Filmkritik: „5 Zimmer Küche Sarg“ (2014)

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5 ZIMMER KÜCHE SARG

(WHAT WE DO IN THE SHADOWS)

Story

 
 
 
Außerhalb des Neuseeländer Städtchens Wellington steht eine uralte und charmante Villa. Darin wohnen vier ebenso uralte und charmante Bewohner, die zusammen mehrere Tausend Jahre auf dem Buckel haben. Viago (Taika Waititi), Vladislav (Jemaine Clement), Deacon (Jonny Brugh) und Petyr (Ben Fransham) sind Vampire leben in einer Vampir-WG, die sich neben den alltäglichen Reibungen des Zusammenlebens auch einigen sehr speziellen Herausforderungen stellen muss. Ein Kamerateam begleitet sie über einige Monate und fängt dabei die Geflogenheiten der Blutsauger ein. In der Vorbereitung auf das große Event des Jahres, einem Maskenball für Zombies, Hexen, Vampire und dergleichen, müssen Viago und Co. sich unter Anderem mit Neuzugängen in der WG, sterblichem Besuch und natürlich dem allgegenwärtigen Blutdurst beschäftigen.
 
 
 


 
 
 

5 ZIMMER KÜCHE SARG – Kritik

 
 
 
Von all den klassischen Monstern der menschlichen (und filmischen) Geschichte ist der Vampir wohl der präsenteste Vertreter. In unzähligen Romanen und Filmen haben sich Geschichtenerzähler mit dem Reiz der Unsterblichkeit befasst und das mythische Ungeheuer zu einem oft gesehenen Gast der Popkultur gemacht. Interpretiert wurden Vampir-Stories bislang als Horrorfilme, Dramen und zuletzt zur großen Aufregung von Genrefans auch als minderwertiger Kitsch für pubertierende Frauen. Aus Neuseeland gesellt sich jetzt eine Komödie dazu, geschrieben und gedreht von Taika Waititi und Jemaine Clement, die außerdem zwei der Hauptrollen übernehmen.
 
 
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Wer denkt, dass „5 Zimmer Küche Sarg“ bloß ein weiterer Versuch ist, aus dem allmählich abnehmenden Hype um den Vampir Profit zu schlagen, ist auf der falschen Fährte. Spätestens mit Einsetzen des Vorspanns zeigt sich, dass Waititi und Clement nicht nur mit Grips, sondern auch mit viel Liebe und Sorgfalt ans Werk gegangen sind. Mit viel kreativer Energie widmen sie sich ihren blutsaugenden Charakteren und deren Hintergrund. Dabei wird kaum ein Vampirklischee ausgelassen und mit viel Witz in die WG-Thematik integriert. Von Disputen über blutiges Geschirr, das seit fünf Jahren in der Spüle liegt bis hin zum fehlenden Spiegelbild, das die Suche eines Outfits für die anstehende Partynacht verkompliziert. Ist die Clique erst im Nachtleben von Wellington angekommen, stehen sie vor einer weiteren Herausforderung. Um einen Nachtclub zu betreten, müssen sie selbstverständlich hereingebeten werden. „5 Zimmer Küche Sarg“ ist voll von derartigen Situationen, die nicht nur Vampirfreunde zum Lachen bringen. Die gründliche Charakterisierung der Protagonisten geht sogar so weit, dass sie neben den Akzenten, die ihrer Herkunft und ihrem Alter entsprechen, auch Verhaltensweisen an den Tag legen, die seit dem Mittelalter antiquiert sind.
 
 
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Neben all dem Humor ist es bewundernswert, dass Waititi und Clement in ihrem kurzen, knackigen Film Platz für überraschend tiefgründige Momente in Form von Konfrontationen mit der Außenwelt oder sogar einer verlorenen Liebe finden. Zu keiner Zeit legt „5 Zimmer Küche Sarg“ jedoch seinen geradezu unglaublichen Charme ab, der zeitweise an Unschuld grenzt.
 
 
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5 ZIMMER KÜCHE SARG – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Den Neuseeländern Taika Waititi und Jemaine Clement ist mit „5 Zimmer Küche Sarg“ eine Vampirkomödie gelungen, die rundum punkten kann. Nicht nur legen sie einen großen Respekt für das viel geschundene Wesen Vampir an den Tag, sie kombinieren die Jahrtausende alte Mythologie des Blutsaugers mit einer modernen Kulisse. Das Ergebnis ist ein origineller, kreativer und extrem witziger Film, der über viele Jahre hinweg das Maß für die humorvolle Aufarbeitung klassischer Monster sein wird.
 
 
 


 
 
 

5 ZIMMER KÜCHE SARG – Zensur

 
 
 
In Deutschland erscheint „5 Zimmer Küche Sarg“ mit einer Freigabe ab 12 Jahren. Obwohl er auch die eine oder andere blutige Szene zu bieten hat, wird der Film von einem leichten, verspielten Grundton beherrscht, der eine höhere Freigabe unnötig macht.
 
 
 


 
 
 

5 ZIMMER KÜCHE SARG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: What We Do in the Shadows; Neuseeland 2014

Genre: Komödie, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK 12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: 12-seitiges Booklet, 12 Bonusvideos: Der Original Kurzfilm von 2005, Behind the Shadows, Deacons Erotiktanz, Stus Büro-Homestory, Jackie, die Vertraute, Viago singt, Vlad malt, Vlad der Dichter, Nachtzahnarzt, Die mit den Werwölfen tanzen, What We Do in Transylvania, What We Do in Berlin, 12 Deleted Scenes, Trailer, Frag einen deutschen Kiwi, Fanplakate (Diashow)
Vampir Fotoalbum (Diashow)

Release-Termin: 05.06.2015

 

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5 ZIMMER KÜCHE SARG – Trailer

 
 


 
 
 

Timo Löhndorf

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Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Weltkino

 
 
 
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Filmkritik: „King Cobra“ (1999)

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KING COBRA

Story

 
 
 
Als eine bei einem missglückten Experiment eine genmanipulierte Riesenschlange, halb Kobra, halb Klapperschlange, aus dem Versuchslabor entkommt, geschehen in einer ruhigen Kleinstadt bald grauenvolle Morde. Die Behörden dort stehen vor einem Rätsel. Es liegt an einer Polizistin, einem Arzt und zwei Schlangenexperten das Biest zu fangen und zu töten …
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Kritik

 
 
 
Mit KING COBRA, oder, wie er damals auf VHS auch genannt wurde, KILLER KOBRA, hat es ein weiterer fast in Vergessenheit geratener Tier-Horrorfilm auf DVD geschafft. Veröffentlicht wurde er im Jahre 1999, ganze zwei Jahre nach dem Luis Llosas ANACONDA (1997), in welchem unter anderem Jennifer Lopez und Ice Cube mitspielten, einen finanziellen Erfolg am Boxoffice verzeichnen konnte. Doch KING COBRA ist einer der wenigen Fälle, in denen die Macher ausnahmsweise Mal nicht von einem „größeren Bruder“ abgucken wollten. Genauer gesagt, arbeiteten die zwei Regisseure David und Scott Hillenbrand schon vor dem Release von ANACONDA an dem Konzept zu KILLER KOBRA. Da sich jedoch produktionstechnischen Schwierigkeiten ergaben, mussten die zwei Brüder ihr Projekt um einige Jahre verschieben.
 
Mit ein wenig Hintergrundwissen kann man dem Film vielleicht noch ein wenig mehr abgewinnen. Natürlich ist KING COBRA ein relativ unspektakulärer und klischeebehafteter Tier-Horrorfilm mit einer Schlange. Doch da hat es in jüngster Zeit weitaus schlechtere Beispiele gegeben. Man denke nur an Filme wie PIRANHACONDA (2012) oder ANACONDA 4: TRAIL OF BLOOD (2009). KING COBRA muss ein Projekt gewesen sein, dass David und Scott Hillenbrand aus Liebe zum Genre unbedingt umsetzten wollten. Weshalb hätten sie sonst Jahre lang an dem Film arbeiten sollen? Neben der Regie übernahmen die beiden auch noch die Arbeit der Drehbuchautoren und schrieben das Skript selbst. Sie co-produzierten das Projekt und David Hillenbrand komponierte den Soundtrack, wenn auch unter dem Pseudonym David Berrel. Außerdem gab sich Scott Hillenbrand die Ehre und hatte einen Cameoauftritt – wie sein Bruder, auch unter einem Pseudonym. Der Film selbst ist nicht allzu spannend und die Story bietet keinerlei Überraschungen. So lässt ein verrückter Wissenschaftler versehentlich eine Schlange entkommen, die wenig später Teenager in einem Wald verfolgt und tötet. Selbstverständlich dürfen die obligatorischen Helden nicht fehlen werden, von denen einer natürlich eine Polizistin und der andere ein Arzt ist. Auch das Stadtfest, welches der Bürgermeister selbstverständlich nicht absagen will gehört dazu – ganz so, wie man es eben von Tier-Horrorstreifen seit jeher gewohnt ist. KING COBRA ist ein so klassischer Tier-Horrorfilm, dass er innerhalb seines Genres sehr durch Klischees belastet wird. So können die Szenenverläufe bereits im Voraus erahnt werden – im Falle von KING COBRA ist das immerhin eine unterhaltsame Prämisse. Apropos unterhaltsam: Die unterhaltsamste Figur im ganzen Film dürfte wohl Pat Moritas Charakter Hashimoto sein. Morita, den die Meisten wohl als Miyagi aus KARATE KID (1984) kennen dürften, spielt hier einen Wissenschaftler, der Schlangen untersucht und sich regelmäßig das Gift der Kobra spritzt um immun gegen Bisse und das Schlangengift zu sein.
 
Doch um den Film nicht gänzlich schlechtreden zu wollen, sollten auch fairerweise die positiven Aspekte angesprochen werden, wobei einer ganz besonders hervorzuheben wäre: Der Film benutzt kein CGI! Wenngleich die 90er-Jahre das Jahrzehnt waren in denen Hollywood seinen Fetisch für CGI-Effekte entdeckte, war es gleichzeitig das Jahrzehnt, in denen Filmemacher noch wussten wie man damit umzugehen hat und das CGI nur ein Werkzeug ist, welches man gezielt einsetzen sollte. JURASSIC PARK (1993) hat es durch eine perfekte Symbiose von praktischen Effekten und CGI vorgemacht, ehe es George Lucas und Co. gegen die Wand fuhren. Doch auch in den 90ern gab es immer noch Leute die rein auf praktische Effekte setzten. Genau dies macht KING COBRA wieder zu einem sehenswerten Film, denn die große Riesenschlange ist zu 100% handgemacht. Verantwortlich dafür war ein weiteres Gespann von Brüdern: Die „Chiodo Brothers“, oder um genauer zu sein: Stephen, Charles und Edward Chiodo, die jedem Horrorfan ein Begriff sein sollten. Die drei waren unter anderem für die Creature-Effects in CRITTERS – SIE SIND DA! (1986) und CRITTERS 2 – SIE KEHREN ZURÜCK (1988) verantwortlich. Für letzteren wurden sie sogar für den Saturn Award 1990 nominiert. Ihr bekanntestes Werkt dürfte wohl der kultige und äußerst unterhaltsame KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (1988) sein, den sie selbst produzierten und für den sie sogar das Drehbuch schrieben. Außerdem führte Stephen Chiodo hier persönlich Regie. Die Schlange, die sie für KING COBRA gebaut haben sieht super aus und wirkt wesentlich eindrucksvoller als die meisten computeranimierten Monster von heute. Diesbezüglich unterstreicht der Film noch mal, wie wichtig doch praktische Effekte gegenüber CGI sind.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
KING COBRA ist ein eher durchschnittlicher aber dennoch solider Tier-Horrorfilm, der durch seine praktischen Effekte einige Schauwerte zu bieten hat.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland erhältlichen Fassungen sind ungekürzt. So auch die aktuelle DVD-Auswertung von EDEL GERMANY, die unter dem Originaltitel KING COBRA auf DVD ausgewertet wurde.
 
 
 


 
 
 

KING COBRA – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: King Cobra; USA 1999

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Französisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 30.05.2014

 
 
 
Am 22. Februar 2000 veröffentlichten BMG Video und UFA den Film auf VHS-Kassette unter dem Titel KILLER KOBRA. Seit dem 30. Mai 2014 ist der Streifen auch auf DVD erhältlich. EDEL GERMANY veröffentlichte den Film hierzulande unter seinem Originaltitel KING COBRA. Dadurch besteht nun Verwechslungsgefahr, da der 1981 veröffentlichte Tier-Horrorfilm JAWS OF SATAN von Bob Claver hierzulande auch den Titel KING KOBRA trägt – das „C“ in „Cobra“ macht den Unterschied.
 
 

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KING COBRA – Trailer

 
 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Filmreview: „Gingerclown“ (2013)

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GINGERCLOWN

Story

 
 
 
Los Angeles im Jahr 1983. Nerd Sam (Ashley Lloyd) hat es nicht leicht sich in der Schule zu behaupten. Er ist beliebtes Mobbingopfer von Schulhof-Proll Biff (Michael Cannell-Griffiths), der gern Außenseiter in Gegenwart seiner liebreizenden Freundin Jenny (Erin Hayes) demütigt. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Um zu beweisen, dass auch Außenseiter mutig und furchtlos sind, unterzieht sich Comicfan Sam einer Mutprobe und geht auf Erkundungsstreifzug in einen verlassenen Vergnügungspark. Was ihn jedoch dort erwartet, wird er sein Lebtag nicht wieder vergessen …
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Kritik

 
 
 
Ordnet man Horrorfilme in der IMDB nach den schlechtesten Userbewertungen verblüfft, welche Streifen sich da auf den vorderen Plätzen tummeln. Geht es nämlich nach der umfangreichen Filmdatenbank, ringen einige trashige ASYLUM-Gurken um die wohlverdienten Spitzenplätze und das nicht ohne Grund. Leider bekommt der bekannte Gurkenzüchter demnächst starke Konkurrenz, denn der bis dato noch unbekannte Ungar BALÁZS HATVANI hat mit seinem Erstling namens GINGERCLOWN den wohl enttäuschendsten Horrorfilm des aktuellen Filmjahres gedreht. Man mag es gar nicht in Worte fassen wollen, was dem Zuschauer hier zugemutet wird und was an vielversprechendem Potenzial gar sprichwörtlich die Toilette hinabgespült wurde. Ein verlassener Vergnügungspark soll im Film für unheimlichen Schauer sorgen und dient einigen neunmalkluge Kids als Mutprobe, um sich behaupten zu können. Leider hat man nicht mit der Anwesenheit obskurer Kreaturen gerechnet, die es sich in den Räumen der leerstehenden Attraktionen gemütlich gemacht haben. Weil die so gar nicht erfreut über das unangemeldete Erscheinen der holzköpfigen Gäste sind, werden die neugierigen Teenager wenig später erbarmungslos durch den Freizeitpark gejagt – ohne roten Faden versteht sich. GINGERCLOW besteht aus einer Aneinanderreihung stimmungsvoller Filmsets die, und das muss man Macher HATVANI zugestehen, wirklich beeindruckend atmosphärisch in Szene gesetzt wurden. Der Zuschauer begleitet die schablonenhaft skizzierten Protagonisten durch surreal anmutende Gruselbauten, die durch Liebe zum Detail glänzen, jedoch mit einer nahezu kaum vorhandenen Geschichte umwebt wurden. Leider macht das eigens von HATVANI geschriebene Drehbuch jegliche Gruselstimmung zunichte, gehören doch die niedergeschriebenen Dialoge zum wohl Peinlichsten, was die Filmwelt in letzter Zeit erlebt hat. Passend zum Dialogdebakel konnten ironischerweise auch noch untalentierte Laiendarsteller engagiert werden, die selbst zu unfähig zum Overacten sind.
 
Eigentlich wurde GINGERCLOWN als Horrorkomödie konzipiert. Ein Ziel, das der Film Dank der Unfähigkeit seines Regisseurs rasch aus den Augen verliert. GINGERCLOWN ist zu keiner Minute witzig oder erheiternd, sieht man mal von der teils unfreiwilligen Komik ab, die sich aufgrund der Talentlosigkeit aller Schauspieler durch den gesamten Film zieht. Gleiches gilt selbstverständlich für den nicht vorhandenen Gruselfaktor, der trotz der unheimlichen Kulisse mit der Lupe gesucht werden muss. Mit seinen gerade mal 30 Lenzen will Regisseur BALÁZS HATVANI das Horrorkino der 80er Jahre aufleben lassen. Die notdürftige Handlung seines Debüts spielt zwar im Jahre 1983; die für diese Dekade bekannte Atmosphäre will sich jedoch partout nicht einstellen. Fatal, wenn ein Film vom rechten Weg abkommt, weil der Regisseur das Ruder nicht mehr unter Kontrolle hat. Immerhin dürften Genre-Größen wie TIM CURRY (aus ES), LANCE HENRIKSEN und BRAD DOURIF (die Stimme von CHUCKY) dafür sorgen, dass der Filmemacher auch etwas Geld mit seinem Wirrwarr verdienen kann. Mit deren Namen wird nicht unauffällig auf dem Filmplakat geworben und lässt Fans genannten Filmjahrzehnts aufhorchen. Zu sehen bekommt man die Horror-Helden der 80er zwar leider nicht – dafür aber zu hören, denn genannte Filmgrößen haben dem charmant entworfenem Puppentheater in GINGERCLOWN die Stimmen geliehen. Der Zuschauer bekommt dämonische Teekannen, fies lachende Clowns und grotesk anmutende Riesenspinnen zu sehen. Wie es in den 80ern üblich war entstanden die Filmmonster in liebevoller Handarbeit und erinnern in ihrer einfachen Art nicht selten an Werke eines gewissen CHARLES BAND, aus dessen Hirn so trashiger Puppentrick wie DOLLMAN VS. DEMONIC TOYS oder PUPPET MASTER entsprungen ist.
 
Die Puppen im Film besitzen trotz ihrer Einfachheit zweifelsohne Charme und sind neben der hervorragenden Optik des Streifens auch das einzige, was GINGERCLOWN Daseinsberechtigung verschafft. Der träge Mix aus SPOOKIES und KABINETT DES SCHECKENS zieht sich wie Kaugummi und bereitet dem Zuschauer eher Frust statt Laune. Kurioserweise wird GINGERCLOWN in 3D angepriesen. Eine ernüchternde Prämisse, wäre das Geld wohl besser in gute Schauspieler investiert gewesen. Die sprechen teilweise sogar mit ungarischem Akzent, obwohl der Streifen auf den Hügeln von Los Angeles spielt. Der Grund hierfür ist jedoch schnell gefunden: GINGERCLOWN wurde komplett in Ungarn gedreht, wo rasch kamerageile Statisten von der Straße gelesen und aufs Filmset gekarrt wurden. Ob die nach Sichtung des Pseudo-Gruselquatschs stolz auf die dargebotene Leistung sein dürfen, steht auf einem anderen Blatt.
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Eine visuell beeindruckende Verbeugung vor dem Horror-Kino der 80er. Leider ist in GINGERCLOWN die Optik auch das einzige, was Erwähnung finden sollte. Zwar feiert sich Regisseur BALÁZS HATVANI im Vorspann offensichtlich selbst, scheint aber auf dem Heimkinocover vergessen haben zu erwähnen, dass er sein ungarisches Grusel-Irrlicht gegen die Wand gefahren hat. Der Zuschauer bekommt unterirdisches Schauspiel geboten und eine groß angepriesene Horrorkomödie, die weder gruselig noch witzig ist. Vermutlich dürfte dieses Machwerk legendären Genre-Größen wie TIM CURRY, LANCE HENRIKSEN und BRAD DOURIF nach Fertigstellen reichlich Magenschmerzen bereitet haben, schließlich wirbt man mit deren Namen nicht unauffällig auf dem Cover. Neben MICHAEL WINSLOW und SEAN YOUN haben die nämlich einigen Monsterpuppen im Film das Sprechen beigebracht und wahrscheinlich nicht geahnt, dass GINGERCLOWN das wohl unbefriedigendste Horrorfilmchen des aktuellen Filmjahres wird. Wer bedeutungslose Filme ohne roten Storyfaden bevorzugt, die den Zuschauer mit nervigen Laiendarstellern an den Rand des Wahnsinns treiben wollen, darf gern einen Blick riskieren. Der Rest sollte stattdessen lieber einen THE ASYLUM-Marathon einlegen – das scheint uns minimal sinnvoller, als sich mit diesem Käse den Tag verderben zu lassen. Wir bitten ausdrücklich um KEINE Fortsetzung!
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Zensur

 
 
 
Regisseur BALÁZS HATVANI scheint GINGERCLOWN zwecks besserer Vermarktung für ein eher jugendliches Publikum konzipiert zu haben. Das Gezeigte ist nicht brutal. Demnach wäre GINGERCLOWN eigentlich auch ein FSK12-Kandidat. Da die Atmosphäre jeder ziemlich düster ist, hat die FSK den Streifen erst auf 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

GINGERCLOWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Gingerclown; Ungarn/USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung) – Aufgrund der DVD/BD-Trailer ist die Heimkinofassung ab 18

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Trailer

Release-Termin: 18.11.2014

 

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GINGERCLOWN – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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Jack the Reaper – Jahrmarkt des Grauens (2011)
 
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Filmreview: „Willow Creek“ (2013)

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WILLOW CREEK

Story

 
 
 
Ein junges Paar reist nach Kalifornien, um in den abgelegenen Wäldern von Bluff Creek der Legende von Bigfoot auf den Grund gehen zu können …
 
 
 


 
 
 

WILLOW CREEK – Kritik

 
 
 
Eigentlich könnten wir FILMCHECKER in Zukunft auch FOUND-FOOTAG-CHECKER oder WACKELCAM-TESTER nennen, denn was wir in letzter Zeit an Streifen mit dem allmählich nicht mehr so beliebten Found-Footage-Gimmick besprochen haben, ernüchtert selbst das FILMCHECKER-Team so langsam. Leider scheint der polarisierende Trend vom angeblich gefundenen Filmmaterial kein Ende zu nehmen, was vermutlich auch an den erschreckend niedrigen Herstellungskosten liegen mag, die das Drehen solcher Werke voraussetzen. Erschreckender als das minimale Produktionsbudget ist jedoch die Tatsache, dass jene Streifen immer einfältiger werden und bis auf planloses Gewackel und dem Wiederholen der ewig gleiche Klischees und Geschichten nichts Neues zu bieten haben. Ein Paradebeispiel für jene überflüssige Filmkunst ist der Bigfoot-Schlamassel WILLOW CREEK, der wahrscheinlich nur deshalb gedreht wurde, um mit wenig Aufwand schnelle Kasse zu machen. Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler BOBCAT GOLDTHWAIT hat den Murks verbrochen und beweist nach seinem grandios schwarzhumorigen GOOD BLESS AMERICA (2011), dass ihm eigentlich egal ist, was die Horrorfilmgemeinde von ihm denkt – Hauptsache sie zahlt. Mit fast schon beschämender Gleichgültigkeit kopiert er hier dreist das, was BLAIR WITCH PROJECT (1999) seinerzeits so verstörend gemacht hat, vergisst aber nach der unüberschaubaren Anzahl ähnlich gestrickter Gähner, dass ein bisschen Kameragewackel, nicht deutbare Geräusche im Wald und mit Tränen besudelte Gesichter verängstigter Protagonisten fünfzehn Jahre nach BLAIR WITCH PROJECT kaum noch Gänsehaut verursachen. GOLDTHWAITS erster Found-Footage-Ausflug ist auf wahre Begebenheiten zurückzuführen, denn die Grundlage für WILLOW CREEK lieferten die Bigfoot-Fans ROGER PATTERSON und BOB GIMLIN, die im Jahre 1967 nach Nordkalifornien reisten, um dort am Bluff Creek im Six Rivers Nationalpark den mysteriösen Waldmenschen zu suchen. Glücklichweise wurde ihre Suche von Erfolg gekrönt, denn ihnen gelang es den sagenumwobenen Bigfoot auf Film zu bannen. Bis heute ist die Echtheit der Filmaufnahmen umstritten, auch wenn bisher niemand das Gegenteil beweisen konnte.
 
WILLOW CREEK spinnt die realen Gegebenheiten weiter und lässt ein junges Paar 40 Jahre nach den Ereignissen noch einmal den Ort erkunden, um darüber eine eigene Bigfoot-Dokumentation drehen zu können. Die Gegend um die Fundstelle hat sich mittlerweile zu einem Tourismusmagneten entwickelt, so dass sich auch die Einheimischen auf den Ansturm selbsternannter Bigfoot-Forscher eingestellt haben, um etwas Geld mit den Legenden verdienen zu können. Die sind natürlich auch für einige Interviews offen und beantworten die Fragen des zweiköpfigen Drehteams geduldig, damit das Paar zügig die Suche nach der legendären Affenkreatur fortsetzen kann. Nach ersten ergebnislosen Erkundungsstreifzügen durch die Wildnis am Bluff Creek bricht die Nacht herein und trotz der Warnungen einiger Ortsansässiger wird ein provisorisches Nachtlager mitten im Wald aufgeschlagen. Was folgt dürfte vermutlich niemanden überraschen: Eine neugierige Kreatur, nennen wir sie einfach Bigfoot, schleicht des Nachts um das Zelt und hat einen Mordsspaß daran den ungebetenen Gästen einen gehörigen Schrecken einzujagen.
 
Alles wie immer und dennoch viel langweiliger als sonst. Wir sehen unwichtige Interviews mit Bewohnern des Ortes, die teils interessanter sind als das, was uns Macher BOBCAT GOLDTHWAIT in den übrigen 60 Minuten unterjubeln möchte. Die Protagonisten stolpern unvorsichtig durch die Wildnis, trotzen Warnungen vor gefährlichen Tieren und geraten in Rage, nachdem sie sich im Nationalpark verlaufen haben. Als wäre das nicht alles schon vorhersehbar und ausgelutscht genug, geraten die Suchenden nach nur wenigen Stunden Fußmarsch zufälligerweise in das Jagdgebiet des ominösen Waldmenschen und werden nicht von Klappschlangen, Berglöwen und Bären attackiert, sondern von einer dicken, nackten Frau, die mit Faschingsmaske bekleidet komische Töne von sich gibt. Doch bevor der Zuschauer überhaupt den erlösenden Abspann dieser überflüssigen Bigfoot-Doku zu sehen bekommt und die unvorsichtigen Protagonisten winselnd über den Waldboden geschleift werden, gibt es eine 20-minütige Einstellung zu sehen, die man vermutlich in derart Form in noch keinem Horrorfilm zu sehen bekommen hat: Kojotengebell und Grillenzirpen reißen die Helden aus dem Schlaf. Die sitzen wie versteinert in ihrem Zelt und halten sich verängstigt in den Armen; die Kamera filmt die verschreckten Gesichter des Paares nahezu eine viertel Stunde am Stück – selbstverständlich ohne Schnitt. Was sich für den entnervten Filmfreund zur Geduldsprobe entwickelt, erweist sich für die Macher als cleverer Schachzug, schließlich kann man natürlich auch so ein aus drei Sätzen bestehendes Skript unnötig auf Spielfilmlänge blasen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es scheinbar immer noch genügend Käufer gibt, die nicht ohne täglich Ration Wackelbilder über die Runden kommen. So lange solch Abfall gekauft wird, wird es auch weiterhin derart billig produzierten Quatsch geben – leider!
 
 
 


 
 
 

WILLOW CREEK – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Eine simple Horror-Rechnung: BLAIR WITCH PROJECT – Hexe + Bigfoot = WILLOW CREEK.
WILLOW CREEK dürfte euphorisches Jubelgeschrei bei Found-Footage-Liebhabern verursachen, verzweifeltes Kopfschütteln stattdessen bei den Gegnern. Auch dieser Film mit der berüchtigten Shaky Cam-Methodik wird die Horrorgemeinde in zwei Lager spalten, schließlich kann man Filme im Wackelcam-Stil nur lieben oder hassen. Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler BOBCAT GOLDTHWAIT macht es sich leicht und kopiert lieber die BLAIR WITCH PROJECT-Erfolgsrezeptur, statt dem ausgelutschten Found-Footage-Genre durch raffinierter Erzählweise und gut getricksten Effekten neue Energie einzuverleiben. Was folgt hat man eigentlich bis zum Erbrechen in bereits bedeutend besser gemachten Filmen dieser Horror-Art gesehen. Es wird gerannt, geflennt und gewimmert. Unebener Waldboden wird gefilmt und das Licht der Kamera bohrt sich orientierungslos durch das Dunkel der Nacht. Sollte man nach 70 Minuten Langeweile immer noch neugierig die Auflösung herbeisehnen, ernüchtert die wirklich schlecht geschminkte Bigfoot-Frau im Evakostüm. Immerhin gibt es kurz Brüste zu sehen – den männlichen Filmfreund dürfte das zumindest aufhorchen lassen. Ansonsten ist WLLOW CREEK eine einzige Schlaftablette, deren teils gute Bewertungen im Netz entweder gekauft wurden oder gefakt sind.
 
 
 


 
 
 

WILLOW CREEK – Zensur

 
 
 
WILLOW CREEK ist nicht nur vollkommen ereignislos, hier herrscht auch Flaute was das Thema Gewalt angeht. Nicht einmal eine harmlose Kratzwunde bekommt der Zuschauer zu sehen, was zumindest minderjährige Horrorfans freuen dürfte, schließlich wird WILLOW CREEK bedenkenlos die FSK mit einer FSK12 passieren.
 
 
 


 
 
 

WILLOW CREEK – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bigfoot – Der Blutrausch einer Legende (2012)
 
Bigfoot County (2012)
 
Exists (2014)
 
Boggy Creek – Das Bigfoot Massaker (2010)
 
 

Filmreview: „Frost“ (2012)

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FROST

Story

 
 
 
Tief im Eis lauert das Böse. Ein Forscher-Team kehrt von den Arbeiten an einem Gletscher nicht zurück. Wissenschaftlerin Agla (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) macht sich Sorgen und beginnt mit Freund Gunnar (Björn Thors) nach den vermissten Kameraden zu suchen. Was die beiden jedoch finden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren …
 
 
 


 
 
 

FROST – Kritik

 
 
 
Jawohl, es ist wieder soweit. Willkommen zu einer weiteren Ausgabe unserer beliebten Rubrik: Found-Footage-Filme, die eigentlich keiner mehr sehen will und kann. Kaum ein Sub-Genre hat in der Vergangenheit so stark polarisiert, wie jene Filmgattung, die sich mit meist fiesem Kameragewackel ins Gedächtnis der Zuschauer gebrannt hat. Immerhin ist der bereits mehrfach totgesagte Trend nun auch in Island angekommen, wo sich die Produzenten von REYKJAVIK WHALE WATCHING MASSACRE (2009) dem unbeliebten Filmthema angenommen und den vorliegenden FROST finanziert haben. Der wurde vom bisher komödienerprobten REYNIR LYNGDAL gedreht und hat eigentlich kaum Neuerungen zu bieten, schließlich ist das Kopieren bereits dagewesener Erfolgsrezepturen einfacher, als den eigenen Kopf anzustrengen. Das Resultat ist ein x-beliebiger Found-Footage-Streifen, der eigentlich den gleichen Regeln folgt, wie man sie schon in ganz vielen Werken dieser Art zu sehen bekommen hat, nur mit dem Unterschied, dass in FROST zur Abwechslung nicht in Englisch sondern Isländisch geschrieen und gewinselt wird.
 
FROST handelt von Filmemacher Gunnar (BJÖRN THORS), der einen Dokumentarfilm über eine Gletscher-Forschungseinrichtung als Vorwand nutzt, um Freundin Agla (ANNA GUNNDIS) zu besuchen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet sie in einem abgelegenen Teil des Polarkreises in einer Art Camp, wo sie zusammen mit einem Team aus Physio- und Geologen Proben aus Gletschern entnimmt, um diese zu untersuchen. Neustes Forschungsprojekt ist eine geheimnisvolle Gletscherspalte, aus der immer wieder seltsame Lichter und Geräusche dringen. Dass derart rätselhafte Vorkommnisse in Horrorfilmen meist nichts Gutes verheißen erlebt das Paar am eigenen Leib, denn als die übrigen Wissenschaftliche von ihren Untersuchungen nicht heimkehren wollen, machen sich Agla und Gunnar auf die Suche nach den verschollenen Forschern. Fündig werden sie schnell. Die scheinbar leblosen Körper hat der Schnee unweit der Spalte begraben. Weitere Wissenschaftler entdeckt Gunnar regungslos auf dem Grund der Gletscherspalte liegen. Leider lauert dort auch die Ursache des Unheils: Etwas Böses wurde aus seinem Schlaf gerissen und hat sich den Körpern der Wissenschaftler bemächtigt.
 
FROST zieht seinen Reiz aus der schneebedeckten Kulisse, die schon dem Horrorklassiker THE THING zum Erfolg verholfen haben. Wenn immer sich die Kamera durch tobende Schneestürme kämpft und die Protagonisten orientierungslos durch frostige Landschaften irren, erlebt FROST seine besten Momente. Isoliert von der Außenwelt und ohne Hoffnung auf schnelle Hilfe entwickelt sich die scheinbar malerische Schneekulisse rasch zur Hölle auf Erden, aus der irgendwie kein Weg nach draußen führen will. Lobenswerterweise kommt der dichte Schneereigen nicht aus dem Computer. Die Dreharbeiten fanden unter harten Bedingungen statt, denn REYNIR LYNGDAL wollte seinen Antarktis-Grusler so authentisch wie möglich inszenieren. Demnach wurde während echten Schneestürmen gedreht, was den Schauspielern und der Rest der Crew einiges abverlangte. So ambitioniert das Projekt auch verwirklicht wurde, so enttäuschend die Tatsache, dass FROST ziemlich langweilig ist. LYNGDAL ist zwar um einen stetig steigenden Spannungsboden bestrebt, bis aber endlich überhaupt etwas passiert vergehen fast 40 Minuten. Demnach wird der Zuschauer bis zur Halbzeit unfreiwilliger Zeuge von belanglosen Beziehungsstreitigkeiten, die Protagonist Gunnar selbstverständlich mit der Kamera filmen muss. Der hält nämlich vehement alles auf Band fest, was vor die Linse kommt und sei es noch so unwichtig. Dass der Charakter laut Drehbuch eigentlich ein professioneller Kameramann sein soll, will man beim permanenten Gerüttel seines Arbeitsgerätes nicht so recht glauben, denn wie man es von Found-Footage-Werken nun mal gewöhnt ist, wird hier gewackelt als gäbe es keinen Morgen mehr.
 
Langsames Erzählen muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Macher REYNIR LYNGDAL nimmt jene Filmweisheit leider etwas zu genau und quält den Filmfan durch eine Handlung, die sich zieht wie Kaugummi. Dreiste Taschenspielertricks lässt der Regisseur außer Acht, denn wenn kurz vor Ende seltsame Geräusche, Lichter und Beben auf mutierte Kreaturen aus einer fremden Welt schließen, setzt er lieber auf subtile Mehrdeutigkeiten und lässt das Grauen im Kopf des Zuschauers entstehen. Der dürfte leider mit einer Menge Fragen vor der Glotze zurückbleiben und sich ein wenig veräppelt fühlen, hat er doch 70 Minuten lang auf fiese Monster gewartet, die für das Verschwinden der vermissten Wissenschaftler verantwortlich gemacht werden. Trotz interessanter und teils beklemmender Kulisse ist FROST kein Highlight. Dem Grusler fehlen nicht nur die Monster, sondern auch die Phantasie eines TROLLHUNTER (2010) und der Nervenkitzel eines [REC] (2007). Stattdessen wird kopiert ohne Rücksicht auf Verluste, schließlich soll der erste isländische Wackelcam-Film den amerikanischen Vorbildern in nichts nachstehen. Leider hat man das hier Gezeigte woanders schon bedeutend besser gesehen. Die Liste der Found-Footage-Klischees wird nahezu zwanghaft abgearbeitet. So stört lästiges Pixelgewitter gerade dann das Bild der Kamera, wenn die Ereignisse interessant werden und natürlich sucht man auch in FROST vergebens nach dem Sinn, weshalb Protagonisten in Momenten der Angst immer noch Kraft besitzen, die Kamera halten zu können. Wer eine Vorliebe für Schnee-Horror besitzt, sollte lieber Zeit in bessere Horrorfilme investieren. An BLUTGLETSCHER (2013) und DEVIL’S PASS (2013) dürften jene Filmfans vermutlich bedeutend mehr Spaß haben, denn FROST setzt sein interessantes Potenzial sprichwörtlich in den Sand.
 
 
 


 
 
 

FROST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
FROST ist die isländische Antwort auf THE THING. Der erste isländische Found-Footage-Film glänzt mit beklemmender Schneekulisse und subtiler Gruselstimmung. Im Vergleich zum derzeitigen Wackelcam-Standard reicht das in FROST Gezeigte jedoch nicht aus, um das Interesse der hungrigen Horrorgemeinde für sich gewinnen zu können. Streifen wie V/H/S 2 und AFFLICTED haben die Messlatte für Found-Footage-Ware deutlich nach oben getrieben, an der sich alle künftigen Horrorfilme dieses Sub-Genres messen müssen. Leider erreicht FOST nicht einmal annähernd die Qualitäten seiner amerikanischen Vorbilder, denn Regisseur REYNIR LYNGDAL hält sich mit zu vielen Unwichtigkeiten auf und langweilt den Zuschauer schnell. Hinzukommt, dass hier wenig Energie in das Finden eigener Ideen investiert wurde. Stattdessen wird dreist kopiert und die Liste der Found-Footage-Klischees abgehakt. Auch wenn am Ende das Kopfkino des Filmfreundes angekurbelt werden soll, enttäuscht die fade Auflösung, weil sie statt Antworten zu liefern nur noch mehr Fragen aufwirft. Von daher sei FOST nur absoluten Fans jener Filmgattung empfohlen, die sich selbst am zigsten Wackelfilm erfreuen können. Wer seit jeher keinen Draht zu Found-Footage findet, wird auch mit FROST nur wenig anzufangen wissen.
 
 
 


 
 
 

FROST – Zensur

 
 
 
In FROST passiert so wenig, dass selbst die FSK froh sein dürfte, wenn der Abspann über die Filmleinwand flimmert. Bis auf einige plötzlich blutende Nasen gibt es hier keine Gewalt zu sehen. Demnach könnte es gut sein, dass FROST hierzulande bereits für Zwölfjährige freigegeben wird.
 
 
 


 
 
 

FROST – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Barricade (2012)
 
The Frankenstein Theory (2013)
 
The Frozen (2012)
 
The Colony (2013)
 
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
 
30 Days of Night (2007)
 
Der eisige Tod (2007)
 

Filmreview: „I am ZoZo“ (2012)

I-Am-Zozo-2012
 
 
 

I AM ZOZO

Story

 
 
 
Einige Freunde werden bei einer Hexenbrett-Sitzung von einem bösartigen Geist heimgesucht, dem es gelingt sich einen Weg in die Welt der Lebenden zu bahnen …
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Kritik

 
 
 
Es ist Halloween und einige Freunde wollen das Gruselfest zusammen in einer Hütte irgendwo draußen im Wald feiern. Leider stimmt was mit der Stromversorgung nicht, so dass man sich die Zeit mit altbackenen Spielchen vertreiben muss. Gut, dass Mel (COURTNEY FOXWORTHY) ein Hexenbrett dabei hat, mit dem man Kontakt zu den Toten aufnehmen kann. Der wird auch gleich hergestellt und lässt allerhand gesprächige Geister zu Wort kommen. Während Mel das Vergnügen hat, per Quija-Brett mit ihrem verstorbenen Cousin zu quasseln, warnt ein toter Achtjähriger die Bande vor drohendem Unheil. Wie es im Horrorfilm oft üblich ist, werden die Warnungen natürlich grundsätzlich nicht ernst genommen, so dass die Kids für ihre Unachtsamkeit selbstverständlich bestraft werden. Es dauert nämlich nicht lang, bis sich ein äußerst aggressiver Geist zu Wort meldet. Der schimpft sich ZOZO und beginnt den Kids bald einen gehörigen Schrecken einzujagen.
 
Erneut ist es an der Zeit, längst vergessene Horrorstoffe aus der Mottenkiste zu kramen. Nach all den paranormalen Geschehnissen, die in der Vergangenheit über die internationalen Filmleinwände geflimmert sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch wieder die mysteriösen Hexenbretter aus der Versenkung geholt werden sollten. Die waren bereits in den 80ern populär und haben Filme wie WITCHBOARD – DIE HEXENFALLE (1986) und DON’T PANIC (1987) zu bescheidenem Erfolg verholfen. Nun sind sie wieder zurück und versuchen den zartbesaiteten Zuschauer eine Heidenangst einzujagen. Nun ja, ob das mit I AM ZOZO gelingen wird sei mal dahingestellt, denn schlaflose Nächte wird dieser Grusler mit Sicherheit nicht bescheren. Der Dokumentarfilmer SCOTT DI LALLA steckt hinter diesem Schabernack, der mit der Ouija-Problematik einen kommenden Trend aufgefasst hat. Sein Horrorfilm dürfte mit Sicherheit demnächst eine ganze Flut ähnlicher Filme nach sich ziehen, denn bereits mit THE OUIJA EXPERIMENT kam im aktuellen Filmjahr ein ähnliches Machwerk in die weltweiten Heimkinos.
 
Das Besondere an I AM ZOZO ist, dass der komplette Streifen auf Super 8 gedreht wurde. Das ist etwas ungewöhnlich, hat doch das Schmalfilm-Filmformat seine besten Zeiten in den 70ern erlebt und wurde Anfang der 80er nahezu komplett durch die aufkommende Videotechnik abgelöst. DI LALLA suchte für seinen Gruselfilm den passenden Look, schließlich sollte sein Erstling mit möglichst unheimlicher Optik glänzen. Hierbei lies er sich von der Gruppe THE NATIONAL inspirieren, die für ihr FAKE EMPIRE Musikvideo digitalisiertes Super 8 verwendeten. DI LALLA war vom Resultat derart begeistert, dass er keine Mühen scheute und sich mühevoll die gleiche Technik besorgte. Und in der Tat, die Optik von I AM ZOZO wirkt zwar für heutige Verhältnisse ungewohnt altmodisch, ist dafür jedoch stimmig und charmant. Die ungeschliffenen Bilder erinnern nicht selten an unbeholfene Versuche emsiger Angehöriger, die eigenen Familienfeierlichkeiten auf Zelluloid zu bannen. Jener leicht amateurhafte Einschlag ist im Fall von I AM ZOZO aber nicht als negativ zu werten, denn die grobkörnigen und schlecht ausgeleuchteten Bilder bescheren dem Streifen einen authentischen und ganz individuellen Look.
 
Für I AM ZOZO kamen erneut all die bekannten Marketing-Instrumente zum Einsatz, die schon berüchtigte Werke wie HAUS DER DÄMONEN (2009) und DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE (2005) zum Welterfolg verholfen haben. Die Geschichte von I AM ZOZO ist nämlich mal wieder absolut wahr und basiert auf tatsächlichen Gegebenheiten, die sich wirklich haargenau so zugetragen haben sollen, wie sie der Film beschreibt. Angesichts der Tatsache, dass fast jeder zweite Horror-Schaffende von seinem Gruselfilmchen behauptet, sein Werk würde einen realen Background besitzen, sollte man sich als Zuschauer von derart Amenmärchen nicht so naiv hinter das Licht führen lassen, schließlich lässt sich Pseudo-Reality (BLAIR WITCH PROJECT) besser vermarkten, als manch fiktiver Gruselstoff. Leider zaubert so ein wenig geflunkerte Realität aus einem schlechten Film kein Meisterwerk, denn I AM ZOZO hat mit einer nahezu permanenten Ereignislosigkeit zu kämpfen. Die Protagonisten reisen an, schnitzen einen Kürbiskopf, staunen über “spektakuläre” Kartentricks und kreisen mit einem Holzzeiger über ein modriges Hexenbrett. Mehr passiert in diesem Geistersüppchen leider nicht, was angesichts der unverbrauchten Thematik und der wirklich sehr angenehmen Schaueroptik schon etwas sehr bedauerlich ist. Immerhin verschafft sich ZOZO am Ende Zutritt in die Welt der Menschen und versucht etwas Chaos anzurichten. Wer hier spektakuläre Effektschlachten erwartet, dürfte recht schnell enttäuscht werden. Wir haben es hier mit einem Indie zu tun, der aus nahezu null Budget entstanden ist. Demzufolge sind auch die Spukmomente eher subtiler Natur und werden zurückhaltend eingesetzt. Da verschwinden Zauberkarten sprichwörtlich durch Geisterhand und ein rettendes Asthma-Spray ist plötzlich ohne Inhalt. Die anfangs mühsam gewerkelte Kürbisfratze erhält ein neues, sehr “spezielles” Aussehen und eine Protagonistin erliegt am Ende den Folgen eines Geisterangriffs. Immerhin verhalten sich die Kids in I AM ZOZO durchweg umgänglich und entpuppen sich nicht als dumme Stereotypen des modernen Horrorfilms. Hier bekommen wir bodenständige und natürliche Charaktere zu Gesicht, die zur Abwechslung mal nicht penetrant nerven, so dass es dem Zuschauer leicht fallen dürfte sich mit den netten Jungs und Mädels zu identifizieren. Umso ernüchternder die Tatsache, dass man aus der geradlinigen Geistergeschichte nicht mehr herausgekitzelt hat. Hier wäre ein tobendes Finale angebracht gewesen, dass I AM ZOZO aus seiner Lethargie gerissen hätte. Leider wurde das vermutlich aus dem Drehbuch gestrichen, weil einfach kaum Budget zur Verfügung gestanden hat. So bleibt I AM ZOZO ein Geisterfilm mit guten Ansätzen und schauderhafter Oldschool-Optik, der aber aufgrund der eher unspektakulären Geschichte und der ziemlich ruhigen Inszenierung nur wenig Aufmerksamkeit unter Horrorfreunden erhaschen dürfte.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
I AM ZOZO ist ein charmanter Gruseltrip der alten Schule, der jedoch ausschließlich Neulingen im Genre wohliges Schauern garantiert dürfte. Leider schöpft der Streifen nicht einmal annähernd sein Potenzial aus und kränkelt viel zu oft an seiner ereignislosen Inszenierung. In Zeiten pompös ausgestatteter und gruseliger CGI-Schlachten verängstigt so ein seichter Ouija-Board-Talk längst keinen Horrorfilmfan mehr. Deshalb sei die Sichtung nur denjenigen geraten, die ein Faible für altbackene und ungeschliffene No-Budget-Horrorstreifen besitzen, weil sie sich am durchgestylten und modernen Mainstream-Kino sattgesehen haben.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Zensur

 
 
 
Bis auf das eine Protagonistin in I AM ZOZO am Ende aufgrund eines Asthmaanfalls erstickt, passiert in diesem Streifen nix grausames. Demnach ist hier vermutlich eine FSK12 drin.
 
 
 


 
 
 

I AM ZOZO – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Ouija Experiment (2011)
 
Witchboard – Die Hexenfalle (1986)
 
Don’t Panic (1987)

Kritik: „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ (2013)

Die-Tribute-von-Panem-Catching-Fire (2013)
 
 
 

DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE

Story

 
 
 
Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) haben die 74ten Hungerspiele überlebt. Doch viel mehr: Sie haben dem mächtigen Kapitol die Stirn geboten. Ihr Beispiel ermutigt die unterdrückte Bevölkerung der Distrikte zur Rebellion gegen das Regime. Doch dann ändert Präsident Snow kurzerhand die Spielregeln und wählt die neuen Tribute für das Jubel-Jubiläum der Hungerspiele aus den bisherigen Siegern, um gegeneinander anzutreten. Auch Katniss und Peeta werden erneut in die Arena geschickt und müssen sich dem Kampf ums Überleben stellen. Und langsam wird ihnen klar, dass sie in Wirklichkeit Teil eines viel größeren Plans sind …
 
 
 


 
 
 

DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE – Kritik

 
 
 
Der erste Teil DIE TRIBUTE VON PANEM – THE HUNGER GAMES war weltweit ein durchbrechender Erfolg und verspricht eine ähnlich erfolgreiche Saga zu werden wie der Zauberspaß um HARRY POTTER oder das Vampirdrama TWILIGHT. Mit der Verfilmung des zweiten Teils der Panem-Trilogie, CATCHING FIRE, verspricht Regisseur FRANCIS LAWRENCE, die Erfolgsgeschichte des ersten Teils fortzusetzen. Und er hält sich an seine Worte. Imposante Schauplätze, große Emotionen, mitreißende Actionszenen, dafür aber auch eine eher durchwachsene Story, machen den 146 Minuten langen Film zu einem aufregenden Hollywood-Blockbuster.
 
Nachdem im Vorgänger der primäre Fokus auf den Gladiatorenkämpfen ähnlichen Hungerspielen lag, dreht sich die Handlung in der Fortsetzung vor allem um die aufkeimende Revolution im Land und die Versuche des machthungrigen Kapitols, diese zu unterdrücken. Die größte Zeit folgt man im Sequel der Protagonistin, Katniss Everdeen (JENNIFER LAWRENCE). Hatte die unfreiwillige Heldin nach den Geschehnissen im ersten Teil nur den Wunsch, einfach nur nach Hause zu gehen, wird ihr in DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE jene Illusion schnell wieder genommen. So muss sie doch die vorgespielte Romanze zwischen ihr und Peeta Mellark (JOSH HUTCHERSON) fortsetzen um die Schaulust des entertainmentgeilen Kapitols zu befriedigen. In der ersten Hälfte des Films spielt die sich andeutende Rebellion und die wachsende und ungewollte Verantwortung unserer Protagonistin die größte Rolle. Bei Actionfans dürfte der eher ruhig erzählte Einstieg einen etwas zähen Nachgeschmack hinterlassen, ist er dennoch für den Spannungsaufbau und den weiteren Verlauf der Gesamthandlung von entscheidender Bedeutung. In der zweiten Hälfte müssen die Protagonisten erneut in die tödliche Arena aus der nur ein Teilnehmer als Sieger hervorgehen kann. Ab hier sollte es zur Sache gehen. Wohlgemerkt, sollte!
 
Zwar gibt es einige schnelle Finishes zu sehen und die Protagonisten müssen sich diversen Fallen stellen, ein Herzinfaktrisiko besteht jedoch bei weitem nicht. Spätestens hier merkt man, dass die Fortsetzung die Gewichtung anders legt als ihr Vorgänger. Es geht nicht mehr nur ums Überleben; hier nehmen die Gefühlswelt der Heldin und die sozialen Probleme der Panem-Gesellschaft einen höheren Stellenwert ein. Actionfans oder Liebhaber seichter Unterhaltung könnte diese Kehrtwende zuwider sein aber gerade gesellschaftskritische Kinobesucher und Leser der Buchvorlage dürften sich an der engen Filmumsetzung stark erfreuen. So ist CATCHING FIRE keineswegs eintönig, wie ähnlich groß angekündigte Blockbuster diesen Jahres, die mit schönen Bildern und großen Namen warben, dann jedoch mit flachen und absehbaren Handlungen enttäuschten. Das Leinwandabenteuer bietet sowohl emotionsgeladene, ruhige Abschnitte aber auch einige schnelle Kampfszenen. Zudem gefallen eindrucksvolle Bilder als auch das glaubhafte Schauspiel. Der Verlauf ist glücklicherweise nicht allzu absehbar und erfreut mit einigen überraschenden Auflösungen sowohl am Ende als auch zwischendurch. Auf eine klischeehafte abgedroschene Hollywoodromanze wurde erfreulicherweise verzichtet und das obwohl die Emotionen der Protagonisten eine große Rolle spielen. Deren Dosierung ist übrigens auch für abgehärtete Zuschauer erträglich. Sie sind keinesfalls eindimensional.
 
So wird Ms. Everdeen nicht nur von schweren Schuldgefühlen und schlafraubenden Alpträumen geplagt, sondern ist auch stetig hin und her gerissen zwischen aufgezwungener Heldenrolle und quälendem Heimweh, zwischen ihren unausgesprochenen Gefühlen gegenüber ihrem Kindheitsfreund Gale (LIAM HEMSWORTH) und der zunächst vorgetäuschten Beziehung zu ihrem Überlebenspartner Peeta, zwischen wachsendem Verantwortungsgefühl für diejenigen, die abhängig von ihr sind und Abscheu gegen die Marionettenspieler hinter dem Geschehen. So verkörpert JENNIFER LAWRENCE keine furchtlose Heldin, die sich selbstlos für das Gute einsetzt, sondern durchaus ein glaubhaft wirkendes 16jähriges Mädchen, das ungewollt in die Rolle der Heldin gezwängt wurde und deren Psyche durch die erlittenen Strapazen leidet.
 
Die Actionseite des Films ist kürzer gehalten als im Vorgänger, blutfrei und weniger spektakulär. Das tut jedoch nicht unbedingt einen Abbruch, schließlich liegt im Mittelteil der Panem-Saga der Fokus auf der Gesellschafskritik, auf die Ungerechtigkeit und den Machtmissbrauch durch das System und dessen Intrigen sowie die Ausbeutung und Unterdrückung des Volkes – auch in Bezug auf die Realität. So stellt Panem das fiktive zukünftige Nordamerika dar welches sich nach einem Atomkrieg neu geordnet hat. Die Interpretation der ausschließlich schwarzen Besatzung des Distrikts 11, der für Obstanbau auf Plantagen verantwortlich ist dürfte nicht allzu schwer fallen. Natürlich wird auch das Auge ausreichend bedient. Und das nicht zu knapp. Die neuen extrem hochauflösenden IMAX-Aufnahmen sorgen immer wieder für staunen. Sei es im prunkvollen Kapitol mit seinen dekadenten Bewohnern, im HighTech-Trainingscenter der Tribute oder im üppig bewachsenen Dschungel der neuen Arena. Die Macher haben keine Mühen gescheut staunenswerte Spielorte zu kreieren. Spielorte die mit detailierten und echtwirkenden Special Effects bespickt sind. Seien es aggressive Affen, futuristische Hovercrafts, lebendig wirkender giftiger Nebel oder eins der vielen anderen Produkte aus der Animationsschmiede – sie alle sind realistisch und mit Liebe zum Detail umgesetzt. Aber auch die Kostüme sind für nicht modeaffine Zuschauer einen zweiten Blick wert. Vor allem die extrovertierte Effie Trinket (Elizabeth Banks) begeistert mit ihren originellen Outfits. So ist DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE eine gelungene und werksgetreue Umsetzung des Romans von Suzanne Collins, die auch kritische Leser erfreuen dürfte und die extrem Lust auf den Abschluss der Serie, DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY macht.
 
 
 


 
 
 

DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Spannend, Glaubhaft, Mitreißend, Beeindruckend jedoch ruhiger und actionärmer als der Vorgänger. Wie die Altersfreigabe ab 12 schon vermuten lässt werden Liebhaber stumpfer und blutreicher Horrorstreifen wohl nicht auf ihre Kosten kommen. Für alle anderen ist CATCHING FIRE auf jeden Fall sehenswert. Wegen den beeindruckenden IMAX Bildern, die nur auf großer Leinwand wirklich zu Geltung kommen können ist der Gang ins Kino sogar sehr empfehlenswert.
 
 
 


 
 
 

DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE – Zensur

 
 
 
Wie im Teil zuvor DIE TRIBUTE VON PANEM – THE HUNGER GAMES ist es ebenso erstaunlich, wie auch die Fortsetzung unbeschnitten bereits für 12-jährige freigegeben werden konnte. Hier ist wieder einmal offensichtlich, dass die Wege der FSK oft nicht nachzuvollziehen sind. Den minderjährigen Fan des Franchise dürfte es freuen, dem hiesigen Rechteinhaber ebenso!
 
 
 


 
 
 

DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studiocanal

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Hunger Games: Catching Fire; USA 2013

Genre: Thriller, Drama, Abenteuer, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 146 Min. (uncut)

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack, FSK-Logo ist nicht aufgedruckt

Extras: Neunteiliges Making of über die Dreharbeiten, Audiokommentar von Regisseur Francis Lawrence und Produzentin Nina Jacobson, Geschnittene Szenen, Featurettes: „Die Vision“, „Rückkehr der Verbündeten“ (Die Besetzung), „Freund oder Feind“ (Die neuen Darsteller), Easter Egg, 5 Trailer, Booklet, Poster

Release-Termin: 27.03.2014

 
 
 

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DIE TRIBUTE VON PANEM: CATCHING FIRE – Trailer

 
 
 


 
 

Sören C.

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Tribute von Panem – The Hunger Games (2012)
 
Battle Royale (2000)
 
Insel der Verdammten (1981)
 

Filmreview: „Warm Bodies“ (2013)

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WARM BODIES

Story

 
 
 
Teenager R., der vor Ewigkeiten seinen Namen vergessen hat und sich an rein gar nichts mehr aus seiner Vergangenheit erinnern kann, wandelt nun als Zombie auf einem Flugplatz umher. Doch sein „untotes“ Leben gerät arg ins Wanken, als er der menschlichen Julie (Teresa Palmer) begegnet, die ihn auch sogleich in ihren Bann zieht. Er rettet das Mädchen vor einer Rotte hungriger Zombies und zwischen den unterschiedlichen Teenagern beginnt eine sonderbare Romanze. Bald beginnt R. körperliche Veränderungen festzustellen, die darauf schließen lassen, dass Zombies doch nicht so unmenschlich sind, wie anfänglich vermutet …
 
 
 


 
 
 

WARM BODIES – Kritik

 
 
 
„Mann, sind wir Zombies langsam“ – So zynisch Hauptcharakter R. in WARM BODIES die schleppende Fortbewegung der Zombies bemängelt, so gemächlich hat sich, überspitzt ausgedrückt, bis dato auch das Zombie-Genre weiterentwickelt. Seit der moderne Zombiefilm im Jahre 1968 durch GEORGE A. ROMERO mit NIGHT OF THE LIVING DEAD ins Leben gerufen wurde, hat sich bis heute nichts wirklich Weltbewegendes in diesem Sektor getan. Aus taumelnden Zombies (DAWN OF THE DEAD) wurden zwischenzeitlich mal rasant flitzende Bestien (28 DAYS LATER) und während die Untoten vor 50 Jahren noch bevorzugt amerikanische Kleinstädte heimgesucht haben, sorgen die unberechenbaren Kreaturen nunmehr in Metropolen für Unruhe. Wirklich neu erfunden hat sich das Genre dabei nie und blieb bis heute seinen Wurzeln treu. Umso erfreulicher, dass mit WARM BODIES ein Film erscheint, der dem angestaubten Thema frischen Wind einverleiben möchte. Regisseur JONATHAN LEVINE, der sich mit dem Slasher ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE zwar um ein paar Gehaltsklassen steigern konnte, sich kreativ aber nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, scheint dem ewig gleichen Schlamm überdrüssig gewesen zu sein, so dass er die Verfilmung eines Romans des Autors ISAAC MARION für nötig hielt, um so das Zombie-Thema neu zu interpretieren. Das Ergebnis ist eine durchaus sehenswerte Zombie-Komödie, welche die vielen altbackenen Zombie-Klischees auf die Schippe nimmt und mit allerhand Situationskomik schildert, wie aus scheinbar primitiv denkenden Hirnfressern wieder halbwegs zivilisierte Menschen werden können.
 
Immerhin ein guter Stoff wie auch ein unterhaltsamer Film, erzählen doch die meisten Zombie-Gurken eher die Verwandlung vom Menschen zum Zombie. WARM BODIES dreht den Spieß ganz einfach um und setzt sich dabei von der breiten Masse unendlich dummer Schocker ab. Anders wie in unzähligen anderen Filmen seiner Art, wird hier das alltäglich sinnlose Dasein des toten Teenagers R. in selbstironische Bilder gepackt. Er muss schnell feststellen, dass eine Heilung nicht undenkbar ist. Er verliebt sich in einen Menschen und verursacht dadurch eine Kettenreaktion, die den schlurfenden Untoten zu neuem menschlichen Leben verhilft. Klingt vermutlich alles arg kitschig – ist es auch. Mit WARM BODIES hält der Horrorfilmfan eine zwar unkonventionelle, aber dafür jugendfreie Grusel-Romanze in den Händen, die sich merklich am Erfolg der erfolgreichen Kinoreihe TWILIGHT orientiert. Das dürfte vermutlich nicht jedem männlichen Horrorfilmfreund zusagen, erwartet man(n) schließlich auch bei leichten Zombie-Komödien ein gewisses Maß an handfestem Splatter. Die niedrig angesetzte FSK-Freigabe offenbart schnell, welcher Ton in WARM BODIES angeschlagen wird. Der Film ist frei ab 12 Jahren, richtet sich an ein vorwiegend jugendliches, weibliches Publikum und verzichtet dabei auf jeglichen Einsatz blutiger Gewalt. Stattdessen konzentriert sich Filmemacher LEVINE auf eine nicht immer ernstzunehmende Darstellung einer postapokalyptischen Version von Romeo und Julia, die auch mit sozialkritischen Seitenhieben nicht geizt. Die teilweise philosophisch durchdachten Ansätze sorgen auch nach dem Abspann für Gesprächsstoff und sind Grund genug, dem vorliegenden WARM BODIES trotz seiner jugendgerechten Umsetzung eine Chance zu geben.
 
Was anfänglich wie eine urkomische Zombie-Persiflage beginnt, endet mit einer etwas arg aufgesetzten Prise Shakespeare. Der eigentlich selten ernstzunehmende Zynismus wird zugunsten einer hanebüchenen Lovestory in den Hintergrund gerückt. Schade, denn gerade die trockenen Kommentare des Leidtragenden R. sorgen für einige Lacher. Auch wenn die Zombie-Romanze im letzten Drittel unerträgliche kitschige Züge entwickelt und sich wohl nur weibliche Zuschauer mit dem schmalzigen Treiben auf der Mattscheibe identifizieren können, so gehört WARM BODIES zu jenen Werken, die man gerade aufgrund der unerwarteten Andersartigkeit als Genrefan gesehen haben sollte. Inszenierung, Score, Kamera und Schnitt befinden sich auf hohem Niveau und auch die ambitionierten Jungdarsteller NICHOLAS HOULT (A SINGLE MAN) als R. und TERESA PALMER (ICH BIN NUMMER 4) als Julie bereichern den Film ungemein. Als Filmfreund darf man nur hoffen, dass der außerordentliche Kinoerfolg von WARM BODIES zu keiner weiteren Fortsetzung führt. Denn das lukrative zu Tode melken interessanter Filmstoffe durch geldgierige Studiobosse hätte WARM BODIES nun wahrlich nicht verdient.
 
 
 


 
 
 

WARM BODIES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Unblutiger Zombiefilm? Wo gibt es denn so etwas? WARM BODIES ist trotz nicht vorhandenen Blutzolls einer der erfrischendsten Versuche der letzten Jahre, das angestaubte Zombie-Genre ideenreich aufzupeppeln!
 
 
 


 
 
 

WARM BODIES – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung wurde mit eine FSK 12-Freigabe in den Handel gebracht. Geschnitten ist hier nix.
 
 
 


 
 
 

WARM BODIES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Warm Bodies; USA 2013

Genre: Horror, Komödie, Thriller

Ton: Deutsch+Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar mit Regisseur Jonathan Levine sowie den Hauptdarstellern Nicholas Hoult und Teresa Palmer, Roman und Filmentwicklung, R & J, Das Schauspielerensemble, Zombie-Make-up, Produktionsdesign und Montreal, Waffen und Stunts, Visuelle Effekte, Hinter den Kulissen mit Teresa Palmer, „Wie man einen Zombie spielt“ mit Rob Corddry, Entfallene Szenen, Outtakes, Dt. und Original-Kinotrailer

 
 
 
Wenn COCORDE aktuelle Kinofilme auf dem HD Medium veröffentlicht kann man eigentlich immer davon ausgehen, dass dort Qualität geliefert wird. Gerade der Horrorfilmfan wird oft stiefmütterlich behandelt. Im Falle von WARM BODIES dürfte er umso mehr überrascht sein, welch Liebe zum Detail ihm hier geboten wird. Das beginnt bereits beim Hauptmenü. Das ist zwar schlicht gehalten, schaut aber bei weitem besser aus, wie das der meisten Blu-rays einschlägiger Horrorfilme aus, die immer mit gleicher Menüanordnung in den Handel gebracht werden und durchaus sehr spartanisch ausschauen. Ein rot gefärbter Bildschirm führt den Zuschauer zu Hauptfilm, Tonauswahl und Bonusmaterial. Gerade Letzteres ist erstaunlich üppig ausgefallen. Von „Hinter den Kulissen“-Features über „Entfallene Szenen“ bis hin zu „Outtakes“ wird hier das obligatorische Programm geliefert, was zudem auch noch lobenswerterweise deutsch untertitelt wurde. Bildtechnisch kommt WARM BODIES detailreich daher. Das tiefenschwarze HD-Erlebnis begeistert mit immerzu klaren, sauberen, kontrastreichen Farben und der perfekte Schwarzwert garantiert stets bombastisches HD-Feeling. Beim Ton gefällt der aggressive Soundtrack, der den Subwoofer ordentlich brummen lässt. Die Dialogverständlichkeit ist zwar sehr gut, der gesamte Sound fällt jedoch sehr leise aus, so dass eine nachträgliche Anpassung der Lautstärke unumgänglich ist. Auch fällt auf, dass der deutsche Ton nur selten die hervorragende Qualität der englischen Tonspur erreicht. Sei es drum, die hiesige Veröffentlichung kann sich sehen lassen. CONCORDE spendiert zudem ein Wechselcover, so dass Horrorfilmfans hier getrost zugreifen können.
 
 

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Weitere Informationen zu WARM BODIES findet Ihr auf der Facebook-Seite zum Film

 
 


 
 
 

WARM BODIES – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
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Fido (2006)

Shaun of the Dead (2004)

Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (2008)

Filmreview: „The Vatican Exorcisms“ (2013)

THE VATICAN EXORCISM (2013)
 
 
 

THE VATICAN EXORCISMS

Story

 
 
 
Das Thema Exorzismus ist immer für eine Dokumentation gut, besonders, dann wenn der Fokus allen Übels auf Italien liegt. Drum reist Joe Marino mit einem Kamerateam in den Vatikan, um dort einen geschulten Dämonenaustreiber bei seiner täglichen Arbeit zu begleiten und seine Praktiken mit der Kamera festzuhalten.
 
 
 


 
 
 

THE VATICAN EXORCISMS – Kritik

 
 
 
Man hat als Horrorfilmkritiker bereits schon so einige faule Tomaten gesehen. Filme, die oftmals so mies waren, dass sich die Spielzeit von knapp 90 Minuten zu einer halben Ewigkeit entwickelt haben. Ob sich die Produzenten hinter den Machwerken manchmal überhaupt im Klaren sind, was sie mit ihren miserablen Schundfilmchen aussagen oder gar bewirken wollen, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass es auf dieser Welt eindeutig zu viele dieser unbrauchbaren Titel gibt. Das kostet den Zuschauer einfach zu viel Lebenszeit! THE VATICAN EXORCISMS fügt sich perfekt in die Riege der Filme ein, auf die die Welt nur gewartet hat – um sie zu meiden! Das hübsche (natürlich an THE LAST EXORISM angelehnte) Cover schaut zwar durchaus vielversprechend aus, wurde aber vermutlich nur gestrickt, um Käufer neugierig zu machen. Auf besessene Geschöpfe, die grotesk verdreht die Wände emporklettern wartet man in THE VATICAN EXORCISMS vergebens. Stattdessen hat es der Zuschauer hier mit kostengünstigem Pseudo-Grusel zu tun, der so unsagbar schlecht umgesetzt wurde, dass sich einem während der Sichtung die Zehennägel krümmen.
 
THE VATICAN EXORCISMS ist wohl DER dilettantischste und schlechteste Wackelcam-Thriller, den man die letzten Jahren auf der Mattscheibe hatte. Dabei ist Regisseur JOE MARINO zwar leidlich bemüht, seinem unterirdischen Schocker so etwas wie Authentizität einzuhauchen. Das Treiben gestaltet sich aber derart beschämend, dass sich diese Peinlichkeit kaum in Worte fassen lässt. THE VATICAN EXORCISMS ist Quasi die unspektakuläre Version des 2012 erschienenen THE DEVIL INSIDE. Unter dem Deckmantel realer Gegebenheiten wird hier eine Dokumentation gezeigt, die sich mit dämonischer Besessenheit im tiefreligiösen Süden Italiens beschäftigt und einem Exorzisten bei seiner täglichen Arbeit beiwohnt. Nun gut, vermutlich kein schlechter Stoff für einen schick reißerischen Found-Footage-Beitrag. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch derart ereignislos, dass dem Zuschauer zu raten ist, sich diesen ermüdenten Quark möglichst wach anzuschauen. Da werden tagebuchartig Geschehnisse protokolliert und Angehörige der vermeintlich vom Teufel Besessenen vor der Kamera mit unangenehmen Fragen gelöchert, um dem Zuseher unwichtiges Hintergrundwissen zu bieten. Danach werden vier Fälle geschildert, in denen sich PATER LUIGI leidlich darum bemüht sieht, den besessenen Opfern Heilung zu verschaffen. Während eine betagte Nonne vermutlich bereits seit Jahren im Wachkoma liegt und ab und an wütend Zähne aus ihrem Mund spuckt, wenn LUIGI aus seiner Bibel vorliest, beobachtet das Kamerateam woanders ein kleines Mädchen, das düstere Bilder malt und wirres Zeug faselt, wenn der Exorzist ihr etwas arg nah zu Leibe rückt. Die nicht vorhandenen schauspielerischen Leistungen lassen sich kaum verschleiern, wobei sich die wenigen Leidtragenden leidlich darum bemüht sehen, durch ihr Schreien, Kichern und Umherwälzen so etwas wie Gruselfeeling entstehen zu lassen. Das kommt jedoch nie zustande, auch dann nicht, als sich JOE MARINO (der im Übrigen auch den fiktiven Regisseur des Films mit gleichen Namen mimt) vom Teufel höchstpersönlich verfolgt fühlt.
 
Das Found-Footage-Genre will sich partout keine Auszeit gönnen. Mit THE VATICAN EXORCISMS beweist der Wackelcam-Film einmal mehr, dass dieses Subgenre bereits unlängst seinen erfrischenden Reiz verloren hat. Regisseur JOE MARINO spielt sich selbst, um dem Film die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das wäre ihm um Haaresbreite gelungen, würden da nicht die grottigen Schauspieler den Film zur Lachnummer machen. Grandiose Effektszenen sucht man hier vergebens. Die Besessenen versuchen den Zuschauer mit einfachen Mitteln zum „Lachen“ zu bringen. Während eines der geplagten Opfer mit seinen Leibeswindungen beeindruckend den Fußboden wischt, weiß ein anderer wie er sich mit ausgiebigen Leibesübungen selbst „beglücken“ kann. Was bleibt, ist eine vollkommen schwachsinnige Pseudo-Reportage, die ideenlos versucht auf den aktuell so beliebten Exorzisten-Zug aufzuspringen. Hände weg von diesem Nonsens!
 
 
 


 
 
 

THE VATICAN EXORCISMS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Schockierend, beängstigend, beunruhigend! DAS alles ist THE VATICAN EXORCISMS natürlich nicht, auch wenn es das Filmplakat suggeriert. Einer der miesesten Filme im Kinojahr 2013.
 
 
 


 
 
 

THE VATICAN EXORCISMs – Zensur

 
 
 
Mit etwas Glück dürfte THE VATICAN EXORCISMS hierzulande ungeschnitten mit FSK12-Freigabe erscheinen. Ob es der miese Film jedoch überhaupt je nach Deutschland schaffen wird, steht vermutlich in den Sternen.
 
 
 


 
 
 

THE VATICAN EXORCISMS – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der letzte Exorzismus 2 (2013)

Besessen – Der Teufel in mir (2012)

Possession – Das Dunkle in Dir (2012)

Apartment 143 (2011)

Der Exorzist (1973)

Exorzist 2 – Der Ketzer (1977)

The Devil Inside (2012)

Filmreview: „Last Passenger“ (2013)

last-passenger-2013
 
 
 

LAST PASSENGER – ZUG INS UNGEWISSE

Story

 
 
 
Lewis Shaler (Dougray Scott) ist vielbeschäftigter Arzt und alleinerziehender Vater. Auf dem Weg nach Hause begibt er sich mit seinem kleinen Sohnemann in den letzten Zug nach London, wo er der schönen Fremden Lewis ( Kara Tointon) begegnet und sich ihr sofort verbunden fühlt. Doch die Liaison währt nicht lang. Als der Zug nicht wie erhofft am Zielbahnhof ankommt, die Notbremsen nicht zu funktionieren scheinen und weit und breit kein Zugbegleiter anzutreffen ist, schwant den wenigen Passagieren Übles. Ein irrer Selbstmörder hat die Kontrolle des Zugs übernommen und will unweigerlich mit Gefährt und Besatzung in den Tod rasen. Können die Reisenden ihrem Schicksal entkommen?
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Kritik

 
 
 
Führt man sich einmal viele durchaus gelungene Horrorfilme der letzten Dekaden vor Augen, so fällt verblüffend oft auf, dass es sich hier um Genrebeiträge handelt, die von Jungregisseuren inszeniert wurden, die vorher wenige bis gar keine Regieerfahrungen vorweisen konnten. Gerade im Horrorbereich scheint der Trend allmählich weg vom kommerziellen Mainstream, hin zum günstig hergestellten Independentfilm zu gehen, wobei das natürlich nicht zwangsläufig negativ gewertet werden sollte. Auch der vorliegende LAST PASSENGER ist einer dieser einfallsreich umgesetzten Filmbeiträge, der ohne millionenschweres Budget auskommen musste und es trotzdem schafft, den Puls des ahnungslosen Zuschauer ordentlich in die Höhe zu treiben. Regisseur und Co-Drehbuchautor OMID NOOSHIN, der zuletzt auf dem Gebiet des Kurzfilms einige Regie-Erfahrungen sammeln konnte, inszeniert mit LAST PASSENGER seinen ersten abendfüllenden Spielfilm und beweist mit seiner minimalistisch erzählten Geschichte eindrucksvoll, dass es manchmal nur ein wenig Einfallsreichtums bedarf, einen schweißtreibenden und spannenden Schocker zu realisieren. Das sah vermutlich auch das britische Produktionshaus UK FILM COUNCIL (IRON LADY und MY WEEK WITH MARYLIN) so und fungierte als verlässlicher Geldgeber.
 
In LAST PASSENGER erlebt der Filmfreund die hilflosen Interaktionen einiger ahnungsloser Reisender, die vehement alles erdenklich Mögliche unternehmen, um einen außer Kontrolle geratenen Zug in ihre Gewalt zu bringen und das eigene Überleben zu sichern. Hierbei versucht Regisseur OMID NOOSHIN sein erschütterndes Szenario so glaubwürdig wie möglich zu zeichnen. Auch wenn die Verhaltensmuster der wenigen Fahrgäste zu Beginn noch den vermeintlich typischen Klischees des Genres unterliegen, so ändert sich das im Verlauf der Handlung, so dass LAST PASSENGER am Ende sogar gänzlich ohne Unsympathen auskommt. Das Verhalten der wenigen Fahrgäste erscheint vollkommen nachvollziehbar, ihre Verzweiflung wirkt stets authentisch, wobei sich der Zuschauer nicht nur einmal dabei ertappen dürfte, das Szenario selbst zu hinterfragen und dabei eine Antwort zu finden, wie er sich selbst in einer derart verzweifelten Situation verhalten würde. Auch wenn die zugrundeliegende Idee des Films nicht wirklich originell erscheint und die Charaktere ein wenig Zeit benötigen, um die zündenden, letztlich rettenden Gedanken in die Tat umzusetzen, so schafft es NOOSHIN mit einer Leichtigkeit, eine erschreckend klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen, die den Grundton der Geschichte vortrefflich zu unterstreichen weiß. Hier sorgt nicht die Enge der Zugabteile für ein beklemmendes Angstgefühl, sondern die Hilflosigkeit der Charaktere, die vorerst rein gar nichts unternehmen können, den Zug stoppen zu können. Wer gerade gegen Filmmitte einige der durchaus adrenalinfördernden Szenen kaum ertragen kann und nicht hinschauen mag, wenn die Fahrgäste versuchen von Außen die Abteile zu entkoppeln, dem sei an dieser Stelle vergewissert, dass der Film natürlich ein gutes Ende nimmt.
 
Dennoch, bis der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, erlebt der Filmfreund Suspense-Unterhaltung aller erster Güte. Wer eine Vorliebe für kurzweilig-unterhaltsames Thriller-Kino hegt, ist mit LAST PASSENGER optimal beraten. Ein Thriller der zwar nicht ganz befreit von budgetbedingten Schnitzern ist; für ein Regie-Debüt jedoch erstaunlich souverän in Szene gesetzt wurde.
 
Von daher: Nächster Halt: LAST PASSENGER – wir wünschen eine gute Fahrt! .
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schweißtreibend inszenierter Suspense-Thriller für Nervenstarke. Ein Beitrag, der gerade für jene Genre-Fans interessant sein dürfte, die ein Faible für sauber inszenierte Filme hegen, deren Spannungsschraube von Minute zu Minute fester gezogen wird. Überraschend guter Indie-Beitrag!
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Zensur

 
 
 
Der Film ist nicht brutal und zeigt kaum Grausamkeiten. Zwar sterben im Film auch Menschen, der FSK war der packende Zugentführungs-Thriller aber immerhin eine FSK12 wert und ist somit auch für Minderjährige geeignet.
 
 
 


 
 
 

LAST PASSENGER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
LAST PASSENGER Blu-ray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Last Passenger; Großbritannien 2013

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK 12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Making Of, Featurette, Interviews, B-Roll, Visual Effects, Sound Design

Starttermin: 17.01.2014

 
 
 
LAST PASSENGER ist ein kleiner Indie, der mit wenig Budget auskommen musste und das merkt man auch. Vor allem beim Bild der Blu-ray aus dem Hause UNIVERSUM FILM macht sich das magere Kapital bemerkbar. Das Bild ist viel zu hell und schaut durchweg milchig und arg kontrastarm aus. Zudem sind die Farben verwaschen, was aber immerhin zum Charakter der altmodischen Wagon-Kulisse passt. Beim Ton schaut es da schon etwas besser aus. Die Stimmen sind stets klar zu verstehen und die klapprigen Umgebungsgeräusche des Zugabteils sorgen für eine angenehme Räumlichkeit. Kommt es dann ab Filmmitte zum Zusammenprall mit einem Auto scheint das Heimkino aus seinem Winterschlaf zu erwachen. Der anfänglich eher zurückhaltende und eher dialogreiche Thriller überrascht mit lautem Getose, das druckvoll aus den Boxen schallt. Zudem kommt in den wenigen Actionszenen der Subwoofer vermehr zum Einsatz. Vor allem die Explosion gegen Filmende überzeugt. Im wirklich hübsch animierten Hauptmenü findet der Zuschauer selbstverständlich eine kleine Anzahl an Extras. Die sind zwar recht übersichtlich ausgefallen, überzeugen aber durch Qualität. So gibt es ein Making of (ca. 3 Minuten), eine B-Roll (ca. 6 Minuten) und 13 Interviews mit diversen Beteiligten (ca. 30 Minuten) zu sehen. Weiterhin haben noch drei Features über die Kameraarbeit, die visuellen Effekte und das Sound Design (zusammen ca. 13 Minuten) den Weg auf die Blu-ray gefunden. Ein BD-Live-Zugang und der Trailer in Deutsch und Englisch runden das Extrapaket ab. Leider gibt es mal wieder keine deutschen Untertitel für die Boni, so dass die meisten Extras kaum zu gebrauchen sind. Dafür entschädigt eine umfangreiche Trailershow mit sechs weiteren Filmen aus dem Katalog des Anbieters. Wer sich immer noch nicht mit dem FSK-Flatschen anfreunden kann, darf den Einleger gern umdrehen, denn ein Wendecover liegt bei.
 
 
 

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LAST PASSENGER – Trailer

 
 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
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