Filmkritik: „Gwen“ (2018)

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GWEN

(THE DARK OUTSIDE)

Story

 
 
 

Eine zurückgezogen lebende Familie erlebt in friedlicher walisischen Landschaft den Horror auf Erden. Ihr vermeintlich sicheres Zuhause in den Bergen verwandelt sich zum Ort des Schreckens, weil auf einmal Dinge passieren, die sich nicht erklären lassen.

 
 
 


 
 
 

GWEN – Kritik

 
 
 
Wenn man etwas im Horrorkino gelernt hat, dann die Erkenntnis, dass selbst Idylle trügerisch sein kann. Da verwandeln sich gern mal pittoreske Landschaften zum Vorort der Hölle, wo Menschen Dinge tun, die grausam und boshaft sind. Genau diese Erfahrung müssen auch die Helden im folgenden Film durchleben, wo inmitten malerischer Natur das Grauen seine Kreise zieht. Hinter dem nebeligen Gotik-Albtraum, wie er auch aus den legendären Hammer-Studios stammen könnte, versteckt sich ein Newcomer. Regisseur WILLIAM MCGREGOR schürt erstaunlich souverän Ängste, als hätte er zuvor nichts anderes gemacht. Dabei ist er noch unerfahren im Filmdrehen. Bisher zeichnete er für die Regie in Serien und Kurzfilmen verantwortlich. GWEN ist nun der erst Langfilm, bei dem er das Zepter übernommen hat. Das Resultat kann sich sehen lassen, denn die wunderschöne Naturkulisse im Film entwickelt einen zermürbenden Kontrast zur düsteren Realität, mit welcher die Charaktere konfrontiert werden.
 
 
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Wales im Jahre 1855. Ein Schicksalsjahr, das für eine fernab der Stadt lebende Familie zum Albtraum wird. Während so langsam die industrielle Revolution Einzug hält, klammert sich Mutter Elen samt Nachwuchs lieber an alte Strukturen. Man lebt autark auf einem kleinen Bauernhof irgendwo in den Bergen, besucht regelmäßig die Kirche und schlägt sich mit dem Verkauf von selbst angebauten Gemüse über die Runden. Doch da wird das alleinerziehende Familienoberhaupt krank und stellt die heranwachsende Gwen vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sie jetzt die Arbeiten der Mutter übernehmen und sich um die kleine Schwester kümmern muss; die Heranwachsende sieht sich mit mysteriösen Vorkommnissen konfrontiert, die ihr große Angst bereiten. Da sterben plötzlich Nachbarn und Tiere unter seltsamen Umständen und mit dem unbescholtenen Kindsein ist es plötzlich vorbei. Sind hier etwa höhere Mächte am Werk, die der Familie schaden wollen? Einfach wird des Rätsels Lösung definitiv nicht. Vielmehr ist die Auflösung für Zuschauer und Helden ein Schlag ins Gesicht.
 
 
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Wenn ein Teenager plötzlich Verantwortung übernehmen muss. GWEN ist ein Mysterydrama vor historischer Kulisse, das ein bis dato unbeschwert lebendes Mädchen mit der bitteren Realität konfrontiert. Regisseur WILLIAM MCGREGOR protokolliert in nebeligen, kühlen und trostlosen Bildern den tragischen Übergang in die Erwachsenenwelt mit all seinen Gefahren. Nichts wird geschönt. Stattdessen wird eine Jugendliche in eine Welt voller Gefahren getrieben, in der selbst ein Erwachsener nicht gern sein möchte. Filmemacher WILLIAM MCGREGOR verzichtet auf lange Dialoge. Stattdessen lässt er Bilder sprechen und erzählt wortkarg eine düstere Geschichte, in der Titelfigur Gwen auf einen dunklen Pfad der Verantwortung geschickt wird.
 
 
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Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da passieren plötzlich seltsame Dinge, die sich nicht erklären lassen und die bis dato heile Welt der frommen Gwen erschüttern. So stirbt plötzlich alles um sie herum. In der Stadt wird sie wegen der Familie geächtet und in der Nacht schleichen mysteriöse Schatten ums Haus. Doch alles nur Fassade! GWEN macht es nämlich vielen aktuellen Genre-Filmen gleich und führt den Zuschauer auf falsche Fährten. Der Mysteryeinschlag hat nämlich nur Alibi-Funktion, um die Spannung halten zu können. Letztere baut sich langsam auf und zieht sich wie ein roter Faden bis zum Finale. Dort werden dann plausible Antworten geliefert. Erleichterung bringen die aber nicht. GWEN ist ein überraschend gelungener Historien-Beitrag mit unbehaglicher Atmosphäre, der vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen lebt. Wir sehen ELEANOR WORTHINGTON-COX als Gwen und MAXINE PEAKE als Mutter Elan. Beide tragen den walisischen Albtraum beinahe ausschließlich durch Mimik und Gestik. Gesprochen wird nur selten. Ein beachtliches Kunststück, bewirkt vor allem der Minimalismus maximales Grauen.
 
 
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Regisseur WILLIAM MCGREGOR verriet in Interviews, dass er schon als Jugendlicher Interesse fürs Erzählen von Geschichten entwickelte. Der schnappte sich in den Teeanger-Jahren eine Mini-Videokamera und begann damit Geschichten zu erzählen. Die Anfänge waren unspektakulär – aber kreativ. So wurden erste Gehversuche in Form von Dokumentarfilmen über die Tiere auf der elterlichen Farm gestartet. Dabei schien der damals noch unerfahrene Cineast gut beobachtet zu haben. So erklärte der Filmemacher, dass er sich für die Geschichte zu GWEN vom Nationalpark Snowdonia (eine Bergregion im Nordwesten von Wales) inspirieren ließ. Als er von der industriellen Revolution in Nordwales erfuhr und mehr darüber wissen wollte, mietete sich McGregor eine Hütte in Snowdonia, tauchte in die Landschaft ein und erforschte Geschichte, Sagen und Folklore der Gegend. Nach und nach fand sich so die Handlung zu Papier, für die viele Schauplätze im Film von Orten inspiriert wurden, an denen der Newcomer für seine Recherchen tatsächlich gewesen war. GWEN ist eine Weiterentwicklung des Kurzfilms WHO’S AFRAID OF THE WATER SPRITE, den McGregor in seinen Studientagen gedreht hatte. Das Ergebnis ist tiefgründiger als gedacht. Wohl ein Grund, warum so viele Lobeshymnen das Filmplakat zieren. Viele derer sind vollkommen gerechtfertigt. Fans mit Hang zum Programmkino und Arthaus werden Gefallen finden.
 
 


 
 
 

GWEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Zermürbendes Grauen im Stile eine HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH, welcher Arthaus- und Programmkinoliebhaber hellhörig werden lassen dürfte. GWEN ist ein kleiner Blender, was man an dieser Stelle nicht negativ werten sollte. Der Film suggeriert dem Zuschauer nämlich das, was er eigentlich gar nicht ist. Was als schauriger Mysterythriller beginnt, endet als trauriges Drama über einen Teenager, der seine Familie zusammenhalten möchte und mit dem Leben in seiner ganzen Härte konfrontiert wird. GWEN ist das etwas andere Coming-of-Age-Drama vor historischer Kulisse, das nicht unberührt lässt. Wer den Anspruch im Genre-Kino benötigt, darf sich diesen Film – allein schon wegen den schauspielerischen Qualitäten – nicht entgehen lassen.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Zensur

 
 
 
GWEN hat kaum Gewalt zu bieten. Wenn diese den Weg in den Film findet, dann wird Gewalt nur angedeutet oder passiert im Off. Einem Pferd wird die Kehle durchgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin erst niedergeschlagen und danach angezündet. Hierzulande dürfte GWEN eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
Pakt der Wölfe (2001)
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 

Filmkritik: „Dragged Across Concrete“ (2018)

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DRAGGED ACROSS CONCRETE

Story

 
 
 

Im düsteren Thriller „Dragged Across Concrete“ wechseln zwei Cops die Seiten, um sich zu bereichern, doch dabei legen sie sich mit psychopathischen Verbrechern an und die Sache scheint kein gutes Ende nehmen zu können.

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Kritik

 
 
 
S. Craig Zahler hat sich mit nur zwei Regie-Arbeiten schon zum absoluten Genre-Experten gemausert. Sein Debüt „Bone Tomahawk“ stellte eine Mischung aus Horror und Western dar und sein zweites Werk „Brawl in Cell Block 99“ dürfte kein Auge von Exploitations-Fans trocken gelassen haben. Die Erwartungen an „Dragged Across Concrete“ hätten kaum höher sein können. Eine enorm hohe Laufzeit, richtig gute Darsteller und eben Zahler als Regisseur. Was soll da großartig schiefgehen? Wer den Regisseur kennt und sich deshalb keinerlei falsche Erwartungen gestaltet, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht sein, wobei Zahler sein Publikum auch hier wieder gnadenlos spalten wird.
 
 
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Die Cops Brett und Anthony sind nicht gerade für ihre soften Methoden bekannt. Besonders Brett, der erfahrenere und ältere von Beiden, macht aus seinen skrupellosen Methoden keinen Hehl und geht gerade mit ausländischen Kriminellen nicht zimperlich um. Eines Tages reicht das aus für eine Suspendierung und weil Brett eine schwerkranke Frau hat, muss er an Geld herankommen. Also überredet er Anthony dazu, die Seiten zu wechseln. Schnell hat man sich einen Tipp eingeholt und observiert einen Verbrecher. Doch was anfangs nach einem Drogengeschäft aussieht, wird bald zu einem Banküberfall und mit den Kriminellen ist nicht zu spaßen, denn diese machen keine Gefangenen. Das liest sich nicht gerade besonders anspruchsvoll und eigentlich ist diese Story auch überhaupt nichts Besonderes. Hier gesellt sich Cop-Thriller zu Heist-Movie, aber wenn S. Craig Zahler das Drehbuch selbst schreibt, fällt die Handlung trotzdem anders aus. Auf die üblichen Konventionen wird überwiegend gepfiffen und so kann der Zuschauer sich niemals sicher sein, was als nächstes geschehen wird. So simpel die Geschichte im Kern auch sein mag, so treffsicher ist sie doch auch, wenn es um die Analyse des Weltgeschehens geht. Dieses Weltbild sieht nicht gerade rosig aus und geht eher in eine nihilistische Richtung. Themen wie Rassismus und Politik werden immer mal angesprochen, doch stets am Rande. Dies dominiert nicht das Geschehen, doch es ist vorhanden und verleiht dem Drehbuch so am Ende doch einen gewissen Anspruch.
 
 
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Wirklich gut ist „Dragged Across Concrete“ aber am ehesten, weil er sich nicht an die üblichen Regeln hält. Nachdem Zahler ja bereits mit seinen beiden vorherigen Regie-Arbeiten gezeigt hat, dass er es gerne langsamer und länger hat, treibt er dieses Spiel mit „Dragged Across Concrete“ nun vollends auf die Spitze. 160 Minuten Laufzeit sind für einen Film dieser Art absolut nicht wenig und das erfordert schon gewisses Sitzfleisch vom Publikum. Zahler zelebriert die Langsamkeit, treibt seine Handlung gnadenlos schleppend voran. Die Kunst daran ist, dass er dabei trotzdem niemals langweilt. In der ersten Hälfte beschäftigt man sich am ehesten mit den beiden suspendierten Cops Brett und Anthony. Sie erhalten ihren Hintergrund und dieser muss gar nicht großartig ausgefeilt werden damit sie glaubwürdig wirken. Ihre Charaktere sind ambivalent. Eigentlich stellen sie nicht gerade die Guten dar und trotzdem kann man sie nachvollziehen, ja gewissermaßen sogar gutheißen, was sie da machen. Auch alle anderen Figuren werden nur am Rand charakterisiert und immer reicht das vollkommen aus. Es ist allerdings viel weniger das Zusammenspiel dieser verschiedenen Figuren, sondern noch viel mehr die Inszenierung von Zahler, die das alles so sehenswert macht.
 
 
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Lange nimmt der Regisseur sich Zeit, zeigt auch die wohl eher unwichtigen Dinge, entwirft damit jedoch ein stimmiges und authentisches Bild des Lebens. Plötzlich eskaliert die Situation ohne große Vorwarnung und dann spielt auch Gewalt eine Rolle. Die Freigabe ab 16 Jahren mag täuschen, aber harmlos ist „Dragged Across Concrete“ ganz sicher nicht. Die Gewalt findet hier allerdings nur beiläufig und niemals ausufernd statt. Obwohl das Weltbild im Film düsterer Natur ist, gibt es trotzdem so eine Art Fairness. Manche Szenen lassen eine gewisse Trostlosigkeit spüren, andere hingegen besitzen mit ihrem leicht schwarzen Humor schon fast etwas Lockeres. Auf jeden Fall gesellen sich viele unterschiedliche Stimmungen zu einem homogenen Ganzen zusammen. Ein wenig Drama, etwas Thriller, eine minimale Portion Heist-Movie und am Ende auch ein ganz wenig Actionfilm. Von Spannung wird das Treiben dabei mit Sicherheit nicht dominiert, denn dafür sind die meisten Szenen zu unspektakulär. Erst im letzten Drittel geht es diesbezüglich etwas mehr zur Sache, doch auch zuvor fühlt man sich stets sehr gut unterhalten. Dafür sorgen neben den gut ausgearbeiteten Dialogen vor allen Dingen auch die starken Darsteller.
 
 
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Vince Vaughn darf leider keine zweite Leistung wie in „Brawl in Cell Block 99“ von sich geben, doch nach wie vor macht er sich in den ernsten Rollen bestens und enttäuscht nicht. Besonders interessant ist es zudem Mel Gibson an seiner Seite zu sehen und vor allen Dingen ihn in einem Film von S. Craig Zahler zu sehen. Gibson, der sich von seinen Eskapaden mittlerweile ja ziemlich rehabilitiert hat, ist hier in einer mutigen Rolle zu sehen, weil sie seinem eigenen Weltbild wahrscheinlich gar nicht so unähnlich ist. Wer hier nun das emotionsstärkste Schauspiel erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, aber auch so ist das sehr routiniert und packend gespielt. In kleineren Rollen gibt es Udo Kier, Thomas Kretschmann und eine starke Jennifer Carpenter zu sehen. Wirklich gut ist nebenbei auch Tory Kittles. Allgemein enttäuscht hier kein Darsteller und das Treiben ist zeitweise recht dialoglastig, obwohl im Endeffekt dann doch gar nicht so viel gesagt wird. „Dragged Across Concrete“ ist ein stiller Film, was auch das Fehlen von einem Score noch mal stark bestätigt. Bis auf ein paar Songs vom Soundtrack gibt es im gesamten Film keinerlei Musik zu hören. Das passt und rundet dieses eher spezielle Werk ideal ab.
 
 
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DRAGGED ACROSS CONCRETE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
S. Craig Zahler macht so weiter, wie er aufgehört hat und geht seinen Weg konsequent weiter. Manche werden ihn dafür lieben, andere werden damit nichts mehr anfangen können. „Dragged Across Concrete“ ist die reine Langsamkeit. Die Geschichte hätte man in der Hälfte der Laufzeit erzählen können und selbst wenn das auf den ersten Blick gar nicht so viel Substanz besitzt, machen die Feinheiten doch eine ganze Menge aus. Das Drehbuch besitzt auf jeden Fall seine Portion Anspruch und dazu gesellt sich eine sehr interessante Besetzung, die einen ordentlichen Job abliefert. Die Inszenierung ist typisch für Zahler, langsam, teilweise entgegen der Erwartungen und dann wieder in Gewalt eskalierend. Doch „Dragged Across Concrete“ ist noch deutlich langsamer, als seine beiden Vorgänger. Nicht jeder wird damit etwas anfangen können und das ist auch gut so. Fakt bleibt jedoch, dass Zahler seinen Ruf als Genre-Experte weiter festigen können wird, denn mit so unkonventionellen, konsequenten Filmen bietet er etwas, womit heutzutage nicht mehr viele Filme dienen können: Überraschung!
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Zensur

 
 
 
„Dragged Across Concrete“ hat im Vergleich zu den bisherigen Arbeiten von Regisseur S. Craig Zahler (der übrigens mit am Drehbuch „Puppet Master: Das tödlichste Reich“ schrieb) eine überraschend niedrige FSK-Freigabe erhalten. Zuletzt sorgten die Filme des Filmemachers gerade wegen der Zurschaustellung von Gewalt für Furore. Der neuste Streich ist da zurückhaltender. Deshalb gab es für den Streifen von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Fassung.
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dragged Across Concrete; USA 2018

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 163 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Featurette: Elements of Crime – Part 1-3, Featurette: Moral Conflict Creating Cinema that Challenges, Trailer

Release-Termin: 20.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brawl in Cell Block 99 (2017)
 
Killing Them Softly (2012)
 
Training Day (2001)
 
Dark Blue (2002)
 

Filmkritik: „Hausu“ (1977)

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HAUSU

(HOUSE)

Story

 
 
 

Im verschrobenen Kultklassiker „Hausu“ sucht ein sechzehnjähriges Mädchen das Haus ihrer Tante auf, ohne zu wissen, dass dort Dämonen auf sie warten.

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Kritik

 
 
 
Das japanische Kino wartet schon mit so manch kuriosen Beiträgen auf. Gerade im Horrorbereich weichen die Sehgewohnheiten zu einem westlichen Publikum doch enorm ab. Wenn man es dann noch mit einem skurrilen Film aus dem Jahre 1977 zu tun bekommt, darf man schon gespannt sein. „Hausu“ ist nicht nur als Endprodukt seltsam, schon alleine die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Ursprünglich kam die Tōhō-Filmgesellschaft auf den Experimental-Filmer Nobuhiko Ōbayashi zu, um eine Art „Der weiße Hai“ zu drehen. Es entstand ein Drehbuch, bei welchem Ōbayashi Ängste seiner Tochter einfließen ließ. Am Ende war eine Geisterhorrorfilmstory entstanden, die nur scheinbar niemand verfilmen wollte. So vergingen zwei Jahre und letztendlich durfte Ōbayashi, der zuvor noch keinen Langfilm gedreht hatte, Regie führen. Dabei ist ein äußerst eigenwilliger, verspielter Film entstanden, der nicht ganz zu unrecht einen gewissen Kultstatus gewinnen konnte, denn was man hier sieht, ist schon echt ziemlich abgefahren.
 
 
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Die Story steht dabei völlig im Hintergrund. Die sechzehnjährige Oshare ist Jahre nach dem Tod ihrer Mutter absolut nicht begeistert davon, dass ihr Vater eine neue Frau gefunden hat. Also verzieht sie sich in den Sommerferien mit ein paar Schulfreundinnen zu ihrer Tante, die abgeschieden auf dem Land lebt. Erst mal dort angekommen, müssen die Mädels schon bald feststellen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Tante ist nicht das, was sie vorgibt und mit der Katze hängt das Ganze auch noch zusammen. Streng genommen, wird hier ganz normaler Spuk erzählt, der zwar zusätzlich minimal mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden wird, aber dadurch trotzdem kaum an Substanz dazu gewinnt. Diese Handlung bietet simplen Geisterhorror, der allerdings durch die Machart dermaßen konfus wirkt, dass man als Zuschauer schon mal leicht vergessen kann, worum es denn eigentlich geht.
 
 
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Tōhō ließ Ōbayashi letztendlich freie Hand. Die Mitarbeiter empfanden das, was da gedreht wurde, als schwachsinnig und scheinbar wollte das Studio genau so etwas haben. Mit einem Erfolg hatte niemand gerechnet und selbst wenn die Kritiken damals schlecht ausfielen, spielte „Hausu“ in Japan überraschend viel Geld an den Kinokassen ein. Ob das an dieser verspielten Machart gelegen hat, kann man nur mutmaßen, aber Fakt ist, dass „Hausu“ schon sehr speziell ist. Das große Geld wird hinter diesem Werk mit Sicherheit nicht gesteckt haben und trotzdem ist der Film selbst so manch billigem Teil von heute einiges voraus. Ōbayashi lässt auf jeden Fall die Sau heraus und inszeniert wild drauf los. Teilweise ist das alles bodenständig gefilmt und dann kommen wilde Schnitt-Techniken zustande. Hier und da werden Bilder in andere Hintergründe eingefügt, es kommt sogar mal zu kleinen Zeichentrick-Einlagen und im Endeffekt wurden manche Effekte auch mit Zeichentrick realisiert. Das ist alles ziemlich simpel gemacht, aber zeitgleich dermaßen experimentell, dass man als normaler Zuschauer nicht schlecht staunt. Nebenbei wurde das aber mit einer gewissen Stilsicherheit realisiert und wenn dann im Finale alles immer hektischer und wilder wird, kann man nicht anders, als irgendwie fasziniert zu sein.
 
 
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Der eigentlichen Handlung kann man dabei schon bald nicht mehr folgen, aber sie spielt auch eigentlich gar keine echte Rolle. Es gibt zwar eine kleine Schlusspointe, doch am ehesten ist das Drehbuch hier Mittel zum Zweck. Der Zweck besteht darin möglichst abgefahren zu agieren und dabei entsteht dann eine gewisse surreale Atmosphäre. Nichts daran kann der Zuschauer so richtig ernst nehmen und trotzdem stellt „Hausu“ nicht unbedingt eine Horrorkomödie dar. Gruselig oder unheimlich ist das allerdings auch überhaupt nicht. Brutal wird es ebenfalls nicht, doch das ist hier nicht wichtig. Die höchst schrullig gestalteten Effekte alleine sind eine Sichtung wert. Man kann diese nicht zwangsläufig als gut bezeichnen, doch sie sind so liebevoll von Hand gemacht, dass man sie gar nicht als schlecht beurteilen mag. Es entsteht auf jeden Fall eine sehr eigenwillige Stimmung, die fernab von Spannung besteht. Dazu gewinnt man gar nicht genug Draht zu den Charakteren. Diese sind alle einfach so da, bekommen so gut wie keinerlei Hintergrund, wirken weder sympathisch noch unsympathisch. In „Hausu“ spielen solche Dinge keine Rolle. Das Geschehen funktioniert auch so.
 
 
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Dementsprechend gibt es hier eigentlich auch keine Darstellerleistungen, die man ansprechen müsste/könnte. Die meisten Schauspieler kamen sowieso nicht aus der Filmbranche, doch selbst bei billigeren Werken können die Japaner meist mit soliden Leistungen dienen. Dem ist auch in „Hausu“ so. Alles zweckdienlich gespielt, niemals nervig, immer brauchbar, ohne in Erinnerung bleiben zu können. Die skurrile Machart ist hier der Star und teilweise fühlt man sich schon fast etwas mehr an einen Anime, als an einen Horrorfilm erinnert. Technisch ist das aber alles sauber umgesetzt worden und der Score ist zudem ebenfalls nicht schlecht. Nur schade, dass man ständig lesen muss, denn ohne Untertitel geht es für nicht Japanisch-Könner nicht. Scheinbar wurde „Hausu“ bis heute niemals ins Deutsche übersetzt.
 
 
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HAUSU – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Hausu“ lässt sich schon als abgefahren bezeichnen. Regisseur Ōbayashi liefert hier ein Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und skurrilen Effekten ab. Dass die Story dabei so gut wie keine Rolle spielt, die Charaktere gänzlich austauschbar bleiben und von den Darstellern nicht sonderlich viel verlangt wird, verzeiht man als Zuschauer gerne, denn die knapp 90 Minuten Laufzeit vergehen dank der vielen Einfälle echt kurzweilig und nebenbei wurde das Ganze doch recht hochwertig inszeniert. Die Atmosphäre ist zwar niemals richtig unheimlich, dafür aber relativ amüsant und in manchen Szenen kommt eine surreale, fast schon psychedelische Stimmung auf, die begeistern kann. Das fängt noch halbwegs bodenständig an, wird aber spätestens im Finale zu einem echten Trip. Von daher hat sich „Hausu“ seinen Kultstatus schon irgendwie verdient und wer es gerne experimentell, unkonventionell und speziell hat, sollte sich dieses eigenwillige Werk nicht entgehen lassen. Seltsam, aber gut!
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Zensur

 
 
 
Auf dem Cover des Digipacks von „Hausu“ prankt ein FSK16-Logo. Die enthaltene Fassung ist ungeschnitten. Fans asiatischer Genreware können bedenkenlos zugreifen. Aber Achtung: Auf der Scheibe befindet sich der Originalfilm mit deutschen Untertiteln. Eine deutsche Synchronisation wurde „Hausu“ vorenthalten.
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hausu; Japan 1977

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Japanisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.33:1

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack im Schuber

Extras: Interviews (ca. 18 Min.), Trailer

Release-Termin: 16.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Rapid Eye Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Schreckenshaus des Dr. Rasanoff (1960)
 
Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)
 
Der phantastische Planet (1973)
 

Filmkritik: „Beach Bum“ (2019)

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BEACH BUM

Story

 
 
 

In „Beach Bum“ muss ein dauerbekiffter Poet plötzlich etwas für seinen Lebensunterhalt tun, was für ihn zum Problem wird.

 
 
 


 
 
 

BEACH BUM – Kritik

 
 
 
Seit seinem ziemlich wilden und durchgeknallten Trip „Spring Breakers“, mit dem Indie-Regisseur Harmony Korine alle ziemlich begeistern konnte, sind auch schon wieder knapp sieben Jahre vergangen. Der Nachfolger hört auf den Namen „Beach Bum“ und widmet sich erneut nicht zu gering dem Drogenkonsum. Irgendwo zwischen Satire und Stoner-Movie bekommt man hier am ehesten lockere Unterhaltung geboten. Ohne echte Substanz, aber ziemlich kurzweilig.
 
 
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Moondog ist ein Poet, der vor zig Jahren mal erfolgreich war. Nun gibt er sich allerdings nur noch dem Drogenkonsum hin und lebt jeden Tag so, als könnte es sein letzter sein. Das kann sich Moondog allerdings auch leisten, denn er hat eine stinkreiche Frau und braucht sich um das Finanzielle keine Sorgen zu machen. Das ändert sich erst, als seine Frau stirbt und er nicht so einfach an das Erbe herankann. In ihrem Testament stellt sie nämlich die Forderung, dass Moondog ein weiteres Buch veröffentlichen muss. Erst danach darf er sein Erbe bekommen. Bis es soweit ist, vergeht allerdings ziemlich viel Zeit. Fast die gesamte erste Hälfte kommt ohne eine Struktur aus. Hier wird einfach ein Exzess an den anderen gereiht. Es wird gesoffen, gekifft, gevögelt und einfach Spaß gehabt. Verkehrt ist das nicht, aber man hätte dies auch etwas abkürzen dürfen. Ein roter Faden gesellt sich erst spät mit hinzu und da ist dann gar nicht mehr so viel Laufzeit übrig. Allerdings geht es „Beach Bum“ vordergründig sowieso um keine Dramaturgie.
 
 
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Wer Harmony Korine kennt, wird wissen, dass sozialkritische Töne und das Drama bei ihm eigentlich nie fehlen, aber bei diesem Film bekommt man davon fast nichts mit. Dafür ist das alles zu leicht konsumierbar. Geldprobleme sind sowieso nicht vorhanden und jeder kommt über seine Runden. Sicherlich lassen sich manche Momente als Satire wahrnehmen und da kommt die Welt der Reichen ganz und gar nicht gut weg, doch gerade weil man die Geschichte eigentlich nie richtig ernst nehmen kann, verliert die Satire an Wirkung. So ist „Beach Bum“ am ehesten ein lockeres Stoner-Movie, welches es mit der Moral nicht so eng sieht. Auf der einen Seite ist das fast kindlich-naiv und dann wird trotzdem plötzlich ein Passant angegriffen und ausgeraubt. Nicht alles daran wird man gut finden können und trotzdem verkauft der Film diesen Moondog als den größten Sympathisanten auf der gesamten Welt. Wer das nicht kauft, kann daran kaum Gefallen finden.
 
 
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So ambivalent die Figur des Moondogs eigentlich auch ist und so verachtenswert manche seiner Handlungen sein mögen, es liegt vor allen Dingen an Matthew McConaughey, dass der Zuschauer ihm niemals so richtig böse sein möchte. McConaughey gibt sich größte Mühe und spielt den dauerbekifften Trunkenbold absolut authentisch. Seine Leistung ist zwar manchmal schon fast etwas anstrengend, weil er eben gar nicht normal spielen darf, aber irgendwie macht sie auch Spaß. Daneben wird ein episodenhafter Aufbau der Handlung noch durch einige Gast-Auftritte unterstrichen. So gibt es hinterher einen soliden Zac Efron zu sehen und Martin Lawrence, der schon Jahre in keinem Kinofilm mehr aufgetreten ist, kann ebenfalls vollkommen überzeugen. Am Anfang und am Ende spielt Snoop Dogg eine größere Rolle, was natürlich äußerst passend ist und von Jonah Hill hätte es gerne etwas mehr zu sehen geben dürfen, denn der bleibt doch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Auf jeden Fall sind die Darsteller alle mit Spaß an der Sache mit dabei.
 
 
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Wo das Drehbuch so seine Probleme hat, kann die Inszenierung richtig überzeugen. „Beach Bum“ sieht sehr schick aus und Korine entwirft schon fantastische Szenen. Es darf dabei gerne mal übertriebener zur Sache gehen, aber zum Glück wird es selten zu albern. Man bekommt einen langen Trip geboten, der passend bebildert wurde. Zwar ist das nicht so verspielt, wie „Spring Breakers“, aber verrückt genug ist das immer noch. Besonders im weiteren Verlauf überraschen ein paar absurde Szenen immer mal wieder. Hinzu gesellt sich ein starker Soundtrack, der hier eine große Rolle spielt. Ständig sind die verschiedensten Songs zu hören und sie verstärken die Stimmung. Diese bewegt sich fast ausschließlich im Feel-Good-Bereich, was an sich gut ist, denn der Film will eben Spaß machen. Hier und da hätten aber ruhig ein paar ernstere Momente und gerne auch etwas mehr Drama einfließen dürfen, denn das hätte den Spaß nachhaltiger gemacht. An Tiefe mangelt es dem Werk und eine echte Message steckt auch nicht wirklich dahinter. Somit gibt es gute 90 Minuten belanglose, dafür aber recht spaßige Unterhaltung.
 
 
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BEACH BUM – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Beach Bum“ wird das Publikum spalten, denn nicht jeder wird mit der Figur des Moondog etwas anfangen können. Das ist jedoch wichtig, denn wenn hier keine Sympathien entstehen, wird man daran keinen Spaß haben können. Leider ist die Story etwas schwach, denn zunächst besitzt sie nahezu keine Struktur und auch hinterher wird da eigentlich kaum etwas erzählt. Die Satire ist belanglos, aber dafür sorgt der Drogenkonsum für genügend verrückte Szenen, so dass zumindest Freunde des Stoner-Movies amüsiert sein sollten. Besonders die gut aufgelegten Darsteller und die sehr schöne Optik besitzen einen echten Mehrwert. Außerdem gibt es einen tollen Soundtrack zu hören. Das reicht nicht unbedingt für einen sehr guten Film aus, aber wenn man mit den richtigen Erwartungen an „Beach Bum“ geht, bekommt man schon vergnügliche Unterhaltung spendiert!
 
 
 


 
 
 

BEACH BUM – Zensur

 
 
 
„Beach Bum“ ist eine Komödie. Wegen Drogen-Inhalten hat diese von der FSK aber eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

BEACH BUM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Beach Bum; Frankreich | Großbritannien | Schweiz | USA 2019

Genre: Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Interviews (ca. 18 Min.), Trailer

Release-Termin: 01.08.2019

 

Beach Bum [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BEACH BUM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Spring Breakers (2012)
 
Cheech & Chongs heiße Träume (1981)
 
Cheech & Chong im Dauerstress (1982)
 
Harold & Kumar (2004)
 

Filmkritik: „Friedhof der Kuscheltiere“ (2019)

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FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – REMAKE | PET SEMATARY

Story

 
 
 
Im Remake zu Stephen Kings Klassiker „Friedhof der Kuscheltiere“ muss ein Familienvater feststellen, dass der Tod manchmal besser ist, als etwas Böses zu erwecken.

 
 
 


 
 
 

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – Kritik

 
 
 
Seit den 70er Jahren ist der Horror-Stoff von Stephen King nicht nur in Romanform, sondern auch als Film sehr beliebt. Geändert hat sich daran innerhalb der letzten Jahrzehnte eigentlich kaum etwas, aber gerade nach dem Boom des Remakes von „Es“ werden nun viele alte Verfilmungen von King-Stoffen wieder auferleben. „Friedhof der Kuscheltiere“ ist eine davon. Das Original ist Kult und lebt von einer mächtigen Atmosphäre, die man eigentlich gar nicht kopieren kann. Es galt zu befürchten, dass sich diese Neuauflage im billigen Horror verliert, doch so schlimm ist es zum Glück nicht geworden. Kennt man das Original, hat man es hier mit einem ganz passablen Werk zu tun, kennt man es nicht, kann man sogar von einem relativ guten Film sprechen.
 
 
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Familie Creed zieht aus der Großstadt in ein kleines Örtchen, fernab vom großen Trubel. Auf dem Land ist es friedlich und einen netten Nachbarn hat man auch gleich noch dazu. Allerdings trügt der Schein und als eines Tages der Kater stirbt, soll der Horror so langsam seinen Lauf nehmen. Auf dem Grundstück der Creeds liegt ein versteckter Tierfriedhof im Wald. Mit diesem hat es aber scheinbar mehr auf sich, als man denken kann, denn der Friedhof ist weitläufig und birgt einen dunklen Fluch. Als der tote Kater dort begraben wurde, hat Vater Creed das Schicksal seiner Familie bereits beschlossen, ohne es auch nur zu ahnen.
 
 
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Mit Remakes ist das immer so eine Sache, denn nicht selten besitzen sie einfach wenig Daseinsberechtigung. Mittlerweile sind allerdings 30 Jahre seit dem Original vergangen und gegen eine Auffrischung des altmodischen, aber zeitlosen Stoffes gibt es überhaupt nichts einzuwenden. In der ersten Hälfte wirkt „Friedhof der Kuscheltiere“ dann nahezu wie eine 1:1 Kopie des Originals, bei dem immerhin sogar Stephen King selbst das Drehbuch schrieb. Wahrscheinlich bewegte sich auch gerade deshalb der Film von 1989 ziemlich nah am Roman. In der zweiten Hälfte häufen sich dann aber die Änderungen und das wird dann mit der Zeit schon ziemlich immens, so dass es sogar ein komplett anderes Ende zu sehen gibt. Wenn man offen dafür ist, dann sind manche Veränderungen eigentlich gar nicht mal so schlecht und dennoch rauben sie dem Werk etwas Atmosphäre. Das Ende ist an sich immer noch richtig schön unhappy und trotzdem besitzt es nicht diese finstere Tragik des Originals. Wem dieses Ende nicht schmeckt, der kann jedoch noch auf einen alternativen Schluss zugreifen, welcher insgesamt etwas stimmiger, etwas düsterer und auch etwas tragischer wirkt, wobei das Ende vom Original in beiden Fällen nicht erreicht wird. Immerhin kann man behaupten, dass sich die Drehbuchautoren Gedanken gemacht haben und nicht stumpf kopieren, aber alles in einem ist die Story im Roman und auch in der ersten Verfilmung stimmiger und düsterer.
 
 
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Ein kleiner Vorteil von „Friedhof der Kuscheltiere“ ist Anno 2019 eine leicht bessere Besetzung. Jason Clarke macht seine Sache nämlich schon sehr ordentlich und kann vollkommen überzeugen. Hinzu gesellt sich ein John Lithgow, mit dem man einfach nichts verkehrt machen kann und der auch bestens in diese Rolle passt. Amy Seimetz muss zwar den eher nervigen Part übernehmen, macht das jedoch solide und Jeté Laurence wird dann im weiteren Verlauf immer facettenreicher, was man anfangs noch nicht ahnen kann. Für ihr Alter ist das eine durchaus brauchbare Leistung. Die Charaktere wurden nicht großartig verändert und behalten auch ihre Hintergründe. An manchen Stellen wurde dieser etwas ausgebaut, an anderen aber auch etwas reduziert. Im Endeffekt nimmt sich das nichts und hier bleibt man dem Geist der Vorlagen doch relativ treu.
 
 
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Lobenswert ist an dieser Neuauflage auf jeden Fall, dass sich „Friedhof der Kuscheltiere“ nicht dem Trend der billigen Jump-Scares hingibt und sich, so wie das Original auch, der Atmosphäre widmet. Das Szenario wird langsam und ruhig aufgebaut und in der ersten Hälfte kommt das noch ohne den großen Horror aus. Danach häufen sich die Änderungen, was das Schauen zumindest interessanter macht, wenn man das Original schon gut kennt und zum Ende hin muss es dann obligatorisch noch etwas mehr zur Sache gehen, aber Action gibt es dennoch nur sehr wenig und plumpe Schockeffekte sucht man vergebens. Die Stimmung ist durchaus finster und wird niemals auch nur ansatzweise mit Humor aufgelockert. Nur so richtig gruselig oder unheimlich will das Ganze leider nur selten werden. Hier hat der Film von 1989 definitiv die Nase vorn. Dabei gibt es durchaus stimmungsvolle Bilder zu sehen. Allgemein ist die Optik hervorragend und ein paar Schauwerte sind vorhanden. Gewalt spielt dabei keine so große Rolle, wobei es zwei Szenen schon relativ in sich haben und die Effekte sehen sehr gelungen aus. Zum Schluss soll noch erwähnt werden, dass es eine schöne Entscheidung war, beim Abspann ein Cover zu Ramones‘ „Pet Sematary“ zu spielen, denn das war schon damals beim Original toll.
 
 


 
 
 

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Friedhof der Kuscheltiere“ von 2019 ist eine etwas modernere, hinterher schon recht stark abgeänderte Variante des Klassiker-Romans von Stephen King, die den Fokus lobenswerterweise stark in Richtung Atmosphäre lenkt. Deshalb ist es fast schon bedauerlich, dass die Horror-Stimmung nie so ganz wirken möchte, obwohl man alles so düster und ohne Freude gehalten hat. Die ganzen Veränderungen im Verlauf der Geschichte sind daran aber sicher nicht gänzlich unschuldig. Dafür gibt es ordentliche Darsteller zu sehen und die Inszenierung ist auf jeden Fall gelungen. In der ersten Hälfte erinnert das oftmals an das Original und es lädt geradezu dazu ein, sich dieses mal wieder anzuschauen, in der zweiten Hälfte wird das eigenständiger und leider auch etwas konventioneller. Ein guter Versuch, der nicht langweilt und mit Qualität dienen kann, doch der Film von 1989 wird nicht erreicht und der Roman sowieso nicht!
 
 
 


 
 
 

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – Zensur

 
 
 
„Friedhof der Kuscheltiere“ ist nicht sehr brutal. Es gibt ein entstelltes Gesicht zu sehen. Ansonsten werden die Gewaltszenen zum großen Teil im Off zelebriert. Hierzulande ist der Streifen ungeschnitten ab FSK16. Die Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Paramount Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pet Sematary; USA | Kanada 2019

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch Dolby Atmos, Englisch Dolby TrueHD 7.1, Französisch DD 5.1, Kanadisches Französisch DD 5.1, Italienisch DD 5.1, Brasilianisches Portugiesisch DD 5.1, Spanisch DD 5.1, Lateinamerikanisches Spanisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch für Hörgeschädigte, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Brasilianisches Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: All-New Alternate Ending, 7 Deleted/EXTENDED Scenes, Night Terrors, Family Haunting Visions

Release-Termin: 15.08.2019

 

Friedhof der Kuscheltiere – Remake [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Paramount Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Friedhof der Kuscheltiere (1989)
 
Friedhof der Kuscheltiere 2 (1992)
 
Kinder des Zorns 4 – Mörderischer Kult (1996)
 
Cujo (1983)
 

Filmkritik: „Wir“ (2019)

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WIR

(US)

Story

 
 
 
Eine Familie sieht sich plötzlich mit ihren Doppelgängern konfrontiert und diese kommen nicht in friedlicher Absicht.

 
 
 


 
 
 

WIR – Kritik

 
 
 
Mit seinem Regiedebüt „Get Out“ konnte Jordan Peele einen echten Überraschungshit liefern, der sowohl beim Publikum, wie auch bei den Kritikern bestens ankam. Der zweite Film nach so einem überragenden Erfolg ist natürlich nicht leicht, denn auf der einen Seite sollte man sich nicht zu sehr wiederholen, auf der anderen Seite muss man gewisse Erwartungshaltungen erfüllen. „Wir“ ist definitiv ganz anders, als „Get Out“. Er ist gut, teilweise sogar sehr gut, im Endeffekt jedoch nicht so clever, wie Peele’s Debüt.
 
 
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Familie Wilson macht Ferien nahe am Strand. Der Mann und die Kinder wollen diesen gerne besuchen und dort auf den Jahrmarkt gehen, aber Mutter Adelaide hat etwas dagegen. Das hängt mit einem Ereignis aus ihrer Kindheit zusammen, denn schon damals befand sie sich auf dem Jahrmarkt und in einer Art Geisterbahn machte Adelaide eine schockierende Begegnung mit einem Doppelgänger. Doch das ist lange her und seitdem ist nichts Schlimmes mehr geschehen, also besucht Familie Wilson den Strand doch. Als sie dann wieder nach Hause kommen, darf das Horrorszenario allerdings starten, denn plötzlich stehen die Doppelgänger vor der Tür.
 
 
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Jordan Peele, der das Drehbuch natürlich erneut selbst schrieb, wirft viele Zutaten in einen Topf. Da hätten wir anfangs etwas Mystery, dann kurzzeitig Home-Invasion-Elemente, ehe sich das Szenario schon fast in eine Zombie-Thematik verwandelt. Daneben gibt es religiöse Motive, ein paar kleinere Verschwörungstheorie-Happen und am Ende eben sehr viele Doppelgänger-Zutaten. In seinem Debüt spielte der Regisseur noch viel mit Rassismus; davon ist in „Wir“ gar nichts vorhanden, doch das ist gut so, denn so wiederholt sich Peele nicht. Die Story ist im Kern relativ simpel, wird aber ordentlich genutzt und wirkt gerade deshalb so interessant, weil der Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen muss. Irgendwann kann man sich denken, was gespielt wird, denn dafür sind die Hinweise dann doch zu offensichtlich. Alles endet jedoch mit einem Knall, denn zum Schluss baut Peele noch einen Twist ein, auf den man eigentlich kommen könnte, der aber dennoch überraschen kann. So richtig logisch will das alles zwar im Rückblick nicht sein und gewisse Interpretationsfreiräume bleiben definitiv vorhanden, doch insgesamt betrachtet, bietet „Wir“ ein gelungenes Drehbuch, welches letztendlich nur ab und zu etwas am eigenen Anspruch scheitert.
 
 
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Da gibt es nämlich eine große gesellschaftskritische Komponente, die Peele mal unterschwellig, mal sehr offensichtlich ausfährt. Der Spruch „Wir sind Amerikaner“ ist sicherlich nicht einfach nur als Gag gedacht und besonders am Ende bemerkt man, wie groß „Wir“ gerne sein möchte. Leider erreicht er dieses Ziel nicht voll und ganz, denn dafür werden einfach zu wenige Hintergründe geliefert und als Horrorfilm verliert er deshalb etwas an Wirkung. Das Spiel mit den eigenen Ängsten, das sich aus der Spiegelbild-Thematik ergibt, verleiht der Story allerdings zusätzlichen Reiz. Die Idee ist ja nicht komplett neu, doch alleine der Gedanke, man wäre plötzlich selbst sein Feind, ist unheimlich. Und in Wirklichkeit ist es ja manchmal genau so. Deshalb kann „Wir“ dies auch als Metapher nutzen. Dieser Aspekt wird dann im Endeffekt jedoch nicht komplett ausgefahren, denn eine echte Schattenseite, vor der Familie „Wilson“ sich fürchten würde, scheint es nicht zu geben. Und so akzeptieren sie ihre Doppelgänger-Gegner auch schnell als Feinde, ohne dass die eigenen Urängste lange eine Rolle spielen würden.
 
 
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Die Darsteller machen ihre Sache allesamt hervorragend. Lupita Nyong’o spielt das beeindruckend und Winston Duke ist einfach nur sympathisch. Shahadi Wright-Joseph überzeugt besonders in ihrer zweiten Rolle und Evan Alex hinkt zwar etwas hinterher, geht aber ebenfalls vollkommen in Ordnung. Die Darsteller sind dann ja sogar in Doppelrollen zu sehen und gerade hier bemerkt man, dass sie ein facettenreiches Spiel beherrschen. Nebenrollen gibt es eher weniger zu sehen und das unsympathische, weiße Paar hätte es da auch gar nicht zwangsläufig gebraucht. Die Figurenzeichnung bleibt relativ simpel, doch Familie Wilson wird sympathisch dargestellt und man kann mit diesen Protagonisten durchaus mitfiebern.
 
 
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Die Inszenierung überzeugt und Jordan Peele hat hier wieder sehr gute Arbeit abgeliefert. Dabei wirkt „Wir“ gar nicht mal sonderlich aufwendiger, als „Get Out“, was allerdings sympathisch ist. Peele arbeitet gerne mit Symbolik und so steht hier die Farbe rot im Vordergrund, aber auch mit dem Spiegelbild wird ab und zu gerne mal gespielt. Es gibt schon ein paar tolle Bilder zu sehen und die Kameraarbeit verdient da ein extra Lob, weil „Wir“ optisch einfach eine sehr schicke Angelegenheit geworden ist. Die Atmosphäre hingegen ist etwas zwiespältig zu betrachten, denn obwohl der Film gerne ernsten Horror bieten will, was er durchaus auch tut, so bemerkt man Peele seine Wurzeln der Komödie immer mal wieder an. So ganz ernst kann er dann scheinbar doch nicht bleiben. Das sorgt zwar für amüsante Momente, steht aber auch etwas zu sehr im Kontrast zur ernsten Horrorschiene. Trotzdem ist das Treiben oftmals recht packend und manchmal intensiv. Auf jeden Fall vergehen die zwei Stunden Laufzeit ohne größere Längen und das obwohl das Tempo oftmals gerne etwas reduzierter ist. Bis es mal richtig los geht, vergeht einige Zeit und in der zweiten Hälfte gibt es auch kleinere Pausen. Das alles dient hier jedoch dem Stimmungsaufbau und deshalb stört das überhaupt nicht. Viel Gewalt oder viele Effekte gibt es hier übrigens nicht zu sehen – Die braucht es aber auch nicht. Zum Ende kann man noch den durchaus gelungenen Score loben, denn dieser begleitet das Geschehen immer schön atmosphärisch.
 
 


 
 
 

WIR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Wir“ ist ein ordentlicher, zweiter Film von Jordan Peele, der hier erneut beweist, dass mit ihm als Horror-Regisseur in Zukunft noch zu rechnen ist, selbst wenn er an seinen großen Erfolg „Get Out“ nicht ganz anknüpfen kann. Dafür ist die Handlung teilweise etwas zu überladen. Das Drehbuch will von allem etwas, kann überraschen und ist durchaus gut geschrieben, macht aber auch nicht immer den größten Sinn und verliert teilweise etwas an Zugkraft. Außerdem kommt hier zwar beklemmender Horror auf, doch dieses Mal hätte man auf ein wenig Humor vielleicht besser verzichtet, denn es fällt teilweise nicht leicht „Wir“ absolut ernst zu nehmen. Das sind alles kleinere Schönheitsfehler, die nichts am ordentlichen Unterhaltungswert und den wirklich starken Darstellerleistungen ändern. Am Ende ist das immer noch clever genug, um als leicht anspruchsvoller Horror durchzugehen und wer starke Bilder zu schätzen weiß, wird sowieso genügend bedient. Ein guter Film!
 
 
 


 
 
 

WIR – Zensur

 
 
 
„Wir“ – der im Original „US“ heißt, ist nicht sonderlich zeigefreudig in Sachen Gewalt. Im Kino war der Streifen bereits ungeschnitten FSK16. Auf DVD und Blu-ray ist das nicht anders. Auf beiden Heimkinomedien befindet sich der blaue FSK-Flatschen. Auch diese Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: US; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Türkisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Türkisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 116 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Die Monster in uns, Miteinander verbunden: Der Doppeldreh, Unveröffentlichte Szenen, Jordan Peeles ganz eigene Art von Horror, Die Dualität von „Wir“, Eins werden mit Red, Jeder stirbt, Wie oben – so unten: Grand Pas de deux

Release-Termin: 25.07.2019

 

Wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

WIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enemy (2013)
 
The Double (2013)
 
Cam (2018)
 

Filmkritik: „Ashes“ (2018)

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ASHES

Story

 
 
 

Nach dem Tod der Tante scheint es im Leben einer großen Familie drunter und drüber zu gehen. Da passieren plötzlich mysteriöse Dinge, die die Angehörigen um den Verstand bringen.

 
 
 


 
 
 

ASHES – Kritik

 
 
 
Der Amerikaner BARRY JAY liebt Horror. Der gründete 1998 ein Fitnessunternehmen, das bis heute weltweit mehrere Filialen besitzt und ordentlich Geld auf das Bankkonto des Geschäftsmanns spült. Ein Segen für den selbsternannten Horrorfilmfan, der schon als Kind eine Leidenschaft fürs Genre entwickelte. Mittlerweile sind Träume Realtität. Durch die Einnahmen kann der erfolgreiche Tausendsassa nämlich sein Hobby finanzieren. Dazu gehören das Schreiben und Produzieren von Horrorfilmen. So entstand bereits Brauchbares. Zuletzt der Fanfilm NEVER HIKE ALONE für den BARRY JAY das Budget beisteuerte und der als liebevolle Hommage an die beliebte FREITAG DER 13.-Filmreihe sogar Preise abstauben konnte. Doch das Finanzieren von Filmen allein reicht dem ambitionierten Cineasten schon lange nicht mehr. Der probiert sich seit einiger Zeit auch im Führen von Regie aus. ASHES gehört zu einer dieser Regiearbeiten, die mehr kann, als das billige Poster verspricht.
 
 
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Eigentlich ist die Familie in ASHES ein ganz heiterer Haufen. Drei Generationen leben hier unter einem Dach, kommen sich aber so gut wie nie in die Quere. Das ändert sich schon bald, denn ein Schicksalsschlag zieht schnell weite Kreise. Tante Marion (MELINDA DEKAY) stirbt ganz unverhofft – doch so keiner ist wirklich traurig darüber. Ganz unbegründet ist das natürlich nicht. Zu Lebzeiten war die alte Frau mit ihren Marotten eher Ballast und mauserte sich schnell zum Gespött der Familie. Umso verständlicher die Tatsache, dass nun keiner weiß, was mit der Asche der Verstorbenen gemacht werden soll. Vergraben will man die Überreste nicht und auch im Haus will sich partout kein Platz dafür finden. Da passieren bald seltsame Dinge. Die Großmutter erleidet einen Schlaganfall, die älteste Tochter verliert das ungeborene Kind und auch Mutter Ellyn leidet unter Albträumen. Da fällt der Verdacht bald auf höhere Mächte. Schnell ist man überzeugt davon, dass sich offenbar die verstorbene Tante aus dem Jenseits für die vielen Schandtaten rächen möchte, die ihr die Familienmitglieder einst angetan haben. Ein Hexenbrett soll die Bestätigung liefern. Doch wie so oft im Horrorfilm kommt alles ganz anders.
 
 
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Eine schrecklich nette Familie. Könnte man meinen, wenn man die ersten 30 Minuten von ASHES verfolgt. Darin bekommt man sympathische und teils durchgeknallte Persönlichkeiten vor die Linse, von denen man meinen könnte sie schon eine Ewigkeit zu kennen. Die sprechen in Interviews über paranormalen Erfahrungen und nehmen die Sache spaßig. Doch denen vergeht schon bald das Lachen. Aus ALLE UNTER EINEM DACH wird plötzlich PARANORMAL ACTIVITY und der Ton ändert sich schlagartig. Was als schwarze Komödie beginnt, entwickelt sich abrupt zum spaßfreien Horrorszenario. Spuk, Besessenheit und jede Menge Tohuwabohu – ASHES gehört wohl zu den eigensinnigsten Horrortrips der aktuellen Saison, weil man einen solch unvorbereiteten Richtungswechsel nicht kommen gesehen hat. Für günstigen Videomarkt-Horror ungewöhnlich experimentell und mutig.
 
 
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Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY holt alles aus dem mageren Budget von knapp $200,000 heraus. Die Schauspieler agieren für eine Low-Budget-Produktion bemerkenswert souverän und auch in Sachen Dramaturgie tut sich was. Aus einer kleinen, beinahe schon trivialen Geschichte entwickelt sich ultimativer Horror, der sich kontinuierlich steigert und in einem lauten Effektgewitter endet. Dabei versucht der Filmemacher Hintergründe möglichst lang zu verschleiern. Was hat es mit den seltsamen Vorkommnissen auf sich? Gibt es plausible Erklärungen oder steckt hinter dem ganzen Gruselschabernack vielleicht doch eine übernatürliche Präsenz. ASHES macht seine Sache gut und liefert brauchbaren Schauer, der übrigens von wahren Ereignissen inspiriert wurde.
 
 
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Nun ja, ganz so reißerisch wie im Film hat sich alles natürlich nicht zugetragen. Vielmehr erklärte Drehbuchautor und Regisseur BARRY JAY, dass der Tod seiner Tante Marion die Idee für ASHES geliefert hat. Wie im Film kam der Tod der Familienangehörigen ganz überraschend. Die Schwester des Filmemachers war die nächste Verwandte, bekam die Asche ausgehändigt – konnte aber mit den Überresten nichts anfangen, weil sie zu der Tante keine enge Verbindung hatte. Demzufolge versteckte sie die Asche in einer Kommode. Es folgten seltsame Ereignisse, die aber weitaus harmloser waren, als im Film geschildert. Offenbar beflügelten diese die Fantasie des Regisseurs. Letzterer setzte sich an einen Tisch und schrieb die Geschichte zu ASHES. Dabei ließ er sich von seinen Lieblingsfilmen DRAG ME TO HELL und EVIL DEAD inspirieren. Von letztem hagelt es Verweise im Film. So sehen wir immer wieder ähnliche Kamerafahrten wie im Kult-Horror aus der Mache von SAM RAIMI. Der damals noch unbekannte Filmemacher baute irre Kamerafahrten in seine Splatter-Orgie ein, die bis heute viele Nachahmer gefunden haben. So dürfte es wohl so einige Dämonenfilme geben, die nicht mindestens über jene kurze Szene verfügen, in der ein Dämon in Egoansicht durch Hütten oder Wälder saust. ASHES zumindest kopiert fleißig, verleugnet aber nicht die Leidenschaft seines Machers zum Horror-Genre. Eine ehrliche und ambitionierte Regiearbeit.
 
 
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ASHES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein wilder Mix aus Mockumentary, schwarzer Komödie und Hexenbrett-Horror. Der Produzent des Jason-Voorhees-Fanfilms NEVER HIKE ALONE dreht nun selbst Filme. Herausgekommen ist ASHES – ein unabhängiger Schauertrip, der wilde Wendungen und makabere Späße in petto hat. ASHES zeigt, wie das Verhältnis einer Familie durch mysteriöse Ereignisse auf eine Probe gestellt wird. Das Gebotene ist zwar nicht frei von Fehlern und hat ab und an Längen. Dafür entschädigen gute Schauspieler und ein effektreiches Finale. Wer auf Geisterkram mit Besessenheitsunsinn steht, dürfte an ASHES Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Zensur

 
 
 
ASHES hat kaum Gewaltszenen zu bieten. Eine Figur schneidet sich die Pulsadern in der Badewanne auf. Ansonsten spielt sich gewalttechnisch alles eher im Hintergrund ab. ASHES legt Wert auf subtilen Schauer. Ein Grund, der dem Filme eine FSK16 bescheren könnte – insofern der Streifen in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

ASHES – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Killer Therapy)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Ouija Experiment (2011)
 
I am ZoZo (2012)
 
The Midnight Game (2013)
 

Filmkritik: „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ (1999)

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ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT

(STIR OF ECHOES)

Story

 
 
 

Nachdem ein Familienvater sich hypnotisieren ließ, wurde eine Tür in ihm geöffnet und nun wird er von Visionen geplagt, die mit einem schrecklichen Ereignis zusammenhängen.

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Kritik

 
 
 
1999 gab es gleich zwei richtig starke Geisterhorrorfilme. Doch während „The Sixth Sense“ ein ungemeiner Erfolg wurde, konnte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ sich nicht zum Kultfilm entwickeln. Das ist eigentlich unberechtigt, bekommt man hier doch einen wirklich guten Film geboten, der nicht zum Spuk-Einheitsbrei gehört.
 
 
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Familie Witzky lebt ein zufriedenes Leben. Eines Abends lässt sich Vater Tom auf einer Party zum Spaß hypnotisieren, doch etwas geht dabei schief. Plötzlich wird Tom von Visionen und Erscheinungen geplagt. Noch beunruhigender ist jedoch, dass selbst der kleine Sohn scheinbar Dinge sieht, was für ihn aber normal erscheint. Umso länger die Visionen von Tom andauern, desto mehr steigert er sich in einen Wahn hinein, denn er will unbedingt wissen, was hier Sache ist.
Das Drehbuch basiert auf einem Roman und erzählt eine ganz normale Geistergeschichte. Nichts an „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist besonders kreativ oder originell. Dafür funktioniert die Story aber ausgesprochen gut, denn sie ergibt einen Sinn, wird schlüssig aufgelöst und lässt den Zuschauer schön miträtseln. Es gibt nämlich immer wieder Anhaltspunkte, um darauf zu kommen, was hier gespielt wird und da braucht es am Ende gar keinen großen „Wow“-Effekt, um überzeugen zu können. Die kleinen Details werden schön eingebaut und am Ende ist das einfach ein Drehbuch, welches von vorne bis hinten bestens funktioniert.
 
 
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Es liegt allerdings besonders an Kevin Bacon, dass „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ so gut funktioniert, denn der liefert hier sehr gut ab. Bacon stellt seinen Wahn ideal dar, bleibt dabei jedoch stets sympathisch und manche Szenen sind schon sehr intensiv gespielt. Doch auch Kathryn Erbe macht als seine Film-Ehefrau eine durchaus gute Figur. Sogar der kleine Zachary David Cope ist für sein Alter echt gut und spielt das niemals nervig. In Nebenrollen überzeugen Illeana Douglas und Kevin Dunn. Die Besetzung nimmt die gute Figurenzeichnung dankend an, denn in diesem Film gibt es nicht zu viele Klischees. So ist es schön, dass Tom trotz seines Wahns niemals gewalttätig wird und Maggie sich der Sache nicht komplett verschließt. Die Charaktere handeln glaubwürdig und das macht ein Mitfiebern für den Zuschauer erst so gut möglich. Eine gute Entscheidung war es auch, dass Jake als kleines Kind zwar mit eingebaut wurde, der Fokus jedoch nicht so sehr auf ihm liegt. Wenn es dann zur Auflösung kommt, kann man die Figuren noch immer halbwegs nachvollziehen und das ist erfreulich.
 
 
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Daneben lebt „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ aber auch von der durchaus passenden Inszenierung. Hier wird nicht so viel Wert auf Schockeffekte gelegt, selbst wenn man sich ab und zu mal erschrecken kann. Die Atmosphäre, welche aufgebaut wird, hat es in sich, denn obwohl es niemals zu nervenzerreißend wird, besitzt der Film seine düstere, unheimliche Stimmung, die gekonnt ausgebaut wird. Regisseur David Koepp inszeniert das Treiben relativ ruhig, baut aber auch immer mal kleine Spielereien mit ein. Wie man z.B. die Hypnose bildlich dargestellt hat, ist sehr gelungen. Doch auch die kleinen Visionen wurden stark bebildert. Obwohl man es dabei mit einem Horrorfilm zu tun hat, legt es der Film gar nicht so sehr auf Horror an. Es gibt nämlich einige Drama-Elemente und im Endeffekt ist das sogar eher ein Krimi. Der Aufbau funktioniert bestens und die 90 Minuten Laufzeit vergehen sehr schnell. Es gibt keine große Einleitung und hinterher wird immer mehr an der Spannungsschraube gezogen, bis es im Finale sogar noch eine kleine Portion Action gibt. Nebenbei ist erfreulich, dass hier ohne viele Effekte ausgekommen wird und der Score rundet das positive Gesamtbild ordentlich ab.
 
 
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ECHOES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ darf sich kleiner Klassiker des Geisterhorrors nennen, denn er funktioniert selbst 20 Jahre nach Erscheinen noch wunderbar. Die Handlung wird schlüssig und interessant erzählt, die Darsteller sind toll und die Figurenzeichnung kommt ohne Unglaubwürdigkeiten aus. Zusätzlich wurde alles schön unheimlich inszeniert und eine richtige Stärke ist die Atmosphäre, denn diese reicht von entspannt bis hin zu richtig unheimlich. Es ist kein lauter Spuk, sondern eher ein subtiler, der edel erzählt wird. Selbst nach mehrmaligem Schauen unterhält das noch sehr gut und wirklich kein Fan vom Grusel sollte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Zensur

 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist eher ein subtiler Gruselfilm. Deshalb erhielt der Film bereits für die Kinoauswertung eine ungeschnittene FSK16. Gleiches folgte für die Auswertung auf DVD. Die nun erhältliche Blu-ray besitzt auch den blauen FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover A)

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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stir of Echoes; USA 1999

Genre: Horror, Mystery, Thriller,

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook mit 2 Cover-Auflagen

Extras: Booklet, Audiokommentar, Interviews, Making of, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook A [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook B [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes 2 – Stimmen Aus Der Zwischenwelt (2007)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 
Jessabelle (2014)
 
White Noise (2005)
 

Filmkritik: „Beneath Us“ (2019)

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BENEATH US

Story

 
 
 

Eine Geschichte vom bösen, weißen Mann, die gar nicht so weit hergeholt ist: Vier illegale Einwanderer geraten in die Fänge rassistischer, weißer Amerikaner.

 
 
 


 
 
 

BENEATH US – Kritik

 
 
 
In Zeiten in denen Themen wie Rechtspopulismus, Rassismus, Fremdenhass und illegale Immigration die Nachrichten dominieren, gibt es Menschen, die sich rigoros und mutig dagegenstellen und Kritik äußern. Genau jenes Kritisieren wird schon lange nicht mehr nur allein von jenen vorgenommen, die ihre Meinung in Form von Protesten auf der Straße verkünden wollen. Auch in Kunst, Film und Kultur tut sich was. Im Horrorfilm ebenso. Zuletzt legte sich diesbezüglich JORDAN PEELE ins Zeug. Mit dem Horrorthriller GET OUT feierte er nicht nur finanzielle Erfolge und bekam reichlich Lob von Zuschauern und Kritikern. In seinem Film prangerte er ebenso den Alltagsrassismus in den USA an, wo immer noch zwischen Weiß und Schwarz unterschieden wird. Ein Thema, das traurig macht und über das auch MAX PACHMAN sprechen will. Der lässt seiner Wut im Langfilmdebüt BENEATH US freien Lauf. Das Resultat ist nicht ganz ohne.
 
 
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Wenn der amerikanische Traum zum Albtraum wird. Genau dieser Erfahrung muss auch der Mexikaner Alejandro machen, der von einem neuen Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika träumt, aber sich hier illegal aufhält. Der schlägt sich als Tagelöhner über die Runden und benötigt dringend Geld, um auch Sohn und Frau über die amerikanische Grenze bringen zu können. Ein Problem, das bald für noch größere Probleme sorgt. Zusammen mit Bruder Memo und zwei weiteren Immigranten nimmt man einen Job auf dem Grundstück zweier vermögender Amerikaner an. Dort soll man ein kleines Gartenhaus auf Vordermann bringen, damit die Arbeitgeber das Grundstück mit allen darauf befindlichen Gebäuden rentabel verkaufen können. Klingt nach einem guten Job, zumal viel Geld für die Arbeiten versprochen wird. Doch die Sache hat einen Haken. Die vermeintlich netten Weißen sind Rassisten. Sie nutzen die Ahnungslosigkeit der mexikanischen Arbeiter aus, um sie nach getaner Arbeit unter dem Anwesen zu verscharren. Der doppeldeutige Filmtitel deutet es bereits an.
 
 
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Sind illegale Immigranten eigentlich Menschen zweiter Klasse? Genau jene Frage stellt BENEATH US dem Zuschauer, der hier mit ansehen muss, wie zwei gutbürgerliche Weiße ihren Hass gegenüber illegalen Einwanderern im Film ausleben. Die demütigen nicht nur ihre Opfer, sondern spielen auch mit deren Angst von den Behörden gefasst zu werden, weil sich die Männer unangemeldet im Land aufhalten. So werden die mexikanischen Arbeiter wie Sklaven gehalten und sind den perfiden Spielen ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Letztere zeigen schon früh ihr wahres Gesicht. Freundlichkeit ist nur Fassade. Schnell offenbart sich Hass und die Sucht danach, genau jene Objekte des Hasses leiden zu sehen. Genrebedingt muss da natürlich Blut fließen. Da werden aus der Laune heraus Immigranten ermordet immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass nach den Opfern ohnehin niemand suchen wird. Das ist bitter und einer der Gründe, warum BENEATH US schnell unangenehme Ausmaße erreicht.
 
 
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Damit tritt der Film in gleiche Fußstapfen, wie der 2010 gedrehte Horrorthriller UNDOCUMENTED. Auch darin gerieten illegale mexikanische Einwanderer in den Fokus patriotischer Amerikaner, die die USA von der sprichwörtlichen und aktuell auch von Donald Trump bezeichneten „Invasion“ mexikanischer Immigranten bewahren wollen. Dass der Kampf gegen Recht und Gesetz mit blutigen Mitteln ausgetragen werden muss, hinterlässt einen widerwärtigen Beigeschmack – scheint aber in Zeiten von Rechtsextremismus und Fremdenhass nicht weit hergeholt zu sein.
 
 
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Leider gerät die brisante Einwanderungsthematik in beiden Filmen zugunsten der Zurschaustellung von Mord und Totschlag rasch ins Abseits. BENEATH US nutzt nämlich den Diskussionsstoff aus, um genau daraus einen Horrorfilm zu machen, der sich irgendwo im Subgenre des Folter- und Survival-Horrorfilms bewegt und dann doch eher die niederen Instinkte des Zuschauers stimulieren will. So müssen die Sympathieträger einen Weg voller Leiden und Demütigungen gehen, um sich am Ende an ihren Peinigern rächen zu können. Einfallsreich ist das freilich nicht und hat man in den letzten Jahren vor allem in den vielen Rape-and-Revenge-Filmen zu oft auf der Mattscheibe gehabt. Trotzdem funktioniert das Spiel zwischen Täter und Opfer immer noch ganz gut, was vor allem daran liegt, weil Regisseur MAX PACHMAN gute Figuren hat und konsequent zwischen Gut und Böse differenziert. Der konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt kaum Leerlauf zu. Eh man sich versieht, flimmert schon der Abspann über den Fernsehapparat, wobei es sich der Filmemacher nicht nehmen lassen hat, am Ende noch einmal da zu treffen, wo es wirklich wehtut. Dort bekräftigt er die eigene Meinung über das Problem der illegalen Grenzüberschreitung und den Umgang mit genau jenen Menschen. Unrecht hat er da nicht.
 
 
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Während wir Bilder von mexikanischen Tagelöhnern sehen, die sich offenbar illegal im Land aufhalten und nach Arbeit suchen, lauschen wir einem Radiointerview. Darin unterhalten sich zwei Männer. Einer derer erklärt überzeugt, dass illegale Immigranten quasi Staatseigentum wären und zu Zwangsarbeit gezwungen werden sollten, weil sie sich in einem Land aufhalten, in dem sie nicht sein dürften. Auf die Frage hin, ob das nicht Sklaverei wäre, wird die Frage in den Raum geworfen, was denn das Problem am Begriff Sklaverei wäre. Eine Einstellung, der vermutlich auch Jahre nach Ende der Rassentrennung immer noch in den Köpfen viele vaterlandsliebender, weißer Amerikaner umherspukt. Das ist in kosmopolitischen Zeiten wie der Heutigen erschreckend, zumal sich diese Denke nicht nur auf die Vereinigten Staaten reduziert. Rassismus ist weltweit ein Problem. Das können wir in einer multikulturellen Welt nicht hinnehmen. Lasst uns darüber sprechen!
 
 
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BENEATH US – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigender Rassismus-Horror, der aktueller ist denn je. Das Langfilmdebüt BENEATH US macht mal wieder die Bestien Mensch zum Thema und protokolliert in aller Schonungslosigkeit zu welchen Grausamkeiten der Mensch fähig ist. Herausgekommen ist ein Folter- und Survival-Horrorthriller, der zumindest innerhalb genannter Subgenres alles richtig macht. Folter, Quälen, Rächen – die Verläufe sind bekannt. Was den Film doch etwas spezieller Macht ist die Tatsache, dass Regisseur MAX PACHMAN brisante, politische Themen verwebt. BENEATH US prangert Themen wie Rassismus und Fremdenhass an. Allein vor diesem Hintergrund fühlt sich BENEATH US härter an, als die sonstigen Konsorten der Gattung Quäl- und Rachefilm.
 
 
 


 
 
 

BENEATH US – Zensur

 
 
 
BENEATH US hat einige Gewaltmomente zu bieten, die aber nicht sehr reißerisch in Szene gesetzt werden. Eine Säge schneidet sich in eine Hand, ein Messer wird mehrmals in einen Körper gerammt, ein Hund wird abgestochen und Gewehrmunition wird in Beine und Kopf gejagt. Weiterhin wird ein Kopf mit Absätzen eines Schuhs „bearbeitet“. Hierzulande dürfte der Film eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BENEATH US – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Premiere Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Desierto – Tödliche Hetzjagd (2015)
 
Undocumentes (2010)
 
Territories (2010)
 

Filmkritik: „Life-Snatcher“ (2019)

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LIFE-SNATCHER

(ASSIMILATE)

Story

 
 
 

Könnte auch aus der Feder von Stephen King stammen: Zwei Teenager decken seltsame Vorkommnisse auf, die sich in einer verschlafenen Kleinstadt ereignen.

 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Kritik

 
 
 
Wenn die Indie-Schmiede GRAVITAS VENTURES mal wieder einen ihrer schnell und günstig gedrehten Produktionen auf die Horrorgemeinde loslässt, ist Vorsicht geboten. Noch vorsichtiger sollte man sein, wenn hinter genau diesem Genrefilm ein Regisseur steckt, der sich in der Vergangenheit beim auf Zelluloid gebannten Horror nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat. JOHN MURLOWSKI hat so ziemlich viele Videounfälle verbrochen. Der war in der Vergangenheit besonders fleißig und bescherte uns herausragende Videothekenperlen, über die nicht unbegründet heute keiner mehr reden will. Darunter so unvergessliche Highlights wie AMITYVILLE – A NEW GENERATION, RETURN OF THE FAMILY MAN oder FREEWAY KILLER. Genau dieser Regisseur hat mit LIFE-SNATCHER (im Original: ASSIMILATE) nun einen Film inszeniert, der so gar nicht zur zweifelhaften Qualität des bisherigen Schaffens passt. LIFE-SNATCHER wurde zwar auch mit kleinem Budget umgesetzt, macht aber das Beste aus dem schmalen Kapital. Das Ergebnis ist ein nettes Science-Fiction-B-Movie, das zwar fleißig bei großen Klassikern stibitzt, sich dennoch wacker schlägt. Das hätte man nicht erwartet.
 
 
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Die Teenager Zach Henderson und Randy Foster sind nicht nur beste Freunde; sie wollen auch den Leuten auf Youtube zeigen, dass ihr Heimatort gar nicht so langweilig ist, wie er auf den ersten Blick scheint. Deshalb wollen sie eine Reportage über die Stadt drehen, in der sie aufgewachsen sind und zur Schule gehen. Dass sich plötzlich seltsame Vorkommnisse in der Gegend häufen, kommt den Kumpels geradezu recht. Nachbarin Frau Bissette berichtet von einer Invasion seltsamer Insekten und auch sonst verhalten sich immer mehr Einwohner alles anderer als normal. Alles scheint, als hätten die Leute ihre Emotionen verloren. Stoff aus dem Hobbyfilmfan-Träume sind. Mit Kameras ausgestattet, geht es ans Recherchieren. Was die beiden Nachwuchsjournalisten während der Arbeit an einer Dokumentation über ihren Heimatort herausfinden, lässt das Blut sprichwörtlich in den Adern gefrieren.
 
 
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Hat ROBERT RODRIGUEZ heimlich eine Videofortsetzung zum Kassenhit THE FACULTY in Arbeit geben lassen? Oder haben sich findige Produzenten die Rechte an DIE NACHT DER CREEPS gekrallt, um schnell eine günstige Neuverfilmung des Kultfilms in die Wohnzimmer bringen zu können? LIFE-SNATCHER hat natürlich nichts mit genannten Horrorfilmen am Hut, schaut sich aber einige Kniffe ab. Hier wird eine jungendkonforme Version von DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN auf die Horrorgemeinde losgelassen, die besser ist, als man vermuten würde. Der Grund ist in den sympathischen Figuren und der rasanten Umsetzung zu suchen, die den Zuschauer regelrecht durch eine Handlung hetzt, in der es kaum Verschnaufpausen gibt. Die Bewohner einer Kleinstadt werden durch eine größere Macht geklont und ausgetauscht. Einige High School Kids tun sich zusammen, um das Schlimmste zu verhindern. Klingt natürlich nach einer weiteren INVASION VOM MARS-Kopie und ist es letztendlich auch. Dennoch unterhält LIFE-SNATCHER ungemein. Lang gefackelt wird nicht. Schnell ist man mittendrin und begibt sich mit dem talentierten Teenager-Cast auf eine Reise voller Gefahren. Da stößt man auf glibbrige Kokons und wird bald von zombiegleichen Horden ausgetauschter Kleinstadtmenschen verfolgt, die ein ganzes Haus im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf stellen.
 
 
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Regisseur JOHN MURLOWSKI zitiert nicht nur Science-Fiction-Horror der 1950er, sondern ließ es sich nicht nehmen auch eine Anspielung an den von Romero gedrehten NIGHT OF THE LIVING DEAD im Film unterzubringen. Da verschanzen sich unsere Freunde in einem Haus und werden plötzlich von vielen geklonten Menschen umzingelt, die nur eins wollen: ran an die noch nicht ausgetauscht Beute. Wir sehen Hände durch Spalten greifen und verzehrte Gesichter durch Fenster starren. Wer diese Hommage an genannten Klassiker übersieht, benötigt dringend eine Weiterbildung in Sachen Horrorfilm. LIFE-SNATCHER macht alles richtig. Statt sich darüber Gedanken zu machen, wie man die vielen Ideen mit kleinem Budget in Szene setzen kann, wird einfach umgesetzt. Natürlich bleibt bei den Spezialeffekten nicht verborgen, dass ein Sparkurs gefahren werden musste. Trotzdem tut dieser günstige Science-Fiction-Horror alles daran, um den Zuschauer auch mit kleinem Budget zu unterhalten. Mit einem Mordstempo eilt LIFE-SNATCHER dem Abspann entgegen und belehrt am Ende das Publikum eines Besseren. Letzter erkennt mal wieder, dass sich gute Horror-Unterhaltung nicht unbedingt an den Produktionskosten festmachen lässt. Billig bedeutet nicht unbedingt schlecht. Vorurteile, die man unbedingt ablegen sollte.
 
 
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LIFE-SNATCHER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Günstig – aber oho! Spannender Science-Fiction-Horror mit hohem Unterhaltungswert. Regisseur JOHN MURLOWSKI stibitzt für LIFE-SNATCHER wo es nur geht. Ob bei DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN, DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH oder DORF DER VERDAMMTEN – dieser Horrorthriller besteht beinahe nur aus Ideen anderer bekannter Horrorklassiker. Das ist zwar frech, aber unterhaltsam. Treu der Devise „Besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden“ wird all das kopiert, was schon mal irgendwie im Horror-Genre funktioniert hat. Der dreiste Ideenklau zahlt sich aber aus. LIFE-SNATCHER besitzt zugängliche Helden und ein Mordstempo. Letzteres ist beachtlich und lässt dem Zuschauer kaum Zeit darüber nachzudenken, dass er all das hier im Film schon mal woanders gesehen hat. Ein cleverer Schachzug, denn wegen der rasanten Inszenierung fallen auch die Spezialeffekte nicht so sehr ins Gewicht, die wegen mangelndem Budget dann doch eher an so selbst produzierten Billigschund der Marken THE ASYLUM und SYFY-CHANNEL erinnern. Wäre mehr Kapital vorhanden gewesen, hätte es LIFE-SNATCHER vermutlich zum neuen Science-Fiction-Blockbuster gebracht. Das hätte man Regisseur JOHN MURLOWSKI gar nicht zugetraut, der seit den 1990ern eine Video-Schlaftablette nach der nächsten dreht.
 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Zensur

 
 
 
LIFE-SNATCHER hat kaum reißerische Schauwerte zu bieten. Einer Frau wird ein Gegenstand in die Brust gerammt, der Körper einer anderen Filmfigur wird so bearbeitet, dass er ohne Probleme in einen Wäschekorb gequetscht werden kann. Weiterhin sieht man Bisswunden, welche durch einen außerirdischen Käfer verursacht wurden. Hierzulande dürfte LIFE-SNATCHER ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

LIFE-SNATCHER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film | Replicate LLC.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dich kriegen wir auch noch! (1998)
 
Die Nacht der Creeps (1986)
 
The Faculty (1998)
 
Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (1993)
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Invasion vom Mars (1986)