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Filmkritik: “White Settlers” (2014)

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WHITE SETTLERS

Story

 
 
 
Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) bekommen während der ersten Nacht im neuen Heim unerwarteten Besuch und müssen um ihre Leben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Kritik

 
 
Immer öfter wird auch der Horrorfilm zum Sprachrohr für Kritik an gesellschaftlichen Missständen. Im Fall des Thrillers WHITE SETTLERS lag dieser Kritik eine brisante Debatte zugrunde, die im September 2014 weltweit durch die Medien ging. Per Volksabstimmung sollte über die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien entschieden werden. Letztendlich scheiterte die schottische Unabhängigkeitsbewegung aufgrund mangelnder Befürworter, so dass der Landesteil im Norden und der Rest des Vereinigten Königreichs auch weiterhin eins bleiben mussten. Regisseur SIMEON HALLIGAN bezieht in seinem Kinostück klare Position. Im Gewand eines Horror-Thrillers nutzt er die Gelegenheit, sich kritisch über die politische Lage zu äußern. Sein Standpunkt ist kaum zu überhören, denn im Film wird mehrmals darauf hingewiesen, dass Engländer und Schotten besser nicht miteinander vermischt werden sollten. Dass sein WHITE SETTLERS auch noch kurz vor Ende des Schottland-Referendums in britischen Kinos kommen musste, unterstreicht nur die radikale Einstellung des Regisseurs, dem aber als Befürworter der Bewegung und gleichzeitig Systemkritiker trotzdem kein schlechter Horrorstreifen gelungen ist.
 
 
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In WHITE SETTLERS erleben Ed (Lee Williams) und Sarah (Pollyanna McIntosh) eine Nacht des Grauens. Sie haben gerade in der schottischen Einöde ein morsches Häuschen von einer Maklerin zum Schnäppchenpreis gekauft, die offenkundig froh darüber war, dass sie das historische Gemäuer an den Mann bringen konnte. Das verliebte Paar stört sich nicht an der bewegten Vergangenheit des alten Gebäudes und beginnt sogleich mit der Sanierung, schließlich soll das neue Heim für Entspannung fernab der hektischen Stadt sorgen. Die Möbel sind kaum an ihre Plätze gerückt, da raschelt es schon auf dem Hof. Einbrecher mit Schweinemasken haben sich Zutritt zum Haus verschafft und beginnen ein erbarmungsloses Katz- und Mausspiel zu veranstalten, das die ahnungslosen Opfer an die Grenzen des Erträglichen treibt.
 
 
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“Schottland ist ein sehr freundliches Land” beteuert die Maklerin beim Hausverkauf zu Beginn des Streifens – eine der vielen doppeldeutigen Aussagen, mit denen die lokalpolitische Unzufriedenheit des Regisseurs zum Ausdruck gebracht werden soll. Ein rauer Wind weht durch WHITE SETTLERS, denn Macher SIMEON HALLIGAN macht mal wieder von jener Panikmache Gebrauch, die schon der alte SAM PECKINPAH mit STRAW DOGS beängstigend real in Szene zu setzen verstand: Home-Invasion-Horror. Diesmal bleibt das Grauen jedoch weniger durch Sadismus und Folterei im Gedächtnis. HALLIGAN macht sich die bekannte Terrormasche zu Eigen und hetzt seine Opfer lieber von Zimmer zu Zimmer, um ihnen anschließend so viel Angst wie möglich einzujagen. In WHITE SETTLERS steht das Finden kreativer Verstecke auf dem Programm, denn die Protagonisten sind die Hälfte der Laufzeit damit beschäftigt sich neue Orte zu suchen, an denen sie sich vor den mit Schweinemasken vermummten Einbrechern in Sicherheit wähnen können. Doch die Bösewichte scheinen nicht sonderlich daran interessiert zu sein, ihre Beute brutal und bestialisch niederzustrecken. Warum das so ist klärt das Filmende auf. Das darf zur Abwechslung mal wirklich die Etikette “garantiert nicht vorhersehbar” tragen.
 
 
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Ein Schelm, wer bei Schweinemasken tragenden Einbrechern an den Splatter-Hit YOU’RE NEXT denken muss. Der ist dem hier besprochenen WHITE SETTLERS nicht unähnlich, wenngleich WINGARDS Gewalt-Orgie aus dem Jahr 2011 hauptsächlich durch fiese Effekt-Raffinessen auffallen konnte. Die fehlen in WHITE SETTLERS gänzlich, schließlich will SIMEON HALLIGAN mit gesellschaftskritischer Botschaft vor den Kopf stoßen, statt dem Zuschauer mit blutigen Gemeinheiten auf den Magen zu schlagen. Trotz Blutarmut und mittlerweile bekanntem Handlungsverläufen überrascht, dass das hier inszenierte Katz- und Mausspiel durchaus spannende Momente auf die Mattscheibe bringt. Zwar erfindet HALLIGAN keinesfalls das Rad neu; dank gutem Schauspiel und souveräner Machart wird aus einem einfachen Plot trotzdem fesselndes Angstkino ohne Längen. Aufgrund der kontroversen Thematik wird WHITE SETTLERS die Zuschauer jedoch in zwei Lager spalten. Die, die sich an der Problematik des Films nicht stoßen, dürften sich nicht nur einmal dabei ertappen, wie sie sich tief in den Filmsessel graben.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Nervenzerfetzendes Angstkino à la carte. Wer meint, dass in Schottland die Welt noch in Ordnung ist, irrt. SPLINTERED-Regisseur SIMEON HALLIGAN nutzt die friedliche Kulisse schottischen Weidelandes, um einen Home-Invasion-Schocker mit politischer Botschaft an den Zuschauer zu bringen. Was in WHITE SETTLERS gezeigt wird, hat man eigentlich schon unzählige Male gesehen. Abermals werden unschuldige Menschen von maskierten Fieslingen terrorisiert, die ihre Opfer durch den Film hetzen und – das scheint neu – nicht daran interessiert sind, ihnen Böses anzutun. Warum das so ist wird erst am Ende erklärt. Bis dahin schafft es Macher SIMEON HALLIGAN trotz einfacher Geschichte, uns zu fesseln. Sein ungemütliches Terrorwerk reduziert sich auf das Wesentlich und lässt keine Längen entstehen. Zudem laden kräftige Adrenalinschübe zum Mitfiebern ein – den glaubhaften und guten Schauspielleistungen der beiden Hauptdarsteller sei Dank.
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Zensur

 
 
 
WHITE SETTLERS hält sich im direkten Vergleich zu ähnlichen Thrillern dieser Art mit der Zurschaustellung von Gewalt und Gore zurück. Für die Splatter-Fraktion gibt es gerade einmal einen zermatschten Kopf, einen unglücklichen Tritt in eine Bärenfälle sowie „Schnitzarbeiten“ mit einem Teppichmesser an der Wade der Heldin zu sehen. Demnach wird der Film garantiert mit FSK16 im Handel stehen, denn viel zu beanstanden wird die FSK hier nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WHITE SETTLERS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. (2014)
 
Hate Crime (2013)
 
Home Invasion (2012)
 
Home Sweet Home (2013)
 
In their Skin (2012)
 
Funny Games (1997)
 
Kidnapped (2010)
 


Filmkritik: “Toxin” (2015)

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TOXIN

Story

 
 
 
Die ahnungslose Großmutter Sara wird Teil eines geheimen Militär-Experiments. In ihrem Keller wird eine todbringende Biowaffe getestet, die Menschen den Tod bringen soll.

 
 
 


 
 
 

TOXIN – Kritik

 
 
Das Gute an unabhängigen Videoproduktionen ist, dass sich deren Macher was trauen können. Anders als bei Filmen größerer Studios muss die Rezeptur nicht dem Allgemeingeschmack entsprechen, so dass man meist haarsträubende Geschichten zu sehen bekommt, für die man nicht selten den logischen Menschenverstand ausknipsen sollte. TOXIC ist einer dieser wirtschaftlichen Independenttitel in denen Dinge passieren, die keiner Logik entsprechen. Hier verhalten sich alle Beteiligten reichlich sonderbar und die Geschichte wirkt derart konstruiert und unglaubwürdig, weil sich Ereignisse zutragen, die so eben nur in Horrorfilmen passieren können. Immerhin haben sich bekannte Gesichter dazu bereiterklärt in diesem auf Zelluloid gebannten B-Movie-Quatsch mitzuwirken. Darunter DANNY GLOVER (LETHAL WEAPON) und VINNIE JONES (MIDNIGHT MEAT TRAIN und WAY OF THE WICKED). Die wollten sich vermutlich mit kurzem Gastauftritt ein kleines Taschengeld dazuverdienen und mimen hier zwei Bösewichte, die zugunsten der Wissenschaft einige Teenager über die Klinge springen lassen. Für Schauspieler VINNIE JONES gewohntes Terrain, verkörpert der ohnehin in fast jedem Kinofilm fiese Burschen sowie ausgefuchste Antihelden und tut auch in TOXIN das, was er am Besten kann: böse sein.
 
 
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Gefährliche Experimente sind mal wieder daran schuld, dass alles aus dem Ruder laufen muss. Diesmal geraten nicht Viren versehentlich unters Volk, sondern tödliche Sporen werden absichtlich freigelassen, damit Wissenschaftler des Militärs damit arbeiten können. Eine Dame älteren Semesters dient als unfreiwillige Probandin, die jedoch keine Ahnung davon hat, dass im Keller ihres Hauses mit einer tödlichen Biowaffe experimentiert wird. Die wurde dort ausgesetzt, um deren Auswirkung auf den Menschen studieren zu können. Seltsamerweise scheint das Immunsystem von Großmütterchen Sara eine Resistenz gegenüber der todbringenden Bedrohung entwickelt zu haben, so dass den Wissenschaftlern gleich auch Türen für die Entwicklung eines Gegenmittels geöffnet werden. Währenddessen kehrt Enkel Dean (TAYLOR HANDLEY) von einem Militäreinsatz aus dem Nahen Osten zurück in die Heimat und fischt einen Brief aus dem Briefkasten, in dem von der Zwangsräumung der großmütterlichen Bleibe berichtet wird. Eine schockierende Nachricht, die den besorgten Mittzwanziger dazu veranlasst, zusammen mit den Freunden nach dem Rechten zu sehen. Leider hat Großmutter Sara seit dem Tod ihres Mannes ein Messie-Syndrom entwickelt und scheint die Ordnung im Haus längst auf den Augen verloren zu haben. Für die Kids kein Grund zur Sorge. Die beginnen mit der Beseitigung des Chaos ohne davon zu ahnen, dass im Keller der unsichtbare Tod auf die freiwilligen Helfer lauert.
 
 
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Auch im Jahr 2015 bieten Killerviren, Keime und Bakterien immer noch reichlich Stoff, um darauf Filme machen zu können – ob man sie nun sehen will oder nicht. TOXIN orientiert sich in seiner Machart an den Virusschocker von ELI ROTH, dem es unter dem Titel CABIN FEVER vor knapp zehn Jahren gelang so etwas wie frischen Wind in das Genre der Virenfilme zu bringen. Darin sahen sich einige Teenager mit einem besonders aggressiven Virus konfrontiert, der ihnen in einer Waldhütte sprichwörtlich das Fleisch von den Knochen knabberte. Perfekt war der krude Low-Budget-Indie zwar nicht, aber immer noch um Längen besser als das, was Regisseur JASON DUDEK trotz Starbesetzung verbrochen hat. Sein TOXIN folgt zwar ganz ähnlicher Geschichte, dürfte aber bei Fans des düsteren Genres gnadenlos durchfallen, da blutige Schauwerte die Ausnahme bilden. Stattdessen entpuppt sich TOXIN als haarsträubender Video-Nonsens, in dem unzugängliche Protagonisten Entscheidungen treffen, die keinen Sinn ergeben. Da entdeckt eine weibliche Heldin erste Symptome einer mysteriösen Infektion an ihrem Körper und verfällt in Panik. Statt schnellstmöglich in die Stadt zu fahren, um sich helfen zu lassen, nimmt sie ein Rasiermesser und schneidet sich die Kehle durch. Ein anderer Protagonist findet keine Erklärung dafür, warum die beste Freundin zur Furie wird. Damit sie Ruhe gibt, rammt er ihr ein Messer in den Unterleib. TOXIN strotzt nur so vor Fehlern, Absurditäten und Oberflächlichkeiten, reist Gedanken an, ohne sie zu Ende zu bringen. So erfährt der Zuschauer zwar in Rückblenden von den schrecklichen Kriegserlebnissen der Hauptfigur Dean; eine Gewichtung für den Fortgang der Geschichte haben diese oberflächlichen und bedeutungslosen Flashbacks jedoch nicht.
 
 
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Einziger Lichtblick ist FIONA HALE, die mit ihren 88 Jahren allen Anwesenden die Show stielt. Sie glänzt als senile Greisin und brennt sich als gutmutige und dennoch hilflose Großmutter ins Gedächtnis ein. Der Rest des überschaubaren Ensembles dürfte schneller vergessen sein, als man denken kann, schließlich handelt es sich bei allen Figuren im Film um die üblichen Stereotypen, die man in jedem zweiten Horrorfilm zu sehen bekommt. Gleiches gilt übrigens auch für den austauschbaren TOXIN. Der gehört zu jener Art von Filmen, die man schnellstmöglich wieder verkaufen will, weil man sie ohnehin nicht ein zweites Mal sehen möchte. Der hinrissige Mix aus Sci-Fi-Thriller, Virus-Horror und Kriegsbewältigungs-Drama ist so überflüssig und belanglos, wie ein Sandkasten in der Sahara. Demnach Finger weg vom Blindkauf. Wir raten: erst leihen, dann über das gesparte Geld freuen!
 
 
 


 
 
 

TOXIN – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Der kleine Bruder von CABIN FEVER. Pünktlich zur Grippe-Saison schafft es mal wieder ein Horrorstreifen mit Killerviren (in diesem Fall sind es Sporen) zu FILMCHECKER, der aber zur Abwechslung nicht von wildgewordenen Zombiehorden berichtet. Vielmehr ist TOXIN Hüttenhorror, in dem sich einige Kids mit einer vom Militär entwickelten Biowaffe konfrontiert sehen und sich vorab durch Selbsttötung aus dem Drehbuch radieren, bevor es für den Horrorfan überhaupt interessant wird. TOXIN ist unglaubwürdiger Video-Trash, der nicht einmal obligatorische Schauwerte zu bieten hat, die man von aktuellen Horrorfilmen mittlerweile erwartet. Stattdessen tun hier Protagonisten Dinge, die jeglicher Logik strotzen und den Zuschauer vor dem Bildschirm fluchen lassen, weil sich die Helden im Film selten dämlich verhalten. Wer an Horrorware keinen Anspruch stellt und über Filmfehler hinwegsehen kann, dem sei solide Unterhaltung garantiert. Die Mehrzahl der Horrorfans dürfte TOXIN jedoch als Zeitverschwendung bezeichnen.
 
 


 
 
 

TOXIN – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch wird kaum etwas geboten. Es gibt einige Einschüsse zu sehen, die seltsamerweise nicht zu bluten beginnen. Zudem schlitzt sich eine Protagonistin mit einem Rasiermesser selbst die Kehle auf. Zombies oder ähnliches gibt es in dieser Virus-Schlafpille nicht zu sehen. Daher darf man auch auf eine FSK16 hoffen.
 
 
 


 
 
 

TOXIN – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Cabin Fever (2002)
 
Cabin Fever 2 (2008)
 
Cabin Fever 3: Patient Zero (2014)
 
The Dead 2: India (2013)
 
Dead Within (2014)
 
Antisocial (2013)
 


Filmkritik: “Verfluchtes Amsterdam” (1988)

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VERFLUCHTES AMSTERDAM

Story

 
 
 
In den Grachten von Amsterdam geht das Grauen um. Ein mysteriöser Angreifer hinterlässt eine Blutspur und stellt die Ermittelnden Polizeibeamten vor ein Rätsel. Inspektor Eric Visser heftet sich an die Fährten des Killers und gerät dabei bald selbst ins Visier des Wahnsinnigen…
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Kritik

 
 
 
Der Niederländische Regisseur Dick Maas, vor allen Dingen bekannt durch eine gewisse Familie namens „Flodder“, feierte seinen Einstand als Regisseur mit dem, in meinen Augen eher unterdurchschnittlichen „De Lift“ (in Deutschland unter dem unfreiwillig komischen Titel „Fahrstuhl des Grauens“ bekannt) nur um fünf Jahre später mit dem hier besprochenen „Amsterdamned“ auch international für Furore zu Sorgen. Seine waghalsige Mischung aus Horror-, Action- und Copthriller wurde zu einem echten Kassenschlager indem sogar in einer bestimmten Szene Filmgeschichte geschrieben wurde. Dazu aber später mehr. Gleich zu Beginn fällt der düstere Score auf, der in seiner Simplizität entfernt an John Carpenter erinnert. Zusammen mit der düsteren Bildsprache baut Regisseur Dick Maas hier in den ersten Minuten eine hübsch bedrohliche Atmosphäre auf. Und wenn zum Einstieg in die Geschichte aus der subjektiven Kameraperspektive, begleitet von schwerem Atmen, aus den wässrigen Grachten der Blick auf die nächtlichen Straßen von Amsterdam freigegeben wird, ein langes Küchenmesser verschwindet und eine Bordsteinschwalbe in bester „Jack the Ripper“-Manier abgemurkst wird, schlägt der Film erst mal deutlich die Marschroute Richtung „Horror“ ein. Die Täterfigur wird sehr schön zurückhaltend in Szene gesetzt. Zwar wird schnell klar dass man es hier mit einem Serienkiller in Tauchmontur zu tun hat, jedoch schafft es Dick Maas diese Figur nicht zu einer „Edgar Wallace“- artigen Witzfigur verkommen zu lassen, sondern ihn als echte Bedrohung die aus dem Verborgenen blitzschnell zuschlägt, zu inszenieren.
 
 
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Mit der Einführung der Hauptfigur schlägt der Film dann einen abrupten Haken Richtung Copthriller. Die Hauptfigur wird dabei sympathisch eingeführt und präsentiert sich als gesunde Mischung aus zynischem Hard-Boiled-Cop, der im Vorbeigehen einen kleinen Raubüberfall sehr unkonventionell auflöst, und Familienvater der ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu seiner Tochter hegt. Huub Stapel, der hier den Inspektor Eric Vissel verkörpert, nimmt man dabei das sympathische Raubein sofort ab. Amsterdam bietet für die nun folgende Mörderhatz eine sehr schöne Kulisse, hält hier aber nicht nur als Schauplatz her, sondern ist maßgeblich in das Geschehen miteinbezogen. Selten wurden die Möglichkeiten einer Stadt so effektiv in einem Genre-Film genutzt. Wobei sich hier nicht nur auf die Postkartenmotiv-Seite von Amsterdam verlassen wird. Vielmehr zeigt uns Dick Maas das düstere Amsterdam, samt finsteren Hinterhöfen, Rotlichtvierteln, verschmutzten Grachten und einer wässrig-modrigen, unbehaglichen Atmosphäre. Die nun folgende Mörderjagd bietet inhaltlich nicht viel Neues und klappert munter bekannte Stationen ab, die das Genre eben in der Form mit sich bringt. Da werden Zeugen befragt, Kollegen auf das Untersuchen von Beweisen abgestellt, mögliche Verdächtige ausgemacht etc.pp.. Inszenatorisch wird das aber alles sehr kurzweilig verpackt und durch die regelmäßigen Ausflüge ins Horrorfilm-Fach, in Form weiterer Morde des Killer-Froschmanns, aufgelockert. Besonders ins Auge stechen dabei im späteren Verlauf zwei wirklich toll gefilmte Verfolgungsjagden, wobei die Minutenlange Motorboot-Jagd in den Kilometerlangen Grachten besonders hervor zu heben ist. Hier sind wir übrigens wieder beim oben bereits erwähnten Thema „Filmgeschichte“ angekommen. Denn innerhalb dieser Motorboot-Verfolgungsjagd hat der verantwortliche Stuntman einen 67-Meter Sprung über zwei Brücken hingelegt, der den damaligen Rekordhalter für solch einen Stunt, nämlich den „James Bond“-Film „Leben und Sterben lassen“, noch übertrifft. Ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde war die Folge. Aber nicht nur dieser Rekord-Stunt macht die Szene so sehenswert. Sie ist obendrein toll gefilmt und für die damaligen Verhältnisse äußerst spektakulär in Szene gesetzt. Tatsächlich der Höhepunkt des Films.
 
 
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Aber bei all den offensichtlichen Horror- und Actionelementen ist auch der böse Humor nicht zu verachten, der in einigen Szenen durchblitzt. Die Szene, in der die Tote Prostituierte über eine, mit Schulkindern beladene Fähre rutscht und dabei eine knallrote Blutspur auf dem Gläsernen Dach dieser hinterlässt, ist dabei nicht nur bitterböse, sondern geht fast schon als Hommage an diverse Dario Argento-Streifen durch. Sowieso scheint sich Regisseur Dick Maas in der Horror-Filmgeschichte gut auszukennen, denn neben den offensichtlichen Anleihen bei John Carpenter, zitiert er in einer Mordszene munter die legendäre „Badewannen-Szene“ aus „Nightmare on Elm Street“ und während eines späteren Tauchgangs, in dem ein Schiffsrack inspiziert wird, zitiert er überdeutlich Spielbergs „Der Weiße Hai“. Gänzlich frei von Kritik ist der Film dann allerdings doch nicht, denn ausgerechnet auf der Zielgraden geht ihm etwas die Puste aus und die finale Auflösung wer denn nun der mysteriöse Killer ist und welchen Beweggründen er folgt erweist sich als haarsträubend und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Schade.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Verfluchtes Amsterdam“ ist eine unterhaltsame Mörderhatz durch eine beeindruckend in Szene gesetzte Großstadt. Der deutliche Horrorfilm-Einschlag steht dem Film ausgezeichnet und in Verbindung mit dem Copthriller-Thema sowie dem einen oder anderen Ausreißer in Richtung Action-Film gelang Regisseur Dick Maas hier ein höchst unterhaltsamer Genre-Mix wie man ihn heut zu Tage nur noch viel zu selten aus Europa zu sehen bekommt. Leichte Abzüge in der B-Note gibt’s für die haarsträubende Auflösung der Story, die allerdings dem Unterhaltungswert dieses Films in keinster Weise im Weg steht.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Zensur

 
 
 
Achtung: Leider ist die aktuelle Blu-Ray Veröffentlichung des Films nicht zu empfehlen, da sie einen wirklich ärgerlichen Zensurschnitt zu beklagen hat. Des Weiteren ist auch die deutsche Tonspur an manchen Stellen leicht asynchron. Genauere Infos über den Grund dieser Tatsachen gibt es bisher noch nicht, aber StudioCanal hat bereits angekündigt diesen Sachverhalt prüfen zu lassen. Scheinbar handelt es sich hier um einen Fehler, da alle bisherigen DVDs des Streifens ungeschnitten waren.
 
 
 


 
 
 

VERFLUCHTES AMSTERDAM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amsterdamned; Niederlande 1988

Genre: Action, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Niederländisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 112 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: 30-minütiges Making Of, Original Kinotrailer

Release-Termin: 22.01.2015

 

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VERFLUCHTES AMSTERDAM – Trailer

 
 

 
 

Sebastian Lach

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Poker Night (2014)
 
Killers (2014)
 
Das Schweigen der Lämmer (1991)
 
Sieben (1995)
 
Antikörper (2005)
 


Filmkritik: “Darker Than Night” (2014)

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DARKER THAN NIGHT

(MÁS NEGRO QUE LA NOCHE)

Story

 
 
 
Die junge Greta wird mit dem plötzlichen Tod ihrer Tante Ofelia konfrontiert und erbt ein Haus, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.

 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Kritik

 
 
Wer glaubt, dass nur die Amerikaner beliebte Kult-Grusler neu verfilmen, irrt. Auch in Mexiko hat man den Recyclingmarkt längst für sich entdeckt und daran Gefallen gefunden, bereits Dagewesenes für ein junges Kinopublikum vermeintlich zeitgemäß aufzubereiten. DARKER THAN NIGHT heißt die zumindest visuell ansprechend gefilmte Gruselmär, die vor fast 40 Jahren schon einmal über lokale Leinwände geisterte und als einer der wichtigsten Horrorexporte aus Mexiko gehandelt wird. Weil sich jedoch Horrorfans von heute mit alten Klassikern schwer tun, war die Konsequenz nur logisch: Eine modernisierte Neuverfilmung muss her. Im Falle von DARKER THAN NIGHT stellt sich jedoch einmal mehr die Frage, ob ein Remake unbedingt hätte sein müssen, denn der Originalstreifen mit dem Titel MÁS NEGRO QUE LA NOCHE (1975) gehört zu jenen Horrorwerken, die ohnehin nur den wenigsten Gruselfans ein Begriff sein dürften. Für Regisseur HENRY BEDWELL kein überzeugender Grund, nicht doch recycelten Filmmüll zu schreiben, den er dann auch gleich selbst gedreht hat. Der Mexikaner zeichnet verantwortlich und lies es sich dazu
auch nicht nehmen, von einem lukrativen Gimmick Gebrauch zu machen, um die Neuinterpretation als 3D-Schauerstück auf die Kinozuschauer loslassen zu können. So weit, so gut. Dennoch bleibt ungeklärt, was das zeitgemäße 3D hätte bringen sollen. DARKER THAN NIGHT ist nämlich ein ziemlicher mieser Film und ein schlechtes Remake noch dazu, das vermutlich nur deshalb als 3D-Variante in die Multiplexe gebracht wurde, um überhaupt jemanden zum Kauf eines Tickets bewegen zu können.
 
 
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Wie ein Sechser im Lotto: nach dem tragischen Tod der Tante hat Greta deren Anwesen geerbt, in dem es viel zu entdecken gilt. Doch das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft. Die Erbin muss dafür Sorge tragen, dass es Katze “Becker” gut geht, die Frauchen allein zurückgelassen hat. Leider nimmt Greta die Auflagen nicht ernst. Statt sich um das Wohl des Stubentigers zu kümmern, geht sie mit den aufgescheuchten Freundinnen auf Erkundungstour und entdeckt in den langen Fluren ihres neuen Heims manch mysteriöses Geheimnis. Als der Kater ertrunken aus dem Pool gefischt wird, ist leider Schluss mit lustig. Plötzlich mehren sich unheimliche Geschehnisse und Greta wird von schrecklichen Visionen und Albträumen geplagt. Alles deutet darauf hin, dass Tantchen Ofelia in die Welt der Lebenden zurückgekehrt ist und sie scheint über den plötzlichen Verlust ihres geliebten Haustieres nicht erfreut zu sein.
 
 
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Mit DARKER THAN NIGHT folgt Nachschub für all jene, die im Jahr 2014 noch nicht genug von Geister-Horror bekommen konnten. Schließlich war 2014 das wohl produktivste Jahr dieser Filme und machte das Heimkino zur Geisterbahn. Leider gab es nur selten Neues zu sehen, was viele Veröffentlichungen in völliger Bedeutungslosigkeit verschwinden ließ. Auch DARKER THAN NIGHT dürfte da keine Ausnahme bilden und gesellt sich zu jenen Kandidaten, über die morgen vermutlich kaum noch jemand sprechen wird. In dieser Grusel-Mogelpackung wird all das verbraten, was man in jedem austauschbaren Spuk- oder Gespensterfilm vor die Linse bekommt. Ob unheimliches Anwesen mit schlecht ausgeleuchteten Gängen, ein vorbeiziehender Sturm samt Blitz und Donner oder grausiges Stöhnen, flackerndes Licht und verwirrende Visionen – DARKER THAN NIGHT revolutioniert das Genre keineswegs. Ganz im Gegenteil. Regisseur HENRY BEDWELL holt sich Inspiration bei Genre-Größe GUILLERMO DEL TORO, (CRONOS, THE DEVIL’S BACKBONE), macht jedoch falsch was nur falsch zu machen geht und langweilt schnell, weil er knapp zwei Stunden für das benötigt, was andere in 20 Minuten zu erzählen haben. Den Zuschauer mit Langsamkeit quälen und Protagonisten orientierungslos durch ein riesiges Gemäuer treiben. Irgendwie scheinen die Macher nicht ganz verstanden zu haben, auf was es bei subtilen Horrorfilmen im Jahr 2015 ankommt. Mit endlos langen Kamerafahrten, bedeutungslosen Dialogen und schockarmen Streifzügen durch altmodisch eingerichtete Zimmer macht man sich keine Freunde, schließlich geht man davon aus, dass man in Geisterfilmen nicht nur erschreckt sondern auch mit Gänsehaut verwöhnt wird. Beides ist in DARKER THAN NIGHT Mangelware und ausreichend Beweis dafür, dass sich Regisseure von TV-Filmen besser mit der Umsetzung von Fernsehware beschäftigen sollten, statt sich in der Mache von Kinofilmen auszuprobieren.
 
 
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Normalerweise braucht ein Horrorfilm keine Stars, denn im Grunde genommen ist das auf Zelluloid gebannte Grauen die eigentliche Quintessenz eines jeden Horror-Schockers. Was jedoch tun, wenn die Schauspieler unbeholfen agieren und unheimliche Momente nur die Ausnahme bilden? Drehbuchschreiber und Regisseur HENRY BEDWELL nutzt Set-Design und Klangkulisse, um Schaueratmosphäre entstehen zu lassen. Die Ausgangslage könnte günstiger nicht sein, denn visuell ist DARKER THAN NIGHT über jeden Zweifel erhaben. Dennoch gelingt es BEDWELL trotz altmodischem Gruselambiente, kaum Gänsehautgefühl zu bewirken. Für einen Geisterstreifen ein fatales Unterfangen, das mal wieder auf den Schultern des Filmfreundes ausgetragen wird. Der wird nach nicht ganz zwei Stunden Filmlänge erneut feststellen müssen, dass er viel zu viel Zeit für einen überflüssigen Film vergeudet hat, der nicht das hält, was der Trailer verspricht. Auch wenn DARKER THAN NIGHT nach typisch mexikanischem Genre-Kino ausschaut und sich mit mehreren Zitaten im Film vor dem 75er Original verbeugt; qualitativ ist er mit ähnlich gelagerten Perlen wie HERE COMES THE DEVIL, JULIAS EYES oder WIR SIND WAS WIR SIND (Das Original!) nicht einmal ansatzweise vergleichbar. Prädikat: Schlaftablette mit Einschlafgarantie und hinterlistiger Zeiträuber!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Ein visuell beeindruckender Gruseltrip der alten Schule. DARKER THAN NIGHT (hier ist übrigens das Fell des Katers im Film gemeint) ist technisch gesehen Top, aber inhaltlich ein absoluter Flop. Die Ausstattung und das Set-Design sind ein Fest für die (Horror)Sinne und erinnern nicht nur einmal an die mexikanischen Gruselperlen aus der Werkstatt eines GUILLERMO DEL TORO. Blickt man jedoch hinter die Fassade, bröckelt der Putz und es offenbart sich das filmische Grauen. Der mexikanische Regisseur HENRY BEDWELL hat hier eines der unsinnigsten Remakes fabriziert, das die Filmwelt bis dato gesehen hat. Seine subtile Geister-Mär überrascht zwar mit finsteren Bildern – Gruselstimmung will aber kaum aufkommen, weil DARKER THAN NIGHT im Schneckentempo über die Mattscheibe kriecht und derart langweilig, ideenfrei, überraschungsarm und unbeholfen zusammengekleistert wurde, dass sich dem Zuschauer sprichwörtlich die Nackenhaare vor Ärger sträuben. Verschwendete Zeit, Finger weg!
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Zensur

 
 
 
Die Gewalt in DARKER THAN NIGHT befindet sich auf FSK16-Niveau. Es werden Gegenstände in Augäpfel gedrückt, eine Protagonistin fällt von der Treppenbrüstung und der männliche Filmheld wird von einer Katze angefallen. Schaut alles nicht sonderlich grausam aus, was auch nicht beabsichtigt war, schließlich konzentriert sich DARKER THAN NIGHT auf subtilen Horror.
 
 
 


 
 
 

DARKER THAN NIGHT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

(Alle Grafiken in dieser Review stammen von der Facebookseite des Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 
KM 31: Kilómetro 31 (2006)
 


Filmkritik: “Feed the Gods” (2014)

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FEED THE GODS

Story

 
 
 
Zwei Brüder reisen in das idyllische Städtchen Tendale, um dort nach den leiblichen Eltern zu suchen, stoßen dabei jedoch auf ein Geheimnis, das besser hätte im Verborgenen bleiben sollen …

 
 
 


 
 
 

FEED THE GODS – Kritik

 
 
 
Was ist nur mit dem kanadischen Regisseur BRADEN CROFT passiert? Mit seinem sehenswerten und intelligenten Psychotrip HEMMORRHAGE wandelte er 2012 noch auf unkonventionellen Pfaden und erhielt für sein Ausnahme-Debüt viel Lob von Kritikern und Filmfans. Sein Zweitwerk mit dem Titel FEED THE GODS ist da schon aus einem ganz anderen Holz geschnitzt und überrascht mit weitaus kommerzieller Machart – vermutlich, um damit ein größeres Horror-Publikum zu erreichen und auch etwas Geld verdienen zu können. Leider lässt der neue Streifen die durchdachte und tiefgründige Inszenierung seines Vorgängers missen, was FEED THE GODS zu einer zwiespältigen Angelegenheit macht, da sich der Streifen an den aktuellen Horror-Mainstream orientiert und so weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, die HEMMORRHAGE zuvor aufgebaut hatte.
 
Durchgestylt und temporeich geht es in FEED THE GODS zu. CROFT eifert HOLLYWOOD nach und hat die Hauptrollen seines neusten Horrorwerks mit makellosen Gesichtern besetzt, die aber immerhin reichlich sympathisch agieren und sogar Humor besitzen. SHAWN ROBERTS (A LITTLE BIT ZOMBIE) und TYLER JOHNSTON (aus der TV-Serie SUPERNATURAL) verkörpern hier zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber gleiches Schicksal verbindet. Sie wurden von einer Pflegemutter großgezogen und kennen die leiblichen Eltern nicht. Als die Adoptivmutter stirbt und den Brüdern eine Kiste mit mysteriösen Gegenständen hinterlässt, beginnt für Kris und den älteren Will ein riskantes Abenteuer voller Gefahren. Unter den Hinterlassenschaften befindet sich ein altes Videoband, das die leiblichen Eltern zeigt und die Brüder samt Freundin auf die Idee bringt, den Spuren der verschollenen geglaubten Eltern zu folgen. Die führen in das kleine Städtchen Tendale, wo man über die Ankunft der Geschwister wenig erfreut ist. Glaubt man den Erzählungen der Einheimischen ranken Legenden über den Ort, die von einem Bigfoot-ähnlichen Wesen berichten, das in den Wäldern sein Unwesen treibt und von den Bewohnern gefüttert wird, damit es besänftigt werden kann. Schauergeschichten, die sich bald in bittere Realität verwandeln, denn in diesem Städtchen haben die Menschen einen Pakt mit dem Bösen geschlossen.
 
Rituale, Opfergaben, Götter und Pakte – Regisseur BRADEN CROFT hat so seine Probleme alles unter einem Hut zu bekommen, denn vor lauter Hektik vergisst er dem Zuschauer schlüssige Antworten zu liefern. Die Einwohner von Tendale verfüttern Neuankömmlinge an ein mysteriöses Waldwesen, um den Ort als Gegenleistung verlassen zu können. Warum sie jedoch die Morde ausgerechnet auf Videoband festhalten müssen und niemand dem Verschwinden dutzender Touristen nachgehen möchte, bleibt eines der vielen Mysterien, die FEED THE GODS nicht beantworten möchte. Ob der Regisseur hier etwas weniger Liebe zum Detail hat walten lassen oder schlichtweg Stoff für eine mögliche Fortsetzung benötigte wird wohl nie geklärt werden können. Fakt ist, dass viele Gegebenheit in diesem Monster-Horror schlichtweg keinen Sinn ergeben und den Zuschauer nach dem Abspann mit einem unbefriedigenden Gefühl vor der Glotze zurücklassen. FEED THE GODS wirkt unfertig und löchrig und das obwohl CROFT eigentlich fast alles richtig macht. Er kümmert sich um seine Helden, räumt ihnen eine ansprechende Charakterisierung ein und sorgt sich um Atmosphäre und Gruselfeeling – zumindest bis die unheimlichen Geschehnisse des Films entschlüsselt werden. Danach überschlagen sich die Ereignisse und zwischen Bigfoot-Trubel und Opfer-Riten scheint der Regisseur des Öfteren den roten Faden seiner selbst geschriebenen Geschichte aus den Augen zu verlieren, weil er im konfusen Monster-Treiben offensichtlich selbst gemerkt hat, dass vor Drehbeginn vielleicht doch noch mal jemand über das Drehbuch hätte lesen sollen.
 
Letztendlich ist FEED THE GODS trotzdem immer noch ein schwer unterhaltsamer Horrorfilm, dessen sympathische Hauptdarsteller mit reichlich Charme und Wortwitz manch Fehler in der Geschichte vergessen lassen. In diesem Film ist nicht das Monster der Star (das im Übrigen nur kurz vor Ende zu sehen ist), sondern seine Helden, die länger im Gedächtnis bleiben, als die haarsträubende Geschichte. Immerhin schafft CROFT das Kunststück, das unterversorgte Bigfoot-Genre endlich mal um einen halbwegs spannenden Beitrag zu bereichern. Er sieht vom Einsatz nervendem Found-Footage-Gewackel ab mit dem Waldmensch-Grusler wie EXISTS und WILLOW CREEK im Jahr 2014 um die Gunst der Zuschauerschar gebuhlt haben. Trotz Logiklücken hat er ganz nebenbei trotzdem einen der besseren Bigfoot-Horrorfilme neueren Datums inszeniert, der knapp 90 Minuten kurzweiligen Mystery-Horror verspricht, insofern man nach dem grandiosen Erstling HEMMORRHAGE die Erwartung herabschraubt. Da kann man nur hoffen, dass sich der kanadische Regisseur bei seiner nächsten Regie-Arbeit wieder dem unkonventionellen widmet oder im Falle kommerziellen Geschichten sorgfältiger am Drehbuch feilt. Denn dann dürfte uns mitunter ein neuer Geheimtipp ins Haus stehen – genügend Ideeninput bringt CROFT auf jeden Fall mit.
 
 
 


 
 
 

FEED THE GODS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein schwer unterhaltsamer Bigfoot-Grusler, der den Zuschauer lang im Dunkeln tappen lässt und erst im letzten Akt verrät, worauf das Schauerabenteuer letztendlich hinauslaufen möchte. FEED THE GODS ist rätselhafter Bigfoot-Horror mit sympathischen Helden und reichlich Mystery, aber auch ziemlich vielen Logiklöchern, die mehr Fragen aufwerfen, als Antworten zu liefern. Trotz allem ist FEED THE GODS technisch souverän inszeniert und so straff durchgeplant, dass dem Zuschauer kaum Zeit bleibt, sich während der Sichtung Gedanken über Plotungereimtheiten zu machen. Die Suche nach Antworten beginnt erst weit nach Abspann, wenn sich der Herzschlag nach 90 Minuten Dauerhektik normalisiert hat und sich der Filmfan fragt, ob die vielen Mysterien der Handlung vielleicht bewusst nicht aufgelöst wurden, um eine mögliche Fortsetzung rechtfertigen zu können. Man wird sehen was die Zukunft bringen wird.
 
 
 


 
 
 

FEED THE GODS – Zensur

 
 
 
FEED THE GODS ist nicht sonderlich brutal. Es gibt ein paar Einschüsse zu sehen – das wars. Deshalb darf man davon ausgehen, dass der Streifen hierzulande unbeschadet die FSK passieren wird – mit einer Freigabe ab 16 Jahren versteht sich.
 
 
 


 
 
 

FEED THE GODS – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Willow Creek (2013)
 
Exists (2014)
 
Night of the Bigfoot (1980)
 
Bigfoot – Die Legende lebt! (2012)
 
Abominable (2006)
 


Filmkritik: “Haunting of Cellblock 11″ (2014)

haunting-of-cellblock-11-2014
 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11

Story

 
 
 
Das Filmteam einer Reality-Show reist zu einem verlassenen Gefängnis, um dort paranormalen Erscheinungen auf den Grund gehen zu können. Die lassen nicht lang auf sich warten, denn die Geister der hier Inhaftierten bemächtigen sich den Crew-Mitgliedern und haben nur einem Ziel: Rache.

 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Kritik

 
 
 
Kommt ein Horrorfilm gut beim Publikum an, kann man davon ausgehen, dass entweder eine Fortsetzung oder zig ähnlich gestrickte Plagiate folgen werden, die sich quasi der gleichen Gewinnformel bedienen, um beim Zuschauer landen zu können. HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist so ein Machwerk, bei dem der Zuschauer das Gefühl nicht loswerden möchte, gleichen Film bereits dutzende Male gesehen zu haben. Kein Wunder, Regisseur ANDREW P. JONES hat sich für seinen billig gewerkelten Geisterfilm scheinbar ziemlich einfallslos von der Found-Footage-Hatz GRAVE ENCOUNTERS inspirieren lassen, die im Jahr 2011 ein Überraschungshit war und seither unzählige Hobby-Geisterjäger in beachtlicher Regelmäßigkeit durch verlassene Krankenhäuser, Psychiatrien und Gefängnisse irren lässt, um paranormale Aktivitäten auf Film bannen zu können. Leider hatte JONES keine Muße, um sich selbst Gedanken über einen spannenden Plot zu machen, so dass er ganz einfältig besagte Gruselware kopiert und daraus einen vollkommen überflüssigen Film inszeniert hat, auf den die Filmwelt eigentlich verzichten kann. Ähnlich wie in GRAVE ENCOUNTERS steht auch in HAUNTING OF CELLBLOCK 11 (der übrigens anfänglich APPARITIONAL heißen sollte) ein Filmteam im Mittelpunkt, das stets auf der Suche nach paranormalen Ereignissen ist, um daraus eine Folge der beliebten Reality-Show “Ghost Sightings” machen zu können. Leider waren die zuletzt untersuchten Fälle nicht sonderlich spektakulär, was Produzentin Ms. Simon (Ein Wiedersehen mit Altstar DEE WALLACE) Sorgen bereitet. Sie trommelt die Crew zusammen und fordert bessere Recherchen, damit die Zuschauer der Serie reißerische Geschichten zu sehen bekommen und die Sendung nicht abgesetzt werden muss. Als ob der Zufall es wolle meldet sich sofort ein älterer Herr, der das Filmteam zu einem verlassenen Gefängnis führt, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Bevor das Gebäude geschlossen wurde, soll hier ein Arzt grausame Experimente an Inhaftierten durchgeführt haben, um deren Psyche zu heilen. Legenden, die sich bald als wahr herausstellen, denn es dauert nicht lang bis das Team auf die rastlosen Seelen jener stößt, die durch die Hand eines skrupellosen Arztes ihr Leben lassen mussten. Was folgt, ist wenig einfallsreich. Die Geister bemächtigen sich der Körper der unwissenden Geisterjäger und wollen nur eins: ihren Peiniger ausfindig machen und sich an ihm rächen.
 
Alles bleibt so wie es ist. HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist ein Low-Budget-Grusler ohne nennenswerte Höhepunkte, der aber immerhin vom lästigen Found-Footage-Stilmittel Abstand hält, das seit PARANORMAL ACTIVITY vor allem in Geisterfilmen immer wieder Verwendung findet. Das ist aber auch der einzig Positive, was der Gefängnis-Spuk zu bieten hat, denn im Grunde genommen klappert JONES all jene Etappen gängiger Gruselware ab, die der Zuschauer in jedem aktuellen Geisterfilm zu sehen bekommt. Ob finsteres Gebäude mit dunklen Gängen, modernes Equipment, um Spuk orten zu können oder bedenkliche Warnungen verängstigter Einheimischer, die das Filmteam vor drohendem Unheil bewahren möchten; HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist derart vorhersehbar, dass schnell die Lust am Gruseln vergeht, weil sich die Geschehnisse nach Schema F abspielen und schlichtweg kreative Gedankenblitze fehlen. Derart Ideenarmut stößt bitter auf und wirft die Frage in den Raum, warum Filmemacher eigentlich immer wieder gleiche Geschichten auf Film bannen müssen, deren Verläufe sich bereits nach Sichtung des Trailers erahnen lassen. Auch hier dürfte ein lukrativer Umsatz die Antwort liefern, schließlich entstehen derart unbrauchbare Streifen nicht aus Liebe zum Horrorfilm. Wäre das der Fall, hätte Regisseur ANDREW P. JONES vermutlich bedeutend mehr Herzblut investiert und einen halbwegs vernünftigen Grusler abgeliefert. Demzufolge sei an dieser Stelle all jenen Horrorfans vom Blindkauf abzuraten, die sich von HAUNTING OF CELLBLOCK 11 einen unheimlichen Gruselabend versprechen, schließlich regiert in diesem Schauerstreifen schlicht und einfach die nur eins: die Langeweile.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
“A wie austauschbar” und “B wie billig”. In HAUNTING OF CELLBLOCK 11 mangelt es an allem. Ob ausreichend Budget, gute Ideen oder neue Geschichten – dieser Film macht dem Low-Budget-Sektor alle Ehre und raubt dem Zuschauer vor allem eins: die Geduld. Regisseur ANDREW P. JONES hat mit seinem Geisterfilm ein weiteres Plagiat des erfolgreichen GRAVE ENCOUNTERS fabriziert nur mit dem Unterschied, dass man zur Abwechslung Abstand vom allmählich überdrüssigen Found-Footage-Filmstil nimmt. Das ist dann aber auch die einzige Neuerung, die HAUNTING OF CELLBLOCK 11 zu bieten hat. Ansonsten verläuft dieser ideenlose Einheitsbrei nach der gängigen Zutatenliste für Geister-Horror. Wer sich daran schon sattgesehen hat, dürfte sich schnell gelangweilt fühlen, weil dieser austauschbare Gefängnisspuk nichts zu bieten hat, was man nicht schon in gefühlt Tausenden dieser angeblich gruseligen Machwerke gesehen hat. Wir von FILMCHECKER meinen: verschwendete Zeit!
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Zensur

 
 
 
HAUNTING OF CELLBLOCK 11 ist ein typischer Vertreter der Gattung subtiler Geister-Horror. Demzufolge gibt es hier kaum schaufreudige Gewaltakte zu sehen. Ein Mann jagt sich eine Gewehrkugel in den Kopf. Ein anderer Hauptdarsteller tötet sich selbst und springt von einem Geländer hinab in die Tiefe. Wo kaum Gewalt stattfindet, darf meist mit einer FSK16 gerechnet werden.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING OF CELLBLOCK 11 – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Encounters (2011)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Hollows Grove (2014)
 
SX TAPE (2013)
 
House of Dust (2013)
 


Filmkritk: “Lemon Tree Passage” (2013)

Lemon-Tree-Passage-2013
 
 
 

LEMON TREE PASSAGE

Story

 
 
 
Einige Mittzwanziger gehen in Australien auf Geisterjagd. Auf der “Lemon Tree Passage Road” im Osten des Kontinents wollen sie einer urbanen Legende auf den Grund gehen und machen dabei Bekanntschaft mit dem Sensenmann.

 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Kritik

 
 
 
Urbane Legenden sind für viele Regisseure immer wieder ein gefundenes Fressen, um daraus lukrative Horrorfilmen machen zu können. Schließlich giert man in einer Zeit permanenter Ideenarmut nach jedem halbwegs vernünftigen Gedankenblitz, damit dieser zu Geld gemacht werden kann. Neben bekannten Legenden, wie die der “Bloody Mary” oder dem “Unbekannten Anrufer” (natürlich beide von Hollywood bereits verfilmt) tauchen immer wieder neue, moderne Mythen auf, die sich Dank des Internets zügig verbreiten und Stoff für gruselige Horrorfilme liefern. Auch DAVID CAMPBELL hat sich für seinen LEMON TREE PASSAGE von einer dieser neumodischen Sagen inspirieren lassen, die seit geraumer Zeit durch die sozialen Netzwerke spukt. Hierzulande ist sie jedoch kaum jemanden ein Begriff. In Australien dagegen hat sich die Legende von der LEMON TREE PASSAGE unter Jugendlichen zu einer beliebten, aber auch äußerst gefährlichen Mutprobe entwickelt. Glaubt man den Erzählungen, spukt es auf der “Lemon Tree Passage Road” zwischen Newcastle und Sydney gewaltig. Laut Aussage der örtlichen Polizei wird in der Gegend allgemein behauptet, dass ein weißes Licht im Rückspiegel erscheint, wenn man dort eine Geschwindigkeit von mehr als 180 km/h erreicht. Grund hierfür soll angeblich ein verunglückter Motorradfahrer sein, der auf genau jener Straße sein Leben lassen musste und nun versucht Rasern gleiches Schicksal zu ersparen, in dem er sie mit einem Lichtsignal warnt. Mittlerweile hat sich die Legende zu einem ernstzunehmenden Problem für die ansässige Polizei entwickelt, da immer wieder unerfahrene Jugendliche den Nervenkitzel suchen und mit überhöhtem Tempo über die Straßen fegen, um den angeblichen Geist heraufzubeschwören und dessen Erscheinen auf Film zu bannen zu können. Viele der jungen Fahrer unterschätzen jedoch die Gefahr, was die Polizei immer wieder vor ungeahnte Herausforderungen stellt, schließlich wird durch die rücksichtslose Raserei nicht nur das eigene, sondern auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer unnötig in Gefahr gebracht.
 
Nachwuchsregisseur DAVID CAMPBELL ist noch unerfahren im Filmemachen und hat mit LEMON TREE PASSAGE seinen ersten Langfilm inszeniert, der den Vergleich zu Mainstream-Produktionen mit ähnlichem Thema (u.a. DÜSTERE LEGENDEN) nicht scheuen braucht. Für Indie-Verhältnisse schaut sein Debüt nämlich ganz ordentlich aus, was kaum erahnen lässt, dass CAMPBELL bisher nur wenig Regie-Erfahrung sammeln konnte. Viel mit dem eigentlichen (Internet)Mythos der LEMON TREE PASSAGE hat sein erster Spielfilm jedoch nicht gemein, denn CAMPBELL nutzt die moderne Legende nur als Aufhänger um darum eine Geschichte über Rache und Vergeltung zu weben. Im Mittelpunkt stehen die amerikanischen Rucksacktouristen Maya, Toby und Amelia, die am australischen Strand einige adrette Australier kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die erzählen den Durchreisenden von genau jener urbanen Legende, die seit einigen Jahren an der Ostküste Australiens die Runde macht. Selbstverständlich lässt man es sich nicht nehmen den mysteriösen Gegebenheiten auf den Grund zu gehen, steigt ins Auto und gibt Gas. Umso größer die Überraschung als tatsächlich ein unheimlicher Lichtkegel erscheint, der den Fahrenden vor drohender Gefahr warnen möchte. Leider nehmen die sechs Mittzwanziger die Warnungen nicht ernst, so dass wenig später einer nach dem anderen auf grausame Weise sein Leben lassen muss. Doch wer steckt hinter den schrecklichen Morden? Ist hier der Geist des verunglückten Motorradfahrers am Werk oder wird der verursachte Schrecken durch menschliche Hand verursacht?
 
Mystery-Horror vom Feinsten: Macher DAVID CAMPBELL scheint reichlich Gruselfutter mit unerwarteten Wendungen studiert zu haben, denn LEMON TREE PASSAGE ist einer dieser Horror-Flicks, der mal wieder mit obligatorischem Twist aufwartet, der nun mal heutzutage zum Horrorfilm gehört, wie das Salz in die Suppe. CAMPBELL streut reichlich falsche Fährten, um den Zuschauer vorerst im Glauben zu lassen, dass hier der rachsüchtige Geist eines wütenden Motorradfahrers sein Unwesen treibt. Letztendlich wird der Horrorfan aber eines Besseren belehrt, schließlich wäre eine solche triviale Auflösung vermutlich auch etwas zu unspektakulär gewesen, um Horror-Fans vor der Glotze begeistern zu können. Die Protagonisten müssen sich einer weitaus unberechenbareren Bedrohung stellen, die es am Ende zu besiegen gilt, was aber nicht ganz einfach ist, weil das Böse in LEMON TREE PASSAGE nicht irdischer Natur ist und nach Vergeltung dürstet.
 
Letztendlich überrascht jedoch, wie gut der finstere und ansprechend inszenierte Mix aus Besessenheits-, Spuk- und Rachefilm funktioniert, auch wenn zu Beginn mal wieder davon berichtet wird, dass die Geschehnisse im Film von wahren Begebenheiten inspiriert wurden. Das ist natürlich vollkommener Quatsch und schürt nur falsche Erwartungen, weil die Legende von der LEMON TREE PASSAGE schlichtweg dem Aberglauben zuzuordnen ist. Immerhin dürfte sich der Echtheits-Slogan auf dem Poster verkaufsfördernd auswirken. Einige verwackelte Amateur-Aufnahmen auf Youtube von vermeintlichen Geisterlichtern auf der “Lemon Tree Passage Road” dürften zudem ihr Übriges dazu beitragen, dass der Film auch hierzulande unter Gruselfans auf großes Interesse stoßen wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Garantiert kein Film für Angsthasen: Souverän inszeniertes Gruselkino mit hervorragender Schaueratmosphäre und unerwarteter Wendung. Regieneuling DAVID CAMPBELL greift mit seinem Debütwerk eine moderne Legende auf, die seit einigen Jahren an Australiens Ostküste die Runde macht und nutzt sie als Grundlage, um daraus einen Gruselstreifen über Rache und Vergeltung zu machen. Der Zuschauer wird hier abermals auf falsche Fährten gelockt, damit die Spannungsschraube konstant fester gedreht werden kann. Die Auflösung ist letztendlich nicht sonderlich innovativ, macht den Streifen aber dadurch nicht schlechter. Mystery- und Gruselfans kommen hier definitiv auf ihre Kosten, denn für ein Erstlingswerk wurde LEMON TREE PASSAGE handwerklich beachtlich umgesetzt, was neugierig auf das machen wird, was CAMPBELL in Zukunft inszenieren wird.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Zensur

 
 
 
LEMON TREE PASSAGE ist ein subtiler Geisterfilm, in dem kaum reißerische Gewaltakte gezeigt werden. Ein Protagonist jagt sich einer Gewehrkugel in den Kopf, ein anderer nimmt sich mit Auspuffabgasen das Leben. Zudem wird eine Heldin von einem heranfahrenden Auto zerquetscht und einen Selbstmord durch Erhängen gibt es auch zu sehen. Das reicht alles für eine ungeschnittene FSK16.
 
 
 


 
 
 

LEMON TREE PASSAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
House of Dust (2013)
 
Still 2 (2014)

Zimmer 205 – Traust du dich rein? (2011)

 
Grave Halloween (2013)


Filmkritik: “Hollows Grove” (2014)

hollows-grove-2014
 
 
 

HOLLOWS GROVE

Story

 
 
 
Die Crew einer Reality-TV-Show macht in einem verlassenen Waisenhaus Jagd auf Geister, die über den unangemeldeten Besuch jedoch gar nicht erfreut sind und die unwillkommenen Gäste mit dem Tod bestrafen …

 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Kritik

 
 
 
So langsam glaubt jeder semiprofessionelle Filmemacher Horrorabfall drehen zu müssen, der sich der nicht mehr der ganz so frischen Found-Footage-Machart bedient. Zwar ist die Umsetzung solcher Filme immer noch finanziell lukrativ, weil wenig Produktionsbudget benötigt wird, um sie drehen zu können. Dennoch bringen es nur noch wenige von ihnen zum Erfolg, weil es schlichtweg zu viele von ihnen gibt, die sich dazu auch noch kaum voneinander unterscheiden. Mit schnell heruntergekurbelten Found-Footage-Gruslern den Fuß ins Horrorgeschäft zu bekommen ist schwer geworden, denn mittlerweile haben sich Filmfans am auf authentisch getrimmten Wackel-Wahn sattgesehen und winken nicht selten ab, wenn von neuen Schüttel-Schockern die Rede ist. Der Grund hierfür ist in der offensichtlichen Ideenarmut zu suchen, schließlich haben die immer gleichen Handlungsverläufe, Schreckmomente und Stilmittel dazu beigetragen, dass das einst durch BLAIR WITCH PROJECT gefeierte Sub-Genre nur noch eins verbreitet: Kopfschmerzen und Langeweile.
 
Auch wenn im Grunde genommen niemand mehr Found-Footage-Filme sehen will, scheint es da draußen trotzdem noch Regisseure zu geben, die noch nicht davon Wind bekommen haben, dass der Schüttelfilm-Zug längst ohne sie abgefahren ist. Einer derer ist CRAIG EFROS. Der Regie-Newcomer hat mit seinem HOLLOWS GROVE einen dieser überflüssigen Nachzügler gedreht, der dem schlechten Ruf jener totgedrehten Filmgattung gerecht wird. Neues sucht man nämlich in seinem Filmdebüt vergebens. Stattdessen vereint er wahllos all jene Stilmittel und Filmelemente in einem Streifen, die aus dem Found-Footage-Genre das gemacht haben, was es heute ist: eine cineastische Plage, die man partout nicht mehr loswird.
 
HOLLOWS GROVE ist ein einfältiges GRAVE ENCOUNTERS-Plagiat, in dem einige Hobby-Geisterjäger ein verlassenes Waisenhaus für ihre Reality-Show auf paranormale Aktivitäten untersuchen. Mit an Bord der Dokumentarfilmer Harold (MATTHEW CAREY), der die Dreharbeiten einer Folge der beliebten TV-Serie begleiten möchte, um darüber eine eigene Dokumentation drehen zu können. Selbstverständlich ranken düstere Legenden um das Gebäude, die vom mysteriösen Selbstmord zweier Krankenschwestern berichten und einem kleinen Mädchen, dass eine Leidenschaft für das Durchschneiden von Kehlen besaß. Anfänglich noch guter Dinge und zu pubertären Späßen aufgelegt, beginnt die Gruppe das verlassene Anwesen nach Geistern abzugrasen und finden die Erkundungstour plötzlich gar nicht mehr lustig, als eine Katze kopfüber gegen die Wand geschleudert wird und verendet. Was folgt ist wenig originell. Da rütteln Kochtöpfe in der Küche, spielen Plattenspieler ohne Strom und bewegen sich Dreiräder wie von Geisterhand durch lange Hausflure. Unartige Geistergören sind in HOLLOWS GROVE am Schaffen und möchten garantiert nicht nur spielen.
 
80 Minuten Film können lang sein, vor allem dann, wenn man das Gezeigte schon unzählige Male gesehen hat. HOLLOWS GROVE erzählt die gleiche Geschichte, die in Found-Footage-Werken immer wieder über Bildschirm und Leinwand flimmert sobald rastlose Geister ihr Unwesen treiben. Die einzige Neuerung besteht diesmal darin, dass die Kulisse ausgetauscht wurde, damit dem Zuschauer etwas Abwechslung geboten wird. Ansonsten bleibt alles beim Alten und die wenigen Protagonisten arbeiten sich Schritt für Schritt von Zimmer zu Zimmer nur um Ende feststellen zu müssen, dass die hier festsitzenden Seelen den unangemeldeten Besuch so schnell wie möglich loswerden wollen. Sobald der erste Tote zu beklagen ist, gerät auch die Kameraführung aus dem Ruder und der rote Faden (insofern es bis dahin überhaupt einen gegeben hat) verliert sich im hektischen Geschrei der noch lebenden Helden. Die sehen plötzlich die Hand nicht mehr vor Augen, weil die Geisterkinder ununterbrochen das Licht an- und ausknipsen, um sich im Schutz der Dunkelheit an ihre Opfer heranschleichen zu können. Für den Zuschauer ein Geduldsspiel, lässt sich mangels schlechter Ausleuchtung und wilder Wackelei bald kaum noch Erkennen, was da eigentlich überhaupt in HOLLOWS GROVE passiert.
 
Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Erstling eine vollkommen spannungsarme Horror-Gurke inszeniert, die auch kein einziges Found-Footage-Klischee auslässt. Wie eh und je wird hier unentwegt gewackelt, gelaufen, gerannt und geschrieen, damit die Nerven des Horrorfans überstrapaziert werden. Bei so überraschungsarmer Horror-Ware fragt man sich ohnehin, was Altstar LANCE HENRIKSEN (IT’S IN THE BLOOD, DAS HALLOWEEN MONSTER, ALIEN und GINGERCLOWN) dazu getrieben hat in HOLLOWS GROVE einen Nebenrolle zu übernehmen und sogar noch den Allerwertesten in die Kamera zu strecken. Wir werden es vermutlich nie erfahren.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Schockintensive Geisterjagd vor gespenstiger Kulisse. Unerwartete Schreckmomente sind aber auch das einzige, was HOLLOWS GROVE überhaupt nennenswert macht. Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Schauerdebüt einen der langweiligsten Vertreter Gattung “Found-Footage” gedreht, der erst in den letzten zehn Minuten aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Bis dahin gibt es schläfrigen Budenzauber von der Stange, der mal wieder von den gleichen Spukklischees Gebrauch macht, die man in nahezu jedem Gruselfilm zu sehen bekommt. Da bewegen sich Gegenstände von Geisterhand und unangenehme Gerüche deuten darauf hin, dass in HOLLOWS GROVE irgendwas nicht so läuft, wie man es sich gern gewünscht hätte. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS hat wahrscheinlich mächtig Eindruck hinterlassen, denn im Grunde genommen ist EFROS Spielfilmdebüt nichts anderes als die langweiligere Light-Variante besagter Geisterhatz aus dem Jahre 2011. Auch hier erkundet eine TV-Crew ein unheimliches Gebäude mit mysteriöser Vergangenheit und wird am Ende für die ungefragte Schnüffelei mit dem Tode bestraft. Von den Qualitäten eines GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung ist HOLLOWS GROVE dennoch Lichtjahre entfernt, dazu fehlen dem Streifen einfach die guten Ideen, um aus der Masse an vielen unbrauchbaren Found-Footage-Streifen hervorstechen zu können. Dennoch: Wer immer noch nicht die Nase voll hat, sich die ständig gleichen Filme mit dem allmählich nervenden Schüttel-Gimmik anzuschauen, dürfte auch HOLLOWS GROVE auf seine Filmliste setzen. Wir meinen jedoch, dass dieser Film dahin gehört, wo er wohl am besten aufgehoben wäre: in der Mülltonne.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Zensur

 
 
 
In HOLLOWS GRAVE werden Protagonisten aus Fenstern geschleudert, Kehlen durchgeschnitten und Helden bei lebendigem Leibe verbrannt. Man darf von einer ungeschnittenen FSK 16 ausgehen, denn sonderlich brutal anzuschauen ist das hier Gezeigte nicht.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Raised by Wolves (2014)

The Possession of Michael King (2014)

 
Grave Encounter 2 (2012)
 
SX Tape (2013)
 
Grave Encounters (2011)
 
Paranormal Activity (2007)
 


Filmkritik: “Der Hauch des Bösen” (1971)

der-Hauch-des-Boesen-1971-dvd
 
 
 

DER HAUCH DES BÖSEN

(A TASTE OF EVIL)

Story

 
 
 
In ihrer Kindheit wurde Susan in der Nähe ihres Elternhauses Opfer einer Sexualstraftat. Gruseliger Wald, check. Gruseliges Haus, auch check. Nach Jahren der Abwesenheit und medizinischen Betreuung will es die junge Frau noch einmal daheim versuchen und zweifelt bald an ihrem Verstand. Hinweise auf ihre Vergangenheit rauben Susan den Verstand und irgendjemand oder –etwas schreckt auch vor gemeinen Streichen wie dem Plazieren blutiger Leichen, die natürlich beim zweiten Blick nicht mehr da sind, nicht zurück.

 
 
 


 
 
 

DER HAUCH DES BÖSEN – Kritik

 
 
 
John Llewellyn Moxey ist mir persönlich schon immer ein Faszinosum. Natürlich ist der gebürtige Argentinier maßgeblich ein Fernseh- und Kino-Regie-Söldner reinsten Wassers, der jede Arbeit unter handwerklichen Aspekten annahm und widerspruchslos pünktlich Ergebnisse lieferte. Trotzdem zog man ihn immer wieder zu Rate, wenn es um unser liebstes Genre ging. Bereits seit den Sechzigern kümmerte sich Moxey darum, Horror- und Mystery-Ware an den Zuschauer zu bringen, die zu großen Teilen heute das Prädikat „Kult“, im Gegensatz zu manch anderen Filmchen, sogar verdient hat. Moxeys Filmographie ist schlicht beeindruckend und auch DER HAUCH DES BÖSEN ist nicht zu verachten. Ob der Fernsehthriller mit mittleren Klassikern wie STADT DER TOTEN (Horror Hotel, 1960 und sogar zur Ehre eines Songs der MISFITS gekommen) mithalten kann, ist der Gnade des einzelnen Betrachters überlassen, die hochwertige Handschrift der Veteranen vor und hinter der Kameralinse ist jedoch nicht zu übersehen. Neben dem gerade gelobten Regisseur ist besonders Hammer-Urgestein Jimmy Sangster zu erwähnen, der hier das Drehbuch schrieb. So erinnert der Film auch an die – immer ein wenig stiefmütterlich behandelten – Thriller-Werke des legendären britischen Studios, also jene Filme, in denen sich Sir Michael Carreras und Co. nicht auf den Kassenmagnetismus ihrer von Universal für die Nachkriegszeit lizensierten Monsterfiguren Dracula, Frankenstein, etc. verlassen wollten. Fans von Hammer sind hier von jeher zwiegespalten, sehen diese Filme doch anders aus als die heißgeliebten Blutfestivitäten in deftigem Technicolor, die schlicht für den Namen Hammer stehen und überzeugen eher durch unheimliche Atmosphäre, ein ganz eigenes Tempo und die Freude an – manchmal an den Haaren herbeigezogenen – Plot Twists. Somit ist DER HAUCH DES BÖSEN Fans einer Art von Paranoia-Thrillern zu empfehlen, auf die man sich mit Haut und Haaren einlassen sollte, will man ein positives Glotzerlebnis feiern. Action, comichafte Blutfontänen oder allzu moderne Mittel des Genrefilmemachens sucht man hier nämlich vergebens.
 
 
 


 
 
 

DER HAUCH DES BÖSEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Fürs Pantoffelkino gefertigter Paranoia- und Psychothriller, der auch im Register der Hammer Studios nicht fehl am Platze wäre. Angenehm gruselig und auf eine charmante Art altmodisch, die man sehr mögen kann, aber nicht muss.
 
 
 


 
 
 

DER HAUCH DES BÖSEN – Zensur

 
 
 
Der Psychothriller ist für heutige Verhältnisse ziemlich harmlos und hat es deshalb auch auf DVD ungeschnitten in den Handel geschafft. Die deutsche Fassung ist frei ab 16 Jahren.
 
 


 
 
 

DER HAUCH DES BÖSEN – Deutsche DVD

 
 
 
der-Hauch-des-Boesen-1971-dvd

(c) Schröder Media

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Taste of Evil; USA 1971

Genre: Horror, Klassiker

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 (Mono), Englisch Dolby Digital 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 71 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Keine

Release-Termin: 18.09.2014

 

Der Hauch des Bösen (DVD) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haus des Grauens (1963)
 
Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)
 
Wiegenlied für eine Leiche (1964)
 
Wer hat Tante Ruth angezündet (1971)
 


Filmkritik: “The Devil’s Hand” (2014)

the-devils-hand-2014
 
 
 

THE DEVIL’S HAND

Story

 
 
 
Eine schreckliche Prophezeiung belastet den Dorffrieden der kleinen Amisch-Gemeinde New Bethlehem. Die besagt, dass am sechsten Tag des sechsten Monats sechs Mädchen geboren werden, von denen eine die Auserwählte ist, in deren Körper der Teufel hineinfahren wird, wenn das Kind das 18. Lebensjahr erreicht ist. Als wirklich sechs Mädchen geboren werden und sich derren 18. Jahrestag nähert, ereignen sich im Dorf seltsame Vorkommnisse.

 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S HAND – Kritik

 
 
 
Dieser Film trägt viele Namen: THE DEVIL’S HAND, WHERE THE DEVIL HIDES, THE DEVIL’S REPTURE und THE OCCULT – über die Titelgebung schien man sich anfangs nicht so recht einigen zu können, taufte das Machwerk am Ende dann doch THE DEVIL’S HAND und steckte es ins Okkultfach. Eigentlich sollte THE DEVIL’S HAND bereits im Jahr 2013 über Filmleinwände flimmern, wurde dann aber mehrfach verschoben. Letztendlich kam der Streifen Halloween 2014 im Rahmen einer limitierten Kinoveröffentlichung in amerikanische Multiplexe, um wenig später auf dem Heimkinomarkt verramscht zu werden. Ein bedauerliches Schicksal, das aber die Regel geworden ist, wenn Filmstudios nicht vom kommerziellen Erfolg ihrer Produktionen überzeugt sind. Auch wenn das ständige Verschieben von Kinostarts nicht Gutes verheißen lässt, darf an dieser Stelle Entwarnung gegeben werden. Ganz so übel wie anfänglich vermutet ist THE DEVIL’S HAND dann doch nicht geworden, was vermutlich auch an der ungewöhnlichen Kulisse liegen mag, die auch schon Filmen wie KINDER DES ZORNS, THE VILLAGE oder DEADLY BLESSING zum Horror-Hit verholfen hat.
 
THE DEVIL’S HAND entführt den Zuschauer in ein kleines Amisch-Dorf namens New Bethlehem, wo sechs Mädchen am sechsten Tag des sechsten Monats auf die Welt gebracht werden. Glaubt man den Prophezeiungen des unbarmherzigen Dorf-Pfarrers Elder Beacon (COLM MEANEY), soll eines der Kinder am 18. Geburtstag im Auftrag des Leibhaftigen handeln und Unheil über die Welt bringen. Um die Menschheit vor dem Bösen beschützen zu können, handelt eine der frischgebackenen Mütter selbstlos und tötet sich und ihr Neugeborenes – die anderen fünf Kinder wachsen im Schutze der religiösen Gemeinschaft wohlbehütet heran. Achtzehn Jahre später geschehen seltsame Dinge im Dorf. Eine dunkle Gestalt treibt in New Bethlehem ihr Unwesen und will nur ein: die fünf Kinder der Prophezeiung töten, um dem Teufel das Handwerk legen zu können. Die Dorfbewohner sind besorgt, doch Pfarrer Elder Beacon will den Dorffrieden bewahren. Er greift mit harter Hand durch und macht sich damit nicht nur Freunde. Die taffe Mary (ALYCIA DEBNAM CAREY) ist mit dessen zweifelhaften Machenschaften gar nicht einverstanden. Sie beginnt schon bald die schreckliche Prophezeiung zu hinterfragen und findet heraus, dass das strenge Dorfoberhaupt mit den brutalen Morden an ihren Freundinnen in Verbindung steht.
 
Wenn SCREAM von Woodsboro in die Amisch-Gemeinde New Bethlehem verlegt werden würde, dann dürfte mit Sicherheit so etwas wie THE DEVIL’S HAND entstehen. Auch wenn sich das Studio am Anfang etwas schwer mit dem Filmtitel getan hat, wird die finale Titelkreation manchem Horrorfan bitter aufstoßen, erwartet der bei solch reißerischer Namensgebung die Ankunft des Leibhaftigen in Person. Stattdessen versucht Drehbuchautor KARL MUELLER (THE DEVIDE und MR. JONES) zu verwirren und nutzt religiösen Fanatismus als Vorwand, um den Zuschauer auf falsche Fährten locken zu können. Liegt im Film wirklich eine Prophezeiung zugrunde oder sind die Geschichten vom Antichristen nur Aberglaube, um die Bewohner der Gemeinde einzuschüchtern? Für plausible Antworten lässt sich der Streifen viel Zeit und flüchtet bis zur endgültigen Auflösung ins Schlitzer-Genre, um ein paar Mädchen über die Klinge springen zu lassen. Leider kränkelt THE DEVIL’S HAND an der Unentschlossenheit, was er denn nun eigentlich sein möchte. Neben Ausflügen ins Okkulte und Gebrauch von abgedroschenen Slasher-Klischees entwickelt sich der Film auch noch zum tragischen Coming-of-Age-Drama, in dem Filmheldin Mary herausfinden muss, wohin sie eigentlich gehört. Die ist schnell von der Welt hinter den Toren der Gemeinde fasziniert und macht dort erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Dass ein solch unsittliches Verhalten nicht bei allen Gemeindemitgliedern auf Verständnis stößt dürfte nur logisch sein, was für die junge Frau die Verbannung als Strafe zur Folge hat.
 
Man kann dem Dänen CHRISTIAN E. CHRISTIANSEN (THE ROOMMATE) für seine Rettungsaktion nur gratulieren. Der hat auf dem Regiestuhl Platz genommen und den ziemlich konfuse Okkult-Grusler halbwegs ordnen können, so dass aus der überfrachteten Geschichte am Ende doch noch ein solider Horrorfilm entstehen konnte. Zudem beweist CHRISTIANSEN ein geschicktes Gespür für Atmosphäre und Gruselfeeling. THE DEVIL’S HAND wächst vor allem dann zu eigentlicher Größe heran, wenn es Nacht wird in New Bethlehem und eine vermummte Kreatur durch Wälder und über Felder schleicht. Auch wenn alle Merkwürdigkeiten am Ende rational erklärt werden, stört mal wieder der aufgesetzt wirkende Schlusstwist, der die zuvor plausibel aufgelösten Geschehnisse zunichte macht. Eine unglückliche Entscheidung, die aber im Fortsetzungswahn Hollywoods ohnehin nicht zu vermeiden gewesen wäre. Ob jedoch eine Fortführung nach der missglückten Kinoveröffentlichung kommen wird, bleibt fraglich.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S HAND – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wendungsreicher Horror-Slasher für all jene, die vom Okkulten nicht genug bekommen können. Der dänische Regisseur CHRISTIAN E. CHRISTIANSEN erzählt in THE DEVIL’S HAND von Killern, Antichristen und religiös erzogenen Mädchen, die fernab der aufgeklärten Welt erwachsen werden und sogleich im Strudel aus Mord und Gewalt ums Überleben bangen müssen. Der überladene Mix aus Slasher-Film, Coming-of-Age-Drama und Okkult-Thriller kränkelt des Öfteren an seiner Unentschlossenheit, wo er denn nun hingehören möchte, denn in eine Genre-Schublade pressen lässt sich der Film nicht. Stattdessen wird religiöser Fanatismus als Vorwand missbraucht, um falsche Fährten legen zu können, damit der Zuschauer verwirrt wird. Ab und an gelingt dem Streifen das ganz gut, wobei aber das aufgesetzte Ende überhaupt nicht schmecken will. Das zerstört die zuvor rational erklärte Auflösung und schwenkt auf Zwang zum Übernatürlichen hinüber – absolut unnötig! Trotz unruhigem Genre-Mix ist THE DEVIL’S HAND Dank souveräner Regiearbeit CHRISTIANSENS ein dennoch brauchbarer Horror-Vertreter geworden. Kann man sich anschauen!
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S HAND – Zensur

 
 
 
In Amerika wurde der Streifen mit der Kinderfreigabe PG-13 in die Kinos gebracht, was für uns doch etwas absurd anmutet. Zwar blendet die Kamera bei den meisten Gewaltmomenten weg, trotzdem dürften einige der Morde auf Kinder doch sehr verstörend wirken. Es wird eine Protagonisten aufgespießt, eine andere Frau rammt sich ein Messer in den Hals. Zudem wird einer Jugendlichen eine Sichel in den Rücken gejagt und der Schädel eines Dorfbewohners wird von seinem Pferd zerquetscht. Wir gehen von einer ungeschnittenen FSK16 aus.
 
 
 


 
 
 

THE DEVIL’S HAND – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kinder des Zorns (1984)
 
Deadly Blessing (1981)
 
Das Omen (1976)


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