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Filmkritik: „Crush the Skull“ (2015)

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CRUSH THE SKULL

Story

 
 
 

Ein paar Kleinkriminelle erleben die Hölle auf Erden. Sie steigen in Häuser ein und rauben sie aus. Leider haben sie sich diesmal das falsche Anwesen ausgesucht. Denn hier lebt das personifizierte Böse.

 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Kritik

 
 
 
Wenn Träume wahr werden. Die Webseite KICKSTARTER hat einmal mehr ein Wünschlein erfüllt und ermöglicht, dass ein Horrorfilm gedreht werden konnte. Der nennt sich CRUSH THE SKULL und wurde vom Newcomer VIET NGUYEN inszeniert, der bereits 2014 auf der bekannten Finanzierungsplattform zum Spenden aufrief und genug Filmfans dazu bewegen konnte mehr als 75.000 US-Dollar zu sammeln. Was jedoch auf der Crowdfunding-Seite als rabenschwarzer Mix aus Komödie und Horrorthriller beworben wurde, ist letzten Endes mehr Horror statt bitterböse Lachnummer. Für eine Komödie sind die eingestreuten Comedy-Elemente zu rar gesät. Tauchen sie dann doch mal auf, funktionieren sie nicht und wirken eher störend, weil CRUSH THE SKULL tatsächlich vorrangig ernster Natur ist. Das ist etwas bedauerlich, weil der Streifen durchaus was kann. CRUSH THE SKULL unterhält – zwar nicht immer helle, dafür kurzweilig. Etwas, dass immer wenigeren Horrorfilmen neueren Datums gelingt.
 
 
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Home-Invasion-Horror wird geboten, der jedoch diesmal nicht aus der Perspektive der Opfer erzählt wird, sondern die Geschehnisse aus den Augen der Bösewichte betrachtet. Ollie (CHRIS DINH) und Blair (KATIE SAVOY) sind eigentlich anständige Leute. Nur ab und an steigen sie in fremde Häuser ein, um sich mit gestohlenem Schmuck über Wasser halten zu können. Doch damit soll nun Schluss sein. Ein letzter Einbruch – danach möchte das Paar die kriminelle Laufbahn an den Nagel hängen. Leider verläuft der Einsatz nicht nach Plan, Ollie landet im Gefängnis und wird von der Liebsten für ein stattliches Sümmchen freigekauft. Neues Geld muss her, denn der Wunsch nach Freiheit hat ein großes Loch in die ohnehin schon leere Haushaltskasse gefressen. Abermals soll es ein Einbruch richten. Doch der wird diesmal für alle Beteiligten zum Verhängnis. Ein schmuckes Haus in einer guten Wohngegend ist nicht, was es zu sein scheint. Statt Kostbarkeiten finden die Hobbyeinbrecher darin Gevatter Tod. Ein wahnsinniger Serienkiller hat aus dem Haus seinen ganz privaten, hochperversen Foltertempel gemacht. Hier quält er ahnungslose Menschen zu Tode und lässt dazu die Kamera rattern. Drinnen ist man schnell – nur Rauszukommen wird zum Problem. Ob die unvorbereiteten Diebe ihren gesetzeswidrigen Fehler überleben werden?
 
 
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CRUSH THE SKULL basiert auf zwei früheren Werken des Regisseurs, die er bereits 2010 bzw. 2013 in Form von Kurzfilmen veröffentlicht hat. Bereits dort konnte der Filmemacher unter Beweis stellen, dass man auch mit kleinem Budget kurzweiligen Nervenkitzel heraufbeschwören kann. Seiner Linie bleibt VIET NGUYEN treu, der schon als Cutter an Serien wie IZOMBIE oder THE FOLLOWING beteiligt gewesen ist und mit dem ersten eigenen Spielfilm zeigt, dass man nicht viel Geld braucht, um durchaus unterhaltsame Filme zu drehen – insofern das Drehbuch überzeugt. Dieses vergleichsweise magere Budget sieht man CRUSH THE SKULL zu keiner Minute an. Ganz im Gegenteil. Regisseur VIET NGUYEN lässt den ersten Langfilm nach deutlich mehr Kohle ausschauen und improvisiert, wenn es der Finanzplan gebietet. So werten erfahrene Schauspieler das Geschehen auf, die bereits in den Kurzfilmen des Machers zu sehen waren. Sie agieren im Filmdebüt sympathisch und sorgen dafür, dass der Zuschauer mitfiebert, wenn es ihnen im Film an den Kragen geht. Damit ist CRUSH THE SKULL vielen Low-Budget-Produktionen gleichen Kalibers Längen voraus, denn oftmals machen dort untalentierte Laiendarsteller das Treiben fürs Publikum ungenießbar und schaffen es, sich seinen Zorn zuzuziehen. Von ungenießbar ist CRUSH THE SKULL also weit entfernt. Der Film kopiert nicht ungeschickt einen der Horror-Geheimtipps von 2009, der unter dem Titel THE COLLECTOR vor allem bei Fans fürs Grobe auf Interesse stieß. Hier musste sich ein Einbrecher durch ein mit Fallen bespicktes Heim vorarbeiten, um wieder in die Freiheit zu gelangen. Ähnliches Prinzip verfolgt auch CRUSH THE SKULL in dem Bösewichte zu Helden umfunktioiert werden und sich vor einem Psychopathen in Acht nehmen müssen, der die Eindringlinge in seinem Folterhaus eingesperrt hat, damit er sie möglichst brutal abschlachten kann. Leider musste auf übertriebenes Gemetzel verzichtet werden, weil Geld knapp war. Schlecht macht das diesen Überlebens-Horror nicht unbedingt, denn der Streifen gleicht dieses Manko anderweitig aus.
 
 
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CRUSH THE SKULL folgt unkonventionellem Wege und überrascht mit souveränem Tempo. So wird die Geschehnisse nie langweilig. Die Machart orientiert sich an gutem Horrorstandard und lässt nacheinander Freunde sterben, bevor auch der wahre Übeltäter sein Leben lassen muss. Aufgelockert wird die eigentlich austauschbare Handlung durch unerwartete Wendungen und einen knackigen Filmtwist. Beides gehört ja im Horrorfilm mittlerweile zum guten Ton, damit man sich an Filme auch noch drei Tage nach der Sichtung erinnern kann. Verübeln kann man die massentaugliche Inszenierung keineswegs. Im Falle von CRUSH THE SKULL sorgt die nämlich für kurzweiliges Popcornkino für das man den Kopf besser ausschaltet. Ohne Schnörkel zum Ziel lautet die Devise, die definitiv für unterhaltsame 90 Minuten sorgt. Nur darauf kommt es beim Schauen von Filmen an, schließlich ist das Unterhalten des Publikums das eigentliche Ziel eines jeden Filmemachers.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spannender und wendungsreicher Überlebens-Horror im Stile von THE COLLECTOR. CRUSH THE SKULL wurde mit einem Budget gedreht, das man in Hollywood-Kreisen auch als Mikrobudget betitelt. Relativ: Dort bekommt man für das gleiche Geld gerade mal ein Catering geliefert, damit das Filmteam satt über den Tag kommt. Umso überraschender, was Regisseur VIET NGUYEN mit jenem überschaubaren Kapital von gerade einmal 75.000 US-Dollar auf die Leinwand gebracht hat. Sein Spielfilmdebüt bietet ein solides Drehbuch mit Drive und Wendungen. Zudem konnte man trotz kleinem Geld anständige Schauspieler engagieren, die den Zuschauer durch eine bitterböse Geschichte führen und gleichzeitig unterhalten. Da kann sich manch teurer Blockbuster eine Scheibe abschneiden. Viele von denen schaffen es trotz konventioneller Geschichten und üppiger Produktionsgelder nicht einmal, den Zuschauer vom Einschlafen zu bewahren. CRUSH THE SKULL zeigt, wie’s besser gehen kann.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Zensur

 
 
 
Viele bösen Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Kopf wird abgetrennt und Messer werden in Körper gerammt. Zudem kommt gegen Ende auch mal die Pistole zum Einsatz und eine Kehle wird aufgeschnitten. Einige Morde passieren im Off. Das dürfte dafür sorgen, dass CRUSH THE SKULL in Deutschland bereits für Jugendliche geeignet sein wird: FSK16.
 
 
 


 
 
 

CRUSH THE SKULL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Collector (2009)
 
Haus der Vergessenen (1991)
 
Don’t Breathe (2016)
 
The Collector 2 – The Collection (2012)
 
Tiger House (2015)
 


Filmkritik: „Where the Devil Dwells“ (2014)

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WHERE THE DEVIL DWELLS

Story

 
 
 
Der psychisch kranke Sohn (WALTER PEÑA) eines getöteten Serienmörders wird aus der Anstalt entlassen und darf einem geregelten Leben in den eigenen vier Wänden nachgehen – unter strenger Aufsicht und hohen Sicherheitsauflagen versteht sich. Leider passieren dort bald seltsame Dinge.

 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Kritik

 
 
 
Was hätte das bloß für psychische Auswirkungen auf den Nachwuchs, wenn sich herausstellen würde, dass die Eltern unberechenbare Serienmörder wären und ahnungslose Menschen im Namen Satans abgeschlachtet hätten? Wenn es nach Regisseur MARC-ANDRE SAMSON geht, dann nähmen die finsteren Machenschaften der Eltern maßgeblichen Einfluss auf die psychologische Entwicklung und das Leben der Kinder, die im Erwachsenenalter erhebliche Schwierigkeiten bekommen, sich ohne Weiteres in die Gesellschaft einzugliedern. Just diese These bildetet das Fundament des Psychothrillers WHERE THE DEVIL DWELLS. Der wurde mit einem schmalen Budget von 50.000 US-Dollar gedreht und zeigt mal wieder, dass sich Horror nicht nur durch Mordszenen und Publikums-Erschrecken definiert. MARC-ANDRE SAMSON ist eigentlich bekannt für visuelle Effekte teurer Hollywoodproduktionen wie CABIN IN THE WOODS oder I AM LEGEND. Neuerdings dreht er aber auch selbst Filme – mit bedeutend weniger Budget. Dass das nicht zwangsläufig Schlechtes bedeuten muss, haben schon viele Indie-Produktionen gezeigt. Was zählt sind Ideen und Improvisationstalent. Über beides verfügt WHERE THE DEVIL DWELLS reichlich.
 
 
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In WHERE THE DEVIL DWELLS muss sich Protagonist Lenard Vasquez der Vergangenheit stellen. Er ist der Sohn des verstorbenen Serienkillers Oren „The Butcher“ Vasquez (DAVID O’HARA) und leidet an paranoider Schizophrenie. Nachdem er einen Mann fälschlicherweise als Satanisten bezichtigt und ihn körperlich angreift, wandert er in die Psychiatrie. Nach einiger Zeit wird er entlassen und soll die Reststrafe als Hausarrest in der eigenen Wohnung absitzen. Hierfür wird ihm vom diabolischen Sheriff Don Miller (SCOTT ANTHONY LEET) ein Sensor ans Bein geheftet, der es ihm verbietet, das Grundstück zu verlassen. Doch die Freude über die milde Haftstrafe währt nicht von langer Dauer. Satanistische Symbole pflastern bald den Eingangsbereich des Hauses und geopferte Tiere liegen vor der Tier. Zudem passieren allerhand schaurige Dinge, die sich Lenard nicht erklären kann. Spukt es im Haus oder ist hier jemand zu makabren Scherzen aufgelegt? Die seltsamen Ereignisse verunsichern den psychisch gebeutelten Helden zutiefst. Zunehmend fragt er sich, ob die Streiche nur seinem kranken Geist erscheinen oder tatsächlich passieren. Der Zuschauer wird’s erfahren.
 
 
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Was harmlos beginnt, wird immer verwirrender. Das ist Kern dieses psychologischen Horrorstücks, das sich dank gelegter Fährten und geschickt platzierter Anhaltspunkte ziemlich gekonnt in Manipulation übt. So verschwimmen schon bald die Grenzen von Fiktion und Realität. Üble Scherze, ist der Vater von den Toten auferstanden oder sind die Geschehnisse Manifestation eines kranken Kopfes? Die Antwort wird von Regisseur MARC-ANDRE SAMSON gut gehütet, der erst nach und nach lüftet, was er sich da im Drehbuch clever zusammengekritzelt hat. Das hält den Spannungsbogen konstant und fesselt einen vorm Bildschirm, zumal sein Macher das Verwirrspiel mit allerhand Wendungen und Twists gespickt hat, die sich gegen Ende sogar den Rang ablaufen. Bleibt zu erwähnen, dass man sich vom eher gemächlichen Einstieg nicht abschrecken lassen sollte. Gewinnt WHERE THE DEVIL DWELLS an Fahrt, ist er nicht mehr zu bremsen. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit kleinem Geld, interessante Horrorfilme drehen kann. Mehr davon!
 
 
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WHERE THE DEVIL DWELLS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Kleines Budget, aber oho. Raffiniertes Psychospiel mit fiesen Wendungen und tatsächlich überraschender Auflösung. Man sollte sich nicht von den gemächlich erzählten ersten dreißig Minuten dieser gemeinen Charakterstudie abschrecken lassen. WHERE THE DEVIL DWELLS hat einige Asse im Ärmel. Im Film ist Figur Lenard Vasquez in einer Art eigenem Fegefeuer gefangen und wird jeden Tag aufs Neue daran erinnert, was für ein Monster der Vater doch war. Der war einer der bösartigsten Serienkiller des Landes und mit dem Satan im Bunde. Psychisch hat das Spuren beim Sohnemann hinterlassen, der nun mit Medikamenten versucht, das missratene Leben wieder in den Griff zu bekommen. Leider neigen die sich die Pillen bald dem Ende, was für allerhand Verwirrung bei Zuschauer und Filmheld sorgen wird. WHERE THE DEVIL DWELLS ist ein taktisch gut durchdachtes Verwirrspiel, das seine Trümpfe in den letzten zwanzig Minuten ausspielt. Dort überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum blutigen Showdown. Regisseur MARC-ANDRE SAMSON spielt hier ein makabres Psychospiel und überzeugt auf ganzer Linie. Da will man sich nicht vorstellen, was aus WHERE THE DEVIL DWELLS geworden wäre, wenn millionenschweres Budget zur Verfügung gestanden hätte und die Hauptrolle von Hollywoods A-Prominenz besetzt gewesen wäre. Vielleicht krallt sich die Traumfabrik die Remakerechte. Macher MARC-ANDRE SAMSON könnte da sicherlich vermitteln. Der war nämlich in der Abteilung „Visuelle Effekte“ an manchem Hollywood-Blockbuster beteiligt.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Zensur

 
 
 
WHERE THE DEVIL DWELLS beginnt eigentlich recht harmlos. Erst im Finale geht es kräftig zur Sache. Da werden Hälse aufgeschnitten und von Schusswaffen Gebrauch gemacht. Mit viel Glück gibt es eine FSK16. Eine Erwachsenenfreigabe wäre aber realistischer.
 
 
 


 
 
 

WHERE THE DEVIL DWELLS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Midnight Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Darling (2015)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Hemorrhage (2012)
 
Simon Killer (2012)
 
Magic Magic (2013)
 
The Babadook (2014)
 


Filmkritik: „The Offering“ (2016)

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THE OFFERING

(THE FAITH OF ANNA WATERS)

Story

 
 
 
Eine junge Frau reist nach Singapur, um ihrer verstorbenen Schwester die letzte Ehre zu erweisen. Kaum angekommen, muss sie den Kampf gegen eine böse, höhere Macht aufnehmen.

 
 
 


 
 
 

THE OFFERING – Kritik

 
 
 
Liebe Kinder, es ist mal wieder Zeit für unheimlichen Kontakt mit dem Jenseits. Immerhin – haben wir doch über Geisterfilme schon mindestens fünf Tage nicht mehr berichten dürfen. Offensichtlich lässt sich damit immer noch ziemlich viel Geld verdienen, auch wenn sich in den letzten zehn Jahren grob jede zweite Horrorproduktion mit paranormalen Ereignissen beschäftigt hat. Schaurige Begegnungen mit Wesen von der anderen Seite sind auch im Mysterythriller THE OFFERING Programm, der in einigen Ländern auch als THE FAITH OF ANNA WATERS vermarktet wird und Freunde gepflegten Gruselns ansprechen soll. In diesem Durchgang wird der Zuschauer mit nach Asien genommen, wo Spuk in Singapur auf ihn wartet. Bewanderten Genrefans packt da das Grausen – nicht aber des Horrors wegen. Seit RINGU in den 1990ern weltweit einen asiatischen Geisterboom einläutete, sind bis heute unzählige Mädchen schleimhaarig und schon länger tot aus Brunnen oder TV-Geräten geklettert. Das bereitet nur noch wenig westlichen Zuschauern Gänsehaut. Es sei aber versichert, dass THE OFFERING nichts mit den typisch asiatischen Geisterfilmen am Hut hat – auch wenn die fernöstliche Kulisse Gegenteiliges vermuten lässt. Hier kreischen sich vornehmlich amerikanische Schauspieler um Kopf und Kragen. Die Handlung erfindet das Rad nicht neu und laute Jump Scares erinnern an jüngstes Gruselfutter, das zwar atmosphärisch aber nicht immer sonderlich intelligent die Multiplexe heimsucht. Regisseur KELVIN TONG geht konventionelle Wege und orientiert sich beim Spuken an amerikanischem Gruseleinerlei – auch wenn er eigentlich von dort kommt, wo sein selbst geschriebener Streifen spielt. Mit THE OFFERING hat er schreckliche wie schreckensreiche Horrorware inszeniert, wie man sie im amerikanischen Kino gerne sieht. So lassen sich weder Kurzweiligkeit, noch Professionalität so ganz von der Hand weisen. Dennoch mangelt es dem Streifen an Eigenständigkeit und Cleverness. Fans glattgebügelten Horror-Mainstreams wie THE CONJURING oder INSIDIOUS dürfte das nicht weiter stören. Für die wurde der Film gemacht.
 
 
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Im Film wird die Journalistin Jamie Waters (ELISABETH RICE) mit einer Familientragödie konfrontiert. Ihre Schwester hat sich wegen einer unheilbaren Erbkrankheit vor der Webcam das Leben genommen, weshalb Jamie nach Singapur reist, um der Verstorbenen ihre letzte Ehre zu erweisen. Kaum angekommen, wird die junge Frau mit einer weiteren Hiobsbotschaft konfrontiert. Auch bei der kleinen Nichte (ADINA HERZ) wurde eben dieses Huntington diagnostiziert – eine bis heute unheilbare Erbkrankheit des Gehirns, die unweigerlich zum Tod des Patienten führt. Doch das Mädchen lässt sich trotz des bitteren Schicksals nicht beirren und ist fest davon überzeugt, dass ihre Mutter nach sieben Tagen zurückkehren wird. Sie beginnt plötzlich Freundschaft mit einem unsichtbaren Wesen zu schließen, das im Haus ein und aus geht. Wer schon ein oder zwei Geisterfilme gesehen hat, dürfte den weiteren Verlauf der Handlung voraussagen können. Offensichtlich hat das kleine Mädchen einen guten Draht zu den früheren Eigentümern des Gebäudes, die nun rastlos durch die Räume wandeln und etwas mitteilen wollen. Doch der Spuk wird bald zum kleineren Problem. In THE OFFERING wird es nämlich in der Halbzeit ganz schön abstrus. Etwas Böses macht sich das Internet zu eigen und attackiert die Webseiten verschiedener Kirchen. Zudem sterben plötzlich Menschen auf grausame Weise vor den Webkameras ihrer Laptops. Die Polizei steht vor einem Rätsel, doch Journalistin Jamie ahnt Schlimmes. Sie findet bald Parallelen zwischen dem tragischen Selbstmord der Schwester und den merkwürdigen Begebenheiten, die die Gegend in Angst und Schrecken versetzen.
 
 
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Eigentlich hätte aus THE OFFERING ganz gute Spukunterhaltung werden können, wäre da nicht der seltsame Richtungswechsel, der die Geschichte zwanghaft versucht in die Dämonen-Schublade zu zwängen. Was eigentlich paranormal beginnt, driftet nämlich bald ins Okkulte ab. Die Spukerscheinungen in der ersten Hälfte sind nur Vorwand. Ein oller Dämon ist das Hauptproblem und versucht einen Weg in die Welt der Lebenden zu finden. Der macht nicht einmal vor moderner Technologie halt und nutzt sie für eigene Zwecke. Ob Emailpostfächer oder Webseiten – nichts ist vor dem sogenannten „Leviathan“ sicher, der eine gewisse Leidenschaft fürs Hacken von Webseiten besitzt und sich auch gerne mal in menschliche Körper einnistet. Das hört sich – mit seiner zugegebenermaßen innovativen Idee der Gleichsetzung von Mensch und Computer als besetzbarem Opfer – bescheuert an und ist’s auch: ziemlicher Käse. Scheinbar war KELVIN TONG um eine besonders außergewöhnliche Handlung bemüht, die man so wohl noch nicht gesehen hat. Leider wirkt das Gebräu, als mussten hier zwei Geschichten in einem Film untergebracht werden. Irgendwie fühlt sich der Übergang vom Geisterfilm- ins Okkultismusfach reichlich erzwungen an, was THE OFFERING natürlich nicht förderlich ist – vor allem wenn es um Logik geht.
 
 
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Wer diese Logik voraussetzt, um einen Horrorfilm genießen zu können, wird hier das kalte Grausen bekommen. Kein Wunder. Zufälligkeiten und Plotlücken geben sich die besessene Klinke in die Hand und stricken eine Handlung, die ziemlich unglaubwürdig ist. Nichtsdestotrotz funktioniert der haarsträubende Mix aus Geister- und Dämonenblödsinn zumindest auf der Spannungsebene. Regisseur KELVIN TONG beweist Geschick für Atmosphäre, Schocks und Kameraführung. Somit fesselt er den Zuschauer, der natürlich wissen möchte, wie THE OFFERING ausgeht. Weil’s jedoch ein amerikanischer Grusler herkömmlicher Rezeptur ist, dürfte jedem klar sein, dass ein Happy End nicht ausbleiben wird. Hinzu kommt, dass THE OFFERING offen endet, was bei konventionell gestrickten Horrorfilmen dieser Tage zum guten Ton gehört. Demzufolge kann der Film durchaus interessant sein, wenn man denn die eigenen Erwartungen herunterschraubt und den Kopf ausstellt. Wer allerdings sein Hirn beim Schauen von Horrorfilmen gebrauchen möchte, ist hier falsch.
 
 
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THE OFFERING – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Schauriger Gruselfilm mit ausreichend Schockmomenten, bei dem das Effekt-Team im Finale zeigen darf, was es kann. Leider hat THE OFFERING ein Problem. Der Streifen orientiert sich starr an amerikanischen Konventionen für Spuk- und Geisterfilme. Somit sind viele Szenenabläufe vorhersehbar. Weil Macher KELVIN TONG jedoch – ziemlich haarsträubend – Geister- und Okkultgenre verbindet, bleibt die Angelegenheit zumindest größtenteils spannend. Was in THE OFFERING passiert, ist schlussendlich Käse. Die Handlung trägt derart dick auf, dass sich erfahrene Zuschauer das Kopfschütteln nicht werden verkneifen können. So wird ein Tablet zum Ouija-Board umfunktioniert und Dämonen hacken sich in Webseiten ein. Unzählige Horrorelemente landen in einem Topf, sollen möglichst reißerisches Gruselvergnügen garantieren. Geister spuken durch Herrenhäuser, Dämonen sorgen für Chaos und der obligatorische Exorzismus darf auch nicht fehlen – Halleluja. Trotz Horror-Quatsch mit Soße beweist der Regisseur immerhin ein gutes Gespür für Spannungsaufbau und gut platzierte Schocks. Da geht sogar durch, dass im Film dreist Friedkins DER EXORZIST vergewaltigt und dessen berühmte Kopf-dreh-Szene kopiert wird. Wer Horror-Mainstream mag, kommt auf seine Kosten. Alte Horrorhasen, deren Herzen für nostalgische Geister- und Okkult-Klassiker der 1970er und 1980er schlagen, dürften sich aufgrund der einfältigen Zitate und der logikfreien Handlung schwerer mit THE OFFERING tun.
 
 
 


 
 
 

THE OFFERING – Zensur

 
 
 
Vor der Webcam bringen sich einige Protagonisten auf unterschiedliche Weise um. Zudem wird Unheil durch Spuk und Exorzismus heraufbeschworen. Hierzulande dürfte THE OFFERING ohne Probleme mit einer FSK16 erscheinen.
 
 
 


 
 
 

THE OFFERING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei MOMENTUM PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Backtrack (2015)
 
Sensoria (2015)
 
The Entity (2015)
 
Demonic (2015)
 
The Atticus Institute (2015)
 


Filmkritik: „Bite“ (2015)

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BITE

Story

 
 
 
Nachdem einen Frau aus dem Kurzurlaub zurückkehrt, durchlebt sie eine seltsame Verwandlung. Der Biss eines eigenartigen Insekts ruft sonderbare Symptome hervor, was der Leidgeplagten zu schaffen macht und aggressive Laune verursacht.

 
 
 


 
 
 

BITE – Kritik

 
 
 
CHAD ARCHIBALD ist jemand, den man in Filmkreisen als Multitalent bezeichnet. Der schreibt nicht nur Drehbücher und produziert Horrorware (SEPTIC MAN), sondern übernimmt auch schon mal die Regie in Musikvideos, TV-Serien oder Horrorfilmen (THE DROWNSMAN). Doch das ist noch längst nicht alles. Archibald probiert sich gern aus. Demzufolge hat der sympathische Kanadier auch schon einige Male hinter der Kamera Platz genommen oder sogar davor als Schauspieler (ANTISOCIAL) agiert, wenn aus Budgetgründen gespart werden musste. Im Laufe der Jahre hat sich der Filmemacher so reichlich Wissen angeeignet, von dem nun der Body-Horror BITE profitiert. Auch hier hielt Archibald die wichtigsten Zügel in der Hand, damit er absolute Kontrolle über das Filmprojekt erhalten konnte. So zeichnete er neben Story und Regie auch als Produzent verantwortlich, um möglichst ekligen Body-Horror nach eigenen Vorstellungen zu kreieren, der nicht ungeschickt nach einem der ganz großen Körper-Schocker schielt: das Remake zu DIE FLIEGE.
 
 
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Ein eigenartiger Insektenbiss führt hier zu schwerwiegenden Folgen. Kurz vor der Hochzeit treibt es drei aufgedrehte Schönheiten nach Costa Rica, wo der Jungesellinnenabschied von Casey (ELMA BEGOVIC) gefeiert werden soll. Die verfällt dem Alkohol und landet im Bett mit einem attraktiven Unbekannten, was später noch für allerhand Probleme sorgen wird. Doch die Affäre wird zum kleineren Übel. Beim ausgiebigen Bad in einem versteckten See wird sie von einem Insekt gebissen und denkt sich nichts dabei. Die Retourkutsche folgt in den eigenen vier Wänden. Kaum zurück in der Heimat klagt die Gebissene über Übelkeit und Schwindelgefühl. Ein Schwangerschaftstest bestätigt schlimmste Befürchtungen. Die Verlobte ist schwanger, obwohl sie doch dem Liebsten (JORDAN GRAY) Keuschheit bis zur Hochzeitsnacht versprochen hatte. Der bekommt bald mit, dass hier etwas im Argen liegt, denn bald schon durchlebt die Freundin eine schaurige Verwandlung zum Insekt, die sich offenbar nicht aufhalten lässt.
 
 
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Ein Apartment wird zum Nest. BITE ist definitiv kein Film für jene, die es gern sauber und ordentlich in der Wohnung haben. Was hier an Schleim, Erbrochenem und eigenartigen Kokon-Resten auf Boden und Wände verteilt wurde, lässt selbst die pedantischsten Putzfrauen verzweifeln. Macher CHAD ARCHIBALD schwingt nicht die Splatter- oder Gorekeule, um zu schockieren. Vielmehr versucht er durch Ekel Eindruck zu hinterlassen – und das nicht gerade wenig. Wie einst schon DAVID CRONENBERG mit seiner Neuverfilmung zu DIE FLIEGE versucht man in diesem Streifen mittels Körperflüssigkeiten, Insekteneiern und grotesken Verwandlungen die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich zu gewinnen. Das gelingt anfangs ganz gut. Weil aber die Ekelszenen ständig wiederholen werden, hat man sich schnell daran sattgesehen, so dass viele der wirklich unappetitlichen Filmmomente schnell an Reiz verlieren. So werden im Filme regelmäßig Bubble-Tea-Kügelchen zertreten oder verspeist, die dazu noch im Großformat von der Kamera eingefangen werden und die Insektenbrut darstellen sollen. Dazwischen wird erbrochen oder Eiter aus infizierten Wundmalen gedrückt. Etwas mehr Ekel-Abwechslung hätte nicht geschadet.
 
 
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Warum hilft kein Arzt? Wie meist nur im Horrorfilm üblich wird in BITE erst dann medizinischer Rat hinzugezogen, wenn es zu spät ist. Leider erscheint ein Arzt im Film nie, was dem Zuschauer aber recht sein dürfte. Der bekommen so einige ansprechend in Szene gesetzten Verwandlungsstadien zu sehen, die eine Frau langsam zum Insekt mutieren lassen. Weil BITE aber eine kleine Produktion ist, konnte nicht aus den Vollen geschöpft werden. So musste die Verwandlung auf (immerhin gute) Make-up-Effekte und wenige Prothesen reduziert werden. Eine vollständige Metamorphose zum Tier wäre wohl das I-Tüpfelchen gewesen. Leider ist in BITE der Ekel Selbstzweck, denn viel Substanz oder Tiefgang bietet der Streifen nicht. Sieht man von den vielen widerlichen Szenen ab, bleibt bis auf eine lapidare Geschichte über Vertrauensbruch und seine Folge nicht viel übrig, was Erwähnung finden könnte. Das sollte bewusst sein, wenn man sich auf den Film einlassen möchte. Zwar wird im Film Altmeister DAVID CRONENBERG dreist kopiert – die tiefgreifenden Qualitäten des sogenannten Body-Horror-Schöpfers erreicht BITE leider zu keiner Minute. Dafür ist der Streifen einfach nur darauf aus, möglichst vielen Zuschauern Übelkeit zu bescheren.
 
 
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BITE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ekel-Horror wie er im Buche steht. BITE ist kein Film für Horrorfans mit Reizmägen. Was als Found-Footage-Horror beginnt, bekommt Gott sei Dank schnell die Kurve. Nach zehn Minuten unentwegtem Kamerageschüttelt geht es in der herkömmlichen Filmansicht weiter und der Zuschauer bekommt Brechreiz erregenden Körper-Horror zu sehen, der ziemlich unverfroren bei der Neuauflage von DIE FLIEGE (1986!) stibitzt. Körperflüssigkeiten, Schleim und Verwandlungsstadien bilden in BITE das Fundament, das zwar simple zusammengestrickt wurde, aber immerhin die gewünschte Wirkung erzielt. BITE will ausschließlich Ekel hervorrufen und das gelingt dem Film ganz wunderbar. Eine Frau wird hier zum Insekt und legt im Akkord Insekteneier, die sie nach allen Regeln der Horrorkunst beschützen muss. Wer der Brut zu nahe kommt wird ausradiert. Effekttechnisch wird einiges geboten. Leider verdirbt – wie so oft in Indie-Produktionen – das begrenzte Budget den Spaß. Mangelndes Kapital sorgt dafür, dass viele der Ekelmomente wiederholt werden müssen. Schade – eine vollständige Metamorphose mit tadelloser Tricktechnik hätte BITE in eine Trash-Granate verwandelt. Auch wenn der Film hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, kann man trotzdem einen Blick riskieren. So übel ist BODY nicht – auch wenn der Film nur auf den schnellen Ekel-Kick aus ist.
 
 
 


 
 
 

BITE – Zensur

 
 
 
Brutale Gewalt gibt es nicht zu sehen. Der Film lebt in erster Linie von den vielen Ekeleffekten, die eindrucksvoll unterstreichen, wie eine Frau zum Insekt mutiert. Im späteren Verlauf kann die Leidgeplagte Magensäure spuken und verätzt damit das Gesicht einer Protagonistin. Zudem tötet sie ihre Freundinnen mit eigenen Körpersäften oder sticht ihnen mit ihrem gewachsenen Stachel in den Hals. Hierzulande wird BITE vermutlich eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BITE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Contracted (2013)
 
Contracted: Phase II (2015)
 
Starry Eyes (2014)
 
Chemical Peel (2014)
 
Thanatomorphose (2012)
 


Filmkritik: „Decay“ (2015)

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DECAY

Story

 
 
 
Auch Außenseiter brauchen Liebe: Muttersöhnchen Jonathan (ROB ZABRECKY) kommt eines Tages nach Hause und entdeckt im Keller seines Hauses eine tote Frau. Statt die Polizei zu rufen, geht er eine sonderbare Liebesbeziehung mit dem leblosen Körper ein.

 
 
 


 
 
 

DECAY – Kritik

 
 
 
Wenn Filme von der Liebe berichten, dürften sich den meisten Horrorfans die Nackenhaare sträuben. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn im Grunde genommen sollen Horrorfilme in erster Linie Angst verursachen oder schlaflose Nächte bereiten. Mittlerweile haben sich jedoch so viele Subgenres innerhalb des Horrorfilm entwickelt, dass aufgeschlossenen Horrorfans nicht murren und sich auch auf Horror-Kitsch einlassen, der dann auch mal von ungewöhnlichen Liebeskonstellationen berichtet. Eine dieser sonderbaren Beziehungen wird in DECAY thematisiert. Für den speziellen Beitrag zeichnet Regie-Newcomer JOSEPH WARTNERCHANEY verantwortlich, der schon in jungen Jahren mit Horrorfilmen in Berührung kam – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Weil ihm die Eltern das Schauen solcher Filme verboten hatten, schlich er sich immer mal wieder heimlich in den Flur, um dort nur den Streifen zu lauschen, welche in der Wohnstube über den Bildschirm flimmerten. Das entfachte die Phantasie des Heranwachsenden, der sich im Kopf ausmalte, was sich da wohl für furchtbare Dinge auf der Mattscheibe abspielen könnten. So soll die King-Verfilmung THE SHINING akustisch besonders geprägt haben. Auch die hat er an Kindertagen nie gesehen. Dafür hat das Lauschen derart Kopfkino verursacht, dass er sich als Erwachsener das Ziel setzte genau diese Film zu drehen, die er als Kind nie sehen durfte. Daraus resultiert die Idee zu DECAY, die – laut Wartnerchaney – angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen soll.
 
 
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Hilfe, Herr Nachbar hat nekrophile Neigungen. Im Film geht es um Einzelgänger, Schlüsselsammler und Orchideen-Liebhaber Jonathan (ROB ZABRECKY). Der lebt allein im Haus seiner verstorbenen Mutter, fristet ein routiniertes Dasein und erlebt nicht viel. So verläuft der Tag nach stets gleichem Ablauf. Nur die Arbeit bringt etwas Abwechslung in den ewig gleichen Kreislauf, weil er sich dort stets neue Frauengeschichten seines Arbeitskollegen anhören muss. Doch das pedantisch durchgeplante Leben gerät völlig aus den Fugen, als zwei Frauen in sein Leben treten. Die brechen heimlich in den Keller des Hauses ein und werden vom Hauseigentümer während ihrer Erkundungstour überrascht. Die Eine kann fliehen, wird aber von einem Auto überfahren. Die Andere fällt im Keller unsanft und verletzt sich dabei tödlich. Statt jedoch die Polizei zu unterrichten, hat Jonathan ungewöhnliche Pläne. Zu letzterem Opfer beginnt er eine emotionale Bindung aufzubauen und versteckt den Körper in einer fahrbaren Kiste. Den hieft er jeden Tag in einen Rollstuhl, um mit der ersten Freundin täglich bei Kerzenschein Abendessen zu können. Leider halten tote Frauen nicht ewig. So setzen bald Verwesungsprozesse ein. Doch das ist noch das kleinere Übel. Je länger der Leichen-Casanova die Liebesbeziehung zu seiner Freundin aufrechterhält, umso gravierender verändert sich dessen Geisteszustand. Hat die Liebe etwas den Verstand vernebelt?
 
 
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Was sich hier liest, wie eine urkomische Parodie auf Liebesfilme, ist alles andere als das. Der Film ist weitaus ernster, als man vermuten würde und beschreibt das psychische Ungleichgewicht eines Mannes, dem bereits im Kindesalter eingetrichtert wurde, dass alle Frauen unrein und schlecht sind. So gerät das pedantisch geordnetes Leben des Eigenbrödler just genau dann aus den Fugen, als ausgerechnet eine dieser angeblich triebgesteuerten Geschöpfte in das Leben des noch frauenunerfahrenen Mannes tritt, vor denen die Mutter stets gewarnt hat. Das hat Chaos als Folge, denn der Kontakt zum weiblichen Geschlecht reanimiert Erlebnisse aus dem Unterbewusstsein, die besser dort hätten bleiben sollen. DECAY ist ein trauriges aber auch deprimierendes Psychogramm eines einsames und schizophrenen Menschen, der unter der Fuchtel einer autoritären Mutter leiden musste und demzufolge ein abnormales Verhältnis zu Frauen entwickelt hat. Erfahrene Zuschauer wissen, dass derart Erlebnisse meist den üblichen Werdegang mordgeiler Psychopathen in Horrorfilmen einläuten. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY schlägt aber andere Richtung ein und hält bewusst Abstand von Klischees. Seine Figur ist kein skrupelloser Bösewicht, der Hass empfindet und morden will. Ganz im Gegenteil. Jonathan wird trotz Neurosen als gebeutelte Kreatur beschrieben, die letztendlich nur eines will: lieben und geliebt werden. Auch wenn in Kopf des Antihelden nicht immer alles richtig läuft, schließt man die ungewöhnliche Filmfigur mit all ihren Ticks ins Herz. Das macht DECAY interessant – vor allem beim Publikum, das sich gern abseits der üblichen Horrorpfade bewegt. Der Film ist mehr psychologisch durchdachtes Drama mit Hintergrund und weniger Genrefilm in dem Blut spritzen muss. Demzufolge ist DECAY gerade wegen des unkonventionellen Erforschens eines psychisch kranken Hirns einen Blick wert.
 
 
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DECAY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Rendevouz mit einer Leiche. Eine eigensinnige, aber sehenswerte Symbiose aus MANIAC, PSYCHO & NEKROMANTIK. DECAY ist ein ungewöhnlicher Horror-Beitrag, der offensichtlich klarstellen will, dass nicht jede schizophrene und jede in der Kindheit fehlgeleitete Seele unweigerlich auch zum Psychopathen mutieren muss. Der Antiheld in DECAY ist alles andere – nur nicht das. Der erlebt seinen ersten Frühling zwar mit einer Leiche; seine Erfahrungen mit der Liebe führen am Ende die Erkenntnis vor Augen, dass es manchmal doch besser ist, wenn man alleine bleibt. Regisseur JOSEPH WARTNERCHANEY erklärte in Interviews, dass bei ihm nicht die (angeblich von wahren Begebenheiten inspirierte) Geschichte zum Film Magengrummeln verursacht hat, sondern die Tatsache, dass wir oftmals nie wissen, was der gute Nachbar eigentlich hinter verschlossenen Türen treibt. Im Film frönt Figur Jonathan nicht nur seltsamen Hobbys, sondern ist auch psychisch alles andere als gesund. Trotz erschreckendem Leidensweg deklariert Macher JOSEPH WARTNERCHANEY seinen Antihelden nicht zum Bösewicht, sondern bewirkt Mitgefühl und Mitleid. Wer gern in kranke Köpfe schaut und deren Denkweisen ergründen möchte, ist bei DECAY gut aufgehoben, denn Wartnerchaney hat ein gut durchdachtes Drehbuch geschrieben, das weitestgehend von Horrorklischees Abstand hält. Gut gemacht.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Zensur

 
 
 
DECAY ist eher ein psychologisches Horror-Drama, das in erster Linie die kranke Psyche eines einsamen Mannes erforscht. Viel brutales Material gibt es nicht zu sehen. Die Leiche wurde ansprechend geschminkt. Die Verwesungsstadien sehen reichlich unappetitlich aus. Zudem fallt eine junge Frau zu beginn unsanft auf den Kopf. Eine andere wird von einem Auto überfahren. Gegen Ende sticht der schizophrene Antiheld des Films auf eine seiner imaginären Persönlichkeiten ein. Sollte DECAY in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte er problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DECAY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nekromantik (1987)
 
Nekromantik 2 (1991)
 
Psycho (1960)
 
Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf (1979)
 


Filmkritik: „13 Cameras“ (2015)

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13 CAMERAS

(SLUMLORD)

Story

 
 
 
Dabei sein ist alles: Ein junges Paar bezieht ein ansprechend umgebautes Haus, ohne zu wissen, dass der voyeuristisch veranlagte Vermieter darin ganz besondere Technik eingebaut hat.

 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Kritik

 
 
 
Mehr als 30 Millionen Überwachungskameras wurden in den letzten zehn Jahren verkauft. Doch die finden nicht immer nur zum Schutze von Leben und Eigentum Verwendung. So wurden über 8000 Menschen im letzten Jahr heimlich von Überwachungskameras daheim beobachtet. Eine beunruhigende Zahl, die natürlich genug Stoff hergibt, um daraus einen ungemütlichen Thriller zu drehen. Regieneuling VICTOR ZARCOFF hat das Potenzial dahinter erkannt. Er führt im ersten Spielfilm dem Zuschauer auf erschreckende Weise vor Augen, dass nicht jeder Wohnungseigentümer am Wohle seines Mieters interessiert ist. 13 CAMERAS (der auf Festivals auch unter SLUMLORD lief) nennt sich dessen Leinwanddebüt, das geschickt beklemmend beschreibt, wie einfach die Sucht am Beobachten in grenzenlose Besessenheit umschlagen kann. Dabei lässt Zarcoff das Grauen immer nur Häppchenweise auf den Besucher los, bis es am Ende in voller Gnadenlosigkeit zuschlägt.
 
 
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Wenn dich der Vermieter heimlich beim Stuhlgang beobachtet. Claire (BRIANNE MONCRIEF) und Ryan (PJ MCCABE aus THE DEN) sind eigentlich ein glückliches Paar. Der Nachwuchs soll in den nächsten Wochen zur Welt gebracht werden, weshalb sie die jungen Eheleute nach einer neuen Wohnung umschauen. Die ist schnell gefunden. Ein seltsamer und nicht sonderlich kommunikativer Vermieter zeigt den beiden ein ansprechend umgebautes Heim mit Pool. Darin riecht es zwar nicht gerade einladend, wird aber wenig später von den werdenden Eltern bezogen. Doch die anfängliche Freude über das kleine Haus am Stadtrand und die gemeinsame Zukunft währt nicht lange. Ryan treibt nämlich hinter dem Rücken seiner Frau ein makabres Spiel. Der hat mit der Arbeitskollegin eine geheime Affäre, von der niemand wissen darf. Leider will die bald mehr von ihrem Liebhaber und mischt sich in dessen Ehe ein. Doch die zerrüttete Beziehung des verheirateten Paares hat bald andere Probleme. Hauseigentümer Gerald (NEVILLE ARCHAMBAULT) ist nämlich einer der ganz perversen Sorte. Der hat im Haus Überwachungskameras versteckt und beobachtet das Leben der jungen Leute. Als er eine Obsession für die schwangere Claire entwickelt, überschlagen sich die Ereignisse und die neue Bleibe wird bald zum blanken Horror für die neuen Mieter.
 
 
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Es ist schon eine schauderhafte Vorstellung, wenn man sich vorstellt, wie Fremde in das Intimleben anderer Leute eindringen, ohne dass die Opfer überhaupt davon merken. Macher VICTOR ZARCOFF spielt gekonnt mit dieser Angst und macht den Zuchauer quasi zum heimlichen Mitwisser, der – wie der Fiesling im Film – das Privatleben eines Paares durch versteckte Kameras beobachtet. NEVILLE ARCHAMBAULT verkörpert in 13 CAMERAS einen besonders eigensinnigen Zeitgenossen. Der besitzt voyeuristischen Neigungen und steuert das Leben fremder Menschen auf subtile weise, die natürlich vollkommen ahnungslos darüber sind, dass da jemand Teil ihres Privatlebens ist. Sind die jungen Leute aus dem Haus, macht es sich der Eigenbrödler in deren Wohnung gemütlich, füttert den Hund, durchwühlt Unterwäsche oder leckt an fremden Zahnbürsten. Kommen die Mieter zurück nach Hause, wundern die sich aus nachvollziehbaren Gründen darüber, warum das Haustier ständig erbricht oder Zahnbürsten nach Fäkalien riechen. Filmfigur und Hauseigentümer Gerald ist niemand, den man gern auf eine Tasse Kaffee einladen möchte. Der scheint zwar minderbemittelt zu sein und verhält sich weitestgehend distanziert und unauffällig; gerät er aber in Rage kommt der Psychopath zum Vorschein. Dank guten Make-up-Künsten gehört die von ihm gespielte Figur zu den ekelerregendsten aber auch bemittleidenswertesten Kreaturen, die man in der letzten Zeit auf der Mattscheibe zu sehen bekommen hat. Allein deren mangelnde und im Film oftmals kritisierte Körperhygiene verursacht Brechreiz, weil man als Zuschauer meint, den unangenehmen Körperduft des Filmbösewichts sogar durch den Fernsehapparat riechen zu können.
 
 
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Eigentlich ist 13 CAMERAS mehr ein Beziehungsdrama, in dem ein Seitensprung dafür sorgt, dass die Beziehung zwischen zwei Liebenden aus dem Gleichgewicht gerät. Regisseur VICTOR ZARCOFF nutzt aber die Gelegenheit zwischen Herzschmerz, Skepsis und Vertrauensbruch den Horror regieren zu lassen. Von den Streitenden unbemerkt, wird der schmierige Vermieter von Nebenan nicht nur zufällig Mitwisser, sondern verwandelt sich im Verlauf des Film zum unberechenbaren Killer, der sogar über Leichen geht, sobald seine perversen Machenschaften aufzufliegen drohen. So wird die Atmosphäre von 13 CAMERAS gegen Filmmitte immer ungemütlicher, wenn sich Eigentümer Gerald immer häufiger Zutritt zum Haus seiner Mieter verschafft. Die Angst entdeckt zu werden ist allgegenwärtig und verursacht reichlich Herzklopfen beim Zuschauer, der innig hofft, dass das perverse Versteckspiel endlich aufgedeckt wird – aber niemand zu Schaden kommt. Für einen Debütfilm ist 13 CAMERAS bemerkenswerte Arbeit. Neuling VICTOR ZARCOFF versteht es eindrucksvoll Spannungsschrauben fester zu drehen und besitzt sogar ein Faible für schwarzen Humor. Für den Filmtwist am Ende macht er nämlich von Galgenhumor Gebrauch. Sensible Gemüter dürften Gezeigtes aber nicht sonderlich lustig finden.
 
 
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13 CAMERAS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Reichlich unbequemer Suspense-Thriller mit brisanter Thematik, die gar nicht mal so weit hergeholt ist. So haben die Medien bereits schon öfters über Wohnungseigentümer und Hotelbesitzer berichtet, die Mieter und Gäste heimlich mit Überwachungskameras gefilmt und die Aufzeichnungen ins Netz gestellt haben, damit perfide Neigungen befriedigt werden können. Wenn jemand in unser aller Intimstes eindringt, hört der Spaß auf. Das will auch Regisseur VICTOR ZARCOFF klarstellen, der mit seinem ersten Spielfilm 13 CAMERAS einen spannenden Thriller gedreht hat, der von Filmminute zu Filmminute immer unangenehmer wird. Die Spannungsschrauben werden dabei bis zum Finale immer fester gedreht – ganz so, wie man es von gut durchdachter Suspense-Ware eben erwartet. Für den Einstieg ins Filmgeschäft ist der Psychothriller 13 CAMERAS nicht übel. Demzufolge sollte man Zarcoffs weiteren Werdegang definitiv im Auge behalten.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Zensur

 
 
 
Für die FSK gibt es nichts zu bemängeln. Grausamkeiten spielen hier kaum eine Rolle. Am Ende wird eine Filmfigur ertränkt, eine andere erschlagen. Demzufolge ist eine FSK16 sicher.
 
 
 


 
 
 

13 CAMERAS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Gravitas Ventures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
Sliver (1993)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 


Filmkritik: „Harvest Lake“ (2016)

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HARVEST LAKE

Story

 
 
 

Eine Geburtstagsfeier läuft aus dem Ruder. Ben will mit Freundin und Kumpels den 26. Jahrestag in einer Hütte am See feiern. Leider werden die Freunde bald zu hilflosen Geiseln ihrer eigenen Triebe. Irgendwas im Wald scheint ihre Lust fremdzusteuern. Doch wer oder was ist dieser gemeine Übeltäter?

 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Kritik

 
 
 
In HELLRAISER hat man’s getan, in IT FOLLOWS gehörte es dazu und in den Filmen von DAVID CRONENBERG ist es sowieso Programm. Wer im Filmbusiness polarisieren und prägenden Eindruck hinterlassen will, kombiniert einfach Sex und Horror, damit Filmfans was zu sehen bekommen und sich prüde Sittenwächter dran abarbeiten können. Mit letzteren steht der Regisseur des folgenden Streifens bereits auf Kriegsfuß. Horror-Newcomer SCOTT SCHIRMER bekam mit dem Coming-of-Age-Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER in einigen Ländern erhebliche Probleme. Darin vermischte er recht unverfroren Sexualität mit Gewalt und stieß vor allem bei den besorgten Zensurbehörden auf Ungnade, die rigoros Schnitte forderten. Was jedoch zum Schutze der Jugend wohlwollend in Kauf genommen wurde, entwickelte sich zu unfreiwilliger PR. Der Film machte gerade wegen der Zensurproblematik müde Horrorfans munter und erhielt zudem auf Festivals gute Kritiken, so dass die Filmrechte schnell in viele Länder verkauft werden konnten. Vier Jahre sind seither vergangen und SCOTT SCHIRMER scheint sich bewusst viel Zeit für seinen nächsten Streich gelassen zu haben, mit dem er wohl nun beweisen möchte, dass FOUND keine Eintagsfliege gewesen ist. HARVEST LAKE nennt sich der Nachfolger, der zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten und bizarrsten Genrebeiträgen gehört, die das Filmjahr 2016 bisher hervorgebracht hat. Der Grund hierfür ist einfach erklärt. Schirmer vermischt abermals Sex mit Horror, entführt den Zuschauer aber diesmal in surreale Sphären, die HARVEST LAKE vor allem für jene Filmfreunde interessant machen dürfte, denen es im Horrorkino nicht absurd und ausgefallen genug zugehen kann.
 
 
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Eine erotische Reise in den Wald der Triebe und Lüste. Was in HARVEST LAKE passiert, hat man wohl bisher so noch nicht auf der Mattscheibe gesehen. Hier fahren einige Mittzwanziger (darunter ELLIE CHURCH aus HEADLESS) in die Wälder, um in einer einsam gelegenen Hütte den Geburtstag einer der Anwesenden zu feiern. Nach anfänglichen Plaudereien und Bädern im See passiert ganz Sonderbares. Sexuelle Energie wird entfacht und die Freunden überkommt es. Während die Hemmungen fallen und sich die kleine Gruppe der Fleischeslust hingibt, wachsen im Wald seltsame Pflanzen. Phallusförmige Gebilde, an Schamlippen erinnernde Pilze und busen-gleiche Blüten durchziehen das Dickicht und scheinen die Sinne der fünf Kumpels zu vernebeln. Die lassen ihrer sexuellen Lust freien Lauf ohne zu ahnen, dass sie dadurch unfreiwillig Teil eines fremdartigen Lebenszyklus werden.
 
 
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Es ist schwer in Worte zu fassen, was sich Regisseur SCOTT SCHIRMER da hat einfallen lassen. Irgendwo zwischen DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (die 1978er-Adaption) und Cronenbergs SHIVERS reiht der Macher sinnliche Bilder von Menschen beim Geschlechtsakt aneinander, die von einer nicht näher erläuterten Macht manipuliert, gesteuert und für die eigenen Zwecke missbraucht werden. Was sich surreal liest und vermutlich einen tieferen Sinn beherbergt, ist auch definitiv surreal, hat aber laut Schirmer keine besonders tiefgründige oder doppelbödige Aussage. Der Regisseur wollte einfach nur einen abgefahrenen Genrefilm mit viel Sex drehen, dessen Skript er zusammen mit seinem Kollegen und Freund BRIAN K. WILLIAMS verfasst hat. Die beiden hatten schon immer mal vor gemeinsam einen Film zu drehen. Leider fehlte für das Vorhaben stets die Zeit. Als die beiden einige Tage frei hatten, nahm man die Gelegenheit beim Schopfe und steckte die Köpfe zusammen. Einige Gespräche später entstand die Idee zu HARVEST LAKE, der anfangs eigentlich eher in Richtung Sexkomödie im Stil des Teenager-Klamauks PORKY’S gehen und sich im Verlauf zur Spielfilmversion von DEEP DWELLERS (ein Kurzfilm im Vorgängerfilm FOUND) entwickeln sollte. Letztendlich entschied man sich dann doch für einen ernsten Film und schlug die Science-Fiction-Schauerrichtung ein, um den Genreanspruch zu bewahren. Gott sei Dank.
 
 
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Laut Interviews in der Fachpresse ist Schirmer ein großer Fan von Monster-Filmen und erwähnt im gleichen Atemzug einen Horror-Schlocker der späten 1980er: DAS HALLOWEEN MONSTER. Dass es demzufolge am Ende von HARVEST LAKE ebenso ein handgemachtes Monster zu bestaunen gibt, verwundert da wenig. Leider hält sich der Regisseur trotz Plauderlaune in Interviews darüber bedeckt, was die groteske Kreatur im Film denn nun eigentlich genau darstellen soll. Handelt es sich hier um Pflanzen des Waldes, die den Menschen – ähnlich wie Bienen – nutzen, um befruchtet zu werden oder haust in den Wäldern außerirdisches Leben, das menschlichen Samen zu Fortpflanzung benötigt. In HARVEST LAKE wird die Phantasie des Zuschauers gefordert, denn der surreale Bilderrausch bleibt Antworten schuldig. Nichtsdestotrotz ist Schirmers Film nicht übel – man muss sich auf das sonderbare Filmerlebnis einlassen, denn handwerklich wurde die Indie-Produktion trotz kleinem Budget tadellos inszeniert. Die Schauspieler sind gut gewählt, sympathisch und dürfen sich sogar charakterlich entwickeln. Ein geradezu hypnotischer Score brennt sich in den Kopf des Zuschauers ein und unterstreicht die erotische Anziehungskraft der im wahrsten Sinne Lust-vollen Bilder, die über Kinoleinwand oder Mattscheibe flimmern. Wer demzufolge Filme fernab des Kommerzes sucht, darf sich diesen ungewöhnlichen und hochinteressanten Genrebeitrag nicht entgehen lassen. Leider hat Macher SCOTT SCHIRMER damit die Messlatte für den nächsten Film selbst weit nach oben gesetzt. Ob er FOUND und HARVEST LAKE übertreffen kann, bleibt abzuwarten.
 
 
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HARVEST LAKE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein bizarrer Genre-Mix aus DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN und David Cronenbergs SHIVERS, der nicht ungesehen bleiben sollte. HARVEST LAKE ist ein erotisch-surrealer Bilderrausch, der Seinesgleichen sucht und mit nichts zu vergleichen ist. FOUND-Regisseur SCOTT SCHIRMER hat sich hier nach eigener Aussage von Filmen wie Zulawskis POSSESSION, Yuznas SOCIETY aber auch vom atmosphärischen australischen Klassiker PICKNICK AM VALENTINSTAG inspirieren lassen und macht Ur-Instinkte sowie Ur-Ängste zum Thema. HARVEST Lake schildert, wie abhängig doch der Mensch von seinen Trieben ist. Sind die einmal angeworfen und außer Kontrolle, hat man mit der Menschheit einfaches Spiel. So werden im Film Menschen zu willenlosen Sklaven umfunktioniert, die am Ende ein Dasein wie die Tiere des Waldes fristen müssen (dürfen?), weil eine nicht näher erklärte Macht weiß, wie sie die Sinne von Mann und Frau beflügeln muss. Einmal vom Nektar der Liebe gekostet, ist der Mensch willenlos und sitzt in der Venusfalle. Umso erschreckender, was ein Cocktail aus Verlangen, Lust und Liebe mit unseren Köpfen anstellt. Fließt das Gebräu erst mal durch unsere Venen, macht es uns zu Gefangenen der eigenen Triebe. Beängstigend irgendwie.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Zensur

 
 
 
In HARVEST LAKE gibt es keine Gewalt zu sehen. Würden im Film nicht hin und wieder einige Erotikszenen über die Mattscheibe flimmern, wäre der Streifen ein sicherer FSK12-Kandidat. Vermutlich wird er den blauen FSK-Flatschen wegen einiger freizügigen Szenen erhalten und dürfte so frei für Jugendliche ab 16 Jahren sein.
 
 
 


 
 
 

HARVEST LAKE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Forbidden Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Körperfresser kommen (1978)

Body Snatchers (1993)

Society (1989)

Shivers (1975)

Honeymoon (2014)


Filmkritik: „The Invitation – Die Einladung“ (2015)

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THE INVITATION – DIE EINLADUNG

Story

 
 
 

Will besucht mit seiner neuen Freundin die Ex-Frau. Die war knapp zwei Jahre verschollen, ist ebenfalls neu verbandelt und veranstaltet eine Wiedersehensfeier zu der weitere Freunde eingeladen sind. Doch die Party entwickelt sich zum Albtraum, denn aus der fröhlichen Wiedersehensfeier wird ein Kampf auf Leben und Tod

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Kritik

 
 
 
Regisseurin Karyn Kusama zeichnet für Werke wie „Aeon Flux“ und „Jennifer’s Body“ verantwortlich, Beides bekanntermaßen keine wirklich gelungenen Filme. Ansonsten hat sie ein paar Episoden für diverse Fernsehserien („Chicago Fire“, „The L Word“) gedreht und ein paar Kurzfilme. Die Drehbuchautoren haben ihr an den bereits genannten Filmen zur Seite gestanden, was die Hoffnung auf einen guten Film – ehrlich gesagt – nicht unbedingt erhöht. Zwar wurde „The Invitation“ ohne den Einfluss eines der bekannten Hollywood-Studios gedreht, so dass Regisseurin und Produzenten völlig freie Hand hatten, aber dass deswegen ein besserer Film daraus entstanden ist, lässt sich leider nicht bestätigen. Das krude und vor allem in den ersten zwei Dritteln furchtbar enervierende Werk ist keinesfalls ein Horrorfilm, eher ein zähes Drama mit zugegeben recht blutigen Finale, aber bedauerlicherweise ohne Spannung. Entbehrlich, überfrachtet und an vielen Stellen so unlogisch und dilettantisch, dass man nicht guten Gewissens zuraten kann, diese „Einladung“ anzunehmen.
 
 
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So, also: Will (Logan Marshall-Green) und Eden (Tammy Blanchard) haben sich aufgrund des plötzlichen Unfalltodes ihres Sohnes und Edens Affäre mit David (Michiel Huisman) vor zwei Jahren getrennt. Eden war daraufhin verschollen. Nun ist sie wieder da und lädt Will samt seiner neuen Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) und weiteren alten Freunde in das Haus ein, in dem sie mit Will zusammen gelebt hat und nun mit David wohnt. Doch der Abend wird nicht zur fröhlichen Wiedersehensfeier. Die Freunde sind latent vergrätzt, dass Eden einfach sang- und klanglos verschwunden ist und Will bereitet es einige Probleme, sowohl auf sein altes Heim (im Übrigen auch der Schauplatz des Unfalltodes seines Sohnes) als auch auf Edens neuen Freund zu treffen. Darüber hinaus wirken sowohl Eden als auch David irgendwie seltsam. Als sie ihnen dann auch noch ein Video zeigen, in dem ein alter Mann komische Thesen kundtut, kippt die Stimmung endgültig.
 
 
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Dem Zuschauer geht es da ganz ähnlich. Anfangs hofft man noch (aufgrund der durchaus prekären Ausgangssituation) auf einen spannenden (Film)Abend, an dem sich alte Freunde aus unterschiedlichen Gründen beharken oder es zur Konfrontation zwischen Ex-Mann und -Frau kommt. Vielleicht wären auch ein paar unheimliche Momente drin, wenn Will vom toten Sohn halluziniert. Aber nix da. Frau Kusama fand es offensichtlich wesentlich spannender, einen Haufen Unsympathen dabei abzufilmen, wie sie Belanglosigkeiten austauschen oder absoluten Stuss reden. Eden wandelt dabei barfuß im weißen Gewand umher und guckt verklärt, Freund David schließt schon mal die Haustür ab und kübelt den Gästen Rothschild in die Gläser. Auch die weiteren Gäste können kaum Sympathien generieren. Wenigstens sind alle Minderheiten abgedeckt: Asiaten, Schwarze, Schwule, Dicke und Bekloppte. Neben den alten Freunden gesellen sich auch zwei Unbekannte zur Runde. Die durchgeknallte Sadie (Lindsay Burdge) und die ominöse Halbglatze Pruitt (John Carroll Lynch). Uh, unheimlich.
 
 
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Fortan wird drauflosgefaselt, was das Zeug hält, während Will es vorzieht, in seinem ehemaligen Zuhause rumzuwandeln und seiner Ex hinterherzuschnüffeln. Dabei wird er von Flashbacks geplagt, die vorrangig den toten Sohn zeigen oder aber seine Ex beim versuchten Freitod-Vollzug. Doch dann wird es spannend…ach nein, doch nicht. Denn nun zeigt David allen ein Video. Darauf zu sehen ein glatzköpfiger alter Mann, der wirres Zeug redet und meint, nur der Tod könne einem inneren Frieden bringen und wäre somit der einzige Weg traumatisierter oder trauriger Menschen, um Erlösung zu finden oder so. Da guckt die Gästeschar erstmal relativ blöd aus der Wäsche, findet das dann in der Summe aber nur semi-beunruhigend (wahrscheinlich wollten sie schlicht noch mehr von dem teuren Fusel abgrasen). Dann gibt es tolle „Sag, was du dir wirklich wünscht, ganz offen und ehrlich“-Spiele, anschließend wird lecker Abendbrot gereicht, während Will zunehmend beunruhigt durch die Flure schlurft. Und dann endlich (wir sind nun bei 80 von 100 Filmminuten angelangt) passiert mal was. Da einem die Protagonisten aber samt und sonders sowas von egal sind, kommt immer noch keine Spannung auf.
 
 
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Im Finale wird es dann durchaus ein bisschen blutig (es kommen Pistolen, Schürhaken und Messer zum Einsatz), leider interessiert einen dies nur noch insoweit, als dass man nun berechtigterweise darauf hoffen kann, bald des Abspanns ansichtig zu werden. Bis dahin kann man sich die Zeit damit vertreiben, die Unsinnigkeiten des Films aufzuzählen (u.a. das übliche „Handy funktioniert, dann wieder nicht, dann doch usw.“-Spiel oder auch die Frage, wie zwei der Protagonisten am Ende aus dem Haus herauskommen, das Sekunden vorher noch fest verschlossen und ausweglos verrammelt war). Es gibt noch wesentlich mehr unlogische Sequenzen, die man ohne zu spoilern aber nicht erwähnen kann.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
„The Invitation“ verschenkt das Meiste seines Potenzials. Die Ausgangssituation bietet ausreichend Stoff für Konflikte, Drama und Unheimliches. Unter der Ägide von Regisseurin Kusama wird daraus aber leider ein einschläferndes Laber-Martyrium für den Zuschauer, aus dem Kusama so gut wie keine Spannung zu generieren weiß. Darüber hinaus ist der Film an vielen Stellen schlicht unglaubwürdig oder unlogisch und gespickt mit Charakteren, die einem herzlich egal sind. Über zwei Drittel des Films werden verschwendet mit blödsinnigen Dialogen und unsinnigen Aktionen. Als der Film im Finale dann endlich mal etwas an Tempo gewinnt, häufen sich die Ungereimtheiten und gipfeln in einem derart dämlichen Schlussakkord, dass man die Regisseurin am liebsten selbst mal mit so einem Haufen kruder Typen in ein Haus einsperren möchte. Die halbwegs soliden Darstellerleistungen von Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe Hollywoods retten diesen Unsinn wenigstens vor dem Totalausfall. Dennoch haben Zachary Quinto, Luke Wilson und Topher Grace, die ursprünglich für einige der Rollen vorgesehen waren, gut daran getan, abzulehnen. Ach ja, einen Pluspunkt gibt es noch für die zumindest nicht billig aussehende Location, in der dieser Unsinn spielt. Ergo: Mit diesem Independent-Schnarchfilm kann man keinen hinterm Ofen vorlocken. Deshalb maue vier von zehn Einladungen, die man unbedingt ausschlagen sollte.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Zensur

 
 
 
„The Invitation“ wurde von der FSK mit einer FSK16 durchgewunken. Das ist auch kein Wunder, denn zu derbe Schauwerte bleiben aus. Filmfans, die ausschließlich ungeschnittenes Material ihr Eigen nennen wollen, können demnach bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Pandastorm Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Invitation; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover und Schuber

Extras: Originaltrailer, Trailer

Veröffentlichung: 15.04.2016

 
 
 

The Invitation [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE INVITATION – Trailer

 
 

 
 
 

MissVega

(Mehr Kritiken von MISSVEGA gibt es hier zu lesen)

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Pandastorm Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Green Room (2015)
 
Coherence (2013)
 
The Overnight (2015)
 
Party Invaders (2013)


Filmkritik: „Darling“ (2015)

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DARLING

Story

 
 
 

Eine junge Frau (Lauren Ashley Carter) bezieht ein Apartment irgendwo mitten in New York City und soll als Hausmeisterin für ein paar Tage auf die bezogene Wohnung achtgeben. Leider erlebt sie darin unvorstellbares Grauen.

 
 
 


 
 
 

DARLING – Kritik

 
 
 
Immer wieder interessant zu beobachten, welchen Weg Horror-Regisseure gehen. Da gibt es die, die der eingeschlagenen Richtung treu bleiben und stets ähnlich gestrickte Schocker drehen, mit denen sie im Horrorfilmgeschäft Fuß gefasst haben. Andere probieren sich wiederum aus und experimentieren mit Stilen und Genres. Zu Gruppe 2 gehört MICKEY KEATING. Dessen Streifen entwickeln sich so langsam zu Geheimtipps, denn seit dem Okkultismus-Thriller RITUAL ist das, was der Regisseur hervorbringt, immer überraschend durchdacht und sorgfältig inszeniert. Nach POD, einem spannenden Ausflug ins Mystery-Fach, verblüfft der ambitionierte Filmemacher mit seiner Neugier für klassisches Grauen, das er in DARLING virtuos – nahezu kunstvoll – auf die Kinoleinwand transferiert. Hierzu knipst er die Farben aus und schaltet den Schwarz-Weiß-Filter an. So fühlt sich das Publikum in eine Zeit versetzt, als noch die Macht der Imagination für schlaflose Nächte gesorgt hat. Keating macht die Furcht vor dem Nichtgreifbaren in DARLING zum Thema und verbeugt sich damit ehrfürchtig vor den Werken des französisch-polnischen Meisterregisseurs ROMAN POLANSKI. Der konnte sich bereits in den 1960ern mit drei Kultfilmen, die man heute manchmal als „Mieter-Trilogie“ zusammenfasst (EKEL, ROSEMARIES BABY, DER MIETER) einen Namen machen und lies brillant nagendstes Grauen in den Köpfen seiner Zuschauer entstehen. Die gleiche Richtung schlägt auch Regisseur MICKEY KEATING ein. Er tritt in die Fußstapfen des Altmeisters und kreiert mit DARLING psychologischen Horror, der sich langsam, dafür aber umso intensiver seinen Weg durch die Köpfe des Publikums frisst.
 
 
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Wie in genannten Werken von ROMAN POLANSKI wird auch in DARLING eine Wohnung zum Schauplatz menschlicher Abgründe. Hier bezieht eine Mittzwanzigerin (LAUREN ASHLEY CARTER aus JUG FACE und THE WOMAN) das älteste Apartment New Yorks auf Zeit. Dort soll sich Tragisches ereignet haben. Eine junge Frau hat sich darin einst das Leben genommen. Doch das schreckt die neue Mieterin nicht ab, die als Hausmeisterin auf die riesige Wohnung achtgeben soll. Weitaus mehr Magenschmerzen bereitet ihr eine verschlossene Tür im oberen Stockwerk. Die soll auf Anraten der Wohnungseigentümerin bitte auch verschlossen bleiben, was Neugier aber auch Unwohlsein auf den Plan ruft. Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Tür und warum darf das mysteriöse Zimmer nicht betreten werden? Viel Zeit für die Suche nach Antworten bleibt nicht, denn die junge Frau wird bald von schrecklichen Visionen heimgesucht und hört seltsame Stimmen. Erfahrene Horrorfans ahnen, dass das nur Vorboten sind, die ein schreckliches Ende einläuten werden. So ist es auch, denn offenbar scheint die Hauptprotagonistin im Film ihren Verstand zu verlieren und wird zu grausamen Taten angestiftet. Interessanterweise wird die Auflösung nicht auf dem Silbertablett serviert. Regisseur MICKEY KEATING hat das Drehbuch zu DARLING so clever konzipiert, dass mehrere Erklärungen Sinn machen. Hat sich hier ein Geist dem Körper einer jungen Frau bemächtigt, der Rache für unmenschliche Schandtaten fordert? Entpuppt sich das Haus als Pforte zur Hölle, in dem okkulte Rituale gehalten werden, um der Menschheit zu schaden? Oder ist in DARLING eine labile Mieterin nicht mehr Herr der eigenen Sinne, weil sie sich einsam fühlt und Hass gegenüber Männern hegt? Die Interpretationsfähigkeit des Publikums ist gefragt.
 
 
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Es müssen nicht immer laute Gruselschocker sein, die sich durch möglichst realistische Ekel- und Spezialeffekte versuchen gegenseitig den Rang abzulaufen. Manchmal können auch dezent und zurückhaltend eingesetzte Schauer ziemlich viel Unbehagen auslösen, was in DARLING gut funktioniert – gerade auch deshalb, weil sich der Film auf das Wesentliche konzentriert und versucht mit simpler Methodik Grauen heraufzubeschwören. Statt sich mit einfältiger Effekthascherei über Wasser zu halten, entsteht in DARLING Horror auf subtile Weise. Regisseur MICKEY KEATING spielt mit den Möglichkeiten von Kamera, Ausleuchtung, Akustik und Schnitten. Die dabei verursachte, gespenstige Atmosphäre ist beachtlich, was DARLING zu einem ganz speziellen Gruselerlebnis für anspruchsvolle Kinogänger macht, die sich nicht mit trivialer Angstmacherei abspeisen lassen möchten, sondern auch im Genrefilm das Besondere suchen. DARLING ist ein ungewöhnliches Gruselerlebnis, das Konventionen strotzt und fast schon die Grenzen zum Arthaus-Kino streift. Die Kulisse ist puristisch gehalten und reduziert sich auf weiße Gänge und spartanisch eingerichtete Räume. Mittendrin LAREN ASHLEY CARTER, die den Zuschauer mit großen Augen durch ein morbides Szenario führt und den gesamten Film fast ganz allein auf den schmalen Schultern tragen muss. Gesprochen wird kaum. Stattdessen beobachtet die Kamera akribisch den psychischen Verfall einer Frau, die von unheimlichen Stimmen geleitet zu einer unfassbaren Tat angestiftet wird. Dabei durchlebt die Leidgeplagte eine sonderbare Verwandlung. Macher MICKEY KEATING bewirkt, dass anfängliche Sympathien für die verängstige Frau in blankes Entsetzen und Abscheu umschlägt. Hinzukommt, dass durch ausgeklügeltes Spiel von Licht und Schatten sowie abrupt ablaufender Szenenabfolgen eine Stimmung ständiger Angst und Unbehagens bewirkt wird. Die beunruhigenden Filmelemente drängen DARLING vom Horror ins Psychofach und lassen den Film virtuos auf den Spuren des Polanski-Klassikers EKEL wandeln, der ziemliche viele Parallelen im Inszenierungsstil und den Erzählmechanismen vorzuweisen hat.
 
 
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DARLING ist kein Genrefilm fürs breite Publikum. Den meisten Zuschauern dürfte die Geschichte wegen der langen Kameraeinstellungen doch etwas zu gemächlich über die Mattscheibe flimmern. Zudem fühlt sich der behäbige und eigenwillige Inszenierungsstil an, als wäre man im Horrorkino der späten 1960ern gefangen. Was sich für die meisten Horrorfreunde befremdlich und nicht gerade zeitgemäß anfühlt, ist aber die eigentliche Quintessenz dieses außergewöhnlichen Filmexperiments. Das orientiert sich bewusst an längst vergangene Zeiten und lässt eine Epoche aufleben, in der mit NIGHT OF THE LIVING DEAD, PSYCHO oder BIS DAS BLUT GEFRIERT wichtige Wegbereiter moderner Horrorware entstanden sind. Wer Filme fernab gängiger Horror-Formate bevorzugt, sollte sich daher dieses klaustrophobische, beängstigende und ungemütliche Stück Psycho-Horror nicht entgehen lassen. Auch wenn DARLING versucht so jedem Horrorklischee aus dem Weg zu gehen ist er vielleicht auch gerade deswegen einen Blick wert. Von FILMCHECKER gibt es daher einen Empfehlung.
 
 
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DARLING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beunruhigend inszenierter Psycho-Horror in mehreren Akten, der auf den Pfaden von Polanskis Mieter-Trilogie wandelt und sich an Zuschauer richtet, die eine Vorliebe für Horror-Kopfkino besitzen. Dort spielt sich nämlich das meiste Grauen in DARLING ab, denn wie in den guten alten Zeiten entsteht der Horror hier vornehmlich im Kopf des Publikums. Regisseur MICKEY KEATING macht von klassischer Angstmacherei Gebrauch. Der Film sieht aus, als wäre er in den 1960ern entstanden und nutzt zudem klassische Stilmittel wie schnelle Bildabfolgen, permanentes Flüstern und abrupte Geräusche um Unbehagen zu bewirken. Laut Keating wurde der Film in nur zwölf Tagen fertiggestellt und in einem Haus von Freunden der Hauptdarstellerin LAREN ASHLEY CARTER im Zentrum von New York City gedreht. Entstanden ist ein außergewöhnliches und doppeldeutiges Filmexperiment, das sich konsequent gegen die vordiktierten Konventionen aktueller Horrorware lehnt. Ein mutiger Schritt den Filmemacher MICKEY KEATING da wagt, der in Interviews immer wieder zu verstehen gibt, dass er sich nicht festlegen lassen will, sondern als ernstzunehmender Regisseur ausprobieren möchte. Vergleicht man DARLING mit Keatings bisherigen Arbeiten bestätigt sich dessen Aussage. Alle Filme des Machers sind so unterschiedlich, dass man gespannt sein darf, was als nächstes folgen wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass nach RITUAL, POD und DARLING ein weiterer Geheimtipp auf uns zukommen wird, denn genannte Horrorstreifen zeigen eindrucksvoll, worauf es im Horrorgenre ankommt.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Zensur

 
 
 
DARLING ist mehr Psychothriller als Horrorfilm. Das Grauen wird dabei in erster Linie durch Stilelemente wie Licht- und Schattenspiel oder konfuse Schnitte bewirkt. Gegen Ende wird dann ein klein wenig gesplattert und das sogar in schwarz/weiß. Die Kamera hält zwar drauf, aber durch schnelle Schnitte lässt sich letztendlich nur erahnen, was da vor der Linse passiert. Das ist Kopfkino. Man darf von einer FSK16 ausgehen – insofern sich ein deutsches Label traut, diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag hierzulande überhaupt zu veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

DARLING – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The House on Pine Street (2015)
 
Dark Circles (2013)
 
The Babadook (2014)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Delivery: The Beast Within (2013)
 
Rosemaries Baby (1968)
 
Der Mieter (1976)
 
Ekel (1965)
 


Filmkritik: „Don’t Grow Up“ (2015)

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DON’T GROW UP

(ALONE)

Story

 
 
 

Sechs straffällige Jugendliche müssen auf einer Insel feststellen, dass hier Kinder und Teenager in Lebensgefahr sind. Die Erwachsenen scheinen wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Kein gutes Omen, wie sich bald herausstellen wird.

 
 
 


 
 
 

DON’T GROW UP – Kritik

 
 
 
Manch einer muss jetzt tapfer sein, denn auch wenn sich das Team von FILMCHECKER geschworen hat in Zukunft weniger schlechte Zombiefilme zu besprechen, flattern uns hin und wieder solche Streifen ins Postfach, die dann doch eine Kritik rechtfertigen. DON’T GROW UP ist so ein Fall und sollte allein schon deshalb Erwähnung finden, weil es sich diesmal nicht um unterirdischen Low-Budget-Trash handelt, wie er in den letzten Jahren zu oft von untalentierten Filmemachern gedreht und meist sogar noch in Eigenregie produziert wurde. Mit DON’T GROW UP wird Qualität geboten, was wohl auch daran liegt, wer da auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Jemand, dessen Herz für Zombiefilme schlägt. Der Franzose THIERRY POIRAUD steckt dahinter und ließ bereits in mehreren Interviews verlauten, dass er mit Vorliebe das Untoten-Genre dazu benutzt, um Gesellschaftskritik zu äußern. Damit tritt er – erfahrene Horrofans werden es ahnen – in die Fußstapfen des legendären GEORGE A. ROMERO. Der Urvater des Zombiefilms hat bereits seinerzeit mit dem Kultwerk NIGHT OF THE LIVING DEAD gesellschaftliche Missstände angeprangert. Ganz nebenbei gelang ihm einer der wichtigsten Beiträge zum modernen Horrorkino.
 
 
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DON’T GROW UP – der in Frankreich als ALONE vermarktet wird – geht das Zombie-Genre etwas anders an und macht ihn deshalb so interessant. Statt Horden Untoter auf ahnungslose Menschen zu hetzen, rückt THIERRY POIRAUD ein postapokalyptisches Szenario in den Mittelpunkt, das sich in erster Linie durch eine beängstigende und beklemmende Stimmung in Gedächtnis brennt. Die Zombies kommen da fast schon etwas zu kurz, was in DON’T GROW UP aber nicht sonderlich tragisch ist, zehrt zumindest die erste Filmhälfte von der Prämisse, Zuschauer und Protagonisten darüber im Ungewissen zu lassen, was in dieser spanisch-französischen Koproduktion als nächstes passieren wird. Das steigert die Spannung und verursacht Magenschmerzen, denn inmitten Nebel und Dunkelheit schlägt eine Bedrohung ganz unverhofft zu – schonungslos und brutal. Sechs straffällig gewordene Teenager aus Problemfamilien müssen in DON’T GROW UP ums Überleben kämpfen. Sie müssen eines Morgens feststellen, dass die Aufseher und Erzieher des Heims verschwunden sind, in dem sie wieder auf den rechten Pfad gebracht werden sollen. Die Abwesenheit der Erziehungsberechtigten macht neugierig. So werden Spinde aufgebrochen und Akten durchstöbert. Leider werden die Heranwachsenden bald durstig. Alkohol muss her, weshalb man sich in die Stadt macht, um Hochprozentiges zu kaufen. Was jedoch dort passiert, lässt ihnen das Blut in Adern gefrieren. Die Geschäfte sind menschenleer und von Erwachsenen ist keine Spur. Was ist hier passiert? Die Antwort auf diese Frage lässt nicht lange auf sich warten.
 
 
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Willkommen zu einem weiteren Weltuntergangsszenario, wo Chaos, Zerstörung und Gewalt eine wesentliche Rolle spielen. Zwischen spektakulären Landschaften und friedlich eingefangener Idylle (der Film wurde auf Teneriffa gedreht) verbirgt sich eine unberechenbare Bedrohung, die hier Blutzoll fordert. Es sind die Erwachsenen, die ähnlich wie in Romeros THE CRAZIES zu tollwütigen Bestien mutiert sind und töten müssen. Auch den sechs Hauptdarstellern blüht gleiches Schicksal. Die müssen erfahren, dass die Verwandlung zur Bestie immer dann eintritt, wenn die Jugendlichen die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten haben. Der Verlust von Reinheit und Unschuld sorgt dafür, dass aus artigen Kindern desorientierte Monster werden. Groteskerweise ist das Schicksal für jeden der Protagonisten im Film vorbestimmt – eben so wie im richtigen Leben.
 
 
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Regisseur THIERRY POIRAUD macht diesmal ernst. Während der Vorgängerfilm GOAL OF THE DEAD mit schwarzem Humor und knapp zwei Stunden Spielzeit viel Sitzfleisch vorausgesetzt hat, ist im Folgefilm alles anders. Trotz des gleichen Subgenres ist DON’T GROW UP frei von Lachern und mit knapp 70 Minuten sogar etwas kurz geraten. Kurz, knackig und ernst könnte man meinen, doch leider ist dem nicht so. Der Streifen macht zwar anfangs alles richtig und zeigt spannungsgeladenes Überlebenskino mit wenigen Gewalteinlagen. In der Halbzeit weht ein anderer Wind und DON’T GROW UP wird zum behäbig inszenierten Coming-of-Age-Drama mit zu vielen Längen und reichlich Teenager-Romantik. Zombiefans werden da die Nase rümpfen, vor allem auch deshalb, weil der Richtungswechsel das Tempo drosselt und dem Film die Spannung raubt. So wird eine erzwungene Liebesgeschichte zum Todesurteil für einen Film, der eigentlich stark begonnen hatte, sich am Ende aber selbst im Weg steht. Bleibt zu erwähnen, dass sich Macher THIERRY POIRAUD für seinen Horror-Dramen-Mix von den Filmen des Regisseurs LARRY CLARK inspirieren lies. Der beschäftigt sich in seinen meist kontroversen Kinoerlebnissen stets mit der Weise, wie wir heutzutage in der Gesellschaft Jugendliche wahrnehmen – oder wie zumindest CLARK sie wahrnimmt. Verarbeitet hat der seine Beobachtungen in Werken wie BULLY, KIDS und KEN PARK. Die meisten davon lösten heikle Debatten unter Filmfans aus. Die dürften dem unentschlossenen DON’T GROW UP wohl verwehrt bleiben.
 
 
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DON’T GROW UP – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Peter-Pan-Syndrom meets Zombies. Oder: Desorientierte Kinder und ihre Zukunft. In DON’T GROW UP ist die leider nicht sonderlich rosig, denn sobald Kinder im Film die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten, verwandeln sie sich zu gewissenlosen Kreaturen – ganz wie im richtigen Leben eben. Der neue Streifen von GOAL OF THE DEAD-Macher THIERRY POIRAUD ist eine Allegorie auf das Erwachsenwerden, beginnt mit einer starken ersten Filmhälfte und verirrt sich nach der Halbzeit im Coming-of-Age-Schmalz. Das ist ärgerlich, weil aus DON’T GROW UP ein richtig fieses Filmchen hätte werden können, wenn man den anfänglich eingeschlagenen Survival-Horror-Kurs beibehalten hätte. Auch wenn sich aggressive Furien für einen Zombie-Schocker ziemlich rar machen, gelingt es Regisseur THIERRY POIRAUD eine allgegenwärtige Weltuntergangsstimmung zu erzeugen und die Küste von Teneriffa (der Filme wurde dort gedreht) in den Vorhof zur Hölle zu verwandeln. Trotz Gesellschaftskritik ist DON’T GROW UP trotzdem kein tiefgründiges Filmerlebnis. Um ernstgenommen zu werden, wirkt der Film einfach nicht rund genug und hat mit vielen Logiklöchern zu kämpfen. Hardcore-Zombiefans werden sich von der Gesellschaftskritik im Film ohnehin nicht beeindrucken lassen. Weil sich zelebrierte Gewalt in Grenzen hält, schalten die vermutlich ohnehin nach der Hälfte ab. Damit liegen die gar nicht mal so falsch. Auch wir empfehlen nach der Halbzeit abzuschalten, denn was danach kommt, ist kaum der Rede wert.
 
 
 


 
 
 

DON’T GROW UP – Zensur

 
 
 
Bei den Zombies im Film handelt es sich um aggressive Erwachsene, die Kinder jagen – Splattermomente bleiben aber aus. Das gilt auch für Gewalt, die sehr sparsam eingesetzt wird.
Das meiste passiert im Off und viele Angriffe tollwütiger Erwachsener gibt es auch nicht zu sehen. Weil Schauwerte überschaubar sind, könnte es für DON’T GROW UP eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

DON’T GROW UP – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Terror Z – Der Tag danach (2013)
 
Carriers (2009)
 
The Crazies (1973)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
28 Weeks Later (2007)
 
28 Days Later (2002)


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