die erzählerische Macht des menschlichen Unterbewusstseins ist bereits seit knapp 100 Jahren eine feste Größe in der Kinolandschaft. Surrealisten wie Luis Bunuel und David Lynch machten sich die Bildsprache und Logik der Traumwelten zu Nutzen, um beeindruckende Karrieren zu spannen. Auch das Horrorgenre entdeckte den Traum für sich, das wohl populärste Beispiel hierfür ist die „Nightmare on Elm Street“-Reihe. Beim ersten Spielfilm des Regisseurs handelt es sich allerdings nicht um einen herkömmlichen Slasher. Als Monster fungiert hier der titelgebende Horsehead, ein symbolische Kraft, die mit einer Pferdemaske die Träume der Protagonistin heimsucht. Basset springt in seinem sehr hübsch aussehenden Film zwischen zwei Traum-Modi hin und her. Ersterer dient mit seinen grotesken und schnell geschnittenen Gewaltdarstellungen zur Einstimmung in den Film. Später, nachdem Jessica die Fähigkeit des luziden Träumens gemeistert hat, begibt „Horsehead“ sich in düstere, farbstarke Traumwelten, in denen die gebeutelte Heldin des Films nach den Geheimnissen ihrer Ahnen sucht.
 
 
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Die gut ausgeleuchteten Bilder, die sich auch der Kraft eines gut gesetzten Schattens bedienen, zeugen von einem feinen Auge des Filmemachers. Leider sind nicht alle Sensibilitäten des Regisseurs so ausgeprägt wie die Visuelle. Teilweise unterlegt Basset Sequenzen der ruhelosen Jessica mit wummernder, elektronischer Musik, die sich weder in die ländliche, französische Kulisse, noch in die Handlung des Films einfügen will. Eine etwas befremdliche Entscheidung ist es auch, einen in Frankreich spielenden Film mit lokalen Schauspielern auf Englisch zu drehen. Es hätte dem Film sicherlich mehr Authentizität verliehen, wenn er sich der französischen Sprache verschrieben hätte. Neben diesen stilistischen Schwachpunkten machen sich vor allem im letzten Drittel des Films einige Patzer im Drehbuch breit, die es dem Zuschauer zunehmend schwer machen, den Geschehnissen zu folgen und sie zu verstehen. Dies wird vor allem dadurch verursacht, dass die Grenzen zwischen Traum und Realität immer mehr verschwimmen, ohne dass der Filmemacher die narrativen Zügel in der Hand behalten kann.
 
 
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HORSEHEAD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Der französische „Horsehead“ ist ein solides Langfilmdebüt des französischen Regisseurs Romain Basset, in dem er vor allem visuelle Stärken unter Beweis stellen kann. Leider läuft ihm sein eigener Handlungsverlauf zum Ende des Films davon. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer, schön anzusehender und ordentlich gespielter Film, der von einem etwas fokussierterem Drehbuch klar profitiert hätte.
 
 
 


 
 
 

HORSEHEAD – Zensur

 
 
 
„Horsehead“ erscheint in Deutschand mit einer Freigabe ab 18, die anhand der blutigen, verstörenden Bilder und der Thematik vor allem im späteren Verlauf des Films absolut gerechtfertigt ist – ungeschnitten, keine Jugendfreigabe!
 
 
 


 
 
 

HORSEHEAD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (Amaray Blu-ray)

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(c) Donau Film (limitiertes Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Horsehead; Frankreich 2014

Genre: Drama, Fantasy, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover, ebenso Auflage im Mediabook

Extras: Featurette „Der Pferdekopf“ (14:41 Min.), Teaser (1:01 Min.), Deutscher Trailer (2:14 Min.), Original Kinotrailer in Englisch (2:13 Min.), Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiger Buchteil, Poster, Inside Horsehead – Das Making Of (ca. 60 Min.), Die Effekte (ca. 15 Minuten), Das Casting (ca. 20 Minuten), Vier Kurzfilme von Regisseur Romain Basset (ca. 60 Minuten)

Release-Termin: 29.05.2015

 

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HORSEHEAD – Trailer

 
 

 
 
 

Timo Löhndorf

Mehr Kritiken von Timo gibt es auf dasnapalmduo.de zu lesen

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei DONAU FILM

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Nightmare on Elm Street (1984)
 
Inside (2007)
 
Martyrs (2008)
 


Filmkritik: „Among the Living“ (2014)

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AMONG THE LIVING

(AUX YEUX DES VIVANTS)

Story

 
 
 
Für Victor (Théo Fernandez), Tom (Zacharie Chasseriaud) und Dan (Damien Ferdel) ist der letzte Schultag vor den Ferien die Hölle. Nach ihrem letzten Streich werden die Jungs zu allem Überfluss zum Nachsitzen verdonnert. Da haben sie natürlich überhaupt keinen Bock drauf, also wird sich kurzerhand aus dem Staub gemacht. Das Ziel sind die verlassenen Kulissen eines Filmstudios, irgendwo im französischen Nirgendwo. Ganz ohne Komplikationen läuft der inoffizielle Wandertag natürlich nicht ab, denn in den heruntergekommenen Ruinen treffen sie nicht nur auf schrottreife Autos und dilettantisches Graffiti, sondern auch auf eine geknebelte und gefesselte Frau, die in den Kofferraum eines Autos gesperrt wurde und den Mann, der sie augenscheinlich dort deponiert hat. Hals über Kopf flüchten die drei Jungs aus dem perversen Fuchsbau zurück zu ihren Familien, doch leider hat ein mysteriöser, gewalttätiger und extrem unbekleideter Jäger bereits ihre Fährte aufgenommen.

 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Kritik

 
 
 
Anfangs scheint noch alles in bester Ordnung zu sein. In bester „Inside“-Manier entfacht das Regie-Duo aus Alexandre Bustillo und Julien Maury in der ersten Szene von „Among the Living“ eine widerwärtige und extreme Atmosphäre aus Gewalt, Blut und Ekel. Leider hat der Film im weiteren Verlauf kaum etwas mit der Origin-Story der späteren Antagonisten zu tun. Ganz im Gegenteil. Nach der starken Eröffnung schneiden Maury und Bustillo sogar von einem medizinisch sehr bedenklichen (und selbst durchgeführten) Kaiserschnitt zum Schulalltag der drei pubertierenden Hauptfiguren. Dann kommt erstmal eine Weile überhaupt nichts. Damit ist nicht nur die Abwesenheit von spannenden und/oder brutalen Szenen gemeint, sondern die allgemeine Qualität des Drehbuchs, das in keinem Moment funktioniert.
 
Das Rotznasen-Trio ist dermaßen unsympathisch geschrieben und gespielt, dass man sich als Zuschauer bereits nach ihrer ersten Szene, in der sie über den Mord an einer Lehrerein nachdenken, auf der Seite des Albino-Psychokiller-Muskelmanns sieht. Und das ist nur selten gut. Wer sich bereits einen Film angesehen hat, wird wissen, dass Spannung und Drama am besten funktionieren, wenn man als Hauptfigur der Geschichte einen funktionierenden Charakter hat, mit dem man sich identifizieren kann. Diese Regel treten Maury und Bustillo in „Among the Living“ gepflegt in die Tonne. Auch auf Seiten der Gegenspieler sieht es nicht besser aus. Die böse Kraft besteht hier aus einem Vater-Sohn-Gespann, das sein Dasein in einem unkoscheren Wohnverhältnis fristet und die gelegentliche Frau entführt/ermordet/vergewaltigt/opfert. Das Ganze spielt sich irgendwo zwischen Okkult, Sekte, Kannibalismus und genereller Seltsamkeit ab, aber was genau passiert und warum es passiert, wird offen gelassen. Der neblige Hintergrund der Schurken kann bestenfalls als Versuch gewertet werden, ihre Präsenz unberechenbarer und gefährlicher zu machen. Leider geht der Versuch gehörig in die Hose.
 
Aber natürlich guckt man sich einen Film der New French Extremity (die Maury und Bustillo mit „Inside“ und „Livid“ sogar mitbegründet haben) nicht für seine präzisen und sensiblen Charaktermomente an. Hier geht es in erster Linie um dichte, nervenzerstörende Atmosphäre, unaushaltbare Spannung und natürlich auch um die so wichtigen Schauwerte des Horror-Genres. Und leider wartet „Among the Living“ in diesem Bereich mit noch größeren Makeln auf. Wo man ein schwaches und substanzloses Drehbuch noch halbwegs verzeihen kann, ist es hingegen komplett unverständlich, wie konservativ und blutleer die Regisseure ihren Film gestalten. Mit nur wenigen Ausnahmen schneiden sie vor Attacken oder Morden konsequent weg und frustrieren die Horrorfans so doppelt. Es ist ein Rätsel, wie es zu dieser Entscheidung kam, denn in den 2-3 Szenen, in denen die Kamera bei der Gefahr bleibt, beweisen Maury und Bustillo erneut ein feines Gespür für die Spannung und das Unbehagen, das von angedrohter Gewalt ausgehen kann. Hier sei auch noch ein Mal die intensive Anfangssequenz erwähnt.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Schmutzig, brutal und knallhart inszeniert. „Among the Living“ ist ein verstörender Albtraum aus Gewalt, Angst und Blut. Nach einem brutalen und kompromisslosen Anfang lässt „Among the Living“ extrem stark nach und zeichnet sich vor allem durch langweilige Dialoge und sperrige Wechsel von Setting und Ton des Films aus. Das Drehbuch des Films ist ein Minenfeld, in dem keine Explosion ausgelassen wird und kommt einer Katastrophe gleich. Einzig in der Inszenierung beweist das Gespann Maury und Bustillo erneut Kompetenz. Wenn es darauf ankommt kreieren die Beiden eine dichte, bedrohliche und unbehagliche Atmosphäre, die auch ohne explizite Gewalt auskommt. Leider absolvieren diese Szenen bestenfalls Gastauftritte und dienen als kleine Geistesblitze in einem Gesamtwerk aus sinnlosen Entscheidungen und einem nicht vorhandenen Drehbuch. Als Horror-Regisseure sind Julien Maury und Alexandre Bustillo nach wie vor relevant, aber an den Schreibtisch sollte man sie wohl besser nicht mehr lassen.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Zensur

 
 
 
Die expliziten Szenen des Films sind für einen Vertreter der New French Extremity viel zu spärlich gesät und mit wenigen Ausnahmen um Einiges zu zahm. Trotzdem ist vor allem die Anfangsszene bösartig genug, so dass „Among the Living“ von der FSK erst für Erwachsene zugänglich gemacht wurde. Die erhältliche Filmfassung mit dem Aufdruck „Keine Jugendfreigabe“ ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aux yeux des vivants; Frankreich 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Alternativer Anfang, Making Of

Release-Termin: 05.03.2015

 

Among the Living – Das Böse ist hier [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Trailer

 
 

 
 

Timo Löhndorf

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Ähnche Filme:
 
Inside (2007)
 
Livid – Das Blut der Ballerinas (2011)
 
High Tension (2003)