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Kritik: “Always Watching: A Marble Hornets Story” (2015)

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ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY

Story

 
 
 
Einige sensationshungrige Reporter entdecken bei Dreharbeiten in einem Keller merkwürdige Videobänder einer spurlos verschwundenen Familie, auf denen eine dürre Kreatur im Anzug ihr Unwesen treibt. Das Filmteam wittert eine packende Story und forscht nach.
 
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Kritik

 
 
 
Was lehrt uns das Horror-Genre immer wieder? Dass man besser nicht die Nase in fremde Angelegenheiten steckt, denn Neugierde wird oft in dieser Art von Filmen mit einem schrecklichen Ableben bestraft. Manchmal ist es besser, wenn man nicht im Leben fremder Menschen herumschnüffelt, denn gerade im Horrorkino ist das Böse begierigen Hobbydetektiven meist stets einen Schritt voraus – eine Weisheit, die den Freunden in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY womöglich das Leben gerettet hätte. Die drei Sensationsreporter gehören zu einem regionalen Nachrichtenteam und sind stets auf der Jagd nach möglichst reißerischen Titelgeschichten, um das Interesse der Zuschauer für sich gewinnen zu können. Während den Dreharbeiten zu einer Reportage über Zwangsvollstreckungen entdeckt man bei Streifzügen durch ein verlassenes Haus eine Kiste Videobänder im Keller. Auf denen beobachten die Freunde mysteriöse Dinge. Eine gesichtslose Gestalt im schwarzen Anzug scheint sich an die Fersen jener Familie geheftet zu haben, die bisher im Haus gewohnt hat. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass die ehemaligen Eigentümer nicht von der Bank vertrieben wurden, sondern aus Angst vor einer unheimlichen Kreatur freiwillig das Weite gesucht haben. Was folgt, wird für das Reporter-Team kein gutes Ende nehmen. Sie wittern eine Topstory und versuchen das Geheimnis der Videobänder zu entschlüsseln, nichtsahnend, dass sie bald selbst ins Visier des “Operators” geraten, der den Freunden die letzten Stunden ihres noch jungen Lebens zur Hölle machen wird.
 
 
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Sie sind wieder da: verwackelte Filmaufnahmen, die aus der Ego-Perspektive Horrorgeschichten erzählen. Was täte die Menschheit nur ohne die fiesen Schüttelorgien, die Zuschauer seit BLAIR WITCH PROJECT und PARANORML ACTIVITY regelmäßig zur Verzweiflung treiben? Vermutlich würden Hersteller von Kopfschmerzmedikamenten dann weitaus weniger Umsätze erzielen. Jegliche Kritik über die nicht enden wollende Flut an Found-Footage-Streifen scheint vergebens zu sein, denn die schwindelerregenden Filmdokumente werden wohl auch in den kommenden Jahren nicht von der Bildfläche verschwinden und weiterhin polarisieren. ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist waschechter Found-Footage, wie es im Buche steht und basiert auf der bekannten Webserie MARBLE HORNETS. Das Fanprojekt erfreute sich zwischen 2009 und 2014 im Netz großer Beliebtheit und machte sich dem Internet-Mythos des Slender Mans zu eigen. Weil sich um die Web-Reihe über Jahre eine internationale Fangemeinde gebildet hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Konzept der Serie ausgeschlachtet und irgendwie gewinnbringend auf die Leinwand gebracht werden musste.
 
 
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Zugegeben, die Macher der Kinoversion wissen wie sie Found-Footage-Fans zufriedenstellen müssen, denn ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist weitaus besser, als der schlechte Ruf jener Gattung Filme. Im Unterschied zur erfolgreichen Internetvorlage geht es in der Spielfilmumsetzung wesentlich flotter zugange, so dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. In einer Art Detektivspiel werden die neugierigen Protagonisten von einer Station zur nächsten getrieben und finden Anhaltspunkte, um das mysteriöse Verschwinden der eigentlichen Videotape-Eigentümer rekonstruieren zu können. Verfolgt werden sie dabei von einer gesichtlosen Kreatur im Anzug, die nur auf Videomaterial oder durch die Kamera selbst gesehen werden kann und selbstverständlich nichts Gutes im Schilde führt. Was in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY passiert ist letztendlich nicht sonderlich originell. Zu sehen gibt es die fürs Genre bekannten, stets trivialen Schreckmomente (Stichwort: Filmhund!), die trotz Vorhersehbarkeit dennoch zusammenschrecken lassen. Zudem fehlen ebenso wenig Ton- und Bildausfälle, die immer dann auftreten, wenn das Böse mit seinen Opfern abrechnen möchte.
 
 
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Was den Film aber trotzdem über weite Strecken interessant macht, ist der zugrundeliegende Mythos des beängstigenden Slender Mans – ein fiktives Wesen, geschaffen in der modernen Internetkultur, das dank kreativer Nutzer durch Fotos, Videos, Computerspielen und dem Web selbst zu beachtlicher Popularität gekommen ist. Im Film wird die Kreatur schlicht als “Operator” betitelt. Glücklicherweise wird über deren Herkunft kaum ein Wort verloren, so dass sich immer noch genügend Grauen im Kopf des Zuschauers entwickeln darf, damit dieser Gänsehaut bekommt. Vermutlich dürfte das Kopfkino aber nicht lang Bestand haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass finanziell lukrative Horrorfilme in Serie gehen und ihrer Illusionen beraubt werden müssen. Da ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY genug Potenzial und Substanz für weitere Fortsetzungen besitzt, dürfte es nicht verwundern, wenn auch dieses Franchise so lang gemolken wird, bis es keiner mehr sehen möchte.
 
 
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ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Gänsehautverursachender Angstmacher: ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY ist über weite Strecken wirklich gruselig und macht jene Filmfans hellhörig, die sich immer noch nicht an Found-Footage-Streifen sattgesehen haben. Zugegeben, viel Neues gibt es hier nicht zu sehen. Dafür orientiert sich der auf der berüchtigten Webserie MARBLE HORNETS basierende Horrorbeitrag zu sehr am Einmaleins für Wackelfilme aus der Egoperspektive. Interessant macht den Film aber das eigensinnige Filmmonster, über das nicht viele Worte verschwendet wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass fehlende Erklärungen meist das Kopfkino des Publikums beansprucht. Das ist auch in ALWAYS WATCHING – A MARBLE HORNETS STORY der Fall und wirkt weitaus verstörender, als den Film bis ins Detail zu analysieren und zu erklären, damit der Filmfan ruhig schlafen kann. Kurzum: dieser Streifen gehört zu den besseren Vertretern der Schüttelschocker.
 
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Zensur

 
 
 
Splatter und Gore ist hier Mangelware. Ein Held erhängt sich selbst und wandelt später als lebender Toter durch den Film. Ein anderer Protagonist wird mit einem Gewehr erschlagen. Da in ALWAYS WATCHING kaum Gewalt gezeigt wird, darf man sich über eine ungeschnittene FSK16 freuen.
 
 


 
 
 

ALWAYS WATCHING: A MARBLE HORNETS STORY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Marble Hornets (2009 – 2014)
 
The Slender Man (2013)
 
Smiley (2013)
 
The Den (2014)
 


Filmkritik: “Forbidden Zone” (1980)

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FORBIDDEN ZONE

(TOTALER SPERRBEZIRK)

Story

 
 
 
Ein Abbruchhaus in Venice Beach: Der stilecht in rassistisches Blackface-Make-Up gepackte Zuhälter Huckleberry P. Jones muss ein Paket mit Heroin verstecken und öffnet aus Versehen eine geheime Tür im Keller. Dahinter liegt die FORBIDDEN ZONE. Die sechste Dimension ist das. Vier und fünf werden einfach übersprungen. Huckleberry sieht zu, dass er Land gewinnt. Verständlich. Der recht depressive, schwedischstämmige Teerfabrikarbeiter Mister Hercules kauft das Haus. Mit ihm ziehen seine ebenso dauergeschlauchte Frau, der meistens stumme, ab und an jiddisch murmelnde Großvater, die nach einem Schüleraustausch zur Französin gewordene Tochter Susan (jetzt Frenchy) und ihr Bruder Flash in das sehr spezielle Haus ein. Frenchy hat auf dem Schulhof – da redet man über so was – von der sechsten Dimension gehört. Das erzählt sie am Frühstückstisch, nachdem erst mal ein völlig durchgedrehtes Jazzstück aufgeführt worden ist und sich die Familienmitglieder in ausreichendem Maß gegenseitig auf die Köpfe geschlagen haben. In ihrer Schilderung des Schulalltags liefert die Französin eine Playback-Performance von Josephine Bakers hübschem Comedy-Liedchen „La Tonkinoise“ ab. Vor einer Schulklasse, die komplett aus Freaks besteht. Unter anderem Blaxploitation-Zuhälter, glatzköpfige Mutanten, und der Führer. Wieder daheim geht sie in den Keller und stürzt sich in jugendlichem Leichtsinn und dem Morgenmantel, den sie grundsätzlich trägt, mitten hinein ins Dimensionsportal. Dieses Portal ist ein riesiger gemalter Verdauungstrakt, der die Reisenden an ihrem Ziel auch dementsprechend ausscheidet. Als Kackawürste mit braunen Kissen. Drüben angekommen wandert Frenchy planlos umher und betrachtet sich die Musiknummern, die von den zahlreichen Bewohnern des Schattenreichs aufgeführt werden. Sowohl die Nummern, als auch ihre „Stars“, sind alle jenseits von Gut und Böse. Flash und der Großvater begeben sich auf Rettungsmission. Chef in der Zone ist König Fausto, gespielt von Hervé Villechaize, dem Zwerg aus „Fantasy Island“ und dem James-Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Er sitzt an einer Banketttafel, über der nackte Menschen als Kronleuchter angebracht sind. Fausto ist immer scharf und freut sich über Frischfleisch aus der Welt oberhalb des Kellers. Seine Frau Doris (Susan Tyrell, Warhol-Schauspielerin und Exfreundin des kleinwüchsigen Potenzgenerals) ist die klassische böse Märchenkönigin und seine Tochter ein über-kalifornisches Surfergirl, das grundsätzlich mit nackten Möpsen rumrennt und kreischt. Hier sind ohne Zweifel Tabletten im Spiel. Sofort macht sich Eifersucht auf Frenchy breit, die allein schon aufgrund des verwandten Akzents des Königs Aufmerksamkeit sicher hat. Die schäumende Queen Doris lässt sie einkerkern. Dort verwest auch die rechtmäßige Königin der sechsten Dimension – Fausto und Doris sind nur Emporkömmlinge. Ihr Töchterchen soll Frenchy angemessen foltern und dann auf dem elektrischen Stuhl oder dem Richtblock des Henkers enden lassen. Das Rettungskommando für das Rettungskommando lässt nicht lange auf sich warten. Pa Hercules selbst und Frenchys pickliger Schulkumpel Squeezit transportieren sich in die sechste Dimension. Sie besuchen den Teufel, der gerade mit seiner Jazz Big Band Probe hat und bitten ihn um Hilfe. Der sitzt da einfach in einer der vielen Höhlen an seiner Heimorgel. Natürlich.

 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Kritik

 
 
 
Kennen sie die schwarzweißen Zeichentrickfilme der Fleischer Studios? „Betty Boop“, die bekannteste Schöpfung der nach New York ausgewanderten Österreicher, doch bestimmt? Diese recht krude animierten und nach viel Substanzenmissbrauch ihrer Zeichner hergestellten Cartoons sind schwindelerregend verrückt. Viele der Filmchen wurden über die Jahre wegen zu offener Rauschgiftreferenzen, Sex- und Gewaltszenen oder rassistischer Figuren Opfer von Verbotskampagnen. FORBIDDEN ZONE ist die 1980 entstandene Realfilmversion dieser Cartoons aus den Zwanziger bis Vierziger Jahren. Bloß noch brutaler, noch sexbesessener, noch bedrogter und noch überzogener. Oh, und als Halbplayback-Musical. Während der Realfilmszenen werden immer wieder animierte Hintergründe verwendet. Die Schauspieler hat man hierfür fotografiert und von Hand eingefügt.
 
 
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Was für Gastauftritte! In einem Flashback auf Squeezits unglückliche Kindheit taucht kein geringerer als Joe Spinell aus Ekel-Kult-Horrorfilm „Maniac“ natürlich, auf, der sich über den schmächtigen Sohn seiner Affäre lustig macht. Der Teufel ist Danny Elfman, Bruder des Regisseurs und Begründer der „Mystic Knights Of The Oingo Boingo“, jener durchgedrehten Theatergruppe hinter THE FORBIDDEN ZONE. Satan ist hier ein fracktragender Bandleader, der mit seinem Orchester eine ordentliche Version von Cab Calloways Hot-Jazz-Standard „Minnie The Moocher“ zum Besten gibt und gleichzeitig Squeezit den Kopf abschlägt. Der wird dann in ein Hühnchen verwandelt, sein Kopf schwebt frei durch den Rest des Films. Zu dem Zeitpunkt ist das Hirn von sechzig Minuten Laufzeit bereits so weichgekocht, dass man diese Szene als völlig normal empfindet. Der Mensch ist an sich einfach nicht gebaut für eine spirituelle Kleinhirn-Grillparty wie THE FORBIDDEN ZONE, sollte sich aber weiterentwickeln. Später wurde Elfman natürlich zu einem der erfolgreichsten Komponisten für Film- und Fernsehsoundtracks, Standardkomponist für die Filme Tim Burtons und Schreiber der „Simpsons“-Titelmelodie. Die Musik, zum Teil Playback, zum Teil eigene, sehr geile Songs, variiert zwischen altem Jazz für große Orchester und dem hektischen, perkussiven New Wave, den Danny Elfman bis in seine Soundtracks immer wieder aufgreifen sollte. Oingo Boingo, seine Band in den Achtzigern, war aus den Mystic Knights hervorgegangen.
 
 
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Richard Elfman, Dannys Bruder, ist seit Jahren schon ein mittelhohes Tier bei den Geldverdienern von Scientology. Interessante Gedankengänge bei dem Mann. Von Gehirnzellen zu Marmelade verarbeitendem Filmgut zur Vereinigung fürs Abkochen selbstoptimierungsgeiler Finanzjongleure. Ganz groß. Mit Punkten nicht zu bewertendes Kino, weil nicht mit anderen Filmen zu vergleichen..
 
 
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FORBIDDEN ZONE – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
FORBIDDEN ZONE sollten Personen meiden, die von sich behaupten, geistig voll bei der Sache zu sein. Allen anderen eröffnet sich eine phantasievoll gedrechselte Klapsenwelt, die in der Filmgeschichte keine Parallelen hat und sogar musikalisch richtig knallt. „The Rocky Horror Picture Show“ nachdem man an einer psychedelischen röte geleckt hat. Gerüchten zufolge gibt es Menschen, die FORBIDDEN ZONE nicht gut finden. Sollte das stimmen, sind das zweifelsohne kranke Perverse, die eingeschläfert werden müssten. Dieser Film sollte in Schulen zum Pflichtprogramm gehören.
 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von FORBIDDEN ZONE ist für Jugendliche geeignet. Auf der erhältlichen DVD befindet sich die ungeschnittene Fassung: FSK16.
 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) CMV (Kleine Hardbox Cover A)

 
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(c) CMV CMV (Kleine Hardbox Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Forbidden Zone; USA 1980

Genre: Komödie

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 70 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Kleine Hardbox – in 2 verschiedenen Covermotiven erhältlich

Extras: Entfernte Szenen ( 5:44 ), Original Trailer ( 0:45 ), Japanische Promotion ( 3:51 ), Dokumentation “A Look into Forbidden Zone” ( 35:46 ), Outtakes ( 10:49 ), Musikvideo “Private Life” von Oingo Boingo ( 3:40 ), Zwei Szenen aus “The Hercules Family” ( 5:25 ), Audiokommentar eines nicht näher vorgestellten Sprechers, kolorierte Version

Release-Termin: 24.01.2014

 

Forbidden Zone – Total Sperrbezirk (DVD – Hardbox Cover A) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

FORBIDDEN ZONE – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei CMV

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Rocky Horror Picture Show (1975)
 
Eraserhead (1977)
 
Fantasia (1940)
 
Charlie und die Schokoladenfabrik (2005)
 


Filmkritik: “Rage – Midsummer’s Eve” (2015)

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RAGE: MIDSUMMER’S EVE

Story

 
 
 
Für RAGE – MIDSUMMER’S EVE geht es in finnische Wälder. Dort wollen sich’s einige Teenager in einem Sommerhaus mit Musik und Alkohol gemütlich machen. Leider erfahren die Kids bald am eigenen Leibe, dass ihre Hilfeschreie fernab der Zivilisation von niemandem gehört werden können. Eine sonderbare Kreatur treibt hier draußen ihr Unwesen. Sie verarbeitet schreiende Jugendliche zu Hackfleisch und geht mit taktischer Raffinesse vor, damit kein Opfer je wieder zurück in die Stadt findet.
 
 
 


 
 
 

RAGE – Kritik

 
 
 
Ein weiterer unabhängiger Horrorfilm einer ambitionierten Regisseurin, die für ihr bisheriges Schaffen bereits viel Lob und diverse Auszeichnungen erhalten hat. TII RICKS ist bisher noch nicht im Horror-Bereich aufgefallen. Die Tochter einer finnischen Mutter und eines amerikanischen Vaters wurde im deutschen Bad Hersfeld geboren, wuchs in Amerika auf, erkannte aber erst nach dem Umzug ins idyllische Finnland, dass sie ihre Passion “Horrorfilm” zum Beruf machen wollte. Nach Arbeiten an unzähligen TV-Shows, Videoclips und Dokumentation war es dann soweit. Der leidenschaftliche Horrorfan ergriff die Möglichkeit und drehte den ersten Schauerstreifen für den RICKS sogar selbst das Drehbuch verfasste. Der ist nun fertig und soll mit reißerischem Titel für Aufmerksamkeit sorgen. RAGE: MIDSUMMER’S EVE nennt sich das abendfüllende Machwerk, für das sich die Regisseurin bei jenen Lieblingsfilmen Inspirationen holte, die in der Kindheit Eindruck hinterlassen haben. So zählen Kulthits wie HALLOWEEN, FREITAG DER 13. und A NIGHTMARE ON ELM STREET zu den Lieblingsfilmen und werden dementsprechend auch in RAGE: MIDSUMMER’S EVE zitiert.
 
 
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Viel zitiert, aber kaum an sich gedacht: in RAGE hagelt es Unmengen Danksagungen und Verweise an all jene Filmklassiker, die maßgeblich daran beteiligt gewesen sind, dass Regisseurin TII RICKS zum Horrorgenre gefunden hat. Nur leider sucht man zwischen Verbeugungen und Anspielungen an bekannte Slasher-Ware der 80er Eigenständigkeit und Originalität, um das Interesse all jener wecken zu können, die nahezu jeden wichtigen Horror-Schlitzer der letzten drei Jahrzehnte gesehen haben. Was in RAGE: MIDSUMMER’S EVE passiert, lässt sich demzufolge vorausahnen und hält kaum Neuerungen parat, weil man sich zu versteift auf das Abhandeln obligatorischer Slasher-Regeln konzentriert.
 
 
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Wenn junge Erwachsene zum Trinken tief in den Wald fahren, kann das in den meisten Fällen nur tödlich ausgehen – und so ist es auch. Für RAGE: MIDSUMMER’S EVE wurde tief in der Klischeekiste gegraben und all das zu Tage gebracht, was bereits seit den Anfängen des Schlitzer-Genres für Aufsehen gesorgt und in SCREAM selbstironisch persifliert wurde. Der Handyempfang ist plötzlich verschwunden, Teenager irren planlos durch die Kulisse und statt sich im Wald zu verstecken verbarrikadiert man sich lieber in einem Häuschen, um darin auf den Tod zu warten. Sonderlich klug ist RAGE: MIDSUMMER’S EVE nicht gestrickt auch wenn peinlich darauf geachtet wird, dass die Identität des Killers möglichst lang im Verborgenen bleibt. Die Kamera fängt wenig ein, so dass selbst weit nach dem Abspann unklar bleibt, was denn da eigentlich auf Beutezug geht. Ob eiskalter Killer, verlauster Waldmensch oder unheimliche Kreatur aus der Welt der Mythen und Legenden – was in RAGE durch Wald und Flur schleicht bleibt weitestgehend unerforscht.
 
 
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RAGE wirkt unfertig, denn wesentliche Fragen bleiben weitestgehend unbeantwortet. Das abrupte Ende legt der Vermutung nahe, als habe jemand 10 Minuten vor dem Abspann die Schere angesetzt und den Endkampf herausgeschnitten. Vermutlich benötigte Macherin TII RICKS noch Material für eine Fortsetzung, weshalb das Finale gestrafft werden musste – anders lässt sich der holprige und unfertige Schlussakt nicht erklären. Bleibt zu erwähnen, dass es in RAGE: MIDSUMMER’S EVE niemals dunkel wird. Der Film wurde während des finnischen Mittsommers gedreht – einer der wichtigsten Nationalfeiertage Finnlands, an dem die Sonne nicht untergeht. Dementsprechend konnte während der Produktion auf künstliche Beleuchtung verzichtet und das natürliche Licht der Sonne genutzt werden. Fluch und Segen zugleich, denn Gruselatmosphäre will an einem Tageslicht-Set natürlich nicht aufkommen. Unterm Strich ist RAGE: MIDSUMMER’S EVE keine Offenbahrung. Der Film ist eine Aneinanderreihung von bekannten Szenenverläufen, die man nun mittlerweile überhaben dürfte. Die schauspielerischen Leistungen sind kaum der Rede wert und quälende Vorhersehbarkeit wirkt sich negativ auf die Spannungskurve aus. Die ist kaum vorhanden, weil man bereits weiß was passiert, noch bevor es passiert. Keine guten Voraussetzungen, um als Horrorfans von der Horrorgemeinde ernst genommen zu werden. Von einem möglichen Sequel raten wir dringend ab!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Mutiger Indie-Horror made in Finnland. Auch wenn in den letzte Jahren mit Filmen wie REC, SO FINSTER DIE NACHT und TROLLHUNTER einige äußerst nennenswerte Horrorfilme in Europa entstanden sind, werden selbstverständlich im europäischen Ausland auch die Filme gedreht, die man in Fankreisen auch als Rohrkrepierer betitelt. Die finnische Indie-Produktion RAGE: MIDSUMMER’S EVE ist so eine cineastische Katastrophe, die dem Horrorfan gar keinen Spaß bereiten möchte. Bei diesem Film handelt es sich um einen austauschbaren Slasher, der sich den ewig gleichen Regeln bedient, über die man sich schon in Horrorwerken wie SCREAM lustig gemacht hat. Die Schauspieler sind mau, die Geschichte bekannt und Splatter-Momente: Fehlanzeige! Stattdessen wirkt RAGE unfertig, holprig und benötigt auch recht lange um überhaupt in Fahrt zu kommen. Nach dem vor einiger Zeit hier besprochenen isländisch-finnischen Koproduktion FROST ergänzt RAGE die Reihe finnischer Horrorfilme, die man besser meiden sollte. Demzufolge wäre es ratsam sich nicht vom vielversprechenden Filmposter blenden zulassen. Das ist weit gruseliger als der Film selbst – Hände weg!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Zensur

 
 
 
Die Gewalttaten werden im Off zelebriert oder der Zuschauer bekommt nur das Ergebnis zu sehen. Demzufolge wird RAGE: MIDSUMMER’S EVE hierzulande auch eine niedrige Altersfreigabe erhalten. Man darf mit einer FSK16 rechnen!
 
 
 


 
 
 

RAGE – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

Alle Grafiken dieser Review stammen von der offiziellen Filmseite

 
 
 
Ähnche Filme:
 
GirlHouse (2014)
 
Warte bis es dunkel wird (2014)
 
Wrong Turn 6: Last Resort (2014)
 
See No Evil 2 (2014)
 


Filmkritik: “Echoes” (2014)

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ECHOES

Story

 
 
 
Eine von Albträumen geplagte Drehbuchautorin wird von einem hartnäckigen Geist verfolgt, der der Leidgeplagten auf nicht sonderlich vertrauenserweckender Weise mitteilen möchte, dass ihm zu Lebzeiten etwas Tragisches passiert ist.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Kritik

 
 
 
Nichts ist grausamer, als die Rache einer betrogenen Ehegattin. Weitaus beängstigender ist jedoch die Rache einer betrogenen Ehefrau, die schon längst das Zeitlich gesegnet hat. Rastlose Seelen, denen es nach Vergeltung dürstet sind im Spuk- und Geistergenre längst keine Seltenheit mehr. Dabei sind der Hartnäckigkeit und dem Einfallreichtum verbitterter Geisterwesen keine Grenzen gesetzt, schließlich gehört es mittlerweile auch im Geister-Genre zum guten Ton, wenn der Besuch aus dem Jenseits kreativ und schonungslos bestraft. Klassischer Rache-Spuk von der Stange kommt mit ECHOES in die Heimkinos, der von Autor und Regisseur NILS TIMM fabriziert wurde. Der ambitionierte Regieneuling inszenierte bisher nur Kurzfilme und hat nun endlich seinen ersten Langfilm gedreht, der leider ohne Umwege direkt auf Heimkinomedium ausgewertet wird. Der Grund für die gestrichene Kinoauswertung liegt auf der Hand. Was in ECHOES gezeigt wird, hat man bereits dutzende Male gesehen, will nicht sonderlich fesselnd und dürfte vermutlich auch keinen Originalitätspreis gewinnen.
 
 
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Anna (KATE FRANZÖSISICH) ist erfolgreiche Bloggerin und angehende Drehbuchautorin. Also ihr neues Drehbuch nicht gut vom Studio angenommen wird und erneut von der Autorin umgeschrieben werden soll, schlägt Freund Paul (STEVEN BRAND) vor hinaus in sein Glashaus zu fahren, um fernab von Trubel und Hektik etwas Entspannung zu finden. Für Anna eine gute Gelegenheit etwas Abstand zu gewinnen und neue Ideen zu sammeln. Doch auch im großzügig eingerichteten Luxusanwesen irgendwo in der Wüste kommt die strebsame Schriftstellerin nicht zur Ruhe. Albträume plagen sie und eine höhere Macht scheint ihr auf Schritt und Tritt zu folgen. Als Paul zu einem Geschäftstermin muss und Anna allein in seinem Glaskasten zurücklässt, überschlagen sich die Dinge. Etwas versucht mit der verängstigten Frau Kontakt aufnehmen zu wollen und hinterlässt Botschaften, die bald ein schockierendes Ganzes ergeben.
 
 
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ECHOES bietet klassischen Geisterstoff und versucht mit falschen Fährten für Verwirrung zu stiften. So wird die Protagonistin von einer unsichtbaren Kraft attackiert, quält sich mit seltsamen Albträumen und wird Zeuge unheimlicher Ereignisse für die sie keine rationalen Erklärungen findet. Was die Heldin bis dato noch nicht weiß, ist dem Zuschauer nach einer langen Liste ähnlich gestrickter Gruselstreifen einleuchtend. Ein Geist hat sich an die Fersen von Anna geheftet und er will ihr klar machen, dass ein tragisches Ereignis für seinen Tod verantwortlich ist. Was folgt gleicht einem Detektivspiel, schließlich geben Geister in solchen Machwerken bekanntlich erst dann Ruhe, wenn die Gründe für das frühzeitige Ableben ans Tageslicht kommen. So muss die Heldin tief in der Entstehungsgeschichte des gläsernen Wohnkastens stöbern und ein Puzzle aus Hinweisen rekonstruieren, weil ein zorniger Geist mal wieder nur spuken und nicht Tacheles reden möchte.
 
 
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Für seinen ersten Geisterfilm hat sich NILS TIMM für eine eher ungewöhnliche Kulisse entschieden, die man vermutlich in erster Linie nicht mit Spuk, Rache- und Poltergeistern in Verbindung bringen würde. Bis in staubige Wüstenlandschaft verfolgt Heldin Anna das Grauen, das sogar bei Tag nichts unversucht lässt, um die Protagonistin mit Rätseln zu verwirren. Die Suche nach Antworten erfolgt dabei nach bekanntem Muster. Anfängliche Visionen, Wahnvorstellungen und nichterklärbare Ereignisse münden in Besessenheit. Der Geist schlüpft in Anna und rächt sich durch die Hand der unwissenden Autorin. Aufgrund der vorhersehbaren Handlung nicht sonderlich interessant, wagt der Film keine Experimente, sondern orientiert sich beim Gruselkonzept vornehmlich an den Regeln konventionell gestrickter Mystery-Thriller in denen übernatürliche Dinge eine wesentliche Rolle spielen. Demzufolge bietet ECHOES nichts Neues und erinnert in der Machart an Filme wie ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT oder SCHATTEN DER WAHRHEIT. Im Gegensatz zum Erstling aus der Mache von NILS TIMM konnten genannte Horror-Thriller mit Suspense und Gänsehaut überzeugen. Zutaten, die im hier besprochenen ECHOES schmerzlich vermisst werden.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unheimliches Rätselraten mit überraschenden Wendungen. ECHOES ist klassischer Geisterspuk vor außergewöhnlicher Kulisse, dem es jedoch an Phantasie mangelt. Wer schon einige Geisterfilme auf dem Bildschirm hatte, dürfte allmählich erkannt haben, dass Geister den Lebenden meist Botschaften überbringen und von ihrem plötzlichen Ableben berichten wollen. Nichts anderes erzählt die Geschichte dieses immerhin handwerklich souverän inszenierten Debüts. Der Zuschauer begleitet in ECHOES eine verwirrte Heldin, die aus diversen Puzzleteilen ein tragisches Ereignis rekonstruiert, das die Grundlage für seichten Geister-Rachestoff bietet. Kein überragendes Meisterwerk. Dafür bietet ECHOES zumindest Mystery-Fans kurzweilige 90 Minuten Schauerunterhaltung. Leider werden all jene mit diesem teils vorhersehbaren Gruselfilm nichts anfangen können, die bisher schon einige Geisterfilme im Heimkino gesehen haben. Neue Ideen sucht man in ECHOES vergebens, was für Kenner des Geister-Genres schnell langweilig werden könnte.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Zensur

 
 
 
ECHOES ist subtiler Mystery-Thriller in dem nicht viele Grausamkeiten gezeigt werden. Einem Charakter werden die Augen ausgedrückt. In einer anderen Szene sehen wir wie ein schlafender Protagonist mit einem Messer von der besessenen Anna erstochen wird. Insofern der Film in Deutschland ausgewertet wird, dürfte er ohne Probleme die FSK mit einer Freigabe ab 16 Jahren passieren.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle (2014)
 
Nightlight (2015)
 
Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt (1999)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 


Filmkritik: “From the Dark” (2014)

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FROM THE DARK

Story

 
 
 
Bei einer Abkürzung durch die irische Einöde bleibt das Auto im Schlamm stecken, so dass sich Sarah und Mark auf die Suche nach Hilfe begeben müssen und dabei auf eine Kreatur der Finsternis stoßen mit der nicht gut Kirschen essen ist …
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Kritik

 
 
 
CONOR MCMAHON ist zurück. Dem Horror-Publikum dürfte der Regisseur bereits mit dem unabhängigen Zombie-Streifen DEAD MEAT und dem schwarzhumorigen STITCHES – BÖSER CLOWN in Erinnerung geblieben sein. Letzterer erhielt von Zuschauern und Kritikern durchweg positives Feedback, was MCMAHON dazu anspornte auch weiterhin dem Genre treu zu bleiben. FROM THE DARK heißt sein neuer Streifen, der dem Filmfreund mit subtiler Machart Angst einjagen möchte. Bewirkt wird die mit ganz einfacher Rezeptur. Dunkelheit heißt die Quintessenz, die dem Film zum Erfolg verhelfen soll, gehört doch FROM THE DARK zu jenen Horrorfilmen, die nicht nur die Finsternis zum Thema machen, sondern bevorzugt im Dunkeln angeschaut werden sollten, um ihr gesamtes (Er)Schreckpotenzial entfalten zu können. Im Mittelpunkte des Schauertrips stehen Sarah (NIAMH ALGAR) und Mark (STEPHEN CROMWELL). Die irren durch das ländliches Irland und fahren über holprige Ackerpfade bis das Auto im Matsch stecken bleibt. Nun ist guter Rat teuer. Da der Handyempfang schlecht ist, versucht Mark in der Gegend nach Hilfe zu suchen. In der Ferne entdeckt er ein altes Bauernhaus, das bei näherer Betrachtung nicht sonderlich einladend eingerichtet ist. Darin macht er Bekanntschaft mit dem Hauseigentümer, der sich jedoch alles andere als normal verhält. Stunden zuvor hat der beim Torfstechen versehentlich eine geheimnisvolle Kreatur von ihren Fesseln befreit. Die geistert nun hungrig um die Hütte und beginnt die Durchreisenden zu jagen.
 
 
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Nach dem gelungenen STITCHES macht Macher CONOR MCMAHON einiges anders. Im Gegensatz zum bitterbösen Clown-Horror aus dem Jahre 2012 ist FROM THE DARK frei von Zynismus, Splatter und Ironie. Dafür liegt der Fokus auf Gänsehaut und Gruselatmosphäre. Letztere gelingt ganz gut, wenngleich die jedoch aus dem handzahmen FROM THE DARK keinen guten Horrorfilm macht. Das Problem liegt in der überschaubaren Handlung, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt – aber einen ganzen Streifen füllen soll. Einer Herausforderung, die sich der Regisseur zwar stellt. Dennoch scheitert er an der mangelnden Substanz, die gerade mal Stoff für einen Kurzfilm liefert. FROM THE DARK ist ein solider Versuch dem Vampirfilm jenen Schrecken zurückzugeben, den das Blutsauger-Genre einst mit Filmen wie NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS (1922) und NOSFERATU – DAS PHANTOM DER NACHT (1979) eingeflößt hat. CONOR MCMAHON distanziert sich bewusst von der mittlerweile gängigen Romantisierung des Vampirs. Seine Kreatur will nicht verführen und beißen, sie will terrorisieren und zerfetzen. Mit reichlich Make-up ist ein wenig Kunstblut gelingt die Wandlung von der facettenreichen Figur des Draculas hin zur hirnlosen Tötungsmaschine ganz gut – auch wenn sich die lichtscheue Kreatur nur selten vor der Kamera zeigen möchte.
 
 
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FROM THE DARK ist ein zweischneidiges Schwert. Nach einer atmosphärisch dichten, ersten Hälfte erlebt der Streifen eine Talfahrt. Nachdem die Durchreisenden sich in einem Haus vor einem jahrhundertealten Nackenbeißer in Sicherheit gebracht haben, verliert FROM THE DARK den Spannungsbogen aus den Augen. Sarah flüchtet im Lichtschein der Öllampe die Treppe hinauf, Sarah flüchtet im Lichtschein die Treppe hinunter, Sarah flüchtet im Lichtschein nach draußen, um anschließend im oberen Stockwerke der Hütte nach dem rechten zu sehen. Sonderlich packend ist die Aneinanderreihung von immer wieder gleichen Szenen nicht, auch wenn stets ein blutsaugendes Wesen durch die Nacht huscht, das in den gruseligsten Momenten eine gewisse Ähnlichkeit mit den von MAX SCHRECK verkörperten Nosferatu an den Tag legt. Leider wirkt in FROM THE DARK vieles konstruiert, um die kaum vorhandene Handlung künstlich vorantreiben zu können. Dass da ach die obligatorischen Horror-Klischees nicht fehlen dürfen ärgert, weil den beiden Hauptfiguren auch in diesem Film Dinge widerfahren müssen, die wohl nur Protagonisten in Horrorfilmen zustoßen können. Dass beim Überlebenskampf mehrmals hingepurzelt werden muss und die Heldin während ihrer Flucht vor dem Bösen versehentlich in einen spitzen Gegenstand springt verdeutlicht, dass man wohl mehr um gruselige Atmosphäre bemüht gewesen ist, statt die nicht gerade innovative Geschichte um frische Ideen zu bereichern. Immerhin bedient sich Regisseur CONOR MCMAHON des Öfteren alten Taschenspielertricks. Mit einem effektiven Spiel aus Licht und Dunkelheit hält er den Zuschauer bei Laune und lässt Protagonistin Sarah verzweifelt mit Lampen, Kerzen und Scheinwerfern durch dunkle Flure, Sümpfe und Felder irren, damit sie sich ein lichtscheues Wesen vom Hals halten kann. An gruseligen und unheilvollen Momenten wird nicht gespart. Meist ist die Flüchtende nur vom Lichtpegel umgeben und kämpft sich Schritt für Schritt durch endlose Dunkelheit. Bei einem derart sparsamen Einsatz von Beleuchtung werden Erinnerungen an SILENT HILL geweckt. Die Leinwandadaption des Videospiels bediente sich ähnlichen Mechanismen, wurde aber weitaus raffinierter und trickreicher in Szene gesetzt, als der teils äußerst zähe FROM THE DARK. Daher: Durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit guten Ansätzen, aber wenig Story.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Wer Angst vor der Dunkelheit hat, sollte diesen Film möglichst meiden. FROM THE DARK macht die Finsternis zum Thema eines Gruselausflugs, in dem es oftmals so düster ist, dass man kaum die Hand vor Augen sieht. Demzufolge entfaltet der Streifen auch nur dann seine maximale Wirkung, wenn es auch im Heimkino so richtig dunkel ist. Regisseur CONOR MCMAHON versucht mit seinem Horror-Abenteuer den ursprünglich furchterregenden Vampir-Mythos erneut aufleben zu lassen. Schluss mit zivilisierten und romantisierten Blutsaugern. In FROM THE DARK werden Vampire nicht vermenschlicht, sondern zu reißerischen Bestien der Nacht deklariert. Die Stimmung passt und Gänsehaut ist vorprogrammiert. Leider macht die vorhersehbare Handlung Sorgen, die sich in knapp zwei Sätzen zusammenfassen lässt. FROM THE DARK ist ein durchschnittlicher Kreaturen-Heuler mit vielen stimmigen Grusel- und deftigen Schreckmomenten. Die Ansätze sind gut, wenngleich die zweite Filmhälfte aufgrund mangelnder Ideen kaum der Rede wert ist, weil die Spannung fehlt.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Zensur

 
 
 
FROM THE DARK ist ein eher subtiler Horrorfilm. Ein Bein wird aufgerissen, ein Finger mit einem Schraubendreher abgetrennt und zwei Protagonisten lösen sich in Staub auf. Das ist alles nicht sonderlich grausam, so dass FROM THE DARK bereits für 16-jährige geeignet sein dürfte.
 
 
 


 
 
 

FROM THE DARK – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922)
 
Nosferatu – Phantom der Nacht (1979)
 
Shadow of the Vampire (2000)
 
Stephen King’s The Night Flier (1997)
 
Silent Hill: Revelation (2012)
 


Filmkritik: “Nightlight” (2015)

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NIGHTLIGHT

Story

 
 
 
Fünf Kids spielen in einem geheimnisvollen Wald ein dummes Taschenlampenspiel und erzählen sich gruselige Geistergeschichten, ums sich gegenseitig Angst einzujagen. Dass um den Ort unheimliche Legenden ranken stört die Teenager nicht. Alles läuft nach Plan, bis die Mutprobe außer Kontrolle gerät und die Freunde um ihr Leben fürchten müssen …
 
 
 


 
 
 

NIGHTLIGHT – Kritik

 
 
 
Es ist wieder Zeit für einen Verriss und wer regelmäßig bei FILMCHECKER vorbeischaut, dürfte vermutlich schon ahnen zu welcher Sorte Film der hier besprochene NIGHTLIGHT gehört. Found-Footage heißt die Filmplage, die sich seit den Erfolgen von BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY wie ein Parasit durch die Horrorlandschaft frisst. Ende der 90er wurde das polarisierende Subgenre Dank innovativer Ideen aus der Versenkung geborgen – mittlerweile hat die Geldgeilheit Dollar-fixierter Produzenten dazu beigetragen, dass Found-Footage kaum noch zu ertragen ist. Keine Woche vergeht, ohne dass nicht mindestens ein weiterer dieser immer wieder gleich gestrickten Filme in die Läden gebracht wird, die mit schlecht ausgeleuchteten Bildern und unerträglichem Kameragewackel Zuschauern den Nerv rauben wollen. NIGHTLIGHT macht da keine Ausnahme. Die Regisseure SCOTT BECK und BRYAN WOODS stecken hinter diesem cineastischen Fiasko, für das sie hoffentlich in der Hölle schmoren werden, schließlich verläuft ihr konfuser NIGHTLIGHT nach dem bekannten Aufbau üblicher für Found-Footage-Ware und lässt erwartungsgemäß Originalität missen. LIONSGATE hat sich in den Staaten die Rechte an der Vermarktung des Rohrkrepierers gesichert und scheint mal wieder kein gutes Händchen bei der Filmauswahl gehabt zu haben. Überhaupt holt das einst für sehenswerte Schocker berüchtigte Medienunternehmen kaum noch gute Horrorstreifen ins Programm. Bis auf JESSABELLE und EXISTS (auch eines dieser Wackelcam-Movies) waren in den letzten Monaten keinen nennenswerten Grusler am Start, die es hätten verdient gesehen zu werden.
 
 
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Fünf nervige Kids stehen diesmal auf der Todesliste. Die verschlägt es in ein abgelegenes Waldgebiet, über das viele gruselige Legenden ranken. Vor einigen Wochen hat sich hier ein Mitschüler das Leben genommen. Für die Freunde ein Grund mehr das unheimliche Areal bei Nacht mit Taschenlampen genauer unter die Lupe zu nehmen. Leider wird schnell klar, dass die nächtliche Erkundungstour mit den mitgebrachten Taschenlampen keine so gute Idee gewesen ist. Aus der harmlosen Mutprobe entwickelt sich ein furchterregender Kampf ums Überleben, der für die Teenager erwartungsgemäß kein gutes Ende nehmen wird. Eine verbitterte Gestalt hat sich an die Fersen der Kids geheftet und will jetzt mit den Freunden ein grausames Spiel spielen, das leider nur einen Sieger kennt: den Tod.
 
 
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Willkommen in der Welt paranormaler Ereignisse und Epilepsie verursachendem Kamerageschüttels, für das die meisten Zuschauer nach gefühlt tausend ähnlicher Filme nur noch ein lauthalses Gähnen übrig haben. Nach einer Welle an mal mehr aber oft weniger gelungenen Found-Footage-Produktionen scheint für viele Liebhaber des phantastischen Films das Maß gestrichen voll zu sein. Warum das so ist, lässt sich ganz einfach am Beispiel NIGHTLIGHT erkennen. Der in der Egoansicht gedreht Schauertrip vereint nämlich all jene Regeln gängiger Wackelkamera-Heuler, die dem Zuschauer allmählich die Lust am Schauen von Horrorfilmen nehmen. Hier wird die gesamte Laufzeit planlos durch Wald und Wiesen gehetzt, gekreischt, gewimmert und um Vergebung gebettelt. Dabei wäre die rettende Lösung doch so einfach gewesen. Rückzug lautet das Zauberwort, das den einfältigen Protagonisten hätte den Hintern retten können. Stattdessen bekommen es die Kids mit der Angst zu tun und flüchten vor einer übernatürlichen Bedrohung immer tiefer in den Wald hinein, um in einer nicht sonderlich einladenden Kirche Zuflucht zu suchen. In NIGHTLIGHT ist alles wie gehabt. Ob plötzlich vor der Kamera auftauchende Kreaturen, ausufernde Schüttelattacken oder plötzlich eintretende Bildausfälle; kaum eine Idee ist neu, außer vielleicht die, dass die Geschehnisse diesmal aus der Sicht einer Taschenlampe erzählt werden. Die purzelt ins Wasser, rammt gegen Steine und fällt Klippen hinunter – freilich ohne dabei zu zerspringen. Mit Logik tut sich NIGHTLIGHT schwer. Aber auch ein Spannungsbogen lässt sich nicht finden. Der wird von den sinnfreien Interaktionen der unsympathischen Filmfiguren im Keim erstickt, die sich teils so unfreiwillig komisch verhalten, dass man ihnen einen möglichst schnellen Tod wünscht. NIGHTLIGHT wurde für ein jugendliches Kinopublikum konzipiert, das sich mit dem Nötigen zufrieden gibt und kaum Horrorweitblick besitzt. Demzufolge sollten alteingesessene Horrorfans lieber Abstand halten, ist doch jede Filmsekunde in NIGHTLIGHT vergeudete Lebenszeit.
 
 
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NIGHTLIGHT – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Nach Filmen wie NIGHTLIGHT weiß man: Found-Footage hat die besten Zeiten längst hinter sich gelassen. Abermals gibt es einen überraschungsarmen Streifen in Egoansicht und Wackeleffekten zu sehen, der in seiner Machart so ausgelutscht ist, wie das Subgenre selbst. Neue Ideen sind hier Mangelware, denn NIGHTLIGHT setzt sich aus all jenen Klischees zusammen, die das Found-Footage-Genre so berüchtigt gemacht haben. Dazu gehört natürlich konfuses Kameragewackel genauso, wie eine nicht enden wollende Hetzjagd durch Wald und Gestrüpp bei der minutenlang Waldboden gefilmt werden muss. Das ist keineswegs spannend, auch wenn die Macher SCOTT BECK und BRYAN WOODS leidlich darum bemüht sind ihre Schlaftablette um reißerische Schreckeffekte zu bereichern. Wer sich 80-minütigen Irrlauf sparen und dennoch mitreden möchte, sollte sich den Trailer anschauen. Die besten Szenen bekommt man dort im Schnelldurchlauf zu sehen.
 
 
 


 
 
 

NIGHTLIGHT – Zensur

 
 
 
Eine Glasscherbe wird in einen Hals gerammt und einige Kids sausen die Klippen eines Felsens herab. Außerdem knirschen ein paar Knochen im Off. Mehr an Gewalt gibt es nicht zu sehen: FSK16.
 
 
 


 
 
 

NIGHTLIGHT – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Halloween (2013)
 
Raised by Wolves (2014)
 
Hollows Grove (2014)
 
Grave Encounter 2 (2012)
 


Filmkritik: “Spring” (2014)

Spring-2014
 
 
 

SPRING

Story

 
 
 
Es ist Frühling und für Evan an der Zeit sein Leben neu zu ordnen. Er reist nach Italien und verfällt dort den Reizen einer schönen Einheimischen, die jedoch andere Intentionen hegt, als sich in Touristen zu verlieben …
 
 
 


 
 
 

SPRING – Kritik

 
 
 
In einer Zeit, in der das Genre unter chronischer Ideenarmut leidet ist es immer wieder schön zu erleben, wenn Filme nicht nach gewohntem Gruselkurs gedreht werden, sondern durch frische Konzepte aus der Reihe tanzen, um Fans des fantastischen Filmgenusses auf ungewohntem Wege Gänsehaut zu bescheren. SPRING macht eindrucksvoll vor, wie ein solcher Film auszusehen hat, denn dieser durchdacht inszenierte Herz-Schmerz-Grusel schert sich einen Deut darum sich dem Massengeschmack zu unterwerfen. Wer Horrorfilme anhand seines Härtegrades als empfehlenswert einstuft, macht sich mit SPRING keine Freu(n)de. Vielmehr dringen die Regisseure JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD (beide haben in V/H/S: VIRAL die Regie für das Segment BONESTORM übernommen) tiefgründiger in die Materie vor und sorgen sich um das, was in Horrorfilmen leider viel zu oft vernachlässigt wird: Atmosphäre, Geschichte und Charaktere. Für SPRING erweist sich Schauspieler LOU TAYLOR PUCCI als Glücksgriff. Der konnte schon im Remake zu EVIL DEAD erstmals Horrorluft schnuppern und zeigt diesmal, dass er auch das Zeug dazu hat Charakterrollen zu spielen.
 
 
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In SPRING mimt er den ruhigen Evan, dem die Sicherungen durchbrennen. Nach dem plötzlichen Krebstod der Mutter wird er auf der Arbeit in eine Schlägerei verwickelt, verliert den Job und beschließt nach Italien durchzubrennen, um dort sein Leben neu ordnen zu können. Viel Zeit für sein Vorhaben bleibt nicht. Kurz nach Ankunft verdreht ihm die temperamentvolle Louise (NADIA HILKER) denn Kopf, in die sich der stille Chaot Hals über Kopf verliebt. Zwischen den beiden entbrennt eine leidenschaftliche Liaison, die jedoch unter keinem guten Stern steht, denn Louise hat ein finsteres Geheimnis, das sie bald nicht mehr vor ihrem Liebhaber verstecken kann.
 
 
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Viel zu beanstanden gibt es in SPRING nicht. Hier passt irgendwie alles zusammen und dass, obwohl SPRING mehr übernatürlicher Liebes- statt bluttriefender Horrorfilm ist. Das Regie-Duo JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD vermischt Romantik mit Grusel auf kongeniale Weise und entführt den Zuschauer in die Welt zweier Liebenden für die die Welt scheinbar stillzustehen scheint. Da schwebt die Kamera ganz unbeschwert durch die engen Gassen eines verschlafenen Fischerdorfes und bannt melancholische Urlaubsbilder auf Zelluloid, die von einem fast schon einzigartigen Gespür fürs Visuelle zeugen. AARON MOORHEAD zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern fängt als Kameramann die romantische Bilderwelt Italiens ein, die den Streifen so mit Leichtigkeit aus der grauen Masse an unüberlegten Billigproduktionen hervorstechen lässt. Aufgrund der visuellen Raffinesse wäre es wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass SPRING zu den wohl “schönsten” Gruselfilmen gezählt werden darf, die man bisher im Kino zu sehen bekommen hat. Leider dürfte der Streifen auch nur dort seine gesamte Magie entfalten können, gehört doch SPRING zu jenen Filmen, die für die große Leinwand gemacht wurden.
 
 
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Blut, Gewalt und Gore – Fehlanzeige! SPRING entfaltet sein Gruselpotenzial auf anderem Wege. Im späteren Verlauf der Geschichte rückt das Geheimnis der Filmheldin in den Mittelpunkt, über das der Zuschauer nur häppchenweise Informationen erhält. Mehr über die Handlung zu verraten raubt Illusionen, lebt doch SPRING von der Prämisse, dass irgendwas mit der schönen Louise nicht im Reinen ist. Immerhin: die wenigen Spezialeffekte glänzen durch Einfallsreichtum und entschädigen für fehlende Splatter-Einlagen. Trotzdem finden die im Film nicht selbstzweckhaft Verwendung, sondern sind schmückendes Beiwerk, auf die der Film auch gänzlich hätte verzichten können. Unterm Strich findet SPRING nur lobenswerte Worte, weil er Horror unkonventionell verpackt. Nach dem Regiedebüt RESOLUTION haben die Macher JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD eine sehenswerte Metapher für die Ängste und Unsicherheiten einer noch jungen Liebe fürs (Heim)Kino inszeniert an der vor allem jene Gefallen finden werden, die sonst doch immer bemängeln, dass es dem Genre an Niveau mangelt. Das sorgfältig inszenierte Gruselmär hat schöne Bilder, gute Schauspieler und sogar Sinn für Humor. Demzufolge sollte man die beiden Macher im Auge behalten, schließlich darf man nach dem gelungenen SPRING gespannt darauf sein, was die als nächstes drehen werden.
 
 
 


 
 
 

SPRING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Hinter dem doppeldeutigen Titel SPRING schlummert ein stimmungsvoller Mix aus übernatürlicher Romanze und unheimlichen Gruselstreifen, der in seinen düsteren Momenten an die Werke eines H. P. LOVECRAFT erinnert. Nach dem Erstlingswerk RESOLUTION haben die Regisseure JUSTIN BENSON und AARON MOORHEAD die Katze aus dem Sack gelassen und eine sehenswerte Liebesgeschichte inszeniert, die in schönen Bildern die Unsicherheiten und Ängste einer noch frischen Liebe erzählt, ohne zu sehr im Kitsch zu ertrinken. Dank guter Schauspieler und ekligen Spezialeffekten sticht SPRING aus der Masse an trivialen Horrorbrei hervor und richtet sich vor allem an jene Zuschauer, die sonst Probleme mit sinnloser Brutalität im Genre haben. Die sucht man hier vergebens, denn SPRING entfaltet sein Gruselpotenzial auf eher subtile Weise. Empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

SPRING – Zensur

 
 
 
Gorebauern oder Fans der etwas härteren Filmart werden an SPRING keinen Gefallen finden. Es gibt hier nur einen Mord zu sehen, der aber auch nur im Off vollzogen wird. SPRING ist eine Liebesgeschichte, die sich auch hauptsächlich darauf konzentriert. Dank einiger ekliger Spezialeffekte gibt’s für den Film von der FSK die blaue FSK16-Plakette.
 
 
 


 
 
 

SPRING – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kiss of the Damned (2012)
 
Dagon (2001)
 
Only Lovers Left Alive (2013)
 
When Animals Dream (2014)
 
Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (2008)
 


Filmkritik: “Backcountry” (2014)

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BACKCOUNTRY

Story

 
 
 
Glückliches Pärchen gerät beim Campen in das Jagdgebiet eines hungrigen Schwarzbären und muss ums Überleben bangen …
 
 
 


 
 
 

BACKCOUNTRY – Kritik

 
 
 
Ernstzunehmende Tier-Horrorfilme sind mittlerweile ziemlich rar im Kino geworden. Entweder werden die am Fließband von selbsternannten Trash-Studios wie THE ASYLUM produziert oder wollen dem Zuschauer im nicht mehr ganz so frischen Found-Footage-Stil auf den Wecker gehen. Lang ist es her seit Spielberg mit seinem DER WEISSE HAI einen regelrechten Boom des Tier-Horrors einläutete und eine ganze Flut sehenswerte Tier-Schocker folgen lies, von denen wohl in den letzten Jahren nur Ajas dreidimensionales PIRANHA-Remake (2010) und der packende Tiger-Schocker BURNING BRIGHT (2010) bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Nach viel unterirdischem Trash der letzten Zeit scheinen aber dennoch Regisseure darin bestrebt zu sein, dem Tier-Horror wieder die nötige Ernsthaftigkeit zurückgeben zu wollen, die das Subgenre auch verdient hat. Einer dieser ambitionierten Filmemacher ist ADAM MACDONALD. Der versucht mit dem unbequemen Bären-Terror namens BACKCOUNTRY klarzustellen, dass er nicht nur vor der Kamera eine gute Figur machen kann. Nach kleinen Rollen in Streifen wie WOLVES oder HOME SWEET HOME war es für ihn an der Zeit, auch sein Können als Drehbuchschreiber und Regisseur unter Beweis zu stellen. So drehte er mit wenig finanziellen Mitteln einen hochgradig verstörenden Film, in welchem dem Menschen mal wieder die Unberechenbarkeit von Mutter Natur vor Augen geführt werden muss – wenn auch mit kleinen Fehlern.
 
 
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MACDONALD beschreibt sein Leinwand-Debüt als eine Art OPEN WATER in den Wäldern für das er sich von wahren Begebenheiten inspirieren lies. Während den ersten Recherchen zum Drehbuch kam er mit Campern und Wanderern ins Gespräch, die bereits unfreiwillig Bekanntschaft mit Schwarzbären im Hinterland Nordontarios gemacht hatten. Schnell stieß er so auf die tragische Geschichte eines jungen Pärchens, das während einer Bärenattacke tödlich verwundet wurde. MACDONALDS war von dem Vorfall derart erschütterte, dass er darin die Idee zum Film sah, in dem ebenfall ein Paar in den Wäldern Kanadas ums Überleben bangen muss. MISSY PEREGRYM und JEFF ROOP spielen in BACKCOUNTRY Jenn und Alex, die es in die kanadische Wildnis zum Campen zieht. Doch Alex hat anderes im Sinn, als die Natur zu genießen. An einem idyllischen See will er der Liebsten einen Antrag machen und verzichtet absichtlich auf Karte und Kompass, weil er den Weg dahin aus dem Gedächtnis kennt. Natürlich verläuft die Wanderung nicht nach Plan. Nach drei Tagen Fußmarsch ist kein Ziel in Sicht. Die Vorräte sind aufgebraucht und das Paar muss sich eingestehen, vom rechten Weg abkommen zu sein. Nun ist guter Rat teuer, denn ohne Karte und Telefon erweist sich die Rückkehr als unmöglich. Schlimmer als die Einsicht sich verirrt zu haben ist jedoch die Tatsache, dass sich Alex und Jenn in das Territorium eines hungrigen Schwarzbären verirrt haben, der sich mit leeren Magen an die Fersen des Liebenden heftet. Rasch entbrennt ein grausamer Kampf zwischen Mensch und Tier, der am Ende nur einen Sieger kennt: Mutter Natur.
 
 
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Macher ADAM MACDONALD outete sich in einem Interview als großer Fan des Schaffens von ROB ZOMBIE (HALLOWEEN, LORDS OF SALEM) und DEREK CIANFRANCE (THE PLACE BEYOND THE PINES) bei deren Filmen er reichlich Ideeninput für sein Erstlingswerk sammeln konnte. Entstanden ist ein sehenswerter Überlebens-Thriller, der sich authentisch mit den Urängsten der Menschheit auseinandersetzt und belehrend aufzeigt, wie sehr der Mensch die Gefahren der Natur unterschätzt. Nahezu unvernünftig handeln die beiden Helden im Film. Dass deren Torheit bitter bestraft werden muss, ist im Falle von BACKCOUNTRY kein Genre-Gesetz, sondern bittere Realität. In ungeschönten Bildern protokolliert MACDONALD den Überlebenskampf zwischen Mensch und Tier, wobei sich der Regieneuling als guter Erzähler erweist und ein geschicktes Gefühl für Spannung und Atmosphäre an den Tag legt. Langsam bahnt sich die bevorstehende Bedrohung ihren Weg durch den Film und schlägt in den letzten 30 Minuten mit gnadeloser Härte zu. Hier gerät dann auch das ruhige Erzähltempo aus den geregelten Bahnen und aus dem netten Naturfilm mit falschen Fährten entsteht knüppelharter Tier-Terror mit unappetitlichen Szenen. Durch den Einsatz hektischer Kameraschwenks wird Panik bewirkt, die leider auch den logischen Menschenverstand der Protagonisten ausschaltet. Nach einer gefährlichen Bärenattacke verhalten die sich reichlich sonderbar und handeln im Schockzustand nur selten nachvollziehbar. Immerhin hielt man für den Film Abstand von Getier aus dem Rechner. Für BACKCOUNTRY kamen lobenswerterweise zwei echte Bären vor die Kamera – vermutlich auch deshalb, weil MACDONALD seinen Erstling so realistisch wie möglich inszenieren wollte. Geglückt ist sein Vorhaben allemal, denn auch wenn am Ende vor gekünstelter Hektik nicht immer alles logisch scheint, gehört BACKCOUNTRY ohne Zweifel zu den besseren Tier-Horrorfilmen, die das Subgenre bis dato hervorgebracht hat.
 
 
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BACKCOUNTRY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
OPEN WATER nur in den Wäldern. Erschütternder Überlebenskampf vor traumhafter Naturkulisse mit fiesen Spezialeffekten und pulstreibendem Finale. ADAM MACDONALD ist noch unerfahren im Filmemachen und hat mit seinem Leinwanddebüt gleich was wirklich Sehenswertes hervorgebracht. In BACKCOUNTRY wird die Unberechenbarkeit der Natur auf recht unangenehme Weise zum Thema gemacht, welche den törichten Menschen mal wieder in seine Schranken weisen muss. Nach einem gemächlichen Einstieg zieht Drehbuchautor und Regisseur ADAM MACDONALD die Spannungsschrauben minutiös fester und tritt den Zuschauer mit einer derart gemeinen Wendung in die Magengrube, wie man sie schon lange nicht mehr im Subgenre der Tier-Horrorfilme zu sehen bekommen hat. Erschütternd und gerade deswegen sehenswert, auch wenn die Protagonisten am Ende vor lauter Panik fernab des rationalen Menschverstandes handeln.
 
 
 


 
 
 

BACKCOUNTRY – Zensur

 
 
 
Es gibt im Finale einige reichlich ungemütliche Szenen zu sehen, in denen jedoch die Kamera derart hektisch wackelt, dass die wenigen Gewaltmomente nicht so schnell zu durchschauen sind. Ein Protagonist wird von einem Bären zerfleischt. Hierbei geht es nicht zimperlich zur Sache. In einer anderen Szene werden Arme und Beine von der Bärenpranke verletzt. Zwar blutig, da die Gewalt hier jedoch von Tieren ausgeht, kann mit einer FSK16 gerechnet werden.
 
 
 


 
 
 

BACKCOUNTRY – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Claws (1977)
 
Red Machine (2014)
 
Grizzly (1976)
 
Grizzly Park (2007)
 


Filmkritik: “Daughter of Darkness” (1990)

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DAUGHTER OF DARKNESS

Story

 
 
 
Cathy wird in ihrer amerikanischen Normalo-Heimat von fiesen Albträumen gepiesackt. Immer wieder deutet man ihr im Schlaf an, sich nach Rumänien abzusetzen, von wo ihr Vater, der allerdings schon vor Jahren verschütt’ gegangen ist, stammt. Im gerade nicht mehr kommunistischen Ostblock gelandet, macht die Touristin Bekanntschaft mit de Handwerksmeister Anton, einem alten Freund ihres Vaters. Dieser Anton kann ihr auch von den mysteriösen Umständen um das Verschwinden ihres alten Herrn erzählen. Es macht den Eindruck, dass ihre Familie sehr eng und sehr übernatürlich mit dem transsylvanischen Landstrich verbunden ist…
 
 
 


 
 
 

DAUGHTER OF DARKNESS – Kritik

 
 
 
Nachdem auch in Rumänien die Sache mit dem Sozialismus an der Idiotie ihrer Vorbeter ein Ende gefunden hatte, zog es immer wieder Filmteams in die immerhin historisch relevanten Höhen Transsylvaniens, wo man in heruntergewirtschafteten Studios oder authentischen Außenlocations für fast nüscht drehen konnte. Das ist bis heute so, auch wenn inzwischen eher ehemalige Action-Stars wie Wesley Snipes oder Steven Seagal im alten Ostblock herumpurzeln. Anfang der Neunziger waren es aber die Horror-Filmer, jemand wie Charles Band etwa hatte eine gute Chemie mit der Gegend und konnte für seine Full Moon Studios manchen annehmbaren Kleinfilm verwirklichen. DAUGHTER OF DARKNESS allerdings ist mit Stuart Gordon von jemandem gedreht, der eigentlich mehr kann. Oder können sollte. Es sei denn, man gibt sich dem ernüchternden Gedanken hin, dass die großen und stilbildenden Arbeiten Gordons eher Glückstreffer gewesen sein könnten. Filme wie dieser lassen einen die Qualitäten eines RE-ANIMATOR fast als nie gesehen erscheinen. Schade,gibt aber mehr große Regisseursnamen, die unter diesem Syndrom leiden. Tobe Hooper, anyone?
 
 
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Schön reißerisch nach altem Schlag kommt die Tagline auf dem DVD-Cover der MARITIM PICTURES-Scheibe daher: „Unheimlich…mysteriös…lebensgefährlich“ Um den großen amerikanischen Z-Film-Produzenten David F. Friedman zu zitieren, wird hier definitiv einmal mehr das Brutzeln verkauft und nicht das Steak. Die mehrfache Bezugnahme auf Hitchcocks PSYCHO, vermutlich aufgrund der Anwesenheit des armen Anthony Perkins kurz vorm Elendstod durch AIDS, ist allerdings fast strafenswert. In der Hauptrolle aber Mia Sara. Die richtig hübsche Eighties-Braut aus FERRIS MACHT BLAU und diversen weniger erfolgreichen Filmen im Anschluss, huscht durch so etwas wie eine verlängerte GESCHICHTE AUS DER GRUFT und findet genauso wenig Spannung oder Horrorwert wie der geneigte Zuschauer im Besitz der Scheibe hier. Wirklich schöner Bonus der erhältlichen DVD von MARITIM PICTURES, wenn auch mehr für die Mühe als für den Inhalt, ist die draufgepackte deutsche Videofassung, die ein paar andere Schnitte bringt und zwei Minütchen länger läuft.
 
 
 


 
 
 

DAUGHTER OF DARKNESS – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
DAUGHTER OF DARKNESS ist ein Vorreiter der vielen in Rumänien gedrehten Billig-Horrorreißer der Neunziger. Für sehr wenig Geld in den Nachwehen eines zusammenklappenden Systems gedreht, was man einem eigentlich auf Stimmungen und Atmosphäre bauenden Grusler leider zu jedem Zeitpunkt ansieht. Hier gilt trotz der Regie Stuart Gordons das Prädikat „für Wahllose oder Komplettisten“.
 
 
 


 
 
 

DAUGHTER OF DARKNESS – Zensur

 
 
 
Bereits bei seiner Ersterscheinung auf Videoband war DAUGHTER OF DARKNESS ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Auch die nun erhältliche DVD ist komplett – kein Wunder, viel Gewalt gibt es nicht zu sehen.
 
 
 


 
 
 

DAUGHTER OF DARKNESS – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Daughter of Darkness; USA 1990

Genre: Horror, Klassiker, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,33:1

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray, FSK-freies Wendecover mit alternativem Design

Extras: Deutsche Videofassung (89 Minuten)

Release-Termin: 24.11.2014

 
 
Die erhältliche DVD besitzt zwei Filmfassung. Der Hauptfilm entspricht der amerikanischen TV-Version, welche um ein paar Blut- und Nacktszenen erleichtert wurde. Als Bonusmaterial ist die ungeschnittene deutsche Videoversion auf der Scheibe enthalten, die aber bildtechnische etwas schlechter ist. Hierbei handelt es sich wohl um einen VHS-Rip. Zwar bedauerlich aber dennoch eine nette Dreingabe des Rechteinhabers.
 
 

Daughter of Darkness (DVD) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DAUGHTER OF DARKNESS – Trailer

 
 

 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bloody Marie – Eine Frau mit Biß (1992)
 
The Lost Boys (1987)
 
Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (1987)
 


Filmkritik: “Cut!” (2014)

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CUT!

Story

 
 
 
Zwei Freunden sind ihren Job leid. Sie versuchen ihr Glück als Regisseur und nehmen die Dreharbeiten zu einem Low-Budget-Horrorfilm auf, in dem sie Menschen aus dem realen Leben vor der Kamera ermorden.

 
 
 


 
 
 

CUT! – Kritik

 
 
Von Kritikern hochgelobt und in der IMDB mit ausschließlich besten Noten bewertet: im Falle von CUT scheint einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein. Die überschwänglichen Kritiken, die sich in der internationalen Filmdatenbank finden lassen, müssen auf eine Schnittfassung zurückzuführen sein, die uns vermutlich vorenthalten wurde. Ein Schelm wer da Sabotage vermutet, schließlich ist auch die weltweit bekannte Internetplattform nicht vor manipulierten Bewertungen gefreit, die nichtsahnende Nutzer zum Kauf minderwertiger Horrorfilme bewegen sollen. Wenn wenig Budget zur Verfügung steht, wähle eine kontroverse Thematik, um maximale Aufmerksamkeit erhalten zu können. Jene Prämisse hat sich bereits für viele Indie-Produktionen bezahlt gemacht. Ob A SERBIAN FILM (2010), HUMAN CENTIPEDE (2009) oder RAMPAGE (2009) – all jene Filme folgten dem Weg der Kontroverse und weckten mit zweifelhaften Filmstoffen die Neugierde des Zuschauers.
 
 
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Regisseur, Produzent und Schauspieler DAVID ROUNTREE wagt den Versuch auf gleichem Wege. In seinem CUT macht er jenes Subgenre zum Mittelpunkt seines Filmes, das bereits in 8MM (1999) sowie dem spanischen TESIS (1995) für reichlich Furore gesorgt hat und Jugendschützer auf die Barrikaden gehen lies. Es ist die Thematik von Snuff-Filmen, die Horrorfans hellhörig machen soll, verspricht die doch in dem meisten Fällen genug Elend im Heimkino, um Zuschauer mit Hang zum Sadismus Freudentränen bescheren zu können. Doch die anfängliche Euphorie dürfte schnell einen Dämpfer erhalten. CUT gehört nämlich zu jener Art von Filmen, die zwar viele böse Momente versprechen, den Mund dabei reichlich voll nehmen, jedoch enttäuschend wenig Gewalt einsetzen, um das Herz des Horrorpublikums für sich gewinnen zu können.
 
 
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Im Film versuchen zwei Nachwuchsfilmemacher den Sprung nach ganz oben. Vom Erfolg der Kinohits THE BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY getrieben, wollen die beiden jetzt auch einen Horrorstreifen mit minimalen Mitteln drehen. Die Arbeit in einem Film-Utensilien-Verleih ermöglicht Requisiten für lau, doch für den Durchbruch fehlen den Anfängern zündende Ideen, damit das No-Budget-Werk an den Mann gebracht werden kann. Die sind jedoch schnell gefunden, denn treu der Devise “Gewalt geht immer” beginnen die beiden Hobby-Regisseure damit, unschuldige Leute zu ermorden und die Taten mit der Videokamera festzuhalten. Doch je mehr grausame Verbrechen auf Film gebannt werden, umso weiter entfremden sich die Kumpels voneinander. Bis die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird.
 
 
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Wie um alles in der Welt konnte es einem Film wie CUT nur gelingen auf Filmfestivals diverse Preise abzustauben? Darunter sogar die Auszeichnung als “Bester Film”! Eine durchaus berechtigte Frage, die vermutlich auf ewig unbeantwortet bleiben dürfte, schließlich verschafft sich CUT allein Daseinsberechtigung durch die zweifelhafte Snuff-Film-Problematik, zeigt jedoch davon im Film überraschend wenig. Die Kamera blendet in entscheidenden Momenten weg und überlässt die meisten Gemeinheiten – vermutlich auch aus Kostengründen – der Phantasie des Zuschauers. Weil CUT jedoch viel zu viel Zeit vertrödelt, um endlich zum Punkt zu kommen und dazu noch mit zeigefreudiger Gewalt geizt, dürfte sich das Interesse der Horrorfans ohnehin in Grenzen halten. CUT hat einige Defizite mit denen sich viele unkommerzielle Produktionen konfrontiert sehen. Das Gebotene ist nicht aus einem Guss. Die Dialoge sind fade, das Drehbuch wirkt konfus und der Entwicklung der Figuren mangelt es am Feinschliff. Zudem stieß man mit dem mageren Budget schnell an die kreativen Grenzen und musste Abstriche bei den Spezialeffekten machen. Immerhin werden alteingesessene Horrorfilm-Gucker mit Gastauftritten bekannter Horror-Ikonen entschädigt. Regisseur DAVID ROUNTREE konnte SUZE LANIER-BRAMLETT (HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN) und die Tochter von DEE WALLACE (DAS TIER und CUJO) überreden in CUT kurze Rollen zu übernehmen. Wer aber noch nicht lange Horrorfilme schaut, dürfte mit den Anspielungen an diverse Horrorklassiker ohnehin wenig anfangen können.
 
 


 
 
 

CUT! – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
CUT ist der unbeholfener Versuch eines verzweifelten Regisseurs mit reißerischer Snuff-Film-Problematik endlich die Gunst der Horrorfans für sich gewinnen zu können. Wie seine Protagonisten im Film, will auch Regisseur DAVID ROUNTREE mit nur einfachen Mitteln und verkaufsfördernder Thematik Erfolge feiern und schnelles Geld machen. Leider hat er das Ziel verfehlt, denn statt ein neues schockierendes Dokument abartiger Perversion für Horrorfans zu kreieren, ist das was CUT letztendlich zu bieten hat, nicht einmal ein Gähnen wert. Manche Indie-Regisseure können es, andere wiederum nicht. Macher DAVID ROUNTREE hat nach diversen Schauspielausflügen in TV-Serien und Horrorfilmen (darunter STAUNTON HILL) bereits mehrmals den Versuch gewagt als Regisseur von unabhängigen Produktionen auf sich aufmerksam zu machen. Leider hat es keines der bisher von ihm verbrochenen Filmwerke weiter als bis in die Aktions-Wühlboxen amerikanischer Kaufhausketten geschafft. Sein neustes Schaffen wird gleichen Weg gehen, schließlich handelt es sich abermals um bedeutungslosen Billigquatsch, von dem zu Recht die Mehrheit der Sammler nicht einmal weiß, dass es ihn gibt. Gewalt ist rar, die Produktionsbedingungen bescheiden und der semiprofessionelle Videolook macht auch keine Freude. Immerhin gibt es ein paar Gastauftritte verschollen geglaubter Horrorsternchen zu sehen und den obligatorischen Überraschungstwist. Ob das allein den Kauf von CUT rechtfertigt, sollte jeder Fan selbst entscheiden. Fakt ist jedoch, dass die Fortsetzung mit dem Titel RE-CUT angeblich schon in der Mache sein soll – Halleluja!
 
 


 
 
 

CUT! – Zensur

 
 
 
Trotz Snuff-Film-Thematik gibt es hier neben einem abgetrennten Kopf (CGI!) und einem Mann der absichtlich mit einem Auto überfahren wird, nicht sonderlich viel Gewalt zu sehen, die eine hohe Altersfreigabe rechtfertigen würde. Sehr züchtig geht es in CUT zu. Demzufolge dürfte der Film locker mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

CUT! – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Bunny Game (2010)

8MM (1999)

Tesis (1995)

The Last Horror Movie (2003)

A Serbian Film (2010)


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