Filmreview: „Raze – Fight or Die!“ (2013)

Raze-Fight-or-Die-2013
 
 
 

RAZE – FIGHT OR DIE!

Story

 
 
 
Sabrina (Zoë Bell) und viele andere Frauen müssen sich in Zweikämpfen gegenseitig umbringen, um das Leben der ihnen Nahestehenden zu retten. Hinter dem fiesen Treiben steckt eine geheime Organisation, die Spaß daran hat den Kämpfen mittels Kamera zu folgen …
 
 
 


 
 
 

RAZE – Kritik

 
 
 
Es ist bedauerlich wohin sich das Genre im 21. Jahrhundert entwickelt hat. Extremgewalt heißt die neue Geheimrezeptur, die sich mittlerweile wie ein Parasit von Film zu Film frisst, damit der Zuschauer stets die eigenen Grenzen des Ertragbaren austesten kann. Ein Horrorfilm scheint sich in der heutigen Zeit nur dann gut zu verkaufen, wenn darin ausgiebig zerstückelt, gehäutet, vergewaltigt und gefoltert wird. Doch das Vorhandensein purer Gewalt allein reicht Jahre nach Tortur-Wegweisern wie HOSTEL, SAW und MARTYRS schon lange nicht mehr aus. Wer heute mit seinen Filmen schockieren und unterhalten möchte, muss möglichst sadistisch und menschenverachtend vorgehen, schließlich muss so einem wehrlosen Opfer eingebläut werden, das es eigentlich einen Dreck wert ist, bevor es dann nach unendlich vielen Qualen den erlösenden Tod finden darf. Wo sind die guten Gruselgeschichten von einst, die vor Jahrzehnten das Horror-Genre begründet haben? Die sind mittlerweile Mangelware geworden, denn nicht selten genügen allein Visionen vom groben Morden, um darum einen dünnen Plot zu weben und Filme draus zu machen. Ganz finsterer Nonsens und fragwürdiger Vertreter jener zweifelhaften Filmchen ist RAZE, der mit Sicherheit von der hiesigen FSK in der Luft zerrissen werden dürfte. Nicht ohne Grund, befriedigt das triviale Machwerk einzig die niederen Instinkte gelangweilter Gorehounds, die immer nur dann hellhörig werden, wenn sinnlose Brutalitäten das Schauen von eigentlich überflüssigen Horrorfilmen rechtfertigen. RAZE dürfte harsche Kritik von empörten Feministinnen auf den Plan rufen, schließlich sind es hier wieder einmal ausschließlich Frauen, die möglichst menschenunwürdig vor der Kamera ermordet werden. Keine Ahnung welche kranken Phantasien in Drehbuchautor und Regisseur JOSH C. WALLER schlummern, damit man so einen frauenverachtenden Streifen drehen und auf die Menschheit loslassen musste. Hinzukommt Unverständnis, warum sich ausgerechnet drei (!) Drehbuchautoren an der dünnen Geschichte ausprobieren mussten, ist doch die Idee hinter RAZE in nur wenigen Sätzen erklärt.
 
HOSTEL und HUNGER GAMES lassen grüßen, denn in RAZE sind es mal wieder Spiele, die es zu überleben gilt. Die werden von einer geheimen Organisation durchgeführt, die 50 nichts ahnende Frauen von der Straße fängt (merkt ja auch keiner) und in eine Art Arena sperrt, wo sie sich dann nacheinander selbst umbringen sollen. Leider bleibt den unfreiwilligen Gladiatorinnen keine andere Wahl, denn wer sich nicht seinem Schicksal fügen will oder sich gar den Anweisungen widersetzt, verliert einen geliebten Menschen. Damit die reichen Initiatoren beim Beiwohnen per Videoübertragung in Stimmung kommen, müssen sich die Teilnehmerinnen eigenhändig und ohne Hilfsmittel in die ewigen Jagdgründe befördern, was einigen leichter und anderen schwerer fällt. Dennoch sind bald die ersten Sieger auserkoren, doch unter den Frauen brodelt es verständlicherweise. Vor allem Kampfamazone Sabrina (ZOË BELL) will nicht so einfach beugen. Sie schmiedet einen Plan, um den perversen Spielorganisatoren das Handwerk zu legen.
 
Let’s get ready to rumble: Wenn zwei Frauen die Fäuste sprechen lassen, freut sich vor allem der männliche Zuschauer, dem bei soviel selbstbewusster Frauen-Power ganz rasch der Schlüpfer feucht werden dürfte. In RAZE werden den Mitstreiterinnen Köpfe eingeschlagen, Arme gebrochen, Augen eingedrückt und Nasen gebrochen – ganz so, wie es VAN DAMME und DUDIKOFF mit vehementer Leidenschaft in den trashigen Actionern der 80er Jahre getan haben. Leider gab’s in den meisten dieser eher dummen Prügelorgien immerhin so etwas wie eine Story, die man in RAZE leider vergebens sucht. Der Sinn des Ganzen bleibt weitestgehend unbeleuchtet, was dem Streifen gut und gerne das Prädikat „Gewaltpornographie“ einbringen dürfte. Hier bekommt der Zuschauer die immer wieder gleichen Szenenabläufe geboten, die sich nur durch deren Teilnehmer voneinander unterscheiden. In bester MORTAL KOMBAT-Tradition treten die Opfer zum Kampf an. Zuvor werden die Namen der austauschbaren Amazonen eingeblendet, was angesichts der kaum vorhandenen Charakterisierung vollkommen überflüssig scheint, dürfte dem Zuschauer spätestens nach dem dritten Fight deren Namen egal sein. Einfach zu verdauen ist das Dargestellte mit Sicherheit nicht gerade. Das Treiben orientiert sich an den ruppigen Frauenknastfilmen der 70/80er (freilich ohne schmuddligen Sex), das jedoch im Vergleich zu Exploitation-Klassikern wie der legendären ILSA-Reihe ganz andere Dimensionen erreicht. RAZE ist roh, hart und wird mit allerhand kruder und selbstzweckhafter Gewalt serviert, die dann in den letzten Minuten ihren kläglichen Höhepunkt erreicht. Denn wie es in aktuellen Gewaltbrüllern üblich ist, darf ein blutiger Racheakt der Heldin nicht fehlen, schließlich muss ein so unmenschliches Handwerk ebenfalls mit Mord und Totschlag vergolten werden. Die Mattscheibe färbt sich rot, der Horrorfan jauchzt vor Freunde und Händler im deutschsprachigen Ausland verdienen sich ein goldenes Näschen.
 
 
 


 
 
 

RAZE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wenn sich Frauen sinnlos und blutig die Köpfe einschlagen, freut sich das leicht zu erheiternde (männliche) Horrorherz. RAZE ist mal wieder ein überflüssiger Beitrag mit dürftigem Kontext und viel dummer Gewalt, die selbstverständlich im Nichts endet. Da schwebt mal soeben eine Idee durch die Köpfen der Drehbuchschreiberlinge und schon wird darum eine rudimentäre Handlung gewoben, die natürlich im Blut ertränkt werden muss. Leider werden todbringende Spiele in Zukunft öfters über den TV-Apparat flimmern, als einem lieb sein dürfte. Denn seit DIE TRIBUTE VON PANEM-Filme Rekordumsätze erzielen, wollen natürlich auch andere Filmschaffende mit ähnlicher Thematik etwas Kohle verdienen. RAZE soll vermutlich eine Hommage an die berüchtigten Frauenknastfilme sein; jene Machwerke, die sich vor über 30 Jahren großer Beliebtheit erfreut haben. Leider ist die vorliegende Verbeugung mehr gewaltgeiles HOSTEL meets HUNGER GAMES, als exploitationhaftes ILSA. Wer sich am Leid hilfloser Frauen ergötzen kann, bekommt hier die volle Dröhnung. Empfindsame Gemüter werden vermutlich schon nach zehn Minuten das Weite suchen.
 
 
 


 
 
 

RAZE – Zensur

 
 
 
RAZE hatte keine Chance bei der FSK. Rechteinhaber PIERROT LE FOU hat den Streifen mehrfach zur Prüfung vorgelegt, aber keine Freigabe von der FSK erhalten. Die Gewaltdarstellungen sind derart menschenverachtend, dass das Label Schnitte ansetzen musste. Diese haben das Prüfungsgremium nicht milde stimmen können. Demnach hat sich PIERROT LE FOU für eine ungeschnittene Veröffentlichung mit dem SPIO/JK-Kennzeichen „strafrechtlich unbedenklich“ entschieden. Die Scheibe kann daher nicht im stationären Handel erworben werden, sondern ausschließlich in einschlägigen Online-Shops, in Videotheken und auf Filmbörsen. Nur Drogeriemarkt MÜLLER verkauft die ungeschnittene Scheibe auf Anfrage unter der Ladentheke; die Volljährigkeit wird vorausgesetzt. Ein Mediabook (auf 3000 Stück limitiert) mit der kompletten Fassung des Films wird zudem über Österreich vertrieben.
 
 
 


 
 
 

RAZE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pierrot Le Fou (Abbildung der ungeschnittenen Fassung im herkömmlichen Keep Case)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Raze, USA 2013

Genre: Action, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 92 Min. (uncut)

FSK: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, ein Mediabook ist ebenfall bereits erschienen

Extras: Interviews, Behind the Scenes, Trailer

Release-Termin: Amaray: 30.05.2014 (Uncut-Fassung) – Mediabook: 10.07.2014 (Uncut-Fassung)

 
 
 

BR+DVD – RAZE – limitierte Mediabook Uncut Edition (Deutsche Uncut Auflage) bei AMAZON kaufen

 

Ungeschnitten in der Amaray-Version bei Cyper-Pirates bestellen

 
 
 


 
 
 

RAZE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Human Race (2013)
 
Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012)
 
Battle Royale (2000)
 
Die Insel der Verdammten (1982)
 
Ilsa, She Wolf of the SS (1974)

Filmreview: „Simon Killer“ (2012)

Simon Killer poster
 
 
 

SIMON KILLER

Story

 
 
 
Simon (Brady Corbet) ist ein attraktiver, junger Mann, der schnell mit Frauen in Kontakt kommt und sie rasch in seinen Bann zieht. Als er nach Paris reist, um Abstand von seiner alten Beziehung zu gewinnen, lernt er die Prostituierte Veronika (Mati Diop) kennen, der er bald sein wahres Gesicht offenbart …
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Kritik

 
 
 
Nach wie vor sind Killer im Kino ein garantierter Kassenmagnet, der die Filmfans nahezu fasziniert vom Bösen unermüdlich in die Lichtspielhäuser lockt. Dabei muss das Böse nicht immer nur in Gestalt maskierter Irrer über die Leinwand huschen. Oftmals sind es es genau jene Entsetzen auslösende Psycho- und Soziopathen, denen man es auf den ersten nicht Blick ansieht, dass deren Psyche eindeutige etwas zu arg gelitten hat. Zuletzt hat das Regisseur FRANCK KHALFON eindrucksvoll bewiesen, der im Remake zum Klassiker MANIAC statt eines schleimigen Widerlings, einen unscheinbaren und fast schon mitleiderregenden ELIJAH WOOD für die Filmrolle des mordenden Frank Zito wählte, um genau damit zu symbolisieren, dass selbst im netten Jungen von nebenan ein eiskalter Killer schlummern könnte. Nicht ganz so drastisch aber ebenso verabscheuungswürdig (wenn auch auf eine ganz andere Weise) geht Antagonist Simon (gespielt von einem wirklich hervorragender BRADY CORBET) im Zweitwerk von Regieneuling ANTONIO CAMPOS zugange. Der lässt nicht selten die innere Hässlichkeit des Menschen hervorblitzen und entpuppt sich im Verlauf der kleinen Geschichte als Teufel mit dem Gesicht eines Engels.
 
Der titelgebende Held hatte Stress mit seiner Freundin Michelle. Die Beziehung ging in die Brüche, so dass Simon nach Paris reist, um Anstand zu gewinnen. Lang allein bleibt er dort nicht, denn der smarte Amerikaner findet direkt Anschluss bei der Prostituierten Veronika (MATI DIOP). Die rassige Schönheit lebt seit der Trennung von ihrem aggressiven Freund in einem kleinen Apartment und verdient sich ihr Geld in einem Stripclub. Simon schreibt zwar der Ex täglich Emails und hofft auf eine baldige Versöhnung, findet aber bei Veronika vorerst Trost, die sich bald in den geheimnisvollen New Yorker verliebt. Doch dem Touristen gehen allmählich die Geldreserven aus, so dass eine Lösung gefunden werden muss, um die Kasse aufzufüllen. Blind vor Liebe willigt Veronika ein, sich ihre Freier nach Hause zu holen. Dort soll das meist außereheliche Schäferstündchen auf Video festhalten werden, um die Kunden später erpressen zu können. Das hinterhältige Spiel mit dem großen Geld läuft zwar anfänglich gut, doch eines der Opfer macht den Geschäftstüchtigen einen Strich durch die Rechnung.
 
SIMON KILLER weckt falsche Erwartungen, was vor allem am Wort „Killer“ im Titel liegen mag. ANTONIO CAMPOS hat hier keine bluttriefende Schlitzer-Orgie auf Zelluloid gebannt, sondern ein beunruhigendes psychologisches Porträt eines jungen Mannes, das dessen kränkliche Beziehungen zu Frauen und seine inneren Dämonen erforscht. Das weibliche Geschlecht scheint für den smarten Simon nämlich nur Mittel zum Zweck zu sein. Das bekommt auch Hure Veronika zu spüren, die dem ihr eigentlich Fremden Obdach und Liebesleistungen bietet, ohne überhaupt etwas dafür zu fordern. Als Simon am Ende mit der liebesblinden Frau nichts mehr anzufangen weiß, macht er kurzen Prozess und erschleicht sich das Vertrauen anderer Frauen. In kurzen Filmszenen erleben wir das Verhältnis zur Mutter. Das ist wie so oft bei Persönlichkeitsgestörten ungewöhnlich innig (man erinnere sich an Norman Bates in PSYCHO), so dass sich Simon auch gut und gerne mal wie ein unselbstständiges, jährzorniges Muttersöhnchen zwanghaft flennend vor die Webcam setzt, um der Mutter seinen Kummer zu beichten, wenn er nicht mehr weiter weiß. Was sich jedoch in der Vergangenheit des Hauptcharakters abgespielt hat bleibt größtenteils unergründet, so dass unschlüssig bleibt, ob sein frauenverachtendes Verhalten einen wirklich tiefverwurzelten Indikator besitzt oder es sich bei Simon doch nur um einen desorientierten und innerlich verwirrten Mann handelt, der in seiner letzten Beziehung einfach nur sehr verletzt wurde. Simons plötzliche Gewaltausbrüche bleiben psychologisch unbeleuchtet, was es für den Zuschauer erschwert SIMON KILLER zu kategorisieren, da sich der Protagonist in keine Schublade zwängen lässt.
 
SIMON KILLER ist kein Film für Zwischendurch. Der Streifen fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers, dem natürlich bewusst sein sollte, dass er es hier mit keinem weiteren Psychoschocker zu tun hat in dem dutzende Frauen gemeingefährlich abgeschlachtet werden. Regisseur FRANCK KHALFON lässt viel improvisieren und hält die Kamera nahezu minutenlang auf die Akteure ohne zu schneiden oder wegzublenden. Das mag zwar künstlerisch durchweg gelungen umgesetzt sein, strapaziert aber die Geduld des Zuschauers, der aufgrund der recht gemächlichen und sehr dialogreichen Inszenierung schnell das Interesse an SIMON KILLER verlieren dürfte. Nach dem kontroversen Drama AFTERSCHOOL (2008) ist SIMON KILLER der zweite Spielfilm von ANTONIO CAMPOS, der sich nach eigenen Angaben von Romanen der Krimiautoren GEORGES SIMENON und JIM THOMPSON inspirieren lassen hat. Auf dem 2012er Sundance Film Festival avancierte der Streifen zum Geheimtipp, was angesichts der etwas eigenwilligen Umsetzung und ziemlich ruhigen Erzählweise etwas sehr weit hergeholt scheint. Nichtsdestotrotz lohnt SIMON KILLER gesehen zu werden, zumindest für jene, denen durchdachte Geschichten in Filmen wichtig sind. Denn für blutgeile Horrorfans gilt nämlich hier vorerst Sendepause.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein AMERICAN PSYCHO in Paris. Unangenehmes Psycho-Thriller-Drama mit charismatischem Hauptdarsteller, viel Sex und nettem Soundtrack, der vermutlich öfter im Player rotieren dürfte, als der Film selbst. Wer langsam erzählte Geschichten bevorzugt, in dem sich das Grauen schleichend seinen Weg durch den Film bahnt, darf gern einen Blick riskieren.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Zensur

 
 
 
SIMON KILLER ist kein blutrünstiger Psychothriller. Simons Handlungen werden nur angedeutet. Somit dürfte der Streifen hierzulande ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben werden.
 
 
 


 
 
 

SIMON KILLER – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
American Psycho (2000)
 
One Hour Photo (2002)
 
House at the End of the Street (2012)