Filmkritik: „Two Heads Creek“ (2019)

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TWO HEADS CREEK

Story

 
 
 

Bissige Sprüche und viel schwarzer Humor made in Großbritannien: Zwei Geschwister verschlägt es bei der Suche nach der leiblichen Mutter von England nach Australien, wo die Einwohner eines kleinen Dorfes unappetitliche Leidenschaften pflegen.

 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Kritik

 
 
 
Verschiedene Länder – aber dieselbe Sprache. Der Horrorfilm ist ein Genre mit Geschichten, die man fast überall auf dem Globus kennt, weil sie immer nach gleichem Erfolgsmodell abgespult werden. Hierbei besonders beliebt: der Backwood-Slasher. Meist wird da von Menschen abseits der Zivilisation berichtet, die auf dem Land nach ganz eigenen blutigen Regeln leben und gern mal fern des Gesetzes handeln. Da wird getötet, gefoltert und gedemütigt. Regeln, denen Filmemacher akribisch folgen – egal in welchem Land sich die Geschehnisse auch abspielen mögen. Da gab es Landeier im britischen INBRED, die mit Stadtmenschen kurzen Prozess veranstaltet haben. Aber auch im katalanischen SANT MARTÍ verstand man mit Durchreisenden im spanischen Hinterland so gar keinen Spaß. Letztere wurden von Einheimischen gejagt und anschließend verspeist. Ein Schicksal, das auch einigen Dokumentarfilmern im argentinischen WHAT THE WATERS LEFT BEHIND nicht vorenthalten blieb. Die wollten nur einen Film über eine verlassene Geisterstadt drehen und liefen dabei unfreiwillig in die Arme einer ominösen Menschenfresser-Sippe, die aus den Filmleuten ein leckeres Süppchen kochte.
 
 
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Die Horrorkomödie TWO HEADS CREEK macht da nichts anderes. Der Streifen entführt den Zuschauer diesmal nach Australien, wo in der Provinz natürlich auch wieder seltsame Eigenbrötler hausen, die ohne Furcht und Tadel Dinge veranstaltet, über die zivilisierte Menschen nicht einmal ansatzweise nachdenken würden. Genau diese Erfahrung müssen auch die Geschwister Annabelle und Norman machen. Die leben in einer britischen Kleinstadt und haben es statt von den Einheimischen wegen ihrer polnischen Herkunft schikaniert zu werden. Doch das Leben hat bald einen neuen Sinn. Die Mutter stirbt ganz plötzlich und der Nachwuchs bekommt davon Wind, dass er eigentlich adoptiert wurde. So werden aus Polen auf einmal Australier, weil der leibliche Vormund im Land der Kängurus verweilt. Ein Grund Koffer zu packen und nach der leiblichen Familie zu suchen. Kaum angekommen, ist die Freude nicht sonderlich groß. Man landet in einem rückständigen Kaff am Hinter der Welt. Hier ist man auf Ausländer gar nicht gut zu sprechen, was unsere Helden in Teufels Küche bringt. Das macht die Suche nach den Eltern kompliziert, denn der Besuch im australischen Hinterland entwickelt sich auf einmal zum Überlebenskampf.
 
 
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Rabenschwarzer Spaß-Horror mit mehr dahinter. TWO HEADS CREEK nimmt das Stereotyp des trinkfesten, fleischfutternden, ländlichen Australiers auf die Schippe, der vor allem durch Fremdenfeindlichkeit auffällig wird. Letzteres ist Hauptthema des Films, denn wie sich im Verlauf herausstellen wird, ist in diesem Kaff Endstation für jene, die gern einen Neuanfang auf dem fünften Kontinent beginnen möchten. Statt neuem Leben wartet der Tod auf Immigranten. Die werden kurzerhand zu Wurst verarbeitet. Für die Regierung ist so das Problem der Einwanderung gelöst. Das wird in dieser Horrorkomödie freilich überspitzt dargestellt und mit typisch britischem Humor verfeinert. Dennoch sind gesellschaftskritische Töne unüberhörbar.
 
 
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Als „respektlose, verrückte und skurrile Horrorkomödie, die mehr Komödie ist als Horror“ beschreibt Regisseur JESSE O’BRIEN den zweiten Spielfilm. Schaut man genauer hin, hat er damit gar nicht so Unrecht. TWO HEADS CREEK nimmt kein Blatt vor dem Mund, teilt gehörig gegen alles und jeden aus und hat damit auch noch den Zuschauer auf seiner Seite. Der Wortwitz ist grandios, die Pointen messerscharf. Viele bissige Kommentare treiben konservativen Filmfans die Schamröte ins Gesicht. So viel political incorrectness hat man seit der Erfolgsserie LITTLE BRITAIN schon lange nicht mehr im Heimkino erlebt.
 
 
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Doch neben vielen gesellschaftskritischen Späßen fernab des guten Geschmacks wird natürlich auch Horrorfans was geboten. Das Finale macht dem Horror-Genre alle Ehre. Da mutiert die bitterböse Satire zum regelrechten Splatterfest. Gliedmaßen werden abgetrennt und Köpfe rollen. Zwar fließt viel Blut und geschrien wird reichlich – der Härtegrad hält sich aber wegen der selbstironischen Machart in Grenzen. Das tut dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch. So bleiben viele der schrägen Charaktere im Gedächtnis. Diese entpuppen sich als Karikaturen der teils abgehängten Landbevölkerung Australiens, die schon längst den Glauben in die Politik verloren haben und jegliche Veränderung scheuen. Wachrüttelnder Unsinn, der spätestens nach dem Abspann einen Beigeschmack hinterlässt. Wenn Lacher verhallen und das Kopfkino läuft, dürfte schnell einleuchten, dass TWO HEADS CREEK nicht nur Schabernack war. Die Grundaussage des Films ist nämlich bitter. So wird schon lange nicht mehr nur in Australien gegen Immigration gewettert. Die Angst vor dem Fremden ist mittlerweile in beinahe jedem Land der Welt angekommen. Wir in Deutschland bilden da keine Ausnahme – wie die Flüchtlingshetze der letzten Jahre gezeigt hat.
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
Respektlos, schwarzhumorig – aber dennoch grundehrlich. TWO HEADS CREEK ist eine mit Splatter gefüllte Satire auf das australische Hinterland, die vielen modernen Staaten den Spiegel vorzeigt. Zwar spielt hier alles im Land der Kängurus. Die Geschehnisse könnten sich aber genauso in Deutschland, Amerika, Polen oder Ungarn zutragen. Es geht um Immigration und wie Menschen damit umgehen. Ein brisantes Thema, das im Falle von TWO HEADS CREEK satirisch verpackt wird. Dennoch dürfte vielen Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn die Filmbrille abgenommen wird und man aus der Kinowelt auftaucht, um zurück in die Realität zu finden. Letztere kann bitter sein.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Zensur

 
 
 
Die zweite Hälfte von TWO HEADS CREEK hat einige blutige Splatter-Späße zu bieten. Da wird viel Rot gezeigt. Dennoch wird die Gewalt derart überzeugen zelebriert, dass eine ungeschnittene FSK16 nicht undenkbar wäre.
 
 
 


 
 
 

TWO HEADS CREEK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Two Heads Creek Holdings Pty Ltd)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tucker and Dale vs Evil (2010)
 
100 Bloody Acres (2012)
 
2001 Maniacs (2005)
 

Filmkritik: „The Final Level: Flucht aus Rancala – Spiel um dein Leben!“ (2019)

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THE FINAL LEVEL: FLUCHT AUS RANCALA – SPIEL UM DEIN LEBEN

(THE FINAL LEVEL: ESCAPING RANCALA)

Story

 
 
 
Drei (zufällig allesamt hübsche und gerne knapp bekleidete) Freundinnen wollen eine Arcade-Halle neu eröffnen und leiten, entdecken dabei aber die übernatürlichen Kräfte ihres mysteriösesten Dinosaurerspiels…

 
 
 


 
 
 

THE FINAL LEVEL – Kritik

 
 
Eine Review, deren Vorwort ich möglichst kurz halten kann: Denn man muss als Filmfan jeglicher Gengregattung schon unter einem Stein gelebt haben, um innerhalb der letzten 23 Jahre noch nicht über ein Werk der Mockbuster-Trashschmiede „The Asylum“ gestolpert zu sein, deren CGI-reichen B- bis Z-Movies die internationalen, gerne nämlich auch deutschen, Filmregale mit kuriosen Attraktivitäten füllen, die zwischen augenzwinkernder Trashunterhaltung und unerträglicher Langeweile schwanken. So bekommt jeder halbwegs im Genrebereich bewährte, oder industrieintern empfohlene Regisseur hier ein nettes Minibudget für seine möglichst an aktuelle Blockbuster angelehnten Trashwerke, die entweder dank pompös-übertriebener Cover vom nichtswissenden Filmfan gekauft werden, oder, in den letzten Jahren und mit steigendem Bekanntheitsgrad der Filmproduktionsgesellschaft wohl immer häufiger, gar dediziert vom Action und Kurzweil suchendem Asylum-Fan.
 
 
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Ein relativ aktuelles Beispiel dafür ist „The Final Level: Escaping Rancala“, der zeitgleich mit „Jumanji – The Next Level“ erschienen ist und von dem amerikanischen Regisseur, Schreiberling, Schauspieler und Produzent Canyon Prince in die Welt geschickt wurde, der sich als Regisseur vorher wohl mit mehreren Serienfolgen sowie dem durchaus gelobten Indiedrama „Hard Sun“ beweisen konnte. Erfrischend motiviert oder talentiert wirkt dieser Film hier aber deswegen noch lange nicht, was sich in 2,9 Punkten auf der imdb ausdrückt – blinder Hass versnobter, frustrierter Käufer die einen High-Budget „Jumanji“ erwartet haben, oder ein gerechtfertigtes Urteil? Finden wir es heraus:
 
 
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„10 years ago“, so informiert uns eine Texttafel, gehen zwei grottig gespielte, junge Geschwister in eine Arcade-Halle und witzeln noch herum „Don’t make me come get you!“, haha, doch zu dem Zeitpunkt ist „Jake“ natürlich längst durch das mysteriöse Spiel „Rancala“ aus der Realität gesogen worden, das zudem seinen Namen kannte. Das CGI stimmt auf die folgenden 85 Minuten Trash ein, das Intro fährt mit Retro Polygon Synthwave-Ästhetik, Datenwellen und Chiptunebeat auf, bevor wir 3 Mädels bei der Eröffnung ihrer „Retrowave Bar“ treffen, mit dem Konzept „Geek meets chic“ – natürlich genau die Location aus dem Intro, nur jetzt 10 Jahre später, inzwischen pleite, immer noch mit den selben Automaten ausgestattet. Auch wenn der Smalltalk erträglich bleibt und der Film sehr schnell zu Potte kommt, wird schnell offensichtlich dass die drei Hauptdarstellerinnen Emily Sweet, Jessica Chancellor und Tiana Tuttle alle eher für ihre Optik und Physik gecastet wurden, denn für ihr Talent. Da alle nicht spielen können, kommt zwischenzeitig durchaus sowas wie eine Chemie auf, trotzdem war es eher die Vorfreude auf das folgende Spektakel, die die ersten ~20 Minuten getragen hat.
 
 
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In der Arcadehalle geht das gesamte Licht aus und nur Rancala geht an, Jake ist noch immer als Player 1 eingeloggt, der Synthiesoundtrack startet. Relativ aus dem Nichts fangen jetzt alle noch an ein paar Shots Whisky zu kippen, bevor sie auch auf den dicken Knopf drücken und sich durch After Effects in eine andere Welt teleportieren lassen – die natürlich direkt am Strand startet, inklusive Outfitwechsel und Nahaufnahmen feuchter Décolletés. Ein einzelner, ungelenk am Strand zappelnder CGI-Hai lässt Genrefans nun direkt wohlig warm ums Herz werden, während Protagonistinnen sowie Zuschauer per Einblendung darüber informiert werden, dass wir uns in „Level 1“ befinden. Ein Mann im gelben Regenanzug rennt panisch vor etwas weg und informiert unsere ausnahmelos hübsche, junge und halbnackte Gruppe über die Spielregeln, „Jumanji“ scheint in der Filmwelt nämlich nicht zu existieren: Hier die Holokarte, da der magische Rucksack, verschiedene Teile der Karte haben verchiedene Gebiete, jedes einen Boss, besiegt den Endboss und holt eucht Jake, Feierabend. Ungefähr so komplex bleibt es im weiteren Verlauf dann auch, was den Film allerdings nicht davon abhält, in absolut nichtssagenden Dialogen auf dem Weg der Mission repetitiv durchzukauen, welche marginal geplante, simple Aufgabe unsere Heldinnen als nächstes zu bewältigen haben. Zeit für Backstories, Charaktertiefe oder generell anspruchvolles Writing wäre hier gegeben, Dialog dreht sich aber wirklich ausschließlich im Kreis sowie um die gleichen zwei Themen.
 
 
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Aber ich schweife ab, denn der auf dem Backcover der Blu-ray angeteuerte Sharknado, der unvermittelt mit seiner PS1-Animation in diesen Film kracht, stellt als erster Boss tatsächlich das Trash- und Kurzweiligkeits-Highlight dar, wird aber auch ähnlich absurd schnell abgefrühstückt, wie er aufgetaucht ist. Dafür, dass laut des Regenanzugtypen alles auf der Insel versucht, einen umzubringen, wird nun relativ plump und wenig taktisch Station nach Station abgelaufen, bis es zur Konfrontation kommt. Wären diese stets so durchgeknallt kreativ, wie der per Explosionsleuchtkugel eliminierte Sharknado zu Beginn, könnte man gar von einem erfrischend spaßigem Film sprechen, doch leider bleibt bis auf die teils malerische Umgebung und die teils immerhin halbwegs sinnvollen Outfits der Hauptdarstellerinnen alles beim gleichen von Level zu Level. Und so bestehen die Konfrontationen, sei es gegen einen fetten Neckbeard mit Rangeroutfit und Laserknarre oder tausendmal in genau diesem Design gesehene, nie genauer erklärte Kultisten/bad guys, stets aus wirklich langweilig und schlecht choreographierten Nahkämpfen mit nervigen Leuchteffekten und dem immer gleichen Sound, die weder lustig noch brutal oder spannend sind.
 
 
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Ein unerwarteter Kill erklärt recht amüsant die „Jeder hat 3 Leben-Regel“, auch gibt es später in den „Dark Woods“ ein punktuell überraschend atmosphärisches Setdesign und wirkliche Langeweile will zwischen ansprechenden Umgebungsaufnahmen, Kills mit Wilhelm-Scream und schlecht getricksten Speed-Upgrades mit Unschärfe und peinlichem Videospieleffekt auch nicht aufkommen – doch unironisch, also auch nur als nicht zu belächelnde, sondern schlichtweg unterhaltsame Kost, passt hier nur ziemlich wenig.
 
 
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Die Requisiten sehen meistens aus wie aus dem Halloweenfest eines Vergnügungsparks, Trash-Highlight ist definitiv die grauenhafte Performance von Taylor Behrens, der als König ganz furchtbar gequält versucht seinen Catchphrase „Because I am the king!“ möglichst laut in die Kamera zu brüllen und dabei von den Darstellern ähnlich verdutzte Reaktionen erntet, wie vom Zuschauer. Nach dieser amüsanten Performance folgt nur leider der Tiefpunkt des Films, da eine genau jetzt etablierte Gefangene nun noch in einer ewigen Dialogszene, die wirklich nicht enden möchte, viel zu spät versucht eine Backstory und Erklärung zu liefern, die wirklich niemanden interessiert. Das überstanden, wird man nun immerhin mit einer netten 2,5D-Actionszene „belohnt“, die das Beat-em-up/Brawler-Genre annehmbar adaptiert und an eine schlechtere Version von Kung Fury erinnert – Standardkost der 2000er auf Youtube, hier das Finale des Films. Trotz Mortal Kombat-Anspielung bleibt es dabei natürlich erneut harmlos und unblutig, eine weitere viel zu lange Dialogsszene mit Backstory und ein paar CGI-Flammen, dann werden sowohl Charaktere und Zuschauer wieder in die normale Welt entlassen, nicht ohne kurz vor den Credits aber noch ein sehr merkwürdig spezifisches und unausgereiftes Konzept zu präsentieren, für das man sich noch ein letztes Mal verwundert an den Kopf fassen kann.
 
 
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Was bleibt zu dieser Fließband-Asylum-Standardproduktion noch groß zu sagen? Es gibt schlechtere sowie bessere Werke der Jungs und Mädels, ich habe mich schon deutlich schlimmer gelangweilt, – wenn auch selten so sehr, wie bei der endlosen Erklärbärszene im dritten Akt – aber auch schon deutlich besser unterhalten gefühlt. Der Cast ist hübsch aber wahlweise untalentiert oder nie gefördert, die Entscheidungen sind teils merkwürdig und abstrus, in einer Welt von 6-Headed-Shark-Attacks etc. aber nicht weiter der Rede wert. Weder für den reinen Trash, noch die Action und Kurzweil, noch den groben „Parodie“ bzw. „Kopie“-Gehalt zum Original, noch für die Erotik oder Obskurität kann ich „The Final Level“ wirklich empfehlen, aber Asylum-Sammler oder Trash-Fans haben sicherlich schon deutlich anstrengendere, beleidigendere und langweiligere Filme ertragen müssen. Hübsch beleuchtete Aufnahmen der farbenfrohen Arcade-Halle vertrösteten dabei mehr, würde der Film nicht größtenteils in nichtssagenden Wäldern und an generischen Stränden spielen.
 
 


 
 
 

THE FINAL LEVEL – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Hirnloser Low-Budget-Jumanji-Abklatsch mit etwas Eyecandy und ein paar amüsant wilden Ideen. Unterdurchschnittlich, aber nicht weiter enervierend.
 
 


 
 
 

THE FINAL LEVEL – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Final Level: Flucht aus Rancala – Spiel um dein Leben!“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Trash-Filmfans und Liebhaber von The-Asylum-Gurken können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

THE FINAL LEVEL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Final Level: Escaping Rancala; USA 2019

Genre: Action, Trash, Abenteuer, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.05.2020

 

The Final Level: Flucht aus Rancala – Spiel um dein Leben! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE FINAL LEVEL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sharknado – Genug gesagt! (2013)
 
Stay Alive (2006)
 
2-Headed Shark Attack (2012)
 
6-Headed Shark Attack (2018)
 

Filmkritik: „The Jack In The Box“ (2019)

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THE JACK IN THE BOX

Story

 
 
 

Spieluhr des Grauens. In einem Spielzeug haust ein boshafter Dämon, der mal wieder der Menschheit nichts Gutes will.

 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Kritik

 
 
 
Es gibt Filmemacher, die wiederholen eigene Erfolgsrezepte wieder und wieder. Da hat man mit einem Film gut Kasse gemacht und flink inszeniert man einen weiteren Streifen nach ähnlichem Aufbau. Der Brite LAWRENCE FOWLER scheint so ein Kandidat zu sein. 2018 mutete er den Zuschauern mit CONJURING OF THE WITCH’S DOLL so einiges zu. Darin wurde von einer lebensgroßen Puppe berichtet, die ein schauriges Eigenleben führte. Das Ergebnis: Puppen-Horror für den Videomarkt auf Amateur-Niveau ohne nennenswerte Höhepunkte, der dazu auch noch stinklangweilig war. Der Filmtrailer und die Bewertung auf IMDB sprechen natürlich Bände. Demzufolge mutet es schon beinahe fahrlässig an, dass der Filmemacher sein ermüdendes Gruselprinzip gleich noch mal für seinen Folgefilm anwendet. THE JACK IN THE BOX nennt sich das Ganze und ist bei genauerer Betrachtung eine Kopie des Vorgängers mit dem Unterschied, dass die Puppe gegen eine Spieldose ausgetauscht wurde. Da fragt man sich berechtigterweise, warum der liebe Herrgott nicht Erbarmen mit allen Horrorfilm-Fans gehabt hat. Doch wir sind zur Stelle und übernehmen die Rolle der Geschmackspolizei zum Schutze aller Genre-Liebhaber.
 
 
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Eine mysteriöse Spieluhr bringt nur Unglück. Deshalb landet sie um Zuge einer Haushaltsauflösung in einem Museum, wo neben alter Militärausrüstung auch antikes Spielzeug ausgestellt wird. Für den engagierten Museumsangestellten Casey eine phänomenale Entdeckung. Der ist für das seltene Fundstück gleich Feuer und Flamme und versucht mehr über die Box herauszufinden. Doch wie es im Horrorfilm nun mal so ist, entpuppen sich geheimnisvolle Gegenstände oft als unglücksbringende Grußbotschaften direkt aus der Hölle. Genau von dort kommt jene Spieluhr, um die sich die Geschehnisse in THE JACK IN THE BOX drehen. Im Inneren versteckt sich nämlich ein als Clown getarnter Dämon, der Jagd auf ahnungslose Menschen macht. Der will sich sechs menschliche Seelen krallen und dabei gleichzeitig Chaos stiften. Doch Antiquitäten-Liebhaber Casey kommt den Fiesling auf die Schliche. Der tut alles daran, dem Bösen das Handwerk zu legen und riskiert dabei Kopf und Kragen.
 
 
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Passt irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit. Der britische THE JACK IN THE BOX ist einer dieser Filme, der zu Videotheken-Zeiten ganz gut gelaufen wäre. Er erinnert an die günstigen Produktionen aus der Mache von Produzent und Regisseur CHARLES BAND, der sich Ende der 1980er und während der 1990er mit der Herstellung von B-Filmen ein goldenes Näschen verdiente. Davon genießen heute sogar einige Kultstatus. Darunter trashiger Puppen-Spaß wie PUPPET MASTER, DEMONIC TOYS oder GHOULIES, über die heutige Horrorfilm-Fans wohl eher lachen, statt sich davor zu fürchten. Genau dieses Schicksal dürfte auch THE JACK IN THE BOX ereilen, der sich zu ernst nimmt und mit allen Mitteln dagegen sträubt, nicht in die Trash-Schublade gesteckt zu werden. Da wird vehement auf möglichst schaurige Ausleuchtung geachtet, das Schauspiel bewegt sich auf ordentlichem Niveau und auch bei der akustischen Untermalung lässt THE JACK IN THE BOX nicht darauf schließen, dass hier wohl alles zum Spartarif inszeniert werden musste.
 
 
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Was THE JACK IN THE BOX aber albern erscheinen lässt und somit zwangsläufig zum Trash-Blödsinn deklariert ist die Tatsache, dass starr dreinschauende Clown-Puppen und Statisten, die sich in Ganzkörper-Monsterkostüme quetschen, im Jahr 2020 nicht mehr gruselig sind. Mit diesen Taschenspielertricks versucht THE JACK IN THE BOX Albträume zu bescheren. Wir sehen, wie die Figur einer Spieluhr ab und an unbemerkt ihren steifen Holzkopf bewegt. Wow, spooky. Nähert sich ein Opfer zu offensiv der Spielbox, krabbelt ein schmächtiger Clown-Dämon aus seinem Versteck und macht mit der Beute kurzen Prozess. Blutig wird es nur selten. Die Kamera blendet schnell weg, wenn es für die Gewaltfraktion endlich mal interessant wird. Spätestens jetzt macht sich das fehlende Budget bemerkbar.
 
 
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Regisseur LAWRENCE FOWLER eifert nach. Der war wohl vom Erfolg des Low-Budget-Splatters TERRIFIER so entzückt, dass er schnell selbst Clown-Horror fürs Heimkino geschrieben und inszeniert hat. Zwar ist hier alles wie in den 1980ern Handarbeit, aber wirklich herausragend ist THE JACK IN THE BOX zu keiner Minute. Was gezeigt wird, befindet sich trick- und handlungstechnisch auf ähnlichem Level wie jüngste Puppen-Schnarcher. Darunter zählen Filme mit wohlklingenden Vornamen wie ROBERT oder ANNA genauso wie die Schlaftablette DOLLS – SCHAU HIN ODER STIRB. Alles schnell und lieblos abgedrehte Low-Budget-Gurken, die immer nach ähnlichem Konzept aufgebaut wurden. Da laufen keine Puppen à la CHUCKY durchs Bild. Statt bemerkenswerte Animatronik, liebenswertes Stop-Motion oder gar professionelles CGI einzusetzen, bringt man den Zuschauer mit dilettantischen Effekten zum Gähnen. Da machen es sich Puppen auf Schaukelstühlen gemütlich, um anschließend ihre Pupillen hektisch hin- und her zu bewegen. Oder man sieht Leichen am Boden liegen, neben denen die starrblickenden Spielkameraden bewegungslos sitzen. Mit so belangloser Tricktechnik lockt man selbst Zehnjährige nicht hinterm Ofen hervor. Für Puppen-Horror der im Gedächtnis haften soll, braucht man mittlerweile mehr als nur bunt angemaltes Holz.
 
 
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THE JACK IN THE BOX – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Puppen-Horror meets Clown-Terror. Klingt eigentlich nach vielversprechender Genre-Unterhaltung. Ist es aber nicht wirklich. Nach den erfolgreichen Neuverfilmungen von ES und CHILD’S PLAY war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf den Trichter kam, die Rezepturen beider Kassenhits irgendwie in einem Film zu verwursteln. Das Ergebnis ist Low-Budget-Quatsch ohne Überraschungen. Simple Prämisse, simple Ausführung. In einer Spieluhr haust ein Dämon. Die Verläufe sind wenig originell. Ein paar Protagonisten sterben, bis jemand dahinter kommt, dass das Spielzeug für das Sterben verantwortlich ist. Nun gilt es den Übeltäter aufzuhalten. Mit genau gleicher Handlung vertreiben sich gefühlt mehrere zehntausend B-Horror-Schnarcher die Zeit. Weil sich die Spezialeffekte außerdem auf Trash-Niveau bewegen und oftmals unfreiwillig komisch wirken, dürfte THE JACK IN THE BOX zum heiß ersehnten Kandidaten für eine Ausstrahlung auf SchleFaZ werden lassen.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Zensur

 
 
 
THE JACK IN THE BOX hat kaum Gewalt zu bieten. Ein Kehlenschnitt gibt es zu sehen. Der Rest besteht eher aus Gruselmomenten. Meist blendet die Kamera weg, wenn Gewalt passiert. Daher dürfte THE JACK IN THE BOX problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE JACK IN THE BOX – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von 4Digital Media | Up A Notch Productions)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Gremlin
 
Robert – Die Puppe des Teufels (2015)
 
Robert 2 – Die Rückkehr der Teufelspuppe (2016)
 
Amityville – Das Böse stirbt nie (1996)
 

Filmkritik: „You Die: Get the App, Then Die“ (2018)

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YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE

Story

 
 
 

Die eigentlich lebensfrohe Asia verfällt in Panik, als sie mitbekommt, dass jemand eine mysteriöse App auf ihr Telefon gespielt hat, die den baldigen Tod bringen wird.

 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Kritik

 
 
 
Neue Technologien verlangen neue Horrorfilme. Eine derer nennt sich Smartphone und gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Alltags. Kaum eine Minute vergeht, ohne das man nicht einen Blick aufs Mobiltelefon wirft. Da werden Nachrichten gelesen, in Dating-Apps gestöbert oder sinnfreie Youtube-Videos geschaut – der unverzichtbare Begleiter bietet Kurzweil ohne Grenzen. Doch je einfacher Handyanwendungen in der Handhabe auch werden, umso leichtsinniger wird man mit deren Umgang. Da werden bedenkenlos Spiele und Programme aus App-Stores geladen ohne dabei Konsequenzen zu bedenken. Viele derer beinhalten Viren oder Schadprogramme. Einmal auf dem Handy ist der Ärger groß. Unseriöse Programmierer sind nämlich auf persönliche Daten aus. Die versuchen durch eigentlich witzige Erweiterungen an Kreditkartendaten oder Bankkonten von Nutzern installierter Apps zu kommen. Eine Tatsache, die die Heldin des folgenden Films wohl lieber in Kauf genommen hätte, als das, was ihr durch Leichtsinn in YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE passiert.
 
 
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Asia heißt die Gute und wollte sich eigentlich nur mit zwei Freunden einen netten Filmabend machen. Doch eine seltsame Begegnung im Supermarkt um die Ecke wirft schaurige Schatten voraus. Dort wird sie nämlich von einem Fremden angesprochen, der um das Telefon bittet, weil er einer Bekannten eine SMS schreiben möchte. Eine Entscheidung, die unserer Heldin zum Verhängnis wird. Die gibt bedenkenlos das Smartphone aus der Hand, ahnt aber nicht, dass der Fremde ihre eine Todesapp auf das Handy spielt. Nun bekommt Asia regelmäßig Anrufe von einem Programm namens „You Die“, das nicht nur dafür sorgt, dass die Mittzwanzigerin plötzlich Geister sieht. Ein Todescountdown lässt darauf schließen, dass nach 24 Stunden etwas Schlimmes passieren wird. Ganz Unrecht hat Asia mit ihrer Vorahnung nicht. Die verfällt in Paranoia, weil ihre Lebenszeit schwindet. Da heißt es nun: Lösungen finden. Zusammen mit Freunden versucht sie daher hinter das Geheimnis der App zu kommen, um den eigenen Todescountdown stoppen zu können.
 
 
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Horror aus Italien, der sich einer Thematik bedient, die frisch ist und kreative Möglichkeiten bietet, dem Zuschauer schlaflose Nächte zu bereiten. Doch alles weit weg von charmant. YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist ein einfältiges Filmchen mit Geister- und Found-Footage-Elementen, das nichts mit seiner unverbrauchten Idee anzufangen weiß. Die Verläufe sind vorhersehbar und bedienen sich altbekannten Horrorfilmregeln, welche bereits auch schon bei den vielen RING-Filmen aus Fernost auf Zelluloid gebannt wurden. Ein Todescountdown und grausige Gestalten, die für Angst und Schrecken sorgen sollen. Klingt nach einer sicheren Bank, ist aber im Falle von YOU DIE ein langweiliges Unterfangen, das sich zieht wie Kaugummi.
 
 
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Wir sehen, wie eine junge Frau permanent Anrufe von einem mysteriösen Handyprogramm erhält, die als Vorboten für die immer gleichen Schreckmomente dienen sollen. Jump-Scares hat diese italienische Produktion aber auch dringend nötig. Während unsere Hauptdarstellerin mit ihren Ängsten überall auf Unverständnis stößt, weil sie Dinge sieht, die andere nicht sehen können, verrennt sich der Film in eine Schleife immer wieder gleicher Abläufe. Paranoia, Anruf, Schreckmoment. Paranoia, Anruf, Schreckmomente. Da stellt sich eine gewisse Monotonie ein und dem Zuschauer werden die Augen schwer. So reißen billige Schocks immer wieder aus dem Dämmerschlaf und lassen schnell zur Erkenntnis kommen, dass man nichts verpasst, wenn man YOU DIE nicht gesehen hat.
 
 
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YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist kein herausragender Gruseltrip. Zwar machen einige Make-up-Effekte was her, die fies entstellte Protagonisten zeigen, welche es nicht geschafft haben, das Rätsel der Software vor Ablauf des Countdowns zu lösen. Dass allein macht das Kraut aber nicht fett und lässt in der Vergangenheit schwelgen, wo italienische Horrorfilme – wie SUSPIRIA oder CANNIBAL HOLOCAUST – sichere Garanten für potenzielle Kultfilme waren. YOU DIE erinnert stark in der Machart an den kürzlich erschienenen COUNTDOWN. Dieser ist zwar auch keine Sternstunde des Horrorkinos, besitzt aber Drive. Darin wird der Zuschauer durch einen konventionellen Film gehetzt, der mit extravaganten Todesmomenten im Stile eines FINAL DESTINATION für Abwechslung sorgt. Von Extravaganz ist YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE dagegen weit entfernt. Der Film baut immer nur kurze Spannungsfragmente auf und versucht erst gar nicht Wege zu finden, um den Spannungsbogen halten zu können. Das Ergebnis: Ein Schnarcher vor dem Herrn, der so schnell aus den Köpfen verschwunden sein wird, ehe man bis drei zählen kann.
 
 


 
 
 

YOU DIE – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Das ist alles nur geklaut – ejo, ejo. Für den Gruselfilm YOU DIE zeichnen drei (!) Regisseure verantwortlich. ALESSANDRO ANTONACI, DANIEL LASCAR und STEFANO MANDALA stecken hinter YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE und zeigen eindrucksvoll, dass zu viele Köche den Brei verderben können. Die Ereignisse plätschern behäbig dahin und wirklich gruselig will es partout nicht werden. Statt zu gruseln, wird das Nervenkostüm des Zuschauers strapaziert. Im Film selbst klingelt nämlich ständig das Telefon. Damit will sich die diabolische App zu Wort melden, die im Fokus dieser italienischen Produktion liegt. Leider nervt der etwas andere Bösewicht mit seinem ständigen Geklingel so ziemlich früh, was durch unkoordinierten Einsatz von zu lauten Jump-Scares zusätzlich verstärkt wird. YOU DIE besitzt wohl eines der unoriginellsten Drehbücher des Filmjahres 2020 und klaut frech bei Genre-Hits wie RING, SHUTTER und diversen asiatischen Gruselkandidaten. Viele eigene Ideen werden nicht mitgebracht. Stattdessen wird geklaut, kopiert und nachgemacht. Ein Zeichen dafür, dass die Macher besser nach etwas anderem suchen sollten, mit dem sie ihr Geld verdienen wollen. Wer als ambitionierter Filmemacher weder Kreativität beweist noch eigene Ideen besitzt, sollte keine Horrorfilme mehr drehen. Letztere entpuppen sich häufig als Kopien weitaus besserer Filme. Mit solchen Methoden schwindet die Leidenschaft zum Horror allmählich. Wo sind die kreativen Schocker mit Hirn, deren Verläufe man nicht kommen sieht?
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Zensur

 
 
 
YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE hat wenig Gewaltmomente zu bieten. Der Film bietet eher lautet Schreckmomente, als blutiges Gemetzel. Hierzulande dürfte da mit Sicherheit eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Countdown (2019)
 
Killer App (2017)
 
Bedeviled – Das Böse geht online (2016)
 

Filmkritik: „Z“ (2019)

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Z

Story

 
 
 

Der imaginäre Kumpel eines kleinen Jungen beginnt aus heiterem Himmel eine Familie zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

Z – Kritik

 
 
 
Sie sind immer da. Am Tisch muss für sie stets ein Platz freigehalten werden. Sie helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind der beste Spielkamerad. Manchmal sind sie aber auch Schuld, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hat. Fakt ist jedoch: Sie können nur von Kindern gesehen werden. Imaginäre Freunde sind im Kindesalter nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Beunruhigung. Die unsichtbaren Kumpel dienen als Seelentröster, Berater, Begleiter aber auch als Sündenböcken und treten oft dann in Erscheinung, wenn ein Kind neue Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten muss. Fantasiefreunde helfen Kindern dabei, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Leider können sie Eltern aber auch zur Verzweiflung treiben, wie der folgende Horrorfilm erklärt.
 
 
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Der geht auf die Kappe von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN, welcher Genre-Fans bereits vor einiger Zeit mit dem Psychothriller STILL/BORN beglückte. Darin stiftete der Filmemacher Verwirrung und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres Kindes dem Wahnsinn verfällt. Psychologischer Horror, der auch den Zweitling dominiert. Letzterer nennt sich Z und ist ebenfalls Genre-Ware, die das Kopfkino aktivieren soll. Leider ist dieser nicht ganz so clever gestrickt, wie das Debütstück. Was schaurig beginnt, verrennt sich im Finale in Sphären, die kein Filmfan versteht. Dazu aber später mehr.
 
 
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Z berichtet von einer Familie, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sohnemann Joshua beginnt sich nämlich plötzlich mit einem geheimnisvollen Freund zu unterhalten, den nur er sehen kann. Z wird er genannt und bestimmt den Alltag des kleinen Jungen. Was anfangs als vorübergehende Phase abgewertet wird, entwickelt bald eine erschreckende Dynamik. Joshua verhält sich in der Schule verhaltensauffällig und auch die Mitschüler beginnen das Kind aus Angst zu meiden. Alarmsignale, die bald auch die Eltern des fehlgeleiteten Jungen ernstnehmen müssen. So ist Schluss mit lustig, als der Nachwuchs einen Klassenkameraden über ein Treppengeländer wirft. Doch damit nicht genug. Vor allem Mutter Elizabeth fühlt sich bald ihres Lebens nicht mehr sicher. Die spürt in den eigenen vier Wänden die unheimliche Präsenz des imaginären Freundes. Alles nur Einbildung oder ist da doch etwas Wahres dran? Die Antwort darauf versucht die zweite Filmhälfte von Z zu ergründen.
 
 
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Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Was nach konventionellem Grusel-Horror riecht, der einzig darauf aus ist das Publikum mit plumpen Schocks zu unterhalten, geht plötzlich andere Wege. Das mag sich erst mal ganz gut anhören, weil das Horror-Genre Neuerungen nötig hat. Wie Z aber nach Erklärungen ringt, ist nicht sonderlich erbaulich. Da wird plötzlich vom Gaspedal gegangen und in der Psyche von Mutter Elizabeth gegraben. Hä? Waren wir nicht eigentlich gerade beim Sohnemann Joshua, der plötzlich seltsames Verhalten an den Tag legt? Ein Richtungswechsel, der sich erzwungen anfühlt. Offenbar wollte es Regisseur BRANDON CHRISTENSEN dem Erstling gleich machen. Der hielt mit falschen Fährten bei Laune und versuchte durch Doppeldeutigkeit die Interpretationslust des Zuschauers anzukurbeln. Alles nur Manifestation einer traumatisierten Psyche oder doch irgendwo im fantastischen Genre beheimatet? Ein Verwirrspiel, das in STILL/BORN einfallsreich und stimmig über die Mattscheibe flimmert.
 
 
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Z fühlt sich hingegen so an, als hege Filmemacher BRANDON CHRISTENSEN den Anspruch gleichen Überraschungseffekt noch mal wiederholen zu müssen. Das Ergebnis: ein undurchschaubarer Wirrwarr an Erklärungsansätzen, die überhaupt nicht funktionieren wollen und sich wie ein künstlicher Rattenschwanz anfühlen. Hier passt hinten und vorne nichts zusammen. Christensen driftet zu verkrampft ins Psychologische ab und gibt wenig acht auf sein Publikum. Das kann nicht folgen und wird am Ende mit vielen Fragen ratlos vor dem TV-Apparat zurückgelassen. So kann man den Zuschauer auch vergraulen. Vielleicht wäre es im Falle von Z besser gewesen, man hätte es beim konventionellen Horror für jedermann gelassen. So wären alle glücklich gewesen.
 
 


 
 
 

Z – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Fängt flott und unheimlich an, hat aber am Ende mit Erklärungsnot und Langeweile zu kämpfen. Z ist das beste Beispiel dafür, wenn Filmemacher auf Biegen und Brechen Erfolge wiederholen wollen. Die versuchen Filme nach ähnlichem Konzept zu inszenieren, mit welchem bereits das Erfolgsstück glänzen konnte. Im Falle von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN war das STILL/BORN. Der Zweitling mit dem Titel Z ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, kann aber nicht ansatzweise dessen Niveau erreichen. Was gradlinig als schauriges Gruselstück über ein unheimliches Kind über die Mattscheibe flimmert, wird nach der Halbzeit holprig und wirr. Die erste Hälfte passt nicht zum restlichen Film. Irgendwie will man da den Eindruck nicht loswerden, als wusste Macher BRANDON CHRISTENSEN zu Beginn selbst nicht so wirklich, wohin die Reise führen soll. Ein Twist im Finale fühlt sich erzwungen, konstruiert und unausgegoren an. Von Geheimtipp ist da keine Spur. Übrigens zeichnete COLIN MINIHAN als Co-Autor am Drehbuch mitverantwortlich. Der hat schon einige Horror-Fantasien auf Papier gebracht. Darunter den Zombie-Horror IT STAINS THE SANDS RED, den Wackelcam-Hit GRAVE ENCOUNTERS 2 und die Alien-Invasion EXTRATERRESTRIAL. Offenbar war bei Z die Puste raus. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Streifen einen wenig kreativen Eindruck hinterlässt.

 
 
 


 
 
 

Z – Zensur

 
 
 
Z hat kaum Gewalt zu bieten. Meist wird nur angedeutet oder es passiert im Off. Hierzulande dürfte der Mix aus Gruselfilm und Psychothriller ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

Z – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Digital Interference Productions | Hadron Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005)
 
Das Omen (1976)
 
Daniel Isn’t Real (2019)
 

Filmkritik: „1BR“ (2019)

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1BR

Story

 
 
 

Dieser Film treibt den Puls in die Höhe. Studentin Sarah will in Los Angeles einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Doch der Start ins neue Leben schlägt bald in blanken Horror um.

 
 
 


 
 
 

1BR – Kritik

 
 
 
Wie wichtig ist Freiheit? Würdest Du auch weiter nach Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung streben, wenn Du Dein Leben dadurch in Gefahr bringen würdest? Eine wichtige Frage, über die wir uns in deutschen Landen nicht unbedingt den Kopf zerbrechen müssen. Hier ist der Freiheitsgedanke selbstverständlich. Anders sieht es da schon im Ausland aus. In Überwachungsstaaten wie Nordkorea oder China genügt bereits Querdenken, um mit tödlichen Konsequenzen rechnen zu müssen. Da ordnet man sich als Teil der Gemeinschaft unter, um in Ruhe leben zu können und akzeptiert unter Zwang Regeln, die in demokratischen Ländern unvorstellbar sind. Frieden durch Angst – brisanter Stoff, der sich natürlich auch gut als Film verpacken lässt. Einer dieser nennt sich 1BR, kommt aus Amiland und ist komplexer, als es der Trailer vermuten lässt. Dieser Horrorthriller ist beunruhigender Shit, der dort trifft, wo es am meisten wehtut und so ein mulmiges Gefühl beim Publikum hinterlässt, wie man es zuletzt bei Filmen wie MARTYRS oder EDEN LAKE erleben konnte. Da werden Horrorfilmfans nicht unbegründet neugierig. Ein Grund mehr die erste Horror-Überraschung des Filmjahres 2020 genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
 
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Newcomer DAVID MARMOR zeichnet für Drehbuch und Regie verantwortlich. Der erzählt hier die Geschichte von Studentin Sarah (NOCOLE BRYDON BLOOM), welche sich nach dem Tod der Mutter von der Familie abkapselt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Die plötzliche Flucht hat auch ihren Grund. Sarahs Vater hat die krebskranke Gattin am Totenbett mit der Krankenschwester betrogen. Deshalb will die labile Mittzwanzigerin nichts mehr vom Familienoberhaupt wissen. Doch das eigene Leben in Los Angeles ist nicht so einfach wie gedacht. Gute Jobs sind Mangelware und auch in Sachen Wohnungen ist die Auswahl nicht sonderlich gut. Umso erfreulicher für Sarah, als die ein Apartment findet und direkt einziehen kann. Die Nachbarn sind freundlich und nehmen die junge Frau herzlich auf. Doch die Sache hat einen Haken. 1BR ist nämlich ein Horrorfilm. Demzufolge wendet sich bald das Blatt und aus Freude über die neue Wohnung wird grenzenlose Angst. Etwas stimmt leider nicht mit der neuen Behausung. Erst wird Sarah durch laute Geräusche aus dem Schlaf gerissen, die aus den Rohren schallen. Später fühlt sich die Studentin von Tag zu Tag schlapper. Was mag das für Ursachen haben? Die Antwort darauf ist krank und pervers.
 
 
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Eingesperrt und unter Kontrolle – Big Brother is watching you. 1BR ist so ein Film, der nach dem Abspann schockiert vor dem Fernsehgerät zurücklässt. Regisseur DAVID MARMOR vermischt in seinem Erstling Horror mit Originalität, würzt mit gesellschaftskritischer Note und kombiniert auch noch diverse Subgenres des Horrorfilms. So muss die Heldin im Film bald feststellen, dass ihr neues Apartment weit mehr ist, als es auf den ersten Blick scheint. Schlafplatz allein wäre zu langweilig. Stattdessen wird um die kleine Wohnung ein komplexes Handlungsgestrüpp gewebt, das Heldin wie Zuschauer durch eine Achterbahn des Grauens jagt. Somit wären wir auch schon bei der geheimen Quintessenz von 1BR. Filmemacher DAVID MARMOR hat sich nämlich einen Twist ausgedacht, auf dem sich alles aufbaut. Der wird zwar früh gelüftet, bildet aber das Fundament für eine Handlung, welche in puncto Einfallsreichtum und Spannung die letztjährigen Eigenproduktionen des Streaming-Anbieter NETFLIX mit Leichtigkeit gegen die Wand spielt.
 
 
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Regisseur DAVID MARMOR kreiert in 1BR ein schockierendes Paralleluniversum, in dessen Mittelpunkt eine scheinfriedliche Gesellschaft ihr Dasein fristet, die nur durch Angst und Terror zusammengehalten wird. Dabei lassen sich Parallelen zum aktuellen politischen Weltgeschehen nicht von der Hand weisen. Dennoch hatte der Regie-Newcomer mit seinem Film in erster Linie anderes im Sinn. Wie die Hauptprotagonistin im 1BR kam Marmor mit jungen Jahren vom Land in die Stadt. Eine befremdliche Angelegenheit für den damals Anfang Zwanzigjährigen, der sich in der riesigen Großstadt alleingelassen fühlte. Die beinahe schon surreal anmutende Anonymität ängstigte und machte dem Neuhinzugezogenen zu schaffen. Just in diesem Moment entstand die Idee zu 1BR. Im ersten Entwurf stellte sich der Filmemacher die Frage, was die vielen freundlichen aber dennoch fremden Nachbarn seines Apartmentkomplexes hinter verschlossenen Türen veranstalten könnten. Gleichzeitig hörte Marmor von utopischen Gemeinschaften und Randreligionen, die sich seit Jahren in L.A. im Untergrund entwickeln. Ein Cocktail interessanter Ansatzpunkte, der letztendlich zu einem pulstreibenden Filmerlebnis führt.
 
 
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Mehr über 1BR zu verraten wäre unfair jedem Zuschauer zugegen. Dieser sollte am besten so wenig wie möglich über 1BR lesen, um maximale Schockintensität genießen zu können. 1BR ist Nervenkitzelfutter, das unaufgeregt beginnt und den Zuschauer ganz plötzlich in tiefe Abgründe zieht. Statt physischer Gewalt kriecht psychologischer Horror über die Mattscheibe. Weil sich die Handlung nicht leicht durchschauen lässt, gehört dieser Psychothriller zum wohl spannendsten, was das Horrorgenre derzeit zu bieten hat. Wer daher mit Kopf-Horror schlaflose Nächte durchlebt, sollte diese Wohnungsbesichtigung mit Vorsicht genießen. Was sich dort hinter verschlossenen Haustüren abspielt, lässt nicht nur fassungslos vor der Glotze zurück, sondern dürfte zartbesaiteten Zuschauern so einige Albträume bescheren.
 
 


 
 
 

1BR – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Sauspannend, schockierend und unangenehm. 1BR ist so ein Kandidat, der in der beliebten Film-Reihe KINO KONTROVERS gut aufgehoben wäre. Mit seiner gesellschaftskritischen Botschaft eckt der Film nämlich nicht nur an, sondern zeichnet sich auch gleichzeitig durch genug Originalität aus, um bis zum Ende vor der Glotze bibbern zu lassen. Die Hintergründe sind nicht so schnell zu entziffern. Regisseur DAVID MARMOR spickt seine Handlung mit vielen Wendungen, damit der Spannungsbogen gehalten werden kann. Der zieht sich wie ein roter Faden durch den Streifen und schockt am Ende mit einer unbequemen Auflösung. Da mag man es gar nicht glauben wollen, dass 1BR auf das Konto eines Newcomers geht. Grünschnabel DAVID MARMOR hat sich nicht nur den Plot ausgedacht, sondern auch gleich auf dem Regiestuhl platzgenommen. Dass der damit direkt ins Schwarze trifft, ist beachtlich. Das Drehbuch ist für doppeldeutigen Horror bemerkenswert und auch auf technischer Ebene kann sich mancher Filmemacher Hollywoods eine Scheibe abschneiden. Mit derart Voraussetzungen darf man gespannt auf das sein, was Marmor in Zukunft auf die Leinwand bringen wird. Talentfreiheit kann man diesem ambitionierten Neuling zweifelsohne nicht unterstellen. Klasse!
 
 
 


 
 
 

1BR – Zensur

 
 
 
1BR setzt in erster Linie auf psychologischen Horror. Gewalt gibt es daher nur wenig zu sehen. Zwei Nägel werden in Hände geschlagen. Die übrige Gewalt reduziert sich auf das Finale in dem eine Schusswaffe zum Einsatz kommt. Hierzulande dürfte der Psychothriller eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

1BR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Community of Fear (2012)
 
Dark Society (1989)
 
The Sacrament (2013)
 

Filmkritik: „Becoming – Das Böse in ihm“ (2020)

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BECOMING – DAS BÖSE IN IHM

(BECOMING)

Story

 
 
 

Ein Liebespaar erlebt auf einem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Kritik

 
 
 
Bereits Connie Francis trällerte es in den 1960ern. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern. Eine schmerzliche Erfahrung, mit der sich bereits unzählige Liebende konfrontiert sehen mussten. Doch woran erkennt man eigentlich, dass Herzen nicht mehr im gleichen Takt schlagen? In den meisten Fällen sind Wesensveränderungen des Partners erste Anzeichen dafür, dass die Beziehung kränkelt. Der verhält sich plötzlich unvertraut und tut Dinge, die das Gegenüber verunsichert. Da werden verständlicherweise Ängste aktiviert, die sich zum blanken Horror entwickeln können. Stoff, der sich auch gut als Horrorfilm erzählen lässt – wie der Mysterystreifen BECOMING beweist. Hier werden Verlustängste zweckentfremdet, um 90 Minuten Gruselstimmung zu erzeugen. Das Resultat ist zwar nicht sonderlich herausragend, jedoch wie in diesem Gruselfilm aber Schauer heraufbeschworen wird, ist ganz interessant.
 
 
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Mein Partner, das unbekannte Wesen: BECOMING – DAS BÖSE IN IHM erzählt die Geschichte von Lisa und Alex. Die sind bereits seit drei Jahren verlobt und wollen nun Nägel mit Köpfen machen. Ein eigenes Heim soll es werden. Aber zuvor sollen sich Lisas Eltern ein Bild vom Schwiegersohn in Spe machen. Deshalb tritt man eine beschwerliche Reise an. Die Eltern wohnen leider nicht um die Ecke, sondern am anderen Ende Amerikas. Daher steigt man ins Auto und düst los. Unterwegs macht man Halt bei Alex‘ altem Kumpel Glen. Der verhält sich äußerst komisch und bereitet der sonst so toughen Lisa ganz schön Angst. Die ist auch berechtigt, denn das Grauen wird bald ein ständiger Begleiter der beiden Reisenden sein. Alex verändert sich nämlich von Tag zu Tag. Erst sind es Eigenarten. Später Gerüche. Als ihn seine Verlobte kaum noch wiedererkennt, offenbart sich ein düsteres Geheimnis.
 
 
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Der deutsche Titelzusatz verrät wieder zu viel. Der lässt darauf schließen, dass in Protagonist Alex boshafte Mächte schlummern. Ein Thema, für das sich Regisseur OMAR NAIM ziemlich viel Zeit nimmt. Nach einem schockintensiven Prolog werden die beiden Helden fokussiert. Die lernt der Zuschauer während eines Road-Trips gut kennen, was angesichts der späteren Handlung von großer Bedeutung sein wird. BECOMING geht alles langsam an und schwört Unheil mit Bedacht herauf. Dabei rückt schnell Detektivarbeit in den Vordergrund, die von Heldin Lisa aufgenommen wird. Die will freilich wissen, was es mit der Veränderung ihres Freundes auf sich hat und zieht bald Parallelen zu anderen Frauen, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Gründliche Analysen, die nach und nach offenbaren, was da von Alex Besitz ergriffen hat. Leider ist die Antwort darauf alles andere – nur nicht erlösend.
 
 
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BECOMING ist ein Mystery-Horror mit langsamen Aufbau, der vor allem von der Tatsache lebt, wie sich das Vertraute plötzlich so unvertraut anfühlen kann. Warum verändert sich Protagonist Alex zu unvorhersehbar. Ist er psychisch krank? Hat er sein Herz bereits an eine andere Frau neu vergeben? Oder haben wir es hier mit Dämonen, Geistern oder anderem paranormalen Wesen zu tun, die es mal wieder nicht gut mit der Menschheit meinen? Regisseur OMAR NAIM lässt sich für Antworten lange Zeit. Ein immer wiederholender, bedrohlicher Score lässt aber schon früh erahnen, dass Unheil bevorsteht wird, mit dem nicht zu spaßen sein wird. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch, wenn BECOMING – DAS BÖSE IN IHM thematisch gesehen recht unverbraucht erscheint, macht vieles nicht unbedingt Sinn. Zusammenhänge wirken willkürlich und nicht immer sind Handlungsverläufe nachvollziehbar. Zudem zieht sich der Film teilweise und hat kaum Höhepunkte zu bieten. Richtig spannend wird es nur zu Beginn und am Ende. Letzteres hagelt dafür unvorbereitet und heftig auf den Zuschauer ein. Die guten schauspielerischen Leistungen tragen einen großen Teil hierfür bei.
 
 


 
 
 

BECOMING – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Low-Budget-Horror mit hervorragenden Schauspielern und einer guten Filmidee, die im Zuge der ständig wiederholenden Horrorfilmstoffe ganz unverbraucht erscheint. Leider ist BECOMING – DAS BÖSE IN IHM recht zäh und dürfte die meisten Filmfans schnell langweilen. Der Grund: Drehbuchautor und Regisseur OMAR NAIM meint es zu gut mit der Figurenentwicklung und lässt sich zu viel Zeit mit der Vorstellung seiner beiden Helden. Spannungsdurststrecken sind die Folge. Erst in der letzten halben Stunde wird es für Horrorfilmfans interessant. Ob das aber die meisten Zuschauer überhaupt erreicht, dürfte wegen fehlender Höhepunkte fraglich sein.

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Zensur

 
 
 
BECOMING – DAS BÖSE IN IHM hat wenige Gewaltmomente zu bieten. Gleich zu Beginn steckt sich eine Filmfigur eine Waffe in den Mund und drückt ab. Ein Kindsmord passiert im Off. Später wird ein Mann zusammengeschlagen. Weiterhin gibt es Verletzungen und Morde durch Schusswaffen und Messer zu sehen. Hierzulande ist der Film bereits für Sechsehnjährige geeignet. Wer hartes Gemetzel erwartet, wird enttäuscht werden. Brutal ist der Mysterythriller BECOMING leider nicht.
 
 
 


 
 
 

BECOMING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film | Leonine (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becoming; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Grusel, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.00:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: 99 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Trailer-Show

Veröffentlichung: KeepCase: 10.04.2020

 
 

Becoming [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

BECOMING – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei UNIVERSUM FILM | LEONINE)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Wir (2019)
 
Devil Inside (2012)
 
Dämon – Trau keiner Seele (1998)
 
The Demon Hunter (2016)
 

Filmkritik: „The Assent“ (2019)

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THE ASSENT

Story

 
 
 

Ein schizophrener Vater macht sich Sorgen um das eigene Kind, als das plötzlich auch Wesensveränderungen an den Tag legt. Hat es die furchtbare Krankheit vom Vormund geerbt? Eine Frage mit der THE ASSENT versucht den Zuschauer zu verwirren.

 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Kritik

 
 
 
Die wohl wichtigste Regel im Horrorfilmgeschäft: Wenn Dein Film nicht sonderlich dolle ist, schneid einen guten Trailer zusammen und liefer ein vielversprechendes Filmplakat ab. So ist die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss und die Filmfans kaufen blind. Genau diese Masche fährt auch Regisseur PEARRY REGINALD TEO mit dem Okkult-Horror THE ASSENT. Das Poster schaut Bombe aus und der Werbefilm macht Lust auf mehr. Die Einsicht kommt nach der Sichtung. THE ASSENT ist einer dieser Low-Budget-Grusler die man früher ohne Umwege in die Videotheken gestellt hat. Die liefen zwei bis drei Wochen gut und wanderten anschließend in die unteren Regale, um dort zu verstauben. Kaum Neuerungen. Stattdessen altbekannte Abläufe und Überraschungsarmut. Muss das denn sein?
 
 
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THE ASSENT rückt den alleinstehenden Vater Joel (Hollywood-Schauspieler ROBERT KAZINSKY) in den Mittelpunkt. Der hat kein einfaches Los gezogen. Seit die Gattin bei einem Autounfall gestorben ist, muss er sich um Sohnemann Mason (CADEN DRAGOMER) kümmern und versucht mit Nebenjobs den Lebensunterhalt zu bestreiten, um nicht das Sorgerecht zu verlieren. Kein leichtes Unterfangen, zumal das Familienoberhaupt auch noch unter Schizophrenie leidet und ständig seltsame Dinge sieht. Da kündigt aus heiterem Himmel die Babysitterin und das geregelte Leben gerät aus den Fugen. Wer passt nun auf das Kind auf, während der Vater das Geld verdient? Eine Frage, die auf einmal in Angst umschlägt. Mason beginnt sich plötzlich zu verändern und erblickt wie der Vater Dinge, die sonst niemand sieht. Entwickelt der Spross etwa die gleichen Symptome wie der Papa? Gut, dass sich der Sache ein Priester annimmt. Der hat von der Wesensveränderung des Jungen gehört und vermutet dämonische Kräfte. Schnell wird ein Exorzismus vorbereitet, um den Eindringling zu vertreiben. Ob am Ende alles gut ausgehen wird?
 
 
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THE ASSENT wurde als gruseligster Film auf dem Toronto After Dark Filmfestival 2019 beworben. Das stimmt aber nur bedingt. Was sofort ins Auge fällt und die Tatsache bekräftigt, ist der düstere Look. Atmosphärisch kann man diesem Gruselstreifen nicht abstreiten, dass es ihm hin und wieder gelingt, mit gespenstigen Bildern und surrealen Kameraeinstellungen eine schaurige Stimmung zu erzeugen. Inhaltlich ist das, was THE ASSENT aber bietet Schnee von gestern. Drehbuchautor und Regisseur PEARRY REGINALD TEO bedient sich ganz unverfroren bei Friedkins DER EXORZIST, ohne aber je dessen Klasse zu erreichen. Wir haben ein Kind, das von dämonischen Kräften heimgesucht wird und drei Stufen durchlebt, die einen Exorzismus unausweichlich machen. Damit die Plattheit der Handlung nicht ganz so offensichtlich ist, wird von Verwirrungstaktik Gebrauch gemacht. Sind die Wesensveränderungen auf eine psychische Krankheit zurückzuführen, an der bereits Vater Joel leidet und welche er seinem Sohnemann weitervererbt hat? Oder hat die Verwandlung übernatürliche Gründe und gehen auf das Konto des Teufels? Der Täuschungsversuch steuert einen Twist an. Der kommt vor Abspann ganz überraschend und klärt den Zuschauer hinterlistig auf, dass der sich gutgläubig an der Nase hat herumführen lassen. Aufgrund der unvorhersehbaren Auflösung bekommt THE ASSENT gerade noch so die Kurve. Hätte man auf den Überraschungsmoment verzichtet, wäre dieser Okkult-Horror auch nur einer von mittlerweile viel zu vielen.
 
 
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THE ASSENT – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Familiendrama meets Dämonen-Horror. Atmosphärischer Exorzismus-Horror mit verblüffender Auflösung für den Regisseur PEARRY REGINALD TEO verantwortlich zeichnet. Der hat schon einige Billig-Horrorsachen – wie DEAD INSIDE oder GHOSTHUNTERS – verbrochen. Das waren arschlangweilige und günstig produzierte Gurken über die zurecht heute niemand mehr spricht. THE ASSENT ist die bis dato beste Arbeit des Filmemachers, wenngleich aber auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Besessenheit-Genres. Alles verläuft hier nach den Regeln, die einst William Friedkin mit seinem DER EXORZIST im Jahr 1973 für Horrorfilme aufgestellt hat, in denen Menschen von Priestern exorziert werden müssen. Während dieses scheinbar zeitlose Meisterwerk auch heute noch unverfroren schockiert und das Publikum aus den Kinosesseln reißt, gelingt das vielen neueren und ähnlich gelagerten Produktionen nur selten. Gleiches trifft auf THE ASSENT zu, der vermutlich deswegen kaum gruselt, weil er eben fast die gleichen Handlungsabläufe abspult, die man seit genannten Klassiker zu häufig vor der Linse hatte. Immerhin gefällt ein Twist am Ende des Films. Dennoch ist THE ASSENT nichts mehr als Video-Dutzendware, die mittlerweile am Fließband produziert wird. Kann man schauen, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch passiert in THE ASSENT eigentlich nicht viel. Etwas Gruselige Stummung und ein paar verstörende Visionen dürften dafür sorgen, dass der Exorzismus-Horror hierzulande eine sichere FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Eagle Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 

Filmkritik: „The Dawn“ (2019)

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THE DAWN

Story

 
 
 

Eine junge Nonne wird in einem Kloster mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

THE DAWN – Kritik

 
 
 
Manchmal ist die bisherige Leistung eines Filmschaffenden Warnung genug. Regisseur BRANDON SLAGLE begann seine Laufbahn im Filmgeschäft als Schauspieler in zahlreichen Spielfilmen und TV-Serien. Irgendwann wechselte er die Fronten und wurde hauptberuflich Regisseur von teils selbstfinanzierten Low-Budget-Produktionen. Obwohl Slagle bisher mit kleinem Geld fleißig Filme am Fließband inszeniert hat, blieb die Anerkennung aus. Ein Grund hierfür könnte mangelte Qualität sein. Hat man nämlich Horrorstreifen mit klangvollen Titelkreationen wie THE BLACK DAHLIA HAUNTING oder HOUSE OF MANSON gesehen, ist schnell der Spaß vorbei, wenn man den Namen BRANDON SLAGLE im Abspann liest. Dem Filmemacher fehlt das Talent im Schreiben von Drehbüchern und dem Inszenieren von Filmen. Fast alle Filme aus der Mache des Regisseurs waren unterdurchschnittlich. Eine Tatsache mit der auch THE DAWN den Zuschauer quält.
 
 
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Darin geht es um die kleine Rose, die irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ansehen muss, wie der Vater im Wahn die Familie abschlachtete. Der kam traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurück und wurde von mysteriösen Stimmen heimgesucht, die zum Massaker an Frau und Kindern anstifteten. Nur Rose überlebte das Verbrechen und wird als Vollwaise in ein Kloster geschickt. Einige Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine junge Frau geworden. Die soll endlich das letzte Gelübde ablegen, um offiziell Nonne zu werden. Doch Selbstzweifel und Ressentiments gegenüber ihrem Vater veranlassen zum Zögern. Da passieren auf einmal seltsame Dinge. Rose wird von schrecklichen Visionen geplagt und macht plötzlich ebenfalls Bekanntschaft mit den gleichen Stimmen, die einst den Vater um den Verstand gebracht haben. Ein Schelm, wer hierbei denkt, dass sich die Ereignisse von damals ein weiteres Mal ereignen werden.
 
 
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THE DAWN ist so etwas, das man eine ästhetische Mogelpackung nennt. Set und Kamerafahrten sind ganz atmosphärisch. Doch innerhalb glanzvoller Optik befindet sich gähnende Langeweile. Regisseur BRANDON SLAGLE wagt mit diesem Okkult-Schnarcher einen Ausflug in Exorzisten-Fach und bedient sich dabei jedem Klischee dieses Subgenres. Eine Frau macht vermeintlich übernatürliche Erfahrungen und muss sich dafür im finalen Akt einer Teufelsaustreibung unterziehen – mit allem Drum und Dran. Bis dahin sollen zusammenhangslose Visionen für Verwirrung stiften und den Zuschauer auf eine falsche Fährte locken. Wird Rose etwa von unverarbeiteten Erinnerungen aus der Kindheit geplagt, die ihr Kopfkino anwerfen und den Albtraum von einst noch einmal ablaufen lassen? Oder ist die Heldin doch von bösen Mächten besessen, die zu schrecklichen Taten verleiten? Ja, ja – die Antwort darauf spannt vermutlich einige Leser hier auf die Folter. Wir können aber schon einmal versichern, dass Regisseur BRANDON SLAGLE den Weg des geringsten Widerstandes geht. Das bedeutet: Einfach gestrickte Kinounterhaltung ohne Umwege.
 
 
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Weitaus schlimmer als die totgefilmte und vorhersehbare Handlung ist die Talentlosigkeit der meisten Schauspieler. Was hier an desaströsem Laientheater zugemutet wird, geht auf keine Kuhhaut. Offenbar hat man ein paar Statisten vom Supermarkt auf das Set gekarrt, ein Blatt Papier in die Hand gedrückt, auf dem einige Zeilen standen, die abgelesen werden sollten. Einzig Hauptdarstellerin DEVANNY PINN (aus SATANIC) ist ganz ertragbar. Die spielte bisher in einige Filme von Regisseur BRANDON SLAGLE mit. Offenbar war die Rolle in THE DAWN für sie ein Freundschaftsdienst. Am gut durchdachten Drehbuch (*hust*) kann es nicht gelegen haben.
 
 
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THE DAWN – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Fängt an wie THE AMITYVILLE HORROR und endet wie DER EXORZIST. THE DAWN ist ein behäbig erzählter Gruselfilm, mit langsamen Kamerafahrten und schläfrig machendem Drehbuch. Die unnötig aufgeblasenen Dialoge strengen an, Laienschauspiel strapaziert die Geduld und der übertrieben epische Soundtrack passt zwar zur immerhin atmosphärischen Kulisse, mutet aber aufgrund der semiprofessionellen Inszenierung lächerlich an. Wirklich spannend wird THE DAWN zu keiner Minute. Die Geschichte dümpelt auf der Stelle und kommt nicht in die Pötte. Nee, langweilige Filme braucht niemand. Daher an dieser Stelle auch keine positive Bewertung.
 
 
 


 
 
 

THE DAWN – Zensur

 
 
 
THE DAWN ist ein harmloser Vertreter des Exorzismus-Horrors. Gleich zu Beginn schlägt ein Protagonist mehrfach mit einer Waffe auf sein Opfer ein. Der Angriff wird nicht detailliert gezeigt, sondern nur angedeutet. Später sticht eine andere Protagonistin mehrfach mit einem spitzen Gegenstand auf einen Beichtvater ein. Auch dort sieht man nicht sonderlich viel. Hierzulande dürfte THE DAWN problemlos eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE DAWN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Vertical Entertainment | Kaleidoscope Film Distribution | Jaguar Cinema)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Verónica – Spiel mit dem Teufel (2017)
 
The Crucifixion (2017)
 
The Convent (2018)
 

Filmkritik: „Düstere Legenden“ (1998)

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DÜSTERE LEGENDEN

(URBAN LEGEND)

Story

 
 
 
Auf der Privat-Uni Pendleton, im Bostoner Umland, fällt der cleveren Studentin Natalie (Alicia Witt) auf, dass zwischen einer Serie kruder Morde und dem in dieser Gegend doch erstaunlich allgegenwärtigen Klatsch über „urban legends“ eine Verbindung bestehen muss. Gerade auch, da das College Pendleton selbst eine Generation zuvor zum tragischen Ort einer zur lokalen Folklore mutierten Amoktat geworden ist. Damals tötet ein Professor fünf seiner Studenten.

 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Kritik

 
 
Klingt mal wieder, als wär’s schon hundert Jahre her. Die späten 1990er sind eine unschuldige Zeit fürs Unterhaltungskino und somit auch für den Horror, unsere Leib- und Magen-Umdreh-Filme also. Mehr oder weniger. Natürlich erreicht der Atem von Wes Cravens SCREAM (1996), ein Atem der Ironisierung und im Kern Verachtung des Horror-Genres auch einen im Anschluss entstandenen Film wie DÜSTERE LEGENDEN – bedeckt aber zum Glück nicht den ganzen Film mit jenem ätzenden Mehltau der Herablassung. Mit der Besetzung etwa von Freddy Krueger höchstselbst als undurchsichtiger Professor Wexler beweist man ein gewisses liebevolles Traditionsbewusstsein – und Brad Dourif geht sowieso immer. Was DÜSTERE LEGENDEN trotzdem in den Kanon der selbst- und geschichtsbewussten Horrorfilme seiner Entstehungszeit einreiht, ist die kunstvolle Verschachtelung der Handlung. Die Universitätsvorlesung über die „urban legends“ bildet eine Ebene der Filmerzählung, die Mordserie in Natalies College-Umfeld ist die zweite und bezieht sich auf eben jene urbanen Legenden des Hörsaals. Wenn in den Gesprächen der Protagonisten oder auch aus dem Radio über weitere lokale Schauergeschichten geredet wird, berührt der Film schon die kunstvoll installierte Meta-Ebene, die etwa der Film-im-Film „Stab“ bei SCREAM darstellt.
 
 
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Gedreht wird DÜSTERE LEGENDEN in Toronto. Die große Zeit der im Vergleich zu Los Angeles steuergünstigen Filmstadt in Kanada nimmt ihren Lauf und hält noch immer an. Das angenehm nicht-kalifornische Setting soll eine Unistadt im tiefsten Lovecraft-Country, dem lauschigen Neu-England sein. Da wirken die schnieken Studentenschönlinge gleich noch exotischer. Apropos: Alicia Witts „girl next door“-Attraktivität ist beinahe unzeitgemäß, tatsächlich bedienen heute, in der Gegenwart, zum Sex-Symbol gehypte Schauspielerinnen wie Jessica Chastain eine ähnliche Ästhetik.
 
 
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Was die Morde angeht, beruft man sich auf den blutrünstigen Detail- und Ideenreichtum des Slasher-Kinos der 1980er, dessen Freude am gnadenlos präsentierten Entleiben unschuldiger Dummköpfe und leichtlebiger College-Mäuschen wiederum dem italienischen Giallo-Kino entliehen ist. Da liegt auch traditionell der Fokus eher auf den Morden und nicht unbedingt der Handlung. Ohne Mario Bava kein John Carpenter und kein ironisch-revisionistisch aufgezogenes Slasher-Revival der späten 1990er. Selbst wenn letztgenannte das gar nicht so sehr als Fan-Service begriffen haben, wie man heute denken könnte. Auch Jungregisseur Jamie Blanks kennt seine Vorbilder auch und bewirbt sich ein Jahr vor DÜSTERE LEGENDEN bei den Produzenten, indem er ihnen einen Kurzfilm zukommen lässt. Eigentlich möchte er für sie den geplanten ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST drehen, kommt aber ein wenig zu. Unschuldig auch die hilflose Umtitelung des Films. Den Begriff der „urban legend“ hat die deutschsprachige Öffentlichkeit noch nicht im Köcher und so wird das allgemeingültige Adjektiv düster bemüht. Auch bei den – natürlich sukzessive weniger guten – Fortsetzungen bleibt der deutsche Verleih dabei.
 
 
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DÜSTERE LEGENDEN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Über zwanzig Jährchen und schon zwickt die Nostalgie. DÜSTERE LEGENDEN ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des Horrorgenres zum Ende der VHS-Ära. Geschult in Genre-Historie und Konventionen. Selbstbewusst und nicht ganz so vor Selbstekel strotzend wie SCREAM und doch ironisch, gleichzeitig packend genug, um auch heute noch zwei unterhaltsame Stunden zu bieten. Mit Gesichtern, die man heute noch kennt.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Zensur

 
 
 
DÜSTERE LEGENDEN ritt in den 1990ern auf der wieder auflebenden Teen-Slasher-Welle mit und richtete sich an ein jüngeres Kinopublikum. Dementsprechend züchtig sind auch die Morde ausgefallen. Hierzulande wurde der Streifen bereits für Sechsehnjährige freigegeben. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Urban Legend; USA 1998

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch Dolby TrueHD 5.1, Englisch Dolby TrueHD 5.1, Spanisch Dolby TrueHD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Regiekommentar, Making Of „Düstere Legenden“, Trailer, BD Live

Release-Termin: 07.08.2008

 

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DÜSTERE LEGENDEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Anatomie (2000)
 
Düstere Legenden 2 (2000)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)